Synthese und Katalyse nachhaltig gestalten

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Synthese und Ka
nachhaltig g
Mikrobiologen, Biotechnologen, Chemiker und Ingenieure des UFZ erforschen das
Potenzial von Mikroorganismen, um sie gezielt für Biosynthesen und Biotransformationen einzusetzen. Sie wollen so neue Wege zu Wert- und Wirkstoffen erschließen.
Beispielsweise entwickeln sie Methoden, Hefen genetisch so zu verändern, dass sie
aus nachwachsenden Rohstoffen Bausteine für industrielle chemische Prozesse produzieren. Oder sie studieren die Thermodynamik biologischer Systeme, um das Verhalten
von Biokatalysatoren besser vorhersagen zu können.
Amtierende Sprecherin des Forschungsthemas „Nachhaltige Synthese und Katalyse“:
Dr. Beate Strehlitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Umwelt- und Biotechnologischen Zentrum (UBZ)
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talyse
estalten
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Aus Stroh Gold spinnen
S. 110
Was nicht passt, wird passend gemacht
S. 114
Aus Süß wird Sauer
S. 116
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Aus Stroh
Gold spinnen
Beate Strehlitz und Doris Böhme
Wer kennt es nicht, das Märchen vom Rumpelstilzchen und der schönen
Müllerstochter, der das Versprechen, Stroh zu Gold zu spinnen, beinahe
zum Verhängnis wurde. Gold aus unedlem Metall herzustellen, hatte
Johann Friedrich Böttger dem sächsischen König August dem Starken
versprochen. Das gelang ihm natürlich nicht. Aber immerhin gilt er
heute als Miterfinder des Porzellans, das auch als weißes Gold bezeichnet wird, denn dem Wert nach wurde es mit Silber und Gold gleichgesetzt. Die „Weiße Biotechnologie“ – ein Zweig der Umweltbiotechnologie – hat zwar nicht das Ziel, Gold herzustellen, aber mit ihren
Methoden gelingt es, beispielsweise aus Abfällen bestimmte Feinchemikalien zu gewinnen, deren Preis den von Gold übertrifft. Die
Werkzeuge dafür – so genannte Biokatalysatoren – bietet die Natur. Sie finden und verbessern, verstehen, wie sie funktionieren, Verfahren entwickeln, optimieren und steuern,
um wichtige Produkte umweltfreundlich herzustellen – das haben sich Umweltbiotechnologen des UFZ vorgenommen.
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S
owohl ökonomisch als auch ökologisch sind biotechnologische
Verfahren interessante Alternativen zu chemisch-physikalischen und
mechanischen Prozessen. Chemische
Prozesse sind häufig mit hohen
Drücken, hohen Temperaturen, umweltschädlichen Lösungsmitteln oder
schwermetallhaltigen Katalysatoren
und nicht unerheblichen Mengen an
Abfällen verbunden, die teilweise
toxisch sind. Biotechnologische Verfahren dagegen arbeiten mit hoch
selektiven und effizienten Biokatalysatoren. Das sind polymere Biomoleküle,
ohne die das Leben undenkbar wäre,
denn sie ermöglichen die lebensnotwendigen biochemischen Reaktionen
und physiologischen Prozesse aller
Lebewesen. Da sie selbst unverändert
aus den Reaktionen hervorgehen, können sie immer wieder eingesetzt werden. Besteht ein Biokatalysator aus
einer Kette von Aminosäuren, so gehört
er zur Stoffklasse der Proteine und
wird funktionell als Enzym bezeichnet.
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Mikroorganismen und Enzyme arbeiten
in der Regel unter Normalbedingungen
und in wässrigen Medien und nutzen
natürliche Rohstoffe oder sogar Abfälle
als Substrate für katalytische Prozesse.
Biokatalytische Verfahren brauchen
meistens weniger Prozessschritte als die
entsprechenden chemischen Verfahren.
Aufarbeitungsschritte zur Gewinnung
der reinen Produkte sind in den Prozess
integrierbar. Das sind viele Vorteile, die
Biotechnologen besser verstehen und
nutzen wollen.
