hier - Heimatverein

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(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/1
Allerlei aus der Gegenwart XVII
131. Bis 10.7.1966 schoß Parkwächter Peter Janoschka im Schwanteich mit einem
Luftgewehr 11 Bisamratten. 2 alte und 9 junge. Eine junge wurde noch gesichtet.
Später noch 2 Bisamratten geschossen. Im Kirchteich sind noch welche, die auch die
Dämme durchwühlen.
132. Im Kindergarten sind 41 Kinder untergebracht. Für mehr Kinder reicht der Platz nicht
aus. Wegen Baulichkeiten ist der Kindergarten z. Z. von Golenz nach Gaußig verlegt.
Die Hygieneinspektion hat Golenz wegen Abortangelegenheiten im Augenblick
gesperrt.
133. 15.7.66: Es gibt Sommergäste im Schloß, die schon das elfte Jahr nach Gaußig
kommen, es scheint ihnen doch hier zu gefallen. Ein Gast kommt wegen des
Flugzeuglärms nicht mehr nach Gaußig.
134. Die Gelbsucht tritt z. Z. gehäuft auf, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. In
der hiesigen Fleischverkaufsstelle, ehem. Fleischerei Weidner, hatte ein Kind die
Gelbsucht und kam ins Krankenhaus. Die Fam. Noack [Ang. des KONSUM und im
Hause wohnend] durfte nicht in den Laden. Auswärtige Kräfte wurden für den
Verkauf eingesetzt. Später wurde auch Fleischer Noack von der Gelbsucht befallen
und kam ins Krankenhaus. Die Ursache für das gehäufte Auftreten ist der Bevölkerung
noch unbekannt. Am 30.8.1966 liegt Fleischer Noack noch im Krankenhaus. 6
Wochen.
135. Da vom Volksgut auf dem Gelände am Kirchenteich weniger Enten gehalten werden,
sind Kirchenteich und Schwanteich nicht von so viel Entengrütze überzogen wie die
Jahre vorher. Auch die Geruchsbelästigung ist nicht mehr so stark.
136. Im Juli 1966 waren wieder Ungarn zur Erholung im Schloß untergebracht. Wie bei
einer früheren Belegung fielen sie durch Verkauf von Zigaretten auf. Sie kauften auch
Lederwaren ein.
137. Ende Juli schwankte der tägliche Umsatz im Gemüseladen Schneider zwischen 100
und 1500 MDN. So viel wurde früher nicht erreicht. Neue Kartoffeln und Gemüse. 1
kg Frühkartoffeln 50
[Pfennig]. Ein Zeichen, daß viel Geld unter der
Bevölkerung steckt.
138. Zwei Finger an den Kopf anlegen ist ein kameradschaftlicher Gruß, wohl von
Kraftfahrern übernommen, die ihn zuerst einführten.
139. Am 27. und 28.7.1966 bekam unsere Dorfstraße einen neuen Belag von Splitt und
Teer. Dabei wurden in der Hauptsache Maschinen und ein LKW eingesetzt. Die Arbeit
ging ohne Verkehrseinschränkungen vor sich.
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/2
140. Am 30. und 31. Juli 1966 konnte die Schrebergartenvereinigung ihr 20-jähriges
Bestehen feiern. Am 30.7. auf dem Saale Festveranstaltung mit Tanz, der Saal war mit
Blumen schön geschmückt und für den allgemeinen Besuch zugänglich. Kurz vor dem
allgemeinen „Reinemachen“ hatten einige Kühe des Volksgutes drei Schrebergärten
einen „Besuch“ abgestattet und dabei Hecke und Gärten allerlei Schaden zugefügt.
141. Eingebürgert hat sich der Sonntagsspaziergang in den Park. Dabei bleibt man vor allem
bei den Schwänen stehen und füttert sie auch gern, davon profitieren die Karpfen (600
Stück sind heuer im Schwanteich ausgesetzt worden).
Parkwächter Janoschka klagt allerdings immer wieder über den vielen Unfug, den die
sog. Halbstarken im Park anrichten. Es werden z. B. Angeln gelegt.
Naturdenkmäler in Gaußig
Aus Max Militzer, „Die Naturdenkmäler der Sächsischen Oberlausitz“, Bautzen 1936, S.
43/44
Zahlreiche starke Eichen zeichnen den Ort aus:
So am Mühlteiche, deren stärkste 5,3 m im Umfang mißt; von drei Eichen an der Rieglitz
beträgt der Umfang der stärksten 4,2 m, ein besonders prächtiger Baum steht auf einer
Wiese östlich des Parkes unweit des Weges nach Golenz, an dessen Flurgrenze die stärkste
Eiche mit 6,3 m Umfang aufragt, in drei Meter Höhe sich in zwei Stämme teilend.
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/3
Allerlei aus der Gegenwart XVIII
142. Botanisches 1966:
Auf dem Friedhof steht eine einzige Ulme mitten zwischen den Gräbern. Alter? Neben
der Leichenhalle wächst ein Trompetenbaum.
Am Kanal, am südlichen Teil des Schwanteiches wurde ein Mammutbaum gepflanzt.
Die Erbsen waren 1966 gering madig.
143. Von den Imkern:
Gründung der Fachgruppe Imker im Jahre 1920.
Mitgliederzahl am 14.5.1938:
35
Zahl der Bienenvölker:
1938
255
1939
272
1955
580
1956
510
1961
5118
1963
569
1964
572
1966
541
Mitgliederzahl am 16.1.1955:
51
Weitgehende Aussprachen über die Unterstützung der einberufenen Imkerkameraden,
Anlernen der Imkerfrauen und allen internen Bienenangelegenheiten bildeten den
Schluß der Versammlung am 5.3.1940. Honigabgabe am 29.6.1940. Hierzu wird
bekanntgegeben, daß dieses Jahrerstmalig eine Honigabgabepflicht, und zwar 3 kg pro
Volk, besteht.
23.2.1941: Der Futterzucker wird in Zukunft vergällt geliefert (Oktosan).
7.11.1943: Für die Unterbringung von Bienen Bombengeschädigter sind verschiedene
Möglichkeiten vorgesehen und bereits gemeldet.
1956 bestand die Sparte Imker in Demitz 100 Jahre.
144. An vielen Tagen wird die dörfliche Ruhe Gaußigs durch die modernen Düsenflugzeuge
gestört, die vom Militärflugplatz Litten hier vorbeifliegen. Oft fliegen sie zu zweit.
Unangenehm wird der Durchbruch durch die Schallmauer empfunden, wobei ein
Knall, einer starken Explosion ähnlich, entsteht. Sonstige Flugzeuge – Hubschrauber,
Doppeldecker etc., selten nur Passagierflugzeuge, IL18 mit Turboprop, kreuzen
unseren Luftraum täglich mehrmals, auch nachts, von Berlin in Richtung Prag
fliegend. Bei klarem Wetter sieht man die rote Seitenbeleuchtung aufblinkend. Im
Sommer flog öfters ein Doppeldecker in niedriger Höhe in Nord-Süd-Richtung.
Angeblich Geräte an Bord, die die Uranstrahlung feststellten. Auf dem Klosterberg
beginnen Bohrungen durch den Granit, dem Gerücht nach will man 300 m tief bohren.
Um abzulenken heißt es, man wolle Split herstellen.
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/4
145. 1966 beginnt man mit dem Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses. Vorläufig ist erst
der Grund abgesteckt und der Straßengraben mit Rohren versehen. Baubeginn? Im
Oktober Grund gegraben und gemauert.
146. Anfang Oktober Schwanteich abgefischt. Ein 20-pfündiger Karpfen war drin, keine
Aale.
147. 1966 war das Jahr der großen Obsternte. Die Erdbeerernte war schon gut, wenn auch
nicht so wie 1965. Kirschen, Pflaume, Äpfel, Birnen – alles war gut geraten. Äpfel je
Zentner 40 MDN, bei Bekannten 35 MDN. Bei Pflaumen lohnt sich teilweise das
Pflücken nicht, man bekommt sie umsonst. Viele Hausfrauen klagen, dass es ihnen an
leeren Gläsern fehlt. Tomaten und Erdbeeren litten unter der Braunfäule.
148. Seit Wochen schon geht das Gerücht um, Gaußig bekäme hohen Besuch. Man
munkelte über diesen und jenen Gast. Als ich gestern nach Diehmen zu durch den Park
ging, fielen mir die vielen großen Autos auf, an sich nichts Neues an dieser Stelle.
Heimwärts begegneten mir 2 junge Menschen, die mir dadurch auffielen, daß sie
weiße Jacken trugen. Sie grüßten höflich und ich zählte sie zu den Bediensteten des
angekündigten hohen Besuches. Wer da war, konnte ich nicht erfahren. Wie es in
solchen Fällen üblich ist, wird das fehlende genaue Wissen durch Fantasie ersetzt, die
dem einfachen Menschen auch genügt. Ich hoffe, nachträglich die Wahrheit zu
erfahren. Böse Zungen meinten, der Besuch solle auf den schlechten Zufahrtsstraßen
nach Gaußig kommen, dann würde endlich der Ärger aus der Welt geschafft. Die
Straße nach Zockau ist auch seit vielen Jahren in schlechtem Zustand, desgleichen die
nach Medewitz. Ein Generalleutnant sei dabeigewesen.
149. In Günthersdorf, in der Nähe des Mühlteiches, der 1966 geschlämmt wurde, hatte
Frieder Schmidt Karpfenteiche angelegt und besetzt. Im Oktober 1966 sind die
Karpfen vergiftet worden. Täter unbekannt.
Berichtigung: Es handelte sich nicht um Karpfen, sondern um Forellen. Die 16000 [?]
Forellen sind nicht vergiftet worden, sondern an Parasiten zugrunde gegangen. Diese
Parasiten sollen angeblich aus dem Kirchenteich stammen; ob ein Zusammenhang mit
der Entenzucht des Volksgutes besteht?
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/5
150. Am 11.9.1966 fand das kirchliche Erntedankfest statt. Wie alljährlich wurden auch
heuer am Altar Gaben niedergelegt, die dann an das Bethlehemstift in Neukirch
abgeliefert werden. Diesmal waren es 11 Säcke Weizen, einige Seiten Speck. Trotz der
guten Obsternte wenig Obst, eine Schwinge voll Eier und etwas Gemüse. Der Besuch
im Gottesdienst zeigte auffällig wenig Männer.
151. Bisher wurde die Trinkmilch lose ausgegeben. Seit 19.11.1966 erhalten wir die Milch
in Halbliterflaschen. Die leere Flasche wird mit 20
[Pfennig] berechnet. Es gibt
auch noch Milch aus der Kanne.
152. Im Sommer klagten viele Schrebergärtner über schlechte, von Braunfäule befallene
Tomaten. Bei Kartoffeln ist diese Krankheit ebenfalls zu beobachten. Da man dies bei
der Ernte nicht gleich sehen kann, sollten die Kartoffeln erst 14 Tage im Freien lagern.
Anscheinend wird dies nicht in jedem Falle befolgt.
153. Am 27. November wurde in Gaußig die Winterkirche eingeweiht. Sie ist von der
Hauptkirche abgetrennt, unterhalb von Orgel und Chor. Sie bietet Platz für 100
Besucher. Die notwendigen Stühle und sonstigen Kosten wurden von den
Gemeindemitgliedern getragen.
154. Die Walnüsse der 1966er Ernte weisen eine noch nie beobachtete auffällig dünne
Schale auf. Die Ursache ist nicht bekannt. Hängt sie mit den vielen Niederschlägen
zusammen? Auch in Dresden klagte man über die dünnen Schalen.
Von den Taufnachrichten 1648-1799 Teil I
Das mit Com. abgekürzte Wort, das ich mir zunächst nicht erklären konnte, aber als „die
Paten“ deutete, heißt Compatres. Damit sind, wie ich richtig vermutete, diePaten gemeint.
1667, 30. Mai: Eodem die [am gleichen Tag] sind Hannß Kliemanns dem Schulmeister
allhier zwei Söhne geboren, darunter der eine Tot auf die Welt kommen, der andere aber
alsbald mit Namen George getauft worden. Die Paten sind gewesen Hannß Noack von
Cossern, Matz Heinrich des Heinrichs Sohn von Gaußig.
1668, 5. September: Den 5. September ist Michael Schubes des Puscher Möllers [wohl
Puscher-Müllers] Töchterlein mit Namen Agnisa od. Hanuscha getauft worden. Die Paten
sind gewesen Meister George Gahr, der Möller [s.o.] von Klein-Gaußig, Ursula Hanß
Liebschens des Richters Weib von Gaußig und Agnisa Hans Markes Tochter von KleinGaußig.
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/6
1670: Den 28. April ist des alten Hanß Witschas Töchterlein von Klein Gaußig mit Namen
Elisabeth getauft worden. Die Pathen sind gewesen Hans Michael
, der Schreiber
aufm Hofe,
bey der Frau Grünrodin und Sabina des Schneiders Tochter von Göda, dero
Zeit Obermagd aufm Hofe.
1673: Den 15. Juni ist Gertrud einer Köchin Hurenkind
.
1675: Die Paten sind gewesen
und Marscha des Schulmeisters Tochter allhier zu
Gaußig.
1. Januar Die Hofeköchin zu Mädewitz
Christian Kliemann, des Schulmeisters Sohn allhier zu Gaußig
1677: 27. Februar des Kretschmers Töchterlein von Mädewitz
Impfschein (Abschrift) [Original vorhanden]
Daß Johanne Karoline Noack [?] aus Golenz in dem Alter von einem Jahr 3 Monaten von
mir mit guten Erfolg durch 40 Pusteln vaccinirt worden, solches bescheinige hiermit
vorschriftmäßig.
Gaußig, am 26sten Juli 1842
A. Rothe [?]
Districts Impfarzt
Rothe stirbt 1854
Kaufkontrakt 1818 Golenz
Wir, Gräflich Schall-Riaucoursche Gerichten zu Gaußig mit Golenz und ich Johann
Heinrich Klenzel verpfl. Gir.dir. daselbst beurkunden hiermit, und fügen an zu wissen, daß
dato untergesetzten Tages uns Georg Teich, Kleingärtner und Richter zu Golenz, als
Verkäufer, und dessen Sohn, Peter Teich, der Versicherung nach über 21 Jahre alt, als
Käufer, nachstehenden Kauf vorgetragen haben.
Es verkauft nämlich ersterer an letzteren seine besage Kaufbriefs vom 4. April 1791 ihm
zugehörige Kleingärtnernahrung, wie solche an Feldern und Wiesen in ihren Rainen und
Steinen liegt, somit allen Ein- und Zugehörungen und was darin Erd- Wand-Band- Mauer
niet- und nagelfest ist, jedoch exclusive der auf dem Grund und Boden wachsenden Eichen,
Eschen und Linden, als welche der Gerichtsherrschaft gehören, ingleichen mit allen nach
dem Urbarium darauf haftenden Oneribus an Steuern, Zinsen und Diensten als …………
hat wöchentlich sechs Tage Männer-Dienste; wenn er aber um den 16. Scheffel in der
Scheune drischt, tut er daneben Weiber-Dienste. Die Dienste nehmen früh um 7 Uhr ihren
Anfang, dauern bis 12 Uhr, centinuiren nachmittags von 2 bis wiederum 7 Uhr. Solange er
mit der Sense zu Hofe geht, hat er auf dem Felde eine Verper-Stunde. Wenn Korn und
Weizen gehauen wird, bringt er des Jahres fünf Tage einen Abraffer mit. Wenn er
Winterszeit au ein Gespann genommen wird, so dauern die Dienste fünf Stunden.
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/7
Wenn ein halber Feiertag einfällt und in Gaußig gepredigt wird, gehet ihm ein halber Tag
zu Gute. Desgleichen wird ein halber Tag vor den hohen Fasten zum Baden nachgelassen.
Alle vierzehn Tage wird ihm ein wird ihm ein halber Hofedienst – Tag zum Baden –
gleichfalls gegönnt. Statt der Kost erhält er jährlich sechs Scheffel Mittel-Korn.
Steuert zu jeder Steuer sieben Groschen nach Gaußig und verhältnismäßiges Soldatengeld.
Zinset jährlich zwei alte Hühner und 60 Stück Eier, wie auch sieben Groschen Wachgeld.
Spinnt zwey Stück Garn, wovon er vors Stück einen groschen zehn Pfennige Lohn bekommt.
hebt und legt mit der Gemeinde, läuft auch Botschaften. Des Bieres und Branntwein muß er
sich bei allen Ausrichtungen in Gaußig erholen. Mählt auch in der Kleingaußiger Mühle.
Dem Schulmeister in Gaußig gibt er am Gründonnerstag und Heil. Weihnachtsabend
jedesmal
6 [Pfennig].
Erb- und eigentümlich um und für Einhundert Thaler ganzer Haupt- und Kaufsumme,
welche folgendermaßen zu bezahlen ist als
25 Thaler an Magdalenen Teichin
25 Thaler an Annen Teichin,
25 Thaler an Marien Teichin und
25 Thaler an Agnes Teichin,
käufers Schwestern, wenn sich dieselben verheiraten.
Bis dahin behalten dieselben freie Herberge in der Nahrung und bis zur Bezahlung
vorbestimmter Kaufgelder die Hypothek an der Nahrung.
Käufern wird von Hochgräflicher Herrschaft zugestanden, daß
1. solange er mit keinem Zugvieh versehen ist, die von dem Landes Kommissariat
ausgeschriebenen Lieferungen von dem Gaußiger Hofe fortgeschafft werden, hiernächst
2. von ihm, wenn starke Reparaturen, oder neue Baue vorkommen, da er solche selbst
verrichten muß, solange als selbige dauern, keine Hofedienste verlangt werden sollen, wie
dem auch
3. wenn der Wirt oder die Wirtin auf dieser Nahrung stirbt, von selbiger vier Tage keine
Hofedienste verrichtet werden.
Zum Ausgedinge
hat Käufer an Verkäuferin zu entrichten und zu verstatten:
lebenslang freie Herberge, bei Käufers Holze frei zu baden, demselben die Wäsche
unentgeldlich zu reinigen, eine Kammer zur Aufbewahrung der Sachen, die Freiheit, sich
auf der Ofenbank zu bedienen; jährlich sechs Viertel gutes Korn, zwei Viertel gute Gerste,
ein halbes Viertel Leinacker, 1 Beet Kraut, ein Beet Erdbirnen, den dritten Teil von allem
zugewachsenen Obste, vier Kannen Butter, 1 Kanne Butter sind 4 Stück, von Walpurgis bis
Michaelis alle Sonntage eine Kanne gute Milch und zu jedem hohen Feste zwei weiße
Kuchen.
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/8
Sollte Verkäufer eher sterben als seine jüngsten Töchter Marie und Agnes mit zum Heil.
Abendmahl gegangen sind, so hat der Käufer dieselben unentgeldlich zu beköstigen und das
Schulgeld für sie zu bezahlen.
Nachdem nun die Kontrahenten diesen Kauf auf Verlegen [Vorlegen?] genehmigt und um
dessen Ausfertigung und Konfirmation gebeten haben, diesem Suchen auch einiges
Bedenken nicht entgegen gestanden hat, so ist vorbesagter Kauf Obrigkeitsegen in
quantum juris confirmiret, in die reservierte Hypothek wegen der unbezahlten Kaufgelder
und zu dessen Urkund dieser Kauf in gegenwärtiger Form, unter Verdruckung des
Gerichtssiegels und des Gerichtsdirektors Unterschrift ausgefertigt und in das
Gerichtshandelsbuch dato 1811 Fol. 210 b gleichlautend eingetragen worden. So geschehen
Gaußig mit Golenz, am 28. Dez. 1818.
