Seminar: Der Heilige Geist im Leben der Christen

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FEG Murten Febr-März 2016
Ich glaube an…
…den Heiligen Geist
Der Heilige Geist im Leben der Christen
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FEG Murten Febr-März 2016
Seminar: Der Heilige Geist im Leben der Christen
1. Ich glaube an den Heiligen Geist
1.1. Überblick über die Aussagen der Bibel zum Heiligen Geist
1.2. Namen und Symbole des Heiligen Geistes
1.3. Der Heilige Geist ist eine Person und er ist Gott
1.4. Der vierfache Dienst des einen Heiligen Geistes - Versuch
einer Systematisierung
2. A Der evangelistische Dienst des Heiligen Geistes
Bekehrung
2.1. Das vorbereitende Wirken - Der Geist will von der Sünde
überführen
2.2. Der Heilige Geist ruft und führt zu Jesus - Geist und Wort
2.3. Der Heilige Geist schenkt Heilsgewissheit - Die Taufe im/mit
dem Heiligen Geist
Die Taufe im/mit dem Heiligen Geist
Weitere Umschreibungen für die Gabe des Heiligen Geistes
Der Geist der Kindschaft - Heilsgewissheit
3. B Der umgestaltende Dienst des Heiligen Geistes
Heiligung
3.1. „Erfüllt werden mit dem Heiligen Geist“
3.2. Die Frucht des Geistes - Heiligung ist kein Menschenwerk,
sondern das Werk des Heiligen Geistes
3.3. Die Rolle des Gehorsams
4. C Der charismatische Dienst des Heiligen Geistes
Bevollmächtigung
4.1. Das allgemeine charismatische Wirken des Heiligen Geistes
4.2 Die speziellen charismatischen Wirkungen - Geistesgaben
4.3. Gaben und Zeichen des Heiligen Geistes
4.4. Entdecken der Geistesgaben - Gefährdung der Geistesgaben
4.5. Leitung und Geistesgaben in der Gemeinde - Charisma + Amt
5. D Der erzieherische Dienst des Heiligen Geistes
Leitung
5.1. Leben im Geist
5.2. Leitung und Führung durch den Heiligen Geist
6. Diverse spezielle Fragen
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Seminar: Der Heilige Geist im Leben der Christen
1. Ich glaube an den Heiligen Geist
Das Nicaeno-Constantinopolitanum (allg. Bekenntnis von 381 n.Chr.) sagt: „<Wir glauben>
an den Heiligen Geist, der Selbständigkeit hat, der da lebendig macht, der vom Vater
ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohn zugleich angebetet und geehrt wird, der geredet
hat durch die Propheten.“
1.Thess 5,19 Den Geist löscht nicht aus!
(oder: unterdrückt nicht, dämpft nicht)
Das ist die Gefahr der Geistvergessenheit. Die Angst vor den Auswüchsen einiger
christlicher Gruppen lässt dem Heiligen Geist in den eigenen Reihen und im eigenen Leben
nicht den Platz und die Möglichkeiten zu, die er beanspruchen will.
Eph 4,30 Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden
seid auf den Tag der Erlösung hin!
Das ist die Gefahr der Geistversessenheit. Im unreifen Überschwang und unbiblischer
Schwärmerei wird vieles als Wirkung des Heiligen Geistes ausgegeben und praktiziert, was
bestenfalls dem menschlich-seelischen Innenleben entstammt.
1.1. Überblick über die Aussagen der Bibel zum Heiligen Geist
1.Mose 1,2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe; und
der Geist Gottes schwebte über den Wassern.
Nehemia 9,20+30 Und deinen guten Geist hast du gegeben, um sie [Israel nach dem
Auszug aus Ägypten] zu unterweisen. Und dein Manna hast du ihrem Mund nicht
vorenthalten, und du gabst ihnen Wasser für ihren Durst. ...
30 Und du hattest
Geduld mit ihnen viele Jahre und tratest als Zeuge gegen sie auf durch deinen
Geist, durch das Wort deiner Propheten, aber sie hörten nicht hin. Da gabst du sie in
die Hand der Völker der Länder.
Joel 3,1-2 Und danach wird es geschehen, daß ich meinen Geist ausgießen werde
über alles Fleisch. Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure
Greise werden Träume haben, eure jungen Männer werden Gesichte sehen 2 Und
selbst über die Knechte und über die Mägde werde ich in jenen Tagen meinen Geist
ausgießen.
Johannes 14-16 enthalten eine Reihe wichtiger Aussagen Jesu zu dieser Frage:
Pfingsten (Apostelgeschichte 2)
Apg 2 - Apg 8 - Apg 10+11
In den ersten zwölf Kapiteln der Apostelgeschichte unterstreicht Lukas das Kommen des
Heiligen Geistes, indem er dreimal beschreibt, wie der Heilige Geist drei verschiedenen
kulturellen Gruppen gegeben wird: den Juden (Apg 2), den Samaritanern (Apg 8) und den
Heiden (Apg 10-11). Dieser Zusammenhang soll bei der Auslegung beachtet werden. Lukas
konzentriert sich auf die „Heilsgeschichte“
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Der Überblick zeigt: Zentrale Stellen im Neuen Testament sind Joh 14-16, Apostelgeschichte
2, 8, 10f, Römer 8, 1.Kor 12-14, Gal 5,22ff und Eph 1. Daneben gibt es eine Fülle von
Einzelaussagen, die ebenfalls in das Gesamtbild einbezogen werden müssen.
1.2. Namen und Symbole des Heiligen Geistes
Der Geist Gottes wird in der Bibel mit Ausdrücken wie „Geist Jahwes“ Richt 3,10,
„guter/fester/neuer Geist“ Neh 9,20; Ps 51,12, „Geist der Heiligkeit“ Ps 51 13, „Geist aus der
Höhe“ Jes 32,15, „Geist der Gnade und Geist des Gebets“ Sach 12,10, „Geist des Vaters“
Mt 10,20, „Geist des Lebens“ Röm 8,2, „Geist der Wahrheit“ Joh 14,17, „Tröster (gr.
parakletos)“ Joh 14,16, „Geist Jesu Christi“ Röm 8,9; Apg 16,7, „Geist der Kindschaft“ Röm
8,15, „Geist aus Gott“ 1.Kor 2,12, „Geist des Glaubens“ 2.Kor 4,13, „Geist der Herrlichkeit“
1.Petr 4,14, „Geist der Kraft und der Liebe und der Zucht“ 2.Tim 1,7, und „Geist der
Weissagung“ Offb 19,10 bezeichnet.
Weiter finden wir folgende Symbole oder bildhafte Vergleiche für den Heiligen Geist in der
Bibel: Atem/Wind Joh 3,3-8 (erweckt werden), Öl/Salbung 1.Sam 10,1.6; 2.Kor 1,21; 1.Joh
2,20.27 (Ausrüstung, Bevollmächtigung), lebendiges Wasser Joh 7,38f (ewiges Leben),
Unterpfand/Angeld Eph 1,14 (Gewähr für zukünftigen Heilsbesitz), Taube Joh 1,32ff
(Reinheit, Frieden?), Feuer Mt 3,11; Apg 2, 3f (richtend und reinigend), Siegel/versiegelt
werden Eph 1,13; 4,30; 2.Kor 1,22 (Versicherung der Zugehörigkeit).
1.3. Der Heilige Geist ist eine Person und er ist Gott
Dem Heiligen Geist werden Bezeichnungen gegeben, die auf eine Person zutreffen, es
werden über ihn charakteristische Merkmale einer Person ausgesagt, er wird als Person
neben anderen Personen erwähnt (Apg 15,28; Joh 16,14; Mt 28,19) und der Heilige Geist
wird gegenüber dem Begriff „Kraft“ separat erwähnt (Lk 1,35; Apg 10,38; 1.Kor 2,4).
Vergleicht man Jer 31,31ff mit Hebr 10, 15ff oder Jes 6,9 mit Apg 28,25f so wird klar, dass
Gott Jahwe = Heiliger Geist. In Apg 5,34 (Ananias und Saphira) wird deutlich, dass „Geist
belügen“ = „Gott belügen“ ist. Und 2.Kor 3,17 stellt sogar fest „Der Herr aber ist der Geist...“.
Schliesslich werden Eigenschaften Gottes (z.B. ewig, Allmacht, Allwissenheit) auch dem
Geist zugeschrieben (Hebr 9,14; Ps 139,7ff).
1.4. Der vierfache Dienst des einen Heiligen Geistes - Versuch einer
Systematisierung (vgl. Arbeitsblatt 2)
Gott will nicht, dass die vier Dienste als Solo oder als Duett, sondern als eine vierstimmige
Fuge gemeinsam erklingen! Jede Stimme ist in sich selbst wichtig, aber die Schönheit
kommt erst im harmonischen Zusammenklang zum Tragen.
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2. A Der evangelistische Dienst des Heiligen Geistes
Bekehrung
2.1. Das vorbereitende Wirken - Der Geist will von der Sünde
überführen
Johannes 16,8-11 Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von
Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht.
9 Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben;
10 von Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht;
11 von Gericht aber, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist
2.2. Der Heilige Geist ruft und führt zu Jesus - Geist und Wort
Johannes 3,1-21
5 Jesus erwiderte: »Ich sage dir eins: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist
geboren wird, kann er nicht ins Reich Gottes hineinkommen. 6 Natürliches Leben
bringt natürliches Leben hervor; geistliches Leben wird aus dem Geist geboren.
