Complement â a phylogenetically old system as

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© Schattauer 2012
Übersichtsarbeit
Das Komplementsystem
Ein phylogenetisch altes System als neuer Mitspieler bei
der Entstehung der Atherosklerose
V. Frauenknecht; V. Schroeder
Universitätsklinik für Hämatologie, Hämostase Forschungslabor, Universitätsspital und Universität Bern, Schweiz
Keywords
Complement, inflammation, atherosclerosis,
cardiovascular disease, cerebrovascular
disease
Summary
Atherosclerotic diseases such as coronary artery disease and ischaemic stroke are caused by
chronic inflammation in arterial vessel walls.
The complement system is part of the innate immune system. It is involved in many processes
contributing to onset and development of
atherosclerotic plaques up to the final stage of
acute thrombotic events. This is due to its prominent role in inflammatory processes. In addition, there is increasing evidence that interactions between complement and coagulation
provide a link between inflammation and
thrombosis. On the other hand, the complement
system also has an atheroprotective function
through the clearance of apoptotic material.
Korrespondenzadresse:
Dr. phil. nat. Verena Schroeder
Universitätsklinik für Hämatologie
Hämostase Forschungslabor
Inselspital, 3010 Bern, Schweiz
Tel. +41/(0)31/632 21 06, Fax +41/(0)31/632 18 82
E-Mail: [email protected]
Atherosklerotische Erkrankungen traten
bereits im alten Ägypten auf. Der älteste
Fund von Koronarsklerose beim Menschen
geht auf eine Prinzessin im 16. Jahrhundert
vor Christus zurück (1). Es handelt sich also nicht um eine neuzeitliche Erkrankung,
daher sind pathophysiologische Zusammenhänge mit phylogenetisch alten Systemen wie dem Komplementsystem denkbar.
Dieser Teil des angeborenen Immunsystems hatte in der Evolution bereits vor der
Entwicklung des erworbenen Immunsystems bestanden, da er auch in wirbellosen
Tieren wie Ascidien (Seescheiden) nachgewiesen werden konnte (2).
The knowledge of these complex mechanisms
will become increasingly important, also for
clinicians, since it may lead to novel therapeutic
and diagnostic options. Therapies targeting the
complement system have the potential to reduce tissue damage caused by acute ischaemic
events. Whether early anti-inflammatory and
anti-complement therapy may be able to prevent atherosclerosis, remains a hot topic for research.
Schlüsselwörter
Komplementsystem, Entzündung, Atherosklerose, kardiovaskuläre Erkrankungen,
zerebrovaskuläre Erkrankungen
Zusammenfassung
Atherosklerotisch bedingte Erkrankungen wie
koronare Herzkrankheit und ischämischer
Schlaganfall sind pathogenetisch auf eine chro-
Complement – a phylogenetically old system as a
new player in the development of atherosclerosis
Hämostaseologie 2012; 32: 276–285
doi:10.5482/ha-1191
eingegangen: 9. Januar 2012
angenommen in revidierter Form: 28. Februar 2012
prepublished online: March 6, 2012
In den vergangenen Jahren wurden
zahlreiche Zusammenhänge zwischen
Atherosklerose und Komplementsystem
aufgedeckt, die in diesem Übersichtsartikel
zusammengefasst werden sollen.
Entzündung und
Atherosklerose
Die Atherosklerose ist ein über Jahrzehnte
ablaufender Prozess, der in Gefäßen arterieller Stromgebiete zu Ablagerungen, Stenosierungen und in der Folge zu Durchblutungsstörungen führen kann (3). Diese
nische Entzündung in arteriellen Gefäßwänden zurückzuführen. Das Komplementsystem
als Teil der angeborenen Immunabwehr ist sowohl für die Entstehung, als auch für die fortschreitende Entwicklung der entzündlichen
Plaques bis hin zum Endstadium der Atherothrombose von Bedeutung. Dies ist einerseits
begründet in seiner prominenten Rolle bei Entzündungsprozessen; doch es gibt auch immer
mehr Evidenz dafür, dass Interaktionen zwischen Komplementsystem und Blutgerinnung
eine Verbindung zwischen Entzündung und
Thrombose darstellen. Die Rolle des Komplements ist aber keinesfalls nur proatherogen.
Aufgrund seiner Beteiligung bei der Beseitigung von apoptotischem Material wird dem
Komplementsystem auch eine atheroprotektive Funktion zugeschrieben.
Die Kenntnis dieser komplexen Zusammenhänge wird auch für Kliniker an Bedeutung
zunehmen, da sich in Zukunft neue therapeutische und diagnostische Möglichkeiten eröffnen können. Gegen das Komplementsystem
gerichtete Therapien haben das Potenzial, die
Schäden akuter ischämischer Ereignisse zu
vermindern. Ob eine frühzeitige antiinflammatorische und Anti-Komplement-Therapie
bereits die Entstehung der Atherosklerose
aufhalten kann, bleibt weiter zu erforschen.
Veränderungen sind die Grundlage für die
Entwicklung der
● koronaren Herzkrankheit (KHK),
● zerebrovaskulären
Durchblutungsstörungen,
● peripheren arteriellen Verschlusskrankheit.
Arterielle Hypertonie, Rauchen, Diabetes
mellitus, Hyper- und Dyslipoproteinämien
sowie eine familiäre Prädisposition sind
bekannte Risikofaktoren. Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre haben
unsere Vorstellungen bezüglich der Entstehungsmechanismen dieser Erkrankungen
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grundlegend verändert. Sie zeigen, dass
Atherosklerose weit mehr ist als nur eine
„Lipidablagerungskrankheit“ in Arterienwänden.
Nach dem heutigen Wissensstand handelt
es sich um eine chronische Entzündung in
Gefäßwänden, die sich durch alle Krankheitsstadien zieht: von der Initialläsion des
„fatty streak“ bis zur komplizierten Plaque
mit Ruptur und konsekutiver Atherothrombose (4).
Die Entwicklung solcher Gefäßveränderungen kann im Kindesalter beginnen. Entstehungsorte sind vor allem Gefäßverzweigungen, also Stellen mit veränderten Blutflusseigenschaften. Dort nimmt der Scherstress zugunsten von Turbulenzen ab. Bereits die veränderten Flusseigenschaften können einen
ersten Beitrag zum entzündlichen Geschehen leisten. Endothelzellen besitzen Gene
mit Scherstress-sensiblen Promotoren. So
werden bei abnehmenden Scherkräften vermehrt Adhäsionsmoleküle, Wachstumsfaktoren und prokoagulatorische Faktoren exprimiert (4). Die Aufregulierung solcher
Moleküle stellt den ersten Schritt der für die
Atherosklerose charakteristischen Zellmigration in die Gefäßwand dar.
