Schweigespirale

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Medienwirkungstheorien im Sport
Die Schweigespirale
Patrick Heil
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Schlüsselwörter:
Schweigespirale, Noelle-Neumann, öffentliche Meinung,
Isolationsfurcht
Einführung
Die Schweigespirale ist eine Theorie der öffentlichen Meinung. Sie geht davon aus,
dass Menschen, die eine von der öffentlichen Meinung abweichende Meinung vertreten, von ihren Mitmenschen mit Isolation bedroht werden. Da Medien den Eindruck
suggerieren, das zu repräsentieren, was die Allgemeinheit akzeptiert, die sogenannte
"öffentliche Meinung", komme eine Schweigespirale in Gang: Was medial nicht vertreten ist, obwohl es viele meinen, wird aus Angst, mit seiner Meinung allein dazustehen, verschwiegen.
Die Theorie der Schweigespirale
Elisabeth Noelle-Neumann formulierte mit ihrer Theorie der Schweigespirale ein
Konzept, in dem sie den Medien eine ausgesprochen starke Wirkung auf die öffentliche Meinung zuschreibt.
Dabei wird unterstellt, dass Menschen darum bemüht sind, eine soziale Isolierung zu
vermeiden, und dass sie über ein sogenanntes quasi-statisches Wahrnehmungsorgan verfügen, mit dessen Hilfe sie relativ genau die Relation von Bestätigung und
Ablehnung in Bezug auf Themen und Überzeugungen erkennen können.
Hierbei stehen dem Individuum zwei Quellen für ihre Umweltbeobachtungen zur Verfügung: zum einen der direkte soziale Kontext, in dem sich der Mensch bewegt und
zum anderen die indirekte Beobachtung der Umwelt über die Massemedien.
Die direkten sozialen Kontakte vermitteln den Menschen, mit welchen Meinungen
man sich in der Öffentlichkeit positioniert bzw. isoliert, währenddessen die Massenmedien ein Bild von der vermuteten Mehrheitsmeinung wiedergeben. Die Massenmedien übernehmen in diesem Zusammenhang eine Artikulationsfunktion.
Bei den Schätzungen der Menschen, welche Meinung gerade am stärksten vertreten
wird, kann es dazu kommen, dass die Bevölkerung sich über ihre soziale Umwelt
täuscht. Dies wird von Noelle-Neumann als pluralistische Ignoranz bezeichnet. (Noelle-Neumann, S. 316)
Die Unterstellung eines quasi-statistischen Wahrnehmungsorgans von Menschen
reicht noch nicht aus, um den Mechanismus der Schweigespirale vollständig zu erklären. Eine weitere wesentliche Annahme von Noelle-Neumann lautet daher, dass
Menschen dazu neigen, ihre Meinung zu verschweigen, wenn sie annehmen müssen, dass sie damit von der vermuteten Mehrheitsmeinung abweichen.
Laut Noelle-Neumann ist die Triebfeder für dieses Verhalten die bei allen Menschen
zu beobachtende Angst vor sozialer Isolierung. Menschen, die glauben, die Mehrheitsmeinung zu vertreten, neigen hingegen dazu, ihre Meinung auch öffentlich zu
äußern.
Dem nun einsetzenden Mechanismus verdankt die Theorie der Schweigespirale ihren Namen: Im Zeitverlauf wird die (scheinbar) dominante Meinung immer häufiger
und die (scheinbar) schwächer vertretene Meinung immer seltener geäußert.
(Schmidt, 2000, S. 4)
Die Kritik an der Theorie der Schweigespirale
Die Theorie der Schweigespirale wurde vor allem in Deutschland sehr stark kritisiert.
Zum einen lag dies am Zeitpunkt der Veröffentlichung der Theorie: Nach der Untersuchung der Bundestagswahl im Jahr 1976 warf Noelle-Neumann dem Fernsehen
vor, bei der Wahl den Wahlausgang durch eine sehr stark linksgerichtete Berichterstattung entscheidend beeinflusst zu haben.
Aber noch aus anderen Gründen ist die Theorie der Schweigespirale stark angegriffen worden. Der wichtigste Kritikpunkt richtete sich gegen die grundlegende Annahme des Ansatzes, der Angst des Individuums vor sozialer Isolierung. Ist Verhaltenskonformität die einzige Möglichkeit des Menschen, um eine soziale Isolation zu vermeiden? Zudem wird unterstellt, daß sich der einzelne ein zutreffendes Bild über die
Mehrheitsmeinung machen kann, dies scheint fraglich.
Die Theorie der Schweigespirale hat aber auch mit methodischen Schwierigkeiten zu
kämpfen, insbesondere mit dem Nachweis der behaupteten Wirkungen.
Zusammenfassung und Ausblick
Im Begriff der Schweigespirale liegt die Bewegung, das Sichausbreitende, gegen das
man nicht ankommen kann. Aber je besser man den Prozess der öffentlichen Meinung versteht, desto besser kann man auch auf diesen einwirken und durch eigene
Anstrengung der Schweigespirale entgegenarbeiten. (Fischer-Lexikon, S. 379)
Die Massenmedien sind die Öffentlichkeit und demonstrieren, was man in der Öffentlichkeit zeigen darf oder zeigen muss. Sie machen außerdem sprechfähig, geben
Formulierungshilfen und haben die schon angesprochene Artikulationsfunktion.
Die Schweigespirale hängt also nicht nur mit der Motivation des Individuums zusammen, sondern auch mit der überwiegend aus den Massenmedien bezogenen Fähigkeit dazu.
Diskussion
Wie verhält sich die Theorie der Schweigespirale in Bezug auf den Sport – lassen
sich diese Tendenzen auch im Sport erkennen?
Gibt es Situationen, wo ein Sportler oder ein (Sport-)Fan sich der Mehrheitsmeinung
anschließen muß oder unterliegt der Sport den Gesetzmäßigkeiten der Schweigespirale nicht?
Inwiefern steht die Leistungsfähigkeit in Zusammenhang mit der „Öffentlichkeit“ oder
hat ein Sportler einen freien Entfaltungsraum?
Literatur
Donsbach, Wolfgang: Die Theorie der Schweigespirale. In: Michael Schenk (Hrsg.): Medienwirkungsforschung. Tübingen 1987.
Fischer-Lexikon: Publizistik- Massenkommunikation. Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt
am Main 1994.
Luhmann, Niklas: Öffentliche Meinung. In: ders.: Politische Planung. Opladen 1975
Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien. Opladen 1996
Maletzke, Gerhard: Psychologie der Massenkommunikation. Theorie und Systematik. Hamburg 1963
Merten, K.; Schmidt, S.J. ; Weischenberg, S. (Hrsg.): Die Wirklichkeit der Medien. Opladen 1994.
Noelle-Neumann, Elisabeth: Öffentliche Meinung. Die Entdeckung der Schweigespirale. Frankfurt
1982.
Noelle-Neumann, Elisabeth: Das doppelte Meinungsklima. Der Einfluß des Fernsehens im Wahlkampf
1976. In: Noelle-Neumann, Elisabeth (Hrsg.): Wahlentscheidung in der Fernsehdemokratie. Freiburg,
München 1980. S. 77-115.
Schmidt, Siegfried J.: Medientheorie. Medienwirkungen, 2000.
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