7 Darum sei nicht erstaunt, wenn ich dir sage: Ihr müsst von neuem geboren
werden. 8 Der Wind weht, wo er will. Du hörst zwar sein Rauschen, aber woher er
kommt und wohin er geht, weißt du nicht. So ist es bei jedem, der aus dem Geist
geboren ist.«
1.Kor 2,4-5 und meine Rede und meine Predigt ‹bestand› nicht in überredenden
Worten der Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, 5 damit euer
Glaube nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft beruhe.
Die hier ersichtliche Beziehung zwischen Wort und Geist ist äusserst wichtig und sollte
unbedingt vermehrt bedacht werden. Gerade in der aktuellen Diskussion und Argumentation
um Fragen des Heiligen Geistes und seines Wirkens heute besteht die Gefahr entweder das
eine (das Wort) gegen das andere (den Geist) auszuspielen oder aber nur noch das eine auf
Kosten des anderen zu sehen. Beides wird dem biblischen Zeugnis nicht gerecht.
2.3. Der Heilige Geist schenkt Heilsgewissheit - Die Taufe im/mit
dem Heiligen Geist
Die Taufe im/mit dem Heiligen Geist
(vgl. Arbeitsblatt 3)
1.Kor 12,13 Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es
seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem
Geist getränkt worden.
Diese Bibelstelle zeigt, dass der Ausdruck „Taufe im /mit dem Heiligen Geist“ auch
weitergefasst („wir alle“) und im Blick auf das Zusammengefügt werden der Gläubigen in der
Gemeinde („zu einem Leib“) gebraucht werden darf1. Der Ausdruck will also nichts anderes
als den inneren Vorgang bezeichnen, der an anderen Stellen „Wiedergeburt“, in Eph 3,6
1
Zur Ansicht, in 1.Kor 12,13 sei von einer „anderen Geistestaufe“ die Rede als an den übrigen Stellen vgl. die
gute Entgegnung von C.Peddicord in „Der Heilige Geist. Gott mitten unter uns“, Brunnen Verlag, 1996, S.48-9
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„miteinverleibt“ etc. genannt wird. Dies entspricht auch dem Gesamtzeugnis des Neuen
Testaments: Die „Geistestaufe“ bezeichnet einen von mehreren Aspekten des Heilswerks
am Menschen. Diese Vorstellung will uns helfen, das Geheimnis der Wiedergeburt zu
verstehen. Dabei scheint das Bild vor allem auf die Reinigung und Erneuerung als Wirkung
des Geistes hinweisen zu wollen, die bei der Bekehrung geschieht. Nicht mehr und nicht
weniger lässt sich aus den Bibeltexten entnehmen.
Es ist also gegenüber Teilen der Pfingstbewegung und der charismatischen Bewegung
weiterhin festzuhalten:
„Eine zusätzliche geforderte „Geistestaufe“, um einen höheren geistlichen Stand zu
erreichen, ist biblisch nicht begründbar. Wir sind aber der Überzeugung, dass jeder Christ im
Verlauf des Lebens immer wieder mit dem Heiligen Geist erfüllt werden soll.“ (Leitungen
Bund FEG, Chrischona, VFMG, § III, Ab.1)
Weitere Umschreibungen für die Gabe des Heiligen Geistes
Der Heilige Geist wird nach den Aussagen der Bibel von Gott „gegeben“ Apg 5,322,
„ausgegossen“ Apg 2,17 , „gesandt“ Gal 4,6, als „Siegel aufgedrückt“ 2.Kor 1,22, als
„Salbung gegeben“ 1.Joh 2,27, er „fällt“ Apg 10,44 und „kommt“ im Menschen „zu wohnen“
Röm 8,9. Der Mensch aber wird mit ihm „bekleidet“ Lk 24,49, „getränkt“ 1.Kor 12,13, mit ihm
„getauft“ Mt 3,11, von ihm „neu geboren“ Joh 3,8, er „ruht auf“ ihm 1.Petr 4,14 und „hat“
Röm 8,9 ihn.
 Die Gabe des Heiligen Geistes
Apg 2,38 Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich
taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden! Und ihr werdet die
Gabe des Heiligen Geistes empfangen.
Diese „Gabe des Heiligen Geistes“ ist nicht eine Ergänzung zum Heil, sie ist das Heil selbst.
Später nennt Petrus die Gabe, die sie zu Pfingsten erhalten haben „Taufe mit dem Heiligen
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Geist“ (Apg 11,16f). Es wird deutlich, dass zumindest für Petrus die „Rettung“ Apg 2,21 , die
„Vergebung der Sünden“ 2,38, die „Gabe des Heiligen Geistes“ 2,38, die „Taufe im Heiligen
Geist“ ... - sich letztlich auf die eine geistliche Realität beziehen.
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Apg 5,32 Und wir sind Zeugen von diesen Dingen, und der Heilige Geist, den Gott denen gegeben hat, die ihm
gehorchen. - Apg 2,17 »Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, daß ich von meinem Geist
ausgießen werde auf alles Fleisch, ...“ - Gal 4,6 Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in
unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater! - 2.Kor 1,22 der uns auch versiegelt und das Unterpfand des Geistes in
unsere Herzen gegeben hat. - 1.Joh 2,27 Und ihr! Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch,
und ihr habt nicht nötig, daß euch jemand belehre, sondern wie seine Salbung euch über alles belehrt, so ist es
auch wahr und keine Lüge. Und wie sie euch belehrt hat, so bleibt in ihm! - Apg 10,44 Während Petrus noch
diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten. - Röm 8,9 Ihr aber seid nicht im Fleisch,
sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt. Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist
nicht sein. - Lk 24,49 und siehe, ich sende die Verheißung meines Vaters auf euch. Ihr aber, bleibt in der Stadt,
bis ihr bekleidet werdet mit Kraft aus der Höhe! - 1.Kor 12,13 Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib
getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt
worden. - Mt 3,11 Ich zwar taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, dessen
Sandalen zu tragen ich nicht würdig bin; er wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen; - Joh 3,8
Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so
ist jeder, der aus dem Geist geboren ist. - 1.Petr 4,14 Wenn ihr im Namen Christi geschmäht werdet, glückselig
‹seid ihr›! Denn der Geist der Herrlichkeit und Gottes ruht auf euch.
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Und es wird geschehen: jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden.
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 Die Geistesgabe des „ewigen Lebens“
In dieses Gesamtbild passt auch vorzüglich die Bezeichnung des „ewigen Lebens“ als
Geistesgabe (gr. charisma):
Röm 6,23 Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber
ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.
 Heiliger Geist und Wiedergeburt
Einheit und Zusammengehörigkeit von Neugeburt und Gabe des Heiligen Geistes
Eph 1,13f In ihm ‹seid› auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das
Evangelium eures Heils, gehört habt und gläubig geworden seid, versiegelt worden
mit dem Heiligen Geist der Verheißung. Der ist das Unterpfand unseres Erbes auf
die Erlösung ‹seines› Eigentums zum Preise seiner Herrlichkeit.
Zusammenfassung: Jeder Wiedergeborene hat den Heiligen Geist empfangen. Auch der
Begriff „Geistestaufe“ bezeichnet die Wiedergeburt. Es gibt nach der Bibel keine
gesetzmässige, allgemeingültige zweite Erfahrung (im englischsprachigen Raum meist
„second blessing“) nach der Bekehrung. Eine solche Zwei-Stufen-Lehre widerspricht dem
biblischen Zeugnis. Die Sprachenrede ist kein notwendiges Zeichen des Geistesempfangs.
Der Geist der Kindschaft - Heilsgewissheit
Röm 8,14-16: 14 Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind
Söhne Gottes 15 Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen[a],
wieder zur Furcht, sondern einen Geist der Kindschaft habt ihr empfangen, in dem
wir rufen: Abba, Vater! 16 Der Geist selbst bezeugt ‹zusammen› mit unserem Geist,
daß wir Kinder Gottes sind.
Gal 4,6 Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere
Herzen, der da ruft: Abba, Vater!
Ich darf also „gewiss sein“ und „wissen“, dass ich ein Kind Gottes geworden bin, dass nichts
im ganzen Universum mich von der Liebe Gottes trennen kann und dass mir ein neues
Leben geschenkt ist. Die Schreiber der Bibel bezeugen selber immer wieder diese
„Heils“Gewissheit (z.B. Paulus, Johannes):
Röm 8,38f Denn ich bin gewiss, daß weder Tod noch Leben, weder ... uns wird
scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.
1.Joh 5,13 Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wißt, daß ihr ewiges Leben
habt, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt.
Solche „Gewissheit“ ist ein Geschenk und eine Wirkung des Heiligen Geistes in meinem
Leben.
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3. B Der umgestaltende Dienst des Heiligen Geistes
Heiligung
Die Bibel zeigt uns, dass das Leben der Heiligung in einer ständigen Spannung steht und
damit als „Kampf“ und „Wachstum“ erlebt wird. Jesus spricht z.B. von einem Sein „in der
Welt“ aber „nicht von der Welt“ Joh 15,19; 17,14ff, Johannes gebraucht den Gegensatz von
Licht und Finsternis 1.Joh 1,5-9. - Paulus spricht von einer geistlichen Verwandlung und
Erneuerung und prägt Gegensätze wie „schon jetzt“ und „noch nicht“ (Eph), Geist und
Fleisch (Gal) und sieht in der Heiligung eine Art Wachstum einer Frucht Gal 5,22ff. - Petrus
schliesslich gebraucht die Vorstellung der Wesensverwandlung durch die Gegenwart Gottes
in unserem Leben 2.Petr 1,3-11.
