2 Inuit - Friedrich-Leopold-Woeste

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Friedrich-Leopold-Woeste-Gymnasium Hemer
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Nordamerikanische Indianer
Noch vor 400 Jahren gehörte den Navajos, Apachen, Sioux, Shoshonen, Hopis, Algonquin und vielen
anderen Indianervölkern fast ganz Nordamerika. Dann fielen die Europäer ein, besetzten das Land,
unterdrückten die Ureinwohner und entzogen ihnen die Lebensgrundlagen. Doch bis heute hat die
indianische Tradition überlebt. Der Drang zur kulturellen Eigenständigkeit der ersten Einwohner
Nordamerikas ist nach wie vor ungebrochen.
Die ersten Einwanderer Amerikas
Als vor etwa 30.000 Jahren die erste eisfreie Landbrücke zwischen
Sibirien und Alaska entstand, war dies der gängigen Theorie nach der
Beginn der Besiedlung des amerikanischen Kontinents. Bis ins 15.
Jahrhundert breiteten sich die Einwanderer, von den Europäern später
"Indianer" genannt, auf dem ganzen Kontinent aus. Vor allem in Mittelund Südamerika entwickelten sich bekannte Hochkulturen wie die Reiche
der Inkas, Mayas oder Azteken. Solche Großreiche gab es im nördlichen
Teil des Kontinents nicht. Hier lebten über 400 Völker mit eigenen
Kulturen und Sprachen in kleinen, eigenständigen Gemeinschaften, heute
von uns als "Stämme" bezeichnet. Das Land der Indianer war
Gemeinschaftsbesitz und ihre Führer, die "Häuptlinge", wurden in der
Regel wegen ihrer herausragenden Fähigkeiten ausgewählt, nicht aufgrund
einer familiären Erbfolge.
Als die Weißen kamen
Von 1497 an, fünf Jahre nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph
Columbus, eroberten die Engländer Neufundland und Labrador, wenige
Jahre später begannen hier Fallensteller mit dem Pelzhandel. Im Süden
erreichten die Spanier Florida auf der Suche nach Gold. Die
Ureinwohner, die ethnische und kulturelle Vielfalt kannten, empfingen
die Fremden in der Regel freundlich. Die Europäer hingegen sahen in
den "Indianern" nur "Wilde" und "Heiden". Sie machten sich keine Mühe
die Religion, Politik und Gesellschaft der Ureinwohner zu verstehen.
Die europäischen Invasoren schleppten Krankheiten ins Land - mit
schrecklichen Folgen für die Indianer: In den nächsten Jahrhunderten
starben zum Beispiel Tausende Indianer an Pocken-Epidemien, da ihr
Immunsystem auf diesen Erreger nicht eingestellt war. Hinzu kam ein
zunehmender Missionierungsdrang der christlichen Kirchen und eine Flut
von Siedlern, die immer mehr Land in Anspruch nahmen. Zunehmend
begannen die Indianer zu rebellieren, aber nur selten konnten sie sich
gegen die übermächtige Schlagkraft der "Feuerwaffen" durchsetzen. In so
genannten "Friedensverträgen" verloren die Indianer mehr und mehr ihrer
angestammten Territorien.
Umsiedlung und Vertreibung
1830 verabschiedete der Kongress der jungen Vereinigten Staaten von Amerika ein Umsiedlungsgesetz
("Indian Removal Act"), um dem Ansturm neuer Siedler Herr zu werden. Mit militärischer Gewalt wurden
100.000 Ureinwohner aus ihrer Heimat im Osten und Süden in so genannte "Reservate" vertrieben, Tausende
starben während der langen Märsche ("Trail of Tears"). Aufstände, zum Beispiel der Navajos, scheiterten.
Nur wenige Völker wie die Sioux oder die Seminolen konnten sich kurzfristig in ihrer Heimat behaupten. In
den Reservaten sorgte eine "Indianer-Behörde" für die Umerziehung der Ureinwohner. In speziellen
Internaten lernten die indianischen Kinder europäische Wertvorstellungen. Die indianische Kultur stand
nicht auf dem Lehrplan.
Quelle: Planet Schule
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Als 1869 die transkontinentale Eisenbahn vollendet wurde, kam es auch im Westen des Kontinents zu einer
massiven Zunahme von Siedlern und Abenteurern. Innerhalb kurzer Zeit wurden Millionen Büffel
abgeschlachtet und damit die Lebensgrundlage der Prärie-Indianer zerstört. 1883 waren die Büffel
Nordamerikas nahezu ausgerottet. Immer wieder verließen Gruppen junger Krieger die Reservate und
kämpften gegen die Zerstörung ihrer Heimat. Die USA antworteten mit blutigen Strafexpeditionen und
Massakern an ganzen Völkern der Ureinwohner.
