Schuberts Messe in As-Dur in Luzern und Königsfelden

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Schola Zeitung
Für die Freunde der Schola Cantorum Wettingensis • Juli 2014
Schuberts Messe in As-Dur
in Luzern und Königsfelden
Taktvoll
Bei uns geben Sie den Ton an.
Aargauische Kantonalbank
Bahnhofplatz 2
5401 Baden
056 556 66 01 oder www.akb.ch
Inhalt
Die Schola am Patrozinium der Jesuitenkirche Luzern
Editorial
5
Ein persönliches Bekenntnis
Franz Schuberts Messe in As-Dur
6
Grosse Stimmen
Die Solisten in den Schubert-Konzerten
10
Das Collegium Musicum der Jesuitenkirche Luzern
Ein wichtiger Träger des kirchenmusikalischen Lebens
12
Die Schola Cantorum Wettingensis
Der Wettinger Konzertchor
13
Eine einmalige Chance: ein Werk – zwei Dirigenten
Pascal Mayer dirigiert in Luzern, Roland Fitzlaff in Königsfelden
14
Zehn Finger und ein Klavier ersetzen fast ein Orchester
Die Korrepetitorinnen der Schola
15
Schuberts Traum
Ein Text über Verletzungen, Schmerz, Sehnsucht, Seligkeit
16
Mitmachen anstatt Zuschauen
Porträt Karl-Friedrich Barthel
18
Rückblick
Adventskonzerte 2013 und Muttertagskonzert 2014
20
Ausblick
Die Konzerte der Schola 2014 und 2015
22
Scherzo
22
Rätsel
23
Impressum
23
Bild links: Franz Schubert als junger Mann.
Illustration auf der Titelseite:
Detail eines Glasfensters der Klosterkirche Königsfelden, um 1330.
3
Jesuitenkirche Luzern. Mittleres Deckengemälde mit der Glorie des heiligen Franz Xaver. 1749.
4
Die Schola am Patrozinium
der Jesuitenkirche Luzern
Liebe Leserinnen und Leser
Jedes Jahr bot sich das gleiche Bild: Sie kam immer zu
spät, die betagte Dame, und drängelte sich durch die in
den Seitengängen der Jesuitenkirche Stehenden zu den
vordersten Bankreihen, wo sie – so empfand ich es – demonstrativ neben einer sitzenden Person stehen blieb,
die ihr dann meistens ihren Sitzplatz anbot.
Das waren Tage, die einem in Erinnerung bleiben:
Am Kirchweihfest der Jesuitenkirche Luzern eine grosse Messe singen, in einer Kirche, die zu den bedeutendsten und schönsten barocken Bauwerken der Schweiz
gehört, einem «einmaligen, restlost geglückten genialen
Wurf» (Adolph Reinle). Dies jeweils im Rahmen des
Lucerne Festival für ein erwartungsvolles und festlich
gestimmtes Publikum, das die Kirche bis zum letzten
Stehplatz füllte.
Dieses Jahr wird der 337. Geburtstag der Jesuitenkirche Luzern gefeiert. Sie wurde am 29. August 1677
durch den päpstlichen Nuntius unter grösster barocker
Prachtentfaltung dem Heiligen Franz Xaver geweiht.
Für die Schola ist es eine grosse Ehre, nach einem
längeren Unterbruch wieder am Festgottesdienst mitwirken zu können, zusammen mit dem Chor und dem
Orchester des Collegium Musicum Luzern unter der
Leitung von dessen Musikalischem Leiter Pascal Mayer
– mit Franz Schuberts Messe in As-Dur.
Auftritte der Schola in Luzern und die Zusammenarbeit mit dem Collegium Musicum Luzern haben eine
lange Tradition. Damit verbunden sind wundervolle
Konzerterlebnisse, wie das Eröffnungskonzert des Lucerne Festival 2002 mit dem Brautchor aus «Lohengrin»
von Richard Wagner, 1990 das Abschiedskonzert von
Ulrich Meyer-Schoellkopf (nachdem er von Claudio
Abbado als Intendant der Berliner Philarmoniker nach
Berlin berufen wurde) in der Jesuitenkirche mit Anton
Bruckners f-Moll-Messe, und 1987 Hindemiths «Fliederrequiem» unter der Letung von Alois Koch an den
Internationalen Musikfestwochen Luzern.
Die Schola und das Collegium Musicum Luzern
verbinden auch gemeinsame Konzertreisen mit Alois
Koch, 2003 in die Philharmonie Berlin, die Salle Strawinski in Montreux und ins KKL Luzern mit der Messe
solennelle von Hector Berlioz und dem Te Deum von
Anton Bruckner, 1991 nach Salzburg mit Auftritten in
der Stiftskirche St. Peter und in der Franziskanerkirche,
und 1987 nach Nürnberg mit Schumanns «Missa Sacra», in der Edith Mathis die Sopran-Partie sang.
Nebst der Mitwirkung an Patroziniumsgottesdiensten durfte die Schola, zusammen mit dem Orchester des
Collegium Musicum, während Jahren die Festmesse im
Rahmen der Mozart-Tage Luzern musikalisch gestalten.
Übrigens: Das erste Konzert des Orchesters des
Collegium Musicum, das von Alois Koch, dem damaligen Musikalischen Leiter der Schola, gegründet wurde, fand am 20. September 1980 in der Klosterkirche
Rheinau statt. Das Orchester trug damals den Namen
«Collegium instrumentale der Schola Cantorum Wettingensis»!
Es kommt nicht oft vor, dass wir das gleiche Werk
innerhalb kurzer Zeit mit zwei Dirigenten singen können. Am Wochenende nach dem Patrozinium bietet
sich uns die einmalige und wunderbare Gelegenheit,
Schuberts As-Dur-Messe unter der Leitung von Roland
Fitzlaff, dem Musikalischen Leiter der Schola, zwei Mal
konzertant aufzuführen, wiederum zusammen mit unseren Freunden vom Collegium Musicum Luzern. Dies
in einer Kirche, die zu den grossartigsten gotischen
Kunstdenkmälern der Schweiz gehört: der Klosterkirche
Königsfelden. Diese wurde ungefähr 350 Jahre vor der
Jesuitenkirche Luzern erbaut zum Gedenken an König
Albrecht, der an der Stelle, wo heute die Kirche steht,
1310 ermordet wurde. Weltruf geniesst der Glasgemäldezyklus im Chor mit Darstellungen von Heiligen- und
Christuslegenden. Seine Farbharmonie in den Grundtönen Rot und Blau durchzieht die elf Spitzbogenfenster
wie ein musikalisches Kunstwerk.
Ich freue mich, wenn der Publikumsandrang zu
unseren Konzerten in der Klosterkirche Königsfelden
ebenso gross sein wird wie in der Jesuitenkirche Luzern.
Mit der Aufführung von Franz Schuberts musikalischem
Kunstwerk, seiner Messe in As-Dur, wünsche ich Ihnen,
liebe Leserinnen und Leser, ein bewegendes und bleibendes Erlebnis.
5
Editorial:
Sigi Loretz
Schuberts Messe in As-Dur:
ein persönliches Bekenntnis
Franz Schubert hatte geplant, seine As-Dur-Messe dem Kaiser zu widmen, da er sie für gelungen
hielt. Doch die Widmung unterblieb. Nach Ansicht des Hofkapellmeisters Josef Eybler, dem Schubert die Messe zeigte, sei sie zwar gut, «aber nicht in dem Styl componirt, den der Kaiser liebt.»
Text:
Roland Fitzlaff
Bild:
Ein Porträt von
Franz Schubert
ohne Brille ist
ungewöhnlich.
Das Ölgemälde
malte Anton de
Pauly 1827.
«Sie werden euch auch noch gefallen», soll Schubert
seufzend erwidert haben, als die Lieder der Winterreise,
komponiert im Jahr 1827, bei seinen Freunden auf
Unverständnis stiessen. Vielleicht waren es nicht die
genauen Worte des österreichischen Komponisten, doch
ist die Kernaussage symptomatisch für einen inneren und
äusseren Konlikt, den Schubert zeit seines Lebens führte.
