Christen und Muslime in Europa
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1 Zur Situation
•Etwa 75 % der Europäer sind
Christen (vor allem katholisch,
protestantisch, orthodox).
•8 % sind Muslime,
•wobei die meisten Muslime in
den europäischen Teilen
Russlands (25 Millionen) leben,
• daneben im europäischen
Gebiet der Türkei
(5,9 Millionen),
•Bosnien-Herzegowina
(2,2 Millionen),
•Albanien (1,4–2,5 Millionen),
•sowie muslimische
Einwanderer und deren
Nachkommen in Frankreich
(5,5 Millionen),
•Deutschland (3,3 Millionen),
• im Vereinigten Königreich
(1,5 Millionen)
•Italien (1 Million).
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1.1 Christentum
•Wichtigste Quellen des Christentums
•Bibel des Ersten (Alten) Testamentes
•Neues Testament mit Jesus als zentraler Gestalt
•Seit dem Konzil von Nicaea 325 wird die Gottessohnschaft von Jesus definiert
•Das Christentum (31,5 % der Weltbevölkerung) hat sich in der Geschichte gespalten in
die:
•Römisch-Katholische Kirche (17,3 % der Weltbevölkerung)
•Die orthodoxe Kirche (3,4%)
•Die Kirchen der Reformation (6,8)
•Anglikaner (1,2 %)
•Freikirchen (5,8 %) und andere
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1.2 Islam
Quellen des Islam sind:
Der Koran
•Darin sind Berichte des Alten und Neuen
Testamentes enthalten
•Die Gottheit Jesu wird strikt abgelehnt
•Der Koran sei von Mohammed gemäß
einer Offenbarung vom Himmel
geschrieben
•Zweite Erkenntnisquelle neben dem Koran
sind die Worte und Handlungen (Sunna)
des Propheten Mohammed, dem „Siegel
der Propheten
•Mohammed oder arabisch.
Muhammad ‫ محمد‬geboren um 570 in Mekka;
† 8. Juni 632 in Medina,
•ist der Religionsstifter des Islam.
•Mohammed wird von den Muslimen in der
Reihe der Propheten als der historisch
•Manche christlichen Wissenschaftler sind Letzte angesehen, dem mit dem Koran die
der Auffassung: Der Koran fuße auf einem Offenbarung Gottes (Allahs) herab gesandt
wurde.
syrisch-arabischen Christentum, zu dem
•Er ist folglich nach islamischer Auffassung
sich im 7. Jahrhundert viele Stämme im
Vorderen Orient bekannten. Sie haben das „das Siegel der Propheten“, das heißt, der
Christentum angenommen in einer Zeit, als Beglaubiger der früheren Propheten oder
der letzte Prophet in der Geschichte der
das Konzil von Nizäa (Gottheit Jesu) im
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Menschheit.
syrischen Raum noch nicht bekannt war.
•Der Islam = „Unterwerfung (unter Gott) / völlige Hingabe (an Gott), „der Islam“ ist mit
ca. 1,3 Milliarden Anhängern nach dem Christentum (ca. 2,1 Milliarden Anhänger) die
zweitgrößte Religion der Welt. Seine Anhänger bezeichnen sich im deutschsprachigen
Raum als Muslime oder Moslems.
•Der Islam ist eine monotheistische abrahamitische Religion, die sich streng vom
Polytheismus und auch von der christlichen Vorstellung von Inkarnation und
Dreifaltigkeit abgrenzt. Bestimmendes Element ist die Lehre vom tauhid, der Einheit
Gottes.
•Der Islam ist auch aufgespalten in Richtungen:
•Sunniten etwa 84%
•Schiiten etwa 15%
•Andere 1%
•Der Islam ist nicht allein eine Religion, sondern zugleich ein in sich geschlossenes
rechtlich-politisches Wertesystem; eine Trennung von Religion und Staat ist deshalb
nach islamischem Verständnis nicht vorgesehen. Er gründet auf dem Koran, der für die
Gläubigen das unverfälschte Wort Gottes ist und als Primärquelle dieser Religion gilt.
•Zweite Erkenntnisquelle neben dem Koran sind die Worte und Handlungen (Sunna) des
Propheten Mohammed, dem „Siegel der Propheten“.
•In der Zerstreuung haben sie den dortigen Gesetzen weitestgehend zu folgen.