"Little Bighorn"
In fast 400 Verträgen versuchte die US-Regierung, die Indianer-Völker zur
Abtretung ihres Landes zu bewegen. Teilweise kam dadurch kurzfristig
Frieden zustande, allerdings brach die Regierung immer wieder ihre
eigenen Verträge. Als 1874 Goldgräber in das Land der Lakota einfielen
und damit den Friedensvertrag von Fort Laramie aus dem Jahr 1868
brachen, führte dies zu einem erbitterten Krieg und zu einer legendären
Niederlage der US-Armee. Oberstleutnant George Armstrong Custer
wurde mit seinem 200 Mann starken 7. Kavallerie-Regiment durch die Übermacht einer Cheyenne-SiouxKoalition unter den Anführern Sitting Bull und Crazy Horse komplett vernichtet. Die Indianer beklagten nur
wenige Opfer. Der Triumph der Indianer sollte jedoch nur von kurzer Dauer sein. In der Folge veranstaltete
die US-Armee grausame Hetzjagden auf Indianer in ganz Amerika. Aus "Rache für Custer" mussten
Tausende Ureinwohner in blutigen Massakern sterben. Nur wenige "Rebellen", wie der Apache Geronimo,
konnten sich kurzfristig gegen die militärische Übermacht der US-Regierung behaupten.
Amerikanisierung
Um die schwelenden Konflikte zwischen Weißen und Indianern in den
Reservaten zu beenden, bemühte sich die US-Regierung ab 1880 die
traditionelle Lebensweise der Indianer weiter zu durchbrechen. Sie löste den
gemeinschaftlichen Landbesitz der "Stämme" auf und verteilte das Land an
einzelne indianische Familien. Große Gebiete der Reservate fielen bei dieser
Umverteilung allerdings an Weiße. In der schulischen Erziehung wurde das
Verbot der indianischen Sprachen und Gebräuche verschärft und Männern das
Tragen langer Haare verboten. Die Ureinwohner lebten wie Gefangene in ihren
Reservaten, standen unter der strengen Kontrolle der Regierung und durften
ihre kulturelle Identität nicht mehr ausleben. Oft hingen sie aufgrund der
Landumverteilung und Vernichtung der Jagdgründe von den unregelmäßigen
Verpflegungsrationen der Weißen ab. Hunger, Armut und Elend waren die
Folge und führten zu zahlreichen Aufständen in den Reservaten. Nach dem
fürchterlichen Massaker bei "Wounded Knee", dem rund 350 Indianer zum
Opfer fielen, erstarb der Widerstand der Ureinwohner.
Indianischer Alltag heute
Nach dem Einsatz von indianischen Soldaten auf Seiten der USA im Ersten Weltkrieg erhielten die
Ureinwohner 1924 die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1934 stand man
ihnen im "Indian Reorganisation Act" das Recht auf Ausübung ihrer Kultur
zu. Trotzdem versuchte die US-Regierung immer wieder dann, wenn
wirtschaftliche Interessen anstanden, die Rechte der Indianer zu
beschneiden, zum Beispiel durch Landenteignungen. 1968 entstand deshalb
die erste indianische politische Organisation: das "American Indian
Movement". Die Organisation versuchte immer wieder, die Probleme der
Indianer an die Öffentlichkeit zu tragen. Heute bilden die Ureinwohner nur noch eine Minderheit in ihrer
Heimat.
Quelle: Planet Schule
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Inuit
Die rund 150.000 Inuit sind wohl eines der bekanntesten Völker der Erde.
Jahrtausende überlebten sie ohne technische Hilfsmittel in Schnee und Eis.
"Inuit", "Mensch", nennen sie sich selbst, von ihren Nachbarn, den
Indianern, wurden sie "Eskimo" genannt, das bedeutet "Rohfleischesser".
Sie überlebten als Jäger von Karibus, Robben und Walen. Doch in der
modernen Gesellschaft zählt ein guter Jäger nicht mehr viel. Was können
sie von ihrem traditionellen Leben für die Zukunft bewahren?
Die Ursprünge der Inuit
Die Inuit stammen wahrscheinlich von einem asiatischen Volk von Jägern
und Sammlern ab. Sie gelangten über die Beringstraße nach Amerika, lange
nach den Indianern, etwa ab 3000 bis 2500 vor Christus. Sie siedeln heute
von der Tschuktschen-Halbinsel an der Beringstraße über Alaska entlang des
Arktischen Ozeans auf den Inseln des nördlichen Kanadas bis Grönland.
Archäologen fanden Hinweise für mehrere Einwanderungswellen, wobei die
Neuankömmlinge meist technisch weiter entwickelt waren und die
Einheimischen verdrängten oder sich mit ihnen vermischten.
Siedlungsgebiete der Inuit
Die letzte Einwanderung, etwa 1000 nach Christus, fand wie die vorherigen in einer wesentlich wärmeren
Klimaphase als heute statt. Doch die Inuit konnten sich an kälteres Klima anpassen. Sie waren als reine
Jäger, auch im Unterschied zu den Indianern, nicht auf landwirtschaftliche Erzeugnisse oder gesammelte
Früchte und Beeren angewiesen. Solange es genügend Jagdbeute gab, war die Existenz der InuitGemeinschaft gesichert. Selbst die sogenannte "Kleine Eiszeit" von 1550 bis 1850 konnte sie nicht als Volk
gefährden.
