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Ausgabe 1/2005
http://www.astronomie.at/burgenland
eMail: [email protected]
Magazin der Burgenländischen
Amateurastronomen
Burgenländische Amateurastronomen
c/o Parkhotel Neubauer, Postgasse 2
A-7202 Bad Sauerbrunn
Grundlagen
des Starhopping
Mondkrater
in der Küche
Gartensternwarte
mit Schiebedach
Kalibrierung von
digitalen Bilddaten
Seite 4
Seite 7
Seite 11
Seite 20
Stromversorgung für
die digitale Kamera
Canon 10D
Seite 23
Editorial
Liebe Leser!
Inhaltsverzeichnis:
Der Winter mit Kälte und Eis, Nebel und
trübem Wetter ist Schnee von gestern.
Die Temperaturen werden angenehm.
Frühlingserwachen.
Gerade richtig um die externe Stromversorgung für die digitalen Canon
SLRs auszuprobieren. Wie diese gebaut
wird, kann in dieser Ausgabe nachgelesen werden.
Wenn die Frühlingsstürme so richtig
um`s Herz eines jeden Hobbyastronomen streichen, dann, ja dann wäre es
fein, sich in eine solide Sternwarte
zurückziehen zu können. Wie Sie, lieber
Leser, eine solche bauen, wollen wir
Ihnen in dieser Ausgabe nicht vorenthalten.
Den Autoren dieser Ausgabe wollen wir
auch diesmal wieder danken, gleichzeitig wollen wir aber auch eine Bitte an
alle richten: Die Alrukaba lebt von den
Autoren, Ihrem Wissen und Ihren Sehnsüchten. Aus diesem Grund wollen wir
alle Leser auffordern, uns Ihre Erfahrungen in Form von Artikeln mitzuteilen.
Viel Freude beim Lesen wünschen
Deep-Sky Einstieg
Grundlagen des Starhopping
4
Mondkrater in der Küche
7
Ein unvergesslicher All-Tag
10
Gartensternwarte mit Schiebedach
11
HGM- Titan eine mittelschwere
Montierung mit gutem
Preis/Leistungsverhältnis
14
Aktuelles am Himmel, März bis Juni 2005
17
Skywalker
18
Kalibrierung von digitalen Bilddaten
20
Permanente Stromversorgung für
Kameras der Firma Canon
23
Astronomietag 2005
25
Vereins- und Gruppentreffen der
Burgenländischen Amateurastronomen
26
Veranstaltungskalender und wichtige
astronomische Ereignisse
26
Gerhard Eber
Peter Morth
[email protected]
Titelbild: Manfred Wasshuber
Optik, Montierung, und Nachführung: Takahashi Sky 90 f/4.5, GP-DX, ST4
Kamera Starlight HX 916
Belichtungszeit: 12x10 min Ha-Filter, 6x5 min GB, 12x5 min Luminanz
Filter und sonstiges Zubehör: Astronomik Ha, Grün und Blau
Impressum
Mitarbeiter dieser Ausgabe:
Urheberrecht:
Herausgeber: Burgenländische
Amateurastronomen
Peter Morth, Alexander Pikhard, Stefan
Salamon, Robert Schulz, Manfred Schwarz,
Christian.Vass, Manfred Wasshuber, Erich
Weber, Viktor Wlaschitz
Alle in der ALRUKABA erscheinenden
Beiträge sind urheberrechtlich geschützt
und dürfen nur mit Zustimmung der
Redaktion veröffentlicht werden. Alle
Rechte vorbehalten, der Gerichtsstand
ist 7000, Eisenstadt.
c/o Parkhotel Neubauer, Postgasse 2
A-7202 Bad Sauerbrunn
Info-Telefon: 02687/54159
Redaktion:
e-mail: [email protected]
Peter Morth und Gerhard Eber
Erscheinungsweise: unregelmäßig
3 Alrukaba | Frühjahr 2005
Die Meinung der Artikel muss nicht mit
der Meinung der Herausgeber
übereinstimmen. Alle Autoren sind für
ihre Artikel selbst verantwortlich.
Grundlagen
Deep-Sky Einstieg
Grundlagen des Starhopping
tarhopping bezeichnet jene
Form der Objektsuche, bei
der man einen helleren Stern
aufsucht und sich dann von Sternmuster zu Sternmuster bis zum Zielobjekt weiterbewegt.
Neben GoTo- Steuerungen und
der Verwendung von Teilkreisen ist
Starhopping eine der gebräuchlichsten Aufsuchmethoden. Richtig
angewandt und vorbereitet ist man
damit bei der Objektsuche kaum
langsamer als ein Sternfreund mit
computergesteuertem Teleskop. Erfahrung vorausgesetzt!
Folgende Punkte sind wichtig,
um Objekte mittels Starhopping
schnell zu lokalisieren:
1. Das richtige Equipment (Montierung, Okular, Sucher, etc.)
2. Das richtige Kartenmaterial /
Gesichtsfeldschablone
3. Systematische Planung und
Beobachtung
4. Möglichst große Bequemlichkeit
bezüglich Sitzhaltung, Okulareinblick und Bekleidung
S
Das richtige Equipment
Montierung
Eine solide, vernünftig dimensionierte Montierung, die nicht
gleich bei jedem Windhauch und
bei jeder Berührung zittert oder
wackelt ist Pflicht. Bei azimutalen
Dobson Montierungen ist besonders auf die gute Nachführmöglichkeit in Zenitnähe zu achten
und auch darauf, dass die
Höhenräder nicht zu leichtgängig in
ihren
Lagern
liegen.
Jeder
Okularwechsel führt sonst zu
Gleichgewichtsproblemen. Ruckfrei
aber mit leichtem Widerstand ist
daher optimal für beide Achsen.
Besitzer einer parallaktischen Montierung sollten nicht auf die EinAchsen Steuerung verzichten. Bei
höherer Vergrößerung bleibt so das
Gesichtsfeld erhalten, auch wenn
zwischenzeitlich länger das Kartenmaterial
studiert
wird.
Zur
parallaktischen Montierung gehört
selbstverständlich ein entsprechend
4 Alrukaba | Frühjahr 2005
dimensioniertes und schwingungsarmes Stativ.
Weitwinkel-Okular
Ein gutes Weitwinkel-Okular
sollte unbedingt im Okularkoffer des
Starhoppers zu finden sein. Je
größer das Gesichtsfeld des HauptTeleskops, desto mehr Sterne der
Aufsuchkarte werden angezeigt und
desto einfacher ist die Orientierung.
Optimal ist ein Okular, das die
kleinste sinnvolle Vergrößerung
leistet und ein möglichst großes
Eigengesichtsfeld
hat
(6-8mm
Austrittspupille oder z.B. ein 40mm
Erfle- Okular für einen Newton
200/1000).
Sucher
Der optische Sucher kann als
6x30 oder besser 10x50 Monokular
ausgelegt sein. Im 10x50 sind viele
Messiers direkt sichtbar und damit
einfach zu finden. Gewöhnungsbedürftig ist für manche Amateure
anfänglich das am Kopf stehende
Bild. Es gibt mittlerweile Sucher, die
ein seitenrichtiges und aufrechtes
Bild mittels Prisma liefern. Der
Vorteil einer "richtigen" Bildwidergabe ist aber schon nach wenigen
Beobachtungsnächten
irrelevant,
denn man gewöhnt sich üblicherweise rasch an die Darstellung im
Sucher. Winkelsucher sind trotzdem
recht praktisch, vor allem wenn es
darum geht Objekte in Zenitnähe
aufzusuchen.
Eine gute Alternative oder gern
auch als Zusatz zum Sucherfernrohr gibt es die Leuchtpunktsucher
(Sky Surfer, etc...). Die Funktionsweise des eigentlich für Handfeuerwaffen entwickelten Zielgeräts ist
einfach. Der Beobachter blickt
durch eine Glasplatte auf das
anvisierte Beobachtungsobjekt. Auf
welchen Punkt das Visier dabei
gerichtet ist, wird durch einen roten
Lichtpunkt angezeigt, der aus einer
Leuchtdiode kommend auf die
Glasplatte projiziert wird. Diese
Projektion ist möglich, weil die Glasplatte für rotes Licht eine leichte
Spiegelwirkung hat. Der Visierbenutzer hat den Eindruck, als
erscheine auf dem Zielobjekt ein
roter Lichtpunkt.
In welchem Winkel der Betrachter selbst jeweils auf die kleine
Glasplatte schaut, ist dabei ohne
Bedeutung. Der Lichtpunkt zeigt
immer auf den Zielpunkt. Die
Helligkeit des projizierten Punktes
kann geregelt werden. Leider bleibt
bei vielen Geräten der Lichtpunkt
trotzdem etwas zu hell - vor allem
beim Anvisieren schwacher Sterne.
Die Glasplatte schluckt auch etwas
Licht, was die anvisierten Objekte
zusätzlich abgeschwächt.
Ein
nützlicher
Trick
zum
Auffinden besteht darin, mit beiden
Augen zu peilen. Dabei blickt ein
Auge durch den Sucher und das
andere daran vorbei. So bleibt die
volle Intensität des Sternenlichts
erhalten, so dass auch schwächere
Zielobjekte erkennbar bleiben.
Eine Variante des LeuchtpunktVisiers ist der so genannte TelradSucher. Dieser projiziert schwach
leuchtende Kreise auf die Glasplatte. Gemeinsam mit den Telrad
Finder-Charts (Sternkarten mit einer
Transparenten Maßstab Folie) ist
der Telrad ein hervorragendes
Werkzeug für den Starhopper.
Zenitspiegel
Refraktor Besitzer werden wahrscheinlich einen Zenitspiegel benutzen. Dieser hat den "Nachteil", dass
das Bild zwar aufrecht aber
seitenverkehrt dargestellt wird. In
der Literatur wird für Starhopping
vielfach vom Zenitspiegel abgeraten, weil seitenverkehrte Sternmuster schwer mit dem Kartenbild
in Einklang zu bringen wären.
Dagegenhalten muss ich, dass
ich sowohl Refraktoren mit Zenitspiegel als auch einen Dobson
verwende und das Umdenken keine
Schwierigkeit bedeutet. Lediglich
eine gewisse Eingewöhnungs- und
Übungszeit
muss
einkalkuliert
werden. Außerdem können PC-
Grundlagen
Sternkartenprogramme Karten seitenverkehrt drucken.
Zubehör
Selbstverständlich gehört zum
richtigen Umgang mit Starhopping
auch das richtige Zubehör. Da dies
aber zum Großteil dem allgemeinen
Zubehör entspricht, sei nur darauf
hingewiesen, dass ein vernünftiger
Kartenhalter mit angebauter Rotlicht- Beleuchtungsmöglichkeit sehr
hilfreich ist. Man hat die Hände
dann stets frei für die Teleskopbedienung.
Kartenmaterial /
Gesichtsfeldschablone
Grundsätzlich sollte man die
wichtigsten Konstellationen kennen.
Als unkompliziertes Einsteiger-Werk
- sowohl im Format als auch in
Ausstattung und Aufbau - ist der
bekannte Atlas für Himmelsbeobachter von Karkoschka wunderbar.
Fortgeschrittene Beobachter werden irgendwann ein umfangreicheres Kartenwerk anschaffen wollen,
insbesondere wenn sie ein größeres Teleskop ihr eigen nennen.
Sternkarten sollten auf alle Fälle
so viele schwache Sterne verzeichnet haben, dass im Gesichtsfeld
des Teleskops bei geringster Vergrößerung genügend Orientierungspunkte vorhanden sind.
Weit verbreitet ist der Sternatlas
Uranometria 2000.0 (3 Bände
Nordteil/Südteil/Field Guide, 2. Auflage 22 Übersichtskarten mit Grenzgröße 6,5mag, 198 Karten mit
Grenzgröße 9,75mag. 30.000 verzeichnete Deep-Sky Objekte, 26
Ausschnitt-Vergrößerungen besonders interessanter Objekte).
Für ein mittleres bis großes
Teleskop muss ein Atlas mit noch
höherer Grenzgröße herangezogen
werden, wie zum Beispiel der
Millennium Star Atlas, der 1,5mag
tiefer geht. Der häufig anzutreffende
Sky Atlas 2000.0 hat weniger
verzeichnete
Sterne
als
die
Uranometria-Karten, für Teleskope
bis 5 Zoll ist er aber durchaus
hinreichend.
Möglich und immer beliebter ist
es natürlich sich die jeweiligen
Karten einzeln und nach Bedarf
über ein Sternkartenprogramm auszudrucken. Guide (aktuell 8.0)
5 Alrukaba | Frühjahr 2005
unterstützt verschiedene Kataloge
und die Grenzgröße liegt bei
gewaltigen 14,5mag (15Mio Sterne). Für das Freeware Programm
Carte du Ciel, mit dem die
Starhopper-Route dieses Artikels
erstellt wurde, sind der Tycho-2 und
der USNO-A Katalog zum freien
Download erhältlich und man
kommt damit auf eine Tiefe von
etwa 12mag. PC-Programme erlauben es, die gewünschte Grenzgröße und den Kartenmaßstab voreinzustellen. So kann die Karte für
jede Teleskopöffnung optimal angepasst werden.
Genug Sterne verzeichnet zu
haben bedeutet noch nicht, dass wir
eine schwache Galaxie auch sofort
sichten. Aber es bedeutet, dass wir
im Gesichtsfeld garantiert genug
Orientierungspunkte finden werden,
um damit den exakten Zielort genau
zu bestimmen. Und dies ist die
Grundvoraussetzung, um mit verschiedenen Vergrößerungen und
meist per indirekten Sehens die oft
sehr schwachen Objekte schließlich
dingfest zu machen.
Beim Feldeinsatz wird man aus
mehreren Gründen statt
der
Originalkarten Kopien verwenden.