Endotheliale Dysfunktion
Am Anfang der atherosklerotischen Veränderungen steht die Endotheldysfunktion. Man geht von der Hypothese „response to injury“ aus, d. h. das Endothel übernimmt als Antwort auf eine Schädigung
andere Funktionen. Diese veränderten Endotheleigenschaften sind der Anfang des
entzündlichen Geschehens und ermöglichen durch komplexe Interaktionen das
Einwandern und die Proliferation von Zellen, eine Veränderung der extrazellulären
Matrix sowie Lipideinlagerungen. Als Antwort auf Risikofaktoren wie erhöhtes und
modifiziertes LDL (low density lipoprotein), Radikalbildung durch Zigarettenrauchen, Hypertonie, Diabetes mellitus, erhöhte Homocysteinspiegel im Plasma sowie infektiöse Mikroorganismen wie Chlamydia pneumoniae oder Zytomegalievirus
(5) verändert das Endothel seine Adhäsions- und Permeabilitätseigenschaften so-
wie die Produktion von Zytokinen, vasoaktiven Substanzen und Wachstumsfaktoren (3). Als Folge vermehrter Permeabilität treten Lipoproteine und andere Plasmabestandteile in die Gefäßwand ein. Die erhöhte Synthese von Endothelin 1 und Angiotensin II bei gleichzeitig verminderter
NO-Produktion führt zur Vasokonstriktion. Durch proinflammatorische Zytokine
wie Interleukin-1β (IL-1β) und Tumornekrosefaktor-α (TNFα) kommt es zur
vermehrten Expression endothelialer Zelladhäsionsmoleküle
wie
E-Selectin,
VCAM-1 (vascular cell adhaesion molecule
1) und ICAM-1 (intercellular adhesion
molecule 1), welche die Bindung von Monozyten und T-Zellen am Ort des Geschehens begünstigen (6). Chemokine wie
MCP-1 (monocyte chemotactic protein 1)
und Osteopontin aus Endothelzellen, Monozyten und glatten Muskelzellen sowie
modifiziertes LDL und „platelet-endothelial cell adhesion“-Moleküle begünstigen die
weitere Migration von Monozyten und
T-Lymphozyten in die Intima (4).
Frühe atherosklerotische und
Intermediärläsionen
In der Intima werden die angelockten Monozyten zu ortsständigen Makrophagen
und exprimieren Scavenger-Rezeptoren
(6). Das in der Gefäßwand eingelagerte
LDL kann vor Ort modifiziert, also oxidiert
oder glykosyliert (bei Diabetes mellitus)
werden (4). Die modifizierte Form ist
schädlich für Endothel- und glatte Muskelzellen, sodass die Makrophagen das LDL
über Scavenger-Rezeptoren aufnehmen,
um Zellschäden zu reduzieren (4).
Die Phagozytose von LDL durch Makrophagen ist initial ein protektiver Mechanismus, der aber auch zu deren Umwandlung
in so genannte Schaumzellen führt.
Sie sind der Hauptbestandteil der frühen
atherosklerotischen Läsion, genannt „fatty
streak“ (6). Schaumzellen sezernieren eine
Reihe weiterer Entzündungsfaktoren wie
IL-1β, IL-6 und TNFα sowie MCP-1, welche wiederum die Adhäsionseigenschaften
des Endothels sowie die Leukozytenakkumulation in der Intima verstärken (6). Ak-
tivierte Makrophagen können über das
Histokompatibilitätsantigen II Antigene an
T-Lymphozyten präsentieren und diese somit aktivieren (4). Die aktivierten T-Zellen
produzieren Interferon-γ (IFNγ) und
TNFα und -β, welche wiederum Makrophagen, Endothelzellen und glatte Muskelzellen aktivieren und so die Entzündungsantwort amplifizieren (4). Auch Mastzellen
sind am Entzündungsprozess beteiligt. Es
wird vermutet, dass sie zur Schaumzellbildung beitragen (6). Thrombozyten sind
ebenfalls am Prozess der Atherogenese beteiligt. Sie binden vermehrt an dysfunktionales Endothel und an Makrophagen. Ihre
Aktivierung geht mit der Freisetzung von
Zytokinen und Wachstumsfaktoren einher,
sodass Migration und Proliferation von
glatten Muskelzellen und Monozyten
ebenfalls verstärkt werden (4). Aufgrund
anhaltend proinflammatorischer Stimuli
kommt es zur Migration und Proliferation
glatter Muskelzellen und in der Folge zur
Intimahyperplasie. Aktivierte Leukozyten
bilden Peptidwachstumsfaktoren, welche
sowohl die Vermehrung glatter Muskelzellen, als auch den Aufbau von extrazellulärer
Matrix bewirken (7).
Anders als in der Media gesunder Arterien,
bilden die glatten Muskelzellen in atherosklerotischen Läsionen nicht fibrilläres
Kollagen Typ I und III, sondern lose
Kollagenfibrillen und Proteoglykane (4).
Durch diese Prozesse entsteht eine fibrösfettige Intermediärläsion (3).
Komplizierte Plaque
Zellproliferation und Matrixproduktion
schreiten im entzündlichen Milieu fort, die
Läsion wird größer und kann zunehmend
das Gefäßlumen stenosieren. Klinisch kann
sich dies als stabile Angina pectoris manifestieren (6). Extrazelluläre Matrix lagert
sich als protektive fibröse Kappe über dem
Kern aus Lipiden, Makrophagen, Leukozyten und Zelldebris ab. Sie schirmt diese
Komponenten somit vom direkten Kontakt
mit dem Blut ab. Durch Aufregulierung
von CD40-Liganden und gleichzeitiger Expression von CD40-Rezeptoren auf T-Zellen, Makrophagen, Endothelzellen und
glatten Muskelzellen wird vermehrt Tissue-
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Faktor in Makrophagen gebildet. Zudem
bewirkt die CD40L/CD40-Interaktion
auch eine vermehrte Synthese von IL-6, das
aus einem lokalen Prozess eine systemische
Entzündung macht. Durch IL-6 werden
Akute-Phase-Proteine wie C-reaktives Protein (CRP), aber auch Komplementfaktoren und Gerinnungsfaktoren wie Fibrinogen hochreguliert (6).
Instabile Plaque und Ruptur
Stabile Plaques zeichnen sich durch
● eine dicke fibröse Kappe,
● wenig Entzündungszellen und
● tiefen Lipidgehalt aus.