Wie lebten die Inuit?
Die Inuit lebten während der Warmzeiten meist in festen Siedlungen,
zumindest solange es in der Umgebung ganzjährig ausreichend Beute gab. In
kälteren Phasen wechselten sie jahreszeitlich mit der wandernden Beute
zwischen mehreren Jagdcamps. Je nach Region jagten sie überwiegend die
unterschiedlichen Beutetiere der Arktis: Karibus, Moschusochsen, Fische,
Robben, Walrösser und Wale. Dabei lebten sie üblicherweise nicht in den
legendären Schneehäusern, den Iglus. Diese dienten meist nur als
kurzfristige Unterkünfte während Reisen oder Jagdausflügen.
Die Begegnung mit den Weißen
Bis in die Neuzeit hatten Begegnungen mit Weißen für viele Inuit Nordkanadas nur geringe Auswirkungen
auf ihr tägliches Leben. Allerdings gab es immer wieder Epidemien durch Krankheiten, wie Tuberkulose und
Geschlechtskrankheiten, die auf die Inuit übertragen wurden. Besuchten Walfänger die Siedlungen oft nur
für kurze Zeit, hatten Missionare schon größeren kulturellen Einfluss. So missionierten etwa um 1770
deutsche Missionare, die Herrnhuter aus Sachsen, an der Küste von Labrador. Dies hatte zur Folge, dass dort
die Inuit christliche und manchmal sogar deutsche Vornamen annehmen mussten. In das dortige Inuktitut,
die Sprache der Inuit, sind auch deutsche Worte mit nur geringfügig abgeänderter Schreibweise eingegangen,
so etwa die Wochentage: "Sontag", "Montag", "Dinstag".
Abgesehen von den südlicheren Küstenregionen waren aber weite Gebiete ohne intensiven Kontakt mit der
westlichen Kultur. Ein erster Schritt waren Anfang des 20. Jahrhunderts die Aktivitäten der "Hudson Bay
Company", die Pelze gegen Jagdgewehre, Zelte und ähnliche Waren tauschte. Damit kamen viele Inuit zum
Quelle: Planet Schule
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ersten Mal mit den Regeln der modernen Wirtschaft in Kontakt. Die begehrten Waren mussten bezahlt
werden. Die Inuit wurden Opfer skrupelloser Händler, die sie beim Kauf der begehrten Jagdgewehre
schamlos übervorteilten.
Überleben im modernen Kanada
Mit dem Zweiten Weltkrieg wuchs der strategische Wert des nördlichen
Kanada. Der Staat begann, sich verstärkt um die Inuit zu kümmern. Neben
militärischen Interessen waren hierzu auch Rohstoffvorkommen wie Blei,
Silber, Zink, Erdöl und Erdgas ein Anreiz. Die Inuit mussten innerhalb
kurzer Zeit in einer modernen Gesellschaft leben, vor allem jedoch in
einem Wirtschaftssystem, in dem jede Ware mit Geld bezahlt werden
muss. Mit der Jagd konnten die Inuit aber kaum Geld verdienen, allenfalls
Robbenfelle ließen sich verkaufen. Aber nur so lange, bis die großen Absatzmärkte in Europa und Amerika
durch Boykottaufrufe von Tierschützern zusammenbrachen. Andere bezahlte Arbeit gibt es in der Arktis
jedoch kaum. Zwar wird heute kein Inuk mehr verhungern. Aber viele verdienen nicht genug, um die aus
dem Süden eingeführten Lebensmittel und Waren bezahlen zu können, von denen sie aufgrund der
sesshaften Lebensweise zunehmend abhängig werden. Die modernen Holzhäuser sind zwar komfortabel,
aber so lässt sich nicht mehr ausschließlich von der Jagd leben. Viele Inuit wurden zu Empfängern staatlicher
Zuwendungen.
Dramatische Folgen
Die Ausweglosigkeit dieser Situation, verbunden mit einer extremen Abgeschiedenheit, führte dazu, dass in
manchen Gemeinden extrem hohe Selbstmordraten auftreten. Oftmals bei Jugendlichen, die zwar im
Fernsehen die weite Welt erleben, sich aber wie lebendig begraben vorkommen. Die hohen Reisekosten in
der Arktis bewirken, dass sie kaum jemals auch nur das Dorf verlassen können. Auch Alkoholmissbrauch
stellt ein Problem dar, vor allem dort, wo kein gewachsenes soziales Gefüge besteht, etwa in
Minensiedlungen oder in der Nähe von Militäreinrichtungen. In neuerer Zeit ist der Verkauf von Alkohol in
selbstverwalteten Regionen weitgehend verboten.
Viele gut gemeinte Ansätze der Regierung, den Inuit aus ihrer schwierigen Lage zu helfen, verursachten
jedoch neue Probleme. So führte die Schulpflicht dazu, dass die angestammte Sprache, das Inuktitut,
teilweise in Vergessenheit geriet, weil es in der Schule und in Internaten nicht gesprochen werden durfte. Da
in abgelegenen Gemeinden aber keine Schulen existierten, mussten viele junge Inuit Internate besuchen und
empfanden die dort aufgezwungene Kultur als großen Zwang.
