Infektiologie und Spitalhygiene Reisesouvenirs auf der Notfallstation Notfallkongress 18.11.2016 Christine Mohr Edokpolo Fachexpertin Infektionsprävention Inhalt • Husten, Schnupfen usw. • Wenn’s juckt und krabbelt • Montezumas Rache • Andere Infektionen • Fieber und Abgeschlagenheit 2 Syphilis 3 Asylgesuche CH: Wichtigste Nationen 2014 2015 4 Reiseverhalten der Schweizer Bevölkerung 5 Inhalt • Husten, Schnupfen usw. • Wenn’s juckt und krabbelt • Montezumas Rache • Haut und Kolonisation • Fieber und Abgeschlagenheit 6 An was denken wir? • Abhängig von Reisegeschichte: • Erkältung • Influenza • Tuberkulose • Pneumonie • MERS-CoV 7 8 WHO http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/178801/1/9789241549301_eng.pdf?ua=1&ua=1 Laborbestätigte Influenza in Kenia 2003-5 Wie steckt man sich an? Beschränkte Daten in der Literatur Am ehesten über kurze Distanzen • Tröpfchen (ca. 1m) • Hände • Oberflächen Kontaktübertragung Überleben von Influenzaviren: • 24 - 48 h auf harten Oberflächen • 8 - 12 h auf porösen Oberflächen • 5 Minuten auf Händen Welche Symptome sind wie häufig? (°C) Infektion 1-4 Tage vor SymptomBeginn 40 Sinusitis Bronchitis Pneumonie Otitis media 39 38 37 Krankheit (Tag) 0 2 3 4 5 6 7 8 % 60 50 55 65 85 60 80 Nase verstopft Halsschmerzen Muskelschmerzen Kopfschmerzen Husten Appetitlosigkeit Malaise Ansteckend Antikörper Titer 1 <4 8 (d21>64) Wer wird krank? 1:10 Erwachsene betroffen 1:3 Kindern betroffen bis zu 1`000 Todesfälle pro Jahr: davon sind 92% über 60 Jahre alt Und was tun? • Patienten mit respiratorischen Symptomen: • Tragen einen Mund-Nasen-Schutz • Werden in Händehygiene angeleitet • Nasopharyngeale Abstriche: • Bei Verdacht während der Influenza-Saison (gemäss Sentinella-Daten des BAG) • Fieber > 38° C PLUS mindestens 2 der folgenden Symptome: • Rhinitis • Hals- und/oder Ohrenschmerzen • Husten • Dyspnoe • Muskel-, Gelenks- und/oder Kopfschmerzen • Diarrhoe Und… • Isolation: • Schürze bei Kontakt mit dem Patienten • Mund-Nasen-Schutz bei Kontakt mit Patient < 1-1.5m • Händehygiene • Handschuhe bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten 15 An was denken wir? • Abhängig von Reisegeschichte: • Erkältung • Influenza • Tuberkulose • Pneumonie • MERS-CoV 16 Tuberkulose - Bakterium • unbewegliche, nicht sporenbildende Stäbchen • Spezielle Färbung (Ziehl-Neelsen oder Auramin), Keine Entfärbung durch Alkohol oder Säure säurefeste Stäbchen • Widerstandsfähig gegen Austrocknung und Wärme • Erreger der Tuberkulose (M. tuberculosis-Komplex) • Mycobacterium tuberculosis (Entdeckung von R. Koch 1882) • Mycobacterium africanum • Mycobacterium bovis • Mycobacterium microti Prädisposition für mykobakterielle Infektionen und Infektionsrisiko • Wirtsseitig • Immunstatus • Spezifische Hypersensitivität • Alter • Allgemeinzustand • Malnutrition/Marasmus • Hohes Ansteckungsrisiko • Erregerhaltige Aerosole • Langfristige Exposition • Erregerseitig • Infektionsroute • Infektionsdosis • Virulenz • Geringes Ansteckungsrisiko • Schmierinfektion • Ingestion • Sporadische Exposition Quelle: Die Infektiologie, Springerverlag 2004, S. 696 Industrieländer 3. Welt Infektionen 200 200 Davon erkranken 