Ausgabe 04/2015 - Kliniken Essen

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Inhalt
pulsschlagplus
Therapie bei Eierstockkrebs . . . . . . 2
Immunsystem und Krebs . . . . . . . . 3
Flüchtlingshilfe in Essen . . . . . . . . . 4
Naturheilkunde / Integrative Medizin 5
Hilfe bei Bipolarer Störung . . . . . . . 6
Palliativversorgung . . . . . . . . . . . . . . 7
MENSCHENMÖGLICHES e.V. . . . . . . 8
Gewinnspiel:
Prickelnder
Brunch
Gönnen Sie sich eine Auszeit beim
exklusiven „Champagner-Brunch-Buffet“,
das es jeden ersten oder dritten Sonntag
in wohliger Atmosphäre im Restaurant
am Park des Sheraton Essen Hotels gibt.
Wählen Sie einen der kommenden
Termine, um mit Ihrer Begleitung nach
einem Begrüßungscocktail das reichhaltige Champagner-Brunch-Buffet zu
genießen. Das Küchen- und Serviceteam
wird Sie mit saisonalen Köstlichkeiten
verwöhnen, während Sie den Blick über
den Essener Stadtpark schweifen lassen.
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der Extraklasse!
Mehr dazu auf Seite 2
Ausgezeichnete
Qualität
In ihrem Qualitätsbericht „Passion
for Excellence“ geben die Kliniken EssenMitte (KEM) auf 170 Seiten Einblicke in
ihre Abteilungen und Schwerpunkte.
Dabei geht die Broschüre über die gedruckten Seiten hinaus und bietet dem
Leser die Möglichkeit, Inhalte mit Hilfe
der kostenlosen App „Layar“ direkt auf
dem Smartphone interaktiv zu erkunden sowie unter der Webadresse www.
passion-for-excellence.com ergänzende
Bild- und Videomaterialien
abzurufen. Für diese
innovative Publikation wurden die
KEM nun mit dem
KlinikAward 2015
in der Kategorie
„Bester
Qualitäts- und Jahresbericht“ ausgezeichnet.
Die
Preisverleihung
fand am 11. November dieses Jahres im
Berliner Konzerthaus statt. Als „Oscar
der Krankenhausbranche“ prämiert der
KlinikAward seit 2006 hervorragende
Leistungen des Klinikmarketings im
deutschsprachigen Raum.
www.kliniken-essen-mitte.de • www.pulsschlag.tv
Forschung und innovative Therapien
Eine neue Ära bricht an den Kliniken an
Weiterentwickelte Therapien gehen an den Kliniken Essen-Mitte Hand in Hand mit der Forschung
W
ie wichtig Forschung,
Studien und weiterentwickelte Therapieformen
für die Patienten an
den Kliniken Essen-Mitte (KEM) sind,
zeigen die neuesten Entwicklungen in
den Fachabteilungen. Die Genesung der
Menschen, die sich vertrauensvoll an die
KEM wenden, steht im Fokus aller Mitarbeitenden.
Liebe Leserinnen und Leser, in dieser
Ausgabe stellen wir Ihnen anhand von
Beispielen aus dem Bereich der Krebstherapie und -forschung vor, was sich in
Ihrem Sinne gerade bewegt. Erfahren Sie,
was die personalisierte Medizin in der
Klinik für Gynäkologie & Gynäkologische
Onkologie erreicht (S. 1-2) und blicken
Sie auf ein System, das Ihnen vertraut
ist - das Immunsystem. Lernen Sie eine
Immuntherapie gegen Krebs (S. 2) kennen, die in der Klinik für Internistische
Onkologie und Hämatologie im Rahmen
von Studien getestet wird. Lesen Sie
danach mehr über den möglichen Zusammenhang zwischen Immunsystem
und Psyche (S. 6), den die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik
und Suchtmedizin untersucht. Und: Ein
Herzensprojekt der Senologie, Interdisziplinäres Brustzentrum, zieht seine Kreise
durch das Ruhrgebiet (S. 4).
E
ine neue Zeit ist in der gynäkologischen Onkologie angebrochen
- die der personalisierten Medizin.
Bei einem weiteren Schritt in der Therapie des Eierstockkrebs sind Professor Dr.
Andreas du Bois und sein Team um Dr.
Philipp Harter in der Klinik für Gynäkologie & Gynäkologische Onkologie an den
Kliniken Essen-Mitte (KEM) richtungsweisend. Seit einigen Jahren forschen
sie auf diesem Gebiet und können nun
auch in der Routine auf ein neues Mittel
zugreifen, das die Anforderungen einer
individuell auf die jeweilige Patientin
zugeschnittenen Therapie umsetzt.
„Erstmalig steht mit dem Wirkstoff
Olaparib ein zielgerichtetes Arzneimittel zur individualisierten Behandlung
beim Rezidiv, der Wiederkehr von Eierstockkrebs, zur Verfügung. Wirksam und
von Nutzen ist es bei einer Gruppe von
Patientinnen, deren Tumore bestimmte
Genveränderungen aufweisen. Therapieentscheidungen bei einer so komplexen
Behandlung sollten nur nach qualitätsgesicherter Diagnostik und in einem
spezialisierten Ärzteteam fallen“, so Professor du Bois, der unter anderen mit seinem Team um den Leitenden Oberarzt
der Klinik, Dr. Philipp Harter, in klinischen
Forschungen den Grundstein für diese
neue Therapie legte: „Wir haben gelernt,
die Tumore und ihre Wachstumsbedingungen besser zu verstehen, und das
führt dazu, dass wir die Patientinnen
noch individueller behandeln können.
Wir können mittlerweile den Eierstockkrebs in unterschiedliche Subtypen klassifizieren und beginnen damit, für jeden
Typ passende, spezifische Behandlungen
zu entwickeln.“
Weiter auf Seite 2
Impressum
Herausgeber:
Kliniken Essen-Mitte GmbH, Evang.
Huyssens-Stiftung/Knappschaft
(KEM), Henricistr. 92, 45136 Essen
Geschäftsführung:
Dipl.-Kfm. Horst Defren
Verantwortlich:
Björn Kasper, Julia Laska, Sabine Loh
Redaktion/Gestaltung:
Redaktionsbüro Schacht 11
www.schacht11.de
Fotos:
Udo Geisler, ProAsyl, Katharina Erkelenz, Peter Prengel (Stadt Essen),
Julia Sieckmann, Thomas Leu
Zu den Kliniken Essen-Mitte (KEM) gehören die Krankenhäuser Evangelische
Huyssens-Stiftung in Essen-Huttrop und
das Knappschafts-Krankenhaus in EssenSteele.
www.kliniken-essen-mitte.de
Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird in
den Texten die männliche Form verwendet. Die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen.
Kapelle an den KEM
Feierlicher Radio-Gottesdienst - von Essen aus in die Welt
Deutschlandfunk zu Gast in der Kapelle der Kliniken Essen-Mitte - Zuhörer genossen den außergewöhnlichen Gottesdienst
J
eden Sonntag können Hörer des
Deutschlandfunks von 10:05 bis
11:00 Uhr einem Radio-Gottesdienst folgen, der bundesweit und live
aus immer anderen Kirchenräumen
übertragen wird. Zum Ewigkeitssonntag am 22. November 2015 fand dieser
Radio-Gottesdienst in der alten Kapelle
Pfarrer Uwe
Matysik gestaltete
zusammen mit
vielen Unterstützern den RadioGottesdienst in der
Kapelle der KEM.
der Evangelischen Huyssens-Stiftung
der Kliniken Essen-Mitte (KEM) in Essen-Huttrop statt.
Das positive Resümee von Pfarrer
Uwe Matysik, evangelischer Seelsorger
an den KEM: „Es war eine wunderbare
Gelegenheit, die wir erhalten haben,
für alle Mitwirkenden und Kirchengänger vor Ort - und natürlich für die
vielen Radiohörer, die uns dank der
bundesweiten Übertragung in ganz
Deutschland und per Webradio auch
darüber hinaus zuhören konnten.“
Neben dem engagierten Pfarrer gestalteten eine Reihe haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiter des Ambulanten
Hospizdienstes Pallium der Kliniken
Essen-Mitte diesen Gottesdienst, die in
unterschiedlichen Beiträgen von ihren
Erfahrungen bei der Begleitung unheilbar kranker Patienten auf ihrem letzten
Lebensweg erzählten. Auch musikalisch beeindruckte dieser Gottesdienst
mit rund 35 Chorsängern der tonARTisten des TVE Burgaltendorf aus Essen unter der Leitung von Ludger Köller
und den professionellen Kirchenmusikern Anja Richter an der Trompete und
Dominik Gerhard an der historischen
Walcker-Orgel der Kapelle.
Wer den Gottesdienst nachhören
möchte, hat in der Online-Mediathek
unter www.deutschlandfunk.de die
Möglichkeit dazu.