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Eine saubere Sache
Noch liegt der Anteil von Chemieprodukten, die durch biotechnische
Verfahren hergestellt werden, bei etwa
fünf Prozent. In der McKinsey-Studie
zum „Beitrag der Biotechnologie zur
chemischen Industrie" sind Experten
zu dem Ergebnis gekommen, dass bis
zum Jahr 2010 mit einer Erhöhung auf
zehn bis zwanzig Prozent gerechnet
werden kann – Tendenz weiter steigend. Die Bedeutung der Weißen
Biotechnologie wächst auch mit dem
rasant steigenden Ölpreis, denn sie
kann helfen, viele chemische Verfahren,
die auf Erdöl basieren, auf andere, beispielsweise nachwachsende Rohstoffe,
umzustellen. Aber auch Industriezweige wie die Lebensmittel-, Textil-,
Kosmetik- und Papierindustrie halten
Ausschau nach neuen, konkurrenzfähigeren und umweltfreundlicheren
Verfahren und Produkten. Allein der
Einsatz von Enzymen in Waschpro-
zessen bei der Textilveredelung oder
in Waschmitteln führt bei gleichem
Ergebnis zur Reduktion des Energieund Wasserverbrauchs um bis zu 50
Prozent.
Die Abwasserreinigung durch Bakterien oder der Einsatz von Rohstoffen
aus erneuerbaren Quellen sind ebenfalls Anwendungsfelder der Biotechnologie. Produkte wie Biodiesel und
Biokunststoff sind bereits bekannt und
haben eine viel versprechende Karriere
vor sich.
Auch die Wissenschaftler des UFZ
haben das Ziel, Produkte und Verfahren zu entwickeln, die die Umwelt
entlasten und wirtschaftlich mit bekannten Lösungen konkurrieren können. Dazu erforschen sie Phänomene
und Details, die bei der Grundlagenforschung beginnen und bis zu
Untersuchungen im technischen Maßstab reichen. Die notwendige technische Infrastruktur mit Bioreaktoren
Im Biotechnikum des UFZ stehen Bioreaktoren unterschiedlicher Größe zur
Verfügung.
unterschiedlicher Größe steht im
Umwelt- und Biotechnologischen
Zentrum (UBZ) des UFZ zur Verfügung.
So entwickeln und optimieren sie beispielsweise Verfahren zur Herstellung
organischer Säuren wie Zitronensäure,
Isozitronensäure oder Ketoglutarsäure,
Produkte für die Lebensmittelindustrie
oder so genannte „building blocks“ –
„Zwischenprodukte“ – für chemische
Synthesen. Weitere für die Wirtschaft
interessante Produkte sind Biopolymere
und Protector Moleküle. Biopolymere
haben ähnliche Eigenschaften wie die
allseits bekannten chemisch hergestellten Polymere PVC oder Polyethylen,
sind aber im Gegensatz zu ihren chemischen Verwandten biologisch abbaubar.
Protector Moleküle sind Zucker, die
auch in der Natur vorkommen und von
Mikroorganismen produziert werden.
Wie ihr Name sagt, haben Protector
Moleküle eine Schutzfunktion. Sie stabi-
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lisieren lebende Materie wie Mikroorganismen. Deshalb versuchen die
Wissenschaftler, diese Schutzmoleküle
zu isolieren und zu verwerten.
Die kleinen und die großen
Helfer
Basis der biotechnologischen Verfahren sind zum einen nachwachsende
Rohstoffe und landwirtschaftliche Reststoffe, die als Substrate – also Energieoder Nahrungsquelle der Mikroorganismen – eingesetzt werden. Zum anderen werden leistungsfähige Biokatalysatoren gebraucht, die die Arbeit
machen und das Substrat zu gewünschten Produkten umsetzen. Diese
Leistung vollbringen z. B. extremophile
Bakterien, die sich ihrer Umwelt entsprechend angepasst haben, oder
„nichtkonventionelle“ Hefen. Da die
Hefen von Haus aus nicht dazu in der
Lage sind, werden sie von den UFZMikrobiologen geno- und phänotypisch
optimiert. Sie pflanzen den Wildtypstämmen bestimmte Gene ein, die sie
dazu befähigen sollen, die angebotenen
Substrate zu verwerten.
