vom reisen - Theater Basel

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VOM
REISEN
JOURNAL
Theater
#6
Es gibt Banken,
die machen
Theater.
Und eine, die
fördert das
Ballett Basel.
blkb.ch
Partner des Ballett Theater Basel.
3
VOM REISEN
Liebe Leserinnen
und Leser
Adressen und Kontakte:
INTENDANT Andreas Beck |
VERWALTUNGSDIREKTORIN
Danièle Gross | REDAKTION
Dramaturgie und Öffentlich­
keitsarbeit, Junges Haus und
Betriebsdirektion | GESTAL­
TUNG Perndl+Co | ILLUSTRA­
TIONEN & SPIEGELCOLLAGEN
Perndl+Co | FOTONACHWEISE
Cover: Perndl+Co, Simon
Hallström S. 6, Ismael Lorenzo
S. 8, Urban Jörén S. 10, Monika
Rittershaus S. 14, Ruben Banol
Herrera S. 17, Koen Broos S. 18,
Kim Culetto S. 22+27, Priska
Ketterer S. 24, Salar Baygan
S. 26 | BILLETTKASSE
Telefon +41 (0)61 295 11 33;
www.theater-basel.ch |
ÖFFNUNGSZEITEN DER
BILLETT­KASSE Theaterplatz:
Mo – Sa, 11 – 19 Uhr | Die Abend­
kasse öffnet eine Stunde vor
Vorstellungsbeginn. | Vorver­
kauf auch über Kulturbüro Rie­
hen, Basel­strasse 43 | Kantons­
bibliothek Baselland Liestal,
Emma Herwegh-Platz 4 | Aktu­
elle Spielplaninformationen
www.theater-basel.ch – Ände­
rungen vorbehalten | Theater
Basel, Postfach, CH-4010 Basel |
Grosse Bühne, Kleine Bühne,
Nachtcafé / Box: Theaterstrasse 7,
4051 Basel | Schauspielhaus:
Steinentorstrasse 7, 4051 Basel Partner des Ballett Theater Basel:
Medienpartner: Eine Beilage der bz Basel.
Verreisen Sie gerne? Eine Reise bringt
uns auf andere Ideen, kann den Hori­
zont erweitern oder uns einfach raus­
holen aus dem Alltag. Ins Theater zu
gehen, vermag so ein Kurztrip in frem­
de Welten oder in die Vergangenheit
zu sein, der uns einen Blick auf uns
selbst aus einem anderen Winkel er­
laubt. Eine Reise kann aber auch be­
schwerlich sein, denn sie erfordert,
dass wir unsere gewohnte Komfort­
zone verlassen und uns auf Neues ein­
lassen. Gründe, eine Reise anzutreten,
gibt es viele – Peer Gynt etwa sucht,
was wirklich zählt. In dem Ballett von
Johan Inger wird aus seiner Suche
auch eine Reise durch die nordische
Tanzgeschichte. Beim international
gefragten Regisseur Calixto Bieito ist
das Reisen im Laufe seiner beruflichen
Karriere ein Teil seines Lebens gewor­
den – wir haben ihn nach seinem Zu­
hause befragt. Und um der Schauspie­
lerin Barbara Horvath einen Hausbe­
such abzustatten, haben wir uns auf
eine Reise ins Baselland begeben und
sie an ihrem Rückzugsort, ihrem Zu­
hause, getroffen. So möchten wir Sie
mit dem Theaterjournal wieder einla­
den zu einer Lektüre-Reise – dieses
Mal durch die letzten Monate der Sai­
son 2016/2017 am Theater Basel.
Herzlich, Ihre
Sylvia Lutz
BILLETTKASSE@
theater-basel.ch
+41 (0) 61 295 11 33
4
ÜBERSICHT
MÄRZ BIS ENDE
DER SAISON
Das nächste Theaterjournal erscheint
zum Start der Saison 2017/2018!
25
22. MäRZ
30. März
DIE GENESUNG
DER GRILLE
PARADISE LOST #4
Labor zur Untersuchung der Gegenwart
MONKEY BAR, KLOSTERBERG 6
Oper von Richard Ayres
für Kinder ab 6 Jahren
Musikalische Leitung Stephen Delaney
SCHWEIZER ERSTAUFFÜHRUNG
KLEINE BÜHNE
2. April
23. MäRZ
DIE
UNVERHEIRATETE
Schauspiel von Ewald Palmetshofer
Inszenierung Felicitas Brucker
SCHWEIZER ERSTAUFFÜHRUNG
SCHAUSPIELHAUS
22
Komödie von Molière
Inszenierung Michel Didym
SÉRIE FRANÇAISE/GASTSPIEL
SCHAUSPIELHAUS
27. April
PARADISE LOST #5
Labor zur Untersuchung der Gegenwart
OFFENE KIRCHE ELISABETHEN
24. MäRZ
ORESTEIA
Musiktheater nach Aischylos
mit Musik von Iannis Xenakis
Musikalische Leitung Franck Ollu
Inszenierung Calixto Bieito
SCHWEIZER ERSTAUFFÜHRUNG
GROSSE BÜHNE
LE MALADE
IMAGINAIRE
28. APRil
SATYAGRAHA
14
Oper in drei Akten von Philip Glass
Musikalische Leitung Jonathan Stockhammer
Inszenierung und Choreografie Sidi Larbi Cherkaoui
SCHWEIZER ERSTAUFFÜHRUNG
GROSSE BÜHNE
18
5
ÜBERSICHT
3. MAI
27. Mai, 3. & 9. Juni
Eine humanistische Theaterserie
Leitung und Inszenierung Daniela Kranz
PREMIERE
IM STADTRAUM
Auf Einladung und mit Unterstützung des
Theatervereins Basel
GASTSPIEL
KLEINE BÜHNE
11. mai
8. JUNi
Schauspiel von Roland Schimmelpfennig
Inszenierung Miloš Lolić
SCHWEIZER ERSTAUFFÜHRUNG
KLEINE BÜHNE
Choreografien von Tänzer_innen
des Ballettensembles
URAUFFÜHRUNGEN
KLEINE BÜHNE
ERASMUS
VON BASEL
ANSI ENTFÜHRT
DEN RING
IDOMENEUS
DANCELAB 8
27
12. MAI
10. JUNi
SCHLARAFFENLAND
ALCINA
Oper in drei Akten von Georg Friedrich Händel
Musikalische Leitung Andrea Marcon
Inszenierung Lydia Steier
PREMIERE
GROSSE BÜHNE
Komödie von Philipp Löhle
Inszenierung Claudia Bauer
URAUFFÜHRUNG/AUFTRAGSWERK
SCHAUSPIELHAUS
14. Mai
LES
ÉVÉNEMENTS
16
15. JUNI
12
FAKE
FICTION
26
Performance von Filip Markiewicz
URAUFFÜHRUNG
SCHAUSPIELHAUS
Von David Greig
Inszenierung Ramin Gray
SÉRIE FRANÇAISE/GASTSPIEL
SCHAUSPIELHAUS
22. Juni
18. MAI
PEER GYNT
Ballett von Johan Inger
Musikalische Leitung Thomas Herzog
URAUFFÜHRUNG
GROSSE BÜHNE
10
OPERAVENIR –
ABSCHLUSSKONZERT
KLEINE BÜHNE
OperAvenir mit freundlicher Unterstützung:
HEIVISCH, HIAG Immobilien, Julius Bär, Novartis
XXX
Hier sieht man das Herzstück
von «Wilhelm Tell»: Den Apfel­
schuss. Gessler, der unterdrücke­
rische Landvogt, eingesetzt vom
österreichischen Kaiser, zwingt
Wilhelm Tell, einen Apfel vom
Kopf seines eigenen Sohns zu
schiessen. Das ist die grausame
Strafe dafür, dass Tell den Hut
missachtet hat, den der Land­
vogt als Zeichen seiner Autorität
auf einer Fahnenstange in Altdorf
hatte aufrichten lassen.
Während Rudenz, den Landvogt
auf den Schultern, all seine
Kräfte mobilisiert, um dem bösen
Spiel ein Ende zu setzen,
schiesst Tell gänzlich unerwartet.
Der Apfel ist getroffen.
