Akutes Nierenversagen - Fresenius Medical Care Austria GmbH

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Akut-Therapie-Systeme
Akutes Nierenversagen
Die Behandlung des akuten Nierenversagens mit
kontinuierlichen Nierenersatzverfahren
Akutes Nierenversagen
Die Behandlung des akuten Nierenversagens mit
kontinuierlichen Nierenersatzverfahren
Prof. Dr. med. Detlef Kindgen-Milles
Klinik für Anästhesiologie
Universitätsklinikum Düsseldorf
Moorenstraße 5
D-40225 Düsseldorf
Telefon: +49 (0) 211-81-18101/2
E-Mail: [email protected]
Die mit „®“ markierten Zeichen/Namen sind in ausgewählten Ländern registrierte Marken des Fresenius Konzerns.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
4
Behandlung des ANV – kontinuierlich oder intermittierend?
5
Indikationen zur Nierenersatztherapie
8
Wirkungsprinzipien der Nierenersatzverfahren
10
Aktuell verfügbare kontinuierliche Nierenersatzverfahren
13
Hämofiltrationslösungen17
Effektivität der Blutreinigung
18
Erforderliche Intensität einer Nierenersatzbehandlung bei ANV
20
Gefäßzugang für die Nierenersatztherapie
22
Antikoagulation24
Häufiger Verschluss des extrakorporalen Kreislaufs
28
Ernährung28
Medikamentendosierung unter kontinuierlicher Nierenersatztherapie 30
Fazit
31
Glossar
32
Literatur 33
Bilanzierungs-Protokoll35
3
Einleitung
Das akute Nierenversagen (ANV) ist definiert als ein
Das isolierte ANV hat prinzipiell eine gute Prognose,
plötzlicher Verlust der in- und exkretorischen Nieren­
denn bei den überlebenden Patienten kommt es in
funk­tion, der bei Patienten auf der Intensivstation in
der Regel zu einer fast vollständigen Restitution der
der Mehrzahl der Fälle eine vom Organ Niere selbst
Nierenfunktion ohne bleibende Dialysenotwendigkeit
unabhängige Ursache hat. Der abrupte Abfall der glo-
(35). Auf der Intensivstation wird ein ANV jedoch häu-
merulären Filtrationsrate (GFR) führt zu einem Rück­
fig im Rahmen eines Multiorganversagens (MOV) be­­
gang der Urinausscheidung bis hin zur Anurie, zum
obachtet, oft als Folge einer systemischen Ent­zün­
Anstieg der renalen Retentionsparameter Harn­stoff
dungsreaktion oder Sepsis. Dieses Krankheitsbild hat
und Kreatinin, zur metabolischen Azidose, zu Elektro­
per se eine hohe Letalität und dieser Zusammen­hang
lytimbalancen (z. B. Hyperkaliämie) und anderen urä-
erklärt wahrscheinlich, warum trotz zunehmender Ver­
mischen Komplikationen, so dass bis zur prinzipiell
fügbarkeit, verbesserter Technik und frühzeitigem Ein­­
möglichen Erholung der Nierenfunktion eine überbrü-
satz von Nierenersatzverfahren die Letalität des ANV
ckende extrakorporale Blutreinigung erforderlich ist
bei diesen Patienten über die Jahre nicht abgenommen
(17).
hat und bei etwa 50 bis 80 % liegt (12,24) (Abb. 1).
Abb. 1: Letalität bei akutem
Nierenversagen.
ANV gesamt
45 %
Die Prognose von Patienten mit akutem
Nierenversagen (ANV) hängt entscheidend
von den zusätzlichen Begleiterkran­kungen
ab. Auf der Intensivstation (ICU) manifes­
(n = 748)
ANV außerhalb ICU
31 %
ANV auf ICU
71 %
(n = 495)
(n = 253)
MODS
76 %
isoliertes ANV
30 %
(n = 226)
(n = 27)
tiert sich das ANV meist im Rahmen eines
Multiorganversagens (MOV). Patienten mit
MOV haben per se eine ausgesprochen
hohe Letalität, wo­durch die insgesamt
hohe Sterblichkeit in dieser Gruppe erklärt
wird. Daten aus (34).
Die häufigsten Ursachen eines ANV auf Intensiv­sta­
Definiert man das ANV über die Notwendigkeit einer
tionen (ICU) sind schwere Schockzustände, Traumen,
Dialyse- oder Hämofiltrationsbehandlung, so liegt die
hohe Blutverluste sowie ausgedehnte operative
Inzidenz im Durchschnitt bei etwa 5 % aller intensiv-
Eingriffe, insbesondere in der Herz- und Gefäß­chirur­
medizinisch behandelten Patienten, sie kann jedoch in
gie. Auch die häufig unvermeidbare Zufuhr von nephro­
bestimmten Untergruppen, z. B. in der Trauma­tologie
toxischen Substanzen, wie z. B. Amino­glykosid­anti­
mit 31 % (70) oder in der Herzchirurgie mit bis zu 15 %
biotika (18,71) oder Röntgenkontrast­mitteln (21,26,32)
(62), deutlich höher liegen.
kann vor allem bei bereits vorgeschädigter Niere ein
ANV auslösen.
Im Folgenden wird die Behandlung des ANV mit kon­
tinuierlichen Nierenersatzverfahren (Continuous Renal
Replacement Therapy, CRRT) unter besonderer
Berücksichtigung praktischer Aspekte und häufig auftretender Probleme dargestellt.
4
Behandlung des ANV – kontinuierlich oder
intermittierend?
Eine effektive Behandlung des ANV und das Überle­
Dennoch liefert diese sehr sorgfältig durchgeführte
ben eines anurischen Patienten wurde prinzipiell erst
Metaanalyse erstmals anhand größerer Patienten­
mit der Einführung der intermittierenden Hämodialyse
zahlen deutliche Hinweise auf eine Überlegenheit der
(iHD) als dem ersten klassischen Blutreinigungs­
kontinuierlichen Nierenersatzverfahren. Unumstritten ist
verfahren möglich. Über mehrere Jahrzehnte blieb die
mittlerweile, dass CRRT auf Grund ihrer besonderen
iHD auch die einzig verfügbare Behandlungsform des
Eigenschaften vor allem bei kritisch kranken und hämo­
ANV, denn erst nach den wegweisenden Arbeiten von
dynamisch instabilen Intensivpatienten deutliche Vor­
Kramer (28–31) aus den 80er Jahren konnte das ANV
teile gegenüber der iHD aufweisen. Deshalb werden
alternativ zur iHD auch mit CRRT behandelt werden.
zumindest in Europa die CRRT mittlerweile bevorzugt
Seitdem wurde von Intensivmedizinern und Nephro­
zur Behandlung des ANV auf der Intensiv­station ein-
logen eine z. T. heftige Diskussion über die Vor- und
gesetzt (55). In den USA wird aus organisatorischen
Nachteile dieser beiden Verfahren geführt (8). Eine
Gründen trotz der inzwischen offensichtlichen Nach­
wesentliche Streitfrage war dabei, ob ein Unterschied
teile häufig noch der iHD der Vorzug gegeben (40,55).
in der Letalität der Patienten mit ANV in Abhängigkeit
Im Folgenden werden die Vor- und Nachteile von
vom Behandlungsverfahren nachweisbar sei. In meh-
CRRT und iHD bei Intensivpatienten dargestellt.
reren retrospektiven Studien fand sich tatsächlich eine
geringere Sterblichkeit bei Anwendung von CRRT
(3,39), während die einzige bisher publizierte prospek-
Hämodynamische Stabilität
tiv randomisierte Untersuchung keinen Letalitäts­unter­
schied nachweisen konnte (41). Diese Studie weist
Die ohne Zweifel erheblich größere hämodynamische
jedoch erhebliche methodische Mängel auf, da fast
Stabilität unter kontinuierlicher Nierenersatzbe­hand­
zwei Drittel der aufgenommenen Patienten nicht ran-
lung wurde in mehreren prospektiven, z. T. randomi-
domisiert wurden. Die dann letztlich doch noch ein­
sierten Studien nachgewiesen und ist ein wesentlicher
geschlossenen Patienten unterschieden sich trotz
Vorteil des Verfahrens (10,47,59). Die hämodynami­
durch­geführter Randomisierung hinsichtlich prognos-
schen Effekte einer iHD bei Intensiv­patienten wurden
tisch bedeutsamer Faktoren signifikant zu Ungunsten
exemplarisch von Schortgen et al. (57) untersucht.
der CRRT-Gruppe (höherer APACHE II Score, höherer
Während einer Dialysebehandlung kam es in den
Anteil von Patienten mit zusätzlichem Leberversagen).
Jahren 1995–97 bei 33 % aller Patien­ten mit Beginn
Auch wurden Patienten mit schwerer Hypotension –
der Behandlung und darüber hinaus bei insgesamt
die am ehesten von einem CRRT-Verfahren profitiert
68 % während der laufenden Dialyse zu behandlungs-
hätten – von vornherein ausgeschlossen.
bedürftigen Blutdruckabfällen. Durch Einführung eines
strengen Behandlungsalgorithmus wurde die Inzidenz
Eine 2002 publizierte Metaanalyse von 13 Studien mit
von initialen Blutdruckabfällen in den folgenden Jahren
insgesamt etwa 1400 Patienten zeigte eine reduzierte
zwar auf 21 % reduziert, dennoch ließen sich solche
Sterblichkeit bei Anwendung kontinuierlicher Nieren­
Er­eignisse während der Dia­lyse auch weiterhin bei
ersatzverfahren im Vergleich zur iHD, wenn Patienten
über der Hälfte der Patienten nicht vermeiden. Insge­
mit gleicher Erkrankungsschwere verglichen wurden
samt können etwa 10 % aller Patienten wegen hämo-
(24). Einschränkend muss allerdings festgestellt wer-
dynamischer Instabilität überhaupt nicht intermittierend
den, dass die Mehrzahl der analysierten Studien nicht
dialysiert werden und etwa 8–10 % aller iHD-Behand­
prospektiv randomisiert durchgeführt wurde.
lungen müssen aus diesem Grund vorzeitig beendet
werden, so dass die verschriebene Dialysedosis nicht
appliziert werden kann (47).
5
Davenport et al. (10) behandelten 32 Patienten mit
Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt
akutem Leber- und Nierenversagen mit CRRT und
iHD. Während der 4-stündigen iHD kam es zu einem
Kontinuierliche Nierenersatzverfahren erlauben durch
signifikanten Abfall des arteriellen Blutdruckes, der
die Verteilung des Flüssigkeitsentzugs über den ges­
begleitet wurde von einer Reduktion des Herz­
amten Tag eine schonende Elimination auch größerer
zeitvolumens und des Sauerstoffangebotes an die
Volumina sowie eine effektivere Flüssigkeitskontrolle
peripheren Gewebe. Diese Veränderungen wurden
über die gesamte Behandlungsdauer. Die minimal
begleitet von einem Anstieg des intrakraniellen
erforderliche Flüssigkeitszufuhr beim Intensivpa­tienten
Druckes unter iHD, der zusammen mit dem Blut­
beträgt etwa 3 l/d, denn allein zur enteralen oder
druckabfall bei den besonders hirndruckgefährdeten
parenteralen Ernährung wird eine Zufuhr von etwa
Patienten mit Leberversagen die Hirndurchblutung
2 l/d benötigt. Bei kardial insuffizienten Patienten oder
reduzieren kann. Unter CRRT blieben Hämodynamik
eingeschränkter pulmonaler Funktion ist darüber hin­
und Hirndruck stabil und kein Patient verstarb an
aus häufig eine Negativbilanzierung erforderlich. Bei
zerebralen Komplikationen, während bei 60 % der mit
einem kreislaufinstabilen, katecholaminabhängigen
iHD behandelten Patienten die Todesursache ein
Patienten verursacht der Entzug solcher Flüssigkeits­
Hirnödem war. Daraus ergibt sich, dass bei Patienten
mengen während der üblicherweise etwa vier
mit kombiniertem Leber- und Nierenversagen den
Stunden dauernden iHD häufig erhebliche Blutdruck­
CRRT der Vorzug zu geben ist.
abfälle, welche durch gesteigerte Ka­techolamin­gaben
aufgefangen werden müssen. Auch kurze Hypotonien
Bisher wurde nur in einer prospektiv randomisierten
reduzieren jedoch bei diesen Patienten sofort die
Studie eine vergleichbare hämodynamische Stabilität
Nierendurchblutung, weil im ANV die Autoregulation
zwischen iHD und CRRT nachgewiesen (63). Die dort
verloren geht und eine rein druckpassive Perfusion
untersuchten Patienten wiesen jedoch im Vergleich zu
erfolgt. Unter iHD verschlechtert sich daher eine noch
allen anderen Studien eine deutlich geringere
vorhandene Restnierenfunktion häufig, während unter
Erkrankungsschwere auf, so dass deshalb auch die
CRRT die verbliebene Nierenfunktion stabiler ist (38).
iHD gut toleriert wurde. Derzeit besteht zwischen
Intensivmedizinern und Nephrologen ein weitgehen-
Die praktisch in beliebiger Höhe mögliche Flüssig­
der Konsens dahingehend, dass bei hämodynamisch
keitszufuhr unter CRRT ermöglicht eine ausreichende
instabilen Patienten die kontinuierlichen Verfahren
Ernährungstherapie, so dass die ohnehin unvermeid-
bevorzugt anzuwenden sind.
bare Katabolie bei diesen Patienten nicht auch noch
durch eine mangelnde Substratzufuhr verstärkt wird.
So zeigten Bellomo et al. (3), dass unter CRRT bei
93 % aller Patienten eine adäquate parenterale
Ernährung möglich war, während unter iHD auf Grund
der erforderlichen Flüssigkeitsrestriktion lediglich 53 %
der Patienten ausreichend ernährt werden konnten (3).