Die teuren Atlanten werden so nicht
der Witterung ausgesetzt und man
kann mit handlichen Einzelblättern
statt mit Büchern arbeiten. Außerdem sollten Starhopper- Routen
voreingezeichnet werden.
Für das Voreinzeichnen und
auch im Feld braucht es als
Hilfsmittel die Gesichtsfeldschablone. Sie ist einfach herzustellen:
Man visiert eine bekannte Himmelsgegend mit dem Übersichtsokular
an, sucht die entsprechende Sternkarte und überträgt dann das
Gesichtsfeld des Teleskops mit
wasserfestem Stift auf eine Overheadfolie, die man über die Karte
gelegt hat.
Es empfiehlt sich noch einen
zweiten Kreis für ein Okular mit
mittlerer Vergrößerung zu zeichnen,
um im Zielgebiet sehr genau Peilen
zu können. So ausgerüstet, kann
auf den kopierten oder gedruckten
Sternkarten bei Tag und in Ruhe
eine Route zum gewünschten
Zielobjekt ausgetüftelt werden. In
der Nacht verfolgt man einfach die
Reiseroute und wird jeweils sehr
schnell zum Erfolg kommen.
Wiederum bieten PC-Programme
eine Hilfestellung. Markierungskreise (entsprechend der Gesichtsfeldschablone) können hier frei
gewählt und platziert werden.
Systematische Planung und
Beobachtung
Über die Planung wurde nun
schon einiges gesagt, zusätzlich
sollte man noch folgende Punkte
berücksichtigen:
• Objekt Auf- und Untergangszeiten berücksichtigen.
• Beobachtung der Objekte von
West nach Ost planen.
• Mondlauf bei der Objektplanung
berücksichtigen.
• Und zu guter Letzt: Liegt das
Objekt überhaupt im Bereich
der
Möglichkeiten
meines
Teleskops.
Ich nehme mir gern pro Abend
ein bis zwei Objekte vor, die hart an
der Grenze meiner Ausstattung und
meiner Beobachterischen Fähigkeiten liegen. Zweimal nichts gesehen
zu haben ist durchaus zu verschmerzen und hin und wieder ist
natürlich auch ein Erfolgserlebnis
dabei. Die restlichen ausgewählten
Objekte liegen immer im Bereich
mittelschwer bis leicht.
Es gibt Amateure, die mit
Starhopping mehr als 50 Objekte
pro Nacht "abschießen". Jay
Reynolds Freeman, ein amerikanischer Sternfreund behauptet von
sich sogar per Starhopping in
mancher Nacht mehr als 200
Objekte zu beobachten. Ich bin
eher der langsame Typ und lasse
mir gern Zeit in die verschiedenen
Facetten eines Objektes richtig
einzutauchen. Daher sind meine
Objektlisten kurz. Ob man der eine
oder der andere Typ ist, ist egal.
Bloß bei der Erstellung der Objektlisten sollte von vornherein darauf
Rücksicht genommen werden.
Starhopp zum Sternhaufen
M36 im Fuhrmann
Als Equipment wollen wir ein
150/750 Newton (f/5) in Kombination mit einem 25mm Plössl
Okular und einem 6x30 Sucher
wählen. Man erreicht damit im
Hauptteleskop bei 30facher Vergrößerung und 5mm Austrittspupille
Grundlagen
ziemlich genau ein wahres Gesichtsfeld von 1,6° oder ca. drei
Vollmonddurchmessern
(Plössls
sind keine Weitwinkelokulare aber
weit verbreitet, weshalb ich das
Plössl in diesem Beispiel als
Standardokular heranziehe). Der
Sucher hat etwa 4° Gesichtsfeld.
Für den Beginn wählen wir
einen hellen Stern in der Nähe des
Zielobjektes. Es gilt dabei aber,
dass vom Startpunkt aus ein Weg
zum Ziel möglich sein muss. Daher
ist der allernächste Stern nicht
immer die beste Wahl. Die Auswahl
der besten Startposition ist Erfahrungssache.
Für die Suche nach M36 ist
Beta Tauri ein günstiger Startplatz.
Stellen wir ihn in die Mitte des
Suchers. Er sollte nun auch in der
Mitte des Gesichtsfeldes des
Hauptteleskops stehen. Falls nicht,
ist jetzt der richtige Zeitpunkt um
den Sucher entsprechend zu
justieren.
Jetzt bringen wir Karte und
Sucheransicht in Übereinstimmung
und orientieren uns kurz. Die Kartenansicht ist auf den nachfolgenden Grafiken kopfüber dargestellt,
so wie sich das Sternfeld auch im
Newton-Teleskop und im 6x30
Sucher präsentiert.
Kreis 1: 6-7 hellere Sterne sind
problemlos im Sucher erkennbar.
Wir blicken weiter durch den Sucher
und stellen Alnath ein wenig nach
oben im Sucher (das Hauptrohr
muss wegen der umgekehrten
Ansicht nach oben bewegt werden).
Es erscheint das markante Sternpärchen P1 im Gesichtsfeld.
Kreis 2: Stellen wir jetzt das
Pärchen im Sucher nach rechts
oben. Nun erscheinen Phi und Chi
Auriga (P3) im Gesichtsfeld - zwei
Sterne die bei gutem Himmel auch
mit freiem Auge zu sehen sind.
6 Alrukaba | Frühjahr 2005
Zusätzlich werden wir noch das
Pärchen P2 im Sucher vorfinden.
Kreis 3: Setzen wir P3 im
Sucher nun etwas nach rechts,
dann sind wir bereits im Sternfeld,
das M36 enthält. Sollte das Objekt
im Sucher unsichtbar bleiben,
zentrieren wir den Stern HR 1854
(z) im Sucher.
Jetzt
blicken
wir
durchs
Hauptteleskop. HR 1854 präsentiert
sich mittig im Okular und wir
erkennen mühelos drei weitere
Sterne der 8. Größe.
Von hier aus ist es ganz leicht
M36 zu finden. Je zwei Sterne
liegen auf einer Linie, die zu M36
weist. M36 befindet sich zudem
schon am Rand des Gesichtsfeldes.
Übrigens liegen in der Nachbarschaft auch die beiden anderen
großartigen offenen Sternhaufen
des Fuhrmanns Messier 37 und 38.
Der Aufsuchvorgang klingt ein
wenig kompliziert; Realzeit braucht
man für diese kleine StarhopperRoute keine volle Minute und wird
schnell mit dem prächtigen Anblick
des schönen offenen Sternhaufens
belohnt.
Tipp
Bewegt man sich in sternreichen Regionen oder weitab heller
Objekte, wird man schnell dahinter
kommen, dass die Essenz des
Starhoppings darin besteht Muster
zu finden, die ins Gesichtsfeld des
Suchers oder des Hauptteleskops
passen. Und markante Muster
finden sich immer!
Um das visuelle Erinnerungsvermögen zu unterstützen ist es
zusätzlich günstig Mustern nach
persönlicher Kreativität Namen zuzuweisen. Viele erkennen und erinnern leicht einfache geometrische
Figuren und dann heißen die Muster entsprechend "gerade Linie",
"gleichseitiges Dreieck", "Kreisbogen", "Parallelogramm", etc...
Häufig kommen auch einfache
Figuren wie in nachstehender
Grafik vor. Der Phantasie sind
kaum Grenzen gesetzt.
Schluss
Noch nie zuvor stand den aktiv
beobachtenden
Amateurastronomen eine so große Menge an
hilfreicher Ausrüstung zur Verfügung wie heute. Dazu gehören u.a.
die GoTo Teleskope, die prozessorgesteuert
selbsttätig
jeden
gewünschten Punkt am Himmel
finden und uns sogar erklären
können, was wir betrachten. Da
erhebt sich natürlich die Frage:
Wozu Starhopping, wenn es auch
praktisch ohne Bemühung geht.
Die sehr einfache Antwort
darauf lautet: Es macht Freude! Ein
Sternfreund verglich Starhopping
und GoTo-Geräte einmal mit
Angeln gehen. Warum sollten wir
geduldig warten, dass wir einen
Fisch an den Haken kriegen, wenn
es den Fisch im Geschäft ums Ecke
zu kaufen gibt? Sehr einfach: Es
bringt ein schönes Erfolgserlebnis.
Die Freude am Starhopping ist
die Freude des Jägers, der mit
Geduld und Akribie seine Beute
verfolgt, bis er sie sicher im Visier
hat.
► VON STEFAN SALAMON
Grundlagen
Mondkrater in der Küche
E
s ist nicht leicht, sich die
Vorgänge der Kollision zweier Himmelskörpers vorzustellen. Dies liegt daran, dass die
freigesetzten Energien unvorstellbar
groß sind. Im Vergleich dazu sind
selbst die stärksten von Menschenhand erzeugten Explosionen winzig.
Lesen wir ein wenig über die
Entstehung der Mondkrater, werden
wir häufig mit ziemlich konkreten
Angaben konfrontiert: Wie groß die
freigesetzte Energie war, wie
schnell der Himmelskörper war und
sogar wie groß. Woher kennt man
diese Zahlenwerte?
Sie errechnen sich aus dem
Zusammenhang zwischen Bewegungsenergie (E), Masse (m) und
Geschwindigkeit (v) sind so miteinander verknüpft: E=0,5*m*v*v.
Da man Energie und Geschwindigkeit recht gut schätzen kann ist der
größte Unsicherheitsfaktor normalerweise die Masse. Was man aus
Modellrechnungen und Beobachtungen lernen kann ist die Größe
der freigesetzten Energie und die
wahrscheinliche
Geschwindigkeit
des Himmelskörpers. Ist beides
ungefähr bekannt, kann man die
Masse und daraus wieder leicht die
Größe des Impaktes errechnen.
Hase und Igel
Die Geschwindigkeit (v)
Die Geschwindigkeiten von
Körpern im Sonnensystem sind
nicht wahllos unterschiedlich. Je
nachdem aus welchen Regionen
ein Körper ins innere System
vordringt, liegen die Geschwindigkeiten typischerweise zwischen 10
und 70km/sek. Dazwischen liegt
zwar "nur" der Faktor 7. In der
Formel, in die anschließend die
Zahlenwerte von Energie und Geschwindigkeit eingesetzt werden,
um die Masse des Himmelskörpers
zu bestimmen, wird die Geschwindigkeit aber quadriert. Ob man 10
oder 70 einsetzt, ändert daher den
Wert der Masse um den Faktor 49!
Für Geschwindigkeitsschätzungen
wird übrigens auch die Flugbahn (z.
B. Winkel zur Ekliptik) des Körpers
ins Kalkül gezogen. Kometen können bekanntlich Bahnen aufweisen,
die fast rechtwinkelig zur Ekliptik
stehen. So wie z.B. die Bahn des
Kometen C2001Q4 Linear, den
viele von uns im Spätfrühling vergangenen
Jahres
beobachten
konnten.
Wer bietet mehr
Die Schätzung der Energie (E)
Von einem Krater kennt man
natürlich seine Größe und die Höhe
des Kraterwalls. Damit kann die
Masse
an
herausgesprengtem
Gestein berechnet werden. Aus
diesem auf- und ausgeworfenen
Material kann der dafür erforderliche
Energieaufwand
ermittelt
werden. Hierbei müssen trotz aller
Simulations-Unterstützungen viele
Annahmen gemacht werden: Wie
viel Gestein wird zum Beispiel
verdampft, oder 'nur' pulverisiert,
oder verformt; oder wie weit wird
Gestein weggesprengt. Am Ende
der Überlegungen hat man meist
trotz der vielen Annahmen eine
recht genaue Vorstellung und einen
plausiblen Wert der Einschlagsenergie.
7 Alrukaba | Frühjahr 2005
Stein oder Eisen
Die Dichte
Eine weitere Annahme muss für
die geometrische Größe des
Körpers gemacht werden. Sie hängt
zum einen natürlich davon ab, wie
schwer der Einschlagskörper ist,
zum anderen auch von seiner
Dichte. Die Werte hierfür sind den
Astronomen aber bekannt und
liegen zwischen 1 (für Eis=Kometenkörper) und 3,6 (für Steinkörper=Asteroid.)
Ergebnis und Fallbeispiel
Der
Zusammenhang
von
Kratergröße mit Energieumsatz,
Geschwindigkeit, Masse und Größe
des Himmelskörpers ist von vielen
Unbestimmtheiten geprägt. Trotzdem kommt man durch Einbeziehen
aller Faktoren zu realistischen Ergebnissen.
Ein fiktiver durchschnittlicher
Meteorit hätte etwa:
• Eine Geschw. von 20km/sek
(immerhin 72.000km/h)
• Einen Durchmesser von 140m
• Eine Masse von ca. 5 Millionen
Tonnen (das ist ungefähr das
Gewicht der Cheops-Pyramide)
Die Einschlagsenergie liegt
dann ca. im Bereich 3,3x10hoch17
bis 10hoch18 Joule (das sind. etwa
10.000 Atombomben des Hiroschima Typs.)
Ganz grob gilt für die Erde
(nicht für den Mond wegen der
fehlenden
Atmosphäre)
die
Näherung: Ein Impakt wird einen
Krater schlagen der etwa dem
20fachen seines Durchmessers
entspricht. Ein 50meter Körper wird
demnach einen Krater von etwa 1
Kilometer Durchmesser hinterlassen. Wobei Körper dieser Größe
noch gar nicht "einschlagen", sondern über dem Boden aufgrund der
Reibungshitze explodieren. Am
Mond, wo keine bremsende Atmosphäre existiert ist der Effekt lokal
auf das Einschlagsgebiet begrenzt
noch wesentlich dramatischer.
Einschlag
Nun wollen wir noch untersuchen, was tatsächlich beim
Aufprall eines Impaktes auf dem
Mond passiert: Der Impakt nähert
sich zunächst ungebremst mit etwa
60facher
Schallgeschwindigkeit.
