Text Sph\344renmusik Juli 2011

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Zur Heraufkunft
der Idee der Sphärenmusik
Von Norbert Böhm, Brandenburg im Sommer 2003, 2008, Neuauflage im Juli 2011
Einleitendes
Im Jahr 2001 veranstaltete die Brandenburger Jugendkulturfabrik (Jukufa) ein Kunstspektakel.
Dabei illuminierte Dr. Motte, der Begründer der Berliner Loveparade, den Aussichtsturm auf dem
Marienberg in den Farben des Regenbogens. So strahlte die Friedenswarte farbenfroh und krönte
unsere Stadt mit einem seltsam hoffnungsvoll anmutenden Wahrzeichen. Seit dem wurden im
Sommer wiederholt Farb- und Klanginstallationen an der Friedenswarte vorgenommen. Motte
bemühte sich auch um eine dauerhafte Installation, wofür er durchaus interessante Pläne
ausarbeitete, die ihrer Umsetzung jedoch bislang harren.
Da ich mich intensiv mit den Harmonieverhältnissen zwischen den kosmischen Zyklen, den Tempi,
Tönen und Farben beschäftigte, war meine Begeisterung natürlich groß, als ich die farbige
Friedenswarte sah. So entschloss ich mich bald dazu diese Internetseite einzurichten.
Die Frage nach der Realität der Sphärenmusik durchzieht als zentrales philosophisches und
religiöses Anliegen die gesamte Menschheitsgeschichte, ihre moderne Erforschung gehört zu den
tiefsinnigsten Anliegen der menschlichen Kultur. Heute sind wir der wissenschaftlichen
Bestätigung des Mythos´ der Sphärenmusik ein beträchtliches Stück näher als jemals zuvor. Der
hier gegebene Text soll eine kleine kulturhistorische Einführung bieten. Zum Ende sollen die
ungeahnten Möglichkeiten erwähnt werden, die unsere Stadt bei der Vervollkommnung der Idee der
Sphärenmusik hat. Der 23 seitige Text kann auch hier als PDF heruntergeladen werden.
Gliederung
Die Idee der Sphärenmusik: Seit wann singt der Kosmos?
Urton und Urwort; die Griechen, vom sagenhaften Sänger Orpheus, Pythagoras
Die Christen und Johannes Kepler
was Künstler und Wissenschaftler dazu sagen
3
3f
6ff
Den richtigen Ton finden:
Die Bedeutung des Kammertones zwischen Entdecken und Erfinden
15
Die universelle Wirksamkeit der Oktave: Die Kosmische Oktave
16
Abbildung „PLANETENSTRAUSS“
18
Was bedeuten diese Entdeckungen für unser tägliches Leben?
20
Und was hat Brandenburg damit zu tun?
21
Oktavanaloge Abbildung der Dynamik des inneren Sonnensystems
22
2
Die Idee der Sphärenmusik:
Seit wann singt der Kosmos?
Die Vorstellung, dass die Schöpfung der Welt mit Tönen, Worten oder Gesängen einherging, also
mit Schwingungen aller Art finden wir schon bei frühen und naturnahen Kulturen. Damit verbunden
ist die Einsicht, dass es Klangphänomene sind, welche unsere Vegetation und alles Leben auf der
Erde motivieren. Lebewesen sind aus einem Stoff gemacht, der mit diesen Klängen resoniert. Die
frühesten schriftlichen Zeugnisse dieses Wissens sind oftmals in einer kindlich- bildhaften Weise
ausgeführt worden und stammen aus jener Zeit der Menschheitsgeschichte, in der die mystische
Erkenntnis den Weg zum Verstehen bildete und der Mensch sich an sagenhaften Geschichten und
Mythen orientierte. Ausgeprägter wurden diese Vorstellungen dann bei den ersten Hochkulturen, im
fruchtbaren Schwemmland der großen Ströme Mesopotamiens, in Indien, China und Ägypten, wo
man sie durch fortgesetzte Spekulation weiterentwickelte.
Charakteristisch für viele solcher Mythen ist die Analogie zwischen dem kosmischen Geschehen
und den harmonikalen Gegebenheiten in der Musik. So ist z. B. in der altindischen Kosmogonie der
reine Klang die erste Manifestation des Schöpfungsgedankens Brahmas, der als rhythmisch
bewegte und bewegende Ursubstanz in allen Dingen und Wesen der Welt waltet. Ein anderes
Beispiel liefert uns der ägyptische Schöpfungsmythos, in dem von einem dunklen,
unbeschreibbaren Klang die Rede ist. Dort haben die singende Sonne durch ihren Lichtschrei und
Thot, der auch der Gott der Musik ist, durch sein gewaltiges Lachen die Welt entstehen lassen. 1
Ähnliches begegnet auch im biblischen Schöpfungsmythos. Den
Anfang des JohannesEvangeliums verdeutschte Martin Luther so: „Im Anfang war das Wort (Logos), und das Wort war
bei Gott, und Gott war das Wort.“ Nun enthält der griechische Begriff „Logos“ neben seiner
sprachlichen Bedeutung als „Wort“, „Aussage“, „Rede“ auch eine mathematisch- zahlenmäßige
Komponente sowie einen klanglich- musikalischen Sinn. Offenbar bezieht sich „Logos“ über den
mythologischen Kontext hinaus auf etwas Unbegreifliches und denkerisch nicht fassbares und dies
könnte eben auf einen Urklang oder Urton hindeuten.
Die Anfänge der Philosophie bei den Griechen gingen aus der Rhapsodie der Vorzeit hervor, im
8.Jh.v.u.Z. begegnen uns Homer und Hesiod als die ältesten bekannten Dichter der Antike. Eine
berühmte und immer wieder vorkommende Gestalt in der antiken Literatur ist der sagenhafte
Sänger Orpheus. Orpheus musste durch tragische Umstände von seiner Geliebten scheiden. Er zieht
daraufhin mit seiner siebensaitigen Laute durch die Lande um sein unseliges Los durch Musik zu
lindern. Dabei steigerten sich seine Töne zu einer derartigen Kraft, dass Streitigkeiten geschlichtet
wurden. Man sagt ihm nach, dass ganze Städte durch die ordnenden Kräfte seines Spiels entstanden
sind.2
Die vorsokratischen Philosophen - Thales Milesius war im 6.Jh.v.u.Z. der Erste - zeichnen sich
dadurch aus, dass sich bei ihnen allmählich das rational - begriffliche Denken aus dem irrational mythisch bestimmten Weltbild herausbildete. Die Worte der Dichter und Sänger wurden einem
denkenden und vergleichenden Verständnis unterzogen. Das Bedürfnis nach Begründung und
Beweis entwickelte sich in dieser Zeit, damit verbunden waren viele neue Erkenntnisse auf dem
Felde der Mathematik. Unter diesen frühen Philosophen war es der berühmte Pythagoras von
Samos (etwa 570 - 500 v.u.Z.) mit seinen Anhängern, welche nun ein neues Weltbild auf einer
naturwissenschaftlichen Grundlage schufen, wobei drei Hauptbereiche im Mittelpunkt ihrer
Beschäftigung standen: 1. der Sternenhimmel, 2. die (musikalischen) Harmonien und 3. die Zahl.
1
Vgl. Friedrich Zipp „Vom Urklang zur Weltharmonie“, Merseburger Verlag 2. Auflage 1998 S. 11
2 Vgl. Imre Trencsényi - Waldapfel „Die Töchter der Erinnerung“, Berlin 1969 S. 86/ 87
3
Die Auffassung, dass „heilige Zahlen“ die Grundprinzipien des Alls bilden, teilten sie mit den alten
Hochkulturen des Orients. Völlig neu jedoch war die Entdeckung, dass sich die musikalischen
Intervalle durch Zahlenverhältnisse darstellen lassen. Damit wurde die Göttlichkeit der Harmonie
auf die Zahlen übertragen. Am Monochord (einem Klanginstrument mit nur einer Saite und
verschiebbarem Steg, d.h. beliebig feststellbarer Länge der unter konstanter Spannung stehenden
Saite) erforschten sie erstmalig den Zusammenhang zwischen klingenden Saiten verschiedener
Länge und den Zahlenbrüchen. So teilten sie die Saite in 2 Teile, in 3 Teile, in 4, 5, 6, ... Teile und
schufen damit ein Tonsystem, welches sich über zweitausend Jahre später mit den Gesetzen der
Obertonreihe als identisch erweisen sollte. Die aus dem griechischen Mythos bekannten
Vorstellungen vom Welteinklang bestimmten die Pythagoräer etwas genauer. Von den damals
bekannten sieben Wandelsternen (Planeten) bekam jeder einen Ton der siebentönigen Tonleiter
zugewiesen.3
Die einmalige Leistung der Pythagoräer besteht darin, dass sie zwischen Musik, Zahl und Kosmos
eine Wesensanalogie (analogia entis) erkannten und eine Seinsverwandtschaft annahmen. Damit
wird auch verständlich, dass die Idee der Sphärenmusik die Krönung ihrer Weltanschauung war.