6
Metabolische Stabilität und Homöostase
CRRT führen zu einer etwas langsameren, dafür aber
stabilen Reduktion der harnpflichtigen Substanzen
Unabhängig von einer effektiven und zeitgerechten
und der unter iHD nachweisbare „Sägezahnverlauf“
Steuerung des Flüssigkeitshaushaltes ermöglicht
der Blutspiegel tritt nicht auf (Abb. 2). Ein Dys­äquili­
CRRT auch eine schonende und gleichmäßige
brium­­syndrom wird somit vermieden. In gleicher Art und
Reduktion der harnpflichtigen Substanzen (Abb. 2).
Weise erfolgt eine schonende Korrektur von meta­boli­
Unter einer iHD erfolgt die Absenkung des Harnstoff­
scher Azidose und Elektrolytveränderungen, so dass
spiegels innerhalb von 4 Stunden. Damit verbunden
auch unter diesen Aspekten CRRT vorteilhaft ist (4).
ist eine entsprechende Verschiebung der SerumOsmolalität, welche zu einem verstärkten Flüssig­
keitsabstrom in das Interstitium führt. Dies kann zu
einer passageren Verschlechterung des pulmonalen
Gasaustauschs sowie zu einer Verstärkung eines Hirn­
ödems führen, wie anhand von computertomographischen Untersuchungen durch die Arbeits­gruppe um
Ronco nachgewiesen wurde (53).
200
Harnstoff (mg/dl)
150
CVVHD
tägliche iHD
100
50
Montag
0
Dienstag
1
Mittwoch
2
Donnerstag
3
Freitag
4
Zeit (Tage)
Abb. 2: Einfluss des Therapieverfahrens auf den Verlauf der
Serum-Harnstoffspiegel.
Der Konzentrationsverlauf urämischer Toxine im Serum hängt von
der Therapieform ab. Bei intermittierender Hämodialyse (iHD) sin­
ken die Serum-Harnstoffspiegel während der üblicherweise 4-stün­
digen Behandlung sehr schnell ab und steigen nach dem
Behandlungsende rasch wieder an. Dies führt zu erheblichen
Schwankungen der Serumosmolalität und einem typischen
Sägezahnverlauf der Harnstoffkonzentration (durchgezeichnete
Linie). Der rasche Abfall des Serum-Harnstoffs kann insbesondere
in der ersten Behandlung zu einem Disäquilibriumsyndrom und
einer zusätzlichen Flüssigkeitsverschiebung in den Extravasalraum
führen. Unter kontinuierlicher Nierenersatztherapie sinken die SerumHarnstoffspiegel langsamer aber kontinuierlich ab und können auf
einem konstant niedrigen Niveau gehalten werden (gestrichelte
Kurve). Osmolalitätsverschiebungen und ein Dysäquilibrium­syn­
drom werden vermieden.
7
Indikationen zur Nierenersatztherapie
Renale Indikation
Daraus ergibt sich, dass die Indikation zur Anwen­dung
eines Nierenersatzverfahrens heute wesentlich früher
Klassische Indikationen für eine Nierenersatztherapie
als noch vor wenigen Jahren gestellt werden muss. Da
sind die Oligurie bzw. Anurie, die diuretikaresistente
ein Konsensus bezüglich absoluter Grenz­werte derzeit
Flüssigkeitsüberladung, schwere Elektrolytstörungen
noch nicht besteht, muss die Indikation für ein Nieren­
(insbesondere Hyperkaliämie), metabolische Azidose
ersatzverfahren individuell gestellt werden. Dabei spielt
und Urämiekomplikationen, wie z. B. Perikarditis (Tab.
vor allem die Entwicklung des ANV eine entscheidende
1a). Uneinigkeit besteht hinsichtlich der Grenzwerte
Rolle. Verschlechtert sich die Nieren­funktion kontinu
Renale Indikationen
Extrarenale Indikationen
– Oligurie bzw. Anurie
– SIRS (Systemic Inflammatory Response Syndrome)
– Diuretikaresistente Flüssigkeitsüberladung
– Sepsis
– Schwere Elektrolytstörungen (insbesondere Hyperkaliämie)
– Akute Pankreatitis
– Metabolische Azidose
– ARDS (Adult Respiratory Distress Syndrome)
– Urämiekomplikationen (z. B. Perikarditis)
– Rhabdomyolyse
Tab. 1a: Beispielhafte Indikationen zur Nierenersatztherapie.
Tab. 1b: Potentielle Indikationen zur kontinuierlichen Hämo­filtra­tion.
für harnpflichtige Substanzen, ab denen eine Nieren­
ierlich, wie z. B. anhand einer täglich bestimmten
ersatzbehandlung begonnen werden sollte. In älteren
Kreatinin-Clearance erkennbar wird, oder nimmt die
Empfehlungen wird eine Obergrenze für Harnstoff von
Diurese (in Relation zur Do­s ie­rung der Schleif­
200 mg/dl genannt. Mittlerweile tendiert man dazu,
endiuretika) ab, dann erscheint heute eine Ver­zöge­
die Behandlung bereits bei dem Harnstoffspiegel zu
rung der Nierenersatzbehandlung bis zum Erreichen
beginnen, der unter einer laufenden Therapie als Ziel­
bestimmter Grenzwerte nicht mehr sinnvoll. Die
größe angestrebt wird. Dabei wird heute von vielen
Indikation wird darüber hinaus früher gestellt, wenn
Nephro­­logen ein Harnstoffwert von 100 mg/dl ge­nannt.
begleitende Symptome (z. B. schwer beherrschbare
Hyperthermie, Lungenödem) vorliegen, die durch eine
Gettings et al.(16) haben untersucht, ob eine frühe
Nierenersatztherapie gebessert werden können.
Behandlung des ANV bei Traumapatienten vorteilhaft
ist. Frühzeitiger Beginn war definiert als Beginn der
Die Behandlung wird tendenziell zurückgestellt, wenn
CRRT bei einem Serum-Harnstoff von < 100 mg/dl.
ein hohes Blutungsrisiko besteht oder wenn sich trotz
Unabhängig von der im weiteren Verlauf applizierten
erhöhter Harnstoffwerte die Steilheit des Blutspiegel­
„Dialysedosis“, d. h. der Intensität der Nierenersatz­
anstiegs so vermindert, dass bei noch ausreichender
behandlung, führte allein der frühzeitige Behandlungs­
Diurese eine Stabilisierung auf höherem Niveau wahr-
beginn zu einer signifikant erhöhten Überlebensrate im
scheinlich wird. Harnstoffwerte über 180 mg/dl wer-
Vergleich zum späten Behandlungsbeginn (39 % ver-
den in der Regel nicht mehr toleriert.
sus 20 %). Auch bei kardiochirurgischen Patienten
erwies sich die frühe Behandlung des ANV als vorteilhaft, denn die beobachtete Letalität war mit 40 %
deutlich niedriger als erwartet (66 %), wenn bereits 2,4
Tage nach der Operation und bei einer Harnstoff­
konzentration von 155 mg/dl mit einem Nierenersatz­
verfahren begonnen wurde (6).
8
Extrarenale Indikationen –
Septischer Schock
die beobachtete Verbesserung des klinischen Zustan­
des dieser Patienten tatsächlich auf einer Mediator­
elimination beruht, oder auf anderen, unspezifischen
Als extrarenale Indikationen für die Anwendung von
Effekten, wie z. B. einer erhöhten Kreislaufstabilität
CRRT werden derzeit das SIRS (Systemic Inflam­
durch effektive Temperaturkontrolle sowie einem ver-
matory Response Syndrom) und die Sepsis bzw. der
besserten Flüssigkeitsmanagement (7). Interessant ist
septische Schock diskutiert (Tab. 1b). Trotz aller
jedoch, dass Zytokine unabhängig von einer konvekti-
Fortschritte in der intensivmedizinischen Behandlung
ven Elimination auch adsorptiv an Filtermembranen
ist der septische Schock mit begleitendem Multi­
ge­bunden werden können, so dass unter der Ziel­
organ­versagen auch heute noch mit einer Letalität von
setzung der Zytokinelimination möglicherweise größe-
über 50 % verbunden, so dass zahlreiche adjuvante
re Filteroberflächen und häufigere Filterwechsel sinn-
Therapieansätze mit der Zielsetzung einer Prognose­
voll sein könnten. Zusammen­fassend rechtfertigt der
verbesserung propagiert werden. Hintergrund der
derzeitige Kenntnisstand keine Anwendung von CRRT
Debatte um die Anwendung von CRRT-Verfahren ist
zur Zytokinelimination bei septischen Patienten ohne
die Frage, ob mittels konvektiver Blutreinigung Toxine,
ANV. Bei beginnender Einschränkung der Nieren­
Entzündungsmediatoren oder kardiodepressive
funktion sollte jedoch frühzeitig ein kontinuierliches
Faktoren in nennenswertem Umfang eliminiert werden
Nierenersatzverfahren mit adäquater Dialyseintensität
können und ob dies zu einer Verbesserung der
zur Anwendung kommen, u. U. auch mit häufigerem
Prognose führt.
Filterwechsel (7).
Tatsächlich wurde in vielen Studien bei Behandlung
von Patienten mit septischem Schock eine Stabilisie­
rung der Hämodynamik, eine Reduktion der Katecho­
lamin­dosierung (20,23) und eine Verbesserung des
pulmonalen Gasaustauschs (27) mit Beginn der CRRT
nachgewiesen. Im Ultrafiltrat von Patienten mit Sepsis
ließen sich dann auch Entzündungs­media­­toren nachweisen (5,20), eine signifikante Reduktion der Plasma­
spiegel von Zytokinen gelang jedoch zumindest
mittels konventioneller Hämofiltration bisher nicht. Zu
beachten ist, dass neben den Entzün­dungs­media­
toren auch deren lösliche Rezeptor­antagonisten sowie
zahlreiche antiinflammatorische Mediatoren potentiell
eliminiert werden können, so dass der Einfluss von
CRRT-Verfahren auf die Balance zwischen Pro- und
Antiinflammation unklar ist. Es bleibt daher offen, ob
9
Wirkungsprinzipien der Nierenersatzverfahren
Das zentrale Element eines Nierenersatzverfahrens ist
Das dem Filter zugeführte Blut wird in der Regel über
der Hämofilter (Abb. 3), da über diesen der Transport
einen großlumigen Katheter (Shaldon-Katheter) pum-
der zu eliminierenden Substanzen aus dem Blut statt-
pengesteuert aus einer zentralen Vene (veno-venöse
findet. Hämofilter werden heute fast ausschließlich mit
Verfahren) entnommen. Die arterio-venösen Verfahren
haben zwar den Vorteil des geringen technischen
Blutfluss
Aufwands, werden in Deutschland aber kaum noch
eingesetzt, weil die arterielle Kanülierung mit einer
Dialysierflüssig­
keitsfluss
Filterfasern
hohen Morbidität verbunden ist. Darüber hinaus hängt
die Effektivität eines arterio-venösen Blutreinigungs­
verfahrens ganz wesentlich vom systemischen Blut­
Blutfluss innerhalb
der Fasern
Dialysierflüssigkeitsfluss
außerhalb der Fasern
Dialysierflüssig­
keitsfluss
druck des Patienten ab. Besonders bei Patienten mit
Hypotonie und Kreislaufschock sind ausreichende
Blutflüsse kaum zu erzielen, so dass keine adäquate
Blutfluss
Abb. 3: Schematischer Aufbau eines Hämofilters.
Dialysedosis appliziert werden kann. Im Gegensatz
dazu ermöglichen die pumpengesteuerten venovenösen Verfahren erstmals einen konstanten und
Membranen aus synthetischen Materialien (z. B. Poly­
vom arteriellen Blutdruck des Patienten unabhängigen
sulfon, Polyamid, Polyacrylnitril) hergestellt. Diese wei-
Blutfluss als wesentliche Voraussetzung für eine konti-
sen eine sehr hohe Biokompatibilität auf, die definiert
nuierliche und effektive Blutreinigung. In den derzeit
wird über eine geringe Aktivierung des Komplement­
kommerziell erhältlichen Geräten werden Blutfluss,
systems und proteolytischer Enzyme (Abb. 4). Mo­­
Dialysat- und/oder Substituat- sowie Ultrafiltratfluss
Abb. 4: Abhängigkeit der Dauer des
ANV vom Dialysatortyp.
Die Erholung der Nierenfunktion hängt von
den verwendeten Dialysatormembranen
ab. Bei Ver­wendung von Dialysatoren mit
synthetischen, biokompatiblen Membra­nen
erholte sich die Nieren­funktion bei insge­
samt mehr Patienten und bereits nach
weniger Dialysebehandlungen im Vergleich
zur Behandlung mit bioinkompatiblen Mem­
branen, z. B. aus Zellulose. Derzeit werden
zur Behandlung des ANV fast ausschließ­
lich biokompatible Mem­branen eingesetzt.
Abbildung modifiziert nach (22).
derne Filter haben große Poren und sind auch für
durch separate Pumpen nach entsprechenden Vor­
Substanzen mittleren und höheren Molekulargewichts
gaben automatisch gesteuert. Eine menügesteuerte
passierbar. Der sogenannte Cut-Off-Point (genaue
Bedienerführung sowie eine automatische Bilanzie­
Definition s. u.) gibt das Molekulargewicht an, bis zu
rung erlauben einen einfachen und sicheren Betrieb
dem Substanzen den Filter noch passieren können
auch außerhalb spezialisierter Zentren.
und liegt heute typischerweise bei 20–40 kDa.
