Gebäude als System – Denken für 100 Jahre

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ENERGIE
Gebäude als System –
Denken für 100 Jahre
NEUE MONTE ROSA-HÜTTE
Die ETH Zürich und der Schweizerische Alpenclub SAC haben gemeinsam das Konzept
der Neuen Monte Rosa-Hütte entwickelt,
im Bereich der Energie- und Gebäudetechnik
wurden sie dabei von der Hochschule Luzern
– Technik & Architektur unterstützt. Die
Energie- und Gebäudetechnik der Neuen
Monte Rosa-Hütte geht neue Wege, um auf
umweltschonende Weise einen möglichst
hohen Autarkiegrad zu gewährleisten. Im
hochalpinen Raum auf 2 883 m ü. Meer soll
der Betrieb der Hütte mit einem Autarkiegrad (ohne Kochen) von 90 Prozent gewährleistet werden. Das heisst, nur ein Zehntel
des gesamten Energiebedarfs für den Betrieb der Hütte wird mit dem Helikopter von
Aussen der Hütte zugeführt. Dies ist ein weit
überdurchschnittlicher Standard.
90 Prozent des Energiebedarfs werden mit
Solarenergie gedeckt: Mittels Photovoltaikpaneelen wird Sonnenergie für die Versorgung der elektrischen Geräte gewonnen.
Überschüssige Energie wird in Batterien
gespeichert; dies garantiert eine lückenlose
Versorgung auch bei bedecktem Himmel
oder in der Nacht. Als ergänzende Stromquelle bei Spitzenlasten oder als redundantes System bei einem Ausfall der Photovoltaikanlage wird ein mit Rapsöl betriebenes
Blockheizkraftwerk eingesetzt, das Wärme
und Elektrizität erzeugt.
Ein wichtiger Faktor in der Realisierung des
hohen Autarkiegrades wird das Energiemanagement sein: nicht nur die einzelnen Komponenten werden energiesparend ausgelegt,
vor allem das Zusammenspiel dieser Komponenten wird mittels intelligenter Regelung
optimiert. Neben den aktuellen Klimadaten
(Temperaturen, Einstrahlung) und verschiedenen Gebäudedaten (Ladezustand der
Energie- und Wasserspeicher) werden auch
Informationen wie Besucher- oder Wetterprognosen ins System eingespeist. Dies
erlaubt eine vorausschauende Regelung
des Gesamtsystems und somit eine weitere
massgebliche Steigerung der Effizienz. In der
Neuen Monte Rosa-Hütte wird der Ansatz
„Gebäude als System“ konsequent umgesetzt. Dank eines integralen Planungsansatzes resultiert ein Vorzeigeobjekt mit Ausstrahlungspotenzial auf viele andere Objekte
sowohl im hochalpinen Raum wie auch im
Mittelland. www.neuemonterosahuette.ch
ENERGIE
Eine gute Dämmung der Gebäudehülle, auf dem Dach eine Fotovoltaikanlage,
Sonden zur Nutzung der Erdwärme, rezykliertes Regenwasser zur WC-Spülung,
vielleicht gar einen Windgenerator im Garten: Solche Konzepte werden heute als
fortschrittlich gelobt. Aber sind sie auch nachhaltig? Ist das alleine der Königsweg
für nachhaltiges Bauen?
Autoren: Matthias Sulzer, Urs-Peter Menti
auwerke überdauern mehrere Generationen und spielen demzufolge eine wichtige
Rolle in allen Nachhaltigkeitsüberlegungen.
Wir erkennen diese langfristigen Auswirkungen, wenn wir Konzepte zur Sanierung bestehender Gebäuden suchen und wir müssen uns
dessen bewusst sein, wenn wir heute Bauten
für die nächsten 100 Jahre erstellen. Folglich
müssen die gewählten Massnahmen wohl
überlegt sein, um den gewünschten Effekt
bezüglich Nachhaltigkeit auch real zu bewirken
– und immer mit dem Ziel vor Augen, der Ressourcenverknappung und dem Klimawandel
entgegenzutreten.
