Fachrichtung Chemie und Lebensmittelchemie

Werbung
Prof. Dr. Thomas Wolff
Fachrichtung Chemie
Material zur Vorlesung „Organische und Anorganische Chemie“ für Verfahrenstechniker
(1. Semester, WS 2010/2011)
1. Einführung
1.1 Allgemeines
1.2 Was ist Chemie?
1.3 Geschichte der Chemie
1.4 Bücher
1.5 Konstanten, Symbole
2. Atombau und Periodensystem
2.1 Allgemeine Begriffe
2.2 Größe und Masse der Atome
2.3 Subatomare Teilchen
2.4 Verteilung der Elementarteilchen im
Atom
2.5 Zahl der Elementarteilchen im Atom
2.6 Aufbau des Atomkerns
2.7 Aufbau der Elektronenhülle
2.8 Periodensystem der Elemente
3. Chemische Bindung und chemische
Formeln
3.1 Eigenschaften von Verbindungen mit
unterschiedlichen chemischen Bindungen
3.2 Ionische Bindung
3.3 Kovalente Bindung
3.4 Metallische Bindung
3.5 Aufbau von Festkörpern
3.6 Chemische Formeln
3.7 Stoffmenge und Stöchiometrie
4. Reaktionen und Reaktionsgleichungen
4.1 Triebkraft von Reaktionen
4.2 Reaktionsgleichung
4.3 Stöchiometrie
4.4 Reaktionen aus der Anorganischen
Chemie
5. Gase
5.1 Gasgesetze
5.2 Partialdruck
5.3 Kinetische Gastheorie
5.4 Reale Gase
6. Kinetik und Reaktionsmechanismus
6.1 Kinetik und Stabilität chemischer Verbindungen
6.2 Definition der Reaktionsgeschwindigkeit
6.3 Reaktion 2. Ordnung
6.4 Reaktion 1. Ordnung
6.5 Reaktionsmechanismus
6.6 Temperaturabhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeitskonstante
6.7 Katalyse
7. Thermodynamik
7.1 Gleichgewichtsreaktion und Massenwirkungsgesetz
7.2 Temperaturabhängigkeit der Gleichgewichtslage
7.3 Prinzip vom kleinsten Zwang
7.4 Messverfahren für Wärmemengen
7.3 Reaktionsenthalpie und -entropie/
Triebkraft von Reaktionen
8. Elektrochemie
9.1 Leitfähigkeit und Elektrolyse
9.2 EMK
9. Organische Chemie
9.1 Funktionelle Gruppen und Nomenklatur
9.2 Einfache Reaktionsmechanismen
9.2.1 Radikalische Substitution
9.2.2 Elektrophile Substitution
9.2.3 Substitution am Aromaten
9.2.4 Reaktionen von Carbonylverbindungen
2
1. Einführung
1.1 Allgemeines
Aufbau der Vorlesung
Übung, Klausur
1.2 Was ist Chemie?
Einigermaßen zutreffend: Chemie ist die Lehre von den Eigenschaften, dem Aufbau und den
Reaktionen der Stoffe. Diese Definition impliziert eine Stoffbegriff:
Stoffe: Steine, tierische und pflanzliche Lebewesen, Flüssigkeiten, Gase
stoffliche Eigenschaften: Festigkeit, Geruch, Masse, Druck, Temperatur – können sich ändern
nichtstoffliche Eigenschaften: Schönheit, Verständlichkeit, Moral
Teilgebiete der Chemie
Spezialgebiete (Auswahl)
Analytische Chemie
Atmosphärenchemie
Anorganische Chemie
Kernchemie
Organische Chemie
Lebensmittelchemie
Physikalische Chemie
Pharmazeutische Chemie
Technische Chemie
Photochemie
Theoretische Chemie
Polymerchemie
Strahlenchemie
Biochemie
Makromolekulare (Polymer-)Chemie
1.3 Geschichte der Chemie
Ganz kurze Darstellung,
bei Interesse: www.chemieplanet.de → Geschichte
Anfang ist schwierig zu definieren: Erste Kenntnisse nicht durch planmäßiges Experimentieren wie heute, sondern durch Zufälle und Probieren.
Vorgeschichtlich:
Feuer
Steinzeit: Gerben, Töpfern, Färben
3500 v.Chr.
Bier, Wein, Herstellung von Kupfer durch Reaktion von Malachit in
Ägypten, später Zinn, Bronze, vermutlich erstmalig in Ur (Mesopotamien, Sumerer)
3500 v.Chr.
Glas in Ägypten
2
3
2500 v.Chr.
Eisen in Ägypten (Cheopspyramide)
2200 v.Chr.
Elementbegriff in China
1500 v.Chr.
Färbung von Stoffen mit Indigo, Purpur, Alizarin
(Ägypten, Kreta), weitere Metalle
O
H
OH
OH
N
N
H
blau
600 v.Chr.
O
rot
Porzellanherstellung in China
Elementbegriff in Griechenland
0-1500 n.Chr.
in Europa Alchemie
Versuche zur Herstellung von Gold und Silber
Mittels der Arbeiten der Alchemisten versuchte man ein Elixier zu gewinnen, das Unsterblichkeit mit sich bringen sollte, Erfolg dieser Arbeiten gering.
Es wurde hierbei eine Basis für die Chemie geschaffen. Zusammen mit
den Kenntnissen der Handwerker, Metallurgen und Bergleute bestand
jetzt z.B. die Möglichkeit eine Reihe von Metallen, Salzen und Säuren
zu gewinnen.
nach 1500
Paracelsus (süddeutsche Länder)
erkennt die Unmöglichkeit der
alchemistischen Idee; medizinische Präparate: Opium, Quecksilberverbindungen
1556
DE
RE METALLICA
von Agricola – ein grundsätzliches Buch über die
Metallurgie
17. Jahrhundert
Boyle (London): Gasgesetze;
später: Boyle, Berzelius (Österrei-
cher, Stockholm): Elementbegriff, Stoffbegriff
18. Jahrhundert
Lavoisier (Paris): Massen- und Volumenänderungen
bei chemischen Reaktionen
J. Dalton (Manchester): Zusammensetzung chemischer Verbindungen,
Atombegriff
1824
Oxalsäure durch Wöhler, Göttingen
erste Synthesen
1826
Anilin aus Indigo durch
organischer Verbindungen
1828
Harnstoffsynthese durch Wöhler
1840
Liebig (Gießen): künstliche Düngung
3
4
1865
Kekulé (Bonn): Benzolformel
1870
L. Meyer (Tübingen), Mendelejew (Petersburg): Periodensystem
1880
v. Baeyer (Leverkusen): Indigosynthese
1896
Becquerel (Paris): Radioaktivität
1900, 1905
Planck, Einstein (Berlin, Zürich): Quantentheorie
1906
Emil Fischer: Untersuchung des Eiweißes, Peptidbegriff
1910
Haber-Bosch-Verfahren zur Ammoniakherstellung (Berlin, später
Cambridge)
1912
v. Laue (Berlin), Bragg (London), Debye, Scherrer (Berlin): Röntgenverfahren zur Strukturaufklärung
1913
Bohr (Kopenhagen), Rutherford (Manchester): Atommodell
1939
Hahn, Strassmann (Berlin): Kernspaltung (eigentlich keine Chemie)
Danach wird der Überblick schwer wegen der riesigen Mengen neuer Ergebnisse.
1953
Eigen (Göttingen): Untersuchung schneller Reaktionen t < 10–9 s
um 1960
Woodward, Fischer: Synthese komplizierter Naturstoffe wie Chlorophyll, Hämin, Strychnin
1960
Maiman: Laser→ Medizin, Schneidetechnik, Drucker, ChipHerstellung
1961
Calvin: Photosynthese-Mechanismus
1962
Hoppe, Bartlett: Synthese von Edelgasverbindungen, z.B. XeF2
1967
Nobelpreis Eigen (Göttingen) u.a.: Untersuchung schneller Reaktionen
folgende Jahre
Spektroskopische Analysenmethoden verbessert und vereinfacht: UV,
IR, NMR, Röntgen; wichtige Erkenntnisse in der Biochemie: biochemische Mechanismen, Peptidsynthese, Kristallisation und Röntgenstrukturen von Proteinen;
Funktionspolymere → moderne Kunststoffe; Oberflächenanalyse: Raster-Elektronenmikroskopie, Raster-Kraft-Mikroskopie (AFM) → Auflösung bis zu einzelnen Atomen→ Oberflächenanalyse→ Katalyse;
Nanotechnologie, Fullerene
Umweltschutz, Sonnenenergie
1985
Nobelpreis Bednorz (Zürich): Hochtemperatur-Supraleiter
2007
Nobelpreis Ertl (Berlin) – Elementarschritte der heterogenen Katalyse
***
4
5
Zur Materialfülle in den letzten Jahren: Chemical Abstracts (kurze Inhaltsangaben): jedes Jahr
mehrere Meter in der Bücherei, inzwischen kaum noch ohne Computerrecherchen zu beherrschen.
1.4 Bücher und Bücherei
SLUB Führungen, Lehrbuchsammlung: Ebene 0
Stoff sollte stets aus mehreren Büchern erarbeitet werden (Stil, Stoffbeschränkungen, Niveau...).
Neue Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften! Viele Informationen im Internet (Vorsicht!)
Literatur zur Vorlesung:
L. Pauling
„Grundlagen der Chemie“
sehr gut
Verlag Chemie, Weinheim 1973
A. Blaschette „Allgemeine Chemie“ I und II
gut
Akad. Verlagsges. Wiesbaden 1979
J.A. Campbell „Allgemeine Chemie“, 2. Aufl.
C.E. Mortimer
sehr gut
Verlag Chemie, Weinheim 1980
nur PC
„Chemie“, 8. Aufl.
sehr gut
Thieme, Stuttgart 2003 – Vorlesung teilweise analog
W. Schröter, K.H. Lautenschläger
„Chemie“
nicht ausreichend
VEB Fachbuchverlag, Leipzig 1970
R. Christen
„Struktur und Energie“
nicht ausreichend
Diesterweg, Frankfurt 1980
„Chemie“
zu wenig physik. Chemie
Diesterweg, Frankfurt 1984
R.S. Becher, W.E. Wentworth
„Allgemeine Chemie“
nicht ausreichend
Thieme, Stuttgart 1976
5
6
G.S. Hammond, J. Osteryoung, u.a.
„Modellvorstellungen in der Chemie“
zu elementar
W. de Gruyter, Berlin 1976
1.5 Werte der Fundamentalkonstanten, Einheiten und Symbole
Atommasseneinheit
u = L-1 g/mol = NA-1 g/mol = 1,6605655·10-27 kg
Avogadro-Konstante
NA = 6,022045·1023 mol-1 (= Loschmidt-Zahl L)
Bohr-Magneton
µB = eh/(4πme) = 9,274078·10-24 J/Tesla
Boltzmann-Konstante
kB = 1,380662·10-23 J/K
Elektrische Feldkonstante ε0 = 8,85418782·10-12 A2s2/(Jm)
Elektronenmasse
me = 9,109534·10-31 kg
Elementarladung
e =1,6021892·10-19 As = 1,6021892·10-19 C
Erdbeschleunigung
g = 9,81 m/s2 (Mittelwert)
Faraday-Konstante
FF = L·e = 96484,56 As/mol
Gaskonstante
R = L·kB = 8,314472 J/(mol K)
Gravitationskonstante
G = 6,6720·10-11 m3/(kgs2)
µK = eh/(4πmp) = 5,050824·10-27 J/Tesla
Kern-Magneton
Lichtgeschwindigkeit
c = 2,99792458·108 m/s (im Vakuum)
Magnetische Feldkonstante µ0 = 4π·10-7 Vs/(Am)
Planck-Konstante
h = 6,626176·10-34 Js
Protonenmasse
mp = 1,6726485·10-27 kg
Diese Konstanten werden nicht alle in dieser Lehrveranstaltung benötigt.
Im Allgemeinen reicht es aus, mit 4-5 Dezimalstellen zu rechnen.
Basisgrößen und –einheiten des SI-Systems (SI = Système international d´unites)
Länge m
Stromstärke
A
Masse kg
Zeit
Stoffmenge
mol
(Lichtstärke
s
Temperatur
K
cd)
Abgeleitete Einheiten, z.B.
Kraft N = Kg m/s2
Energie (früher 1 cal = 4,184 J)
Druck Pa = N/m
2
Feldstärke
V kg m
=
m s3 A
Ladung
C=As
J = Nm = Ws
Leistung
kg m 2
W = J/s =
= Nm/s
s3
→ el.Spannung V =
kg m 2
s3 A
Konvention in den meisten Lehrbüchern und Journalen:
kursiv gesetzt werden Symbole,
steil gesetzt werden Zahlen, Einheiten, Operatoren, Indices (sofern nicht selbst Symbole).
Beispiele:
Masse m = 1,67 g; Volumen v = 2,1 m3; molares Volumen V = 22,24 dm3/mol;
6
7
Zahl e; dy/dx; exp(-EA/RT); m1, m2 KZ (Zentrifugalkraft; aber Kp: Gleichgewichtskonstante); EMK als abgekürzter Name, EMK als Symbol..
Die Symbole selbst sind oft unterschiedlich, z.B. in der Vorlesung Kraft K, oft aber Kraft F
(force). Symbole müssen deshalb beim ersten Gebrauch definiert werden. Mehrfachverwendungen sind in größeren Abhandlungen nicht zu vermeiden, da es mehr Größen als Buchstaben gibt, auch einschließlich des griechischen Alphabets.
Buchstabe
groß_ klein
A
α
B
β
Γ
γ
∆
δ
Ε
ε
Ζ
ζ
Η
η
Θ
θ,h
Ι
ι
Κ
κ
Λ
λ
Μ
µ
Ν
v
Ξ
ξ
Ο
ο
Π
π
Ρ
ρ,k
Σ
σ,ς*
T
τ
Υ
υ
Φ
n
Χ
χ
Ψ
ψ
Ω
ω
Name
Alpha
Beta
Gamma
Delta
Epsilon
Zeta
Eta
Theta
Iota
Kappa
Lambda
My
Ny
Xi
Omikron
Pi
Rho
Sigma
Tau
Ypsilon
Phi
Chi
Psi
Omega
Aussprache
altgriechisch
neugriechisch
a
a
b
w
g
g
d
th (weich)
e
e
ds
ds
ä
i
t (th)
th (hart)
i
i
k
k
l
l
m
m
n
n
ks
ks
o
o
p
p
r
r
s
s
t
t
ü
i
f
f
ch
ch
ps
ps
oh
oh
*am Wortende
zusammengesetzte Vokale
αι
ει
ευ
αυ
oυ
ai
eï
eu
au
u
ai
i
ef
af
u
angehauchte Vokale
© º Ê ß Ò ñ 4...
ha he hä hi hü ho hoo hai ...
7
8
2. Atombau und Periodensystem
2.1 Allgemeine Begriffe
Die Materie kommt in 3 verschiedenen Aggregatzuständen vor.
Gas, gasförmig:
Form und Volumen (v) hängen von äußeren Bedingungen ab.
Flüssigkeit, flüssig: Volumen (v) hängt nur wenig von Druck (p) und Temperatur (T) ab,
Form dagegen von äußeren Bedingungen – Flüssigkeiten nehmen
die Form des Behälters an.
Festkörper, fest:
v und Form hängen nur wenig von p und T ab.
Umwandlungen sind sowohl mit ∆p als auch mit ∆T möglich
Eine andere Art der Einteilung bezieht
sich auf den Mischungszustand.
MATERIE
REINE SUBSTANZEN
ELEMENTE
MISCHUNGEN
VERBINDUNGEN
HOMOGENE HETEROGENE
MISCHUNGEN MISCHUNGEN
(LÖSUNGEN)
Unterschied Element – Verbindung
Ein Element ist eine Substanz, die sich nicht mehr in weitere Substanzen zerlegen lässt. Eine
Verbindung ist eine Substanz, die aus mindestens zwei Elementen aufgebaut ist.
2.2 Größe und Masse der Atome
Ist die Materie (Elemente und Verbindungen) kontinuierlich oder aus diskreten Bausteinen
aufgebaut? Dazu kann man zunächst versuchen, die Materie mechanisch, z.B. mit Messer zu
teilen und zu untersuchen, kommt dabei aber nicht weit. Moderne Mikroskopiermethoden
ermöglichen die Auflösung von atomaren Dimensionen (Raster-Tunnel- oder Raster-KraftMikroskop (AFM)).
8
9
Silizium
Graphit
Natürlich hat man versucht, diese Teilchen noch weiter zu zerteilen, sie z.B. mit anderen
kleinen Teilchen zu beschießen, sie mit sehr energiereichem Licht zu bestrahlen. In allen
Fällen ergab sich, dass, wenn eine weitere Zerlegung erfolgt, die Eigenschaften des Siliziums
verändert werden. → Man sieht hier die kleinsten Bausteine des Siliziums bzw. des Graphits
– die Atome.
Atome sind die kleinste, nicht mehr teilbare Einheit der Elemente.
Macht man das gleiche Experiment mit Verbindungen, so erhält man die Moleküle.
Moleküle sind die kleinste, nicht mehr teilbare Einheit der Verbindungen.
Zerlegung der Moleküle → Atome
Moleküle sind also aus den Atomen aufgebaut
Die Materie ist diskontinuierlich, also aus diskreten Bausteinen aufgebaut.
Die Größe der Atome und Moleküle ist prinzipiell aus obigen Aufnahmen (Elektronenmikroskopie) abschätzbar.Es gibt aber sehr viel einfachere und genauere Verfahren, z.B. Röntgenbeugung ( Folien!) –→ Abstände in der Größenordnung von 100 – 200 pm bei Atomen. (Namen: v. Laue, Bragg)
Moleküle sind entsprechend größer, i.a. einige Hundert bis einige Tausend pm, extrem große
Moleküle der organischen Chemie auch darüber.
Masse der Atome und Moleküle
Direktes Wiegen scheidet aus, da Masse zu gering, geht aber mit den
oben beschriebenen Verfahren – z.B. 1 cm3 eines Elements
Röntgenbeugung → Abstände der Atommittelpunkte
9
10
→ Zahl der Atome in 1 cm3,
dann Wägung
→ Masse dieser Zahl von Atomen (Dichte ρ)
→ Masse eines Atoms (Achtung: verschiedene Gittertypen)
So ergibt sich z.B. für Aluminium 4,489·10–23 g, für Gold 3,27·10–22 g. Moleküle können entsprechend schwerer sein. Das Rechnen mit diesen kleinen Zahlen ist sehr unhandlich, daher
bezieht man die Werte auf „atomare Masseneinheit“ u:
1 u = 1,6605655 · 10–24 g =
1
m (12 C)
12
In dieser Einheit ist die Masse eines Aluminiumatoms durch 26,89 u gegeben.
Tabelle: Relative Atommassen m aus Dichte ρ und Elementarzellendimension a
Element
a / pm
ρ / g/cm3
m/u
Silber
407,76
10,568
107,87
Gold
407,02
19,403
196,97
Platin
391,42
21,61
195,1
Kupfer
360,8
8,987
63,55
Nickel
351,7
8,964
58,71
Blei
494,1
11,41
207,2
Elektron
0,000 549 u
Proton
1,007 276 u
Neutron
1,008 665 u
2.3 Subatomare Teilchen
Atome können mit bestimmten Methoden in subatomare Teilchen zerlegt werden, sie verlieren dabei jedoch ihre stoffliche Identität.
2.3.1 Elektronen
Röhre des Fernsehers (stirbt jetzt schnell aus):
Wird die Wendel geheizt, treten Teilchen aus,
die zur positiven Anode fliegen und dort auf
dem Schirm eine Lichterscheinung ergeben.
Wendel = negativer Pol = Kathode
Schirm = positiver Pol = Anode
10
11
Teilchen fliegen von der Kathode zur Anode – das kann man durch den Schattenwurf eines
eingebauten Metalls feststellen. Die Teilchen sind negativ geladen, da sie in Richtung +-Pol
fliegen. Teilchen bekommt den Namen Elektron (e). Das Elektron ist negativ geladen.
Größe der Ladung? – Millikan 1906
Zerstäubung von Öltröpfchen → Öltröpfchen mit 1,2,3 fehlenden/überschüssigen Elektronen
Beobachtung der Bewegung in einem elektrischen Feld
q = –1,602 · 10–19 C (Coulomb) = –1,602 · 10–19 As
(auch Elementarladung e, diskret!)
Masse? – Thomson 1897
Bewegung des Elektrons in einem Magnetfeld
Magnetfeld H der Feldstärke B
Lorentz-Kraft K = e w · B, ⊥ zu B und zur Bewegungsrichtung
mw 2
= ewB
r
Masse und Zentralbeschleunigung =
Zentrifugalkraft
aus dem Radius e/m → e bekannt → me = 9,11 · 10–28 g = 0,000 549 u
2.3.2 Protonen
Voriges Experiment etwas abgeändert:
11
12
Röhre enthält etwas Wasserstoff (H2). Hoch beschleunigte Elektronen stoßen auf H2, erzeugen H-Atome, stoßen auf diese, schlagen Elektronen heraus. Positive Teilchen werden frei
und fliegen durch die Kathode hindurch. Diese Teilchen heißen Protonen, p.
Experimente in Magnetfeldern und elektrischen Feldern → Ladung q = +1,602 · 10–19 Coulomb, d.h. Elementarladung e mit pos. Vorzeichen; mP = 1,6726 · 10–24 g = 1,007 276 u
2.3.3 Neutronen
von Chadwick 1932 beschrieben
Radium sendet α-Strahlung aus – das sind keine Elementarteilchen (Heliumkern enthält 2
Protonen und 2 Neutronen)
α-Strahlung auf Berylliumpulver → neue Strahlung, die Glas und Metalle durchdringt. Die
Protonen- und Elektronenstrahlung wird dagegen absorbiert. → Strahlung besteht aus ungeladenen Teilchen, sicherer Nachweis durch Nichtablenkbarkeit mit H und E, daher Neutron, n.
Bestimmung der Masse:
γ-Strahlung > 2,21 MeV (Massenequivalenz = mγ) auf Deuterium-Kerne: Deuterium (D) zerfällt in Elementarteilchen.
mD + mγ = mp + me + mn
mn = 1,6747 · 10–24 g = 1,008 665 u → Die Masse entspricht etwa der des Protons, ist aber
nicht identisch. Als freies Teilchen nicht stabil, sondern zerfällt mit einer Halbwertszeit von
10,6 Minuten nach n = p + e + weiteres Teilchen + Energie, daher auch verschiedene Massen.
Massen und Ladungen von Elementarteilchen eines Atoms
Teilchen
Masse
Ladung
Elektron
me = 9,11 · 10–28 g
q = –1,602 · 10–19 C =
–1,602 · 10–19 As
Proton
mp = 1,6726 · 10–24 g
q = +1,602 · 10–19 C =
+1,602 · 10–19 As
Neutron
mn = 1,6747 · 10–24 g
12
0
13
2.4. Verteilung der Elementarteilchen im Atom (Rutherford 1911)
α-Strahlung (Helium-Kerne ca. 4 u, 2+) aus radioaktivem Zerfall fliegen auf auf dünne Metallfolie:
Ist die Folie einige µm dick, so tritt der Hauptteil der α-Strahlung ohne Streuung durch die
Folie hindurch. Nur 1 ‰ Teilchen wird abgelenkt.
Deutung: Aus früherem Experiment: Elektronen müssen sich außen befinden. Wenn andere
Verteilung der Teilchen im Atom bestünde, müssten viel mehr Teilchen abgelenkt werden.
Rutherford zog daraus (und auch aus anderen Experimenten) den richtigen Schluss: das Elektron reißt ein α-Teilchen nicht aus der Bahn: Massenverhältnis
1
(= Fußball / Fliege).
4 ⋅ 1836
∅ Atom ≈ 100 – 200 pm
∅ Atomkern ≈ 0,01 pm
→ Materie besteht im wesentlichen aus leerem Raum, in dem sich die „punktförmigen (!)“
Elektronen bewegen. Der Atomkern aus Protonen und Neutronen vereinigt den weitaus größten Teil der Masse in sich:
me
1
! und ist winzig klein.
=
m p 1836
Zum Beispiel 1000 m3 Eisen = 1012 mm3 Eisen entspricht 8000 Tonnen; 1 mm3 Atomkerne
entspricht auch 8000 Tonnen!
2.5 Zahl der Elementarteilchen im Atom
Größere Mengen Materie müssen neutral sein, sonst entstehen riesige Potentiale gegenüber
der Umgebung. Das Neutron ist neutral, daher gilt für ein neutrales Atom
Protonenzahl (PZ) = Elektronenzahl (EZ)
13
14
Jedes einzelne Element hat nun eine bestimmte Zahl von Protonen. Das ist eine Definition
des Elementbegriffs auf atomarer Basis: Elemente werden aus Atomen gleicher Protonenzahl gebildet.
Die Chemie eines Elements ist eine Funktion seiner Elektronenzahl (bzw. der Protonenzahl)
wichtiger Begriff:
Ordnungszahl des Elements (Z)
Ordnungszahl = Protonenzahl
weiterhin Einteilung nach Massenzahl (MZ) = Neutronenzahl + Protonenzahl, d.h. = Zahl der
schweren Teilchen im Kern
Protonenzahl = Ordnungszahl
Elektronenzahl = Ordnungszahl (bei neutralen Teilchen)
Neutronenzahl = Massenzahl – Ordnungszahl (MZ – Z)
Massenzahl eines Elements kann schwanken.
Zusammengefasst:
Protonenzal
PZ
Elektronenzahl
PZ = EZ
EZ
Z = PZ = EZ
NeutronenzahlNZ
MZ = PZ + NZ
Ordnungszahl Z
Massenzahl
MZ
Reinelemente
MZ
Z
EZ
PZ
NZ (MZ-Z)
Natrium
Na
23
11
11
11
12
Aluminium Al
27
13
13
13
14
Gold
197
79
79
79
118
6
3
3
3
3
7
3
3
3
4
Au
Mischelement
Lithium
Li
Es gibt Reinelemente, die aus Atomen einer Massenzahl aufgebaut sind, z.B.
Natrium
MZ = 23, Z = 11, EZ = 11, PZ = 11, NZ = MZ–Z = 12
Aluminium:
MZ = 27, Z = 13
Gold
MZ = 197, Z = 79
Die meisten sind jedoch Mischelemente, d.h. ihre Atome enthalten zwar die gleiche Protonenzahl, aber verschiedene Neutronenzahlen. Durch geeignete Verfahren kann man die Mischelemente in die verschiedenen Atomsorten mit unterschiedlichen Neutronenzahlen aufspalten.
14
15
Diese Atomsorten werden als Isotope bezeichnet. Isotope sind also Elemente mit gleicher
Protonenzahl aber verschiedenen Neutronenzahlen.
Mischelemente bestehen aus mehreren Isotopen, Reinelemente bestehen aus einem Isotop.
Der größte Teil der Elemente sind Mischelemente, teilweise überwiegend aus einem Isotop
bestehend, teilweise eine komplizierte Mischung.
z.B. Wasserstoff
99,99% MZ = 1 / 0,01 % MZ = 2
(Isotop mit MZ = 2 hat sogar einen anderen Namen bekommen = Deuterium)
Chlor
75,5 % MZ = 35 / 24,5 % MZ = 37
Zinn
Mischung aus 10 Isotopen
Isotope eines Elements unterscheiden sich nicht in den chemischen Eigenschaften.
2.6 Aufbau des Atomkerns
→ Kernphysik
Bisherige Feststellungen: Atomkern ist sehr klein, enthält Protonen und Neutronen. Das
schwerere und energiereichere Neutron kann sich in ein Proton umwandeln.
Warum hält der Kern zusammen?
4 Arten von Wechselwirkungen:
1. Gravitation → spielt hier keine Rolle, da sehr klein
2. elektrostatische Wechselwirkung → wirkt entgegengesetzt, Kern müsste auseinanderfliegen
3. schwache Wechselwirkung (β-Zerfall der Atome, trifft hier nicht zu)
4. starke Wechselwirkung.
Die sogenannte starke Wechselwirkung ist eine der klassischen Physik nicht bekannte Wechselwirkung, die den Atomkern zusammenhält. Ein klassischer Versuch zur Deutung sind die
Austauschkräfte entsprechend
n1 + p 2
p1
p1 + n2 , d.h. Austausch der Ladungen.
→ jedenfalls sehr große Energie → Kernfusion
2.7 Aufbau der Elektronenhülle
entscheidet über das chemische Verhalten der Atome
2.7.1 Klassische Vorstellungen
Bisher ist die Frage offen: Was hält die Elektronen in einem Abstand von etwa 100 pm vom
Atomkern entfernt?
15
16
Starke und schwache Wechselwirkungen sind es nicht, sie wirken nur über sehr kleine Abstände
(< 1 pm).
Gravitation ? – viel zu klein.
Elektrostatische Wechselwirkung? wirkt auf jeden Fall – Elektron
würde in den Atomkern hineinfallen.
Experiment zeigt, dass dieses nun nicht der Fall ist. Daher Annahme: Elektronen bewegen sich auf Kreisbahn um den Kern –
Zentrifugalkraft Kz und Kraft der elektrostatischen Anziehung Ke
halten sich die Waage. Soweit ist dieses Modell in sich konsistent.
Nun Elektronen auf verschiedenen Radien:
Berechnung der Energie des Elektrons auf einer Kreisbahn mit Radius r – Annahme: Kern
ruht, da sehr viel schwerer; Beispiel H (Wasserstoff) enthält 1 Proton, 1 Elektron, kein Neutron; dafür lassen sich 4 Beziehungen aufstellen
1) K e =
e2
Ke ~
4πε 0 r 2
q1q2
r
allgemein: K e =
q1q2
4πε 0 r 2
Coulombsches Gesetz → elektrostatische Anziehung
2) K z = m bz = m
w2
r
Geschwindigkeit w =
Kraft K = m · b
m = Elektronenmasse
3) E kin
bzw.
1
= mw 2 ( = e ⋅ U )
2
K = m⋅
Beschleunigung
dw s w 2
b=
= =
dt t 2
s
mit U = el. Spannung = Potenzial-Differenz,
ε0 = Dielektrizitätskonstante des Vakuums
= 8,854·10–12 A s V–1 m–1
4) E pot = −
s
s2
→ w2 = 2
t
t
e2
4πε 0 r
(bei r = ∞ ist Epot = 0
16
w
t
17
Ein stabiles Atom erfordert die Gleichheit der Kräfte
Ke = Kz ;
e2
4πε 0 r 2
=
mw 2
r
( bei r ≠ 0)
und auch der entsprechenden Energien: E = ∫ K dr
→
Ekin =
1
1 e2
mw 2 =
2
2 4πε 0 r
E = E kin + E pot
d.h. E ~ −
1 e2
e2
1 e2
=
−
=−
2 4πε 0 r 4πε 0 r
2 4πε 0 r
1
r
Je kleiner r, um so tiefer die Energie.
Bei großen r liegt Epot hoch, Ekin niedrig
0-Punkt = Energie des Elektrons im Vakuum.
Nach den bisherigen (unvollständigen) Vorstellungen könnte das Wasserstoffatom unter diesen Annahmen innerhalb gewisser Grenzen jeden beliebigen Energiebetrag aufnehmen, indem
der Abstand Kern – Elektron entsprechend gewählt wird.
Wie kann man die Atome dazu bringen, Energie aufzunehmen?
→ siehe Stoßexperimente in Kap. 2.3.2: Elektron flog heraus, entspricht vielleicht E über der
Null-Linie.
Wir wollen ein ähnliches Gedankenexperiment machen, wobei die Änderung des Radius zunächst beliebig sein soll:
* Atom fällt in den Grundzustand zurück unter Aussendung von Licht. Für diesen Prozess
müsste also gelten:
17
18
Eang. = Egrund + Energie des ausgesendeten Lichts
Licht gibt es nur in Quanten, das sind Energiepakete der Größe E = hv = h ⋅
c
λ
mit c = 3 · 108 m/s (Lichtgeschwindigkeit), h = Plancksches Wirkungsquantum =
6,6262 · 10–34 J·s, v = Frequenz des ausgesandten Lichts λ = Wellenlänge des ausgesendeten Lichts.
Unserer bisherigen Kenntnis nach sollte also Folgendes beobachtbar sein: Durch die verschiedenen Stöße → verschiedene Anregungszustände → Zurückfallen in (vielleicht auch verschiedene) Grundzustände → Aussendung von Licht mit allen möglichen Wellenlängen ∆E =
hv
Folien mit Wasserstofflampenspektrum →
Modell falsch, da Energieniveaus diskret, d.h. nur einige, bestimmte Energiezustände sind möglich!
Das Modell hält auch einem 2. Argument nicht stand:
Satz: Bewegt sich eine Ladung beschleunigt, so wird
Strahlung ausgesendet (siehe Antenne: entspricht beschleunigter Bewegung auf Kreis)
→ Atome müssten dauernd Licht (elektromagnetische Strahlung) aussenden → Energieabstrahlung bedeutet Verminderung des Bahnradiusses → Elektron landet zum Schluss im Kern
→ Atom kaputt.
Dieses war der Stand der Dinge als Bohr im Jahre 1913 auf einen genialen Gedanken kam.
Das Ergebnis dieses Gedankens ist heute unter dem Namen Bohrsches Atommodell bekannt.
Hierzu eine kurze Bemerkung. Heute formuliert man die Vorgänge im atomaren Bereich, so
z.B. den Aufbau der Elektronenhülle, in der Sprache der Quantenmechanik. Normalerweise
bedient man sich dabei einer Gleichung, die von Schrödinger 1926 aufgestellt wurde – eben
der Schrödinger-Gleichung. Die Handhabung dieser Gleichung ist aber leider außerordentlich
kompliziert. Man kann das vielleicht daran erkennen, dass sich die meisten Untersuchungen
aus der theoretischen Chemie mit der Anwendung dieser Gleichung auf molekulare Systeme
befassen. Für uns hier ist das alles zu kompliziert. Im Anschluss an die Diskussion des Bohrschen Modells werden wir uns mit den Ergebnissen der Quantenmechanik auf einer nichtmathematischen, modellhaften Ebene beschäftigen. Auch das wird noch kompliziert sein.
Deswegen davor noch der Gedankengang von Bohr, der mit den Ergebnissen der Quantenme-
18
19
chanik nicht in allen Teilen übereinstimmt, aber sehr anschaulich ist – Übung im Umgang mit
Modellen: obwohl Modelle nicht immer Wahrheit, kann man richtige Vorhersagen machen.
2.7.2 Bohrsches Atommodell
Aufnahme des Gedankenganges von vorhin. Das Atom konnte kontinuierlich Energie aufnehmen, E ~ −
1
. Die kreisenden Elektronen sollten nach klassischer Vorstellung Energie
r
abstrahlen.
Bohr postulierte nun Folgendes:
Wenn sich die Elektronen auf bestimmten Bahnen, die einem Drehimpuls von P = n h ent2π
sprechen (n = 1,2,3...), wird keine Strahlung ausgesendet. Nur diese Bahnen sind für die Elektronen zulässig. Die Energiedifferenz zwischen Zuständen mit verschiedenen n wird als
Licht ausgesendet oder aufgenommen.
P=n
h
2π
n = 1,2,3... (natürliche Zahlen)
∆E = hv = hc/λ
Berechnung des Radiusses des Elektrons im H-Atom
Definition des Drehimpulses:
dr 