Diese Leitgedanken wurden unter den späteren Philosophen viel bewundert, diskutiert und kritisiert.
Sie haben in dominierender Weise Philosophie und Religion der gesamten Folgezeit geprägt.
Wollen wir im Gedächtnis bewahren, dass die Pythagoräer erstmals Tonleitern nach
Zahlenverhältnissen erschufen und den 7 Planeten je einen Ton zuordneten.
Allmählich setzte sich im Laufe der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung die junge christliche
Theologie gegen die antike Philosophie durch. So kam es, dass der Geograph, Mathematiker und
Astronom Claudius Ptolemäus (um 90 - 160 n. Chr.) das geozentrische Weltsystem manifestierte,
was mit der damaligen Theologie vereinbar war. Er unternahm auch Versuche die pythagoreischen
Ideen im Sinne der damaligen Wissenschaft zu rekonstruieren und widmete diesem Thema mehrere
Kapitel seiner Harmonielehre.
Einer der wichtigsten Vermittler zwischen Altertum und Mittelalter war der römische Staatsmann
und Philosoph Boethius (um 480- 524 n. Chr.), den man aufgrund seiner ans Altertum angelehnten
Geisteshaltung auch den „letzten Römer“ nannte. Seine Schriften stellen eine Zusammenfassung
des Wissensgutes der Antike dar. Wie die Pythagoräer betrachtet er den menschlichen Körper als
ein Instrument der göttlichen Schöpfung. Doch während für die Pythagoräer der Sphärenklang die
Krönung des natürlichen Kosmos darstellte, nahmen nun in der christlichen Weltliturgie die
singenden und musizierenden Engel diesen Platz ein.4 Dies zeigt sich schon bei Augustinus (354430 n. Chr.)5 und geht später z.B. aus den Schriften der Äbtissin Hildegard von Bingen (10981179) und Dante Alighieris (1265- 1321) hervor, welcher letzterer etwa schrieb:
„So stand ich ohne Seufzer, ohne Zähren,
bevor die Engel sangen, deren Sang
nur Nachklang ist vom Lied der ew´gen Sphären.“6
3
4
5
6
Vgl. Zipp S. 28
Der aufmerksame Leser wird bemerken, dass ich vieles aus F. Zipp entnehme. Dies
Vgl. Zipp S. 49
kann damit begründet werden, dass Herr Zipp für unser Anliegen bestens vorgearbeitet
Vgl. Zipp S. 52
hat.
Vgl. Dantes „Göttliche Komödie“ im Buch vom Fegefeuer, 91. Strophe des 30. Gesanges.
4
Bei Martin Luther (1483- 1546) heißt es dann:
„Wer sich die Musik erkiest,
hat ein himmlisch Gut gewonnen,
denn ihr erster Ursprung ist
von dem Himmel selbst genommen,
weil die lieben Engelein
selber Musikanten sein.“7
In der Renaissance, als die Geschichte, Literatur und Kunst der griechisch- römischen Antike
wieder erschlossen wurde, kamen pythagoreische und platonische Gedanken erneut zu Bewusstheit.
So spricht der bedeutende Humanist Marsilius Ficinus (1433 - 1499), der mit der Übersetzung
antiker Schriften beauftragt wurde, von der Funktion der Musik als „Erinnerung“ an die göttlich geistigen (platonischen) Urbilder. Die Bedeutung der Musiktherapie liegt darin, Störungen des
seelisch - geistigen Gleichgewichts zu beheben. Er setzte an die Gedanken des Boethius an und
führte sie weiter aus. Auch andere wie Agrippa von Nettesheim (1486 - 1535) waren der zu dieser
Zeit aufkommenden geheimnisvollen Geisteshaltung zugetan. So schrieb dieser im Ansinnen an die
Astrologie:
„Wer krank ist, stimmt nicht mehr mit dem Universum überein. Er kann aber die Harmonie
wiederfinden und gesund werden, wenn er seine Bewegungen nach denen der Gestirne ausrichtet.“8
In ähnlicher Weise ist für den englischen Arzt und Theologen Robert Fludd (1574- 1637) die Musik
ein Abhall der Weltharmonie. Von ihm stammt die folgende Abbildung eines „Weltmonochords“,
wobei die Sonne nach Kopernikus bereits den Mittelpunkt der Welt einnimmt und Gottes Hand aus
den Wolken greift um für die richtige Stimmung zu sorgen.
Das Instrument ist in eine obere urbildliche aktive
und eine untere materielle passive Oktave halbiert
und diese wiederum in Quarten und Quinten. Auf
diesen Intervallen bewegt sich das obere lichte
Prinzip in die dunkle Materie hinab, wobei der
Sonne im Schnittpunkt eine transformierende
Kraft zukommt.
Wir werden bei der Behandlung der Oktaven noch
die zentrale Bedeutung des Tones G besprechen,
es ist der Ton des Erdentages. Wie auf dieser
Abbildung zu sehen ist, setzte R. Fludd diesen Ton
bereits in den Mittelpunkt. Es ist jedoch sehr wage
und
unbegründet,
ob
ein
tatsächlicher
Zusammenhang mit unseren neuen Erkenntnissen
besteht.
7
8
Zipp S. 50. Hier finden sich auch Bibelstellen, die sich auf die Sphärenmusik zu beziehen scheinen.
Zipp S. 66
5
Auf dem Felde der Wissenschaft begründete der deutsche Astronom und Mathematiker Nikolaus
Kopernikus (1473- 1543) das heliozentrischen Weltsystems, nach welchem nun im Gegensatz zum
geozentrischen System des Ptolemäus die Sonne und nicht die Erde den Mittelpunkt des
Planetenreigens bildet. Weiters ist der italienische Naturforscher Galileo Galilei (1564- 1642) durch
die Begründung der wissenschaftlichen Methode zum Ahnherren unserer Naturwissenschaft
geworden. Aufgrund seiner Verteidigung des kopernikanischen (heliozentrischen) Weltbildes geriet
er jedoch in Konflikt mit der Inquisition. Die Legende schreibt ihm den Ausspruch zu: „Und sie
bewegt sich doch!“ (Der Schriftsteller Berthold Brecht hat in seinem Drama „Das Leben des
Galilei“ die Drangsal des Forschers meisterhaft dargestellt.)
Ein wahrer Meilenstein der Entwicklung erstand der Welt in Johannes Kepler (1571- 1630),
welcher der Lehre der Sphärenharmonie nun eine ungeahnte Kraft verlieh. Schon früh machte er die
Entdeckung, dass die Planetenbahnen Ellipsen sind und keine Kreise, wie man annahm. Ihm gelang
nun darüber hinaus erstmalig der Nachweis, dass im Planetensystem des Kosmos tatsächlich die
gleichen Intervallverhältnisse herrschen wie in der Musik, womit er über die Lehren der
Pythagoräer weit hinausgreift und diese doch präzisiert. Im 5. Buch seines Hauptwerkes
„Weltharmonik“ hat er die Bahnen, die Umlaufszeiten und die Entfernungen der Planeten von der
Sonne berechnet, verglichen und in zahlreiche Notenbeispiele übertragen. Dabei war der Vergleich
der von der Sonne aus gesehenen Winkel, welche die Planeten innerhalb von 24 Stunden an der
sonnennächsten (Perihel) und sonnenfernsten Bahnkurve (Aphel) durchmessen besonders
verblüffend, da sich auf diese Weise ein ganzes System von musikalischen und zwar fast
ausnahmslos konsonanten Intervallproportionen ergab, die sich zudem noch auf einen Dur Dreiklang zurückführen ließen. Kepler stellt dann fest:
„Es sind also die Himmelsbewegungen nichts anderes als eine fortwährende mehrstimmige Musik
(durch den Verstand, nicht das Ohr erfassbar)...“
Diese musikalischen Gesetzmäßigkeiten fand man später auch bei den damals noch unbekannten
Planeten Uranus, Neptun und Pluto. Die drei berühmten Keplerschen Planetengesetze (1. die
Bahnen der Planeten sind Ellipsen, in deren einem Brennpunkt die Sonne steht; 2. der Fahrstrahl
von der Sonne zum Planeten überstreicht in gleichen Zeiten gleiche Flächen; 3. die Quadrate der
Umlaufzeiten verhalten sich wie die Kuben der mittleren Entfernungen von der Sonne) waren eher
Nebenprodukte seiner Forschung! Er wollte in erster Linie die Weltmusik wissenschaftlich
erforschen. Die Abstände der Planeten von der Sonne versuchte Kepler durch das Ineinanderlegen
regelmäßiger Körper zu erfassen, wobei er davon ausging, dass diese Körper wie unser
Sonnensystem um Gottes Willen dieselben Proportionen aufweisen.