6
7
XXX
Wilhelm tell
Beautycase
Rucksack
Heldenreise
XXX
Peer Gynt: Geh!
Geh wieder
heim, woher Du
gekommen bist!
Ingrid:
Ach Peer –!
Annabelle Peintre als Ingrid und
Frank Fannar Pedersen als Peer
Gynt bei den Proben zu Johan
Ingers Ballett-Uraufführung.
Partner des Ballett Theater Basel:
8
9
XXX
Lügen, Reisen
Eine Kolumne von Hausautor
Dominik Busch
Lügen haben kurze Beine, sagt der
Volksmund. Doch dieser Ausspruch
ist vielleicht etwas schief, weil in dem
Bild, das hinter dem Sprichwort
steckt, etwas Zeitliches zu etwas
Räumlichem gemacht wird. Die Zeit,
in der man lebt, wird bildlich als Weg
verstanden, wie wenn man vom «Le­
bensweg» spricht und damit die per­
sönliche Entwicklung eines Menschen
in einer Gemeinschaft meint.
Über einen so verstandenen «Lebens­
weg» verfügt auch jemand, der sich –
im realen Wortsinne – kaum je auf
den Weg macht, ob freiwillig oder un­
freiwillig, etwa weil er ein Stubenho­
cker ist, oder weil er seinen Lebens­
weg in einer Gefängniszelle oder als
Gelähmter an ein Bett gefesselt ver­
bringen muss. Es stimmt: Im übertra­
genen Sinne kommt man mit Lügen
nicht sehr weit. Was aber auch
stimmt: Im wörtlichen Sinne kommt
man mit nichts so weit wie mit Lügen,
denn wer lügt, dem macht das Leben
Beine – Beine, die gehen können müs­
sen; und je nach der Schwere und
Häufigkeit der Lügen, sollten sie sehr
weit gehen können.
Lügen, vorgaukeln, täuschen: das
sind gute Strategien, um den Boden
unter den eigenen Füssen anzuheizen.
Bald wird dieser zu heiss, und die Rei­
se geht weiter. Die Belogenen sind ja
nicht blöd, sie haben sich das ge­
merkt. Wer lügt, isoliert sich selbst.
Will er neuen Umgang, und will er er­
neutes Vertrauen, so muss er sich die­
ses woanders suchen. Es gibt hundert
Gründe, um eine Reise anzutreten –
einer davon ist: man hat alle um sich
herum beschissen.
Ob das Leben in unseren «postfakti­
schen» Zeiten bald einigen Lügnern
auf der politischen Bühne Beine ma­
chen wird, sei dahingestellt. Zu hoffen
wäre es. Auf der Theaterbühne gibt es
auf jeden Fall eine Figur, die auf be­
sonders frappante Weise die oben be­
schriebene Erfahrung macht: Ibsens
Peer Gynt. Peers Vater hat den heimi­
schen Hof heruntergewirtschaftet und
in der Alkoholsucht Schulden ange­
häuft. Peers Hang, der tristen Realität
durch abenteuerliche Lügengeschich­
ten zu entfliehen, hat seine Herkunft
vielleicht auch in einem Schamgefühl
angesichts dieser familiären Schande.
Darum erscheint der heruntergekom­
mene Hof in seiner Fantasie als mon­
däner Palast. Und die rühmliche
Jagdgeschichte, die ein anderer vor
vielen Jahren erlebt hat, dichtet er
sich gleich selbst an – allerdings mit
einer Sprachmacht und einer Lust am
Erzählen, dass manch einer sich fragt:
Darf nicht noch etwas bleiben, wer so
schön lügt? In Ibsens Stück ist es an­
ders: Peer, der Teufelslügenschmied,
überspannt den Boden und lässt Sol­
veig, die Liebe seines Lebens, in der
Heimat zurück. Was folgt, ist eine Mi­
schung aus Roadmovie, «Herr der
Ringe» und «Looking for Love in All
the Wrong Places».
Die Ambivalenz von Ibsens Stück hört
nicht auf, zu faszinieren: Bei Peer ist
es pure Lust am Fabulieren, die uns
hinters Licht führt – die uns zugleich
aber auch verzaubert. Manchmal
treibt es einer zu bunt, sodass einen
nur noch der graue Alltag retten
kann. Aber manchmal ist der Alltag
dermassen grau, dass uns nur einer
retten kann, der es bunt treibt. Wem
der Sinn nach Letzterem steht, der
reise mit Peer.
Dominik Busch, 1979 in Sarnen geboren und in
Luzern aufgewachsen, lebt in Zürich. Er ist in
der Saison 2016/2017 Hausautor am Theater
Basel. Die Hausautorenstelle wird in Zusam­
menarbeit mit dem Dramatikerförderprogramm
«Stück Labor Basel» vergeben.
Die Häuslerin:
Soll’s weit
fort gehen?
10
Peer Gynt:
Zum Meere.
Die Häuslerin:
So weit fort!
Peer Gynt:
Und weiter
noch.
Peer Gynt,
ein bewegter
Fantast
Eine choreografische Reise durch die
nordische Tanzgeschichte
Jahrzehnte ist er unterwegs, dieser
Peer Gynt, passt sich auf seinen Rei­
sen den Gegebenheiten an und trifft
auf Menschen, ohne je eine feste Bin­
dung einzugehen. Ibsens fantasie­
begabter Held ist in der exotischen
Welt des 19. Jahrhunderts unterwegs.
Er bereist sie als Sklaven- und Pelz­
händler, Goldgräber oder falscher
Prophet. Und natürlich ist Peers Rei­
se mehr als nur ein Ortswechsel,
mehr als die Bewegungen von A über
B nach C und zurück. In Ibsens dra­
matischem Gedicht können wir die
Reise von Peer Gynt als Metapher für
das Leben selbst, und seine Geschich­
te als allegorische Suche nach dem
Wesentlichen lesen. Das Bild vom Le­
ben als Reise verbindet bei Ibsen we­
nig mit den Erscheinungsformen des
neuzeitlichen Tourismus. Peers Reise
hat weniger mit Fremdenverkehr als
mit der Fremderfahrung in der Be­
gegnung mit den imaginären Traum-
und Gegenwelten des Autors zu tun. Der Schwede Johan Inger, der be­
reits mit drei Stücken – darunter
zwei Uraufführungen – beim Ballett
Theater Basel zu sehen war, verbin­
det nun in seiner Uraufführung des
Balletts die Geschichte des Peer mit
den beruflichen Stationen seines ei­
genen Tänzer- und Choreografenle­
bens. Für Johan Inger ist Peer Gynt
eine Geschichte, in der er seine Iden­
tität als Künstler widergespiegelt
sieht. In seinen beruflichen Statio­
nen, aber auch Träumen und Ambiti­
onen erkennt er Ähnlichkeiten mit
den Lebensstationen Peer Gynts.
«Das Leben als Künstler, vor allem
das Reisen um die Welt, zeigte mir
Parallelen zu dieser Figur auf, und
so entstand ein fruchtbarer Schöp­
fungsprozess, bei dem sich immer
wieder meine eigene Geschichte mit
der von Peer kreuzte und Verbindun­
gen entstanden.» «Peer Gynt»
Ballett von Johan Inger
Musik von Edvard Grieg
Uraufführung
Premiere 18. Mai,
Grosse Bühne
Choreografie
Johan Inger
Musikalische
Leitung
Thomas Herzog
Bühne
Curt Allen Wilmer
Kostüme
Catherine Voeffray
Licht Tom Visser
MIT Sänger_innen
des Opernstudios
OperAvenir
Chor des Theater Basel
Es tanzt das Ballett
Theater Basel.
Es spielt das Sinfonie­
orchester Basel.