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•Das Gebet ist religiöse Pflicht. Es wird zu festgelegten
Zeiten verrichtet, zu denen der Muezzin ruft: während
der Morgendämmerung, mittags, nachmittags, während
der Abenddämmerung und nach Einbruch der Nacht.
•Zuvor erfolgt die rituelle Reinigung
•Am Freitag wird das Mittagsgebet (Freitagsgebet) in der
Gemeinschaft, meist in der Hauptmoschee der Stadt
oder des Viertels, verrichtet.
•Es wird von der Predigt begleitet, deren Grundlagen der
Koran und die Aussprüche des Propheten sind und die
oft auch tagesaktuelle Fragen behandelt.
Die Ka‘aba in Mekka ist das Ziel der Pilgerreisen
Die fünf Säulen des Islam sind: Gebet,
Almosen, Glaubensbekenntnis, Fasten,
Pilgerfahrt
Im Islam gilt die Kaaba als erstes Gotteshaus. Es heißt,
dass sie vom ersten Propheten Adam erbaut wurde, dann
aber in Vergessenheit geraten und zu einer Ruine
verkommen sei. Der Patriarch Abraham (Ibrahim) und
sein Sohn Isma'îl hätten sie durch göttliche Fügung
wieder entdeckt und wieder aufgebaut. Beide Gestalten,
die auch im Christen- und Judentum eine Rolle spielen,
gelten als Propheten des Islam.
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Die Scharia ist das islamische Recht, das alle Bereiche des Lebens
umfasst und nach göttlichen, unveränderbaren Regeln ordnet. Diese
Regeln wurden vor allem in der frühen Zeit schriftlich fixiert und
bilden auch heute noch die Grundlage des islamischen Rechts.
Die konkrete Anwendung geschieht durch Fatwas, religiöse
Gutachten oder Lehrentscheidung, die von Religionsgelehrten
(Muftis) aufgrund der Interpretation von Koran und Sunna nach
traditionellen Regeln getroffen werden.
Großmufti von Ägypten
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2 Muslime und Christen in Europa
2.1 Einführung
•Die Muslime in Russland haben alte Tradition, in Bosnien
desgleichen, in den anderen Ländern sind sie zumeist Einwanderer, in
Frankreich vor allem aus Nordafrika, in Deutschland überwiegend aus
der Türkei.
•Wer sich mit Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens von
Muslimen und anderen EuropäerInnen beschäftigt,
•wird sofort auf den 11. September 2001 in den USA,
•Theo van Gogh (Filmemacher 2004 -wohl von radikalem Islamistenermordet) in den Niederlanden,
• das berüchtigte Todes-Fatwa Khomeinis gegen Salman Rushdie
(viele islam. Länder widersprachen) in Großbritannien (Er hatte in
dem Buch „satanische Verse“ den Propheten angegriffen),
•die Eskalation der Gewalt in Frankreich
•und auf die ausufernde Karikaturengeschichte von Dänemark
ausgehend stoßen
•und vielleicht schnell geneigt sein, ein Zusammenleben nicht für
möglich zu halten.
•Aber Terror wird meist von radikalen Minderheiten ausgeübt, der
neue Terror begann vor 40 Jahren mit Bader-Meinhoff bei uns.
•Wir müssen über das Verhältnis Christentum-Islam neue
Überlegungen anstellen.
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2.2 Kern der Beziehungskrise
•Die westliche Welt, die über Jahrzehnte das
erstrebenswerte Vorbild des Islam und vor allem der
Jugend war, ist es nicht mehr.
•Es kann ja sein, dass fundamentalistische Strömungen,
die in den USA zur Zeit vorherrschen, diese westliche Welt
zum geborenen Gegner der Muslime machen.
•Der Golfkrieg und die Besetzung das Irak haben das ihre
dazu beigetragen.
• Letztlich ist es aber das politische Versagen der
Regierungssysteme in den muslimischen Ländern, gerade
in den Ölländern, wo der Reichtum sich bei wenigen in
unvorstellbarer Weise häuft, während die Mehrheit arm
bleibt.
•Dies führte in islamischen Ländern zur Identitätskrise, die
sich aber vor allem gegen die westlichen Industrienationen
richtet,
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2.3 Zum Verhältnis zu Muslimen
•Am 11. März 2004 kam dieser islamitische Terror-Krieg auch
nach Europa, 190 Menschen starben durch Sprengsätze in
einem Madrider Vorortzug.
