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M A G I E
2017
3. – 7 .
M AI
Ein Festival feiert das pure Leben
P R O G R A M M
AUS LIEBE ZU MENSCHEN,
ZUR MUSIK UND ZUR FANTASIE
Die magische Welt von GAIA
Viele Kinder träumen davon, einfach wegzulaufen und zum Zirkus zu gehen, um dessen
Zauber zu geniessen, der so weit entfernt vom
Alltag ist wie nur möglich. Dasselbe könnte
man vom Publikum und den Musikerinnen
und Musikern bei GAIA sagen – sie entfliehen
einmal im Jahr ihrem Alltag, um die Ereignisse
dieses ungewöhnlichen Festivals zu erleben,
sich zu sonnen in der wärmenden Musik und
in dem Zauber, der für einige Tage die Zeit
stillstehen lässt zu Gunsten der mächtigen
Kräfte von Phantasie, Kreativität und Freiheit.
Das diesjährige Programm ist stark inspiriert von der Idee, dass Musik und Magie
miteinander verwoben sind, und ebenso von
der Faszination, die Spiritualität, Mystik und
das Ungewöhnliche (Paranormale) auf Komponisten ausgeübt haben. Debussy widmete
sich phantastischen Geschöpfen wie Syrinx,
Puck und Undine; Saint-Saëns’ grosse Vorstellungskraft brachte gar einen Zoo hervor (oder
waren es etwa nicht Esel, sondern Musikkritiker, die er meinte mit «Persönlichkeiten mit
langen Ohren»?). Schumanns Märchenerzählungen sind umhüllt von Rätsel, denn wir
wissen bis heute nicht genau, was der Komponist in ihnen ausdrücken wollte. Blochs
«Poème Mystique» und Beethovens «Geistertrio» bringen uns Anklänge an Übernatürliches und Spiritualität. Der zeitgenössische
Komponist Pérez-Ramirez hat für GAIA ein
neues Stück geschrieben, das von der Folklore
seines Geburtslandes Chile inspiriert ist. Was
ist es anderes als Magie, dass diese Meister
uns zu anderen Orten reisen, einen träumerischen, lichten Zustand erreichen lassen, wenn
auch nur für die Länge eines musikalischen
Werkes?
2
Auch die Musikerinnen und Musiker, die sich
in diesem Jahr versammeln, haben die Programmentscheidungen beeinflusst. Sie werden unsere Aufmerksamkeit einnehmen, uns
bezaubern, wegholen von der Welt, in der wir
uns vor der Ankunft im Konzertsaal befanden,
an einen Ort, der uns eine Ruhepause ermöglicht. Und vielleicht kehren Hörerinnen und
Hörer, von ein wenig GAIA-Magie berührt, in
eine Welt zurück, die sich von jener, die sie
vor dem Festival kannten, unterscheidet?
Träumen Sie auch von der Magie des
Zirkus, wollen Sie von der Macht der Musik
bezaubert werden? Bei GAIA sind Sie ein Teil
davon!
Ich freue mich sehr, dass Sie wieder dabei
sind, bei der inzwischen neunten Ausgabe von
GAIA. Bis bald!
Gwendolyn Masin
Gründerin und künstlerische Leiterin
WILLKOMMEN
zum GAIA Musikfestival Oberhofen
KONZERTPROGRAMM
5
Donnerstag, 4. Mai 2017, 20 Uhr
Kirche Hilterfingen
6
Freitag, 5. Mai 2017, 20 Uhr
Parkhotel Gunten
10
Samstag, 6. Mai 2017, 20 Uhr
Klösterli Oberhofen
14
Sonntag, 7. Mai 2017, 11 Uhr
Schloss Oberhofen
18
Sonntag, 7. Mai 2017, 17 Uhr
Klösterli Oberhofen
22
K Ü N S T L E R P O R T R ÄT S
26
ELEMENTE
Freunde von GAIA
34
Das ist GAIA
Musikfestival Oberhofen
Impressum
35
Wir danken
36
3
Kreativ
unterstützendes und
effizientes Produzieren
von augenfälligen, grafischen
Kommunikationsmitteln.
Jost Druck AG
Postfach 102, 3626 Hünibach
Tel. 033 244 80 80, www.jostdruckag.ch
4
KONZERTPROGRAMM
5
Donnerstag, 4. Mai 2017, 20 Uhr
Kirche Hilterfingen
NACHT DER
MÄRCHEN
Die UBS ist Presenting Partner des Festivals
Miterleben
Wir sind dabei, wenn die Musik unser Leben
bereichert. Auch als Presenting3artner des
GAIA Musikfestival Oberhofen.
UBS Switzerland AG
Bärenplatz 8
3011 Bern
ubs.com/schweiz
© UBS 2017. Alle Rechte vorbehalten.
