Erfahrungsbericht Portugal

Werbung
Ein Semester in Portugal
Erfahrungsbericht Universidade Católica
Portuguesa, Porto
Wintersemester 08/09
von
Universität Hohenheim
Wirtschaftswissenschaften
Vorbereitungen:
Ich studiere Wirtschaftswissenschaften (Diplom) an der Universität Hohenheim und
wollte in meinem 10. Semester zum Abschluss des Studiums noch einmal ein
Semester im Ausland verbringen. Wann hat man denn sonst noch einmal die
Möglichkeit so einfach eine solche Erfahrung zu machen. Ich hatte die Wahl
zwischen einem Praktikum im Ausland oder über das ERASMUS Programm ein
Auslandssemester zu absolvieren. Ich hab mich letztendlich für das
Auslandssemester entschieden, da ich der Überzeugung bin, dass die Sprache so
besser zu erlernen ist und man einfacher mit den Einheimischen in Kontakt kommt.
Bei der Auswahl der Universität war für mich zuerst das Land entscheidend. Da ich
relativ gut Spanisch spreche und auch schon etwas Portugiesisch konnte, waren
Spanien und Portugal in der engeren Auswahl. Danach habe ich mir die Städte mit
den dazugehörigen Universitäten genauer angeschaut und da hat letztendlich Porto
das Rennen gemacht. Glücklicherweise hat es dann auch mit der Bewerbung
geklappt und so bin ich in Porto an der Universidade Católica Portuguesa gelandet.
Bei den Vorbereitungen sind neben den Uni-Formalitäten eigentlich nur zwei weitere
Sachen zu beachten: Krankenversicherung und Bankkonto. Ich hab beim ADAC eine
Auslandskrankenversicherung abgeschlossen. Die Versicherung ist sehr
unkompliziert, man muss im Anschluss an den Auslandsaufenthalt nur die
Rechnungen einreichen und das wars. Das Problem ist nur, dass man für jeden
Schadensfall eine Eigenbeteiligung von 50 Euro bezahlen muss. Empfehlen kann ich
alternativ die Krankenversicherung von ISIC. Weniger Selbstbeteiligung, aber etwas
bürokratischer. Bezüglich des Bankkontos kann ich ein Konto bei der Deutschen
Bank empfehlen. Sie hat einige Filialen in Porto, an denen man kostenlos Geld
abheben kann. Oft wird zwar dann doch eine Gebühr erhoben, diese kann man sich
aber erstatten lassen.
Informationen über Porto
Anreise: Ich bin mit dem Auto nach Porto gefahren. Wenn man es ernst meint, dann
schafft man es in 2 Tagen. Als Alternative fliegt TUI Fly relativ günstig von Stuttgart
nach Porto und auch Ryanair hat direkte Verbindungen von Frankfurt Hahn. Auf die
Frage „Braucht man in Porto ein Auto?“ kann ich nur sagen “Nein!“ Porto ist für
Autofahrer eine schreckliche Stadt. Es gibt viele Einbahnstraßen, unverständliche
Umgehungsstraßen und eine katastrophale Beschilderung. Nimmt man einmal die
falsche Abzweigung, dann ist man schon verloren. Und mit portugiesischen
Autofahrern habe ich leider auch einige schlechte Erfahrungen gemacht. In Porto gibt
es jedoch ein sehr gutes Bus (www.stcp.pt) und Metro System
(www.metrodoporto.pt) und im Vergleich zu Deutschland günstige Taxis. Es gibt sehr
günstige Regionalzüge mit denen man problemlos in umliegende Städte wie Braga,
Aveiro oder Guimarães kommt. Überregional gibt es dann Busse und Züge zu
erschwinglichen Preisen.(Züge in Portugal: www.cp.pt) Also lasst das Auto zu Hause!
Die Stadt: Porto ist eine fantastische Stadt. Porto hat eine wunderschöne Altstadt mit
toller Architektur und die Flusslage rundet das alles noch ab. Zusätzlich ist das Meer
nicht weit und es gibt einige passable Sandstrände in direkter Nähe (Matosinhos,
Leça). Kulturell gibt es auch ein paar ganz nette Museen, in denen für ERASMUS
Studenten an bestimmten Wochenende kostenlose Führungen angeboten werden.