6
In diese Zeit fällt auch die Entdeckung und Berechnung der akustischen Obertonreihe von den
französischen Gelehrten Martin Mersenne (1588- 1648) bzw. Joseph Sauveur (1653- 1716), wobei
sich eine Identität mit den pythagoreischen Intervallproportionen am Monochord ergab.
Der britische Physiker, Mathematiker und Begründer der klassischen theoretischen Physik Isaac
Newton (1643- 1727) erklärte mit seinem Gravitationsgesetz die Planeten - und Mondbewegungen
und wies andererseits die spektrale Zusammensetzung des weißen Lichtes nach, indem er die
Erscheinung der Regenbogenfarben als Strahlung verschiedener Wellenlängen erkannte, die
allesamt im weißen Licht enthalten sind.
Der schwedische Naturforscher und Theosoph Emanuel von Swedenborg (1688- 1772) erschloss
aus seinen visionären Erlebnissen eine Kosmogonie welche besagt, dass das Sonnensystem aus
einem sich drehenden Gasnebel entstanden ist, wobei sich Gas und Staub in den Armen des Nebels
besonders stark verdichtete und verklumpte, sodass daraus die Planeten hervorgegangen sind. Diese
Entstehungstheorie des Sonnensystems wurde dann von Immanuel Kant (1724- 1804) und dem
französischen Mathematiker und Astronomen Pierre Simon de Laplace (1749- 1827) aufgegriffen
und neu formuliert.
Wie die wissenschaftliche Welterkenntnis ausreifte, so bemühten sich auch die Dichter um eine
Fassung ihres Sinnes. Johann Wolfgang Goethe (1749- 1832) hat einmal geäußert:
„Die Natur ist so, dass die Dreieinigkeit sie nicht besser machen könnte. Es ist eine Orgel auf der
unser Herrgott spielt... und der Teufel tritt die Bälge dazu.“9
Dieser große Dichter hat der Musik viel Bewunderung entgegengebracht und sich auch
verschiedentlich auf die Weltmusik bezogen. So lässt er am Anfang seines Hauptwerkes
Dr. Faustus den Erzengel Raphael vom Wunder der Weltoffenbarung künden:
„Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschrieb´ne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.
Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke,
Wenn keiner sie ergründen mag;
Die unbegreiflich hohen Werke
Sind herrlich, wie am ersten Tag. ...“
9
Zipp, S. 70
7
Auch in den Schriften Friedrich Schillers (1759- 1805) gibt es Passagen, welche sich auf die
Sphärenmusik zu beziehen scheinen. Offenbar stehen diese großen Dichter den pythagoreischen
Gedanken näher als man dies gemeinhin annimmt.
Doch im Zuge der Aufklärung verschwand das Interesse an den pythagoreischen Vorstellungen von
der Weltharmonie allmählich. Alle Arten von Mystik und Zahlenspekulation wurden in ihrem
eigentlichen Wert verkannt und verbannt. Die Begründung der experimentellen modernen
Naturwissenschaft durch Männer wir Rene´ Descartes (1596 – 1650) trug dazu bei, dass nur noch
das quantitativ Zähl-, Wäg- und Messbare Geltung hatte. Es dominiert seit dem das kausalmechanisch orientierte Denken, welches zum Verständnis des harmonikal- analogen Denkens
Keplers durchaus nicht hinreicht. Nicht, dass Keplers harmonikale Forschungen nicht rechnerisch
nachvollzogen werden könnten, allein der Analogieschluss zwischen kosmischen und
musikalischen Schwingungen ist zu weitläufig für eine Denkgewohnheit, die an der strikten
Folgerichtigkeit von Ursache und Wirkung anhaftet.
Aber selbst wenn wir den Worten des bedeutendsten deutschen Philosophen der Aufklärung
Immanuel Kant (1724- 1804) lauschen, so ahnen wir auch hier die gemeinsamen musikalischen
Normen, wenn er diese zwei Dinge nennt, die das Gemüt mit zunehmender Bewunderung und
Ehrfurcht erfüllen:
„Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“.
Die Astronomen J. D. Titius (1729 - 1796) und J. E. Bode (1747 - 1826) stellten in der nach ihnen
benannten Titius- Bodischen Regel bei den Entfernungsverhältnissen der Planeten in Bezug auf die
Sonne harmonikale Gesetzmäßigkeiten fest, welche sich in einem mathematischen Reihengesetz
ausdrücken lassen. (Es ist hochinteressant, dass man jüngst die Gültigkeit desselben Reihengesetzes
auch für die verschiedenen Monde der Planeten Jupiter, Saturn und Neptun, die ja ihrerseits auch
kleine „Planetensysteme“ bilden, nachweisen konnte.)10 Was Kepler mit den ineinander
geschachtelten regelmäßigen Körpern erklären wollte bekommt hier die Form eines Reihengesetzes.
Der von den großen Dichtern der Klassik sehr geschätzte Physiker Johann Wilhelm Ritter (1776 1810) verdient unser Interesse, denn er hinterließ uns einen Text, welcher schon ziemlich genau auf
das hinausspielt, was auch das Ziel dieses Briefes sein soll. Er schrieb:
„Töne entstehen bei Schwingungen, die in gleichen Zeiten wiederkehren. Die halbe Anzahl der
Schwingungen in der gleichen Zeit ergibt den Ton eine Oktave tiefer, der vierte Teil zwei Oktaven
usw. Zuletzt kommen Schwingungen heraus, die ein Tag, ein Jahr, ein ganzes Menschenleben
dauern. Vielleicht sind diese von großer Wichtigkeit. Die Umdrehung der Erde um ihre Achse zum
Beispiel mag einen bedeutenden Ton ergeben, das ist die Schwingung ihrer inneren Verhältnisse,
die dadurch veranlasst ist; der Umgang um die Sonne einen zweiten Ton, der Umlauf des Mondes
einen dritten usw. Hier bekommt man die Idee einer kolossalen Musik, von der unsere kleine
gewiss nur eine sehr bedeutende Allegorie ist. ...“11
10 Vgl. M. Özaras: Titius - Bode auch für Monde
11 Zipp S. 89/90
8
Der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788 - 1860) verband die Musik mit dem Zentralgedanken
seiner Weltanschauung, sodass er sich folgendermaßen äußerte:
„Gesetzt, es gelänge, eine vollkommen richtige, vollständige und in das einzelne gehende
Erklärung der Musik, also eine ausführliche Wiederholung dessen, was sie ausdrückt, in Begriffen
zu geben, so würde diese sofort auch eine genügende Wiederholung und Erklärung der Welt in
Begriffen, also die wahre Philosophie sein.“12
Auch Friedrich von Hardenberg (1772 - 1801), der sich Novalis nannte, lässt verlauten:
„Die musikalischen Verhältnisse scheinen mir recht
eigentlich die Grundverhältnisse der Natur zu sein.“
Und er fasst einen Gedanken der Musiktherapie, wenn er schreibt:
„Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem, die Heilung
eine musikalische Auflösung. Je kürzer und dennoch vollständiger die Auflösung, desto größer das musikalische
Talent des Arztes ... Sollten mehrere Heilmethoden jeder
Krankheit möglich sein? Wie in der Musik mehrere
Auflösungen einer Dissonanz?“
Auch der Worte Bettine von Arnims (1785 - 1859), jener genialischen Frauengestalt der Romantik,
wollen wir gedenken:
„Wie jeder Gedanke, jede Seele Melodie ist, so soll der Menschengeist
durch Allumfassen Harmonie werden.“13
Es gibt noch viele andere, mithin sehr schöne Beispiele jener Zeit zu unserer Thematik, u. a. von
Heinrich von Kleist (1777 - 1811), Carl Maria von Weber (1786 - 1826) oder Heinrich Heine (1797
- 1856), doch begnügen wir uns hier lediglich darauf hinzuweisen.
Nicht unmittelbar für unser Thema, doch für das Verständnis im Kontext der WissenschaftsGeschichte unerlässlich ist die Begründung der Evolutionstheorie durch Charles Darwin (1809 1882). Sie besagt grob gesprochen, dass die Lebewesen in einer allmählichen Entwicklung aus
niederen Lebensformen hervorgegangen sind und diejenigen Lebewesen den andauernden
Konkurrenzkampf überleben, welche am besten an die Erfordernisse der Umwelt angepasst sind.