10
Eine wesentliche Aufgabe der Nierenersatztherapie,
Konvektive Blutreinigung – Hämofiltration
der Entzug von Flüssigkeit, wird durch zwei Größen
direkt beeinflusst, nämlich die Durchlässigkeit des
Bei der konvektiven Blutreinigung durch Hämofiltra­­
Dialysators für Wasser und die zwischen den beiden
tion wird entsprechend den am Gerät eingestellten
Seiten der Dialysatormembran bestehende Druck­
Vor­g aben Plasmawasser über die Membran des
differenz, den Transmembrandruck. Bei modernen
Hämo­filters abgepresst. Dieser Vorgang entspricht im
Geräten wird nicht der Transmembrandruck direkt ein­
Prin­zip der Bildung von Primärharn bei der glomerulä­­
gestellt, vielmehr wird der Flüssigkeitsentzug volume-
ren Filtration in der Niere. Mit dem abfiltrierten Plasma­
trisch oder gravimetrisch gemessen und bei Abwei­
wasser werden auch alle in ihm gelösten Stoffe und
chungen vom Sollwert durch Anpassung der Pumpen­
natürlich auch Medikamente in der Konzentration
geschwindigkeiten angepasst.
durch die Membran hindurch transportiert, in der sie
im Plasmawasser vorliegen, soweit die Membran für
Der Transmembrandruck stellt sich bei diesen Ge­­­
diese Stoffe durchlässig ist (Abb. 5). Im Gegensatz zur
räten automatisch ein. Druckmessungen sind damit
Diffusion findet keine bevorzugte Elimination kleiner
für die Bilanzierung nicht mehr unbedingt erforderlich,
Moleküle statt, vielmehr werden die nichteiweißge-
erfolgen jedoch an mehreren Stellen im extrakorpora-
bundenen Substanzen bis zum Cut-Off der Membran
len Kreislauf, um Störungen des Blutflusses sowie
eliminiert.
einen beginnenden Verschluss des Systems, z. B.
durch einen Verschluss des Hämofilters, rechtzeitig zu
erkennen.
Die Entfernung der im Plasmawasser gelösten Stoffe
erfolgt prinzipiell über zwei mechanistische Prinzipien,
nämlich die Konvektion und die Diffusion. Beide leis­
ten je nach Aufbaumodifikation einen unterschiedlichen Beitrag zur Blutreinigung, bei der Hämofiltration
ist es ausschließlich die Konvektion, bei der Hämo­
dialyse dominiert die Diffusion.
Abb. 5: Blutreinigung per Konvektion.
Konvektion beschreibt den Transport gelöster Teilchen mit dem
Lösungsmittel. Wird Flüssigkeit über eine Dialysemembran abge­
presst, so wird die Konzentration der gelösten Teilchen im Filtrat
wesentlich durch die Eigenschaften der Membran bestimmt, da die
Größe der Poren in der Membran den wesentlichen, beschränken­
den Faktor für diesen Transportprozess darstellt. Der Cut-Off einer
Membran beschreibt die maximale Größe von Molekülen, die die
Membran noch passieren können, und liegt heute im Bereich zwi­
schen 20 und 40 kDa. Für niedermolekulare Stoffe entspricht die
Konzentration im Filtrat in etwa der im Plasma.
11
Die Durchlässigkeit der Membran für eine spezifische
Neben dem Molekulargewicht einer Substanz haben
Substanz wird durch den Siebkoeffizienten beschrie-
auch andere Faktoren einen Einfluss auf die Mem­bran­
ben. Der Siebkoeffizient ist definiert als das Verhältnis
­gängigkeit, wie z. B. die elektrische Ladung, die Lipo­
von Konzentration im Ultrafiltrat zur Konzentration im
philie und weitere physikochemische Eigen­schaf­ten.
Plasma. Ein Siebkoeffizient von 1 bedeutet, dass die
Die Siebkoeffizienten von Medikamenten können für
Substanz den Hämofilter frei passieren kann und die
viele gängige Membranen aus Tabellenwerken ent-
Konzentration im Ultrafiltrat der des Plasmas ent-
nommen werden.
spricht. Bei einem Siebkoeffizienten von 0 ist die
Membran für diesen Stoff undurchlässig. Als Trenn­
grenze (Cut-Off) einer Membran wird das Molekular­
Blutreinigung per Diffusion – Hämodialyse
gewicht angegeben, bei dem der Siebkoeffizient 0,05
beträgt. Diese Trenngrenze liegt bei High-Flux-Filtern
Bei der Blutreinigung durch Diffusion, also Hämo­
zwischen 20.000 und 40.000 Dalton. Der Siebkoeffi­
dialyse, wird sterile Dialysierflüssigkeit auf der Wasser­
zient ist allerdings keine feste Konstante. Bei langer
seite des Hämofilters im Gegenstrom an den blutfüh-
Filterlaufzeit kann die Durchlässigkeit des Filters durch
renden Kapillaren entlanggeleitet. Entsprechend der
Proteinbeschichtung und Verlegung von Membran­
Konzentrationsdifferenz zwischen Blut- und Dialysat­
poren durch Zelltrümmer, Blutkoagel oder Thrombo­
seite diffundieren die Stoffe aus dem Blut ins Dialysat
zyten­aggregate vor allem für höhermolekulare Stoffe
(Abb. 6). Der Konzentrationsunterschied ist die trei-
abnehmen, so dass der Siebkoeffizient für größere
bende Kraft für die Diffusion. Diffusive Transport­pro­
Moleküle zeitabhängig abnimmt.
zesse sind prinzipiell von der Größe der Moleküle
Abb. 6: Blutreinigung per Diffusion.
abhängig, da sich bei kleinen Teilchen ein Konzen­
Die Konzentration gelöster Teilchen in zwei Flüssigkeitskompar­
timenten gleicht sich zeitabhängig aus, wenn ein Stofftransport
zwischen diesen beiden Kompartimenten möglich ist. Die Zeit­
konstante dieses Ausgleichs ist abhängig von der Porengröße der
Membran und dem Molekulargewicht der gelösten Stoffe. Dem­
nach findet der Konzentrationsausgleich für kleinere Moleküle
schneller statt. Diffusive Prozesse eignen sich daher besonders zur
Elimination niedermolekularer Substanzen (Elektrolyte, Harnstoff,
Kreatinin).
trationsausgleich schneller einstellt. Für niedermolekulare Substanzen spielt dies keine wesentliche Rolle,
d. h. bei den üblichen Flüssigkeitsumsätzen von kontinuierlicher Hämofiltration und Hämodialyse ist die
Elimination von Harnstoff weitgehend identisch. Die
diffusive Aufsättigung des Dialysats mit größeren
Urämie­molekülen erfolgt jedoch deutlich langsamer,
so dass bei der Hämofiltration eine höhere Clearance
im Mittelmolekülbereich erzielt werden kann. Höher­
molekulare Substanzen, z. B. Zytokine, können mittels
Hämodialyse nicht entfernt werden.
12
Aktuell verfügbare kontinuierliche Nierenersatzverfahren
Kontinuierliche veno-venöse
Hämo­filtra­tion (CVVH)
führt. Bei diesem Modus werden die harnpflichtigen
Substanzen in der Konzentration eliminiert, in der sie
im Plasmawasser vorliegen. Die Effektivität des Ver­
Bei der veno-venösen Hämofiltration (Abb. 7) wird das
fahrens ist hoch, ebenso jedoch die Hämokonzen­tra­
Blut durch einen hochpermeablen, großporigen (sog.
tion im Filter, insbesondere wenn nur mäßige Blut­
High-Flux-) Filter gepumpt, über den Plasmawasser
flüsse erreicht werden. Eine hohe Hämokonzentration
mit seinen gelösten Bestandteilen als Ultrafiltrat abge-
im Filter kann die Permeabilität des Filters reduzieren
presst und anschließend verworfen wird. Das Trans­
und seine Standzeit verkürzen. Erfahrungsgemäß soll­
Heparin
Substituat
P
„arteriell“
P
„venös“
P
CVVH
Ultrafiltrat (UF)
Heparin
„arteriell“
P
CVVHD
„venös“
P
P
Dialysat
+ UF „aus“
Dialysierflüssigkeit
„ein“
Heparin
Substituat
P
„arteriell“
P
CVVHDF
„venös“
P
P
Dialysat
+ UF „aus“
Dialysierflüssigkeit
„ein“
Abb. 7: Vereinfachter Aufbau verschiedener kontinuierlicher
Nierenersatzverfahren: kontinuierliche veno-venöse Hämofiltra­
tion (CVVH), kontinuierliche veno-venöse Hämodialyse (CVVHD),
kontinuierliche veno-venöse Hämodiafiltration (CVVHDF).
Unabhängig vom angewandten Nierenersatzverfahren wird Blut
über einen Doppellumenkatheter aus einer zentralen Vene entnom­
men und mit Flussraten von 150–200 ml/min pumpengesteuert
durch den Hämofilter transportiert. Die Antikoagulation erfolgt im
„arteriellen“ Schenkel zwischen Blutpumpe und Filter, um die höch­
ste Konzentration des Antikoagulanz vor dem Filter zu erreichen.
Nach der Passage des Hämofilters wird das Blut über eine venöse
Luftfalle zum Patienten zurückgeführt. Bei der CVVH und der
CVVHDF wird an dieser Stelle üblicherweise die Substitutions­lö­
sung zugeführt („Postdilutionsmodus“). Bei einem modifizierten
Aufbau kann das Substituat auch vor dem Hämofilter infundiert
werden („Prädilutionsmodus“). Dies verringert zwar die Effektivität
der Blutreinigung, kann aber über eine niedrigere Hämokonzen­tra­
tion im Filter die Standzeit verlängern.Die Abbildung verdeutlicht,
dass für die Durchführung der CVVH und CVVHD drei Pumpen („P“)
ausreichen, während für die CVVHDF eine vierte Pumpe erforder­
lich ist. Die CVVHDF kombiniert diffusiven und konvektiven Trans­
port und ermöglicht dadurch eine effektive Clearance niedrig- und
höhermolekularer Substanzen.
portprinzip ist also die Konvektion. Entsprechend dem
te die Filtrationsfraktion, d. h. der prozentuale Anteil
ge­wünschten Flüssigkeitsentzug muss eine Substitu­
des filtrierten Plasmawassers pro Zeit in Bezug auf
tions­lösung zugeführt werden, die in ihrer Zusammen­
den Gesamtplasmawasserfluss während dieser Zeit,
setzung der physiologischen Zusammensetzung des
25 % nicht überschreiten. Der Plasmawasserfluss ist
Plasma­wassers nahekommt, allerdings in der Regel ka­­
proportional dem Blutfluss QB und wird wesentlich
liumarm oder sogar kaliumfrei ist. Wird kein Flüssig­keits­
durch den Hämatokrit beeinflusst, näherungsweise
entzug gewünscht, z. B. bei noch erhaltener Spon­tan­diu­
gilt: QP = QB × (1 – Hkt / 100) × 0,94.
rese, so entspricht die Menge der zugeführten Substi­tu­
tions­lösung exakt der Menge des gebildeten Ultrafiltrats.
Der Faktor 0,94 berücksichtigt in dieser Formel pauschal
das Volumen der im Plasma enthaltenen Pro­teine, für die
Der Ort der Substituatzuführung kann vor oder hinter
Abschätzung der Clearance ist in der Regel eine ge­­
dem Filter liegen. Üblicherweise wird die Hämo­filtra­
nauere Berücksichtigung des Protein­einflusses nicht er­­
tion im Postdilutionsmodus durchgeführt, d. h. die
forderlich. Die erreichbare Effektivität einer CVVH in Post­
Sub­stitutionslösung wird hinter dem Hämofilter zuge-
di­lution hängt damit ganz wesentlich vom Blutfluss ab.
13
Effektivitätsberechnung einer CVVH in Postdilution (Clearance)
Permeabilität der Filter und der Druckverhältnisse zwi-
Realisierbarer Blutfluss:
150 ml/min
schen Blut- und Dialysatseite auch bei der CVVHD in
Hämatokrit:
30 %
Plasmawasserfluss:
=
9000 ml/h
gewissem Umfang eine interne Filtration/Rückfiltration
≈
6000 ml/h
statt, d. h. Dialysat tritt auf die Blutseite über und
Max. Filtrationsfraktion:
25 %
=
1500 ml/h
Plasmawasser wird abgepresst. Auch bei einer
Maximale Clearance:
1500 ml/h : 60 min/h
=
25 ml/min
CVVHD findet deshalb in geringem Umfang eine konvektive Blutreinigung statt, so dass die Unterschiede
Bei der Hämofiltration im Prädilutionsmodus wird das
zwischen CVVH und CVVHD nicht mehr so ausge-
Substituat vor dem Hämofilter zugeführt und verdünnt
prägt sind, wie in den Zeiten der Verwendung nieder-
somit die zu eliminierenden Stoffe noch vor dem Filtra­
permeabler Filter.
tionsprozess. Bei gleicher Ultrafiltratmenge sinkt damit
zwangsläufig die Effektivität, auf Grund der geringeren
Die Clearance einer CVVHD ergibt sich bei adäqua­
Hämokonzentration kann jedoch die Filterstandzeit
tem Blutfluss aus dem Produkt von Dialysatfluss und
verlängert sein. Die Prädilutionsfiltration kann bei kur­
Aufsättigung. Bei vollständiger Aufsättigung des Dia­
zen Filterstandzeiten sowie bei blutungsgefährdeten
lysats, z. B. mit Harnstoff, kann deshalb die Clearance
Patienten, die nur mäßig antikoaguliert werden kön-
einfach berechnet werden:
nen, als Alternative eingesetzt werden, um häufige
Filter­wechsel zu vermeiden.
Kontinuierliche veno-venöse
Hämo­­dia­lyse (CVVHD)
Effektivitätsberechnung einer CVVHD (Clearance)
Blutfluss:
150 ml/min
Dialysatfluss:
2000 ml/min
Clearance bei 100 %
Dialysatsättigung:
2000 ml/h : 60 min/h
=
33,3 ml/min
Während einer Dialyse wird das Blut durch einen Hämo­
filter entlang einer semipermeablen Membran gepumpt
(Abb. 7). Auf der anderen Seite der Membran fließt im
Kontinuierliche veno-venöse
Hämodia­filtration (CVVHDF)
Gegenstrom Dialysierflüssigkeit, in der die aus dem
Blut zu eliminierenden Substanzen (Harnstoff, Krea­
Bei der CVVHDF werden die Transportprinzipien Kon­
tinin) nicht enthalten sind. Das dominierende Trans­
vektion und Diffusion kombiniert (Abb. 7). Ultrafiltrat
port­prinzip ist hier die Diffusion: entsprechend dem
wird über einen hochpermeablen Hämofilter abge-
Konzentrationsgefälle gelangen urämische Toxine aus
presst, während gleichzeitig Dialysierflüssigkeit im
dem Kompartiment mit höherer Konzentration (Blut­
Gegenstrom an den Kapillaren des Filters entlang ge­­
seite) in das Kompartiment mit niedrigerer Konzen­tra­
pumpt wird. Üblicherweise wird jeweils die Hälfte des
tion (Dialysierflüssigkeitsseite).
