Deutsches Ärzteblatt 1976: A-2307

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Zur Fortbildung
Aktuelle Medizin
NOTFALL IM BEREITSCHAFTSDIENST
Status asthmaticus
Der Status asthmaticus ist definiert als eine über mehrere Stunden bis Tage anhaltende hochgradige generalisierte Obstruktion der Bronchiolen beziehungsweise als eine Serie von häufigen in
kurzen Intervallen aufeinander folgenden schweren Asthmaanfällen. Zur Aufrechterhaltung des
Gasaustausches muß die Atemarbeit auf ein Vielfaches des Normwertes gesteigert werden. Die
Obstruktion der Bronchiolen beruht
O auf einer Ödematisierung der Schleimhaut und der profusen Sekretion eines zähen, nicht abhustbaren Schleimes,
•
Spasmen der Bronchialmuskulatur,
O einer funktionellen Kompression der poststenotisch gelegenen Luftwege durch die massive
Erhöhung des transmuralen Druckes.
in über 90 Prozent ist eine Typ-l-Allergie oder ein Bronchialinfekt die auslösende Ursache des Asthma. Bei jugendlichen Patienten steht die exogen allergische Verursachung im Vordergrund mit inhalativ aufgenommenen Allergenen. Bei Patienten über 40 Jahren überwiegt das Infektasthma, bei
dem jedoch auch allergische Mechanismen vermutet werden.
Symptomatik
Diagnose
Therapie
ist
Symptom
Führendes
schwerste in- und exspiratorische Dyspnoe mit deutlich
verlängertem Exspirium. Der
Kranke sitzt steil und stützt
die Arme auf, um die auxiliäre Atemmuskulatur einsetzen
zu können. Beim Einatmen
kommt es wegen des stark
negativen intrathorakalen
Druckes zur Einziehung der
Interkostalräume und der
Schlüsselbeingruben. Die Atmung wird durch quälenden
trockenen Husten unterbrochen. Auswurf wird kaum
produziert. Auskultatorisch
findet sich Giemen und
Brummen bei insgesamt abgeschwächtem Atemgeräusch.
Das klinische Bild ist zumeist
unverkennbar. Anamnestisch
werden bereits frühere Asthmaanfälle beziehungsweise
eine Disposition zu allergischen Reaktionen (Konjunktivitis, Rhinitis) angegeben.
O Bei starker Unruhe 5-10
mg Valium i. m. oder peroral
(cave: zu starke Atemdämpfung).
Die Schleimhäute sind livide
verfärbt, der Puls ist frequent
(>100/min). Typisch sind
psychische und motorische
Unruhe sowie vermehrte
Schweißneigung. In schwersten Fällen mit fast völliger
Der erste Asthmaanfall führt
in der Regel nicht zum Status
asthmaticus. Häufig geht
dem Anfall entweder ein Infekt der Atemwege mit Fieber
und Auswurf oder der Kontakt mit einem bekannten Allergen voraus, oder es wurde
die bestehende antiasthmatische Therapie unterbrochen
beziehungsweise verändert
(insbesondere zu frühes Absetzen von Kortikoiden), oder
es ist eine außergewöhnliche
emotionale Belastung eruierbar.
Differentialdiagnostisch muß
0 eine obere Atemwegsstenose
(Laryngospasmus,
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• Aminophyllin 0,48 g langsam i. v. (z. B. 2 Ampullen
Euphyllin 0,24).
hochdoO Kortikosteroide
siert i. v. (50-500 mg Prednisonäquivalentdosis).
O Alupent 0,5 bis 1 mg i. m.
oder sehr langsam i. v.
O Inhalativ (falls möglich) Berotec.
O Sekretolyse (zum Beispiel
Bisolvon 2 Ampullen i. v.).
• Streng
kontraindizierte
Maßnahmen: ß-Rezeptorenblocker zur „Frequenzreduktion".
• Immer Einweisung in das
Krankenhaus.
Heft 37 vom 9. September 1976
2307
Zur Fortbildung
Aktuelle Medizin
NOTFALL IM BEREITSCHAFTSDIENST
Symptomatik
Diagnose
Sekretverlegung der Atemwege ist das Atemgeräusch
nahezu aufgehoben. Die Atmung ist schnappend, das
Sensorium eingetrübt. Es
kommt zu rascher physischer
und psychischer Erschöpfung.
Fremdkörperaspiration, Mediastinaltumor, retrosternale
Struma) ausgeschlossen werden. Bei der Stenose der
oberen Atemwege ist die Atmung laut, stridorös, eine generalisierte Spastik in der
Lungenperipherie ist nicht
auskultierbar.
Therapie
O Muß ein kardial bedingtes
Asthma ausgeschlossen werden (Vorgeschichte, physikalische Zeichen der Stauungslunge, Produktion eines dünnen-,
wäßrigen
Sputums,
EKG: Linksüberlastungszeichen).
O Muß an eine Lungenembolie mit reaktivem Bronchospasmus gedacht werden
(Varikosis, Mobilisation nach
Bettlägerigkeit usw.).
0 Muß ein Spannungspneumothorax ausgeschlossen
werden (physikalischer Lungenbefund).
In der Reihe „Notfall im Bereitschaftsdienst"
sind bisher folgende Beiträge veröffentlicht worden:
Dr. med. R. Thoma
Medizinische
Universitätsklinik Köln
(Direktor: Professor
Dr. med. Rudolf Gross)
Josef-Stelzmann-Straße 9
5000 Köln 41
Die Rektalblutung
Heft 31/1976, Seite 2027 f.
Das akute Glaukom
Heft 32/1976, Seite 2064
AugenverletPerforierende
zungen
Heft 19/1976, Seite 1279 f.
Nierenkolik
Heft 20/1976, Seite 1375 f.
2308
Der akute Hoden
Heft 27/1976, Seite 1817 f.
Ulkus-Perforation
Heft 28/1976, Seite 1879
Verätzungen des Auges
Heft 33/1976, Seite 2117 f.
Ertrinken
Heft 34/1976, Seite 2166
Kardiogener Schock
Heft 21/1976, Seite 1431
Die kardiovaskuläre Synkope
Heft 29/1976, Seite 1939 ff.
Ileus
Heft 35/1976, Seite 2210
Verschluß der Zentralarterie
der Netzhaut
Heft 24/1976, Seite 1600
Die akute gastrointestinale
Blutung
Heft 30/1976, Seite 1974
Der Gichtanfall — Arthritis
urica acuta
Heft 36/1976, Seite 2259 f.
Heft 37 vom 9. September 1976
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