6
Claude Debussy (1862–1918)
Camille Saint-Saëns (1835–1921)
«Syrinx» für Flöte solo
Der Karneval der Tiere
aus «La Flûte de Pan» – Bühnenmusik zu
«Psyche», Dramatisches Gedicht in drei
Akten von Gabriel Mourey
Janne Thomsen
Zoologische Fantasie
Robert Schumann (1810–1856)
Märchenerzählungen op. 132
Lebhaft – Lebhaft und sehr markiert –
Ruhiges Tempo, mit zartem Ausdruck
Lebhaft, sehr markiert
Christoffer Sundqvist, Jan Grüning,
Alexander Lonquich
Andrei Pushkarev (geb. 1974)
«In the Mood of Blue»
für Vibraphon solo
Andrei Pushkarev
Maurice Ravel (1875–1937)
Violinsonate Nr. 2 G-Dur
für Violine und Klavier
Allegretto
Blues, Moderato
Perpetuum mobile, Allegro
Gwendolyn Masin, Alexander Lonquich
Camille Saint-Saëns (1835–1921)
Tarantella a-Moll op. 6 für Flöte,
Klarinette und Klavier
Janne Thomsen, Christoffer Sundqvist,
Alexander Lonquich
Maurice Ravel (1875–1937)
La valse
Fassung für zwei Klaviere
Alexander Lonquich, Cristina Barbuti
P A U S E
Introduction et marche royale du lion
Introduktion und königlicher Marsch des Löwen
Poules et coqs
Hühner und Hähne
Hémiones (animaux véloces)
Halbesel (schnelle Tiere)
Tortues
Schildkröten
L’éléphant
Der Elefant
Kangourous
Kängurus
Aquarium
Aquarium
Personnages à longues oreilles
Persönlichkeiten mit langen Ohren
Le coucou au fond des bois
Der Kuckuck in der Tiefe des Waldes
Volière
Vogelhaus
Pianistes
Pianisten
Fossiles
Fossilien
Le Cygne
Der Schwan
Finale
Finale
Ganzes Ensemble
Flöte Janne Thomsen
Klarinette Christoffer Sundqvist
Perkussion Pavel Bialiayeu, Andrei Pushkarev
Klavier Alexander Lonquich, Cristina Barbuti
Violine Alexandra Kazovsky,
Gwendolyn Masin
Viola Jan Grüning
Violoncello Amit Even-Tov
Kontrabass Massimo Pinca
7
NACHT DER MÄRCHEN
Text Angela Beuerle
Aus alten Märchen winkt es
Hervor mit weißer Hand,
Da singt es und da klingt es
Von einem Zauberland: ...
Heinrich Heine
Wie Scheherazade, doch ohne alle Not, lädt GAIA Sie
mit diesem Konzert ein zu einer Nacht der Märchen:
Die erste Geschichte erzählt von der keuschen Nymphe Syrinx, wie sie sich
verfolgt sieht von dem in Liebe entbrannten Gott Pan und vor ihm flieht bis
an einen Fluss, «wie sie die Schwestern der Wassertiefe bat, sie zu verwandeln und Pan, als er glaubte, Syrinx schon ergriffen zu haben, anstelle der
Nymphe Sumpfschilf in den Armen hielt; wie, während er dort seufzte, die
bewegte Luft im Rohr einen dünnen Ton erzeugte, der einer Klage glich; wie
der Gott, von der neuen Kunstform und Lieblichkeit des Klangs gebannt,
sagte: ‚Diese Art der Zwiesprache mit dir wird mir bleiben’» (Ovid). Keine
treffendere Inspiration als diesen Mythos von der Entstehung der Flöte hätte
Debussy für sein berühmtes Werk für Flöte solo nehmen können.
Es folgen Märchenerzählungen der Romantik, diesmal mit Geschichten, die
sich allein durch die Musik erzählen. Entstanden im Oktober 1853, gehören
sie zu den letzten Werken, die Schumann schrieb, bevor seine zerrüttete
geistige Gesundheit seinem Komponieren ein Ende setzte. Als «höchst romantisch» bezeichnete er selbst die Zusammenstellung der Instrumente, die
«von ganz eigenthümlicher Wirkung» ist. So programmatisch der Titel klingt
– es bleibt ein Rätsel, welche Märchen Schumanns vier, durch ein gemeinsames Thema verbundene Stücke erzählen. Wohl wusste er, dass seine «mit
guter Lust geschriebenen Stücke» (Schumann) Märchen- und Fabelwesen
allein durch ihren Klang in der Phantasie jedes Hörers herbeirufen konnten.
Ein kunstvolles, melancholisch-heiteres Märchen aus der Welt des Jazz erzählt Andrei Pushkarev auf dem Vibraphon, einem erst 100 Jahre jungem
Instrument, das als Weiterentwicklung der Marimba mit Metallplatten und
vibrierendem Röhrenklang unter den Händen des virtuosen Interpreten den
Sound der Moderne in märchenhaften Klangkaskaden erstehen lässt.