Umsatzes als Filtrat bzw. Dialysierflüssigkeit angesetzt, es sind jedoch in Abhängigkeit vom erreichba­
14
Die Negativbilanz bei CVVHD wird durch die Ein­
ren Blutfluss auch andere Relationen möglich. Die
stellung einer Ultrafiltratrate erzielt, d. h. die zu entfer-
Hämo­konzentration im Filter ist nur durch den Ultra­
nende Menge an Flüssigkeit wird mittels Konvektion
filtratanteil bedingt, der z. B. bei kurzen Filterstand­
über den Hämofilter eliminiert. Mittlerweile werden
zeiten zugunsten eines höheren Dialysatanteils verrin-
auch für die CVVHD zunehmend High-Flux Filter ein-
gert werden kann. Damit bietet sich CVVHDF in Post­
gesetzt, die auch für höhermolekulare Stoffe durch-
dilution als Ver­fahren an, wenn die Effektivität einer
gängig sind. Tatsächlich findet auf Grund der hohen
CVVH in Post­dilution weiter gesteigert werden soll, die
Filtrations­rate bei einem nicht ausreichenden Blutfluss
steigt. Eine effektive Clearance kleiner Substanzen
und der damit zu erwartenden hohen Hämokonzen­
und damit eine ausgezeichnete Harnstoffkontrolle ist
tra­tion aber nicht über etwa 20–25 % erhöht werden
jedoch möglich. Im weiteren Verlauf wird auf die be­­
soll. Durch den zusätzlichen Einsatz einer Dialysat­
sondere Bedeutung einer intensivierten Nieren­ersatz­
kompo­nente kann dann die Clearance weiter gestei-
therapie für die Pro­gnose der Patienten mit ANV noch
gert werden.
eingegangen.
Effektivitätsberechnung einer CVVHDF in Postdilution (Clearance)
Realisierbarer Blutfluss:
150 ml/min
Hämatokrit:
30 %
Früher enthielten alle kommerziell verfügbaren Geräte
=
9000 ml/h
≈
6000 ml/h
Geräten musste eine vierte Pumpe (für die Dialysier­
lediglich drei Pumpen (für Blut, Substituat und Ultra­
filtrat). Zur Durchführung einer CVVHDF mit solchen
Plasmawasserfluss:
Max. Filtrationsfraktion:
25 %
=
1500 ml/h
flüssigkeit) extern angeschlossen werden, zumeist in
Maximale Clearance:
1500 ml/h : 60 min/h
=
25 ml/min
Form einer Infusionspumpe. Damit entfiel die automa-
Plus
tische Flüssigkeitsbilanzierung, weil die externe Dia­
Dialysat (diffusive Komponente
bei 100 % Aufsättigung):
1500 ml/h : 60 min/h
=
25 ml/min
lysierflüssigkeitspumpe messtechnisch nicht erfasst
Gesamtclearance:
3000 ml/h : 60 min/h
=
50 ml/min
wurde. Die Bilanzierung war damit wesentlich aufwendiger. Inzwischen sind von einigen Herstellern Geräte
Mittels CVVHDF in Postdilution kann also die Effek­
erhältlich, die dieses Problem durch Integration einer
tivität eines kontinuierlichen Nierenersatzver­fahrens
vierten Pumpe bzw. durch Koppelung von Blut- und
deutlich gesteigert werden, ohne dass durch erhöhte
Dialysierflüssigkeitsfluss mittels einer Pumpe gelöst
Hämokonzentration eine gesteigerte Blut­traumati­
haben, so dass die CVVHDF inzwischen ebenso ein-
sierung oder kürzere Filterstandzeiten die Folge sind.
fach und problemlos wie die CVVH oder CVVHD durch­
Zu beachten ist, dass mit steigender Dialysatkompo­
geführt werden kann.
nente die Clearance höhermolekularer im Vergleich zu
niedermolekularen Substanzen relativ geringer an­­
Abb. 8: Clearance einer Nierenersatz­be­­
hand­lung in Abhängigkeit von der Mole­
kül­­größe und dem eingesetzten Ver­fah­
ren.
Die dargestellten Daten wurden berechnet
für einen High-Flux Polysulfon Filter mit einer
Oberfläche von 1,4 m2 bei einem Blutfluss
von 120 ml/min. Bei Durchfüh­rung einer
CVVHD oder CVVH (Postdilu­tionsmodus)
mit gleichem Flüssigkeitsum­satz ist die
Clearance für niedermolekulare Stoffe (z.B.
Harnstoff, Kreatinin) praktisch identisch und
in der Praxis in der Regel durch das einge­
setzte Volumen limitiert (hier 2 l/h, entspre­
chend einer Clearance von 33 ml/min).
Höhermolekulare Substan­zen werden mit
der CVVH in Postdilution effektiver elimi­
niert. Eine weitere Steige­rung der Effek­
tivität kann durch CVVHDF erzielt werden,
in dem zu­sätz­lich zur konvektiven Blutreini­
gung Dialy­sier­flüssigkeit am Filter vorbei
High-Flux Polysulfon
QB = 120 ml/min
Postdilution-HDF
(2 l/h + 2 l/h)
Postdilution-HF (2 l/h)
High-Flux-HD (2 l/h)
Prädilution-HF (2 l/h)
geführt wird, wodurch die Clearance vor
allem im niedermolekularen Bereich zu­­
nimmt (Beispiel: 2 l/h Filtrat plus 2 l/h Dia­
lysat). Bei CVVH in Prädilution werden die
zu eliminierenden Toxine vor dem Filter
verdünnt, was die Clearance im Vergleich
zu CVVH in Postdilution deutlich reduziert.
Allerdings wird eine Hämokonzentration
und die damit verbundene stärkere Nei­
gung zur Gerin­nungs­aktivierung im Sys­­
tem vermieden, wodurch die Filterstand­
zeit zunimmt.
15
Ausblick
Der Gegensatz zwischen iHD (typischerweise 4
Stunden) und CRRT (nahezu 24 h pro Tag) weicht in
letzter Zeit auf. Geräte aus der chronischen Dia­lyse­
therapie werden mit geringen technischen Modifi­
kationen auch zur quasi kontinuierlichen Behandlung
des akuten Nierenversagens eingesetzt. Dieses Vor­
gehen hat zwar den Nachteil, eine Infrastruktur für die
Wasseraufbereitung zu benötigen, ermöglicht aber
hocheffektive Behandlungen und bietet bei hohen Be­­
handlungszahlen wirtschaftliche Vorteile durch reduzierte Betriebskosten.
Ein Beispiel ist das GENIUS® System, bei dem ein
Tanksystem an einer zentralen Füllstation mit 90 Litern
Dialysierflüssigkeit gefüllt wird (Abb. 9). Dieses System
wird dann zum Patienten gebracht und ermöglicht
eine sehr effektive bis zu 18 h dauernde Dialysebe­
handlung, ohne dass Beutelwechsel erforderlich sind.
Das verbrauchte Dialysat wird anschließend an der
Füllstation entsorgt, das Gerät wird aufbereitet, erneut
befüllt und steht für eine weitere Behandlung zur
Verfügung. Erste Daten zeigen eine hervorragende
Effektivität der Blutreini­gung und eine ausgezeichnete
Blutdruckstabilität auch bei Patienten mit ANV auf der
Intensivstation (37).
Abb. 9: GENIUS®
Ein modifiziertes System aus der chronischen Dialysetherapie, mit
dem eine verlängerte (bis zu 18 h) und schonende tägliche Dialyse­
behandlung bei akutem Nierenversagen möglich ist.
16
Hämofiltrationslösungen
Die für die CRRT vorgesehenen Hämofiltrations­lö­
Schwerstkranke Intensivpatienten sowie Patienten mit
sungen sollten in ihrer Zusammensetzung den physio-
Leberfunktionsstörungen haben häufig eine Störung
logischen Komponenten des Plasmawassers nahe-
des Laktatmetabolismus, so dass aus der Zufuhr grö-
kommen. Die zu entfernenden Bestandteile wie
ßerer Mengen von Laktat eine Hyperlaktatämie ent-
Harnstoff und Kreatinin sind natürlich nicht enthalten,
stehen kann, insbesondere bei intensivierter Behand­
jedoch sind Lösungen mit unterschiedlichen Elektro­
lung. Da durch die CRRT bei Verwendung laktat­
lyt-, insbesondere verschiedenen Kaliumkonzen­tra­
gepufferter Lösungen endogenes Bikarbonat entfernt
tionen, verfügbar. Je nach gewünschter Einfluss­
wird, kann es bei gestörtem Laktatstoffwechsel sogar
nahme auf die Elektrolytkonzentrationen kann die ent-
zu einer Verstärkung der Azidose kommen (11).
sprechende Lösung ausgewählt werden. Bei Ver­
wendung von kaliumfreier Lösung muss in der Regel
Bekannt ist, dass eine persistierende metabolische
Kalium über eine Infusion substituiert werden. Die
Azidose die Prognose von Patienten mit ANV ver-
Hämofiltrationslösungen werden nicht nur als Sub­
schlechtert (19). Aus diesen Gründen erscheint die
stitutionslösung für die CVVH eingesetzt, sondern
Verwendung bikarbonatgepufferter Substitutions­
auch als Dialysierflüssigkeit für die CVVHD und
lösungen sinnvoll. Bis vor kurzem standen jedoch pro-
CVVHDF.
duktionstechnische Schwierigkeiten einer klinischen
Anwendung entgegen. So war es pharmazeutisch
Bei der Auswahl der HF-Lösung ist auch die verschrie­
nicht möglich, bikarbonatgepufferte Substitutions­
­bene Dialysedosis zu berücksichtigen, da mit steigen­
lösungen in Kunststoffbeuteln in stabiler Form herzus­
den Flüssigkeitsumsätzen nicht nur die Entfernung
tellen und über die erforderlichen Zeiträume zu lagern.
harnpflichtiger Substanzen, sondern auch die Ent­
fernung von Kalium und die Zufuhr von Puffer zu­­
Seit wenigen Jahren stehen jedoch bikarbonatgepuf-
nimmt. Bei intensivierter Behandlung nimmt die Ka­­
ferte Lösungen zur Verfügung, bei denen die Elektro­
lium­­elimina­tion erheblich zu, so dass eine Substitu­
lyt- und Pufferkomponente in einem Zweikammer­
tionslösung gewählt werden kann, die Kalium (2 bis
system getrennt voneinander vorliegen. Erst unmittel-
4 mmol/l) enthält, um nicht in hohem Maße Kalium per
bar vor der Anwendung der Lösungen werden diese
infusionem substituieren zu müssen. Im Umkehr­
Komponenten – ähnlich wie bei Kombinationsbeuteln
schluß wird bei erhöhter Behandlungsintensität ver-
zur parenteralen Ernährung – gemischt und sind dann
mehrt Puffer zugeführt, so dass der Puffergehalt der
für 24 Stunden haltbar.
Lösungen dann niedriger gewählt werden sollte.
Die Wahl der Puffersubstanz für die kontinuierliche
Nierenersatzbehandlung hat erhebliche Bedeutung.
Bei Patienten im ANV besteht auf Grund der renalen
Azidose ein z. T. erheblicher Alkalibedarf. Die bis vor
kurzem kommerziell erhältlichen HF-Lösungen ent­
hielten als Puffer Laktat, das hauptsächlich in der
Leber im Verhältnis 1:1 zu Bikarbonat umgewandelt
wird.
17
Neue Daten aus prospektiv randomisierten Studien
von Blutdruckabfällen und anderen kardiovaskulären
Zwischenfällen kommt (Abb. 10).
Die Sterblichkeit von kardiovaskulär vorerkrankten
Patienten war unter bikarbonatgepufferten Lösungen
tendenziell geringer (2). Diese Ergebnisse sprechen
ein­d eutig dafür, in Zukunft der „physiologischen“
Puffer­lösung den Vorzug zu geben. Neben Elektro­
lyten und Puffersubstanzen enthalten die HF-Lö­
sungen auch Glukose, zumeist in einer Konzentration
von 100 mg/dl (5,6 mmol/l), um die ansonsten unvermeidbar hohe Elimination dieses Substrates auszuschließen. Die Zusammensetzung kommerziell erhältlicher, bikarbonatgepufferter HF-Lösungen zeigt die
Tabelle 2.
Zusammensetzung bikarbonatgepufferter HF-Lösung
Natrium
140 mmol/l
Kalium
0–4 mmol/l
Calcium
1,5 mmol/l
Magnesium
0,5 mmol/l
Chlorid
Bikarbonat
Laktat
Glukose
p <0,01
21 von 56
Patienten
40
0,8
0,6
30
20
10
0
0,4
9 von 61
Patienten
15 %
Bikarbonat
38 %
Laktat
0,26
± 0,09
0,60
± 0,31
Bikarbonat
Laktat
0,2
Hypotensive Episoden während der Behandlung
(Mittelwert in 24 h)
gepufferten Lösungen zu einer niedrigeren Inzidenz
p <0,01
Patienten mit kardiovaskulären Komplikationen
[%]
bonatgepufferten HF-Lösungen im Vergleich zu laktat-
1,0
50
belegen eindeutig, dass es bei Verwendung von bikar-
0,0
Abb. 10: Wahl der Pufferlösung für die kontinuierliche
Nierenersatztherapie: Bikarbonat- und laktatgepufferte
Substitutionslösungen im Vergleich.
