Kritsch kolonisierte und infizierte Wunden

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Kritsch kolonisierte und
infizierte Wunden
Abstrichentnahme immer eine mechanische Wundreinigung mit Kompressen
stattfinden. Es dürfen allerdings keine
Kritisch kolonisierte Wunden sind infek- Antiseptika zum Einsatz kommen ➔ vertionsgefährdet, da die Gefahr besteht, fälschen das Abstrichergebnis! Eine zeitdass die Keimbesiedelung auf den Kör- gemäße Abstrichtechnik ist der Essener
per (Wirt) übergeht. Bei der infizierten Wundkreisel. Der bakteriologische AbWunde liegt ein bakterielles Wachstum strich wird in Spiralform von außen nach
vor. Die Keimbesiedlung ist auf den Wirt innen über die gesamte Wundoberfläche
übergegangen und führt dort zu einer geführt und erfasst auf diese Weise mögimmunologischen Reaktion. Die infizierte lichst viele der vorliegenden Bakterien.
Wunde ist durch die klassischen Entzündungszeichen Rötung, Schwellung, Achtung: Bei infizierten und kritisch koÜberwärmung, Funktionseinschränkung lonisierten Wunden sollte eine Wundreiund Schmerz gekennzeichnet. Häufig nigung und Wundspülung mit zeitgetreten eitrige Exsudate und ein unange- mäßen Antiseptika erfolgen.
nehmer Geruch auf. Das Granulations- Grundsätzliches: Generell ist hier mingewebe ist meist bröckelig und blutet destens einmal täglich ein Verbandwechleicht. Die Wundheilung stagniert und sel durchzuführen. Die Wundauflage, die
die Wunde vergrößert sich. Ggf. liegen in direktem Wundkontakt steht, z. B.
Fieber und eine Zellulitis vor (Leukozyten silberhaltige Wundauflage, Wundaufla> 15.000). Die Wundheilung kann erst ge mit PHMB (Polihexanid) oder wirkdurch eine Beseitigung der Infektion in- stofffreie Wundauflage mit hydrophober
itiiert werden. Ein Abstrich, ggf. eine PE Wechselwirkung kann je nach Hersteller­
(Probeexzision), ermöglicht die genaue angabe und Exsudation z. T. auch 2–3 TaKeimbestimmung und sollte in Betracht ge auf der Wunde belassen werden; die
gezogen werden. ➔ Abstriche sind im- darüber liegenden Kompressen sind aber
mer aus der Wundtiefe zu entnehmen, je nach Exsudation mindestens 1 x tgl.
damit neben dem infektbestimmenden zu wechseln.
Keim nicht noch eine Vielzahl an Oberflächenkeimen mit aufgenommen wird. Produktgruppen: Silberhaltige WundUm Letzteres zu vermeiden, sollte vor auflagen, Silberaktivkohle, Wundaufla-
gen mit PHMB, zeitgemäße Antiseptika,
wirkstofffreie Wundauflagen mit hydrophober Wechselwirkung.
Diabetische Gangrän
Spontane Abszessperforation bei Druckulkus an d. Hüfte
Infizierter, nekrotischer Vorfuß bei Diabetes mellitus
Infiziertes Ulkus nach Insektenstich
Cave: In der Akutphase bei
einer klinischen Infektion keine
Anwendung von Folienverbänden.
Diese fördern die Aufrechterhaltung eines feucht-warmen Milieus und
bedeuten somit eine Gefahr der
Infektverschleppung bzw. Ausbreitung
der Infektion!
Infiziertes Ulcus cruris venosum
Erysipel des Unterschenkels
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Wundspülung
Lavanid®-Spüllösung; mit Octenidin
konservierte Zubereitungen: OcteniEine Wundspülung reinigt die Wund­
lin® Wundspüllösung
oberfläche von Abfallprodukten wie Zelltrümmern, Bakterien, Nekrosepartikeln, Andere konservierte Wundspüllöalten Verbandresten und sonstigen Fremd- sungen: ActiMaris sensitiv und forte
stoffen. Ein Biofilm kann nur in Kombinati- Wundspüllösung (Chemomedica), Cuti(BSN medical),
on mit den oben genannten Débridement- lyth sensitive/intensive
®
Wundspüllösung
(Crawford
KerraSol
verfahren (z. B. chirurgisch, UAW) entfernt
Healthcare),
Microdacyn
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(SastoMed),
werden. Erst im Anschluss daran kann die
Wunde adäquat beurteilt und die Therapie Flamirins Wundspülung (Flen Pharma),
Urgo sterile physiologische Kochsalzlöentsprechend angepasst werden.
sung (Urgo).