Partner des Ballett
Theater Basel:
Basellandschaftliche
Kantonalbank
PEER GYNT
Beautycase
Rucksack
Spitzenschuhe
11
Peer Gynt
Johan Inger überträgt in diesem Bal­
lett seine Lebensstationen als Tänzer
und Choreograf auf die Stationen des
Lebenswegs von Peer Gynt (getanzt
von Frank Fannar Pedersen). Er
schickt den Helden parallel zu Ibsens
Darstellung der Suche nach dem
«wahren Ich» auf die Suche nach dem
Kern des Künstlers, seiner Fantasie
und den schöpferischen Traumwelten
seiner Kreativität. Nicht das norwegi­
sche Gudbrandsdal, die Berge, die
Küste Marokkos oder das Tollhaus in
Kairo sind die Stationen von Peer,
dem Tänzer, sondern das Königlich
Schwedische Opernhaus, Mats Eks
Cullberg Ballett, das Nederlands
Dans Theater und Spaniens Compa­
ñía Nacional de Danza. In diesem
«Peer Gynt»-Ballett verschmelzen
Ibsens Figuren zu Protagonisten der
Tanzwelt.
Da ist das klassische Ballett, das Johan
Inger als junger Tänzer beim König­
lich Schwedischen Ballett kennen­
lernt und das in ihm die Lust weckt,
Konventionen zu sprengen – gerade
so, wie der junge Peer sich an Ingrids
Hochzeit nicht mehr an Regeln halten
mag und die Braut entführt. In die
Welt der Trolle katapultiert wird Peer
dann auch folgerichtig vom choreo­
grafischen «Obertroll», dem schwedi­
schen Grossmeister und einem der
bedeutendsten Erneuerer des Balletts
des 20. Jahrhunderts: Mats Ek und
seinem Cullberg Ballett. Es eröffnete
sich durch Ek für den jungen Tänzer
Inger eine ganz neue, unbekannte
und faszinierende künstlerische Welt,
die im krassen Gegensatz zur klassi­
schen Ballettwelt stand. So ergeht es
nun auch Peer. Im Ballett begegnen
uns auf Peers Reise altbekannte Figu­
ren. Unvergessen die skurril tragi­
schen Figuren aus dem Ballett
«Gamla Barn». Auch seine «Giselle»,
die als Psychiatriepatientin in die
Tanzgeschichte Einzug hielt, und so­
gar eines der glatz- und eierköpfigen
Vogel­wesen aus Eks «Schwanensee»
lässt Inger im Reich der Trolle wieder­
auf­erstehen. Diese choreografischen
Schlüsselmomente aus Ingers Künst­
lerleben – es werden kurze Sequen­
zen der Originalchoreografie von
«Gamla Barn» zu sehen sein – lässt er
nun seinen Peer Gynt er- und durchle­
ben. Der Grossmeister Mats Ek selbst
erscheint als Troll­könig (getanzt von
Max Zachrisson) und fordert nun auf
einer choreografisch-künstlerischen
Ebene das Motto der Trolle in der
Welt der Menschen: «Mensch, sei
Du!» Oder, für die eigenen Zwecke
umgedeutet: «Troll (Künstler), sei Du
– Dir genug!» Und weiter geht die
Reise Peer Gynts dann in die Nieder­
lande. Das weltbekannte Nederlands
Dans Theater ist eine weitere Station
auf seiner Reise durch die nordische
Tanzgeschichte des ausgehenden
20. Jahrhunderts. In dieser choreo­
grafischen Kaderschmiede unter
einem weiteren Grossmeister der
Tanzwelt, Jiří Kylián, fand Johan Inger
die künstlerische Freiheit und das
passende Umfeld, um seine Kreativi­
tät weiterzuentwickeln. Dort entstan­
den seine ersten eigenen Arbeiten,
die den Weg für seine choreografische
Laufbahn einleiteten. Es folgt das
Reisen an «exotische» Orte. Für Johan
Inger ist es Spanien, seine Wahlhei­
mat. Und natürlich erwartet Peer dort
eine Begegnung mit «Carmen».
So vielschichtig wie Ibsens Dichtung
ist auch dieses Ballett. Ein Kosmos
voller Symbole und Allegorien, der
für Interpretationen offen bleibt und
jedem Freund der schwedisch-nieder­
ländischen zeitgenössischen Tanz­
kunst des späten 20. und frühen
21. Jahrhunderts das Herz höher
schlagen lässt. Der Choreograf Johan
Inger zeigt in diesem Ballett eher die
Suche nach «dem Sitz der Träume»,
wie Ibsens fremder Passagier es er­
wähnt, als den Kern des Ichs, wie
es das Schälen der Zwiebel andeutet.
Ganz sicher aber geht in Ibsens Dich­
tung, ebenso wie in Johan Ingers
Ballett, die Erkenntnis auf, dass wir
wahrhaft nur wir selbst sind in der
Liebe zum anderen. Am Ziel der Reise
erwartet uns bei Henrik Ibsen wie
bei Johan Inger ein warmherziger
Schluss, der mit unbekümmerter
gyntscher Genialität die dunkle Welt
der Zweifel und das Rastlose des Su­
chens mit einer zärtlichen Geste ver­
bannt: Der Held flüchtet sich in die
Arme der Frau. Denn, so Marie Luise
Kaschnitz: «Für uns wie für ihn ist
eine Hoffnung auf Erlösung nur in der
Liebe, in der wunderbaren Möglich­
keit, dass das Bild, das ein anderer
Mensch von uns im Herzen trägt,
mehr Liebeszeugungskraft als die
Wirklichkeit besitzt.»
Text: Bettina Fischer
12
VOM REISEN
EMPFEHLUNGEN FÜR
EIN BEWEGTERES LEBEN
Welcher Reisetyp bist du? Die Reise durchs
Schlaraffenland verrät dir, welches Stück am Theater
Basel du jetzt nicht verpassen solltest.
Der Balkonurlauber.
Der Backpacker.
Der All-inclusive-Urlauber.
Der Sonnenanbeter.
Der Geschäftsreisende.
Der Abenteurer.
Der Studienreisende.
Der Hobby-Archäologe.
Der Wellnessurlauber.
Der Cluburlauber.
Der Sinnsuchende.
VOM REISEN
Schlaraffenland
Ein autobiografisches Stück
von Philipp Löhle
Oresteia
.
Die Genesung der Grille
.
Erasmus von Basel
.
Schlaraffenland
.
Peer Gynt
.
Paradiso / Inferno
.
Satyagraha
.
Alcina
.
Idomeneus
Das Land, das der Dramatiker Philipp
Löhle in seinem Stück entwirft – und
das am 12. Mai 2017 am Theater Basel
zur Uraufführung kommt –, scheint
genauso fantastisch zu funktionieren
wie das «Schlaraffenland», das Wil­
helm Grimm in seinem Märchen 1819
beschrieben hat: Eine heile Familie
sitzt zusammen an einer üppig ge­
deckten Tafel und isst gemeinsam zu
Abend. Sie sprechen über ihre Luxus­
probleme. Wenn etwas kaputtgeht,
werden die Dinge umgehend ersetzt,
und zwar gleich in einer grösseren
und besseren Version. Wenn die Mut­
ter eine Falte entdeckt, korrigiert das
der Schönheitschirurg. Alles läuft wie
am Schnürchen, bis zu dem Zeit­
punkt, als der Sohn eines Nachts zu­
fällig einen Blick hinter die Kulissen
wirft. Dort sind dunkle Männer damit
beschäftigt, den Gang der Geschichte
– oder besser gesagt der Theatervor­
stellung – reibungslos am Laufen zu
halten. Was folgt, ist die schmerzliche
Einsicht, dass alles, was die Familie
verbraucht, auf Kosten anderer pro­
duziert wird. Das Weltbild des Sohnes
ändert sich auf einen Schlag nachhal­
tig. Der Rest der Familie fühlt sich al­
lerdings durch seine «Erleuchtung»
belästigt, denn auf eine solche Er­
kenntnis müsste ein Umdenken folgen
– nichts, was sich die Familie leisten
möchte. Schliesslich greift der Sohn
zu einem radikalen Mittel.
Die Regisseurin Claudia Bauer wird
Löhles «Schlaraffenland» mit opulen­
ten Bildern und handgemachten Mas­
ken auf die Bühne bringen. Eine aben­
teuerliche Reise, welche die Verstri­
ckungen einer Konsumgesellschaft
aufzeigt.
Premiere 12. Mai,
Schauspielhaus
.
Dancelab 8
.
die unverheiratete
13
.