Gräflich Schall-Riaucoursche Gerichten allda
5 Thaler Abzug sind entrichtet
Johann Heinrich Klengel Gedir
167. Von den Taufnachrichten 1648-1799 Teil II
1681: Christian Reich ein kurfürstlicher Silberdiener von Dresden …
1691, 9. Dez.: Paul Lehmanns, Schenkens in Gaußig …
1701: … Patin Kammermädchen
Hanscha und Hila als häufige Vornamen
1732: Patin Eva Magdalena Frauenlobin, Schulmeisters allhier …
(erstmals Frauenlob erwähnt)
1735, 12. Jan. ward Johann Prils Lustgärtner allhier Söhnlein geboren
Comp. [Pate] August Ritter Materialist [Material-Händler] in Budissin
In dieser Zeit kommt Schmied schon als Familienname vor.
1738, 24. Aug. früh um 2 Uhr ward Hans Christoph Rößlers Leinewebers in Diehmen Söhn
lein geboren, eodem die [am gleichen Tag]
1739, 28. Nov. abends um 10 Uhr ward Martin Böttigs Söhnlein von Golents geboren und
weil es sehr schwach war, so empfings bald darauf die Nottaufe mit Namen Andreas.
1740, 6. Febr. früh um 2 Uhr ward Gottfried Dietrich, Kürassierer unter dem Herrn Bersten
von Nassau Compagnie, welcher z. Zt. in Cossern im Quartier liegt, ein junger Sohn
geboren, den 8. getauft und Johann Friedrich genannt. Comp.[Paten]: ….
1740, den 5. Juli abends um 11 Uhr ward Andreas Säubrichs von Diehmen frühzeitiges
Söhnlein geboren, den 6. getauft und Johann Christoph genannt.
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/9
1741, den 28. Jan. früh um 2 Uhr ward Agnisa Hartmannin von Diehmen unehelicher Sohn
geboren. Der Vater soll nach ihrem Vorgeben ein Soldat gewesen sein.
1741, den 26. April nachm. 3 Uhr ward Anna Paulickin von Gnaschwitz ein unehelicher
Sohn geboren. Der Vater ist Christian Steglich von Neukirch.
1741, den 14. Juni früh 5 Uhr ward Hans Jatzkens von Klein-Gaußig Söhnlein geboren.
1742, den 18. Juli früh um 1 Uhr ward Elisabeth Bantzschin von Gaußig unehelicher Sohn
geboren. Der Vater ist Andreas Kmoch von Diehmen.
1742, den 1.Nov. nachts ward Maria, Peter Probstes von Gnaschwitz ältester Tochter ein
unehelicher Sohn geboren. Der Vater soll ein Soldat in Bautzen gewesen sein.
1743, den 5. Jan. nachmittags um 1 Uhr ward Joh. Gottfrieds Verlehrne Jäger in Arnsdorf
Töchterlein geboren, den 7. getauft und Johanna Sophia genannt. Comp. [Paten]:
Jgfr. Johanna Magdalena H. Christian Kliens, Past. in Wilthen Tochter, Johanna
Sophia, Christian Michael (Alberti Baders in Wilthen Ehefrau Adena Förster) Fried
rich Förster in Tautewalde
1743, den 24. Febr. abends um 5 Uhr ward Joh. Christoph Gurts, Schulhalters in
Gnaschwitz Töchterlein geboren.
1743 unter den Comp. taucht auf Christian Kliens, Pastoris in Wilthen Frau Ehrliebste [?]
1743, den 19. August um 6 Uhr ward George Hertzogs von Naundorf Töchterlein geboren,
und zwar im 6. Monat nach der Copulation
1746 Joh. Gottfried Langens, Pacht Schenkens in Gaußig
Der Name Schattel, Günthersdorf, taucht oft auf.
1748 Hans Fröhde, Schmied in Gaußig
1748, 7. März Andreas Noack, Pfarrers Söhnlein, Carl Gottlieb
1748, 14. Mai wurde einer fremden Frauensperson in Günthersdorf, welche dem Vorgeben
nach Joh. Christian Müllers Kammerdieners bey dem Hn. Obristen Rixin Ehefrau
solle, wurde mit einer jungen Tochter entbunden, welche den 17. getauft und Johan
na Friederica genannt worden. Comp.: Anna Rosina, Martin Haasers Müller in
Thumitz Anna Rosina, George Pietzsches seel. Tochter von Diehmen, Johann Gott
lob. Johann Christoph Lehmanns Verwalters allhier Sohn.
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/10
1749 gibt es drei Zwillingspaare:
18. Jan., Gnaschwitz
6. Febr., Gnaschwitz
16. Juni, Medewitz
1751 Hans Fischer, Schuster in Gaußig
Theinert, Jäger in Gaußig
1751 Martin Urban, Leineweber in Naundorf
1751 Unehelicher Sohn, Vater ist ihrem Vorgeben nach Gottfried Schöne, ein Soldat von
dem Minkwitzschen Regiment
1753, den 8. Jan. früh 5 Uhr ward hn. Friedrichs Mustapha, Bettmeisters allhier Töchter
lein geboren, den 9. getauft und Carolina Erdmuthe Margaretha genannt. Comp.
[Paten]: Ihre Exzellenz Herr Hermann Carl Graf von Keyserling als hiesige hohe
Herrschaft; Die hochgeb. Gräfin und Frau Catharina Erdmuthe Gräfin Keyserling
geb. Gräfin von Dallwitz; Mademoiselle Margarethe Gentherin.
1753 Vater eines unehelichen Töchterleins soll sein ein herrschaftlicher Mundkoch in
Dresden.
1756 Comp.: Zacharias Adlers Mittags Predigers und Katechetens Ehefrau
1757 abends 10 Uhr ward Michael Schöbel Kramers allhier Töchterlein geboren.
1757 Johann Christian Rothenburg, Schreiber bei dem Herrn Grafen von Keyserling jun.
1757 ward Carl Ernst Krause, Schenkwirts allhier am 11. Jan. ein Söhnlein geboren im 7.
Monat nach der Copulation.
1757 ein Söhnlein geboren im 4. Monat nach der Copulation.
1757 Uneheliche Tochter in Günthersdorf geboren. Der Vater des Kindes ist Ferdinand
Feige, ein Bildhauer aus Dresden.
1757 - Schwachheitshalber die Haus- und Nottaufe.
1757 - frühzeitiges Töchterlein geboren
1757 Karl Ernst Krausens Schenkwirts allhier Söhnlein geboren. Comp. [Paten]: Michael
Schöbel Kramer allhier; Joh. Gottlob Frauenlob, Schulmeister allhier (3 Hinweise)
1757 Joh. Gottlieb Ludewig Schenkwirts in Gaußig ein Söhnlein geboren
1757 George Kirnsches Curassier Reuters Töchterlein in Schlungwitz, wo sich sein Ehe
weib aufhielt, geboren.
1757 Comp. [Paten]: Joh. Heinrich Rößler, Brauer allhier; als Vorname: Agnisa
1757 Gottfried Försters Gärtners allhier; Comp. [Paten]: Johann Heinrich Rößler, Bräu
er allhier
1760 Schöbel, Kramer allhier.
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/11
1760 Töchterlein des Gottfried Förster, Lust- und Ziergärtners allhier, geb. am 31. Dez.
Comp. [Paten]: Johann Gottlieb Theunert, Jäger allhier
1761 Als Comp. wird genannt: Johann Heinrich Matusewitz, Oekonomie Inspektor allhier
1761 Johann Christes allhier, Kramer allhier
1761 Daniel Günther – Böttiger allhier
1762 Johann Gottlieb Ludewig Schankwirt allhier
et quidem mensi sato post copulationem
1762 Taufe eines Töchterleins in Weißnaußlitz, Dragoner, welche sich anietze hier im
Winterquartier befinden, Tennbeur ist der Vater
1762 26. Dez. Töchterlein geboren, Paten sind 2 Dragoner und 2 Dragoner Eheweiber
und eines Proviant-Knechts Eheweib aus Naundorf alle
1763 Eines Dragoners in Gnaschwitz Söhnlein geboren; aus der Kompagnie des Majors
von Schleinitz. Comp. [Paten]: Mundkoch bei dem Herrn Major.
1763 15. Juni ward Johann Gottlob Frauenlobs, Schulmeisters und Organ. Allhier Söhn
lein geboren. Comp. [Paten]: Jakob Noack, Erbrichter in Weißnaußlitz, Phillipp Ja
kob Dittmann, Verwalter in Neukirch, Juliana Dorothea Gottfried Weitzmanns ehel,
Mediciners practici von Neukirch Jungfer Tochter.
1763 Christian Gottfried Prentzel – Kauf- und Handelsherr in Budissin Jungfrau Tochter,
und Joh. Heinrich Kießlings Schwarzfärbers Tochter aus Budissin sind Paten beim
gewesenen Wirtschafts-Schreibers Töchterlein
1763 Söhnlein bei hiesiger Herrschaft Bedienten Johann Schmieds. Comp. [Paten]: Herr
Heinrich Matusewitz, Oekonomie Inspektor allhier und Heinrich Walter, Wirt
schaftsschreiber in Crosta, Herrn Gottfried Perls, Hofkomisärs Eheliebste
1764 Gottlieb Förster, Lust- und Ziergärtner allhier
1764 Gotthelf Ehrenfried Christens, Kramers allhier Töchterlein geboren, 18. März
1764 Daniel Günthers, Böttiger in Golenz Töchterlein geboren.
1764 Benofski Hufschmied in Diehmen
1764 Michael Schöbels, Kramers Eheweib
1764 Johann Heinrich Rößler Mätzer und Brauer allhier
1765 3. April früh 10 Uhr ward ChristianWilhelm Lorenzens Wirtschaftsschreibers allhier
Töchterlein in Medewitz geboren den 5. getauft und Johann Maria Margaretha ge
nannt. Comp. [Paten]: Hl. Johannes Matusewitz, Inspektor allhier, Margareta von
Gesewitz, Frau Ewa Maria, Johann Heirich Ochsens, hochgräfl Keyserlingischer
Leib-Chirurgi und Kammerdieners Eheliebste.
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/12
1765 Gottfried Försters Lustgärtners allhier Eheweib
1765 Joh. Gottlieb Ludewigs Schenkwirt allhier Eheweib
1765 ward Joh. George Schmied Leinewebers von Gaußigs frühzeitiges Töchterlein gebo
ren. Comp. [Paten]: Michael Schöbels, Kramers allhier Tochter, Katharina Gott
fried Försters, Lustgärtners allhier Eheweib.
1765 Gottlieb Theinerts Jägers allhier ältester Sohn
1765 George Kubitz Schulhalter in Gnaschwitz
1766 George Schmied Leineweber allhier
1767 Michael Schöbels Eheweib, Kramers allhier
1767 Mattusewitz, oecon Inspektor in Chrosta [Crostau, Crosta?]
1770 Gottfried Förster, Lust- und Ziergärtner allhier
1770 Comp. [Paten]: Johann Schmied, Schloß-Verwalter allhier
1770 Comp. [Paten]: Johann Traugott Weitzmann, Medicinae pract. In Oberneukirch
und Joh. Ludewig, Schenk- und Gastwirt allhier
1770 Mstr. Joh. Christoph Schmied, Tischler allhier
1771 Joh. George Schmied Leineweber allhier
1771 Peter Kiehls, Pacht-Inhabers der hiesigen gräfl. Riaucourschen Güther Söhnlein
geboren. Comp. [Paten]: Johann Heinrich Schumann Landrichter auf der Seyda bey
Budissin
1771 keine unehelichen Geburten
1772 Gottfried Säubrichs allhier Söhnlein 6 Wochen [Monate?]nach der Copulation ge
boren.
1772 Christian Scholtzes Leinewebers von Diehmen +
1772 Zwillinge von Weißnaußlitz, 2 Jungen
1772 Comp. [Paten]: Joh. Christoph Schmied, Tischler allhier
1773 bei der Puschermühle
1773 Mstr. Johann Rolle, Maurermeister allhier
1773 Johann Rade Schuster in Gaußig
1773 Andreas Grollmuß Medewitz
1773 Michael Ackermann, Leineweber in Gaußig
1773 Mstr. Johann Gottfried Sommer, Brauer und Mätzer allhier
1774 Jakob Voigt, Hofeschmied allhier
1775 Brösang noch Briesang genannt, Naundorf wird Neudorf geschrieben.
1775 führt Michael Rietscher die Bezeichnung Kirchbauer – Zwillinge 1. Jan. 1775
1775 11. Mai vormittags um 12 Uhr ward Gottfried Grohmanns von Golenz Töchterlein
im 4. Monat nach der Copulation geboren.
1775 Comp. [Paten]: Joh. Christoph Schiemann, Schulhalter in Bautzen
1775 Comp. [Paten]: Benowski Schmied in Diehmen +
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/13
1775 den 1. Nov. nachmittags um 3 Uhr ward Maria Christina Baumann von Budißin all
hier eine uneheliche Tochter geboren. Den 3. getauft und Maria Christina genannt.
Den Kindes Vater soll sein Christian Panisch, Jäger bei hiesiger Herrschaft. Des
Kindes Paten sind: Johann Gottlieb Schäfer Bader und Chirurgus allhier; Anna Ro
sina, Gottfried Steglichs Schenkwirts allhier Eheweib; Erdmuth Hedwig, Joh. Gott
fried Ulbrichs Schloßverwalters allhier in Gaußig Eheweib.
1776 Andreas Grollmus von Medewitz als Pate
1776 Karl Friedrich Fischer Kunst und Lustgärtner von Gaußig
1776 abends 9 Uhr ward in der neuen Schenke in Diehmen 10. Juni Christiane Krausin
von Neusalz ein unehelicher Sohn geboren und Johann Gottfried genannt. Comp.
[Paten]: Gottfried Steglich, Schenkwirt in Gaußig; Michael Schöbels Cramers Weib
allhier; Johann Rolles Maurermeisters Weib allhier.
Nachsatz: des Kindes Vater soll sein Joh. Gottfried Angermann, ein Fleischerbur
sche aus Dresden.
1776 … aus der Postschenke
1776 Christian Riedel, Brauer und Mältzer allhier
1776 Christian Scholtze, Leineweber aus Diehmen +
Agnisa: ein häufiger Vorname
die Puschermühle taucht gesondert auf.
1776 Karl Theinert Baretmacher allhier
1777 Vincetii Schmied, herrschaftlicher Jäger von Wilthen, annietzo in Dretschen wohn
haft Comp. [Paten]: Gottfried Ulbrich, Schloßverwalter allhier; Steglich Schenkwirt
allhier. Schuster in Gaußig.
1778 Joh. Gottlob Frauenlob, Schulmeister allhier
1778 24. März um 11 Uhr ward Jacob Noacks von Gaußig Septimo post copula, tionem
mense [im siebten Monat nach Zeugung]
Carl Fischers, Kunst- und Ziergärtners allhier …
Michael Ackermann Leineweber allhier
Joh. Gottfried Holtsch Schenkwirt in Neudiehmen +
Mstr. Joh. Christoph Riedel, Mältzer und Bräuer allhier
Christian Traugott Böthigs, herrschaftl. Gärtners allhier ... Comp. [Paten]: Gott
fried Bürkner, Bürger und Buchbinder aus Budissin; Gotthelf Ehrenfried, Kauf- und
Handelsmann von Bischofswerda.
1790 Johann Georg Krause, Schuhmacher von Diehmen +
1790 Christian Vogel Formschneiders allhier … Comp. [Paten]: Albrecht Michael, Orga
nist und Schulmeister allhier
1790 Lehmanns Söhnlein, Schenkwirts aus dem Kleebusch, auch Neudiehmen genannt +
1779
1779
1780
1780
1789
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/14
1790 Leberecht Michael, Organist und Schulmeisters Söhnlein am 21. Dezember geboren
Comp. [Paten]: Johann George Michaels, Organist und Schulmeisters aus Göda
jüngster Jungfrau Tochter.
Postschenke als Ortsbezeichnung
1790 als Comp. [Paten]: Gotthelf Leberecht, Organist und Schulmeister allhier
1794 den 22. Mai ward Mstr. Gottfried Theinerts Barethmachers allhier Töchterlein gebo
ren.
Leistungen der Sparte Kleingärtner im Jahre 1966
kg
Obst und Beeren
Erdbeeren
Gemüse
Spargel
Eier
Federn
Geflügelfleisch
Tauben
Kaninchenfelle
Kaninchen
Ziegenmilch
Ziegenfleisch
Ziegen- und Zickelfelle
MDN
6074
4447
9195
50
41068 Stück
25
100
50 Stück
364 Stück
860
100
100
5
546,66
11.117,50
4.597,50
150,00
12.320,40
50,00
450,00
150,00
564,00
6.020,00
68,00
220,00
15,00
Gesamt
36.251,06
Mat. W – Stunde[NAW-Std., unbezahlte ?]
196
Mitgliederzahlen:
Gesamt:
Zugang
Abgang:
Frauen
31.12.1965
100
22
31.12.1966
97
2
5
19
Nachweis der Bader im Kirchenbuch
1743 5. Jan. Christian Michael Alberti [s. o.]
1771 14. April ward Martin Albrecht, ein Schneider und Bader in Gaußig mit der Leichen
predigt begraben, alt 67 Jahr + etliche Monate
1772 25. Mai ward Christian Michael Alberti, Bader und Chirurgus mit der Leichenpredigt
begraben, alt 71 Jahr + 1Monat
1775 als Comp. [Paten]: Johann Gottlieb Schäfer, Bader und Chirurgus allhier 1. Nov. …
1775 den 4. November ward Anna Elisabeth weyl. Martin Ulbrechts Baders und Schneiders
allhier nachgelassene Witwe mit der Leichenpredigt begraben, 65 Jahre
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/15
Allerlei aus der Gegenwart XVIII
142. Heute, am 2.II.1967, gab es einen Zusammenstoß an der Parkecke zwischen einem
Motorrad und einem Traktor.
143. Nichtkirchliche Begräbnisse, ohne Glockengeläut und ohne Pfarrer, bilden z. Z. Die
Ausnahme. Auffällig daher die vielen Neugierigen bei den nichtkirchlichen
Begräbnissen, bei denen ein Fremder die Grabrede hält.
Christian Alberti im Gaußiger Urbarium (Gutsgeschichte)
[um 1720] Bader allhier, ein Schutz- und Jurisdiktionsuntertan, besitzt ein erbliches Haus,
entrichtet gewöhnliche Fr. Jur an Abzugs- und Teilschillingsgeldern zu 5 pro Cent, da
ferner er oder seine Kinder sich aus hiesiger Juridiktion wegbegeben, wird der Laßbrief nur
mit zwei Reichstalern sechzehn Groschen exkl. der Schreibgebühren und anderen Unkosten
gelöset, gibt einen jährlichen Erbzins von drei Talern zwölf Groschen; ist sonst von Dienst,
Steuern, Einquartierungen, Soldatengeld, landes- und gerichtsherrschaftlichen wie auch der
Gemeinde sonst obliegenden Abgaben und Zechen frei, des hinter seinem vorbeigehenden
Fließes darf er sich weiter nicht anmaßen, als daß er das daraus benötigte Wasser schöpfen
kann, muß sich auch bey allen Ausrichtungen und Bedürfnissen des Bieres und Branntweins
in Gaußig erholen.
Kinder: 1 Mädchen so 1 Jahr alt ist.