Wollte ein Komponist zu Beginn des 19. Jahrhunderts
breiten Erfolg mit seinen Werken haben, so musste er sich
stets bewusst sein, für welche Institution er schrieb, denn
diese Institution gab die Rahmenbedingungen vor, die es
zu befolgen galt. Heute sind gezielte Werbemassnahmen
von zentraler Bedeutung, damals – wurde das Werk etwa
im Auftrag eines Mäzens geschrieben, eines Adligen,
eines Fürsten oder Königs – galt es, dessen Geschmack
zu berücksichtigen. Bei geistlichen Werken war es ratsam, die Regeln der jeweiligen Amtskirche möglichst
getreu zu befolgen, und zu Beginn der Romantik traten neu bürgerliche Konzertvereine in Erscheinung,
die selbstverständlich ihrerseits eigene Erwartungen
an die Komponisten hatten, die sie unterstützen
wollten. Schubert beschrieb in vielen Briefen an seine
Freunde, wie sehr ihn dieser Dualismus aus Altem
und Neuem, aus Tradiertem und Eigenem belastete,
wollte er doch beiden Seiten gerecht werden. So ist
es wohl zu erklären, dass er sich unermüdlich mit den
überlieferten handwerklichen Regeln des Komponierens
auseinandersetzte (was gemeinhin als «Kunstverstand»
bezeichnet wird), angefeuert von einem tiefen (musik-)
geschichtlichen Interesse, und dass er gegenüber seinen
eigenen Fähigkeiten stets kritisch blieb. Er hatte gar
die Absicht, 1829 ein Kontrapunktstudium bei Simon
Sechter aufzunehmen, obwohl er auf diesem Gebiet
bereits Meisterliches geleistet hatte. Nur sein früher Tod
mit gerade mal 31 Jahren verhinderte dieses Vorhaben.
Unbedingter Wille
zur ausgewogenen musikalischen Form
In seinen lateinischen Messen orientiert sich Schubert
am damals vorherrschenden gemischten Stil, dem «stile
misto», der vorgab, welche Sätze oder Teilabschnitte
6
des Messordinariums traditionell im alten (stile antiquo)
und welche im um 1700 in der Oper entwickelten neuen
Stil (stile moderno) komponiert wurden. Davon weicht
er auch in der As-Dur-Messe nicht ab: Benedictus und
Agnus Dei erscheinen mit reduzierter Besetzung und in
lyrischer Setzweise, und im Gratias-Abschnitt des Gloria
stellt Schubert mittels kammermusikalischer Besetzung
dem Einsatz des gesamten Chor- und Orchesterapparats
die Liedhaftigkeit entgegen. Formgebend ist im Gratias
die Dreiteiligkeit. Zunächst eine Exposition mit acht
Takten Vorspiel und acht analogen Takten Soloexposition,
sodann eine Fortspinnung von elf Takten, an der sich die
vier Vokalsolisten und ein sparsames Instrumentarium
beteiligen, und schliesslich ein Epilog, der Elemente
einer Reprise mit chorischer Interpolation verbindet.
Es ist an dieser Stelle nicht möglich, nur annähernd
auf die komplexen Formen und Strukturen der Messe
einzugehen, doch soll dieses kurze Beispiel dazu dienen,
Schuberts ausgeprägten Willen zur Formgebung zu
erläutern. So durchdringt die Dreiteiligkeit «Exposition
– Fortspinnung – Epilog» als Formungsprinzip bereits
die exponierende Periode des Satzes (2 + 4 + 2 Takte), ein Duo für die stimmführende erste Violine und
die kontrapunktierende zweite Violine. Grossform und
Kleinform korrespondieren miteinander. Schubert erreicht im Gratias ein hohes Mass an Balance zwischen
den kontrapunktischen Stimmen des Soloquartetts und
ihrer liedhaft-kantablen Melodieführung, zudem steht
die ungewöhnliche Wiederholung des Gratias-Abschnitts
nach dem Domine – wie so oft in Schuberts Messen
– ganz im Dienst der musikalischen Formgebung. Natürlich hat das Auswirkungen, wenn für Schubert die
Ausgewogenheit der musikalischen Formgebung an
erster Stelle steht, nicht zuletzt auf den Text. Bereits
die Zeitgenossen warfen dem Komponisten seinen
vermeintlich nachlässigen Umgang mit dem Messetext
vor, wenn er etwa Passagen ausliess oder wiederholte
oder auch mal nur einzelne Wörter änderte. Man versuchte dies lange Zeit mit dem schwierigen Verhältnis
Schuberts zur christlichen Amtskirche zu erklären und
auf den einfachen Nenner zu bringen, dass die Texte des
Bild:
Canaletto, Blick
vom Schloss
Belvedere auf
Wien, 1758.
Schubert ist der
einzige grosse
Komponist vor
Strauss, der in
Wien geboren
wurde.
Ordinariums Schubert schlicht zu wenig wichtig waren.
Es sei ihm in erster Linie um die Musik gegangen.
Die neuere Forschung bejaht diesen Schluss, verneint
hingegen das angebliche Desinteresse Schuberts am
textlichen Inhalt und attestiert ihm ein Ringen um jede
Veränderung der textlichen Gestalt. Schwachpunkt der
Argumentation ist, dass sich diese Beobachtung in erster
Linie auf Schuberts Lieder beziehen, mehrheitlich
weltliche Texte. Werfen wir nun einen Blick auf die
grossformale Anlage der Messe:
Kyrie
Gloria
Credo
Sanctus
Osanna
Benedictus
Agnus Dei
Dona
As
E
C
As
C
F
F
As
f
As
C
3/4
C
3/2
C
12/8
6/8
C
3/4
C
Andante con moto
Allegro maestoso e vivace
Allegro maestoso e vivace
Grave
Allegro maestoso e vivace
Andante
Allegro
Andante con moto
Adagio
Allegretto
Bereits die Taktarten und vor allem der Tonartenzyklus
der sechs Messesätze verraten eine übergreifende Konzeption, wie sie die vier früheren Messen noch nicht
kannten. Mehr noch als der konsequente Wechsel von
geraden und ungeraden Taktarten fällt die mediantische
(terzverwandte) Beziehung der Sätze untereinander auf,
einzige Ausnahme scheint die Tonart des Gloria zu sein,
was sich bei genauerer Analyse jedoch erklären lässt. Das
Überraschende des Satzanfanges liegt gerade in der
Tonart, die dem As-Dur des Kyrieschlusses ganz unvermittelt folgt. Das Ohr nimmt den neuen Grundton E
als das unterterzverwandte Fes (und nicht als verminderte Quarte As – E) auf, stellt folglich die mediantische
Beziehung her, die dem Tonartenplan der gesamten
Messe Zusammenhang gibt. Wenn Schubert nun das
Fes-Dur enharmonisch verwechselt als E-Dur notiert,
das nicht weniger als acht Quinten über As liegt, so
drückt er damit den strahlend und «quasi von oben»
hereinbrechenden Engelsgesang des Lukasevangeliums
aus.
8
Ungewöhnlich ist auch die Grundtonart selbst, weder
Joseph Haydn, Mozart noch Beethoven gehen in ihren
Messen über drei Vorzeichen in der Grundtonart hinaus.
As-Dur vermittelt zwischen den Unterterztonarten FesDur, f-Moll und F-Dur und der Oberterztonart C-Dur,
in der das Credo notiert ist. Dessen As-Dur-Mittelteil –
auch durch die sonst nirgends verwendeten Takt- und
Tempo-Bezeichnungen Grave und 3/2 – wird zum formalen und geistigen Zentrum des Zyklus. Schubert
rückt die Inkarnation und den Kreuzestod Christi in
den Mittelpunkt, dem alle anderen Sätze gleichsam
zugeordnet sind.
Diese mediantische Gesamtkonzeption, aber auch
die Behandlung der Tonarten vor allem im Credo und
im Sanctus im Sinne metaphorischer zyklischer Eindunklung oder Aufhellung offenbaren Schuberts Weg
von den Tonartenfarbkontrasten der frühen Messen
zur Tonartensymbolik. Der Quintenzirkel mit seiner
Möglichkeit enharmonischer Verwechslung, also der
Differenzierung zwischen Notiertem und Gemeintem,
wird zur vielfältig verwendeten Metapher für Antithesen
wie «oben», «mittig» oder «unten», für konsequente
modulatorische Bewegungen, die den Charakter einer
aufwärts oder abwärts weisenden Linearität annehmen.
Schubert verwendet ihn in der As-Dur-Messe auch als
Kreissymbol, als Sinnbild eines Ganzen.
Wenn Institutionen sich verweigern
Schubert hat seine zweitletzte Messe nicht für einen
konkreten Anlass, für ein konkretes Fest geschrieben. Das
zeigt schon die lange Entstehungszeit. Im November 1819
begann er die Arbeit, die er erst – nach einem Unterbruch
– im Dezember 1822 abschliessen konnte. Schubert
schrieb die Messe also zunächst ohne bestimmtes Ziel,
wohl aber in der Erwartung, mit Leichtigkeit eine die
Aufführung tragende Institution inden zu können. Da
Schubert vor allem sich selbst mitteilen will und sich
nicht in den Dienst eben dieser Institution stellen will,
wurde das Unterfangen jedoch komplizierter als erhofft.
Schubert fand keine Institution, derer er sich bedienen
konnte, weshalb die Erstaufführung auf Fürsprache
seines Bruders Ferdinand in der Alt-Lerchenfelder Kirche stattinden sollte (dort war Ferdinand Schubert seit
1820 Regens chori). Aus den vorhandenen Quellen
geht hervor, dass diese Aufführung wohl zustande
gekommen ist, allerdings kaum in einer Weise, die den
Komponisten zufrieden gestellt haben kann. Die Messe
stellte an die Ausführenden (Chor wie Orchester) zu
hohe Anforderungen, denen das örtliche Ensemble nicht
gerecht werden konnte.
