Nach Germanwings-Absturz: psychische Erkrankungen

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Pressemitteilung
Berlin, 10. März 2016
Nach Germanwings-Absturz: psychische Erkrankungen nicht
automatisch ein Sicherheitsrisiko
Fokus auf frühzeitige Diagnostik, kontinuierliche Behandlung und
innerbetriebliches Gesundheitsmanagement legen
Kurz vor dem Jahrestag der Germanwings-Katastrophe wird in der Öffentlichkeit erneut der
Zusammenhang von Gewalt und psychischen Erkrankungen diskutiert. Wissenschaft und Statistik belegen jedoch, dass psychisch erkrankte Menschen generell nicht gefährlicher sind als
gesunde. Wichtig ist aber, dass psychische Erkrankungen im Rahmen des innerbetrieblichen
Gesundheitsmanagements – gerade in sicherheitssensiblen Berufen – stärker in den Fokus
rücken.
Nach schweren Gewalttaten geraten Menschen mit psychischen Erkrankungen in der Öffentlichkeit
immer wieder unter Generalverdacht – zu Unrecht, wie DGPPN-Präsidentin Dr. Iris Hauth erklärt:
„Psychisch erkrankte Menschen sind viel häufiger Opfer von Gewalttaten als dass sie solche selbst
begehen. Unzählige Studien und Statistiken belegen, dass von ihnen generell keine erhöhte Gefahr
ausgeht. Zwischenmenschliche Gewaltanwendungen sind ganz überwiegend auf Menschen zurückzuführen, die nicht an einer psychischen Erkrankung leiden. Nur äußerst selten können bestimmte
Krankheitsbilder in Verbindung mit besonderen Einflussfaktoren zu Gewalttätigkeit führen. In diesen Einzelfällen ist eine frühzeitige gründliche Diagnostik und engmaschige Behandlung besonders
wichtig.“
Die pauschale Auffassung, dass alle psychisch erkrankte Menschen gefährlich sind, trägt jedoch wesentlich zu ihrer Stigmatisierung bei. Viele Bürger begegnen den Betroffenen mit Skepsis, haben
Angst und möchten sie zum Beispiel nicht als Nachbarn oder Arbeitskollegen haben. Dies kann
dazu führen, dass die Betroffenen ihre Erkrankung verbergen und eben keine – oder erst sehr spät
und nur sporadisch – psychiatrisch-psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.
„Es entsteht ein Teufelskreis. Denn die unzureichende Behandlung ist der zentrale Grund, warum
Menschen mit bestimmten psychischen Erkrankungen in seltenen Fällen überhaupt gewalttätig
werden. Je eher und je kontinuierlicher wir diese Krankheitsbilder behandeln, desto größer sind die
Chancen auf einen Therapieerfolg – und desto kleiner ist das Gewaltrisiko. Doch Vorurteile in der
Bevölkerung und eine oftmals undifferenzierte Berichterstattung in den Medien können die Betroffenen davon abhalten, sich in professionelle Behandlung zu begeben“, stellt Dr. Iris Hauth fest.
Die DGPPN betont deshalb die Wichtigkeit einer verantwortungsbewussten Aufklärung durch Behörden, Medien und Fachexperten. „Zudem müssen die Anstrengungen für eine qualitativ hochstehende Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen intensiviert werden“, so Dr. Iris
Hauth weiter. „Gleichzeitig müssen wir darüber nachdenken, wie sich in Berufsfeldern mit unmittelbarer Verantwortung für Menschen flächendeckend ein innerbetriebliches Gesundheitsmanagement etablieren lässt, das psychosoziale Risiken und psychische Erkrankungen noch schneller und
gründlicher erfasst, bei Bedarf sofort therapeutische Maßnahmen einleitet und Unterstützung anbietet.“
Fair Media ist eine Hilfestellung für Journalistinnen und Journalisten, die
über Menschen mit psychischen Erkrankungen berichten.
www.fairmedia.seelischegesundheit.net
Literatur
Maier W, Hauth I, Berger M, Saß H (2016) Zwischenmenschliche Gewalt im Kontext affektiver und psychotischer Störungen. Nervenarzt 87:53–68
Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN) ist
eine medizinische Fachgesellschaft. Sie wurde 1842 gegründet und zählt heute mehr als 8500 Mitglieder. Damit ist sie die
größte und älteste wissenschaftliche Vereinigung von Ärzten und Wissenschaftlern, die in Deutschland auf den Gebieten
Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde arbeiten. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin.
www.dgppn.de
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