Für unser Thema entscheidend ist die Tatsache, dass nun die „Heiligung“ nicht ein Werk
des Menschen, sondern ausdrücklich ein Werk des Heiligen Geistes ist.
2.Kor 3,17-18 Der Herr aber ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, ist
Freiheit. Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des
Herrn an und werden ‹so› verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu
Herrlichkeit, wie ‹es› vom Herrn, dem Geist, ‹geschieht›.
3.1. „Erfüllt werden mit dem Heiligen Geist“
Aus den Stellen in der Apostelgeschichte (Arbeitsblatt 4) wird deutlich:
 Es sind oft Neubekehrte, die mit dem Heiligen Geist erfüllt sind
 Von einigen Personen (z.B. Petrus) wird mehr als einmal gesagt, dass sie vom Heiligen
Geist erfüllt wurden
 Oft sind es besondere Situationen, die eine besondere Bevollmächtigung brauchen, in
denen Menschen vom Heiligen Geist erfüllt werden
Dass aber das Erfülltwerden mit dem Heiligen Geist allen Gläubigen offensteht und gar von
jedem gefordert wird, zeigt
Eph 5,16-21 Kauft die ‹rechte› Zeit aus! Denn die Tage sind böse. Darum seid nicht
töricht, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist! Und berauscht euch nicht mit
Wein, worin Ausschweifung ist, sondern werdet voller Geist, wobei ihr zueinander in
Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem
Herzen singt und spielt! Sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen
unseres Herrn Jesus Christus! Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi, ...
Gibt es Bedingungen, um mit dem Heiligen Geist erfüllt zu werden?
„Beim Leben in der Vollmacht Gottes kommt es nicht auf unsere Leistung oder Begabung
an, sondern auf unsere Verfügbarkeit.“
3.2. Die Frucht des Geistes - Heiligung ist kein Menschenwerk,
sondern das Werk des Heiligen Geistes
Gal 5,18-25 Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, seid ihr nicht unter
Gesetz. Offenbar aber sind die Werke des Fleisches; es sind: Unzucht, Unreinheit,
Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Hader, Eifersucht,
Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neidereien,
Trinkgelage, Völlereien und dergleichen. Von diesen sage ich euch im voraus, so wie
ich vorher sagte, daß die, die so etwas tun, das Reich Gottes nicht erben werden.
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Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit,
Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit. Gegen diese ist das Gesetz nicht ‹gerichtet›.
Die aber dem Christus Jesus angehören, haben das Fleisch samt den
Leidenschaften und Begierden gekreuzigt. Wenn wir durch den Geist leben, so laßt
uns durch den Geist wandeln!
Die Frucht des Geistes ist die Liebe (vgl. Jesus zum „grössten Gebot“ und 1.Kor 13). Alle
hier genannten Auswirkungen des Geistes lassen sich aus der Sicht der Liebe beschreiben:
„Freude ist die jubelnde Liebe, Frieden ist die ruhende Liebe, Geduld ist die tragende Liebe,
Freundlichkeit die leuchtende Liebe, Güte die mitteilende Liebe, Sanftmut die wehrlose
Liebe, Glauben die harrende, Treue die vertrauende Liebe und Keuschheit ist die reine
Liebe.“4
1. Wir dürfen uns die Früchte des Geistes nicht zu einem frommen Ideal, zu einem neuen
Gesetz für „geisterfüllte Christen“ machen lassen.
2. Christen leben nicht aus dem Gefühl, aus der Selbstinspektion, aus dem Sich-selbst-denPuls-Fühlen, sondern aus dem Glauben.
3. Es gilt, Versuchung und Sünde klar zu unterscheiden.
4. Sind wir in Sünde gefallen, ist unser altes Wesen wieder „explodiert“, und wir stehen vor
dem Scherbenhaufen unserer Heiligung, dann stehen uns praktisch drei Wege offen:
 Wir gehen zur Tagesordnung über. Dies ist der Weg der Verhärtung.
 Wir versuchen unser Lehrgebäude von der Heiligung aufrechtzuerhalten. Das ist
der Weg der Selbsttäuschung.
 Wir gehen den Weg der Busse, der Vergebung und der Selbstannahme (in dem
Sinne, dass ich mir nicht vorspiele, dass ich geistlicher bin als ich wirklich bin). In
all dem bringt mich das Licht des Geistes zum Kreuz!
1.Joh 2,1 Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt; und wenn jemand
sündigt - wir haben einen Beistand bei dem Vater: Jesus Christus, den Gerechten.
3.3. Die Rolle des Gehorsams
Hesekiel 36,26 Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in
euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch
wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Und ich werde meinen Geist in
euer Inneres geben; und ich werde machen, daß ihr in meinen Ordnungen lebt und
meine Rechtsbestimmungen bewahrt und tut.
Apg 5,32 Und wir sind Zeugen von diesen Dingen, und der Heilige Geist, den Gott
denen gegeben hat, die ihm gehorchen.
1.Petr 1,2 ...[Petrus schreibt seinen Brief an die Christen, die von Gott auserwählt
sind] nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, in der Heiligung des Geistes zum
Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi: Gnade und Friede werde
euch ‹immer› reichlicher zuteil!
Gott gibt seinen Geist denen, die ihm gehorchen.
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E.v.Thiele-Winkler, Geisteswirkungen im täglichen Leben, Giessen, 1956, S.53ff
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4. C Der charismatische Dienst des Heiligen Geistes
Bevollmächtigung
4.1. Das allgemeine charismatische Wirken des Heiligen Geistes
„Charisma“ ist das griechische Wort mit der Bedeutung Gabe, Geschenk (17x im NT)5. Es ist
insbesondere die „Gnadengabe“ und mit dem Wort werden darum auch verschiedene
Gaben Gottes, die er gnädig seinen Menschen zuwendet, bezeichnet.
- „Das ewige Leben“ wird als eine Gnadengabe, bezeichnet (Röm 6,23). Vgl. dazu weiter
Röm 11,29; 1.Petr 4,10; Röm 1,11; 5,15; 2. Kor 1,11.
- Alle Christen sollen beten, aber es gibt auch eine Geistesgabe des Gebets. Alle Christen
sollen evangelisieren, aber es gibt auch eine Geistesgabe der Evangelisation. Alle Christen
sind zu „Königen, Priestern und Propheten“ geworden, aber es gibt eine Geistesgabe der
Prophetie. Alle sind aufgefordert, gastfreundlich zu sein, aber es gibt die Geistesgabe der
Gastfreundlichkeit. Usw....
- „Der Heilige Geist kann natürliche Begabungen und Vorbereitung im späteren Dienst
gebrauchen, muss es aber nicht.“
4.2 Die speziellen charismatischen Wirkungen - Geistesgaben
„Geistesgaben. Wir anerkennen alle im Neuen Testament aufgeführten Geistesgaben. Wir
wollen keine überschätzen und keine gering schätzen, weil sie alle vom Heiligen Geist
gegeben sind (1.Kor 12,11). Die Gaben sind aber wertlos, wenn die Liebe fehlt. Die Liebe
befähigt uns, mit den Geistesgaben richtig umzugehen (1.Kor 13,1-3).“ (Leitungen Bund
FEG, Chrischona, VFMG § IV, Ab.1)
Die wichtigsten Bibelstellen sind: Röm 12, 6-8; 1.Kor 12, 7-11; 12,28; Eph 4, 11-12; 1.Petr
4,9-10
Die Gaben sind uns zum Dienst in der Liebe gegeben
1.Kor 12,7 ... zum Nutzen gegeben.
1.Petr 4,10 Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat, so dient damit einander ...
1.Kor 13,1-3 Die Liebe ist das Grösste
Welche Gaben gibt es?
Die Bibel gibt uns keine zusammenhängende systematische Aufstellung der Geistesgaben.
Darum nehmen wir hier auch keine Unterteilung der Gnadengaben in Wort-, Tat- und
Zeichengaben, in übernatürliche und natürliche usw. vor.
Sogar die Abgrenzung der Gaben zueinander im Neuen Testament ist fliessend.
5
Anders wird das Wort oft auch im säkularen Bereich gebraucht. Dort kann Charisma auch allgemein „von besonderer
Ausstrahlungskraft“ bedeuten, ohne dass klar wird, aus welcher Quelle diese „Kraft“ kommt
10
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In der Bibel genannt werden folgende Gaben:
Wir anerkennen alle im Neuen Testament aufgeführten Geistesgaben
(vgl. Leitlinien) Diese Aussage bedeutet für viele FEG’s ein Überdenken einer theologischen
Position, die in unseren Kreisen
 genährt von der dispensationalistischen Theologie Scofields und Darbys (verschiedene
Kennzeichen verschiedener Heilszeiten (=Dispensationen)),
 angesichts der geschichtlichen Entwicklung rund um die Entstehung der
Pfingstbewegung am Anfang unseres Jahrhunderts (Stichwort Berliner Erklärung)6,
 angesichts gewisser Lehren und Praktiken der neueren Zeit in charismatischen und
pfingstlerischen Gemeinden7 und
 aufgrund von 1.Kor 13,10
vertreten wurde und wird. Kurz gesagt vertritt diese Position die Ansicht, dass mit dem
Abschluss des biblischen Kanons die sogenannten „Zeichen/Offenbarungs-gaben“ aufgehört
8
haben. Als Belegstellen der Bibel wird insbesondere 1.Kor 13,10 und Eph 2,20 genannt,
wobei in 1.Kor 13,10 unter dem „Vollkommenen“ das Neue Testament verstanden wird.
Nachdem dieses fertig geschrieben war, hörten Zungenrede, Prophetie und Erkenntnis auf
und wo sie heute auftreten, sind sie von einem dämonischen Geist inspiriert.
