Baum

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Einführung in die Informatik –
Algorithmen und Datenstrukturen
Thema 16 – Datenstruktur Baum
Baumstrukturen
Bäume gehören zu den dynamischen Datenstrukturen. Sie
entstehen, wenn ein Knoten mehrere Nachfolger hat. Danach ist
ein allgemeiner Baum eine Struktur mit endlich vielen Knoten,
wobei der erste Knoten keinen Vorgänger hat. Jeder andere
Knoten hat genau einen Vorgänger und beliebig viele Nachfolger.
Ist die Anzahl der Nachfolger auf zwei beschränkt, so heißt der
Baum binär.
Ein Baum wird als geordnet bezeichnet, wenn unter den
Nachfolgern eines Knotens eine Anordnung definiert ist.
Die Ordnung eines Baumes gibt an, wie viele Nachfolger ein
Knoten maximal haben kann (Rang).
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Baumstrukturen
Die programmtechnische Realisierung kann durch Arrays oder durch Zeiger
erfolgen.
Bei der Array-Realisierung werden die Knoten eines Baumes als Elemente
eines Arrays vereinbart. Beispiel: Huffmann-Codierung
Bei der Zeiger-Realisierung wird die Beziehung zwischen einem Knoten und
seinen Nachfolgern über Zeiger hergestellt:
Beispiel:
public class Element
{
protected Element links;
protected Element rechts;
protected Inhalt container;
public Element()
{
container = new Inhalt();
links = null;
rechts = null;
}
}
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Definition Baumstrukturen
Ein Baum kann als eine nicht leere Menge von Knoten und
Kanten definiert werden, die gewissen Forderungen genügt.
Ein Knoten ist dabei ein einfaches Objekt, welches verschiedene
Informationen tragen kann.
Eine Kante ist die Verbindung zwischen zwei Knoten.
Als Pfad in einem Baum wird eine Liste aufeinander folgender
Knoten bezeichnet, die im Baum durch Kanten verbunden sind.
Der erste Knoten wird als Wurzel bezeichnet.
Eine Grundvoraussetzung dafür, dass eine Datenstruktur als Baum
bezeichnet wird, ist, dass von der Wurzel zu jedem beliebigen
Knoten genau ein Pfad besteht. Sind mehr als ein Pfad möglich,
so wird die Datenstruktur als allgemeiner Graph bezeichnet.
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Datenstruktur - Baum
(W urzel)
(Kante)
( Pfad K11 - K32 )
(innerer Knoten)
(Blatt)
(äußerer Knoten)
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Datenstruktur Baum - Grundbegriffe
Jeder Knoten besitzt genau einen Knoten, der sich unmittelbar
über ihm befindet und der als sein Vorgänger (parent)
bezeichnet wird.
Die Knoten, die unmittelbar auf einen Knoten folgen, werden als
direkte Nachfolger (children) bezeichnet.
Als Geschwister werden die Knoten bezeichnet, die den
gleichen direkten Vorgänger haben.
Knoten ohne Nachfolger werden auch Blätter oder Endknoten
genannt.
Jeder Knoten ist die Wurzel eines Unterbaumes, welcher aus
dem Knoten selbst (Wurzel) und seinen Nachfolgern besteht.
Eine Menge von Bäumen wird als Wald bezeichnet.
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Datenstruktur Baum - Grundbegriffe
Es besteht die Möglichkeit, die Knoten eines Baumes in Ebenen
(Stufen) einzuteilen. Die Ebene eines Knotens ist die Anzahl der
Knoten auf dem Pfad von ihm zur Wurzel (ohne ihn selbst). Die
Summe der Ebenen aller Knoten des Baumes wird als
Pfadlänge eines Baumes bezeichnet.
Muss jeder Knoten eine bestimmte Anzahl direkter Nachfolger
haben, für die eine bestimmte Reihenfolge festgelegt ist, so wird
der Baum als n-ärer Baum bezeichnet. Der einfachste Typ
eines n-ären Baumes ist der binäre Baum.
Ein Baum heißt vollständig, wenn er auf jedem Niveau die
maximal mögliche Knotenzahl hat und sämtliche Blätter die
gleiche Tiefe haben.
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Spezifikation des ADT Baum
Die Beschreibung des ADT Baum erfolgt exakt über Import,
Export, Wertebereich und Operationen.