Instabile Plaques
● sind lipidreich,
● haben eine dünne Schutzkappe,
● enthalten wenig glatte Muskelzellen (6).
Bei fortschreitender Entzündung werden
von aktivierten Makrophagen vermehrt proteolytische Enzyme und Kollagenasen, meist
Matrix-Metalloproteinasen, freigesetzt. Dadurch wird die fibröse Schutzkappe zunehmend ausgedünnt und anfälliger für eine
Ruptur. Eine Schlüsselrolle kommt hierbei
dem IFNγ aus T-Lymphozyten zu. Seine Wir-
kung verhindert einerseits die Neuproduktion des abgebauten Kollagens durch glatte
Muskelzellen (7), andererseits induziert es
eine Überexpression von MakrophagenMatrix-Metalloproteinasen (6). Instabile
Plaques enthalten weniger glatte Muskelzellen, da diese mit der Zeit apoptotisch werden.
Ursache dafür ist der Abbau von Fibronektin,
ein für das Überleben glatter Muskelzellen
notwendiges Adhäsionsmolekül. Es ermöglicht die Bindung der glatten Muskelzellen an
die extrazelluläre Matrix und wird in atherosklerotischen Läsionen durch Chymase,
ein Enzym aus Mastzellen, abgebaut (6).
Insgesamt nimmt im fortgeschrittenen
Entzündungsprozess der Kollagengehalt
und somit die Stabilität der Plaque durch
vermehrten Kollagenabbau und weniger
Neubildung ab (8). Gleichzeitig produzieren Makrophagen, Endothelzellen und
glatte Muskelzellen Tissue-Faktor (Gewebsthrombokinase, Thromboplastin), so
dass der Kern der Plaque prothrombotische Eigenschaften erhält (6).
Von der Atheromatose zur
Atherothrombose
Durch den fortschreitenden Entzündungsprozess wird das Gleichgewicht eines sonst
Abb. 1
Komplementsystem:
Die drei
Aktivierungswege
kommen zusammen
auf der Stufe der
C3-Aktivierung. Die
gemeinsame Endstrecke mündet in
der Bildung des
MembranattackKomplexes. Die
wichtigsten Regulatoren (kursiv) sind
C1-Inhibitor (C1-Inh),
die Faktoren H und I
(FH, FI), C4b-bindendes Protein (C4bBP),
Decay-accelerating
factor (DAF), Komplementrezeptor 1
(CR1), Carboxypeptidase N (CPN) sowie
Protectin/CD59.
streng regulierten Systems aus Gerinnungsaktivatoren, -inhibitoren sowie fibrinolytisch wirksamen Faktoren gestört. Es
stellt sich sowohl lokal wie auch systemisch
ein prothrombotischer Zustand ein. Beispielsweise bewirken CD40L/CD40-Interaktionen (6) und proinflammatorische Zytokine wie IL-6 eine vermehrte Expression
von Tissue-Faktor in Endothelzellen und
Makrophagen (9). IL-6 induziert auch die
Produktion von Fibrinogen und Plasminogen-Aktivator-Inhibitor-1 (PAI-1) in Hepatozyten (10). Gleichzeitig werden die antikoagulatorischen Systeme gehemmt. So
bewirken z. B. TNFα und ILβ eine verminderte Thrombomodulinexpression auf Endothelzellen, was zur Hemmung der Protein-C-Aktivierung führt (9). Die gleichen
Zytokine bewirken auch eine Hemmung
der Fibrinolyse, indem im Endothel vermehrt PAI-1 und weniger Tissue-Plasminogen-Aktivator (t-PA) gebildet werden
(9). Andererseits wird auch vermutet, dass
der prokoagulatorische Zustand wiederum
die Entzündung verstärkt und diese beiden
Systeme sich somit ständig beeinflussen
(9). Kommt es zur Ruptur oder Erosion der
Plaque, wird durch den Kontakt von Blut
mit Tissue-Faktor und freiliegendem Kollagen die Gerinnungskaskade und Thrombozytenadhäsion eingeleitet. Folge davon
ist die Entstehung einer Atherothrombose.
Das Komplementsystem
In den vergangenen Jahren wuchs das Interesse am Komplementsystem als Mediator
entzündlicher Prozesse im Zusammenhang
mit Atherosklerose und kardiovaskulären
Erkrankungen. Das Komplementsystem ist
Teil der angeborenen Immunität. Es besteht aus einer Vielzahl von Plasmaproteinen und zellgebundenen Proteinen. Der
Begriff „Komplement“ wurde um 1890 von
Paul Ehrlich eingeführt und impliziert eine
Ergänzung zur antikörpervermittelten, erworbenen Immunabwehr. Komplementmangel führt denn auch zu erhöhter Anfälligkeit für Infektionen (11). Neben der Eliminierung von Mikroorganismen spielt
das Komplementsystem auch eine Rolle bei
der Beseitigung von Immunkomplexen
und apoptotischen Zellen. Außerdem wurde eine Beteiligung bei Synapsenreifungs-
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prozessen, der Angiogenese und im Lipidmetabolismus beschrieben (12).
Aktivierung
Analog zum Gerinnungssystem zirkulieren
die Plasmaproteine des Komplementsystems im Blut in inaktiver Form als so genannte Zymogene. Man unterscheidet drei
Aktivierungswege, die in eine gemeinsame
Endstrecke münden (씰Abb. 1), den
● klassischen Weg,
● Lektinweg und
● alternativen Weg.
Die Komplementfaktoren werden sequenziell durch Komplexbildung und proteolytische Spaltung aktiviert und fungieren
ihrerseits teilweise wieder als Proteasen für
die Aktivierung nachfolgender Faktoren.
Diese kaskadenartige Aktivierung erlaubt
eine Amplifikation, d. h., eine kleine Anzahl
von aktivierten Komplementproteinen in
der frühen Kaskade kann die Aktivierung
vieler Effektormoleküle und somit eine
starke und schnelle Antwort bewirken (13).
Ein rasches Einsetzen der angeborenen Immunantwort ist wichtig, da antikörpervermittelte Abwehrmechanismen der erworbenen Immunität erst mit einer gewissen
Latenz auftreten.
Die Aktivierung des klassischen Weges
erfolgt antikörpervermittelt über Immunkomplexe. Am Anfang steht der Komplementfaktor C1, bestehend aus einer C1q-,
zwei C1r- und zwei C1s-Untereinheiten.