Damit errichtete Darwin - ähnlich wir vor ihm Galilei - einen weiteren großen Pfeiler, auf welchen
unser heutiges naturwissenschaftliches Verständnis ruht. Schon Darwin kannte das Sturmglas, ein
hermetisch abgeschlossener Glaskolben mit Anteilen verschiedener Lösungen, die bei
Wetteränderungen ausfällen und trübe werden. Da bei hermetischer Versiegelung ein
12 Zipp S. 92
13 Die Zitate bei Zipp S. 98ff
9
Zusammenhang mit Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit ausgeschlossen werden musste
und also keine wissenschaftliche Erklärung für das Phänomen gefunden werden konnte, blieb die
Erscheinung schlicht und einfach für unmöglich erklärt.
Aber auf dem Felde der Chemie suchte man ebenfalls nach harmonikalen Ordnungsprinzipien. Der
englische Wissenschaftler John Alexander Newlands (1837- 1898) erforschte die Zusammenhänge
der chemischen Elemente und erklärte diese mit dem Oktavgesetz. Er beobachtete, dass bei der
Gliederung der chemischen Elemente nach steigender Atommasse jedes 8. Element dem jeweils 1.
Element in seinen Eigenschaften ähnelt. Von den konservativen Repräsentanten der damaligen
Wissenschaft wurde er für seine Entdeckungen jedoch ausgelacht und aus der königlich englischen Wissenschafts-gesellschaft, deren Mitglied er bis dahin gewesen ist, ausgeschlossen.
Vier Jahre später entwickelten gleich zwei Wissenschaftler ähnliche Thesen. Der deutsche
Chemiker Julius Lothar Meyer (1830 - 1895) ordnete die chemischen Elemente nach steigenden
Atomvolumina und beobachtete nach jeweils 7 Elementen periodisch wiederkehrende
Eigenschaften. Unabhängig von ihm fand der russische Forscher Dimitrij I. Mendelejew (1834 1907) das „Periodensystem der chemischen Elemente“ und darin bestätigte sich der Oktavgedanke
des englischen Kollegen Newlands.
Im Gegensatz zu Meyer ordnete Mendelejew die chemischen Elemente nach der Atommasse. Er
schrieb alle bekannten Elemente nach steigender Atommasse untereinander und nach jeweils 7
Elementen begann er eine neue Spalte, sodass waagerechte und senkrechte Gruppen entstanden. In
den senkrechten Gruppen unterschieden sich die Eigenschaften der Elemente immer mehr, während
in den waagerechten Gruppen die sich ähnelnden Elemente standen, allerdings nur, wenn bestimmte
Lücken gelassen wurden für - wie er damals richtig vermutete - noch unbekannte Elemente, die er
in ihren Eigenschaften aber schon recht genau voraussagte wie wir heute wissen. Diese
Achterstruktur in der Chemie ist als Oktettregel bekannt, sie beschreibt die Struktur der
Elektronenaußenschale der Atome. Die anorganische Chemie feierte damit einen ihrer größten
Triumphe des 19. Jahrhunderts. Mendelejews Darstellung war klar und überzeugend und wurde
rasch von seinen Kollegen angenommen. So sah sich die königlich - englische
Wissenschaftsgesellschaft bald gezwungen, sich bei ihrem früheren Mitglied John A. Newlands zu
entschuldigen und ihn zu rehabilitieren.14
Das 20. Jahrhundert wird angeführt durch die revolutionäre Quantentheorie Max Plancks (1858 1947) und die großartige Relativitätstheorie Albert Einsteins (1879 - 1955). Im gleichen Zuge war
dieses Jahrhundert gezeichnet von Weltkriegen, politischen Katastrophen, wirtschaftlichen
Zusammenbrüchen und ökologischen Bedrohungen sowie der Angst der Menschen vor atomarer
Selbstvernichtung. Wie als ein Ausweg aus diesem verwirrenden Kräftespiel sind dabei
pythagoreische Gedanken wiedererwacht und haben eine geradezu ungeahnte Neubelebung
erfahren.
Der Dichter Christian Morgenstern(1871- 1914) ruft aus:
„Die Sterne lauter ganze Noten.
Der Himmel die Partitur,
der Mensch das Instrument.“15
14 Vgl. Hans Cousto „Bilder Klänge Welten“, Simon & Leutner Verlag Berlin 1989 S. 19- 21. Vgl. dazu auch
Wilfried Krüger “Das Universum singt“, Trier 1997 S. 21& 22
15 Zipp. S. 107
10
Auch Reiner Maria Rilke (1875- 1926) huldigt dem Vergleich des Menschen mit einer klingenden
Saite oder mit einem Instrument:
„Meine Stube und diese Weite,
wach über nachtendem Land,ist Eines. Ich bin eine Saite,
über rauschende breite
Resonanzen gespannt.“16
In diesen Zeilen spürt man doch den Atem echter Dichtung. Übrigens kommt unser Wort „Person“
vom Lateinischen per sonare , was soviel bedeutet wie „durchklingen“.
Die Schriftstellerin und Lyrikerin Ina Seidel (1885 - 1974) besingt im Gedicht den musikalischen
Ursprung des Universums:
„Musik war, ehe Welten waren:
als aus der Sphären Überschwang
die ersten Sonnen sich gebaren,
geschah´s in einsamem Gesang.
Musik war ehe Worte waren,
und wenn das Wort sich uns versagt,
kann nur Musik uns offenbaren,
wonach das Herz verlangt und fragt.“
Und der Lyriker Hermann Claudius (1878 - 1980) zeichnet das Bild der musikalischen Schöpfung
so:
„Gott war der erste Sänger.
Singend schuf er die Welt.
Glaubt mir, dass Er sie singend
Heut noch in Händen hält.“
16 Zipp. S. 112/113
11
Aber auch die exakte, moderne Naturwissenschaft kennt das Bild des klingenden Kosmos. Max
Planck, dessen Quantentheorie (Energie wird von den Atomen nicht stetig und kontinuierlich,
sondern durch Elektronensprünge, in diskreten Quanten aufgenommen und abgestrahlt; „die Natur
macht Sprünge!“) das physikalische Weltbild revolutionierte, spricht in einem Vortrag über Sinn
und Grenzen der exakten Naturwissenschaft:
„Wir sehen uns durch das ganze Leben hindurch einer höheren Macht unterworfen, dessen Wesen
wir vom Standpunkt der exakten Naturwissenschaft aus niemals ergründen können, die sich aber
auch von niemandem, der einigermaßen nachdenkt, ignorieren lässt. Hier gibt es für einen
besinnlichen Menschen nur zwei Arten der Einstellung, zwischen denen er wählen kann: entweder
Angst und feindseliger Widerstand, oder Ehrfurcht und vertrauensvolle Hingabe.“
Selbst der mikrokosmische Aufbau der Atome, in denen die Elektronen um den Atomkern kreisen
legt den Vergleich mit dem makrokosmischen Sonnensystem nahe. Darauf macht auch der Physiker
Arnold Sommerfeld (1868- 1951) aufmerksam, wenn er im Vorwort zur ersten Auflage seiner
Abhandlung Atombau und Spektrallinien schreibt:
„Was wir heutzutage aus der Sprache der Spektren heraushören, ist eine wirkliche Sphärenmusik
des Atoms, ein Zusammenklingen ganzzahliger Verhältnisse, eine bei aller Mannigfaltigkeit
zunehmende Ordnung und Harmonie ... Alle ganzzahligen Gesetze der Spektrallinien und der
Atomistik fließen letzten Endes aus der Quantentheorie. Sie ist das geheimnisvolle Organon, auf
dem die Natur die Spektralmusik spielt und nach dessen Rhythmus sie den Bau der Atome und
Kerne regelt.“17
Vielleicht hatte Pythagoras ganz recht wenn er die Musik die Grundlage aller Bildung nannte und in
richtig verstandener Musik den Kern aller Philosophie sah. Auch der bekannte Dirigent Bruno
Walter (1876 - 1962) sieht die menschliche Musik in der kosmischen wurzeln:
„Der Gedanke einer zwar für das sinnliche Ohr nicht wahrnehmbaren, aber im Kosmos tönenden
und waltenden Musik, ... ist mir mehr und mehr überzeugend geworden, denn aus solch hohem
Ursprung begann ich das Werden und Wesen unserer (Ton-) Kunst und ihre elementare Macht über
des Menschen Seele allmählich tiefer zu begreifen.“
17 Zitate aus Zipp S. 110, 116 und 117
12
Und der Wiener Komponist und Musikphilosoph Joseph Matthias Hauer (1883 - 1959) bekannte
sich ebenfalls zu einer allumfassend klingenden Ordnung des Kosmos:
„Die ewige unveränderliche absolute Musik ist die Urschrift und Ursprache des Universums, die
Harmonie der Sphären, die kosmische Ordnung, die Kunst aller Künste, die Wissenschaft aller
Wissenschaften, die Kultur..., die Religion als Bindung mit der Ewigkeit, das Höchste, Heiligste,