Beim Aufprall durchdringt eine
Stoßwelle von einigen Millionen Atmosphären Druck das Oberflächengestein. Der Impaktkörper wird
dabei der Reihe nach: komprimiert,
verflüssigt und schließlich komplett
verdampft. Die Stoßwelle dringt
Grundlagen
immer tiefer ins das darunter
liegende Material. Sie zerstäubt,
zertrümmert und verwirft dabei das
Gestein. Es verändert sich dabei in
einer für Impakte typischen Weise
(Strahlenkegel und planare Elemente bei Quarz.)
Die Druckwelle schwächt sich
nach unten und zur Seite ab, hat
aber noch genügend Kraft, das
Material der Umgebung zu erschüttern und zum Beben zu bringen.
Der Rest der Druckwelle wird ohne
weitere Zerstörungen den gesamten Mond durchsetzen. Gleichzeitig
kommt eine rückwärts gerichtete
Entlastungsdruckwelle zur Wirkung.
Erst jetzt wird in einer gigantischen
Sprengung der Krater geformt.
Riesige Materialmengen an Felsen
und Staub, teilweise glühend,
werden nach oben und zur Seite
geschleudert. Das ganze ist dabei
eingehüllt von einer kegelförmigen
Hülle besonders heftig beschleunigten Materials.
Die Oberfläche der Umgebung
wird von einer starken Hitzestrahlung überflutet. Dann federt
der Untergrund zurück und wird in
der Mitte des ausgesprengten
Beckens zu einem Zentralhügel
empor gepresst. Das entlastete
Gestein darunter findet seine neue
Ruhelage und verhindert so, dass
der Zentralhügel wieder nach unten
absinken kann. Der Kraterrand
jedoch rutscht nach innen hin nach
und bildet Terrassen, wie wir sie
besonders schön ausgeprägt innerhalb des Kraters Copernicus mit
unseren Teleskopen beobachten
können.
Der eine oder andere empor geschleuderte Gesteinsbrocken überwindet die Mondanziehung und
durcheilt als neuer Meteoroid das
Sonnensystem. Viele werden allerdings auch sofort von der Erdanziehung gebunden. Die meisten
verglühen dabei als Meteoritenschauer in der Erdatmosphäre.
8 Alrukaba | Frühjahr 2005
Einige Brocken Mondgestein erreichen aber auch die Erdoberfläche.
Forscher haben solches Mondgestein vorwiegend in der Antarktis
gefunden.
Impakt in der Küche
Rosi Peach hat auf der neuen
Kinderseite von http://astronomie.de
ein paar interessante Versuche
durchgeführt. Es ging dabei um die
Erzeugung von Mondkratern – genauer eigentlich um eine Nachbildung der Mondoberfläche. Verschiedene Materialien wurden getestet, wobei zum Beispiel auch
Bälle als Impaktkörper und feuchter
Sand als Untergrund Verwendung
fand. Eine recht schöne und
stimmige Simulation gelang mit
angerührtem Gips kurz vor dem
Aushärten. Aber man muss wissenschaftliche Spiele ja nicht ausschließlich Kindern überlassen...
Als begeistertem Koch steht mir
die Simulation der Mondoberfläche
mit einer Schüssel Mehl am
Nächsten. Mehl repräsentiert dabei
die brüchig-staubige Regolith-Oberfläche des Mondes recht gut. Die
größte Schwierigkeit besteht in der
Simulation der Impaktgeschwindigkeit. Weil die Geschwindigkeit
zudem quadriert wird, kann man sie
schwerlich entsprechend erzeugen
und auch nicht durch Masse
ersetzen. Die besten Ergebnisse
konnten mit Maschinenschrauben
von etwa 3cm Durchmesser erzielt
werden, die man aus etwa 2m50
Höhe einfach in die Mehlschüssel
fallen lässt.
Die Erkenntnisse sind erstaunlich genug. Versprengtes Mehl
findet sich noch in gut zwei bis drei
Metern Entfernung vom Einschlagspunkt. Das Material wird tatsächlich
weit aus dem kleinen Krater hinausgesprengt. Dann der Krater selbst:
Da die Schraube senkrecht zur
Mehlfläche einschlägt ist der Kraterwall kreisrund. Wie auf dem Mond
ist er relativ flach, mit einer sanften
Steigung zum Kamm hin, der – materialbedingt - nicht allzu scharf
aber doch deutlich gezeichnet ist.
Überraschend ist auch, wie gut die
Kraterinnenwände passen: Eindeutig ist die Terrassenbildung vom
nachrutschenden Material zu erkennen. Der Kraterboden ist wie am
Mond tiefer als die "Oberfläche"
außerhalb des Kraterwalls.
Was nicht funktioniert ist der
Zentralberg. Das Material wird zwar
hochgeschleudert, aber nicht erkennbar auf einer mittleren Achse.
Es bleibt keine zentrale Erhebung in
der Mitte über. Vermutlich ist die
Analogie in dem Bereich einfach
ausgereizt. Die Mehlteilchen sind im
Vergleich zur Erdanziehung zu
leicht, der Impaktkörper zu unelastisch in seinem Verhalten. Zudem
verschwindet die Maschinenschraube nicht im umgebenden Material,
sondern guckt normalerweise noch
einige Millimeter weit heraus.
Der Zentralberg im
Wasserglas
Was man bräuchte wäre ein
Impaktkörper, der die Kompressionsphase mitmacht und sich
anschließend mit dem umgebenden
Material verbindet. Wieder bietet die
Küche alle notwendigen Materialien. Beim zweiten Versuch wird ein
Glas voll Wasser die Mondoberfläche repräsentieren und ein Tropfen (aus einer Pipette) den Impaktkörper simulieren. Natürlich - der zu
erwartende Zentralberg erstarrt
nicht, sondern fließt sofort wieder
ins Glas zurück. Man kann ihn aber
trotzdem zum Erstarren bringen indem man die Zeit einfriert.
Es muss nur noch eine Kamera
mit Makroobjektiv und Drahtauslöser (oder Normalobjektiv mit
Zwischenringen) aufgebaut und
sorgfältig aufs Glas ausgerichtet
werden. Bei einem 1000stel Belichtung haben wir zwar noch Bewegungsunschärfen auf dem Foto,
erhalten aber trotzdem schon
erkennbare Ergebnisse. Das Wasser spritzt übrigens nicht so unkontrolliert, dass die Kamera nass wird.
Den eine oder anderen kleinen
Tropfen kann sie aber schon
abkriegen.
Nun lässt man einen einzelnen
Tropfen aus etwa 100cm Höhe in
das Glas fallen. Und betätigt genau
im richtigen Moment den Auslöser
(und das ist natürlich der schwierigste Teil)...
Fotoanalyse
Der Tropfen nimmt sofort nach
Grundlagen
dem Verlassen der Pipette eine fast
kreisrunde Form an. Er trifft mit
etwa 4,4m/s (~16km/h) auf die
Wasseroberfläche auf. Wie beim
echten Impakt dringt die Stoßwelle
des Tropfens tief in das darunter
liegende Material. Ebenso schwächt
sich die Druckwelle nach unten und
zur hin Seite ab. Wir sehen dies als
die vom "Krater" weggerichtete
Wellenbewegung und das Auftürmen der Kraterwände.
An der Basis des Zentralberges
ist die Oberfläche tiefer als in der
Umgebung. Das ändert sich mit der
Weiterentwicklung der Entlastungsdruckwelle.
Material wieder absenken. Da die
Spitze der rückwärtsgerichteten
Entlastungsdruckwelle
außerdem
eine höhere Geschwindigkeit hat
als die Basis, schnüren sich die
oberen Teile der auftürmenden
Massen ab und bilden wieder
Tropfen, die noch einmal - mit
verminderter Energie - nach oben
geschleudert werden und im
Realfall auch noch Klein- und
Kleinstkrater bilden würden.
Die Mondoberfläche birgt noch
viele Geheimnisse und wer weiß vielleicht gelingen mir demnächst
Simulationen des Schröter-Tals mit
Bechamelsauce oder Lunardome
mit Tacos. Ich arbeite dran.
Link Empfehlung
Aber anders als beim Versuch
mit dem Mehl kommt jetzt auch eine
rückwärts gerichtete Entlastungsdruckwelle zur Wirkung. Wunderbare Zentralberge türmen sich auf.
Das Objektiv war leider ein
wenig zu nah am „Krater. Trotzdem
kann man gut sehen, dass sich hier
schon ein mondkraterähnliches
Gebilde formt. Der „Krater“ hat
einen Wall, der „Kraterboden“ ist
insgesamt tiefer als das Umgebungsniveau - wölbt sich aber zum
Zentralberg hin leicht auf. In der
Realität passiert das genauso,
später wird sich der Kraterboden
jedoch mit dem Herabstürzenden
http://www.walterfendt.de/ph11d/stoss.htm
http://monet.physik.unibas.ch/introphysik/Kapitel_2/sld011.htm
http://lunarexplorer.at.tf
http://www.astronomie.de/kinder/bastele
cke/mondkrater.htm
http://wwwlb.ph.tum.de/events/projekt_
mondkrater/beschreibung.html
► VON STEFAN SALAMON
Rosetten Nebel ,
Optik+Montierung:
Vixen R200SSDG (8"/f4)
+ Baader Komakorrektor
+ Astronomik UHC-Filter
Kamera:
Modifizierte Canon
EOS 20D
Aufnahme:
12x420sec./ISO1600 +
5x60sec/ISO1600
Nachbearbeitet mit
ImagesPlus + Photshop
CS
Foto:
Gerhard Bachmayer
9 Alrukaba | Frühjahr 2005
Humor
Ein unvergesslicher All-Tag
R
eisen beginnen bekanntlich
im Kopf. Also dann, warum
nicht: „Augen zu, Füße
hochlagern und los geht’s“.
Es soll nämlich eine ganz
besondere Reise werden, eine
Reise zu einem anderen Stern.
Zuerst gibt’s noch ein kräftiges
Frühstück,
dann kommt
das
Hineinzwängen in den Raumanzug.
Schlank und rank steigen wir dann
in den Lift zum Raumschiff. Das
wartet nämlich schon mit dampfenden Düsen. Bequem nehmen wir
Platz, schnallen uns an und zählen
von 10, 9, 8, 7, ........ rückwärts.
Mehr
kann
ein All-TagsReisender im Moment für seine
Gesundheit nicht tun.
Aber so einfach ist das nicht,
auch nicht für einen Hobby-AllReisenden. Monatelange, körperliche Vorbereitungen sind erforderlich, jeden Tag 5 Liegestütz und 5
Kniebeugen am Morgen, Pulsfrequenz penibel eintragen in ein
Bücherl usw., aber das kennt ja
jeder aus Raumschiff Enterprise.
Ganz schön anstrengend übrigens
für Laien, die einfach nur ins All
wollen. Aber zu guter letzt haben es
fast alle Teilnehmer geschafft.
Jetzt aber rumpelt und pumpelt
es, nur wenige Sekunden später
aber, Ruhe, nichts als Ruhe. Eine
endlose Weite breitet sich vor uns
aus. Die Sterne scheinen so hell,
keine Wolke trübt mehr den
Himmel, wir sind im Orbit.
Minute um Minute, Stunde um
Stunde, Tage um Tage, ja Jahre um
Jahre vergehen, würden die auf der
Erde Zurückgebliebenen sagen, für
uns aber, die kleine ausgewählte
Reisegruppe, vergeht keine Zeit,
denn es ist keine Sonne mehr da,
die auf und untergeht. Ein endloser
Tag oder vielmehr eine endlose
Nacht. Jahrhunderte vergehen und
erscheinen uns trotzdem nur wie
ein einziger Tag. Die Stimmen von
der Erde, Baikanur, Gänserndorf
und Cape Caneverall sind schon
lange verstummt.
Gänserndorf deshalb, weil es
10 Alrukaba | Frühjahr 2005
genau in der Mitte zwischen
Baikanur und Cap Caneverall liegt,
im Zentrum der galaktischen Kommunikation sozusagen.
Mit Mühle und Mensch-ärgeredich-nicht vertreiben wir uns die
Zeit.
Doch dann meldet die Stimme
des Bordcomputers die nahe
Ankunft. Nach lang ersehnter Zeit
erscheint ein Stern, der rasch,
relativ gesehen, näher kommt und
da, jetzt können wir es deutlich vor
uns sehen, ein Ring von Planeten
umkreist ihn. Immer näher und
näher bringt uns unser Raumschiff.
Da endlich ein Planet, ähnlich
unserer Heimat, erscheint links im
Bordfenster.
Die Landung wird vorbereitet,
unser Herz klopft vor Aufregung.
Sanft und ohne Probleme setzen wir auf, Außerirdische kommen
uns neugierig entgegen und heißen
uns willkommen. Wir übergeben
ihnen eine CD mit allem was unsere
Menschheit so zu bieten hat,
Strichzeichnungen von uns Menschen, Musiktöne die keine Musik
sind, sondern nur Töne, damit die
freundlichen Wesen vom anderen
Stern wissen, mit wem sie es zu tun
haben und was wir alles können.
Selbst die schwierigsten Themen,
wie z.B. der Unterschied zwischen
Mann und Frau, alles erklärt auf der
CD. Freudig nehmen sie unser
Gastgeschenk in empfang und
übergeben uns ihrerseits ausgewählte Steine ihres Planeten.
Wahrlich ich sage euch, das haben
wir nicht erwartet. Auf unserer
Reise zurück, können wir nun
endlich unsere teuren Apparaturen
einsetzen, Lineal und Zirkel, alles
liegt bereit, zur Analyse des
außerirdischen Materials.