Buhhütte
Auf ehemaliger Rittergutsflur befindet sich eine sog. Buhhütte oder Krähenhütte. Von dort
aus schoß man Krähen.
Als Lockvogel diente ein Uhu, der für die Jagd mit in die Hütte genommen wurde. Es ist
unbekannt, seit wann dieses Gebüsch besteht. Wahrscheinlich schon lange. 1967 im März
wurde dieses Gebüsch entfernt, die Buhhütte besteht nicht mehr, ein interessantes
Jagdobjekt gehört der Vergangenheit an. 20.3.1967
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/16
Sterbeursachen 1800 -1834
Herzensangst
Leibschmerzen
Entkräftung
Blattern
Steckfluß
Geschwulst
Friesel
Beulen
Scharlachfieber
Seitenstechen und Husten
Masern
Schwere Entbindung
Auszehrung
Faulfieber
Geschwulst und Husten
Schwämme
Leibschmerzen und Mattigkeit
Gallenfieber
Altersschwäche
Hitziges Faulfieber
Lungenentzündung
Ruhr
Mattigkeit
Schlagfluß
Ertrinken
Krämpfe
Wassersucht
Schwindsucht
Brustbräune
Entkräftung und Husten
Hitze und Husten
Nervenfieber
Stäupchen
Epileptische Anfälle
Altersschwäche
Husten
Erfroren
Schlag
Fieber
Brustentzündung
Mastdarmfistel mit Geschwulst
Kurzer Atem und Geschwulst
Treppensturz bei Trunkenheit
Husten und kurzer Atem
Epilepsie seit 9. Lebensjahr
Gicht
Verwundungen im Kriege
Epilepsie
Rote Ruhr
Erschossen von Marodeur
Bluthusten
Geschwulst und Brustgeschwüre
Krebsschaden im Gesicht, Schwäche
Bräune
Knieschmerzen
Gliederschmerzen
Rückenschmerzen und Angst
Seitenstechen
Schwäche und Beängstigung
Am Zahnen
Stickfluß
Entkräftigung
Schwämmchen
Schwäche
Gelbe Sucht
Schlagfluß
Keuchhusten
Starrkrampf
Unglücklicher Fall
Verstopfung
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/17
Blutsturz
Durchfall
Schlagfluß
Einklemmung des Bruchs
Brustwassersucht
Zahnen und Schwämmchen
Halsentzündung
Hals- und Gehirnentzündung
Erbrechen
Kopfschmerz
Halskrankheit
Bösartiger Ausschlag
Leibschmerz
Sturz vom Dach
Krebsschaden
Darmverhärtung und Schwämmchen
Erbrechen und Seitenstechen
Böser Ausschlag
Blutschlagen nach Entbindung
Magenkrankheit
Augenentzündung
Lähmung und Entkräftung
Folgen des Schreckens
Nervenschwindsucht
Erquetscht von einer Welle
Hals- und Gehirnentzündung
Scharlachkriese
Kopfschmerz
Überfallen und ermordet
Schwellen des Unterleibs, Blutsturz
Durchfall und Stäupchen
Ertrunken beim Wasserholen
Krebsschaden an der Brust
Lungenlähmung
Lähmung und Entkräftung
Johann Christian August Rothe
Juv. hon. [Ehrbarer Jüngling] h. Johann Christian August Rothe, examinierter und
verpflichteter Wundarzt und Geburtshelfer, wie auch Hausbesitzer allhier, hn. Johann
Christian Rothes, und Feldbesitzers in Hoyerswerda ehel. jüngster Sohn heiratet Virg. Hon.
[Ehrbare Jungfrau] Elisabeth Henriette Stumm, Kammerjungfer bei der hiesigen Hochgräfl.
Herrschaft, Herrn Joseph Stummes, Fürstl Thurn- und Taxischer pensionierten
Kammerdieners in Regensburg ehel. 4ter Jungfrau Tochter.
1833, 21. April [Wahrsch. aus dem Urbarium]
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/18
Johann Traugott Benofsky etc.
1829 lebt in Gaußig Johann Traugott Benofsky, Schlosser, Einwohner und Pachter der
sogenannten wendischen Schmiede, weil. Johann Huf- und Waffenschmieds in Diehmen
nachgel. ehel. 2. Sohn, jetzt Gottlieb Hentschels daselbst Stiefsohn.
1828 lebt in Cossern ein Johann Thunig, ein Häusler und Leineweber.
1803 taucht erstmalig ein George Teubner in Arnsdorf als Stellmacher auf.
Der Berethmacher in Gaußig führt den Doppelberuf Strumpf- und Barethmacher.
Ein Johann Samuel Philipp Lüdicke Kunst- und Ziergärtner in Gaußig, Johann Martin
Lüdickes Bürger und Gärtner in Eisleben ehel. Ältester Sohn cop. mit Anna Marien weil.
Christianen Frenzels Gärtner in Tröbigau ehel. Tochter.
27. Nov. 1804
Juv. hon. [Ehrbarer Jüngling] Mstr. Johann Gottlieb Adler, Einwohner und Seiler in Gaußig,
Johann Gottlob Adlers Einwohners und Strickers in Taubenheim ehel. ältester Sohn –
Braut. Virg. Hon. [Ehrbare Jungfrau] Johannia Dorothea Haertig, weil. Johann August
Haertigs Bürgers und Webermeisters in Frankenberg ehel. jüngste Tochter. 14. Jan. 1827
Juv. hon. [Ehrbarer Jüngling] Herr Carl Friedr. Esbig, Schullehrer in Ober-Neukirch, Hn.
Johann Karl Esbigs Papiermachers auf der Seyda bei Budissin, anietzo Einwohners in
Ober-Neukirch ehel. einziger Sohn + Virg. Hon. [Ehrbare Jungfrau] Johanna Henriette
Lüdicke, Herrn Johann George Lüdickes, hochgräfl. von Schall-Riaucourschen Kunst-,
Lust- und Ziergärtners ehel. einziger Tochter. 23. Okt. 1831
Juv. hon. [Ehrbarer Jüngling] Herr Friedrich August Ackermann, Rittergutspachter in
Diehmen, weil. Gottlieb Johann Ackermanns, Pastor in Groß-Drebnitz nachgel. ehel. 2ter
Sohn + Virg. Hon. [Ehrbare Jungfrau] Caroline Amalie Röthig, Herrn Karl Friedrich Röthigs
Hausbesitzers und Leinewandhändlers in Ebersbach ehel. einzige Tochter. 31. Jan. 1832
Andreas Wilhelm Haupt, Musketier beim Linieninfanterieregiment Prinz Anton weyl.
Johann Haupts aus Wilthen ehel. jüngster Sohn + Magdalena weyl. Jakob Mütterleins bei
der Puschermühle hinterlaßene ehel. jüngste Tochter. 13. Okt. 1811
Juv. [Jüngling] Johann Foerster, verabschiedeter Musketier, Johann Försters, Häusler in
Gaußig ehel. 2ter Sohn + Anna weyl. Michael Petraschens gew. Häusler in Gaußig
nachgel. ehrbare Witwe. 25. Okt. 1812
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/19
Johann Gottlob Zenker, Schenkwirt in Gaußig, Johann Gottfried Zenkers Fleischers in
Wilthen ehel. 4ter Sohn cop. mit ….22. Nov. 1803
1775 und 1805-1828 taucht der Name Schäfer als Chirurg in Gaußig auf:
- Johann Gottlieb Schäfer 1775 / 1805
- Wilhelm Eduard Schäfer 1820
- Heinrich Adolf Schäfer 1828
Herr Wilhelm Eduard Schäfer, Hausbesitzer und Chirurg allhier in Gaußig. Von seiner
ersten Frau geschieden + Virg. Hon. [Ehrbare Jungfrau] Christiane Caroline, weil. Johann
Gottfreid Anders, gewesenen Müllermeisters in Cannewitz und nachmaligen Einwohners in
Göda nachgel. ehel. jüngste Tochter. 15. Juni 1820
Heinrich Adolf Schäfer, Häusler und Böttcher in Gaußig, weil. H. Johann Gottlieb Schäfers
Chirurg und Häuslers hieselbst nachgel. ehel. 2ter Sohn + Juliane Magdalena H.Johann
Samuel Kaulfußes Schulmeisters in Schönborn ehel. 3ter Tochter.
27. Jan. 1828
Johann Gottlieb Schäfers Chirurgus in Gaußig Söhnlein, Ernst Theodor, im Alter von 2
Jahren 1 Monat 3 Wochen am 29. Dez. 1805 verstorben an Blattern.
Bis 18. April 1806 verstarben 19 Kinder an den Blattern, insges. bis 18. April 35 Sterbefälle
Sterbealter 1813 Gaußig:
bis 1 Jahr
28
1-10 Jahre 27
10-20 Jahre 8
20-30 Jahr 2
30-60 Jahr 40
über 60 Jahre 37
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/20
Allerlei aus der Gegenwart XVIX
155. In der Puschermühle ist bis 1923 Mehl gemahlen worden. Heute wird nur noch
geschroten. Die Puschermühle war ehemals nicht nur Mahlmühle, sie war auch
Ölmühle und Brettschneide.
Im Gaußiger Taufregister 1668 taucht die Puschermühle erstmalig auf. S. S. 5
Sie ist seit 1936 im Besitz der Familie Preusker, vorheriger Besitzer hieß Feurich.
156. In der ehemaligen Brauerei in Gaußig wird z. Z. das Gebäude, das an den [Schloss]Garten grenzt, als Wohngebäude ausgebaut. 4 Wohnungen sin dort geplant. Unter den
alten Dielen fand man angenagelt ein 21 x 21 cm großes Brettchen, auf dem die
Namen der damaligen Arbeiter verzeichnet waren:
Johann Hensel, Zimmermann
Robert Schöne, Brauergeselle
Fiedler, Maurergeselle
Gustav Schulze, Brauergeselle
Ernst Stiebitz, Golenz
unleserlich, Böttchermeister
12. November 1882
Gefunden im April 1967
Im gleichen Gebäude wurde unter Dielen ein Jagdgewehr gefunden, gut verpackt und
geölt. Die Kinder übergaben den Fund der Polizei.
157. Pfingstsonntag fand auf der Terrasse des Schlosses durch das Deutsch-Sorbische
Theater Bautzen die Aufführung der Kaffeekantate von Joh. Sebastian Bach und
Pimpinone von Georg Philipp Telemann statt. Wetter gut und Besuch ebenfalls. Im
Park beginnt es jetzt zu blühen. Eintritt 1,55 für Rentner und 3,60 DM für die
sonstigen Besucher.
158. Die fortschreitende Motorisierung merkt man zur Blütezeit von Azaleen und
Rhododendren im Park. Die Zahl der Besucher, die mit Auto und Motorrad anrollen,
wächst von Jahr zu Jahr. Am 21.5.67 waren 64 Autos an der Kirche, im Park und auf
dem Hof des Volksgutes abgestellt.
159. Gestern erfuhr ich eine Nachricht über den Flügelaltar in der Kapelle des Schlosses.
Danach hing er bis 1870 in der evangelischen Kirche. Beim Neubau der evang. Kirche
wußte man nicht, wo man ihn unterbringen solle. Der Graf als Patronatsherr bot das
Schloss zum vorläufigen Unterbringen an. Demnach ist der Flügelaltar weder gekauft
noch geschenkt worden. Man versäumte jegliche Niederschrift.
Nun wird es Streitigkeiten geben, wenn man von evangischer Seite wieder Anspruch
auf den Flügelaltar erhebt. Fräulein Hütter erzählte mir schon früher, daß der
Flügelaltar in der evangelischen Kirche gehangen habe. Ich erfuhr aber nicht, daß die
Sache mit dem Bau der Gaußiger Kirche zusammenhängt.
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/21
160. 1967 ist ein Jahr, in dem an Ungeziefer recht viele Eichenwickler auftreten. Bei dieser
Gelegenheit merkt man, daß in unserer Pflege recht viele eichen vorhanden sind. Jetzt
fallen die kahlgefressenen Eichen auf. In wenigen Tagen ist alles wieder belaubt.
161. In der Nacht vom 26. zum 27. Mai 1967 ist im Schwanteich nach Karpfen geangelt
worden. Täter unbekannt, früher ist auch schon geangelt worden. Wird allgemein als
Unfug verurteilt.
162. Golenzer Aberglauben: Am Tage des Hexenbrennens soll man zeitig füttern, daß die
Hexen nicht in den Stall kommen. 30.4.1967
163. Sterbealter 1813: [s. S. 19]
164. 1 Pfund Salz kostete vor dem 1. Weltkriege 10 Pfennige. Angeblich seien die Kosten
für die Salgewinnung 2 Pfg. für das Pfund, die restlichen 7 Pfg. seien indirekte Steuern.
165. Die Erdbeerernte ist, nachdem sie anfangs schlecht zu werden schie, doch noch
ertragreich. Sorgen machten zuerst die vielen faulen Beeren. Nun kam wärmeres
Wetter, und der Ertrag stieg an. Ähnlich erschien auch die Honigernte anfangs sehr
mager wegen der kalten Witterung. Aber die folgenden warmen Tage ließen bessere
Erträge zu. 6.7.1967
166. Am 15.7.1967 wird die KONSUM-Parkgaststätte in Gaußig wieder eröffnet. Sie war
Monate lang geschlossen. In der Blütezeit im Park, als ganze Scharen von Autosnach
Gaußig kommen, konnte es passieren, daß ein fremder Gast in Gaußig kein Glas Bier
bekam – sowohl der Gasthof als auch Sportlerheim Hesse waren geschlossen.
Wer war schuld daran, daß der Gasthof so lange geschlossen blieb? Gaststätten sind
auch anderwärts viele geschlossen.
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/22
167. Postalisches aus Gaußig: Das Postauto erscheint täglich von Bautzen aus in der 9.
Stunde. Als Briefträger sind ein Mann [Löschau] und eine Frau [Johanna (Hanne)
Riedel] eingestellt. In der 3. Nachmittagsstunde nimmt ein Autobus Postsachen mit
nach Bautzen, die bis um diese Zeit auf der Post abgegeben waren. Gaußig hat z. Z. 3
Briefkästen: 1 an der Post, 1 bei der Gärtnerei, 1 in Kleingaußig, außerdem einer in
Günthersdorf. 31.7.1967
168. Nähe Sammelbecken der Schlosswasserleitung [Nordwestseite vom Holtschberg]
wurde 1966 eine massive Jagdhütte erbaut.
169. Da Gaußig keinen Badeteich besitzt, da der Kirchenteich als solcher außer Mode
gekommen ist, da bis 1966 viele Enten sich auf ihm tummelten, wird der ehemalige
Zockauer Steinbruch zum Baden benutzt. Starker Andrang besonders an den heißen
Tagen des Juli 1967. Die Jugend ist unter den Badegästen besonders stark vertreten.
170. im Park und in seiner unmittelbaren Nähe sind jetzt eine große Anzahl Bänke,
allerdings ohne Lehnen, aufgestellt worden. Die „Beine“ dieser Bänke sind aus Beton,
darauf liegen 5 breite, abgerundete Latten. Die im Dorf von der Gemeinde
aufgestellten Bänke sind rot angestrichen und haben Lehnen mit Eisenhalterung. Im
Winter wurden die Dorfbänke untergestellt. Die Parkbänke sind nicht gestrichen.
171. Haufe, Albin [Alwin?] ist in Günthersdorf ein Besenmacher mit einem großen
Kundenkreis.Das Birkenreisig schneidet er selber im Busche. Sind die Besen nur noch
Storzel – zur Arbeit nicht mehr zu verwenden – Kinder nehmen sie dann noch gern
fürs Hexenbrennen.
Max Zenker aus Naundorf fertigte im Alter auch Reisigbesen an.
172. In diesem Sommer wurden in Gaußig neue Wegweiser aufgestellt. Einer steht am
Buswartehäuschen, er hat 12 Schilder.
173. In Golenz veranstalteten die Dorfbewohner an einem Sonnabend auf dem Grundstück
der ehemaligen Fischerschen Gastwirtschaft 1966 ein Sommerfest. Auch für den 19.
August 1967 ist in Golenz wieder ein Sommerfest geplant. innerhalb des Dorfes
Golenz herrscht mehr Zusammenhalt als in Gaußig – dieser Zusammenhalt der
Golenzer existiert schon seit längerer Zeit. Einen solchen Zusammenhalt wie in Golenz
vermißt man auch in Günthersdorf.
14.8.67: Das Golenzer Sommerfest war sehr stark besucht. Gaußig war vertreten, kaum
ein Haus ohne Besucher. Leider begann es in der 8. Abendstunde zu nieseln. Das
diesjährige Sommerfest war das vierte, das Golenz veranstaltete. Für 1968 ist ein Fest
mit Kegelbahn und Schießbude geplant.
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015.
[Anmerkungen])
III/23
174. Der Leichenwagen ist nicht mehr in Gebrauch. 1967 wurde er, nachdem er längere Zeit
unbenutzt in der Leichenwagenhalle gestanden hatte, verschrottet, die
Leichenwagenhalle von einem Lehrer [Rolf Fieber] in eine Garage umgebaut. Leichen
werden sofort in die Leichenhalle gebracht. Auf dem Friedhof, in und vor der
Totenhalle, findet die Trauerfeier statt. Am Grabe selbst nur noch eine kurze Feier.
Bei auswärtigen Leichen wird der Sarg auf einen schwarz umrandeten Tafelwagen
gestellt und mit Pferdegeschirr nach Gaußig gebracht.
175. Die Gaußiger Rentner fuhren im August mit 2 Autobussen aus, Blaufahrt. 25 MDN, 63
Mitfahrende. Fahrstrecke von Gaußig nach Dresden und Meißen. Besuch der
Porzellan-Manufaktur. Anschließend Mittagessen, dann Moritzburg, das stark besucht
war. Keine Führungen, Erläuterungen auf Tonbandaufnahmen. Kaffeetrinken in
Pillnitz, dort auch Führung durch den Park. Abendessen in Neukirch, anschließend
kleines Tänzchen.
176. Erinnerung an die Kindheit [um 1910]: Damals gab es in vielen Wohnungen einen
Spucknapf. Damit er nicht ohne weiteres sichtbar war, stand er hinter einem
Blechschirm, gefüllt war er mit Sägespänen. In einer modernen Wohnung findet man
keinen Spucknapf mehr. Wann kam er aus der Mode?
20.8.1967
177. Bau des Feuerwehrhauses wird im August 1967 weitergeführt. An der geringen
Beteiligung der Feuerwehrleute kann mna auf eine Art passive Resistenz [?] schließen.
Man scheint mit manchen Dingen nicht einverstanden zu sein. Dieser Widerstand lässt
sich anscheinend nicht anders ausdrücken. Nichts gehört, nur eine Vermutung
meinerseits.
178. Es gab zu allen Zeiten Nassauer. Ein solcher saß einst in der Schenke. Niemand wollte
ihm diesmal Schnaps kaufen, also mußte er ihn selber bestellen. Nun mußte er aber
dringend austreten. Er befürchtete, daß ihm die Zechkumpane in der Zwischenzeit
seinen Schnaps austrinken würden. Das konnte leicht passieren. Also schrieb er
heimlich auf einen Zettel: „Ich habe ins Glas gespuckt.“ Damit glaubte er seinen
Schnaps geschützt zu haben. Groß war sein Erstaunen, als er wieder in die Gaststube
zurückkehrte. Die Zechkumpane hatten auf den gleichen Zettel zwei Worte
geschrieben, und als er sie gelesen hatte, verging ihm der Appetit. Es stand dort
geschrieben: „Wir auch“.
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2011.