B
Positive Umweltbilanz
Nimmt man den Ansatz „Denken für 100 Jahre“,
stellt man fest, dass die Aufgabe des Bauens
vielschichtig und komplex geworden ist: Das Gebäude ist als System zu betrachten, welches aus
vielen einzelnen Teilsystemen mit spezifischen
Rollen und Aufgaben besteht. Das Gesamtsystem funktioniert dabei nur, wenn jedes Teilsystem in sich funktioniert, aber auch das Zusammenspiel all dieser Teilsysteme optimal klappt.
Dies bewerkstelligen ist eine klassische Ingenieuraufgabe: Ein Problem in Teilprobleme zerlegen, die Teilprobleme lösen und anschliessend
alles wieder zu einem Gesamtsystem zusammenführen. Mit diesem Ansatz kann die Entwicklung
und Funktionsweise eines Gebäudes von der Erstellung bis zum Rückbau besser verstanden
werden.
Bei der Ausgestaltung der einzelnen Teilsysteme
eines Gebäudes sind nun im Sinne der Nachhaltigkeit verschiedenste Aspekte zu beachten: Die
einzelnen Teile müssen über den ganzen Lebenszyklus eine positive Umweltbilanz aufweisen. Sie dürfen so wenig wie möglich ineinander
greifen und sie sollten aus Elementen bestehen,
die untereinander jeweils eine möglichst gleiche,
der Nutzung angepasste Lebensdauer aufweisen. Gleichzeitig müssen die Teilsysteme aber
eine hohe Flexibilität aufweisen, sie müssen an
veränderte Randbedingungen (beispielsweise
betreffend Nutzung) angepasst werden können
und sie müssen Fortschritte in der Bautechnik
aufnehmen können.
Systeme zusammenfügen
Hat man diese Zielsetzungen erfüllt, besitzt man
erst ein Konglomerat von optimierten Teilsystemen. Jetzt gilt es, allen oben erwähnten Ansprüchen auch beim Zusammenfügen der einzelnen
Teile zu einem Gesamtsystem gerecht zu werden
– nur so erhält man dann das in jeder Hinsicht
optimierte Ergebnis. Es geht also nicht nur darum, die beste Wärmepumpe mit der besten Photovoltaikanlage und der dicksten Gebäudehülle
zusammenzubauen, sondern auch darum, die
HOCHSCHULE LUZERN – TECHNIK & ARCHITEKTUR
Die Hochschule Luzern ist die schweizweit einzige Ausbildungsstätte für Gebäudetechnikingenieure auf Hochschulstufe. Der Studiengang Gebäudetechnik umfasst die drei Studienrichtungen Heizung-Lüftung-Klima, Heizung-Sanitär und Gebäude-Elektroengineering. Im Zentrum der praxisnahen und interdisziplinär ausgerichteten Ausbildungen stehen neben den
notwendigen Ingenieurwissenschaften die Projektmodule. Innerhalb dieser werden die Kompetenzen aller übrigen Module vernetzt und angewendet. Leitgedanke der Ausbildung ist für alle
drei Studienrichtungen nebst der Projektfokussierung eine integrale, ganzheitliche Denkweise.