Musikalisch kann man das Casa da Música (http://www.casadamusica.com)
empfehlen, wo viele Konzerte angeboten werden. Das Nachtleben in Porto spielt sich
größtenteils draußen ab. Man trifft sich abends entweder am Praça dos Leos, im
Stadtteil Ribeira (am Fluß) oder in der Rua da Galeria de Paris und trinkt sein Bier
unter freiem Himmel. Erst spät in der Nacht geht es dann in einen der vielen Clubs.
Öffentliche Verkehrsmittel: Die öffentlichen Verkehrsmittel in Porto sind ein wenig
verwirrend, allerdings ändert sich derzeit in diesem Bereich vieles. Es gibt mehrere
Metrolinien, die allerdings in Porto selber nicht sehr hilfreich sind. Die Metro ist
hauptsächlich dafür da, die umliegenden Vororte Portos mit Porto zu verbinden. So
braucht man sie eigentlich nur, wenn man zum Flughafen oder ins Stadion will. Um
mit der Metro fahren zu können, muss man sich eine wiederaufladbare Fahrkarte
besorgen (Andante). Diese bekommt man an den Fahrscheinautomaten in den
Metrostationen. Beim Aufladen ist zu beachten, dass es in Porto verschiedene Zonen
gibt und der Preis der Fahrt und damit auch das jeweilige Ticket davon abhängt, wie
viele Zonen man durchfährt (kostet zwischen 95 Cent und 2,95 Euro). Diese Andante
Karte kann man auch für das Bussystem verwenden, aber es ist billiger, wenn man
sich eine zweite Karte (STCP) besorgt, die nur in den Bussen einsetzbar ist. Diese
bekommt man an kleinen Kiosken mit dem Zeichen „PayShop“. So kostet eine
Busfahrt 75 Cent.
Wohnen: Die Uni liegt in Foz, einem wohlhabenden Stadtteil direkt am Meer. Für
ERASMUS Studenten gibt es in der Nähe der Universität ein paar Wohnungen mit
jeweils 2-3 Zimmer. Diese Zimmer kosten so 250-300 Euro und sind zu empfehlen,
weil man schnell an der Uni ist. Sonst gibt es in Foz keinen Wohnungsmarkt für
Studenten und man muss auf die Innenstadt ausweichen. Hier sind die Zimmer aber
deutlich billiger und es gibt viele schöne Altbauwohnungen. Ich hab in Foz gelebt und
war mit der Lage sehr zufrieden, aber im Zentrum zu leben hat auch seine Vorteile.
Die Fahrt vom Zentrum nach Foz mit dem Bus dauert zwischen 20 und 30 Minuten.
ESN: ESN ist das Erasmus Student Network und ist in Porto an der Universidade do
Porto vertreten. Es lohnt sich für 5 Euro bei diesem Netzwerk Mitglied zu werden, da
ESN viele Feste, Ausflüge und sonstige Unternehmungen in und um Porto anbietet.
Sie bieten z.B. auch sehr günstige Surfkurse am Strand von Matosinhos an.
Land und Leute
Die Sprache: Portugiesisch ist eine relativ schwierige Sprache, besonders was die
Aussprache und das Verstehen angeht. Ich spreche relativ gut Spanisch und hatte
vor meiner Abreise auch schon 2 Portugiesisch Kurse besucht und trotzdem hat es
lange gedauert, bis ich einigermaßen Sprechen und Verstehen konnte. In Portugal
spricht man relativ schnell und die Portugiesen verschlucken leider auch ziemlich
viel. Wer vor seinem ERASMUS kein Wort Portugiesisch kann, der wird nach 5
Monaten wohl auch ohne große Portugiesisch Kenntnisse zurückkommen, da er nur
Englisch sprechen wird. Hat man Vorkenntnisse oder spricht man eine romanische
Sprache, dann ist es in 5 Monaten gut möglich die Sprache einigermaßen zu
erlernen.