2 pulsschlag plus
Gynäkologische Onkologie
Grundstein für eine neue Therapie
Nach langjähriger klinischer Forschung hat sich ein Mittel gegen Eierstockkrebs an den KEM etabliert
Fortsetzung von Seite 1
O
laparib ist eines dieser neuen
Therapeutika, das besonders
gut bei Patientinnen wirkt,
die eine Genmutation aufweisen, wie
sie auch bei familiärer Disposition für
Krebs beobachtet wird“, erläutert Professor Dr. Andreas du Bois. Mit dem
Wirkstoff ist die erste Behandlung dieser Art jetzt etabliert. Grund zur Freude
für die Patientin und die Therapeuten,
aber auch „Frucht einer jahrelangen
Arbeit und klinischer Forschung, wie
sie an den Kliniken Essen-Mitte gefördert wird“, sagt der Klinikdirektor und
ergänzt: „Auch wenn wir hier in Essen
nur ein kleiner Teil der weltweiten Bemühungen in diesem Bereich sind,
so können wir dennoch stolz auf das
Erreichte sein, stolz auch auf unseren
Anteil an diesem Fortschritt.“
Wichtige Anlaufstelle im Ruhrgebiet
Die innovativen Therapien erfordern
auch eine neue Diagnostik und noch
nie dagewesene Kooperationen. Unter
diesem Eindruck hat der Verband der
Ersatzkassen (VDEK), im Rahmen der
integrierten Versorgung, Strukturen
gestärkt. „Aufbauend auf den guten
Erfahrungen in der seit drei Jahren gelebten Zusammenarbeit zwischen der
Frauenklinik der Kliniken Essen-Mitte
und dem Konsortium Familiärer Brustund Eierstockkrebs an der Universität
Köln wurde jetzt eine noch weitergehende Kooperation vertraglich vereinbart.
Hierbei arbeiten das Brustzentrum
und das gynäkologische Krebszentrum der Kliniken Essen-Mitte und
die Kölner Arbeitsgruppe um Frau
Professor Schmutzler noch enger zusammen. Das Angebot zur Risiko- und
genetischen Beratung für betroffene
Patientinnen wird so erweitert“, erklärt
Professor du Bois. Alle Patientinnen
können ab sofort auch an den KEM
Kontakt
Prof. Dr. med. Andreas du Bois
Direktor der Klinik für Gynäkologie &
Gynäkologische Onkologie
Tel.: 0201 / 174 - 34001
[email protected]
Den Blick richtet Professor Dr. Andreas du Bois auf die Patientin mit ihrer Familie und ihrem sozialen Umfeld.
umfassend beraten werden und gegebenenfalls Gentests durchführen
lassen. Diese erste Anlaufstelle für die
neue integrative Versorgung im Ruhrgebiet soll der Start für eine Ausweitung dieses Angebots sein.
Entsprechende Fortbildungen haben bereits begonnen, um danach
möglichst vielen Betroffenen heimatnah einen therapeutischen Zugang
zu ermöglichen. „Diese positiven Entwicklungen, die jetzt in praktischem
Nutzen für die Patientinnen münden,
beruhen auf jahrelanger Vorarbeit und
Forschung“, so der Klinikdirektor.
Klinische Forschung und patientenorientierte Versorgung - ein Widerspruch?
„Nein“, antwortet Professor du Bois:
„Das Gegenteil ist der Fall. Ein guter
Arzt kann nie mit dem Erreichten zufrieden sein, solange nicht alle Patientinnen geheilt werden können. Er muss
Interesse an der Weiterentwicklung
und Verbesserung der Therapien haben
- und damit an Forschung. In einem
guten Krankenhaus arbeiten klinische
Forschung und patientenorientierte
Versorgung Hand in Hand. In allen Bereichen und auf allen Ebenen werden
die Standards immer weiter verbessert.
Die Bedürfnisse der Patientinnen sind
dabei Triebfeder und Orientierung für
die Weiterentwicklung.“
Netzwerk für Patientin
und ihr familiäres Umfeld
„Die Patientin kann sich bei uns darauf verlassen, dass wir immer unser
Bestes geben und auch in schwierigen
Situationen als Ansprechpartner für sie
da sind“, so der Klinikdirektor. „In meiner ersten Phase der Weiterbildung als
junger Assistent kümmerte sich die Medizin um Tumore, die es zu bekämpfen
galt. Später, meine Weiterbildung war
schon etwas fortgeschrittener und ich
übernahm erste Verantwortung, entwickelten wir einen etwas ganzheitli-
Innovation:
Wer mutig ist,
kommt voran
Innovationen im Gesundheitswesen
und in der Gesundheitswirtschaft war
Kernthema des ersten „Innovationsforum Gesundheit und Soziales für Vordenker“ (IFGS), das am 21. und 22. Oktober
in der Essener Philharmonie stattfand.
Unter der Fragestellung „Was bringen Erfindungen und Entwicklungen von Medizintechnik, Informationstechnologien
und Dienstleistungen im Krankenhaus?“
kamen rund 100 Innovationstreiber, Geschäftsführer und Entscheider der Gesundheitsbranche aus ganz Deutschland
zusammen. Initiatoren waren unter anderem die KEM.
Wirkungsvolles Innovationsmanagement, so das einhellige Fazit, benötigt
vor allem den Mut, Risiken einzugehen,
sich zu bewegen und aktiv zu werden.
Zu den wesentlichen Innovationstreibern
gehören über den medizinischen Fortschritt hinaus zwei zentrale gesellschaftliche Entwicklungen, wie Horst Defren,
Geschäftsführer der KEM, betonte: die
zunehmend alternde Gesellschaft sowie
ein gestiegenes Gesundheitsbedürfnis
in der Bevölkerung. Wer hierauf adäquat
reagieren wolle, müsse über den eigenen
Tellerrand schauen. Und nicht zuletzt
über einen langen Atem verfügen. Das
beste Beispiel ist die Etablierung der Klinik für Naturheilkunde und Integrative
Medizin an den KEM im Jahr 1998. Damals ein absolutes Novum - heute ein
innovatives Vorzeigeprojekt von internationalem Renommee.
cheren Ansatz. Die Sichtweise änderte
sich, und wir begannen Menschen mit
Tumorerkrankung zu behandeln, und
nicht den Tumor ins Zentrum unserer
Bemühungen zu stellen. Hier an den Kliniken Essen-Mitte gehen wir noch einen
Schritt weiter, und rücken zwar immer
noch die Patientin ins Zentrum unserer
Tätigkeit, weiten aber unseren Blick auch
auf ihr Umfeld, ihre sozialen und familiären Beziehungen und unterstützen
damit auch das individuelle Netzwerk
der Patientin, welches genauso unter der
Diagnose leidet, wie sie selbst.“
i
Netzwerk für Patienten und Familie
Für jeden Patienten mit einer onkologischen Erkrankung bieten die KEM den
Zugang zu einem breit aufgestellten interprofessionellen Hilfsangebot. In diesem
finden sich sowohl die Naturheilkunde als
auch heilpädagogische Angebote wieder,
es umfasst eine individuell abgestimmte
Pflege und Physiotherapie genauso wie
eine Sozial- und Ernährungsberatung
oder Mal- und Gestaltungstherapie und
Psychoonkologie. Es ist ein Netz, das die
gesamte Familie und das Umfeld der
Kira Lange (li. mit Janet Borgert-Schwarz) erhielt eine Auszeichnung für ihren Abschluss.
Patienten in den Therapieprozess mit einbindet. Für dieses Konzept, und die damit
einhergehenden Strukturen, interessieren
sich neben vielen ärztlichen Kolleginnen
und Kollegen - etwa 40-50 Hospitanten
besuchen die Klinik jährlich - auch Krankenhausmanager und Pflegekräfte. Sie
kommen, um sich ein Modell anzusehen,
das multidisziplinär aufgestellt ist und
nicht nur unterschiedliche ärztliche,
sondern auch paramedizinische (alternativmedizinische) Disziplinen vereint.
Mitmachen & gewinnen
Wenn Sie beim „Champagner Brunch Buffet“ im Restaurant am Park des Sheraton Essen Hotels
dabei sein möchten, beantworten Sie einfach folgende Frage:
Wie bezeichnet man die Wissenschaft, die sich mit Krebs befasst?
N K
L
G I E
Schicken Sie die Antwort per Mail oder per Post an folgende Adresse:
Pulsschlag Redaktion
Kliniken Essen-Mitte, Evang. Huyssens-Stiftung/Knappschaft GmbH
Henricistraße 92, 45136 Essen
[email protected]
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Keine Barauszahlung des Gewinns. Viel Glück!