Tränen vor Glück und Rührung
in unseren Augen treten wir unsere
All-Tagesreise zurück zur Mutter
Erde an. Noch rasch die lieben und
freundlichen Hände unserer neuen
Freunde geschüttelt und dann aber
los. Unsere Lieben warten ja schon
auf uns.
Und wieder geht es Jahrhunderte zurück in unserem Raumschiff.
Die Zeit wird uns zu kurz, vor lauter
analysieren und debattieren. Doch
dann, wir können es kaum
erwarten,
jagen wir den Planeten unserer
Sonne entgegen. Schwupps durch
die Ringe des Saturns, kerzengerade vor Ehrfurcht vorbei an
Jupiter, Mars empfängt uns mit
seinem freundlichen Rot und dann
unsere Erde. Endlich wieder
Daheim.
Leider funktioniert die Sprachverbindung nicht, wir können nur
Lärm, Krächzen und Pfeifen
verstehen. Wir bereiten die Landung vor. Und dann, der erhebende
Augenblick. Die Landeklappe öffnet
sich. Herrlich, der Tag könnte kaum
schöner sein, strahlend blauer
Himmel und eine wohlige Wärme
empfängt uns und dann ...
Menschen überall Menschen,
so weit das Auge reicht. Sie stehen
und sitzen und 22 laufen einem Ball
hinterher, zur Feier des Tages,
dass wir wieder da sind, nach so
langer Zeit.
Dann in der Spielpause kommt
eine Delegation auf uns zu, begrüßt
uns, übergibt uns die obligate CD
von der Erde. Etwas erstaunt aber
glücklich überreichen wir unseren
Brüdern und Schwestern unseren
kostbaren Schatz.
Enttäuschung macht sich auf
ihren Gesichtern rundum breit. Wir
hören
wie sie untereinander
tuscheln und sagen: „Von so weit,
ja von einem anderen Stern sind die
zu uns gekommen und dann haben
sie für uns nur einen Sack voller
Steine. Hätten uns auch eine CD
mitbringen können.“
Zum Glück fängt die neue
Spielhälfte an, die Delegation
verläuft sich und wir, die so viel
Mühen auf uns genommen haben,
verlieren uns unbeachtet in der
Menge.
► VON PETER MORTH
Selbstbau
Gartensternwarte mit Schiebedach
M
it Christians Anschaffung
einer CCD-Kamera wurde
auch die Notwendigkeit
einer festen Behausung für unsere
Fotosessions ersichtlich. Im Herbst
Winter 2003/2004 lagen die Kabel
und Stecker- Verbindungen des
öfteren blank (im feuchten Gras)
oder es musste ein Platz im Garten
vom Schnee befreit werden. Uns
selbst pfiff häufig der kalte Wind um
die Nase. Christian und Jürgen
meckerten und meinten: „eine
Sternwarte wäre doch toll, sie
würde uns vor Wind schützen und
sie würde uns eine menge Arbeit
ersparen etc...“. Irgendwann war ich
der Meckerei mürbe, so dass ich
Christian im November 2003
Christian erstmals Pläne zum Bau
einer Sternwarte schmiedete.
Folgende Überlegungen
wurden angestellt:
Standort im Garten und Höhe der
Säule.
Der genaue Aufstellungsplatz
im Garten hatte sich bei Beobachtungen im laufe der Jahre bereits
herauskristallisiert. Die hohe Mauer
des östlichen Nachbars bietet etwas
Schutz vor seiner eingeschalteten
Außenbeleuchtung.
Sternbild
Schütze, Skorpion etc. sind mit dem
Teleskop darüber hinaus noch
erreichbar. Im Norden stehen
unsere Bäume in ausreichender
Distanz, der Polarstern damit nicht
verdeckt wird. Im Osten ziemlich
freie Sicht. In (Süd)Südost stören
eine Straßenlampe, im Winter das
aufgeheizte Hausdach und eine
große Fichte, welche demnächst,
irgendwann, vielleicht und möglicherweise umgesägt wird (nix ist
fix). Die Höhe der Säule wurde so
gewählt, dass sich der Kopf beim
11 Alrukaba | Frühjahr 2005
Aufsuchen mit Suchfernrohr und
beim Beobachten mit SchmidtCassegrain und Refraktor im
„Schatten“ unseres Hauses und der
Nachbarsmauer befindet und maximale Südsicht geboten wird. Beim
Newton kann’s passieren, dass
man vom Fremdlicht gestört wird –
naja, man kann eben nicht alles
haben.
Bauart
In der mehrmonatigen Entscheidungs- und Planungsphase bin ich
mehrmals zwischen Kuppel, Klappund Schiebedach hin und hergewankt. Und in meinem Kopf geisterten nächtelang Detailprobleme.
Kuppel: Anfangs war ich von
einer Kuppel begeistert. Man ist
wind- und streulichtgeschützt und
vor allem – es schaut aus wie eine
Sternwarte. Bekannte Probleme
sind die Luftunruhe am Kuppelspalt
und wer dreht die eigentlich bei
Langzeitbelichtungen mit? Verworfen wurde die Idee wegen der
Bauhöhe. Eine im Durchmesser
zumindest 3,5 Meter große Kuppel
wäre alleine 1,75 Meter hoch, mit
ca. 30 cm Höhe für Laufräder mit
Auflagering und Unterbau mind. 1
Meter (irgendwo muss man ja rein),
wäre
die
gesamte
Bauhöhe
inakzeptabel. Wenn ich den Unterbau wegließe und die Kuppel mit 4
Meter Durchmesser und 2 Meter
Höhe gleich auf den Boden setzte,
müsste eine Eingangstür in die
Kuppel eingebaut werden, womöglich von außen noch ein, zwei
Stufen anbauen, das ganze muss
natürlich wasserdicht sein, wo soll
der Strom rein usw. – viel zu viele
Detailprobleme.
Klappdach: Diese Version war
mir vom Platzbedarf sympathischer
als ein Schiebedach. Ich hatte mir
vorgestellt, die Dachhälften zuerst
auseinander zuziehen und dann
herunterzuklappen. Die Rolle unter
der Dachmitte bliebe am Mauerrand
eingehängt. Für eine Hütte von 3 x
3 Metern müssten die noch eine
Spur größeren Dachhälften aber
sehr stabil und somit schwer gebaut
werden (etwaige Schneelast zu
tragen), was das Öffnen und
Schließen zu anstrengend gemacht
hätte.
Schiebedachhütte: Somit bin ich
bei der am wenigsten favorisierten
Schiebedachhütte hängen geblieben. Der Platzbedarf inklusive
Abrollschiene und Stehern macht
das doppelte der Grundfläche aus.
Die Vorteile sind bekannt: RundumBlick, kein schlechtes Seeing am
Kuppelspalt,
die
Hütte
kühlt
schneller aus, beim Fotografieren
braucht man sich keine Sorgen ums
Nachführen der Kuppel machen, 3
Meter im Quadrat bieten mehr Platz
als ein Kreis mit gleichem Durchmesser. Weiters war ein genauer
Bauplan verfügbar – aus einem
alten Buch, ausgeborgt von Karl
Vlasich.
Größe der Sternwarte
Die Größe ist abhängig von der
verwendeten
Gerätschaft.
Mit
Refraktor und angehängter CCDKamera sollte noch genügend Platz
sein, um jederzeit vorbeigehen zu
können – etwas Spielraum für
zukünftige Anschaffungen eingerechnet. Bei aufgebautem Refraktor
maßen wir noch mal nach und
entschieden uns für 2,80 x 2,80
Meter im Quadrat. Für die leeren
und vollen Zubehörkoffer wurde
noch ein Zubau von 80 cm Tiefe in
nördlicher Richtung geplant, der
sein eigenes festes Dach hat und
ein größeres Schiebedach unnötig
macht. Bei 3 x 3 Meter und ohne
Zubau gäbe es weniger Stauraum.
Die Gesamthöhe der Hütte
sollte die Nachbarsmauer um max.
50cm übersteigen und die Höhe der
Seitenwände sollte mit jener der
Mauer
im
Süden
und
der
Montierung in etwa eine Linie
bilden, damit am Südhorizont nicht
noch mehr Himmel verloren geht.
Geschätzt wurde das auf 1,70
Meter (inkl. ca. 20 cm für
Betonsockel/Balken).
Material
Holz musste es sein!
Eine Ziegelmauer wurde nur
kurze Zeit in Erwägung gezogen.
Es wäre’ zwar einfach gewesen,
weil mein Vater Maurer war, aber
Selbstbau
Ziegel speichern zuviel Wärme und
geben diese nur langsam wieder
ab.
Ein kurzer Ausflug in diverse
Baumärkte folgte mit der Absicht,
die Umbaumöglichkeit von FertigGartenhäusern zu prüfen. Für eine
Hütte der gewünschten Größe und
Preislage waren die Materialen viel
zu filigran. So blieb nur der
Selbstbau.
•Stromversorgung.
Fixe Stromversorgung mit Erdkabel verlegen hätte zuviel Stemmarbeiten erfordert, wir beließen es
mal dabei, dass jedes Mal die
Kabeltrommel die 15 Meter zur
Steckdose ausgerollt wird.
Schraube. Eleganter ist eine
Lösung die aus zwei Platten besteht. Die obere Platte kann mit der
Takahashi- Montierung fest verschraubt werden, die Azimutverstellung ist wie bei Losmandy. Die
untere Platte ist so gestaltet, dass
auch meine Losmandy- Montierung
direkt aufgesetzt werden kann.
Gezeichnet hab ich’s mal auf
Papier, den genauen Plan hat mir
mein Bruder am Computer ausgearbeitet.
Und nun zum Bau selbst:
Bauen ist gut. Bauen lassen
noch besser!
Christians Schwiegervater hat
schon immer gern mit Holz
gearbeitet hat und die entsprechenden Werkzeuge besitzt er auch.
Von Bauwerken wie einem fahrbaren Hochstand mit Anhängerkupplung ! für Jäger wurde berichtet. Es wurden die modifizierten
Pläne übergeben und – tja und?
Produktionsstätte war in der Nähe
von Tulln. Transport nach Wulkaprodersdorf? Ach was, wird uns
schon was einfallen. Der Bau der
Hütte erfolgte alleine durch Herrn
Steiger. Lediglich zwei Mal war ich
mit dabei, um mit Christian bei ein
paar Kleinigkeiten an Dach, Seitenverkleidung und beim ersten
Anstrich mitzuhelfen und die Hütte
für den Transport zu zerlegen.
Wir kümmerten uns einstweilen
um die Säule. Großes Thema war
auch, wie die Takahashi- Montierung auf der Säule befestigt
werden kann. Schließlich wird sie
normalerweise mit einer Schraube
von unten fixiert. Einfachste Lösung
wäre eine Art Metallwürfel mit einer
offenen Seite für den Zugriff zur
12 Alrukaba | Frühjahr 2005
Am 18. April in der Früh wurde
Fertigbeton in Säcken besorgt und
am Vormittag maßen wir noch mal
aus, wo genau die Säule stehen
sollte und es gab den Spatenstich.
Ein Loch von 70x70 cm und 80 cm
Tiefe wurde kurz vor Mittag
ausgehoben. Nach dem Essen
rüber zum Christian ein paar Bretter
und Holzlatten zusammengesucht,
wollten wir die Verschalung zusammenschrauben. Nach knapp
zwei Seitenteilen gingen uns die
Bretter aus und wir fuhren wieder in
den Baumarkt, um Nachschub zu
holen. Dort stolperten wir über eine
andere Möglichkeit: Vier Schaltafeln
von 1 x 2 Metern waren kaum
teurer als die ganzen Bretteln und
der Aufwand wesentlich geringer.
Zwei der Tafeln wurden trapezförmig zugeschnitten, oben 22
unten 40 cm. An den anderen
Tafeln wurde ein Trapez von oben
26 und unten 44 cm nur
eingezeichnet und Latten aufgeschraubt. Die vier Teile wurden zu
einer Stumpfpyramide verschraubt,
die Latten hielten beim Einfüllen
des Betons dagegen. Nach dem
Ausrichten mit der Wasserwaage
wurde
die
Konstruktion
mit
Spannriemen verstärkt und das
ganze im Erdloch mit Ziegeln
verkeilt. Die Mischmaschine wurde
angeworfen
und
der
Beton
abgerührt und in die Schalung
gefüllt, ein paar Stangen Baustahl
wurden auch versenkt. Auf der
halben
Strecke
ging
die
Verschalung aus dem Leim, die
Verschraubung war zu schwach.
Deshalb
wurden
auch
die
Spanngurte angebracht, außen
Erde angefüllt und festgestampft.
Beim letzten Stück ging uns auch
noch der Fertigbeton aus, weil
zuviel durch den Spalt verloren
gegangen war. Schnell Jürgen
angerufen, ja er wollte mit Schotter
und Zement kommen. Bis er
tatsächlich ankam, hatten wir schon
anderweitig Ersatz organisiert und
fertig verarbeitet – Jürgen war dann
ein bisserl grantig.
Für die vier Gewindestangen
zur Montierungsbefestigung hatten
wir auf einer Holzplatte genau die
Positionen
eingezeichnet
und
Löcher gebohrt. Die Stangen in die
Platte eingesetzt und das ganze mit
Kompass ungefähr nach Norden
ausgerichtet und in den weichen
Beton eingesetzt.
Tipp am Rande: die Gewindestangen lieber soweit rausstehen
lassen, dass sie zusätzlich mit
Muttern gesichert werden und erst
im nachhinein auf die passende
Länge zurechtschneiden. Meine
Befürchtung war, dass beim Ab-
Selbstbau
sägen die Gewindegänge kaputt
gehen – wäre aber kein Problem
gewesen. Die Gewindestangen
halten zwar auch so im Beton,
wenn man auf Nummer sicher
gehen will und dran denkt ist’s
besser auch am unteren Ende der
Stangen Muttern anzubringen.