6
Eine hilfreiche Dokumentation dazu ist das Buch „Und flicken die Netze. Dokumente zur Erweckungsgeschichte des
20.Jahrhunderts“ von E.Giese, E.Franz Verlag, Metzingen, 1987, 2.Aufl.
7
Hilfreich dazu ist meines Erachtens der Aufsatz von H.Stadelmann, Neue Praktiken innerhalb der pfingstlich-charismatischen
Bewegungen, Bibel und Gemeinde 3/1993, S.207-215
8
1.Kor 13,8-10 Die Liebe vergeht niemals; seien es aber Weissagungen, sie werden weggetan werden; seien es Sprachen, sie
werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden. 9 Denn wir erkennen stückweise, und wir weissagen
stückweise; 10 wenn aber das Vollkommene kommt, wird das, was stückweise ist, weggetan werden.
Eph 2,20 ‹Ihr seid› aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst Eckstein ist.
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Diese Ansicht wurde in vielen FEG’s zwar nie offiziell, aber durch einen Teil der Prediger
vertreten und durch ein Netzwerk von Publikationen, Vorträgen und Personen in unseren
Kreisen verbreitet.
Für eine lehrmässige Entscheidung kann von den obigen Argumenten natürlich allein die
Auslegung der genannten Bibelstellen ausschlaggebend sein. Insbesondere 1. Kor 13,10
gilt als die entscheidende Stelle. Was ist dort mit dem „Vollkommenen“ gemeint, bei
dessen Kommen (zumindest) die genannten Gaben aufhören werden und weggetan
werden? Unseres Erachtens nichts anderes als die Ereignisse der Wiederkunft unseres
Herrn, Jesus Christus am Ende dieser Zeit.
Wir distanzieren uns also von der Lehre, gewisse Gaben hätten in der nachapostolischen
Zeit definitiv aufgehört und ihr Auftreten sei in jedem Fall als ein Zeichen des Wirkens von
Dämonen zu interpretieren. Wir hüten uns vor allgemeinen und pauschalisierenden Urteilen
gerade angesichts der Warnung Jesu, das Wirken Gottes fälschlicherweise als Wirken des
Teufels zu verurteilen Mt 12 und Mk 3!
(Beachte: Eine differenzierte Beurteilung der aktuellen Situation, der Lehre und Praktiken
anderer Gemeinden und Bewegungen etc. liegt nicht im Rahmen unseres Seminars. Uns
geht es vorerst um die biblische Lehre im Blick auf die Geistesgaben. Hier folgen wir den
Leitlinien des Bundes FEG.)
Die in unseren Kreisen am wenigsten bekannten und praktizierten Gaben sind in den
Leitlinien extra angesprochen:
„Zungenrede. Wie wir persönlich beten, ist unsere private Angelegenheit. Bei der Ausübung
im öffentlichen Rahmen (Gottesdienst) muss die Zungengabe durch die biblischen
Begrenzungen bestimmt werden, nicht ohne Auslegung (1.Kor 14,28), einer nach dem
andern und nicht mehr als zwei oder drei (1.Kor 14,27). Die Gemeindeleitung hat über die
Ausübung in der Gemeinde zu wachen und erbittet für sich die Gabe der
Geisterunterscheidung (1.Kor 12,10).“ (Leitungen Bund FEG, Chrischona, VFMG § IV, Ab.2)
Einordnung: So wie die Sünde die Kommunikation zwischen Gott und zwischen Menschen
zerstört hat (vgl. insbesondere Turmbau zu Babel), so hat der Opfertod Jesu und seine
Auferstehung eine neue Kommunikation, gewirkt durch den Heiligen Geist, ermöglicht.
Gottes Geist möchte auch die Sprachbarrieren durchbrechen und mit der Sprachenrede ein
Zeichen setzen. Weiter wird vielleicht mit der Gabe der Sprachenrede ein Stück weit das
Wort „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten.“ Joh 4,24
realisiert.
Das Neue Testament zeigt uns drei Formen der Sprachenrede:
 an Pfingsten reden die Jünger in damals bekannten Sprachen anwesender Juden – oder
aber in unbekannten Sprachen und durch ein „Hörwunder“ verstehen die Anwesenden? –
diese Sprachenrede spielt eventuell auf Turmbau zu Babel an (Sprachenverwirrung) und
wirkt jedenfalls evangelistisch unter den anwesenden Juden (= ev. Jes 28,11-12? Vgl.
dazu unten bei 1.Kor 14,21!)
 Paulus spricht von einem Sprachengebet, wenn er in 1.Kor 14,14 schreibt: Denn wenn
ich in einer Sprache bete, so betet mein Geist, aber mein Verstand ist fruchtleer. Der Betende versteht selbst die Laute nicht, dieses Gebet scheint auch in den Bereich
des Privatgebets zu gehören. - Hierher scheint auch das lobpreisende Sprachengebet in
der Form eines „Singen im Geist“ zu gehören: 1.Kor 14,15 Was ist nun? Ich will beten
mit dem Geist, aber ich will auch beten mit dem Verstand; ich will lobsingen mit
dem Geist, aber ich will auch lobsingen mit dem Verstand. - Dieses Sprachengebet
ist auf Gott ausgerichtet 1. Kor 14,2-3 und hat nach Paulus „auferbauenden“ Wert.
12
FEG Murten Febr-März 2016
Menschen, die diese Gabe erhalten haben und praktizieren berichten: „Das Erlebnis hat
ein stärkeres Bewusstsein der Gegenwart Gottes hervorgerufen; Christus, der Herr, ist
eine grössere Realität geworden, kurz: der Glaube wurde gestärkt.“ (bei Scheunemann
108).
 Die dritte Form der Sprachenrede ist ein Wort in unbekannter Sprache an die Gemeinde.
Sie soll in der Gemeindeversammlung allen zur Erbauung dienen. Sie hat daher für die
Gemeinde nur dann einen Nutzen, wenn auch die Gabe der Auslegung in der Gemeinde
vorhanden ist und das Wort ausgelegt wird (vgl. 1.Kor 14, 27f) - Kennzeichen dieser
Gabe ist:
- sie scheint wie an Pfingsten (und anders als prophetisches Reden) evangelistische
Botschaft für Ungläubige zu sein 1.Kor 14,22 – beachte auch dass Paulus dort in
14,21 auf Jes 28,11-129 hinweist!
- Sie steht unter der Kontrolle des Sprechenden
- Die Sprachenrede enthält keinen falschen Ton, sondern wird in Liebe praktiziert
- Das Mittel gegen den Missbrauch der Sprachengabe ist nicht Nichtgebrauch,
sondern rechter Gebrauch
„Prophetie. Gott gibt auch heute Wegweisung durch sein Wort. Wir enthalten uns
Redeweisen, die direkte Offenbarungen auf ein und dieselbe Stufe mit der Schrift stellen.
„Prophetische“ Aussagen sollen nicht akzeptiert werden, ohne dass die Gemeindeleitung sie
von der Schrift her beurteilt und gewichtet hat (1.Kor 14,29; 1.Joh 4,1ff).“ (Leitungen Bund
FEG, Chrischona, VFMG § IV, Ab.3)
 Die Gabe der Prophetischen Rede ist nicht gleichzusetzen mit den Propheten des AT sie steht unter der Autorität der Offenbarung im Wort Gottes - darum kann und muss sie
auch beurteilt/ geprüft (1.Kor 14,29; 1.Thess 5,20f) werden10 - Massstab dazu ist Gottes
Wort, die Bibel
 Prophetische Rede kann, aber muss nicht Aussagen über zukünftige Ereignisse machen
- sie umfasst vielmehr erbauende, ermahnende und tröstende Worte und dient der
Unterweisung und dem Lernen, ja kann ev. auch evangelistische Bemühungen
unterstützen
 „Prophetisch reden heisst „vom heiligen Geist getrieben im Auftrag Gottes reden““
Grossmann (S.89) aufgrund von 2.Petr. 1,21  „die Prophetie ist die Weisung Gottes für
einen Menschen, für eine bestimmte Situation oder für eine Gruppe von Menschen“ ... In
der Redeweise, in der sprachlichen Formulierung oder in der Lautstärke muss sie sich
nicht vom normalen Reden unterscheiden, wohl aber durch besondere Kraft, Klarheit und
Treffsicherheit.“ (S.89/90)
Bspe. nach der Apostelgeschichte:
11,27f / 13, 1-3 / 15,32 / 19,6 / 21,11
(Thema „prophetische Träume, Visionen, Bilder“: Ich bin trotz Apg 2,16-17 (Joel-Zitat) eher
zurückhaltend. NT kennt hier wenig konkrete Beispiele ausser bei: z.B. Schreiben der Offb.,
was ich als einmalig ansehen würde und z.B. bei persönlicher Lebensführung und Leitung
durch den Geist in speziellen Situationen (z.B. Paulus), wobei weniger ein Bildeindruck, als
meist gleich ein Engel erscheint! Ansonsten ist Prophetie im NT doch praktisch immer
prophetische „Rede“!
9
Jesaja 28,11-12 Ja, mit stammelnder Lippe und fremder Zunge redet er künftig zu diesem Volk. 12 Er hatte zu
ihnen gesagt: So findet ihr Ruhe; gönnt doch den Müden die Rast, hier ist der Ort der Erholung. Sie aber wollten
nicht hören.
10
1. Joh 4,1 Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind! Denn viele
falsche Propheten sind in die Welt hinausgegangen.