Import:
Typen:
TInhalt (als Inhaltstyp der Elemente)
Export:
Typen:
TBaum
TKante: links, rechts, oben (Aufzählungstyp)
Wertebereich:
Die Elemente der Datenstruktur sind hierarchisch angeordnet,
d.h. jedes Element außer dem ersten (der Wurzel) hat einen
direkten Vorgänger. Jedes Element hat null bis zwei direkte
Nachfolger. Die Anzahl der Elemente ist durch den zur Laufzeit
verfügbaren Speicherplatz begrenzt. Die Elemente enthalten den
importierten Inhaltstyp.
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Datenstruktur binärer Baum
Danach hat ein binärer Baum folgende Merkmale:
• Er besteht aus äußeren und inneren Knoten.
• Innere Knoten haben genau zwei direkte Nachfolger (linker
und rechter).
• Äußere Knoten haben keine Nachfolger.
• Er ist ein geordneter Baum.
Für einen Knoten p gilt: Die Schlüssel im linken Teilbaum von
p sind sämtlich kleiner als der Schlüssel von p und dieser ist
kleiner als sämtliche Schlüssel im rechten Teilbaum von p.
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Datenstruktur binärer Baum
Ein binärer Baum ist leer, wenn er nur aus einem äußeren
Knoten besteht. Er wird als voller binärer Baum
bezeichnet, wenn jede Ebene vollständig mit inneren Knoten
aufgefüllt ist.
Eine binäre Baumstruktur ist immer rekursiv und
geordnet.
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Datenstruktur binärer Baum
„Ein binärer Baum besteht aus einem Element (der
Wurzel) und aus zwei binären Bäumen (dem linken und
dem rechten Teilbaum), oder es ist der leere binäre
Baum. Ein binärer Baum besteht aus endlich vielen
Elementen.“
Definition des binären Baumes über Rekursion.
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Datenstruktur binärer Baum
Wurzel
W
L
linker Nachfolger
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R
rechter Nachfolger
Datenstruktur binärer Baum
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Baum erzeugen
Erzeugen:
Methode
vor
nach
Erzeuge (TBaum [aus], TInhalt[ein])
Es existiert ein Baum (als Ausgangsparameter) mit
der Wurzel TInhalt und zwei leeren Teilbäumen.
/**
* Methode initBaum
* Initialisieren der Datenstruktur Baum
*/
public void initBaum()
{
aktuell = null;
wurzel = null;
}
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Einketten eines Elementes
Hänge an:
Methode
vor
nach
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HaengeAn (TBaum [ein/aus], TKante[ein],
TBaum[ein])
Der Baum im ersten Parameter ist nicht leer und
nicht voll.
Der Baum im ersten Parameter enthält den Baum
im zweiten Parameter als linken oder rechten
Teilbaum, je nach dem Parameter TKante.
(TKante=oben ist ohne Bedeutung)
Erzeugen eines binären Baumes
Erzeugen eines binären Baumes und Einfügen von
Elementen
1. Erzeugen und Initialisieren eines neuen Objektes
2. Test, ob Element erstes Element des Baumes ist (wurzel =
null), wenn ja, dann für das erste Element die Wurzel des
Baumes auf Adresse des Elementes setzen
3. Einordnen des neuen Elementes in die Baumstruktur nach
einer vorgegebenen Relation, indem solange in der
Baumstruktur verzweigt wird, bis entsprechend der Relation
der Eintrag für die Nachfolgerkomponente null ist
4. Herstellen der Verkettung, indem der entsprechende Eintrag
der Vorgängerkomponente auf die aktuelle Adresse gesetzt
wird
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Inhalt eines Knotens ausgeben
Inhalt holen:
Methode Lies (TBaum [ein], TInhalt[aus])
vor
TBaum ist nicht leer.
nach
Im zweiten Parameter wird der Inhalt der Wurzel
des Baumes TBaum zurückgegeben.
/**
* Methode ausgabeElement
* Ausgeben des Inhaltes eines Baumobjektes
*/
public void ausgabeElement()
{
if (aktuell != null)
aktuell.container.ausgabe();
}
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Ändern des Inhaltes eines Knotens
Ändern:
Methode
vor
nach
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Aendere (TBaum [ein/aus], TInhalt[ein])
TBaum ist nicht leer.
Der Inhalt der Wurzel von TBaum ist mit dem
Inhalt TInhalt überschrieben.
Löschen eines teilbaumes
(Teil-)Baum löschen:
Methode
vor
nach
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loesche (TBaum [ein/aus])
TBaum ist nicht leer.