In einer prospektiven, randomisierten Multicenter-Studie (2) wurde
eine statistisch signifikant geringere Häufigkeit kardiovaskulärer
Komplikationen bei Verwendung von bikarbonatgepufferten Sub­
stitutionslösungen (linke Grafik) beobachtet. Dies bezog sich vor
allem auf die Häufigkeit von Blutdruckabfällen (rechte Grafik), wel­
che bei Patienten mit ANV wegen der gestörten Autoregulation der
Nierenperfusion unbedingt zu vermeiden sind. Bikarbonatge­
pufferte Substitutionslösungen werden daher in Zukunft bevorzugt
verwendet werden.
109–113 mmol/l
35 mmol/l
0 mmol/l
5,6 mmol/l
Tab. 2: Zusammensetzung kommerziell erhältlicher, bikarbonatgepufferter
HF-Lösungen.
Effektivität der Blutreinigung
Die in den vorangegangenen Abschnitten beschriebene
Voraussetzung für eine adäquate Blutreinigung ist stets
näherungsweise Berechnung der Clearance eines kon-
ein ausreichender Blutfluss, der im Idealfall 200 ml/min
tinuierlichen Nierenersatzverfahrens ermöglicht eine
erreicht. Die insgesamt pro Tag erzielte Clearance kann
orientierende Abschätzung der applizierten Dia­lyse­
aus theoretischen Gründen die Summe aus einge-
dosis. Die Berechnung der tatsächlichen Clear­ance
setzter HF-Lösung und Netto-Ultrafiltration nicht über-
kann jedoch auch wesentlich differenzierter erfolgen.
schreiten. Anzumerken ist hier, dass die eingesetzte
HF-Lösung nicht einfach aus der gewählten Rate multipliziert mit 24 h berechnet werden darf.
18
Es muss statt dessen die tatsächliche Laufzeit des
dass ein ausreichend dimensionierter, leistungsfähiger
Nierenersatz­verfahrens berücksichtigt werden. Jede
Hämofilter eingesetzt wird. Bei CVVH in Prädilution
Unterbre­chung, z. B. durch Transporte des Patienten
muss die Verdünnung des Blutes durch die Zufuhr der
oder durch häufigen Filterverschluss, verringert die
Substitutionslösung vor Passage des Filters berück-
applizierte Dialysedosis bezogen auf den Tag. Thera­
sichtigt werden. Die Clearance K ergibt sich dann für
piefreie Intervalle müssen daher so kurz wie möglich
eine im Plasmawasser verteilte Substanz mit Sieb­
gehalten werden bzw. bei der Verschreibung der
koeffizienten 1 (z. B. Kreatinin) aus dem Plasma­was­ser­
Dialysebe­handlung durch einen höheren Filtrat- bzw.
­fluss QP, der netto Ultrafiltrationsrate QUF und der
Dialysier­flüssigkeitsfluss berücksichtigt werden.
Substitutionsrate Qsub nach folgender Formel:
K = (Qsub + QUF) × QP / (Qsub + QP).
Die Effektivitätsberechnung für die verschiedenen
Verfahren kann anhand verschiedener Formeln erfol-
Der Plasmawasserfluss ist proportional dem Blutfluss
gen. Die bei Anwendung von CVVHD oder CVVH(D)F
QB und wird wesentlich durch den Hämatokrit Hkt
in Postdilution tatsächlich erreichte niedermolekulare
beeinflusst. Wie bereits oben (S. 13) erläutert, kann
Clearance, also z. B. für Harnstoff und Kreatinin,
der Plasmawasserfluss mit dieser Formel abgeschätzt
stimmt unter den üblichen klinischen Bedingungen in
werden: QP = QB × (1 – Hkt / 100) × 0,94.
guter Näherung mit dem theoretischen Grenzwert
(umgesetzte HF-Lösung + Volumenentzug) überein.
Zur besseren Veranschaulichung sind in Tab. 3 die
Die Voraussetzungen für diese Näherung sind, dass
unter klinischen Bedingungen erreichten Harnstoff-
zum einen der Blutfluss mindestens das Doppelte der
Clearances für die in der Praxis eingesetzten CRRT-
so berechneten Clearance beträgt und zum anderen,
Verfahren unter Verwendung eines kommerziell erhältlichen Gerätes dargestellt.
Tab. 3: Mittlere Harnstoff-Clearance für die kontinuierliche venovenöse Hämofiltra­tion (CVVH) und die kontinuierliche venovenöse Hämodiafiltration (CVVHDF), je­weils im Prä- oder Post­
dilutionsmodus bei 40 Patienten mit postoperativem ANV.
Bei jeweils 10 Patienten mit postoperativem ANV wurde mit einem
kommerziell erhältlichen Akutdialysegerät eines der o. a. kontinuier­
lichen Nierenersatzverfahren durchgeführt. Im klinischen Routine­
betrieb wurde 6–8 Stunden nach Anschluss des Patienten an das
Gerät die Harnstoffelimination über den Hämofilter bestimmt und
daraus die Harnstoff-Clearance errechnet. Bei einem Blutfluss von
100 ml/min wurden stets 48 L/Tag ausgetauscht, bei der CVVH als
reines Ultrafiltrat, bei der CVVHDF jeweils zur Hälfte als Ultrafiltrat
bzw. Dialysierflüssigkeit. Die Tabelle zeigt die Mittelwerte der Harn­
stoff-Clearances von jeweils 10 Patienten. Die höchste HarnstoffElimination kann mit den Postdilutionsverfahren erzielt werden.
Zwischen CVVH und CVVHDF im Postdilutionsmodus bestehen
keine Unterschiede in der Effektivität der Harnstoffelimination. Mit
einer Harnstoff-Clearance von > 30 ml/min kann i. d. R. auch beim
katabolen Intensivpatienten eine ausreichende Kontrolle des SerumHarnstoff-Spiegels erreicht werden. Demgegenüber sind die Prä­
dilutionsverfahren deutlich weniger effizient. Während die CVVHDF
in Prädilution mit einer Clearance von 27 ml/min für die meisten
Patienten noch ausreichen wird, dürfte mit der CVVH in Prädilution
bei vielen katabolen Patienten keine ausreichende Harnstoffabsen­
kung möglich sein. Bei den Postdilutionsverfahren ist die Hämo­
kon­zentration im Filter jedoch deutlich höher, was unter Umstän­
den zu einer verkürzten Filterstandzeit führen kann. (Kindgen-Milles
et al., Intensive Care Medicine, 1998, abstract).
19
Erforderliche Intensität einer Nierenersatzbehandlung
bei ANV
Bei der Verschreibung einer Nierenersatztherapie
In zwei weiteren Behandlungsgruppen wurden HF-­
muss das Verfahren und der jeweils erforderliche Dia­
Lösungsumsätze von 35 ml/kg/h sowie 45 ml/kg/h
lysierflüssigkeits- oder Substitutionslösungsfluss, d. h.
untersucht. In der niedrig dosierten Behandlungs­
also das Tagesumsatzvolumen, festgelegt werden.
gruppe verstarben bei ansonsten gleicher Erkran­
kungs­schwere 59 % der Patienten, in den beiden in­­
Aus der chronischen Dialyse ist seit langem bekannt,
tensiv­ierten Behandlungsgruppen dagegen nur 42 %
dass mit gesteigerter Intensität einer Dialyse­be­hand­
bzw. 43 % (Abb. 11).
lung auch die Prognose verbessert wird. Unklar war
bis vor kurzem, ob eine solche Beziehung zwischen
*: p < 0,002 vs. 20 ml/kg/h
Behandlungsintensität und Letalität auch für Patienten
mit ANV besteht.
mit ANV eine höhere Überlebensrate aufweisen, wenn
das umgesetzte Lösungsvolumen steigt. Allerdings
Überlebensrate [%]
Bereits 1991 zeigten Storck et al. (60), dass Patienten
*56,8
*57,9
41,1
waren diese Patienten nach heutigen Vorstellungen
alle unterdialysiert und es blieb unklar, ab welchem
Lösungsumsatz keine weitere Verbesserung der
Austauschrate [ml/kg/h]
Prognose mehr zu erwarten war. In einer umfangrei­
chen retrospektiven Studie zeigten Paganini et al. (46)
wenig später eine klare Korrelation zwischen applizier­
ter Dialysedosis und Überleben bei intensivpflichtigen
Patienten mit ANV.
Die entscheidende Arbeit zum Zusammenhang zwischen der Intensität einer kontinuierlichen Nierener­
satz­behandlung und der Letalität bei intensivpflichtigen Patienten mit ANV wurde im Jahr 2000 von Ronco
et al. (54) publiziert. Sie kann mit Recht als Meilen­
Abb. 11: Überlebenswahrscheinlichkeit bei unterschiedlicher
Dosis der CVVH.
In einer prospektiven randomisierten Studie an 425 Patienten mit
anurischem ANV zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit für das
Überleben bei Erhöhung der Hämofiltrationsdosis (gemessen am
Lösungsumsatz) von 20 ml/kg/h auf 35 ml/kg/h klinisch relevant und
statistisch signifikant zunimmt. Eine weitere Erhöhung der Dosis ver­­
bessert die Prognose nicht weiter. Patienten mit Sepsis profitierten
in besonderem Masse von einer intensivierten Nieren­ersatztherapie
(54). Demnach sollte zukünftig die „Dosis“ einer Nierenersatzbe­
hand­lung deutlich gesteigert und individuell angepasst, d. h. unter
Berücksichtigung des Körpergewichtes, durchgeführt werden.
steinartikel bezeichnet werden und wird mit Sicherheit
die zukünftige Behandlung des ANV auf der Intensiv­
Besonders vorteilhaft schien sich die höhere Behand­
station erheblich beeinflussen.
lungsintensität bei Patienten mit Sepsis auszuwirken.
Ein angestrebtes Umsatzvolumen von 35 ml/kg/h ent-
Bei insgesamt 425 Patienten mit anurischem ANV
spricht bei einem 80 kg schweren Patienten einem
wurden prospektiv randomisiert drei verschiedene
Tagesumsatz von etwa 67 l/d. Eine solche Therapie
Dosierungen von HF-Lösung bei CVVH in Postdilution
stellt hohe Ansprüche an die personelle und apparati­
appliziert. Die niedrigste Dosierung (20 ml/kg/h) ent-
ve Ausstattung einer Intensivstation.
sprach etwa dem Stand der Praxis vor Beginn der
Studie (Umsatz von etwa 1,0 bis 1,5 l/h).
20
In Anbetracht der nachgewiesenen Reduktion der
Mit diesen beiden Untersuchungen konnte demnach
Sterblichkeit ist jedoch in Zukunft eine derart intensi-
also auch in wissenschaftlich adäquater Weise (pro-
vierte Behandlung des ANV unabdingbar und mit den
spektiv randomisierte Studien an ausreichend großen
derzeit verfügbaren Geräten auch gut durchführbar
Patientenkollektiven) belegt werden, dass Patienten
(Abb. 12).
im ANV von einer intensivierten Nierenersatztherapie
im Sinne einer verringerten Sterblichkeit profitieren.
Ein wesentlicher neuer Aspekt in dieser Studie ist dar­
­über hinaus, dass die Dialysedosis individuell und vor
allem in Abhängigkeit vom Körpergewicht verschrieben werden muss. Standardisierte HF-Lösungs­um­
sätze, die für alle Patienten unabhängig vom Körper­
gewicht stets gleich appliziert werden, entsprechen
demnach nicht mehr dem Stand des aktuellen Wis­
sens.
Zu vergleichbaren Ergebnissen kam eine Arbeits­
gruppe um Schiffl (56) im Jahr 2002. Sie behandelten
Patienten mit ANV nicht mit einem kontinuierlichen
Nierenersatzverfahren, sondern mit intermittierender
Hämodialyse. In randomisierter Form wurden zwei Pa­­
tientengruppen gebildet, von denen die eine täglich
dialysiert wurde, während in der anderen Gruppe –
wie früher üblich – eine Dialysebehandlung lediglich an
jedem zweiten Tag durchgeführt wurde. Es fand sich
eine signifikant niedrigere Letalität in der intensiviert
behandelten Gruppe (28 % vs. 46 %) sowie eine deutlich kürzere Dauer des ANV (Behandlungszeit 9 vs. 16
Tage).
Abb. 12: multiFiltrate, ein modernes Gerät zur Durchführung konti­
nuierlicher Nierenersatzverfahren.
21
Gefäßzugang für die Nierenersatztherapie
Zugangsorte
Katheter
Erfahrungsgemäß werden während einer längeren
Es stehen zahlreiche Doppellumenkatheter verschie-
Intensivbehandlung mehrfache Katheterwechsel
dener Hersteller zur Verfügung, die sich hinsichtlich
erforderlich, so dass „reihum“ verschiedene zentrale
Form, Länge, Konfiguration der Katheterspitze, An­­­
Venen punktiert werden müssen. Hinsichtlich der
zahl und Position der Perforationen zur Aspiration von
Möglichkeiten und Risiken zentralvenöser Punktionen
Blut, Material und Oberflächenbeschichtung unter-
wird auf entsprechende Übersichten verwiesen
scheiden. In Anbetracht der erforderlichen intensivier­
(49,50). Prinzipiell bietet jedoch die rechtsseitige V.
ten Behandlung müssen die Katheter ausreichende
jugularis interna den Vorteil der leichten Punktion
Blutflüsse von 200 ml/min zuverlässig ermöglichen.
sowie eines möglichst geradlinigen Verlaufs des
Dies soll zur Vermeidung einer Bluttraumatisierung mit
Katheters in die obere Hohlvene, wodurch hohe
möglichst niedrigen Druckwerten erreicht werden.
Blutflüsse ermöglicht werden (Abb. 13). Die Punktion
der V. subclavia ist etwas komplikationsträchtiger,
Unabhängig von den punktionsbedingten Akutkom­pli­
jedoch ist die Infektionsrate von Kathetern in der V.
ka­tionen müssen katheterassoziierte Langzeitkompli­
sub­clavia geringer, insbesondere bei tracheotomierten
ka­tionen vermieden werden. Katheterokklusionen und
Patienten. Prinzipiell ist auch ein Zugang über die V.