Geistigste, Wertvollste, Vernünftigste auf der Welt: die Wahrheit.“
Der Musiker, Forscher und Denker Hans Kayser (1891 - 1964), Schöpfer der „Kayserschen
Harmonik“ schreibt in seiner Schrift Akróasis:
„Der Begriff der Sphärenharmonie ist so alt wie die Bewußtwerdung des Menschen. Zuerst Mythos,
dann Astralsymbolik und integrierender Bestandteil fast der gesamten Menschheitsdichtung, wird
er zur Voraussetzung der Astrologie und der beginnenden astronomischen Forschung aller alten
Völker. Erst mit Kepler erhält er jedoch jene Fundamentierung, die ihn des bloßen Glaubens
enthebt und in das moderne wissenschaftliche Denken einordnet.“
Auch der famose Dichter Hermann Hesse (1877 - 1962) brachte schon in jungen Jahren Verständnis
für die Sphärenharmonie auf, so schreibt er in seinem frühen Roman Gertrud:
„Von allen Vorstellungen reiner Seligkeit, die sich Völker und Dichter erträumt haben, schien mir
immer die höchste und innigste jene vom Erlauschen der Sphärenharmonie. Daran haben meine
tiefsten und goldensten Träume gestreift, - einen Herzschlag lang den Bau des Weltalls und die
Gesamtheit alles Lebens in ihrer geheimen, eingeborenen Harmonie tönen zu hören.“
Hesse nennt Keplers Nachweis einer Kosmischen Harmonie:
„eine Harmonielehre, in welche zwar die musikalische Harmonielehre mit inbegriffen ist, jedoch
nur als Teil. Das Ganze gilt nicht der menschlichen Musik, sondern der Musik des Weltalls, dem
Schöpfungskonzert, und hat zur Grundlage den freudigen Glauben an die Einheitlichkeit und
Harmonie des Weltenplanes.“18
18 Zitate aus Zipp S. 122, 123, 125, 130 und 132
13
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde allmählich das Unbehagen gegenüber den schädlichen
Auswirkungen eines scheinbar unbegrenzten technischen Fortschrittes an Mensch und Natur
spürbar. Die Kehrseite des einseitig rationalen, kausal- logischen Denkens wurde nun mancherorts
wahrgenommen. Einzelne suchten weiter nach identischen morphologischen Entsprechungen im
Kosmos, im Menschen in der anorganischen und organischen Natur. Dabei gelang die Bestätigung
einer schon in der Antike angenommenen Disposition des menschlichen Gehörs für die in der
Naturobertonreihe enthaltenen Intervalle und zwar sowohl in psychischer als auch in physischer
Hinsicht. Diese Gehörsdisposition spielt in der Musiktherapie eine große Rolle, denn erst die
wissenschaftlich erhärtete Tatsache, dass unser Gehör nach akustischen Naturgesetzen strukturiert
ist liefert uns eine befriedigende Erklärung für die Möglichkeit der Heilung psychischer Leiden
durch Musik. Die Urtöne und Intervalle werden dem Gehörorgan vermittelt und verhelfen dazu,
dass sich der Mensch wieder an seine körperlich- seelische Ganzheit erinnert.
In der Wissenschaft überwand Albert Einstein durch seine Relativitätstheorie im Jahre 1905 die
Vorstellung eines absoluten Raum- Zeit- Gefüges. Seine Theorie wurde bestätigt. Dieser
Erkenntnisse war auch der bekannte deutsche Atomphysiker Werner Heisenberg (1901- 1976)
eingedenk. Heisenberg bewirkte mit seiner Unschärferelation die Wende in der Wissenschaft. Die
Unbestimmtheitsrelation besagt, dass der Ort und die Geschwindigkeit eines Elementarteilchens
nicht gleichzeitig genau bestimmt werden können. Umso genauer man den Ort eines
Elementarteilchens bestimmen will, umso ungenauer fällt die Bestimmung der Geschwindigkeit
(Impuls) desselben aus und umgekehrt. Dies erschütterte die Kausalität auf dem Boden der
Mikrophysik: Um einen klassischen mechanischen Ablauf zu erfassen sind gerade die Kenntnis des
Ortes und der Bewegung die Grundvoraussetzungen! Stückweise zerfiel so die Vorstellung von der
Welt als einem großen rein mechanischen Apparat. Auf der Suche nach dem Ordnungsgefüge der
Welt schrieb Heisenberg unter anderem:
„dass es die gleichen ordnenden Kräfte sind, die die Natur in allen ihren Formen gebildet haben
und die für die Struktur unserer Seele, also auch unseres Denkvermögens verantwortlich sind.“
Heisenberg bekräftigt seine Überzeugung in einem Vortrag über die “Gedanken der antiken
Naturphilosophie in der modernen Physik“ und kommt zu dem Ergebnis, dass die neuzeitliche
Naturwissenschaft mit ihren erweiterten Methoden „dem Glauben der Pythagoräer in einem nicht
vorhersehbarem Maße recht gegeben haben.“ Er schließt diesen Vortrag mit dem Hinweis auf ein
zweifaches Naturverständnis: einmal durch rationales Begreifen und zum anderen durch intuitives
Erleben. Damit setzt Heisenberg die lange Ahnenreihe derjenigen fort, die in der Musik den
Ausdruck einer tragenden, zentralen Ordnung des Welteinklanges sahen.
Auch der Schweizer Physiker Walter Heitler (geb. 1904) stellte die Bedeutung der Harmonik und
die Erforschung ihrer Gesetze für die gegenwärtige Menschheit dar:
„Die harmonikalen Verhältnisse in der Natur ... stehen als Teil des Gestalthaften, Ganzheitlichen,
in komplementärem Gegensatz zur analytischen Wissenschaft. Man muss sich von dieser frei
machen und sich der Anschauung des Ganzen hingeben. Eine Anschauung, wie sie Goethe hatte, ist
nötig, wenn die Harmonie der Welt uns wieder etwas sagen soll. Ich halte deshalb das Aufdecken
solcher Harmonien für ein wichtiges Werkzeug zur Gesundung einer am Rationalismus und an der
Einseitigkeit einer ins Extrem übertriebenen analytischen Wissenschaft erkrankten Welt.“19
19 Zipp S. 143, 144, 146
14
Den richtigen Ton finden:
die Bedeutung des Kammertones
zwischen Erfinden und Entdecken
^
Wer im Brockhaus20 nachsieht unter dem Begriff „Kammerton“ wird finden: „der gültige Stimmton,
das eingestrichene a (a´), seit 1939 auf 440 Hz festgelegt.“ Für uns ist dabei die Tatsache wichtig,
dass es sich um eine Festlegung handelt, sozusagen eine menschliche Erfindung und mutwillige
Setzung. Wenn mehrere Musiker zusammenspielen ist der Kammerton die absolute Stimmung nach
der alle Musiker ihre Instrumente einstimmen. Kann dieser Ton nicht auf andere Weise gefunden
werden, muss er natürlich festgelegt und definiert werden. Wir wollen nun die Entwicklung dieser
Tonfestlegung etwas genauer nachvollziehen.
Der Engländer John Shore erfand im Jahre 1711 die Stimmgabel, wodurch es möglich wurde einen
ausgemachten Ton „haltbar“ zu machen. Vor der Erfindung der Stimmgabel gab es keine
Möglichkeit einen Normton zu eichen und Musiker mussten sich jedes Mal von neuem auf eine
Tonhöhe einigen, denn das Hörempfinden der Menschen ist durchaus unterschiedlich. Wenn
jemand den Ton a hören und als Grundton erkennen kann sagen wir von ihm, er habe ein absolutes
Gehör. Aber ein Blick auf einige bekannte Musiker zeigt, dass darin keine Einigkeit bestand. So
wurde etwa die Dresdener Symphonieorgel des Johann Sebastian Bach auf ein a´ mit 415,5 Hertz
(Schwingungen in der Sekunde, nach dem Hamburger Physiker Heinrich Hertz) gestimmt. Von
Wolfgang Amadeus Mozart ist uns eine Stimmgabel erhalten geblieben die mit 421,6Hz schwingt.
Georg Friedrich Händels Stimmgabel schwingt dagegen mit 422,5Hz.
Natürlich bestand das Bedürfnis sich über den Grundton zu einigen und so versuchte man einen
allgemein verbindlichen Stimmton, nämlich den besagten Kammerton festzulegen. 1810 bestimmte
die Pariser Oper diesen Standardton mit 423Hz. Die Pariser „Academie des Sciences“ in Frankreich
führte im Jahre 1859 einen Grundton von 435,4Hz ein, wobei bekannte Musiker wie Giacomo
Rossini, Hector Berlioz und Giacomo Meyerbeer mit ihrem feinen Gehör zu dieser Bestimmung
beitrugen. 1885 veranlasste man in Wien eine erste Stimmtonkonferenz, bei welcher man das a´ mit
435Hz angab.