Schlaraffenland
Beautycase
Rucksack
Picknikkorb
DON GIOVANNI
Miles and more
Ein Gespräch mit Calixto Bieito
14
15
Oresteia
Calixto Bieito ist als
Regisseur sowohl in
der Oper als auch im
Schauspiel zuhause.
Er inszeniert an den
wichtigsten Häusern
weltweit und ist derzeit
Künstlerischer Leiter
des Teatro Arriaga in
Bilbao. Am Theater
Basel waren in den letz­
ten Jahren u.a. seine
Inszenierungen von
«War Requiem» (2013),
«Bluthochzeit» (2014),
«Otello» und «Così fan
tutte» (2015) zu sehen.
Wo ist dein Zuhause? → Ich lebe in
Basel, weil es eine Stadt ist, die mich
sehr inspiriert. Sie ist sehr ruhig, sehr
entspannt. Ich wurde in einer Stadt
an einem Fluss geboren, Bilbao am
Ebro. Eines Tages habe ich die zwei
alten Brücken hier entdeckt, die de­
nen in Bilbao sehr ähnlich sind. Und
so lebe ich in der Nähe des Orts, an
dem ich geboren wurde, auch wenn
das ganz wo anders ist. Basel ist ein
gutes Zentrum für mich, auch weil es
so nah zum Zürcher Flughafen ist, von
wo aus ich nach Chicago, San Fran­
cisco, Toronto oder Kopenhagen flie­
gen kann. Vor zwei Wochen war ich in
Venedig, und das ist nur 50 Minuten
weit entfernt.
In «Oresteia» kombi­
niert er die älteste
erhaltene Tragödien­
trilogie von Aischylos
mit der Musik des Grie­
chen Iannis Xenakis
und inszeniert das
Familienepos mit ur­
gewaltiger Musik,
archaischen Bildern
und dem Blick auf das
heutige Europa.
Wie oft fliegst du? → In den letzten
fünf Wochen bin ich ungefähr 18 Mal
geflogen. Ich bin daran gewöhnt. Es
gab eine Zeit in meinem Leben, als ich
in meinen Dreissigern war, in der ich
überhaupt nicht fliegen konnte. Ich
habe angefangen, grosse Produktio­
nen überall in Europa zu machen und
bin immer mit dem Zug gefahren –
von Barcelona nach Kopenhagen.
Diese Reisen waren sehr teuer, und
alle dachten, ich sei exzentrisch – ein
Künstler eben. Aber ich hatte Panik­
attacken im Flugzeug. Ein Freund
sagte mir, so sei mein Leben unmög­
lich und schickte mich zum Arzt. Fünf
Tage später sass ich im Flugzeug, und
es war kein Problem mehr.
«Oresteia»
Musiktheater nach
Aischylos mit Musik
von Iannis Xenakis
Schweizer
Erstaufführung
Premiere 24. März,
Grosse Bühne
MUSIKALISCHE
LEITUNG Franck Ollu
INSZENIERUNG UND
BÜHNE Calixto Bieito
KOSTÜME Ingo Krügler
CHOR Henryk Polus
MIT Holger Falk,
Steffen Höld, Myriam
Schröder, Lisa Stiegler,
Michael Wächter,
Simon Zagermann
Chor des Theater Basel,
Mädchen- und Knaben­
kantorei Basel
Es spielt die Basel
Sinfonietta.
Eine Produktion von
Oper und Schauspiel
ORESTEIA
Beautycase
Rucksack
Abenteuer
Und seitdem fliegst du wieder? → Ich
habe immer noch ein bisschen Angst,
vor allem, wenn es Turbulenzen gibt.
Aber es ist Teil meines Lebens, zu rei­
sen. Ich verbringe viel Zeit auf Flughä­
fen. Aus Angst, einen Flug zu verpas­
sen, bin ich oft sehr früh dort und ver­
bringe dann die Zeit damit, die Leute
zu beobachten, oder ich lese ein
Buch. Das war sehr gut, als ich den
«Fliegenden Holländer» inszeniert
habe (2008 an der Oper Stuttgart).
Ich habe das ganze Konzept auf dem
Flughafen gemacht. Mein Flug wurde
gestrichen, und ich musste in einem
Hotel übernachten, am nächsten Mor­
gen wurde mein Flug wieder gestri­
chen, ich wurde in ein anderes Hotel
geschickt, und erst am Morgen dar­
auf konnten wir fliegen. Wir waren
eine Gruppe Menschen, die auf eine
Art komplett verloren war. Niemand
sprach miteinander. Und ich dachte,
vielleicht ist das ein Zeichen des
Fliegenden Holländers. Ich begann
die Inszenierung damit, dass Ge­
schäftsleute in einer Art Schiff auf
die Bühne gezogen werden. Das war
wohl eine Vorahnung der Finanzkrise,
obwohl das nicht meine Absicht war.
Ich mag es nicht, im Theater Politik
zu verhandeln, weil ich kein Politiker
bin. Ich will nicht sagen, wie die Welt
sein soll.
Reist du auch in deiner freien Zeit? →
Ja. Aber die letzten Sommerferien
habe ich mit meinen Kindern in Basel
verbracht, wir haben jeden Abend
Pokémons gejagt und sind die ganze
Zeit im Rhein geschwommen – es war
sehr schön. Die letzte lange Reise war
voriges Jahr, als ich mit meiner Fami­
lie nach Costa Rica gefahren bin.
Das war sehr hart – ich war müde von
der Arbeit und plötzlich war ich im
Regen­wald und nass wie ein Frosch.
Alles war feucht, die Bettlaken, alles.
Aber ich bin ein grosser Fan von
Schildkröten und ich wollte unbe­
dingt sehen, wie sie Eier legen. Vor
zwei Jahren waren wir sechs Wochen
in Nordthailand, Laos und Burma. Das
kann ich nur empfehlen.
Du hast sehr viel am Theater Basel
gearbeitet und kommst jetzt mit
«Oresteia» zurück. Ist es auch ein
Stück über Heimat, über Wurzeln?
→ «Oresteia» ist ein sehr spezielles
Werk. Aischylos ist der Vater von
Shakespeare, er ist der Vater unserer
Demokratie. Das steckt alles darin.
Wenn man sehr intelligent ist – was
bei mir nicht der Fall ist (lacht) – kann
man aus diesem Stoff eine politische
Inszenierung machen, darüber, was
Demokratie, was Gerechtigkeit ist.
Aber ich finde es reizvoll, daraus ein
Totaltheater zu machen. Es ist eine
Kombination aus einem wunderbaren
Text und einer wundervollen Musik,
die ein sinnliches Erlebnis ist. Sie ist
intuitiv und gleichzeitig extrem präzi­
se. Kritiker warfen Xenakis vor, seine
Kompositionen seien keine Musik,
sondern Mathematik. Seine Komposi­
tionen sind wie Gebäude. Es gibt eine
Verbindung zu Tinguely. Auch wenn
ich die Zeit, in der die beiden gearbei­
tet haben, nicht erlebt habe, glaube
ich, dass wir sie noch nicht hinter uns
gelassen haben.
Interview: Juliane Luster,
Katrin Michaels
16
DanceLab 8
HERAUSFORDERUNG
«SEITENWECHSEL»
Beim DanceLab 8 choreografieren
Tänzer_innen des Ballettensembles
«DanceLab 8»
Uraufführungen
Premiere 8. Juni,
Kleine Bühne
Choreografien von
Ruben Banol Herrera,
Sol Bilbao Lucuix,
Armando Braswell,
Luna Bustinduy
Mertens, Andrea
Tortosa Vidal,
Max Zachrisson
Es tanzt das Ballett
Theater Basel.