Doch der Weg bis zum Produkt ist
lang und oft nicht sehr effektiv. Eine
weitere Aufgabe der Wissenschaftler ist
es also herauszufinden, wo und warum
der Prozess ins Stocken gerät und wie
diese Engpässe aus dem Weg geräumt
werden können. Mit den bisher kommerziell verfügbaren Möglichkeiten
sind allerdings nicht alle Parameter
direkt messbar. Deshalb entwickeln sie
neue Methoden für die Prozesssteuerung
und Optimierung, beispielsweise Biosensoren zur Online-Steuerung. Und da
mikrobiologische Prozesse immer mit
Wärme verbunden sind, messen die
Wissenschaftler mithilfe so genannter
kalorimetrischer Verfahren Temperaturveränderungen, die wiederum etwas
über den Zuwachs der Mikroorganismen oder Umsatzgeschwindigkeiten
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aussagen. Eine weitere Methode der
modernen Biologie, die am UFZ eingesetzt wird, ist die Flow Cytometry. Mit
ihr kann das Verhalten von Zellen charakterisiert werden.
Die Biotechnologie ist ein Paradebeispiel für interdisziplinäre Zusammenarbeit. Neue Erkenntnisse der
Genomforschung und der Systembiologie führen zu einem tieferen
Verständnis der physiologischen und
regulatorischen Vorgänge von Mikroorganismen. Sie ermöglichen somit
einen gezielten Einsatz biologischer
Systeme in biotechnologischen Prozessen. Das setzt aber voraus, dass
Chemiker, Molekularbiologen, Genetiker,
Mikrobiologen, Informatiker und Verfahrenstechniker eng zusammen arbeiten.
Dr. Beate Srehlitz ist Diplom-Ingenieurin und
wissenschaftliche Mitarbeiterin des Umweltund Biotechnologischen Zentrums (UBZ).
Wissenschaftler des UFZ wollen Produkte und Verfahren entwickeln, die
die Umwelt entlasten.
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Regina Stoltenburg, Beate Strehlitz und Doris Böhme
Was nicht passt,
wird passend
W
er in seiner Familie einen
Diabetiker hat oder selbst einer
ist, weiß sehr wahrscheinlich, was
ein Blutzucker-Messgerät ist. Die
Teststreifen, mit welchen die Zuckerkonzentration im Blut des Diabetikers
gemessen wird, heißen im wissenschaftlichen Jargon Biosensoren. Sie basieren
auf biologischen Rezeptoren. Das heißt,
eine biologische Komponente – zum
Beispiel ein Enzym oder Mikroorganismen – tritt in Wechselwirkung mit dem
zu messenden Analyten. Dabei kommt es
zu physikochemischen Veränderungen im
Biosensor, die mittels eines Signalumwandlers – Transduktors – in ein
messbares Signal übersetzt werden.
Anschließend wird der Ausgangszustand
des Messsystems wieder hergestellt.
Biosensoren finden insbesondere dort
Anwendung, wo man gesuchte Parameter
mit herkömmlicher chemischer Analytik
entweder nicht direkt oder nur mit großem Aufwand messen kann. Sie sind hoch
selektiv, sensitiv und mehrfach verwendbar, kommen im Gegensatz zu den meisten chemischen Analysemethoden ohne
aufwändige Probenvorbereitung aus und
erzeugen keine toxischen Abfälle. Da sie
einfach zu handhaben sind, halten die
Biosensoren in vielen Bereichen Einzug:
Neben der klinischen Chemie oder
Medizin in der Lebensmittel- und Umweltanalytik sowie der Prozesssteuerung in
Pharmazie und Biotechnologie.
Die Nadel im Heuhaufen
Für viele Parameter, die man gern
schnell, einfach und möglichst vor Ort
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gemacht
Multianalyt-Handmessgerät – Der Teststreifen ist nichts anderes als ein Biosensor, entwickelt von der Leipziger
Firma Senslab.
Saftproduzenten müssen bei der Qualitätskontrolle das
Problem der Milchsäurebildung beachten. Spezielle Biosensoren können den Produktions- und Lagerungsprozess effizienter und sicherer gestalten.
messen möchte, gibt es jedoch bisher
keine für die Anwendung in Biosensoren
geeigneten biologischen Rezeptoren.
Deshalb entwickeln UFZ-Wissenschaftler so genannte DNS-Aptamere, die prinzipiell passend für jedes Molekül gefunden werden können. Das funktioniert
etwa wie die Suche nach der Nadel im
Heuhaufen. Aus einer künstlich hergestellten Bibliothek von zirka 1015 verschiedenen Oligonukleotiden mit einer Länge
von 50 bis 150 Basen werden die an
das Zielmolekül passenden Strukturen
„herausgesucht“. 1015 verschiedene
Oligonukleotide sind eine unvorstellbar
große Menge von 10 Millionen mal 100
Millionen. Das bedeutet, dass auch die
Vielfalt der zur Verfügung stehenden
Strukturen riesig ist und sich ganz sicher
darunter einige Oligonukleotide befinden, die gut an das Zielmolekül passen.