Der Baum TBaum (evtl. auch als Teilbaum) ist leer
Test ob Baum leer
Ist Baum leer?:
Methode Leer (TBaum [ein]):boolean
vor
TBaum existiert.
nach
Falls der Baum TBaum leer ist, wird als
Funktionsergebnis True zurückgegeben, ansonsten
False.
/**
* Methode baumLeer
* gibt true zurueck, wenn der Baum leer ist
*/
public boolean baumLeer()
{
if (wurzel==null)
return(true);
else
return(false);
}
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Test ob Baum voll
Ist Baum voll?:
Methode
vor
nach
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Voll :boolean
Falls im Speicher kein Platz mehr für einen neuen
Baum (mit zwei leeren Teilbäumen) ist, wird als
Funktionsergebnis True zurückgegeben,
ansonsten False.
Löschen in einem binären Baum
Der zu löschende Knoten ist ein Endknoten.
Der auf den Knoten weisende Zeiger wird auf null gesetzt und der
Speicherplatz wird freigegeben.
Der Knoten hat nur einen Nachfolger.
Die Adresse des zu löschenden Elementes in seinem Vorgänger wird
durch die Adresse des Nachfolgers aktualisiert. Das Element wird
gelöscht.
Der Knoten hat zwei Nachfolger.
Das in der Prozedur LOESCH verwendete Verfahren ersetzt den zu
löschenden Knoten durch seinen linken Nachfolger und fügt den
rechten Teilbaum an den am weitesten rechts stehenden Knoten an.
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Durchlaufen eines binären Baumes
Das vollständige durchlaufen aller Knoten eines binären
Baumes ist notwendig, wenn z.B. die Summe der Schlüssel bzw.
die Anzahl der Knoten usw. ermittelt werden soll. Es ist
weiterhin notwendig, um die Baumstruktur vollständig in eine
andere Datenstruktur zu überführen.
Das vollständige Durchlaufen eines Baumes wird als
Traversieren bezeichnet. Es gibt 3 Grundformen:
• Hauptreihenfolge (Preorder)
• Nebenreihenfolge (Postorder)
• symmetrische Reihenfolge (Inorder)
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Durchlaufen eines binären Baumes
Durchlaufen aller Knoten eines Binärbaumes mit Wurzel p
in Hauptreihenfolge:
1. Besuche die Wurzel p;
2. durchlaufe den linken Teilbaum von p in
Hauptreihenfolge;
3. durchlaufe den rechten Teilbaum von p in
Hauptreihenfolge.
Durchlaufen aller Knoten eines Binärbaumes mit Wurzel p
in Nebenreihenfolge:
linker Teilbaum, rechter Teilbaum, Wurzel
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Durchlaufen eines binären Baumes
Durchlaufen eines binären Baumes in symmetrischer
Reihenfolge nach dem LWR-Verfahren (Traversieren)
Führe die folgenden Schritte rekursiv aus:
1. Bearbeite den Linksbaum, wenn er nicht leer ist. Breche
die Bearbeitung ab, wenn der Baum leer ist.
2. Gib den aktuellen Knoten aus.
3. Bearbeite den Rechtsbaum, wenn er nicht leer ist.
Vorteil: Die Knoten werden entsprechend der
vorgegeben Relation geordnet ausgegeben.
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Suchen in einem binären Baum
Suchen von Elementen in einen binären Baum
Führe die folgenden Schritte rekursiv aus:
1. Vergleiche den eingegebenen Wert mit dem Schlüssel der
Wurzel. Besteht Gleichheit, breche ab.
2. Ist der eingegebene Wert kleiner als der Schlüssel der Wurzel,
gehe zum linken Unterbaum. Besteht Gleichheit, breche ab.
3. Ist der eingegebene Wert größer als der Schlüssel der Wurzel,
gehe zum rechten Unterbaum. Besteht Gleichheit, breche ab.
4. Ist der aktuelle Unterbaum leer, so gibt es keinen
Schlüsselwert, der mit dem eingegebenen Wert übereinstimmt.
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Struktur eines binären Baumes
Ein binärer Baum mit N inneren Knoten hat N+1 Blätter.
Seine Höhe kann maximal N sein und muss mindestens
log2(N+1) sein.
Die Höhe des Baumes ist ein wesentliches Kriterium für die
Grundoperationen „Suchen“, „Einfügen“ und „Löschen“.