C1q ist ein so genanntes „pattern recognition molecule“ und bindet an Immunglobuline (IgG und IgM) auf Mikroorganismen
oder apoptotischen Zellen (13). Durch die
Bindung von C1q werden die Proteasen
C1r und C1s aktiviert. C1s spaltet C4 in
C4a und C4b. C4b wird an der Oberfläche
der Zielstruktur angelagert und bindet C2,
welches ebenfalls durch C1s gespalten wird.
Dadurch entsteht die C3-Konvertase
C4b2b, die das Schlüsselmolekül C3 in C3a
und C3b spaltet. C3b-Moleküle binden kovalent an die Oberfläche von Mikroorganismen im Sinne einer Opsonisierung. Der
klassische Weg kann auch direkt durch
CRP aktiviert werden (12).
Der Lektinweg wird eingeleitet, wenn
Mannose-bindendes Lektin (MBL) oder
Ficoline an Zucker- bzw. Acetylgruppen an
der Oberfläche von Mikroorganismen binden. Durch diese Bindung werden die mit
ihnen assoziierten Serinproteasen, die so
genannten MASPs (MBL-assoziierte Serinproteasen) aktiviert. Es sind drei Enzyme,
MASP-1, MASP-2 und MASP-3 bekannt,
die sich in ihren Funktionen deutlich unterscheiden. MASP-2 aktiviert C4 und C2,
sodass wie beim klassischen Weg die
C3-Konvertase C4b2b generiert wird (14).
Der alternative Weg beinhaltet die spontane und konstante Hydrolysierung eines
geringen Anteils des zirkulierenden C3,
wodurch dieses neue Bindungseigenschaften erlangt (12). Es kann dann von Faktor B
(FB) gebunden werden, welcher wiederum
durch Faktor D (FD) gespalten wird. So
entsteht die C3-Konvertase C3bBb, die weiteres C3 spaltet und die Antwort amplifiziert. Das Spaltprodukt C3b bindet kovalent an Amino- und Karbohydratgruppen
auf Zielzellen. Körpereigene Zellen verhindern diese Bindung durch membranständige Regulatoren wie DAF (decay accelerating factor) und CD59. Der alternative Weg
kann auch ähnlich wie der Lektin- und der
klassische Weg über ein “pattern recogniti-
on molecule“, das Properdin, eingeleitet
werden. Properdin erkennt PAMPs und
DAMPs (pathogen- bzw. damage-associated molecular patterns) auf fremden oder
apoptotischen Zellen. Gebunden an Zielobjekte lockt es C3b an, führt zur C3-Konvertasebildung und stabilisiert die entstandenen Konvertasekomplexe C3bBbP (12).
Lagert sich ein C3b an die C3-Konvertase des alternativen oder der anderen beiden Wege, so entsteht die C5-Konvertase
(C3bBb3b oder C4b2b3b). Sie spaltet C5 in
C5a und C5b. C5a wirkt wie C3a als Anaphylatoxin. C5b lagert sich mit C6 und C7
zusammen, und der Komplex wird in die
Zellmembran der Zielzelle eingelagert. Gemeinsam mit C8 und C9 bilden diese den
so genannten Membranattack-Komplex
(C5b-9), der eine lytische Pore bildet (12).
Eine überschießende Komplementaktivierung oder komplementvermittelte
Angriffe gegen körpereigene Zellen können
zu Gewebeschäden führen, sind assoziiert
mit Autoimmunerkrankungen und Ursache von Krankheiten wie dem hereditären
Angioödem, dem hämolytisch-urämischen
Syndrom, oder der paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie (15).
Abb. 2 Hauptfunktionen des Komplementsystems bei der Abwehr von Mikroorganismen; modifiziert
nach (13): Mit C3b markierte (opsonisierte) Pathogene werden über den Komplementrezeptor 1 (CR1)
von Phagozyten erkannt und aufgenommen. Die Bindung von C3b an Pathogenoberflächen induziert
auch die Aktivierung der späten Komplementkomponenten, welche den Membranattack-Komplex
(MAK) bilden. Dieser formt Poren in Zellmembranen, was in osmotischer Lyse der Zellen resultiert.
Während der Komplementaktivierung werden die Anaphylatoxine C3a, C4a, C5a freigesetzt, die Leukozyten chemotaktisch anziehen und aktivieren und damit Entzündungsreaktionen stimulieren.
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V. Frauenknecht; V. Schroeder: Komplementsystem
Um derartige Komplikationen zu vermeiden, besitzt der menschliche Körper
zahlreiche lösliche (z. B. C1-Inhibitor, Faktor I, Faktor H, C4b-bindendes Protein,
Carboxypeptidase N) und membrangebundene (z. B. DAF/CD55, Protectin/
CD59, CR1/CD35) Proteine, welche die
Komplementkaskade auf jeder Stufe regulieren (12) (씰Abb. 1).
Funktionen
Aus der Komplementaktivierung gehen
verschiedene Moleküle und Komplexe hervor, welche die für das Komplementsystem
charakteristischen Wirkungen entfalten
(씰Abb. 2).
Die Porenbildung durch C5b-9 führt
zum Wasser- und Ioneneinstrom und kann
somit die Zelllyse herbeiführen. Bei einer
limitierten Anzahl von C5b-9-Komplexen
auf körpereigenen kernhaltigen Zellen,
welche durch Regulatoren vor der Lyse geschützt sind, können die Zellen aktiviert
und Signaltransduktionswege induziert
werden, sodass über eine vermehrte Expression von Zytokinen und Wachstumsfaktoren die Proliferation stimuliert wird
(16).
Opsonisierung beschreibt den Prozess,
bei dem Oberflächen von (fremden oder
körpereigenen) Zellen mit Molekülen wie
Immunglobulinen oder Komplementkomponenten markiert und somit für Phagozyten erkennbar gemacht werden. Im Rahmen der Komplementaktivierung bindet
C3b, das stärkste Opsonin des Körpers,
oder dessen inaktivierte Form iC3b an die
Oberfläche einer Zielzelle. Komplementrezeptoren auf Phagozyten erkennen C3b
und iC3b und somit die markierte Zelle.
Auf die Interaktion zwischen dem Komplementrezeptor und dem markierenden Molekül folgt die Phagozytose der opsonisierten Zelle (12).
C3a und C5a fungieren als Anaphylatoxine. Sie locken Leukozyten, Monozyten
und Makrophagen an und erhöhen über eine vermehrte Expression von Zytokinen
und Adhäsionsmolekülen in Endothelzellen die Gefäßpermeabilität (17). Sie regulieren auch die Vasodilatation und Kontraktion glatter Muskelzellen (18). Ihre
proinflammatorischen Wirkungen werden
vermittelt über die Anaphylatoxinrezeptoren C3aR, C5aR und C5L2 (C5a receptorlike-2) auf Neutrophilen, Eosinophilen,
Basophilen, Monozyten, Makrophagen,
Mastzellen, dendritischen Zellen, Endothelzellen, glatten Muskelzellen, sowie aktivierten B- und T-Lymphozyten (18).