[Anmerkungen])
III/24
179. Nachdem der Schuttabladeplatz auf dem Jahrmarktsplatz eine zeitlang „Schande des
Dorfes“ gewesen war, weil jeder seinen Abfall dorthin schaffte, wo es ihm einfiel,
ohne sich um Ordnung zu kümmern, ist endlich Ordnung geschaffen worden. Der Platz
wurde sauber planiert. Künftige Übeltäter werden mit 50 MDN bestraft. Größerer
Abfall soll in den ehemaligen Haaserschen Steinbruch [an der Diehmener Straße,
später Schlosspark-Parkplatz] geschafft werden, bei dem allerdings die Anfuhr infolge
der Steigung der Straße etwas umständlich ist.
23.8.1967
180. An Bisamratten hat Janoschka 1967 im Schwanteich 7 Stück, im Kirchenteich 4 Stück
geschossen. 2.9.1967
Verluste im Gaußiger Kirchspiel 1864, 1866, 1870/71
Weder im Deutsch-Dänischen Kriege 1864, noch im Preußisch-Österreichischen Kriege
1866 gab es Verluste aus unserem Kirchspiel. Im Deutsch-Französischen Kriege 1870/71
sind 2 Soldaten unseres Kirchspiels gefallen, einer stammte aus Arnsdorf, der andere aus
Gaußig.
Gaußiger Bader 1757
Ums Jahr 1757 gingen übrigens kränkelnde Neukircher gern „zu der Ärztin nach
Schwarznaußlitz“ oder zu dem Gaußiger Bader, welcher eine Frau zur Ader ließ „ und zwar
am rechten Fuße über der großen Zehe, weil sie Kopfschmerzen gehabt“.
Quelle: Neukirch im 18. Jahrhunderte von
Dr. phil. Georg Pilk, Oberlehrer i. R.
Wer war 1757 Bader in Gaußig? Alberti?
30 Taler für einen Rekruten
1734 im Herbste mußte von Neukirch und den dazugeschlagenen Dörfern Gaußig,
Diehmen, Golenz und Prautitz ein Rekrut gestellt werden. Weil die anderen Orte den Rekrut
nicht aufbringen konnten, stellte ihn Neukirch. Der Herrschaft wurden für denselben 30
Taler bezahlt, der Mann selbst erhielt nach Verordnung 3 Taler und als Geschenk der
gesamten Untertanen weitere 7 Taler. Da man jeden Rekruten bis zu seiner Ablieferung in
Arrest behielt, so waren noch 12 Groschen „Sitzgebühren“ und 6 Groschen für
„Bewährung“ zu entrichten.
Pilk – Neukirch im 18. Jahrhundert, S. 56
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2011.
[Anmerkungen])
III/25
Kofferschreibmaschine
Da viele Menschen heutzutage höhere Schulen oder Fachschulen besuchen und ihre
Prüfungsarbeiten in doppelter Ausführung mit der Schreibmaschine angefertigt abgeben
müssen, gehört die Schreibmaschine zu den vielgebrauchten Artikeln. Statt der großen
Büromaschine erfreut sich die kleinere Koffermaschine großer Beliebtheit. Da ein großer,
wahrscheinlich der größte, Teil der Koffermaschinen ausgeführt wird, bleibt für den
Inlandsmarkt nicht mehr viel übrig.
Die „Erika“ ist z. Z. nicht zu bekommen. Die eingeführten tschechischen Maschinen sind
nicht von gleicher Güte.
24.9.1967
Franzosenkraut
Ein Unkraut, das sich in den letzten Jahren stark vermehrt hat, ist das Franzosenkraut. Man
findet es in Gärten und auch auf dem Felde. Wie es zu seiner ungewöhnlich starken
Vermehrung gekommen ist, kann ich nicht beurteilen.
25.9.1967
HO-Drogerie
Vom 1. Oktober 1967 ist die bisherige private Schloßdrogerie der HO angeschlossen.
Inhaber und Gründer ist Herbert Sonntag. Seit 1938 besteht die Drogerie. Er ist also von
diesem Zeitpunkt an Kommissionshändler. Außer den beiden Bäckereien gibt es in Gaußig
keine Privatgeschäfte mehr. Elektriker und Klempner Walter Pietsch und Elektriker Horst
Garten sind noch privat.
Überprüfung der Fahrräder
Eine Überprüfung der Fahrräder, mit denen die Schulkinder zur Schule kommen, fand kurz
vor den Herbstferien statt. Die Polizei führte mit einem Lehrer gemeinsam die Überprüfung
durch.
Reparatur des Kirchendaches
Infolge eines Schadens am Kirchendach wird ein Gerüst aufgestellt. Durch einen heftigen
Sturm stürzte dieses Gerüst, ehe die Dachreparatur durchgeführt war, zusammen. Menschen
kamen dabei nicht zu Schaden. Im Oktober 1967 wurde ein neues Gerüst aufgestellt. Der
Sturm hatte auch an den älteren Obstbäumen und im Walde großen Schaden angerichtet.
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2011.
[Anmerkungen])
III/26
Feuerwehrgerätehaus
Bis Anfang Oktober 1967 konnte man am Feuerwehrgerätehaus nur geringe Fortschritte
beobachten. Bis jetzt sind noch keine Umfassungsmauern fertig. Die geringen Fortschritte
beim Bau des Feuerwehrgerätehauses werden als Unfähigkeit der Gemeindeverwaltung
angesehen. Kaum möglich.
Gasthof – Parkgaststätte
Der Gaußiger Gasthof scheint von einem Unstern verfolgt zu sein. Der letzte Pächter hat
wieder gekündigt. Nur drei Monate hat er ihn gepachtet. Freilich – an Arbeit fehlt es bei
einem Gastwirt selten, die Arbeitsstunden möchte er nicht zählen. Ein Anfänger dürfte auch
einem gerissenen Gast zum Opfer fallen. Die Gemeinde Gaußig als die Besitzerin der
Parkgaststätte hat seit 1960 viel ‚Geld hineingesteckt. Familienbetriebe scheinen z. Z. die
besten Aussichten zu haben. Wann wird Gaußig das Glück haben, ein Familienbetrieb zu
werden? Die Zahl der Gaststätten ist auch anderwärts rückläufig.
Im November benutzt der KONSUM den Gasthof als Textilverkaufsstelle wegen Umbau
der Verkaufsstelle.
Apfelernte 1967
Die LPG Seitschen nahm auch heuer Obst ab. Z. T. handelte es sich dabei um solches, bei
dem vorher ein Vertrag abgeschlossen, bei dem Menge und Preis festgelegt waren. Teils
nahm die LPG auf freie Spitzen ab. Da heuer viel Obst gewachsen war, entstand ein
Überangebot. Das hatte zur Folge, daß die LPG die Abnahme verweigerte. Um das Obst
nicht wieder nach Hause schleppen zu müssen, haben manche Lieferanten Obst einfach in
den Seitschener Hay geschüttet, obwohl es sich um einwandfreie Ware handelte. Die
Obstpressen sind nicht imstande, den Anfall zu bewältigen. Oktober 1967
Viel Obst verdirbt. Bei vielen Obstbaumbesitzern taucht der Plan auf, die Obstbäume
abzusägen. Pflaumen lohnten 1966 das Pflücken nicht, 1967 schlechte Ernte.
Fünftagewoche und Schulkinder
Nach Einführung der Fünftagewoche, als es in der Schule am Sonnabend keine Mahlzeit
mehr gab, äußerte sich ein Schuljunge so: Lernen möchten wir wie die Verrückten, aber zu
essen kriegen wir nichts. 1967
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2011.
[Anmerkungen])
III/27
Kinder als Henker
Schuljungen wollten einen anderen hängen. „Du taugst einmal nichts.“ Er ist etwas in der
Entwicklung zurückgeblieben. Die Schlinge hatte man schon um den Hals gelegt. Ein
Erwachsener, der rechtzeitig dazukam verhinderte das Gehängtwerden. Zeichen für die
Verrohung der Jugend.
Katholische Geistliche seit 1841
Aus einem Schreiben von Dr. Bulang, Domkapitel Bautzen, vom März 1963; [wohl die
Schlossgeistlichen betreffend]
1841 Franz-Xaver Leonhard aus der Erzdiözese [Kirchl. Verwaltungsbezirk) Paderborn
1881 Johannes Pagel aus der Diözese Hildesheim
1884 Theodor Parensen aus der Erzdiözese Paderborn
1887 Josef Unkraut aus der Diözese Münster
1890 Karl Engelke aus Duderstadt, Eichsfeld
1898 Friedrich Wenzel Boser, Prag
1899 Franz Herig, Trier
1903 Jakob Engels
1904 Carl Nawrath
1906 Christian Kaulen
1914 Dr. Georg Kurze, Zittau
1916 Johannes Lindner, Zittau
1933 Paul Buch; Johannes Kindermann, Meißen
1935 Johannes Hogrebe, geb. 1879, zum Priester geweiht 1903, Pfr. in Westfalen und in
Bernburg
1942 Johannes Bayer PSM [Pallottiner-Orden]
1945 Eduard Preiß, Leitmeritz
Zaun um den Park
Der Maschendrahtzaun um den Park bietet im Augenblick keinen schönen Anblick. Vor
dem Maschendrahtzaun war ein Kreuzstengelzaun vorhanden. Der Draht soll angeblich ein
Geschenk des Schwiegervaters des letzten Grafen zu dessen Hochzeit, also um 1907 [genau
am 30.09.1907] gewesen sein. Der größte Teil des Drahtzauns ist inzwischen verrostet, die
eisernen Zwischensäulen entfernt, umgebrochen oder verwachsen. Auch einige Steinsäulen
sind umgebrochen, dann entfernt worden. Alle an der Straße von der Parkecke im Dorf bis
zur Diehmenschen Parkecke.
Wie ich neulich von Herrn Janoschke erfuhr, ist ein Teil der Zaunsäulen aus dem Steinbruch
im Park, ein Teil in dem Haaserschen Bruch [später Schuttplatz, dann Lagerplatz der
Gemeinde hinter dem Parkplatz an der Diehmener Straße] gebrochen worden. Für die
(Abschrift der mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2015. [Anmerkungen]) III/28
Zukunft soll der Parkzaun erneuert werden, und zwar verteilt auf vier Jahre. Material wäre
angeblich da. Die Kosten für ein Viertel des Zaunes sollen angeblich 55.000 Mark betragen,
der ganze Zaun also 220.000 Mark. Hoffentlich reicht diese Summe, und hoffentlich wird
der Neubau nicht durch irgendwelche Umstände wesentlich verzögert. 5. November1967
Mit dem Bau, dem Neubau, ist heute, am 5.11.1967 noch nicht begonnen worden.
Eichhörnchen
Bei der heurigen Nußernte merkte man, daß die Zahl der Eichhörnchen mit einem Male
gestiegen war. Vorher hatte ich im Park nur zwei Eichhörnchen beobachtet. Angeblich hätte
es eine Seuche unter den Eichhörnchen gegeben. Oder hatten sie sich nach dem starken
Abschuß in den 1930er Jahren nicht wieder vermehrt?
Steine für Parkzauhn
Der Zaun um den Park hat mehr als 4 km Länge mit vielen steinernen Säulen. Außerdem
befinden sich im Park auch viele steinerne Platten für die Überquerungen der Gräben und
sonstigen Wasserläufen. Auch steinerne aufrecht stehende Steine zieren Wege und den
Wald. Zu all dem hätte der Steinbruch an der Straße nach Diehmen nicht ausgereicht. Ob
vorher von Anfang an oder erst später der Stein aus dem Bruch von Haase entnommen
wurde, ist mir bis jetzt nicht bekannt. 6. Dezember 1967
Telefonkabel durch Gaußig
Durch Gaußig wird ein neues Telefonkabel gelegt, das allerhand Schwierigkeiten zu
überwinden hat. So stieß man am Friedhof mit dem Bagger in mehr als 1m Tiefe auf einen
kräftigen Stein, der den Bagger außer Betrieb setzte. Schwierigkeiten hatte man auch, als
man bei der Unterführung des Kabels unter der Straße diese wegen des starken
Autoverkehrs nicht aufgraben wollte. Im Augenblick unterbricht die Witterung die
Arbeiten. Tauwetter.
Ehemaliger Schießstand
In den 1930er Jahren, als wir in Gaußig noch eine Schützengesellschaft besaßen, wurde im
Garten des Gasthofes ein Schießstand mit massivem Schießhaus errichtet. Da nach 1945 die
Schützengesellschaft nicht wieder Auflebte; dient das Schießhaus jetzt dem Werkunterricht,
und zwar wird z. Z. dort Unterricht in ………….. erteilt. 4. Februar 1968
(Abschrift der von M. Müller bis 1970 mit Maschine geschriebenen Fassung durch Rudolf Erler, 2011.
[Anmerkungen])
III/29
156. Parkwächter Janoschka schoß im Jahr 1967 nach seinen Angaben 17 Bisamratten mit
seiner Luftbüchse.
157. Die einzige im Park befindliche Sumpfzypresse wurde im Jahre 1928 gepflanzt. 1968
wurde ein Entwässerungsgraben angelegt, da sie zu feucht stand. Außerdem wurde sie
mit einem Gatter umgeben, da Nichtkenner sie nur als einen dürren Baum ansehen und
wegsägen wollten.
158. 1968 ist ein Schaltjahr. Nach einer alten Wetterregel ist ein Schaltjahr auch ein
Kaltjahr. 16. April 1968
159. Alte Kränze vom Herbst werden zum großen Teil an der Friedhofsmauer abgelegt.
Auffällig ist, daß sowohl Erwachsene als auch Kinder diese Ablagerung nach etwas
Brauchbarem durchsuchen. Die Hauptsache wird dann nach dem Sportplatz [gemeint
ist der alte gegenüber der Töpferei] gebracht und zum Hexenbrennen verwendet.
160. Volksentscheid 6.4.1968: Annahme neuer Verfassung der DDR. Wahllokal war die
Schule. Die Blaskapelle der FFW Göda spielte ein Konzert im Buswartehäuschen.
Wenige Nein-Stimmen. Am gleichen Tage fand auf dem Gasthofsaale die heurige
Jugendweihe statt.
161. Der KONSUM in Golenz sollte 1967 geschlossen werden. Einwohner von Golenz
wehrten sich dagegen und erreichten, dass Golenz seinen KONSUM behält. Angeblich
wäre der Umsatz zu niedrig.
162. Nach Wilke – Chronik von Bautzen ist 1661 eine Hungersnot infolge Trockenheit. Im
gleichen Jahre hat Gaußig einen Sterbeüberhang, da es wahrscheinlich wie Bautzen
von der Trockenheit-Hungersnot betroffen wurde. 1719 ein weitverbreiteter
Sterbeüberhang wegen der Trockenheit. 1661 wird in Strahwalde als heißer Sommer
verzeichnet. Sonstige Hinweise auf die Trockenheit von 1661 fand ich noch nicht.
163. Am 19. Mai 1968 fand eine Begehung der Schrebergärten durch den Vorstand statt.
Die Gärten sind in gutem Zustand. Auffällig sind die vielen Lauben, auch eine massive
ist dabei, die in letzter Zeit gebaut wurden.
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/30
164. Am Aufgang der Treppe vom Schloßhof zur Kapelle befindet sich zu beiden Seiten ein prächtiges
handgeschmiedetes Geländer. Ob jeder Besucher diese Kunstwerke zu würdigen weiß?
29.5.1968
165. Eine kleine private Gärtnerei betreibt Christian Schmidt, gelernter Gärtner, der zur Zeit den
Schulgarten in Bautzen pflegt.
Hauptlieferant für gärtnerische Erzeugnisse ist die früher selbständige, jetzt der LPG angeschlossene
Schloßgärtnerei.
Mai 1968
166. Pfingstsonntag 1968, 2. Juni, Hauptblütetag der Freilandazaleen und der Rhododendren war
verregnet. Dabei Gasthof noch geschlossen. Pfingstmontag brachte endlich gutes Wetter.
167. Wenn uns jemand fragt, was bis heute gut geraten sei, kann man ohne zu schwindeln sagen,
Heu ist früher in rauhen Mengen gewachsen. Man verschenkt das Heu, wenn mehr gewachsen ist als
man verwenden kann. Man wartet sehnsüchtig auf Sonnenschein.
7.6.68
168. Im Park befindet sich 1968 der Horst eines Hühnerhabichts. Auskunft durch Parkwächter Peter
Janoschka. (Der Horst des Hühnerhabichts ist nicht im Park, Ort z. Z. unbekannt)
Juni 1968
169. Schloßkapelle und Schloß sind von einem Gerüst umgeben. Steht längere Zeit, da Handwerker
nur Teile bearbeiten. Z. Z. steht Gerüst am Mittelteil. Dachrinnen
12.6.1968
170. Heute brachte die Zeitung die Mitteilung, daß Kurt Fasold aus Gaußig, beschäftigt im VEB
Kombinat Fortschritt Landmaschinen Neustadt beim Bau des Mähdreschers E 512 als
Gruppenkonstrukteur des Schneidewerks maßgebend beteiligt ist. Kurt Fasold ist ein Sohn des
Richard Fasold aus Neudrauschkowitz, der dort eine Windmühle besaß, die 1913 durch die
Unaufmerksamkeit eines Handwerksburschen, der in der Mühle übernachten wollte, abbrannte.
14.6.68
171. In den letzten Wochen wird Gaußig oft von einem Hubschrauber überflogen. Gaußig berührt der
Hubschrauber nur in etwa 100m Höhe. In der Bevölkerung herrscht die Meinung, daß er bei seinen
Flügen Uran spüren soll.
Juni 1968
172. Die Erdbeerernte 1968 scheint nicht von gleicher Güte, viele Schnecken und von gleicher Menge
zu werden, viele Beeren sind faulig, wie in den letzten Jahren. 1968 werden von den
Schrebergärtnern erstmalig freiwillig Erdbeeren an den Golenzer Kindergarten abgegeben. Es ist der
Vorschlag gemacht worden, je Garten ½ abzugeben. Es herrscht heuer auch nicht das passende
Wetter. Der Preis für 1 Pfd. Erdbeeren schwankt zwischen 1,35 DM und 1,60 DM, nach dem
Marktpreis wird im privaten Verkehr sich nur selten gerichtet. 1968 ist der Preis niedriger als 1967.
173. Der dieses Jahr in Betrieb genommene Aufzug in der Parkgaststätte hat nach ungenauen
Auskünften einen Kostenaufwand von 25000 M verursacht. Da z. Z. in der Parkgaststätte kein Wirt
wohnt, kann es passieren, daß durch ungenügende Lüftung im Gebäude Schaden entsteht. Daß der
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/31
Gasthof keinen Wirt hat, wird allgemein bedauert.
Juni 1968
174. Zwei Schilder, eins beim Doktor, eins bei der Töpferei Fischer, begrüßen den fremden
Kraftfahrer bei der Einfahrt ins Dorf Gaußig. Der Text lautet:
„Gaußig heißt Sie herzlich willkommen. Kraftfahrer, fahrt vorsichtig!“
2.7.68
175. Die Freiwillige Feuerwehr Diehmen feierte das 75jährige Bestehen am 28.-30. Juni 1968. Freitag,
28. Juni abends, Bierprobe. Sonnabend Platzkonzert. Sonnabend, Sonntag Frühschoppen mit
Blasmusik, nachmittag Platzkonzert mit 4 Blasorchestern. Abends Tanz und Feuerwerk. Die
neugebaute große Scheune, dazu schönes sommerliches Wetter trugen dazu bei, daß das Fest
gelang. Der Bierumsatz an den 3 Festtagen betrug 28 hl Bier. Ein derartiges Feuerwerk wie Diehmen
kann Gaußig nicht liefern. Woran liegt das?