Mit freundlicher
Unterstützung des
Theaterverein Basel
Mit freundlicher
Unterstützung der
Merian Iselin Klinik
Partner des Ballett
Theater Basel:
Basellandschaftliche
Kantonalbank
Die Umsetzung eigener choreografi­
scher Arbeiten ist für die Tänzer_in­
nen unseres Ballettensembles eine
wichtige Erfahrung und bietet ihnen
die Möglichkeit, zusätzliche kreative
Aspekte ihres Berufs – das Choreo­
grafieren und Inszenieren von Stü­
cken – zu erleben. Auf die Frage, ob
es schwierig sei, sich vom Einfluss der
Choreografien, die man als Tänzer
schätzt, zu distanzieren und seinen
eigenen Stil zu finden, antworten die
jungen Choreograf_innen selbstbe­
wusst. Für Max Zachrisson zählt hier
das Vertrauen in seine ganz eigene
Art, sich zu bewegen. «Natürlich ist
der Einfluss von Choreografen, mit
denen ich gearbeitet habe, sehr
gross. Aber ich empfinde das eher als positiv», so der Schwede, der seit
Beginn dieser Spielzeit beim Ballett
Theater Basel tanzt. «Man bringt sich
als Tänzer ja mit seiner ganz eigenen
Bewegungsqualität in die auszufüh­
renden Schritte ein – und hat damit
eigentlich schon ein Stück weit
seinen eigenen Stil kreiert», führt er
weiter aus. Auch Ruben Banol Herrera
sieht darin kein Problem: «Meine
grösste Sorge ist eigentlich, dass die
Tänzer und Musiker, die involviert
sind, genug Freude an meiner Arbeit
haben werden. Und dass ich nicht
aus Stress zu viel Bewegungswieder­
holungen mache». Luna Bustinduy
Mertens ist überzeugt davon, dass
Ehrlichkeit immer zum Erfolg führt.
Dann bleibt es, wie sie sagt, «immer
deine eigene Story, dein eigenes
Gefühl, deine eigene Kreativität – dein
eigenes Stück.»
Eine weitaus grössere Herausforde­
rung stellt für die jungen Künstler_in­
nen der «Seitenwechsel» dar, also der
Umstand, dass sie plötzlich ihren Tän­
zerkolleg_innen gegenüber in die Rol­
le der Choreografin oder des Choreo­
grafen schlüpfen. Fast alle empfinden
das als eine besondere Situation, die
nicht immer einfach zu handhaben ist.
Zum einen muss man sich seiner eige­
nen Frustrationen und Unsicherheiten
so weit bewusst sein und auch unter
Kontrolle haben, dass sie sich nicht
auf die Stimmung in der Probe nicht
zu sehr negativ auswirken. Zum ande­
ren darf man sich auch nicht von
einer Laune seines Gegenübers zu
sehr aus dem Konzept bringen lassen.
Für Max aber, und damit spricht er
eigentlich auch für die anderen
DanceLab­-8-Choreograf_innen, steht
fest, dass es vor allem «riesig Spass
macht, mit den Freund_innen und
Kolleg_innen gemeinsam etwas zu
verwirklichen und in die Tat umzuset­
zen, das bis dahin nur in deinem Kopf,
in deiner Phantasie existierte».
Das Format der zehnminütigen
Kurzstücke hat sich in den letzten
acht Jahren bewährt und ist beim
Publikum sehr beliebt. «Eine gute
Idee sollte lieber zu kurz als zu lang
präsentiert werden», so die Über­
zeugung aller.
Text: Bettina Fischer
DANCELAB 8
Beautycase
Rucksack
Experimentier­
freude
Ruben Banol Herrera
(Kolumbien)
Armando Braswell
(Amerika)
Andrea Tortosa Vidal
(Spanien)
Sol Bilbao Lucuix
(Spanien)
Luna Bustinduy Mertens
(Frankreich)
Max Zachrisson
(Schweden)
XXX
18
Satyagraha
19
EIN WANDERER
ZWISCHEN DEN WELTEN
Er selbst beschreibt sich als «Mann, Choreograf, schwul,
Belgier, Sohn eines Immigranten»: Sidi Larbi Cherkaoui,
künstlerischer Leiter seiner eigenen Kompanie Eastman und
Direktor des Ballet Vlaanderen, ist einer der gefragtesten
internationalen Choreografen und war in der Schweiz bereits mehrfach im Rahmen des Tanzfestivals Steps zu Gast.
In seinen Produktionen steht der Dialog im Mittelpunkt
– der Versuch einer Kommunikation zwischen Menschen
über alle sie trennenden Grenzen hinweg. Seine Choreografien treffen damit immer wieder einen Nerv der Zeit.
Auch Holly­wood – wo er 2012 die Choreografie im Film
«Anna Karenina» mit Keira Knightley übernahm – und einige
Showgrössen (darunter die Sängerin Beyoncé, deren Grammy-Auftritt er jüngst choreografierte) greifen auf seine innovativen Arbeiten zurück. Im Musiktheater hat er in der
vergangenen Spielzeit mit einer Inszenierung an der Bayerischen Staatsoper München für Furore gesorgt. Am Theater
Basel inszeniert er nun die Oper «Satyagraha» von Philip
Glass, in der Gandhis Idee des gewaltlosen Widerstands im
Zentrum steht. Ein Porträt.
Diese Hände! Immer wieder scheint
er mit ihnen das Gesagte zu unter­
streichen. Er zeichnet beim Sprechen
mit ihnen in die Luft wie ein Künstler
mit dem Pinsel. Sie sind sein Instru­
ment. «Mit einer Hand kann man alles
machen. Sie ist ein magisches Werk­
zeug. Man kann jemanden etwa mit
der Hand bitten, näherzukommen,
man kann begrüssen, verabschieden.
Fühle ich mich in meinen Bewegungen
verloren, kehre ich stets zu meinen
Händen zurück, wie zu meinen Wur­
zeln.» Mit Wurzeln und Entwurzelun­
gen beschäftigt er sich in seiner tän­
zerischen und choreografischen
Arbeit seit jeher. Mit dem Konstrukt
von Heimat. Mit dem vermeintlichen
«Clash» der Zivilisationen. In seiner
preisgekrönten und weltweit gefeier­
ten Produktion «Babel (words)» etwa,
einer humorvollen Suche nach der
Utopie einer polyglotten Identität.
Seine eigenen Wurzeln liegen im bel­
gischen Antwerpen. Dort wurde er als
Sohn einer katholischen Flämin und
eines marokkanischen Vaters gebo­
ren. Seine Muttersprache ist Franzö­
sisch. In der Koranschule lernte er
Arabisch. Viele unterschiedliche
«Satyagraha»
Oper in drei Akten
von Philip Glass
Schweizer
Erstaufführung
Satyagraha
Premiere 28. April,
Grosse Bühne
kulturelle Einflüsse haben ihn beein­
flusst. Vielleicht ist er deshalb zu ei­
ner Art Grenzgänger geworden. Zu ei­
nem Wanderer zwischen den Welten.
MUSIKALISCHE
LEITUNG Jonathan
Stockhammer
INSZENIERUNG &
CHOREOGRAFIE
Sidi Larbi Cherkaoui
BÜHNE Henrik Ahr
KOSTÜME Jan-Jan
Van Essche
CHOR Henryk Polus
MIT Karl-Heinz Brandt,
Nicholas Crawley,
Maren Favela, Cathrin
Lange, Andrew Murphy,
Sofia Pavone, Anna
Rajah, Rolf Romei
Heimat
Der Geruch der Stadt Antwerpen je­
doch bedeutet für ihn ein Stück Hei­
mat. Dort ist nach wie vor seine Basis.
Sehnen tut er sich nach Asien, wo er
sich freier fühlt. Vielleicht auch, weil
er ein «Eastman» ist, ein Mann des
Ostens – wie sein Nachname
Cherkaoui übersetzt heisst. So ist
auch seine Bewegungssprache durch
asiatische Traditionen inspiriert. In
seiner Produktion «Sutra» etwa arbei­
tete er mit 17 chinesischen Mönchen
aus dem Shaolin-Kloster zusammen –
einer Wiege der Kung Fu-Kampfkunst.
Die hatte ihn schon als Jugendlicher
interessiert, als er seine ersten Schrit­
te als Tänzer wagte und neben HipHop auch Michael Jackson verehrte.
Fasziniert war er damals auch vom
Kung Fu-Filmdarsteller Bruce Lee.