•2004 sind 69% der befragten Deutschen der Meinung, dass
dies auch ein Problem für Deutschland werden könnte.
•Insgesamt hatte sich das Verhältnis zwischen Deutschen
und Ausländern seit 1992 verbessert.
• Statt 61% gaben 65% an, dass ein gutes und 22% zu 16%
(1992), dass ein sehr gutes Verhältnis zwischen Deutschen
und Ausländern in der Nachbarschaft besteht.
• Auf Grund der genannten Ereignisse gaben nur noch 19%
(2005) gegen 32 (1995) an, dass die hier lebenden Muslime
eine Bereicherung seien.
• 69% der Bundesbürger sind der Auffassung, dass sich
Muslime noch mehr integrieren müssten.
•In Bosnien hatte sich eine moderate Form des Islam
herausgebildet. Die Ehegesetze bezüglich der Mischehen
wurden nicht so streng ausgelegt, die meisten Koranschulen
waren schon um die Wende zum 20. Jahrhundert
geschlossen
Bischof Franz Peter trifft in Sarjevo
den Großmufti von Bosnien (und Europa)
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Studiert in den USA, eher liberale Einstellung
2.4 Exemplarisch Deutschland
•Die weiteren Ausführungen müssen sich weithin
auf Deutschland konzentrieren, weil eine
differenzierte Abhandlung von europäischen
Ländern den Rahmen sprengt, vieles ist aber
exemplarisch für andere Länder.
•In Deutschland gibt es inzwischen 3,2 Millionen
Muslime (2002). Die Zahl hat sich seit 1984
verdoppelt.
•Es gibt 2200 Moscheegemeinden, die auf Basis
des deutschen Vereinsrechts ihre Aktivitäten
entfalten.
•Die meisten arbeiten in so genannten
„Hinterhofmoscheen“. Neubau von Moscheen
macht Probleme in der Nachbarschaft, vor allem
stört der befürchtete Ruf des Muezzin.
• Unter dem Prinzip der Religionsfreiheit bejahen
die Kirchen grundsätzlich den Bau von
Moscheen, wünschen sich dies aber auch für
christliche Kirchen in islamischen Ländern.
•Der größte Teil der Muslime, 2,4 Millionen, ist aus
der Türkei. Etwa 400.000 haben einen deutschen
Pass mit steigender Tendenz.
•Es gibt etwa 10.000 deutschstämmige Muslime.
Moschee in Gladbeck
Geplante Moschee in Köln,
wohl etwas riesig
Unten: Flachbau im
Hintergrund derzeitige
Hinterhofmoschee in Köln
11
2.5 Organisationsformen
•Die beiden größten Dachverbände der Muslime in Deutschland
sind:
•1. Der Zentralrat: "Der Zentralrat der Muslime in Deutschland“
versteht sich als Diskussions- und Handlungsebene seiner
Mitglieder und nimmt die Aufgabe eines Dialog- und
Ansprechpartners für den deutschen Staat, die Verwaltung und
die anderen Gruppen der Gesellschaft wahr.
•
•2. Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland e.V. ist
neben dem kleineren Zentralrat der Muslime in Deutschland einer
der wichtigsten islamischen Dachverbände in Deutschland. Er
wurde 1986 zur bundesweiten Koordinierung islamischer
Religionsgemeinschaften in Berlin gegründet.
• Größter Mitgliedsverein ist die Islamische Gemeinschaft Milli
Görüş (Anschauung abrahamischer Gemeinschaft), die die
Mehrheit der Mitglieder sowie den Vorsitzenden stellt. Diese
Gruppe geriet unter die Beobachtung des Verfassungsschutzes;
ihr werden islamitische Tendenzen nachgesagt,
• wobei nach Aussagen von Fachleuten nur wenige islamische
Gruppen in Deutschland unter Beobachtung stehen. In Limburg
wirken Sie eher kommunikativ.
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•Die Muslime kamen in verschiedenen Wellen. Zuerst die angeworbenen
Gastarbeiter, die bald wieder zurück wollten, aber dann doch blieben und ihre
Familien nachholten.
•Dann auch der Zuzug aus den verschiedenen Krisengebieten, so aus Bosnien
und anderen Ländern. Viele haben sich völlig etabliert, so haben türkische
Unternehmen schon 125.000 Arbeitsplätze geschaffen mit einem Drittel
deutscher Arbeitnehmer.