13
FEG Murten Febr-März 2016
Wie gesagt spricht Joel 3,1b neben Prophetie von Träumen und Visionen (Gesichten)11. Wer
die Gabe der Prophetie hat wird seine Botschaft auch in Träumen und „Bildern“ erhalten und
diese dann in Form einer Beschreibung mit der dazugehörenden „Botschaft“ weitergeben.
Skeptisch bin ich gegenüber Prophetien, die einfach ein „Bild“ beschreiben, das so allgemein
ist, dass alles oder nichts daraus oder hineingelesen werden kann oder ohne dass klar wird,
was konkreter damit gemeint ist.)
„Heilungen. Gott kann Menschen die Gabe der Krankenheilung schenken. Sie soll aber in
Absprache mit der Gemeindeleitung eingesetzt werden. Wir wollen vor allem das Gebet mit
Kranken (nach Jakobus 5) ernst nehmen im Glauben, dass der Herr heilen kann, wenn es
sein Wille ist. Pauschalaussagen, die jede Krankheit als Folge von Sünde und Unglaube
sehen, lehnen wir ab (2.Kor 12,7-10).“ (Leitungen Bund FEG, Chrischona, VFMG § IV, Ab.4)
 Krankheit kann verschiedene Hintergründe haben
 Alle sind zum Dienst an Kranken gerufen. Jeder Christ darf nach Markus 16, 17f die
Hände auflegen und für Kranke beten
 Gott will heilen und dadurch seine Macht und Herrlichkeit offenbaren
 Gott muss nicht heilen. Das Glaubensgebet und „wenn es dein Wille ist“ schliessen sich
keinesfalls aus! Im Gegenteil, nur wer auch „wenn es dein Wille ist“ betet, der glaubt
wirklich an den lebendigen Gott!
4.3. Gaben und Zeichen des Heiligen Geistes
In Markus 16, 15-18 wird von Jesus berichtet: Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die
ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! 16 Wer gläubig
geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber ungläubig ist, wird
verdammt werden. 17 Diese Zeichen aber werden denen folgen, die glauben: In
meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen
reden, 18 werden Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird
es ihnen nicht schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden
sich wohl befinden.
Wie ist das zu verstehen und wie verhalten sich diese „Zeichen“ V.17 zu den Geistesgaben?
 Zeichen sind anscheinend eher nach aussen gerichtet, Gnadengaben dienen dem Aufbau
der Gemeinde
 Zeichen „folgen“ all denen, die Glauben, also grundsätzliche allen Christen,
Gnadengaben werden von Gott selbst durch seine Geist ausgeteilt, wie er will
 In beiden offenbart sich der erhöhte Herr
Die genannten Zeichen sind wohl untrennbar an den Gehorsam gegenüber dem
Missionsbefehl geknüpft und können von Christen erlebt werden, die sich besonders in der
Verbreitung des Evangeliums einsetzen. Die Zeichen sind dabei göttliche Ausrufezeichen in
der Welt und für die Menschen ein Beglaubigungszeichen, dass hier ein Zeuge des
lebendigen Gottes vor ihnen steht.
4.4. Entdecken der Geistesgaben - Gefährdung der Geistesgaben
Die Einstiegsfrage lautet: Wo und wie will Gott mich gebrauchen, um dem Ganzen, seiner
Gemeinde und dieser Welt zu dienen? Bin ich bereit, mich mit meinen Gaben dienend
einzubringen?
11
Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure jungen Männer
werden Gesichte sehen.
14
FEG Murten Febr-März 2016
Wie werde ich praktisch? Wie entdecke ich meine Gaben? Wie schenkt Gott Gaben?
 Erster Schritt: Mit Gaben wird beschenkt, wer Jesus und seine Gemeinde von Herzen
liebt! Und mit Gaben wird beschenkt, wer bereit ist, sie für das Reich Gottes auch
einzusetzen
 Zweiter Schritt: Ich entdecke meine Gaben, indem ich mich einbringe und einmal das tue,
was mir Freude macht, ich mich zurechtfinde und mir echte Befriedigung gibt
 Dritter Schritt: Ich entdecke meine Gaben, indem ich mir in der Gemeinschaft mit meinen
Geschwistern helfen, beraten und etwas sagen lasse
 Vierter Schritt: Ich entdecke und erhalte meine Gabe, indem ich mich in meiner Bibel
informiere (hierher gehört z.B. auch das Hilfsmittel „Gabentest“), um Gaben bete und den
Heiligen Geist austeilen lasse, wie er will
Gefährdung der Gnadengaben
 Es besteht die Gefahr, dass die Gaben wie ein kostbarer Schatz in einer Truhe
aufbewahrt wird
 Es besteht die Gefahr, dass Menschen die Gaben zur Befriedigung ihrer selbstsüchtigen
Wünsche missbrauchen
 Es besteht die Gefahr, dass der Satan Gnadengaben nachahmt: Dies gilt insbesondere
für die Worte der Weisheit und der Erkenntnis, für Krankenheilungen, für die Prophetie,
für das Sprachenreden und für die Wundertaten
 Gefährdet ist auch die Gabe der Evangelisation, da in unserer Zeit viel „machbar“ ist,
sowie die Gabe der Leitung(en) durch das so bequeme „Einmannsystem“ und durch die
Meinung, Managmentmethoden allein würden genügen
 „Die Gaben des Geistes wachsen am gleichen Strom wie die Früchte des Geistes. Wenn
diese nicht zusammen im Leben eines Christen erkennbar sind, ist grösste Vorsicht
geboten!“ (Scheunemann, S.149)
4.5. Leitung und Geistesgaben in der Gemeinde - Charisma + Amt
Die meisten Gaben gehören in den Kreis echter Gemeinschaft
Im Grunde gehören die meisten Geistesgaben ins Alltagsleben der Christen hinein. Wo eine
Extraveranstaltung für eine Geistesgabe „organisiert“ werden muss oder wo keine echte,
sondern nur oberflächliche zwischenmenschliche Gemeinschaft möglich ist (das beginnt
bereits in den meisten Gottesdiensten, geschweige denn in Grossveranstaltungen), fehlt im
Grunde bereits das rechte Umfeld für den Einsatz der Geistesgaben.
Mit anderen Worten: Idealer Ort für das Einüben und Praktizieren der Geistesgaben sind
meine zwischenmenschlichen Beziehungen und die verschiedenen Kleingruppen in einer
Gemeinde (Familie, div. Kleingruppen).
Die Leitung und nicht die Geistbegabten tragen die Verantwortung für die
Gemeinde
Da die Ältesten für ihre Gemeinde vor Gott verantwortlich sind, sollen auch sie festlegen,
wann, wo und in welchem Rahmen die Gaben der Glieder ihrer Gemeinde eingebracht und
ausgeübt werden sollen. Sowohl die Versammlungen verschiedener Gruppen in ihrer
Gemeinde als auch der Gottesdienst stehen in ihrer Verantwortung.
Für die Gabe der Sprachenrede gibt Paulus selbst klare Anweisungen:
15
FEG Murten Febr-März 2016
1.Kor 14,27f Wenn nun jemand in einer Sprache redet, ‹so sei es› zu zweien oder
höchstens zu dritt und nacheinander, und einer lege aus. 28 Wenn aber kein
Ausleger da ist, so schweige er in der Gemeinde, rede aber für sich und für Gott.
Für die Prophetie legt Paulus ebenfalls fest:
1.Kor 14,29-32 ‹Von den› Propheten aber sollen zwei oder drei reden, und die
anderen sollen urteilen. 30 Wenn aber einem anderen, der dasitzt, eine Offenbarung
‹zuteil› wird, so schweige der erste. 31 Denn ihr könnt einer nach dem anderen alle
weissagen, damit alle lernen und alle getröstet werden. 32 Und die Geister der
Propheten sind den Propheten untertan.
S. Grossmann gibt in seinem Buch zusätzlich hilfreiche Tips für die Praxis:
„a) Der Leiter einer öffentlichen Versammlung sollte keine ihm unbekannte Personen als
Propheten sprechen lassen.
b) Bei grösseren Veranstaltungen können prophetische Worte aufgeschrieben und nach
vorn gegeben werden, damit sie durch die leitenden Mitarbeiter geprüft und bei
Zustimmung vorgelesen werden können. Ähnlich kann man bei unbekannten Gästen
verfahren.
c) Beim Redenden kann man meist durch Erfahrung und Intuition herausfinden, ob das Wort
aus einer demütigen oder herrschsüchtigen Grundhaltung heraus gesprochen wird.
d) Wenn in einer Gruppe über die geistliche Notwendigkeit der Prüfung oder über das
Verfahren der Prüfung Unklarheit herrscht, muss darüber Einigkeit erzielt werden, ehe
man so spontanen charismatischen Beiträgen auffordert.
e) Je grösser die geistliche Reife und die charismatische Erfahrung ist, die in einer
Versammlung vorausgesetzt werden kann, desto lockerer und kreativer kann man das
Verfahren der Prüfung handhaben. Notwendig aber bleibt es immer.“ S.95
Für die Gnadengaben der Heilungen (2x Plural) gibt es verschiedene natürliche Situationen.
Das beginnt beim stillen Segensgebet für einen Kranken. Wiederum gehört diese Gabe
gewiss in den Bereich verbindlicher Beziehungen und überschaubarer Kleingruppen. Auch
im Gottesdienst soll immer wieder für die Kranken gebetet werden.