Doch wie findet man die geeigneten
Aptamere? Mit dem SELEX-Verfahren
(Systematic evolution of ligands by exponential enrichment), bei dem schrittweise
die am besten passenden Moleküle, die
eine bestimmte Affinität für das
Zielmolekül haben – sich quasi zum
Zielmolekül hingezogen fühlen – herausgesucht werden. Das Verfahren ist vom
UFZ so modifiziert worden, dass es nun
möglich ist, Aptamere je nach Notwendigkeit oder Wünschen von Anwendern
zu entwickeln. Die UFZ-Wissenschaftler
haben mit ihrem FluMag-SELEX beispielsweise Aptamere für Streptavidin
und Ethanolamin entwickelt. Streptavidin
ist für Testsysteme in der Immunologie
und Molekulardiagnostik wichtig, da es
eine starke Affinität zu Biotin hat.
Deshalb wird es für Kopplungsvorgänge
verwendet, um Moleküle auf Oberflächen
zu fixieren. Biotin spielt eine wichtige
Rolle beim Fett- und Zuckerstoffwechsel
und ist auch als Vitamin H oder B7
bekannt. Ethanolamin ist eine Substanz,
die sich im Körper – in der Milz oder
Leber – anreichert und normalerweise
abgebaut wird. Menschen, denen das
dazu notwendige Enzym fehlt, leiden
unter der seltenen Erbkrankheit Ethanolaminose, die als eine mögliche
Ursache für den Kindstod diskutiert
wird. Die UFZ-Forscher sind außerdem auf der Suche nach Aptameren für
den Nachweis von Schimmelpilzen
sowie neurodegenerativen Erkrankungen. Dabei arbeiten sie mit Partnern
aus der Universität Leipzig und der
Industrie zusammen.
Dr. Beate Srehlitz ist Diplom-Ingenieurin und
wissenschaftliche Mitarbeiterin des Umweltund Biotechnologischen Zentrums (UBZ).
Die Mikrobiologin Dr. Regina Stoltenburg ist
wissenschaftliche Mitarbeiterin im UBZ.
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Süß
wird
Sauer
Z
Lucie Moeller, Andreas Zehnsdorf, Andreas Aurich und Doris Böhme
Aus
itronensäure begegnet uns nahezu
täglich. Sie ist als Stoffwechselprodukt in allen Organismen zu finden. Sie kommt in Äpfeln, Birnen,
Himbeeren, in Nadelhölzern, Pilzen, im
Wein und sogar in der Milch vor. Im
Alltag begegnet sie uns als Bestandteil
von Lutschbonbons, Getränken, Waschmitteln und Kalklösern oder als
Zusatz in so genannten WeißmacherZahnpasten. In der pharmazeutischen
Industrie wird sie als Mittel gegen
Blutgerinnung bei Blutkonserven eingesetzt. Weltweit werden gegenwärtig etwa
eine Million Tonnen Zitronensäure pro
Jahr produziert; für die nächsten Jahre
wird eine Zunahme des Marktvolumens
von 3,5 bis 4 Prozent prognostiziert.
Die Zitronensäure wurde erstmals
1784 von Carl Wilhelm Scheele aus dem
Saft der Zitrusfrucht – daher ihr Name –
isoliert. Zitronensaft enthält fünf bis
sieben Prozent Zitronensäure. Bis zirka
1920 wurde sie ausschließlich aus
Zitronen hergestellt, obwohl bereits
Anfang des 19. Jahrhunderts bekannt
war, dass bestimmte Schimmelpilze
Zitronensäure produzieren können. Das
erste Patent, Zitronensäure aus zuckerhaltigen Abfällen wie Melasse durch den
Schimmelpilz Aspergillus niger herzustellen, wurde 1913 in den USA beantragt.
Dieses effiziente biotechnologische
Verfahren wird bis zum heutigen Tage
genutzt. Der Nachteil: In dem aus vielen
Schritten bestehenden Verfahren entstehen neben mit Schwermetallen belastetem Abwasser auch große Mengen an
Die Zitronensäure wurde erstmals
1784 von Carl Wilhelm Scheele aus
dem Saft der Zitrusfrucht – daher
ihr Name – isoliert.
stark verschmutztem Gips, die nicht
weiterverwertet werden und entsorgt
werden müssen. Deshalb wird Zitronensäure in Deutschland derzeit nicht produziert und muss importiert werden.