Quelle: Planet Schule
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Die kanadische Bevölkerung
Kanada ist ein Mosaik der Kulturen. Hier leben rund 34 Millionen Menschen. Jährlich
kommen 200.000 Einwanderer ins Land, das ist nach den USA die zweitgrößte Zahl
weltweit. Fast die Hälfte der Kanadier ist nicht französischer oder britischer
Abstammung. Und auch die Franzosen und die Briten sind vor rund 500 Jahren als
Einwanderer ins Land gekommen. Multikulturalismus ist in Kanada ein politisches
Programm, ist Chance und Herausforderung zugleich. Das Ziel ist kein "Melting pot",
kein Schmelztiegel, wie es das US-amerikanische Idealbild darstellt, sondern ein
bunter Flickenteppich der kulturellen Vielfalt.
Die "Ersten Völker"
Sie waren die Ersten: Über die Beringstraße kamen die Ureinwohner Kanadas
aus Sibirien ins Land. Wann genau das war - vor 50.000 oder erst vor 10.000
Jahren - dazu gibt es unterschiedliche Theorien. Sicher ist: Sie kamen in
mehreren Schüben im Verlauf Tausender von Jahren. Einige von ihnen waren
sesshaft, andere Nomaden. Für die ersten französischen und britischen Siedler
waren die Ureinwohner zunächst Handelspartner. Die europäischen Einwanderer
brauchten die Hilfe der Indianer, wie sie sie nannten, für den Pelzhandel.
Allerdings wüteten aus Europa eingeschleppte Krankheiten unter den Stämmen
und viele Ureinwohner starben daran. Auch wurden einige Stämme von den
Europäern unbarmherzig bekämpft, die Beothuk auf Neufundland wurden gar
vernichtet.
Kanadische Namgis-Indianer
Ab 1830 begann die kanadische Regierung, die Indianer in Reservate umzusiedeln - und startete ein paar
Jahrzehnte später den Versuch, sie zwangsweise einzugliedern, etwa durch
sogenannte Indianerinternate. Erst in den 1960er Jahren verstärkte sich der
Widerstand. In den 1970ern entschied man sich in Kanada für die politisch
korrektere Bezeichnung "First Nations" ("Erste Völker", Ureinwohner). 1982
bildete sich eine gemeinsame Vertretung der indianischen Völker Kanadas, die
Versammlung der First Nations, um an einer neuen kanadischen Verfassung
mitzuwirken.
Etwa 700.000 Angehörige der First Nations leben in Kanada. Sie gehören 615
verschiedenen Gruppen an, die zehn verschiedene Sprachen und davon
nochmal 50 unterschiedliche Dialekte sprechen. Auch wenn einige sich
inzwischen selbst verwalten und Landansprüche eingeklagt werden konnten,
leiden gerade die First Nations unter starken sozialen Problemen von Armut bis
Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Die zweite Gruppe der Urbevölkerung wird
Métis genannt. Sie sind die Nachfahren der ersten Siedler und Pelzhändler, die eine Verbindung mit
indianischen Frauen eingegangen sind. Heute leben knapp 400.000 Métis in Kanada.
Die Menschen im Eis
Die dritte Gruppe der indigenen (eingeborenen) Völker bilden die Inuit. Ihr Name bedeutet "Menschen" in
ihrer Sprache, dem Inuktitut. Von den Indianern wurden sie "Eskimo" genannt, "Rohfleischfresser". Zurzeit
leben etwa 50.000 Inuit in Kanada, doch die Inuit sind "Baby-Boomer": Bereits 2016 könnte sich ihre Zahl
auf 80.000 erhöht haben, so lauten Schätzungen. Ihr traditioneller Lebensraum ist die Arktis - im Westen
vom US-amerikanischen Staat Alaska und im Osten von der Küste Labradors begrenzt.
Die Inuit sind deutlich später als die Indianer nach Kanada gelangt,
vermutlich etwa um 3000 vor Christus. Ursprünglich lebten sie als
Nomaden, hauptsächlich von der Jagd. Zuerst kamen die Walfänger und
Pelzhändler in die Gebiete der Inuit, dann folgten die Missionare. Die Inuit
hat das wenig beeindruckt. Erst mit dem Zweiten Weltkrieg kam die
kanadische Regierung in ihr Gebiet, um Flugplätze und Radaranlagen zu
bauen. Die Inuit zogen in feste Häuser, bekamen medizinische Versorgung, Schulen - und wurden nicht
selten abhängig von staatlicher Fürsorge, denn von der Jagd allein konnten sie nicht mehr leben. Die Inuit-
Quelle: Planet Schule
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Kunst wurde zu einer Haupteinnahmequelle. 1999 konnten die Inuit einen großen Erfolg im Streben nach
Unabhängigkeit verbuchen: die Gründung ihres eigenen Territoriums "Nunavut".