Gerade bei dieser Gabe wurden in den letzten Jahren Formen praktiziert und entwickelt (z.B.
besondere Gebetszeit für Kranke, Hilfesuchende mit Segnungsgebeten und Seelsorge am
Ende eines jeden Gottesdienstes), die sehr viel „künstliches“ an sich haben. Der Ort und die
Form ist im Grunde ungünstig für echtes Wirken des Geistes. Hier gilt es eigene, bessere
Wege zu suchen. Was besondere Heilungsveranstaltungen betrifft, so schliesse ich mich
Grossmann an, der dazu schreibt: „Besondere Heilungsveranstaltungen, vor allem als
Grossveranstaltungen, halte ich im allgemeinen nicht für richtig.“
Weitere sehr hilfreiche und praktische Ausführungen bei Grossmann, Kp. 10-14.
„Wir bekennen, dass wir die Grenzen unseres Glaubens zu oft vom Sichtbaren und
Machbaren bestimmen lassen. Wir wollen offen sein für übernatürliches Eingreifen des
Heiligen Geistes.
Wir wollen offen sein für überraschendes Wirken des Heiligen Geistes. Diese wehrt
Verkrustungen und eingefahrenen Strukturen. Gottes Geist hält uns beweglich.
Wir wollen uns der Herausforderung stellen, wie die Gaben des Heiligen Geistes vermehrt
geweckt und eingesetzt werden können.“
(Leitungen Bund FEG, Chrischona, VFMG § II, Ab.3-5)
(Arbeitsblatt 5 Geistesgaben Illustrationen)
16
FEG Murten Febr-März 2016
5. D Der erzieherische Dienst des Heiligen Geistes
Leitung
Die Bibel gebraucht schliesslich Formulierungen, die zeigen, dass wir als Christen uns vom
Heiligen Geist leiten und führen lassen sollen. Entscheidende Aussagen enthält dazu das
8.Kapitel des Römerbriefes.
Leben im Geist
Röm 8,3-9 Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos
war, ‹tat› Gott, indem er seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der
Sünde und für die Sünde sandte und die Sünde im Fleisch verurteilte, 4 damit die
Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt wird in uns, die wir nicht nach dem Fleisch,
sondern nach dem Geist wandeln. 5 Denn die, die nach dem Fleisch sind, sinnen
auf das, was des Fleisches ist; die aber, die nach dem Geist sind, auf das, was des
Geistes ist. 6 Denn die Gesinnung des Fleisches ist Tod, die Gesinnung des
Geistes aber Leben und Frieden, 7 weil die Gesinnung des Fleisches Feindschaft
gegen Gott ist, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie kann das
auch nicht. 8 Die aber, die im Fleisch sind, können Gott nicht gefallen. 9 Ihr aber
seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt.
Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.
Es werden die Ausdrücke „wir wandeln nach (gr. kata) dem Geist“ und „wir sind im Geist“
gebraucht. Aus dem Zusammenhang wird klar, dass damit ein „bestimmt sein“, nach V.5f
eine „Gesinnung“ gemeint ist, die ganz vom Heiligen Geist ausgeht. Dies steht im
Gegensatz zum „Fleisch“, das in diesem Abschnitt mit dem sündigen Antrieb, der Macht der
Sünde gleichgesetzt ist. Mit der Bekehrung wechseln wir sozusagen in ein neues
Lebenselement. Nicht mehr die Sünde, sondern der Heilige Geist soll das Leben prägen und
bestimmen. In diesem Lebenselement zu bleiben (= nach dem Geist wandeln, im Geist sein)
ist unser Bestreben, wie auch folgende Stelle zeigt:
Gal 5,25 Wenn wir durch den Geist leben, so laßt uns durch den Geist wandeln!
Wir sind aufgefordert „durch (griech.: Dativkonstruktion) den Geist“ zu wandeln. Auch
hier hilft der Zusammenhang (Frucht des Geistes) weiter. Das „sein im Geist“, das
„wandeln nach und durch den Geist“ umschreibt das Leben in der Heiligung.
Leitung und Führung durch den Heiligen Geist
Röm 8,13-14 denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben, wenn ihr
aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben. 14 Denn
so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes.
Es ist gar ein Kennzeichen der Kinder Gottes, dass sie durch den Geist geleitet werden. Das
Neue Testament macht keine Lehraussagen darüber, wie diese Leitung konkret geschieht.
Die Beispiele von Männern und Frauen in der Bibel geben uns aber über die Führungsweise
genügend Aufschluss:
 Der Heilige Geist führt durch das Wort Gottes. Ps 119,105
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FEG Murten Febr-März 2016
 Der Heilige Geist führt durch direktes Reden. Z.B. Paulus auf Missionsreisen Apg 16
 Der Heilige Geist führt durch aktive Beschäftigung mit einer Situation. Joh 4,35; Apg 16,
1-3
 Der Heilige Geist führt durch Umstände und Ereignisse. Mk 15,21; Röm 16,13
 Der Heilige Geist führt durch die Gemeinschaft. Apg 13, 2-3; 6, 3-6; 1.Petr 5,5-6
 Der Heilige Geist führt durch das Zeugnis des göttlichen Friedens. Jes 55,12; Röm 8,6;
Kol 3,15; Phil 4,7
Der Heilige Geist tröstet und lehrt
Joh 14, 26 Der Beistand [A] aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in
meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch
gesagt habe.
A) o. Fürsprecher, Helfer; w. »der ‹zur Unterstützung› Herbeigerufene«
Joh 15,26 Wenn der Beistand gekommen ist, den ich euch von dem Vater senden
werde, der Geist der Wahrheit, der von dem Vater ausgeht, so wird der von mir
zeugen.
Joh 16,7 Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, daß ich weggehe,
denn wenn ich nicht weggehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; wenn ich
aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden,
Joh 16,13 Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in
die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er
hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen.
Der Heilige Geist verwendet sich für uns vor Gott
Röm 8,26 Ebenso aber nimmt auch der Geist sich unserer Schwachheit an; denn wir
wissen nicht, was wir bitten sollen, wie es sich gebührt, aber der Geist selbst
verwendet sich ‹für uns› in unaussprechlichen Seufzern.
„Wir bekennen, dass unser Leben an vielen Stellen nicht so stark vom Heiligen Geist
geprägt ist, wie es sein sollte. Falsche Sicherheiten sind für uns oft eine Versuchung,
nur noch verstandesmässig zu glauben. Wir wollen immer mehr vom Verlangen
geprägt sein, den Weisungen des Heiligen Geistes zu folgen.“ (Leitungen Bund FEG,
Chrischona, VFMG § II, Ab. 1)
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FEG Murten Febr-März 2016
6. Zu diversen speziellen Fragen
6.1. Zu diversen Praktiken in Pfingstgemeinden und in der charismatischen
Bewegung vergleiche man z.B.:
 § III des Papers der Leitungen Bund FEG, Chrischona, VFMG
 Artikel von Helge Stadelmann, oben in Anmerkung S. 9 genannt
 Buch von S.Grossmann, Weht der Geist, wo wir wollen? Der „Toronto-Segen“ und der Weg der
charismatischen Bewegung, Oncken Verlag, Wuppertal/Kassel, 1995
6.2. Den Geist betrüben, dämpfen, belügen, versuchen, schmähen, ihm
widerstreben?
Eph 4,30 Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid
auf den Tag der Erlösung hin!
Aus dem Zusammenhang (V.17ff) ist zu entnehmen, dass der Heilige Geist dann betrübt wird, wenn er sein
erneuerndes (V.23) und veränderndes Wirken in unserem Leben nicht tun kann. Wer sich bewusst seinem
Einfluss (z.B. indem er uns helfen will, nicht zu lügen, zornig zu sein, stehlen, böse Worte zu sagen... V.25ff)
widersetzt und nicht auf ihn hört, der betrübt den Heiligen Geist.
1.Thess 5,19 Den Geist löscht nicht aus [A]!
A) o. unterdrückt nicht, o. dämpft nicht
Auch hier zeigt der Zusammenhang (V.14ff), dass es um das alltägliche Wirken des Heiligen Geistes
(Ermahnung, trösten, Geduld, Freude, Gebet, Prophezeiungen...) geht. Dieses kann von uns Menschen
unterdrückt, gedämpft, ja gelöscht werden.
Apg 5,3(vgl. v.9) Petrus aber sprach: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, daß
du den Heiligen Geist belogen und von dem Kaufpreis des Feldes beiseite geschafft hast?
Apg 5,9 Petrus aber ‹sprach› zu ihr: Warum seid ihr übereingekommen, den Geist des
Herrn zu versuchen? Siehe, die Füße derer, die deinen Mann begraben haben, sind an der
Tür, und sie werden dich hinaustragen.
Diese beiden Stellen bezeugen in einer speziellen Situation, dass das Ehepaar Ananias und Saphira mit ihrem
Tun nicht nur Gott, sondern den Heiligen Geist belogen und versucht (in seinem Zorn herausgefordert) haben.
Apg 7,51 (Stephanus zum Hohepriester und dem Hohen Rat) Ihr Halsstarrigen und
Unbeschnittenen an Herz und Ohren! Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist; wie eure
Väter, so auch ihr.
Stephanus hat in seiner langen Rede gezeigt, wie Gott in der Geschichte Israels immer wieder geredet und das
Kommen seines leidenden Messias vorbereitet hat. Trotzdem haben gerade die religiösen Führer diesem Wirken
und Bezeugen des Heiligen Geistes immer wieder Herz und Ohr verschlossen. Dieses nicht Hören und im
Herzen annehmen wollen deutet er als ein „widerstreben“ gegenüber dem Heiligen Geist
Hebr 10,28-29 Hat jemand das Gesetz Moses verworfen, stirbt er ohne Barmherzigkeit auf
zwei oder drei Zeugen hin. 29 Wieviel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der
den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde,
für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat?