Schubert nahm daraufhin einige vereinfachende
Veränderungen an der Messe vor, blieb in dieser Arbeit
aber auffällig lustlos und inkonsequent, er nahm nichts
wirklich zurück. Dies mag ein weiteres Zeichen dafür
sein, dass er von Beginn an die As-Dur-Messe für
gelungen hielt und im Rahmen seiner Bewerbung um
die Stelle als Vizehofkapellmeister einreichte. Wie gross
muss die Enttäuschung gewesen sein, als Josef Eybler,
der Nachfolger Salieris, nach wenigen Wochen die
Messe zurücksandte mit dem Vermerk, dass «sie gut sei,
aber nicht in dem Stil komponiert, den der Kaiser liebt».
Erneut hatte eine Institution Schubert die Unterstützung
verweigert. Und dabei hatte der Komponist zu Beginn
sogar geplant, die As-Dur-Messe dem Kaiser oder der
Kaiserin zu widmen.
Intende voci und Tantum ergo in Es
In den Königsfelder Aufführungen erklingen ebenfalls
zwei der kleineren liturgischen Kompositionen, die
Schubert insbesondere gegen Ende seines Schaffens
geschrieben hat. Ihrem Bezug zu den beiden letzten
grossen Messen verdanken sie es, dass sie auch heute
noch regelmässig auf den Konzertprogrammen erscheinen. Die Tantum-ergo-Komposition ist, wie üblich,
strophisch angelegt und innerhalb der Strophen nochmals zweigeteilt, wobei der zweite Teil eine neue Idee
exponiert. Die Harmonik ist farbig und hat mit der
As-Dur-Messe den Terzbezug und den extensiven
Gebrauch an Durchgangsdissonanzen und verminderten
Septakkorden gemeinsam.
Das Offertorium Intende voci bezeichnete Schubert
im Autograph als «ria con coro». Eine treffende Be-
zeichnung, da der Chor über weite Strecken den Solotenor begleitet und ganz selten eine eigenständige Rolle
übernimmt. Auffällig sind in den Chorpassagen die
gregorianische Stimmführung und die vergleichsweise
einfache Harmonik, die dem Werk einen ruhigen und
meditativen Charakter verleihen.
Die Konzerte
Sonntag, 31. August 2014, 17.00 Uhr
Festgottesdienst in der Jesuitenkirche Luzern
im Rahmen des Lucerne Festival 2014
Samstag, 6 September 2014, 20 Uhr
Sonntag. 7. September 2014, 17 Uhr
Klosterkirche Königsfelden
Franz Schubert (1797–1828)
Messe in As-Dur | Tantum ergo in Es-dur
Offertorium Intende voci
Marion Ammann, Liliane Glanzmann
Claude Pia, Michel Brodard
Schola Cantorum Wettingensis
Chor und Orchester des Collegium Musicum
Luzern
Pascal Mayer, Leitung (in Luzern)
Roland Fitzlaff, Leitung (in Königsfelden)
Billettverkauf für Königsfelden:
Musik Egloff, Neustrasse 30, Wettingen
Telefon 056 426 72 09
www.schola.ch
Abendkasse eine Stunde vor Konzertbeginn
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Die Solisten
Marion Ammann, Sopran
Geboren und aufgewachsen in Zürich. Lehrdiplom bei
H. Fischer an der Akademie für Schul- und Kirchenmusik in Luzern. Konzertreife im Fach Oper am Opernstudio in Biel. Preise und Auszeichnungen: Migrosbund,
Kantone GR und SO, Bayreuther Stipendiatin. Weitere
Studien und Meisterkurse bei H. Haefeli, D. Hall, E.
Haeliger, E. Mathis, K. Widmer, D. Ferro, L. Ammeter.
Gastverträge führen sie an die Opernhäuser von Zürich,
Scala di Milano, Semperoper Dresden, Nationaloper
Helsinki, Antwerpen, Graz, Genf, Basel, Bern, St. Gallen, Luzern, Biel, Stuttgart, Karlsruhe, Leipzig, Weimar,
Besançon, Wien-Klosterneuburg u.a.
Grosse Erfolge feierte sie mit ihrer Isolde in Köln,
Wuppertal und Lübeck, der Elsa mit dem WDR Köln
neben Johan Botha, am renommierten Wagner Festival
in Wels und an der Oper Leipzig, sowie der Salome und
Frau ohne Schatten an der Nationaloper in Helsinki. Ihr
Repertoire umfasst Partien von Mozart (Dorabella, Elvira,
Contessa) Bellini (Adalgisa, Imogene) Verdi (Elvira, Odabella,
Aida, Lady Macbeth), Puccini (Tosca, Turandot), Wagner
(Elsa, Senta, Sieglinde, Isolde, Elisabeth), Strauss (Kaiserin,
Salome, Arabella), Beethoven (Fidelio) und andere.
Ihre rege Konzerttätigkeit führt sie ins In- und
Ausland, an Festivals wie die Osterfestspiele Lucerne,
die Martinu Festtage Basel, Casino Basel, Tonhalle
Zürich, Concertgebouw, Montreux, Porto, Kyoto,
Osaka, Beijing u.a. Kürzlich gab sie ihr Debut an der
Scala von Mailand und der Semperoper Dresden. Sie
wurde von Albrecht Thiemann, Berlin, Opernwelt, für
ihre fulminante Isolde zur Sängerin des Jahres 2009
vorgeschlagen.
Als nächstes singt sie die Sieglinde im 7 Stunden
Ring von Katharina Wagner im Colòn in Buenos Aires,
eine Walküre in Amsterdam und dann Isolde in Helsinki
mit Robert Dean Smith als Tristan.
10
Liliane Glanzmann, Alt
Konzertdiplom mit Auszeichnung. Meisterkurse bei Brigitte Fassbaender, Hedwig Fassbender, Ileana Cotrubas,
Ingeborg Danz, Breda Zakotnik, Margreet Honig und
Kurt Widmer. Am Theater Basel sang sie in Wagners
Fliegender Holländer die Mary, die Soeur Mathilde in
Les Dialogues des Carmelites und die Hauptrolle in der
Kinderoper Schaf. Anschliessend gastierte sie am Theater Biel Solothurn in Haydns L’Isola disabitata als
Costanza und in Mozarts Zauberlöte als Zweite Dame. In
einer konzertanten Aufführung der Jeunesses musicales
sang sie die Carmen in Bizets gleichnamiger Oper. Sie
war die Nancy in Flotows Martha und sang an der Jungen
Kammeroper Köln.
Sie ist Preisträgerin und Stipendiatin u.a. des MigrosGenossenschaft-Bundes, der Ernst-Göhner-Stiftung, der
Max und Axelle-Koch-Stiftung, der internationalen
Sommerakademie der Universität Mozarteum Salzburg,
des Elvira-Lüthi-Wegman-Wettbewerbs und des Internationalen Richard-Wagner-Verbandes.
Ihr Repertoire umfasst die wichtigen Passionen,
Kantaten, Messen und Oratorien ihres Fachs. Rege
Konzerttätigkeit im In- und Ausland. In der Schweiz hat
sie dies u.a. in die Tonhalle Zürich, ins Stadtcasino Basel,
ins Kongresshaus Biel geführt.
Liliane Glanzmann beschäftigt sich auch mit der
Interpretation zeitgenössischer Musik. So hat sie am
Lucerne Festival Upon Silence von George Benjamin unter
dessen Leitung aufgeführt. Unter Anleitung des Trio
Recherche sang sie Ininito Nero von Salvatore Sciarrino. In
Buenos Aires sang sie die Uraufführung des Requiem von
Christian Favre. Sie sang die Uraufführung des Tribschener
Idyll von Thüring Bräm und die Uraufführungen der
Opern Die Vögel von Leo Dick, Der schwarze Mozart von
Andreas Plüger zum Mozartjahr und Il Gong Magico von
Thüring Bräm.
Claude Pia, Tenor
Der Schweizer Claude Pia ist in Bern geboren und
aufgewachsen. Nach der Matura studierte er Schauspielerei in Zürich und New York, wo er aning, sich für
die Oper zu interessieren.
Gesang studierte er zuerst bei Gina Cigna in Mailand und anschliessend bei Nicolai Gedda in Morges.
Er sang in Bern, Genf, Luzern, Basel und Biel. In Basel
zum Beispiel den Maler in Lulu von Alban Berg (Regie:
Hans Hollmann) und den Tamino in der Zauberlöte
von Wolfgang Amadeus Mozart. Den Maler wird er
demnächst auch an der Bastille in Paris singen. Den
Tamino sang er anschliessend am Liceu in Barcelona.
