FL ADHS

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FL ADHS
03.08.2005
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Bei ADHS:
Einfach Kind sein –
vom Aufstehen bis zum Schlafengehen
Ein Ratgeber für Eltern
und Interessierte
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Liebe Eltern,
Typische ADHS-Symptome im Tagesverlauf
sicher haben Sie schon häufiger von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) gehört.Vielleicht haben Sie auch den Verdacht oder schon eine bestehende
Diagnose, dass bei Ihrem Kind ADHS vorliegt.Teilweise
widersprüchliche Meldungen in der Presse erschweren es
jedoch, sich ein genaueres Bild über die häufigste psychische Erkrankung im Kindes- und Jugendlichenalter zu
machen. Die vorliegende Broschüre soll Ihnen helfen,
einen ersten Eindruck zu gewinnen, was ADHS ist und
welche Lebensbereiche betroffen sein können. Außerdem
zeigt sie aktuelle Therapiemöglichkeiten auf.
ADHS – was ist das eigentlich?
Hinter ADHS verbirgt sich die so genannte Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. ADHS ist gekennzeichnet durch erhebliche Beeinträchtigungen der Konzentrationsfähigkeit und der Daueraufmerksamkeit, was sich
häufig in einer ungeordneten Wahrnehmung mit Reizüberflutung oder sprunghaften Gedanken zeigt. Dazu kommen
oft Störungen der Impulskontrolle sowie Hyperaktivität
oder innere Unruhe. Ist die motorische Unruhe – dass
heißt die Hyperaktivität – nicht vorhanden, wird auch von
einer ADS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung) gesprochen.
Auch wenn kein Kind mit ADHS dem anderen gleicht, gibt
es doch charakteristische Verhaltensweisen.
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Diese Symptome betreffen häufig alle Lebensbereiche des
Kindes und können den gesamten Tagesablauf mit Schul-,
Freizeit- und Familienleben – unabhängig von der Uhrzeit –
beeinflussen. Die Folge ist, dass neben den schulischen
Leistungen bzw. der täglichen Arbeit auch Freundschaften
und die Harmonie in der Familie erheblich leiden können.
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Tim – ein Kindertag mit ADHS
(aus der Sicht der Eltern)
Tim ist 9 Jahre alt. Schon seit seinem dritten Lebensjahr
ist er verhaltensauffällig. Er hatte schon damals einen starken Bewegungsdrang, kletterte auf den Möbeln herum und
sprang überall herunter. Er kannte so gut wie keine Angst,
und seine Schmerzgrenze war sehr hoch, weshalb er natürlich auch sehr unfallgefährdet war.
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Die täglichen Hausaufgaben: anstrengend und langwierig.
Zuvor müssen wir oft Mitschüler fragen, was eigentlich zu
tun ist.
Das Spielen mit den Freunden am Nachmittag verläuft
meist wegen Tims impulsiver Art nicht sehr harmonisch.
Dabei ist er sehr hilfsbereit und reagiert häufig sehr sensibel und mitfühlend, wenn ein anderes Kind z.B. ungerecht
von anderen behandelt wird.
Heute beginnt sein Tag um 6.30 Uhr mit dem Wecken. Da
er meist erst spät einschläft, wird er morgens nur schlecht
wach. Es dauert häufig eine kleine Ewigkeit, bis er sich richtig angezogen und die Zähne geputzt hat.Würde man bereits hier nicht alles kontrollieren, würde er im Winter mit
kurzer Hose in die Schule gehen und sich mit der Zahnbürste die Haare kämmen.
Und dann die Abende in der Familie, wenn endlich der
Papa zu Hause ist. Ständige Spannungen beim Abendessen
und tägliche Diskussionen um das Zu-Bett-Gehen. Auch
hier ist die ganze Familie emotional belastet. Und doch lieben wir unseren Tim. Er ist nicht ungehorsam und unwillig,
und auch nicht schlecht erzogen.Tim hat einfach ADHS.