P = m w r = m ⋅r
dt 

(entspricht dem Impuls
der linearen Bewegung bei Kreisbewegung)
Bohr:
(1)
m w r = n⋅
→
w=
1. Gleichung zwischen w und r
nh
2π m r
e2
(2)
h
2π
4πε 0 r
= m w2
2. Gleichung zwischen w und r aus der Gleichheit
der Kräfte
n 2h 2
→ w = 4π 2 m 2 r 2
2
n 2h 2
e2
| ⋅m → mw = 2 2 =
4π m r
4πε 0 r
2
19
20
ε0 n2h2
→ r=
π m e2
n = 1 ; m = Masse des Elektrons
h = 6,6262 · 10–34 J·s
ε0 h2
r=
= 53 pm
π m e2
r=
Bohrscher Radius
8,854 ⋅10 −12 (6,6262 ⋅ 10−34 ) 2 As J 2 s 2
π ⋅ 9,11 ⋅ 10−31 (1,602 ⋅ 10 ) 2 Vm kg A s s 2
r = 5,29 ⋅ 10
−11
= 5,29 ⋅10 −11
s A2 V2 s2
V m kg A
s2 N m
s 2 kg m
= 5,29 ⋅10 −11 2
= 52,9 ⋅10 −12 m = 52,9 pm
m kg
s kg
Berechnung der Energie des Elektrons aus 2.7.1
1 e2
1 e2 π m e2
E=−
=−
2 4πε0 r
2 4πε0 ε 0 n 2 h 2
m e4
E = − 2 2 2 → ermöglicht die Berechnung der Energie des Elektrons des Wasserstoff8ε 0 h n
atoms in verschiednen Zuständen n.
Aus 2.7.1 ist bekannt, dass nicht alle Energien zugelassen sind,
sondern nur noch bestimmte Werte – Energie ist gequantelt,
n ist eine Quantenzahl (heißt später Hauptquantenzahl).
Energieschema:
n = 1 ist der energetisch tiefste Zustand, der sog. Grundzustand. n kann auch höhere Werte annehmen, diese entsprechen
dann höherer Energie, d.h. angeregten Zuständen (siehe links
für Wasserstoff-Atom).
20
21
Jetzt Emission (Aussendung) von Licht
E2 –E1 = hv
andere Linien bei n =
3 → 2 656,3 nm
4 → 2 486,1 nm
n2
5 → 2 434,0 nm
n1
6 → 2 410,2 nm
m e4
8ε 02 h 2
 1
1 
 2 − 2  = hv
 n1 n2 
hν = Energie des Lichts, proportional zu Frequenz ν, aber
mit Wellenlänge verknüpft: hv = h
c
λ
8ε 02 h 2 hc
8ε 02 h 3c
λ=
=
 1
1 
1 
4 1
m e  2 − 2  m e 4  2 − 2 
 n1 n2 
 n1 n2 
λ=
n=4→n=2
8 ⋅ (8,854 ⋅ 10 −12 ) 2 (6,6262 ⋅ 10 −34 ) ⋅ 3 ⋅ 10 8
(= 0,1875)
1 
− 31
−19 4  1
9,11 ⋅ 10 1,602 ⋅ 10
 2 − 2
4 
2
(
)
λ = 4,86 · 10–7 m = 486 nm
Genau die Emission dieser Linien beobachtete man bei der Anregung des Wasserstoffs. Ei-
m e4
1
1
nerseits war die Kombination 2 − 2 richtig, andererseits ist die Konstante
auf 1 ‰
8ε 02 h 3
n1 n2
genau bestimmt; bei Berücksichtigung der Kernbewegung noch genauer, d.h. innerhalb der
experimentellen Genauigkeit.
Bei Anwendung dieser Theorie auf komplizierter aufgebaute Atome, gibt das Bohrsche Modell gibt die experimentellen Ergebnisse nicht mehr richtig wieder.
2.7.3 Qualitative Erklärung des Aufbaus der Elektronenhülle mit der Schrödinger-Gleichung
Welle oder Teilchen?
Menschliche Erfahrung reicht für das vollständige Erfassen der Eigenschaften kleinster Teilchen nicht aus – gehört eben nicht zum normalen Erfahrungsbereich und kann nur modellhaft
verstanden werden.
21
22
Beispiel Licht
1) Interferenz an Gittern → Welle
2) Licht auf Metalloberflächen → Elektronen treten aus
Beispiel Elektron
1) Bewegung in einem elektrischen Feld (Fernsehröhre) → Teilchen
2) Schnelle Elektronen auf Metallfolie → Bewegungsbild wie bei Röntgenstrahlen auf die
Metallfolie → Welle
Masse und Geschwindigkeit (Impuls) sind bei Elektronen im Atom gerade so, dass keines der
beiden Modelle /Welle/Teilchen) allein zutrifft.
Das mittlere Bild beschreibt die Schrödinger Gleichung.
Beobachtungsunschärfe / ein Experiment dazu:
Spaltgröße 1cm...→ 1 nm ... usw. (großer Spalt)
erzuegt scharfe helle Bereiche auf dem Schirm.
Erst bei Spaltbreiten im Bereich µm-nm wird die
Schattenkante des Spalts unscharf und bei sehr
kleinen Spalten (Herstellung? Metallfolien!) beobachtet man auf dem Leuchtschirm Beugungsbilder:
1. Argumentation Welle / Teilchen
2. Festlegung des Ortes
a) unscharfer Ort ( = großer Spalt) – Teilchen fliegen glatt hindurch
b) scharfer Ort (= schmaler Spalt) – Teilchen werden zur Seite hin abgelenkt, Impuls wird verändert.
Genau dieses sagt die Unschärferelation von Heisenberg: Ort und Impuls eines Teilchens
können gleichzeitig nur mit beschränkter Genauigkeit gemessen werden.
Formelmäßig: ∆x · ∆(mw) ≥ h (= 6,6262·10–34 Js)
∆x =
Ortsunschärfe
∆(mv) = Impulsunschärfe
22
23
Was hat das alles mit unserem Elektron zu tun?
Welle / Teilchen
Unschärfe
Masse und Geschwindigkeit des Elektrons Unsere Beobachtung soll das Atom nicht stösind im Atom gerade so, dass keines der bei- ren, d.h. die Impulsunschärfe der Elektronen
den Modelle allein zutrifft. Das mittlere Bild darf nicht so groß werden, dass sie z.B. hiist die Schrödinger-Gleichung.
nausfliegen aus dem Atom. Berechnung zeigt:
die Ortsunschärfe ist dann etwa so groß wie
die Atome selbst.
Unsere Frage: Wo befindet sich ein Elektron zu einem bestimmten Zeitpunkt im Atom darf
nicht gestellt werden. Konsequenz: Man darf nicht – wie im Bohrschen Modell – der Bewegung des Elektrons gleichzeitig einen festen Impuls und eine definierte Bahn zuordnen.
Was darf überhaupt gefragt werden?
Es darf gefragt werden nach der Wahrscheinlichkeit W, ein Elektron in einem bestimmten
Volumenelement des Raums zu finden.
W = ψ2 ∆v
W über den ganzen Raum = 1 in ∆v ein Teil davon 0,1, 0,2, ...
oder für differentielle Größen
dW = ψ2 dv = ψ2 dx dy dz
ψ selbst nennt man die Wellenfunktion. (Modell: Elektron wird einem Bündel von Sinuswellen zugeordnet, die sich zu einem Wellenpaket überlagern.)
Die Schrödinger-Gleichung ist eine partielle Differentialgleichung für ψ. Umgekehrt: Schrödinger hat eine partielle Differentialgleichung für die Wellenfunktion ψ angegeben. Die Lösungen ergeben, quadriert, die Aufenthaltswahrscheinlichkeit für die Elektronen in einem
bestimmten Volumenelement.
Wir wollen nun nicht nach Lösungen der Schrödinger-Gleichung suchen, sondern uns die von
den Theoretikern angegebenen Lösungen ansehen.
Beispiel Wasserstoffatom
Mehrere, verschiedene Lösungen der Schrödinger-Gleichung, die von den Quantenzahlen abhängen.
Eine – die Hauptquantenzahl n kennen wir bereits, sie findet auch hier wieder Verwendung und gibt – wie im Bohrschen Modell – die Reihenfolge im durchschnittlichen Abstand zum Atomkern an und grob die Energie.
23
24
Fall n = 1
ψ=
1
πa
3
0
e −r / a0
a0 = Bohrscher Radius
W = 4πr2ψ2 = Wahrscheinlichkeit, das Elektron zwischen r und r+dr zu finden.
Weiterhin Kugelsymmetrie - Räumliche Darstellung ist schwierig: 3 Koordinaten und ψ2.
Üblich ist folgendes Verfahren: Punkte mit gleichen ψ2 werden verbunden und die Fläche
(von den vielen) wird gezeichnet, die 90 % einschließt (→ warum nicht 100 % ?).
Fall n = 2 ψ =