Weitere Rollen waren Belmonte in Die Entführung aus dem
Serail von Mozart und Rodolfo in La Bohème von Puccini,
beide in Biel. Den Belmonte sang er später auch in Nizza,
wo er auch den Beliore in La inta giardiniera von Mozart
sang. Es folgten viele Engagements, so zum Beispiel
in Frankfurt als Ottavio in Don Giovanni, Hoffmann in
Hoffmanns Erzählungen von Offenbach, Des Grieux in
Manon von Jules Massenet und in Klagenfurt als Rodolfo.
In Palermo sang er den Maler in Lulu und im La Fenice
Venedig den Flamand in Capriccio von Richard Strauss.
Den Narraboth in Salome von Richard Strauss sang er
in Barcelona, Bilbao und Nizza. In Innsbruck sang er
Pinkerton in Madame Butterly von Puccini, Alfredo in
La Traviata von Verdi und Lenski in Eugen Onegin von
Tschaikowski.
Schon immer hat Claude Pia aber auch Konzerte
gesungen. Er hat ein breit gefächertes Repertoire. Es
gab Auftritte mit dem Münchner Rundfunkorchester
unter Marcello Viotti, mit dem Carl-Philipp-EmanuelBach-Chor in Hamburg und einige Konzerte in der
Tonhalle in Zürich. Letzte Konzerte mit dem Luzerner
Sinfonieorchester und dem Bieler Sinfonieorchester.
Michel Brodard, Bass
Nach Erlangen der Gesangsvirtuosität am Konservatorium Freiburg (CH) mit dem Vermerk «Summa cum
laude mit Gratulation der Jury» hat Michel Brodard eine
intensive Konzertkarriere begonnen. Er nimmt an vielen
Konzerten und Festspielen in der Schweiz, Deutschland,
Frankreich, Portugal, Spanien, Polen, Israel, Argentinien,
usw. teil, dies unter der Leitung von grossen Dirigenten
wie Michel Corboz, Igor Markevitch, Edwin Loehrer,
Horst Stein, Yehudi Menuhin, Armin Jordan, Helmuth
Rilling, Michel Plasson, Philippe Herreweghe, JeanClaude Malgoire, Jesus Lopez-Cobos, Neeme Järvi,
Marcello Viotti, Fabio Luisi. Grosse Werke (Oratorien,
Passionen, Messen) als auch dem Publikum weniger
bekannte Werke bestimmen sein weites Repertoire,
und er singt sowohl klassische als auch zeitgenössische
Musik. Seine Interpretationen werden hoch gerühmt
und bringen ihm die Treue seines Publikums.
Mehrere zeitgenössische Komponisten, wie Théo
Flury, Edouard Garo, Michel Hostettler, Marcel Landowski, Laurent Mettraux, Norbert Moret, Oscar
Moret, Andreas Nick, Andreas Plueger, René Oberson,
François Pantillon haben sich für die Uraufführung an
ihn gewandt, einige wurden sogar speziell für ihn geschrieben. Das Werk «Zone» von Fritz Voegelin für
Solo-Bass, Instrumente und Chor, eine Bestellung des
Schweizer Radios RSR-Espace 2, das im Juli 1993
aufgenommen wurde, erhielt in Montreal den Gilson
Musique-Preis 1993. In der Oper singt er viele Rollen
in Werken von Paisiello, Rossini, Cimarosa, Donizetti,
Gluck, Bizet, Purcell und Britten. Besonders seine Interpretation der Titelrolle in Owen Wingrave von Britten
wurde allgemein hoch gelobt. Seine Plattenaufnahmen
beinhalten Werke von Monteverdi, Bach, Schubert, Ravel, usw, unter anderem unter der Leitung von Michel
Corboz, Armin Jordan, Helmuth Rilling, Neeme Järvi.
11
Das Collegium Musicum
der Jesuitenkirche Luzern
Text:
Markus Buholzer
Bild:
Chor und Orchester des Collegium
Musicum Luzern in
der Jesuitenkirche
Luzern.
Ein wichtiger Träger des kirchenmusikalischen Lebens
an der Jesuitenkirche Luzern ist das 1982 von Alois
Koch gegründete Collegium Musicum Luzern, das aus
einem Chor, einem Vokalensemble und einem Orchester besteht. Es gestaltet das kirchliche Leben an der Jesuitenkirche musikalisch aktiv mit und hat sich deshalb
hauptsächlich auf die Aufführung von Messen aus allen
Epochen spezialisiert. Das Collegium Musicum arbeitet
eng mit der «Hochschule Luzern – Musik» sowie den
Luzerner Sängerknaben und dem Luzerner Mädchenchor zusammen. Konzertreisen führten das Collegium
Musicum in jüngster Vergangenheit in verschiedene
Städte der Schweiz, Deutschland und Italien.
Der Chor
Der Chor steht qualiizierten Sängerinnen und Sängern
offen, die Freude an geistlicher Musik und Interesse an
musikalischer und stimmlicher Förderung haben. Seit
August 2009 ist Pascal Mayer künstlerischer Leiter.
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Das Orchester
Das Orchester des Collegium Musicum Luzern ist seit
der Gründung 1982 Bestandteil des kirchenmusikalischen Lebens und arbeitet eng mit der Hochschule Luzern - Musik zusammen. Es besteht aus Berufsmusikern,
die sich in erster Linie der Plege der geistlichen Musik
(Konzerte, Lucerne Festival, kirchliche Veranstaltungen)
widmen.
Unter der künstlerischen Leitung von Alois Koch
und unter Gastdirigenten trat das Orchester in verschiedenen Städten der Schweiz und im Ausland auch konzertant auf.
Die konsequente Auseinandersetzung mit aufführungspraktischen Fragen führte dazu, dass das Collegium Musicum seit 1996 entsprechend der Werkwahl
Instrumente historischer Bauart verwendet. Die Zusammenarbeit mit Andrew Parrott, Simon Standage und
seit 2003 mit Brian Dean ist dabei von entscheidender
Bedeutung.
Die Schola Cantorum
Wettingensis
Mit ihren Auftritten in «babel-torre viva» im Rahmen
von tanz&kunst königsfelden 2013, wo sie nicht nur Acappella-Lieder in verschiedenen Sprachen aus verschiedenen Epochen sang, sondern auch auf der Szene agierte, konnten die Schola und ihr Drigent Roland Fitzlaff
sensationelle Erfolge feiern.
Weitere Sternstunden der Schola waren – neben
vielen Konzerten im Raum Baden-Wettingen – Aufführungen mit den Dirigenten James Conlon und Daniel
Barenboim an den Internationalen Musikfestwochen
Luzern, in Abonnementskonzerten des Radio-SinfonieOrchesters Basel mit Nello Santi in Basel, in Abonnementskonzerten des Musikkollegiums Winterthur mit
Alois Koch und Konstantin Keiser, Konzerte in der
Tonhalle Zürich mit Joseph Haydns «Die Jahreszeiten»
und das Eröffnungskonzert des Lucerne Festival 2002
mit Ivan Fischer. 2003 konzertierte die Schola mit den
Berliner Symphonikern und dem Dirigenten Alois Koch
in der Philharmonie Berlin, im Auditorium Stravinsky in
Montreux und im KKL Luzern. Mit Josef Haydns «Die
Schöpfung» durfte die Schola im Juni 2003 die «Trafohalle», den neuen Konzertsaal in Baden, festlich einweihen. Begeisterte Aufnahme beim Publikum fanden die
Elias-Aufführungen 2012, in denen die Schola das gewaltige Epos nicht nur musikalisch gestaltete, sondern
das Geschehen mit eigens dafür zusammengestellten
Bildern und zurückhaltend eingesetzten Lichteffekten
visualisierte.
2006 erhielt die Schola den Anerkennungspreis der
«Aargauischen Stiftung für Gesang und Musik».
Den Grundstein zur heutigen Schola Cantorum
Wettingensis legte der Wettinger Arzt und Musiker Dr.
Oskar Spörri im Jahre 1949 mit der Grüdung des Chores «Schola Cantorum Maris Stella» – dies in Anlehnung an den Namen des früheren Zisterzienserklosters
Maris Stella in Wettingen. 1971 wandelte sich der Chor
zu einem Konzertchor und gab sich den heutigen Namen Schola Cantorum Wettingensis.
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Text:
Sigi Loretz
Bild:
Die Schola in
Mendelssohns
Elias. Speziell für
das Konzert ausgesuchte Bilder
wurden parallel
zur Musik auf eine
grosse Leinwand
projiziert.
Die Dirigenten
Pascal Mayer
dirigiert die
Aufführung in der
Jesuitenkirche
Luzern.
Roland Fitzlaff
dirigiert die
Konzerte in der
Klosterkirche
Königsfelden.
Pascal Mayer
Pascal Mayer ist seit 2009 künstlerischer Leiter des Collegium Musicum der Jesuitenkirche Luzern (Chor und
Orchester). An der «Hochschule Luzern – Musik» ist er
Dozent für Chorleitung.