Arbeiter aus Türkei
Lager für Flüchtlinge Bosnien
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2.5 Bildung
•Schwierig ist immer noch das
Bildungsniveau. Die Pisastudie hat für
Deutschland die extreme Situation
nachgewiesen, dass die Frage des
Bildungsniveaus entscheidend eine Frage
des Einkommens der Eltern ist.
•Das ist ein gravierendes Versagen der
deutschen Bildungspolitik aber es trifft vor
allem türkische Kinder. Hinzu kommt noch,
dass die Deutschkenntnisse oft gering sind
und durch die Möglichkeit des türkischen
Fernsehens per Satellit noch geringer
geworden sind
Deutschland gibt insgesamt
zuwenig für die Bildung aus
In den untersten zwei
Schichten sind meistens
Türken vertreten
•Damit sind die beruflichen
Aufstiegschancen auch schlechter.
Berufsmäßig und einkommensmäßig
bestimmen islamische Bewohner
Deutschlands immer noch die unteren
Schichten.
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2.6 Islam und demokratischer Staat
•Hier soll der Frage nachgegangen werden, ob es überhaupt möglich ist,
dass sich ein Mensch muslimischen Glaubens in die freiheitlich
demokratische Ordnung, die im Grundgesetz festgeschrieben ist,
einordnen kann.
•Dabei darf nicht übersehen werden, dass ein großer Teil der bei uns
lebenden Muslime säkularisiert sind in dem Sinne, dass ihnen Religion
nicht viel bedeutet oder dass, wenn sie dennoch vorhanden ist, ihre
Privatangelegenheit ist.
•Die Scharia mit ihren Gesetzen geht davon aus, dass jeder Muslime im
Bereich eines muslimischen Staates wohnt. Gewisse Ausnahmen die
waren aber nur zeitlich befristete Aufenthalte.
• Heute leben ein Drittel der Muslime außerhalb islamischer Staaten. Dies
ist im Grunde eine neue Situation.
Am Freitag ist in
nichtislamichen
Ländern das Gebet
verpflichtend, sonst
wird der Arbeit
nachgegangen
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•1997 wurde ein Europäischer Rat für Rechtsgutachten
und Studien für die in nicht-islamischen Länden lebenden
Muslime geschaffen.
•Aus der Scharia seien Muslime verpflichtet, Person, Ruf
und Vermögen der Nichtmuslime als unantastbar zu
betrachten.
•Wer sich an die Scharia in einem nicht-muslimischen
Land gebunden fühlt, der muss nach den Regeln der
Scharia die Gesetze des Aufenthaltslandes halten, sofern
ihm die Praktizierung der Religion möglich ist.
•Dies ist in Europa und Deutschland der Fall.
•Die islamische Religionsgemeinschaft in Hessen sagt
dazu, dass die Regeln der Scharia allumfassend und
zeitlos sind, Deshalb sind für Muslime auch in Hessen die
Regeln der deutschen/hessischen Rechtordnung
verbindlich.
•Der Präsident der Vereinigung Islamischer
Organisationen in Europa sagt dazu: „Europa ist unsere
Heimat, der Islam unsere Religion“. Der Gottesbezug
unseres Grundgesetzes wird von den Muslimen sehr
geschätzt. Das Grundgesetz in Deutschland ist also kein
Integrationshindernis.
Am Freitag ist in
nichtislamichen
Ländern das Gebet
verpflichtend, sonst
wird der Arbeit
nachgegangen
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2.7 Religionsunterricht
Tanz türkischer
Schulkinder
•Eine dringend zu lösende Frage ist die des
Religionsunterrichtes für muslimische Kinder. Dies
scheitert immer wieder an der Frage, dass es keinen
einheitlichen Ansprechpartner bei den Muslimen gebe.
•In Österreich gibt es schon seit 1983 islamischen
Religionsunterricht an Pflicht-, mittleren und höheren
Schulen. 1999 wurde eine Ausbildungsstätte für
islamische Religionslehrer eröffnet.
•In Deutschland gibt es nur Vorformen zu einem
Religionsunterricht, so in Berlin. Da der
Religionsunterricht laut Grundgesetz ein ordentliches
Lehrfach ist, untersteht er der staatlichen Schulaufsicht.
• Der Religionsunterricht wird in Übereinstimmung mit
den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt.
Hier liegt das Problem.
•Es gibt keinen richtigen Ansprechpartner. Das
Religionsministerium in der Türkei kann nicht Partner
sein.