«Bruce Lee begriff als einer der ers­
ten, dass sich eine Tradition öffnen
muss, damit man von anderen Traditi­
onen lernen kann, und dass man aus
der Summe der besten Dinge, die man
gelernt hat, eine eigene Tradition her­
vorbringen kann. Auf diese Weise
lernt man fortwährend.» Mit Lernen
haben alle seine Projekte zu tun. Es
geht ihm immer um den Austausch
zwischen Menschen. Darum, wie
Menschen miteinander kommunizie­
ren, eine Grundlage des Zusammenle­
bens bauen. Dabei steht immer auch
die Frage nach der Moral im Zentrum:
«Mir geht es um das Bedürfnis, nach
sich stets verändernder Moral zu su­
chen. Ich will diese Moral finden, sie
definieren und sie beibehalten.»
Chor des Theater Basel
Es tanzt Eastman.
Es spielt das Sinfonie­
orchester Basel.
Eine Koproduktion des
Theater Basel mit der
Komischen Oper Berlin
und der Vlaamse Opera
Antwerpen
Zu «Satyagraha»:
So 23. April, 11 Uhr
«A force more
powerful»,
Dokumentarfilm
von Steve York
über die Geschichte
des gewaltlosen
Widerstands.
(In englischer Sprache,
ohne Untertitel)
kult.kino Atelier,
Theaterstrasse 7,
4051 Basel
SATYAGRAHA
Beautycase
Rucksack
Erleuchtung
Eine durchschlagende Idee
Die Suche nach der Moral, die Suche
danach, im Angesicht von Unrecht das
Richtige zu tun, ist auch ein Thema in
Philip Glass’ Oper «Satyagraha». Im
Mittelpunkt der Oper steht Mahatma
Gandhi und seine Zeit in Südafrika,
wo er unter dem Eindruck von Diskri­
minierung und Unrecht seine Idee
des gewaltlosen Widerstands unter
dem Titel «Satyagraha» («Kraft der
Wahrheit») entwickelte. Eine durch­
schlagende Idee, die Schule gemacht
hat. Und das nicht nur zu Gandhis
Lebzeiten und nicht nur in Südafrika
oder Indien – sondern noch heute
20
und überall auf der Welt. Philip Glass
unterstreicht diese Universalität in
seiner Oper mithilfe dreier histori­
scher Geistesgenossen Gandhis, un­
ter deren «Schirmherrschaft» jeweils
ein Akt steht: Leo Tolstoi, Rabin­
dranath Tagore und Martin Luther
King, der Gandhis Lehren nach des­
sen Tod lebendig hielt. Auch heute
ist die Frage relevant, mit welchen
Mitteln politische Veränderungen
bewirkt werden können. Die Demo­
kratie steckt vielerorts in der Krise,
neue Protestbewegungen sind ent­
standen. «Die Idee des gewaltlosen
Widerstands hat viele Menschen ins­
piriert. Aber es ist eine Gefahr, ihn
als passiv zu betrachten. Denn nur
aktiv kann man etwas verändern!»
Und wie, als ob er diesen Satz unter­
streichen wollte, tanzen seine Hände
beim Sprechen durch die Luft.
Philip Glass
Der amerikanische Komponist Philip
Glass feiert 2017 seinen 80. Geburtstag –
und ist kein bisschen leise! Neben 10 Sin­
fonien und zahlreichen Filmmusiken hat
er im Laufe seines Lebens auch über 20
Opern komponiert – darunter die Trilogie
der «Portrait-Opern»: «Einstein on the
Beach» (1976), die er mit dem Künstler
und Regisseur Robert Wilson entwickelte,
«Satyagraha» (1980) und «Akhnaten»
(1984). Glass passt in keine Schublade,
wird aber des Öfteren mit der sogenann­
ten «minimal music» in Verbindung ge­
bracht. Hier wird mit musikalischen Figu­
ren gearbeitet, die ständig repetiert und
variiert werden und dabei einen geradezu
hypnotisierenden Sog entfalten. In der
Oper «Satyagraha» über Mahatma Gandhi
und seine Idee des gewaltlosen Wider­
stands verwendet Glass Texte aus dem alt­
indischen Epos «Bhagavad Gita», einer der
zentralen Schriften des Hinduismus. Indien
spielt auch in Philip Glass’ eigenem Leben
eine wichtige Rolle: Er unternahm ausge­
dehnte Reisen durch das Land und fand im
legendären Musiker Ravi Shankar einen
prägenden Lehrmeister. Glass transkribier­
te Shankars Musik in westliche Notation
und erhielt dadurch entscheidende Anre­
gungen für seinen eigenen Kompositions­
stil. «Satyagraha» ist eines der beliebtes­
ten Werke von Philip Glass, das aber selten
aufgeführt wird. Die Premiere am 28. April
2017 am Theater Basel in der Inszenierung
von Sidi Larbi Cherkaoui ist die Schweizer
Erstaufführung der Oper.
Text: Pavel B. Jiracek
Ballettschule Theater Basel
GROSSE
SOMMER
GALA 2017
Musical Theater Basel
artwork: eyeloveyou.ch
Foto: Daily Overview (Madrid, Spain)
mit Choreografien von
Richard Wherlock und
Heinz Spoerli
Olga
Peretyatko
CHF 35.–
Foto: «Serenade», © Ismael Lorenzo
Am Sa 24. Juni
um 15 Uhr und um 19.30 Uhr
Grosse Bühne
Sinfonieorchester Basel
Olga Peretyatko, Sopran
Larry Brownlee, Tenor
Speranza Scappucci, Leitung
Ausschnitte aus Werken
von Vincenzo Bellini,
Georges Bizet und
Gaetano Donizetti
www.sinfonieorchesterbasel.ch
22.
Mai
19.30 Uhr
22
DIE MORAL STIRBT AM
KÜCHENTISCH
Ein Gespräch mit Ewald Palmetshofer
«die unverheiratete»
Schauspiel von
Ewald Palmetshofer
Schweizer
Erstaufführung
die unverheiratete
Premiere 23. März,
Schauspielhaus
Ewald Palmetshofer, einer der renom­
miertesten deutschsprachigen Gegen­
wartsdramatiker – und seit der Spiel­
zeit 2015/2016 Dramaturg am Theater
Basel, geht in seinem Stück «die un­
verheiratete», das auf historischen
Fakten beruht, der Frage nach, in wel­
cher Weise sich die Auseinanderset­
zung mit Verantwortung und Schuld
in den Familien von NS-Täter_innen
bis in die dritte Generation fortsetzt
oder weiterträgt. «die unverheirate­
te» – ein Drama für sieben Schauspie­
lerinnen von geradezu antiker Wucht
– beschreibt auch jenen Skandal, dass
legal sein kann, was niemals legitim
ist. Ewald Palmetshofer erzählt in ei­
ner rhythmisch komplexen Sprache
und in hochmusikalischem Duktus
von den Verstrickungen von Schuld
und Liebe sowie dem Hereinragen der
Vergangenheit in die Gegenwart und
wurde dafür mit dem renommierten
Mülheimer Dramatikerpreis 2015 aus­
gezeichnet. Regie führt Felicitas
Brucker, die eine lange Zusammenar­
beit mit dem Autor verbindet und die
mit «die unverheiratete» zum fünften
Mal ein Stück von ihm inszeniert.
INSZENIERUNG
Felicitas Brucker
BÜHNE Viva Schudt
KOSTÜME Esther Bialas
MUSIK Patric Catani
MIT Carina
Braunschmidt, Marlen
Diekhoff, Pia Händler,
Franziska Hackl,
Barbara Horvath, Katja
Jung, Cathrin Störmer
«die unverheiratete» basiert auf his­
torischen Fakten. Was hat dich an
diesem Fall interessiert? → Der histo­
rische Kern des Stücks ist der Verrat
eines jungen Soldaten durch eine
Frau, wenige Wochen vor dem Ende
der Nazidiktatur und des Zweiten
Weltkriegs. Besonders an diesem Fall
ist, dass es sozusagen im fast Priva­
ten, Häuslichen seinen Anfang ge­
nommen hat. Alles Entscheidende
spielt sich in einer Küche und in ei­
nem an die Küche anschliessenden
Postamt, in dem ein Telefon steht, ab.
Die totalitäre Ideologie dringt nicht
nur bis in diese heimeligen Wohnräu­
me vor, sie wird auch aus diesen inne­
ren Räumen heraus betrieben und
bedingungslos in die Tat umgesetzt.