1939 gab es in London eine internationale Normkonferenz bei der man sich bürokratisch auf ein a´
mit 440 Hz einigte. Dieser Ton ist noch heute - wie wir auch aus dem Brockhaus entnehmen
konnten - für viele Menschen der offiziell verbindliche Kammerton. In einigen Orchestern und
Tonstudios wird sogar auf ein a´ bis zu 445Hz gestimmt. In Frankreich wurde 1950 der offizielle
Kammerton auf 432 Hz herabgesetzt.21
Aus diesen Angaben ist leicht zu ersehen, dass es in der Vergangenheit schon einige Mühe bereitete
das Gehör verschiedener Menschen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, denn von 415 bis
440Hz ist es mehr als ein Halbtonschritt, also eine Tondifferenz, die auch von so genannten
unmusikalischen Menschen leicht wahrgenommen wird. Und diese Tatsachen beziehen sich nur auf
die letzten Jahrhunderte unseres abendländischen Kulturkreises.
Diese Ausführungen sollen das Verständnis erleichtern helfen für eine Reihe neuartiger
Berechnungen, die in jüngster Zeit angestellt wurden und die unser größtes Interesse verdienen.
20 Brockhaus - In einem Band -, Leipzig, Mannheim 6. Auflage 1994 S. 485
21 Angaben aus: Fritz Dobretzberger & Johannes Paul: „Farbmusik“, Simon & Leutner Verlag 1993 S. 99
15
Die universelle Wirksamkeit
der Oktave - die Kosmische Oktave
„Wo einer sinnvoll vorrechnet aus dem Nus heraus,
der muss sich stützen auf das Gemeinsame von allen.“
Heraklit (um 540 v.u.Z. geboren)22
„Nus“ war erstmals bei Anaxagoras eine Bezeichnung für den Geist. Der Atem steht in vielen
Kulturen mit dem Geist in Beziehung. So war „Nus“ bei den Griechen auch mit dem Atem
verbunden und der Begriff auch eine Bezeichnung für das leibliche Zwerchfell. Während die
Sinnesorgane die unterschiedlichen Sinneseindrücke empfangen, ist das Wahrnehmen mit dem Nus
dem Atmen und Wittern vergleichbar. Auch in anderen Kulturkreisen ist der Geist mit der Atmung
verbunden, bei den Römern spirit, bei den Hebräern ruach. Wir sehen, dass für die alten Griechen
die gesunde Geistesverfassung eines rechnenden Menschen nicht etwa an dessen Stirnrunzeln oder
dessen Schweißausbrüchen zu erkennen war, sondern an seiner Ausgeglichenheit und der normalen
Tätigkeit des Zwerchfells bei ruhiger Atmung. Wer aber diese ruhige Verfassung hat, der muss sich
stützen auf das Gemeinsame von allen, auf das, was ihn mit allen anderen verbindet. Und nun lasst
uns die Witterung auf die neusten Erkenntnisse richten!
Der geniale Mathematiker und Naturforscher Hans Cousto hatte im Jahre 1978 eine Vision. Er
hörte das Sonnensystem in verschiedenen Tönen der Planeten klingen und die Planetenbahnen sah
er in entsprechenden Farben leuchten. Cousto erkannte, dass das Gesetz der Oktave über den
Bereich der Musik hinaus universelle Geltung hat. Daraufhin berechnete er den harmonikalen
Zusammenhang zwischen den Frequenzen der Planetenumläufe und den Frequenzen der hörbaren
Töne sowie jenen der sichtbaren Farben. Wir wollen jetzt die wesentlichen Ergebnisse der
Coustoschen Forschung nachvollziehen und die unter dem Namen der „KOSMISCHEN OKTAVE“
bekannt gewordenen Berechnungen als mathematische Brücke zwischen Wissenschaft und Kunst,
ja zwischen Kosmos und Mensch plausibel machen.
Das Phänomen der Schwingungen ist uns aus allen Bereichen des Daseins bekannt. Sehr hohe
Schwingungen gibt es jenseits der menschlichen Wahrnehmung z. B. im Röntgen- oder
Ultraviolettbereich des Lichtes. Vermindert sich von diesen hohen Schwingungen ausgehend die
Frequenz (Schwingungen pro Zeiteinheit), so durchlaufen sie bald das so genannte „optische
Fenster“ - das ist der Bereich unserer visuellen Farbwahrnehmung von der oberen Grenze, die etwa
bei 750 Nanometer liegt, einem violett, über blau, grün, gelb, orange und rot zur unteren Grenze
unseres Farbvermögens, die bei etwa 380 Nanometer angesiedelt ist. Unsere optische
Wahrnehmung des Regenbogenspektrums umfasst Lichtwellen vom Umfang ungefähr einer Oktave
und entspricht physiologisch dem resonanzfähigen Bereich unserer Netzhautstrukturen.23
Die klassischen Schwingungen der Luft nehmen wir zum Teil akustisch über den Hörapparat wahr.
Der Bereich der akustischen Wahrnehmung wird auch als „akustisches Fenster“ bezeichnet und
umfasst etwa 10 Oktaven. Vom Ultraschallbereich ausgehend gelangen wir bei etwa 20000 Hertz in
das akustische Fenster hinein und hören bis zum tiefen C mit 16 Hertz alle Schwingungen der Luft.
Wenn wir die Schwingungen noch weiter verlangsamen gelangen wir über den Infraschallbereich
hin zu Rhythmen wie das Schlagen des Herzens, der Atmung und noch weiter an die natürlichen
Rhythmen des Tages (Erddrehung), des Mondes (Mondumlauf), des Jahres (Erdumlauf) u.s.w. bis
hin zu den langsamsten Perioden des Universums.24
22 Vgl. Wolfgang Schadewaldt: „Die Anfänge der Philosophie bei den Griechen“ 1995, S. 379 Fragment 114
23 Vgl. Hans Cousto: „Die Kosmische Oktave“ Synthesis Verlag 1984, S. 57
24 Vgl. Cousto „Die Kosmische Oktave“ S. 34
16
Wenden wir uns der Oktave etwas näher zu. Physikalisch gesehen bedeutet das Bilden einer Oktave
das Verdoppeln oder Halbieren einer beliebigen Frequenz. Musikalisch oktavieren wir den Ton
einer schwingenden Saite, indem wir die Länge der Saite halbieren und damit die Frequenz des
Tones verdoppeln: wir spielen dann denselben Ton eine Oktave höher. Wollen wir eine Oktave
tiefer spielen, verdoppeln wir die Länge der schwingenden Saite und halbieren damit die
Frequenz.25
Durch fortgesetztes mathematisches Oktavieren wird es nun möglich astronomische und
musikalische Periodizität miteinander zu verbinden, Astronomie, Mathematik und Musik, ja selbst
die Farben auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.
So können durch das Oktavgesetz sämtliche Perioden des Sonnensystems in den hörbaren und
sichtbaren Bereich transponiert werden, wobei die Anzahl der Oktaven einem Maßstab
gleichkommt, ähnlich der Abbildung von Landschaften in einem bestimmten Maßstab auf der
Karte. Wenn wir dieses Prinzip einmal auf unseren Heimatplaneten die Erde anwenden wollen, so
muss man feststellen, dass es vordergründig drei Perioden gibt, welche die Bewegung der Erde
beschreiben. Die erste Periode ist die Drehung der Erde um ihre eigene Achse und entspricht einem
Tag oder 24 Stunden. Die zweite Periode wird durch das Kreisen der Erde um die Sonne bestimmt,
entsprechend einem Jahr oder 365,25 Tagen. Die dritte Periode entsteht durch die Kreiselbewegung
der geneigten Erdachse und ist verhältnismäßig langsam, ca. 25920 Jahre dauert ein solches
„platonisches Jahr“. Da diese Rhythmen sehr unterschiedlich in ihrer Dauer sind, werden wir
verschieden oft oktavieren müssen, um die schmalen Bereiche unserer akustischen und optischen
Wahrnehmung zu treffen. Folgendermaßen:
Der Periodendauer des Tages von 24 Stunden entsprechen 24 x 60 x 60 = 86400 Sekunden. Die
erste Oktave liegt dann bei 12 Stunden oder 43200 Sekunden, die zweite Oktave liegt bei
6
Stunden oder 21600 Sekunden, die dritte Oktave bei 3 Stunden oder 10800 Sek., die vierte bei 1,5
Stunden also 5400 Sek., die fünfte ... und so weiter und so fort. Oktavieren wir 24 mal, gelangen
wir in das akustische Fenster unserer Wahrnehmung:
1
--------
x
224
=
194,1807 Hz
86400
Ein Ton mit 194,18 Hertz ist nach unserem Notensystem ein G. Beim weiteren Oktavieren gelangen
wir bei der Oktavzahl 65 in das optische Fenster hinein:
1
--------
x
265
=
427 x 1010 Hz
→
700 Nannometer
86400
Diese Wellenlänge nehmen wir als Farbe in einem bestimmten orange - rot wahr. Wenden wir
dieselbe Vorgehensweise auf das Erdenjahr an, so erhalten wir in der 32. Oktave den Ton Cis mit
136,10 Hz und die 74. Oktave entspricht einem grün. Das platonische Jahr klingt in der 48. Oktave
in F mit 172,06 Hz und in der 89. Oktave erhalten wir ein violett des Spektrums. Die Erde dreht
sich also in G um ihre eigene Achse, sie kreist in Cis um die Sonne und ihre Achse kreiselt in F.