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Auch Ravel lässt sich in seiner zweiten Violinsonate, besonders im zweiten
Satz, vom Jazz inspirieren. «Ich habe zwar diese populäre Form Ihrer Musik übernommen», erklärte er bei einer seiner Amerika-Tourneen, «aber ich
wage zu behaupten, dass die Musik, die ich geschrieben habe, trotzdem französisch ist, Ravels Musik.» Keiner zweifelt daran, wenn er dieses Werk hört,
das in seiner Transparenz eine grosse Eigenständigkeit und Originalität, aber
auch Strenge in sich trägt. Ob wahr oder nicht, es ist bezeichnend für dieses
späte Kammermusikwerk Ravels, dass er, gefragt, warum er ganze fünf Jahre
(1923–1928) für seine Komposition gebraucht habe, antwortete, er habe die
Zeit gebraucht, «um alle unnötigen Noten zu entfernen».
Eine Italienreise brachte den damals 22-jährigen Saint-Saëns wohl auf die
Idee, ein Musikstück in Stil und Rhythmik des süditalienischen TarantellaTanzes zu komponieren. Dass das Tanzen der Tarantella ursprünglich half,
eine von der Tarantel gestochene Person zu kurieren, mag ein Märchen sein
– Saint-Saëns’ Musik in ihrer Mischung des temperamentvollen italienischen
Idioms mit französischer Leichtigkeit und Eleganz jedenfalls erzählt von der
unbeschwerten Lebensfreude eines gefeierten jungen Komponisten.
«Umherwirbelnde Wolken lassen flüchtig walzertanzende Paare erkennen.
Nach und nach zerteilen sich die Wolken. Man sieht einen riesigen Saal mit
einer tanzenden Menge. Die Szenerie hellt sich allmählich auf. Das Licht
der Kronenleuchter erglänzt. Ein kaiserlicher Hof, um 1855.» Diese märchenhafte Szenenbeschreibung stellt Ravel seinem, ursprünglich als Ballettmusik
geschriebenen «La valse» voran, in dem er eine Geschichte von der Erstehung und wohl auch (Zer-)Störung dieser kaiserlichen Walzerwelt in suggestiven akustischen Bildern ausmalt.
Für eine Privataufführung am Faschingsdienstag 1886 schrieb der nunmehr
50-jährige Saint-Saëns den «Karneval der Tiere». Nach einer weiteren, begeistert aufgenommenen Darbietung des Stückes untersagte er jede weitere
Aufführung zu seinen Lebzeiten. Vermutlich wollte er seinen Ruf als ernsthafter Komponist nicht gefährden. Einzig die Musik des Schwanes durfte
gespielt werden und erlangte schon bald in Verbindung mit der für Anna
Pawlowa kreierten Choreographie des sterbenden Schwanes sprichwörtliche Berühmtheit. Heute dürfen wir glücklicherweise den ganzen tierischen
Karneval hören, ein grosser musikalischer Spass, in dem nicht nur Fossilien,
sondern auch Pianisten unter die Tiere klassifiziert werden und Saint-Saëns
die Schildkröten – in Zeitlupe – nach dem Cancan aus Offenbachs «Orphée
aux enfers», die Elefanten nach dem Tanz der Luftgeister («Danse des sylphes») aus Berlioz’ «La damnation du Faust» tanzen oder die Fossilien u.a.
mit einer Arie aus Rossinis «Barbiere di Siviglia» auftreten lässt, um nur einige der vielen scherzhaft eingestreuten musikalischen Zitate und Verweise
dieser «zoologischen Fantasie» zu nennen.
Mit einem grossen Lachen enden so die Erzählungen dieser Nacht – deren
Märchen vielleicht noch gar nicht zu Ende sind ...
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Freitag, 5. Mai 2017, 20 Uhr
Parkhotel Gunten
ORIGIN
Emil Frey AG, Autocenter Bern – Lexus ist Car-Sponsor des Festivals
DER NEUE LEXUS RX
JETZT
PROBEFAHREN
RX 450h 4x4 Vollhybrid | 313 PS | 5,2 l/100 km
120 g/km CO 2 | Free Service 10 Jahre/100 000 km
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Treibstoff und/oder der Strombereitstellung: 26 g/km, Energieeffizienz-Kategorie B. Abgebildetes Fahrzeug: NEW RX 450h F SPORT (3,5-Liter-Vollhybrid, E-FOUR-AWD,
5-türig) CHF 87 600.–, inkl. MwSt. Ø Verbrauch 5,5 l/100 km, Ø CO 2 -Emissionen 127 g/km, CO 2 -Emissionen aus der Treibstoff und/oder der Strombereitstellung: 28 g/km,
Energieeffizienz-Kategorie C. Unverbindliche Netto-Preise in CHF, inkl. MwSt. Kraftstoffverbrauch gemessen nach den Vorschriften der Richtlinie 715/2007/EG.