Das macht diesen Fall so interessant,
weil er das Grosse im vermeintlich
Kleinen zeigt: Es gibt historische
Konstellationen, in denen die Moral
am Küchentisch stirbt.
Du erzählst in «die unverheiratete»
von einer Täterin und den beiden ihr
nachfolgenden Generationen – ihrer
Tochter und Enkeltochter. Männer tre­
ten darin nicht auf; über sie wird nur
gesprochen. Warum gibt es in deinem
Stück ausschliesslich Frauenfiguren?
23
→ Mich hat in der Arbeit an «die un­
verheiratete» das Verhältnis zwischen
den Geschlechtern und die Abwesen­
heit von Männern besonders interes­
siert. Diese Abwesenheit ist während
des Kriegs in den Familien offensicht­
lich. Auf andere Weise setzt sie sich
im Gefängnis, in dem die Hauptfigur
des Stücks eine langjährige Haftstra­
fe verbüsst, fort. Und auch an ihrem
Lebensende im Krankenhaus, im
Krankenzimmer mit fremden anderen
Frauen, befindet sie sich in einem
männerlosen Raum. Durch die Gene­
rationen dieser Familie, durch die
Linie der Mütter, Töchter und Töchter­
stöchter hindurch ist die Frage nach
Männern eine offene Wunde. Ich woll­
te diese Abwesenheit von Männern
sozusagen auch physisch, konkret
auf der Bühne zeigen und erfahrbar
machen. Daher habe ich mich ent­
schlossen, ein Stück ohne männliche
Figuren zu schreiben.
In deinem Stück gibt es immer wieder
Anspielungen auf die «Orestie» des
Aischylos bzw. auf den Mythos der
«Elektra». In welchem Zusammen­
hang steht «die unverheiratete» mit
diesem antiken Stoff? → Dafür gibt
es mehrere Gründe. Zum einen ist da
dieses schmerzliche Fehlen von Zu­
neigung und Liebe zwischen Mutter
und Tochter. Man könnte sagen, dass
für diese Lieblosigkeit im Stück aus
der Tiefe des kulturellen Gedächtnis­
ses die Figur der Elektra auftaucht –
die unversöhnlich um den Vater trau­
ernde, ihre Mutter abgrundtief has­
sende Tochter. Das ist das Gegenbild
zur Mutter als beste Freundin der
Tochter, wie man sie zum Beispiel aus
den «Gilmore Girls» kennt. Zum ande­
ren gipfelt die «Orestie» in einer
Gerichtsverhandlung, an deren Ende
eine frühe demokratische Ordnung
errichtet wird. Die Gerichtsverhand­
lung spielt auch in meinem Stück eine
zentrale Rolle, wenn die Hauptfigur
für ihren blinden, vorauseilenden
Gehorsam einem Unrechtsregime ge­
genüber zur Verantwortung gezogen
wird. Und schliesslich treten in der
«Orestie» des Aischylos Rachegöttin­
nen, die Erinnyen auf. Anders als bei
Aischylos werden diese in meinem
Stück aber nicht befriedet. Sie leben
in der Erinnerung der Hauptfigur fort.
Interview: Constanze Kargl
DON GIOVANNI – Ein
Playmobil-Comic
Oh nein,
Vater!
Oh nein, nicht die
schon wieder!
«Don Giovanni»
Dramma Giocoso in
zwei Akten von
Wolfgang Amadeus
Mozart, Libretto von
Lorenzo da Ponte, in
italienischer Sprache
mit deutschen und
englischen Übertiteln
MUSIKALISCHE
LEITUNG Erik Nielsen
INSZENIERUNG
Richard Jones
BÜHNE Paul Steinberg
KOSTÜME Nicky
Gillibrand
CHOR Henryk Polus
MIT Simon Bode,
Nicholas Crawley,
Riccardo Fassi, Maren
Favela, Michael
Hauenstein, Kiandra
Howarth, Anna Rajah,
Biagio Pizzuti
Chor des Theater Basel,
Statisterie des Theater
Basel
Es spielt das Sinfonie­
orchester Basel.
Eine Koproduktion des
Theater Basel mit der
English National Opera
London
Presenting Sponsor: Familientag am 17. April
bei «Don Giovanni»!
Einmal im Monat ist
Familientag! An diesem
Tag geht die ganze
Familie besonders
günstig ins Theater.
Bis zu vier Kinder (un­
ter 14 Jahre) kommen
kostenlos in die Vor­
stellung, in Begleitung
eines Erwachsenen
(99.– Grosse Bühne,
29.– Schauspielhaus /
Kleine Bühne) oder
zwei Erwachsener
(198.– Grosse Bühne,
59.– Schauspielhaus /
Kleine Bühne). Dabei
gilt freie Platzwahl in
allen Kategorien. Das
Familienpaket ist an
der Billettkasse und
online im Ticketshop
erhältlich.
Don Giovanni ermordet den
alten Komtur. Donna Anna ist
entsetzt. Ihr Verlobter Don
Ottavio schwört Rache.
Na, Spätzchen, was
läuft denn so?
So ein
Halunke!
Don Giovanni ist bereits wieder
auf Eroberungstour und versucht,
die nächste Schönheit zu verfüh­
ren – zu spät erkennt er, dass es
sich um Donna Elvira handelt,
die er bereits früher schon ver­
führt hat.
Oh…
Lass uns tanzen,
Masetto!
Reg dich
nicht auf. Du
bist eine von
Tausenden.
So ein
Don Juan!
Leporello versucht Donna Elvira
zu trösten, indem er ihr das
umfangreiche Verzeichnis der
Liebschaften seines Herrn zeigt.
Er ist ein Betrüger!
Glaub ihm ja nicht!
Mist!
Grrrr…
Don Giovanni drängt sich der­
weil zwischen die beiden Turtel­
tauben Zerlina und Masetto und
lädt sie zu einem Fest in seinem
Schloss ein.
Dort versucht er Zerlina zu ver­
führen, während Leporello den
misstrauischen und eifersüchti­
gen Masetto ablenken soll.
Aber Schätzchen!
Du willst es doch!
Hilfe!
Lass
mich!
Don Giovanni bugsiert Zerlina
in sein Schlafzimmer. Zerlina
wird es zu viel und sie schreit
um Hilfe.
Booh!
Ach Elvira, ich
habe dich doch
immer geliebt!
Na, mein
Täubchen,
sehe ich
nicht toll
aus?
Donna Elvira erscheint und
warnt Zerlina vor Don Giovanni.
Zerlina wird unsicher.
Wo ist Don Giovanni!! %$&XX!?ߧ
Hier entlang!
Leporello und Don Giovanni tau­
schen die Kleider. Der verkleide­
te Leporello soll Donna Elvira
verführen, während Don Giovan­
ni einer Unbekannten nachstellt.
Der erzürnte Masetto trommelt
seinen Bauern-Clan zusammen,
um Don Giovanni eine ordentli­
che Abreibung zu verpassen und
gemeinsam mit Don Ottavio,
Donna Anna und Zerlina Rache
an dessen Mord am Komtur zu
nehmen. Don Giovanni (immer
noch als Leporello verkleidet)
weist sie natürlich in die falsche
Richtung.
Ach, du meine Güte!
Welch’
Ungeheuer!
Du musst dein
Leben ändern!
Ähm...nö!
Der Geist
des Komturs!
Don Giovanni und Leporello tref­
fen sich auf dem Friedhof wie­
der. Plötzlich sehen sie den Geist
des Komturs. Don Giovanni lädt
ihn – sehr zu Leporellos Unbeha­
gen – zum Abendessen ein.
Vor dem Besuch des Komturs
erscheint Elvira, die ihn vor dem
Untergang bewahren möchte.
Don Giovanni stirbt daraufhin
eines qualvollen Todes, und
Leporello, der das schreckliche
Szenario miterlebt hat, berichtet
das Geschehen den anderen,
die ihres Weges ziehen. Oder
geschieht es andersrum?
TÖRÖÖÖ –
Der Elefant zur
Kinderoper
«Die Genesung der Grille»
1: Quadratisches Bas­
telpapier (alle Seiten
sind gleich lang).
2: Auf beiden Seiten
diagonal falten, damit
innen ein Kreuz entsteht.
3: Oben eine grosse
Ecke, unten eine kleine
Ecke nach innen falten.
