Lernen - Schüler als Lernende

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Staatliches Studienseminar für das Lehramt an
Gymnasien Trier/
TDS Daun
Lernen- Ausgangslage
„Wenn man irgendeine Aktivität nennen sollte, für die
der Mensch optimiert ist, so wie der Albatros zum
Fliegen oder der Gepard zum Rennen, dann ist es
das Lernen.
Unsere Gehirne sind äußerst effektive
Informationsstaubsauger, die gar nicht anders
können, als alles Wichtige um uns herum in sich
aufzunehmen und auf effektivste Weise zu
verarbeiten.“
(Manfred SPITZER. Lernen. Gehirnforschung und die Schule
des Lebens. Heidelberg/Berlin 2002. S. 10)
Lernen - Begrifflichkeit
LERNEN …
… ist die relativ dauerhafte Verhaltensänderung
aufgrund von Erfahrung, von Interaktionen eines
lernenden Organismus mit der Umwelt.
… „ist ein aktiver [individuell unterschiedlicher]
Prozess der Bedeutungserzeugung“ (G. Roth, 2006)
Im Alltagsverständnis wird Lernen auf die Aneignung
von Kenntnissen und Fertigkeiten begrenzt.
„Wir können viel und wissen wenig“
(Spitzer, S. 76)
Was ist Lernen? Strukturierungsversuche
Lernen ist komplex und vielschichtig
 Beobachtungslernen: Lernen ist Nachahmung, z.B.
Soziales Lernen
 Lernen ist „Verhaltensänderung“: Grundzüge des
Behaviorismus
 Lernen ist Informationsverarbeitung: Die »kognitive
Wende«
„Unsere Fähigkeit, die Welt zu meistern, steckt in den
synaptischen Verbindungen zwischen den
Nervenzellen in unserem Gehirn. Da die Welt
regelhaft ist, brauchen und müssen wir nicht jede
Einzelheit merken…“
(Spitzer, 77)
Konstruktivismus
 Lernen ist „Konstruktion“: Die Welt entsteht
im Kopf
Piaget
Lernen ist die Entwicklung der Intelligenz: PIAGETS
Konzept aktiven Lernens
 Assimilation und Akkomodation
 Vier Entwicklungsstufen nach Piaget
(sensomotorische/Präoperationale/
Konkretoperationale/formal-logische)
Aufgaben - Problemlösen
Ist
Prozedur
Schlagworte: intelligentes Wissen,
Problemlösekompetenz …
Soll
Das Gehirn ist nicht endgültig fest vernetzt, sondern
reorganisiert sich laufend selbst: es besitzt Plastizität.
Verbindungen zwischen Nervenzellen können durch eine
anregende Umgebung und/oder interessante Erfahrungen
gestärkt werden.
Lernen besteht neurobiologisch in der Veränderung der Stärke
der synaptischen Verbindungen zwischen den Nervenzellen.
(Spitzer, 94)
„Unser Gehirn macht
aus flüchtigen Eindrücken
bleibende Verbindungen
zwischen Nervenzellen.
Aus Erlebnissen der Seele
werden Spuren im Gehirn.“
(SPITZER, a.a.O., S. 3)
„Ein Prinzip neuronaler
Informationsverarbeitung
besteht darin,
dass Nervenzellen durch
unterschiedliche Aspekte
der Umgebung aktiviert werden.“
(ders., a.a.O., S. 96)
Angeboren oder gelernt?
 Am Beispiel des Laufens: „Die Möglichkeit, laufen zu
lernen, ist angeboren. Sie wird dann zur Wirklichkeit
des Laufenkönnens, wenn das Kind zum richtigen
Zeit die richtigen Erfahrungen macht. Derjenige, der
dafür sorgt, dass dies geschieht, ist vor allem das
Kind selbst. Was wir tun können, beschränkt sich im
Wesentlichen auf das Bereitstellen der geeigneten
Rahmenbedingungen, von genügend Nahrung und
Vorbildern bis hin zum Wegräumen von
Stolpersteinen. Ich glaube nicht, dass es sich mit
dem Lernen in anderen Bereichen anders verhält.“
(Spitzer, 206)
Die hohe Lernfähigkeit von Kindern hängt mit der
noch unvollendeten Entwicklung des Gehirns bei
der Geburt zusammen. Große Teile des Gehirns
werden erst in den ersten Lebensmonaten
vernetzt.
Es gibt bestimmte Zeitfenster, die für bestimmte
Lernprozesse wichtig sind („Was Hänschen nicht
lernt, lernt Hans nimmermehr..“)
Lernleistung im Grundschulalter
90
80
70
60
50
Tiere und Pflanzen
Pokemon
40
30
20
10
0
4
5
6
7
8
9
10
Lernen – Praxis
Gestaltung schulischer Lehr-/Lernprozesse vor dem
Hintergrund neurowissenschaftlicher
Gedächtnisforschung
1. Fokussierung der Aufmerksamkeit von Schülerinnen und
Schülern durch Strukturierung und Hervorhebung von
Inhalten
2. Grober Überblick zu Beginn einer Lerneinheit
3. Selbstständiges Strukturieren des zu lernenden
Materials seitens der Schülerinnen und Schüler (jeweils
individuelle Organisation des neuen Materials)
4. Herstellung von Bezügen zu bereits erarbeiteten
Themen (auch fächerverbindend)
5. Arbeit in kleinen Gruppen (wo möglich)
6. Zweckdienlicher, reflektierter Einsatz verschiedener
Medien (keine überfrachteten Präsentationen)
7. Subjektive Bedeutung eines Themas durch persönlichen
Bezug, eigenes Interesse oder Alltagsrelevanz
8. Bedeutung der Lehrperson (Authentizität, Begeisterung
für Thema, positive Emotionen, förderliche
Lernumgebung)
Lernen - Tipps für ein
Lernförderprogramm
 die Klasse für Leistungs- und Verhaltensänderungen