Durchschnittswert CO 2 -Emissionen aller in der Schweiz immatrikulierten Fahrzeugmodelle: 134 g/km. Lexus Premium Free Service inklusive kostenlose Servicearbeiten bis
10 Jahre oder 100 000 km (es gilt das zuerst Erreichte) inkl. Gratisersatzwagen zur Sicherstellung der Mobilität.
10
Rodion Konstantinowitsch Schtschedrin
(geb. 1932)
Maurice Ravel (1875–1937)
Humoreske aus «Klavierstücke»
Rhapsodie de concert
Arrangement von David Walter, editiert
von Miklós Lukács und Gwendolyn Masin
Uraufführung
Arrangement von Massimo Pinca
Camille Saint-Saëns (1835–1921)
Danse macabre
Poème symphonique op. 40
Tzigane
P A U S E
Arrangement von Raymond Deane,
editiert von Gwendolyn Masin
Rebecca Clarke (1886–1979)
Grotesque Schweizer Erstaufführung
Manuel de Falla (1876–1946)
Massimo Pinca (geb. 1978)
Danse espagnole aus der Oper
«La vida breve»
The Fates für Streichquartett
und Cimbalom Uraufführung
Arrangement von Raymond Deane,
editiert von Gwendolyn Masin
Miklós Lukács (geb. 1977)
Sirba in E
Ernest Bloch (1880–1959)
Nigun (Improvisation)
Maurice Ravel (1875–1937)
aus «Baal Shem – Drei Bilder aus dem
chassidischen Leben»
Arrangement von Raymond Deane
Pièce en forme de Habanera
Johan Halvorsen (1864–1935)
Passacaglia für Violine und Viola
nach einem Thema von Georg Friedrich Händel
Miklós Lukács (geb. 1977)
Bartók-Impressionen Uraufführung
basierend auf den Rumänischen Volkstänzen
Sz. 68 von Béla Bartók
Béla Bartók (1881–1945)
Rumänische Volkstänze Sz. 68
Stabtanz – Allegro moderato
Rundtanz – Allegro
Stampftanz – Moderato
Tanz aus Butschum – Moderato
Rumänische Polka – Allegro
Schnelltanz – Allegro
Schnelltanz – Allegro vivace
Arrangement von Arthur Willner,
editiert von Gwendolyn Masin
Arrangement von Raymond Deane
Fritz Kreisler (1875–1962)
La Gitana
Arrangement von Raymond Deane
Pablo de Sarasate (1844–1908)
Zigeunerweisen op. 20
Moderato
Lento
Un poco più lento
Allegro molto vivace
Arrangement von Raymond Deane
Solovioline Gwendolyn Masin
Violine Alexina Barbe,
Priyanka Ravanelli, Léa Valentin
Viola Martin Moriarty
Violoncello Patrick Moriarty
Kontrabass Massimo Pinca
Cimbalom Miklós Lukács
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ORIGIN
Text Ariana Lombardi, Bearbeitung Jürgen Hartmann
ORIGIN: the place or point from which
anything first comes; the cause
Cambridge Dictionary
Auf ihrem Album ORIGIN, dem das heutige Konzertprogramm weitgehend
entspricht, versammelt Gwendolyn Masin die unterschiedlichen Kulturen,
Musikrichtungen und Traditionen, die ihr Leben und ihre musikalischen Talente geprägt haben. In einer langen Ahnenreihe von Musikern aus Zentralund Osteuropa stehend wurde sie in eine Welt voller Klang geboren. Seite an
Seite mit den Schülern ihrer Eltern – selbst Geiger und Gründer einer Schule
für begabte Streichinstrumentalisten – lernte sie schon sehr früh, die Geige
zu spielen. Bald wurde sie als Wunderkind gehandelt, trat in der ganzen Welt
auf und kam so mit der Musik und der Kunst zahlreicher Kulturen und Orte
in Berührung. Gwendolyns Reifeprozess vom Wunderkind zur professionellen Musikerin erfolgte auf synergistische Weise, indem sie ihr musikalisches
Erbe und ihren multikulturellen Hintergrund in die einem stetigem Wandel
unterworfene Welt der klassischen Musik und der traditionellen Volksmusik
einbrachte. Auf der Suche nach ihrer eigenen Identität liess sich Gwendolyn schliesslich von der Musik finden. Ihre heutige Positionsbestimmung als
Musikerin ist das Ergebnis ihres Erfahrungsreichtums, ihres unabhängigen
Geistes und eines sicheren künstlerischen Gefühls.