4: Seitlich ein Dreieck
einfalten (braucht ein
bisschen Übung).
5: Auf der linken Seite
wiederholen.
6: Auf beiden Seiten
zwei grosse Dreiecke
nach aussen falten
(das werden die Ohren;
Afrikanische Elefanten
haben grössere, Indi­
sche kleinere Ohren).
7: Umdrehen!
8: Den Rüssel
abknicken.
9: Rüssel als Ziehharmonika falten.
10: Rüssel lang
ziehen.
11: Umdrehen und obe­
re Ecken leicht nach in­
nen knicken für einen
abgerundeten Kopf.
12: Wieder umdrehen
und Augen aufmalen.
13: Fertig!
Die Genesung der Grille
Beautycase
BÄUME SIND KOMPLIZIERT
Hast du auch schon einmal davon geträumt, im Wald auf einen
hohen Baum zu klettern, bis zur höchsten Spitze? Das ist gar
nicht so einfach – besonders, wenn du ein Elefant bist. «Warum
fällt nie ein andrer runter? Warum immer ich?», klagt der
Elefant in Richard Ayres’ Kinderoper «Die Genesung der Grille».
Trotzdem versucht er es immer wieder: zuerst bei dem sehr,
sehr kleinen Baum, den ihm die quirlige Wühlmaus gezeigt hat,
dann bei der widerspenstigen Weide – doch jedes Mal fällt er
herunter. Warum müssen Bäume auch so kompliziert sein?
Die Grille kämpft währenddessen mit einem düsteren Gefühl in
ihrem Kopf. Doch weder die belesene Eule noch der besserwis­
serische Spatz können ihr helfen. Mit viel Humor nimmt die
Regisseurin Daniela Kranz gemeinsam mit den Sänger_innen
des Opernstudios OperAvenir und der Hochschule für Musik
Basel die kleinen und grossen Zuschauer_innen mit auf eine
Reise in einen ganz aussergewöhnlichen Wald voller skurriler
Charaktere, auf der man nicht nur über tierische Emotionen
etwas lernen kann.
Rucksack
«Die Genesung der Grille», ab 6 Jahren
Premiere 22. März, Kleine Bühne
Natur
OperAvenir mit freundlicher Unterstützung:
HEIVISCH, HIAG Immobilien, Julius Bär, Novartis
26
Rituale Am Theater
Der
Dernieren­
scherz
Das Beste kommt
zum Schluss
So wie die Premiere, ist auch die letz­
te Vorstellung einer Produktion etwas
Besonderes – die Derniere. Je nach
Stück ist es natürlich sehr unter­
schiedlich, ob man sich auf das Ende
freut, oder aber lieber doch noch ein
paar Vorstellungen gespielt hätte,
erzählt Maren Favela, die in dieser
Saison Mitglied im Opernensemble
am Theater Basel ist. Und so gibt es
auch bei der Derniere ein Ritual, das
alle Sparten des Theaters kennen und
ganz unterschiedlich ausfallen kann:
der Dernierenscherz. Ob nun ein Wort
ausgetauscht wird, die Drehbühne
verkehrt herum dreht, ein ganzer
Chor ins Wanken gerät, oder, wie sich
Maren Favela erinnert, beim Singen
der Bildnisarie in der «Zauberflöte»
plötzlich ein anderes Bild gehalten
wird – dem Witzeln auf der Bühne
sind fast keine Grenzen gesetzt. Oft
werden auch kleine Pannen aus ver­
gangenen Vorführungen erneut ein­
gebaut. Ziel ist es, die Kolleg_innen
auf der Bühne aus der Fassung und
zum Lachen zu bringen. Dem Publi­
kum sollte der kleine Scherz mög­
lichst gar nicht auffallen! Die meis­
tens lockere Stimmung während der
Derniere ist jedenfalls deutlich zu
spüren. Es soll ja schliesslich ein ge­
lungener Abschied werden.
Text: Christoph Mang
MODETIPP
Mut zur
Extravaganz
Für Haute-Couture-Mode werden – wie es die französische Bezeich­
nung für «gehobene Schneiderei» bereits vermuten lässt – nur die
feinsten und exquisitesten Materialien verwendet. In akribischer
Handarbeit werden die opulenten und extravaganten Unikate von
den geschicktesten Schneider_innen angefertigt. Als Begründer der
Haute Couture gilt der Engländer Charles Frederick Worth, der in
Paris 1857/58 das erste grosse Modehaus gründete. Seine Schöp­
fungen wurden unter anderem von Kaiserin Eugénie, Königin Victo­
ria, der Fürstin Pauline von Metternich und der Kaiserin Elisabeth
von Österreich getragen. Für die Oper «Alcina», die am 10. Juni in
der Regie von Lydia Steier am Theater Basel zur Premiere kommen
wird, entwarf der preisgekrönte italienische Kostümbildner
Gianluca Falaschi eine raffinierte und farbenprächtige Haute-Cou­
ture-Kollektion. Die Zauberin «Alcina» wird von der Sopranistin
Kate Royal gesungen. Wie die kunstvolle Figurine bereits verrät,
wird sie ein atemberaubendes paillettenbesetztes Federnkleid tra­
gen, das die vier Elemente Wasser, Feuer, Erde und Luft spiegelt.
Die Damenschneiderinnen des Theater Basel freuen sich, diese ein­
maligen Kostümentwürfe realisieren zu dürfen. Eine Herausforde­
rung, die ihnen ermöglicht, ihr ganzes Können zu zeigen.
Text: Sabrina Hofer
27
Hausbesuch bei
Barbara Horvath
«Idomeneus»
Schauspiel von Roland
Schimmelfpennig
Premiere 11. Mai,
Kleine Bühne
INSZENIERUNG
Miloš Lolić
BÜHNE Evi Bauer
KOSTÜME
Jelena Miletić
MUSIK Nevena Glušica
MIT Liliane Amuat,
Elias Eilinghoff, Urs
Peter Halter, Barbara
Horvath, Katja Jung,
Thomas Reisinger,
Lisa Stiegler, Cathrin
Störmer, Thiemo
Strutzenberger,
Michael Wächter
IDOMENEUS
Beautycase
Rucksack
Seereise
Als Barbara Horvath von Wien nach
Basel wechselte, beschloss sie mit
ihrer Familie, in eine ländliche Umge­
bung zu ziehen – ihr Mann Helmut
Berger war früher einmal Ensemble­
mitglied am Theater Basel und damit
ortskundig. Ihr neues Zuhause fanden
sie in Biel-Benken, in einem gemütli­
chen kleinen Haus mit Garten und Ka­
min; die Entscheidung haben sie kei­
nen Tag bereut: Der Sohn kann selb­
ständig zur Schule und zum Fussball
gehen, gleich nebenan gibt es frisches
Gemüse, Eier und hervorragenden
Käse sowie viel Ruhe und einen unver­
bauten Ausblick in die Natur. Der Kon­
takt zu den Nachbarn ist herzlich, und
trotz des besonderen Lebensrhyth­
mus der vielbeschäftigten Schauspie­
lerin, fühlt Barbara Horvath sich in
der Dorfgemeinschaft bereits hei­
misch. Als Mitinitiantin eines Schreib­
wettbewerbs (www.landlesen.ch)
engagiert sie sich auch für die lokale
Kulturszene.
Von und zu Proben und Vorstellungen
fährt Barbara Horvath meistens mit
öffentlichen Verkehrsmitteln und
nutzt die Zeit zum Textlernen, obwohl
die Fahrt auf der Linie 10 an den
Schlössern von Binningen und Bott­
mingen vorbei durchaus idyllisch ist.
Für sie steht mit «Idomeneus» von
Roland Schimmelpfennig noch ein
zeitgenössisches Sprachkunstwerk
an, bei der jede Silbe und jede Pause
sitzen muss; für die immer akribisch
vorbereitete Schauspielerin eine
Herausforderung, der sie sich mit
grossem Vergnügen stellt.
Text: Almut Wagner
Das Magazin für Wissenskultur
AVENUE
Pornographie:
Geschichte,
Ästhetik und
Wirkung.
Im März im Netz, im Mai im Druck.
www.avenue.jetzt
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