Das Komplementsystem übernimmt
mit der Beseitigung von Immunkomplexen
und apoptotischen Zellen eine säubernde
Funktion (18). C1q bindet direkt oder indirekt via CRP oder IgM an die veränderte
Oberfläche von apoptotischen Zellen. Diese entledigen sich Regulatoren wie CD46
und CD59, wodurch nun anders als in gesunden Zellen die Aktivierung des Komplementsystems und eine Opsonisierung mit
C3b und C4b an ihrer Oberfläche ermöglicht werden (12). Über die Interaktion mit
Komplementrezeptoren auf Makrophagen
kommt es zur Phagozytose. Einige Regulatoren werden aber auch noch auf apoptotischen Zellen exprimiert und limitieren mit
Faktor H die weitere Komplementaktivierung, sodass es nicht zur C5-Konvertasenbildung und weiteren Komplementwirkungen kommt (18).
Eine weitere Funktion des Komplementsystems ist die Interaktion mit dem
erworbenen Immunsystem. Die angeborene Immunabwehr kann mittels Komplement die erworbene Abwehr gegen ein bestimmtes Antigen induzieren und stimulieren. B-Lymphozyten exprimieren auf ihrer
Oberfläche Komplementrezeptor CR2, der
C3d, ein Abbauprodukt von C3, erkennt.
CR2 bindet C3d gleichzeitig mit der spezifischen Bindung zwischen Ig-Rezeptor der
B-Zelle und Antigen und wirkt somit als
Co-Rezeptor. Diese zweifache Bindung der
B-Zelle an das Antigen führt zu deren Aktivierung, der Antikörperproduktion und
somit zur Stimulation der humoralen Immunantwort (13). Auch in follikulären
Keimzentren kommt es zur Komplementvermittelten Aktivierung von B-Zellen. Mit
Komplement markierte Immunkomplexe
werden von dendritischen Zellen in Keimzentren erkannt und das entsprechende
Antigen an B-Lymphozyten präsentiert
(13).
Interaktionen mit dem
Gerinnungssystem
Komplementsystem und Gerinnung weisen zahlreiche Ähnlichkeiten auf, und eine
stetig steigende Zahl von Wechselwirkungen zwischen beiden Systemen ist bekannt.
Beide Systeme stellen Kaskaden von Serinproteasenaktivierungen mit teilweise gemeinsamen Aktivatoren und Inhibitoren
dar. In-vitro-Untersuchungen ergaben,
dass Thrombin, Plasmin, FXa und FXIa sowohl C3, als auch C5 spalten können (12,
19). Tiermodelle mit C3-Knock-out-Mäusen bestätigten, dass trotz fehlendem C3 eine physiologisch aktive C5-Konvertase generiert werden kann, und in humanem
Plasma konnte nach Inkubation von C5
mit Thrombin biologisch aktives C5a
nachgewiesen werden (20). FXIIa kann
über die Aktivierung von C1q den klassischen Weg einleiten (19). Die direkte Aktivierung von Komplementkomponenten
durch Gerinnungsfaktoren könnte einen
zusätzlichen Aktivierungsweg des Komplementsystems, neben den bisherigen drei
Wegen, darstellen (20).
Umgekehrt können auch Komplementfaktoren das Gerinnungssystem beeinflussen. C5a wirkt prothrombotisch, indem es
die Expression von Tissue-Faktor in Leukozyten und Endothelzellen induziert (21)
und gleichzeitig die Bildung von PAI-1 in
Makrophagen, Mastzellen und glatten
Muskelzellen stimuliert (18). C3a kann die
Thrombozytenaktivierung und -aggregation induzieren (21). Die Einlagerung des
C5b-9-Komplexes in Zellmembranen aktiviert ebenfalls Thrombozyten, stimuliert
deren Granulafreisetzung und führt zur
Veränderung der Zellmembran mit Exposition von gerinnungsfördernden Lipiden
(21). MASP-2 kann Prothrombin zu aktivem Thrombin spalten, MASP-1 aktiviert
Prothrombin, FXIII und TAFI und beeinflusst die Fibrinstruktur (14, 22, 23).
Es sind auch Wechselwirkungen zwischen regulierenden Faktoren von Komplement und Gerinnung bekannt. Die Bindung von Protein S an C4b-bindendes Protein führt zur Inaktivierung von Protein S
und somit zur Hemmung dieses wichtigen
antikoagulatorischen Pfades (17). C1-Inhibitor hemmt direkt Faktor XII und Kallikrein (17).
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Das Ziel der simultanen Aktivierung
und direkten Interaktionen zwischen Gerinnung und Komplementsystem könnte
der Schutz des Körpers vor Blutverlust bei
einer Verletzung sowie der Schutz vor Infektion durch Verhinderung der hämatogenen Mikrobenstreuung mittels lokaler
Thrombenbildung sein (12, 19). Andererseits können diese Wechselwirkungen
möglicherweise einen prothrombotischen
und proinflammatorischen Zustand potenzieren und sich so negativ auf die Entstehung von Atherosklerose bis hin zur
akuten Manifestation auswirken.
Komplement und
Atherosklerose
Als Anfang der 1980er Jahre beobachtet
wurde, dass Kaninchen mit induziertem
C6-Mangel trotz cholesterinreicher Ernährung keine makroskopisch sichtbaren
Atherome entwickelten – im Gegensatz zu
C6-kompetenten Tieren, wurde ein Zusammenhang zwischen der Entwicklung
atherosklerotischer Läsionen und dem
Komplementsystem vermutet (24). In den
folgenden Jahren wurden mögliche Zusammenhänge in zahlreichen Studien untersucht. In atherosklerotischen Plaques
sowie in ischämischen Myokardbezirken
wurden aktivierte Komplementfaktoren,
C3-Ablagerungen,
C5b-9-Komplexe,
Komplementregulatoren und Komplementrezeptoren nachgewiesen (17, 25–27).
In gesunden Arterienwänden finden sich
weder aktivierte Komplementfaktoren
noch Komplementregulatoren, während
diese in atherosklerotischen Läsionen bevorzugt in der Intima abgelagert sind (27).