Mit Bestnote
ausgezeichnet
Als eine der drei besten Auszubildenden zur Kauffrau im Gesundheitswesen
wurde jetzt Kira Lange von der Industrieund Handelskammer zu Essen (IHK) ausgezeichnet. Die Veranstaltung fand am
18. September in der Luise-Albertz-Halle
in Oberhausen statt. Lange hatte im
Sommer ihre Ausbildung an den Kliniken
Essen-Mitte (KEM) mit Bestnote abgeschlossen. Neben ihrer Familie war auch
Janet Borgert-Schwarz an ihrer Seite. Als
ihre Ausbilderin fieberte sie besonders
mit der ehemaligen Azubine mit. Auf
die Frage, ob sie geahnt habe, dass die
22-Jährige so gut vorankommen würde,
sagte sie: „Ich hatte von Anfang an das
Gefühl, dass sie in unsere Kliniken passt
und genau weiß, was sie will.“
Kira Lange zeigte sich in Anbetracht
des festlich hergerichteten Saals mit 520
Gästen und Live-Musik angenehm überrascht: „Es ist toll heute hier zu sein. Ich
freue mich und genieße es.“ Guten Rat
erhielt sie von der Präsidentin der Essener
IHK, Jutta Kraft-Lohrengel: „Nicht stehenbleiben, weiter nach vorne gehen.“ Und
genau das macht die Bochumerin nun
im Personalmanagement an den KEM.
pulsschlag plus 3
Onkologie
Immunsystem im Fokus der Krebsforschung
Neuer Ansatz im Kampf gegen Krebs - Klinik für Internistische Onkologie und Hämatologie an den KEM beteiligt sich an Studien
D
ie Immuntherapie ist ein Behandlungsansatz, der gezielt
in den Abwehrmechanismus
des menschlichen Körpers eingreift. Seit
geraumer Zeit ist diese Therapieform
auch in den Fokus der Krebsforschung
geraten - und weckt in Fachkreisen
große Hoffnungen. Denn die Studienergebnisse sind äußerst vielversprechend, einige der Therapien sind für die
Behandlung bestimmter Krebsarten
schon zugelassen, können den Krebs
zerstören oder zumindest Lebenszeit
schenken. „Vor rund 15 Jahren hatten
sich Forschungsarbeiten bereits mit
dem Immunsystem und seiner Bedeutung bei der Krebsbekämpfung befasst.
Doch damals konnten die Vorgänge im
Körper noch nicht so genau nachvollzogen werden“, berichtet Professor Dr.
Michael Stahl, Direktor der Klinik für Internistische Onkologie und Hämatologie an den Kliniken Essen-Mitte (KEM).
„Heute wissen wir mehr über die Abläufe und es gibt bessere Substanzen,
von denen wir annehmen, dass sie das
Immunsystem aktivieren können. Erste
Zulassungen zur Behandlung von Lungen- und schwarzem Hautkrebs gibt es
schon, weitere sind beantragt. Im Forschungsfeld der Immuntherapien gibt
es derzeit eine enorme Dynamik, die
auch dem Wunsch der Patienten nach
derartigen Behandlungsformen Rechnung trägt.“
Die „Bremse“ lösen
Immuntherapien zielen darauf ab,
den Körper anzuregen, die Krebserkrankung selbst zu bekämpfen. Dabei passiert Folgendes: Sobald sich im Körper
Tumorzellen bilden, werden unsere Abwehrzellen aktiv. Ihre zentrale Aufgabe
ist es, die Tumorzellen zu erkennen und
abzutöten. Es wird sozusagen ein ‚inneres Programm‘ zur Bekämpfung gestartet. Tumorzellen sind jedoch perfide
und in der Lage, sich mit Hilfe oberflächlicher Zellstrukturen (Rezeptoren) und
mittels Botenstoffen dem Abwehrsystem zu entziehen. Sie können sich quasi vor den Abwehrzellen verstecken, um
nicht abgetötet zu werden. Innerhalb
einer Immuntherapie werden daher bestimmte Antikörper - im Fachjargon als
Checkpoint-Inhibitoren bekannt - gegen
die Tumorzellen gerichtet, wodurch ihre
Oberflächenstruktur verändert wird.
Die Folge: Die Abwehrzellen können den
Tumor bzw. die Tumorzellen wiedererkennen und sie attackieren. „Im Prinzip
ist es auch eine Form der Chemotherapie. Eine Chemotherapie, die dazu führt,
Die Immuntherapie wird in der
Regel über eine Infusion verabreicht.
Die Behandlung
findet an den KEM
in der Onkologischen Tagesklinik
statt.
dass die Bremse, die das Immunsystem
im Kampf gegen die Tumorzellen blockiert, gelöst wird“, ergänzt Professor
Stahl.
Andere Wirkstoffe andere Nebenwirkungen
Die Wirkstoffe aus der Gruppe der
Antikörper, die in der Regel über eine
Infusion verabreicht werden, verursachen andere Nebenwirkungen, als es
bei einer Chemotherapie der Fall ist.
„Wenn es Nebenwirkungen gibt, sind
diese eher vergleichbar mit denen einer
Autoimmunerkrankung. So kann es vorkommen, dass Patienten unerwartet an
einer Darmentzündung erkranken, eine
nicht-bakterielle Entzündung der Lunge bekommen oder eine Schilddrüsenfehlfunktion eintritt. Also körpereigene
Aktivierungen, die wir von einer Chemotherapie nicht kennen“, so der Klinikdirektor. Die Nebenwirkungen sind in
der Regel jedoch nicht schwerwiegend
und treten zudem selten auf, lediglich
rund zehn Prozent der Patienten sind
davon betroffen.
Die Immuntherapie als Standardtherapie
- zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Eine Therapie, die mit Hilfe des Immunsystems - fernab von Chemotherapeutika - Krebszellen bekämpft, wie
sonst Viren oder Bakterien, übt auf Patienten wie Ärzte gleichermaßen eine
große Faszination aus. Doch auch wenn
mit der Immuntherapie hohe Erwartungen verbunden sind und in Fachkreisen sogar von einer neuen Ära in
der Krebsmedizin die Rede ist, befindet
sich diese Behandlungsform bei vielen
Krebserkrankungen aktuell noch im
Stadium der Forschung. Denn die Therapie wirkt längst nicht bei jedem Patienten. Und wenn sie wirkt, dann gibt es
auch hier Unterschiede, beispielsweise
in der Dosierung. „Warum die Therapie
bei manchen Betroffenen Wirkung zeigt
und bei manchen nicht, ist eine der Fragen, die derzeit die Forschungswelt bewegt“, erzählt Professor Stahl und fährt
fort: „Wir suchen derzeit nach Testverfahren, die bereits vor einer Behandlung
erkennen lassen, bei welchen Patienten
diese neue Form der Chemotherapie
i
Das Immunsystem - Die Schutzfunktion unseres Körpers
Als biologischer Abwehrmechanismus
schützt das Immunsystem den menschlichen Körper vor äußeren Umwelteinflüssen, denen er ununterbrochen ausgesetzt ist. Seine zentrale Aufgabe ist
es, Schädigungen, zum Beispiel durch
Krankheitserreger wie Bakterien, Viren
oder Pilze, zu verhindern und so die körperliche Unversehrtheit aufrechtzuerhalten. Daher eliminiert das Immunsystem
fremde Substanzen und Mikroorganismen, die in den Körper eingedrungen
sind. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass
auch fehlerhaft gewordene körpereigene Zellen zerstört werden. Neben einer
angeborenen Immunabwehr verfügt der
Mensch zusätzlich über eine spezifische,
adaptive Immunabwehr, die sich auch als
„erworbenes Immunsystem“ bezeichnen
lässt. Das Besondere daran: Es kann sich
an neue oder veränderte Krankheitserreger anpassen. Diese Anpassung erlaubt
es, die jeweils spezifischen Strukturen von
Angreifern, die sogenannten Antigene, im
Körper zu erkennen. Um diese zu bekämpfen, werden gezielt Abwehrmechanismen
in Gang gesetzt und Antikörper gebildet,
die aus Proteinen/Eiweißen bestehen.
Nach einer Infektion bleiben beispielsweise spezifische Antikörper und Gedächtniszellen erhalten, um bei erneutem Kontakt
mit dem Krankheitserreger in kurzer Zeit
eine angemessene Abwehrreaktion zu ermöglichen.
Teil einer jeden
Therapie (v. l. n.
r.): Dr. Pluntke, Dr.
Dyrda, Professor
Dr. Wilke und Dr.
Müller zusammen
mit Klinikdirektor Professor Dr.
Stahl im Rahmen
einer interdisziplinären Tumorkonferenz, die für
jeden Patienten
durchgeführt wird
und in der jede
Therapieentscheidung gemeinsam
besprochen und
abgesichert wird.
wirksam ist. Weitere Aspekte betreffen
die Einsatzgebiete der Therapie und die
zentrale Frage, bei welchen Krebsarten
sie angewendet werden kann.“
KEM ist Teil der internationalen
Forschungsgemeinschaft
Ohne Forschung kein medizinischer
Fortschritt. Diesem Credo folgend, wird
es Aufgabe der Krebsforschung sein,
Antworten auf diese Fragen zu finden
- insbesondere in Anbetracht der unterschiedlichen
Krebserkrankungen.
Daher wird weltweit auf diesem Gebiet
intensiv geforscht, um die Anwendbarkeit der Therapie zu erweitern. Die von
unterschiedlichen nationalen und internationalen Fachgesellschaften zertifizierte Klinik für Internistische Onkologie
und Hämatologie an den KEM ist Teil
dieser internationalen Forschungsgemeinschaft. „Die zugelassene Immuntherapie bei Lungenkrebs wenden wir
in ausgewählten Einzelfällen bereits an.
Zusätzlich ist unsere Klinik an den Forschungsvorhaben beteiligt - und zwar
an Untersuchungen, bei denen die best-
mögliche, bisher zugelassene Therapie
mit der Immuntherapie verglichen wird.