10 100 Sind offen 1 80 Dadurch werden neu infiziert 2 800 Quelle: Die Infektiologie, Springerverlag 2004, S. 698 Diagnose • klinisches Bild und Infektionsanamnese • Husten, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Nachtschweiss, Thoraxschmerzen • Röntgenaufnahme (Kavernen, Infiltrate) • Erregernachweis in Proben der betroffenen Organe Einteilung • Aktiv: • Lunge, Knochen, Urogenital, Lymphknoten, usw. -TBC • Von offener TBC spricht man bei Lungen-TBC Pleura-TBC Erregernachweis in Sputum/Magensaft Pleuraexsudat Husten Liegende Thoraxdrainage Ab wann ist der Hustenstoss bei Kindern stark genug, um zu aerosolisieren? Nicht bekannt, sinnvoll Isolation ab Schulalter • Latent: • Pos. Tuberkulintest oder Quantiferon • Frühere Infektion mit Mykobakterien • keine Symptome, da lokal kontrolliert Epidemiologie der Tuberkulose • ca. 9 Mio Neuerkrankte jährlich • ca. 1.5 Mio Todesfälle jährlich WHO Report 2015 Und was tun? Offene Lungentuberkulose • Aerosol Isolation: • Standardmassnahmen / Händehygiene • FFP 2 oder FFP 3 – Maske (face filtering piece) • Unterdruckzimmer, sofern vorhanden • Massnahmen bei Aufheben der Iso oder Austritt • 1 h lüften • Anschliessend normale Austrittsreinigung • Ambulanter Bereich: Patient trägt wenn möglich MNS An was denken wir? • Abhängig von Reisegeschichte: • Erkältung • Influenza • Tuberkulose • Pneumonie • MERS-CoV 24 ca. 36% 25 Symptome und Übertragung • Mers-CoV = Middle East Respiratory syndrome Coronavirus • Teilweise asymptomatisch • Milde bis schwere, akute respiratorische Beschwerden • Bis zum Tod • Zoonose • Whs. von Fledermäusen auf Kamele und so auf den Menschen übertragen • Mensch zu Mensch Übertragung ist whs. schwierig 26 Und was tun? • Pat nicht im Wartezimmer warten lassen • Sofort in Einzelzimmer • Kontaktisolation mit Aerosol und Schutzbrille . 27 Inhalt • Husten, Schnupfen usw. • Wenn’s juckt und krabbelt • Montezumas Rache • Infektionen • Fieber und Abgeschlagenheit 28 An was denken wir? • Abhängig von Reisegeschichte und Lokalisation der Symptome: • Scabies • Pedikulose • Insektenstiche • Tropische Parasiten 29 Scabies • Erreger: • Krätzmilben (Sarcoptes scabiei) • Symptome: • erste zwei bis fünf Wochen asymptomatisch • Immunreaktion gegen Milbenprodukte (Milbenprotein, Eier, Kot) typisch juckenden Hautreaktion • Unterschiedliche Hautläsionen durch individuelle Kratzmuster und Sekundärinfektionen 30 Scabies • Übertragung: • Direkter Kontakt • Gemeinsam genutzte Gegenstände (Bett, Handtücher, Gummihandschuhe usw.) • Therapie: • Ivermectin p.o. • Alternativ mit z.B. Infectoscab® 5% Creme • Einwirkzeit von 8h • erneute Behandlung nach 14 Tagen notwendig 31 An was denken wir? • Abhängig von Reisegeschichte und Lokalisation der Symptome: • Scabies • Pedikulose • Insektenstiche • Tropische Parasiten 32 Pedikulose • Erreger: • Kopflaus (Pediculus humanus) • Symptome: • Juckreiz an den befallenen Körperstellen, v.a. nachts • Nissen/Eier sichtbar • Übertragung: • wandern direkt von Haar zu Haar • Decken, Bürsten, Kämme, Kissen, Kopfbedeckungen, Kopfstützen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Handtücher, die von mehreren Personen verwendet werden • Haustiere übertragen keine Kopfläuse. 