loben und in und schwierigen Phasen ermutigen.
geben Sie jedem einzelnen Schüler Gelegenheit,
seinen persönlichen Lernstil zu finden.
mehrkanalige Stoffverarbeitung
Lernen nach dem Rhythmus von Anspannung und
Entspannung (gute Lernatmosphäre)
regelmäßiges Wiederholen alten Stoffs
Lernen - Tipps für ein
Lernförderprogramm
 Verkürzung des Lernstoffs in Form von Auszügen
 Individualisieren Sie Förderinhalte. Passen Sie die
Lern- und Arbeitstechniken dem Verständnis und
Bedürfnis ihrer Klasse an.
 Kooperieren Sie mit den Fachlehrern. Lernförderung
bedarf der fächerübergreifenden Planung und
Umsetzung.
 Einbindung der Eltern
Lernen - Literaturangaben
 Franz E. Weinert: „Ist Lernen lehren endlich lehrbar?





Einführung in ein altes Problem und in einige neue
Lösungsvorschläge“, in: Unterrichtswissenschaft 11
(1983), H.4, S. 329 ff.
Manfred Spitzer: Lernen - Gehirnforschung und die
Schule des Lebens. Heidelberg/Berlin 2002
Rolf Dubs: Lehrerverhalten. Zürich 1995 (Kap. 10)
Detlev H. Rost: Intelligenz – Fakten und Mythen.
Weinheim 2009
Remo H. Largo: Schülerjahre – Wie Kinder besser
lernen. München 20094
Remo H. Largo: Lernen geht anders – Bildung und
Erzeihung vom Kind her denken. Hamburg 2010
Lernen - Literaturangaben
 Dieter Smolka (Hrsg.): Schülermotivation. Konzepte und
Anregungen für die Praxis. München, Neuwied 20042
 Gislinde Bovet, Otto-Walter Müller: Themenblock II:
Lernen, in: Bovet/Huwendiek. Leitfaden Schulpraxis.
Berlin 20085
 Ulrich Hermann (Hrsg.): Neurodidaktik. Grundlagen und
Vorschläge für gehirngerechtes Lernen. Weinheim/Basel
2006 (bes. Beiträge von Roth und Brand/Markowitsch)
 Gerald Hüther: Auf dem Weg zu einer anderen
Schulkultur: Die Bedeutung von Geist und Haltung aus
neurobiologischer Sicht, Göttingen 2010
[http://www.deutschlehrerzentrum.unigoettingen.de/materialien/DLT_Huether_Schulkultur.pdf]
Lernen - Literaturangaben
 Thesen von Markowitsch, Stadelmann, Schirp
http://www.edyounet.de/biologie/downloads/gehirn/ht
ml/start.htm (basierend auf einer Fachleitertagung
des Staatlichen Studienseminars SII
Mönchengladbach im Sommer 2004 zum Thema
"Lernen und Gehirn“)
ENDE
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