-thrombosen können durch adäquate Antikoagulation
femoralis möglich. Auf Grund des erhöhten Infektions-
und das Vermeiden von „no-flow“-Phasen (Stopp der
und Thromboserisikos sollte dieser Zugangsweg nach
Blutpumpe bei Gerätealarm) verringert werden. Ge­­
Möglichkeit vermieden werden. Dies ist in einer aktuel­
fäßthrombosen/-stenosen betreffen die Punktions­
len Arbeit von Merrer et al. (45) anhand eines prospek-
stelle und Gefäßbereiche, an denen der Katheter an­­
tiv randomisierten Vergleichs der Punktion der V.
liegt. Demzufolge ist wegen der großen Krümmung
femoralis mit der Punktion der V. subclavia eindrucks-
die V. subclavia nach infraklavikulärer Punktion be­­
voll bestätigt worden.
sonders gefährdet.
In der Praxis haben sich für den Routinebetrieb Poly­
urethankatheter durchgesetzt. Ihr Thromboserisiko ist
gering und sie werden bei Körpertemperatur vergleichsweise flexibel, wodurch die Traumatisierung
des Gefäßes reduziert werden kann. Silikonkatheter
scheinen auf Grund ihrer Oberflächenbeschaffenheit
und der hohen Flexibilität am besten verträglich, sind
jedoch extrem teuer und für den kurzzeitigen Einsatz
zumeist nicht erforderlich.
Für normale zentrale Venenkatheter wurde inzwischen
Abb. 13: Zentralvenöse Punktion.
Für die Anlage von Dialysekathetern stehen verschiedene Punk­­
tion­sorte zur Verfügung. Die Punktion der rechtsseitigen V. jugularis
interna ist technisch einfach und bietet den Vorteil eines gradlinigen
Katheterverlaufs, wodurch Blutflussprobleme minimiert werden.
Das distale Ende des Katheters sollte kurz oberhalb der Verbin­
dungs­stelle zwischen V. cava superior und rechten Vorhof liegen.
22
zweifelsfrei nachgewiesen, dass durch antimikrobielle
Beschichtung das Risiko für Katheterinfektionen und
katheterassoziierte Septikämien deutlich reduziert
werden kann (68).
In Anbetracht der hohen Kosten nur einer einzigen
Rückführungs­öffnung ab und steigt mit höheren Blut­
katheterbedingten Sepsis ist die Verwendung dieser
flüssen an. Davon unabhängig ist sie bei femoralem
etwas teureren Katheter auch unter wirtschaftlichen
Zugang stets erhöht, weil der Blutfluss in der V. femo-
Aspekten lohnend (69). Mittlerweile stehen auch anti-
ralis im Vergleich zu den zentralen Venen niedriger ist
mikrobiell und mit Antikoagulanzien beschichtete
(36). Besonders hoch (20–40 %) ist die Rezirkulation,
Dialysekatheter zur Verfügung, die möglicherweise
wenn bei gestörten Flussverhältnissen die Schenkel
das Risiko von katheterassoziierten Infektionen und
des Katheters umgepolt werden („venös“ an „arteriell“
Thrombosen reduzieren können.
und v. v., Abb. 14). Dies kann zur völligen Ineffektivität
des Verfahrens führen. Vollkommen vermieden wird
Die Katheterlage muss vor Beginn der CRRT sicher
Re­zirkulation bei Entnahme und Rück­gabe des Blutes
verifiziert werden. Empfohlen wird zumeist eine Posi­
an unterschiedlichen Stellen („Zwei­kathetertechnik“).
tion etwa 2 cm oberhalb der Verbin­
dungs­stelle zwischen V. cava super­
ior und rechtem Vorhof. Eine zu tiefe
Richtiger Anschluß der Lumina
Lage kann Lä­sionen an der Tricus­
pidalklappe ver­u rsachen, eine zu
hohe Positionie­rung Ursache von
Aspirations­pro­blemen und reduzier­
tem Blutfluss sein. Hinweisend auf
Aspirations­p robleme ist der am
„arteriellen“ Ka­theterschenkel ge­­
messene Unter­d ruck (Sog), der
Ungereinigtes Blut
Gereinigtes Blut
300 mmHg keinesfalls überschreiten soll. Zu bedenken ist, dass mit
zunehmender Ver­w eil­d auer eine
Falscher Anschluß der Lumina
Ausklei­dung des Ka­theters mit einer
Rezirkulation
Fi­b rin/Ei­w eiß­s chicht den Wider­
stand leicht erhöht.
Bei jedem Katheter findet Rezirku­
lation (Angabe in % des Blutflusses)
statt, d. h. ein Teil des „venös“ vom
Hämofilter zurückfließenden Blutes
wird ohne Kreis­laufpassage erneut
in den arteriellen Schenkel eingesaugt und dem Dialysator zugeführt.
Dies verringert die Effizienz des Ver­
fahrens. Die Rezirkulationsrate nimmt
mit zunehmender Distanz zwischen
arterieller Ansaug­stelle und venöser
Ungereinigtes Blut
Gereinigtes Blut
Abb. 14: Anschluss eines doppel­lumi­gen Katheters.
Beim Anschluss der beiden Kathe­ter­lumen an den extrakorporalen Kreislauf ist darauf zu
achten, dass das distale Lumen mit dem venösen Ende und das proximale Lumen mit dem
arteriellen Ende verbunden wird. Andernfalls kommt es zu einer u. U. erheblichen
Rezirkulation, d. h. bereits gereinigtes Blut wird erneut angesaugt, wodurch die Effektivität
der Behandlung abnimmt.
23
Antikoagulation
Die Durchführung einer kontinuierlichen Nierenersatz­
therapie erfordert in der Regel auch eine kontinuierli­
Standardantikoagulation mit
unfraktion­iertem Heparin
che und effektive Antikoagulation (Tab. 4), um eine
ausreichend lange Filterstandzeit zu gewährleisten
Die Antikoagulation mit Heparin ist die derzeit noch
und um Aktivierungsprozesse innerhalb des extrakor-
am häufigsten angewandte Form der Gerinnungs­
poralen Kreislaufs zu vermeiden. Gewünscht wird eine
hemmung. Sie kann nach fixem Schema mit ge­­
wirksame Antikoagulation im extrakorporalen Kreislauf
wichts­bezogener Applikation erfolgen (Beispiel: initia-
bei möglichst wenig beeinflusster Gerinnung im Sys­
ler Heparinbolus von 50 E/kg, gefolgt von 5–20 E/kg/h).
temkreislauf. Kontinuierlich zugeführte gerinnungs-
Genauer und sicherer ist die Steuerung der Heparin­
hemmende Medikamente sollten deshalb immer im
wir­k ung mittels der activated-clotting-time (ACT,
extrakorporalen Kreislauf vor dem Hämofilter zuge-
Hemochron®) oder/und anhand der aPTT.
führt werden.
Die ACT-Bestimmung erfolgt bettseitig, ist technisch
Als Antikoagulanz wird heute meist unfraktioniertes
einfach durchzuführen, kann in kurzen Zeitintervallen
Heparin verwandt, in einigen Zentren auch Prosta­
wiederholt werden und erlaubt damit eine zeitnahe
zyklin oder eine Kombination von Prostazyklin und
Anpassung der Heparindosis, was insbesondere für
Heparin. Die Zunahme von Heparin­unverträg­lich­keit­
blutungsgefährdete Patienten wichtig ist. Aus der Lite­
en, insbesondere der Heparininduzierten Thrombo­
ratur liegen für Patienten in der postoperativen Phase
zytopenie Typ II (HIT-II) in den letzten Jahren führte
Empfehlungen von 140–180 sec vor. Bei nicht blu-
jedoch zu einer intensiven Suche nach alternativen
tungsgefährdeten Patienten werden Werte von 200–
Formen der Antikoagulation. Aktuell werden insbeson­
250 sec genannt. Bei einer ACT von < 120 sec ist die
dere Hirudin und die Antikoagulation mit Zitrat als
Filterstandzeit sicher deutlich verkürzt (58,67).
Alternativen diskutiert.
Zusätzlich zu diesem bettseitigen Verfahren sollte einbis zweimal täglich eine systemische Gerinnungs­
analyse durchgeführt werden.
Antikoagulanz
Wirkmechanismus
Heparin, Heparinoide:
–beschleunigt die Wirkung von Anti-Thrombin III (AT III), welches
aktivierte Gerinnungsfaktoren komplexiert und damit inaktiviert; als
Antidot steht Protamin zur Verfügung.
Hirudin:
– inaktiviert Thrombin, z. Zt. ist kein Antidot verfügbar.
Zitrat:
–komplexiert Kalzium, damit steht kein freies Kalzium für einige
enzymatische Schritte der Blutgerinnung zur Verfügung; die Wirkung
kann durch Kalziumgabe aufgehoben werden.
Prostazyklin:
– hemmt die Aggregation von Thrombozyten.
kumarinähnliche Antikoagulantien:
(nur wenn aus anderen Gründen indiziert)
–haben eine antagonistische Wirkung zu Vitamin K und hemmen die
Bildung einiger Gerinnungsfaktoren in der Leber; als Antidot ist
Vitamin K verfügbar
Tab. 4: Mögliche Antikoagulanzien in der Dialyse einschließlich Wirkmechanismus.
Zusätzlich sollte natürlich darauf geachtet werden, dass soweit wie möglich Blut-Luft-Kontakte und stagnierender Blutfluss vermieden werden. Die
Oberflächen, die mit dem Blut in Kontakt kommen, sollten aus nicht thrombogenen Materialien hergestellt sein.
24
Zielwerte für die aPTT werden mit 40–80 sec angege-
­ter Adhäsion und Aggregation der Blutplättchen, die
ben (52). Zu beachten ist, dass für die Heparinwirkung
darüber hinaus Mediatoren freisetzen, welche die Akti­
ein ausreichender Antithrombin-III (AT-III) Spiegel erfor-
vie­rungs­prozesse der Koagulationskaskade weiter
derlich ist, so dass auch das AT-III einmal täglich be­­
unterhalten. Eine Hemmung dieser Vorgänge kann
stimmt und gegebenenfalls substituiert werden muss.
durch Prostaglandine erreicht werden. Zumeist wird
Bei häufigem Ver­schluss des extrakorporalen Kreis­
Prostazyklin (Pgl2) verwandt. Empfohlene Dosie­rung­
laufs unter Heparin-Antikoagulation erlaubt eine Ge­­
en liegen bei 5 (–10) ng/kg/min (33). Die Filterlaufzeit
rinnungsanalyse im venösen Schenkel eine Aussage,
unter Prostazyklin ist nicht länger als bei alleiniger
ob eine weitere Steigerung der Heparindosis sinnvoll
Heparinantikoagulation. Der Thrombozytenverbrauch
ist. Bei aPTT-Werten > 60 sec ist dies nicht der Fall.
wird jedoch offensichtlich reduziert. Die Thrombo­zyten­­
funktionshemmung durch Prostazyklin ist im Ge­gen­satz
Eine zunehmend häufiger diagnostizierte Neben­
zu der durch Acetylsalizylsäure binnen Mi­nuten rever-
wirkung von Heparin ist die Entwicklung einer Heparin
sibel, so dass Prostazyklin auch in der post­operativen
induzierten Thrombozytopenie (HIT). Dabei werden
Phase eingesetzt werden kann.
der Typ I (übliche Abkürzung HIT-I, oder heparin associated thrombocytopenia HAT) und der Typ II (übliche
Nebenwirkungen von Prostazyklin beruhen auf seiner
Abkürzung HIT-II) unterschieden. Die HIT-I verläuft kli-
vasodilatierenden Wirkung, so dass in Abhängigkeit
nisch in der Regel mild und zeigt sich in einem mäßi-
von Dosis und Applikationsweg Hypotonien, Flush
gen Abfall der Thrombozytenkonzentration. Außer
und eine Erhöhung des intrapulmonalen Shunts beob­
einer engmaschigen Überwachung ist keine besonde-
achtet wurden. Eine versehentliche Bolusapplikation
re Therapie erforderlich. Die HIT-II ist immunologisch
(z. B. nach alarmbedingtem Stopp der Blutpumpe und
bedingt und beruht auf einer Antikörperbildung. Sie ist
Wiederanlaufen) muss vermieden werden. Ein wesent­
begleitet von einem ausgeprägten Thrombozyten­­
licher Nachteil von Prostazyklin sind die hohen Tages­
abfall und führt häufig zu schweren thromboemboli­
therapiekosten.
schen Komplikationen, auch mit Todesfolge. Bei klini­
schem Verdacht auf eine HIT-II ist Heparin sofort
abzusetzen und eine alternative Antikoagulation muss
durchgeführt werden. Wegen häufiger Kreuzreak­
Antikoagulation mit Heparin und
Prostazyklin
tionen gegen andere Heparine oder Heparinoide sind
solche Substanzen ebenfalls zu meiden. Eine engma-
Eine optimale Antikoagulation sollte die Hemmung
schige Kontrolle der Thrombozytenzahl erfolgt unter
von plasmatischer und thrombozytärer Gerinnungs­
kontinuierlicher Nierenersatztherapie ohnehin regel-
aktivierung umfassen. Daher wird in manchen Kliniken
haft, so dass diese Komplikation frühzeitig erkannt
eine Kombination von niedrig dosiertem Heparin mit
werden kann.
Prostazyklin durchgeführt. Einige Autoren haben verlängerte Filterstandzeiten beobachtet (33), während
andere dies nicht bestätigen konnten. Die Angst vor
Antikoagulation mit Prostazyklin
Prostazyklin-Nebenwirkungen und seine hohen Kos­
ten standen einer weiten Verbreitung dieser Kombi­
Der Blutkontakt mit Fremdoberflächen und die Trau­
nation bisher entgegen, jedoch kann die zusätzliche
matisierung zellulärer Blutbestandteile im extrakorpo-
Gabe von Prostazyklin bei häufigem Filterverschluss
ralen Kreislauf aktivieren neben der plasmatischen
die Standzeiten deutlich verlängern.