Es ist des Wohllauts mächtige Gottheit, die zum
geselligen Tanz ordnet den tobenden Sprung, die,
der Nemesis gleich, an des Rhythmus goldenem Zügel
lenkt die brausende Lust und die verwilderte zähmt.
Friedrich Schiller (1759–1805)
ORIGIN enthält Stücke aus den Ländern, in denen Gwendolyn ihre Wurzeln hat, aber auch so manche Begleiter ihrer Kindheit – die Lieder, die sie
als kleines Mädchen hörte und spielte, also jene Melodien, die untrennbar
mit ihrer Persönlichkeit verschmolzen sind. Das Programm zeigt auch die
enge Zusammenarbeit dieser zeitgenössischen Meisterin mit einigen der
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grössten Talente der nachfolgenden Generation – ihren Studenten. Die
Kompositionen und Improvisationen der Aufnahmen bilden die Grundlage
ihrer Bravourstücke und Encores, die sie im Laufe der Jahre an ihre Schüler
weitergegeben hat. Die Programme der internationalen Bühnen, auf denen Gwendolyn spielt, durchlaufen Veränderungen. Nicht zuletzt deshalb
wuchs in Gwendolyn das Bedürfnis, ihr Kernrepertoire aufzunehmen, damit ihre musikalischen Begleiter im Bewusstsein des Publikums lebendig
bleiben und ihre Stimme entfalten können. In den Arrangements von ORIGIN wurden die Stücke auf ihr Wesen reduziert. Das Spiel des Cimbalom,
das in vielen der Arrangements neu hinzugekommen ist, war Gwendolyn
immer schon vertraut. Sie geht davon aus, dass zahlreiche Komponisten
von diesem Instrument inspiriert waren, aber aus unterschiedlichen Motiven in ihren Heimatländern keine Musik dafür schrieben – etwa weil es
keine ausreichend virtuosen Musiker gab oder die Improvisation als die
ausschliesslich geeignete Spielweise für dieses Instrument galt.
Ich lobe den Tanz,
denn er befreit den Menschen
von der Schwere der Dinge,
bindet den Vereinzelten
zu Gemeinschaft.
Augustinus (354–430)
Die Verbindungslinien, die sich durch ORIGIN ziehen, sind zum einen das
virtuose Wesen der Stücke, zum anderen die Traditionen des Musizierens,
die diese Stücke inspiriert haben: die Tänze der Roma-Völker oder der
Spanier, jüdische Melodien oder Volksmusik aus Rumänien. Die Komponisten der Werke waren zutiefst von der Volksmusik anderer Kulturen beeindruckt und wollten diese in ihren Kompositionen würdigen. Gwendolyn bringt diese Werke von Neuem zum Leuchten, um sich ihrer eigenen
Geschichte und ihrer Traditionen zu vergewissern. Dabei wendet sie sich
ganz dem Augenblick zu, schafft neue Wurzeln und vor ihrem Auge steht
eine Weltmusik, die auch künftige Generationen ihr Eigen nennen werden.
Nur im Tanze weiß ich der höchsten Dinge
Gleichnis zu reden.
Friedrich Nietzsche (1844–1900)
13
Samstag, 6. Mai 2017, 20 Uhr
Klösterli Oberhofen
DAS JAGEN
DER MAGIE
Die Frutiger AG ist Royal Solisten Partner von Gwendolyn Masin
Bauen für morgen
Harmonische Baukompositionen in höchster Vollendung.
www.frutiger.com
14
Jörg Widmann (geb. 1973)
3. Streichquartett
«Jagdquartett» (2003)
Allegro vivace assai
Ariel Quartet
Ernest Bloch (1880–1959)
Violinsonate Nr. 2 «Poème mystique» für
Violine und Klavier
Andante moderato
Animato
Alexandra Kazovsky, Pascal Rogé
Violine
Gwendolyn Masin
Violoncello
István Várdai
Klavier
Pascal Rogé
Ariel Quartet
Violine: Gershon Gerchikov,
Alexandra Kazovsky
Viola: Jan Grüning
Violoncello: Amit Even-Tov
Claude Debussy (1862–1918)
aus Préludes I (L 117) für Klavier
Nr. 11 «La danse de Puck»
Nr. 10 «La cathédrale engloutie»
Nr. 4 «Les sons et les parfums tournent
dans l’air du soir»
Pascal Rogé
Edvard Grieg (1843–1907)
Andante con moto c-Moll EG 116 für
Klavier, Violine und Violoncello
Gwendolyn Masin, István Várdai, Pascal Rogé
P A U S E
Johannes Brahms (1833–1897)
Klavierquintett f-Moll op. 34
Allegro non troppo
Andante un poco Adagio
Scherzo. Allegro – Trio
Finale. Poco sostenuto – Allegro non troppo
Ariel Quartet, Pascal Rogé
15
DAS JAGEN DER MAGIE
Text Angela Beuerle
Over hill, over dale
Thorough bush, thorough brier,
Over park, over pale,
Thorough flood, thorough fire,
I do wander every where,
Swifter than the moones sphere.