In diesem Abschnitt (V.17ff) warnt die Bibel vor dem absichtlichen und willentlichen Sündigen (V.26) und dem
Verwerfen des Evangeliums (V.28). Dies gilt insbesondere als Warnung für die Menschen, die die Erkenntnis der
Wahrheit eigentlich empfangen hatten (V.26). Wer so handelt, der
- tritt den Sohn Gottes mit Füssen
- und achtet sein Blut des Bundes für gemein (=profan)
- und schmäht (=brauche ich nicht) den Geist der Gnade
Mit anderen Worten: Das Evangelium wird abgelehnt und dadurch auch der Heilige Geist beleidigt, der Geist, der
gerade die Gnade Gottes deutlich machen wollte.
6.3. Die Lästerung gegen den Heiligen Geist
Mt 12,22-32 Dann wurde ein Besessener zu ihm gebracht, blind und stumm; und er heilte
ihn, so daß der Stumme redete und sah. 23 Und es erstaunten die ganzen Volksmengen
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und sagten: Dieser ist doch nicht etwa der Sohn Davids? 24 Die Pharisäer aber sagten, als
sie es hörten: Dieser treibt die Dämonen nicht anders aus als durch den Beelzebul, den
Obersten der Dämonen. 25 Da er aber ihre Gedanken wußte, sprach er zu ihnen: Jedes
Reich, das mit sich selbst entzweit ist, wird verwüstet; und jede Stadt oder jedes Haus, die
mit sich selbst entzweit sind, werden nicht bestehen. 26 Und wenn der Satan den Satan
austreibt, so ist er mit sich selbst entzweit. Wie wird denn sein Reich bestehen? 27 Und
wenn ich durch Beelzebul die Dämonen austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus?
Darum werden sie eure Richter sein. 28 Wenn ich aber durch den Geist Gottes die
Dämonen austreibe, so ist also das Reich Gottes zu euch gekommen. 29 Oder wie
kann jemand in das Haus des Starken eindringen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht
vorher den Starken bindet? Und dann wird er sein Haus berauben.
30 Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut.
31 Deshalb sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben
werden; aber die Lästerung des Geistes wird nicht vergeben werden.
32 Und wenn jemand ein Wort reden wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird
vergeben werden; wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht
vergeben werden, weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen.
Mk 3,28-30 Wahrlich, ich sage euch: Alle Sünden werden den Söhnen der Menschen
vergeben werden und die Lästerungen, mit denen sie auch lästern mögen; 29 wer aber
gegen den Heiligen Geist lästern wird, hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger
Sünde schuldig; - 30 weil sie sagten: Er hat einen unreinen Geist.
Lk 12,10 Und jeder, der ein Wort sagen wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird
vergeben werden; dem aber, der gegen den Heiligen Geist lästert, wird nicht vergeben
werden.
Die Begebenheit, in der Jesus dieses harte Gerichtswort im Blick auf die Lästerung gegen den Heiligen
Geist gesagt hat, erhellt die Bedeutung der Aussage. Markus erklärt, Jesus habe dies gesagt, weil sie
(=Pharisäer, Schriftgelehrte) sagten, er habe einen unreinen Geist. Er nimmt damit also Bezug auf die
eben berichtete Heilung eines blinden und stummen Besessenen. Matthäus berichtet, dass Jesus in
einer längeren Ausführung auf die Gedanken der Pharisäer eingegangen ist. V.28 stellt Jesus klar,
dass er in Wirklichkeit durch den Geist Gottes den Dämonen ausgetrieben hat.
Wenn wir uns also fragen, worin die Lästerung gegen den Heiligen Geist besteht, so zeigt uns der
Zusammenhang:
Dort wo das Wirken des Heiligen Geistes böswillig (und wohl gegen besseres Wissen) dem
Teufel und seinen Dämonen zugeschrieben wird, da wird der Heilige Geist gelästert und diese
Schuld wird nicht vergeben werden!
In diesem Zusammenhang möchte ich im Blick auf z.B. das Buch von R. Ebertshäuser (Die
charismatische Bewegung im Licht der Bibel, CLV Verlag, 1995) und der Auslegung von 1.Kor 13,10
darauf hinweisen, dass es meines Erachtens sehr problematisch ist…
 mit der „Berliner Erklärung“ die Anfänge der Pfingstbewegung pauschal als von einem
„Geist von unten“ inspiriert zu bezeichnen
 ein so definitives und monokausales (= alles lässt sich mit einem einzigen Grund erkären,
nämlich: die Pfingst- und charismatische Bewegung ist von einem dämonischen Geist
inspiriert) Urteil zu fällen, wie es Ebertshäuser tut. Ich möchte hier ernsthaft zur
Zurückhaltung und Vorsicht im Urteil mahnen.
PS: Vielleicht muss auch 1.Joh 5,16 in diesem Licht verstanden werden? Das ist eine schwer
einzuordnende Stelle, weil der Zusammenhang kaum Anhaltspunkte gibt, was Johannes unter „Sünde
zum Tod“ und „Sünde nicht zum Tod“ versteht!
1.Joh 5,16 Wenn jemand seinen Bruder sündigen sieht, eine Sünde nicht zum Tod, soll er
bitten, und er wird ihm das Leben geben, denen, die nicht zum Tod sündigen. Es gibt Sünde
zum Tod; nicht im Hinblick auf sie sage ich, daß er bitten solle. 17 Jede Ungerechtigkeit ist
Sünde; und es gibt Sünde, ‹die› nicht zum Tod ‹ist›.
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6.4. Wie steht es mit zitierten Stellen aus dem AT wie Joel 3 und Hesekiel 26?
Gelten die nicht für Israel? Hat Israel keine irdische Zukunft?
Die Frage ist eine grundsätzliche Frage der Bibelauslegung. Wie legen wir das Alte Testament aus?
Grob gesagt gibt es 4 Möglichkeiten:
 Das AT ist wie das NT zu behandeln  alle Stellen sind gleich - man zitiere den Vers, den man
gerade braucht
 Das AT ist der Alte Bund, der ist vorbei  wir brauchen das AT nicht mehr
 In der Bibel muss „das Wort recht geteilt werden“ (in falscher Anlehnung an 2.Tim 2,15), das heisst
es ist strikte zu trennen zwischen Worten die Israel und Worten die der Gemeinde gelten
(Dispensationalismus)
 Die Bibel muss mit der Bibel ausgelegt werden. Und: Die Bibel kennt eine Heilsgeschichte, die bei
der Auslegung von Bibelstellen beachtet werden muss.
Möglichkeit 1 wird gerade bei unserem Thema leider oft in charismatischen und pfingstlerischen
Kreisen benutzt. Erlebnisse und Praktiken werden mit Beweisstellen irgendwoher aus der Bibel
„belegt“, ohne dass irgendwie über den Zusammenhang nachgedacht wird.
Verbreitet ist auch Möglichkeit 3, die aber nach meiner Meinung ein theologisches System über die
Bibel stülpt, die ihr fremd ist.
Bsp. Joel 3
 Möglichkeit 1 sagt dazu: Was wir mit dem Beginn der Pfingstbewegung erlebt haben, war Erfüllung
von Joel 3. Die Bibelstelle wird einfach für das eigene Erleben in Beschlag genommen. Einige
entwickelten noch die verbreitete Lehre vom Spätregen, einer endzeitlichen Geistausgiessung etc.
 Möglichkeit 3 sagt dazu: Dieses Wort gilt allein dem Volk Israel und eigentlich nicht der Gemeinde
(den Heiden). An Pfingsten ist eine Teilerfüllung geschehen, das heisst: Auf eine Auswahl Israels
ist der Geist ausgegossen worden. Erst in der Endzeit bzw. im tausendjährigen Reich wird diese
Ausgiessung dann auf das ganze übriggebliebene Volk Israel geschehen.
Es wird (und muss) nun aber auch zugestanden, dass seit Pfingsten auch die Heiden den Heiligen
Geist bekommen können. Diese sei eine zweite, übertragene Anwendung auf die Heilszeit der
Gemeinde, die sich darin ausdrücke, dass in Joel 3 ja davon die Rede ist, dass der Geist „auf alles
Fleisch“ ausgegossen werde und dass „Jeder“, der den Namen des Herrn anruft gerettet wird.
Insgesamt bleibt es aber dabei: Die Geistausgiessung ist eine Verheissung für Israel.
Diese Auslegung ist zu sehr einem Schema verhaftet und verstrickt sich nur in weitere
Unstimmigkeiten. Meines Erachtens ist richtig gesehen, dass viele Verheissungen des Alten
Testaments mit dem Messias und Pfingsten erst zum Teil erfüllt wurden und dass sich die Erfüllung
sozusagen erst noch am Entfalten ist. Ein gutes Beispiel dazu ist Jesaja 11, wo in den ersten Versen
vom Messias (Spross aus dem Stumpf Isai) die Rede ist und die Auswirkungen seines Kommens mit
dem Frieden im Tierreich (Wolf und Lamm; Kalb neben dem Löwen) beschrieben wird! Zeitlich weit
auseinanderliegende „Erfüllungen“ werden in einer Verheissung zusammengeschaut.
Die Trennlinie sollte nicht einfach pauschal und strikt zwischen Israel und der heidnischen Gemeinde
(?) gemacht werden, sondern manchmal ist dieser Unterschied zu beachten, manchmal geht es nur
um zeitliche Unterschiede in der Erfüllung.