Neben seinem Engagement in Luzern leitet Pascal
Mayer auch den Kammerchor der Universität Freiburg
und den Coeur pro Arte Lausanne. Als Lehrer unterrichtet Pascal Mayer zudem am Collège Ste-Croix in
Freiburg. Neben all diesen vielfältigen Engagements leitet Pascal Mayer den Kirchenchor seiner Wohngemeinde. Dazu bereitet er jedes Jahr die Chöre für das Festival
d’Opéra d’Avenches vor.
Ausgebildet an den Konservatorien in Fribourg
und Zürich, sang Pascal Mayer im Ensemble vocal de
Lausanne (Michel Corboz), im Chor von Radio Suisse
Romande (André Charlet) und im Kammerchor Stuttgart unter Frieder Bernius. Von Paul Sacher berufen,
hat Pascal Mayer während fünf Jahren den Basler Kammerchor dirigiert. Zudem arbeitete er mit dem Chor des
Mitteldeutschen Rundfunks Leipzig und dem MozartEnsemble Luzern zusammen.
Mit dem Collegium Musicum erarbeitet Pascal
Mayer die grossen Messen von Barock (Lutherische
Messen von Bach), Klassik (Haydn und Mozart) und Romantik (Schubert und Puccini). Unter seiner Leitung hat
das Collegium Musicum der Jesuitenkirche Luzern im
Frühling 2012 «Die Pingstgeschichte» von Stephan Simeon und an Ostern 2013 die «Missa Lucernensis» von
Pater Theo Flury, Organist und Komponist des Klosters
Einsiedeln, uraufgeführt.
14
Roland Fitzlaff
Seit September 2010 ist Roland Fitzlaff Musikalischer Leiter der Schola Cantorum Wettingensis. Er
studierte an den Musikhochschulen Zürich und Luzern
Kirchenmusik und Gesang sowie Chor- und Orchesterleitung und an den Universitäten Zürich und Reims
Musikwissenschaft und Romanistik.
Er ist als freischaffender Konzertsänger und als
Dirigent verschiedenster Vokalformationen tätig. Roland
Fitzlaff hat sich neben seiner Tätigkeit als Dirigent von
Chorkonzerten einen Namen als Leiter von musikalischen Bühnenproduktionen gemacht. Von 2002 bis
2012 leitete er den A-cappella-Chor «Vocappella» in
Wettingen, von 2007 bis 2009 dirigierte er das Vokalkollegium Bern, und von 2006 bis 2009 war er Leiter des
Frauenfelder Oratorienchores.
Seit 2009 widmet Roland Fitzlaff neben der praktischen musikalischen Tätigkeit einen Teil seiner Arbeitszeit der Telemann-Forschung an der Universität
Zürich. Sein Spezialgebiet sind dessen Passionsoratorien.
Roland Fitzlaff publiziert zudem regelmässig zu musikalischen Themen, insbesondere im Umfeld der grossen
Vokalwerke des 18. bis 20. Jahrhunderts. Er komponiert
und arrangiert regelmässig vor allem im Bereich Vokalmusik.
Die Korrepetitorinnen
Christina Fuchs
Christina Fuchs wurde 1973 in Basel geboren. Aufgewachsen ist sie in Bern. Im Alter von vier Jahren erhielt
sie ihren ersten Klavierunterricht am Konservatorium
in Bern. Zehn Jahre später begann Christina Fuchs
zusätzlich mit Schlagzeugunterricht, damit sie in symphonischen Orchestern mitwirken konnte. Mit Fünfzehn Jahren begann sie ihr Berufsstudium im Fach
Klavier, ebenfalls am Konservatorium in Bern. 1994
schloss sie das Lehrdiplom erfolgreich ab. Anschliessend
studierte sie im Doppelstudium Klavier (Solistendiplom)
und Schlagzeug (Orchesterdiplom). 1996 erlangte sie
das Solistendiplom mit Auszeichnung und 1997 das
Orchesterdiplom. Christina Fuchs war Mitglied im
Schweizer Jugendsinfonie Orchester und Zuzügerin im
Berner Symphonie Orchester. Sie spielte in diversen
Kammermusikformationen im In und Ausland.
Nach den Studien in der Schweiz verliess Christina
Fuchs die Stadt Bern in Richtung London, wo sie zwei
Jahre an der Guildhall School of Music and Drama ein
Masterstudium in Orchesterperkussion absolvierte. Danach war sie noch vier Jahre in London als Musikerin
und Pädagogin tätig. Dort spielte sie u.a. im National
Musician Symphonie Orchestra und genoss die enge
Zusammenarbeit der Guildhall School und des London
Symphonie Orchestra. Durch ihre Dozenten konnte
sie auch in der Philharmonia London und dem BBC
Symphonie Orchestra mitspielen. Sie spielte u.a. mit
Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Mistlav Rostropovic,
Jerry Goldsmith, Michael Tilson Thomas, Pierre
Boulez und Sir Colin Davis. 2003 kam Christina Fuchs
zurück in die Schweiz und unterrichtet seither an der
Musikschule Dietikon und Thalwil-Oberrieden Klavier,
Bläserklassen und gemischte Ensembles. Sie ist Paukistin
der Camerata Cantabile und spielt regelmässig als
Schlagzeugerin in der Oberaargauer Brass Band.
Beata Wetli
Die Schweizer Pianistin Beata Wetli lebt heute im
Aargau, wo sie auch geboren ist. Zu ihren wichtigsten
Lehrern gehören Größen der internationalen Klavierpädagogik, wie Jürg von Vintschger (Zürich/Wien) und
Peter Feuchtwanger (London).
Konzertreifediplom mit Auszeichnung an der Musikhochschule Zürich; in England A.R.C.M.-Konzertdiplom am Royal College of Music London; Meisterkurse
im In- und Ausland. Gewinnerin des Landolt- sowie des
Kiwanis-Preises, Finalistin im internationalen PembaurWettbewerb. In der Schweiz höchste Studienpreise sowohl der Migros-Göhner-Stiftung (Zug/Zürich) als auch
des Aargauer Kuratoriums. Vielfältige musikalische Tätigkeit in der Schweiz und im Ausland (Deutschland,
Frankreich, England, Russland, Polen – verbunden mit
Radio- und Fernsehaufnahmen). Beata Wetli ist Klavierlehrerin an den beiden Kantonsschulen Freudenberg
und Enge in Zürich.
Neuste Aufnahme: CD «Aargauer Wanderungen»
mit Klaviermusik von Aargauer Komponisten aus 150
Jahren, zumeist Ersteinspielungen.
15
Schuberts Traum
Text:
Sigi Loretz
Sein Geheimnis werden wir wahrscheinlich nie ergründen können: Das Rätsel um jenen Text, den Franz
Schubert am 3. Juli 1822 schrieb – dem Jahr der As-DurMesse, der h-Moll-Sinfonie und der Wandererfantasie.
Dem Text gab Schubert den Titel «Mein Traum».
«Mein Traum
Ich war ein Bruder vieler Brüder u. Schwestern. Unser
Vater, unsre Mutter waren gut. Ich war allen mit tiefer
Liebe zugethan. – Einstmals führte uns der Vater zu
einem Lustgelage. Da wurden die Brüder sehr fröhlich.
Ich aber war traurig. Da trat mein Vater zu mir u. befahl
mir, die köstlichen Speisen zu geniessen. Ich aber konnte
nicht, worüber mein Vater erzürnend mich aus seinem
Angesicht verbannte. Ich wandte meine Schritte u. mit
einem Herzen voll unendlicher Liebe für die, welche sie
verschmähten, wanderte ich in ferne Gegenden. Jahre
lang fühlte ich den grössten Schmerz u. die grösste
Liebe mich zertheilen. – Da kam mir Kunde von meiner
Mutter Tode. Ich eilte sie zu sehen u. mein Vater von
Trauer erweicht, hinderte meinen Eintritt nicht. Da sah
ich ihre Leiche. Thränen entlossen meinen Augen. Wie
die gute alte Vergangenheit, in der wir uns nach der
Verstorbenen Meinung auch bewegen sollten, wie sie
sich einst, sah ich sie liegen. Und wir folgten ihrer Leiche
in Trauer u. die Bahre versank. – Von dieser Zeit an blieb
ich wieder zu Hause. Da führte mich mein Vater wieder
einstmahls in seinen Lieblingsgarten. Er fragte mich, ob
er mir geiele. Doch mir war der Garten ganz widrig
u. ich getraute mir nichts zu sagen. Da fragte er mich
zum zweytenmahl erglühend: ob mir der Garten geiele?
Ich verneinte es zitternd. Da schlug mich mein Vater u.
ich entloh. Und zum zweytenmahl wandte ich meine
Schritte u. mit einem Herzen voll unendlicher Liebe für
die, welche sie verschmähten, wanderte ich abermals in
ferne Gegend. Lieder sang ich nun lange lange Jahre.