Wundspüllösungen
Ungeeignet ist die Spülung der Wunde
Wundspüllösungen sollten stets steril, mit Ethanol (Schmerz), Wasserstoffper­
physiologisch, nicht resorbierbar, farblos oxydlösung (aggressiv), Ethacridinlactatsein und schmerzfrei vertragen werden. lösung (Verfärbung) oder Glucoselösung
Ringer- und physiologische Kochsalzlösung (Resorption).
(NaCl 0,9 %) sowie octenidin- und poliheTipp: Im ambulanten Bereich sind Wundxanidhaltige Wundspüllösungen erfüllen spüllösungen und Antiseptika im Prinzip
diese Voraussetzungen. Es gibt inzwischen nicht verordnungs- und erstattungsfähig.
diverse weitere konservierte Produkte. Zur Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA)
Schmerzvermeidung sollte die Spüllösung hat allerdings eine Änderung der Arzneimitvor Anwendung auf Körpertemperatur an- telrichtlinie (AMR) bezüglich verordnungsgewärmt werden.
fähiger Medizinprodukte beschlossen. Die
unkonservierten Produkte NaCl 0,9 %-LöUnkonservierte Wundspüllösungen
• Physiologische Kochsalzlösung 0,9 % sung und Ringerlösung (von B. Braun und
Fresenius) sind seit 2009 unter anderem für
und Ringerlösung (enthält zusätzlich
die Wundspülung erstattungsfähig.
+
2+
K + Ca ).
Antiseptika
Konservierte Wundspüllösungen
• Mit Polihexanid konservierte Zuberei- Bei infizierten, kritisch kolonisierten
tungen Prontosan®, Lavasorb® und oder infektgefährdeten Wunden ist der
Einsatz von zeitgemäßen Antiseptika
auf Basis der Wirkstoffe Octenidin oder
Polihexanid angebracht. Des Weiteren
ist die Indikation einer zusätzlichen
sys­temischen Antibiotikatherapie abzuklären. Zeitgemäße Antiseptika sollten
folgende Kriterien erfüllen: farblos, keine Hautreizung/Allergieauslösung, keine
Resistenzen, umfassendes/lückenloses
Wirkspektrum, keine Wundheilungshemmung, kein Eiweißfehler.
Kontraindikationen octenidinhaltiger
Antiseptika (Octenisept):
· Nicht zu Spülungen in der Bauchhöhle (z. B. intraoperativ), der Harnblase
und nicht am Trommelfell (Mittel- und
Innenohr) anwenden
· Nicht unter Druck in Wundhöhlen/ins
Gewebe einbringen bzw. injizieren
und für guten Abfluss (Drainage, Lasche) sorgen
·Überempfindlichkeit
gegenüber
einem der Inhaltsstoffe
Kontraindikationen polihexanidhaltiger Antiseptika (z. B. Serasept):
· Anwendung im Mittel- und Innenohr
sowie im Innenauge
· Anwendung im Bereich von Knorpeln
und Gelenken
· Intraperitoneal Anwendung
Anwärmen von Spüllösungen im Wärmeschrank
Zeitgemäße, farblose Wundantiseptika
Kein Einsatz von Wundbädern!
Tiefe Taschenspülung mit Katheter
Cave: Antiseptika auf Basis
von Farbstoffen, Wasserstoffperoxid,
Ethacridinlactat und Chlorhexidin
sollen bei chronischen Wunden
nicht mehr zum Einsatz kommen.
Fistelspülung mit Braunüle
Sterilfilter zum Rückhalt von Wasserkeimen
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