Ein zweigeteiltes Land
Der Grundstein für den Konflikt zwischen der franko- und anglokanadischen Bevölkerung wurde bereits mit
der europäischen Besiedlung im 16. und 17. Jahrhundert gelegt. Damals setzten sich die Engländer und
Franzosen als bedeutendste Kolonialmächte in Nordamerika durch. 1663 übernahm die französische Krone
die Herrschaft über die Kolonie Neufrankreich - also die französischen Siedlungsgebiete in Nordamerika.
Das war der Beginn der Erkundung und Besiedlung des Hinterlandes vom St. Lorenz-Strom aus. Den Briten
in Neuengland wurde der Weg ins Hinterland abgeschnitten und damit der Pelzhandel erschwert. Heftige
Kämpfe waren die Folge. Aus der entscheidenden Schlacht auf der Abraham-Ebene 1759 gingen die Briten
siegreich hervor. Im Pariser Frieden von 1763 trat Frankreich seine Gebiete in Nordamerika an
Großbritannien ab.
Nach dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg siedelten rund 50.000
"Loyalisten" - Getreue der britischen Krone - auf das Gebiet des heutigen
Kanadas über. In der Verfassung von 1791 wurden eine französische und eine
britische Provinz mit eigener Selbstverwaltung eingerichtet, 50 Jahre später
wurden sie zur Provinz Kanada vereinigt, Amtssprache: Englisch. 1867 wurde
der Bundesstaat gegründet. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Kanada ein
souveräner Staat mit dem britischen König oder der Königin an der Spitze.
Von Bi zu Multi
Die französisch geprägte Provinz Québec hat in Kanada stets eine Sonderrolle gespielt. Seit der Niederlage
gegen die Briten haben sich die Frankokanadier bemüht, ihre Kultur zu erhalten. Wirtschaftlich dominierten
aber die Anglokanadier in Québec. Gegen die wirtschaftliche Abhängigkeit und Bevormundung lehnte sich
die Bevölkerung in den 1960er Jahren mit der "Stillen Revolution" auf. Das Ziel: mehr Selbstbestimmung.
Viele Frankokanadier fordern gar bis heute einen unabhängigen Staat Québec.
Treibende Kraft war und ist die "Parti Québécois" (PQ), die mehrfach mit Volkabstimmungen versucht hat,
die Unabhängigkeit für die Provinz durchzusetzen. Der Staat reagierte mit zahlreichen Zugeständnissen:
1965 löste etwa das Ahornblatt den Union Jack auf der Nationalflagge ab und
1969 wurde Französisch zweite Amtssprache neben Englisch. In die Debatte
um das Miteinander der beiden Gründerkulturen klinkten sich die
europäischen Minderheiten im Land ein. So entstand aus dem BiKulturalismus der Multi-Kulturalismus, sozusagen als unbeabsichtigtes
Nebenprodukt der frankokanadischen Separationsbestrebungen. 1985 wurde
er als Grundrecht in der Verfassung verankert.
Mosaik der Kulturen
Kanada ist ein klassisches Einwanderungsland. Seit der Kolonialisierung sind Gruppen von Einwanderern in
mehreren Immigrationsphasen ins Land gekommen. Los ging es im 17. und 18. Jahrhundert mit den
französischen Einwanderern. Die britischen Siedlungsgebiete der "Loyalisten" lockten im 19. Jahrhundert
zahlreiche britische Einwanderer an. Zu dieser Zeit kamen aber auch bereits Einwanderer aus anderen
europäischen Ländern, vor allem Deutsche - rund 2,8 Millionen Kanadier haben deutsche Wurzeln. Zu
Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte Kanada eine explosionsartige Einwanderung. Bereits Ende des 19.
Jahrhunderts wurden vor allem aus China Arbeiter ins Land geholt. Allerdings waren diese rassistischen
Übergriffen ausgesetzt. Mit Slogans wie "We don't want Chinamen in Canada" ("Wir wollen keine 'Chinamen' in Kanada") wurde das Gespenst einer "gelben Gefahr" an die Wand gemalt.
Das änderte sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg, weil auch die Einwanderer im Krieg ihren Blutzoll
entrichtet hatten und weil in einer Zeit des Wirtschaftsbooms neue Arbeitskräfte gebraucht wurden. Bis in
die 1970er Jahre kamen vor allem Italiener, Portugiesen und Griechen, dann verstärkte sich der Zuzug aus
der Karibik und Lateinamerika und auch aus dem pazifischen Raum. Heute ist es schwer, die Anteile der
einzelnen Gruppen genau zu berechnen. Zunehmend definieren sich die Menschen selbst als "Kanadier", in
der Volkszählung von 1996 gaben 29 Prozent der Befragten als ethnische Herkunft "kanadisch" an, weitere
34 Prozent bezeichneten sich als "teilweise kanadisch".
Quelle: Planet Schule
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Polarkreis
Ein wenig nördlicher des 66. Breitengrades "Nord" sowie etwas südlicher des
66. Breitengrades "Süd" auf der Erde liegt eine schon fast magische Grenze: der
nördliche beziehungsweise südliche Polarkreis. Jenseits davon: die Arktis im
Norden und die Antarktis im Süden. Hier herrschen Temperaturen von bis zu
minus 70 Grad Celsius, und wohin man nur schaut: baum- und strauchlose
Tundra, Schnee-, Eis- oder Geröllwüste. Dann: monatelang Dauertag und
monatelang Dauernacht. Leben unter diesen Bedingungen? Scheinbar
unmöglich! Und doch: Mit faszinierenden Strategien haben es Menschen, Tiere
und Pflanzen geschafft, auch diese lebensfeindlichen Gebiete an den beiden
Enden der Welt zu besiedeln.