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•In Deutschland gibt es nur Vorformen zu
einem Religionsunterricht, so in Berlin.
•Da der Religionsunterricht laut
Grundgesetz ein ordentliches Lehrfach ist,
untersteht er der staatlichen Schulaufsicht.
• Der Religionsunterricht wird in
Übereinstimmung mit den Grundsätzen der
Religionsgemeinschaften erteilt. Hier liegt
das Problem.
•Es gibt keinen richtigen Ansprechpartner,
da der Islam keine Mitgliederorganisation
kennt.
• Das Religionsministerium in der Türkei
kann nicht Partner sein.
•Durch Religionsunterricht wäre das
Angebot in den Koranschulen nicht mehr
das einzige Angebot in Religion
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2.8 Kleidungsfragen
•Außerdem ergeben sich an den Schulen noch
einige Streitfelder, so im Tragen des
Kopftuches. Die Diskussion wurde viel zu hoch
aufgehängt, es ist keine religiöse Pflicht,
sondern eine private Entscheidung ein
Kopftuch zu tragen.
•Im gemischten Sport gibt es Probleme für
muslimische Mädchen, aber auch hier greifen
eigentlich die Regeln, dass die örtlichen
Gesetze zu beachten sind, für das Schwimmen
von Mädchen in gemischten Klassen wird ab
der Pubertät zumeist das Mädchen vom
Sportunterricht befreit.
•Wenn ein/e Schüler/in sich weigert, Gesichter
und Menschen zu malen, gibt es auch andere
Aufgaben.
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2.9 Zwangsheiraten
•Ein großes Problem stellen die so genannten „Zwangsheiraten“ dar. In der Türkei
scheinen sie noch eine Selbstverständlichkeit zu sein, obwohl bei einem
angestrebten EU-Beitritt dies nicht mehr zulässig ist.
•So habe ich erlebt, dass eine deutsche Frau mit den zwei islamischen Kindern
und ihrem türkischen Mann, der in Istanbul Professor wurde, in die Türkei zog.
Der Mann starb, die Onkels wollten die Tochter verheiraten, die Mutter flüchtete
mit den Kindern bei Nacht und Nebel nach Deutschland. Freie Partnerwahl ist
aber ein Menschenrecht. So steht in Artikel 16, Absatz 2 der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte: „Die Ehe darf nur aufgrund der freien und vollen
Willenseinigung der zukünftigen Ehegatten geschlossen werden.
•In das vom Grundgesetz her geforderte Recht der Frauen passen
Zwangsheiraten nicht hinein.
• 1994 wurden Berlinerinnen türkischer Abstammung befragt auf ihre Freiheit im
Eheabschluss. Das Ergebnis: Von den 114 Frauen, die den Fragebogen
beantworteten, hatten 43 im Alter von 13 bis 17 Jahren geheiratet. 38 hatten den
Bräutigam nie vorher getroffen. 30 Prozent waren nicht gefragt, und 39 gegen
ihren Willen verheiratet worden.
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•Nach Schätzung der WDR-Sendung Babylon »importieren« türkische Eltern jährlich
70.000 Bräute aus der Türkei nach Deutschland. 30.000 Zwangsheiraten pro Jahr werden
nach Fachleuten (Terre de Femmes) in Deutschland gerechnet.
•Oft werden die Mädchen in das Land der Väter verschleppt und dort verheiratet. In Berlin
sollen es 2004 240 gewesen sein, Fachleute schätzen eine zehnfache Dunkelziffer.
•Hier müssen einmal Gesetze greifen, zum anderen bedarf es der Aufklärung über die
Rechte der Frauen aber auch der Männer zur freien Partnerwahl. Beratungstelefone sind
notwendig.
•Nicht die Religion, sondern die Tradition begründet die Zwangsheirat.
•Der Europarat forderte im Oktober 2005 staatliches Vorgehen gegen Kinderehen und
Zwangsheirat.
•Beratungsmöglichkeiten wurden aufgebaut.
•Justizminister Ulrich Goll von Württemberg-Baden hat das beliebte Hochzeitsdatum
08.08.2008 genutzt, um zum Kampf gegen die Zwangsheirat aufzurufen. Diese
Menschenrechtsverletzung müsse deutlicher geächtet werden. Ein Gesetz muss her.