Das Zentrum für Integrale Gebäudetechnik der Hochschule Luzern (ZIG) bearbeitet eine breite
Palette von Forschungs- und Dienstleistungsaufträgen. Zu den Kernkompetenzen gehören
die Anwendung von Simulationsmethoden sowie wärme-, strömungstechnische und akustische Messungen. Ausserdem prüft das ZIG HLK-Komponenten auf ihre Funktionalität und
Leistung. Zudem ist das ZIG die einzige Zertifizierungsstelle für MINERGIE-P®-Gebäude in
der Deutschschweiz. (www.hslu.ch/zig)
Prof. Urs Rieder, Abteilungsleiter Gebäudetechnik; [email protected]
Urs-Peter Menti, Leiter Bereich Energie + Gebäude, ZIG; [email protected]
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ENERGIE
richtige Kombination von Einzelelementen zu finden, welche die grösstmögliche Nachhaltigkeit
für das jeweilige Bauvorhaben erzielt. Grosse
Bedeutung übernimmt dabei während der Betriebsphase eines Gebäudes die Gebäudeautomation. Nur diese kann sicherstellen, dass alle
Systeme aufeinander abgestimmt betrieben
werden.
Wer ist aber in der Konzeption und Planung für
dieses „intelligente Kombinieren“ zuständig?
Braucht es dafür einen „Systemingenieur“? Oder
sind wir schon heute in der Lage, unsere Bauprojekte so zu gestalten? Unabhängig von diesen
Fragen ist es eine grundlegende Voraussetzung,
dass alle am Bau Beteiligten nicht nur in ihrem
Fachgebiet ein tiefes Wissen haben, sondern
auch ein breites Wissen über die anderen Fachgebiete besitzen. Nur so können die Berührungspunkte und Schnittstellen zwischen den
einzelnen Teilsystemen diskutiert und damit gelöst werden. Streben wir aber Systeme an, welche beständig und robust für die Entwicklung der
nächsten 100 Jahre sind, müssen wir unseren
heutigen Planungsprozess und die entsprechenden Anforderungen an Ingenieure und Architekten überdenken.
Gesamtheitliche Gebäudekonzepte
Vielleicht bietet die Schaffung eines „Systemingenieurs“ wie man ihn in der Informatik kennt,
auch im Baubereich die notwendige Perspektive
für die Entwicklung gesamtheitlicher Gebäudekonzepte. Vielleicht kann aber auch einer der
heute schon beteiligten Fachspezialisten diese
Rolle übernehmen: Schon heute kommt dem
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ENERGIE
Gebäudetechnikingenieur immer mehr diese
zentrale Rolle zu: Er ist für das optimale Zusammenfügen aller technischen Teilsysteme verantwortlich – dies aber immer unter Berücksichtigen der architektonischen Randbedingungen
und der Anforderungen seitens Nutzer und
Betreiber. Gerade dies macht den Beruf des
Gebäudetechnikingenieurs so spannend und
herausfordernd. Es geht nicht nur darum, Lüftungskanäle zu dimensionieren oder das richtige
Heizsystem auszuwählen. Es geht auch nicht nur
darum, eine Fotovoltaikanlage zu planen oder die
Dämmstärke der Gebäudehülle zu berechnen.
Der Gebäudetechnikingenieur muss sich
in Zukunft mit viel anspruchsvolleren und kreativeren Aufgaben auseinandersetzen, denn er
muss – mit Unterstützung der anderen Fachspezialisten – ein nachhaltiges Gesamtsystem für
100 Jahre entwerfen.
Auf diesen Ansätzen baut sowohl die Lehre als auch
die Forschung an der Hochschule Luzern – Technik
& Architektur auf. Das „Gebäude als System“ steht
im Zentrum und der Gebäudetechnikingenieur
übernimmt mit einer systemorientierten Denkweise die anspruchsvolle Entwicklungsaufgabe. In interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der Architektur und den anderen Ingenieurwissenschaften
werden nachhaltige, gesamtheitliche Gebäudekonzepte gelehrt und entwickelt. Konzepte, die weiter
gehen, als eine effiziente Fotovoltaikanlage, viele
Erdsonden oder rezykliertes Regenwasser zur
WC-Spülung zu planen. Systemdenken und „Denken für 100 Jahre“ stehen im Zentrum – nicht nur
als Schlagworte sondern als Inhalte mit dem Ziel,
die aktuellen Herausforderungen zu meistern.
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