So stellt sich die Fairy in Shakespeares «A Midsummernight’s Dream» vor;
voller Rätselhaftigkeit und Geschwindigkeit ist dieses Fabelwesen unterwegs
und verbindet sich so mit vielem, was uns zauberhaft und magisch erscheint:
Schwer ist es zu erhaschen, selbst wenn es manches Mal, «schneller als des
Mondes Sphäre», ganz von selbst zu uns kommt.
Widmanns 3. Streichquartett ist voller Geschwindigkeit – ein «grimmiges
Scherzo, dessen Jagdrhythmus zu Tode gehetzt wird», so der Komponist.
«Es ist eine Entwicklung von einem (Schumanns «Papillons» entliehenen)
‚gesunden’ punktierten Jagdthema hin zur Aufsplitterung und schließlich
Skelettierung des anfänglich positivistischen Jagdgestus. Gleichzeitig ändert
sich die Situation der vier Spieler: aus den auftrumpfenden Jägern werden
sukzessive Gejagte, Getriebene. Dass sich in einem weiteren (tödlichen) Perspektivwechsel die drei hohen Streicher gegen das Cello verschwören und
ihm die Schuld zuweisen, ist eine Analogie zu gesellschaftlichen Verhaltensmustern.» (Widmann) Die Spiegelkabinett-artig verwobenen Anspielungen
auf die Tradition der europäischen Kunstmusik sowie das Spiel mit den Rollen und Funktionen der vier Musiker – «Bogen prestiss. in die Luft schleudern; brüllen: Hai» lauten die Regieanweisungen der ersten vier Takte des
Quartetts – verbinden sich hier zu einer bedrohlichen, verwirrenden Magie
der Jagd.
Ganz anders Blochs «Poème mystique» aus dem Jahr 1924, von dem hier die
ersten beiden von insgesamt fünf Abschnitten zu hören sind. Angeblich inspiriert durch einem Traum Blochs unter Einfluss einer Schlafmittel-Überdosis, ist das Werk im Tonfall heiter und, dem Titel folgend, lyrisch. In seinen
schwebenden, von Quinten und Quarten dominierten Melodiebögen vereinen sich Motive jüdischer und christlich-gregorianischer Musik. Ein mystisches Gedicht über die Grenzen der Religionen hinweg, ein Traum voller
Zauber jenseits der Sphären des Mondes.
16
Im Prélude I, 11 für Klavier lässt Debussy den schalkhaften Kobolt Puck, «the
merry wanderer of the night», mit all seiner magischen Gewitztheit zu einem Tanz wiederaufstehen, hier genauso wenig greifbar wie schon in Shakespeares «A Midsummernight’s Dream». Im Prélude I, 10, der «versunkenen
Kathedrale» erzählt Debussy die bretonische Sage von der versunkenen Insel
Ys. Manchmal morgens, wenn der Nebel sich lichtet, soll im klaren Wasser
die Kathedrale von Ys sichtbar und ihre Glocken bis ans Ufer hörbar werden. Dann verschwindet sie wieder, bis am Ende nur noch wie ein schwaches
Echo im Pianissimo ihre Glocken zu hören sind. Der Titel von Prélude I, 4,
«Die Töne und Düfte drehen sich in der abendlichen Luft», ist ein Zitat aus
Baudelaires Gedicht «Harmonie du soir». Und auch die folgende Zeile von
Baudelaires suggestiver Abendbeschreibung – «Valse mélancolique et langoureux vertige! (melancholischer Walzer und sehnsuchtsvoller Schwindel!)»
– wird im zwischen Drei- und Fünfviertel-Takt taumelnden Rhythmus des
Stücks erfahrbar.
Griegs Fragment «Andante con moto», entstanden wohl um 1878, wurde erst
von Griegs Freund Julius Röntgen in Griegs Nachlass entdeckt: «Es ist ein
wunderschönes Stück und vollständig intakt. ... Welch eine Feierlichkeit es
ausdrückt! Wie er nicht genug von diesem einen einzigen Thema bekommen
kann, das schon in Dur seinen trauernden Charakter hat, und sich dann so
wundervoll zu seiner ganzen Kraft entwickelt», schrieb Röntgen, bezaubert
von seinem Fund, an Griegs Witwe.