r 
 2 −  e − r / 2 a0
a0 
4 2πa 03 
1
24
(a0 entspricht dem Bohr-Radius)
25
Höhere s-Orbitale:
Radial Distribution Plot ( 4πr2 ψ2 vs. r)
r is in atomic units (a0)
Für n = 2,3,.. kommt eine zweite Quantenzahl ins Spiel: die Nebenquantenzahl l.
Woher kommt diese?: Bei der Lösung der Schrödinger-Gleichung zeigt sich, dass in den
Gleichungen Zahlen auftreten, die nur gewisse Werte annehmen dürfen, z.B. n = 1,2,3... Für
die Nebenquantenzahl l ist die Bedingung noch härter: l ist ganzzahlig, positiv unter Einschluss der Null, aber < n, d.h. für den Fall n = 1 kommt nur l = 0 in Frage
Wenn l = 0 → immer Kugelsymmetrie. n = 2, l = 1 → m –1, 0, +1
für den Fall n = 2 kommt l = 0 und l = 1 in Frage, d.h. man findet hier für ein n verschiedene
ψ3-Funktionen, die beim Wasserstoffatom – und nur beim Wasserstoffatom – gleiche Energien aufweisen.
Schwieriger wird der Fall n = 2, l = 1, denn dann kommt eine 3. Quantenzahl, die magnetische Quantenzahl m. Sie unterliegt der Bedingung –l ≤ m ≤ l, m ist ganzzahlig, d.h. für unseren Fall l = 1, m = –1,0,+1
m und l ändern nun die Winkelabhängigkeit der ψ-Funktion und zwar gibt l die Zahl der Knotenebenen und m die Richtung der Knotenebenen an.
25
26
n = 1, l = 1
3 Stück: geordnet nach Quantenzahl m
–l ≤ m ≤ +l
Was bedeuten diese Keulen? Zum Beispiel die untere:
In Richtung der z-Achse (und entgegengesetzt) viel ψ2
Entfernt man sich von der z-Achse: weniger ψ2.
In Richtung der x- und y-Achse oder in der x,y-Ebene: nichts, d.h. die x,y-Ebene ist eine Knotenebene, d.h. l = 1 entspricht einer Knotenebene.
Das war bisher nur die Richtung. Diese überlagert die r-Abhängigkeit.
→ Modelle oder Bilder vorzeigen – daran auch die d-Funktion mit 2 Knotenflächen diskutieren.
Noch einmal: l = 0 → kugelsymmetrische Elektronendichteverteilung
l = 1 → bevorzugte Verteilung in den Achsenrichtungen
Oft wird an dieser Stelle die Frage gestellt: Oberhalb und unterhalb der x,y-Ebene hat das
Elektron eine gewisse Aufenthaltswahrscheinlichkeit. Auf einer Seite kann aber das Elektron
nicht bleiben. Wie kommt es nun auf die andere Seite durch die Knotenebene hindurch, wenn
eine Knotenebene dazwischen liegt?
1) Diese Frage darf man nicht stellen, da man kein entsprechendes Experiment machen kann.
Die Quantenmechanik macht nur Aussagen über wirklich ausführbare Experimente.
26
27
2) Die „normale“ Quantenmechanik, d.h. die Schrödinger-Gleichung ist nur eine Näherung:
Klassische Mechanik, Schrödinger-Gleichung, Diracsche Theorie. In den genaueren Theorien
verschwindet die Knotenebene.
Für den sprachlichen Gebrauch auch Namen: Atomorbitale, das ist nichts anderes als ein neues Wort für Wellenfunktion der Atome, wird auch für räumliche Darstellung (90 % W) benutzt.
l=0
s-Orbital
(Die Buchstaben s, p, d, f rühren
l=1
p-Orbital
von Bezeichnungen für die Licht-
l=2
d-Orbital
emission her: s = sharp, p = principal
l=3
f-Orbital
d = diffuse, f = fundamental)
Wasserstoff hat nur ein 1s-Orbital.
Für n = 2 gibt es 2s- und 2p-Orbitale
±½
Orbitalname
1s
volle
Unterschale
1s2
Σ Elektronen
Unterschale
2
0
±½
2s
2s2
2
1
–1,0,+1
±½
2p
2p6
6
3
0
0
±½
3s
3s2
2
3
1
–1,0,+1
±½
3p
3p6
6
3
2
–2,–1,0,
+1,+2
±½
3d
3d10
10
n
l
m
s
1
0
0
2
0
2
Σ Elektronen
Schale
2
8
18
Die vierte Spalte enthält die vierte und letzte Quantenzahl: die Spinquantenzahl s. Sie sorgt
dafür, dass jedes Orbital 2 Elektronen aufnehmen kann, denn Elektronen eines Atoms müssen
sich in mindestens einer Quantenzahl unterscheiden.
Spin ist der Eigendrehimpuls des Elektrons. Bewegte Ladung →
(Analogon zum Elektromagnet) → Magnet (nicht Dipol sagen).
Quantenmechanik zeigt, dass es für diese Magnete dann nur 2 Lagen – parallel und antiparallel zum Feld – gibt.
s = +½ heißt Spin parallel zum Feld
s = –½ heißt Spin antiparallel zum Feld.
Schwache Felder durch bewegte Ladungen gibt es immer, daher gibt es zwei verschiedene
Möglichkeiten, wie sich der Spin einstellen kann; diese beiden Zustände werden durch s = +½
und –½ gekennzeichnet.
27
28
Jetzt das eigentliche Ziel dieser Überlegungen:
Aufbau der Elektronenhülle bei mehreren Elektronen – auf welche Quantenzustände verteilen
sich die Elektronen? Das erfolgt nach drei Prinzipien
1) Energien der Elektronenzustände:
natürlich werden zuerst die Zustände mit der niedrigsten Energie,
dann die höheren besetzt.
Dieses Schema wurde ermittelt aus
Experimenten wie Na-Linie, HLinie, usw. (siehe oben)
Energie-Unterschiede s – p diskutieren / 4s, 3d – Abstand diskutieren!
Würde dieses Prinzip nur allein gelten, landeten alle Elektronen im 1s Orbital
Daher gibt es ein zweites Ordnungsprinzip, das
2) Pauli-Prinzip (aus Quantenmechanik)
Zwei Elektronen in einem Atom müssen sich mindestens durch eine Quantenzahl unterscheiden oder jedes Quantenzahlensystem n l m s darf nur einmal vorkommen.
Begriffe Schale, Unterschale
Berechnung der vollbesetzten Schale, dabei 2p2; 2px 2py usw. diskutieren.
Das dritte Prinzip ist die
3) Hundsche Regel
2.8
Periodensystem der Elemente
1870 L. Meyer / D. Mendelejew
Fangen wir mit der Ordnungszahl Z = 1 an.
28
29
Name: Wasserstoff, chemisches Symbol H von Hydrogenium (lat.)
(O = Oxygenium / H = Hydrogenium / N = Nitrogenium)
Z = 1 → Zahl der Elektronen = 1, Zahl der Protonen = 1
Das einzelne Elektron besetzt das tiefste Niveau → Elektronenzustand 1s.
Z = 2 / Name: Helium, Symbol He (2 Buchstaben wegen H = Wasserstoff)
EZ =
Zahl der Elektronen = 2
PZ = Zahl der Protonen = 2
zusätzlich 2 Neutronen, daher Massenzahl M = 4
1. Elektron
1s
l = 0, m = 0, s = +½
2. Elektron
1s
l = 0, m = 0, s –½
→ Elektronenzustand 1 s2
Z = 3 Name: Lithium, Symbol Li
Zahl der Elektronen = 3
Zahl der Protonen = 3
Massenzahl 6 und 7 (überwiegend), d.h. 3 und 4 Neutronen
Elektronen: 1s2 wie bei He ist voll → 1s2 2s
2s: n = 2, l = 0, s = +½
Nun wird hier im chemischen Verhalten etwas passieren!
Die Chemie – d.h. die Eingriffe der chemischen Bindung in die Elektronenhülle – spielen sich
jeweils nur in den äußeren Schalen ab. Beim Helium ist gerade die Schale n = 1 voll. Es wird
kaum ein Elektron aufnehmen können, da der 2s-Zustand sehr hoch liegt. Umgekehrt, warum
sollte es ein Elektron abgeben, da die 1er-Schale ist voll und damit irgendwie abgeschlossen,
die Quantenmechanik zeigt auch diese Stabilität. Beim Lithium jetzt ganz anders: Hier sitzt
ein Elektron in einem energetisch relativ hohen Zustand und kann wahrscheinlich relativ
leicht abgegeben und von einem Reaktionspartner aufgenommen werden. Diese leichte Abgabe von Elektronen ist typisch für die Metalle. Wir beginnen daher hier mit einer neuen Gruppe – die I. Gruppe.
Jetzt ein Sprung zum Element 9, F, Fluor.
9 Elektronen: 1s2 2s2 2p5
2
( 2p x
2p 2y
2p z ,)
Welches fehlt? – Weiß man nicht, Atome sind rund!)
Was könnte Fluor machen für eine chemische Bindung? 5 oder 7
Elektronen abgeben? → energetisch ungünstig.
→ 1 Elektron aufnehmen und 1s2 2s2 2p6 bilden: F- ist sehr stabil,
29
30
F hat damit die Eigenschaft eines typischen Nichtmetalls.
Das nächste Element: Z = 10, Ne, Neon - 1s2 2s2 2p6 das ist so stabil.
Bisher sind weder vom Neon noch vom Helium chemische Verbindungen bekannt: Edelgase.
Stabilität bei vollständig gefüllten Schalen (auch spürbar bei vollbesetzten Unterschalen, bei
halbbesetzten Schalen)
Wir erkennen jetzt auch den Witz der Einteilung im Periodensystem: Untereinander stehen
jeweils die chemisch ähnlichen Elemente.
I. Gruppe – typische Metalle, Alkalimetalle
Li :
1s2 2s
Na:
1s2 2s2 2p6 3s
K:
1s2 2s2 2p6 3s2 3p6 4s
Rb:
.
1s2 2s2 2p6 3s2 3p6 3d10 4s2 4p6 5s
VII. Gruppe – typische Nichtmetalle, Halogene
F:
1s2 2s2 2p5
Cl:
1s2 2s2 2p6 3s2 3p5
Br:
1s2 2s2 2p6 3s2 3p6 3d10 4s2 4p5
I:
1s2 2s2 2p6 3s2 3p6 3d10 4s2 4p6 4d10 5s2 5p5
VIII. Gruppe, Edelgase
He:
1s2
Ne:
1s2 2s2 2p6
Ar:
1s2 2s2 2p6 3s2 3p6
Kr:
1s2 2s2 2p6 3s2 3p6 3d10 4s2 4p6
Xe:
1s2 2s2 2p6 3s2 3p6 3d10 4s2 4p6 4d10 5s2 5p6
Hauptgruppenelemente – Nebengruppenelemente
s- und p-Schalen
(Übergangselemente,
d-Schalen, nur Metalle)
Übergangselemente:
d-Schalen werden aufgefüllt, zweitäußerste Schale nicht entscheidend für chemisches Verhalten. Nur Metalle – zahlreiche Oxidationsstufen
Es fehlt noch eine große Gruppe von Elementen: Bisher Aufbau von s, p, d-Unterschalen. Ab
der Schale n = 4 kann auch l = 3 sein, d.h. es können f-Elektronen auftreten. Diese inneren
30
31
(was heißt hier inneren?) Elektronenschalen werden in den Lanthaniden und den Actiniden
aufgebaut – chemisch daher sehr ähnlich und schwer voneinander zu trennen. Die reinen Metalle (Lanthaniden) sind teilweise erst nach 1940 dargestellt worden.
Zusammenfassung Periodensystem
Periode: Aufbau der gleichen Schale, systematische Änderung der Eigenschaften Metall →
Nichtmetall
Gruppe: ähnliche Chemie
Hauptgruppenelemente: wenig stabile Oxidationsstufen, mehr Nichtmetalle
Nebengruppenelemente: zahlreiche Oxidationsstufen, nur Metalle
zum Beispiel -Vergleich der Elemente
V. Hauptgruppe
V. Nebengruppe
Symbol des Elements
Ordnungszahl
molare Masse
kennen wir noch nicht (hat etwas mit der Masse des Atoms zu
tun.)
Isotope
Elektronenkonfiguration
Verweis auf Lehrbücher für Details
Periodensystem lernen - typische Frage: können Sie Schach spielen?
31
32
32
33
3. Chemische Bindung und chemische Formeln
3.1 Eigenschaften von Verbindungen mit unterschiedlichen chemischen Bindungen
Die Elemente treten i.a. nicht so als chemische Elemente auf, sondern gehen Bindungen mit
anderen Elementen ein und führen so zu den Molekülen und den Verbindungen, die die Vielfalt unserer Umwelt unter Einschluss von Fauna und Flora bilden. Die historisch bedingte
Einteilung
Anorganische Chemie
Organische Chemie
Chemie aller anderen Elemente
Chemie der Kohlenstoffverbindungen
ist nicht mehr streng haltbar wegen zahlloser Überschneidungen.
1. Festkörper
1.1 Als erstes einige Metalle
Typisch: metallischer Glanz → Leitfähigkeit (unabhängig vom Aggregatzustand!)
(Glanz oft nur auf frischen Schnittflächen weg Rostbildung u.ä.)
Eigenschaften sehr variabel
a) Aggregatzustand:
flüssig
meist aber fest
b) Dichte,
Hg, Schmelzpunkt bei –39 °C
W, Schmelzpunkt über 3400 °C
Li schwimmt auf n-Hexan mit ρ = 0,66 g cm–3, Hg geht unter
Substanz
ρ / g cm–3
Osmium
Quecksilber
Eisen
Aluminium
Lithium
c) Härte:
22,5
13,5
7,9
2,7
0,53
Stahl ←→ Lithium (kann mit Messer geschnitten werden)
1.2 Weitere Festkörper aus der anorganischen Chemie
Salze
Steinsalz (NaCl), farblos
a) Aggregatzustand: fest, Schmelzpunkte einige 100 °C
b) Dichte: meistens einige g cm–3
c) Härte: gering (zermörserbar)
Bergkristall, Siliziumdioxid, Kristall = 1 Molekül
Diamant, C, extreme Härte
Granit, wichtigstes Gestein, Mischung aus 3 Verbindungen
Glas, nichtkristalliner Festkörper, unterkühlte Schmelze
33
34
1.3 Festkörper aus der organischen Chemie
a) Schmelzpunkte meist niedrig (oder sogar flüssig)
b) Dichte: gering – 1 - 2 gcm–3
c) Härte: gering
Molekülkristalle (Anthracen, Naphthalin), Polymere, z.B. Nylonwürfel relativ
weich – Funktionspolymere (Karosserieteile aus Kunststoff) relativ hart
2.Flüssigkeiten
2.1 Anorganische Flüssigkeiten
Wasser (H2O), Schwefelsäure (H2SO4)
2.2 Organische Flüssigkeiten
n-Hexan (n-C6H14), Paraffin (CnH2n+2) flüssig / fest), Ethanol (CH3CH2OH),
Benzol (C6H6, auch Benzen), Formaldehyd (CH2O)
3. Gase
3.1 Anorganische Gase
Stickstoff (N2), Sauerstoff (O2), Kohlendioxid (CO2), Chlor (Cl2)
3.2 Organische Gase
Methan (CH4), Acetylen (C2H2, auch Ethin))
3.2 Ionische Bindung
Dieser Typ von Bindung war schon kurz beim Aufbau des Periodensystems erwähnt worden –
Beispiel Natriumchlorid.
Beim Aufbau dieser Verbindung passiert folgendes:
1 Na-Atom gibt das äußerste s-Elektron (3s) ab und wird dadurch zu einem Natriumion.
Ion erklären: geladenes Atom, Kation: positives Ion/Anion: negatives Ion
Die Elektronenverteilung des Na-Ions: 1s2 2s2 2p6 entspricht Neon, (Elektronenkonfiguration
eines Edelgases) ist sehr stabil
→ Na-Kation mit der Elektronenverteilung von Neon.
Chlor nimmt ein Elektron auf→ Chloranion (negatives Ion heißt Anion.
1s2 2s2 2p6 3s2 3p5 → 1s2 2s2 2p6 3s2 3p6 entspricht Argon, auch sehr stabil.
Die Frage, die wir beantworten müssen, ist die nach dem energetischen Ablauf dieser Reaktion.
34
35
Natrium + Chlor → Natriumchlorid
Vom Experiment her weiß man, dass das unter starker Energieabgabe abläuft.
(Experiment: Na + Cl2, heftige Wärmeentwicklung)
In einem Gedankenexperiment wollen wir den Reaktionsablauf in folgende 3 Stufen unterteilen und energetisch untersuchen
1) Na ergibt Na+ + e
2) Cl + e ergibt Cl–
3) Na+ + Cl– ergibt Natriumchlorid
1. Teilreaktion: Die notwendige Energie, um aus einem Natriumatom ein Elektron herauszuschlagen, nennt man das Ionisierungspotential IP des Natriums. Im allgemeinen wird man bei
diesem Energie aufwenden müssen: siehe elektrostatische Verhältnisse. Die Messung dieses
„Ionisierungspotentials“ ist relativ einfach. Man beschießt das Metall in der Gasphase mit
immer kürzerwelligem Licht. Unterhalb einer bestimmten Wellenlänge λ (= oberhalb einer
Energieschwelle) fliegen die Elektronen aus dem Atom heraus.
Energie des Ionisierungspotential: hv = hc/λ
Die Edelgas- und die Alkalireihe rutschen langsam nach unten!
Diskussion: Metalle der 1. Gruppe – Edelgase (Extrempunkte)
Dazwischen fast glatter Verlauf.
35
36
Mit abnehmendem Radius r nimmt IP in einer Periode zu, in einer Gruppe nimmt r zu, also
nimmt IP ab.
→ Um das Na-Atom zu ionisieren, benötigen wir eine Energie von etwa 8 · 10-19 J.
Kurz: 1. Nebengruppe – Cu, Ag, Au – 4s2 3d1
1-wertig: abgeschlossene 4s Unterschale
3-wertig: abgeschlossene 3p Unterschale
2-wertig: 4s-Orbital entleert
Zur 2. Teilreaktion
Cl + e–→ Cl–
Die bei dieser Reaktion umgesetzte Energie wird als Elektronenaffinität bezeichnet. Ein entsprechendes Experiment zur Bestimmung dieser Größen wie beim Ionisierungspotential gibt
es nicht. Möglich sind theoretische Berechnungen und Berechnungen aus thermodynamischen
Daten. Ergebnis: bei der obigen Reaktion werden 6,5 · 10–19 J frei.
Bei 2) wird (im Falle des Chlors) Energie frei!
Vergleich mit Elektronenaffinitäten anderer Elemente: → Werte sehr viel kleiner, teilweise
muss sogar Energie aufgewendet werden.
Element
Elektronenaffinität / kJ mol–1
J/Atom
F
–380
Cl
–390
Br
–366
O
+697
S
+334
–19
Trotzdem: 8 · 10 J hineingesteckt, 6,5 ·10–19 gewonnen,
–6,3 · 10–19
–6,5 · 10–19
–6,1 · 10–19
+11,6 · 10–19
+5,6 · 10–19
→ insgesamt ≈ 2 · 10–19 J bisher hineingesteckt.
Diagramm Elektronenaffinität als Funktion der Ordnungszahl:
1 J = 6,24151·1018 eV (Elektronvolt)
36
37
Es verbleibt noch der Schritt 3)
Annahme: Natriumchlorid als Kristall, Aufbau: Gitter
Dort starke elektrostatische Wechselwirkung (Gitterenergie)
= 13,3 · 10–19 J
(nach Moore, S. 1081: 800 kJ mol–1 = 1,33 · 10–18 J)
d.h. bei der Reaktion 3) wird diese Energie frei.
Insgesamt (2 · 10–19 - 13,3 · 10–19 ≈ - 11 · 10–19) J
Energiegewinn ≈ 11 · 10–19 J
(→ ein “Natriumchlorid-Molekül“ gibt es nicht in kondensierter Phase)
Noch einmal zusammengefasst:
1) Zusammenhalt des Kristalls: elektrostatische Wechselwirkung der Ionen
2) NaCl ist energetisch stabiler als Na-Metall und Halogen-Gas: Energiegewinn durch die
elektrostatischen Wechselwirkungen
Weitere Beispiele dazu:
K+ Br–, Ca2+ 2Cl–, 2Na+ O2–
3.3 Kovalente Bindung
Etwas komplizierter als die ionische Bindung, die
noch klassisch verständlich ist.
Der kovalente Bindungstyp ist am einfachsten beim
Wasserstoff, wie er normalerweise vorliegt, zu diskutieren. Bei einer Vielzahl von elementaren Gasen ist
nachgewiesen, dass nicht z.B. H, O, N, Cl sondern
Moleküle aus 2 x H, 2 x O, 2 x N, 2 x Cl vorliegen.
Einatomige Gase gibt es auch: He, Ne... (Edelgase),
Hg (Metalldämpfe).
Es liegt also ein Molekül aus 2 x H vor. Warum tun
die sich zusammen? Ein einzelnes H-Atom ist elektrisch neutral, rund – man sieht auf den ersten Blick
keinen Grund. Das ist auch die Schwierigkeit. Mit den
Vorstellungen der klassischen Physik kommen wir
hier nicht weiter. Den Weg der theoretischen Chemiker über die Schrödinger-Gleichung können wir nicht
37
38
gehen, da zu kompliziert. Wir müssen uns im Verständnisniveau darunter ansiedeln.
Vorstellung – die Elektronen bewegen sich sehr langsam, wir können sie verfolgen (ist natürlich falsch!) In obenstehender Skizze sind die beiden Wasserstoffkerne (Protonen) mit p und
die Elektronen mir e bezeichnet. Die Situationen 1 und 2 sind wegen Abstoßung sicher
schlecht für den Zusammenhalt des Moleküls. Situation drei vermeidet Abstoßung, es gibt
aber keinen grund für den Zusammenhalt. Einen solchen lassen am ehesten die Situationen 4
und 5 vermuten
Es sind vom elektrostatischen Standpunkt her immer die Lagen gut, bei denen sich ein Elektron zwischen den Protonen befindet (Ekin müsste auch untersucht werden). Das andere Elektron wird sich dann weiter außen befinden. Wie wird die Aufenthaltswahrscheinlichkeit dort
sein? → So, als ob nur der nähere Wasserstoffkern da ist, da der andere weit weg ist. Eine
weitere wichtige Feststellung ist, dass die Elektronen nicht unterscheidbar sind. Ein Versuch
einer Darstellung der Elektronendichtefunktion ist:
Das ist die Aufenthaltswahrscheinlichkeit für jedes einzelne e.
Mathematische Darstellung, es drängt sich auf:
ψ = ψ1 + ψ2
(ψ1 = Wellenfunktion für
das Elektron des Kerns 1)
Querschnitt durch die p1 – p2-Richtung:
Wir schaffen also aus den beiden 1s-Funktionen eine neue Funktion ψ, die2 Elektronen mit s
= ± ½ aufnehmen kann.
Je stärker die Überlappung, desto stärker die Bindung.
Damit ist das Problem der kovalenten Bindung grundsätzlich,
aber nicht im Detail gelöst. ψ = ψ1 + ψ2 ist auch keineswegs
exakt! Der Chemiker möchte nun nicht diese Elektronendichte-Bilder immer zeichnen, sondern etwas schnelleres ver38
39
wenden. Eine Möglichkeit: H:H. Die beiden Punkte zwischen den H stellen die beiden Elektronen dar, die die Bindung erzeugen. Man kann auch sagen, sie kennzeichnen das Gebiet höherer Elektronendichte dieser beiden Elektronen. Vielfach schreibt man auch noch einfacher
H–H. Der Strich sind dann diese beiden Elektronen. Ein Strich ist immer ein Elektronenpaar
in einer Wellenfunktion ψ (oder in einem Orbital) mit s = ± ½. Diese Bindung hat auch einen
Namen bekommen. Man nennt sie σ-Bindung. σ-Bindungen sind Bindungen, die Zylindersymmetrie um die Bindungsachse aufweisen. (Näher erklären!)
H:H
Punkte sind 2 Elektronen (Elektronenpaar) mit s = ± ½
H–H Strich bedeutet 2 Elektronen (Elektronenpaar) mit s = ± ½
in einem Orbital (Molekülorbital).
Bindung heißt σ-Bindung oder Einfachbindung.
σ-Bindungen haben Zylindersymmetrie um die Bindungsachse.
Weiterhin spricht man von einer Einfachbindung, da nur ein Elektronenpaar an der Bindung
beteiligt ist.
Beispiele für solche Einfachbindungen:
H–H, Li–Li,
Na–Na (in der Gasphase)
Hybridisierung
Chlorgas (Cl2) besteht aus Molekülen, die zwei Chloratome enthalten.
1s2 2s2p6 3s2p5
(n = 1 und 2 uninteressant)
Man könnte jetzt daran denken, dass je ein p-Elektron fehlt und – entsprechend der Überlagerung der s-Orbitale beim H2 – sich jetzt 2 p-Orbitale zu einem bindenden Molekülorbital überlagern. Die Natur macht das nicht, weil – nach Pauling – die „Überlappung“ der Orbitale
möglichst stark sein sollte, sie macht die Stärke der Bindung aus.
Die Überlappung von zwei normalen p-Orbitalen geht hier schlecht, da sich dann die Chloratome und ihre weiteren p-Orbitale zu nahe kommen. Es passiert etwas anderes: eine Kombination aus s- und p-Orbitalen, sog. Hybridisierung.
39
40
Energieunterschied zwischen s- und p? → Wird bei der Bindungsbildung wieder zurückgewonnen! Name: sp-Hybrid-Orbital
-x
s, –px
s, +px
(Verständnis: Die Zahl der Orbitale wird nicht
erhöht, aus zwei Atomorbitalen werden zwei Hybridorbitale)
Überlappung (= Bindungsstärke) geht jetzt viel besser:
ψ = (s–px)1+(s+px)2
Man erreicht so folgendes:
viel Ladungsdichte zwischen den Cl-Atomen und dementsprechend viel außerhalb.
Übrig bleiben 3 Elektronenpaare, die auf die bereits gezeichnete Keule und die beiden restlichen p-Orbitale in der Tafelebene und senkrecht dazu verteilt werden.
Bindung wird auch σ-Bindung genannt wegen der Rotationssymmetrie.
Weiterer Hybridtyp: sp3
Beispiel aus der organischen Chemie: Methan
Kohlenstoffatom von 4 Wasserstoffatomen umgeben, 109,5 °
(Tetraederwinkel)
Röntgen- und Neutronenbeugung → H in den 4 Ecken eines Tetraeders
C 1s2 2s2 p2
Aufnahme von 4 Elektronen in Bindungen, um Neon-Schale zu erreichen.
→ 2s 2px py pz
Energieverbrauch? wird zurückgewonnen
sp3-Hybrid (s,pz soll heißen: eine Linearkombination aus s und pz, d.h. ψ = c1 · ψs + c2 · ψpz
40
41
1) s, pz
2) s, –pz, px
3) s, –pz, –px, +py
4) s, –pz, –px, –py
→ sp3-Hybrid mit den maximalen Elektronendichten
in den Ecken eines Tetraeders
Jetzt Überlappung mit den 1s-Orbitalen vom H → σ-Bindungen 4mal
→ relativ starke Bindungen wegen guter Überlappung → CH4 ist bindungstheoretisch erklärt.
41
42
sp2-Hybrid
Ethen (Ethylen): 2 C-Atome, 4 H-Atome
H
C
H
H
C
H
Winkel etwa 120 °
Wieder: 2s 2px py pz
sp2
3 Atomorbitale machen 3 Hybridorbitale
Es entstehen 3 Hybrid-AOs aus
Anteilen von je 1/3 2s, und px
und py: zeigen in die Ecken eines
Dreiecks in der x,z-Ebene
1) s, px
2) s, +px, –pz
3) s, –px, +pz
42
43
→ 1 σ-Bindung zwischen den beiden C-Atomen und 4 σ-Bindungen zwischen den 4 HAtomen und den restlichen Hybridorbitalen der C-Atome. Es bleiben aber noch die pzOrbitale und jeweils ein Elektron übrig.
sp2: alle 4 H-Atome in einer Ebene
Mehrfachbindungen
Überlappung der pz-Elektronendichte oberhalb und unterhalb der Molekülebene.
→ nicht mehr rotationssymmetrisch um die Bindungsachse (sondern Funktion ändert ihr Vor-
Insgesamt
(oben und
unten): 2e
zeichen). Dieser Bindungstyp heißt π-Bindung, die Summe aus σ- und π-Bindung heißt Doppelbindung.
Alle Elektronen des Ethylens verteilt:
1 x C-C
4 x C-H
1 x C-C
Geometrie
σ-Bindung
σ-Bindung
π-Bindung
2
8
2
12
2xC
4xH 4
8
12
und
vereinfachte
Darstellung:
43
44
Ethin (Acetylen): 2 x C; 2 x H
2s 2px py pz
sp-Hybrid wie bei Cl2
–
eine σ-Bindung zwischen jeweils einem sp-Hybrid der beiden C-Atome
–
jeweils eine σ-Bindung zwischen den jeweiligen anderen sp-Hybrid und dem 1s der
H-Atome
–
py und pz bleiben übrig.
→ über der Einfachbindung zwei um 90 ° versetzte π-Bindungen = Dreifachbindung ≠ 3 x
Einfachbindung (aus Bindungslängen).
Längen von C-Bindungen
Bindung
Länge [pm]
C–C
153
C=C
134
C≡C
121
Beispiel
44
45
Folien:
Orbitale
d-Orbitale
Bindungen im Methan
sp3-Hybridorbitale
45
46
Hybridisierung des einen 2s mit den drei 2p-Elektronen auf das Energieniveau 2
sp3 unter Absenkung und Vereinheitlichung der Energie:
Hybridisierungsablauf zu 4 Bindungspartnern der Kohlenstoff:
(www.fbv.fh-frankfurt.de)
46
47
Mehrfachbindungen, π-Bindungen
47
48
Übergänge zwischen ionischer und kovalenter Bindung
Sitzen die Bindungselektronen „in der Mitte“ zwischen den Bindungspartnern? Extrembeispiele: H–H und Na+ Cl–