Bei unserer Vorgangsweise war
natürlich KEIN Glück im Spiel. Alles
tagelang vorher bis ins Detail
durchdacht und KEINESWEGS auf
hauruck und hudriwudriund diepinguineschnellschnell
gemacht.
Die Zweikomponentensäule wurde
natürlich auch beabsichtigt so
gefertigt, schließlich dämpfen zwei
Sorten Beton die Schwingungen
noch besser, dunkles Material kühlt
nachts besser aus und die fast
ungesicherten
Gewindestangen
konnten im gröberen Beton ohnehin
nicht versinken – jawoll!
Das
Aluminium
für
die
Adapterplatten zu bekommen war
auch nicht einfach. Von den
diversen
Stahl-/Alubaufirmen
wurden uns meist nur mehr oder
weniger dünne Bleche angeboten.
Dort wo man’s eventuell noch
bestellen hätte können, wurden
horrende Preise verlangt (ca. 200,-Euro ohne USt., nur Material).
Christian
konnte
eine
Firma
ausfindig machen, wo das Material
grad die Hälfte kostete.
Am 6. Juni erfolge die erste
Teillieferung der Hütte und am 7.
Juni wurde das Fundament ausge13 Alrukaba | Frühjahr 2005
graben. Mit 4-metrigen Schalungsbrettern wurde die Außenkante
ausgelegt und mit einem schnell
zusammen gezimmerten rechten
Winkel aus drei langen Latten
ausgerichtet (beide Tipps vom
Vater). Entlang der Bretter konnte
genauer gegraben werden als bei
gespannten Schnüren. Am 8. Juni
wurde wieder betoniert allerdings
mit selbst angerührtem Beton.
Kaum waren wir fertig und hatten
alles mit Folie abgedeckt, entlud
sich das bereits drohende Gewitter
mit heftigem Regen, Blitz und
Donner.
Am Freitag 11. Juni wurden die
restlichen Teile der Hütte aus Tulln
geholt. Der ausgeborgte Mercedes
Pritschenwagen und die Abmessungen der Hütte waren
natürlich schon bei der Planung
aufeinander abgestimmt worden
(wer’s glaubt) und der Rest wurde
bei der Beladung mit Improvisations- und räumlichem Vorstellungsvermögen geklärt.
Am Samstag 12. Juni waren
Herr Steiger, mein Vater, Christian
und ich von früh an auf den Beinen.
Vier Pfosten wurden übers Fundament gelegt, ausgerichtet und
gleich drauf standen die Wände und
wurden mit Gewindestangen verschraubt.
Der
Zubau
wurde
dazugestellt und ebenfalls verschraubt. Zwischendurch wurden
Pfosten und Wände mit dem
Fundament zur Deckung gebracht
und die Pfosten mittels starken
Winkeleisen mit dem Fundament
verschraubt. Anschließend wurden
die Steher mit den Schienen für das
Rolldach eingepasst und ausgerichtet.
Fürs Aufsetzen der beiden
Dachhälften hab ich noch die
Verwandtschaft
und
meinen
Nachbarn eingeteilt. Zu acht hievten
wir jeden Teil in die Schiene, Tage
zuvor beim Zerlegen reichten drei
Personen um es herunter zunehmen. Die Hälften wurden gleich
verschraubt, damit nichts mehr
passieren kann. Kurz nach Mittag
schaute Jürgen vorbei und half
beim Dachdecken mit Teerpappe
und Bitumenschindel. Wir verwendeten schwarze Schindeln weil
Herr Steiger noch ein paar Pakete
davon zuhause herumliegen hatte
ebenso wie eine Rolle Teerpappe.
Natürlich ging sich das ganze
wieder so genau aus, als hätten
wir’s auf Punkt und Komma genau
berechnet.
Abschließend wurde noch der
Fußboden eingesetzt und um ca.
20.00 Uhr war die Sternwarte fertig.
Im Laufe der nächsten Wochen
wurden Hütte und Laufschienen
noch einmal sorgfältig gestrichen,
die Räder vom Dach mit Metallplatten unterlegt und andere
Kleinigkeiten erledigt. Im November
haben wir noch ein altes PVCAbflussrohr der Länge nach halbiert
und mit Scharnieren über die
Schienen fürs Rolldach montiert.
Das soll uns davor bewahren, dass
bei einer spontanen Beobachtungssession die Schienen erst mühsam
von Eis und Schnee befreit werden
müssen.
Tipps
Immer reichlich Material haben,
es ist immer zu wenig (Zement,
Fertigbeton). Nicht unbedingt mit
Zufall und Glück rechnen (Transport, Adapterplatte). Manchmal
muss man stur bleiben und „gut
gemeinte Ratschläge“ ignorieren,
weil andere nicht wissen was
schlussendlich rauskommen soll.
Danke
An Christians Schwiegervater,
Herrn Steiger, fürs Bauen von A-Z,
Dobrovits Peter fürs Ausborgen des
Transporters,
Verwandten
und
Freunden für spontane Mithilfe, den
Freunden „Glück“ und „Zufall“ als
Planung und Improvisationstalent
auch nichts mehr genützt hätten.
► VON CHRISTIAN VASS
Erfahrungsbericht
HGM- Titan eine mittelschwere Montierung
mit gutem Preis/Leistungsverhältnis
V
or einigen Jahren erwarb ich
ein Celestron C14 und der
Händler sicherte mir zu, dass
die Losmandy G-11 Montierung
auch fotografisch ausreichend sei.
Also erwarb ich auch diese Montierung, welche ich prinzipiell als
sehr gut erachte. Allerdings ist sie
für das C14 (reines Tubusgewicht
26kg), einer SBIG ST-10 und einigen zusätzlichen Dingen (Schiene,
Sucher, usw) doch etwas überlastet. Also kam unweigerlich die
Zeit, wo ich mich nach einer stabileren Montierung sehnte.
Nach einiger Recherche fand
ich Montierungen im Preissegment
von € 8000,- bis € 15.000,- was mir
eindeutig zuviel war. Da ich mit
meiner G-11 und der Gemini- GotoSteuerung eigentlich sehr zufrieden
war, sah ich natürlich auch auf der
Losmandy- Homepage nach und
entdeckte die HGM- Titan. Eine
Montierung, welche laut Hersteller
100lb also 45,4kg Tragfähigkeit hat
und das zu einem Preis von USD
5000,- (mit Zoll und Versandt etwa
€ 5.200,-). In diesem Preis ist die
Gemini- Goto- Steuerung Level-3
inkludiert. Mit dem Dreibein kostet
die Montierung USD 6.000,-.
Was mich unsicher machte war,
dass man von dieser Montierung
nichts las oder hörte. Also schickte
ich an Scott Losmandy und René
Görlich (Entwickler der GeminiGoto-Steuerung) Emails mit spezifischen Fragen los und suchte
nebenbei Webseiten von Anwendern. All die Informationen ließen
mir das Risiko erträglich erscheinen, diese Montierung zu bestellen.
Die Lieferzeit betrug etwa 4 Monate, was gegenüber anderen Montierungsherstellern eher kurz ist.
Nach
endlos
scheinender
Wartezeit kam sie endlich in 2
Kisten, professionell verpackt und
nur so weit wie nötig zerlegt. Der
erste Eindruck war sofort umwerfend. Die Dimensionen sind
nicht mit der G-11 vergleichbar. Auf
den Fotos konnte man diese nicht
14 Alrukaba | Frühjahr 2005
erahnen. Die Schnecken der G-11
erscheinen wie billiges Spielzeug
gegenüber den riesigen abgeschlossenen
Schnecken-Blöcken
der Titan.
Abb: Schnecken
Die Montierung ist auf einfache
Weise in 2 Teile zu zerlegen, wobei
jeder Teil etwa das Gewicht einer
kompletten G-11 Montierung hat.
Somit
ist
diese
Montierung
sicherlich transportabel, wenn ich
auch zugebe, dass sich mit zunehmenden Alter die Freude am
Schleppen in Grenzen hält.
Bedenken hatte ich bei den
Gemini- Motoren, welche die gleichen sind wie bei der G-11 und bei
dieser hatte ich einige Schwierigkeiten, da diese bei kleinster
Unausgewogenheit stecken blieben. Doch auch hier wurde ich
angenehm überrascht. Auch wenn
man nicht so genau austariert,
arbeiten die Motoren wie gewünscht. Dies muss wohl daran
liegen, dass bei der HGM-Titan das
Getriebe
um
einiges
stärker
gemacht wurde.
Zum Unterschied zur G-11 hat
die HGM-Titan 2 Klemmschrauben
beim Tubus- Montage- Schwalbenschwanz und wenn man diese
aufdreht, kann man den Tubus
wegklappen und erspart sich das
schwierige Einfädeln der Schiene in
die Schwalbenschwanzführung.
Als ich nun die HGM-Titan mit
dem Säulenadapter zum ersten Mal
auf meine vorgefertigte Betonsäule
montierte, musste ich feststellen,
dass die Polhöhe auf etwa 15°
eingestellt war. Über den Polhöhenknopf kann man allerdings nur eine
Veränderung von etwa 15° vornehmen. Also musste ich den Montierungskopf zuerst in den Bereich
von etwa 50° heben. Laut Hersteller
muss man nur 6 Imbusschrauben
komplett aufschrauben den Kopf so
weit heben, bis man die entsprechenden eingefrästen Muttern
sieht und danach die Schrauben
wieder einsetzen. Die Feinjustierung erfolgt danach über den großen Polhöhenknopf. Doch das
gestaltete sich gar nicht einfach.
Diese
Imbusschrauben
liegen
nämlich weit nach innen versetzt
und wenn man sie aufschraubt,
dann fallen diese leicht in das
innere des Gehäuses hinein und
das bedeuten, die Montierung
wieder in 2 Teile zerlegen, den etwa
17kg schweren Teil heben und
schütteln bis die Schraube über
einer der 3 kleinen Löcher zum
Vorschein kommt. Leider gelang mir
das bei einer Schraube nicht, so
dass meine Polhöhe nun nur mehr
mit 5 Schrauben fixiert ist.
Abb: Polhöhe
Doch abgesehen von diesem
Manko, fiel mir nichts negatives auf.
Sie ist sehr stabil und kommt ohne
Probleme mit dem C14 (ca. 30kg
mit Kamera, usw) zurecht.
Abb: Titanmontirung mit C14
Erfahrungsbericht
Die Gemini- Goto Steuerung
besteht aus dem Steuerungsteil,
welchen man fix montieren kann
und dem mobilen Handteil. Das
einzeilige Display ist gut abzulesen
und die Folientasten sind auch mit
Handschuhen zu betätigen.
Es wurde versucht, mit wenig
Tasten durchzukommen, womit die
Bedienung vollkommen über die
Menüs erfolgt. Vielleicht hätte man
einige Tasten mehr anbringen
sollen, um oft benutzte Funktionen
(wie z.B. umschalten der Motorgeschwindigkeiten) schnell bedienen
zu können. Allerdings sind die
Menüs sehr logisch aufgebaut und
man findet sich mit etwas Übung
rasch zurecht.
Abb: Gemini Goto Steuerung
Die Gemini-Steuerung ist in 3
unterschiedlichen Level erhältlich,
wobei die HGM-Titan mit dem
besten, also Level 3 ausgeliefert
wird (Level 3 kann ich aus eigener
Erfahrung nur empfehlen, mit Level
1 hatte ich bei der G-11 viele
Probleme).
Die Steuerung enthält eine
Menge an gespeicherten Objekten
und es ist auch möglich bis zu 4000
eigene Objekte zu speichern.
• 110 Messier
• 8290 NGC
• 5437 IC
• 17636 SAO-Sterne
• 169 Helle Sterne mit gebräuchliche Namen
• Liste nach Sternbildern geordnet
• 313 H II Objekte (Sharpless 2)
• 3989 Doppelsterne
(Washington Double Star)
• 1143 Planetarische Nebel
(Stasbourg/ESO, usw.)
• 1802 Dunkel-Nebel (Lynd)
• 1125 Helle Nebel (Lynd)
15 Alrukaba | Frühjahr 2005
Wie bei allen Goto-Steuerungen
stehen auch hier eine Menge Funktionen zur Verfügung, wie z.B. PEC
(Ausgleich
des
periodischen
Schneckenfehlers) oder TEC (Ausgleich des Deklinations-Schneckenspiels).
Erwähnenswert
sind
aber
sicherlich 2 spezielle Funktionen,
die eine ist sehr praktisch bei
visueller Anwendung, die andere
bei Kometenfotografie.
Wenn man ein Objekt sucht, es
aber nicht im Okular sieht, kann
man einen Suchmodus starten,
wobei sich das Teleskop spiralförmig vom Ausgangspunkt nach
außen bewegt, kommt das Objekt in
das Gesichtsfeld, betätigt man eine
beliebige Taste, worauf die Bewegung stoppt. Der Suchradius kann
eingestellt werden.
Die Kometen-Tracking-Funktion
ist sowohl einfach wie auch genial.
Man stellt den Kometenkern in die
Mitte eines Fadenkreuzokulars und
startet die Initialisiertungsfunktion.
Danach wartet man z.B. 10 Minuten
und sieht ab und zu ins Okular,
damit der Komet nicht komplett
hinauswandert und stellt entsprechend nach. Am Ende der
Wartezeit stellt man den Kern
wieder exakt in die Mitte und stoppt
die Initialisierung. Die Steuerung
weiß durch die Differenz in RA und
DEC von der Anfangsposition und
der Endposition der Initialisierung
den Weg, den der Komet in der
Messzeit zurückgelegt hat und
berechnet automatisch die Abweichung zur normalen Erdrotation und
führt entsprechend nach. Natürlich
wird es genauer, umso länger die
Messzeit ist und umso höher man
mit dem Fadenkreuzokular vergrößert.