16
Wollte ich Liebe singen, ward sie mir zum Schmerz. Und
wollte ich wieder Schmerz nur singen, ward er mir zur
Liebe. So zertheilte mich die Liebe u. der Schmerz. Und
einst bekam ich Kunde von einer frommen Jungfrau, die
erst gestorben war. Und ein Kreis sich um ihr Grabmahl
zog, in dem viele Jünglinge und Greise auf ewig wie in
Seligkeiten wandelten. Sie sprachen leise, die Jungfrau
nicht zu wecken. Himmlische Gedanken schienen
immerwährend aus der Jungfrau Grabmahl auf die
Jünglinge wie lichte Funken zu sprühen, welche sanftes
Geräusch erregten. Da sehnte ich mich sehr auch da
zu wandeln. Doch nur ein Wunder, sagten die Leute,
führt in diesen Kreis. Ich aber trat langsamen Schrittes,
innrer Andacht u. fester Glaube, mit gesenktem Blicke
auf das Grabmahl zu u. eh ich es wähnte, war ich in
dem Kreis, der einen wunderlieblichen Ton von sich
gab; und ich fühlte die ewige Seligkeit wie in einen
Augenblick zusammengedrängt. Auch meinen Vater sah
ich versöhnt u. liebend. Er schloss mich in seine Arme
und weinte. Noch mehr aber ich.»
Schuberts Traum wird oft als das Aufbrechen traumatischer Erlebnisse mit seinem tyrannischen und dominanten Vater und auf das Fehlen von mütterlicher Geborgenheit gedeutet. Über das tatsächliche Verhältnis
Schuberts zu seinem Vater wissen wir jedoch sehr
wenig. Immerhin ermöglichte der Vater seinem Sohn
eine solide Ausbildung und förderte seine musikalische
Begabung, brachte ihm das Violinspiel bei und liess ihn
in Generalbass, Orgel und Gesang unterrichten. Auch
brachte der Vater den siebenjährigen Franz zu Antonio
Salieri – damals in Wien die bedeutendste Kapazität
in Sachen Musik – um die Eignung seines Sohnes als
Hofsängerknabe zu prüfen. Vier Jahre später trat Schubert auf Empfehlung Salieris als Sängerknabe in die
kaiserliche Hofmusikkapelle ein.
Wenn wir Schuberts Traumerzählung als den Spiegel
seiner Seele, als Ausdruck seines Innenlebens betrachten,
inden wir viele Hinweise und Parallelen zu seiner Entwicklung als Mensch und als Komponist.
Franz war das zwölfte unter sechzehn Geschwistern.
Seine Mutter starb, als der Knabe fünfzehn Jahre alt
war. Nach dem Willen des Vaters wurde Schubert
Schulgehilfe an der Schule, an der sein Vater als Lehrer
tätig war. Nach weniger als drei Jahren widerwillig
geleistetem Schuldienst verliess Schubert Schule und
Elternhaus.
Fremd bin ich eingezogen,
Fremd zieh’ ich wieder aus.
Mit diesen Versen beginnt Schuberts Liederzyklus
Winterreise. Der Hörer dieser Lieder vernimmt die
Geschichte eines zutiefst Unglücklichen, mit dem er sich
auf Wanderschaft in eine nächtliche Traumwelt begibt.
Das Mädchen sprach von Liebe,
Die Mutter gar von Eh’.
Seinem Freund Anton Holzapfel gestand Schubert – er
war damals neunzehn Jahre alt – er sei verliebt: in Therese
Grob, ein Mädchen aus der Nachbarschaft, das ihm als
gute Sängerin im Kirchenchor aufgefallen war. Sie sang
bei der Uraufführung von Schuberts F-Dur-Messe das
Sopran-Solo und wurde von ihm mit einem eigens für
sie zusammengestellten «Liederalbum» beschenkt. Doch
Schuberts Idol zog schliesslich dem mittellosen Musiker
einen reichen Bäckermeister vor.
Vielleicht führte Schuberts Enttäuschung und sein
Schmerz darüber, dass seine erste grosse Liebe nicht
zur Ehe führte dazu, dass er sich nie mehr ernsthaft um
die Gründung einer Familie und um eine bürgerliche
Existenz bemühte.
Nun ist die Welt so trübe,
Der Weg gehüllt in Schnee.
Müde und traurig, sich sehnend nach der Liebsten,
die er verlor und nach einem Stückchen Heimat, mit
Tränen, die zu Eis erstarren, zieht der Wanderer durch
Nacht und Schnee in ferne Gegenden. In vielen Liedern
Schuberts und auch in der Traumerzählung ist vom
Wandern die Rede, vom Abschied, von der Einsamkeit,
von der Sehnsucht, vom Fremdling.
In ferne Gegenden, wie es in der Traumerzählung
heisst, ist Schubert allerdings nie gekommen. Sein Lebensmittelpunkt war Wien, wo er seinen Aufenthaltsort
sehr oft wechselte. Er besass nie eine eigene Wohnung,
sondern lebte mit und bei Freunden oder als Untermieter
eines Zimmers in fremden Wohnungen, in seinem letzten Lebensjahr bei seinem Bruder Ferdinand.
Es zieht ein Mondenschatten
Als mein Gefährte mit.
Einsam und ohne Gruss, Wege vermeidend, wo andere
Wanderer gehen, zieht er dahin. Ein Mitschüler Schuberts aus dem Konvikt der Wiener Hofkapelle beschrieb
Schubert als wortkarg, als einer, der die freien Stunden
einsam im Musikzimmer verbrachte.
Doch Schubert hatte einen Kreis, in dem er
anerkannt und sogar bewundert wurde, und in dem er
sich geborgen fühlte: den Kreis seiner Freunde. Viele
von ihnen kannte er bereits als Jüngling. In diesem Zirkel
gab es für ihn ein echtes Zusammengehörigkeitsgefühl.
Er war seine eigentliche Heimat.
Einen Abend im Kreise seiner Freunde beschrieb
Peter Härtling in seinem Buch über Schubert: Schubert
«trinkt zu viel, lässt sich nachschenken, und irgendwann,
nachdem die meisten schon aufgebrochen sind, schleppen ihn Schober und Schwind in seine Wohnung, ziehen ihm die Jacke und die Stiefel aus, betten ihn und
lassen ihn allein mit dem Wunsch, dass er allerliebst
träumen möge, ein Wunsch, der schon in seinen Schlaf
hineintönt, denn alles, was er sich angetan, was die
Liebe mit ihm angestellt hat, alles, was er ersehnt und
was er nur in seinen Liedern wagt, alle Kinderbilder,
die seiner Liebe vorausgingen, die spätere Verletzungen
schon aufnahmen, brechen als Traum in seinen Schlaf.
Diesen Traum schreibt er am frühen Morgen ohne
aufzuschauen auf, als diktiere es der Schläfer dem eben
erst Erwachten.»
17
Die Winterreise
komponierte
Schubert 1827
auf Texte von
Wilhelm Müller.
Die Verszitate
stammen aus dem
Lied «Gute Nacht»,
das den Liederzyklus eröffnet.
Karl-Friedrich Barthel:
Mitmachen statt Zuschauen
Aufgezeichnet von
Denise Frey
Drei Dinge sind wichtig in meinem Leben: Arbeit, Sport
und Musik. Ich habe sehr gerne auf meinem Beruf gearbeitet. Im Bereich der Elektrotechnik habe ich mich mit
viel Wissensdrang bis zum Projekt-Ingenieur ausgebildet
und war in der Grossindustrie teilweise als Projektleiter auf vielen Grossbaustellen in der ganzen Welt tätig.
Dann der Sport, den ich leider aufgrund einer Erkrankung aufgeben musste – und der Gesang, von Anfang
an. Ohne Singen geht gar nichts.
Aufgewachsen bin ich in einem 900 Seelendorf bei
Rüdesheim mit meiner grossen Schwester und meiner
Zwillingsschwester in den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren und lebte dort, bis ich 1970 in die Schweiz
kam. Als kleiner Bub in der Kirche, man musste ja früher in die Kirche gehen, da hat der Männerchor jedes
Jahr am Kirchweihtag die Deutsche Messe von Schubert
gesungen. Die konnte ich mit der Zeit in und auswendig.
Mit fünfzehn ging ich in diesen Männerchor, wo ich im
Bass sang. Es war für mich klar, nach dem Stimmbruch
geh ich da hin. Erste gesangliche Erfahrungen machte
ich im Rheingau-Gymnasium im Gymichor mit einer
glasklaren Sopranstimme.
In meinem Elternhaus stand auch ein Klavier, und
mein Ehrgeiz wollte es, dass ich das, was meine Mutter spielte, auch kann. So konnte ich als kleiner Junge
die einfachen Kinderlieder meiner Mutter nachspielen.