176. Die Ziegeln, die für den Bau des Spritzenhauses verwandt werden sollen, fanden neulich
Verwendung bei der Schmutzwasserbeschleusung der Schule.
Juli 1968
177. Die Obsternte für 1968 ist heuer nicht geraten, auch von den Gurken versprechen wir uns nicht
viel, Pflaumenernte nicht besonders. Für Gurken zu kalte Nächte.
178. Niederschlagsmessungen durch Kinder ausgeführt, mitgeteilt von Lehrer Herberg:
1965
720,0
1966
704,1
1967
820,0
1968
179. Nach dem 1. Weltkriege am 28.10.1921 fand die Glockenweihe statt.
180. Am 19.1.1963 bestätigte mir Herr Jatzke, daß ein Abfluß des Kirchenteiches früher zwischen
Hille und Förster auf der einen seite und Tischlerei Henker Graf durchflossen sei. Wann erfolgte
Verlegung des Abflusses? Auf den Wiesen in Richtung Töpferei Fischer sei noch ein Damm. Im Volke
ist dieser Abfluß nicht bekannt. Zwei Steinplatten erinnern noch an den Abfluß.
181. Da der Gasthof noch keinen Wirt gefunden hat, der letzte wohnte noch im Gasthof, und da die
Gastwirtschaft Hesse Montag und Dienstag geschlossen ist, kann ein Fremder an diesen zwei Tagen
auch bei Hitze keinen Schluck zu trinken bekommen.
Juli 1968
182. Für den 25. August 1968 war ein Schloßkonzert geplant – das aber aus verschiedenen Gründen
nicht stattfand. Auf dem Volksgut ist unter den Rindern die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Das Konzert fand doch statt, mußte aber wegen eines einsetzenden Regens abgebrochen werden.
183. Auf dem Hofe des Volksgutes wird ein Schuppen für landwirtschaftliche Geräte errichtet.
Aug. 1968
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/32
184. Die Gäste des Schlosses mußten ihren Aufenthalt vorzeitig abbrechen, da dort Menschen
untergebracht werden, die wegen der kritischen Ereignisse in der Tschechoslowakei nicht heimreisen
können, also Interzonenreisende, Dauer noch nicht bekannt.
Aug. 1968
185. Am Nachmittag des 26.8.1968 saßen auf einer hohen Kiefer im Park 2 anscheinend junge
Störche. Sie flogen erst ab, als im Park gelärmt wurde.
186. Am 24.8.1968 mußten 2 Feuerwehrleute nachts wachen. Motorengeräusch von Panzern aus
Richtung Göda zu hören.
187. Am 5.8.1968 Beginn der Erneuerung des Zaunes am Park.
188. Am 15.8.1968 erfolgte ein Aushang der Gemeinde über das Thema:Schöner unsere Städte und
Gemeinden – Mach mit!
Sauberhaltung der Straßen und Plätze, Neuanlage und Pflege von Grünflächen, Vor- und Hausgärten,
Streichen und Verputzen der Hausfronten, Fenster und Zäune, Instandsetzung der Wohnung.
NAW (Nationales Aufbauwerk)-Programm der Gemeinde
1. Fertigstellung des Feuerwehrgerätehauses.
2. Fertigstellung der Schmutzwasserbeschleusung der Schule
3. Reparaturarbeiten an kommunalen Straßen
4. Verschönerung in Schule und Kindergarten
Ziel: Bis 20. Jahrestag (derDDR) in der Gemeinde insgesamt: 254 000 M
für den Einzelbürger
295,40 M
1. Preis: 150,00 M
2. Preis: 100,00 M
3. Preis: 50,00 M
Für 500 Aufbaustunden:
300
125
Goldene Aufbaunadel
silberne
bronzene
Auszeichnung bis 7. Oktober 1969
189. Am 29.8.1968 stellte die Gemeinde für die Zeit bis 1970 einen Perspektivplan auf. Seine
wichtigsten Punkte lauten:
1. Entwicklung der Landwirtschaft
Steigerung der Produktion durch Kooperation mit dem VEG Gaußig. umfang der landwirtschaftlichen
Nutzfläche vin ca. 1100 ha. Es ist Anschluß an Gnaschwitz und Großpostwitz gesucht. Die
Bodenfruchtbarkeit kann gesteigert werden durch Melioration, Kalkung des Bodens, Vertiefung der
Ackerkrume, Düngung nach Nährstoffkarten, verbesserte Humuswirtschaft, Pflege der Wiesen und
Weiden. Es sind Großflächen von 20 ha geplant. Produktion von Grünmehl ist das Hauptziel. Der
Maschinenbestand soll gesteigert werden, Reparatur in der Werkstatt des VEG. Die Hektarerträge
von 35 dt bei Getreide und 240 dt bei Kartoffeln. Gemeinsame Viehhaltung ist geplant. Durch
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/33
Scheunenausbau in Zockau sind Stallplätze für 60 Kühe bis 1970 geplant. Gaußig braucht für die
industriemäßige Produktion in der Trocknungsanlage besonders auch Wohnungen für Arbeiter.
2. Entwicklung der Wald- und Forstwirtschaft
Der private Wald ist in die Genossenschaft zu überführen, da dadurch der Holzertrag gesteigert wird.
Z. Z. gibt es auf dem Territorium Gaußig noch 50 ha Privatwald.
3. Bereich der Volksbildung
Erstrebt wird die allgemeine 10jährige Oberschulpflicht. Außerschulisch bestehen gegenwärtig 9
Arbeitsgemeinschaften. Bis 1970 ist ein Schulerweiterungsbau auf dem Gelände des jetzigen
Schulgartens vorgesehen. 1968 und 1969 ist die Fertigstellung der Schmutzwasserbeschleusung
geplant. Durch Neuanpflanzung von Bäumen und Sträuchern vor der Schule soll ein freundlicheres
Bild erreicht werden.
Nicht nur in Gaußig, sondern auch in anderen Orten des Schulbezirkes ist Wohnraum für die Lehrer
zu schaffen, um Fluktuation zu vermeiden. Im Staatsbürgerkunde-Unterricht sind auch
hervorragende Werktätige zuzuziehen. Der Prozentsatz der Arbeiter- und Bauernkinder für die
erweiterte Oberschule ist zu erhöhen. Falls es nicht gelingt, den Saal des Parkgasthofes für die
Durchführung des Turnunterrichtes zu bekommen, ist in dem Klassenzimmer,das jetzt die Turnhalle
ersetzt, Parkett zu legen. In Golenz sind Konsum-Verkaufsstelle und Kindergarten zu trennen. Neubau
eines Kindergartens ist bis 1975 nicht möglich. Zwischenlösung: Schule Dretschen als Kindergarten
ausbauen, wenn Schulerweiterungsbau in Gaußig durchgeführt ist.
4. Körperkultur und Sport
Höhepunkte: Olympische Spiele 1968 und 1972
20. Jahrestag der Gründung der DDR
V. Turn- und Sportfest in Leipzig
Wettkampfmannschaften für die Sektionen Fußball, Schach, Tischtennis, Volleyball und Leichtathletik
und die notwendigen Übungsleiter sind auszubilden und neue Mitglieder zu gewinnen. Eine
Frauengymnastikgruppe zu gründen. Von den Sportlerinnen sind 500 NAW-Stunden zu leisten. Im
Perspektivzeitraum ist eine Bademöglichkeit zu schaffen.
5. Bereich des Gesundheits- und Sozialwesens
Zusammenarbeit zwischen Gemeindeschwester und Rat der Gemeinde ist zu verbessern. Großküche
wäre angebracht. Besteht Bademöglichkeit im Kirchenteich? 70% unserer Kinder sind
Nichtschwimmer.
6. Bereich der Kultur
Dorfklub: Volksgutchor wieder ins Leben rufen. Werbung neuer Mitglieder für Theaterring.
Laienspielgruppe ist aufzubauen, Parkkonzerte sind zu veranstalten. Parkplätze für Kraftfahrzeuge
sind zu schaffen.
7. Bereich des Handels
Großraumverkaufsstelle für Gaußig wird vorgeschlagen. Halbfertige und tischfertige Gerichte sollen
angeboten werden. Für die Förderung des Fremdenverkehrs sollen Fremdenzimmer geschaffen
werden. Für Golenz ist der Bau einer Kleinverkaufsstelle vorgesehen. In Gaußig Annahme für
chemische Reinigung und elektrische Haushaltsgeräte, ferner für Waschleistungen der Firma Ulrich in
Wehrsdorf.
Umstellung der Straßenbeleuchtung auf Quecksilberdampflampen. Eine Annahmestelle für das
Wiederbefüllen von Propangasflaschen ist zu errichten. Generalreparatur der Straßen in Zockau ist
nötig. Schuttabladeplatz in naher Zukunft ist der ehemalige Steinbruch in Golenz. Zentrale Garage für
Kfz. samt Waschanlage wird notwendig. 1968 wird Nähe Bushaltestelle ein Münzfernsprecher
aufgestellt (ist bereits im Sept.erfolgt).
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/34
190. Das Jahr 1968 bringt viele Pflaumen, auch Birnen. Während Äpfel wenig gewachsen sind.
Pflaumen bekommt man heuer geschenkt.
191. Münzfernsprecher ist am 10.9.1968 neben der Bushaltestelle aufgestellt. Bis 16.9. noch nicht an
das Telefonnetz angeschlossen. Hoffentlich vergreifen sich nicht Halbwüchsige an dem Fernsprecher
und zerstören seine Funktion.
192. Mutwillige Zerstörungen an einzelnen Lampen der Straßenbeleuchtung sind immer wieder zu
beklagen.
Sept. 1968
193. Das kirchliche Erntedankfest fand am 15.9.1968 statt. Auf dem Altar lagen neben andren Gaben
17 Säcke mit Getreide. Diese Gaben werden an das Bethlehemstift in Neukirch wie alljaährlich
abgeliefert.
194. Auf dem Kirchenteich sind jetzt 5 junge Schwäne, z. Z. sind sie noch grau. Ob sie später weiße
Farbe bekommen werden, weiß ich nicht. S. a. Nr. 198.
Sept. 1968
195. Hausmusik wird in Gaußig nicht mehr gepflegt. Dagegen ist Mode geworden das Spielen von
Radio, auch das Fernsehen ist „Mode“ geworden. Ein Arbeiter, der Löcher für die Säulen des
Parkzaunes grub, hatte bei seiner „Arbeit“ ein Kofferradio. In der Schule sind z. Z.
Schüler
vorhanden, die ein Instrument lernen. Den Unterricht erteilt ab
aus Bautzen.
196. Parkwächter Peter Janoschka ist seit 1917, also 51 Jahre in Gaußig. In früheren Jahren versah er
das Amt eines Waldwärters. Er hatte in jüngeren Jahren den linken Arm eingebüßt, war aber
trotzdem ein guter Schütze. Seit 195_ wohnt er in einem eigenen Heim am Kirchenteich. Sein
Nachfolger ist Richard Proske, ehemals Brenner auf dem Rittergut. Baute für sich nach dem Kriege
ein Wohnhaus. Sein Sohn kehrte aus dem Kriege nicht wieder heim. Der einzige Junge von Janoschka
starb an den Folgen einer Ohrfeige als Schulkind.
Sept. 1968
197. Im Gasthof saßen zwei Gäste, beide voll des guten Bieres. Es war in der Zeit kurz nach dem
ersten Weltkrieg. Beide dachten an ihre Sünden, die sie in der Zeit der Lebensmittelknappheit
begangen hatten. Da sagte der erste, ein Bauer, zum anderen, einem Fleischer aus dem Nachbardorf:
„Du Schwarzschlächter“. Der so Angesprochene blickte ihn scharf an und erwiderte: „Reich mir die
Hand, Bruderherz“. Darauf tranken beide ihr Glas Bier schmunzelnd aus.
198. Einer von den 5 grauen Schwänen auf dem Kirchenteich, Besitzer ist der Direktor des
Volksgutes, Schaschek, ist heute von unbekannten Tätern getötet worden. Einzelpreis eines Tieres
gegen 150 Mark.
27.9.1968
199. Am 28. und 29. September fand eine Posaunenfeierstunde statt, an der über 60 Bläser
teilnahmen. Auffällig wenig Zuhörer. Der Autoverkehr störte teilweise die Vorträge vor der Kirche.
29.9.1968
200. Was wurde 1968 in Gaußig gebaut?
Im Vergleich mit früheren Jahren wurde 1968 in Gaußig viel gebaut. Anscheinend wird viel Geld
verdient. Wäre die Materialbeschaffung leichter, würde noch mehr gebaut werden.
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/35
1. In Kleingaußig Neubau eines Wohnhauses.
2. Kein Neubau, aber ein Anbau bei Dr. Bahr
3. Im Oberdorf – Haus von Frau Richter, ehem. Oberlehrer Wahode – Umbau, massive Garage.
4. Haus von Frau Schneider, Schneider August, Wohnstube und Fenster umgebaut.
5. Haus Herrmann, Textilkonsum, Umbau, Edelputz.
6. Neue, massive Garage, Schmidt Frieder.
7. Kaufer – neuer Putz, Vorhaus
8. Hausputz – Edelputz_ Schmied Richard Lange
9. Vorhäusel Bäcker Erbe
10. Bei Schwager Dach neu gedeckt auf Seitengebäude
Außer den reinen Bauarbeiten, die in diesem Jahr geleistet wurden, kann man auch solche Arbeiten
hinzuzählen wie Umdecken des Daches, Streichen des Gartenzaunes, Neubau eines eisernen
Gartentores. Welche Motive den Einzelnen veranlaßt haben, dies oder jenes bauen zu lassen, wird
man nicht in jedem Falle feststellen können. Hauptsache: Es wird gebaut. Hoffentlich unterbricht
nicht ein Krieg diese Lust am Bauen.
201. In diesem Jahr sind zwar viele Pflaumen gewachsen, wir bekamen unsern Verbrauch geschenkt,
dagegen gab es keine Äpfel von den Besitzern, von denen wir regelmäßig kauften, höchstens Birnen.
202. Das Schaltjahr 1968, das nach alter Wetterregel auch ein „kalt Jahr“ ist, hat sich bisher als nasses
Jahr entwickelt. Besonders die Kartoffelernte leidet unter der nassen Witterung.
203. Der Gärtnerberuf in Gaußigs Geburtenregister
1. Johann Pril
1735 Lustgärtner1
2. Gottfried Förster
1757 Gärtner2 - allhier
3. Gottfried Förster
1760 Lust- und Ziergärtner
4. Gottlieb Förster
1764 Lust- und Ziergärtner
5. Gottfried Förster
1765 Lustgärtner
6. Katharina, Gottfried Försters Eheweib
1765 Lustgärtner
7. Gottfried Förster
1770 Lust- und Ziergärtner
8. Karl Friedrich Fischer
1776 Kunst- und Lustgärtner
9. Karl Fischer
1779 Kunst- und Ziergärtner
10. Herrschaftl. Gärtner Christian Traugott Pöthig
1789 herrschaftl. Gärtner
11. Johann Georg Lüdicke
1831 Kunst- und Lust- und Ziergärtner
Hochgräfl. Schall-Riaucoursch.
204. Nachtrag: Die Kirche
Flügelaltar: Auszug aus Gurlitt, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des
Königreichs Sachsen, 31./32. Heft, Amtshauptmannschaft Bautzen, S. 326
Holz, geschnitzt und bemalt. Der Schrein 137 cm hoch, 104 cm breit.
Im Mittelschrein unter gotischer Galerie drei Holzstatuen, bemalt: die heilige Katharina, in der
Rechten den Griff eines (fehlenden) Schwertes, in der Linken wohl früher das Rad. Die heilige
1
frühere Bezeichnung für eine Gärtner im heutigen Sinne
2
frühere bezeichnung für Kleinbauern
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/36
Jungfrau mit dem Kinde, dem die linke Hand fehlt. Ferner die heilige Barbara, in der Linken den Turm.
Die Gestalten ziemlich kurz, großkopfig, mit langen schlanken Nasen. Die Kronen vielfach beschädigt.
Auf glattem, versilbertem und lackiertem Hintergrund.
Auf den Flügeln je zwei Bilder: Links der heilige Sebastian, auf den zwei Krieger schießen, darunter
der heilige Georg, den Drachen bekämpfend. Rechts eine Monstranz mit der Hostie, von zwei
knienden Engeln angebetet, darunter die heiligen drei Könige vor dem Kinde. Auch die Bilder auf
lackiertem Silbergrunde, der auf eine auf die Flügel geklebte Leinwand aufgetragen ist. Die
Hintergründe zeigen nur bescheidene Andeutungen der Landschaft oder einige Baulichkeiten.
27.10.1968
205. Münzfernsprecher. Am 29.10. begannen die Vorbereitungen zum Anschluß des
Münzfernsprechers, der neben dem Buswartehäuschen aufgestellt ist. Man hatte einen Platz mehr
Richtung Kirche geplant. Beim Ausschachten fand man aber Knochen. Und dadurch wurden die
Arbeiter so verschüchtert, daß man einen Platz mehr an der Straße wählte. Es ist anscheinend schon
in Vergessenheit geraten, daß der Platz um das Kriegerdenkmal früher der Gaußiger Friedhof war.
2.11.1968
206. An manchen Tagen stehen an der Fleischverkaufsstelle , ehemals Fleischerei Weidner, viele
Fahrräder, auch Mopeds. Man hört selten, daß ein Fahrrad vertauscht oder gar gestohlen sei.
Diebstähle an Fahrrädern kamen aber kurz nach dem 2. Weltkriege vor. Von der Schule hört man
öfters herüberklingen, daß ein Rad vertauscht oder gar gestohlen sei oder man hätte die Luft
abgelassen.
2.11.1968
207. In unserm Park gibt es viele Laubbäume – viele Buchen, Eichen und Birken. Das hat zur
Folge,daß im Herbst ein tüchtiger Fall von Laub zu verzeichnen ist.Das Laub wird auf vielfache Weise
verwendet. Wer Laub zum Versetzen braucht, holt sichs. Laub gibt gute Komposterde. Deswegen holt
sich der Demitzer Gärtner Paul Laub aus dem Gaußiger Parke schon seit Jahren.
2.11.1968
208. Die „alte Mode“ bei den Fenstern waren solche mit drei Scheiben, die „neue Mode“ sind solche
mit zwei Scheiben, einer größeren unten und einer kleineren darüber. Wann diese Mode, man
bezeichnet sie als Berliner Fenster, also wann sie aufgekommen ist, weiß ich nicht. Jedenfalls werden
jetzt bei Neubauten oder Fenstererneuerungen die Berliner Fenster gefertigt. Wahrscheinlich waren
größere Scheiben früher teurer.
2.11.1968
209. Vor einer Woche konnte man aus dem Gelände des Volksgutes Düngekalk abholen. Preis nach
Eimern. Da der Schrebergarten im allgemeine kalkarm ist, machten viele Schrebergärtner von dieser
Möglichkeit Gebrauch. Ein Zentner wurde zum Preise von 3 Mark abgegeben.
2.11.1968
210. Hubschrauber überfliegen jetzt öfter Gaußig, sowohl in nördlicher als auch südlicher Richtung.
Welchen Zweck diese Flüge verfolgen, konnte ich noch nicht feststellen, danach fragt auch niemand.
Es fliegt auch jeweils nur eine Maschine.