Grunddaten der HGM-Titan laut
Hersteller:
• alle Teile aus Stainless Steel
und Aluminium gefertigt
(schwarz)
• Achsen, 5 cm durchmessendes
Stainless Stahlrohr, 6,35 mm
Wandstärke
• Schneckengetriebe, Zahnrad
mit 17,1 cm Durchmesser, 270
Zähnen, 7075 Aluminum –
spezial behandelt
• Schnecken, Hitze gehärtet,
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
Basis Stainless Steel
kompakte Schneckengehäuseeinheit, beidseitig
kugelgelagert, justierbar
Machführung: +/- 5 Arc-Sec.
oder besser
arbeitet auch bei niedrigen
Temperaturen bis -18°C
12,9 cm durchmessendes
Nadeldrucklager
8,9 cm durchmessendes
dichtes Kugellager
7,9 cm durchmessende dichte
Kugellager für Schneckengetriebe
einzigartiges Design der
Polhöhenjustage 12-70 Grad,
großer Knopf für einfache
Justage
Laser gravierte Breitengradskala in 2 Grad Schritten
Einknopf-Horizontaljustage
Bidirektional +/- 10 Grad, X/Y
Achsen Libellen
variable Rutschkupplung, 35 cm
Durchmesser auf beiden
Achsen, Ein-Knopf Justage.
volle 360° Rotation in beiden
Achsen
total gekapselte Schneckengetriebe auf beiden Achsen
Tragegewicht fotografisch: 45kg
Montierungskopfgewicht: 34kg.
Zerlegbar in RA 17kg und DEC
17kg
abnehmbare Gegengewichtsstange mit Sicherheits-Stopp,
3,2 cm Durchmesser
2 Gegengewichte inkludiert: je
9,5 kg
aufspaltbare Schwalbenschwanzkonstruktion, 1.00" X
6.00" X 8.00"
für alle "D" Serien Schienen
geeignet
3,1 kg und 5 kg Gegengewichte
ebenfalls verfügbar
optional Off-Axes Polsucherfernrohr für die Nord- und
Südhemisphäre verfügbar
Gemini-Goto-Steuerung Level 3
inkludiert
Zusammenfassung:
Die Losmandy HGM-Titan ist
sicher eine preisgünstige Alternative für Teleskope über 20 kg und
unter 40 kg. Abgesehen von der
eigenwilligen Konstruktion der Polhöheneinstellung
macht
diese
Erfahrungsbericht
Montierung einen sehr stabilen,
sauber verarbeiteten und konstruktiv durchdachten Eindruck. In Kombination mit der im Lieferumfang
enthaltenen
Gemini-Goto-Steuerung bietet dieses System einen
Umfassenden
Funktionsumfang
und ausreichende Stabilität für
schwerere Amateurgeräte zu einem
relativen niedrigen Preis. Besonders für fix aufgestellte Geräte
ist diese Montierung interessant.
Internetinformationen über die
Montierung:
http://www.losmandy.com
Internetinformationen über die
Goto-Steuerung:
http://docgoerlich.de
Praktische Ergebnisse mit der
Montierung:
http://members.nextra.at/mschwarz/
astronomie
► VON MANFRED SCHWARZ
M 65 + M 66 + NGC 3628
Teleskop:
FC-60 Takahashi (60/355mm)
Kamera: Starlight MX-716
Belichtung:
4 x 300 sec mit Luminanzfilter
Ort:
Sternwarte Wulkaprodersdorf
Aufnahme und Bildbearbeitung:
Christian Vass und
Viktor Wlaschitz
M81 + M82
Teleskop:
Astrophysics 5 Zoll Refraktor
Kamera: Canon D10
modifiziert
Aufnahmeort : Pitten
Belichtung :
8 x 240 sec, 11 x 120 sec
Empfindlichkeit: 1600 Asa
Aufnahme und
Bildbearbeitung:
Dr. Franz Gruber
16 Alrukaba | Frühjahr 2005
Skywalker
Aktuelles am Himmel, März bis Juni 2005
D
er Frühling kommt! Die
klassischen
Wintersternbilder um den Orion, die zu
Winteranfang noch die ganze Nacht
am Himmel standen, finden wir am
Abend im Westen; der Himmel ist
zweigeteilt, den in der Osthälfte
stehen schon die Frühlingssternbilder, allen voran der Löwe. Es
sind diese berühmten vier Minuten,
um die der Fixsternhimmel von Tag
zu Tag früher in der gleichen
Stellung über uns steht. Sie
machen schon in zwei Wochen eine
Stunde aus, in einem Monat zwei
Stunden, u.s.w.
Für die Planetenbeobachter
brechen jetzt immer bessere Zeiten
heran. Saturn hat seine Opposition
zwar schon lange hinter sich und
bewegt sich wieder rechtläufig in
den Zwillingen unterhalb von Castor
und Pollux, doch im Frühling ist er
noch allemal ein lohnendes Beobachtungsobjekt. Fotografen sollten
sich aber beeilen, um noch Abende
zu nützen, in denen der Planet eine
beachtliche
Höhe
über
dem
Horizont erreicht und vom Seeing
nicht allzu sehr mitgenommen wird.
Auf den Riesenplaneten Jupiter
brauchen wir nicht mehr lange
warten; schon in den späteren
Abendstunden taucht er im Osten
auf, und von Abend zu Abend geht
er früher auf oder steht um die
gleiche Zeit höher.
Freunde
von
Jupitermonderscheinungen werden mit Missfallen bemerken, dass es heuer
keine Bedeckungen, Verfinsterungen oder Transits von Callisto mehr
gibt; das System der Jupitermonde
erscheint heuer schon recht weit
geöffnet und der äußerste der vier
Galileischen Monde zieht stets
oberhalb oder unterhalb des Planeten vorbei. Auch Erscheinungen
des größten Mondes, Ganymed,
werden schon rarer.
Von Ende Februar bis in die
dritte Märzwoche gibt Merkur ein
Gastspiel am Abendhimmel, mit
Feldstecher ausgerüstet, wird die
Suche nach ihm in der Dämmerung
leichter. Für Fernrohre oder gar
Fotos ist der sonnennächste Planet
allerdings kein lohnendes Ziel.
Und auch auf die Kometen
sollten wir nicht vergessen. C/2004
Q2 (Machholz) ist im Februar und
auch im März noch recht hell und
steht dazu noch nahe dem
Polarstern und ist somit die ganze
Nacht sichtbar. Für Fotografen ist er
allemal noch ein sehr schönes
Objekt. Wer den Morgenhimmel
bevorzugt, kommt in den Genuss
eines weiteren Kometen: C/2003 T4
(LINEAR) wandert südwärts durch
Delphin und Wassermann, dabei
wird er allmählich so hell, dass das
eine oder andere Foto ganz nett
werden kann. Doch leider wechselt
er wegen seiner senkrecht auf die
Ekliptik stehenden Bahn rasch auf
den Südhimmel und kann nach
seiner größten Annäherung an die
Sonne (Perihel) nur auf der
Südhalbkugel der Erde beobachtet
werden.
Das Frühjahr 2005 ist in
weiterem Verlauf davon geprägt,
dass die Tage länger, die Nächte
kürzer werden – vor allem für Deep
Sky Fotografen brechen wieder härtere Zeiten an. Entschädigt werden
wir durch den Riesenplaneten
Jupiter, der sich von Februar bis
Juni rückläufig in der Jungfrau
bewegt, die Zeit seiner besten
Sichtbarkeit.
In der Nacht vom 26. auf den
27. April gibt es dann einen der
Höhepunkte dieser Saison und
quasi eine der berühmten „zweiten
Chancen“: Noch einmal in diesem
Jahr bedeckt der Mond den hellen
Stern Antares im Skorpion, diesmal
zu einer etwas freundlicheren Zeit
(Wien: 00.04 – 01.10 Uhr MESZ).
Für Österreich ist das aber die
letzte Chance bis 2009!
Wenn sich im Juni schließlich
die Sichtbarkeit des Saturn ihrem
Ende zuneigt, kommt es zu einem
weiteren Höhepunkt in diesem Jahr:
Knapp bevor der Ringplanet
endgültig in den Sonnenstrahlen
versinkt, tauchen fast gleichzeitig
Merkur und Venus am Abendhimmel auf. Die drei Planeten
„tanzen“ in der Dämmerung förmlich
um einander. Dabei kommen am
Abend des 27. Juni Merkur und
Venus einander so nahe, dass sie
nur 5' (5 Bogenminuten) trennen –
sie sind leicht auf einmal im
Fernrohr zu sehen, auch bei
stärkerer Vergrößerung.
Alles in allem ein recht
abwechslungsreiches Frühjahr. Und
wer den Morgenhimmel im Juni
genau
betrachtet,
dem
wird
auffallen, dass schon ab etwa 2 Uhr
MESZ tief im Südosten ein ca. 0
mag heller, roter Lichtpunkt auftaucht: Der Mars! Der nächste
Höhepunkt des Jahres 2005 bahnt
sich langsam an ...
► VON ALEXANDER PIKHARD
BELEUCHTUNG
ASTRONOMEN
IN NOT
Zeichnung von
VIKTOR
WLASCHITZ
17 Alrukaba | Frühjahr 2005
Skywalker
Skywalker
Bezeichnung Helligkeit
M 63
8,60 mag
Ausdehnung
Durchm.
Rekt.
Dekl.
12.6'x 7.5'
13h15m48.00s +42°02'00.0"
Sonnenblumen”-Galaxie; großes, helles Zentrum mit
stellarem Kern. Mit 8“ Teleskop etwa 3’ x 1,5’.
Größere Teleskope sind anzuraten, um Strukturen
ausreichend sichtbar zu machen
M 94
8,20 mag
12.3'x 10.8'
Galaxie. Im Gegensatz zu „Edge on“ Galaxien sieht
man diese von „oben“. In kleinen Fernrohren ähnelt
sie einem nicht aufgelösten Kugelsternhaufen. Mit
12h50m54.00s +41°06'60.0"
70mm Öffnung und moderaten Vergrößerungen 50bis 70-fach schon recht ansehnlich. Details gibt’s
aber auch mit größeren Teleskopen keine
M 106
8,40 mag
17.4'x 6.6'
Auch diese Galaxie ist auch für kleine Teleskope
12h19m00.00s +47°18'00.0" geeignet. Und ab 8“ wird das 5’x2’ nochmal mit
12’x4’ schwächerem Außenbereichen ergänzt.
15.9'x 1.8'
Galaxie; schönes Beispiel einer Galaxie in
Kantenlage. Mit 8“ hat man schon die oben
12h17m30.00s +37°48'00.0" angegebenen Ausdehnungen. Staubband wird zwar
noch nicht sichtbar, dafür eignen sich für Strukturen
größere Teleskope
6.2'x 4.9'
Galaxie; von unregelmäßiger Gestalt. Mit 8“
Teleskop etwa 3’x2’ groß, ohne weitere Strukturen
12h28m12.00s +44°05'60.0" und stellarem Kern. Wegen der Strukturen in den
schwachen Ausläufern ein interessantes Objekt für
CCD-aufnahmen
2.4'x 1.8'
6.4'x 3.2'
Cocoon“-Galaxie. Leicht zu finden. Auch diese
Galaxie ist ein immer wieder gern gesehener Gast
im 70mm Refraktor. Man tut sich leichter beim
12h30m30.00s +41°42'00.0" Beobachten, wenn der helle Stern außerhalb vom
12h30m36.00s +41°39'00.0" Gesichtsfeld plaziert wird. Kleiner Begleiter NGC
4485 mit 70mm nicht immer zu sehen – dieser
braucht
einen
guten
Himmel.
Schönes
strukturreiches CCD-Objekt
15.2'x 2.8'
„Herings“- Galaxie. Auch hier kann man bei gutem
Himmel mit einem 70mm Refraktor die gröbsten
Strukturen sehen. Mit größeren Teleskopen fein
12h42m06.00s +32°32'00.0" „gemottled“. Zentrum nicht ganz mittig und auf einer
Seite breiter als auf der anderen. Begleitgalaxie
NGC 4627 ein Gnubbel von 2,1’x1,6’ und 12,4 mag
unmittelbar daneben
15.3'x 2.4'
Galaxie in Kantenlage. Ich glaube die heißt „HockeyStick“. Um sie durchgängig zu sehen, braucht es
12h44m00.00s +32°10'00.0"
einen guten Himmel. Ansonsten ein mit ein paar
Knoten schönes Objekt für visuelle Beobachtung
9.8'x 3.6'
Galaxie. Mit 8” Teleskop helles Zentrum etwa
2,5’x0,5’ mit stellarem Kern. Auf einem Foto konnte
13h13m30.00s +36°35'60.0"
ich Spiralarme erkennen, wohl nicht visuell sichtbar
aber mit CCD wäre es schon einen Versuch wert
NGC 4244
NGC 4449
NGC 4485
NGC 4490
NGC 4631
NGC 4656
NGC 5033
10,4 mag
9,60 mag
11,9 mag
9,80 mag
9,20 mag
10,5 mag
10,2 mag
Skywalker, Aufsuchkarte und
Zeichnungen:
► VON VIKTOR WLASCHITZ
18 Alrukaba | Frühjahr 2005
Skywalker
Aufsuchkarte Jagdhunde
19 Alrukaba | Frühjahr 2005
Astrofotografie
Kalibrierung von digitalen Bilddaten
D
igitale astronomische Bilder
gibt es heute von vielen
Quellen:
• CCD (Astronomische CCD- Kameras, gekühlt und speziell auf
astronomische Bilder optimiert)
• DSLR (digitale SpiegelreflexKameras)
• Einzelbilder aus Videostreams
z.B. Videokameras, Webcam,
etc.