Das Frühstück erfolgt dann meist im Galopp mit Ermahnungen, nicht zu trödeln. Hoffentlich passiert kein Missgeschick mit dem Kakao, denn nochmaliges Umziehen
bedeutet zwangsläufig Zu-spät-Kommen in der Schule.
Dort angelangt, ist es eine Qual für ihn, so lange still sitzen
zu müssen. Er kann sich nur schwer konzentrieren, jede
Ablenkung ist ihm willkommen, und gern überredet er seinen Banknachbarn zu einem Streich. Bei Themen jedoch,
die ihn sehr interessieren, arbeitet er konzentriert und begeistert mit.Trotzdem liegen Tims Schulleistungen unter
dem Durchschnitt, obwohl er ein intelligentes Kind ist.
Die Lehrer behaupten,Tim könne mehr erreichen, wenn
er nur wolle.Wir Eltern aber wissen, dass Tim, tut was er
kann. Denn Tim kann seine Aufmerksamkeit nicht willentlich steuern.
Wie häufig ist ADHS?
Etwa 3 bis 7 Prozent der Kinder sind von ADHS betroffen.
Lange glaubte man, ADHS wäre eine reine Kinderkrankheit,
und sie würden später „von selbst“ der Krankheit entwachsen. Heute weiß man, dass ADHS bis ins Jugend- und
Erwachsenenalter fortbestehen kann. Man sagt, dass etwa
zwei Drittel der betroffenen Kinder auch als Erwachsene
noch Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Diese können sich im
Laufe der Zeit verändern, beispielsweise sind Erwachsene
nicht mehr so impulsiv und zappelig, die zugrunde liegende
Aufmerksamkeitsstörung bleibt aber häufig bestehen.
Übrigens sind Jungen 3- bis 9-mal häufiger von ADHS betroffen als Mädchen.
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Welche Ursachen hat ADHS?
Wer kann ADHS wie feststellen?
Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass es sich bei
ADHS um eine neurobiologisch bedingte Funktionsstörung
handelt, der eine Fehlregulierung der Neurotransmitter –
wichtiger Botenstoffe im Gehirn – zugrunde liegt.
Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind von ADHS betroffen
sein könnte, wenden Sie sich am besten an Experten, die
auf diesem Gebiet erfahren sind. In Frage kommen Kinderund Jugendpsychiater, spezialisierte Kinderärzte, klinische
Psychologen oder sozialpädiatrische Zentren.
Betroffen sind bei Kindern mit ADHS besonders die Teile
des Gehirns, die beim Ordnen der Gedankenflut und der
Steuerung der Aktivität eine wichtige Rolle spielen. Es werden einströmende Reize aus der Umwelt nicht in die richtigen Bahnen gelenkt, die Lern- und Aufmerksamkeitsfunktionen werden beeinträchtigt. Die Kinder sind leicht ablenkbar und unkonzentriert, sie können ihr Verhalten
schlecht kontrollieren, außerdem sind sie häufig impulsiv
und motorisch unruhig.
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Elterninitiativen und Selbsthilfegruppen sind sehr gute Anlaufstellen für erste Gespräche und können auch später
begleitend zur Therapie zusätzliche Hilfestellungen geben.
Adressen der größten deutschen Selbsthilfeverbände finden Sie im Internet unter www.info-adhs.de.
Um ADHS korrekt zu diagnostizieren, müssen die – oft
unterschiedlich stark ausgeprägten Symptome – über
einen längeren Zeitraum beobachtet und mit Hilfe von
Fragebögen erfasst werden. Dabei ist auch wichtig, dass sie
in verschiedenen Situationen, also zu Hause/in der Familie
ebenso wie im Kindergarten/in der Schule oder am Nachmittag mit Freunden, erfasst werden. Eine erste Hilfe hierfür finden Sie auf der letzten Umschlagseite der Broschüre.