Neben einer Retention dieser Komplementkomponenten aus dem Plasma ist deren Anwesenheit in atherosklerotisch veränderten Gefäßen auch auf eine lokale Produktion zurückzuführen, da mRNA von
C1s, C1r, C4, C7 und C8 in den Läsionen
nachgewiesen wurden (28). Im Gegensatz
dazu werden Komplementregulatoren wie
DAF, C1-Inhibitor, C4b-bindendes Protein, MCP (membrane cofactor protein)
und CD59 nicht vermehrt in Plaques exprimiert im Vergleich zu gesunden Arterienabschnitten derselben Patienten, was möglicherweise zu einem lokalen Ungleichge-
wicht zwischen Komplementaktivierung
und Regulation führt (28).
Komplementaktivierung in
atherosklerotischen Plaques
Auch in atherosklerotischen Läsionen findet die Komplementaktivierung über alle
drei Aktivierungswege statt. CRP ist dabei
der wichtigste Aktivator des klassischen
Wegs. Es wird vermehrt in Plaques abgelagert, bindet an oxidiertes, nichtoxidiertes
und modifiziertes LDL sowie an apoptotische Zellen und beschleunigt damit die
Komplementaktivierung (29). In Tierversuchen fanden sich aktivierte Komplementkomponenten zeitgleich mit der
Lipidakkumulation und noch vor Einwanderung von Entzündungszellen und Entstehung von Schaumzellen (30). Daraus
wird eine Cholesterol-induzierte Komplementaktivierung abgeleitet, welche zur Anlockung von Monozyten und somit zur Initiierung einer Plaque führt (30). Als Aktivatoren des klassischen Weges fungieren auch
Antikörper gegen oxidiertes LDL und
Hitzeschockproteine (18). Der alternative
Weg wird über apoptotische Zellen, Debris
und freie Cholesterolkristalle initiiert (18).
In Anlehnung an Studien, die eine Rolle
von Chlamydia pneumoniae in der Pathogenese der Atherosklerose beschreiben (5),
wird dieser Erreger als ein möglicher Auslöser des Lektinweges vermutet. Bisher ist
nur wenig über die Rolle des Lektinwegs bei
der Komplementaktivierung in Plaques bekannt. Da sich auch Gerinnungsfaktoren in
den Läsionen befinden, ist zudem eine Aktivierung des Komplements durch solche
denkbar (18).
Interessanterweise unterscheidet sich
die Verteilung von Komplementfaktoren
zwischen den einzelnen Schichten der Gefäßwand und zwischen stabilen und instabilen Plaques (18). Komponenten des klassischen und alternativen Wegs sowie deren
Regulatorproteine finden sich in den äußeren, C5b-9 in den tiefen Schichten der Intima in der Nähe von glatten Muskelzellen,
Zelldebris und extrazellulären Lipiden
(18). Bei ein und demselben Patienten sind
Abb. 3 Komplementwirkungen in atherosklerotischen Läsionen; modifiziert nach (17);
Mp: Makrophage; Mz: Monozyt; Thr: Thrombozyt; TZ: T-Zelle: Die Komplementaktivierung generiert
Effektormoleküle wie Anaphylatoxine (C3a, C5a), Opsonine (C4b, C3b, iC3b) und den MembranattackKomplex (C5b-9), die verschiedene Effekte in atherosklerotischen Arterienwänden entfalten. Diese
Effekte sind einerseits proatherogen, wie die Expression von Tissue-Faktor (TF) und Adhäsionsmolekülen im Endothel oder die verstärkte Proliferation glatter Muskelzellen. Die Förderung entzündlicher
Prozesse, wie die Rekrutierung und Aktivierung verschiedener Leukozyten, wirkt zwar auch proatherogen, hat andererseits aber auch eine atheroprotektive Funktion, z. B. beim Vermitteln der Clearance
apoptotischer Zellen (Ap).
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C3b-Ablagerungen deutlich höher in rupturierten als in nicht rupturierten Plaques.
In den Arterienwänden werden Komplementregulatoren wie MCP, DAF und CD59
auch von ortsständigen Zellen gebildet,
glatte Muskelzellen hingegen exprimieren
nur wenige Regulatoren, was eventuell für
die Kolokalisation dieser Zellen mit C5b-9
spricht (17). Verschiedene Studien lassen
vermuten, dass durch diesen Mangel an Regulatoren und das Vorliegen des Membranattack-Komplexes an der Oberfläche von
glatten Muskelzellen deren Proliferation
stimuliert und ein entzündliches Milieu
begünstigt wird (17).
Komplementwirkungen in
atherosklerotischen Plaques
Aktivierte Komplementfaktoren entfalten
zahlreiche biologische Wirkungen, welche
für die Entwicklung von atherosklerotischen Läsionen und Plaques von Bedeutung sind (씰Abb. 3). Die Wirkungen des
C5b-9-Komplexes scheinen eine wichtige
Rolle zu spielen. Er induziert nach Anlagerung an Endothelzellen deren Proliferation
und die Expression von Wachstumsfaktoren wie PDGF (platelet-derived growth
factor) und FGF2 (basic fibroblast growth
factor), von Tissue-Faktor, Cyclooxygenase-2 (COX-2), Adhäsionsmolekülen wie
E-Selectin und ICAM-1 (18) sowie entzündlichen Mediatoren wie IL-6 und
MCP-1 (17). Wie erwähnt, kann C5b-9 bei
Anlagerung an glatte Muskelzellen einerseits durch Schutz der Zellen vor Apoptose,
andererseits durch Anregung der Proliferation eine Vermehrung des Bestandteils an
glatten Muskelzellen herbeiführen (18).
C3a und C5a wirken über Anaphylatoxinrezeptoren (C3aR und C5aR) ebenfalls
proatherogen. Diese Rezeptoren liegen auf
verschiedenen Zellen wie Neutrophilen,
Eosinophilen, Basophilen, Makrophagen,
Monozyten, Mast- und dendritischen Zellen wie auch auf Endothelzellen, glatten
Muskelzellen, aktivierten B- und T-Lymphozyten und werden in atherosklerotischen Läsionen, jedoch nicht in der normalen Intima exprimiert (31). C3a lockt Eosinophile und Mastzellen an, C5a die für die
Atherosklerose wichtigen Monozyten, Bund T-Lymphozyten. C5a kann Makropha-
gen aktivieren, sodass es zur Expression
von Entzündungsmediatoren wie TNFα
oder IL-1 kommt. Es wirkt auch auf glatte
Muskelzellen und Endothelzellen, wo es eine vermehrte Zytokinproduktion und Expression von Adhäsionsmolekülen bewirkt, was ein Fortschreiten des Plaquewachstums begünstigt. Die Gerinnung
wird über vermehrte Bildung von TissueFaktor in Leukozyten sowie über PAI-1 in
glatten Muskelzellen, Makrophagen und
Mastzellen durch C5a thrombogen beeinflusst (18). Da C5a nur in instabilen
Plaques nachgewiesen wurde und Matrixmetalloproteinasen induziert, ist sein Beitrag zu Plaquerupturen naheliegend (32).