Sie organisierte dann einen Klavierlehrer, der zeitgleich
auch den Männerchor leitete. Der Chor und auch mein
Klavierlehrer haben offenbar in mir ein Talent gesehen
und schickten mich mit der Unterstützung des Hessischen Sängerbundes auf das Konservatorium nach
Frankfurt am Main mit der Bedingung, nach erfolgreichem Abschluss des Chorleiterdiploms einen Chor im
18
Rheingau zu übernehmen. Das Diplom habe ich, aber
sonst kam alles anders. Die Schweiz zog mich an wie
ein Magnet. Eine Schwester lebte bereits hier und ich
ging sie natürlich besuchen – da hab ich das erste Mal
die Berge gesehen! Das war für mich eine komplett neue
Welt! Da dachte ich: Ich gehe in die Schweiz, genauso,
wie ich damals dachte, ich gehe in den Männerchor. Ich
ging immer sehr zielstrebig an die Dinge heran. Beim
Sport genau das gleiche. Ich muss mich bewegen. Ich
übte verschiedene Sportarten aus – aus dem einfachen
Grund: Ich will immer mitmachen. Egal, wo ich bin,
wenn ich Leichtathletik im Stadion sehe, dann will ich
immer gleich mitrennen. Ich bin ein schlechter Zuschauer, ich will mitmachen! Alles reizt mich! Es handelt sich dabei allerdings immer um Sportarten, in denen eine gewisse Ästhetik steckt: Beispielsweise Rudern.
Das ist ein unglaublich schöner Bewegungsablauf und
die Kraftumsetzung ist fast beispiellos. Im Gymnasium
hatten wir eine Rudermannschaft und auf dem Rhein
trainierten wir für diverse Schulmeisterschaften. In der
Leichtathletik machte ich – nebst dem 100m-Lauf –
auch Kugelstossen, was überhaupt nicht meinem Körperbau entsprach, aber die Bewegung faszinierte mich.
Wie ist es möglich, dass man so weit stossen kann? Als
ich die Technik verinnerlicht hatte, kam ich weiter als
manch ein Muskelprotz. Dann kam Judo hinzu. Ich trainierte im bekannten Judoclub Nippon in Zürich, später
dann im Judoclub Aarau. 1978 hatte ich meinen letzten
Kampf in Stäfa an den Schweizermeisterschaften, Platz
67, haha! Leider musste ich den Sport aufgeben, denn
nach einer Ohrenoperation war das Risiko zu gross,
durch die vielen Aufschläge auf den Boden auf einem
Ohr taub zu werden. Durch die Krankheit Otosklerose
erlitt ich einen Hörverlust von 73%. Doch mit den heutigen Hörgeräten ist das normale Hören kein Problem.
30 Jahre lang leitete ich den Männerchor MuhenSchöftland, 25 Jahre war ich Dirigent des Gemischten
Chors Staffelbach. Was mich daran faszinierte: Du
bringst Laiensänger jede Woche zusammen und die versuchen, vierstimmig ein Lied zu singen. Und das funktioniert! Seit zehn Jahren bin ich Verbandsdirektor vom
Chorverband Aargau Südwest. Das ist ein Unterverband
des Kantonalen Sängerverbandes, wo ich zwischendurch
ebenfalls in der Musikkommission mitmischle. Letztes
Jahr führten wir den Schweizerischen Chorwettbewerb
durch, da war ich natürlich auch im Schweizerischen
Chorverband aktiv. Das war eine tolle Sache. Spitzenchöre aller Kategorien aus der ganzen Schweiz kamen
und haben unglaublich schönen Chorgesang geboten.
Ich organisiere auch Chor-Openairs. Mit ortsansässigen
Vereinen, die dann jeweils die Infrastruktur zur Verfügung stellen, suche ich nach geeigneten Örtlichkeiten im
Freien. Wir vom Verband organisieren das Gesangliche.
Zwischen 15 und 20 Chören sind da anwesend. Das ist
jedes Mal eine lockere Angelegenheit, die Chöre können
sich präsentieren, ohne dass Experten anwesend sind, sie
können frei singen, experimentieren, testen, wie kommt
etwas beim Publikum an.
Seit etwa zehn Jahren bin ich in der Schola. Ein
ehemaliger Verbandskollege, der ebenfalls in der Schola singt, gab mir ein Konzertprogramm. Aber zuhören
war mir zu wenig, ich musste mitsingen, und von der
ersten Probe an nach dem Konzert war ich dabei. Tolle
Kameradschaft und unser guter Dirigent Roland Fitzlaff
bewirken, dass ich mich jeden Dienstag auf die Gesangsstunden freue. Ich hoffe, noch lange meine Stimme dem
Verein zur Verfügung stellen zu können. Als zufriedener
Rentner und echter Schweizer (so fühle ich mich auch)
lebe ich heute in Muhen. Meine Frau Susi war und ist
für mich die unterstützende Person in meinem Leben.
Wenn man berulich oft unterwegs ist und dazu noch
ein intensives Hobby plegt, so braucht es vonseiten der
Partnerin sehr viel Verständnis. So ist die Familie das
Dach über allem und ich konnte aus einem gesunden
familiären Umfeld heraus agieren. Zwei erwachsene
Töchter gehören auch zu uns, beide sind ebenfalls mit
der Musik sehr verbunden.
Singen Sie mit in der
Schola Cantorum Wettingensis!
Erfahrene Sängerinnen und Sänger sind in unserem Chor herzlich willkommen
Kontakt: Sigi Loretz • Telefon 044 881 70 70 • [email protected] • www.schola.ch
19
Bild oben:
Karl-Friedrich
Barthel am Klavier
in einem Konzert
des Männerchors
Muhen-Schöftland.
In jeder Ausgabe
der Schola-Zeitung
stellen wir ein
Rückblick 1
Adventskonzerte 2013
Das Publikum der Konzerte vom 6. und 8. Dezember war begeistert von den besinnlichen, aber
auch heiteren Advents- und Weihnachtsliedern, von humorvollen Texten, dem differenzierten Klavierspiel von Kristina Rohn und dem reichhaltigen Konzertbuffet, das die Schola erstmals betrieb.
Oben links:
Die Pianistin
Kristina Rohn.
Oben rechts:
In den Adventskonzerten gab es
nicht nur besinnliche, sondern auch
heitere Musik.
Rechts:
Am Buffet mit
Schola-Bier.
Fotos:
Florian Frei
20
Rückblick 2
Muttertagskonzert 2014
Im Muttertagskonzert am 11. Mai in der reformierten Kirche Wettingen erfreute die Schola die Zuhörerinnen und Zuhörer mit einem sehr abwechslungsreichen Programm. Das Zusammenwirken von
Chor, Solo-Sopran und Bläserensemble ergab faszinierende Klangfarben.
Rezension von
Barbara Scherer
in der Aargauer
Zeitung vom
13. Mai 2014.
Himmlische Klänge, die das Publikum zu Tränen rühren
Wettingen. Zum Muttertag präsentiert der «Schola Cantorum Wettingensis»-Chor Musik
vom Spätbarock bis zur Romantik.
Die Trompeten erklingen, langsam breitet sich der Ton
der hellen Stimmen aus: So könnte wohl biblische
Engelsmusik klingen. Pompös und zugleich emotional hallt der chorale Gesang des «Schola Cantorum
Wettingensis»-Chors am frühen Sonntagabend durch
die Gemäuer der reformierten Kirche. Wie das Programmheft treffend verlauten lässt: «Gute Musik ist
wie die Tränen einer liebenden Mutter», findet das
Konzert im Rahmen des Muttertags statt. Thematisch
ist das Konzert in zwei Teile gegliedert: Der Beginn des
Abends wird von inniger Dankbarkeit und festlichem
Lob beherrscht. Während im zweiten Teil Kompositionen, die sich mit Maria, der Mutter Jesu beschäftigen,
gespielt werden. «Maria ist schliesslich die Urmutter
des Christentums», sagt Roland Fitzlaff, Dirigent der
«Schola Cantorum Wettingensis», über die Wahl der
Kompositionen.
Stücke, die bewegen
Die Stücke reichen vom Spätbarock bis zur Romantik.
Dabei wird der Chor von vier Bläsern des «Collegium Cantorum» aus Zürich begleitet. Die Sopranistin
und Stimmbildnerin Ruth Achermann bezaubert mit
ihrer hellen und klaren Stimme in Stücken wie «O hätt
ich Jubals Harf» von Georg Friedrich Händel. Natürlich fehlt es auch nicht an kirchlichen Orgelklängen,
gespielt von Stefan Müller. Unmerklich lösen sich die
Grenzen zwischen vokaler und instrumentaler Musik
auf. Es entstehen harmonische Klänge, die bewegen.