Mit schiefer Achse um die Sonne
Warum es die Polarkreise auf der Erde überhaupt gibt, das hat mit der besonderen Art und Weise zu tun, mit
der die Erde sich um die Sonne bewegt. In 365 Tagen eine ganze Runde auf einer elliptischen Bahn.
Zusätzlich zu ihrer Jahresrunde dreht sich die Erde dabei noch alle 24 Stunden
ein Mal vollständig um ihre eigene Achse. Denkt man sich jetzt eine Ebene
durch die elliptische Bahn, die die Erde um die Sonne beschreibt, steht die
Erdachse nicht senkrecht zu dieser Ebene, sondern in einem Winkel, der aus
der Senkrechten heraus um etwa 23,5 Grad gekippt ist. Darum werden, je nach
dem, wo sich die Erde im Jahreszyklus gerade befindet, verschiedene Teile der
Erde unterschiedlich stark von der Sonne beleuchtet. Die schief stehende
Achse ist auch der Grund, warum die Sonne, von der Erde aus betrachtet, zum Beispiel im Januar eine
andere Bahn am Himmel beschreibt als im Juli und warum es bei uns im Sommer heiß und im Winter kalt
ist.
Polkappen in Licht und Schatten
Wenn man sich beispielsweise am 21. Juni, zur Sommersonnenwende, direkt am nördlichen Polarkreis
befindet, wird klar, warum es ihn genau dort gibt. Hier geht nämlich an diesem
einen Tag die Sonne gar nicht mehr unter! Und je näher man dem Nordpol
kommt, desto länger (bis zu mehreren Monaten) hält der Dauertag an. Am 21.
Dezember, zur Wintersonnenwende, ist es genau umgekehrt. Hier geht die
Sonne jenseits des nördlichen Polarkreises gar nicht mehr auf. Sommer- und
Wintersonnenwende sind also diejenigen Tage, an denen die Erde wegen ihrer
schiefen Achse ihre Pole genau zur Sonne "hin-" beziehungsweise
"weggekippt" hat. Die Polkappen der Erde sind dann vollständig beleuchtet
oder liegen ganz im Schatten. (Wenn auf der nördlichen Erdhalbkugel Sommer
ist, ist auf der südlichen Winter und umgekehrt). Dass es im Sommer an den
Polen nicht so heiß wird wie am Äquator, liegt an der Art und Weise, wie die
Sonnenstrahlen auf der Erdoberfläche einfallen: jenseits der Polarkreise
nämlich in einem ziemlich flachen Winkel. Deshalb kommt dort im Vergleich
zum Äquator weniger Energie - und damit Wärme - an der Erdoberfläche an.
Extremer Lebensraum für Pflanzen und Tiere
Lange Dunkelphasen, Extremkälte im Winter und relativ kühle Temperaturen im Sommer machen die
Polarregionen zu einem Lebensraum mit ganz besonderen Herausforderungen. Den Pflanzen dort steht zum
Beispiel nur eine sehr kurze Vegetationsperiode zur Verfügung. Sie müssen mit dem spärlichen Angebot an
Sommersonne auskommen, um blühen und ihre Samen verbreiten zu können. In verblüffend kurzer Zeit
verwandelt sich dann die sonst eher karge Landschaft in ein saftig grün-buntes Blumenmeer. Mehr als 400
Arten arktischer Blütenpflanzen gibt es. Wegen des Permafrost-Bodens können in den Polarregionen nur
Pflanzen wachsen, die keine tiefen Wurzeln bilden und Staunässe vertragen. Denn Wasser kann darin nicht
absickern und der Boden saugt sich voll wie ein Schwamm. Vor allem niedrig wachsende Sträucher, Kräuter,
Quelle: Planet Schule
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Gräser, Flechten und Moose kommen mit solchen Bedingungen ganz gut
klar. Sie liefern den Moschusochsen und Rentieren, die sich in der Tundra
für den Winter eine dicke Speckschicht anfressen müssen, die
Hauptnahrungsgrundlage. Eisbären hingegen halten sich im Winter zur
Robbenjagd hauptsächlich auf dem Packeis auf. Sie können mit ihrem
dicken Pelz und einer beachtlichen Speckschicht lange in der Kälte
ausharren, ohne zu frieren. Sogar im eiskalten Wasser fühlen sie sich richtig
wohl.
Die Inuit sind eine reine Jägerkultur
Menschen in der Arktis
Mensch und Eisbär kennen sich schon lange. Bereits vor 3000 Jahren kamen die ersten Ureinwohner, die
Inuit, über die Beringstraße von Asien nach Alaska und ließen sich dort nieder. Im Laufe der Zeit wanderten
einige von ihnen weiter nach Westen, besiedelten die nördlichen Teile Kanadas und später auch Grönland.