Chlorwasserstoff in der Gasphase: H Cl
Zwei Möglichkeiten:
1) H+ Cl–
in der Gasphase unwahrscheinlich, da kein Energiegewinn durch Gitterenergie
2) H–Cl
σ-Bindung mit 1s von H und sp-Hybrid von Cl
Rest?
freie oder einsame Elektronenpaare im 2. sp-Hybrid, py und pz-Orbital.
Beide Formulierungen ergeben für Cl und H Edelgaskonfiguration. Beides sind nun extreme
Formulierungen. Die Mitte dazwischen dürfte richtig sein, d.h. wir müssen uns eine kovalente
Bindung vorstellen, bei der die bindenden Elektronen mehr auf der Cl-Seite sitzen. Dieses
mittlere Bild nennt sich polarisierte kovalente Bindung.
kovalent
polarisierte Bindung
ionisch
Diese Tendenz eines Atoms, Elektronen in einer Bindung zu sich herüberzuziehen heißt Elektronegativität (EN) und wird als dimensionslose Größe aus Reaktionswärmen berechnet,
ein Diagramm der EN als Funktion der Ordnungszahl läuft ähnlich wie Ionisierungspotential.
48
49
Diagramm der Elektronegativitäten nach Pauling als Funktion der Ordnungszahl (läuft ähnlich wie Ionisierungspotenzial):
Nachweis für die Polarität ergibt sich aus dem Vorhandensein eines Dipolmoments µ, das ein Maß für die Unsymmetrie der Ladung ist .
µ = qr
[µ] = Cm = Asm (früher 1 Debye = 3,33564 10-30 As m = 3,33564 10-30 C m)
-
kann mit geeigneten Geräten gemessen werden (auf Umwegen)
-
H–Cl zeigt ein solches Dipolmoment in der richtigen Größenordnung.
Methoden zur Erstellung eines Elektronegativitätsmaßstabes:
1) Mittelwert aus Ionisierungspotential und Elektronenaffinität
2) Differenz der Bindungsenergien von 2-atomigen Molekülen der Bindungspartner (z.B. H–
H, Cl–Cl für H–Cl), dann Unterschied zur tatsächlichen Bindungsenergie des H–Cl, die größer ist.
Alle Methoden führen zu ähnlichen Maßstäben.
49
50
Kompliziertere Verbindungen
Reihe: CO2 H2O, NO2,SF6
- kann man nicht über einen Kamm scheren:
CO2 (Kohlenstoffatom + 2 Sauerstoffatome)
farbloses Gas, Röntgenografie: linear aufgebaut:
O C O, kein Dipolmoment
Kohlenstoff: sp-Hybrid
Sauerstoff 2s2 2p4, d.h. 2 e fehlen in den p-Orbitalen
→ sp2-Hybrid, pz übrig
Valenzstrichformel:
H2O: Wasser = 2 Wasserstoffatome + 1 Sauerstoffatom
farblose Flüssigkeit ≈
106 ° Dipolmoment !
O ist elektronegativ
sp3-Hybrid
(verzerrt)
50
51
Sauerstoff 2s2 2p4 → 2sp3 →
sp3
Warum nun 106° und nicht 109,5°? Verbindung ist nicht so symmetrisch wie CH4! Einsame
Elektronenpaare benehmen sich anders als bindende.
-
stark negative Ladungswolke
-
drückt Bindungselektronen stärker weg, als H herangezogen wird
-
→ 106°!
Stickstoffdioxid NO2; 1 x N + 2 x O, braunes Gas
132 °
Abzählen der Elektronen → ungerade, d.h. ein Orbital muss entweder mit einem oder mit 3e
besetzt werden. Besondere magnetische Eigenschaften: paramagnetisch!
sp2
Sogenannte Grenzstrukturen, Mesomerie (s. Organische Chemie), tatsächlicher Zustand dazwischen, durch die Formeln nicht beschreibbar.
-
nicht allzu ernst nehmen!
-
Grenzen dieser einfachen Theorie: Valenzstrichformeln nicht ausreichend!
-
Winkel!
-
Dimerisation zu farblosem Distickstofftetroxid (s-Bindung der beiden freien einzelnen
(Radikal-)Elektronen
51
52
SF6 Schwefelhexafluorid – farbloses Gas
Man erkennt sofort die Schwierigkeit: Mit s- und p-Elektronen maximal 4 Bindungen – hier
aber 6!
Für S in der 3. Periode mit n = 3 sind auch auch d-Elektronen möglich
S ........... 3 s2 3 p4 3d0
(möglich, können besetzt werden, können Hybridorbitale bilden)
Passende Linearkombinationen von s, px py, pz, dz2, dx2-y2 ergibt
6 Keulen in die Ecken eines Oktaeders gerichtet (≠ p-Orbitalen!)
sp3 d2-Hybrid vom Schwefelatom
und diese 6 Hybirdorbitale ergeben 6 σ-Bindungen mit 6 sp-Hybriden vom Fluor → extrem
stabil, kann als Inertgas verwendet werden.
52
53
3.4. Metallische Bindung
Zu erklären:
-
Härte von Metallen (teilweise) → starke Bindungen
-
Glanz der Metalle → leicht verschiebbare Ladungen, elektrische Leitfähigkeit
Erklärung durch Weiterentwicklung der kovalenten Bindung:
Darstellung der kovalenten Bindung in einem Energiediagramm: H2
Energie
H
H2
H
Es gab einen Energiegewinn bei der Reaktion H + H → H2 (Erinnerung: Bildung zweier
Molekülorbitale aus zwei 1 s Atomarbitalen, das MO bei höherer Energie wird nicht besetzt).
In Metallen sind nicht zwei sondern viele Atome gebunden. In den beispielen Beispiel Lithium und Natrium haben isolierte Atome die Elektronenkonfiguration
Li
1s2 2 s
Na 1s2 2 s2 2p6 3s
Und die Lage der Energie Niveaus ist scharf, so auch bei vielen Atome in großer Entfernung zueinander.
Bei hinreichender Annäherung der Atome beginnen
insbesondere die 2s-Bahnen, sich zu durchdringen. Die
einzelnen Elektronen sind dann den einzelnen Kernen
gar nicht mehr zuzuordnen, müssen jedoch aus
quantenmechanischen Gründen leicht unterschiedliche
Energien
Leitungsband
haben.
So
ergeben
„Energiebänder“ (links für Lithium).
Valenzband
53
sich
schließlich
54
Während die unteren Bänder
mit Elektronen gefüllt sind (die
deshalb ihren mehr oder weniger bestimmten Platz im Metall
haben: Valenzband), sind die
Elektronen in im oberen, nicht ganz gefüllten Band frei beweglich, sind delokalisiert (Leitungsband). Man spricht auch von einem „Elektronengas“ (vorher bei getrennten Li-Atomen:
Beschreibung auf der entsprechenden Elektronenbahn). Damit ergibt sich die
-
Erklärung für elektrische Leitfähigkeit
-
Erklärung für Glanz: die leicht beweglichen Elektronen wirken als Spiegel für die elektromagnetische Strahlung
-
Erklärung für die Stabilität = metallische Bindung. Ähnlich wie bei der kovalenten
Bindung durch Elektronendichte zwischen den Kernen hier jetzt Elektronendichte
zwischen allen Kernen! Überlegung, wie wir sie bei der kovalenten Bindung durchgeführt haben, zeigen, dass das günstiger ist.
Nicht-metallische Festkörper zeigen diese Eigenschaften nicht. Bei ihnen gibt es keine Elektronen im Leitungsband. Elektronen können jedoch (häufig) durch Zufuhr von Energie (im Betrag des Abstands zwischen Valenz- und Leitungsband; durch angelegte Spannung oder durch
Lichtabsorption) in das Leitungsband angehoben werden. Man spricht deshalb von Halbleitern.
Zwischentypen: Metalle in polaren kovalenten Bindungen (Dimethylquecksilber, Butyllithium) oder ionisch in Salzen mit ggf. organischen Anionen (Silberacetat).
Rückblick zu Bindungstypen
Ionenbindung: Aufnahme und Abgabe von Elektronen → Edelgasschale
d.h. bei Metallen: Ladung des Kations: Gruppennummer
bei Nichtmetallen: Ladung des Anions = 8 – Gruppennummer
Kovalente Bindung: gemeinsame Elektronenpaare – 2 Stück bei H (1. Periode)
4 Stück in der 2. Periode (4x2 Elektr. → Oktettregel)
6 Stück in der 3. Periode (SF6)
Metallbindung: alle Elektronen gemeinsam, delokalisiert im oberen
Band.
Verständnisfragen hierzu beantworten können! Definieren Sie Elektronegativität, Elektronenaktivität, ....
54
55
3.5. Aufbau von Festkörpern
3.5.1 Metalle
-
metallische Bindung durch den ganzen Körper
-
Verformbarkeit –
Schichten verschiebbar→ verformbar
3.5.2 Atomkristalle
beispielsweise Diamant
räumlicher Aufbau
ein Kristall ist ein Molekül → nicht verformbar.
3.5.3 Ionenkristalle
beispielsweise Natriumchlorid
-
jedes Na+ von 6 Cl– umgeben und umgekehrt
-
nicht verformbar, wasserlöslich
3.5.4 Molekülkristalle
a) polare Molekülkristalle
beispielsweise HCl-Kristalle
-
H–Cl-Einheiten erkennbar
-
Dipol-Dipol-Wechselwirkung
b) unpolare Molekülkristalle
-
H–H wird auch einmal fest (14 K)
-
sehr geringe Wechselwirkung
ggf. nur induzierte, fluktuierende Dipol-Dipol-Wechselwirkung
3.6 Chemische Formeln
3.6.1 Verbindungen mit kovalenten Bindungen
Schwefelhexafluorid
Ethylen
55
56
Strukturformel
SF6
C2H4
Summenformel
Index: Zahl des entsprechenden Atoms im Molekül
→ oft auch Indizes für Gruppen von Atomen, z.B.
C(CH3)4
Strukturformel
C5H12
Summenformel
Überschneidung von Struktur- und Summenformel
Frage: SF6 oder S2F12?
entsprechend Molekül in der Gasphase oder im Molekülkristall
Was aber bei Quarz? ein Kristall = ein Molekül
auf ein Siliciumatom kommen nur 2 Sauerstoffatome.
In solchen Fällen benutzt der Chemiker immer die kleinste in ganzen
Zahlen schreibbare Einheit, also hier SiO2 als Summenformel.
3.6.2. Verbindungen mit Ionenbindungen
Die Cl– sind dann auch von 6 Na+ umgeben.
Strukturformeln schreibt man hier nicht auf, sondern verfährt wie bei Quarz.
Ergebnis:
NaCl
KBr
Natriumchlorid
Kaliumbromid
CaCl2
Calciumchlorid
Na2O
Natriumoxid
Na2SO4
Natriumsulfat
56
57
NH4Cl
Ammoniumchlorid
3.6.3. Gemischte Verbindungen
Strukturformel
Essigsäure
Natri-
umacetat
CH3-COO– Na+
CH3COONa
Namen chemischer Verbindungen: Nur an Beispielen, Systematik ist zeitlich sehr aufwändig.
anorganisch: PbCl4, KCl, KClO, KClO2, KClO3, KClO4, Na2S, Na2SO3, Na2SO4
Bleitertrachlorid. Kaliumchlorid, Kaliumchlorit, Kaliumchlorat, Kaliumperchlorat, Natriumsulfid, Natriumsulfit, Natriumsulfat.
3.7. Stoffmenge und Stöchiometrie
Für den Chemiker sind Massenangaben oft nicht das richtige Mittel. Beispiel: Eine Reaktion
aus der organischen Chemie soll mit einer analogen Verbindung nachvollzogen werden. Dann
ist es viel wichtiger zu wissen, dass 1 Molekül A z.B. mit 2 Molekülen von B reagiert, als
dass 1 g A mit 7 g B reagiert, weil man dann auch weiß, dass 1 Molekül der Analogverbindung A´ mit 2 Molekülen B reagiert. Natürlich ist eine Umrechnung möglich, eine Angabe
auf molekularer Basis aber einfacher.
Nun sind Atommassen und Molekülmassen sehr unhandliche Zahlen
→ daher Definition aus einer sehr großen Anzahl von Atomen oder Molekülen:
Unter einer Stoffmenge versteht man eine bestimmte Anzahl Teilchen.
Definition:
Unter der Stoffmenge 1 mol einer Verbindung oder eines Elements versteht man die Menge,
die die gleiche Zahl von Teilchen enthält, wie sich in 12 g des Kohlenstoffisotops mit der
Massenzahl 12 befinden.
Definitionsgemäß entsprechen daher 12 g 12C einem Mol.
Und als weitere Definition:
Die Masse der Stoffmenge 1 mol wird als molare Masse M bezeichnet. Die molare Masse M
des Kohlenstoffisotops 12C beträgt daher
M = 12 g mol–1.
57
58
(mol als Einheit klein geschrieben, als Begriff groß geschrieben)
Wieviele Teilchen befinden sich nun in einem Mol?
Das Messverfahren sei am am Diamant erläutert:
Röntgenografie → C-Abstände
12 g 12C = 1 mol; Dichte bekannt → 1 mol entspricht einem bestimmten Volumen → 1 mol
entspricht einer bestimmten Teilchenzahl.
Diese Zahl beträgt 6,0225 · 1023 und heißt Avogadrosche Konstante NA. (auch Loschmidtsche
Zahl L);
NA = 6,0225 · 1023 mol–1.
Molare Massen anderer Elemente?
Wie oben oder zu ermittelen aus
der Massenspektrometrie:
z.B. ein Na-Atom ist 1,9158 mal
schwerer
m Na
= 1,9158
m 12 C
→ MNa = 1,9158 · 12 = 22,9896 g mol–1
schwieriger bei Mischelementen: auch massenspektrometrisch + Angabe im Periodensystem
(MC = 12,01 - mit 1,1 % 13C)
Wichtige Beziehungen:
1) Masse eines Atoms
m=
M
NA
2) Molare Masse von Verbindungen: additiv aus den Elementen
3) Stoffmenge
n=
m
M
Beispiele dazu:
Ermittlung der Masse eines durchschnittlichen CO2-Moleküls:
M = 12,01 g/mol + 2 · 16 g/mol = 44,01 g/mol
mMolekül
44,01g·mol-1
=
= 7,307·10 −23 g
23
-1
6,023·10 mol
Frage: Welcher Stoffmenge n entsprechen 25 g NaCl?
MNa
MCl
22,990 g/mol
+35,453 g/mol
58
59
MNaCl 58,443 g/mol
n=
25 g
= 0,428 mol
58,44g mol -1
Berechnung der Zusammensetzung von Mischungen und chemischen Verbindungen aus der
Formel mit Hilfe
xi =
ni
∑n
xi = 100
gi =
Stoffmengenanteil. Mengenanteil, Molenbruch: 0 ≤ x ≤ 1 / 0 bis 1,
ausgesprochen nützlich als Konzentrationsmaß, da dimensionslos
ni
∑n
Molprozent
mi
∑m
g i = 100
mi
∑m
Massenanteil, -bruch,
Gewichtsprozent
Dazu einige Beispiele
1) Herstellung einer Lösung von 1 Mol-% Natriumchlorid in Wasser:
0,01 mol NaCl:
0,01 · (22,99 + 35,45) = 0,5844g NaCl
0,99 mol H2O:
0,99 · (2 · 1,01 + 16,00) = 17,84 g H2O
ggf. Mehrfache oder Teile davon
2) Wieviel Mol-% Fe enthält Fe2O3? → 40 Mol-%
3) Wieviel Gewichtsprozent Fe enthält Fe2O3?
wi = 100
mi
2 M Fe
2·55,85
= 100
= 100
= 69,94 Gew. − %
2 M Fe + 3M O
2·55,85 + 3·16,00
∑m
4) Wieviel Eisen lässt sich aus einer Tonne eines Eisenerzes gewinnen, das 40 Gew.-% Fe2O3
enthält?
m = 1000·0,4
2 M Fe
kg = 279 kg Eisen
2 M Fe + 3M O
59
60
Umrechnungsmatrix für Konzentrationsangaben in binären Lösungen (Index 1 für Lösemittel,
2 für Gelöstes):
Massenanteile
Konzentrationen (Molaritäten)
g2 = m2 / Σm
c2 = n2 / v
(in mol/dm3)
Mengenanteile (Molenbrüche)
Molalitäten
x2 = n2 / Σn
b2 = n2 / m1
(dimensionslos)
(in mol/kg)
Dichte einer Lösung
molare Masse
ρ=
Mi = mi / ni
(in g/cm3 oder kg/dm3)
(in kg/mol)
mittlere molare Masse
Mm = Σmi / Σni
(in kg/mol)
Σmi / v
g2
c2
x2
b2
g2
g2
M2c2 / ρ
M2x2 / [M1 + (M2 – M1) x2]
M2b2 / (1 + M2b2 )
c2
ρ g2 / M2
c2
ρ x2 / Mm
ρb2 / (1 + M2b2 )
x2
M1g2 / [M1g2 +
M2 (1–g2)]
Mm c2 / ρ
x2
M1b2 / (1 + M1b2 )
b2
g2 / [M2 (1–g2)]
c2 / (ρ – M2c2)
x2 / [M1 (1–x2)]
b2
60
61
4. Reaktionen und Reaktionsgleichungen
4.1 Triebkraft von Reaktionen
Einige Definitionen: Ausgangsstoffe, Reaktanden, Edukte, Produkte
Wann läuft eine Reaktion ab?
Bisherige Argumentation war rein energetisch:
H + H ergibt H2
/
Na + Cl2 ergibt NaCl
Produkte sind energieärmer als die Edukte?!
Wenn möglich zwei Experimente
1) Zn + Na2O2 + H2O → ZnO + Na2O
(Abgabe des Sauerstoffs aus dem Peroxid)
Reaktionsprodukte: Na2O + ZnO
(wasserfreie Zinkate gibt es nicht)
Flammenerscheinung: gewaltige Energieabgabe
2) CoCl2·6H2O (fest) + 6 SOCl2 (fl.)→CoCl2 + 12 HCl (g) + 6 SO2 (g)
(SOCl2 heißt Thionylchlorid)
Vorführung mit Thermometer: Drastische Temperaturerniedrigung, trotzdem Ablauf der Reaktion;
Kristallwasser des CoCl2 reagiert mit SOCl2; aus SOCl2 werden dabei die Gase Chlorwasserstoff (HCl) und Schwefeldioxid (SO2)
Folgerung: Die Wärmeabgabe bei einer Reaktion allein ist kein Maß für die Ablauffähigkeit.
Was dann?
(Historische Bemerkungen: Hierbei mechanische Analogie.)
Bei der Reaktion entweichen in großen Mengen Gase. Die Komponenten, die diese Gase bilden, waren vorher fest oder flüssig.
Wir stellen fest, dass in dem System die Unordnung stark zunimmt. Die Chemiker und Physiker haben diesen Unordnungsbegriff sehr viel schärfer gefasst und haben eine Messgröße für
die Unordnung eingeführt: die Entropie.
Dazu folgendes Gedankenexperiment:
Durchmischung! A, B sind Gase, die nicht miteinander
reagieren, d.h. kein Energiegewinn, aber Entropiegewinn
Eine Zunahme der Entropie bei Reaktionen bebefördert die Ablauffähigkeit.
Insgesamt gibt es jetzt 2 Prinzipien:
1)
möglichst niedriger Energiegehalt der Produkte, d.h. Wärmeabgabe,
62
2)
möglichst hohe Unordnung (Entropie) der Produkte, d.h. Unordnungszunahme.
Beide Größen sind dann in einer Formel zusammengefasst worden:
g=h–Ts
Vorzeichen diskutieren!
g = freie Enthalpie (Triebkraft)
h = Enthalpie, Wärmemaß
T = absolute Temperatur
s = Entropie, Unordnungsmaß
Die freie Enthalpie hat nun genau die gesuchte Eigenschaft: Bei einer freiwillig ablaufenden
Reaktion nimmt g ab unter bestimmten äußeren Bedingungen. Eine Reaktion, bei der g zunehmen würde, läuft freiwillig nicht ab.
Ablauffähigkeit ist damit geklärt: Enthalpie- und -Entropieänderungen bei der Reaktion (∆Rh
und ∆Rs) in die obige Formel einsetzen (∆Rg = ∆Rh – T ∆Rs) worden1:→ Vorzeichen von ∆g
gibt die Ablauffähigkeit oder Triebkraft an.
Gegebene Ablauffähigkeit besagt nicht,
1)
dass die Reaktion tatsächlich abläuft, und
2)
wie schnell sie abläuft.
Rückblick auf die Wasserstoffverbrennung
H2 + O2 nebeneinander → passiert nichts
Zündung: Explosion!
oder: trockenes Holz an Luft / Benzin an Luft → passiert nichts
Anbrennen: Verbrennung
Offensichtlich ist eine gewisse Zufuhr von Anfangsenergie (el. Zündung, Erwärmung) notwendig, um die Reaktion ablaufen zu lassen, weitere Wärmeerzeugung bei der Reaktion
selbst (∆Rh) ergibt dann den Nachschub. Ablauffähigkeit ist in diesen Fällen bei allen T gegeben!
Begriff: kinetische Hemmung
1
Formel gilt streng bei konstantem Druck (z.B. Atmosphärendruck) und konstanter Temperatur (z.B. Raumtemperatur oder siedendes Gemisch)
63
4.2. Reaktionsgleichung
1. Frage: Welche Produkte aus welchen Edukten?
Kann niemals durch Berechnung mit einer Reaktionsgleichung bestimmt werden → immer Experiment oder Gedankenexperiment
2. Frage: Wieviel A reagiert mit B, wievel C entsteht?
Das kann beantwortet werden.
Beispiel für eine Reaktionsgleichung
A+B→2C
sprich: A plus B ergibt 2 C oder A reagiert mit B zu 2 C
Begriffe: Reaktanden; Produkte, Edukte
Koeffizienten:
1 Teilchen A (H2) reagiert mit einem Teilchen B (Cl2) zu 2 Teilchen C (2 HCl).
Pfeil entspricht einem =, daher heißt es Reaktionsgleichung (wird in der organischen Chemie
nicht immer streng beachtet).
Zahl der Atome (und Ladungen) der Edukte und Produkte stimmen überein. Nur die Bindungen ändern sich. Gilt nicht in der Kernchemie!
Aus Obigem folgt: Gesetz von der Erhaltung der Masse bei chemischen Reaktionen:
Bei einer chemischen Reaktion ist die Gesamtmasse der Edukte gleich der Gesamtmasse der
Produkte. Ebenso Art und Zahl der Atome und ggf. der Ladungen, Reaktionspfeil ist Gleichheitszeichen!
Was beschreibt eine Reaktionsgleichung?
z.B. H2 + Cl2 → 2 HCl
1) Wasserstoff und Chlor reagieren unter Bildung von Chlorwasserstoff (qualitativer Aspekt).
2) 1 Molekül (oder 1 Mol) Wasserstoff und 1 Molekül (bzw. 1 Mol) Chlor reagieren unter
Bildung von 2 Molekülen (oder 2 Mol) Chlorwasserstoff (quantitativer Aspekt) → stöchiometrische Berechnungen
→ Ausbeute: 100
erhaltene Stoffmenge Produkte
theoretisc h mögliche Stoffmene Prokte
Reaktionsgleichungen lassen sich unter Wahrung der angegebenen Regeln (gleiche Atomzahlen rechts und links) für beliebige Reaktionen umschreiben. Ablauf bleibt aber fraglich. z.B.
H2 + Cl2 → 2 HCl
reagiert nach Zündung, zum Ablauf siehe Kap.6.5.
2 HCl → H2 + Cl2
ist von der Reaktionsgleichung her richtig, hat aber keine Triebkraft.
64
Bestimmung der Koeffizienten einer Reaktionsgleichung
1) Ethan wird mit Sauerstoff zu Kohlendioxid und Wasser verbrannt.
C2H6 + O2 → CO2 + H2O
entspricht Gleichheitszeichen!
erst Verhältnis CO2 : H2O ermitteln, dann O2 dazu
C2H6 + O2 → 2 CO2 + 3 H2O
C2H6 + 3,5 O2 → 2 CO2 + 3 H2O
ganzzahlig machen!
2C2H6 +7 O2 → 4 CO2 + 6 H2O
2) Auflösung von Aluminium in H2SO4: Was entsteht? → Muss man vorher wissen!
2 Al + 3 H2SO4 →
3)
+4 –2
Al2(SO4)3 + 3 H2
0
+5 –2
4 NO2 + 2 H2O + O2 → 4 HNO3
Teilweise ist die Aufstellung sehr kompliziert, besonders bei Redoxgleichungen. Was ist das?
Oxidation im klassischen Sinn: 2 Li + ½ O2 → Li2O
Reaktion mit Sauerstoff
Reduktion im klassischen Sinn: Li2O → 2 Li + ½ O2
Abgabe von Sauerstoff
Erweiterung des Begriffs
SO2 + ½ O2 → SO3
Erweiterung des Begriffs
Li → Li+
soll auch eine Oxidation sein
d.h. Zuführung positiver Ladung = Abgabe von e–
Li+ → Li
soll eine Reduktion sein
d.h. Abführung positiver Ladung oder Zuführung negativer Ladung = Aufnahme von e–
Erweiterung des Begriffs auf kovalente Verbindungen
65
Ändert sich die Ladung des S im SO2 (polarisierte Atombindung)?
Nicht so recht!
Daher Einführung der formalen Oxidationsstufe – hat nichts zu tun mit restlichen Ladungen,
ist ein Hilfsmittel, um Redoxreaktionen einfach zu überblicken.
Man spaltet dabei die Verbindung formal in Ionen auf, wobei die elektronegativen Atome die negativen Ladungen und umgekehrt bekommen.
Regeln:
Wasserstoff
–1
sonst
in Hybriden
+1
Sauerstoff
–1
sonst
in Peroxiden
–2
Metalle
positiv entsprechend der Ionenladung
Elemente
Null
Σ entspricht Ladung des Moleküls
(Jetzt oben in Beispiel 3 formale Oxidationsstufen drüberschreiben)
Beispiele
+1
–1
Na Cl
+1
–2
–2
(Unterschied S und S2–)
Na2 S
+1
+6–2
Na2
S O4
+1
+5 –2
H
NO3
–3
+1
N
H3
+1
+7
–2
K
Mn
O4
+1
–1
H2
O2
+1
+3
–1
Na
Al
H4
+1
-1/3
Na
N3
Natriumalanat, Natriumaluminiumhydrid
Natriumazid
Berechnung der Koeffizienten einer Redoxgleichung mit Hilfe der formalen Oxidationsstufen
an Beispielen der Chemie wässriger Lösungen:
66
Prinzip: Oxidations- und Reduktionsprozess einzeln hinschreiben, kleinstes gemeinsames Vielfaches suchen, Teilgleichungen addieren, Atomzahlen und Ladungen links und
rechts ausgleichen, gegebenenfalls H2O, H+ oder OH– ergänzen (in Wasser immer
vorhanden).
Reduktion von Fe3+ mit SO32– (sog. schweflige Säur) d.h.
1)
Fe3+ + SO32– → Fe2+ + SO42– Zerlegung in 2 Reaktionen:
+3
3+
+2
–
Fe + 1 e
→ Fe2+
+4
+6
2–
SO3 + H2O → SO42– + 2 e– + 2 H+
kleinstes gemeinsames Vielfaches:
2 Fe3+ + 2 e– → 2 Fe2+
SO32– +H2O → SO42– + 2e– + 2 H+
Addition
2 Fe3+ + SO32– + H2O → 2 Fe2+ + SO42– + 2 H+
Nachprüfen: Atomzahlen, Elektroneutralität
2) Auflösung von Kupfer in ½ konz. HNO3
Cu + HNO3 →
0
NO + Cu(NO3)2
+2
Cu → Cu2+ + 2 e–, addiert:
+5
+2
–
HNO3 + 3 e → NO (ist noch nicht vollständig bezüglich H und O).
oben x 3
unten x 2
3 Cu + 2 HNO3 → 3 Cu2+ + 2 NO
(Cu2+ → Cu(NO3)2)
3 Cu + 2 HNO3 → 3 Cu(NO3)2 + 2 NO
N? stimmt nicht, ausgleichen:
3 Cu + 8 HNO3 →3 Cu(NO3)2 + 2NO
O? stimmt nicht, ausgleichen:
Bei den hier behandelten Redox-Gleichungen in wässriger Lösung darf zum Ausgleich von O
nur H+, OH- oder H2O ergänzt werden. Keine neuen Edukte oder Produkte erfinden!
3 Cu + 8 HNO3 →3 Cu(NO3)2 + 2NO + 4 H2O
H? stimmt!
Ladungen stimmen!
Dasselbe in Ionenscheibweise:
0
+5
+
+2
2+
+2
3 Cu + 2 HNO3 + 6 H → 4 H2O + 3 Cu + 2 NO Unbedingt Ladungen nachzählen!
oder
67
0
+5
-
+2
+
+2
2+
3 Cu + 2 NO3 + 8 H → 4 H2O + 3 Cu + 2 NO
Wird anstelle von halbkonzentrierter Salpetersäure konzentrierte eingesetzt, entsteht NO2
(braunes Gas) anstelle von NO (farblos):
0
+
+5
+2
2+
+4
2 H + Cu + 2 HNO3 → 2 H2O + Cu + 2 NO2
3. Permanganat-Reduktion
+7
–
–1
–
±0
+2
MnO4 + Cl → Cl2 + Mn2+
(5e)
2 Cl– → Cl2 +2 e+7
+2
Mn + 5 e → Mn
2 MnO4– + 10 Cl– → 5 Cl2 + 2 Mn2+ (+16 H+)
kgV 10
| O-Korr.
| Anionen-Korr.
2 MnO4– + 10 Cl– → 5 Cl2 + 2 Mn2+ + 8 H2O
2 MnO4– + 14 HCl → 5 Cl2 + 2 MnCl2 + 8 H2O
| H-Korr.
2 NaMnO4 + 16 HCl → 5 Cl2 + 2 MnCl2+ 2 NaCl + 8 H2O
oder
2 MnO4– + 16 HCl → 5 Cl2 + 2 MnCl2 + 2 Cl–+ 8 H2O
4.3. Stöchiometrie
Bedeutung
Prinzipielles Verfahren
A+2B→3C
→ 1 mol A ergibt 3 mol C (oder Vielfache)
oder in Massen umgerechnet
mA = nA · MA
nA = 1 mol
mC = nC · MC
nC = 3 mol
oder mit Dreisatz, exemplarische Behandlung:
1) Welche Masse Sauerstoff wird benötigt, um 1 kg Ethan zu verbrennen? Welche Masse
Kohlendioxid entsteht dabei?
2 C2H6 + 7 O2 → 4 CO2 + 6 H2O
MC2H6 = 30,08 g · mol–1
MO2
= 32,00 g · mol–1
MCO2
= 44,01 g · mol–1
68
2 mol C2H6 = 60,16 g
jeweils 60,16 g Ethan verbrauchen
7 mol O2 = 224 g
224 g Sauerstoff
Dreisatz:
mO2 = 1⋅
224
kg = 3,723 kg Sauerstoff
60,16
Wieviel CO2 entsteht?
2 mol C2H6 = 60,16 g
4 mol CO2 = 176,04 g
mCO2 = 1⋅
176,04
kg = 2,926 kg CO2
60,16
2) Welche Masse Calciumcarbonat wird zur Herstellung von 1000 kg Normalglas benötigt?
Normalglas hat etwa die Zusammensetzung Na2O · CaO · 6 SiO2
MNa2O = 2 · 22,90 + 16 = 61,80 g · mol–1
MCaO
= 56,08 g · mol–1
MSiO2
= 60,09 g · mol–1
MCa
= 40,08 g · mol–1
MCaCO3
= 100,09 g · mol–1
MNa2O · CaO · 6 SiO2 = 61,80 + 56,08 + 6 · 60,09 = 478,42 g · mol–1
angewendetes Verfahren hier etwas anders als im vorigen Beispiel
Stoffmenge von 1000 kg Normalglas