Nutzen Sie den ausgefüllten Bogen bei Ihrem Gespräch
mit dem Arzt, um Belastungen zu den verschiedenen
Tageszeiten zu diskutieren, damit er die richtige TherapieEntscheidung treffen kann.
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Wann ist es wirklich ADHS?
Aufmerksamkeitsdefizit-/
Hyperaktivitätsstörung
Unaufmerksamkeit
Impulsivität
Hyperaktivität
beginnt vor dem Alter von 6 Jahren
tritt seit wenigstens 6 Monaten auf
tritt regelmäßig in mindestens zwei
Lebensbereichen/Situationen auf
(z. B. Familie/Schule)
Kind ein annähernd normales Leben ermöglichen soll, an
mehreren Punkten gleichzeitig ansetzen. Diese Bedingung
kann das multimodale Therapiekonzept erfüllen. Es setzt
sich aus einzelnen Elementen zusammen, die wie Bausteine
individuell kombiniert werden können. Diese Bausteine lassen sich in zwei Therapieansätze unterteilen: die nichtmedikamentösen Therapieelemente (Verhaltenstherapie,
kognitive Therapie, pädagogische Therapieansätze, psychosoziale Therapie) und die medikamentöse Therapie.
Welche Elemente des multimodalen Therapiekonzepts für
Ihr Kind den vermutlich besten Behandlungserfolg ergeben
können, sollten Sie mit dem behandelnden Arzt abstimmen.
Dieser wird Sie auf der Grundlage einer sorgfältigen Diagnose beraten.
Nicht jedes Kind mit ADHS braucht eine medikamentöse
Therapie. Falls Ihr Kind jedoch Medikamente nehmen
muss: Zur Behandlung von ADHS sind sowohl kurz (2 bis
4 Stunden) als auch länger wirksame (6 bis 12 Stunden)
und kontinuierlich wirksame Medikamente zugelassen, die
unterschiedliche Wirkmechanismen haben und daher z.T.
dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Nach der Diagnose ADHS stellt sich für Sie als Eltern die
Frage, wie Ihrem Kind am besten geholfen werden kann.
ADHS ist eine vielschichtige, neurobiologisch bedingte
Störung, die alle Tageszeiten und Lebensbereiche des Kindes betreffen kann. Folglich muss eine Therapie, die dem
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Eine kontinuierliche Behandlung kann helfen, dass Kinder
mit ADHS vom Aufstehen bis zum Schlafengehen ihr volles
Potenzial entfalten können, dass sie ganz sie selbst sind
und dass das Familienleben entlastet wird. Fragen Sie Ihren
Kinderarzt oder Kinder- und Jugendpsychiater nach neuen
Therapiemöglichkeiten bei ADHS! Weitere Informationen
erhalten Sie auch im Internet unter www.info-adhs.de
oder unter der Telefonnummer 0800 1016385 (zum
Nulltarif).
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Kurze Zusammenfassung der ADHS-Symptome
im Tagesverlauf zur Unterstützung des ArztEltern-Gespräches
Als wie schwierig empfinden Sie die verschiedenen
Tageszeiten aufgrund der ADHS-Symptomatik?
als sehr
schwierig
als etwas
schwierig
als überhaupt
nicht schwierig
1. Am frühen Morgen:
(z.B. beim Aufstehen,Waschen, Ankleiden,
Frühstücken …)
2. In der Schule:
(z.B. hinsichtlich Konzentration, Mitarbeit,
Sozialverhalten …)
3. Nachmittags:
(z.B. beim Erledigen der Hausaufgaben,
beim Spielen mit Freunden …)
4. Am Abend in der Familie:
(z.B. beim Abendessen, Kontakt mit Geschwistern
und Eltern …)
5. Spätabends:
(z.B. beim Zähneputzen, Zu-Bett-Gehen,
Einschlafen …)
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Lilly Deutschland GmbH
Saalburgstraße 153
61350 Bad Homburg
www.info-adhs.de
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