Dahingehend läuft derzeit eine Studie
zur Wirkweise bei Blasenkrebs. Weitere
Studien beim Magen-, Dickdarm- und
Leberkrebs werden in Kürze starten. Patienten aus Essen und der näheren Umgebung können wir die Möglichkeit bieten, an diesen Studien teilzunehmen.“
Kontakt
Prof. Dr. med. Michael Stahl
Direktor der Klinik für Internistische
Onkologie und Hämatologie mit
integrierter Palliativmedizin
Tel.: 0201 / 174 - 24001
[email protected]
4 pulsschlag plus
Flüchtlingshilfe
Mit Herz und Verstand
ProAsyl leistet wichtige Flüchtlingsarbeit in Essen
B
eraten und menschlich zur Seite
stehen, Integration fördern, zuhören und helfen - das ist die zentrale
Aufgabe und Herzensangelegenheit von
ProAsyl/Flüchtlingsrat Essen e. V. Bereits
seit 1991 kümmert sich die Flüchtlingsinitiative um Menschen, die aus ihren
Heimatländern fliehen mussten. „Wir
engagieren uns für die Rechte von Flüchtlingen und Menschen mit prekärem Aufenthalt und geben ihnen die Möglichkeit,
über ProAsyl Rechtsbeistand zu erhalten“,
erläutert Bernd Brack, der sich seit Langem für Flüchtlinge einsetzt, in früheren
Zeiten als hauptamtlicher Geschäftsführer von ProAsyl, heute als Ehrenvorsitzender. Bei ihrer Arbeit unterstützen die
haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter
beim Ausfüllen von Formularen, begleiten die oftmals traumatisierten Flüchtlinge bei Behördengängen und kümmern
sich um rechtliche Angelegenheiten. Der
Flüchtlingsrat ist aber nicht nur für den
Rechtsbeistand und die Beratung von
Kontakt
Dr. med. Florian Heitz
Oberarzt der Klinik für Gynäkologie
& Gynäkologische Onkologie
Tel.: 0201 / 174 - 34001
[email protected]
Dr. med. Özgür Cesur
Fachärztin der Klinik für Gynäkologie &
Gynäkologische Onkologie
Tel.: 0201 / 174 - 34001
[email protected]
Flüchtlingen in Essen zuständig, sondern
ist auch ein Ort der Begegnung, ein Treffpunkt für sozial und politisch Engagierte.
Und mehr noch - seit 2009 gibt es die
Initiative Medinetz Essen, die aus ProAsyl
hervorgegangen ist und von engagierten
Studentinnen der Universität DuisburgEssen ins Leben gerufen wurde. „Durch
Medinetz Essen können wir Flüchtlingen
und Migranten helfen, die durch die Gesetzgebung in Deutschland von der medizinischen Versorgung ausgeschlossen
werden. Dazu arbeiten wir mit einem
Netzwerk aus Ärzten, Sozialarbeitern,
Krankenschwestern und -pflegern zusammen, die sich bereit erklärt haben,
diese Menschen anonym und kostenlos
zu behandeln. Dies ist unglaublich wichtig, denn die Flüchtlinge trauen sich aus
Angst vor einer Abschiebung meist nicht
zum Arzt, auch wenn die Schmerzen
groß sind und eine Behandlung notwendig ist. Durch Medinetz Essen können wir
ihnen zumindest diese Sorge nehmen“,
so Brack.
Dieses Bild entstand während der „Interkulturellen Woche 2015“ in Essen und ist Ausdruck der Willkommenskultur von ProAsyl.
Klinik für Gynäkologie &
Gynäkologische Onkologie hilft mit
Die derzeitige Flüchtlingssituation in
Deutschland ist auch bei ProAsyl deutlich
spürbar: „Zwar werden die Gehälter unserer viereinhalb hauptamtlichen Stellen
überwiegend durch das Land NRW finanziert, jedoch sind wir für die laufenden
Kosten auf Spenden angewiesen“, berichtet Brack. „Lokales Engagement und
ehrenamtliche Unterstützung aus der
Bevölkerung sind in der aktuellen Situation wertvoller denn je.“ Geholfen haben
bereits viele in diesem Jahr, sowohl Bürger der Stadt als auch Organisationen
- darunter auch die Klinik für Gynäkologie & Gynäkologische Onkologie an den
Kliniken Essen-Mitte. „Unsere Klinik fördert jedes Jahr ein lokales Projekt, das auf
gesellschaftlicher Ebene von Bedeutung
ist. In 2014 haben wir z. B. den Palliativbereich hier in Essen unterstützt“, so Dr.
Florian Heitz, der als Oberarzt im Team
von Klinikdirektor Professor Dr. Andreas
du Bois tätig ist. „Bereits Anfang dieses
Jahres stand fest, dass wir uns auf lokaler
Ebene für die Menschen einsetzen möchten, die unter Einsatz ihres Lebens den
Weg über das Mittelmeer auf sich genommen haben, um zu uns nach Essen
zu gelangen. Wir haben dann bewusst
den Kontakt zu ProAsyl gesucht“, erklärt
Heitz. Insgesamt 7.000 Euro hat die Klinik gespendet, 50 Prozent davon gehen
an den Flüchtlingsrat Essen, der andere
Teil an Medinetz. Um weitere Unterstützer und Geldgeber zu finden, die wichtige
Flüchtlingsarbeit in der Region bekannter
zu machen, Aufklärungsarbeit zu leisten
und ein gutes Miteinander zu fördern,
bietet ProAsyl Vorträge und Schulungen
an. Auch den „Runden Tischen“, die sich
zur Unterstützung der Flüchtlinge in den
Unterkünften gebildet haben, steht der
Flüchtlingsrat mit seiner langjährigen
Erfahrung zur Seite. „Integration beginnt
im Kopf. Und wir freuen uns über jeden,
der sich dem Thema öffnet. Unsere Tür
steht für jeden offen - für Menschen, die
Hilfe benötigen und für Menschen, die so wie wir - helfen wollen.“
i
ProAsyl / Flüchtlingsrat Essen e.V.
Medinetz Essen e. V.
Bernd Brack, Ehrenvorsitzender
Tel.: 0201 / 20539 (ProAsyl)
[email protected]
Tel.: 0201 / 2200419 (Medinetz)
[email protected]
Weitere Informationen auch unter:
http://blog.proasylessen.de/
http://www.medinetz-essen.de/
Senologie/Interdisziplinäres Brustzentrum
Herzen helfen gegen Schmerzen
Eine Patientin der Kliniken Essen-Mitte macht sich gegen Brustkrebs stark und findet Unterstützung für ein klinikeigenes Herzkissenprojekt
K
Diese herzförmigen Kissen verschaffen den Frauen nach einer
Brustoperation Linderung der Druckschmerzen.
Kontakt
Sandra Kuhlmann
Brustschwester / Breast Care Nurse
Tel.: 0201 / 174 - 33001
[email protected]
reativ mitgefühlt - der Mettmanner Kreativshop für Bastelmaterialien, Bastelkurse und
Kindergeburtstage, „Creative4Fun“, mit
Geschäftsführer Thomas Leu, hat sich
dazu bereiterklärt, das liebevoll gestaltete Bild „Schmetterlings-Herz“ von seiner
Schwester und Essener Künstlerin Sabine Leu zugunsten des caritativen Projekts „Herzen gegen Schmerzen“ der Kliniken Essen-Mitte (KEM) zu versteigern.
Die Mettmannerin, Katharina Erkelenz, die dem Brustzentrum der KEM
als Krebspatientin in besonderer Weise
verbunden ist und auf ihrem FacebookBlog „Krebscocktail - Live von der OnkoBar“ über ihre positiven Behandlungserfahrungen in den Kliniken berichtet,
bittet um Unterstützung dieses wichtigen Projekts, das Sandra Kuhlmann,
Breast Care Nurse (Schwester für Brustkrebspatientinnen), an den
KEM
initiierte
und leitet: „Patientinnen in der
Senologie, im interdisziplinären
Brustzentrum
erhalten ihr persönliches Herzkissen, das wir zuvor
genäht
haben.
Es spendet seelischen Trost und
lindert auch körperliche Schmerzen, da
es eine besondere Schnittform hat, die
den betroffenen Frauen Druckschmerzen nimmt, die nach einer BrustkrebsOperation entstehen können“, erklärt
Kuhlmann und die 37-jährige Patientin
und Mutter ergänzt: „Der Arm drückt
beispielsweise häufig auf die im Bereich
der Achseln befindliche Operationsnarbe. Das Herzkissen klemme ich mir
einfach bequem unter den Arm, um die
empfindliche Stelle zu polstern. Dank
der längeren ,Ohren´ und des weichen
Materials eignet es sich bestens dazu
und verrutscht auch nicht.“ Beide Frauen
freuen sich über das Engagement des
Inhabers des Bastelladens, mit dem Katharina Erkelenz als Kundin ins Gespräch
kam und für den die Versteigerung des
Bildes nun zur Herzensangelegenheit
geworden ist.
Katharina
Erkelenz ist
Patientin an den
Kliniken EssenMitte und hofft
auf viele Menschen, die für das
Herzensprojekt an
der Klinik und das
Kunstwerk (Foto
rechts) mitsteigern werden.
Ersteigern Sie das Bild vom 5. Dezember bis 19. Dezember um 14 Uhr
dieses Jahres. Senden Sie eine Nachricht an das „Creative4Fun“-Team mit
Ihrem Gebot über www.facebook.
com/creative4fun.de oder per Mail an
[email protected] Am letzten Aktionstag wird der Meistbietende und
der Spendenbetrag im Geschäft in der
Königshof-Galerie, Talstraße 10, 40822
Mettmann, zum Ende der Bietzeit verkündet.