33 Pedikulose • Therapie: • Spezielles Shampoo (Einwirkzeit beachten) • Läusekamm • Nach 8-10 Tagen Behandlung wiederholen 34 Und was tun? • Überschürze bei Kontakt mit Patient • Handschuhe bei möglichem Kontakt mit Körperflüssigkeiten und Auftragen der Creme, bzw. des Shampoos • Keine Haube! • Bis 24h nach Therapiebeginn 35 Inhalt • Husten, Schnupfen usw. • Wenn’s juckt und krabbelt • Montezumas Rache • Infektionen • Fieber und Abgeschlagenheit 36 Symptome • Wässriger oder schleimig-blutiger Durchfall (≥ 3 x täglich ungeformter Stuhlgang) • Begleitsymptome wie: • Übelkeit, Erbrechen • Bauchkrämpfe • Schmerzhafter Stuhlgang (Tenesmen) • Fieber, Schüttelfrost • Blut und Schleim im Stuhl 37 An was denken wir? Beschwerden/Erkrankung …Inzidenz/Monat Aufenthalt in den Tropen Inzidenz/Monat Aufenthalt in den Tropen Reisediarrhoe 30-80% Malaria bei Aufenthalt in Westafrika 3% Hepatitis A 0.3% Tierbiss mit Tollwutrisiko 0.15% Typhus 0.03% Meningokokken <0.0001% Steffen et al. 1999 Inzidenz nach Reiseziel • Asien, Afrika und Südamerika: bis zu 50% • Südeuropa, Israel, Karibik: ca. 10-20% • Nordeuropa, Nordamerika, Australien, Neuseeland und Japan: <8% 39 Reisediarrhoe - Erreger Dupont, 2009 Inkubationszeit Traveller’s Health Kurs, Ch. Hatz, 2011 Übertragung und Prophylaxe • Übertragung: • Fäko-oral • Kontaminierte Lebensmittel und Wasser 42 Und was tun? • Abhängig von Kontinenz und Compliance des Patienten: • Kooperativer, kontinenter Patient: • Standardhygiene • Wenn möglich eigene Toilette • Desinfektion der Toilettenbrille und des Spülknopfes • Unkooperativer oder inkontinenter Patient: • Überschürze bei Kontakt mit dem Patienten • Handschuhe bei möglichem Kontakt mit Körperflüssigkeiten 43 Und wenn’s doch ein Norovirus sein könnte? • • • • Kontaktisolation mit Mund-Nasen-Schutz Handschuhe Händedesinfektion, evtl. Produkt wechseln Ethanol ist zur Flächendesinfektion nicht geeignet 44 Inhalt • Husten, Schnupfen usw. • Wenn,s juckt und krabbelt • Montezumas Rache • Haut und Kolonisation • Fieber und Abgeschlagenheit 45 An was denken wir? • Infizierte Insektenstiche • Bakterielle Infektionen • Multiresistente Erreger (MRE) 46 Hautinfektionen • Infektion durch kratzen • Inflammation durch Insektentoxine • Ausgelöst: • Moskitos • Wanzen • Giftige Insekten (Spinnen) 47 Hautinfektionen 2 • Ursache: • Häufig bakteriell • Staphylokokken • Streptokokken • An Multiresistente Erreger denken 48 Multiresistente Erreger • MRSA • Multiresistente Gramnegative Erreger • Flüchtlingswege und unsere Reiseziele liegen in Hochprävalenzgebieten 49 Unerwünschte Reise-Souvenirs …Kolonisationsrisiko mit multiresistenten Keimen Kantele et al. 2015 TD = Reisediarrhoe AB = Antibiotikum - = nein + = ja Und was tun? • Standardhygiene • Evtl. Screening MRE: • Nase, Rachen, Rachen, Urin • Einstichstellen grosser Katheter • Suche nach MRSA, ESBL • Repatriierung aus Nordamerika VRE • • • • Bei Spitalaufenthalt >24h Insbesondere bei OP oder IPS-Aufenthalt Bei vorliegenden Infektionen Isolation nach Vorgaben des Spitals 51 Inhalt • Husten, Schnupfen usw. • Wenn,s juckt und krabbelt • Montezumas Rache • Haut/Kolonisation • Fieber und Abgeschlagenheit 52 Inzidenz 1450 Reisende in Entwicklungsländer (1998-2000) • Fieber während der Reise 19.9% Mütsch et al. , 2005 53 An was denken wir? • • • • Malaria Dengue Fieber Andere Infektionen Zika-Virus 54 Inzidenz der Malaria bei Reisenden Beschwerden/Erkrankung …Inzidenz/Monat Aufenthalt in den Tropen Inzidenz/Monat Aufenthalt in den Tropen Reisediarrhoe 30-80% Malaria bei Aufenthalt in Westafrika 3% Hepatitis A 0.3% Tierbiss mit Tollwutrisiko 0.15% Typhus 0.03% Meningokokken <0.0001% Steffen et al. 1999 Übertragung • Stich der Anophelesmücke • Stechen vorwiegend in der Dämmerung und nachts • Plasmodium falciparum und vivax 56 Symptome • Nur vereinzelte Übertragungen in der Schweiz betroffen: Mitarbeiter der Fluggesellschaften beim Ausladen der Fracht. 57 Epidemiologie 58 An was denken wir? • • • • Malaria Dengue Fieber Andere Infektionen Zika-Virus 59 Krankheitsbild • Virale Infektionskrankheit • Wird von Tigermücken übertragen • Ca. 50 Mio. Menschen erkranken jährlich weltweit an milder Form: • Grippeähliche Symptome • 2-gipfliges Fieber, Kopf-, Gelenk- und Gliederschmerzen, Exanthem • Ca. 1% (500’000 Menschen) sind von der schweren Form betroffen: • Hämorrhagisches Denguefieber • Leberschwellung • Blutungen (Zahnfleisch, gastrointestinal) • Stimmungsschwankungen • Schock • Unbehandelt Mortalität: 1:5 Ärzte ohne Grenzen http://www.msf.ch/de/unsere-einsaetze/was-wir-tun/ueberblick/dengue-1/?gclid=CMS688OgptACFRW3Gwod2FUFiw 60 An was denken wir? • • • • Malaria Dengue Fieber Andere Infektionen Zika-Virus 61 Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite • Durch Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 01.02.2016 erklärt. • Explosionsartige Ausbreitung des Zika Virus in Mittel- und Südamerika sowie in der Karibik • Plus hoher Verdacht des Zusammenhangs zwischen ZIKV und anderen neurologischen Komplikationen in Südamerika und in Polynesien • Trotz fehlen eines definitiven wissenschaftlichen Beweises 62 Übertragung • Aedes mosquitos • Stechen üblicherweise tagsüber und frühe Abendstunden • Andere Übertragungswege • Nachweis im Sperma bis 62 Tage Sexuelle Übertragung beschrieben • Nachweis im Urin bis 3 Wochen • Nachweis im Speichel Übertragung bisher nicht beschrieben Schweizer Tropeninstitut Basel http://www.swisstph.ch 63 Komplikationen • Neurologisch • Selten • Meningitis • Encephalitis • Guillain-Barré-Syndrom • Konnatal Mikrocephalie 64 Informationen • Schweizer Tropeninstitut Basel http://www.swisstph.ch • Weltgesundheitsorganisation (WHO) http://www.who.int/topics/zika/en • Centers for Disease Control and Prevention (CDC) http://www.cdc.gov/zika/cdc-role.html • Robert Koch Institut (RKI) http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/Z/Zikaviren/Zikaviren_node.html 65 Und was tun? • Standardhygiene 66 Reisesouvenirs der anderen Art 12% der STD in Industrieländern bei Reisenden Take Home Message! • Flüchtlinge bringen übertragbar Krankheiten mit. • Reisende auch! • Eine gute Standard- und insbesondere Händehygiene schützen uns. • Mund-Nasen-Schutz können grosszügig an Patienten abgegeben werden. 68 Zeit für Fragen Danke für Ihre Aufmerksamkeit. 69