Die Rolle des Komplements ist aber keinesfalls nur proatherogen. Seine Beteiligung bei der Beseitigung von apoptotischem Material könnte auch in atherosklerotischen Läsionen teilweise eine protektive
Rolle spielen, da ein größerer nekrotischer
Kern mit einem stärker rupturgefährdeten
Plaquetyp assoziiert ist (18).
Komplement und Atherosklerose
in Tiermodellen
Die Entdeckung, dass C6-Mangel bei Kaninchen zu geringerer Atherombildung
führt (24), wurde später auch in Mäusen
bestätigt (33) und war Anlass für Untersuchungen weiterer Komplementfaktoren
im Rahmen der Atherogenese. Die Ergebnisse sind zum Teil widersprüchlich und
deuten auf pro- und antiatherogene Wirkungen des Komplementsystems hin. Beispielsweise führte die Anwendung von
Komplement-inhibierenden Substanzen
bei Kaninchen und Mäusen zu einer Reduktion der Entwicklung von atherosklerotischen Läsionen (18). Andererseits zeigte bei Apolipoprotein E(ApoE)-Knockout-Mäusen der zusätzliche C5-Knock-out
keinen Effekt auf die Entwicklung von
atherosklerotischen Läsionen (34).
Bei LDL-Rezeptor(LDLr)-Knock-outMäusen wurde der Einfluss von C1q auf die
Größe von Plaques untersucht. Der zusätzliche Knock-out von C1q führte zu komplexeren Läsionen mit einer größeren Anzahl an glatten Muskelzellen und apoptotischer Zellen im Vergleich zu den Kontrollen, was mit der Rolle des klassischen Weges
in der Beseitigung von apoptotischem
Material erklärbar ist (35). Eine ähnliche
Wirkung auf apoptotisches Material bei
atherosklerotischen Veränderungen wird
auch für Komponenten des Lektinwegs vermutet. Bei LDLr-Knock-out-Mäusen mit
gleichzeitigem Mangel an MBL beobachtete man größere atherosklerotische Läsionen im Vergleich zu MBL-kompetenten
Mäusen (36).
In einem anderen Mausmodell wurde
die Wirkung von C3 auf die Plaquegröße
und Zusammensetzung nach 15-wöchiger
cholesterinreicher Diät untersucht. Bei
LDLr- und C3-Knock-out-Mäusen fand
man im Vergleich zu Mäusen mit heterozygotem C3-Mangel neben größeren aortalen Läsionen auch eine veränderte Zusammensetzung der Plaques. Die Läsionen hatten größere Lipid- und Makrophagenanteile zu Ungunsten von Kollagen und glatten
Muskelzellen. Dies entspricht einem instabileren Plaquetyp, was wiederum auf einen
Einfluss des Komplementsystems auf die
Plaquestabilität hindeutet (37).
Der zusätzliche Knock-out des Komplementinhibitors DAF/CD55 in ApoEKnock-out-Mäusen hatte ebenfalls einen
atheroprotektiven Effekt, und da diese
Mäuse tiefere Spiegel von Triglyzeriden,
freien Fettsäuren und Cholesterin aufwiesen, wurde auch hier ein Mechanismus
über Veränderungen im Lipidstoffwechsel
vermutet (38).
Der terminale Membranattack-Komplex scheint hingegen die Entwicklung
atherosklerotischer Plaques voranzutreiben. Mäuse, bei denen der membranständige Komplementinhibitor CD59 durch
Knock-out deletiert wurde, zeigten vermehrte Ablagerungen des MembranattackKomplexes in atherosklerotischen Plaques
mit rascherem Fortschreiten zu instabilen
Plaques, okklusiver Gefäßerkrankung und
Tod. Dies konnte durch Überexpression
von CD59 verhindert werden (33, 39). Verabreichung von C1-Inhibitor zeigte bei
ApoE-Knock-out-Mäusen, deren KarotisEndothel mechanisch beschädigt worden
war, einen protektiven Effekt, indem die
Expression von C3 mRNA in Plaques sowie
C3 Serumspiegel reduziert, die Adhäsion
von Monozyten auf aktivierten Endothelzellen und Thrombozyten und die Rekrutierung von Leukozyten in die Gefäßwand
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gehemmt wurden (40). Im gleichen Mausmodell bewirkte die Verabreichung eines
Antagonisten oder blockierenden Antikörpers gegen den C5a-Rezeptor eine verminderte Einwanderung von Monozyten und
Neutrophilen in die Gefäßwand, eine reduzierte Expression von Adhäsionsmolekülen
sowie tiefere PAI-1-Plasmaspiegel (41). Die
beobachteten Effekte gingen in beiden Studien mit einer verminderten NeointimaHyperplasie einher (40, 41).
In einer anderen Studie, in der ebenfalls
ApoE-Knock-out-Mäuse mit einem Antagonisten gegen den C5a-Rezeptor behandelt worden waren, zeigten die Mäuse nach
25 Wochen kleinere atherosklerotische Läsionen mit einem tieferen Lipidgehalt, ein
weiterer Hinweis auf die proatherogene
Wirkung von C5a (42). Aktuelle Resultate
deuten auch auf eine wichtige Rolle von
Komponenten des Lektinweges bei der Entstehung okklusiver Thromben hin. MBLKnock-out- oder MASP-1/3-Knock-outMäuse entwickelten weniger arterielle
Thromben nach FeCl3-induzierter Gefäßschädigung als Wildtyp-Mäuse oder
Knock-out-Mäuse nach Substitution des
fehlenden MBL oder MASP-1 (43).
Wie bei allen Tiermodellen muss auch
bei den genannten Studien kritisch hinterfragt werden, in wie weit die Resultate auf
den Menschen übertragbar sind.
Komplement und kardiovaskuläre
Erkrankungen
In klinischen Studien am besten untersucht
ist der zentrale Komplementfaktor C3, der
den Beginn der gemeinsamen Endstrecke
darstellt. Bei Patienten mit Herzinfarkt ist
C3b in rupturierten Plaques deutlich erhöht im Vergleich zu intakten Plaques, jedoch in gesunden Gefäßabschnitten von
Patienten mit KHK und der Kontrollen ohne Atherosklerose nicht nachweisbar (44).