n=
m
1000
kg
=
= 2090 mol
M 478,42 g ⋅ mol -1
Reaktionsgleichung
6 SiO2 + Na2CO3 + CaCO3 → Na2O · CaO · 6 SiO2 + 2 CO2
d.h. 2090 mol CaCO3 werden benötigt.
mCaCO3 = nCaCO3 · MCaCO3 = 2090 mol · 100,09 g · mol–1 = 2,09 · 105 g = 209 kg
3) Ausbeutebeutebegriff: % der bei 100 % Umsatz theoretisch möglichen Ausbeute
18 g
0,3 mol
18 g
0,4 mol
20 g
0,2 mol
CH3COOH + HOC2H5 → CH3COOC2H5 + H2O
69
60,05 g/mol
46,07 g/mol
88,10 g/mol
0,2
⋅ 100 = 67 %
0,3
4.4 Reaktionen aus der anorganischen Chemie
Warum überhaupt: etwas Stoffkunde
(organische Reaktionen verlangen spezielle Kenntnisse, s. Kap. 10)
Weitere Einschränkung: nur Hauptgruppenelemente und davon nur die wichtigsten / Grund:
Zeit! Vorgehen: Gruppenweise
1. Gruppe (Hauptgruppe)
Li, Na, K, Rb, Cs, Fr
Alkalimetalle – Elemente mit den stärksten metallischen Eigenschaften, in der Gruppe von
oben nach unten zunehmend.
Dazu Demonstration: Reaktion mit Wasser
Li + H2O
(auf dem Tisch)
Diskussion 2 Li + 2 H2O → 2 LiOH + H2
entstehendes Gas = Wasserstoff – entzündet sich hier nicht (siehe später)
Was ist LiOH?
in Wasser „dissoziiert“ LiOH in Ionen: LiOH → Li+ + OH–
LiOH ist im klassischen Sinn eine Base, d.h. LiOH gibt in wässriger Lösung OH– ab.
Begriff der Dissoziation
allgemein:
Zerfall in mehrere Teilchen
hier speziell: Zerfall in wässriger Lösung in Ionen
sprachlich so üblich, aber eigentlich unsinnig, da bereits im Kristall in
Ionen (sehr weitgehend) vorliegen, d.h. besser wäre
Li+OH–sol. → Li+aq. + OH–aq.
Diskussion der OH–-Ionen:
Wasser enthält H+- und OH–-Ionen.
Enthält eine Lösung mehr H+ als OH–: Lösung ist sauer.
Enthält eine Lösung mehr OH– als H+: Lösung ist basisch (alkalisch).
BaOH in Wasser ergibt daher eine basische Lösung.
Für eine grobe Messung: Indikatorpapier
70
fest oder flüssig
beschreiben, vorführen
Nächstes Element: Na
o
Ggf. Experiment im Abzug, Indikator gleich zusetzen
-
heftigere Reaktion als bei Li, Na schmilzt
-
H2 entzündet sich manchmal
-
Warnung: Augen schützen! (verspritzendes, brennendes Na)
-
Hustenreiz durch NaOH-Nebel
-
Brennen verschiedener org. Flüssigkeiten im Abguss
-
Explosion von H2 in Abwasserleitung
-
Ordnungsgemäße Vernichtung mit Alkohol unter Rückfluss
-
wird oft in der organischen Chemie als Trockenmittel verwendet
Beobachtung analog Li:
NaOHsol. → Na+aq. + OH–aq.
Nächstes Metall: Kalium
Hier besteht schon mehr Gefahr: die Entzündung an Luft
K mit H2O : sofortige Entzündung des H2 durch die hohe Temperatur der schnellen Reaktion
Rb, Cs können nicht vorgeführt werden: Entzündung an Luft!
Handhabung nur in Vakuum- oder Argonapparaturen.
Wichtige Verbindungen der Alkalimetalle
Hydroxide:
NaOH (Natriumhydroxid)
zeigen: Auflösung in H2O mit Thermometer
Chloride:
NaCl (Steinsalz, Kochsalz)
farbloses Salz
Nitrate:
KNO3
wichtiges Reagenz zur Sauerstoffabgabe
Carbonate:
Na2CO3 (Natriumcarbonat, Soda)
Früher Waschmittel
71
Zusammenfassung 1. Hauptgruppe: unedle Metalle, sehr reaktionsfähig gegen H2O und
Nichtmetalle, bilden meist farblose Salze, typische Ionenverbindungen, wasserlöslich,
2. Gruppe
Be, Mg, Ca, Sr, Ba, Ra
Beryllium, relativ uninteressant, giftig
Mg: wichtiger Legierungsbestandteil mit Al, Zn, usw. → Flugzeugbau, Felgen, Leichtmetallmotoren
Oxidation:
Ggf. Mg + O2 vorführen
2 Mg + O2 → 2 MgO
heftig, stark „exotherm“
Anmerkung:
exotherm = Wärmeabgabe
endotherm = Wärmeaufnahme
Mg + Trockeneis (!): 2 Mg + CO2 → 2 MgO + C (daneben auch O)
„entreißt“ dem CO2 den Sauerstoff → d.h. starkes Reduktionsmittel
„rostet“ Mg? Reaktion zu MgO verläuft ja sehr heftig.
Nein! Mg + ½ O2 + H2O → Mg(OH2) (Magnesiumhydroxid)
Mg(OH2) haftet fest auf der Oberfläche → keine weitere Reaktion
Mg in H2O vorführen ≠ Alkalien: passiert nichts
Säure dazu (HCl)
Mg(OH2) + 2 HCl → Mg2+ + 2 Cl- + 2 H2O
löst sich auf
Mg + 2 HCl → MgCl2 + H2
Generell: Säuren lösen die starken Metalle (links im Periodensystem) unter Wasserstoffbildung auf.
Ionenschreibweise: Mg + 2 H+ → Mg+ + H2
Höhere Elemente der 2. Hauptgruppe: Ca (Calcium), Sr (Strontium), Ba (Barium)
Hydroxide in Wasser lösen → Basen
-
sind schwächere Basen als in 1. Hauptgruppe (ggf. Nachweis mit Universalindikatorlösung)
72
-
Ba(OH)2-Lösung vorlegen, CO2 aus Flasche einleiten (oder Atemluft einblasen)
Ba(OH)2 + CO2 → BaCO3↓ + H2O
schwerlösliche Verbindung, fällt aus
-
BaCl2 vorlegen, H2SO4 dazu
-
„Molekülform“
-
„Ionenform“ Ba2+ + SO42– → BaSO4↓
-
Unterschied der Säurelöslichkeit von Ba2CO3 und BaSO4 vorführen
-
Röntgenkontrastmittel, Ba2+ extrem giftig
BaCl2 + H2SO4 → BaSO4↓ + 2 HCl
Sr: Verwendung – nichts besonderes, Feuerwerkskörper
Ca: CaCO3 (Calciumcarbonat, Kalk)
nördl. Kalkalpen, durch Fällung im Meer und Kalkskelette
CaCO3
900 °C
→ CaO + CO2
CaO + H2O → Ca(OH)2
Calciumoxid, gebrannter Kalk
Calciumhydroxid, gelöschter Kalk
Ca(OH)2 + Sand
Kalkmörtel (Luftmörtel)
wirkt nur mechanisch wie beim Beton
Abbinden:
Ca(OH)2 + CO2 → CaCO3 + H2O
trocken wohnen!
CaSO4 Calciumsulfat – natürlich als Gips vorkommend
→ Kristallwasser
CaSO4 · 2 H2O
120 °C
CaSO4 · 2 H2O →
200 °C
CaSO4·½ H2O + 1,5 H2O
gebrannter Gips
CaSO4·½ H2O → CaSO4 + ½ H2O
Stuckgips / Anhydrit
CaSO4 · ½ H2O + 1,5 H2O → CaSO4 · 2 H2O
Das Abbinden von Gips führt zu einer geringem Volumenzunahme (Gipsabdruck/Gipsverband)
CaCl (Calciumchlorid) – ähnlich
CaCl2 + 6 H2O → CaCl2·6 H2O
73
CaCl2 ist ein Trockenmittel.
Zusammenfassung 2. Hauptgruppe: Metalle, nicht reaktiv gegen H2O, ionische Verbindungen
teilweise in H2O schwer löslich.
3. Gruppe
B, Al, Ga, In, Tl
(Gallium, Indium, Thallium)
Bor: nichts
Aluminium: als Metall bereits bekannt
-
wie Mg in Säuren löslich (ohne Vorführung)
-
z.B. 2 Al + 3 H2SO4 → Al(SO4)3 + 3 H2 / dagegen hier auch in Natronlauge
-
vorführen:
2 Al + 2 NaOH + 6 H2O → 2 Na[Al(OH)4] + 3 H2
oder
Tetrahydroxoaluminat
2 Al + 6 H2O + 2 OH– → 2 [Al(OH)4]– + 3 H2
-
Aluminium ist amphoter
Weiterhin aus Al3+-Lösung mit NaOH Al(OH)3 ausfällen:
Al3+ + 3 OH– → Al(OH)3↓
in Säure auflösen:
Al(OH)3 + 3 H+ → Al3+ + 3 H2O in Lauge auflösen: (geht nur mit verdünnter HCl, nicht
mit H2SO4!)
Al(OH)3 + OH– → [Al(OH)4]–
Oxidation kann nicht wie bei Mg mit Flamme gezündet werden:
→ Alufolie (Stanniolpapier) in Flamme halten.
2 Al + 3/2 O2 → Al2O3 ist trotzdem stark exotherm.
-
wird im „Thermit“-Verfahren angewendet
-
2 Al + Fe2O3 → Al2O3 + Fe Darstellung von Fe
o
ggf. Thermitverfahren vorführen
-
dabei Zündverfahren erläutern: Mg-Band und BaO2 + Mg
-
Schweißen von Eisenbahnschienen
Warnung vor Eigenversuchen!
-
normalerweise draußen
-
keine Reaktion
-
Mengen!
-
Vorführung sieht einfach aus
74
Die Darstellung vieler anderer Elemente ist analog möglich.
Ga, In, Tl → nichts, da relativ unwichtig
(mit Tl versuchen sich die Leute manchmal gegenseitig umzubringen (Salze bekannt als Rattengift), ist aber wenig empfehlenswert, da sehr leicht nachweisbar. Die Chemiker aus der
organischen Chemie können da bessere Sachen empfehlen.)
Zusammenfassung 3. Hauptgruppe: Bor: Nichtmetall, die anderen sind amphotere Metalle
4. Gruppe
C, Si, Ge, Sn, Pb
wichtige Gruppe mit Kohlenstoff (→ organische Chemie) und Silicium
Kohlenstoff C
3 „Modifikationen“ des Kohlenstoffs
Modifikation: unterschiedliche Anordnung der Atome oder Moleküle im Kristall
1. Modifikation des Kohlenstoffs: Graphit (= schwarze Stäbe in den Batterien)
-
Aufbau der Kristalle: Schichtengitter
-
schwarz, leicht spaltbar, gute elektrische Leitfähigkeit
-
Welche Hybrid-AO? sp2, d.h. jedes Kohlenstoffatom macht mit den 3 Nachbarn in der
Schicht 3 σ-Bindungen mit den sp2-Hybriden. Übrig bleiben die pz-Orbitale, fähig zu
π-Bindungen:
Besser ist: gar kein molekulares Modell dieser Art, sondern
Elektronendichte ober- und unterhalb der Ebene
-
leicht verschiebbar → elektrische Leitfähigkeit
Schwarze Farbe ist schwerer zu erklären, hängt mit dem ausgedehnten π-Elektronensystem
zusammen.
-
Reduktionsmittel im Hochofenprozess
75
Ferner Graphen (sprich Grafeen): nur eine Schicht Graphit → Nanotechnologie
2. Modifikation des Kohlenstoffs: Diamant
Hybridisierung jetzt sp3, kleinerer Abstand der Ebenen. Extrem hart, ritzt Glas, Schleifpapier.
3. Modifikation des Kohlenstoffs: Fulleren
ggf. “Nanoröhrchen
bisher hauptsächlich theoretisch interessant, inzwischen werden Kohlenstoffnanoröhrchen zur
Verbesserung der Leitfähigkeit Kunststoffen beigemischt (verhindert el. Aufladung von Autokarosserieteilen).
Oxide des Kohlenstoffs
CO – Kohlenmonoxid: giftig, geruchlos, farblos, brennbar (mit Unterstützung)
Auspuff-Katalysator nötig
CO2 – Kohlendioxid: geruchlos, farblos, erstickend
Ggf. Experiment: Kohlenmonoxid aus Ameisensäure + H2SO4 herstellen
HCOOH → CO + H2O
Eingriff der Schwefelsäure,
wasserentziehend
CO + ½ O2 → CO2 brennt nur mit Unterstützung (blaue Flamme). CO ist „isoelektronisch“
mit N2, d.h. gleiche Elektronenstruktur, sehr ähnliches Verhalten, d.h. reaktionsträge, weitgehend „inert“. CO ist jedoch giftig
Schmelzpunkt / K
⊕
|C ≡O|
|N≡ N|
68
63
(sind „isoster“) M = 28 g · mol–1
76
Siedepunkt / K
82
77
Dichte der Flüssigkeit / g cm–3
0,793
0,796
CO2 entsteht durch Verbrennen fast aller organischer Substanzen, es unterhält die Verbrennung nicht.
Experiment mit Kerze und Glas, Umgießen des CO2
MO2 = 32; MN2 = 28; MCO2 = 44 g · mol–1; MLuft ≈ 29 g · mol–1
Experiment: CO2 in Wasser einleiten, das Indikator enthält
→ es bildet sich eine schwache Säure → danach noch HCl zuschütten
CO2 ist hauptsächlich, wie O2 und N2, als CO2 in Wasser gelöst, dissoziiert jedoch teilweise:
CO2 + H2O → HCO3– + H+ (ein Teil)
→ CO32– + 2 H+
(noch weniger)
-
CO2-Problem: Treibhausgas, löst sich in Ozean → sauer (Korallen)
-
CO2 bildet 2 Reihen Salze: Carbonate und Hydrogencarbonate (genaue Nomenklatur
siehe Phosphate), z.B.:
NaHCO3
Natriumhydrogencarbonat,
Na2CO3
Natriumcarbonat
zerfallen leicht
Backpulver-Experiment: NaHCO3 erhitzen, Gas in Ba(OH)2 einleiten
Na2CO3 mit HCl versetzen, Gas in Ba(OH)2 einleiten
2 NaHCO3 → Na2CO3 + H2O + CO2
CO32– + 2 H+ → H2O + CO2
Carbonate der Metalle sind meist unlöslich (bis auf Alkalicarbonate).
vorführen: teilweise basische Carbonate (Ca2+, Ni2+, Cu2+, Co2+)
Si (Silicium)
Zweithäufigstes Element in der Erdrinde, Zusammensetzung bis in 16 km Tiefe in Gew.-%:
Sauerstoff
50,50
Silicium
27,50
Aluminium
7,30
Eisen
3,38
Calcium
2,79
Kalium
2,58
Natrium
2,19
96,24
77
Im Erdkern wird 90 % Fe und 10 % Ni vermutet (nicht (unmittelbare) Ursache des Magnetfelds der Erde, da zu heiß).
Si = wichtigstes gesteinbildendes Element (Aluminiumsilikate)
Si-Wafer: Material für Speicherchips, Solarzellen (Dotierung)
Wichtigste Verbindung: Siliciumdioxid
-
als Mineral: Quarz, auch Bergkristall
-
unrein z.B. im Seesand vorliegend
-
wichtigstes Gefäßmaterial für die Chemie: hält hohe Temperaturen aus (Schmelzpunkt
700 °C), hält starke Temperatursprünge aus, beständig gegen fast alle Chemikalien
Versuch: Glas glühend in H2O werfen / Quarz glühend in H2O wefen
5. Gruppe
N, P, As, Sb, Bi
N2 erhält die Verbrennung nicht → inertes Gas (inert = reaktionsträge)
Wasserstoffverbindungen:
1) allgemein in den ersten Gruppen: sehr reaktionsfähige Verbindungen (Hydride), bei Bor
und Aluminium stabiler, CH4 extrem stabil.
2) bei N: NH3 Ammoniak, Gas
2N2 + 3H2 ⇌2 NH3
→ sp3 Hybrid mit einsamem Elektronenpaar
Durchschwingungen möglich, Frequenz = 2,38 · 1010 Hz, extrem stabil
Ammoniak-Uhr (Quarz-Uhr mit dieser Frequenz stabilisiert)
basische Eigenschaften durch einsames Elektronenpaar
NH3 + H2O → NH4+ + OH– Ammoniumhydroxid (wässrige Lösung)
schwache Base
-
bildet Salze: z.B. NH4Cl – Ammoniumchlorid
78
-
aus diesen Salzen kann NH3 wieder abgegeben werden durch Einwirkung starker Ba-
sen.
Experiment: NH4Cl + NaOH → NaCl + H2O + NH3
Nachweis mit feuchtem pH-Papier oder über Lösung mit Indikator leiten
Nachweis der Salzbildung in der Gasphase
Experiment: NH3 + HCl → NH4Cl
bestes Verfahren: HCl-Schale und darüber mit obigem NH3-Entwickler NH3 leiten
offene Schale mit konz. Lösung, darüber das Gas aus Flasche
→ weißer Nebel vom NH4Cl
Wichtigste Oxide und Säuren
NO
Stickstoffmonoxid
NO2
Stickstoffdioxid
HNO3 Salpetersäure / konz. HNO3 = 70 %, rauchende HNO3 = 100 %
2 HNO3 → 2 NO2 + H2O + ½ O2
Vorführen: reine 100 % HNO3 an und für sich farblos, bei Raumtemperatur schnell
gelb bis rot durch gelöstes NO2.
Auflösung von Metallen
Ggf. Experimente
Zn + verd. HNO3 → H2
Cu + konz. HNO3 → NO2
Cu + ½ konz. HNO3 → NO + O2 → NO2
Al + konz. HNO3 → nichts (Al2O3)
Vergleich mit HCl (keine oxidierenden Eigenschaften)
Zn + HCl → H2
es gibt Metalle, die mit nicht-oxidierenden
Cu + HCl → nichts
Säuren H2 frei machen (unedel) und solche,
Al + HCl → H2
die es nicht machen (edel) - letztere nur mit oxidierenden
Säuren auflösbar
Salze = Nitrate, Düngemittelindustrie
KNO3 – wichtigstes Salz, Kaliumnitrat (Chilesalpeter)
-
wichtige Verbindung, die Sauerstoff abgeben kann
-
Schwarzpulver, Schießpulver: KNO3, C, S
Experiment (keine geschl. Reaktionsgleichung)
NO3– zerfällt, es entsteht N2, O2, macht CO2 und SO2, SO3
79
z.B. 2 KNO3 → N2 + K2CO3 +SO3
Brisanz ist klein im Vergleich zu moderneren Sprengstoffen.
P - hier nicht sehr viel, relativ ähnlich dem Stickstoff / Oxide anders
P2O5 sehr stabil
2P + 5/2 O2 → P2O5
stark exotherm
Da wir gerade bei Sprengstoffen sind, hier noch ein weiteres Experiment: P + sauerstoffabgebende Mittel → Sprengstoff (nicht KNO3, besser KClO3 → KCl + 3/2 O2
Experiment vorführen → wichtig ist: geht hier mit Druck, ohne T
Es entsteht P2O5: Phosphorpentoxid
P2O5: Phosphorpentoxid – nimmt heftig Wasser auf (Trockenmittel)
Experiment: P2O5 + 3 H2O → 2 H3PO4
stark exotherm
Phosphorsäure
Salze der Phosphorsäure = Phosphate, Düngemittelindustrie
z.B. Na2HPO4 – Dinatriumhydrogenphosphat
Über die restlichen Elemente nichts mehr
Zusammenfassung 5. Hauptgruppe:
Oxidationsstufen: –3; 0; +3; +5 (Oxidationsmittel)
N-, P-haltige Salze: Düngemittel (Liebig)
6. Gruppe Chalkogene, Erzbildner
O, S, Se, Te, Po
O – Sauerstoff – zwar eines der wichtigsten Elemente, aber ein chemisch wenig interessantes
S – wichtigste Wertigkeitsstufen: –2, 0, +4, +6
Wertigkeitsstufe –2:
–2 in allen Sulfiden, Erinnerung an FeS in der ersten Vorlesungsstunde
entsprechende Säure: H2S – Schwefelwasserstoff
Experiment
FeS + 2 HCl → FeCl2 + H2S↑
besser: FeS + 2 H+ → Fe2+ + H2S↑
Geruch, starkes Gift
Experiment:
löst sich in Wasser, dann Fällung mit Pb2+
Pb2+ + S2– → PbS↓
schwarz
Geruch!
80
Wertigkeitsstufe +4
Experiment: Schwefel verbrennen → Flamme
S + O2 → SO2
Verbrennung im Quarzrohr + Luft durchleiten
→ schweflige Säure (H2SO3), genau wie bei H2CO3
SO2 + H2O → HSO3– + H+
wahrscheinlich kaum ungelöste Säure, Nachweis durch pH.
schwache Säure – nicht 100 %ig darstellbar, (wie HNO3) → Zerfall in SO2 + H2O
+6
SO2 + ½ O2 → SO3
SO3 + H2O → H2SO4
geht so einfach nicht: „Katalysator“, Ostwald-Verfahren
starke Säure
100 %ige H2SO4 nimmt begierig Wasser auf, bildet dabei Hydrate
H2SO4 · H2O / H2SO4 · 2 H2O
Experiment
H2SO4 + H2O
stark exotherm, mit T-Fühler vorführen
Verdünnungsverfahren erläutern
Experiment
H2SO4 mit Toilettenpapier → färbt sich schnell schwarz
H2SO4 mit Puderzucker → Kohlenhydrate Cm(H2O)2 + H2SO4 → C
Zusammenfassung 6. Hauptgruppe: Chalkogene = Erzbildner
Oxide und Sulfide haben meist Salzcharakter
Oxidationszahlen O: –2, 0 / S: –2, 0, +2, +4, +6 (Oktettregel gilt für S nicht streng)
Metallische Eigenschaften ändern sich in der Periode: O – Nichtmetall / Po – Metall
7. Gruppe
F, Cl, Br, I, At (Astat)
Fluor – stärkstes Nichtmetall, sehr gefährlich in fast allen Verbindungen, bis auf Fluoride z.B.
KF.
Wichtigste Verbindung: Flusssäure, HF,
Darstellung aus Flussspat CaF2 + H2SO4 → 2 HF + CaSO4, (endotherm, trotzdem freiwillig),
wirkt stark ätzend, schwer heilende Wunden, greift fast alle Materialien an, z.B. auch Glas
81
Experiment
H2SO4 + NH4F + H2O
wirkt wie HF
4 HF + SiO2 → SiF4↑ + 2 H2O
→ Glas wird matt
Cl
Darstellung des Chlors
Experiment
2 MnO4– + 10 Cl–
→ 5 Cl2 + 2 Mn2+ 8 H2O + 16 H+ oder
2 MnO4– + 16 HCl
→ 5 Cl2 + 2 MnCl2 + 8 H2O + 2 Cl–
-
Cl2 ist ein gelbes Gas
-
reagiert heftig mit feinverteilten Metallen
Experiment
Cl2 + erhitztes Messing → ZnCl2 / CuCl2 – Wolken
Cu, Zn-Legierung
-
Es entstehen Chloride.
-
sind die Salze des Chlorwasserstoffs
-
HCl = Chlorwasserstoff
-
Lösung in H2O = Salzsäure
-
entsprechende Verbindung gibt es auch bei den höheren Homologen.
Cl2 + 2 Br– → 2 Cl– + Br2
Experiment
Cl2 + Br– → Br2
Cl2 + I– → I2
ausschütteln mit CCl4
Oxide des Chlors und Wasserstoffsäuren:
ClO, ClO2, ClO3 Oxidationsmittel (Bleichmittel) ClO3 explosiv
HClO hypochlorige Säure (Chlorwasser: Cl2 + H2O → 2 H+ + Cl- + ClO- Disproportionierung), HClO2 (chlorige Säure, nur als Salz stabil), HClO3 (Chlorsäure), HClO4, (Perchlorsäure, sehr starke Säure)
Hinweis auf Pseudohalogenidionen CN– (CN2) / SCN– / OCN–
Zusammenfassung 7. Hauptgruppe (Halogene = Salzbildner)
82
Nichtmetalle, Elemente einander ähnlicher als in mittleren Gruppen, z.B. Bildung 2-atomiger
Moleküle, Elektronegativität.
8. Hauptgruppe
He, Ne, Ar, Kr, Xe, Rn
Edelgase, nur wenige Verbindungen höherer Edelgase wie Kr, Xe
Nebengruppenelemente
-
nur Metalle, d-Schalen
-
generell mehr Oxidationsstufen, z.B. Mangan
2
4s 3d5
Mn7+
Argon-Hülle
MnO4– Permanganat – Oxidationsmittel
+4 – MnO2 – Braunstein
+2 – MnSO4
5. Gase
5.1 Ideales Gasgesetz (Gesetz für ideale Gase)
Gasteilchen (Atome oder Moleküle) mögen sich in einem Gefäß ungeordnet bewegen. Die
Folge sind Zusammenstöße der Teilchen (wobei sie Impulse übertragen, d.h ihre Richtung
und Eigengeschwindigkeit ändern) aber auch Stöße gegen die Wand. Dabei werden Kräfte auf
die Wand übertragen, welche als Druck (in der Einheit N/m2 = Pa) messbar sind, welcher eine
adäquate Größe zur Beschreibung des Zustands ist. Das Ziel der nachfolgenden Betrachtung
ist Angabe des Drucks als Funktion der anderen Zustandsvariablen Temperatur, Volumen und
Stoffmenge [p = f(T,v,n)],
auch
thermische
Zu-
standsgleichung genannt.
Um 1670 bereits fanden
Boyle und Mariotte den Zusammenhang
zwischen
p
und v bei konstanter Temperatur und Stoffmenge, der in
nebenstehendem Diagramm
83
für zwei isotherme Prozess dargestellt ist: p ~ 1/v oder das Produkt aus Druck und Volumen
ist konstant.
Um 1802 untersuchte Gay-Lussac den Zusammenhang zwischen v und T. Das Ergebnis ist in
obenstehendem Diagramm wiedergegeben. Gefunden wurde ein linearer Zusammenhang der
Form v = v0 (1+αT/°C). Hierbei tritt der thermische Ausdehnungskoeffizient α als Steigung
auf. Verlängert man die Gerade zu niedrigeren Temperaturen, so wird ein Schnittpunkt mit
der Temperaturachse bei –273,15 °C erreicht. Dieser Schnittpunkt definiert den absoluten
Nullpunkt und ermöglicht eine neue, ausschließlich positive Temperaturskala in der Einheit K
(Kelvin). –273,15 °C = 0 K entsprechen v = 0, was für ein reales Gas wegen des Eigenvolumens seiner Teilchen nicht möglich ist. Es wurde deshalb die Vorstellung des idealen Gases
entwickelt, dessen Teilchen nicht nur kein Eigenvolumen besitzen sondern auch keine Wechselwirkungen miteinander haben, d.h. sie üben weder Anziehungs- noch Abstoßungskräfte
aufeinander aus.
Die Zusammenfassung der Beobachtungen von Boyle und Mariotte (v ~ 1/p) sowie von GayLussac (v ~ T) ergibt v ~ T/p. Weiterhin ist natürlich v ~ n (nachzuvollziehen durch Vereinigung von zwei Systemen). Damit wird die thermische Zustandsgleichung
pv = nRT
(1-7),
wobei die Proportionalitätskonstante R = 8,314 J mol–1 K–1 Gaskonstante genannt wird. In
Gleichungen mit extensiven Größen ist die Boltzmann-Konstante kB = 1,3807 · 10-23 JK–1 zu
verwenden, entsprechend der durch die Loschmidt-Zahl oder Avogadro-Konstante (L = NA =
6,022 1023 / mol) geteilten Gaskonstante.
Beispiel: Welches Volumen nimmt 1 mol eines (idealen) Gases bei 0 °C und 1,013 bar ein
(Normalbedingungen)?
v=
=
n R T 1 · 8,314 · 273,15 mol J K
=
1,013 · 105
mol K Pa
p
mol J K
Nm
=
= m3
mol K Pa Nm − 2
8,314 · 273,15
dm 3 = 22,4 dm 3 → 1 Liter enthält 0,045 mol
2
1,013 · 10
Zahl merken! wichtig für viele Abschätzungen
Avogadrosche Hypothese
2 Gase
p1v1 = n1 RT1
T1 = T2
p2 v2 = n2 RT2
v1 = v2
→p1 = p2
84
→ n1 = n2 → N1 = N2
oder umgekehrt: aus der Avogadroschen Hypothese folgt, dass es für alle Gase eine einheitliche Konstante R geben muss.
Experimentelle Bestimmung von molaren Massen gasförmiger Verbindungen:
pv = nRT ;
pv =
m
mRT
RT ; M =
M
pv
→ Messung von m, T, p und v → M
Experiment vorführen oder skizzieren (Kolben leer und CO2-gasgefüllt wiegen: ∆m)
Rechnung eines Beispiels
Kolbeninhalt 2,14 l / 725,5 Torr (732,6) / ∆m = 3,8 g
M CO 2 =
3,8 · 8,314 · 293,6
= 44,8 g/mol
725,5 · 133,3 · 2,14 ·10 −3
Was ist ideal im Gasgesetz?
-
gilt für ideale Gase
-
ideale Gase sind eine mathematische Abstraktion:
-
kein Eigenvolumen
-
keine Wechselwirkungskräfte (Anziehungskräfte), nur elastische Stöße
Oder: ein Gas verhält sich ideal, wenn es pv = nRT befolgt.
Idealität hängt von äußeren Parametern ab, je kleiner p, je höher T → desto idealer;
je größer p, je kleiner T → desto weniger ideal.
Eigenvolumen merklich
Kräfte beginnen zu wirken
Bei 1 bar, 25 °C sind viele Gase weitgehend ideal: H2, D2, N2, Luft. Dagegen bei 100 bar →
schon merkliche Abweichungen.
5.2 Partialdruck
Untersuchung von Gasmischungen
2 Gasarten 1 und 2: jede Gasart übt ihren eigenen Druck auf die Wand aus
= Partialdruck p1, p2.
Dieser Partialdruck ist gleich dem Druck, den das Gas ausüben würde,
wenn es sich allein in dem Volumen befinden würden.
85
Also:
p1 =
n1 RT
v
p1 + p2 = p
p2 =
n2 RT
v
pi = Partialdruck der Gassorte i
n1 + n2 = n
(bei sich ideal verhaltenden Gasen)
Das ideale Gasgesetz gilt sowohl für die Partialdrücke (entsprechend der Definition) als auch
für den Gesamtdruck.
Berechnung von Partialdrücken
n1 RT
p1
p1
n1
v
=
=
=
= x1
p p1 + p2 n1 RT + n2 RT n1 + n2
v
v
x1 bezeichnet den (Stoff-)Mengenanteil (Molenbruch) der Komponente 1 (Mengenanteile sind
nützliche Konzentrationsmaße, da sie dimensionslos definiert sind).
Raoultsches Gesetz
p1 = x1 p
5.3 Reale Gase
Ideal
Real
keine Kräfte
Kräfte
kein Eigenvolumen
Eigenvolumen
Abweichungen vom idealen Verhalten um so stärker, je
kleiner die Abstände (p groß) und je geringer T
Ideales Gesetz
pv = nRT
(intensive Form)
pV = RT.
;
v/n = V (molares Volumen)2
Jetzt Anbringung von Korrekturen für reale Gase: Verschiedene Möglichkeiten: hier die bekannteste Gleichung von van der Waals
(p + pi) (V – b) = RT
2
In diesem Text werden extensive (von der Masse abhängige) Größen mit kleinen (v, n, m), , intensive (molare)
Größen mit großen Buchstaben symbolisiert (V, M, R). Dies ist nicht konsistent durchzuhalten weil einige Größen, die immer intensiv sind, traditionell bezeichnet werden wie Temperatur T (auch um den Unterschied zur
Zeit t zu machen), ebenso inkonsistent (weil allgemein üblich) sind die van-der-Waals-Konstanten a und b
86
Volumenkorrektur
4 3 32 3
πR = πr
3
3
für 1 Teilchen →
16 3
πr
3
für NA Teilchen
NA
16 3
πr
3
4