Im Publikum schliesst manch einer sinnlich die Augen
und verfällt dem Zauber der Tonkompositionen der
grossen Musikgenies wie Mozart und Bach. Einigen
Zuhörern kullern dann auch Tränen über die Wangen, während sich ein entzücktes Lächeln auf ihren
Gesichtern breit macht So ist die Betonung des gefühlvollen Ausdrucks schliesslich eine der wichtigsten
Eigenschaften der romantischen Musik. «Romantik
und Klassik sind unser Spezialgebiet, ich habe aber
etwas Barockmusik eingeführt», sagt Fitzlaff. Mit dieser musikalischen Mischung bietet das Konzert ein
abwechslungsreiches, aber klar strukturiertes Programm. «Ave Regina in C» von Michael Haydn bildet
eine Art Scharnier zwischen den Musikepochen. «Es
ist ein ganz spezielles Stück, weil die Harmonik der
Klassik entspricht und der Stimmensatz im Barock
angesiedelt ist», sagt Fitzlaff.
21
Bild oben:
Muttertagskonzert
der Schola in der
reformierten Kirche
Wettingen.
Foto: Florian Frei.
Ausblick
Scherzo
Bild links:
Heinrich von
Herzogenberg.
Fotografie, 1894.
Adventskonzerte 2014
Heinrich von Herzogenberg (1843–1900)
Die Geburt Christi
Bild rechts:
Leopold
Kupelwieser:
Das Kaleidoskop
und die Draisine.
Aquarell,1817.
Solisten
Schola Cantorum Wettingensis
Jugendchor Mägenwil-Wohlenschwil (Einstudierung
Elisabeth Fischer)
Orchester Collegium Cantorum
Hans Zumstein, Orgel
Roland Fitzlaff, Leitung
Die humoristische und eher komische Seite von Schuberts Wesen zeigt sich als Mitglied einer Wiener Künstlervereinigung, die sich doppelsinnig «Unsinnsgesellschaft» nannte. Nach einem zeitgenössischen Bericht
war Schubert «eines der thätigsten Mitglieder» und trug
den Beinamen «Ritter Cimbal alias Juan de la Cimbala». Die Mitglieder trafen sich regelmässig jeden Donnerstag im Landstrasser Gasthof «Zum rothen Hahn».
Die Gasthausbesitzerin Therese Fellner – die einzige
Frau in dieser Männergesellschaft – trug den Beinamen
«Generalquartiermeisterin» und wurde von den Mitgliedern besonders verehrt. Hauptaufgabe der Unsinnsgesellschaft war die Redaktion der Wochenschrift «Archiv
des menschlichen Unsinns». Jede Ausgabe bestand aus
mindesten acht Seiten, enthielt ein Aquarell oder eine
Federzeichnung und von Hand geschriebenen Text. Die
mit spitzer Feder, Witz und beissendem Spott verfassten
Beiträge behandelten Angelegenheiten des Vereins und
seiner Mitglieder, das alltägliche Leben, aktuelle Ereignisse, Kunst, Literatur und Musik, aber auch Politik – in
der Zeit des Metternichschen Polizeistaats mit seinem
Spitzelwesen kein ungefährliches Unterfangen. Die Bilder – Porträts und Karikaturen – waren ein wichtiger
Teil jeder Ausgabe und meist von hoher Qualität, da viele Mitglieder der Unsinnsgesellschaft malerisch begabt
waren. Eines dieser Bilder, gemalt von Leopold Kupelwieser, einem engen Freund Schuberts, ist ein Doppelporträt von Schubert und Kupelwieser und thematisiert
zwei Erindungen aus dem Jahre 1817: das Kaleidoskop
und die Draisine. Ein eher dicklicher Herr (Schubert), in
das wunderbare Farbenspiel des Kaleidoskops vertieft,
stösst mit einem hitzigen «Draisinenritter» (Kupelwieser)
zusammen, der ebenfalls die Augen nur auf seine Maschine gerichtet hat. Beide sind unachtsam gegenüber
ihrer Umwelt und nehmen sie gar nicht mehr wahr; sie
sind nur noch auf ihre modischen Geräte ixiert.
Samstag, 29. November 2014, 20.15 Uhr
Sonntag, 30. November 2014, 16.00 Uhr
Stadtkirche Baden
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
Paulus
Solisten
Schola Cantorum Wettingensis
Orchester Collegium Cantorum
Roland Fitzlaff, Leitung
Samstag, 30. Mai 2015, 20.00 Uhr
Sonntag, 31. Mai 2015, 17.00 Uhr
Stadtkirche Baden
Adventskonzerte 2015
Samstag, 28. November 2015, 20.00 Uhr
Sonntag, 29. November 2015, 17.00 Uhr
Kirche St. Michael Ennetbaden
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Rätsel
Impressum
Hat er vielleicht den an ihn gerichteten Brief, der das
Datum vom 17. April 1816 trägt und der mit den Worten beginnt «Der Unterzeichnete waget es, Euer Exzellenz durch gegenwärtige Zeilen einige Augenblicke Ihrer
kostbaren Zeit zu rauben» gar nicht gelesen? Hat er das
beigelegte Liederheft überhaupt zur Hand genommen?
Konnte möglicherweise der berühmte Dichter der Liedtexte mit der Vertonung seiner Gedichte, gemäss dem
Brief «von einem 19jährigen Tonkünstler namens Franz
Schubert», nichts anfangen? War vielleicht der Grund,
warum die Liedersammlung ohne Kommentar an den
Empfänger zurückgeschickt wurde, der Name des Unterzeichneten, Joseph von Spaun, dessen Onkel ein vehementer Gegner des Dichters war? War er möglicherweise mit der Art, wie seine Gedichte vertont wurden,
nicht einverstanden und ignorierte deshalb das Anliegen
Spauns und den Wunsch des Künstlers, die Sammlung
«eurer Exzellenz in Untertänigkeit weihen zu dürfen»?
Die Antworten auf diese Fragen wissen wir leider
nicht. Von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, hätten wir
jedoch gerne gewusst, wer der Empfänger von Schuberts
Liedersammlung ist, die Joseph von Spaun am 17. April
1816 abschickte. Senden Sie den Namen des Empfängers bis am 30. September 2014 an die nebenstehende
Redaktionsadresse. Mit der richtigen Antwort und etwas
Glück gewinnen Sie einen Geschenkgutschein für ein
Konzert der Schola Cantorum Wettingensis. Bei mehreren richtigen Antworten entscheidet das Los.
Redaktion und Gestaltung
Sigi Loretz
Grundstrasse 21
8424 Embrach
Telefon 044 881 70 70
[email protected]
Aulösung
Rätsel in der Schola-Zeitung vom Oktober 2013:
Die beiden Cherubini sind Teil des berühmten Gemäldes «Sixtinische Madonna», gemalt in den Jahren
1512/1513 von Raffael. Gewinnerin eines Gutscheins
für ein Konzertbillett der Schola ist Elsbeth Beerli, Wettingen. Herzliche Gratulation.
Bild:
Autograph eines
der Lieder Schuberts, die sein
Freund Joseph
von Spaun dem
Textdichter sandte,
ohne jemals eine
Antwort zu
erhalten.
Internetadresse
www.schola.ch
Copyright
2014 Schola Cantorum Wettingensis
Druck
Schmäh Offset & Repro AG, 5420 Ehrendingen
Autoren
Markus Buholzer
Präsident des Collegium Musicum Luzern
Roland Fitzlaff
Musikalischer Leiter der Schola
Denise Frey
Mitglied der Schola.
Sigi Loretz
Präsident der Schola
Die nächste Ausgabe der Schola-Zeitung
erscheint im Oktober 2014.
23
SCHOLA
CANT
ORUM
WETT
INGENSIS
Nehmen Sie teil an der
Entwicklung der Schola
Die Durchführung von Konzerten mit anspruchsvollen Chorwerken, namhaften Solisten,
renommierten Orchestern und einem professionellen Dirigenten ist mit grossem inanziellem
Aufwand verbunden. Die Einnahmen aus dem
Billettverkauf und die Mitgliederbeiträge reichen nicht aus, diesen Aufwand zu decken.
Selbstverständlich ist es auch möglich, die Schola Cantorum Wettingensis mit einer einmaligen
Spende zu unterstützen.
Die Schola ist auf die Unterstützung durch
Sponsoren und Gönner angewiesen. Deshalb
laden wir Sie herzlich ein, sich für unseren Chor
Mit Ihrem Engagement ermöglichen Sie uns, Sie
auch in Zukunft mit aussergewöhnlichen musikalischen Erlebnissen erfreuen zu können.
zu engagieren und der Schola Cantorum Wettingensis als Gönnermitglied beizutreten. Für nur
CHF 50.– pro Jahr sind Sie dabei.
Kontakt:
Schola Cantorum Wettingensis
Sigi Loretz, Präsident
Grundstrasse 21, 8424 Embrach
Telefon: 044 881 70 70
[email protected]
www.schola.ch
AARG AUER
KURATO RI UM
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