25 vgl. Cousto „Die Oktave“ Simon & Leutner Verlag 4. Auflage Berlin 1992, S.24
17
18
Diese fiktive Abbildung26 zeigt unser Planetensystem als PLANETENSTRAUSS. Sie ist geeignet
um sich eine Vorstellung von Größenverhältnissen und Oktavzahlen zu bilden. Alle Entdeckungen
sind ja große Geschenke an die Menschheit und in Form dieses Straußes möchte ich dies Geschenk
an alle Menschen weiterreichen, insbesondere natürlich an die Brandenburger.
Der untere Punkt der Abbildung ist die Sonne, die geraden Linien geben maßstabsgerecht die
mittleren Abstände der Planeten zur Sonne wieder. Die oktavanalogen Töne und Farben sind
angegeben. Der Mond, Trabant der Erde, erschiene auf der Abbildung sehr klein. Die 29. Oktave
des synodischen Mondumlaufes ergibt mit 210,42Hz den Ton Gis, mit 650nm entspricht die Farbe
seiner Periodik einem orange. Der Sonnenton wird noch besprochen.
Der Mensch hat seit langem verschiedene Instrumente instinktiv auf diese Töne gestimmt. So wurde
die Qin, das edelste Instrument im alten China stets auf den Ton der 48. Oktave des platonischen
Jahres, dem F gestimmt. Für die Inder ist der Anfang aller Dinge „Nada“- der Urton. Sie sprechen
von „Nada Brahma“, was soviel heißt wie „die Welt ist Klang“. Der immerwährende Ton der
indischen und tibetischen Kulturkreise ist das „OM“. Die Silbe „OM“ ist das heiligste Mantra
überhaupt, es ist sozusagen der Kammerton Indiens und symbolisiert die Urschwingung des
Daseins. Ihre Sitar ist, wie auch die Instrumente Tambura und Vina, auf den Ton der 32. Oktave des
Erdenjahres, dem „Cis“ gestimmt, das ist exakt der Kammerton Indiens, das heilige „OM“. In
Indien ist es üblich, dass die Musiker bevor sie gemeinsam musizieren erst einmal sich selbst auf
die Musik einstimmen, indem sie gemeinsam die Silbe „OM“ meditieren. Auf den so gemeinsam
gefundenen Ton stimmen sie hernach ihre Instrumente ein und beginnen erst dann zu musizieren.
Somit ist der Kammerton Indiens der Jahreston, das heilige „OM“ und die Körper der Musiker
bilden das Eichinstrument dieses Tones. Die Musik ist folglich im Einklang mit der Natur. Der
Jahreston, das „OM“ und unser „Cis“ sind also nur kulturspezifisch verschiedene Bezeichnungen
für ein und denselben Ton.
Im Abendland ist eines der traditionsreichsten Instrumente die Geige, sie ist auf die 24. Oktave des
Erdentages, dem Tageston G eingestimmt. Alle Planetenoktavtöne leiten sich von echten
Schwingungen im Sonnensystem ab, allein der Sonnenton bildet eine Ausnahme.
Betrachten wir das Sonnensystem so fällt auf, dass Planeten die weit von der Sonne entfernt sind
langsam um dieselbe kreisen. Je näher ein Planet der Sonne ist, desto höher ist seine
Bahngeschwindigkeit. Merkur, der sonnennächste Planet hat tatsächlich die höchste
Bahngeschwindigkeit inne. Der Grenzwert der Geschwindigkeit im Reiche der Physik ist die
Lichtgeschwindigkeit. Es drängt sich nun die Frage auf, wie weit ein theoretisch gedachter Planet
(als Massepunkt) vom Sonnenmittelpunkt (ebenfalls als abstrakter Massepunkt gedacht) entfernt
wäre, näherte sich seine Bahngeschwindigkeit der konstanten Lichtgeschwindigkeit an? Wo liegt
die Schwelle in der Entfernung des gedachten Planeten, bei welcher dieser die
Lichtgeschwindigkeit überschreiten würde? Cousto´s Berechnung27 gibt das Ergebnis von 1,4766
km vom Sonnenmittelpunkt an. Dieser Planet befände sich also innerhalb des Sonnenleibes und
würde den Sonnenmittelpunkt 32312,52 mal in der Sekunde umkreisen. Dieser Gravitationsradius
und diese Gravitationsfrequenz sind echte physikalische Grenzwerte unseres Sonnensystems! Sie
repräsentieren die Masse unserer Sonne anhand der stabilen Konfiguration eines Schwarzen Loches.
Diese Gravitationsfrequenz ist eine physikalische Grenzfrequenz, deren erste Unteroktave (hier
wird die Schwingung verdoppelt, nicht halbiert!) bereits im hörbaren Bereich liegt mit
32312,52Hz : 2 = 16156,26Hz. Dieser Ton ist ein H in Richtung C tendierend, an der oberen
Grenze unseres akustischen Fensters. Die 8. Unteroktave ist dann ein H mit 126,22 Hz, die
entsprechende Farbe ist ein gelbgrün.
26 Bitte vergleichen sie alle Angaben sorgfältig mit dem epochalen Werk „Die Kosmische Oktave“ S. 126/ 127
27 Vgl. Hans Cousto „Die Kosmische Oktave“ S.103ff
19
Was bedeuten diese Entdeckungen für unser tägliches Leben?
Die durch fortgesetztes Oktavieren ermittelten Entsprechungen von kosmischen Schwingungen zu
den Schwingungen der Musik und weiter zu den Schwingungen der Farben eröffnen allerlei neue
Möglichkeiten. Es wird möglich über die Kammertonanalyse eine Kultur zu charakterisieren. Es
gibt zu diesen Tönen und Farben auch gewisse körperliche Korrespondenzen, so entspricht etwa der
Sonnenton der Schwingungsebene des Solarplexus´. Für die medizinische Anthropologie und
Physiologie eröffnen sich hier interessante Forschungsfelder. In dieser kosmischen Harmonielehre
liegt der Schlüssel zum Verständnis und Endmystifizierung der so genannten „sanften Medizin“.
Die in der Akupunktur relevanten Meridiane führen gewisse Schwingungen, worüber der
bedeutende Physiker Prof. Dr. Fritz Albert Popp epochemachende Arbeiten veröffentlichte. Die
DNS, Träger des menschlichen Erbgutes schwingt oktavgerecht zum Erdentag. Vielleicht ist nicht
zuviel gesagt, wenn man im Hinblick auf die harmonikalen Gegebenheiten in Chemie und Biologie
vom Βeginn eines neuen Zeitalters der Medizin spricht. Der richtungsweisende Naturforscher Hans
Baumer entdeckte die Wetterstrahlung (Atmosferics, kurz Sferics genannt), eine elektromagnetische
Strahlung, die durch Wettervorgänge in der Atmosphäre entsteht und im harmonikalen Verhältnis
zur Erdendrehung steht. Darüber wird die Funktion des Sturmglases (Vgl. oben zu Darwin)
wissenschaftlich erklärbar. Jeder, der schon einmal in einem Chemiepraktikum eine Titration
vorgenommen hat weiß, wie empfindlich chemische Gleichgewichte sein können. Die
Hauptfrequenzen der Sferics liegen bei 10kHz und 28kHz, also verglichen mit Radio- und TVWellen sehr energieschwach. Wissenschaftliche Erforschungen dieser Phänomene bezüglich ihrer
Wirkung auf Leib und Seele des Menschen wurden bislang nicht gefördert. Eine finanzkräftige
Handy- und Radiolobby ist an der Nichtaufklärung existentiell interessiert, aber Studien werden nun
begonnen. Andererseits möchte auch niemand auf die Annehmlichkeiten der modernen
Funktechniken verzichten. Es kann also nur darum gehen, die Funkfrequenzen in das natürliche
Strahlungsgeschehen zu integrieren. Die Frage ist also, welcher Funkanbieter der Erste sein wird,
der darauf eingeht und ein adäquates Angebot unterbreitet. Wetterfühlige Menschen sind jedenfalls
alles andere als unwissenschaftliche Mimosen, sie verfügen vielmehr über ein beachtliches
Sinnesvermögen und sind sensitiver als andere.