Der Aufwand zum Suchen eines Elementes kann zwischen N
und log2(N+1) liegen.
 Suchbäume sollten eine minimale Höhe haben
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Höhenbalancierte Bäume
AVL-Bäume
„Ein binärer Suchbaum ist AVL (nach Adelson,Velskij und Landis
1962) -ausgeglichen oder höhenbalanciert, wenn für jeden Knoten
des Baumes gilt, dass sich die Höhe des linken Teilbaumes von der
Höhe des rechten Teilbaumes von p höchstens um 1 unterscheidet.“
Damit wird gesichert, dass AVL-Bäume mit N inneren Knoten und
N -1 Blättern eine Höhe von O (log N) haben.
Wird ein neues Element in einen AVL-Baum eingefügt, so ist es
möglich, dass der neue Baum kein AVL-Baum mehr ist. Es muss eine
neue Höhenbalancierung ausgeführt werden.
(Möglichkeit: Umstrukturierung durch Rotation bzw.
Doppelrotation)
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Balancieren eines binären Baumes
Möglichkeit: vollständige Umstrukturierung des
Baumes
1. Überführen des Baumes in eine geordnete Liste
2. Aufbau der Baumstruktur durch Einfügen des rekursiv
jeweils mittleren Elementes in die abgeglichene
Baumstruktur
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Bruderbäume
Bruder-Bäume
Bruder-Bäume werden auch als expandierte AVL-Bäume
bezeichnet. Die Besonderheit dieser Bäume liegt darin,
dass innere Knoten auch nur einen Sohn haben
dürfen.
„Ein binärer Baum heißt Bruderbaum, wenn jeder
innere Knoten einen oder zwei Söhne hat, jeder unäre
Knoten einen binären Bruder hat und alle Blätter
dieselbe Tiefe haben.“
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Gewichtsbalancierte Bäume
Gewichtsbalancierte Bäume
Ein Baum wird als gewichtsbalanciert bezeichnet, wenn der linke und
der rechte Teilbaum von p nicht zu unterschiedliche Größe haben.
Daraus resultiert, dass sich die Anzahl der Knoten bzw. Blätter im
linken und rechten Teilbaum sich nicht zu stark unterscheiden dürfen.
Für jede Wurzel eines Teilbaumes wird das Gewicht berechnet.
Ist T ein Baum mit W(T) Blättern, dessen linker Teilbaum TL W(TL)
Blätter hat, so wird der Quotient p(T )  WW((TT )) als Wurzelbalance von T
L
bezeichnet. Für die Wurzelbalance wird eine entsprechende Grenze
festgelegt.
Gewicht: Anzahl der Blätter des Teilbaumes
31
Kontrollfragen
1.
2.
3.
4.
5.
32
Erläutern Sie die Datenstruktur Baum. Durch welche Eigenschaften
wird ein Baum zum binären Suchbaum? Wie werden binäre Bäume
erzeugt und verwaltet?
Beschreiben Sie die Vorgehensweise beim Erzeugen eines Elementes
und der Einordnung sowie beim Löschen von Elementen in einem
binären Baum.
Was versteht man unter Traversieren eines Baumes? Beschreiben Sie
ein Traversierverfahren.
Wie wird die Suche in binären Bäumen realisiert? Welche Bedeutung
hat in diesem Zusammenhang der Abgleich von Bäumen?
Wann wird ein Datenstruktur Baum als höhenbalanciert bezeichnet?
Mit welchem Ziel wird die Höhenbalancierung durchgeführt?
Beschreiben Sie ein Verfahren, mit dem ein beliebiger binärer Baum in
einen höhenbalancierten Baum überführt wird.
Literatur
/BALZERT96/
/BARNES09/
/HEROLD10/
/RATZ10/
33
Balzert, Helmut; Lehrbuch der Softwaretechnik; Spektrum
Verlag, 1996
David J. Barnes, Michael Kölling
Java lernen mit BlueJ
Pearson Studium, 2009, ISBN-13: 978-3-86894-001-5
Herold, Helmut; Lurz, Bruno; Wohlrab, Jürgen
Grundlagen der Informatik, Pearson Studium, 2007
ISBN 987-3-8273-7305-2
Ratz, Dietmar; Scheffler, Jens; Seese, Detlef; Wiesenberger, Jan;
Grundkurs Programmieren in JAVA; Carl-Hanser-Verlag,
München, Wien; 2010
ISBN 3-935042-00-0
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