Weitere Informationen bei:
Katharina Erkelenz
[email protected]
Thomas Leu
[email protected]
Tel.: 02104/5059788
pulsschlag plus 5
Naturheilkunde und Integrative Medizin
Wann haben Sie das letzte Mal gut geschlafen?
Die „Mind-Body-Medizin“ bringt Körper und Seele durch achtsames und fürsorgliches Verhalten wieder ins Gleichgewicht
S
tress, Bewegungsmangel, insbesondere aktuell in der dunklen Jahreszeit, Fehlernährung sowie ein
chronisches Ungleichgewicht zwischen
Anstrengung und Erholung können
Krankheiten begünstigen, gar zu deren
Chronifizierung beitragen. Dass die sogenannte Mind-Body-Medizin (MBM,
auch Lebensstilmedizin), begleitend zur
Schulmedizin und Naturheilkunde, umfassende Chancen bietet, beeinträchtigte Gesundheitsressourcen nachhaltig
zu unterstützen und zu regenerieren,
ist nachgewiesen. Über 1100 Patienten
wurden bis zum 31. Oktober dieses Jahres vollstationär in der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin aufgenommen und behandelt.
Die MBM als eine Therapieform kann
bei Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, chronischen Rückenschmerzen und
Depressionen helfen. „Grundsätzlicher
Ansatzpunkt sind dabei stets die Selbstregulationsmechanismen des Körpers“,
sagt Professor Dr. Gustav J. Dobos, Direktor der Klinik für Naturheilkunde und
Integrative Medizin an den Kliniken Es-
Kontakt
sen-Mitte (KEM) und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Naturheilkunde
(DGN).
Die Mitarbeitenden der Klinik behandeln Patienten stationär und ambulant
und setzen dabei gezielt auf eine Kombination aus regelmäßiger Bewegung, naturheilkundlichen Selbsthilfestrategien,
Stresswahrnehmung und -management,
um die Lebensqualität der Menschen
nachhaltig zu verbessern. Die Förderung
von Achtsamkeit und Selbstfürsorge
steht im Fokus neben spannungsregulierenden Angeboten wie Hatha Yoga und
Qigong, die eine wichtige Rolle gegen
Stress spielen und von den Patienten an
den KEM gerne angenommen werden.
Internationale Fortbildung Patienten profitieren
Als eine von der deutschen Landesärztekammer zertifizierte Fortbildung bietet die „Mind-Body-Medicine SummerSchool“ an den KEM, die seit 2006 mehr
als 500 Teilnehmer aus Deutschland und
Europa verzeichnet, neben einer umfassenden Einführung in die MBM auch einen Überblick über den aktuellen Stand
der
Forschung,
wie etwa zur Bedeutung der MBM
bei chronischen
Erkrankungen und
der
Prävention
sowie deren Möglichkeiten im kliProf. Dr. med. Gustav J. Dobos
nischen Alltag.
Direktor der Klinik für Naturheilkunde und
Weitere TheIntegrative Medizin
men sind emotiTel.: 0201 / 174 - 25001
onale und [email protected]
tive Aspekte von
Mind-Body-Medizin konzentriert sich auf eine gesundheitsfördernde Interaktionen zwischen Psyche, Immun- und Nervensystem und anderen Körperfunktionen.
Krankheit und Heilung. Zu Wort kommen
neben Wissenschaftlern und Ärzten der
KEM auch internationale Gastdozenten.
In verschiedenen Workshops lernen die
Teilnehmer die Durchführung und Ge-
staltung sogenannter mind-body-medizinischer Interventionen im Sinne einer
Integrativen Medizin kennen.
Professor Dobos erklärt: „Die MindBody-Medicine Summer-School ist für
unsere Klinik durchaus mehr als nur eine
Veranstaltung. Sie bietet Fachleuten eine
wichtige Ressource, aus der sie Wissen
für die Gesundheit ihrer Patienten schöpfen können.“
Service und Beratung
Geburtstag feiern mit Senfmehl
Rezept
Seit über einem Jahrzehnt gibt es den „Laden für Gesundheit“ im Knappschafts-Krankenhaus
Eine Bienenwachsauflage, wärmende
Kräutertees oder ein Tütchen Senfmehl
- Ellen Wittke hat ihr Angebot in ihrem
„Laden für Gesundheit“ im KnappschaftsKrankenhaus, Am Deimelsberg 34 a, in
den vergangenen Jahren den Bedürfnissen der Patienten an den Kliniken
Essen-Mitte (KEM) angepasst; doch nicht
ausschließlich: „Immer wieder kommen
auch Essener zu mir, die etwas Spezielles
benötigen, weil sie zum Beispiel ein leckeres ayurvedisches Gericht zubereiten
möchten“, erzählt die 46-Jährige. Zudem
ist ihr Geschäft eine wichtige Schnittstelle für Erkrankte, die an den KEM im
Rahmen ihrer Therapie beispielsweise
Heilkundliches hinzulernen, und dann
Zuhause umsetzen möchten: „Wir bieten
den Patienten die Möglichkeit, die Produkte mitzunehmen, die ihnen bei ihrer
Genesung auch nach dem Klinikaufenthalt helfen, und die sie hier kennen und
schätzen gelernt haben.“ Neben Büchern
und Produkten rund um die Gesundheit
und Ayurveda gibt es auch selbstgenähte Kopftücher in vielen Variationen und
Echthaarbänder zum Anprobieren, die individuell angepasst werden können.
Mit einer erfahrenen Teilzeitkraft und
ihrer Tochter Beatrice ist sie für ihre Kunden da, berät und hat ein offenes Ohr. Der
kleine Laden ist Teil des Klinik-Netzwerks
geworden, das die Heilung der Menschen
in den Mittelpunkt stellt. Ellen Wittke ist
dankbar und froh, seit über 10 Jahren daran teilzuhaben.
Vorweihnachtlicher
Olivenkuchen
Zutaten:
4 Eier, 1 Tasse Zucker (brauner), 1 Tasse Olivenöl, 1 Tasse Milch, 1 TL Zimt,
3 Tassen Weizenmehl, 1TL Backpulver, 1 Tasse gemahlene Mandeln
1 Tl Gewürzmischung „Süßspeisen
und Gebäck“ von Classic Ayurveda
„Ich freue mich, dass die Patienten an
den Kliniken Essen-Mitte und Essener
meine Echthaarbänder kennenlernen
können und gratuliere dem Laden für
Gesundheit ganz herzlich zum Jubiläum. Auf dem Foto trage ich eines meiner
Bänder. Diese Variante ist nur so tragbar,
wenn noch eigenes Haar da ist und es
aufgefüllt werden soll, sonst sieht es anders aus. Schauen Sie gern bei mir unter
www.weilduschoenbist.de vorbei.“
Julia Sieckmann, Hamburg
Ofen auf 180 C vorheizen
Die Eier mit dem Zucker schaumig
rühren, Olivenöl dazu laufen lassen,
Milch, Zimt und Gewürzmischung
untermischen. Mehl, Backpulver und
Mandeln vermischen, zu glattem
Teig verrühren. In die Springform
füllen, auf zweiter Schiene v. u. 45
bis 60 Minuten backen, in Alufolie
einwickeln, dann ist er lange haltbar.
Variationen:
Vollkornmehl,
Preiselbeerfüllung,
Walnüsse, Kakaopulver zum Teig geben oder Glasur machen, Buchweizenmehl oder Buchweizenschrot,
Äpfel, Quitten, Feigen...
Im „Laden für Gesundheit“ finden die Kunden Beratung und immer einen persönlichen Tipp - auch zu leckerem Weihnachtsgebäck.
Kontakt
Ellen Wittke
Inhaberin Laden für Gesundheit
Tel.: 0201 / 439 - 7808
www.laden-fuer-gesundheit.de
[email protected]
6 pulsschlag plus
Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Suchtmedizin
Wenn die Diagnose „Bipolar affektive Störung“ lautet
Ein Interview mit einem Betroffenen gibt Einblicke in eine Lebenswelt mit zwei sehr unterschiedlichen Seiten
D
ie Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störung e.V. (DGBS) hat ihr
Gütesiegel vergeben: „Wir haben
als eine von 13 Kliniken deutschlandweit
diese Auszeichnung erhalten“, berichtet
Professor Dr. Markus Schäfer, 1. Vorsitzender der DGBS. „Für unsere Patienten
bedeutet das eine gesicherte Einhaltung
der von der Gesellschaft geforderten
Qualitätskriterien und damit eine qualitativ besonders hochwertig Versorgung.“
Was es bedeutet, mit einer bipolaren
Störung zu leben, zeigt unser Interview
mit einem Betroffenen. Aus persönlichen
Gründen möchte der Patient (Bild unten)
anonym bleiben.
Wie hat sich Ihnen die Krankheit gezeigt?
Sie trat in unterschiedlichen Facetten
auf und hatte sehr dunkle und auch
helle Seiten. Angefangen hatte es mit
einer schweren Depression, einige Zeit
nachdem ich meine Alkoholsucht unter
Kontrolle hatte. Diese Monate waren das
Schrecklichste, was ich je erlebt hatte.