Die Portugiesen: Ich hatte nur gute Erfahrungen mit Portugiesen. Sehr freundlich,
sehr hilfsbereit und gerade die jungen Leute sprechen alle sehr gut Englisch. Das
hilft ganz besonders in den ersten Wochen.
Essen und Trinken: Kulinarisch war ich ein wenig enttäuscht. Ich hatte mich auf
zahllose Fischspeisen zu billigen Preisen gefreut, aber dem ist in Porto nicht so. Die
Meere vor der Küste Portugals sind weitgehend leergefischt und die Portugiesen
weichen daher viel auf Stockfisch (Bacalhau) aus Norwegen aus. Wem doch mal
nach Fisch ist, der kann sehr gut im Stadtteil Matosinhos Fisch essen, ist aber nicht
ganz billig. Sonst muss man auf jeden Fall eine „Francesinha“ probiert haben, gibt es
in fast jedem Restaurant.
Die Universität:
Die Universidade Católica Portuguesa (kurz: Católica) hat in Porto mehrere
verschiedene Standpunkte. Für Studenten der Wirtschaftswissenschaften kommt der
im Stadtteil Foz in Frage. Hier studieren ca. 2000 Studenten VWL, BWL, Recht und
Psychologie, davon ca. 20 ERASMUS Studenten. Das Gebäude ist zwar nicht schön,
aber die Ausstattung der Uni ist grundsätzlich sehr gut. Die Uni heißt zwar „Católica“,
aber von einer besonders katholischen Ausrichtung merkt man nichts.
Das System in Portugal kann man mit unserem Bachelor und Master System
vergleichen. Bachelor heißt hier jedoch „Licenciatura“ oder 1° Ciclo, das Master
Programm ist dann der 2° Ciclo. Von den Bachelor Vo rlesungen werden ca. 10
Vorlesungen auf Englisch angeboten. Dadurch kann man auch ohne Portugiesisch
Kenntnisse problemlos an den Vorlesungen teilnehmen. So machen es die meisten
ERASMUS Studenten. Eine Liste der Vorlesungen auf Englisch findet man auf der
Homepage der Universität.
Die Universität hat ein Buddy Programm. Jeder ERASMUS Student kann an diesem
Programm teilnehmen und bekommt dann einen portugiesischen Studenten, den
sogenannten Buddy, zugewiesen. Dieser Buddy soll Deine ersten Wochen in Porto
erleichtern und das Programm funktioniert sehr gut. So wird man am Flughafen
abgeholt, sie helfen einem in den ersten Tagen sich zurecht zu finden, können bei
der Wohnungssuche helfen etc. Ein schöner Nebeneffekt ist auch, dass man gleich
mit Portugiesen in Kontakt kommt. Wenn man weitere Fragen hat, dann kann man
sich immer an das S.A.C. wenden, das dortige Akademische Auslandsamt. Paula
und Luisa helfen immer gerne.
Sport wird an der Uni nicht angeboten, aber es gibt einige Fitnessstudios und
Schwimmhallen in der Nähe der Uni, die für Studenten günstige Tarife anbieten.
Die Vorlesungen:
Die Universität ist eine Privat-Uni und ist für die Portugiesen nicht ganz billig. Die
Qualität der Vorlesungen fand ich grundsätzlich ziemlich gut und fachlich ist einiges
geboten. Die Kurse sind relativ klein, in den Vorlesungen sitzen nicht mehr als 60, in
den Übungen nicht mehr als 20 Studenten.
Da ich in den letzten Zügen meines Diplomstudiums stecke, war es für mich relativ
schwierig Kurse zu finden, die ich in Hohenheim hätte anrechnen können. Die
Bachelor Kurse kamen maximal an ABWL und AVWL Niveau heran und die hatte ich
leider alle schon in Hohenheim belegt. So kamen für mich eigentlich nur Master
Kurse in Frage. Die Universität bietet mittlerweile 7 verschiedene
Masterstudiengänge im Bereich BWL und VWL an. Allerdings waren zu meiner Zeit
alle Vorlesungen auf Portugiesisch. Ich wollte eigentlich 3 Masterkurse besuchen,
aber auf Portugiesisch war das einfach zu viel und so habe ich letztendlich nur einen
Masterkurs beendet. Bei der Überlegung, wie viele Kurse man grundsätzlich
besuchen will, sollte man sich klar sein, dass in Hohenheim die Noten direkt
umgerechnet werden. Daher sollte man vielleicht etwas weniger Kurse wählen, diese
aber dann mit einer guten Note abschließen.