Gerinnung auch Thrombozyten. Dies führt zu vermehr­
25
Antikoagulation mit Hirudin
Zusammenfassend erlaubt die Gabe von Hirudin bei
nachgewiesener HIT-II eine effektive Antikoagulation
Für die Antikoagulation bei HIT-II steht mittlerweile auch
für die CRRT, erfordert aber eine vorsichtige Dosisan­
das rekombinant hergestellte Hirudin (Refludan®) zur
passung mit regelmäßigen Kontrollen der Hirudinblut­
Ver­fügung. Der Einsatz von Hirudin zur Antikoa­gula­
spiegel bzw. der ECT sowie darüber hinaus eine
tion bei CRRT ist allerdings bisher nur spärlich unter-
genaue Überwachung des Gerinnungsstatus. In der
sucht, so dass generelle Dosierungsempfehlungen
eigenen Klinik sind unter intensivierter Nierener­satz­
derzeit noch nicht möglich sind. Unklar ist auch, ob
therapie mit Tagesumsätzen von 40 ml/kg/h unter Ver­
Hirudin unter diesen Bedingungen kontinuierlich oder
wen­dung eines High-Flux Polysulfonfilters erfahrungs-
mittels Bolusgaben appliziert werden soll. So wurde in
gemäß Tagesdosen von 10 bis 30 mg Hirudin erfor-
einer Untersuchung unter kontinuierlicher Hirudingabe
derlich, um Filterstandzeiten von > 24 h ohne erkenn-
ein erhöhtes Blutungsrisiko gefunden, allerdings stand
bar erhöhtes Blutungsrisiko zu gewährleisten.
in dieser Studie kein Monitoring der Hirudinspiegel zur
Verfügung (25). Zu bedenken ist die lange Halbwerts­
zeit der Substanz, insbesondere bei Nierenin­suffi­­­
Regionale Antikoagulation mit Zitrat
zienz, das Fehlen eines Antidots und das damit potentiell erhöhte Blutungsrisiko bei Überdosierung. Hirudin
Das Ziel einer regionalen Antikoagulation ist die Ge­­
wird über High-Flux Membranen eliminiert, nicht je­­
rinnungshemmung ausschließlich im extrakorporalen
doch über Low-Flux Membranen. Bei Einsatz eines
Kreislauf mit Antagonisierung im venösen Schenkel
High-Flux Hämofilters und insbesondere bei der Durch­
vor Rückgabe des Blutes zum Patienten. Dies bietet in
führung einer intensivierten Nierenersatzbehandlung
der operativen Intensivmedizin den Vorteil, die Blu­
ist deswegen mit einem erhöhten Hirudinbedarf zu
tungsgefahr im Operationsgebiet gering zu halten.
rechnen (15). Daraus folgt, dass zwangsläufig eine re­­
gelmäßige Überwachung der Therapie erfolgen muss.
Das Prinzip der regionalen Zitratantikoagulation ist die
Die Steuerung der Hirudindosierung kann anhand der
Gerinnungsinaktivierung durch Bindung von Kalzium
Ecarin Clotting Time (ECT) oder mittels direkter Be­­
(1,48), indem durch Infusion von Zitrationen vor dem
stimmung des Hirudinspiegels erfolgen.
Hämofilter das zur Gerinnungsaktivierung notwendige
Kalzium abgefangen wird. Die eingesetzte Hämofiltra­
In einer aktuellen Studie (67) wurden Hirudin und He­­
tionslösung ist im Unterschied zu den üblicherweise
parin zur Antikoagulation für CRRT verglichen. Beide
applizierten Lösungen kalziumfrei, um im extrakorpo-
Verfahren waren hinsichtlich des Erfolgs der Anti­
ralen Kreislauf nicht vorzeitig die Antikoagulation auf-
koagulation (Filterstandzeit) vergleichbar. Prinzipiell
zuheben. Das gebundene Kalzium wird im venösen
waren beide Verfahren sicher, allerdings wurden nach
Schenkel des extrakorporalen Kreislaufs oder über
längerer Exposition unter Hirudin in einigen Fällen
einen separaten zentralen Zugang ersetzt. Das noch
Blutungskomplikationen beobachtet. Erstaunlicher­
an Zitrat komplexierte Kalzium im zurückgegebenen
weise lag die Hirudinkonzentration im Plasma aber
Blut wird nach Verstoffwechslung des Zitrats in der
dabei stets unterhalb des therapeutischen Bereiches,
Leber wieder freigesetzt. Es muss aber beachtet wer-
und die ECT war nur mäßig verlängert. Da bei den be­­
den, dass die Zitrat-Verstoffwechslung bei Leberfunk­
troffenen Patienten Gerinnungsstörungen vorlagen,
tionsstörungen stark eingeschränkt sein kann (43,44).
vermuten die Autoren den Hauptgrund für die Blutungs­
Das Verfahren ist mit drei Schwierigkeiten verbunden:
komplikation dort, konnten aber letztlich eine Be­tei­lig­
ung von Hirudin nicht sicher ausschließen.
26
1. Das zugeführte Zitrat wird in der Leber zu Bi­karbo­
nat metabolisiert und kann eine metabolische Al­ka­
Regionale Antikoagulation mit Heparin
und Protamin
lose verursachen.
Obwohl aus der Kardiochirurgie langjährige Erfah­
2. Mit dem Zitrat wird in der Regel auch Natrium zuge-
rung­en mit Heparinantikoagulation und titrierter Anta­
führt, woraus eine Hypernatriämie resultieren kann.
go­nisierung mit Protamin vorliegen, hat sich dieses
Verfahren für die CRRT nicht durchgesetzt.
3. Die Kalziumzufuhr muss exakt gesteuert und überwacht werden, damit das ionisierte Kalzium des
Gründe sind die akut schlechte Steuerbarkeit, die Ne­­
Patienten im Normbereich bleibt. Schwierigkeiten
ben­­wirkungen von Protamin (Hypotonie, intrinsische
können sich hier bei einer Änderung des Zitratstoff­
anti­­­koagulatorische Wirkung), sowie die Unwäg­bar­kei­
wechsels ergeben. Ein reduzierter Abbau von Zitrat
ten ei­ner über Tage durchgeführten kontinuierlichen
bei Leberfunktionsstörungen kann dann zu einem
Appli­ka­tion, u. a. auch weil die Halbwertszeiten der
relevanten Abfall des ionisierten Kalziums führen.
bei­­den ver­wen­deten Substanzen deutlich unterschied­­
lich sind (1).
In der Literatur sind verschiedene Aufbauten zur Zi­­­
trat­antikoagulation beschrieben. Die meisten Autoren
nutzen eine Tri-Natrium-Zitrat Lösung oder das ur­­
sprünglich in der Transfusionsmedizin entwickelte
Antikoagulation beim
blutungsgefähr­deten Patienten
ACD-A (eine Mischung aus Tri-Natrium-Zitrat mit
Zitronensäure und Glukose) und ggf. eine in der Zu­­
Generell ist in jedem Fall ein potentielles Blutungsrisiko
sammensetzung entsprechend modifizierte HF-­
durch die Antikoagulation gegenüber den Vorteilen
Lösung (9,42,44,66). Einen anderen Ansatz verfolgt
einer CRRT abzuwägen. Heparinbeschichtete Sys­
das von Palsson & Niles (48) beschriebene Verfahren
teme stehen für die CRRT bisher noch nicht in breitem
mit einer speziellen Zitrat-gepufferten HF-Lösung. Das
Umfang zur Verfügung. Ist eine regionale Antikoa­gula­
Kalzium wird dabei direkt durch die HF-Lösung ge­­
tion nicht möglich, so muss eine low-dose Hepa­rini­sie­
bunden, die deshalb zwingend im Prädilutionsmodus
rung oder auch eine heparinfreie Behandlung durch­
appliziert werden muss. Durch die Zusammensetzung
geführt werden. Bei einer heparinfreien Behandlung ist
der Lösung ist das Risiko einer Hypernatriämie oder
das Vorspülen des extrakorporalen Kreislauf mit einer
der Entwicklung einer metabolischen Alkalose im
heparinhaltigen Lösung zu empfehlen (z. B. 5000 IU
Vergleich zu konventioneller CRRT nicht erhöht. Die
Heparin in die Spüllösung, die vor dem Anschluß an
Antikoagulation mit Zitrat hat sich in Ermangelung ent-
den Patienten verworfen wird). Tan et al. (64) haben
sprechender vorgefertigter Lösungen und eines einfa­
bei Patienten mit Blutungsgefährdung eine CVVH in
chen Applikationsschemas bisher noch nicht durch-
Prädilution ohne Antikoagulation durchgeführt und
gesetzt, ist in Anbetracht der zunehmenden Häufigkeit
dabei sehr gute Filterlaufzeiten von bis zu 32 h erzielt.
heparinassoziierter Thrombopenien jedoch sicher ein
Das intermittierende Spülen des blutführenden Sys­
vielversprechendes Verfahren für die Zukunft.
tems mit HF-Lösung (oder isotonischer NaCl-Lösung)
wird gelegentlich zur Verlängerung der Standzeit vorgeschlagen. Die naheliegende Vermutung, dass durch
diese Maßnahme tatsächlich die Filterlaufzeit verlängert wird, konnte aber in einer Studie nicht bestätigt
werden (51). Alternativ muss auf eine ggf. auch hepa-
rinfreie iHD umgestellt werden.
27
Häufiger Verschluss des extrakorporalen Kreislaufs
Als häufiger Verschluss des extrakorporalen Kreislaufs
Hämodiafiltration kann bei erhaltener oder sogar ge­­
werden je nach Autor Filterstandzeiten von weniger
steigerter Behandlungsintensität die Hämokonzen­tra­
als 18–24 Stunden definiert. Sind diese kurzen Lauf­
tion und damit die Koagulationsneigung verringert
zeiten nicht die Folge einer bewusst niedrig dosierten
werden.
Antikoagulation bei Patienten mit erhöhtem Blutungs­
risiko, so muss nach den Gründen geforscht werden.
Trotz dieser Maßnahmen kommt es bei einem kleinen
Eine häufige Ursache sind Blutflussstörungen bei Ka­­
Teil der Patienten weiterhin zu frühen Systemver­
theterproblemen, z. B. in Folge einer partiellen Kathe­
schlüssen. Eine mögliche Ursache ist dann u. U. eine
terthrombose. Blutkoagel bilden sich häufiger in den
gesteigerte Thrombozytenaggregabilität. Abhilfe kann
Luftfallen als im Hämofilter selbst, insbesondere in der
in diesen Fällen die zusätzliche Gabe von Prostazyklin
venösen Tropfkammer. Beim Füllen des extrakorpora-
schaffen. Lässt sich die Filterstandzeit durch diese
len Systems ist auf größtmögliche Luftfreiheit zu ach-
Maßnahmen nicht in einen akzeptablen Bereich ver-
ten, da an der Grenzfläche von Luft und Blut eine Ge­­
längern, so muss entweder ein wiederholter Neuauf­
rinnungsaktivierung stattfindet.
bau des Systems in Kauf genommen werden oder auf
die iHD übergegangen werden. Eine differenzierte
Eine Koagelbildung kann bei Anwendung von CVVH
Gerinnungsanalyse bzw. der Rat eines Hämostaseo­
im Postdilutionsmodus durch eine zu hohe Hämo­kon­
logen sollte ggfs. eingeholt werden. Zu warnen ist vor
zentration im Filter in Folge einer hohen Filtrations­
einer unkritischen Steigerung der Antikoagulation. Bei
fraktion verursacht werden. Eine Steigerung des Blut­
einer aPTT > 60 sec im venösen Schenkel des extra-
flusses, die Reduktion der Filtrationsfraktion und das
korporalen Kreislaufs verlängert eine weitere Stei­ge­
Umsetzen von Post- auf Prädilution kann dem ent­
rung der Heparindosis die Laufzeit nicht, erhöht aber
gegenwirken. Durch Wechsel von Hämofiltration auf
das Blutungsrisiko.
Ernährung
Intensivpflichtige Patienten mit ANV befinden sich auf
Generell unterscheidet sich nach der heute vorherr-
Grund der Schwere ihrer Erkrankung, unabhängig von
schenden Meinung die Ernährung des kritisch Kran­
den metabolischen Einflüssen durch das ANV, i. d. R.
ken mit ANV nicht prinzipiell von der anderer Intensiv­
immer in einer katabolen Stoffwechsellage. Insbeson­
patienten mit gleicher Grunderkrankung und ohne ANV
dere bei Multiorganfunktionsstörungen oder Sepsis
(14). Eine möglichst frühzeitige enterale Ernährung
stehen die metabolischen Störungen dieser Grunder­
sollte angestrebt werden, da bereits kleine Mengen an
krankung im Vordergrund. Dementsprechend muss
enteralen Substraten die intestinale Integrität und Funk­
sich die Ernährungstherapie mehr an den Besonder­
tion erhalten.
heiten der Grunderkrankung und weniger an spezifi­
schen Belangen des ANV orientieren.