Eine islamische Kinderheirat
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3. Wege zum Zusammenleben in Deutschland und Europa
•War im Karikaturenstreit ein Krieg der Kulturen (Samuel Huntington) entbrannt?
•In Nigeria (März 2006) wurden christliche Kirchen angezündet und Priester, gerade
solche die um den Dialog bemüht waren, getötet. Es ist eher ein Krieg der Un-Kultur.
•Der Dialog muss weitergehen, wie es auf einer Tagung in Wien gefordert wurde. Der
Präsident der Islamischen Republik Iran Dr. Seyed. Khatami sagte dort: „...Dialog ist
nicht nur ein Weg unter vielen, sondern der einzige vernünftige und moralische Weg.
Alles andere führt zu Krieg, Aggression und Terrorismus.
•Kardinal Schönborn betonte: „...Ausgehend von dem ‚religiösen Sinn’, der sich bei
Menschen verschiedenster Völker und Kulturen findet, und von den großen „Rätseln
des menschlichen Daseins", auf die die Religionen Antwort zu geben versuchen,
erklärt sodann das Konzil, worauf der „Dialog der Religionen" in der Sicht des
katholischen Glaubens beruht:
•‚Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr
und heilig ist.
•Dieser Dialog ist auf Dauer für den Weltfrieden und den Frieden am Ort nötig.“
Symbol eines muslim.-christl- Dialog Zu Gast bei Muslimen
Zu Gast bei Christen
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4 Lösungsmodelle
•Es gibt verschiedene Lösungsmodelle des Zusammenlebens
von Muslimen und EuropäerInnen in Deutschland.
•Da ist zum ersten der Weg der totalen Anpassung, der
verstößt aber massiv gegen die menschliche Freiheit.
•Die Parallelgesellschaft ist auch kein Weg. Es gibt eigentlich
in Deutschland, nur in Berlin, wenige Stadtviertel die völlig
türkisch geprägt sind: Kreuzberg, Neukölln und Wedding.
230.000 Menschen türkischer Abstammung wohnen in Berlin,
durch Parallelgesellschaften schließen sich Menschen
gegenseitig aus.
•Von der „Multikultilösung“ die in der mit am
bevölkerungmäßig gemischtesten Stadt Deutschlands in
Frankfurt nicht ohne Erfolge war - große
Auseinandersetzungen blieben aus - sollte man übernehmen,
dass jede Kultur zuerst einmal Wert ist und nicht vernichtet
werden sollte.
•Bassam Tibi entwickelt die Idee des Euroislam und der
europäischen Leitkultur. Er möchte die Ausländer zu
„Verfassungspatrioten“ machen. Für ihn haben die Muslime in
Europa keine andere Wahl, als einen „Euro-Islam“ zu
entwickeln, der sich in Europa integrieren lässt, die Europäer
müssen dabei mithelfen.
Bassam Tibi, in Syrien
geboren, Muslime, seit
1963 in Deutschland, hier
promoviert und engagiert
im islamich-christlichjüdischen Dialog
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•Konzept der Unesco
•Die Unesco sagt„Kulturelle Vielfalt spiegelt sich
wider in der Einzigartigkeit und Vielfalt der
Identitäten, die die Gruppen und Gesellschaften
kennzeichnen, aus denen die Menschheit
besteht. Als Quelle des Austauschs, der
Erneuerung und der Kreativität ist kulturelle
Vielfalt für die Menschheit ebenso wichtig wie
die biologische Vielfalt für die Natur.
Berlin Moschee eine Berliner Moschee 1920
•Aus dieser Sicht stellt sie das gemeinsame
Erbe der Menschheit dar und sollte zum Nutzen
gegenwärtiger und künftiger Generationen
anerkannt und bekräftigt werden.“
•.
Moschee: Rom
Madrid
Paris
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•Mir gefällt in diesem Zusammenhang der Ausdruck aus der Ökumene „versöhnte
Vielfalt“ oder „Gemeinschaft von Gemeinschaften“.
•Unsere demokratische Ordnung ist die Grundlage der Versöhnung, für die
Muslime ist das ein Lernprozess für ein besseres Leben,
•für die Deutschen, die im Land geboren sind, ist es ein notwendiger Lernprozess
auf die sich entwickelnde europäische und Weltgesellschaft.
•Es geht nicht um einen „Krieg der Kulturen“, sondern um eine
weltweite „Zivilisation der Liebe“ wie es Johannes Paul II.
betonte. Damit müssen wir bei uns anfangen.
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