Nov. 1968
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/37
211. Auszug aus Unsere Heimat – Sonntagsbeilage zum Sächsischen Erzähler Nr. 44, 4.11.1935:
In Gaußig widersetzte sich der katholische Pfarrer Jentsch 1559 und 1575 den Visitatoren, auch seine
Nachfolger blieben katholisch innerhalb einer evangelischen Gemeinde. Erst 1619 konnte in der
(evangelischen) Gaußiger Kirche die lutherische Lehre verkündigt werden.
212. Ausgabestelle für Propangasflaschen
Da Gaußig nicht an das Netz für Leuchtgas angeschlossen ist, haben viele Einwohner sich
Propangasflaschen besorgt. Die geleerten Flaschen mussten bisher in Bautzen nachgefüllt werden.
Nun ist es möglich, daß die leeren Flaschen in Gaußig abgegeben werden und die gefüllten dannauch
hier wieder abgeholt werden können. Annahmestelle ist die frühere Schmiede Richard Lange.
Montag Abgabe der leeren Flaschen und Dienstag Abholen der wieder gefüllten.
19.11.1968
213. Totensonntag 1968
Am heurigen Totensonntag, neuerdings auch Ewigkeitssonntag genannt, wurde der Gottesdienst
ohne Orgelbegleitung, aber mit den Posaunen durchgeführt. Die Orgel wird z. Z. regeneriert, man
hofft sie zu Weihnachten in Ordnung zu haben. Die Kosten werden sich wahrscheinlich auf über 5000
M belaufen. Die Orgelbauarbeiten führt die Bautzener Firma Eule durch. Die Kirche war voll besetzt,
nur die Emporen wiesen weniger Besucher auf.
Beim Grabschmuck fielen heuer die vielen Bindereien mit Zapfen auf.
214. Johann Domaschke, Pastor, schreibt 1841:
Im Jahre ein Tausend, acht Hundert und Eilf (1811) den 25. Oktober,
Abend@ um ½ 12 Uhr, ward Noaken@ bei der Puschermühle und
Annen, Andrea@ Poethig@ in Polen@ ehelichen Tochter uneheliche@
Kind, eine Tochter zu Golenz geboren, den 27ten dies. M. allhier getauft
und Magdalena genannt.
Daß vorstehende Nachricht aus dem hiesigen originalen
Kirchenbuch wörtlich extrahiert worden und mit selbigem völlig
gleichlautend ist, wird hiermit sub. fide pastorale bezeuget.
Sigl. Gaußig, den 1ten Maerz 1841
215. Auszug aus Zittauer Nachrichten und Anzeiger vom 8. Dez. 1896:
Der in den letzten Tagen herrschende orkanartige Sturm hat in den nahen Waldungen großen
Schaden angerichtet. Wohl aber am schlimmsten ist leider der so herrliche gräfliche Schloßpark
davon betroffen worden. Mächtige, über 100jährige Fichten mit einem Stammumfang bis drei Meter
liegen zur Erde. An einem Theil, wo der Sturm am meisten gewütet, sind zahllose entwurzelte und
zerbrochene Bäume übereinander geworfen und zeigen dem Naturfreund ein grauenhaftes Bild der
Verwüstung.
25.11.68
Mitgeteilt von Günter Rapp, Görlitz, Fischmarktstr. 5
216. Anzahl der Trauungen 1800-1834
1800
1801
36
22
1807
1808
24
34
1814
1815
39
33
1821
1822
25
20
1828
1829
41
18
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
1802
1803
1804
1805
1806
29
26
28
26
18
1809
1810
1811
1812
1813
31
27
45
42
17
1816
1817
1818
1819
1820
26
31
29
22
17
1823
1824
1825
1826
1827
28
26
29
30
28
III/38
1830
1831
1832
1833
1834
18
38
35
47
36
217. Auffällig ist die starke Hühnerhaltung heuzutage. Das ist ein einträgliches Geschäft. Während
früher Hühner nur auf dem Bauernhofe (Hüfner) gehalten wurden, halten heutzutage auch
Hausbesitzer und wer irgendwo Platz hat Hühner. Die Hühnerhaltung lohnt sich, weil die Eier gut
bezahlt werden. Die Preise wechseln, richten sich nach der Jahreszeit.
29.11.68
218. Im Park wurden 1963 einige starke alte Buchen gefällt. Zwei standen nahe an der Straße nach
Diehmen und gefährdeten den Verkehr durch Fall starker trockener Äste. Eine Kette war in eine
eingewachsen. Sie ergab 27 Festmeter Brennholz, eine andere Buche in der Nähe des Tennisplatzes
mußte ebenfalls gefällt werden. Sie ergab 29 fm Holz. Eine starke Eiche in ihrer Nähe mußte ebenfalls
gefällt werden.
1.12.68
219. Soweit ich verfolgen konnte, wird der Weihnachtsbaum 1968 eine Kiefer sein, nicht Fichte, wie
in den Jahren zuvor. In der Vorweihnachtszeit wurde die Gaußiger Orgel einer gründlichen
Renovierung unterzogen, ausgeführt von der Fa. Eule aus Bautzen. Trotzdem die beiden Arbeiter bis
abends in die 8. Stunde arbeiteten, konnten sie ihr Ziel der Fertigstellung noch nicht erreichen.
20.12.1968
220. Gegen 50 Wildenten bevölkern gegenwärtig den Schwanteich, der nicht ganz zugefroren ist.
Zwei Schwäne sind auch noch vorhanden. Im verflossenen Jahre haben sie nicht gebrütet. Sie haben
noch nie gebrütet.
221. Der Münzfernsprecher ist seit dieser Woche angeschlossen. Hoffentlich wird er nicht mutwillig
beschädigt. Das ist allerdings zu befürchten. Und man sollte doch über diesen Fortschritt erfreut sein.
222. Am 21.12.1968 bei der Weihnachtsfeier der Schrebergärtner wurde gerügt, daß Gaußig bis zu
diesem Datum noch keinen öffentlichen Christbaum wie in anderen Jahren besäße. In manchen
Jahren brannten manchmal 2 Christbäume. Daraufhin brannte schon am nächsten Tage ein
derartiger Baum mit elektrischer Beleuchtung im Garten der Revierförsterei. derartige Bäume
brennen auch in anderen Dörfern und Städten, ist also Mode geworden. Wann brannte in Gaußig
erstmalig ein „öffentlicher“ Christbaum? „Öffentliche“ Christbäume brannten auch bei der
Weihnachtsfeier der Rentner. Ebenso, allerdings mit Kerzen, in der Kirche. Die Christbäume wurden
heuer im Hofe der Revierförsterei verkauft.
223. In den Jahren 1951 oder 1952 wurde der Schwanteich geschlemmt. Angeblich nahm man an,
daß die grafschaft Schmuck oder andere Wertgegenstände in den Teich versenkt hätte. Da der
alljährliche Laubfall viel Erdreich gebracht hatte, wurde die Ausbaggerung durch Loris auf
Feldbahngleisen erleichtert. Der gewonnen Boden wurde im Park verteilt. Davon merkt man 1968/69
nichts mehr. Es ist auch nicht bekannt worden, ob man damals Schätze gefunden hat. Seitdem ist der
Schwanteich nicht mehr geschlemmt worden.
2.1.1969
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/39
224. In dem Testament des Pfarrers Lukas Jentsch aus dem Jahre 1576 wird dem Glöckner Thomas
ein Betrag von zweene Taler ausgewiesen. Also gab es damals schon einen Kirchturm mit Glocke
und den dazu gehörigen Glöckner (War wohl ein hölzerner Dachreiter, der steinerne Turm wurde
1786 gebaut).
225. Auszug aus Sächs. Erzähler 1935, Nr. 44:
In Gaußig widersetzte sich der … (s. Nr. 211). 1559 wurde Steinigtwolmsdorf, 1554 Wilthen, 1559
Goldbach und Großdrebnitz evangelisch. Neukirch 1554.
Also ist Gaußig 1969 410 Jahre evangelisch.
1969
Aus Sagen der Oberlausitz, Seite 39/40:
Lutkenhochzeit (Lutgen – menschenfreundliche Zwerge)
Wenn die Lutken Lust verspürten, erfreuten sie sich auch am Tanz. Zwischen Gaußig und Neukirch
liegt eine Wiese, die im Volksmund der „Tanzplatz“ genannt wird. Dort stieg jedes Jahr zu Johannis
Nebel aus der Erde; und aus ihm trippelten kleine zierliche Gestalten, Männlein und Weiblein, Greise
und Kinder. Sie gingen immer zu zweien. Aus dem Walde traten Musikanten und begannen zu
spielen. Zuletzt kam der Bräutigam mit der Braut, und alle umtanzten das Paar dreimal, setzten sich
darauf zu Tisch und feierten Hochzeit. Der Tanz dauerte an, bis die Morgennebel sich senkten. Dann
kehrten alle in die Erde zurück. Waren zufällig einmal Menschen in der Nähe, so wurden sie
eingeladen und beschenkt. Die Geschenke brachten Glück ins Haus. Wer die Lutken aber bei ihrem
Vergnügen störte, der erhielt von einer unsichtbaren Hand Schläge.
Auszug aus Budissiner Nachrichten vom 12. Juli 1860:
Budissin, 10. Juli 1860. Eine wahrhaft wohltätige Herrschaft findet man in dem Orte Gaußig. Daselbst
wird von Seiten der gräflichen Herrschaft den armen Kranken und Gebrechlichen nicht selten kräftige
Nahrung, Kleidung und Holz verabreicht, und sollen wie alljährlich auch in diesem Herbste unter die
notorisch Armen gegen 12 Schock Reißig aus der gräflichen Waldung verteilt werden. Auch hat die
selig verstorbene Frau Gräfin, eine wahre Wohltäterin der Armen, im Jahre 1843 daselbst eine
Arbeitsschule gegründet, in der unausgesetzt 30 Mädchen im Nähen, Stricken und Zeichnen
unentgeltlich unterrichtet werden. Die dabei angestellte Lehrerin wird aus der gräflichen Hauptcasse
besoldet. Gott segne solche christlich gesinnten Herrschaften, die der Worte eingedenk sind:
Wohlzutun und mitzuteilen vergesset nicht, denn solche Opfer gefallen Gott wohl.
Mitgeteilt von Günter Rapp, Görlitz, Fischmarktstr. 5
226. Schuljugend und Fahrrad
In den Jahren 1965 und 1966 kamen in Gaußig 454 Kinder zur Schule. Von diesen benutzten 265 für
ihren Weg zur Schule ein Fahrrad.
227. Die Töpferei Fischer stellte bisher zumeist Blumentöpfe her. Der Bedarf ist z. Z. fast gedeckt.
Kleinere Töpfe wurden mit Pressen hergestellt, die eine gute Haltbarkeit aufwiesen, bei größeren
benutzte man die Töpferscheibe. Jetzt hat sich der Betrieb umgestellt, und zwar auf Vasen
mannigfacher Art.
228. Das 1912 gebaute Spritzenhaus ist 1968 verkauft worden. Ein neues ist im Bau. 1967 wurde mit
dem Neubau begonnen und 1969 soll es fertiggestellt werden. Man hofft auf die Mithilfe der
Einwohner. Durch freiwillige NAW-Stunden. Daß der Bau so langsam vorwärtsschreitet, wird
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/40
unangenehm empfunden.
4.2.1969
229. Der Winter 1969
Der Winter des Jahres 1969 zeichnet sich durch Dauer und Härte aus. Jetzt am 16. März schneit es
noch wie die ganze Nacht durch. Vorher ärgerte sich die Bevölkerung an dem Eis, das nicht weichen
wollte, und vom Säen im März ist keine Rede. Kohlen und Holz sind im Schwinden begriffen. Alles
wartet auf das Frühjahr.
Der März 1969 war der zweitkälteste in diesem Jahrhundert. Erst die Ostertage brachten das
langersehnte Tauwetter.
230. Durch den langen Winter verspätet wurden 370 cbm neuer Sand für die 7 km Parkwege
angefahren, vorläufig noch auf Haufen. Der Sand wurde von der Grube an der Puschermühle geholt.
Die Anfuhr erfolgte durch Fahrzeuge der TU Dresden, dann maschinell ab 15.4. breitgefahren. Am
16.4. aber schon wieder unterbrochen, weil der Boden zu weich war und die Fahrzeuge einsanken.
231. Sitzung der Schrebergärtner und des Dorfklubs im Gasthof. Gegenseitige Behinderung beim
Sprechen. Dorfklub hat eine Veranstaltung durchgeführt, dann geschlafen. Schuld daran die fehlende
Eigeninitiative, es wurde zu viel kommandiert, der Zwang ist nicht beliebt. Ich sehe auch für die
Zukunft noch kein Aufblühen des Dorfklubs voraus.
232. 1962 äußerte ich bei einer Veranstaltung, daß dem Dorfchronisten die Stunde Arbeit mit 1
(denar=Pfennig) bezahlt würde. Damals erhielt ich für meine Arbeit eine einmalige Entschädigung
von 150 M. Von 1962 bis zum Jahre 1969 habe ich nichts erhalten, obwohl der Bürgermeister von
meiner Arbeit Bescheid wußte, zwar nicht von ihrem genauen Umfang, aber von der Tatsache, daß
ich arbeite. Zu Antworten oder Vorträgen trat man an mich heran. Sowohl von der Ortsschule als
auch von Schülern aus Bautzen erhielt ich für meine Hilfe nur Kleinigkeiten, in den meisten Fällen
keinen Pfennig. Wer tat ein Gleiches?
17.4.1969
233. Alte Kleidung will heutzutage niemand geschenkt haben, obwohl neue Kleidungsstücke oftmals
nicht viel taugen. Liegt es darin, daß heutzutage viel Geld unter den Leuten steckt?
17.4.1969
234. Nachdem der Rundfunk oder das Radio in den meisten Haushalten anzutreffen ist, kann man ein
ähnliches vom Fernseher sagen, der zwar noch nicht die gleiche Verbreitung wie der erstere erlangt
hat, aber eingebürgert hat er sich und Unterhaltungen über bestimmte Übertragungen sind häufiges
Gesprächsthema.
7.4.1969
235. Statt der bisher geschätzten 50 Wildenten, die im Winter den Schwanteich bevölkern, wurden
kürzlich ca. 200 vermutet, eher mehr als weniger. Teich ist ganz vereist.
17.4.1969
236. 1969 ist ein spätes Frühjahr. Heute, zum 19. April, schneite es. Nachts Frost, Schneefall. Bis jetzt
noch keine Kartoffeln gesteckt. Die Wintersachen hatte man im guten Glauben an das baldige
Frühjahr schon weggepackt
19.4.1969
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/41
237. Zum Steinelesen auf dem Felde an der Feldscheune waren am 23. und 24. April Schulkinder
eingesetzt.
24.4.1969
238. Schaden richten Rehe auf dem Schrebergartengelände an. Dieser Tage wurden 8 Rehe gezählt.
Verärgerung.
24.4.1969
239. Seit dem Jahre 1960 Sammlung von Zeitungsausschnitten, die in der Hauptsache Gaußig
betreffen. Im Januar fing ich mit dem 6. Heft an. Heute zählte ich die einzelnen Ausschnitte und kam
auf die unerwartete Zahl von 541.
24.4.1969
Wenn auch nicht alles Gaußig betrifft, es sind auch andere Personen enthalten – ein späterer Leser
wird in der Sammlung eine Art Chronik vorfinden – also bleibt ihr Wert erhalten, wenn auch viele
nebensächliche Ereignisse eingeklebt wurden. Die Heimatgeschichte findet natürlich noch Lücken
darin – aber in welcher Art der Ausführung gäbe es keine Lücken? Allseitige Geschichte bibt es nicht.
Gespannt bin ich auch auf die Rückkehr von der Schulung des Bürgermeisters, wie er sich künftig mir
gegenüber verhalten wird. Zu wem habe ich mich über ihn geäußert?
25.4.1969
Auch meine Art der Chronikschreibung ist nicht allseitig. In meiner bisherigen Art fehlt die
Bildchronik, vielleicht kann ich dazu Herrn Rausendorf begeistern. Auch eine Sammlung früherer
Fotografien ließe sich anlegen. Ein Gedanke, der nicht neu ist. Was will ich überhaupt mit meiner
chronikalischen Arbeit erreichen?
240. Die Brücke, unter der das Wasser des Schwanteich abfließt, ist baufällig. Busse dürfen nicht
mehr darüber. Auch das Geländer ist zerstört.
Mai 1969
241. Gestern abend in der achten Stunde fand in der Kirche die sogen. Kirchenvisitation statt durch
den Landesbischof aus Dresden. Erste Kirchenvisitation im Jahre 1559. Der Gaußiger Pfarrer ist z. Z.
noch krank. Es herrschte ein starker Kirchenbesuch. Außer dem Kirchenchor trat der Posaunenchor
hervor. Zu den Bläsern gehören viele Jugendliche. Die Orgel ist inzwischen repariert und zeichnet sich
durch einen guten Klang aus.
Mai 1969
242. Am 31.5.1969 war die Fleischverkaufsstelle, ehemals Fleischerei Weidner, angeblich wegen
Krankheit geschlossen, so daß viele Einwohner keinen Sonntagsbraten genießen können. Was die
wirkliche Ursache für diese Entscheidung war, ist unbekannt. Hoffentlich werden Gaußig, Göda,
Doberschau und einige Verkaufsstellen in Bautzen wieder geöffnet. Dann werden wir sicher auch die
Ursache für diese Maßnahme erfahren.
1.6.1969
Sonnabend vormittag aller Verkauf gesperrt. Nachmittag wieder geöffnet.
243. Der ehemalige Seitschener Hay hatte eine Fläche von 35 ha.
244. Zu den 4 Schwänen auf dem Kirchenteich gesellte sich ein fremder, zänkischer Schwan. Seine
Herkunft blieb unbekannt. Inzwischen ist er wieder fortgeflogen, ohne daß man weiß wohin.
8.6.1969
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/42
245. Kaskade – oder das Brautbukett wird die farbenreiche Anpflanzung von Freilandazaleen genannt
am Zufluß zum Schwanteich. Die Rhododendronbüsche zeichnen sich 1969 weniger durch
Blütenreichtum als durch Wachstum der Zweige aus.
11.6.1969
246. Wachsender Beliebtheit erfreut sich die amerikanische Schaukel, man bezeichnet sie auch als
Hollywood- Schaukel. Baumaterial sind Stahlrohre. Die Schaukeln sind teils im Schrebergarten, teils
im Dorf anzutreffen.
22.6.1969
247. Fortschritte sind jetzt beim Bau des Feuerwehrgerätehauses zu verzeichnen. Im laufe der
vergangenen Woche konnte das Dach gehoben werden. Am Bau beteiligten sich besonders
Angehörige der FFW. Ziel der Fertigstellung ist der 20. Jahrestag der DDR (7.10.69).
29.6.1969
248. Heuer gibt es viele faulige Erdbeeren. Über den Preis gab es anfangs Unklarheiten. Das Pfund
kostet jetzt 1,60 M, also etwas weniger als 1968. Was die <menge anbelangt, wird 1969 eine
geringere als im vergangenen Jahr erreicht. Schuld daran sind die häufigen Niederschläge und die
fehlende Nachtwärme. Beim Siebenschläfertag regnete es heuer. An die Wetterregel glaubt man
noch. Trotzdem bringt 1969 eine Hitze- und Trockenperiode.
249. In diesen Tagen geht der Bau des Feuerwehrgerätehauses weiter. Am 27. Juni fand das
traditionelle Hebefest statt. Da die Arbeitskräfte sich teilweise auf freiwillige Helfer stützen, geht der
Bau nur langsam vorwärts – aber es geht doch vorwärts.. Das ehemalige alte Spritzenhaus ist
inzwischen verkauft und ist als Wohnung bereits belegt (Familie Erber).