Danach folgte eine Episode, in der sich
mein Lebensgefühl am besten mit himmelhochjauchzend beschreiben lässt. In
dieser Phase habe ich kein Schlafbedürfnis, bin viel risikobereiter und rauche auf
einmal, während ich in der depressiven
Stimmung Nichtraucher bin. In der Manie, so nennt man diese Episode, habe
ich sogar wieder Klavier gespielt. Stücke,
die ich seit Jahrzehnten nicht mehr im
Kopf hatte, spielte ich wie selbstverständlich.
Was hat Ihnen aus dieser krisengezeichneten Zeit herausgeholfen?
Seit wann wissen Sie, dass Sie eine bipolare
Störung haben?
Vor etwa zwei Jahren kam ich, begleitet
von meiner Frau, an die Kliniken EssenMitte (KEM) und wurde in der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) der Klinik
für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Suchtmedizin zu meinen
Lebensumständen und Beschwerden
befragt. Ich litt einige Jahre zuvor unter
einer Alkoholsucht, die meine Störung
überlagert hatte, wie ich später erfuhr.
Im Gespräch mit Herrn Schöttes, Facharzt der Klinik, stellte sich bald heraus,
worunter ich leide und wie die Erkrankung heißt, die mir so zusetzte.
Als ich herkam, hatte ich sofort ein
gutes Gefühl. Ich war natürlich froh,
dass meine Frau an meiner Seite war
und es auch immer noch ist. Dafür bin
ich dankbar. Ich fühle mich bis heute
sicher aufgehoben in der PIA, die ich
mittlerweile etwa einmal im Monat
besuche, um mich mit Herrn Schöttes
zu besprechen. Anfangs war ich zwei
Wochen stationär im Knappschaftskrankenhaus. In dieser Zeit wurde ich
medikamentös eingestellt.
Wie geht es Ihnen heute, nach zwei Jahren
in Behandlung?
Es geht mir viel besser. Durch die Gespräche mit meinem Arzt und Medikamente habe ich die Störung unter Kontrolle. Meine Familie und meine Freunde
wissen von meiner Erkrankung und nehmen mich so, wie ich eben bin - 56 Jahre
alt und mit großer Lust zu leben.
Informationen über die Deutsche Gesellschaft für bipolare Störungen:
Kontakt
www.dgbs.de
[email protected]
www.change-of-moods.de
Hubert-Mathias Schöttes
Facharzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Suchtmedizin
Tel.: 0201 / 174 - 30001
[email protected]
LESE-TiPP:
Key Redfield Jameson
„Meine ruhelose Seele“
mvgverlag 2014, Neuauflage
In der Psychiatrischen Institutsambulanz am Standort Knappschafts-Krankenhaus gibt es unter anderem auch gruppentherapeutische Angebote , die von einem Mitarbeiter begleitet werden.
Hubert-Mathias Schöttes ist Facharzt in
der Psychiatrischen Institutsambulanz
(PIA) der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Suchtmedizin an den KEM und behandelnder
Arzt des Patienten. Er fasst die wichtigsten Fakten zur bipolaren Störung
zusammen:
„Zirka zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung leiden aktuell an einer behandlungsbedürftigen bipolar affektiven Störung. Die nicht selten bereits
vor dem 20. Lebensjahr beginnende
Erkrankung äußert sich vor allem durch
sich wiederholende Episoden erheblich
veränderter Aktivität sowie ausgeprägte
Veränderungen der Stimmung eines Betroffenen. Je nach Polarität dieser spricht
man von depressiven, manischen, hypomanen oder gemischten Episoden.
Die Dauer solcher Episoden ist variabel
und reicht von einigen Wochen bis zu
einem Jahr. Oft finden sich zusätzliche
psychische Erkrankungen, sogenannte
Komorbidität, häufig sind dies Angststörungen oder Suchterkrankungen, bei bis
zu 40 Prozent der Betroffenen. Natürlich
kann die Diagnose sowie der Krankheitsverlauf durch solche komorbiden Störungen erschwert werden. Unbehandelt
ist die Lebensqualität oft schlecht. Die
Folgen können gravierend sein. Häufig
gehen die Menschen vorzeitig in Rente.
Eine korrekte Diagnose ist deshalb erst
nach eingehenden klinischen Interviews
und weiteren Analysen zutreffend zu
stellen, wie bei meinem befragten Patienten.
Zur Ursache der komplexen Erkrankung sind genetische und biologische
Faktoren gut belegt. Diese können gemeinsam mit weiteren Faktoren in ungünstige Wechselwirkung treten: Veränderungen biorhythmischer Vorgänge
(vor allem des Schlaf-Wach-Rhythmus)
sowie kritische Lebensereignisse, anhaltender Stress, traumatische Erfahrungen. Diese können die Erkrankung
begünstigen und aufrechterhalten.
Die Behandlung erfolgt phasenspezifisch sowie rückfallverhütend, individuell abgestimmt und nach geltenden
Leitlinien der Fachgesellschaft (Deutsche
Gesellschaft für Bipolare Störung) medikamentös sowie in systematischen Gesprächen, wie der störungsspezifischen
Psychoedukation und weiteren Behandlungsmethoden.
Zunehmende Bedeutung haben in
den letzten Jahren auch die Selbsthilfe
der Betroffenen als auch die Berücksichtigung der Angehörigen und der
Familien in der Behandlung gewonnen.
Ziel der Therapie ist, dass Betroffene ein
möglichst aktives Leben nach den eigenen Vorstellungen in der Gesellschaft
führen können.
Übrigens sind einige berühmte Komponisten und Künstler, wie Vincent van
Gogh, und bekannte Schauspieler unter
den Betroffenen mit einer bipolaren Störung. Das verdeutlicht, dass gerade auch
sehr erfolgreiche und kreative Menschen
betroffen sein können.“
Was weiß das Immunsystem über die Psyche?
Neue Therapieansätze bei depressiven Erkrankungen auf dem Prüfstand - Studienteilnehmer werden gesucht
W
enn es draußen kalt und
dunkel wird, nehmen Erkältungserkrankungen und
Infektionen zu. Das ist auch die Jahreszeit, in der die Menschen am häufigsten
über Depressionen klagen. Ob Winterdepression oder andere psychische Erkrankungen - in der Klinik für Psychiat-
Kontakt
Prof. Dr. med. Martin K. Schäfer
Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Suchtmedizin
Tel.: 0201 / 174 - 30001
[email protected]
rie, Psychotherapie, Psychosomatik und
Suchtmedizin an den Kliniken EssenMitte (KEM) gibt es Hilfe - auf insgesamt
sieben Stationen plus Tagesklinik an den
Standorten Knappschafts-Krankenhaus
und Huyssens-Stiftung. Dem sogenannten Vollversorgungsanspruch entsprechend, sind Professor Dr. Martin Schäfer
und sein Team für Menschen mit seelischen und psychischen Krisen da, insbesondere auch dann, wenn es sich um
schwere Störungen handelt: „Wir haben
ein Zentrum für affektive Erkrankungen
für Patienten mit Stresserkrankungen,
Depressionen und Angststörungen aufgebaut, das am Standort KnappschaftsKrankenhaus zu finden ist. Dort können
wir auf die schwierigsten Krankheitsverläufe reagieren und effektiv nach den
aktuellsten Leitlinien behandeln“, so Professor Schäfer.
Immunsystem und Psyche ein Wechselspiel?
Wie kommt es zur Häufung von depressiven Symptomen in kalten, nassen
Zeiten und bei Infektionserkrankungen?
Hängen Depressionen, Stress und ein
aktiviertes Immunsystem zusammen?
Im Fokus der Mitarbeitenden der Klinik
steht aktuell auch die Erforschung der
Gründe für die Entstehung von Depressionen. In einem vom Bundesministerium geförderten länderübergreifenden
Forschungsprojekt („Entzündung und
Depression“, „INFLAME-D“) wird das
Krankheitsbild in Korrelation zum Immunsystem untersucht. Im Rahmen
einer internationalen Konferenz des
Bundesministeriums für Bildung und
Forschung trafen sich Ärzte und Forscher
aus Europa, Kanada und Israel in Helsinki und diskutierten gemeinsam über
laufende geförderte Projekte. Professor
Schäfer berichtete hier, wie anhand von
Patientendaten und verschiedenen Modellen untersucht werden soll, wie sich
Stress und Traumata auf das Immunsystem auswirken und Depressionen
herbeiführen. Die Koordination des Projekts liegt dabei in den Händen des Klinikdirektors und seines Teams an den
KEM: „Mit der europäischen klinischen
Studie bieten wir den entsprechenden
Patienten die Möglichkeit, im Zuge ihrer Behandlung an weiteren Untersuchungen teilzunehmen, die sich auf ihr
Immunsystem konzentrieren.“ Ziel ist es,
mithilfe der Ergebnisse neue Therapieansätze zu entwickeln. Das heißt, dass
entzündungshemmende Medikamente
beispielsweise eine übergeordnete Rolle
spielen könnten. „Außerdem klären wir,
ob anhand des Immunstatus das De-
pressionsrisiko abzulesen sein wird“, so
Professor Schäfer. Sollte dies der Fall sein,
wäre das ein weiterer wichtiger Schritt.