b = 4 N A πr 3  = 4 mal Eigenvolumen eines Mols
3


Die experimentelle Bestimmung von b (aus Abweichungen von der Idealität) ist eine einfache
Möglichkeit, Molekülvolumina und damit Molekülabmessungen (Querschnitte) in der Gasphase abzuschätzen, die z.B. erlauben auszurechnen, wie viele Moleküle eine Monolage auf
einer Katalysatoroberfläche bilden (Kat darf nicht überladen sein).
Druckkorrektur durch Kohäsionsdruck
Teilchen üben Kräfte aufeinander aus: Dipol-Dipol, Dipol-induzierter Dipol, sogar auch völlig ungeladene Teilchen (fluktuierender Dipol – induzierter Dipol), z.B. wird auch He, wenn
auch bei sehr tiefen T, flüssig.
Die Kräfte zwischen den Teilchen sind bei Gasen i.a. Anziehungskräfte.
Die Summe der Kräfte auf ein Teilchen mittelt sich heraus, d.h. keine Translation im Mittel. Aber diese Kräfte reduzieren die außen messbaren Kräfte, d.h.
pges= p+ pi (p ist der gemessene Druck).
pi muss für v → ∞ gegen Null gehen, da für v → ∞ das ideale Gasgesetz gilt. Ansatz mit Virialkoeffizienten:
pi =
c
a
d
+ 2 + 3 + ... (geht gegen Null für v → ∞)
V V
V
Reihenentwicklung nach 2. Glied abbrechen →
c
a 

 p + + 2  (V − b ) = RT
V V 

Damit bei kleinen p und großen V (so dass b vernachlässigt werden kann) die ideale Gasgleichung herauskommt, muss c = 0 sein. Dies liefert die van-der Waals-Gleichung
87
a 

 p + 2  (V − b ) = RT , die mit dem Experiment erheblich besser übereinstimmt als die ideaV 

le Gasgleichung. Werte für die Konstanten a und b können aus Tabellenwerken übernommen
werden, z.B.
NH3
a = 4,224 bar · dm6 · mol–2; b = 0,0371 dm3 · mol–1
CO2
a = 3,637 bar · dm6 · mol–2; b = 0,0427 dm3 · mol–1
N2
a = 1,408 bar · dm6 · mol–2; b = 0,0391 dm3 · mol–1
H2
a = 0,247 bar · dm6 · mol–2; b = 0,0266 dm3 · mol–1
He
a = 0,0345 bar · dm6 · mol–2; b = 0,0237 dm3 · mol–1
Die Wechselwirkungen sind erwartungsgemäß um so größer, je polarer und größer das Molekül ist
Wie groß sind die Korrekturen durch die van-der Waals-Gleichung?
Gas unter Normalbedingungen (anders als Standardbedingungen in der Thermodynamik, dort
wird meist auf 298 K bezogen))
22,4 cm4
0 °C
1 mol mit idealer Gasgleichung
1,013 bar
Korrektur
durch b ≈ 2 ‰
durch
a
≈7‰
V2
Rechnungen mit der van-der-Waals Gleichung sind teilweise schon etwas komplizierter, da
Gleichung 3. Grades in V → hier nur Berechnung von p.
Beispiel CO2 / 1 mol / 0 °C / 2,24 l (nicht 22,4 l)
a 