6.7.1969
In der Nähe des alten ehemaligen Spritzenhauses ist der Sand für die Frostperiode gestapelt. Das Ziel
für den Winter ist es, die täglichen Fahrten der Busse. durch Freihalten der Straßen zu ermöglichen.
Es sammeln sich im Laufe des Winters Mengen von Sand an den Straßenrändern an, dessen
Beseitigung im Frühjahr viel Arbeit mit sich bringt. Vordringlich die Arbeiter müssen zur Arbeitsstelle
mit Bussen und der Bahn gelangen können.
250. Aus Anlaß des 20. Jahrestages der DDR wird von den Mitgliedern der CDU Walter Bergt,
Schmiedemeister und Alfred Voigtländer (Anwohner) in Kleingaußig ein Buswartehäuschen errichtet.
8.7.1969
251. Zum 60jährigen Bestehen der Schule 1960 gab es an der Feier eine bisher nicht wieder erreichte
allgemeine Teilnahme. Ob für eine Feier zum 20. Jahrestag das gleiche gelten wird? Hoffentlich.
252. Hühnerhalter erhalten bei Abgabe von Eiern für 1 kg Eier
im Winterpreis vom 1.10. bis 20.3.
6,40 M
im Sommerpreis
5,40 M.
Ein Liefersoll an Eiern gibt es z. Z. nicht mehr.
15.7.1969
253. Kunstblumen werden z. Z. in Gaußig nur von einer Person angefertigt. Die fertigen Blumen
werden nach Naundorf geschafft. Von dort holt sie der Betrieb ab. Früher machten mehr Frauen
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/43
Blumen.
4.8.1969
254. Seit ungefähr 14 Tagen erleben wir eine Hitzeperiode, deren Ende noch nicht abzusehen ist.
Alles wartet sehnsüchtig auf Regen. Die Schrebergärtner müssen tüchtig gießen. Die Trockenheit
fängt an, sich unangenehm bemerkbar zu machen.
4.8.1969
255. in diesen Tagen kommen neue Geldstücke in Umlauf, Stücke zu 20 Pfennig aus Messing, etwas
größer als die Groschen und auch schwerer. Das erste neue Messinggeld erhielt ich heute auf der
Post. Am Sonnabend wurden sie bereits erstmalig gezeigt.
4.8.1969
256. Eine Frau fuhr von Diehmen nach dem Gaußiger Friedhof. Wegen der z. Z. herrschenden Hitze
war sie nur mäßig bekleidet, d. h. sie trug nur einen Unterrock. Das ist auch bei Hitze nicht üblich.
Statt des Kleides eine Kleiderschürze zu tragen, stört niemanden.
6.8.1969
257. Beim Umbau der ehemaligen Stellmacherei Biesold, jetzt Wäscherei Schneider, August, fand
man Fensterpfosten mit der Jahreszahl 1756. Dank der Aufmerksamkeit eines Gaußiger Einwohners
wurde ich davon benachrichtigt. 1756 ist der Beginn des siebenjährigen Krieges. Ob das Jahr 1756
auch Baujahr ist, konnte noch nicht ermittelt werden. Leider bilden derartige Hinweise eine
Ausnahme. Urkunden, alte Zeitungen und dergleichen wurden mir nur selten ausgehändigt.
258. Vom 8. – 11. August weilte eine tschechische Fußballmannschaft zu einem Freundschaftsspiel in
Gaußig. Wie im Vorjahr waren die Tschechen bei Einheimischen untergebracht.
259. Eiserne Baugerüste aus Rohren – vor Jahren sah ich sie schon in Prag – sind nun auch in Gaußig
aufgetaucht. Z. Z. ist das Gemeindeamt damit eingerüstet. Das Einrüsten besorgte früher ein
Zimmermann aus Günthersdorf, der aber hölzerne Gerüste verwendete.
23.8.1969
260. Gaußiger Bäcker:
Z. Z: gibt es in Gaußig zwei Bäckereien: Bäckerei Frenzel und Bäckerei Erbe (früher Bjarsch – Teich).
Bäcker Frenzel ist bekannt durch die gleichmäßige Güte seiner Semmeln. Fremder Besuch behauptet,
noch nie solch gute Semmeln gegessen zu haben. Auch die Kuchenware ist bei beiden Bäckern gut. Es
macht sich das Bestreben bemerkbar, eigene Ware zu verkaufen als nur von den Leuten gelieferten
Teig abzubacken. Wer einen Propangasherd besitzt, kann selber backen und ist nicht auf die Bäcker
angewiesen.
26.8.1969
261. Heute brachte Schneider, August, den Fensterbalken, den er bei der Hausrenovierung gefunden
hatte. Das ehemalige Haus Biesold war früher eine Försterei. Haus Hille, Grundstück Wahode, Frenzel
(Land hinter Wahode gemeint) wurden später dazugekauft. Ob auch Pakosnick und Kuhne ist noch
unbekannt. Wer kann Auskunft geben? Welchen Umfang hatte Gaußig um 1800? Was wurde
inzwischen neugebaut? Eine Aufgabe für die Zukunft. Was sind die ältesten Häuser?
24.8.1969
262. Abschrift:
Gaußig, den 25.3.1946
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/44
An die Bodenreform
in Bautzen
Im Park des Rittergutes Gaußig sind sehr große Grasflächen, welche keinen zeitgemäßen Nutzen
bringen. Es soll und muß jetzt jede Fläche für die Volksernährung genutzt werden. Daher schlage ich
vor, die gen. Flächen zum Anbau für Gemüse und Kartoffeln für die in Gaußig und Umgegend
wohnenden Siedler zu benützen. Es ist der Boden, um in der Sprache des Landwirts zu sprechen,
ausgeruhter Boden, auf dem ohne Stall- oder Kunstdüngergaben bei intensiver Bodenbearbeitung
durch Handbetrieb gute Erträge zu erzielen sind.
Die Interessenten warten auf die Benutzungserlaubnis. Die Zeit für den Beginn der
Vorbereitungsarbeiten drängt. Ich bitte deshalb um die entsprechenden Vollmachten, damit mit der
Arbeit begonnen werden kann.
Der Vorsitzende des Ausschuß
für Volkssolidarität.
An das Sekretariat
für Volkssolidarität
in Bautzen.
Ich bitte meine Eingabe zu unterstützen
263. Rundschreiben des Kreisausschusses der Volkssolidarität.
Betr. Aktion „Wir bauen auf“ Kartoffelkäfer suchen
21.7.1950
Weit über 300 Kartoffelkäferbefallstellen wurden bis jetzt alleine in unserem Kreis festgestellt. ihre
Lage entlang der Eisenbahnstrecken und großen Staatsstraßen beweist, daß Agenten des westlichen
Imperialismus ihre Hand im Spiel haben, um unsere Wirtschaftsplanung zu stören. Die diesjährige
Kartoffelernte ist in größter Gefahr! Deshalb ist ein Masseneinsatz aller Arbeitskräfte notwendig.
Entgegen der bisherigen Regelung werden aus diesem Grunde ab sofort gelbe Aufbaumarken
gegeben.
264. Propangasflaschen – Die Versorgung mit Propangasflaschen klappt nicht mehr. Angeblich ist ein
Werk in die Luft geflogen. Auch das Abholen der leeren und der gefüllten Flaschen entspricht nicht
dem Plan. Es gibt viel Ärger.
Sommer 1969
265. An der Ecke des Gasthofes ist eine stark leuchtende Lampe angebracht worden. Kein Vergleich
mehr mit der ersten Lampe, die der ehemalige Gastwirt anbringen wollte, was aber abgelehnt
wurde.
Sommer 1969
266. 1969 ist ein Jahr, das viele Wespen hat, auch die Hornissen sind zahlreich vertreten. Wir beide
wurden tüchtig gestochen. Abwehr – gegen Abend am nächsten Tage mit Spiritus und Petroleum
abgebrannt. Erster Versuch gelang nur teilweise.
7.9.1969
267. Am 7.9.1969 wurde auf der Freitreppe vor dem Schloß die komische Oper „Doktor und
Apotheker von Dittersdorf“ aufgeführt. Das Wetter war angenehm. Besuch könnte besser sein.
268. Salzkosten: Vor dem ersten Weltkriege kostete 1 10 Pfg. Die Kosten für die Förderung sollen 3
Pfg. betragen haben, die übrigen 7 Pfg. waren indirekte Steuern. Was kostete damals 1 Pfd. Butter?
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/45
(Um 1900 kostete in Stettin 1 Kilo Butter 1,86 Mark, 1920 reichten 10 Mark gerade einmal für ein Pfd.
Butter ) Jetziger Preis für 2 Pfd. Salz (940 g) 30 Pfg.
20.9.1969
269. Beim Schulanfang 1969 fiel mir auf, daß Schulanfänger sehr bald für den Schulweg ein Fahrrad
benützten – früher dauerte es Jahre, ehe sie mit Fahrrad zur Schule kamen. Ich habe erst im Alter von
21 Jahren Radfahren gelernt.
21.9.1969
270. Für die Feier des 20. Jahrestages (der DDR) ist das Gemeindeamt vorgerichtet worden. Der Putz
ist ausgebessert worden und wurde gestrichen – wird fortgesetzt, da der Plan bis 7.10. nicht erfüllt
war.
271. Als der Gaußiger Gastwirt Nitschmann vor reichlich 60 Jahren über den Rückgang des Umsatzes
zu klagen hatte, suchte er nach einem Umsatzschlager, von dem er sich eine hohe Einnahme
versprach. Er suchte nach einer Sensation und glaubte eine solche gefunden zu haben, wenn er einen
Ochsen am Spieß braten würde. Das ist noch nie dagewesen, das wird die Leute heranlocken, und
mein Umsatz, den ich so notwendig brauche, wird steigen. Meine Schulden bei der Brauerei werde
ich endlich abstoßen können. Das Geschäft ging nicht schlecht, aber der große Schlager wurde es
nicht. Die Schulden bei der Brauerei waren zwar nicht gewachsen – aber er konnte sie auch noch
nicht abstoßen. Und Nitschmann entschloß sich zu einem zweiten Versuch. Ach, hätte er es nicht
getan. Der Ochse war schwerer, aber auch teurer. Und als zweite Attraktion hatte er extra in Dresden
eine Militärkapelle bestellt, die auch bezahlt sein wollte. Und als der Tag herankam, an dem der
Ochse am Spieß gebraten werden sollte, da zog ein Gewitter am Himmel auf, bald krachte es Schlag
auf Schlag. Außerdem goß es in Strömen, und der Mann, der den Ochsen am Spieß drehen sollte, riß
aus und ließ Ochsen Ochsen sein. Das Feuer aber war nicht gelöscht und bald bestand die Gefahr,
daß der Ochse verbrannte. Nitschmann fluchte und bat händeringend den bestellten Mann, doch
weiterzudrehen. Aber der entgegnete ruhig: „Ich drehe nicht, sonst erschlägt mich noch der Blitz!“
Was blieb Nitschmann übrig, als selber den Ochsen zu drehen. Da er wohlbeleibt war und es
ununterbrochen weiterregnete, ließ die Glut allmählich nach, aber statt des schmackhaften Fleisches
gab es nur ein zähes, zum Teil angebranntes Fleisch, das niemand schmeckte. Das sprach sich bald
herum, und statt des erhöhten Umsatzes brachte der zweite Ochse erhöhte Ausgaben und nur
geringe Einnahmen. Die Schulden waren gewachsen und die Schuldner drängten auf Zahlung.
Nitschmann hatte schwere Tage. Was blieb ihm anders übrig als den Gasthof zu verkaufen. Er verließ
Gaußig und zog nach Dresden. Die Älteren unter uns werden sich seiner noch erinnern.
272. Einweihung des Feuerwehrgerätehauses. Nach dreijähriger Bauzeit wurde am 27.9.1969 das
Feuerwehrgerätehaus eingeweiht. Am 26.9. Bierprobe. Als Attraktion wurde ein Ochse am Spieß
gebraten. Leider war das Wtter recht kühl. Trotzdem wurde alles verzehrt, und viele hatten am
Sonntag einen schweren Kopf. Ein Zelt war aufgebaut. Zur Unterhaltung und Tanz spielte die Kapelle
der Reichsbahn Bautzen. Ausgezeichnet wurden Kameraden der Feuerwehr und diejenigen, die sich
beim Bau hervorgetan hatten.
3.10.1969
273. Das Jahr 1969 zeichnet sich dadurch aus, daß heuer sehr viel Nüsse gewachsen sind. Solchen
Reichtum gab es seit Menschengedenken noch nicht. Leider gibt es nicht mehr viele Nussbäume. Ein
Pfd. wird mit 3 Mark bezahlt.
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/46
274. Ein Fackelzug zu Ehren des 20. Jahrestages der DDR wurde am 5.10. veranstaltet. – Ebenfalls zu
Ehren des 20. Jahrestages war eine Hobbyschau in der Schule vom 5.-7.10. Dabei merkte man die
vielseitigen Interessen der Bewohner. Im gasthof wurde am 7.10.69 eine Festsitzung veranstaltet, die
Festansprache hielt der Bürgermeister (Manfred Mutscher). Anschließend wurden die besten
Aufbauhelfer mit einer Urkunde, einem Buch und einem Blumenstrauß ausgezeichnet. Anschließend
Tanz.
275. Da die Kartoffelernte 1969 nur mäßig war, da infolgedessen pro Person nur 2 Zentner
ausgegeben wurden, gegenüber 2,5 Zentner, war das Interesse beim Stoppeln heuer recht groß. Und
es gab manche Streitigkeiten.
16.10.1969
276. Die Brücke am Schwanteich war z. Z. für Busse gesperrt, für den sonstigen Autoverkehr aber
bisher erlaubt, eine Zwischenlösung, da der Bau eine Notwendigkeit war. Damit ist dieser Tage
begonnen worden. Ab heute steht an der Parkecke ein Schild – Umleitung. Allgemeinherrscht die
Meinung vor, daß sich der Bau in die Länge ziehen wird. Das Wasser des Schwanteiches wurde
wieder abgelassen – seit dem letzten Fischen war er fast noch völlig gefüllt.
277. In früheren Jahren war eine Hochzeit ohne Myrthe nicht denkbar. In vielen Wohnungen standen
auch Myrthenstöcke. hier ist eine Wandlung eingetreten. Der Myrthenkranz gehört nicht unbedingt
zur Hochzeit, vor allem nicht zur nichtkirchlichen Trauung. Und Myrthenstöcke sind zur Seltenheit
geworden. Nach meiner Meinung gibt es z. Z. in Gaußig keinen Haushalt mit Myrthenstock. Für die
Ranken am Stuhl bei der Trauung in der Kirche verwendete man früher ausschließlich Buchsbaum.
Wie die Myrthe ist auch der Buchsbaum seltener geworden. Wir besitzen noch eine
Rabatteneinfassung aus Buchsbaum. Vor Jahren gaben wir Buchsbaumpflanzen an Preusche. Sie
haben die Pflanzen aber nicht gepflegt. Wo sonst noch Buchsbaum steht, habe ich nicht beachtet.
Okt. 1969
278. Bäume an der Schule: Die Tannen an der Schule sind heute gefällt worden. Sie nahmen für die
oberen Schulstuben Licht weg und beschädigten auch das Dach. Reisig holte sich der Gärtner
Lehmann. Kleinere Bäume in Richtung Frau Schneider (auf der Fläche soll der Erweiterungsbau
entstehen) wurden schon vorher entfernt.
31.10.1969
279. Heute wurde die Brücke am Schwanteich gesprengt, später ein zweites Mal. Die Buchen, die
dort standen, müssen vor dem Bau der neuen Brücke wegen der starken Wurzeln entfernt werden.
Es wurde ein provisorischer Übergang geschaffen. Für den Abfluß der Abwässer aus dem Schloß
wurden neue Rohre gelegt. Der Graben wurde schon ausgebaggert.
23.10.1969
280. Krauthobel: Der Krauthobel, den wir uns seit Jahren bei Wolfs (Lebensmittelgeschäft) borgen,
stammt aus dem Jahre 1834. Früher lieferte das Rittergut fertig gehobeltes Kraut zum allgemeinen
Verkauf. Inzwischen ist eine Änderung eingetreten. Fertiges Sauerkraut beziehen die meisten vom
Konsum, der es faßweise bezieht. Lieferant ist eine Firma aus Neukirch. Der Hobel von Wolfs liefert
gröberes Kraut als das aus dem Konsum bei Schneiders. Den Topf zum Einlegen kauften wir uns in der
Töpferei Gagel in Göda.
4.11.1969
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/47
281. Der für 1970 geplante Anbau die Schule ist verschoben. Es findet eine Umgruppierung der
zugehörigen Schulorte statt (Medewitz soll künftig zu Demitz gehören, so daß die Kinderzahl in
Gaußig rückgängig ist) Ob es bei Gaußig an der notwendigen Rührigkeit gefehlt hat, kann ich nicht
sagen. Auch Naundorf soll angeblich ausgeschult werden.
282. Zwiebelernte 1969 im Schrebergarten
Heuer sind die Zwiebeln nur bei einigen Schrebergärtnern geraten. Im Konsum gibt es nur selten
Zwiebeln zu kaufen. Dort heißt es, die Betriebe hätten noch keine Zeit zur Ernte. Ob das stimmt, weiß
ich nicht. Die Zwiebelernte 1969 war wohl nicht gut, ob man es nun zugibt oder bemäntelt – weiß ich
nicht. Für die Zwiebelfreunde ist heuer ein schlechtes Jahr. Oder fehlt es heuer an der notwendigen
Einfuhr?
7.11.1969
283. Deckreisig versorgte früher der Forst, auch private Waldbesitzer. Nach dem Kriege, als
Arbeitskräfte fehlten, mußte man selber Reisig schneiden. Der Forst wies nur an, wo geschnitten
werden durfte. Es gab auch ein Jahr, wo das Deckreisig in fertigen Bündeln bei Friedrichs (Forsthaus
am Moritzweg) abgeholt werden konnte. Heuer musste es vorher bestellt werden. Man bekam es in
Bündeln, je ¼ m zum Preise von 3 Mark. Diese Regelung wird auch noch nicht die letzte sein. Auf dem
Taucherfriedhof (Bautzen) ist das Decken der Gräber mit Reisig untersagt.
8.11.1969
284. Ich ginge wohl abernten, wurde ich diese Woche gefragt, als ich in den Schrebergarten ging. Seit
wann existiert dieser Ausdruck? Haben ihn die Schlesier eingeführt oder war er mir nicht aufgefallen?
Ich bilde mir nicht ein, alle Ausdrücke der Sprache zu kennen. Deswegen kann möglicherweise ein
Ausdruck nicht bewußt werden. Ein früherer Streitpunkt war das Wittern – Stritten wir uns um
Wittern oder Gewittern – ich weiß nicht mehr.
Nov. 1969
285. Wir leben jetzt in einer Zeit der vielen Stürme. Die bringen auch viel dürres Holz von Buchen,
Lärchen und anderen Bäumen. Viele Einwohner warten geradezu auf Stürme. Rentner sind natürlich
im Vorteil, da sie jederzeit in den Wald gehen können. Nicht alle Einwohner beteiligen sich an diesem
Holzsammeln. Manche sind zu stolz dazu, wer aber einmal dem Holzfimmel verfallen ist, den lockt es
immer wieder in den Wald. 1969 gibt es wenig und dazu noch schlechte Kohlen. Da ist ein Holz
zuschuß willkommen. Etwas außer Mode gekommen ist das Stöckespalten. Das Spalten ist eine
schwere Arbeit. Nach dem Kriege war es große Mode geworden. Mit dem verbesserten Lebensstand
ist die Sucht nach dem Holz zurückgegangen und schon ein wenig in Vergessenheit geraten.