• Digitale Scans von analogen
Dia- bzw. Negativfilmen
Diesen digitalen Bildern ist allesamt gleich, dass sie die gesamte
Bildinformation in vielen einzelnen
Bildpunkten, den so genannten
Pixels speichern. Die Anzahl der
Pixel kann gering sein, wie z.B. in
Webcams, oder in die Millionen
gehen, wie in den DSLRs. Jeder
dieser Pixel bekommt nach der
Belichtung einen Helligkeitswert
zugeordnet. Dieser Wert ist 0 wenn
der Bildpunkt keine Information
enthält. Wenn der Wert größer als 0
ist und kleiner als der Darstellungsbereich des digitalen Bildes, enthält
er, im Prinzip Information. Wenn
man nun z.B. einen Darstellungsbereich von 255 annimmt (also
Werte im Bereich zwischen 0 und
255) und der Pixel hätte 255, kann
man nicht mehr sagen, ob er genau
256 hat oder doch größer ist. Dies
entspricht einer Überbelichtung in
der analogen Fotografie. Mittels
Darstellung im Computer ordnet
das Bilddarstellungsprogramm (z.B.
Photoshop) die Helligkeiten nach
einen vorgegebenen Schema zu - 0
wird üblicherweise zu schwarz und
255 zu weiß. Kann ich nun sicher
sein, dass ein Wert von z.B. 128
Helligkeitseinheiten genau stimmt ?
Welche Einflussgrößen wirken auf
die Helligkeiten der Pixel ? Wie
komme ich zu Bildern, die möglichst
viele dieser Einflussgrößen ausschaltet ?
Einfluss auf den Pixelwert
Ausleserauschen
Jedes Signal rauscht, jede
Messung ist nur bedingt genau!
20 Alrukaba | Frühjahr 2005
In erster Linie technisch bedingt, in zweiter Linie eine Eigenschaft der Natur an sich (Quantenrauschen), kommt es beim Auslesen aus CCD´s (bzw. anderer
Bildsensoren wie z.B. Sensoren in
Scanners) zu einer Variation der
Helligkeit. Bei mehreren Messungen (bzw. Belichtungen) bemerkt
man, dass die Helligkeiten statisch
um einen Mittelwert schwanken.
Um ein gutes Signal-zu-Rauschverhältnis zu erhalten, sollte die Belichtung so angepasst werden, dass
bildwichtige Teile (z.B. schwache
Nebelausläufer) über dem Ausleserauschen liegen und auf einem
einzelnen Bild erkennbar sind.
Liegen sie darunter, ist es auch
durch Mittelung mehrer Bilder nicht
möglich diese Nebelausläufer abzubilden. In der Praxis bedeutet dies
eine Belichtung von ca. 5-10
Minuten bei Blende 7 mit den typ.
Amateur- CCD- Kameras. Kürzere
Belichtungszeiten ergeben sich bei
deutlich helleren Objekten wie den
Orionnebel. Angegeben wird das
Rauschen in Elektronen. Wenn man
die volle Kapazität der Pixel (Full
Well Capacity) durch das Ausleserauschen dividiert erhält man den
gesamten Helligkeitsumfang der
digitalen Kamera. Dazu ein Beispiel, die STL11K von SBIG hat ein
Rauschen von 13 Elektronen und
eine Full Well Capacity von 50000
Elektronen, der Umfang (auch
Dynamik genannt) beträgt also
3846 Einheiten (ca. 12Bit). In der
Praxis reduziert sich dieser Wert
noch, da durch den Dunkelstrom,
weitere Dynamik verloren geht.
Darum sollten elektronische Sensoren immer gut gekühlt sein. Um
bei höherer Temperatur dennoch zu
gleichen Ergebnissen zu kommen
ist es vonnöten mehr Bilder zu
mitteln, als mit der niederen
Kühltemperatur.
Biasstrom
Per Definition ist das der
Dunkelstrom der bei unendlich
kurzer Belichtungszeit erzeugt wird.
In der Praxis macht man Dunkelbilder mit der kürzesten Belich-
tungszeit der Kamera. Das Biasbild
kann bei kurzen Belichtungszeiten
von unter einer Sekunde als
Dunkelbild verwendet werden. (bei
Starlight-Xpress Kameras auch bei
längeren Zeiten). Ich mache in der
Praxis 100 Biasbilder, die ich dann
mittele, um ein Masterbiasbild zu
erhalten, das sich gut zum Kalibrieren eignet. Es ist das erste Masterbild (Kombinationsbild), da es von
Dunkelbildern,
Flatdunkelbildern,
Flatbildern und Hellbildern abgezogen wird.
Dunkelstrom
Hier habe ich absichtlich nicht
"Dunkelrauschen" dazu gesagt, da
die durchschnittliche Helligkeit des
Dunkelbildes bei gleicher Temperatur konstant ist. Kühlung ist bei
astronomischen CCD Kameras bei
der Grundausstattung, bei DSLRs
muss man ohne Kühlung auskommen. Hier ist die schwankende
Nachtemperatur außerdem störend
beim Dunkelabzug. Hutech bietet
neuerdings einen Temperaturfühler
für Canon DSLRs an, um hier einen
exakteren Abzug zu ermöglichen.
Einzelne Pixel haben dann noch die
unangenehme Eigenschaft, dass
sie heller oder dunkler als die
typische Dunkelstromhelligkeit sind.
Noch dazu variieren sie die
Helligkeit
bei
abweichender
Temperatur relativ viel. (Hot/Cold
Pixels). Hier bieten diverse Bildbearbeitungsprogramme
einige
Hilfen an. Am Besten hat sich
jedoch die Medianmittelung bei
Hellbildern bewährt (zB. bei MIRA
AP bzw. Astroart möglich)
Flatbilder
Erstens sinkt die Bildhelligkeit
bei zunehmenden Abstand vom
Bildzentrum (Abdunklung in den
Bildecken), zweitens hat jeder Pixel
eine leicht andere Empfindlichkeit.
Daher sollte man mittels eines
geeigneten Bildes, dem Flatfield
dieser uneinheitlichen Beleuchtung
entgegenwirken.
Diese Flatfield- Korrektur ist
auch wirksam gegen Staubflecke
und andere Störungen im Bild.
Astrofotografie
Einzig das Fieldflooding genannte
Phänomen kann damit nicht
korrigiert werden. Dies entsteht bei
unzureichenden Reflexionschutz im
Inneren des Teleskops bzw. im
Fokussierrohr kurz vor der Kamera.
Für die Herstellung eines Flatfield- Bildes ist eine absolut gleichmäßige Beleuchtung der Eintrittsöffnung der Optik erforderlich. Das
kann über mehrere Möglichkeiten
erreicht werden:
• Das Licht des Dämmerungshimmels kann genutzt werden.
• Milchig trübes Papier vor der
Optik befestigen und eine Lampe in der Umgebung anvisieren.
• Die professionellste Methode ist
es, eine so genannte Flatfieldbox zu bauen. Diese wird dann
vor die Optik montiert und eingebaute Lampen in der Box
gewährleisten in Verbindung mit
einem durchdachten Aufbau die
gleichmäßige Lichtdurchflutung.
Der Belichtung der einzelnen Flatfieldbilder gehen folgende Bedingungen einher:
• Gleiche Scharfstellung wie bei
den Hellbildern, die damit
korrigiert werden sollen.
• Gleiche Winkelstellung der
Kamera zum Teleskop, wie bei
den Hellbildern, da die Vignettierung nie genau zentrisch mit
der mechanischen Achse zusammenfällt.
• Ergänzende Dunkelbilder zu
den Flatfieldbildern mit der gleichen Belichtungszeit.
Bearbeitung (Kalibrierung) der Flatfieldbilder:
• Abzug des Masterbiasbildes
von allen Flatfieldbildern
• Abzug des Masterbiasbildes
von allen Flatdunkelbildern
• Mittelung der Flatdunkelbilder:
à Masterflatdunkelbild
• Abzug des Masterflatdunkelbildes von den Flatfieldbildern
• Mittelung aller Flatfieldbilder: à
Masterflatfield
Mit diesen Masterflatfield kann man
nun die Hellbilder entsprechend
korrigieren.
Himmelshintergrund
Die Helligkeit des Nachthimmels
setzt sich aus einer künstlichen und
einer natürlichen Komponente dem
so genannten Airglow zusammen.
21 Alrukaba | Frühjahr 2005
Die künstliche hat aber leider in den
meisten
Fällen
den
weitaus
größeren Einfluss, vor allem in
Stadtnähe. CCD- Bilder ohne Filter
die ich von Wien gewonnen habe,
zeigen etwa die gleichen Details bei
35min Belichtung (7x5min) wie eine
Einzelaufnahme von 5min bei sehr
guten Sichtverhältnissen auf der
Embergeralm (Grenzgrößenunterschied 4.5mag zu 6.5mag). Da der
Himmelshintergrund meist übers
Bildfeld nicht variiert kann man ihn
einfach durch Einstellung im
Histogramm "abziehen". Außer man
belichtet mit Weitwinkelobjektiven.
Hier empfiehlt sich eine Anwendung
eines künstlichen Flatfields, wie es
z.B. MIRA AP oder IRIS anbietet.
Cosmics
Sekundäre kosmische Partikel,
die durch die Kamera meist schräg
auf den Chip einschlagen, nennt
man "Cosmics". Sie unterscheiden
sich von normalen Hot/Cold Pixels
durch die Überdeckung mehrerer
Pixels und sind wie diese mit dem
Medianfilter elegant zu entfernen.
Arbeitsablauf
Zum Abschluss noch ein
typischer Arbeitsablauf den ich zur
Kalibration von digitalen Bildern mit
der Software MIRA anwende:
• 100 Biasbilder (16bit int) à
32bit real à alle gemittelt =
Masterbias
• 10 Flatdunkelbilder (16bit int) à
32bit real à Abzug Masterbias
à alle gemittelt = Masterflatdunkelbild
• 10 Flatbilder (16bit int) à 32bit
real à Abzug Masterbias à
Abzug Masterflatdunkelbild à
alle gemittelt = Masterflatbild
• 10 Helldunkelbilder (16bit int) à
32bit real à Abzug Masterbias
à alle gemittelt = Masterhelldunkelbild
• 12 Hellbilder (16bit int) à 32bit
real à Abzug Masterbias à
Abzug Masterhelldunkelbild à
Divison Masterflat à 3x (4 Stk.)
median gemittelt à Pixelwerte
multipliziert x3 à alle 4
Summenbilder summiert
Zusatzbemerkungen
Median Mittelung
Durch den Einsatz der Median-
mittelung beim Hellbild ist es wie
schon erwähnt möglich Flugzeugund Satellitenspuren, schlechte
Nachführung, Hot/Cold Pixels effektiv zu beseitigen. Als Nachteil verliere ich etwas an Rauschminderung die bei normaler Mittelung
möglich wäre.
Vorteil 32bit real
Die Umwandlung auf 32bit real
bewirkt, dass es bei der Addition
mehrerer Bilder es sicher nicht zu
einer künstlichen Überbelichtung
(Überlauf) kommt. Dies wird durch
das mehr an Graustufen bewirkt
(bei 32bit fast 4.3 Milliarden
Graustufen!). Weiters kommt durch
die Fließkommaberechnung (real)
es zu einer höheren Genauigkeit
(wichtig vor allem bei Flatfield).
Schwache Details bei Nebeln
können somit mit dem "Real"Format besser verarbeitet werden.
Bei Flatfieldberechnungen andererseits muss die Rechnung (Division)
genauer vonstatten gehen.
Digitalkameras geben immer
ganzzahlige Pixelwerte aus. Für die
Verarbeitung empfiehlt sich durch
die
vorherigen
Gründe
eine
Umwandlung ins "Real"-Format.
Beispiel
Betrachtet man zwei Bilder. Ein
Pixel hat in dem einen Bild den
Wert 100 und im anderen 99.
• Das Format ist „Integer“ (ganzzahlig). Die beiden Bildpunkte
haben die Werte 100 und 99.
Die Mittelung (mit anschließender Auf-Rundung) ergibt wieder
den Wert 100
• Das Format ist „Real“ (Fließkomma). Die beiden Bildpunkte
haben die Werte 99.00 und
100.00. Die Mittelung ergibt
exakt 99.50.
Weiterführende Links:
Software:
Astroart3: http://www.msbastroart.com
MIRA: http://www.axres.com
IRIS: http://www.astrosurf.com/buil
Aufsätze:
http://www.axres.com/technote1.html
bis
http://www.axres.com/technote8.html
► VON ROBERT SCHULZ
22 Alrukaba | Frühjahr 2005
Astrofotografie
Permanente Stromversorgung für Kameras
der Firma Canon
N
eulich fuhr ich in einer herrlichen Nacht in die Bucklige
Welt,
ausgerüstet
mit
meinem Pentax Refraktor SDUF
(400mm, f1/4), meiner Canon Kamera 10D und den beiden KameraAkkus (BP-511). Da es um diese
Jahreszeit bald finster wird, freute
ich mich schon auf jede Menge
Langzeitbelichtungen.
Das erste und leider auch letzte
Objekt dieser Nacht war M45
(Plejaden). Ich tätigte jeweils 8
Aufnahmen zu je 6 Minuten mit 800
und 1600 ASA Empfindlichkeit.
Nach den ersten 11 Aufnahmen
musste ich schon den ersten Akku
wechseln. Am Ende schoss ich
noch 4 Dunkelbilder und danach
war es auch mit dem zweiten Akku
vorbei. Das überraschte mich sehr,
da ich im Sommer sehr viel längere
Belichtungen durchführte, bevor die
Akkus am Ende waren.
Nun was ist der Grund hierfür?