 p + 2  (V − b ) = RT
V 

p+
a
RT
=
2
V
V −b
wegen Pascal!
 3,6 ⋅ 10 5 ⋅ 10 6

8,314 ⋅ 273,2
 Pa
p =  −
+
2
−6
2,24 ⋅ 10 −3 − 0,043 ⋅ 10 −3 
 2,24 ⋅ 10
= 9,62 · 105 Pa = 9,62 bar (nicht 10,13 bar)
p=?
p=−
a
RT
+
2
V
V −b
88
a
bedingt, d.h. äußerer Druck braucht nicht so hoch
V2
Der Effekt ist im wesentlichen durch
wie dem idealen Gasgesetz entsprechend zu sein, sondern wird teilweise durch Kohäsionsdruck aufgebracht.
Bei sehr hohen Drücken stimmt auch die van-der-Waals-Gleichung nicht mehr: noch kompliziertere Gleichungen
5.4 Gasverflüssigung
Druckerhöhung
(zurückstellen für letzte DS)
oder
Abkühlung
technisch einfacher
geht bei vielen Gasen:
Butan in Flaschen, Feuerzeuge
Cl2 in Flaschen
zeigen Butan in Campinggas-Kartusche unter Normaldruck bei Raumtemperatur gasförmig,
hier flüssig.
Geht aber bei einigen Gasen nicht: z.B. O2 und N2 – hießen daher früher permanente Gase.
Genauere Untersuchungen haben gezeigt, dass es auch bei diesen Gasen unterhalb einer gewissen Temperatur, der kritischen Temperatur Tk, geht. Bei der kritischen Temperatur muss
der kritische Druck überschritten werden, um die Verflüssigung zu erzielen. Bei niedrigen T
benötigt man dann nur noch geringere Drücke.
2 Beispiele
O2
N2
Tk / °C
–118
–147
pk / bar
50
34
TS / °C
–183
–196
Umgekehrt: um ein Gas durch Druckerhöhung zu verflüssigen, muss es mindestens bis zur
kritischen Temperatur abgekühlt werden.
Abkühlungsverfahren: Joule-Thomson-Effekt
Erklärung: Fahrradpumpe – wird warm
reales Gas – mikroskopisch erläutern
1) Zwischenmolekulare Anziehungskräfte
Entspannung → Abkühlung
(Bei Inversionstemperatur:
Kompression → Erwärmung
Joule-Thomson-Effekt
89
wechselt Vorzeichen)
2) Arbeit gegen Druck
Entspannung → Erwärmung
Kompression → Abkühlung
Experiment: T-Sonde vor aufgedrehter N2-Flasche
→ Effekt reicht nicht aus, um bis –147 °C zu kommen.
Technisches Verfahren
Kompression, Erwärmung dabei, Abkühlung mit Kühlwasser, Expansion in einer Düse → Abkühlung, dann
Gegenstromprinzip.
erläutern
Flüssige Gase sind heute ein wichtiges Industriegut.
Firmen: Linde, Messer-Griesheim
verflüssigte Gase: O2, N2, Luft, He
nur in der Forschung, da sehr teuer (20,- /l)
heute kaum noch
Tiefkühlung, metallurgische Prozesse
weiterhin CO2: fest („Trockeneis“)
Einige Experimente dazu
1) N2 flüssig
a) Leidenfrost-Phänomen
b) mechanische Eigenschaften von Metallen
c) mechanische Eigenschaften von Gummi, Blume
d) Farbe von Schwefel
2) O2 flüssig
a) blaue Farbe (nicht
, sondern 2 ungepaarte Elektronen
; geht nicht mit unserem Modell)
b) brennende Zigarette
3) CO2 fest
CO2-Flasche mit Steigrohr und Sack
Fp. –78,4 °C
6. Kinetik und Reaktionsmechanismus
6.1 Kinetik und Stabilität chemischer Verbindungen
Experiment:
H2 + Cl2 → 2 HCl
Die Reaktion läuft erst nach einer Zündung durch Blitzlicht ab.
90
Wiederholung: Wann läuft eine Reaktion ab?
Triebkraft ist in unserem Beispiel vorhanden. Beweise: nach der Zündung erfolgt eine explosionsartige Reaktion, d.h. es wird Wärme frei. Es liegt also eine kinetische Hemmung vor, wie
sie auch für viele andere Beispiele bekannt ist, wir kennen bereits die Beispiele H2 + O2, auch
Benzin an der Luft. Beide Reaktionen laufen erst nach Zündung ab.
Wir müssen lernen, wie eine Reaktion mikroskopisch abläuft. Dazu benötigen wir folgende
Begriffe:
Reaktionsmechanismus - beschreibt mikroskopisches Geschehen
Reaktionsgleichung - beschreibt makroskopisches Geschehen
Kinetik -
beschreibt zeitlichen Ablauf der Reaktion.
Reaktionen laufen nicht immer unendlich schnell ab, wie es nach der Vorführung vieler Experimente aus der anorganischen Chemie vielleicht den Anschein hat. Insbesondere in der organischen Chemie dauern Reaktionen oft viele Stunden.
In den seltensten Fällen gibt die Reaktionsgleichung auch den Reaktionsmechanismus wieder,
der oft über viele Zwischenstufen verläuft. Der Mechanismus lässt sich aus der Kinetik
bestimmen. Die wichtigste Größe der Kinetik ist die Reaktionsgeschwindigkeit.
6.2 Definition der Reaktionsgeschwindigkeit
Beispiel: H2 + I2 → 2 HI
in der Gasphase bei ca. 500 K
Was passiert bei der Reaktion?
Die Drücke von H2 und I2 nehmen ab, während der HI-Druck zunimmt. Die Geschwindigkeit
dieser Vorgänge kann man beschreiben (p für Druck):
∆p (H2) / ∆t ... Vorzeichen: minus; Grenzübergang ∆ → d
–dp (H2) / dt. Das nennt man Reaktionsgeschwindigkeit r.
Es ist –dp (H2)/dt = –dp (I2)/dt
aber nicht
sondern
dp (H2)/dt ≠ dp (HI)/dt (Vorzeichen, Stöchiometrie?)
–2dp (H2)/dt = +dp (HI)/dt
91
Das Experiment liefert:
Die Reaktionsgeschwindigkeit r ist somit die Ableitung des Drucks (der Teilchenzahldichte,
der Konzentration, des Mengenanteils) einer Komponente nach der Zeit:
r = –dp (H2)/dt = ½ dp (HI)/dt
oder allgemein (mit den Koeffizienten der Reaktionsgleichung):
r = 1/vj · dp (j)/dt,
wobei r die jeweilige Steigung darstellt, die sich mit der Zeit ändert (s. Skizze), also nicht
charakteristisch für die Reaktion ist.
Was ist charakteristisch?
6.3 Reaktion 2. Ordnung
Wir betrachten die in der Atmosphärenchemie (Luftverschmutzung) wichtige Reaktion NO + O3 (Ozon) → NO2 + O2
Über den Reaktionsmechanismus weiß man, dass er sehr einfach
ist: NO und Ozon stoßen zusammen und bilden NO2 und O2.
Dies nennt man eine bimolekulare Reaktion, deren Ablauf mit
Hilfe eines Übergangszustandes (Skizze Mitte) formuliert werden kann:
Selbst wenn nicht jeder Stoß erfolgreich ist, muss gelten:
r ~ Zahl der Zusammenstöße, und daher
r ~ p (NO)
r ~ p (O3), (es muss von beiden Reaktionspartnern Druck vorhanden sein) also
r ~ p (NO) · p (O3) (geht nicht anders). Jetzt fehlt nur noch die Proportionalitätskonstante
r = k · p (NO) · p (O3)
92
k heißt Reaktionsgeschwindigkeitskonstante, sie ist
charakteristisch für eine Reaktion.
Die differentielle Form der Reaktionsgeschwindigkeitsgleichung (Geschwindigkeits-Zeit-Gesetz) lautet:
–dp (NO)/dt = k · p(NO) · p(O3)
Man nennt es ein Geschwindigkeits-Zeit-Gesetz zweiter Ordnung, wenn die Reaktionsgeschwindigkeit von
zwei Drücken (Konzentrationen, etc.) abhängt. Eine
bimolekulare Reaktion kann nach der zweiten Ordnung ablaufen, muss aber nicht; z.B. erhält man bei
großem
Überschuss
eines
Reaktionspartners
experimentell eine Kinetik erster Ordnung.
Zur Bestimmung von k muss intergriert werden. Zur
Vereinfachung der Integration lassen wir die Reaktion
mit gleichen Ausgangsdrücken p0 (NO) und p0 (O3)
starten; dann gilt (für diese Reaktion) immer: p (NO) = p (O3), und wir können p (O3) substituieren:
–dp (NO)/dt = k · p2 (NO)
Integration:
–dp (NO)/ p2 (NO) = k · dt
1/p (NO) – 1/p0 (NO) = k · t
1/p (NO) = 1/p0 (NO) + k · t
Geradengleichung, Steigung ist k
Solche bimolekularen Reaktionen laufen auch in Lösung ab. Beispiel:
CH3COOC2H5 + OH– → CH3COO– + C2H5OH
Essigsäureethylester
Acetat-Anion
Ethanol
Diese Reaktion läuft bei nicht zu verschiedenen Konzentrationen nach der 2. Ordnung ab. Der
Druck p ist jetzt aber nicht das richtige Maß, sondern die Konzentration c.
c = n/v
(Molarität)
In der Chemie ist die gebräuchliche Einheit [c] = mol/l (l oder L ist ein nicht SI-konformes
Sonderzeichen für 1000 cm3 = 1 dm3).
93
Kürzel „0,1 m Lösung“ bedeutet: Die Molarität der Lösung ist 0,1 mol/l.
(Herstellung einer 0,1 m NaCl beschreiben: 0,1 mol + 1 l Wasser ergibt etwas anderes → v in
obiger Gleichung ist das Volumen der Lösung!)
Geschwindigkeits-Zeit-Gesetz für unsere Lösungsreaktion:
–dc (Ester) / dt = dc (Ethanol) = k · c (Ester) · c (OH)–
Allgemeiner für eine Reaktion A + B → C
–dc (A) = k · c (A) · c (B)
6.4 Reaktion 1. Ordnung
Monomolekulare Reaktionen – gibt es das?
Ja, z.B. ein Molekül zerfällt, ohne dass andere Moleküle dazu notwendig sind. Klassisches
Beispiel: radioaktiver Zerfall
z.B.
238
234
−α
U →
Th
92
90
α = Heliumkern
geht sehr langsam nach ≈ 109 Jahren nutzbarer Anteil verschwunden.
Ansatz: jetzt nicht p sondern N (Teilchenanzahl)– d.h. 3. mögliches Konzentrationsmaß
r=−
dN
= kN
dt
Reaktion 1. Ordnung (hängt nur von einer Teilchenzahl (Kon-
zentration, Druck) einer Komponente ab)
dN
= −k d t
N
Integriert (unbestimmt): ln N = –kt + C
Bei t = 0:
N = N0 → C = ln N0
ln N = –kt + ln N0 (Geradengleichung! Auftragung...Steigung ist –k)
oder
ln
N
N
= −kt ;
= e −kt ;
N0
N0
N = N 0 e − kt
94
Zu Vergleichszwecken für eine Gasphasenreaktion
A→B
NA = NA0 e–kt
pA =
pA0
p ~ N in konstantem Volumen
–kt
mit identischer Auftragung
e
cA = cA0 e–kt
für Reaktion in Lösung
Begriff der Halbwertszeit τ1/2: Zeit, nach der die Hälfte des radioaktiven Materials zerfallen
ist. Bei 1. Ordnung sind 1., 2., 3., ... Halbwertszeit gleich.
Beziehung zwischen k und τ1/2:
dN
= − kN
dt
N0
2
dN
∫0 N = −k
N
ln
t =τ 1 / 2
∫t
t =0
N0
− ln N 0 = −kτ 1 / 2
2
ln N0 – ln 2 – ln N0 = –kτ1/2
τ1/ 2 =
ln 2
k
Die Halbwertszeit unterscheidet sich von dem kinetischen Begriff der Lebensdauer τ, die den
Kehrwert der Geschwindigkeitskonstante τ = 1/k darstellt (Für 1. Ordnung).
ggf.Experiment (früh beginnen):
2SO 2
HCOOH H
→ H 2 O + CO
Gleichung erläutern
-
Wirkung der H2PO4 : wird nicht verbraucht
-
auf jeden Fall im Überschuss
-
Gerät erklären, mit Studenten ablaufen lassen
-
zu unserem Experiment
HCOOH-Teilchenzahl oder –masse nicht bekannt, nur vCO bekannt
NCO ~ vCO nach Avogadro-Hypothese.
Bei vollständigem Ablauf gilt:
0
NHCOOH = ∞NCO
NHCOOH = ∞NCO – NCO ~ ∞VCO – VCO
∞
vCO – vCO = ∆v = ∞vCO e–kt
ln ∆vCO = ln ∞vCO – kt
Woher ∞vCO?
95
1) Es gibt mathematische Verfahren – kompliziert!
2) ∞ - lange warten.
Daher hier Auswertung nicht weiter.
Betrachtung der Messwerte:
1) Asymptotische Annäherung an Endwert
2) Experimentelles Verhalten aus Differenzen
Beispiel : Messung mit 2 Tropfen bei 60 °C in ½-vollem Kolben
∞
v = 16,4 – geschätzt
t / min vCO / ml ∆v ln
0
0,7
15,7 2,75
0,5
3,7
12,7 2,54
1
6,2
10,2 2,32
1,5
8,3
8,1 2,09
2
10,0
6,4 1,86
3
12,1
4,3 1,46
4
13,5
2,9 1,07
5
14,3
2,1 0,74
6
15,0
1,4 0,34
7
15,4
1
0
8
15,6
0,8 –0,22
9
15,8
0,6 –0,51
10
16,0
0,4 –0,91
→ gibt keine gute Korrelation, auch nicht bis 8´
200 °C / 2 Tropfen
0
0,5
1
1,5
2
329 3
4
5
6
7
8
9
10
0,7
3,7
6,2
8,3
10,0
12,1
13,5
14,3
15,0
15,4
15,6
15,8
16,0
6.5 Reaktionsmechanismus
Einblick in das mikroskopische Geschehen, dazu 2 Beispiele:
1) Knallgasreaktion (siehe 5.1)
Eine Annahme wäre
96
Das würde genau H2 + Cl2 → 2 HCl entsprechen. Stimmt i.a. nicht. Nur in wenigen Fällen
stimmt die Reaktionsgleichung mit dem mikroskopischen Geschehen, d.h. dem Reaktionsmechanismus, überein. Stimmt hier auch nicht.
Wozu bei obiger Reaktion Lichtblitz?
H2 macht mit Licht nichts: farblos.
Cl2: grünes Gas, absorbiert Licht.
hv
Cl 2 + hv →
2 Cl
Chlorradikal, sehr reaktionsfähig
Cl + H2 → HCl + H
Reaktionsmechanismus, Cl wird immer wieder
H + Cl2 → HCl + Cl
neu erzeugt
Teilreaktionen laufen außerordentlich schnell, Explosion wegen Wärmeabgabe.
Die Radikale H und Cl werden insbesondere an den Wänden des Gefäßes und durch H2O vernichtet.
Teilschritte: Startreaktion, Kettenreaktion, Kettenabbruch. Theoretisch (!) reicht ein Cl aus.
Makroskopische Beobachtung:
H2 + Cl2 → 2 HCl
Angabe von r? Schwierig wegen T-Änderung.
2) Thermischer Zerfall des Acetons
Aceton bei höheren Temperaturen
2 CH3 –CO–CH3 → 2 CH4 + 2 CO + C2H4
Kinetische Untersuchung
Schlussfolgerung: Zwischenschritt
CH3–CO–CH3 → CH2=C=O + CH4
Keten, unbeständig
2 CH2=C=O → CH2=CH2 + 2 CO
97
Jede Einzelgleichung kann man nun durch eine Differentialgleichung beschreiben. Diese Differentialgleichungen zusammensetzen → kompliziertere Differentialgleichung, die dann das
beobachtete Geschehen beschreibt.
Eine Nutzanwendung der Kinetik: Ermittlung von Reaktionsmechanismen, deren Kenntnis
die Beurteilung der Luftverschmutzung zulassen (Wunschvorstellung).
Bei der Explosion im Verbrennungsmotor entsteht atomarer Sauerstoff, O, der Kohlenwasserstoffe angreift:
O + RH → OH + R
R + O2 → RO + O
Nebenreaktion:
O + N2 → NO + N
(endothermer Schritt)
NO + O2 → NO2 + O
in Erdbodennähe: 0 – 10 km Höhe (Troposphäre)
NO2 + hv → NO + O
O + O2 + M → O3 (Ozon)
Stoßpartner
Dreierstoßreaktion erfordert hohe
Luftdichte
Ozon greift Doppelbindungen an, z.B. in pflanzlichem Material.
in der Stratosphäre: 10-50 km Höhe (geringe Luftdichte, Dreierstöße unwahrscheinlich) befindet sich die Ozonschicht. Sie absorbiert (filtert) UV-Licht, ist daher lebenswichtig. Hier
herrscht ein Gleichgewicht zwischen Auf- und Abbau des Ozons:
O2 + hv → O + O
O + O2 + M → O3
Aufbau
O3 + hv → O2 + O
O+ O3 → 2 O2
Abbau
Bei Verschmutzung durch Stickstoffoxide (z. B. durch Stratosphären-Flugverkehr)
NO + O3 → NO2 + O2
NO2 + O → NO + O2
(vgl. 6.3)
98
d.h. Abbau der Ozonschicht. Bei Verschmutzung der Stratosphäre durch Halogenkohlenwasserstoffe, Frigene (Frigen: CF2Cl2 reaktionsträge, wird in tiefen Luftschichten nicht abgebaut),
wird Analoges beobachtet:
CF2Cl2 + hv → CF2Cl + Cl
Cl + O3 → ClO + O2
ClO + O → O2 + Cl
Abbau der Ozonschicht
Um Verschmutzungen richtig einschätzen zu können müssen kinetische Daten für alle Teilreaktionen bekannt sein (gemessen oder berechnet werden).
99
6.6 T-Abhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeitskonstante
Bimolekulare Reaktion:
NO + O3
Energiediagramm (-profil):
Annahmen: 2 Moleküle fliegen aufeinander zu, nicht jeder Stoß ist erfolgreich, nur diejenigen, bei denen die Moleküle mit soviel Energie aufeinander zufliegen, dass sie bis 3 kommen.
Der Energieabstand 1 – 3 wird Aktivierungsenergie EA genannt.
Die Theorie ergibt:
Der Anteil der Stöße mit höherer Energie als EA ist: e
− E A / RT
Hierbei sind R = 8,314 J/K mol eine Konstante mit passender Dimension und T dieTemperatur in K (Kelvin = Celsiustemperatur + 273,15). Einsichtig ist, dass
r ~ Stoßzahl ·
e − E A / RT
r ~ pNO · pO3 · e
− E A / RT
und
. Zusammengefasst:
r = k∞ · pNO · pO3 · e
− E A / RT
k
Die Temperaturabhängigkeit derGeschwindigkeitskonstante ist daher gegeben durch
k = k∞ ·
e − E A / RT
T → ∞ → k → k∞ (Arrhenius-Gleichung)
100
Nachweis: Auftragung ln k = ln k∞ – EA/RT ergibt Gerade
(Arrhenius-Diagramm, d.h. man kann daraus den „Aktivierungsberg“ bestimmen).
((Beispiele
für
monomolekulare
Reaktion:
Stilben-
Isonerisierung, Cyclopropan wird zu Propen))
Die Temperaturabhängigkeit von k ist i.a. beträchtlich: Faustregel: 10 °C T-Erhöhung ändert k
um den Faktor 2! Reaktion können deshalb „durchgehen“: Reaktion zumeist exotherm → TErhöhung → schnellere Wärmeproduktion → noch höhere T usw. Dies stellt ein schwieriges
verfahrenstechnisches Problem bei der Beherrschung der Temperaturen in großen Reaktionsvolumina dar. Erinnerung an 2Al + 2NaOH 6H2O → 2Na[Al[OH)4] + 3 H2 (geht meistens
durch).
Zu dieser starken Abhängigkeit ein Experiment (Animation auf homepage Wolff):
Reduktion von Fe3 mit Thiosulfat S2O32–
(SO42– mit 1 O → S)
Reaktionsgleichung
+3
+4
3+
2–
2 Fe + 2 S2O3 → 2 Fe2+ +
braun
+2
+2,5
S4O62–
farblos schwach grün
farblos
-
läuft über tief gefärbte Komplexe (Reaktionsmechanismus - Zwischenprodukte sichtbar)
-
vorführen: 20:40:60 °C
+3
Fe + 1 e1– →
vielleicht wie k1:k1 = 1:10
+2
Fe
|·2
+4
+2,5
2 S2O32– → S4O62– + 2 e–
6.7 Katalyse
Zu Beginn ein Experiment:
H2O2 vorlegen, MnO2 dazu → O2 entweicht, Nachweis mit glimmendem Filterpapier
Quantitativ untersuchen:
2 H2O2 → O2 + 2 H2O, d.h. kein MnO2-Verbrauch
MnO2 nimmt – von der Reaktionsgleichung her gesehen – nicht an der Reaktion teil (heterogene Katalyse).
Das ist Katalyse: Erhöhung der Reaktionsgeschwindigkeit ohne an der Reaktionsgleichung
beteiligt zu sein.
101
Homogene Katalyse / heterogene Katalyse
Reaktionsmechanismus?
-
hier kompliziert
-
einfacher bei früher diskutiertem Beispiel
SO2 + ½ O2 → SO3
Aktivierungsenergie EA0 zu groß, geht praktisch nicht.
Geht aber in Gegenwart von V2O5 gut
SO2 + V2O5 → SO3 + V2O4
Zu diesem Schritt Aktivierungsenergie EA1
V2O4 + ½ O2 → V2O5
Zu diesem Schritt Aktivierungsenergie EA2
Σ: SO2 + ½ O2 → SO3
V2O5 ist nur der Sauerstoffüberträger.
Katalyse liegt vor, wenn EA0 > EA1 + EA2; falls umgekehrt: Inhibierung, d.h. Verlangsamung
einer Reaktion = negative Katalyse.
Tritt oft bei Katalyse auf durch „Vergiftung“ des Katalysators.
KI
z.B. H2O2 → H2O + ½ O2
(homogene Katalyse)
-
in Gegenwart von Phosphorsäure passiert nichts
-
Phosphorsäure wirkt als Inhibitor
-
Wirkung der Phosphorsäure? braune Farbe? = I2
–
+
H+
H2O2 + 2 I + 2 H → I2 + 2 H2O
d.h. in neutraler Lösung wirkt das Iodid als Katalysator für die H2O2-Zersetzung, in
saurer Lösung wird es selbst zu I2 oxidiert.
Eine geeignete Katalyse ermöglicht die Optimierung der Führung chemischer Verfahren in
vielerlei Hinsicht:
Effekte
Vorteile
Beschleunigung von Reaktionen durch Herabsetzung Zeitgewinn
der Aktivierungsenergie
oder Durchführung von Reaktionen bei niedrigerer Energieeinsparung
Temperatur
Steuerung von Reaktionen: Es wird bei mehreren Minimierung von Trennproblemen,
Möglichkeiten die gewünschte Reaktion katalysiert, bessere Ausnutzung der eingesetzten
dadurch wird die Bildung von Nebenprodukten unter- Chemikalien,
drückt
vermindertes Entsorgungsproblem
101
7. Thermodynamik
7.1 Gleichgewichtsreaktion und Massenwirkungsgesetz
Wieder H2 + I2 → 2 HI (Hinreaktion)
-
geht so1 bei 500 K
-
ab etwa 700 K zerfällt HI wieder
2 HI → H2 + I2 (Rückreaktion)
Es laufen dann Hin- und Rückreaktion gleichzeitig ab. In eine Gleichung geschrieben:
H2 + I2 ⇌ 2 HI (Gleichgewichtsreaktion)
Ausgehend von H2 + I2 → Bildung von HI → zerfällt wieder in H2 + I2
d.h. Reaktion läuft nicht zu Ende
Darstellung in 2 Diagrammen
→ identischer Grenzwert, d.h.
Gleichgewichtsdruck
Gleichgewichtszustand: soviel H2, I2 und HI, dass Hin- und Rückreaktion in der Geschwindigkeit übereinstimmen und die experimentell beobachtbare Reaktionsgeschwindigkeit 0
wird. Daher: Gleichgewicht, Gleichgewichtsreaktion.
Laufender Zerfall und Bildung, makroskopisch ist nichts zu sehen „Dynamisches Gleichgewicht“ (ist aber fast immer so), etwas genauer:
r1 = k1 p(H2) · p(I2)
r2 = k2 p(HI) · p(HI) = k2 p2(HI)
im Gleichgewicht: r1 = r2 und die pi sind Gleichgewichtsdrücke, also feste Werte
k1 p(H2) · p(I2) = k2 p2(HI)
2
pHI
k
= 1 =K
pH 2 pI2 k 2
1
für die Reaktion H2 + I2 ⇌ 2 HI
Kinetik soll nach neueren Untersuchungen über Zwischenstufen verlaufen, die hier nicht betrachtet werden
102
Gleichung heißt Massenwirkungsgesetz, MWG; K ist die Gleichgewichtskonstante, die nur
von der Temperatur abhängt.
Aufstellen des MWG: Drücke (Konzentrationen, etc.) der Produkte im Zähler multiplizieren,
Drücke der Edukte im Nenner multiplizieren; stöchiometrische Koeffizienten als Potenz.
Wie arbeitet das MWG?
z.B. zu Anfang kein pHI, nur pH2 + pI2 → Bildung von HI bis Gleichgewicht erreicht ist, d.h.
MWG gilt erst nach Gleichgewichtseinstellung. In jeder Probe, die H2, I2 und HI enthält, ändern sich die Drücke so lange, bis MWG bei dieser Temperatur erfüllt ist.
Beispiele
Für obige Reaktion gilt K = 54,8 bei 425 °C
1) In einem Gleichgewicht liegen 1000 Pa H2 und 1000 Pa I2 vor – Gleichgewichtsdruck HI?
Definition: Pa = N2 (früher Atmosphäre: Druck, den eine Hg-Säule von 760 mm Länge bei 0
m
°C auf die Unterlage ausübt); 1 atm = 101 300 Pa; 105 Pa = 1 bar, d.h. 1 atm = 1,013 bar = 760
Torr. Für Vergleiche: Normaldruck oder Standarddruck 1 bar
2
p HI
Lösung:
= 54,8
p HI = 54,8·1000·1000 = 7400 Pa
1000·1000
2) In ein Gefäß werden pH20 = 1000 Pa H2 und pI20 = 1000 Pa I2 bei 425 °C eingelassen. Welcher Gleichgewichtsdruck stellt sich ein?
pH2 = pH20 – ½ pHI
pI2 = pI20 – ½ pHI
(p
0
H2
2
pHI
= 54,8
− 1 / 2 pHI )( pI02 − 1 / 2 pHI )
Auch ohne 0pH2 = 0pI2 = 1000 Pa
(p
(p
2
pHI
= 54,8
0
H2
− 1 / 2 pHI )
0
H2
p HI
= 7,40
− 1 / 2 p HI )
2
pHI = 7,40 pH20 – 3,70 pHI
p HI =
7,40 p H0 2
4,70
= 1574 Pa
pH2= pH20 – 1/2 pHI = 213 = pI2
103
komplizierter für den Fall 0pH2 ≠ 0pI2
–
bisher nur exemplarisch → jetzt allgemein:
vAA + vBB + ... ⇌ vMM + vNN + ...
pMvM · pNvN ...
K = vA vB
pA · pB ...
Ableitung?
-
kinetische Ableitung wie hier beim HI-Beispiel, Schwierigkeiten damit (kein
Beweis, Dimension)
-
thermodynamische Ableitung (MWG folgt direkt aus Hauptsätzen der Thermodynamik), siehe Lehrbücher
Weitere Beispiele
Haber-Bosch-Verfahren
3 H2 + N2 ⇌ 2 NH3
Katalysator, Wirkung des Katalysators auf Gleichgewichtslage
K=
2
pNH
3
pH3 2 · pN 2
Druckerhöhung → bessere Ausbeute / kurz zur Technik
Was ergibt Druckerhöhung bei H2 + I2 → 2 HI?
Problem: K ist hier mit einer Einheit zu versehen (1/Pa2). Diese ist ein Folge der gegebenen
kinetischen Ableitung. Da K häufig in logarithmischen Ausdrücken auftaucht, ist es zweckmäßig, die Gleichgewichtskonstante dimensionslos zu machen, indem jeder Druck (Konzentrationen, etc.) auf einen Standardwert der betreffendenden Einheit bezogen wird (1 mol/l, 1
Pa, 1 bar usw.) oder indem die Konzentration als Mengenanteil angegeben wird.
Deacon-Verfahren
4 HCl + O2 ⇌ 2 H2O + 2 Cl2
104
K=
pH2 2O · pCl2 2
4
pHCl
· pO2
Einheit von K?
Massenwirkungsgesetz für kondensierte Phasen (Lösungen)?
→ für die allgemeine Gleichung werden jetzt Konzentrationen eingesetzt (sind genau wie
Drücke proportional zur Stoffmenge bzw. Teilchenzahl, daher sind die Verhältnisse gleich
und es ergeben sich die gleichen Konstanten2)
cMvM ·cNvN ...
K = vA vB
cA ·cB ...
vAA + vBB + ... ⇌ vMM + vNN + ...
d.h. ganz analoge Gleichung
Beispiel in wässriger Lösung: Dissoziation der Essigsäure
Essigsäure = schwache Säure – was heißt das eigentlich?
Eine schwache Säure ist eine Säure, die in wässriger Lösung schwach dissoziiert.
CH3COOH ⇌CH3COO– + H+
(H+ ist hydratisiert)
HAc ⇌ Ac– + H+
(in Kurzform)
(Acetat)
K=
cH + ·cAc −
cHAc ⋅ c Θ
cΘ: Standardkonzentration 1 mol/l, hohe Konzentration verschiebt nach links
Beispiel K = 1·10−5 für Essigsäure
3 Fälle
1) Einwaagekonzentration cHac0 = 10–7 mol/l, d.h. stark verdünnt
probieren, Annahme: fast alles (99 %) dissoziiert
10
−5
10 −7 ·10 −7
=
10 − 9 ⋅ 1
(10 −7 − 10 −9 )·(10 −7 − 10 −9 )
≈ 10 −5
genau:
−9
10 ⋅ 1
Annahme richtig, der Rest HAc mit 10–9 mol/l ist wenig (1 %) im Vergleich zu 10–7 mol/l,
genau steht dort 10–7 – 10–9
2
Anders bei Umrechnung von Drücken in Konzentrationen in der Gasüphase, dort c = n/v = p/RT, also ggf.
(RT)x-Multiplikanden
105
cH+ = cAc– = 10–7 mol/l; cHAc = 10–9 mol/l
2) cHAc0 = 2 · 10–5 mol/l
Annahme: Hälfte ist dissoziiert
10 −5 =
10 −5 ·10 −5
10 −5 ⋅ 1
Annahme stimmt: cH+ = cAc– = cHAc = 10–5 mol/l
3) cHAc0 = 100 mol/l
Gültigkeit des MWG? – Annahme: es gilt noch
Annahme: sehr wenig dissoziiert:
10 −5 =
10 −2,5 ·10 −2 ,5
10 0 ⋅ 1
Annahme stimmt: cAc– = cH+ = 10–2,5 mol/l ; cHAc = 100 mol/l
Folgerung: wie beim Druck in der Gasphase – Verdünnung begünstigt die Seite, auf der mehr
Teilchen stehen.
7.2. Temperaturabhängigkeit der Gleichgewichtslage
k ist stark T-abhängig. Erwartung: auch K wird T-abhängig sein.
Beispiel: A + B ⇌ C + D
Gasreaktion
(wegen der Verwendung der Drücke)
Energie (∆Rg), die bei der
Reaktion frei wird
Annahmen:
r1 = k1 · p A · p B ;
p C · p D k1
=
=K
pA · pB k 2
k∞1 e − EA1 / RT
=
=K
− E / RT
k∞ 2 e A2
r2 = k 2 · pC · p D
106
∆E
=
A
k ∞1 ( E A2 − EA1 / RT )
e
= K = K ∞ e RT
k∞ 2
Nun ist EA2 – EA1 hier im Beispiel positiv → wenn T steigt, wird K kleiner.
Satz: Bei exergonischen Reaktionen (∆Rg negativ, bezogen auf die Hinreaktion) wird das
Gleichgewicht mit steigender Temperatur nach links verschoben.
endergonischen: umgekehrt
1. Experiment dazu: NO2-Ampulle in Eis + Heizung / Diskussion
→ exotherm
2 NO2 (braun) ⇌ N2O4 (farblos)
2. Experiment: komplizierter, aber viele Effekte:
Reaktion H2 + S ⇌ H2S
bei tiefen T:
H 2 + S → H 2S
bei hohen T:
H 2 + S ← H 2S
Knallgasprobe
exotherm, aber sehr langsam
Nachweis des H2S: Zerfall über 2. Brenner
Abschrecken: → S-Film
7.3 Prinzip vom kleinsten Zwang
-
Numerische Aussagen – qualitative Aussagen → oft wichtig
-
3 Effekte bisher bei chemischen Gleichgewichten:
1) T-Effekt – exotherm → T-Erhöhung schiebt nach links
2) Druck-Effekt – Molekülzahl rechts höher als links → p-Erhöhung schiebt nach
links
3) Gleichionischer Zusatz – Zusatz einer Komponente schiebt Gleichgewicht auf andere Seite
Zusammenfassung:
Prinzip vom kleinsten Zwang – auch Prinzip von Le Chatelier.
Ein System reagiert auf einen äußeren Zwang so, dass es den Zwang zu vermindern sucht.
1) exotherme Reaktion – Zwang: T-Erhöhung
107
Gleichgewicht wird sich so verschieben, dass Wärme verbraucht wird, d.h. endotherme Reaktion abläuft, d.h. nach links.
2) Molekülzahl rechts höher als links – Zwang: p-Erhöhung
Gleichgewicht wird sich so verschieben, dass Moleküle verschwinden, d.h. die Gleichgewichtslage verschiebt sich nach links.
3) Zwang: c-Erhöhung einer Komponente
Gleichgewicht verschiebt sich auf die andere Seite, um Konzentration zu vermindern
Keine Beschränkung auf Gleichgewichte dieses Typs:
4) Ein bislang nicht behandeltes Phänomen – Wasser ist dichter als Eis.
Wie ändert sich der Schmelzpunkt bei p-Erhöhung?
Zwang: p-Erhöhung
Reaktion (!) wird so ablaufen, dass sich v vermindert, d.h. es entsteht Wasser. Schmelzpunkt
muss also offensichtlich tiefer liegen → Prinzip des Schlittschuhlaufs.
Sehr allgemeines Prinzip in der Naturwissenschaft – ganz wenige Ausnahmen, die sich bei
schärferer Fassung beseitigen lassen.
7.4 Löslichkeitsprodukt
verschiedene Phasen: Lösung und Feststoff
Beispiel 1:
ABfest↓ ⇌
ABgelöst
⇌ A+ + B–
Bodenkörper
K=
c A + ·c B−
c ABgelöst
cABgelöst ist konstant, wenn die Lösung in Kontakt mit Bodenkörper steht (und nur dann!), so
dass man schreiben kann
K · cABgelöst = L1 = cA+ · cB–
108
mol 2
L1 = Löslichkeitsprodukt; [ L1 ] = 2
l
Nötigenfalls kann die Einheit wieder durch Bezug auf Standardwerte beseitigt werden.
Beispiel 2
2 A+ + B2– ⇌ A2Bgelöst ⇌ A2Bfest
2
A+
L2 = c ·c B−
mol 3
l3
mol3
[ L2 ] = 3
l
;
Berechnung der Konzentrationen im Gleichgewicht mit einem Bodensatz (gesättigte Lösung)
Beispiel 1:
cB– = cA+
cA2 + = L1 ; cA+ = L1
Beispiel 2:
cB– = ½ cA+
½ cA3 + = L2
; cA + = 3 2 L
7.5 Thermochemie
ggf. Kalorimeter-Experiment starten
Teilgebiet der Thermodynamik
statistisch
phänomenologisch
Eigenschaften der
Aus der Erfahrung: 3-4 Hauptsätze,
Moleküle: Quantenmechanik
daraus Rest mit strenger Ableitung
Viele Moleküle: Statistik
zu kompliziert
→ hier im Wesentlichen nur Thermochemie
7.5.1 Einige Begriffe
a) Temperatur: Definition sehr schwer / ursprünglich:
109
menschliches Unterscheidungsvermögen warm – kalt, dann Messverfahren / Fixpunkte
→ Physik
später: T ~ Energieinhalt eines Systems, z.B. Summe der kinetischen Energien der
Teilchen eines 1-atomigen Gases
b) Wärme: T-Erhöhung durch verschiedene Arten der Zufuhr von Wärme
1) Wärmezufuhr durch Kontakt mit wärmerem Körper
2) Mechanische Arbeit an dem Körper leisten
3) Elektrische Energie dem Körper zuführen
Wärme, mechanische Arbeit und elektrische Energie sind besondere Erscheinungsformen der
Energie. Sie lassen sich (ganz oder teilweise) ineinander umwandeln und werden in Einheiten
gemessen, deren Zahlenwerte gleich sind: 1 Nm = 1 J = 1 Ws
7.5.2 Messverfahren für Wärmemengen
Kalorimeter
Experiment: NaOH + H2SO4
Reaktion hier: OH– + H+ → H2O
(1 mol NaOH + ½ mol H2SO4)
Es gilt q ~ ∆T (q = Wärmemenge)
q = K · ∆T
Woher K?
Hier Abschätzung: ≈ 2,5 l H2O (+ Glas)
1 g H2O (flüssig) nimmt 4,18 J/K auf (Wärmekapazität des Wassers, früher = 1 cal)
2,5 l H2O nehmen 2500 · 4,18 J/K auf
K=
q
= 2500 · 4,18 J/K
∆T
Experiment: ∆T = 5,9 °C
q = 2500 · 4,18 J/K·5,9 K = 61,7 kJ/mol
∆T = 5,9 °C
Berechnung: 1 mol NaOH + ½ mol H2SO4
OH– + H+ → H2O
110
jeweils 1 mol → ergibt xJ → theoretischer Wert 55,9 kJ
Vernachlässigt: Wärmeaufnahme der Glaswand, Lösungswärme, Rührarbeit
Genaueres Verfahren für K
Einbau einer elektrischen Heizvorrichtung
Q=U·I·t
t = Zeit
Q = K ·∆T
K=
U ·I ·t
∆T
T = Temperatur
gleich in Ws ≡ J!
Unterscheidung: endotherm / exotherm
Wärme, die das System abgibt:
wird negativ gewertet
Wärme, die das System aufnimmt: wird positiv gewertet
d.h.
exotherme Reaktionen haben eine negative Reaktionswärme
endotherme Reaktionen haben eine positive Reaktionswärme
früher OH– + H+ → H2O + 55,9 kJ. Das ist heute ganz schlecht → heute mit Vorzeichen und
nicht an die Reaktionsgleichung schreiben – Buchhalter für das System
Auf welche Menge beziehen wir nun die Reaktionswärme?
Relativ gut ist der Bezug auf 1 mol.
z.B. für obige Gleichung
Einheit J · mol–1 oder kJ · mol–1
In allen Fällen ist der Bezug auf 1 mol aber nicht gut.
BaCl2 + 2 AgNO3 → 2 AgCl + Ba(NO3)2 in Wasser; Bezug auf 1 mol BaCl2 oder 1 mol
AgNO3? → daher Einführung des Formelumsatzes
Unter einem Formelumsatz bei der Reaktion vAA + vBB +... → ....
versteht man die Reaktion von vA mol A mit vB mol B zu den Produkten.
Reaktionswärme: die Wärmemenge, die pro Formelumsatz aufgenommen (+) oder abgegeben
(–) wird.
Noch eine Schwierigkeit: die Reaktionswärme hängt noch von den Versuchsbedingungen ab.
z.B. eine Reaktion A → B + C in der Gasphase kann bei konstantem Volumen oder bei konstantem Druck durchgeführt werden.
111
1) v = const.
2) p = const.
Im 2. Fall ist die umgesetzte Wärme größer, da (Volumen-)Arbeit geleistet wird (Argumentation über den obigen 2 Stufen-Prozess).
Man muss also 2 Wärmen unterscheiden: qv und qp – haben auch Namen bekommen:
Reaktionsenergie (bei v = const.): ∆u = qv
Reaktionsenthalpie (bei p = const.): ∆h = qp (wichtigerer Fall).
Einheiten wie q
Wiederholung
Vorzeichen: – bei exotherm / + bei endotherm
Bezugsmenge: auf 1 mol oder 1 Formelumsatz3
äußere Bedingungen: p = const. → Reaktionsenthalpie ∆H
v = const. → Reaktionsenergie ∆U (in J/mol oder J/FU)
d.h. H+ + OH– → H2O , ∆H = –56 kJ/mol
(nicht: H+ + OH– → H2O ± 58 kJ)
7.5.3 Reaktionsenthalpie ∆RH
Wozu nun das Ganze?
Kenntnis der Reaktionswärme ist für den Chemiker im Labor und insbesondere für den Verfahrenstechniker in der Industrie wichtig, um Reaktionsgefäße und –apparaturen richtig auszulegen. Ein mögliches Verfahren:
Reaktionswärme aller Reaktionen messen – viel Arbeit, schlecht darstellbar, geht auch teilweise nicht!
3
Kleinbuchstaben (h, u, q) symbolisieren extensive Größen, die von der Masse des Systems abhängen; Großbuchstaben (H, U, Q) stehen für intensive Größen, die auf die Masse (Stoffmenge, FU, o.ä.) bezogen sind und
deshalb nicht mehr davon abhängen
112
z.B. 2 Cfest + O2 → 2 CO
führt immer zu Gemisch CO + CO2, d.h. man kann die Reakti-
onswärme nicht im Kalorimeter messen. Wie ermittelt man in solchen Fällen die Reaktionswärme?
Bei allen untersuchten Reaktionen zeigte sich, dass die gesamte Reaktionswärme
sich nicht unterscheidet, wenn die Reaktion über I oder II läuft. Das sagt der Heßsche Satz aus
(Spezialfall des 1. Hautsatzes der Thermodynamik).
Die Reaktionswärme (-energie ∆u, -enthalpie ∆h) einer chemischen Reaktion ist unabhängig
vom Weg, auf dem die Reaktion durchgeführt wird (u und h sind sog. Zustandsgrößen).
Steckt ein tieferer Sinn dahinter? → Antwort aus der phänomenologischen Thermodynamik.
Annahme qII < qI ; I sei umkehrbar und beides sei exotherm: Dann könnte man nach
q = qII – qI < 0 bei jedem Zyklus Energie gewinnen → perpetuum mobile 1. Art
(geht natürlich nicht. Wenn Sie ein solches System finden, ist Ihnen der Nobelpreis im nächsten Jahr sicher.)
Anwendung auf voriges Beispiel:
2 Cfest + O2
Cfest + O2
2CO + O2
1