Es stimmt also nicht, dass die Frage, ob Israel eine eigene Zukunft hat mit dieser
dispensationalistischen Auslegungsmethode ausschliesslich verknüpft ist. Nach meiner Meinung hat
Israel gemäss den biblischen Aussagen eine irdische Zukunft und die biblischen Verheissungen für
Israel gelten und werden in Erfüllung gehen.
6.5. Salbung mit dem Heiligen Geist
Man hört in charismatischen Kreisen öfter als bei uns von der „Salbung“. Was ist damit gemeint?
Welche biblischen Anhaltspunkte haben wir für diese Redeweise?
Von uns Christen ist im Neuen Testament also an zwei Stellen von der Salbung durch den Heiligen
Geist die Rede:
2.Kor 1,21 Der uns aber mit euch festigt in Christus und uns gesalbt hat, ist Gott,
1.Joh 2,20 Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und habt alle das Wissen.
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1.Joh 2,27 Und ihr! Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr habt
nicht nötig, daß euch jemand belehre, sondern wie seine Salbung euch über alles belehrt, so
ist es auch wahr und keine Lüge. Und wie sie euch belehrt hat, so bleibt in ihm!
Vor allem die Aussagen und Praxis im Alten Testament weisen darauf hin, dass an diesen Stellen mit
der „Salbung“ die Gabe des Heiligen Geistes gemeint ist. Johannes betont besonders, dass mit dieser
Salbung die Erkenntnis und Anerkenntnis der Wahrheit des Evangeliums und wohl insbesondere des
Wortes Gottes für uns Christen gefördert wird. Gottes Geist überzeugt uns, macht uns gewiss und
versichert uns der Wahrheit des Heils und der Bibel.
Die Salbung beschreibt also einfach mit einem aus dem AT aufgenommenen Begriff das, was sonst
bereits von der Gabe des Heiligen Geistes für uns Christen gesagt wird.
Die Rede von einem „besonders Gesalbten“ und „einer speziellen Salbung“ etc. ist vom Alten
Testament her geprägt, nimmt Pfingsten nicht ernst und fördert einmal mehr ein Stufendenken. Das ist
bedenklich und dem biblischen Zeugnis fremd.
6.6. „In verschiedenen Bibelstellen wird der Empfang von Gaben im
Zusammenhang mit Handauflegung durch Apostel erwähnt (...) Inwiefern ist
Handauflegung zum Empfang von Geistesgaben nötig?“
 Mit der Handauflegung der Apostel war wohl in der Regel die Gabe, der Empfang des Heiligen
Geistes verbunden (Apg 8,14–19).
In Samaria legen Petrus und Johannes die Hände auf und die Leute empfangen den
Heiligen Geist, der noch nicht auf sie gefallen war.
 Doch ist die Gabe des Heiligen Geistes nicht an die Handauflegung gebunden (Apg 10,44–48).
Bei Kornelius predigt Petrus und „während er noch diese Worte redete“ fiel der Heilige
Geist auf alle.
 Die Handauflegung der Apostel übertrug nach Apg 6,6; 13,3 auch „Amts“gewalt und vermittelt
geistliche Gaben (1Tim 4,14; 2Tim 1,6).
Also: Handauflegung kann, aber muss nicht sein.
6.7. In 1.Kor 14,1 steht, dass wir den geistlichen Gaben nacheifern sollen. Was
heisst das konkret? Ist dies nicht ein Gegensatz zu Abschnitt III, Punkt 3 der
Leitlinien?
- Zu den Leitlinien: „Es ist nicht richtig, wenn bestimmte Geistesgaben durch drängerische Bitten
erzwungen oder durch Handauflegung beliebig vermittelt werden.“  beachte: „durch drängerische
Bitte erzwungen“ bzw. „beliebig vermittelt“! Das ist das Problem.
- Die Bibel selbst nennt dieses Spannungsfeld:
 1.Kor 14,1 bemüht euch um die Gaben des Geistes - 14,12 da ihr euch um die Gaben des
Geistes bemüht - 14,39 bemüht euch um die prophetische Rede
 andererseits gilt: 1.Kor 12,11 Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist und teilt einem
jeden das Seine zu, wie er will.
6.8. Wie entdecke ich mögliche Geistesgaben, wie Weisheit, Prophetie,
Zungenrede, Erkenntnis... usw. in meinem Leben, wenn die erwähnten Gaben
in der Gemeinde nicht praktiziert werden? Gilt es da auch auszuprobieren, z.B.
im Hauskreis?
Zuerst: Es ist nicht unbedingt so, dass die erwähnten Gaben in der Gemeinde nicht praktiziert werden.
Wir sagen vielleicht nicht, ich habe die Gabe der Weisheit oder der Erkenntnis, aber diese Gaben hat
Gott Menschen in unserer Gemeinde gegeben. Auch Prophetie geschieht und Menschen in unserer
Gemeinde haben die Gabe des Zungenredens, die sie in ihren Gebetszeiten praktizieren.
Dann: Gewisse Gaben können ein Stück weit „entdeckt“ oder durch „ausprobieren“ gefördert werden.
Andere naturgemäss weniger gut (z.B. Zungenrede, Prophetie).
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Vgl. Unterlagen oben Pkt. 4.4. zu praktischen Schritten
Zum Ausprobieren im Hauskreis: Es scheint mir sehr wichtig zu sein, was ich bereits von
S.Grossmann im Zusammenhang mit Prophetie zitiert habe: „Wenn in einer Gruppe über die geistliche
Notwendigkeit der Prüfung oder über das Verfahren der Prüfung Unklarheit herrscht, muss darüber
Einigkeit erzielt werden, ehe man zu spontanen charismatischen Beiträgen auffordert.“  das heisst:
Eine Gruppe muss zuerst offen über alle Fragen reden, bevor „ausprobiert“ wird. Das ist darum
notwendig, weil…
 Wir im Umgang mit diesen Fragen „gebrannte Kinder“ und unreif sind
 Weil wir die menschlichen Gefühle und Ängste ernst nehmen wollen
 Weil die Gefahr von Machtmissbrauch besteht, wenn die Frage der Leitung nicht geklärt ist
Also, einen gangbaren Weg und Formen finden und dann „ausprobieren“. Bedenkt aber insbesondere
auch 1.Kor 13 (die Liebe ist höchstes Gut)!
6.9. Sollen wir/ darf man zum Heiligen Geist beten?
Eine immer wieder diskutierte und manchmal umstrittene Frage, die uns in typischer Weise zeigt, wie
wir die Fragen um das Wirken des Heiligen Geistes im Leben des Christen verproblematisiert haben!
Darum einiges grundsätzliches:
Wie beantwortet man eine solche Frage? Man befragt die Bibel dazu:
(vgl. Leitlinien Abschnitt III, Punkt 5)
„In der Bibel finden wir kein Gebet zum Heiligen Geist.“
 Einige schlussfolgern: Aha, also darf man nicht zum Heiligen Geist beten. Das ist aber keine
zulässige Schlussfolgerung. Würde dieser methodische Schritt auf andere Gebiete angewandt, so
dürfte z.B. keine Frau am Abendmahl teilnehmen (weil es dazu auch keine Bibelstelle gibt).
Das ist also vorerst einfach eine statistische Feststellung.
„Deshalb fördern wir die betonte Anrufung des Heiligen Geistes nicht.“ Das wäre eine gute, vorsichtige
Schlussfolgerung. Denn schliesslich hat es ja bestimmt einen Grund, dass kein Gebet erwähnt ist. Der
Grund ist aber nicht, dass man nicht zum Heiligen Geist beten dürfte, sondern dass das
Schwergewicht bewusst anders gelegt ist. Also: Man darf zum Heiligen Geist beten (das wird ja auch
durch die Vorstellung von der Trinität unterstützt). Zu den Verteidigern des Gebets zum Heiligen Geist
muss dann aber auch gesagt werden:
„Durch das Gebet zum Heiligen Geist erreichen wir kein „Mehr“ an geistlichem Leben, denn der Heilige
Geist verherrlicht vor allem Jesus.“
Welches sind die Motive, zum Heiligen Geist zu beten, seinen Namen im Gebet vermehrt zu nennen?
Was erhofft man sich insgeheim? Ein Gedanke an „besser“ oder „mehr“ wäre völlig unangebracht.
Fazit: Man darf zum Heiligen Geist beten, das ist keine Sünde (oder was genau wird von den
"Gegnern" des Gebets zum Heiligen Geist befürchtet?). Das betonte Anrufen des Heiligen Geistes
fördern wir nicht, falsch ist insbesondere eine Motivation dahinter, die meint dadurch geistlicher zu
sein.
Literatur (vgl. auch in den Anmerkungen):
-
Siegfried Grossmann, Der Geist ist Leben, Wuppertal/Kassel: Oncken Verlag, 1990
Detmar Scheunemann, ...und führte mich hinaus ins Weite. Studien über das Wirken des
Heiligen Geistes in Indonesien und anderswo, 2. Auflage, Wuppertal: R. Brockhaus
Verlag, 1982
Peter Zimmerling, Die Charismatische Bewegung: Theologie – Spiritualität – Anstösse zum
Gespräch, Veröffentlichungen des Konfessionskundlichen Instituts des Evangelischen
Bundes 42, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2001
Brand, Ch., ed., Five Views on Baptism in the Holy Spirit (Nashville: Broadman&Holman, 2003)
Thiselton, Anthony, The Holy Spirit. In biblical teaching, through the centuries, and today, Grand
Rapids: Eerdmans, 2013
Pfr. Dr. theol. Jürg Buchegger-Müller, Rosengasse 7, 9470 Buchs, Tel. 081 756 11 25, Februar 2015
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