Die Inuit konnten unter den unwirtlichen Bedingungen der Arktis nur überleben, weil sie als Jägerkultur
nicht auf Ackerbau und Viehzucht angewiesen waren. Da es in den Polargebieten auch keine Bäume gibt und
Holz nur als Treibgut vom Meer angeschwemmt zu finden war, verwendeten sie neben dem Fleisch ihrer
Jagdbeute auch Felle, Haut und Knochen als Rohmaterial für Kleidung und den Bau ihrer Behausungen.
Nichts wurde verschwendet. Heute leben die Inuit teilweise noch wie ihre Vorfahren. Viele allerdings
bewegen sich in einem schwierigen Spagat zwischen zwei Welten: dem Leben in großen modernen Städten
und ihrer alten nomadischen Jagdkultur. Neben den Inuit leben noch zahlreiche andere Völker mit den
unterschiedlichsten Traditionen und Kulturen jenseits des nördlichen Polarkreises. Zum Beispiel die
Tschuktschen, Samojeden oder Jakuten in Nordsibirien und, nicht ganz so weit im Norden, in den eher
subarktischen Gebieten Finnlands, Schwedens und Norwegens, zum Beispiel das Volk der Samen. In Alaska
und Kanada leben nahe dem Polarkreis die Athabasca-Indianer, die, wie die Inuit auch, zu den Ureinwohnern
dort zählen.
Antarktis ohne Ureinwohner
Der Südpol war lange menschenleer. Es gibt dort keine Ureinwohner. Der Grund dafür: Die Antarktis ist
Landmasse, die von Meer umgeben ist. (Im Gegensatz zur Arktis. Dort ist das Meer von Landmassen
umgeben). Erst mit der Entwicklung hochseetüchtiger Schiffe konnten die Menschen die Antarktis erreichen.
Heute leben dort - in großen Wohncontainersiedlungen - Forscherteams aus der ganzen Welt. Sie bleiben
allerdings meist nicht länger als einige Monate. In einer internationalen Übereinkunft - dem Antarktisvertrag
- wurde festgelegt, dass die Südpolargebiete ausschließlich friedlich genutzt werden dürfen und besonders
der wissenschaftlichen Forschung vorbehalten bleiben. Ab und zu wird die Antarktis auch von Touristen
besucht. Der Trend zu Kreuzfahrten in die Polargebiete hat in den letzten Jahren beachtlich zugenommen. Im
Sommer wohnen bis zu 10.000 Menschen in der Antarktis. Im Winter nur zirka 1000.
Globales Frühwarnsystem
Die Polarregionen der Erde sind trotz der unwirtlichen Lebensbedingungen
hochsensible Ökosysteme. Und sie sind heute durch den Klimawandel extrem
bedroht! Messungen haben gezeigt, dass die Temperaturen an den Polkappen
zwei- bis dreimal schneller ansteigen, als in der übrigen Welt. Klimatologen
haben mit Simulationsprogrammen berechnet, dass in hundert Jahren große
Teile des grönländischen Eisschildes abgeschmolzen sein und das Packeis im
Nordpolarmeer einen Großteil seiner Fläche eingebüßt haben könnte. Für Tier
und Mensch dort hat das jetzt schon teilweise verheerende Folgen. Die
Eisschicht auf dem Polarmeer ist das Jagdgebiet der Inuit. Sie schmilzt in den
Polarsommern immer früher und ist dann gefährlich dünn oder ganz
verschwunden, so dass die Jagdsaison um mehrere Monate verkürzt ist.
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Quelle: Planet Schule
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Arktische Tierwelt
Obwohl die Arktis durch ihre Meereis-Verbindung zu zwei Kontinenten kein
hermetisch abgeschlossenes Ökosystem darstellt, hat auch dieser riesige
Lebensraum aufgrund seiner klimatischen Bedingungen eine einmalige Tierund Pflanzenwelt ausgebildet. Die Nordpolarregion ist dabei nicht nur ein
Lebensraum für Tiere, die auf der geschlossenen Eisdecke leben. Auch im
Meereis selbst leben Algen und andere Kleinstlebewesen - und bilden den
Anfang der Nahrungskette.
Leben unter Null
Zu den ersten Anpassungskünstlern gehören Algen und Kleinstlebewesen, die
im Meereis oder an dessen Unterseite leben. Dort ist das Wasser minus zwei
Grad Celsius kalt. Die Grenzschicht zwischen Eis und Wasser ist sehr
nährstoffreich. Besonders die hoch konzentrierte Salzlake, die entsteht, wenn
Meerwasser zu Eis gefriert, ist Lebensraum für kleine Organismen, arktische
Eisalgen etwa, die kaum Licht für ihre Photosynthese benötigen.