Etwas freundlicher bitte!
Umweltfreundlicher ist ein Verfahren
mit der Hefe Yarrowia lipolytica, da
durch den Einsatz sauberer Rohstoffe
und geschlossene Prozesskreisläufe
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Mikroskopische Aufnahme: Andreas Aurich, UFZ
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weniger Abwasser und kein Gips entstehen. Bereits in den 70er und 80er
Jahren forschten Leipziger Wissenschaftler an der Zitronensäureproduktion mit Y. lipolytica aus n-Alkanen.
Heute werden als Substrat für diesen
Prozess nachwachsende Rohstoffe wie
Pflanzenöle oder Traubenzucker eingesetzt. In Zusammenarbeit mit dem
Institut für Mikrobiologie der Technischen Universität Dresden konzentrieren sich die UFZ-Wissenschaftler
vor allem auf Stämme der Hefe Y. lipolytica mit den besten Eigenschaften,
Zitronensäure zu bilden. Diese wurden
gentechnisch so modifiziert, dass sie
auch Saccharose – Kristallzucker –
verwerten können. Nicht modifizierte
Wildtyp-Stämme können das nicht, da
ihnen das notwendige Enzym fehlt. Die
UFZ-Wissenschaftler haben das Ziel,
die Verfahrensführung zu optimieren,
um die Qualität der Zitronensäure
sowie die Effizienz des Prozesses zu
erhöhen und um das Verfahren industriell anwendbar zu machen. Doch
wie können Produktbildungs- und
Substratabbauvorgänge zeitnah, schnell
und kostengünstig überwacht werden?
Zum Beispiel mit Biosensoren als
quasi-online Messsysteme. Mithilfe
eines biologischen Systems, bestehend
aus Enzymen oder Zellen (siehe auch
Beitrag Seite 114), können die
Substrate, Zwischenprodukte und das
Produkt identifiziert und quantifiziert
werden.
An der Prozessoptimierung des
Yarrowia-Verfahrens arbeitet ein interdisziplinäres Wissenschaftlerteam. Für
die Modifizierung der Hefen sind Mikrobiologen zuständig, Biotechnologen und
Ingenieure überwachen die Kultivierung
und Prozessführung in den Bioreaktoren
des Umwelt- und Biotechnologischen
Zentrums (UBZ), Chemiker und Biologen stellen die notwenigen Messsysteme
auf der Basis von Biosensoren zur
Verfügung. Mikrobiologen und Chemiker wiederum untersuchen und analysieren Nebenprodukte, die bei unterschiedlichen Versuchsbedingungen entstehen können.
In der Industrie ist ein Wechsel des
Herstellungsverfahrens immer dann am
einfachsten, wenn der Bedarf am
Produkt die Kapazität vorhandener
Anlagen übersteigt oder die bestehenden
WISSENSWERTES
Traubenzucker ist der gebräuchliche Name für Glucose. Der einfache Zucker (Monosaccharid) hat
die Summenformel C6H12O6.
Saccharose ist die Bezeichnung
für den Kristall- oder Haushaltzucker. Der Zweifachzucker (Disaccharid) besteht aus je einem
Molekül Glukose und Fruktose
(Fruchtzucker) und hat die Summenformel C12H22O11.
Mikroskopische Aufnahme: Uta Breuer, UFZ
Der Zitrat bildende Wildtyp-Stamm
der Hefe Yarrowia lipolytica bei
Wachstum auf Glukose.
Die konventionelle Hefe
Saccharomyces cerevisiae
unter dem Lichtmikroskop
1600-fach vergrößert.
Anlagen erneuert werden müssen.
Perspektivisch ist es denkbar, dass das
etablierte, aber die Umwelt belastende
Aspergillus-Verfahren schrittweise durch
das umweltfreundliche Yarrowia-Verfahren ersetzt wird – und eine Rückkehr der Zitronensäureherstellung nach
Deutschland ermöglicht.
Lucie Moeller ist Diplom-Ingenieurin und
Doktorandin am UBZ.
Die Biotechnologen Dr. Andreas Zehnsdorf und
Dr. Andreas Aurich sind wissenschaftliche
Mitarbeiter des UBZ.
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