i
Studie Immunsystem
und Depressionen
Sollten Sie an einer Depression erkrankt
sein (unipolare Depression, bipolare Depression), bieten die KEM im Rahmen
des Forschungsprojekts eine rasche und
umfassende Behandlung an. Begleituntersuchungen fokussieren sich dabei
auf einen möglichen Zusammenhang
zwischen der Erkrankung und dem Immunsystem. Anmeldung und nähere
Informationen unter „Kontakt“ (links).
pulsschlag plus 7
Palliativversorgung
Am Ende nicht allein sein
In Essen gibt es einen Standard zur Versorgung Schwerstkranker - Oberbürgermeister Thomas Kufen unterschreibt die Charta
J
eder Mensch hat ein Recht auf ein
Sterben unter würdigen Bedingungen. So lautet der Leitsatz der
Charta zur Betreuung schwerkranker
und sterbender Menschen in Deutschland. Die Stadt Essen und 60 weitere
Essener Institutionen aus dem Gesundheitsbereich sind dieser im Oktober 2015
beigetreten - auch die Kliniken EssenMitte (KEM). In Vorbereitung auf diesen
bedeutsamen Schritt haben Vertreter
aller Krankenhäuser der Stadt mit dem
Netzwerk Palliativmedizin Essen (NPE)
im Rahmen einer Gesundheitskonferenz
den „Essener Standard zur Palliativversorgung und Hospizkultur in Krankenhäusern“ formuliert und als verbindliches
Entwicklungskonzept anerkannt. Er sieht
Maßnahmen vor, die die Informationen
für Betroffene, die Bereitstellung von Palliativfachleuten, die Etablierung von Palliativstrukturen sowie die Sicherstellung
der angemessenen Betreuung auch nach
einer Entlassung aus dem Krankenhaus
betreffen.
Die KEM sind hier bereits hervorragend aufgestellt. Ihre Klinik für Palliativmedizin und Institut für Palliative Care
betreibt neben einer Bettenstation auch
eine umfangreiche Tagesklinik. Der zugehörige multiprofessionelle Palliativdienst
betreut Patienten aus allen Fachabteilungen der Kliniken. Sein besonderes Augenmerk gilt hierbei der frühen Integra-
tion von Palliativmedizin in onkologische
Therapiekonzepte. Das ist ein Ansatz,
der nachweislich die Lebensqualität von
Tumorpatienten verbessert und unter
Umständen sogar zu einer Lebenszeitverlängerung beiträgt. Die Einbindung
von Ehrenamtlichen ist über die angegliederte ambulante Hospizgruppe Pallium unmittelbar gegeben, ebenso wie
der Zugang zu entsprechenden Fort- und
Weiterbildungsangeboten durch die
enge Kooperation mit dem NPE.
„Für diese Menschen mag es keine
Heilung mehr geben, doch für jeden einzelnen gibt es die Hoffnung auf Verbesserung der Lebensqualität bis zum Ende“,
sagt Dr. Marianne Kloke, Direktorin der
Klinik für Palliativmedizin und Mitbegründerin des NPE. „Unheilbar kranken
Menschen stehen an den KEM bereits
jetzt schon sämtliche palliative und hospizliche Betreuungsmöglichkeiten des
,Essener Standards´ zur Verfügung.“
Oberbürgermeister setzte ein Zeichen
für Schwerkranke in Essen
Ein wichtiger Schritt hin zu einer verbesserten Palliativversorgung war das
am 14. November dieses Jahres vom
NPE und der Stadt durchgeführte Symposium „Eine Stadt entscheidet sich für
Palliativversorgung und Hospizkultur“ im
Essener Ruhrturm. Zunächst erläuterten
anerkannte Experten aus dem Charta-
i
Palliativversorgung
„Die letzte Lebensphase und das Sterben
eines Menschen zu begleiten und Trauernden zur Seite zu stehen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Diese stellt hohe
Anforderungen an eine umfassende,
multiprofessionelle und vernetzte ambulante und stationäre Hospiz- und Palliativversorgung, welche insbesondere
die Linderung von Schmerzen und anderen belastenden Symptomen sowie die
Stärkung der Lebensqualität anstrebt. In
dieser Phase ist ein schwerstkranker und
sterbender Mensch in besonderer Weise
auf die individuelle Unterstützung und
das Miteinander in der Gemeinschaft
angewiesen.“ (Auszug aus der Präambel der Charta zur Betreuung schwerkranker und sterbender Menschen in
Deutschland)
Informationen zum Symposium „Eine
Stadt entscheidet sich für Palliativversorgung und Hospizkultur“ finden Sie
auch im Internet unter: www.essen.
de/rathaus/aemter/ordner_53/gesundheitskonferenz/palliativversorgung_
und_hospizliche_begleitung.de.
Repräsentanten der Essener Krankenhäuser, des Netzwerks Palliativmedizin Essen und der Verein Hospizarbeit Essen bei der Verabschiedung des „Essener Standards“ im Rathaus.
prozess die Übertragung der Grundsätze
der „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in
Deutschland“ auf die verschiedenen Versorgungsbereiche - von zu Hause über
Heimeinrichtungen bis hin zum Krankenhaus. Dann stellten Essener Akteure
in Vorträgen und an „Runden Tischen“
die schon weit fortgeschrittene Umsetzung der Chartaprinzipien in Essen vor,
von deren Erfolg sich die Teilnehmer an
20 Informationsständen überzeugten.
Beispielhaft sind zu erwähnen der Essener Palliativausweis, die Palliativberatung
Essen, die Ergänzung um Palliativversorgung im Essener Patientenüberleitungsbogen - gemeint ist die Verständigung
zwischen Ärzten, Pflegediensten, Krankenhäusern, Pflegeheimen und Rehaeinrichtungen - sowie die spezialisierte ambulante Palliativversorgung. Unter den
300 Fachleuten wurden Freundschaften
geschlossen und Ideen weiterentwickelt.
Als Höhepunkt unterzeichnete der
Oberbürgermeister Thomas Kufen
die Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen
in
Deutschland.
Diese
Urkunde
wurde gemeinsam
mit 62 weiteren
Beitrittserklärungen
Essener
Gesundheitsin stitutionen
im
Beisein der StaatsMarOberbürgermeister Thomas Kufen unterzeichnet die Charta zur sekretärin
tina
HoffmannBetreuung schwerkranker und sterbender Menschen.
Badache und den beiden Mitgliedern der
Steuerungsgruppe des Chartaprozesses,
Vorsitzender des Deutschen Hospiz- und
Palliativverbands e.V., Professor Dr. Winfried Hardinghaus, und Dr. Birgit Weihrauch, Staatsrätin a.D. und ehemalige
Vorsitzende des DHPV, übergeben.
Kontakt
Dr. med. Marianne Kloke
Direktorin der Klinik für Palliativmedizin
und Institut für Palliative Care
Tel.: 0201 / 174 - 24302
[email protected]
Lisa Lindenberg
Palliativberatung Essen
Tel.: 0201 / 174 - 49992
[email protected]
Evang. Huyssens-Stiftung
Maria und Josef zu Gast
Handgearbeitete Holzfiguren auf vorweihnachtlicher „Missionsreise“
S
Herzlich Willkommen: Die
minimalistisch
anmutende Krippe
schmückt bis
Anfang Januar den
Eingangsbereich.
eit dem ersten Advent können
Patienten und Besucher der Kliniken Essen-Mitte (KEM) am
Standort Evangelische Huyssens-Stiftung in Essen-Huttrop eine Besonderheit erleben: Weihnachtsfiguren, zum
Teil nahezu lebensgroß, schmücken
den Eingangsbereich des Krankenhauses und führen mitten in das Geschehen der Heiligen Nacht.
Die Reise der hölzernen Skulpturen
begann in Polen und führte über
Münster zu den KEM nach Essen. „Das
Krippen-Ensemble wurde von Volkskünstlern der polnischen Kunstschule
Zakopane, gelegen in der hohen Tatra, handgefertigt. Über die polnische
Mission in Münster kamen die Figuren
dann zu uns“, berichtet Horst Defren,
Geschäftsführer der Kliniken EssenMitte. Krippen dieser Kunstschule
wurden bereits in den vergangenen
Jahren in vielen Städten Europas auf-
gestellt und sorgten beispielsweise
auf Bahnhöfen und Flughäfen, in
Rathäusern, Banken oder Museen
für Aufmerksamkeit. Auf diese Weise
wurde auch Horst Defren auf die minimalistisch anmutenden Skulpturen
aufmerksam.
Auf einer Dienstreise beeindruckte
ihn die am Stuttgarter Hauptbahnhof aufgestellte Krippe so sehr, dass
er sie für die Weihnachtszeit an die
KEM holte. Während viele Figurenprogramme auf die typischen „Darsteller“ wie Hirten und Könige setzen, ist
die Weihnachtskrippe gezielt auf das
Thema „Bethlehem und die Familie“
abgestimmt. Neben Maria, Josef und
dem Jesuskind werden daher weitere
Krippenfiguren - jung und alt, groß
und klein - für eine weihnachtliche
Stimmung sorgen und Patienten wie
Besucher bis zum 7. Januar 2016 begrüßen.
8 pulsschlag plus
MENSCHENMÖGLICHES e.V.
„Schwere Last von kleinen Schultern nehmen“
Ein Projekt des gemeinnützigen Vereins Menschenmögliches e.V. an den Kliniken Essen-Mitte
Hoffnung alleine ist es, die uns Kraft gibt
zu leben, […], selbst unter Bedingungen,
die uns vollkommen hoffnungslos erscheinen.
