Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg: Prozesse nach 1945 Die Nürnberger Prozesse 8. 8. 1945 Schaffung des Internationalen Militärtribunals in Nürnberg. Nov. 1945 Beginn des Prozesses gegen 24 Hauptkriegsverbrecher 30. 9.–1.10 46 Verkündigung des Urteils in den «Nürnberger Prozessen». Von den sog. Hauptkriegsverbrechern werden 12 mit dem Tode bestraft, sieben werden zu erheblichen Freiheitsstrafen verurteilt, in drei Fällen wird Freispruch zuerkannt. Die Korps der Politischen Leiter von SS (Schutzstaffel), SD (Sicherheitsdienst des Reichsführers) und Gestapo (Geheime Staatspolizei) werden für verbrecherische Organisationen erklärt. 12. 10. 1946 Die «Kontrolldirektive Nr 38» regelt die Verhaftung und Bestrafung von «Kriegsverbrechern, Nationalsozialisten und Militaristen». Sie teilt die Betroffenen in fünf Kategorien ein: I. Hauptschuldige, II. Belastete, III. Minderbelastete, IV. Mitläufer, V. Entlastete. 1946 – 1949 finden in Nürnberg 12 Nachfolgeprozesse statt. 1945 – 1948 Dachauer-Prozesse: 284 US-amerikanische Militärgerichtsprozesse. In einem der KZ-Prozesse werden 36 von 40 Angeklagten zum Tode verurteilt. 1950 Waldheimer Prozesse: 3400 Personen stehen wegen Kriegsbzw. nationalsozialistischer Verbrechen vor Gericht (32 Todesurteile). 1960 SS–Obersturmbannführer Adolf Eichmann wird in Argentinien vom israelischen Geheimdienst gekidnappt und nach Israel gebracht. Er war von 1941 bis Kriegsende für die Deportation und Vernichtung im deutschen Machtbereich lebender Juden zuständig gewesen. 1961 Adolf Eichmann-Prozess vor dem Jerusalemer Bezirksgericht. Als einer der Hauptverantwortlichen für die Ermordung von mehr als 5 Millionen Juden wird Eichmann zum Tode verurteilt. 31. 5. 1962 Hinrichtung Adolf Eichmanns Die Auschwitzprozesse 1963 – 1965 1. «Auschwitz–Prozess» in Frankfurt am Main: sechs Prozesse gegen Mitglieder der Lagermannschaft des Vernichtungslagers Auschwitz. Vor Gericht stehen 22 ehemalige Bewacher. Die beiden einzigen überlebenden Lagerinsassen sagten als Zeugen aus. Urteile: Drei Freisprüche aus Mangel an Beweisen, sechs lebenslange Haftstrafen und für die übrigen Zuchthausstrafen zwischen 3 und 14 Jahren. 1965 – 1966 2. Auschwitzprozess 1970er Jahre Nachfolgeprozesse Kommentar eines Beobachters: «Verlauf und Abschluss des Prozesses bestätigten, was es mit der vielzitierten ‘Bewältigung der Vergangenheit’ in der Bundesrepublik auf sich hat. Zeugen wurden bedroht, wenn der Versuch, sie mit Geld zum Schweigen zu bringen, misslang; sie mussten sich für ihr Überleben rechtfertigen. Das Gericht kam zu äusserst milden Urteilen, die in keinem Verhältnis zur Grösse der Straftaten standen.» Unter dem Titel Die Ermittlung (Oratorium in elf Gesängen) hat der Schriftsteller Peter Weiss den Prozess auf die Bühne gebracht. Die Majdanek-Prozesse 1976 – 1981 In Majdanek waren zwischen 1943 und 1944 ungefähr 360‘000 Menschen ermordet worden. Von den ursprünglich 15 Angeklagten war einer verstorben, ein anderer verhandlungsunfähig. Es gabe öffentliche Proteste, nachdem die ersten vier Angeklgten, ein männliches und drei weibliche ehemalige Mitglieder der SSWachmannschaft des Konentrationslagers, freigesprochen wurden, obwohl das Gericht der Überzeugung war, dass die Angeklagten der Mordbeihilfe moralisch schuldig waren. Sie konnten nicht verurteilt werden, weil im Einzelfall kein Schuldnachweis gelang. Im letzten Urteil am 30. Juni 1981 wurde eine Angeklagte wegen nachgewiesener Morde und Gewaltexzessen zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Andere Angeklagte erhielten langjährige Strafen. _________________ vgl. Bernhard Schlink, Der Vorleser