→
2

→
∆RH1 = ?
2 CO
CO2
3

→
2 CO2
Weg I 2 Cfest + 2 O2 → 2 CO2
bekannt
∆RH2 = –393,5 kJ/mol
bekannt
∆RH3 = –565,3 kJ/F.U.
2∆RH2
2 Cfest + O2 → 2 CO
∆RH1
∆RH1 + ∆RH3
Weg II
2 CO + O2 → 2 CO2
Σ Weg II
∆RH3
2 C + 2 O2 → 2 CO2
∆RH1 + ∆RH3 = 2 ∆RH2
∆RH1 = 2 ∆RH2 – ∆RH3 = 2 (–393,5) –(–565,3) = –221,7 kJ/FU
Dieses Verfahren ist ein Beispiel für ein ganz allgemein gültiges Verfahren, die Reaktionsenthalpien (oder -energien) aus Verbrennungsenthalpien (oder -energien) zu bestimmen. Werte sind vielfach tabelliert oder leicht zu bestimmen
113
Bildungsenthalpien ∆BH (für Bildung von Verbindungen aus Elementen)
Noch viel einfacher wäre es, wenn die Reaktionsenthalpien bekannt wären, die bei der Bildung der entsprechenden Verbindungen aus den Elementen auftreten, z.B.:
Cfest + 2H2 → CH4
∆ R H = ∆ B H CH 4
Chemisch so natürlich nicht ohne weiteres möglich, aber ∆BH kann aus Verbrennungsenthalpien berechnet werden:
Cfest + O2 → CO2
∆RH1 = –393,5 kJ/mol
2 H2 + O2 → 2 H2Ofl.
∆RH2 = –571,6 kJ/FU
(2)
CH4 + 2 O2 → CO2 + 2 H2Ofl.
∆RH3 = –885,5 kJ/FU
(3)
(1)
Jetzt müssen wir uns die beiden Wege ausdenken:
∆ B H CH 4 = ∆RH1 + ∆RH2 –∆RH3 = [–393,5–571,6
+885,5 = -79,6] kJ/mol
Genau solche Werte sind nun in Nachschlagswerken erfasst unter sog. StandardBedingungen: 25 °C, 1 bar, 1 mol der stabilen Verbindung (z.B. H2O flüssig), Elemente in der
unter den Bedingungen stabilen Form (z.B. H2, nicht H)
→ Name: Bildungsenthalpien ∆BH
Damit kann man nun sehr einfach Reaktionsenthalpien berechnen. Reaktion
(unten stehen links und rechts die gleichen Elemente → Reaktionsgleichung!)
vA ∆ B H A für vA mol von A usw.
114
→∆RH = vC ∆ B H C + vD ∆ B H D − vA ∆ B H A − v B ∆ B H B
oder ∆ R H = ∑ vi ∆ B H i
mit Vorzeichen!
Beispiel
Fe2O3 + 3 CO → 2 Fe + 3 CO2 (eine der Hochofenreaktionen)
–822,5
–110,5
0
–393,5
kJ/mol
Element ∆BH = 0!
∆RH = –3 · 393,5–(–822,5–3 · 110,5) = –26,5 kJ
Bisheriges Ziel erreicht:
Bildungsenthalpien – zumeist aus Verbrennungsenthalpien bestimmt – sind in Nachschlagswerken erfasst → daraus ist die Berechnung von Reaktionsenthalpien möglich.
7.5.4 Triebkraft von Reaktionen
Das bisher Gesagte lässt vermuten, dass für eine Reaktion umso mehr Triebkraft vorhanden
ist, je exothermer sie bzw. je negativer ∆RH ist. Es gibt jedoch wie oben erwähnt auch Reaktionen, bei welchen es in der Umgebung kälter wird, die also Wärmeenergie verbrauchen und
trotzdem spontan und freiwillig ablaufen (siehe oben). Vor allem Reaktionen, bei denen große
Mengen gasförmiger Produkte aus Flüssigkeiten oder Festkörpern entstehen, laufen auch dann
spontan ab, wenn offensichtlich Energie der Umgebung entzogen wird, wie an einer entsprechenden Abkühlung dieser Umgebung zu erkennen ist. Ein schon bekanntes Beispiel hierfür:
6 SOCl2 (flüssig) + CoCl2·6H2O (fest) → 12 HCl (gasf.) + 6 SO2 (gasf.) + CoCl2 (fest)
ein weiteres Beispiel ist das Verfahren zur Herstellung von Fluorwasserstoff HF aus dem Mineral Flussspat CaF2:
CaF2 (fest)+ H2SO4 (fl.)→ 2 HF (gas) + CaSO4 (fest)
Offenbar gibt es sowohl exotherme Reaktionen, bei denen Wärme frei wird, als auch endotherme, bei denen Wärme verbraucht wird. Es stellt sich deshalb die Frage nach der Triebkraft
von solchen Reaktionen, die nicht mit dem Freiwerden von Wärme einhergehen. Offensichtlich wird beim Übergang vom Feststoff zur Flüssigkeit und weiter zum Gas die Unordnung
vermehrt. Betrachtet man die oben genannten endothermen Reaktion daraufhin, so stellt man
eine solche Vermehrung der Unordnung fest. Diese kommt daher neben dem Freiwerden von
Wärme als Triebkraft für eine chemische Reaktion in Betracht.
Ein Maß für die Unordnung ist die Entropie s, die mit der Unordnung ansteigt. Sie wird i.a. in
J/K angegeben (bzw. die molare Entropie S in J mol–1K–1 ). Ein starres Festkörpergitter bei 0
K hat die Entropie 0.
115
Die folgende Tabelle gibt molare Standard-Entropien S⊝ für einige Substanzen an. Ein Standardzustand liegt in der Thermodynamik bei p = 1 bar vor4 und wird meist für T = 298 K und n
= 1 mol für die unter diesen Bedingungen stabile Modifikation (reine Phase) tabelliert.
Substanz
S⊝/J mol–1 K–1
H2O
(gasf.)
189,1
H2O
(fl)
70,1
C
CO2
CO
O2
CaCO3
CaO
H2
5,7
214,1
198,1
206,3
92,9
39,8
130,7
Beide Komponenten der Triebkraft lassen sich zu der Größe „freie (Reaktions-)Enthalpie“
∆RG⊝ zusammenfassen (Gibbs-Energie, englisch: free energy)
∆RG⊝ = ∆RH⊝ – T ∆RS⊝,
die mit zweimaliger Hilfe des Heßschen Satzes aus Enthalpie- und Entropiedaten zu berechnen ist. Ist ∆RG⊝ negativ5, so läuft die Reaktion spontan ab. Die Gleichung gilt für konstanten
Druck (z.B. Atmosphärendruck) und konstante Temperatur (z.B. Siedetemperatur eines Reaktionsgemisches). Bei anderen äußeren Bedingungen kann einfacher mit anderen Zustandsfunktionen gerechnet werden: [∆H für p und S konstant; ∆F für V und T konstant (sog. Helmholtz-Energie); ∆U für V und S konstant; vgl. Lehrbücher].
Beispiel
CaF2 + H2SO4 → 2 HF + CaSO4
Aus Tabellen: ∆BH⊝(CaF2) = -1228,0 kJ/mol; ∆BH⊝(H2SO4) = -814,0 kJ/mol;
∆BH⊝(HF) = -273,3 kJ/mol; ∆BH⊝(CaSO4) = -1434,5 kJ/mol
∆BS⊝(CaF2) = 68,5 J/mol K; ∆BS⊝(H2SO4) = 156,9 J/mol K; ∆BS⊝(HF) = 173,8 J/mol K;
∆BS⊝(CaSO4) = 106,5J/mol K
∆RH⊝ = [(2 — -273,3 – 1434,5) – (-1228,0 –814,0) = 60,9] kJ/mol
∆RS⊝ = [(2 · 173,8 + 106,5) – (68,5 + 156,9) = 227,7] J/mol K
∆RG⊝ = ∆RH⊝ – T ∆RS⊝ = (60,9 – 298 · 0,2277 = -6,95) kJ/mol
läuft freiwillig ab trotz Wärmeverbrauch in ∆RH⊝.
4
In Lehrbüchern wird manchmal p⊝ = 1 atm = 1,013 bar gesetzt, was zu kleinen Abweichungen in Tabellenwerten
führt.
5
In manchen Lehrbüchern findet man die Größe Affinität AR⊝ = –∆RG⊝, im allgemeinen als intensive Größe.
116
Bezug zu Gleichgewichtskonstanten K (im Gleichgewicht gibt es keine Triebkraft mehr):
∆RG⊝ = - RT ln K
8. Elektrochemie
Hier nur als Hilfswissenschaft für wässrige Lösungen.
8.1 Elektrolyse, elektrische Leitfähigkeit
Gedankenexperiment:
wässrige CuCl2-Lösung → Dissoziation in
Ionen, Ionen wandern im elektrischen
Feld, Wanderungsgeschwindigkeit sehr langsam (Größenordnung 10-4 bis 10-3 m/s bei Feldstärke 10000 V/m). Schließlich
kommen die Anionen an die Anode und umgedreht. Dort finden Entladungsvorgänge statt:
Cu2+ + 2 e → Cu
Kupfer wird niedergeschlagen,
Cl– → ½ Cl2 + 1 e
Chlorgas entweicht.
Die spezifische Leitfähigkeit κ ist gegeben als Kehrwert des spezifischen Widerstands ρ:
κ = 1 / ρ = l / (RF) = lI / (FU)
(R: Ohmscher Widerstand, F: Elektrodenfläche, I: Stromstärke, l: Elektrodenabstand)
Die Leitfähigkeit ist um so größer, je kleiner die wandernden Ionen (effektiver Radius) und je
geringer die Viskosität des Lösemittels ist. Dazu kommt eine Konzentrationsabhängigkeit, die
folgendes Diagramm der molaren Leitfähigkeit κ/c als
Funktion von c illustriert:
Die Interpretation dieses Effekts bei starken und schwachen Elektrolyten
-
führte zu großen Kontroversen in der Literatur bis etwa 1920
-
Frage: MWG oder anderer Effekt
-
Lösung von Debye und Hückel: Debye-Hückelsche Theorie
117
-
Betrifft alle Phänomene mit Ionen: Leitfähigkeit, Gefrierpunktserniedrigung
Die Lösung kann vielleicht in Analogie zu Gasphaseneffekten verstanden werden.
ideales Verhalten: keine Kräfte
nicht ideales Verhalten. Wechselwirkungen
Jetzt kommen aber Ionen mit Coulomb-Kräften ins Spiel: Diese fallen mit r–2 ab, alle anderen
Kräfte viel steiler: r–4 bis r–6
-
Konzentration und Abstand, Kräfte
-
ideales Gas
-
ideal verdünnte Ionenlösung → verdünnte/konzentrierte Lösung
→ reales Gas
Debye-Hückel-Theorie
In allen Gesetzen c durch a = fc ersetzen; a = Aktivität, f = Aktivitätskoeffizient (DebyeHückel-Theorie). f = 1 für c → 0;
f ≠ 1 für c ≠ 0, und zwar größer oder (meistens) kleiner 0.
Thermodnamisch sauber: a dimensionslos6, d.h. Dimension von f hier: [f] = l/mol.
8.2 EMK
EMK = Elektromotorische Kraft (nicht gut gewählt) = Spannung einer Zelle wie der nebenstehenden ohne Stromfluss
(Voltmeter trennt; gestrichelte Linie: teildurchlässige Wand,
lässt Ladungsausgleich zu, verhindert Durchmischung)
Zellreaktion, d.h. Reaktion, die ablaufen möchte, aber
wegen Unterbrechung der elektrischen Verbindung
(hochohmiges Messgerät) nicht ablaufen kann:
Zn + Cu2+ → Zn2+ + Cu
Anderes Beispiel:
Ni + 2Ag+ → Ni2+ + 2Ag
Allgemein:
v2Me1 + v1Me2v2+ → v2Me1v1+ + v1Me2
Theorie zeigt
v
RT c1 2
EMK = ∆E0 −
ln
zFF c2 v1
Abhängigkeit
Nernst-Gleichung
c-Abhängigkeit (Abscheidungs-/Auflösungs-Tendenz)
von Art der Metalle
6
in Lehrbüchern oft (und thermodynamisch falsch) [a] = mol/l, dann f dimensionslos
118
ci = Konzentration der beteiligten Ionen (besser Aktivitäten ai, s.o.)
vi = stöchiometrische Koeffizienten der zugehörigen Zell-Reaktionsgleichung
n = Zahl der übergehenden Elektronen
FF = 96 485 C = 96485 As, Ladung eines Mols Elektronen (Elementarladungen), FaradayKonstante
E0 = EMK, wenn alle ai = 1 (Normal- oder Standard-Potenzial aus tabellierter “Spannungsreihe“, s.u.)
Der ln c (ln a) Term wird größer mit c (oder a) wegen Abscheidungs-/Auflösungstendenz.
EMK entspricht der Triebkraft einer elektrochemischen Reaktion.
EMK = − ∆ R G ⋅
1
1
=
⋅ ( ∆ R H − T∆ R S )
zFF zFF
Im allgemeinen bringt der Term mit ln nicht viel, wichtiger ist der Term mit E0 – hängt von
der Art der Metalle (beider!) – ab.
E0 kann man messen, aber nicht als Absolutwert sondern immer nur Differenzen, daher willkürliche Festlegung: Alle Werte in der „Spannungsreihe“ werden auf die NormalwasserstoffElektrode bezogen (Platin-Elektrode, umspült von H2-Gas bei 1 bar), die damit die Halbzellenspannung 0 bekommt.
Jetzt Messung der anderen Elemente gegen die Normalwasserstoffelektrode (bei Standardbedingungen: p = 1 bar, T = 298 K) bei gleichen Aktivitäten links und rechts
unedel
Metall
Eu / V
Li/Li+
–3,0
Na/Na+
–2,7
Mg/Mg2+
–2,4
Zn/Zn2+
–0,76
Fe/Fe2+
–0,44
H2/H+
0 (willkürlich)
Cu/Cu
edel
2+
+0,34
Fe2+/Fe3+/Pt
+0,782
Ag/Ag+
+0,798
Au/Au3+
+1,42
119
Diese beiden Halbzellen (Cu/Cu2+ und Zn/Zn2+) gegeneinander :
∆E0 = 0,34 – (–0,76) = 1,1 V
Als Folge der Spannungsreihe löst sich ein Zn-Stab in Kupferlösung auf → Zn2+ + Cu↓
d.h. das edle Element scheidet sich ab, das unedle wird aufgelöst. Weitere Konsequenz z.B.
Korrosion von unedlen Metallen in Gegenwart von Wasser bzw. Sauerstoff.
Rezept zum Aufstellen der Nernstschen Gleichung7:
-
Reaktionsgleichung: hinschreiben entsprechend den Vorgängen, die ablaufen wollen
-
∆E0 (Differenz der Spannungen in der „Spannungsreihe“) positiv einsetzen,
-
Konzentration der Ionen des Elements mit dem höherem Normalpotential in den Nenner des ln-Terms (und dann Minus-Zeichen vorm ln-Term), Potenzen wie beim Massenwirkungsgesetz8
7
Einige Lehrbücher leiten nicht EMK sondern eine „Gleichgewichts-Zellspannung“ Uz ab, die den negativen
Wert der EMK aufweist: EMK = - Uz
8
im ln steht eigentlich das Massenwirkungsgesetz, die Aktivität der Metalle in der Reaktionsgleichung ist jeweils = 1 (reiner Stoff, folgt aus Thermodynamik); nicht: „c wird 1 gesetzt“!
120
9. Organische Chemie
9.1 Nomenklatur, funktionelle Gruppen
Trotz vielfacher Bemühungen um eine systematische Benennung organischer
Moleküle haben sich eine Reihe von „Trivialnamen“ bis heute gehalten (Benzol,
Naphthalin, Essigsäure, Harnstoff, Furan u.v.a.), teils aus Gewohnheit, teils weil die
Trivialnamen erheblich kürzer sind. Weiterhin sind vielfach (selbst in amtlichen
Vorschriften) Abkürzungen im Gebrauch (DDT), auch für ganze Stoffklassen (PAK).
Eine weitgehend akzeptierte Systematik der Benennungen organischer Verbindungen
ist die „IUPAC-Nomenklatur für organische Verbindungen“1, deren Benutzung auch
von einschlägigen Journalen bei wissenschaftlichen Publikationen verlangt wird. In
der Vorlesung werden nur verhältnismäßig einfache Verbindungen benannt, zunächst
einfache Kohlenwasserstoffe. (Erinnern an kovalente Bindung, Hybridisierung,
Mehrfachbindung, Kap. 3)
9.1.1 Alkane, Alkene, Alkine
Lineare Alkane (Methan, Ethan, Propan, Butan, Pentan, Hexan, Heptan,
…griechisch weiterzählen); heißen auch „gesättigte“ Kohlenwasserstoffe, die
nur Einfachbindungen zu C-Atomen enthalten
Lineare Alkene: n-Alkane, die eine oder mehrere Doppelbindungen (πBindungen) enthalten (ungesättigte Verbindungen, mit nicht-konjugierten
Doppelbindungen, s.u., heißen sie Olefine)
Lineare Alkine: Alkane, die eine oder mehrere Dreifachbindungen enthalten
(auch ungesättigt)
Gruppenname
Name (Beispiel)
Alkane
Methan
n-Hexan
1-Buten
1,3-Butadien,
Buta-1,3-dien
2-Pentin
Alkene
Alkine
Valenzstrich- Summenformel(n)
Formel, Hs
weggelassen
CH4
H3C(CH2)4CH3, C6H8
C4H8
C4H6
C5H8
Cyclische Alkane, Alkene, Alkine
Beispiel
Cyclopropan,
Cyclohexan
Valenzstrichformel, Hs Summenformel
weggelassen
C3H6, C6H12
Cyclopenten,
1,4-Cyclohexadien
C5H8, C6H8
Cyclohexin
C6H8
1
Bemerkung
Summenformel
nicht
eindeutig:
C6H8 gibt es
zweimal
Die Abkürzung steht für International Union of Pure and Applied Chemistry. Die IUPAC-Regeln sind
über verschiedene web-Seiten zugänglich, z.B <http://www.acdlabs.com/iupac/nomenclature/>
121
Verzweigte Alkane, Alkene, Alkine. Substituenten (substituieren ein H-Atom)
erhalten die Endsilbe -yl
Beispiel
Valenzstrichformel,
Summenformel
Bemerkung
Hs weggelassen
2-Methylpropan
C3H10
(Isobutan)
3-Methyl-5C12H26
Längste Kette
ethylnonan
gibt Namen,
Nummerierung
der Substituenten
an der niedrigsten
Nummer
beginnen
3-Ethylhept-3-en
C6H18
(auch
3-Methylhepten-3)
9.1.2 Aromaten
Aromaten: Cylische Kohlenwasserstoffe mit (4n+2) π-Elektronen, die (formal)
alternierende Einfach- und Doppelbindungen enthalten (π-Elektronen delokalisiert).
Viele haben Trivialnamen. Heteroaromaten sind Aromaten mit Heteroatomen (N, O,
S, P, etc, anstelle von C); typisch: Rußbildung bei der Verbrennung.
Beispiel
Valenzstrichformel,
Summenformel
Bemerkung
Hs weggelassen
Benzen oder
C6H6
Benzol
Anthracen
C14H10
Phenanthren
C14H10
Pyren
C16H10
Heteroaromaten
C5H5N
Pyridin
Summenformel
nicht eindeutig:
C14H10 gibt es
zweimal
gehört zu PAK
(polyaromatische
Kohlenwasserstoffe)
reagiert basisch
N
Furan
C4H4O
O
Cyclohepatrien,
Cylopentadien
nicht Aromaten:
C7H8, C5H6
Zwei, drei, 4 gleiche Substituenten: Vorsilben di-, tri-, tetra-
Ein freies
Elektronenpaar am
O gehört zum
aromatischen πElektronen.System
122
1,3,5-Trimethylbenzen (triv. Mesitylen)
9.1.3 Funktionelle Gruppen
Unter dem Begriff versteht man bestimmte Substituenten an Kohlenwasserstoffen, die
zumeist Heteroatome enthalten und die die Reaktivität der Verbindung bedingen oder
beeinflussen.
Dazu gehören hauptsächlich
–OH-Gruppen → Verbindungen heißen dann Alkohole, gekennzeichnet durch die
OH
OH
OH Ethanol,
Endsilbe -ol;
Cyclobutanol,
Phenol (triv.).
–NH2-Gruppen → Verbindungen heißen dann Amine; die Aminogruppe kann selbst
N
NH2
substituiert sein;
Propyl-1-amin (1-Aminopropan),
Triethylamin.
–NO2-Gruppen → Verbindungen heißen dann Nitroverbindungen, Vorsilbe Nitro-:
NO2
Nitrobenzol
–Halogen → Verbindungen heißen dann Halogen(haltige)-Verbindungen, Vorsilben
Cl
OH
Fluor- Chlor-, Brom-, Iod-:
1-Chlor-cyclopentan-3-ol, oft heißt es auch
auch z.B. H3CCl Methylchlorid (ist aber kein Salz, nicht ionisch!).
–COOH-Gruppen (Carboxylgruppen, org. Säuren) → siehe Carbonylverbindungen im
Kap. 9.2.5.
Verbindungen mit R–CH2–O–CH2–R-Gruppen heißen Ether, zum Beispiel das (heute
nur noch in Krimis benutzte) Betäubungsmittel Diethylether (H3C–CH2–O–CH2–
CH3). Mit –R werden irgendwelche „Reste“ am Molekül bezeichnet (abgekürzt), die
man nicht explizit nennen will, weil es verschiedene sein können oder weil sie in der
jeweiligen Betrachtung keine Rolle spielen.
Feinheiten wie die Reihenfolge der Aufzählung von Substituenten oder welcher
Substituent den Namen gibt sollen müssen in dieser Lehrveranstaltung nicht genau
HN
OH
beachtet werden ( 2
4-Aminobutan-1-ol, weil OH schwerer ist als
NH2). Die Positionsangaben müssen jedoch eindeutig sein.
9.2 Einfache Reaktionsmechanismen
(Anders als in der anorganischen Chemie ersetzen aus Platzgründen oft Reaktionsschemata die stöchiometrisch ausgeglichenen Gleichungen)
Die Ladungsverteilung (in polarisierten kovalenten Bindungen, s. Kap. 3) entscheidet
über die Reaktivität der Verbindung und über die Stelle im Molekül, an welcher die
Reaktion stattfindet. Reaktanden haben 3 Grundtypen des Angriffs auf andere
Moleküle zur Verfügung:
- radikalisch – greift nicht (stark) polarisierte Bindungen wie R-H an
- elektrophil – greift elektronen(dichte)reiche Positionen im Molekül an
- nucleophil – greift elektronenarme Positionen im Molekül an.
123
Die letzten beiden Reaktionstypen werden durch I- und M-Effekte (Induktionseffekte,
Meosomerieeffekte) begünstigt. Der Induktionseffekt verstärkt die Polarisierung einer
kovalenten Bindung zum benachbarten C-Atom. Man unterscheidet den
-I-Effekt, der Elektronendichte vom benachbarten C-Atom wegzieht (läuft im
PS wie die Elektronenaffinität, d.h. C<N<O<F, bzw. I<Br<Cl<F) und den
+I-Effekt, der Elektronendichte zum benachbarten C-Atom hindrückt, also
negative Ladungen, Teilladungen oder freie Elektronenpaare.
-I-Effekt
+I-Effekt
O
CH3
R
N
OR
<
+
N R
<
R
C CH3
H2
methyl- ethyl-
R
R
<
R
N_
F
<
Aminogr. <
Ethergr.
R: Rest, z.B. Alkyl-
<
< Halogen
neg. geladen
<
CH3
CH3
C
<
H CH
3
2-propyl-
CH3
CH3
isobutyl-
–I<–Br<–Cl
(aber gleichzeitig –I-Effekt der HalogenSubstituenten)
+ R
O
R
R
R
R
<
Vinyl-gr
R
<
Phenyl-gr
R
<
N
N
R
Alkinyl-gr.
N
<
R
Amino-gr.
Schiff-Base
Nitrilo-gr
Bestimmte Zusätze zum Reaktionsgemisch verstärken den –I-Effekt, z.B.
Verbindungen mit einer Elektronenpaarlücke, sog. Lewis-Säuren wie AlCl3
Cl
C
Cl
Al
Cl
Cl
δ++ δ− δ−
starke positive Teilladung am C
Mesomerie-Effekte
Voraussetzung für das Auftreten eines Mesomerie-Effekts ist das Vorliegen
sogenannter konjugierter Doppelbindungen (abwechselnd Doppelbindung und
Einfachbindung, ggf. unter Einbeziehung von einsamen Elektronenpaaren). In diesen
Fällen lassen sich mesomere Grenzstrukturen finden, die mögliche
Ladungsverschiebungen entlang des konjugierten Doppelbindungssytems zulassen
Beispiel: H2C=CH–CH=O ↔ H2C+–CH=CH–O–.
Die Verbindung wird in keiner der beiden Grenzstrukturen gemeinhin vorliegen
sondern die aktuelle Situation wird irgendwo in der Mitte liegen (in polaren
Lösemittel mehr rechts, in unpolaren mehr links). Der Doppelpfeil soll also weder ein
Reaktionspfeil sein noch ein Gleichgewicht symbolisieren. Die Moleküle können
124
jedoch zur Reaktion (z.B. während des Übergangszustands auf dem Gipfel des
Aktivierungsbergs, die jeweils geeignetere Form annehmen.
Der mesomere Effekt kann nun eine Verschiebung der Ladungsverteilung nicht nur
im Bereich einer Bindung (wie beim induktiven Effekt) sondern über das ganze
konjugierte Doppelbindungssystem zur Folge haben, z. B.
H2C C Cl
H
H2C C
H
H2C C C C Cl
H H H
+
Cl
oder
CH2
C C C
H H H
+
Cl
. Hier wird der +MEffekt des Chlor-Substituenten beschrieben: die CH2-Gruppe erhält eine
negative Teilladung und kann so einen nucleophilen Angriff unternehmen oder
elektrophil angegriffen werden.
-M-Effekt
N R
+M-Effekt
<
+ R
O
<
R
+ R
N
R
_
O R
<
O
R
R
<
C
N R
<
F
O
<
O R
<
N
R
R
R <
I <
N
Br <
Cl
<
F
(aber auch –I-Effekt)
9.2.1 Radikalische Substitution
Typische Kettenreaktionen; Beispiel Photochlorierung
Kettenstart
Cl-Cl → 2 Cl· (mit UV-Licht; Punkt: einzelnes Elektron)
Kettenfortpflanzung R-H + Cl· → R· + HCl
R· + Cl-Cl → R-Cl + Cl·
R-H + Cl· → R· + HCl
R· + Cl-Cl → R-Cl + Cl·
usw.
Die Kettenreaktion kann durch zwei Abbruchreaktionen beendet werden
R· + R· → R-R
Cl· + Cl· → Cl-Cl
In dem Fall muss neu gestartet werden, d.h. während der Photochlorierung brennt die
UV-Lampe.
Photochlorierung zum Beispiel von Toluol (Toluen)
CH3
+
hν
H2
C Cl
Cl2
- Cl .
(Reaktionsschema, keine Gleichung) werden in
großem Umfang industriell durchgeführt.
Chlor ist eine Grundchemikalie, mit welcher Chlorsubstituenten in Kohlenwasserstoffe eingebracht werden, die dann durch verschiedene Reaktionen weiter modifiziert
werden können zur Herstellung von Alkoholen, Aminen, Nitrilen, Ethern und
ungesättigten Verbindungen (s. Kap. 9.2.2, 9.2.3).
125
9.2.2 Nukleophile Substitution
Zwei Mechanismen, SN1 und SN2
SN1-Reaktion
1. Schritt: Dissoziation von Halogenalkylverbindungen (z.B. hergestellt nach 9,2,1) in
Ionen, die in polaren Lösemitteln (z.B. Methanol) begünstigt wird
R1
R2
R3
R1
R2 +
R3
langsam
X
schnell
+
X
_
X = Cl (oder Br, OH, OCH3, CN, usw., Gruppierungen, die als Anionen relativ
stabil sind, d.h. abgeschlossene Schalen an der Bruchstelle haben).
R1
+
Das entstehende planare2 Carbokation R2 R3 ist nicht stabil (wie z.B. Na+-Ionen in
Wasser), deshalb erfolgt eine schnelle Rückreaktion mit X-, wenn nicht alternativ ein
anders nukleophiles Reagens Y- angeboten wird. Dann wird das gewünschte Produkt
gebildet:
R1
R2 +
R3
+ Y
R1
R2
R3
_
Y
.
SN2-Reaktion
Diese läuft nicht über ionische Zwischenstufen
Y
_
R1
R1
+ R2
R3
Y
C
_
R1
X
X
Y
R2 R3
R2
R3
+
X
_
Nach der Reaktion ist die Reihenfolge der Substituenten –R1-3 vertauscht (Walden
Umkehr).
Nukelophile Reagenzien müssen nicht anionisch sein, freie Elektronenpaare (Wasser,
Akohole) sind ebenso zum nukleophilen Angriff befähigt. Die Nukleophilie (Grad der
Fähigkeit zum nukleophilen Angriff) von gängigen Reagenzien für SN2-Reaktionen
steigt in folgender Reihenfolge3:
F- < H2O << Cl- < PhO- < Br- < OH- , OR- < NH3, NR3 < I- < CN- < S29.2.3 Eliminierung mit Bildung von Doppelbindungen.
Viele Verbindungen, die nach 9.2.1 oder 9.2.2 hergestellt worden sind, können durch
Eliminierung in ungesättigte Verbindungen (Olefine) überführt werden.
Mechanismus:
_
H C C
+ Y
H
C C
X
H C C+
+
X
Y
_
_
+ Y
2
C C + HY
Hybridisierung sp2, übriges p-Orbital leer
für die hiervon verschiedene Reihung des Einflusses von X (nukleofuge Abgangsgruppe) siehe
Lehrbücher.
3
126
Eliminiert werden immer trans(gegenüber)-ständige Atome. In cyclischen KW
entsehen ggf. stereochemisch eindeutige Produkte:
H
H
H
H
X
H
H
H
H
nach hinten
nach vorn
Wichtige Eliminierungsreaktionen: X = –Halogen: Abspaltung von Halogenwasserstoff (HCl, etc.), X = –OH: Abspaltung von Wasser; X = –OR: Abspaltung von
Alkohol aus Ethern. Technisch benötigt werden Verbindungen mit Doppelbindungen
als Monomere für Polymerisationen, z.B. Butadien aus 1,3-Butandiol).
Analog kann aus Dihalogenverbindungen das Halogenmolekül abgespalten werden:
X
X
C C
X
C C+
X
+
+
X
+
X
_
_
C C
+ X2
9.2.4 Elektrophile Addition an Doppelbindungen
Die Addition an Doppelbindungen ist praktisch die Umkehrung der Eliminierung.
Mechanismus:
H
H
C
C
H
H
H
H
HH
_
H
H
+
H
H
H
+
H
H
H
+ H+
+ Cl
H
Cl H
H
Also auch trans-Addition (ist dem Produkt
wegen der frei drehbaren Doppelbindung
nicht anzusehen). Klar erkennbar bei
cyclischen Verbindungen:
+ Br2
H
H
AlCl3
Br
+
_
H
H
Br
+ Br
Br
der Ringebene. Nochmal anders gezeichnet:
H H
1 Brom oberhalb, 1 Brom unterhalb
127
AlCl3 dient zur Polarisierung des Brommoleküls, wodurch die Anlagerung von Br+
and die Doppelbindung möglich ist:
Cl
Br Br
Cl
Al
Cl
Cl
δ+
δ−
Br+ + Br
_
Al Cl
Cl
+
(wobei freie Br -Ionen und AlCl3Br--Ionen nicht vorkommen sondern nur intermediär
in dem Prozess gebildet werden. Aus AlCl3Br- wird dann Br- zur Komplettierung der
Reaktion wieder abgegeben).
In Umkehrung der Eliminierungsreaktionen können an Doppelbindungen addiert
werden: Halogenwasserstoff (HCl, etc.), Wasser; Alkohole. Technisch wichtige
Produkte von solchen Additionsreaktionen sind z.B. Ethanol, Propanol, usw. auch
längerkettige Alkylsulfate (Olefin + verd. Schwefelsäure; Waschmittel).
9.2.5 Elektrophile Substitution an Aromaten
Wegen der Delokalisierung der π-Elektronen gibt es im Aromaten zunächst keine
(oder kaum) bevorzugten Reaktionsstellen, weshalb sie vergleichsweise reaktionsträge sind. Die erste Funktionalisierung des Aromaten, die dann dessen weitere
Reaktionen steuert, ist deshalb meist die elektrophile Substitution eines H-Atoms,
wobei die gesamten π-Elektronen dem elektrophilen Angriff zugänglich sind.
Dieser Reaktionsmechanismus
verläuft nachweislich über drei
Stufen. Zunächst tritt das elektrophile
Reagens X+ mit dem gesamten πSystem in Wechselwirkung (πKomplex). Sodann bildet sich daraus
der s-Komplex (d.h. ein C-Atoms ist
jetzt sp3-hybridisiert), aus welchem
dann mit Hilfe einer Base (freies
Elektronenpaar) das zugehörige
Proton abgespalten wird (Schritt III).
Technisch wichtig sind vor allem die Nitrierung und die Sulfonierung von Benzol
(Ar–H):
Ar–H + HNO3 → Ar–NO2 + H2O
Das elektrophile Reagens ist hierbei das NO2+-Ion, welches sich in hinreichend
konzentrierter HNO3 selbst gebildet vorliegt HNO3 + H+ ⇌ NO2+ + H2O (Gleichgewicht wird meist durch wasserentziehende konzentrierte Schwefelsäure nach rechts
verschoben).4
Zur Sulfonierung Ar–H + H2SO4 → Ar-SO3 + H2O wird SO3 als elektrophiles
Reagens benötigt, das in hochkonzentrierter Schwefelsäure (sog. Oleum) enthalten ist.
SO3 ist am Schwefelatom positiv polarisiert, vgl. Elektronegativität (Diagramm in
Kap. 3.3), dabei 3 mal O.
Entsprechend lassen sich Halogensubstituenten (nach Polarisierung mit AlCl3, FeCl3,
u.ä., siehe Addition an Doppelbindungen) einführen sowie unter Berücksich-tigung
weiterer Einzelheiten (s. Lehrbücher) auch Alkylsubstituenten und weitere.
4
Empfehlung: Einzelschritte der Nitrierung formulieren!
128
Sobald ein solcher Substituent am Aromaten eingeführt ist, beeinflusst dieser die
weitere Reaktivität des Aromaten, die durch I- und M-Effekte der Erstsubstituenten
erhöht oder erniedrigt sein kann. Zudem können Zweitsubstituenten in bestimmte
Positionen am Aromaten dirigiert werden.
+I- und +M-Effekte erhöhen die Reaktivität (mehr Elektronendichte im aromatischen
π-System) z.B.
Erstsubstituent
Effekt
Alkyl
+I
–OH < –NH2 < –NHR < –NR2
+M > -I (!)
–
–O
+M und +I
Erniedrigt wird die Reaktivität durch elektronenziehende Substituenten
Erstsubstituent
–COR < –COOH < COOR < CN < NO2
-M, -I
(3/5 Carbonylverbindungen, s. nächstes Kapitel)
Halogen
-I > +M
+
NR3
Bei Zweifachsubstitution unterscheidet man ortho- meta- und para-Stellungen (o-, m-,
Y
Y
Y
X
X
X
p-) der Substituenten
ortho
meta
para
(Y: Erst-, X: Zweitsubstituent).
Wenn Y einen +I- oder +M-Effekt aufweist, wird X in die Ortho- oder (überwiegend)
in die para-Stellung dirigiert. Erklärt wird das durch die mögliche Formulierung
mesomerer Grenzstukturen für den σ-Komplex,
, wobei ein +I-Erstsubstituent helfen
kann, die positive Ladung (zum Teil) zu kompensieren, wenn er in otho- oder paraStellung ist:
129
Schwieriger ist es, den Zweitsubstituenten in die meta-Stellung einzuführen. Hierhin
dirigieren –I und –M-Effekte der Erstsubstituenten, weil sie die C-Atome in orthound para-Stellung mit positiver Teilladung versehen, wie wieder die entsprechenden
_
δ_
Y
_
Y
Y
+
δ+
δ+
δ+
.
mesomeren Grenzstrukturen deutlich machen: +
+
An den „positivierten“ C-Atomen wird das elektrophile X jetzt nicht angreifen,
sondern an den meta-Positionen. Insgesamt aber ist - wie oben gesagt - die Reaktivität
für die Zweitsubstitution schlechter (d.h. längere Reaktionszeiten, höhere
Reaktionstemperatur, meist mehr Nebenprodukte, usw.).
Beispiele:
1) Zweitsubstitution von Phenol (OH-Gruppe +M < -I)
H
H
H
H
O
O
O
O
H
X
+ X+
+
+
H
X
+ H+
X
2) Zweitsubstitution von Nitrobenzol (Stickstoff ist bereits durch die zwei O
positiv teilgeladen; die durch X+ eingebrachte weitere positive Ladung wäre
im σ-Komplex bei o-/p-Substitution direkt neben dem Stickstoff, s.o.)
δ_
δ_
O
O
N
δ+
+ X+
O
O
N
δ+
O
O
N
δ+
+
X
+
δ_
δ_
O
O
N
δ+
+
X
H
H
O
N
X
H
O
H+
+
X
In Technik und Industrie werden substituierte Aromaten als Bausteine für Farbstoffe
und Polymere, einschließlich bestimmter Polyamide (Trevira) gebraucht.
9.2.5 Reaktionen von Carbonylverbindungen
Unter dem Begriff Carbonylgruppe versteht man die C=O- Doppelbindung,
Carbonylverbindungen enthalten solche Gruppen und werden als
O
R
O
O
H
Ketone
Aldehyde,
R
R2
R1
und
OH
Carbonsäuren
bezeichnet. Auch Verbindungen,
die auf Carbonsäuren zurückzuführen sind (Derivate) gehören hierher wie z.B.:
O
O
R
Cl
R
O
NH2, NHR, NR2
R
OR
Carbonsäurechloride, Carbonsäureamide und Carbonsäureester .
C O
δ+
δ_
130
Die spezielle Reaktivität der Carbonylgruppe ergibt sich aus der vergleichsweise
starken Polarisierung durch den –I-Effekt des Sauerstoffs. Das Carbonyl-C-Atom
trägt eine positive Teilladung und kann deshalb nucleophiles Reagenz HB|
angegriffen werden:
_
HB +
C O
H B C O
_
+
. Dieser Reaktionsschritt kann durch Säuren
katalysiert werden:
Solche Verbindungen zerfallen gern wieder in die Ausgangsstoffe, wenn nicht eine
Stabilisierung durch anschließende weitere Reaktionen möglich ist. Eine Möglichkeit
im gegebenen sauren Milieu ist die Abspaltung der OH-Gruppe (als Wasser):
IV muss – wie vorn gelernt – durch Abspaltung eines Protons oder Anlagerung einer
Base (eines Anions) ein neutrales Moleküle gebildet werden. Konkrete Beispiele sind:
- Bildung von Schiff-Basen
- Bildung von Enaminen
- Reaktionen von Carbonsäurechloriden, die zu Amiden und Estern führen
131
Polyamide und Polyester entstehen, wenn bifunktionelle Ausgangsstoffe eingesetzt
werden:
O
N
H
O
O
O
N
H
NH2
Cl
Cl
O
Cl
Cl
O
NH2 +
N
H
N
H
O
- H2O
O
Cl
2)
3)
NH2
+ HN
2
Cl
O
O
Cl
O
Cl
1)
O
H
N
Cl
O
O
H
N
Cl
O
O
+ HN
2
- H2O
NH2
usw.
Eine wichtige Methode zur Verknüpfung von C–Atomen ist die sog. AldolKondensation, wobei CH-azide Verbindungen zur Reaktion gebracht werden. Solche
sind Carbonylverbindungen, die an dem der Carbonylgruppe benachbarten C-Atom
(mindestens) ein H-Atom tragen, welches durch Mesomerie azide (sauer) wird und
deshalb in Gegenwart einer Base B- abdissoziieren kann:
Danach ist die
C-H-azide Verbindung ein Anion, also ein nucleophiles Reagenz, das mit einer
Carbonylverbindung wie folgt reagieren kann:
Durch die hier erfolgte Verknüpfung von zwei C-Atomen sind zwei organische
Moleküle zu einer Verbindung geworden. Auf diese Weise können größere Moleküle
in prinzipiell beliebiger Weise zusammengefügt werden (tägliches Brot des
organischen Chemikers).
Herunterladen