Vaclav Havel
E
in Satz, der den Besuchern beim
Betreten des Familienzimmers von
Menschenmögliches e.V. ins Auge
fällt. Er hängt gerahmt an der Wand, ist
Teil eines Gedichts, das von Hoffnung
spricht - ebenso wie Kirsten Becker und
Barbara Defren, Heilpädagoginnen und
Projektbegleiterinnen. Sie engagieren
sich für Menschen und Familien, die in
schweren Zeiten, nach einer lebensverändernden Diagnose, Hilfe benötigen.
Hiermit stehen sie nicht alleine da. Mitglieder des Vereins, die durch ihre Spenden das Projekt fördern, Sponsoren,
Freunde, Freiwillige - immer wieder auch
Mitarbeitende der Kliniken Essen-Mitte,
die unterstützen und zuhören - und zwei
Schirmherren: Nelson Müller, der be-
Kontakt
Barbara Defren
Heilpädagogin
Tel.: 0201 / 174 - 24377
[email protected]
Kirsten Becker
Heilpädagogin
Tel.: 0201 / 174 - 24366
[email protected]
Simone Oster
Geschäftsführerin
Menschenmögliches e. V
Tel.: 0201 / 174 - 10026
[email protected]
kannte Sternekoch, und Henning Baum
- der Krimi-Liebhabern vielleicht als „Der
letzte Bulle“ aus dem Fernsehen bekannt
ist. Ende August dieses Jahres zog es den
Essener jedoch nicht an das Film-Set,
sondern an die KEM - in das neu gestaltete Familienzimmer des Vereins, das unter
anderem ein wichtiger Baustein für das
Projekt „Schwere Last von kleinen Schultern nehmen“ ist.
Hoffnungsträger
Die beiden Mitarbeiterinnen, Kirsten
Becker und Barbara Defren, führten den
Familienvater in den bunt und liebevoll
hergerichteten Raum, der sowohl für die
Kleinsten im Familienbunde als Spielund Rückzugsort dient als auch für die
Eltern, Großeltern und nächsten Angehörigen ein Ort der Begegnung ist. Mehr
noch, er ist ein Platz, an den die Pädagoginnen die Heranwachsenden bis zum
18. Lebensjahr begleiten, um in einer
entsprechenden Atmosphäre Zeit für Begegnung zu finden. „Wir sind für Familien
da, wenn sie uns bei einer folgenschweren Erstdiagnose, einer wiederkehrenden
Erkrankung (Rezidiv), im Sterbeprozess
oder nach dem Tod eines Familienmitglieds brauchen“, sagt Diplom Heilpädagogin Defren. Die Gespräche hängen
immer von dem Bedarf des Einzelnen
und der Familie ab. „Wir unterstützen
auf der Klinikstation, während eines mobilen Einsatzes zu Hause, aber auch im
sozialen Umfeld der Familie. Auf Wunsch
der Eltern oder des Kindes gehen wir
beispielsweise in Schulen, um auf die
besondere Situation hinzuweisen und
Lösungen im Umgang zwischen Lehrern
und Schülern zu erarbeiten.“ Sensibel finden die Mitarbeiterinnen einen Weg mit
den Familien. „Wenn uns eine Türe geöffnet wird, gehen wir behutsam hindurch“,
beschreibt Kirsten Becker ihr Vorgehen
und Henning Baum hört aufmerksam zu.
Die Unterstützung ist individuell, je nach
Bedürfnis des Kindes oder des Jugendlichen - ob in Gesprächen oder in einer
kreativen Auseinandersetzung.
Ja, ich möchte pulsschlag gratis im Abo erhalten.
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
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dass sich das „Original“, das Gesundheitsmagazin „pulsschlag“, das von den Kliniken Essen-Mitte herausgegeben wird, all diesen Themen widmet. Füllen Sie einfach diesen Coupon aus, schicken ihn ein
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Die Wirklichkeit gestalten
Henning Baum schluckt bei den Worten der Mitarbeiterin und findet doch
Worte: „Sie schaffen Kanäle, durch die
seelische Sorgen abfließen können, die in
unserer Gesellschaft oftmals verdrängt
werden. In meinen Augen sind Sie Lebensgestalter“, fasst er den Einsatz der Pädagoginnen zusammen. „Nicht, dass jetzt
der Eindruck entsteht, dass nicht auch
mal gelacht würde bei uns. Das passiert
immer wieder“, fügt Kirsten Becker an. Sie
berichtet auch von einer Familie, in der die
Mutter verstorben ist und deren Angehörige sich gewünscht haben, dass jeder
zum Abschied ein charakteristisches Foto
von ihr mitbringt. Der Prozess des AktivSeins ist heilsam für die Familie und die
Mitarbeiterinnen begleiten diesen intensiv. Eine Besonderheit bei diesem Projekt
ist die Möglichkeit, dass die Familie auch
längere Zeit nach dem letzten Gespräch
mit den Mitarbeiterinnen wieder Kontakt
aufnehmen und sich Unterstützung holen kann. „Ich verstehe, wie wichtig Ihre
Arbeit für die Betroffenen ist, und was Sie
leisten. Ich freue mich dieses Projekt zu
begleiten“, sagt der Schauspieler Baum.
Das Ziel des gemeinnützigen Vereins
Menschenmögliches ist es, das Projekt
eines Tages auch klinikübergreifend anbieten zu können. Denn der Bedarf ist
groß und steigt stetig.
i
Menschenmögliches e.V. finanziert sich
über Spenden und Mitgliedsbeiträge.
Um diese zu generieren und neue Mitglieder zu werben, organisiert der Verein Veranstaltungen, wie das Christmas
Soul-Konzert in der Weihnachtszeit.
Auch wünschen sich viele hilfsbereite
Menschen Spenden statt Geschenke anlässlich ihrer Geburtstage oder Firmenjubiläen oder begünstigen den Verein mit
Trauerspenden. Dafür sind die Mitglieder
dankbar, denn diese Beiträge helfen, die
wichtige Arbeit fortzuführen und auszubauen.
Informationen zum Projekt oder zu Florian Derschs Buch erhalten Sie unter
www.menschenmoegliches.de (Kontakt
siehe Kasten links)
MENSCHENMÖGLICHES e.V.
„Salbei könnte helfen,
aber nee, doch nicht“
Elfjähriger schreibt ein Buch über den Umgang mit Trauer
M
Name, Vorname
Straße, Hausnummer
PLZ, Ort
Als Schirmherr des Vereins Menschenmögliches ist der Schauspieler Henning Baum stets an der Entwicklung der Projekte interessiert.
Die Heilpädagoginnen Barbara Defren (links) und Kirsten Becker von den Kliniken Essen-Mitte halten ihn auf dem Laufenden.
Telefon tagsüber (für eventuelle Rückfragen)
Coupon ausschneiden und senden an:
Redaktion „pulsschlag“
Kliniken Essen-Mitte
Evang. Huyssens-Stiftung/ Knappschaft GmbH
Henricistr. 92
45136 Essen
Sie können „pulsschlag“ auch telefonisch, per E-Mail oder über das Internet bestellen:
Tel. 0201 / 17 41 00 11, [email protected], www.pulsschlag.tv
it elf Jahren hat Florian-Joell
Dersch ein Buch mit dem Titel „Traurigkeit für Zwischendurch“ geschrieben, aus dem er am 2.
November dieses Jahres in den Kliniken
Essen-Mitte (KEM) vorlas und rund 40
Zuhörer erstaunte und mit seinen Worten fesselte. Der aufgeweckte Junge begegnet in seiner Erzählung der Traurigkeit, dem Tod, aber auch dem Leben mit
großer Intensität. So, wie er es empfindet,
seit seine Mutter vor über zwei Jahren
verstarb. Er hat ein ABC der Traurigkeit,
eine Schatzkarte des Lebens und interaktive Passagen aus seinen Erfahrungen
heraus verfasst und kreiert. Das macht
Mut, kann anderen Kindern und Eltern
eine Stütze sein und lässt Raum zum
Schmunzeln, wie seine Idee zum Buchstaben S: „Salbei könnte helfen, aber nee,
doch nicht.“
Florian-Joell wünscht sich mit dem
Geschriebenen Kraft zu schenken, während er das Erlebte verarbeitet, das durch
die Begleitung von Heilpädagogin Kir-
Eine Buch über den
Umgang mit Trauer, das Florian-Joell
Dersch mit viel
Herz und Gefühl
geschrieben hat.
Es berührt Kinder
und Erwachsene
gleichermaßen.
sten Becker an den KEM Gestalt angenommen hat: „Ich möchte Menschen
helfen, die eine ähnliche Situation erlebt
oder erlitten haben“, sagt er und zeigt
auf sein bunt gestaltetes Werk mit einer
Lego-Figur über der steht: „Sei auch mal
glücklich!“
Der junge Autor bedankte sich bei
den Mitgliedern des Vereins Menschenmögliches aus Essen, die ihm ermöglicht
haben, diesen Weg zu gehen, im Rahmen
des Projekts „Schwere Last von kleinen
Schulter nehmen“ und sagte: „Es geht
mir wieder besser, danke.“
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