Bei Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit wurden erhöhte C3-Plasmaspiegel im Vergleich zu Gesunden beschrieben.
Diese wurden in der gleichen Studie auch
in Abhängigkeit zum angiographischen
Stenosegrad untersucht und zeigten diesbezüglich keine signifikanten Unterschiede. In der Patientengruppe korrelierten die
C3-Plasmaspiegel mit Komponenten des
metabolischen Syndroms und Risikofaktoren für die KHK wie CRP, Body-mass-Index (BMI), Nüchternglukose, Glykohämoglobin (HbA1c), totales Cholesterol, Triglyzeride und Fibrinogen. Signifikante
Korrelationen mit dem Geschlecht, Alter,
Hypertonie und Rauchen konnten nicht
festgestellt werden (45). In einer prospektiven Kohortenstudie mit 860 Teilnehmern
ohne anamnestische atherosklerotische
Manifestationen zum Zeitpunkt der ersten
Blutentnahme stellten erhöhte C3-Spiegel
bei Männern einen unabhängigen Prädiktor für zukünftige ischämische Myokardinfarkte dar (46).
In weiteren prospektiven Studien wurde
für Männer mittleren Alters mit erhöhten
C3-Spiegeln auch ein erhöhtes DiabetesTyp-2-Risiko (47) und eine Assoziation mit
Gewichtszunahme (48) gezeigt. Auch erhöhte C5a-Plasmaspiegel zeigten sich als
Prädiktor für zukünftige kardiovaskuläre
Ereignisse in Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (49, 50). C5 war
auch der erste Ansatz für eine Anti-Komplement-Therapie mit dem Ziel, IschämieReperfusionsschäden bei Patienten mit
akutem Myokardinfarkt zu verhindern.
Der monoklonale anti-C5-Antikörper
Pexelizumab reduzierte als Zusatztherapie
zur perkutanen Koronarintervention die
Mortalität, nicht aber die Infarktgröße
(51); als Zusatztherapie zur Fibrinolyse
hatte Pexelizumab jedoch keinen Effekt
(52). In Patienten nach koronarer Bypassoperation, besonders bei Hochrisikopatienten, reduzierte Pexelizumab das Risiko
für Myokardinfarkt und Mortalität in den
ersten 30 postoperativen Tagen (53, 54).
Komplementaktivierung einher. Autoptisches Hirngewebe von Patienten mit akuter
Hirnischämie oder ischämischem Schlaganfall wurde im Vergleich zu Kontrollen
ohne ischämische Ereignisse untersucht. In
den ischämischen Arealen wurden aktivierte Komplementfaktoren (C1q, C4d, C3c,
C9) jedoch keine vollständigen Membranattack-Komplexe (C5b-9) nachgewiesen
(57). Komplementregulatoren wie CD55
und CD59 wurden in gesundem Hirngewebe der Kontrollen auf Mikroglia, Neuronen, Astozyten und Axonen, jedoch nicht
in den ischämischen Arealen exprimiert.
Die Autoren gehen davon aus, dass sich die
Komplementaktivierung auf das ischämische Areal beschränkt und im umliegenden Gewebe durch die Regulatoren unterdrückt werden kann (57).
Bei ischämischen Schlaganfällen wurde
auch eine systemische Komplementaktivierung beschrieben. Innerhalb von 48 Stunden nach Schlaganfall fanden sich signifikant höhere Plasmaspiegel von C4d und
löslichem C5b-9 (sC5b-9) im Vergleich zu
Kontrollen mit schwerer Atherosklerose in
den Karotiden, und die Konzentration von
sC5b-9 korrelierte mit dem Schweregrad
des Schlaganfalls und den neurologischen
Defiziten (58). Eine andere Studie zeigte
ebenfalls eine transiente systemische Erhöhung von sC5b-9 sowie eine positive Korrelation mit der Infarktgröße (59). Widersprüchlich dazu wurden in einer anderen
Studie kurzzeitig erniedrigte Plasmaspiegel
von C5b-9 nach Schlaganfall im Vergleich
zu gesunden Kontrollen gemessen. Es zeigte sich jedoch ein signifikanter früher Anstieg von C3a gefolgt von erhöhten Spiegeln an C5a (60).
Komplement und zerebrovaskuläre
Erkrankungen
Aufgrund dieser Resultate und der Rolle des
Komplementsystems bei Ischämie-Reperfusionsschäden sind Komplement-inhibierende Therapien vielversprechend im Hinblick auf eine Neuroprotektion bei akuten
ischämischen Ereignissen (61, 62).
In 389 Patienten mit koronarer Herzkrankheit waren erhöhte C4-Plasmaspiegel ein
unabhängiger Prädiktor, innerhalb der folgenden 24 Monate einen ischämischen
Schlaganfall zu erleiden (55). In einer Kohortenstudie über 18 Jahre mit 5850 initial
gesunden Männern konnte keine Assoziation zwischen Plasmaspiegeln von C3 und
C4 und dem Risiko für ischämische Schlaganfälle gezeigt werden (56). Akute zerebrovaskuläre Ereignisse gehen jedoch mit einer
Ausblick
Die Ergebnisse zahlreicher grundlagenwissenschaftlichen und klinischen Studien belegen, dass das Komplementsystem
auf jeder Stufe in der Entwicklung der
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V. Frauenknecht; V. Schroeder: Komplementsystem
Atherosklerose bis zum akuten vaskulären Ereignis involviert ist. Dies ist begründet in seiner prominenten Rolle bei
Entzündungsprozessen. Doch es gibt
auch immer mehr Evidenz dafür, dass Interaktionen zwischen Komplementsystem und Blutgerinnung eine wichtige
Verbindung darstellen zwischen Entzündung und Thrombose.
Die Kenntnis der komplexen Zusammenhänge zwischen Entzündung, Komplementsystem, Blutgerinnung und Atherosklerose wird auch im klinischen Alltag
von zunehmender Bedeutung sein, da sich
daraus neue therapeutische und diagnostische Ansätze ergeben können. Gegen das
Komplementsystem gerichtete Therapien
haben bereits das Potenzial gezeigt, die
Schäden akuter ischämischer Ereignisse zu
vermindern. Ob eine frühzeitige antiinflammatorische und Anti-Komplement
Therapie bereits die Entstehung der Atherosklerose im Sinne einer Prävention aufhalten kann, bleibt weiter zu erforschen.
Interessenkonflikt
Die Autorinnen erklären, dass kein
Interessenkonflikt besteht.
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Hämostaseologie 4/2012
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