Folgende Kurse habe ich gewählt:
Marketing (Bachelor Kurs, Englisch):
Der Kurs besteht aus zwei Vorlesungen und einer Übung á 85 Minuten. Die
Vorlesung behandelt die Grundlagen des Marketing und war für mich ziemlich
interessant, da ich mit Marketing nie was am Hut hatte. Die Professorin ist nett, aber
nicht besonders motiviert. Für die Übungen muss man jede Woche in Gruppen eine
Case Study vorbereiten und diese dann in der Übung präsentieren. Zusätzlich muss
jede Gruppe einen Marketing Plan ausarbeiten. Dadurch hat man einen zusätzlichen
Arbeitsaufwand von ca. 3 Stunden die Woche. Möglicherweise für ABWL
anrechenbar. Noten sind gut.
Benotung: Anwesenheit (10%), Case Studies/Marketing Plan (40%), Examen (50%)
Development economics (Bachelor Kurs, Englisch):
Ebenfalls zwei Vorlesungen und eine Übung die Woche. Es geht um
Entwicklungsökonomie, viel Keynes und Neoklassik, aber auch andere Ansätze. In
der Übung wird die Theorie mit praktischen Beispielen vertieft. Die Vorlesung ist
super, nicht besonders schwer, aber sehr interessant und man lernt sehr viel. Der
Professor ist sehr gut und geht auch gerne auf Anregungen der Studenten ein.
Zusätzlichen Arbeitsaufwand hat man eigentlich keinen. Möglicherweise für AVWL
anrechenbar. Noten sind sehr gut.
Benotung: 3 Multiple Choice Tests während des Semesters, von denen die besten 2
zählen (60%), Examen (40%)
Investimentos Financeiros (Master Kurs, Portugiesisch):
Insgesamt 10 Vorlesungen á 3 Stunden. Es geht hauptsächlich um die Bewertung
von Forwards, Futures, SWAPs, Obligationen, aber auch um Portfolio Theorie. Der
Professor ist sehr gut und macht eine sehr interessante und praxisnahe Vorlesung.
Man hat jede Woche eine Case Study zu lösen, von denen am Ende einige zur
Benotung eingereicht werden müssen. Den Kurs kann man in der Rechnungswesen
Vertiefung anrechnen lassen. Arbeitsaufwand ca. 2h pro Woche. Die Noten sind gut.
Benotung: Case Studies (40%), Examen (60%)
Portuguese Culture (Pflichtkurs für ERASMUS Studenten):
Jede Woche 1 Vorlesung á 2 Stunden. In diesem Kurs soll man hauptsächlich die
portugiesische Sprache lernen, allerdings kommt man nicht über ein paar
Grundlagen hinaus. Sonst spricht man noch ein wenig über die portugiesische Kultur.
Die Lehrerin ist sehr nett, aber was das Vermitteln der Sprache angeht ist sie leider
nicht besonders erfolgreich.
Benotung: Mitarbeit (90%), Examen (10%)
Portugiesisch Kurs für Fortgeschrittene (Kosten 140 Euro):
10 Vorlesungen á 3 Stunden . Dieser Kurs wird zusätzlich von der Uni für diejenigen
angeboten, die schon ein wenig Portugiesisch können, oder eine romanische
Sprache als Muttersprache haben. Die Lehrerin ist die selbe wie im Kurs „Portuguese
Culture“, aber in diesem Kurs kann man auf jeden Fall mehr mitnehmen. Kommt halt
darauf an, was man selber daraus macht.
Wer noch zusätzliche Fragen hat, einfach Email an mich
!!
Herunterladen