Als «Jagen der Magie» hätte Brahms sein Komponieren selbst wohl nicht beschrieben. Betrachtet man jedoch sein oftmals schweres, von vielen Zweifeln
und Umwegen geprägtes Schaffen, gerade was seine kammermusikalischen
Werke angeht, scheint es etwas in der Art gewesen sein. Im gewaltigen Klavierquintett op. 34 hat diese «Jagd» ein Ziel gefunden. Die Geschichte dieses
Werks beginnt mit einem heute nicht mehr auffindbaren Streichquintett mit
zwei Celli von 1862. Seine engen Freunde und künstlerischen Wegbegleiter,
der Geiger Joseph Joachim und Clara Schumann, äusserten Kritik. Daraufhin arbeitete Brahms die Komposition um zu einer Sonate für zwei Klaviere (1862/63, op. 34b). «Das Werk ist so wundervoll großartig», schrieb Clara
Schumann Brahms dazu, «aber es ist keine Sonate, sondern ein Werk, dessen
Gedanken Du wie aus einem Füllhorn über das ganze Orchester ausstreuen könntest – müsstest. Eine Menge der schönsten Gedanken geht auf dem
Klavier verloren ... Mir ist nach dem Werk, als habe ich eine große tragische
Geschichte gelesen. Aber, bitte, lieber Johannes, folge nur diesmal, arbeite
das Werk nochmals um.» Tatsächlich folgte Brahms, das Ergebnis ist das
Klavierquintett, gewissermassen als systematische Synthese der beiden vorangehenden Versuche an dem Material mit Streichquartett auf der einen
und reinem Klavierklang auf der anderen Seite. Eingefangen darin der ganze
Zauber, die Magie des «Jagens», der Versuche und der Suche, die in der unendlichen Balance der Brahms’schen Klänge mündet.
17
Sonntag, 7. Mai 2017, 11 Uhr
Schloss Oberhofen
HEILIGER
DANKGESANG
Das Parkhotel Gunten ist das Künstlerhotel des Festivals
Ihre Instant Ferieninsel –
so nah und doch so fern
+41 (0)33 252 88 52
www.parkhotel-gunten.swiss
à la Carte Restaurant mit Mittagsmenü • See- und Gartenterrassen • Festsäle
für Gesellschaften bis 90 Personen • Seminarräumlichkeiten • Wellness im
Bootshaus mit direktem Seeeinstieg • Massage- und Beautyanwendungen
18
Maximilian Grossenbacher (geb. 1991)
Airreel
Gewidmet dem Ariel Quartet
Uraufführung (Auftragswerk des GAIA Musikfestivals)
Ariel Quartet
Marco Antonio Pérez-Ramirez (geb. 1964)
OLUM
Uraufführung (Auftragswerk des GAIA Musikfestivals)
Ariel Quartet
Ariel Quartet
Violine: Gershon Gerchikov,
Alexandra Kazovsky
Viola: Jan Grüning
Violoncello: Amit Even-Tov
Violoncello
István Várdai
Luigi Boccherini (1743–1805)
Streichquintett E-Dur op. 11 Nr. 5
Amoroso
Allegro e con spirito
Minuetto – Trio
Rondo – Andante
Ariel Quartet, István Várdai
P A U S E
Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Streichquartett Nr. 15 a-Moll op. 132
Assai sostenuto – Allegro
Allegro ma non tanto
Canzona di ringraziemento. Molto adagio
Alla Marcia, assai vivace
Allegro appassionato
Ariel Quartet
19
HEILIGER DANKGESANG
Text Angela Beuerle
Du meine Seele singe,
wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge
zu Dienst und Willen stehn ...
Paul Gerhardt
Der Titel des Stücks «Airreel» kombiniert den Namen des Quartetts
(«Ariel»), den luftigen Teil des Stücks mit vielen Flageoletts («air») und den
rasanten Teil des Stücks («Reel», ein schneller Volkstanz in Schottland) …
Das Thema der griechischen Göttin Gaia, diese erdige Bodenstämmigkeit, im
Kontrast zum schnellen Kommen und Gehen auf der Erde, wird durch die
leeren Saiten der Instrumente des Streichquartetts (C, G, D, A, E) repräsentiert und dient als Basis für das Stück. Darüber liegt eine Melodie, von zwei
verschiedenen Instrumenten gespielt – einem Gedankenfluss nicht unähnlich. Die Melodien rufen einander zu, angespannt und uneinig. Einem Unwetter gleich braut sich der Gedankenkonflikt zusammen, immer schneller
und mechanischer bis hin zum Höhepunkt, der sich kurz vor dem Schluss in
fast kompletter Stille auflöst. Ermüdet endet das Stück mit einem Nachhall
des Anfangsmotivs.
Maximilian Grossenbacher
OLUM ist einer der Geister des Volkes Selk’nam, Ona-Indianer aus Feuerland im Süden Chiles. Er besitzt die Macht, das Leben zurückzugeben.
Ein magischer Geist, eine erstaunliche Kraft, gekommen aus den Tiefen
der Erde, um seine Schuldigkeit zu tun, und verschwindend ohne dass
er von irgendjemandem gesehen wurde.