28
Eine Restriktion der Aminosäuren (AS)-Zufuhr wird bei
In der Praxis kann wegen der geringen Molekülgröße
Patienten mit ANV nicht mehr angestrebt. Eine solche
der AS bei anderen CRRT-Verfahren statt der Ultra­
Diät wird bei chronisch Niereninsuffizienten in der prä-
filtrat­menge die Clearance entsprechend der verein-
dialytischen Phase empfohlen, da sie die Progression
fachten Formel in Tabelle 5 (s. u.) benutzt werden. Bei
der renalen Grunderkrankung verlangsamen kann. Ob
einem Umsatz von 48 l/d (2 l/h) und einer Netto-Ultra­
spezielle „Nierenlösungen“ bei Patienten mit ANV zu
filtration (Negativbilanz) von 4 l/d ergibt sich damit ein
klinischen Vorteilen führen, kann noch nicht abschlie-
zusätzlicher Bedarf von etwa 13 g AS/d. Bei einem
ßend beurteilt werden. Zwar wird derzeit die Zusam­
70 kg schweren Patienten entspricht dies einer
mensetzung von AS-Lösungen diskutiert, jedoch er­­
Erhöhung der AS-Zufuhr um etwa 0,2 g/kgKG/d im
scheint die Verwendung der allgemein üblichen AS-­
Vergleich zu einem Patienten mit gleichem Krank­
Lösungen auch bei Patienten mit ANV möglich; AS-­
heitsbild, bei dem keine Nierenersatztherapie durch-
Lö­sungen mit ausschließlich essentiellen Aminosäuren
geführt wird. Unter intensivierter Nierenersatztherapie
sollten nicht verwendet werden (14). Jedoch wird oft
mit höheren Um­sätzen muss auch die AS-Zufuhr ent-
übersehen, dass „Nierenlösungen“ zumeist kaliumfrei
sprechend ge­stei­gert werden.
sind, während zahlreiche konventionelle AS-Lö­sungen
20–40 mmol/l Kalium enthalten. Dies kann gelegent-
Im Gegensatz zur chronischen Dialyse, bei der in der
lich bei schwer beherrschbarer Hyperkaliämie und
Regel eine Hyperphosphatämie nachweisbar ist, kommt
Unterbrechung der CRRT zur relevanten Erhöhung
es unter CRRT wegen der kontinuierlichen Behand­
des Serumkaliums führen.
lung häufig zu einer Phosphatverarmung der Patien­­
ten (65). Deswegen sollte im Rahmen der üblichen
Fette werden nicht in nennenswerter Menge durch
Laborkontrollen einmal täglich auch Phosphat be­­­
CRRT eliminiert, Glukose und AS jedoch in Ab­hängig­
stimmt werden. Unter intensivierter Nierener­satz­thera­
keit von der Höhe ihrer Plasmaspiegel. Bei Umsätzen
pie ist regelhaft eine Phosphatsubstitution erforderlich.
von 24–48 l/d gehen pro Tag etwa 40–80 g Glukose
und etwa 6–15 g AS verloren (13). Die Glukosebilanz
Wasserlösliche Vitamine werden mit einem kontinuier-
der CRRT kann leicht dadurch neutral gehalten wer-
lichen Nierenersatzverfahren in Abhängigkeit der
den, dass eine HF-Lösung mit einem in etwa physio­
gewählten Effektivität eliminiert. Hier ist im Rahmen
logischen Glukosegehalt (z. B. 1 g/l) verwendet wird.
der parenteralen Ernährung auf eine ausreichende
Eine Änderung der enteralen oder parenteralen Glu­
Zufuhr zu achten. Wir verdoppeln ab einem Umsatz
kosezufuhr ist dann nicht erforderlich. Da AS-haltige
von mehr als 48 l/d die tägliche Dosis wasserlöslicher
HF-Lösungen nicht verfügbar sind, müssen die AS-­
Vitamine. Spurenelemente und fettlösliche Vitamine
Verluste durch die CRRT bei der Planung der parente-
werden wegen des sehr geringen ungebundenen
ralen oder enteralen Ernährung durch eine erhöhte
Anteils dieser Substanzen nicht in nennenswerter
AS-Zufuhr berücksichtigt werden. Bei CVVH in Post­
Menge eliminiert, so dass eine erhöhte Substitution
dilution ist pro Liter gebildetem Ultrafiltrat mit einem
dieser Substanzen nicht erforderlich ist (61).
Verlust von etwa 0,25 g AS zu rechnen (13).
29
Medikamentendosierung unter CRRT
Die Gesamtkörperclearance eines Medikaments er­­
Neben der Filtration/Dialyse über die Membran ist in
gibt sich aus der Summe seiner einzelnen regionalen
einigen Fällen Adsorption bedeutsam. Insbesondere
Clearances. Eine Anpassung der Medikamenten­dosis
kann die negativ geladene Polyacrylonitril-Membran
ist im ANV nur dann erforderlich, wenn die renale
(PAN, AN 69) relevante Mengen an Medikamenten
Clearance einen relevanten Anteil an der Gesamt­kör­
durch Adsorption aus dem Blut entfernen, ohne dass
perclearance hat. Neben der Filtrationsrate und dem
diese Substanzen im Filtrat nachweisbar sind.
Siebkoeffizienten bestimmen vor allem das Ver­tei­lungs­
volumen (VD, distribution volume) und die Plasma­
Für die Anpassung der Medikamentendosierung unter
eiweißbindung (PEB) die Elimination einer Sub­stanz
CRRT stehen mehrere Tabellen und Listen zur Verfü­
während CRRT.
gung, anhand derer eine Dosiskorrektur für zahlreiche
Medikamente möglich ist (51). Im Internet ist unter der
Substanzen mit hohem VD befinden sich nur zu einem
Adresse:
geringen Anteil im „zentralen Kompartiment“ Blut. Sie
werden dementsprechend nur in sehr geringer Menge
www.uni-heidelberg.de/med/klinpharm
dem extrakorporalen Kreislauf zugeführt und können
selbst bei vollständiger Extraktion während der Pas­
eine umfangreiche Literatursammlung sowie eine For­
sage nicht in relevantem Umfang eliminiert werden.
mel­sammlung verfügbar, die für jeden Einzelfall eine
Berechnung der Medikamentendosis in Abhängigkeit
Substanzen mit hoher PEB, also geringem freien An­­
von der Restnierenfunktion bzw. dem Nierenersatz­
teil, werden ebenfalls schlecht eliminiert, da nur der
ver­fahren ermöglicht.
freie, ungebundene Anteil entfernt werden kann. Die
PEB eines Medikamentes kann sich beim kritisch
Kranken und im ANV ändern (Einflussfaktoren z. B.:
pH-Wert, Bilirubinspiegel, Verdrängung durch weitere
Verfahren
Clearance (vereinfachte Formel)
Postdilution-CVVH
QUF + Qsub
Prädilution-CVVH
Medikamente, Heparin).
CVVHD
QUF + Qdia
Das Molekulargewicht (MG) der Medikamente ist bei
Postdilution-CVVHDF
QUF + Qsub + Qdia
High-Flux-Membranen mit einem Cut-Off > 20.000 Da
Prädilution-CVVHDF
kaum noch von Bedeutung, da die meisten Medi­ka­
mente ein MG < 1.500 Da haben. Das vom Molekular­
gewicht schwerste in der klinischen Routine eingesetzte Medikament ist Vancomycin mit 1449 Dalton.
Die Clearance eines Medikamentes ergibt sich bei den
verschiedenen CRRT-Verfahren entsprechend Tabelle
5. Die nach Tabelle 5 abgeschätzte Clearance darf in
erster Annäherung mit der GFR gleichgesetzt werden
und erlaubt somit eine näherungsweise Dosisan­pas­
sung für alle Medikamente, für die Dosisreduktionen
nach GFR bekannt sind.
30
Tab. 5: Clearance für Medikamente bei verschiedenen CRRT-Verfahren.
Die Clearance kann anhand einer vereinfachten Formel berechnet
werden, die dann verwendet werden darf, wenn das Molekular­
gewicht des Medikamentes < 2000 liegt, ein leistungsfähiger High-Flux
Hämofilter eingesetzt wird und der verwendete Fluss von HF-Lösung
(Dialysierflüssigkeit + Substitutionslösung) deutlich kleiner als der
Blutfluss ist. Sie erlaubt keine exakte, aber für klinische Belange dennoch
hinreichend genaue Bestimmung der Medika­menten-Clearance. QUF
Netto-Ultrafiltration (= Negativbilanz), Qsub Substituatfluss, Qdia
Dialysatfluss, SC Siebkoeffizient, QP Plasmawasserfluss.
Fazit
In der Behandlung des akuten Nierenversagens haben
Eine Intensivierung der Nierenersatztherapie erfordert
sich in den letzten Jahren auf Grund der Ergebnisse
neben den entsprechenden personellen Ressourcen
mehrerer gut angelegter klinischer Studien wesentli­
auch eine adäquate apparative Ausstattung. Moderne
che neue Erkenntnisse ergeben, die eine Änderung
Geräte zur kontinuierlichen Nierenersatzbehandlung
der bisher üblichen Praxis erfordern. Das ANV mani­
bieten einen einfachen technischen Aufbau, eine zu­­
festiert sich auf der Intensivstation häufig im Rahmen
verlässige automatische Bilanzierung sowie eine menü­
eines Multiorgandysfunktionssyndroms bzw. Multi­
gesteuerte Benutzerführung, die auch dem nicht spe-
organ­versagens. Die Prognose der Patienten wird
ziell nephrologisch geschulten Intensivmediziner die
dann zwar in erster Linie von ihrer Grunderkrankung
Durchführung einer Nierenersatzbehandlung entspre-
bestimmt, das ANV ist aber dennoch ein unabhängi­
chend den oben genannten Vorgaben ermöglicht.
ger Letalitätsfaktor, dessen effektive Behandlung die
Prognose der Patienten verbessern kann. So senkt ein
Bei der Auswahl der Substitutionslösungen für die
früher Behandlungsbeginn bei Patienten mit einem sich
Hämo­filtrationsbehandlung haben sich eindeutige Vor­
entwickelnden ANV unabhängig von der Behand­
teile der bikarbonatgepufferten Lösungen gezeigt.
lungsintensität die Letalität. Aus diesem Grund wird
Neben einer effektiveren Korrektur der metabolischen
jetzt die Indikation zur Anwendung extrakorporaler Blut­
Azidose fand sich vor allem eine höhere hämodynami­
reinigungsverfahren deutlich früher als noch vor weni-
sche Stabilität.
gen Jahren gestellt. Man tendiert heute dazu, mit der
Behandlung bei den Retentionswerten zu beginnen,
In den vergangenen Jahren wurden auf Grund dieser
die unter einer laufenden Therapie gehalten werden
neuen Erkenntnisse immer höhere Ansprüche an die
sollen. Dabei wird zunehmend häufiger ein Grenzwert für
Qualität und Quantität der Nierenersatztherapie auf
Serum-Harnstoff in der Größenordnung von 100 mg/dl
der Intensivstation gestellt. Diese Entwicklung wird
genannt.
zusammen mit einer möglichen Erweiterung des
Indikationsspektrums für die Anwendung kontinuier-
In zwei prospektiv randomisierten Studien wurde ein-
licher Nierenersatzverfahren den Einsatz auf Intensiv­
deutig belegt, dass eine intensivierte Behandlung des
stationen deutlich erhöhen. Eine Verlegung von Patien­
ANV mit gesteigerter Dialysedosis die Sterblichkeit un­­
ten in große Schwerpunktkliniken zur Durchführung sol­
ab­hängig von der Grunderkrankung reduzieren kann.
cher Behandlungen wird durch kapazitive und finan­­
Bei der Hämofiltration sind dazu Filtrationsvolumina
zielle Engpässe schwieriger, weshalb diese Techniken
von etwa 35 ml/kg/h erforderlich. Bei Behandlung mit
auch in kleineren Intensiveinheiten verfügbar sein müs-
inter­mittierender Hämodialyse sollte eine tägliche Be­­
sen. Die hier beschriebenen kontinuierlichen Nieren­
handlung angestrebt werden, weil diese im Vergleich
ersatzverfahren sind effektiv und technisch einfach
zur Dialyse an jedem zweiten Tag ebenfalls zu einer
durchführbar. Sie werden daher in Zukunft zum unab-
deutlichen Letalitätsreduktion führte.
dingbaren Standardrepertoire einer anspruchsvollen
Intensivmedizin gehören.
31
Glossar
ACT Activated clotting time, aktivierte Gerinnungszeit
ANV Akutes Nierenversagen
aPTT Aktivierte partielle Thromboplastinzeit
ARDS Adult respiratory distress syndrome
AS Aminosäuren
AT III Antithrombin III
CAVH Kontinuierliche arterio-venöse Hämofiltration
CAVHD Kontinuierliche arterio-venöse Hämodiafiltration
CRRT Continuous renal replacement therapy, kontinuierliche
Nierenersatztherapie
CVVH Kontinuierliche veno-venöse Hämofiltration
CVVHD Kontinuierliche veno-venöse Hämodialyse
CVVHDF Kontinuierliche veno-venöse Hämodiafiltration
GFR Glomeruläre Filtrationsrate
HD Hämodialyse
HDF Hämodiafiltration
HF Hämofiltration
HF-Lösung Hämofiltrationslösung
HIT-I Heparin induzierte Thrombozytopenie Typ I
HIT-II Heparin induzierte Thrombozytopenie Typ II
HV-CVVH Hochvolumige CVVH
ICU Intensive Care Unit, Intensivstation
iHD Intermittierende Hämodialyse
MOV Multiorganversagen
PEB Plasmaeiweißbindung
PgI2 Prostazyklin (Prostaglandin I2)
SIRS Systemic inflammatory response syndrome
TNF Tumornekrosefaktor
VD 32
Distribution volume, Verteilungsvolumen
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35
Infusion
MS: Magensonde
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
Substit.
Name:
Vorname:
Geb.-Datum:
Krankenkasse:
Patient
Aufn.-Datum:
Perfusor
enteral
Einfuhr
Med.
(Bolus)
Urin
Ausfuhr
Gesamteinfuhr
kumul.
stdl.
maschin. Bilanz
kumul.
stdl.
MS/
Stuhl
Persp.
ml
geplante Tagesbilanz:
Kristalloid
ml
ml/h
ml/h
masch. Bilanz Vortag:
masch.: eff. Entzug
Dialysat
Datum:
bis
Blatt:
sec
ml/h
Gesamtausfuhr
stdl.
kumul.
stdl.
kumul.
Bilanzziel:
Kristalloidbilanz
Vorgabe Perspiratio:
Einfuhr
Drain.
ml/h
Kolloidbilanz
ACT
sec.
PTT
sec.
Antikoagul.
ml/h
Blutfluss:ml/min
ACT:von
Prostacyclin (500µg/50ml):
Heparin:E/50ml Änderung:
Bilanzierungs-Protokoll
ml/h
Hep.
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