10.11.1969
286. Mitteilung von Christian Schmidt am 4.3.1969:
„Als die Lausitz vor 500 Jahren zu Ungarn gehörte, war Matthias Corvinus König. Am Schloßturm ( der
Ortenburg Bautzen) ist (seit 1468)eine Plastik von ihm, er wird auch Matthiasturm genannt. Dr. Biehl
fand als Schöpfer Briccius Ganske (auch Gauske), der wahrscheinlich aus Gaußig stammt. Er war auch
in Görlitz und Breslau (Erker am Rathaus)tätig. Fritz Rauda (Architekt und Hochschullehrer, 1879 bis
1945) konnte stilistische Ähnlichkeiten beim Schmuck des Breslauer Rathauses feststellen.“
23.11.1969
287. Windmühle Drauschkowitz
Von einer Windmühle findet man keine Spur mehr. Sie ist am 22. Sept. 1913 abgebrannt. In der
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/48
Wohnstube des letzten Windmüllers Hermann Fasold hängt von ihr ein Ölbild, hölzerne
Holländerwindmühle, auf einem reichlich türhohen Sockel aus Ziegelsteinen, mit einer drehbaren
Kappe, aus der an der waagerechten hölzernen Hauptwelle ein Wellenkopf aus Eichenholz ragt. Die
vier Ruten (Flügel) waren mit je vier auswechselbaren , 1qm großen „Türen“ versehen. Die
Außenwände der Windmühle bestanden aus 16 Teilen, die durch einen mächtigen Reifen
zusammengehalten wurden. Ursprünglich stand die Mühle in Commerau bei Königswartha, wurde
1866 in Rammenau aufgestellt und kam wenige Jahre später nach hier (22.12.1872). Ihre Leistung lag
zwischen 500 und 1000 Ztr. jährlich.
24.11.1969
288. Auf dem Friedhof stehen Denkmäler mit Goldschrift, bei manchen ist die Schrift aus weißer,
auch schwarzer Farbe, bei älteren ist die Schrift nur eingehauen. Auf dem Gaußiger Friedhof ist die
Goldschrift seit längerer Zeit verboten, während auf anderen Friedhöfen, die den jeweiligen
Gemeinden unterstellt sind, Goldschrift zugelassen ist. Bei der Predigt am Totensonntag erwähnte
der Pfarrer (Pahler), daß sich im letzten Jahr 2 Personen nicht an das Verbot gehalten hatten und auf
ihren Grabdenkmälern Goldschrift angebracht hatten.
26.11.1969
289. Schwanteichbrücke befahrbar.
Die Straßenbrücke am Schwanteich ist kurz vor dem Einbruch strengen Frostes wieder befahrbar. Die
Sperrung ist aufgehoben. Es ist ja möglich, daß sich das Erdreich noch setzt, so daß im Frühjahr
Ausbesserungen notwendig werden, aber die Hauptarbeit ist schon getan. Das war nur durch die
Verwendung langer und starker Zementrohre möglich, sonst hätte der Bau länger gedauert. Am Bau
waren drei Arbeiter beschäftigt. Die Betonmischmaschine und die Bodenrammen waren motorisiert.
Bauzeit also ca. 1 ½ Monate.
5.12.1969
290. Bruno Zimmermann gestorben
Nach langer schwerer Krankheit starb am 16. Oktober 1969 der Revierförster und Forstschutzbeauftragte Bruno Zimmermann, geboren am 24, November 1895 in Radnitz Kreis Görlitz. Er war vor
allem tätig auf dem Gebiete der Entomologie, wobei er sich besonders mit Schmetterlingen und
Käfern befaßte. Von 1921 bis 1935 gehörte er der Naturforschenden Gesellschaft in Görlitz an. 1935
erhielt er für seine Arbeiten auf dem entomologischen Gebiet das Diplom. Er arbeitete mit den
Forstwissenschaftlichen Instituten Tharandt, Eberswalde und Jena zusammen. Einen guten Ruf
erwarb er sich als Präparator. Ich fertigte für seine Präparate die Beschriftung an.
5.12.1969
291. Die für den 14.12.1969 geplante Weihnachtsfeier für unsre Rentner ist abgesagt worden. Grund:
Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Seitschen. Auf welchen Zeitraum sich das Verbot
erstrecken soll – ist vorläufig nicht bekannt gegeben worden. Bei verschiedenen Eingängen sind
Seuchenschutzanlagen angebracht.
Den Seuchenschutzverordnungen ist auch das für den 13.12. geplante Weihnachtsvergnügen der
Schrebergärtner zum Opfer gefallen. Auch Gottesdienst durfte am 14.12. nicht abgehalten werden.
292. Die Anordnungen wegen der Maul- und Klauenseuche werden streng durchgeführt und auch
gewissenhaft überprüft. Das Durchfahren von Großseitschen mit Autos ist z. Z. untersagt. Die
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/49
entstehenden Härten werden ertragen ohne großes Murren.
17.12.1969
293. Jetzt im Winter bemerken wir überall die Amsel, die zum Gartenvogel geworden ist. Mitleidige
Menschen füttern die Vögel oft.
Dez. 1969
294. Durch die anhaltende Kälte werden für den Hausbrand viele Kohlen gebraucht. Leider ist die
Zuteilung von Kohlen recht niedrig, auch an der Güte ist viel auszusetzen. an wünscht sich lange
Briketts, die eine längere Brenndauer besitzen, dementsprechend ergiebiger sind. Leider liefert uns
der Kohlehandel nur selten die gewünschten langen Briketts. Wir (Herr und Frau Müller) haben an
Kohlen nur 22 Ztr. geliefert bekommen. Mehr als 25 Ztr. durften angeblich nicht ausgeliefert werden.
Was ist der wahre Grund für die heurige Kohlenknappheit? Wahrscheinlich spielt die hohe Politik
eine ausschlaggebende Rolle. Nach den Wünschen und Bedürfnissen der Bevölkerung wird wenig
gefragt. Glücklich sind die zu preisen, die Propangas zur Befeuerung haben. Leider ist die Belieferung
mit Propangasflaschen nicht zuverlässig und gleichmäßig. Angeblich ist ein Werk ausgefallen.
Genaues weiß man nicht. Wer auf Propangas angewiesen ist und sich von der Kohleheizung und –
feuerung befreit hat, sieht sich mit einem Male in eine Notlage versetzt. Hoffentlich tritt bald eine
Änderung ein, sowohl bei der Propangaslieferung als auch bei den Briketts – der strenge Winter
möchte bald ein Ende haben.
4.1.1970
295. Die Bäckerei Frenzel hat zum 1.1.1970 ihren Betrieb eingestellt. Es ist nicht bekannt, wie lange
sie bestanden hat (genaueres ist .hier bzw. in der Chronik Thunig/Mibs zu lesen).
Auf jeden Fall war schon (Johann Traugott Frenzel,) der Vater (von Georg Frenzel,) hier Bäcker und
lieferte gute Ware. Besonders durch seine guten Semmeln war Gaußig bekannt. Der Bruder Martin
fiel im letzten Kriege. Die Tochter ist nach Berlin verheiratet. Dort hat ihr der Vater eine Villa gekauft.
Im Augenblick besteht noch die Bäckerei Bjarsch-Erbe, die nun den gesamten Bedarf decken muß.
Backwaren liefert auch in erhöhtem Maße der Konsum. Unbekannt ist, was aus den Räumen der
Frenzelschen Bäckerei künftig werden wird, die Pläne sind unbekannt. Aus der Geschichte der
Gaußiger Bäcker ist nichts bekannt. Die Frage nach dem ersten Bäcker kann ich nicht beantworten.
Die Privatbäckerei war früher jedenfalls viel verbreitet.
2.1.1970
296. Kennzeichen unserer Zeit sind die vielen Autos. Es wird auch viel gefahren. Ob jede Fahrt
notwendig ist, mag dahingestellt bleiben. Erst in den letzten Monaten fällt mir auf, daß viele
Autobesitzer wegen der Kinder fahren, d. h. die Kinder werden teilweise zur Schule gefahren – auch
wieder abgeholt. Autobesitz deutet nicht mehr auf Reichtum wie ehemals hin.
3.1.1970
297. Seit dem 10.1.1970 herrscht ein arger Sturm. Da lockerer Schnee lag, entstanden viele
Verwehungen. Diehmen hat schon zweimal Alarm gegeben. Am Kleebusch waren angeblich mehrere
Autos stecken geblieben. Da die ganze Nacht über der Sturm tobte, war jeglicher Verkehr mit Autos,
Bussen und Bahn eingestellt. Infolgedessen kam gestern auch keine Post, auch heute nicht. Die
ärztliche Betreuung ist nur teilweise möglich. Bei Schmied Bergt hat sich eine 2 m hohe Wehe
gebildet. Die Milch für den Konsum konnte erst am späten Nachmittag von Leutwitz geholt werden.
Nicht alle Milch (von den Bauern) konnte gestern abgegeben werden. Das Mehl bei Bäcker Erbe
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/50
würde für 14 Tage reichen. Telefonverkehr mit Dresden war heute möglich. Die Gaußiger Feuerwehr
wurde nicht alarmiert. Bestellte Backware (Semmeln) wurde nur teilweise bei Bäcker Erbe abgeholt,
so daß 2 Körbe Semmeln am 10.1. nicht verkauft wurden. Auswärtige Kinder konnten nicht zur
Schule kommen. ich besinne mich ähnlicher Zustände während des Krieges, als ich allein von Gaußig
nach Siebitz kam und die Kinder nicht zur Schule kamen.
11.1.1970
298. Am 9.1.1970 fand ich einige frühere Arbeiten von mir. Sie waren alle im letzten Jahr des Krieges
entstanden. Soll ich sie Herrn Lodni übergeben? Immer wieder taucht die Frage auf, wem ich
bisherige Chronik übergebe. Daß ich sie auf keinen Fall Gaußig überlassen wollte, hatte seine Ursache
in einer gewissen Verärgerung – Gaußig verdiene es einfach nicht, daß ich ihr nicht die Chronik
überlassen wollte. Ich wünsche mir auch ein Wiedersehen mit Alfred Ranft, jetzt in Blankenstein. Er
erinnert mich an die Wilsdruffer Zeit, die für mich sehr befruchtend war. Ich habe in letzter Zeit drei
Hefte von Wilsdruff gefunden, ich bedaure, daß ich nicht mehr besitze. Wilsdruff ist für mich das
Muster heimatkundlichen Schaffens, das ich selber kaum erreiche. Verärgert denke ich oft an den
Mann, der mit meinen Vorträgen nicht einverstanden war. Ich war damals nicht schlagfertig genug,
einer meiner häufigen Fehler.
Sehnsucht nach Aussprachen mit Christian Schmidt, auf das Januarheft der Kulturschau warte ich.
Das wtter hat die Überbringung verzögert. Es wird schwerfallen, für ihn einen Nachfolger zu finden.
Ich müßte ihm einmal meine bisherigen 3 Hefte der Dorfchronik zur Kritik überlassen, u. R. natürlich.
11.1.1970
299. Wann kam der Schwanteich zu seinem Namen? Wann taucht er namenlos zuerst auf? Hat man
von Anfang an markanten Örtlichkeiten Namen gegeben? Etwa Flüssen, Teichen, Bergen, Städten,
Straßen. Wann machte sich Namensgebung notwendig?
Jan. 1970
300. Im letzten Kriege sind die Lehrer Brückner, König und Mühlpfort, die an der hiesigen Schule
angestellt waren, gefallen.
Jan. 1970
301. Trotzdem ich die Geschichte Gaußigs schon vielseitig durchgearbeitet habe, so merkte ich doch
immer wieder, daß mein bisheriges Wissen nicht allseitig ist, immer wieder stoße ich auf neue
Lücken. Es ist dabei zweierlei möglich:
1. daß ich auf Fragen stoße, die ich schon früher lösen könnte, es fehlte nur die Problemstellung, die
notwendige Frage, z. B. Zahl der Straßenlampen
2. es kann auch sein, daß ich auf neue Probleme stoße, die ich früher noch nicht kannte, die auch
andere noch nicht kannten. Es können sich auch neue Fragen bilden – meinetwegen die Zahl der
eingezogenen Lehrer während des Krieges. Das sind zukünftige Probleme: Dazu gehören die Frage
nach der Zahl der Fahrräder, der Mopeds bei den Schulkindern. Die sich ändernden Fragen – Lehrer,
Lampen, Arbeiter, Kinder –
Jan. 1970
302. Vor Jahren, als der Graf dem Schulausschuß angehörte, äußerte ein hiesiger Einwohner bei
einem zufälligen Zusammentreffen, der sich Lieb Kind machen wollte, er wüßte, daß die Leute den
Grafen ständig bestehlenwürden. Er entgegnete ihm, das wüßte er längst. Er rechne damit, daß 10%
der Ernte auf diese Weise verloren gingen. Das sei zwar ärgerlich, aber er brauche die Leute zur
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/51
Arbeit und da müsse er das Stehlen in Kauf nehmen.
22.1.1970
303. Der Weg am Friedhof wird der Dschungelweg genannt. Ob Einzelname oder allgemeine
Bezeichnung konnte ich noch nicht feststellen. Ich fand ihn erst in letzter Zeit erstmalig erwähnt.
Gaußig ist arm an Straßennamen. Genannt werden:
Naundorfer Straße
Medewitzer Straße
Straße nach Diehmen
Günthersdorfer Straße.
Als etwas anzügliche Bezeichnung: die Sackzerre
Jan. 1970
304. Am 25.11.1969 trat der erste Schneefall diese Winters ein. Kein Tauwetter in den folgenden
Wochen bis 26.1.1970.
Vom Bau einer Chronik hatte ein ehemaliger Großbauer anscheinend keine Ahnung, das merkte ich
an einer Frage – ob ich noch etwas aus der Zeit von 1960 wüßte. Leider habe er vergessen, wann die
letzten Zahlungen zur Tilgung alter Schulden erfolgt seien. Es erinnerte mich an Neudrauschkowitz,
wo alte Rechte im Grundbuch heute noch nicht gelöscht sind.
Jan. 1970
305. Doktor Bahr rechnete am 29.1.1970 mit einem Zugang an Grippekranken von täglich 80 bis 90
Personen. Es handelt sich also um eine Grippe-Epidemie, die allerdings meist harmlos verläuft und
nach ungefähr 5 Tagen abgeklungen ist, ohne Fieber.
Jan. 1970
306. Am 25. Jan. 1970 merkte ich ganz deutlich, und das war das erste Mal, daß auch wohlwollende
Menschen meinen bisherigen Arbeiten fremd gegenüberstanden. Auf die mögliche Wirkung meiner
Arbeiten auf die Mitmenschen auf ihr mögliches Interesse legte ich bisher wenig Wert. Das war wohl
Schuld daran, daß ich bisher so wenig Echo auf meine Arbeiten fand.
Jan. 1970
307. Wenn einer am Mittwoch mehr Eier als üblich zur Abgabestelle bei der Gemeinde bringt, und
das vielleicht schon mehrmals tat, von dem sagt man, er habe das Kobelchen. In Gaußig sind nur 3
Personen, denen das nachgesagt wird. Ich lasse dahingestellt, ob es ein Kobelchen gibt, ob manche
Menschen ungewöhnliche Gaben besitzen. Es gibt auch ernsthafte Menschen, die zugeben, daß sie
nicht alles Geschehen der Welt ohne weiteres erklären können.
Jan. 1970
308. Das seinerzeit ausgegebene Messinggeld, es wurden Stücke zu 20 Pfennig herausgebracht, ist im
Verkehr nur selten anzutreffen. Ist es in Sammlerhände gelangt? Aber Unwahrscheinlichkeit! Daß die
ebenfalls im vergangenen …(?)
silbernen 3(5?)-Markstücke von Sammlern aufgekauft wurden, ist wohl möglich. Angeblich ist in der
ersten Ausgabe auch ein Fehler enthalten – und solche Stücke erhalten sofort Seltenheitswert. Ich
habe noch keines gesehen – geschweige denn besessen.
Jan. 1970
(Abschrift ab S.366 der Handschrift durch Rudolf Erler, 2011. [Anmerkungen])
III/52
309. Es sind erst wenige dieser Ha Cu L(wohl HQL: Hochdruck-Quecksilberdampflampe)-Lampen
angebracht – eine an der Ecke des Gasthofes, eine in Günthersdorf – aber in nächster Zeit soll die
ganze Dorfstraße damit ausstaffiert werden. Die Lampen seien schon angekauft, versicherte mir der
Bürgermeister (Mutscher) am 17.2.1970
310. Die Frau des verstorbenen Golenzer Bürgermeisters Lange war eine geb. von Hornofsky. Sie
stammte von Wolgadeutschen ab und war verarmter Adel. Stammte von Pohla.
16.2.1970
311. wie Nr. 303
312. In den letzten Tagen habe ich die Aufzeichnungen für das Archiv notiert – es war eine Lücke
entstanden, die aber nun ausgefüllt ist. Ich habe allerdings nur kurze Nachrichten aufgeschrieben
und sehne mich nach umfassenderen Notizen. Für die Gemeinde ließen sich Nachrichten der letzten
Vergangenheit zusammenstellen. Da die Menschen der Gegenwart nicht als sensationslüstern zu
bezeichnen sind, ihre Gier wird durch die Fernsehsendungen getilgt, vermissen nur wenige den
Fernsehapparat. Die winterlichen Sendungen – Skispringen und Eiskunstlaufen werden besonders
gern gesehen, von manchen ebenso scharf abgelehnt.
Febr. 1970
313. Vor ca. 14 Tagen ging das Gerücht um, das der frühere Gaußiger Bürgermeister Richard Jatzke –
er wohnte zuletzt bei seiner Tochter in Bautzen, im Alter von 86 Jahren gestorben sei. Diese
Nachricht hat sich als Gerücht erwiesen. Jatzke lebt noch, wenn auch körperlich behindert. nach
allgemeiner Ansicht lebt ein fälschlich totgesagte Mensch noch jahrelang.
10.2.1970
314. Daß wir schon so lange Schneefall haben, geht allmählich auf die Nerven. Es ist auch noch kein
Ende des Schneewetters abzusehen. Seit Menschengedenken gab es keinen solchen langen und
strengen Winter. Als kalter Winter ist noch der Winter des Jahres 1929 in Erinnerung. Manche
Menschen haben für abnorme Witterungen ein gutes Gedächtnis.
28.2.1970
315. Zur Bäckerei Frenzel (s. a. 295.): 1971 hätte die eben geschlossene Bäckerei Frenzel das
100jährige Bestehen feiern können. 1871 kam der erste Bäcker (Johann Traugott Frenzel) aus
Bautzen Seidau nach Gaußig.
Febr. 1970
316. Der gräfliche Kutscher kam beim Einfahren neugekaufter Kutschpferde ums Leben, die Pferde
gingen damals durch. Sein Sohn war der spätere Generalvikar Dr. W. Soppa (Soppa, Wilhelm, Dr.
(1888-1962) 1924-31 Domvikar und Ordinariatsassessor in Bautzen; 1933 Domkapitular, 1933-37
Generalvikar Bistum Meißen, 1938-60 Offizial Bistum Meißen)in Bautzen.
(Ende der handschriftlichen Aufzeichnungen)
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