Es ist auch weiters interessant, dass das Periodensystem der Elemente nach der so genannten
Oktettregel geordnet ist, was mit unserer Oktave im engen Sinnzusammenhang steht. Der
Naturforscher Wilfried Krüger, Begründer der Atomharmonik beschreibt den harmonikalen Aufbau
der Atome und Moleküle! Ja durch das Gesetz der Oktave wird es möglich die Spektren chemischer
Zusammensetzungen zu vertonen, Wasserstoff zu vertonen, Sauerstoff, Wasser oder Medikamente
zu vertonen und natürlich auch Rauschdrogen, zu deren intelligente Aufklärung wir offenbar noch
nicht imstande sind, in Musik zu verwandeln. Was die Schwingungen angeht gibt es die
Unterscheidung von Lebendem und Totem nicht, alles schwingt und lebt bis in die anorganische
Chemie hinein. Wahrlich, die Welt ist Klang!
Im Lateinischen bedeutet „octava“ „die achte“. Dieses Wissen hat sich bereits im Sprachgebrauch
eingebürgert: Darauf muss man einmal Acht geben! Überhaupt bekommt man nach längerem
Forschen den Eindruck, als würden wir ein altes, ursprüngliches Wissen neu entdecken - aber
diesmal mit streng wissenschaftlicher Methode! Natürlich mussten wir das Sonnensystem lange
Jahrhunderte und Jahrtausende beobachten, um die Gezeiten der Planeten genau kennen zu lernen.
Des Weiteren können die Noten der musikalischen Notenschrift in analogen Farben
niedergeschrieben werden und damit können die verschiedenen Töne auch visuell durch
entsprechende Farben wahrgenommen werden, was das Notenlesen sehr erleichtert.28
Diese Urtöne (Joachim - Ernst Berendt hat entsprechende Monochorde gebaut und die Urtöne
aufgenommen) können Heilungsprozesse begünstigen - sie bringen einen wieder in die richtige
28 Im Buch „Farbmusik“ von F. Dobretzberger und J. Paul sind die Leitlinien dafür bereits schön niedergelegt
20
Stimmung! Es sind auch Stimmgabeln angefertigt worden, die nicht nur für eine sanfte Akupunktur
eingesetzt werden können, sondern mit denen man auch ganz prima Musikinstrumente kosmisch
einstimmen kann. Die Erfahrungen bestätigen da die Theorie auf eine lebendige Art und Weise.
Und was hat Brandenburg damit zu tun?
Nun, die Brandenburger Friedenswarte auf dem altehrwürdigen Marienberg könnte der Ort der
Verwirklichung, Vervollkommnung und Vollendung der Idee der Sphärenharmonie werden. Wie
die Menschen im Mittelalter zum Marienberg pilgerten, um in der byzantinischen Marienkirche
Heil und Segnung zu erlangen, so könnten die Menschen zukünftig die Friedenswarte besuchen um
Wissen zu pflegen und Einklang zu erfahren.
Ich arbeite seit Jahren an den mathematischen Methoden, um eine Vertonung der Sphärenmusik
ganz naturgerecht, d.h. den tatsächlichen Planetenbewegungen gemäß zu ermöglichen. Die Planeten
bewegen sich ja bekanntlich nach Kepler No. 1 nicht auf Kreisbahnen um die Sonne, sondern auf
Ellipsenbahnen. Die Planetenoktavtöne von Cousto müssen also auf die Ellipsenbahnen präzisiert
werden. Sie schwanken dann um die Cousto´schen mittleren Töne. Diese Berechnung hat mir
einiges an Anstrengung abverlangt, doch im Frühjahr 2009 gelang mir der Durchbruch: ich fand die
Gleichung, welche die elliptischen Bahnbewegungen exakt in oktavanaloge Tempi, Töne und
Farben umformt. Das war schon ein besonderes Erlebnis, zumal ich im Auf und Ab der vorherigen
langen Forschung immer wieder Vorläufer dieser Gleichung fand, welche ich natürlich jedesmal als
der Weisheit letzter Schluss ansah! So war die Suche danach ein Wechselbad an vermeintlichen
Erfolgen und wieder Enttäuschungen, sodass es sich insgesamt wie ein längerer Läuterungsweg
gestaltete. Im Mai 2009 sah ich dann - abgebrüht und unwillig mich einem Jubel hinzugeben - auf
eine Gleichung, die so ästhetisch und schön aussah, dass ich dies zunächst mit Abstand zur
Kenntnis nahm. Aber ich konnte die Sache nun drehen und wenden wie ich wollte, die
Beschreibung war richtig, ich hatte nun alles bedacht und mit einbezogen, was zur Erfassung der
Ellipsenbewegungen nötig ist. Die Gleichung hielt meinen abschätzenden, kritischen und
desillusionierten Betrachtungen stand. Und dann stellte sich ein Gefühl der Freude, des Triumphes
und des berechtigten Erfolges ein. Niemand wird dies nachvollziehen können, der sich nicht selbst
auf die abenteuerliche Suche nach einer Erkenntnis gemacht hat, bei der man ja im voraus nicht
weiß, ob man nur seine Lebenszeit verschwendet oder ob tatsächlich etwas zur Mehrung der
allgemeinen Erkenntnis herauskommen wird.
Da meine Bemühungen zum Erfolg führten, rückt nun die große Vision der Menschheit von einem
klingenden Kosmos in den Bereich des zur Darstellung Möglichen. Mit dem modernen
astronomischen Wissen lässt sich die Sphärenmusik für Jahrtausende vertonen, farblich darstellen
und harmonikal untersuchen. Zuallerletzt will ich deswegen einmal eine Abbildung des inneren
Sonnensystems zeigen, welche die Bahndynamik der Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars in
oktavanaloger Farbe zeigt.
Zuvor aber möchte ich noch mein großes Dankeschön sagen an alle die zur Realisierung dieser
Internetseite beitrugen und auch an der Weiterentwicklung der Gedanken ihren Anteil haben. Die
Website wurde ermöglicht durch die freundliche Zusammenarbeit mit Sebastian Brandt, Marco
Jänicke, Tobias Marschall, Andreas Sommer, Susanne Böhm, Eike Hoffmann und Peter Schilling
und und und...
Mein besonderer Dank gilt Tino Krüger, der viel Zeit daran setzte die graphische Umsetzung
meiner Berechnungen vorzunehmen, sodass der Genuss solcher Betrachtungen nun für euch alle
möglich wird. Die folgende Abbildung zeigt einen kleinen Ausschnitt dessen.
21
22
Die Abbildung zeigt die Planetenbahnen des inneren Sonnensystems, im Zentrum die Sonne, von
innen nach außen: Merkur, Venus, Erde und Mars. Die oktavanaloge Farbe repräsentiert die
Bahndynamik – Merkur hat die stärkste Bahnellipse, sodass er die Oktave des Farbspektrums mehr
als einmal abläuft. Dagegen hat die Venus eine sehr geringe Bahnexzentrizität, womit ihre
Bahndynamik eine beinahe farbkonstante Repräsentation erfährt. Die Ellipse der Erdbahn ist stärker
als die der Venus aber nicht so stark wie die des Mars, welcher seinerseits aber wiederum eine
weitaus schwächere Ellipse durchläuft als es der Merkur tut.
Liefe ein Planet genau im Kreis um, hätte er eine einfarbige Kreisbahn. Die abgedunkelten
Hintergrundskreise repräsentieren die fiktiven Farbbahnen solcher kreisrunder Planetenbahnen für
alle Radien. Denn da die Umlaufperioden nach außen hin größer werden, entsteht so ein
konzentrisches Regenbogen - Farbmandala. Vor diesem Farbmandala setzen sich dann die wahren
elliptischen Planetenbahnen in ihrer Bahndynamik entsprechend ab.
So wird die physikalische Dynamik der Planetenbewegungen ganz ins Optische übertragen, indem
man die veränderlichen heliozentrischen Winkelgeschwindigkeiten der Planeten ins Farbspektrum
oktaviert und in die Wellenlängen des Lichtes umrechnet.
Auf diese Weise wird mit dem mathematischen Friedenswarte – Know – How eine Darstellung der
Dynamik des Sonnensystems in oktavanalogen Tempi, Tönen und Farben für Jahrtausende
übergreifende Zeiträume möglich. Schön wäre, wenn diese Programmierung im Rahmen der
Entwicklung der Friedenswarte möglich wäre und so unserem Städtchen Brandenburg zugute
kommen würde. Wollen wir also hoffen, dass sich die Dinge weiterhin so gut entwickeln und so
freundlich gestalten, dass wir mit sanfter Fügung so hohe Ziele erreichen mögen.
Mit einem herzlichen Gruß aus Brandenburg,
Euer Norbert
23
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