Da ich selbst Geräte mit Akkuversorgung entwickle und die entsprechenden Ladegeräte dazu,
hatte ich vor einigen Jahren eine
intensive Studie über Lade- und
Entladeverhalten sowie Lebensdauer von NiMh- Zellen durchgeführt. Bei den Kamera- Akkus
handelt es sich zwar um Li-Io
Technologie, allerdings kann man
viele der Eigenschaften gleich
setzen. Akkumulatoren erreichen
ihre größte Kapazität nach 3 bis 5
kompletten Ladezyklen (ziemlich
vollständig entladen und wieder voll
aufladen). Im Falle des BP-511
bedeutet dies ca. 1100mAh. Ab
dann beginnen die Zellen an Kapazität zu verlieren. Berücksichtigt
man tiefe Betriebstemperaturen,
wie in jener Nacht, um die 0°C,
dann sollte man nur noch mit der
halben Nennkapazität rechnen. Das
wäre im Fall des BP-511: 550mAh.
Die Canon 10D benötigt für das
Heben des Spiegels und zum
Öffnen des Verschlusses kurzfristig
etwa 800mA. Um den Verschluss
offen zu halten etwa 350mA. Somit
schließt sich der Kreis und man
23 Alrukaba | Frühjahr 2005
erkennt, dass man unter diesen
Verhältnissen mit einer reinen
Belichtungszeit von maximal einer
Stunde pro Akku rechnen sollte. Für
eine Nacht, welche um 20 Uhr
beginnt und um 5 Uhr Früh endet,
etwas wenig.
Ziemlich verärgert überlegte ich,
wie ich so ein ungewolltes Ende
einer Aufnahmenacht in Zukunft
verhindern könne. Der erste Gedanke war, ich brauche noch 2 Akkus.
Aber wäre das wirklich die Lösung?
In spätestens 2 Jahren sind die
Akkus am Ende der Lebenszeit und
billig sind sie ja auch nicht. Also ist
die Lösung eine permanente Stromversorgung. Sofort recherchierte ich
im Kamerahandbuch, im Internet
und bei einem Fotohändler, ob es
nicht eine permanente Stromversorgung gäbe, welche von einer
Autobatterie aus versorgt werden
kann. Leider nicht. Es gibt nur ein
230V Netzteil in Kombination mit
dem mechanischen Batterieadapter
DR-400. Allerdings kann man den
Adapter auch extra kaufen.
Rezept „Powersuppe 10D“
• 1 Adapter Canon DR-400
• 1 Spannungsregler LM317 im
TO220 Gehäuse
• 1 Widerstand 330 Ohm 0,6W
• 1 Widerstand 1,8 kOhm 0,6W
• 2 Keramikkondi 100nF 50V
• 1 Kühlkörper für TO220
• 1 kleines Kunststoffgehäuse
• 1 kleine Lochrasterplatte
• 1 Sicherungshalter
• 1 Sicherung 1A träge
•
•
1 2-poliges Litzenkabel 1mm2
1 Kfz-Stecker
Bevor man die Kamera mit
dieser Schaltung versorgt, sollte
man die Spannung und die Polarität
am DR-400 messen. Die Polarität
ist am Adapter angeschrieben. Die
Spannung
sollte
im
Bereich
zwischen 7,6VDC und 8,2VDC
liegen. Durch Änderung des 1k8
Widerstandwertes, kann die Spannung am Ausgang verändert werden. Nach dem Einstecken des
Adapters in die Kamera muss der
Batteriedeckel der Kamera geschlossen werden, da sie sich nur
mit geschlossenem Deckel einschalten lässt.
Abb. 2: externe Stromversorgung
Da ich ohnehin immer eine
eigene Autobatterie für die Montierung mitführe, sollte ich ab jetzt
keinen Ärger mehr mit leeren Batterien während klarer langer Nächte
habe. In diesem Sinne wünsche ich
uns klare und problemlose Nächte.
► VON MANFRED SCHWARZ
Schaltplan für die Stromversorgung der Canon 10D von der Autobatterie
Astrofotografie
Foto: Manfred Schwarz, Pentax SDUF 100 f/4, Canon 10D
24 Alrukaba | Frühjahr 2005
Öffentlichkeitsarbeit
Astronomietag 2005
N
ach internationalem Vorbild
findet am Samstag, 16. April
2005, in Österreich zum
dritten Mal ein bundesweiter Astronomietag statt. Der österreichische
Astronomietag ist eine Leistungsschau der heimischen Astronomie.
Im Rahmen dieses Aktionstages
sollen astronomische Einrichtungen
wie Forschungsinstitute, Volksbildungseinrichtungen,
Vereine,
Schul- und Privatsternwarten durch
verschiedenste
Aktivitäten
die
Faszination der Astronomie einem
möglichst breiten Publikum näher
bringen.
Im Burgenland nutzen wir
diesen Tag für eine umfassende
25 Alrukaba | Frühjahr 2005
Präsentation unseres Aktivitätsspektrums. Konzentriert an zwei
Standorten im Norden und Süden
des Burgenlandes führen wir
zahlreiche astronomische Veranstaltungen durch.
Im
nördlichen
Landesteil
wählten wir die Stadt Frauenkirchen
im Seewinkel für unsere Aktivitäten.
Diese beginnen bereits am Freitag
(15. April) mit zwei Veranstaltungen
speziell für die Frauenkirchner
Schulen. Am Samstag gibt’s dann
einen
Infostand
und
einen
allgemeinen Einführungsvortrag in
die Astronomie mit anschließendem
Beobachtungsabend
(Detailprogramm siehe Kasten).
Unsere Veranstaltung im Süden
wird am Samstag ein ähnliches
Programm wie in Frauenkirchen
bieten. Der Veranstaltungsort wird
sich wahrscheinlich im Bezirk
Güssing befinden. Das genaue
Süd-Programm werden wir auf
unseren Webseiten zeitgerecht
veröffentlichen. Sternfreunde ohne
Internetzugang haben die Möglichkeit, ihre Daten auf unserem
Infotelefon
(02687/54159)
zu
hinterlassen, wir rufen garantiert
zurück.
► VON ERICH WEBER
Internes
Vereins- und Gruppentreffen
der Burgenländischen Amateurastronomen
E
s finden regelmäßige Vereinstreffen in Bad Sauerbrunn sowie Gruppentreffen der Gruppe Astrofotografie in Wien und der Gruppe Süd
in Unterschützen statt.
einen Kurzvortrag begleitet. Alle
unsere Treffen sind öffentlich zugänglich (auch für Nichtmitglieder),
es ist keine Anmeldung erforderlich
und der Eintritt ist frei.
Unsere Vereinstreffen finden
jeden ersten Freitag im Monat ab
19:00 Uhr in unserem Clublokal
"Parkhotel Neubauer" in Bad
Sauerbrunn statt.
Kontaktmöglichkeiten:
Bei allen unseren Treffen steht
einerseits der Erfahrungsaustausch
in lockerer Atmosphäre, anderseits
jedoch auch die Beratung für
"Interessierte" im Mittelpunkt. Die
Vereinstreffen werden immer durch
eMail: [email protected]
Info-Telefon: 02687 / 54159
Postanschrift: c/o Parkhotel
Neubauer, Postgasse 2,
A-7202 Bad Sauerbrunn
Die Gruppe Astrofotografie
trifft sich zwei Mal pro Monat im
Oswald Thomas Saal des Planetariums der Stadt Wien. Erfahrungs-
austausch und astronomischen
Präsentationen speziell aus dem
umfangreichen Gebiet der Astrofotografie stehen im Vordergrund.
Das Gruppentreffen
Südburgenland (jeden dritten Freitag
im Monat) findet im Gasthaus
Huber in Unterschützen statt, mit
Erfahrungsaustausch und astronomischen
Präsentationen
in
gemütlicher Atmosphäre.
Partnerschaft mit der Wiener
Arbeitsgemeinschaft für Astronomie
Im Kalender mit (WAA) markiert.
(*) Anmeldung zu allen WAASeminaren
erforderlich
unter
0664/256-1221. Die Teilnahme für
BAA-Mitglieder ist ermäßigt.
Veranstaltungskalender
und wichtige astronomische Ereignisse
1. April, 19 Uhr
Vereinstreffen in Bad Sauerbrunn
mit dem Vortrag "Praktische
Astrometrie - Auffinden und
Vermessen von Asteroiden auf
CCD-Aufnahmen"
3. April 15.00 (WAA)
Seminar (*): Besser beobachten Jupiter und Saturn (Leiter: DI
Alexander Pikhard). Hotel
Sofienalpe.
4. April (7 Abende)
Kurs "Einführung in die digitale
Fotografie" mit Gerhard Eber an
der Volkshochschule Wiener
Neustadt
7. bis 10. April
Astronomischer Ausflug auf die
Emberger Alm (Kärnten)
7. April 19.00 (WAA)
Einführungskurs Erlebte
Astronomie, Teil 2
5. Abend: Allein im All?
Seminarhotel Springer-Schlößl,
1120 Wien, Tivoligasse 73.
8. bis So 10. April (WAA)
Astropraxis (*) -Wochenende auf
der Raiffeisen-Volkssternwarte
Mariazell.
26 Alrukaba | Frühjahr 2005
12.
13.
16.
19.
21.
Rahmenprogramm: Beobachtung
von Jupiter und Saturn. Samstag
ab 15 Uhr Praxisworkshop:
Webcamfotografie von Jupiter und
Saturn. Teilnehmer können eigene
Ausrüstung (Fernrohr, Webcam,
Laptop) mitbringen. Open end.
April 18.30
Kurs: Einführung in die Astrofotografie (1. Abend)
AstroExperts, 1090 Wien,
Spitalgasse 19.
Kosten: Für Mitglieder von BAA
und WAA gegen Vorlage des
Mitgliedsausweises 50 €,
ansonsten 65 €. Anmeldung
(online) unbedingt erforderlich, bitte
bis spätestens zwei Wochen vor
Kursbeginn .
April 18.00 bis 20.00
Gruppentreffen Astrofotografie
April
Österreichischer Astronomietag
April 18.30
Kurs: Einführung in die Astrofotografie (2. Abend)
AstroExperts, 1090 Wien,
Spitalgasse 19
April 19.00 (WAA)
Einführungskurs Erlebte
Astronomie, Teil 2
6. Abend: Astronomische
Forschung in Österreich
Institut für Astronomie der
Universität Wien
(Universitätssternwarte), 1180
Wien, Türkenschanzstrasse 17
(Treffpunkt: Ecke Türkenschanzstrasse / Edmund WeissGasse). Nur für Kursteilnehmer!
26. April 18.30
Kurs: Einführung in die Astrofotografie (3. Abend)
AstroExperts, 1090 Wien,
Spitalgasse 19.
27. April, 0:04 bis 1:10 Uhr
Mond bedeckt Antares
27. April, 18 bis 20 Uhr
Gruppentreffen Astrofotografie
29. April bis So 1.Mai
Astronomieworkshop 2005 am
Gahberg. Thema: Astronomische
Digitalfotografie.
Veranstaltet vom Astronomischen
Arbeitskreis Salzkammergut.
2. Mai (5 Abende)
Kurs "Astronomie in der Praxis" mit
Gerhard Eber, Jürgen Stöger, Karl
Internes
Vlasich und Erich Weber an der
Volkshochschule Wiener Neustadt.
3. Mai 18.30
Kurs: Einführung in die Astrofotografie (4. Abend)
AstroExperts, 1090 Wien,
Spitalgasse 19
5. bis 8. Mai
9. Niederösterreichisches Teleskoptreffen (NTT)
Veranstaltet von Antares im und
um den Gasthof Gaupmann,
Ebenwaldhöhe bei Kleinzell, NÖ.
6. Mai, 19 Uhr
Vereinstreffen in Bad Sauerbrunn
10. Mai 18.30
Kurs: Einführung in die Astrofotografie (5. Abend)
AstroExperts, 1090 Wien,
Spitalgasse 19
17. Mai 18.30
Kurs: Einführung in die Astrofotografie (6. Abend)
AstroExperts, 1090 Wien,
Spitalgasse 19.
18. Mai 18.00 bis 20.00
Gruppentreffen Astrofotografie
24. Mai 18.30
Kurs: Einführung in die Astrofotografie (7. Abend)
AstroExperts, 1090 Wien,
Spitalgasse 19
31. Mai 18.30
Kurs: Einführung in die Astrofotografie (8. Abend)
AstroExperts, 1090 Wien,
Spitalgasse 19
3. Juni, 19 Uhr:
Vereinstreffen in Bad Sauerbrunn
mit dem Vortrag "Von Hipparch zu
Hubble – Entfernungsbestimmungen und Kosmologie"
3. bis 5. Juni (WAA)
Astropraxis-Wochenende (*) auf
der Raiffeisen-Volkssternwarte
Mariazell.
Rahmenprogramm: Planeten in
Bewegung. Samstag ab 15 Uhr
Praxisworkshop: Computerplanetarien (Schwerpunkt: Starry
Night). Teilnehmer können eigene
Ausrüstung (Laptop) mitbringen.
Open end.
19. Juni 15.00 (WAA)
Seminar (*): Besser beobachten die Sonne (Leiterin: Renate
Weiland). Hotel Sofienalpe.
Detailliertere Hinweise sind auf
der Homepage der BAA unter
www.astronomie.at/burgenland
nachzulesen
Orion Nebel (M42)
Teleskop:
Canon 800mm Tele F5.6
Montierung:
Paramount ME
Kamera:
Digitalkamera CANON 10D
Belichtungszeit
7x16 min., 8x4 min., 4x30 sek. und
7x10 sek. bei 1600 ASA
4x16 min. und 4x2 min. mit Ha-Filter
Filter und sonstiges Zubehör:
IDAS LPS Filter, Minus Violett Filter
und Ha-Filter
Bildbearbeitung in Imageplus V1.72
und Photoshop
Aufnahme und Bildbearbeitung:
Gerhard Wechselberger
27 Alrukaba | Frühjahr 2005
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