Das arktische Ökosystem hat kurze Nahrungsketten, die in einigen Fällen
nur aus wenigen Gliedern bestehen: Meer- und Eisalgen werden von
Zooplankton und Krill gefressen, das wiederum Kabeljau oder Hering und
auch den Bartenwalen als Futter dient. Die Fische werden von Robben
gefressen. Und die Meeressäuger wiederum dienen dem Eisbär, dem letzten
Glied in der Kette und einzigen Arktisbewohner ohne natürlichen
Fressfeind, als Nahrung.
Säugetiere im Wasser ...
In der arktischen Kälte ist für gleichwarme Tiere die Vermeidung von Wärmeverlust existenziell. Große
Tiere haben den Vorteil, dass ihre Körperoberfläche im Verhältnis zum Körpervolumen relativ klein ist - und
damit auch der Wärmeverlust. Mit dicken Fettschichten sind alle arktischen Säugetiere und auch viele
Vogelarten perfekt an die Kälte zu Land und im Wasser angepasst.
Im Nordpolarmeer lebt eine große Anzahl von Säugetieren im Meer. Neben
den zwei größten Arten, dem Blauwal und dem Finnwal, kommen in
arktischen Gewässern Wale fast aller Arten vor, Plankton fressende
Grönland-, Buckel- und Zwergwale ebenso wie viele Zahnwalarten. Die
großen Meeressäuger wurden und werden verschieden stark bejagt und
leben deshalb zum Teil nur noch in kleinen Populationen in bestimmten
Gewässern. Der mit dem Beluga verwandte Narwal ist dabei die am
weitesten nördlich vorkommende Art.
Robben sind geschickte Schwimmer und kommen nur zum Schlafen und
Sonnen an Land aufs Eis. Da Hundsrobben, anders als die zu den
Ohrenrobben gehörenden Seelöwen, keine Hinterflossen haben, auf denen
sie "laufen" können, müssen sie sich an Land durch Kontraktion ihrer
Rumpfmuskulatur bewegen. Das macht die in der Arktis in großer Zahl
vorkommenden Seehunde langsam und zu einer leichten Beute für Eisbären - und Menschen.
Walrosse gehören ebenfalls zur Familie der Robben. Die großen Stoßzähne
des männlichen Tieres - noch heute ein Grund, warum diese Tiere bejagt
werden - können einerseits beim Erklettern einer Eisscholle helfen, machen
aber auch beim Erobern eines Weibchens und beim Abschrecken von
Rivalen Eindruck.
Leben in den eisfreien Regionen - Rentiere
Quelle: Planet Schule
Friedrich-Leopold-Woeste-Gymnasium Hemer
... und auf dem Eis
Eisbären leben zwar auf dem Eis, sind aber so exzellente Schwimmer, dass sie als Meerestiere gelten. Ihre
hohe Kältetoleranz bekommen sie durch ein dichtes Fell, dessen Haare hohl sind, und eine Fettschicht unter
der Haut - welche übrigens, anders als vermutet, tiefschwarz ist, um ebenfalls mehr Wärme speichern zu
können. Eisbären sind Fleischfresser, Pflanzen fressen sie nur in der Not, zum Beispiel während des eisfreien
Sommers.
Pflanzenfresser wie Rentiere beziehungsweise Karibus und Moschusochsen hingegen könnten im
permanenten Eis kaum überleben. Sie wandern im arktischen Winter in die eisfreien Regionen - die ebenfalls
eine eher artenarme Vegetation aufweisen - um nach Gras, Flechten und Moosen zu suchen. Andere in den
Kälteregionen lebende Tierarten sind der Polar- oder Eisfuchs, Schneehasen, Hermeline, Lemminge sowie
Wölfe.
Bedrohung trotz Anpassung
Obwohl außer den indigenen Völkern wie den Inuit ("Eskimos") in der
Arktis kaum Menschen leben (Grönland hat auf einer Fläche von etwas
über zwei Millionen Quadratkilometern nur rund 56.000 Einwohner),
gefährden die Menschen dennoch auch dort massiv die Tierwelt. Neben
dem Problem der Überfischung des Nordatlantik wurden in den
vergangenen Jahrhunderten auch viele Meeressäuger bis an den Rand der
Ausrottung gejagt. Niedrige Populationen, die nicht einem natürlichen
Zyklus entsprechen, bedrohen das fragile Gleichgewicht der Nahrungskette.
Auch das durch Klimaerwärmung schwindende Packeis erschwert den auf dem Eis lebenden Tieren
zunehmend das Leben. Schlimmer jedoch als diese relativ langsame Veränderung der Umwelt - bei der man
nur hoffen kann, dass die Tiere sie durch Migration oder Nahrungsumstellung ebenso überleben können wie
bisherige Eiszeit-Phasen - ist die unmittelbare Bedrohung durch Umweltgifte. Diese lagern sich im
Ökosystem Arktis besonders hoch konzentriert an, wohin sie mit Wind und Meeresströmung aus aller Welt
gelangen und dort nur sehr langsam bis gar nicht abgebaut werden können. Weitere Bedrohungen für die
arktische Fauna bedeuten Schiffslärm oder Ölbohrungen. Insgesamt gelten zurzeit über 40 arktische
Tierarten als gefährdet.
Quelle: Planet Schule
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