Wie alle meine anderen Kompositionen ist auch «OLUM» nicht aus
einem bereits existierenden geistigen Bild entstanden. Es ist entworfen
worden im Augenblick, ohne Vorgriff, ohne vorher festgelegte Form, in
der täglichen Praxis meines musikalischen Schreibens. Es ist eine Folge
von Zuständen, von denen jeder von dem kündet, was folgt und das enthält, was vorangeht.
Ein hartes, karges, heftiges Stück, aus dem Spannungen und Energien
hervorbrechen. Es ist eigentlich unmöglich zu beschreiben.
Marco Antonio Pérez-Ramirez
20
«Ich weiss gut,» schrieb Luigi Boccherini 1799, «dass die Musik dazu gemacht ist, um zum Herzen des Menschen zu sprechen, und das versuche
ich zu erreichen, wenn ich es kann.» Dass ihm das gelang, davon zeugt die
Beliebtheit und die Bekanntheit, die sein Wirken unter seinen Zeitgenossen
in ganz Europa hatte – während heute das Minuetto aus dem hier zu hörenden Streichquintett beinahe schon als musikalische Chiffre für Stimmung
und Atmosphäre des vorrevolutionären 18. Jahrhunderts dient. Neben vielen
anderen kammermusikalischen Werken komponierte Boccherini über 100
Streichquintette, die er, selbst Cellist, meist nicht mit zwei Bratschen, sondern mit zwei Celli besetzte. Indem auf diese Weise hohe und tiefe Streicher
als Gruppen agieren können, erweitert sich der Quintettklang subtil in Richtung des Kammerorchestralen. Der von Goethe 1829 so trefflich beschriebene
Gesprächscharakter des Streichquartetts – «man hört vier vernünftige Leute
sich untereinander unterhalten, glaubt ihren Discursen etwas abzugewinnen
und die Eigenthümlichkeiten der Instrumente kennen zu lernen» – kommt in
dieser Formation beinahe noch stärker zum Tragen. Auch im E-Dur Streichquintett stellt sich dieser Eindruck bereits im «Amoroso», einem lieblichverhaltenen, untypischen ersten Satz ein. Wir meinen, einem con sordini
gedämpften Gespräch beizuwohnen, das im zweiten Satz lebhafter wird, woraufhin sich auch das berühmte Minuetto wieder neu hören lässt.
Knapp 50 Jahre später, 1825, entstand Beethovens Streichquartett a-Moll
op. 132. Und gleich bei den ersten Tönen hören wir: Der Gesprächscharakter hat sich geändert, wir befinden uns in einer anderen Zeit und Welt. Das
Quartett gehört zu den Werken aus Beethovens letzter Schaffensperiode, in
der er, berühmt und gänzlich ertaubt, Publikumsgeschmack und kommode
Spielbarkeit hintanstellte und nur mehr für sein inneres Ohr komponierte.
Seinen Zeitgenossen galt er damit als ehrfurchtgebietender Neutöner, dessen Kompositionen häufig mit Befremden aufgenommen wurden. Auch die
in der Wiener Klassik geprägten Formen des Streichquartetts verlieren bei
Beethovens späten Werken ihre Verbindlichkeit, was rein äusserlich daran zu
erkennen ist, dass dieses Quartett fünf statt üblicherweise vier Sätze zählt.
Auf diese Weise entsteht eine bogenförmige Architektur, deren Mittelpunkt
der dritte Satz ist, beschrieben als «heiliger Dankgesang eines Genesenen
an die Gottheit. In der lydischen Tonart». «Neue Kraft fühlend» und «mit
innigster Empfindung» sind weitere Teile des Satzes überschrieben. In der
Zeit der Komposition an diesem Quartett durchlitt Beethoven eine schwere
Krankheit. Und während er seinem Arzt seine Genesung noch halb scherzhaft mit dem selbstgedichteten Kanon: «Doktor sperrt das Thor dem Todt,
Note hilft auch aus der Not», dankte, sprechen in der Musik dieses langen,
langsamen Satzes Töne, die in ihrer schlichten, auf einer choralartigen Melodie fussenden Emotionalität Leiden und Erleichterung, ja Dankbarkeit, in
anrührender und ehrfurchtsgebietender Unmittelbarkeit ausdrücken.
Musik, die aus der Seele singt und zum Herzen spricht – lassen wir ihr das
Wort.
21
Sonntag, 7. Mai 2017, 17 Uhr
Klösterli Oberhofen
VON GEISTERN
UND ANDEREN
P H A N TA S T W E S E N
Macht die Schweiz nur
noch saubere Geschäfte?
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Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Klaviertrio D-Dur op. 70 Nr. 1
(«Geistertrio»)
Allegro vivace e con brio
Largo assai ed espressivo
Presto
Gershon Gerchikov, István Várdai, Pascal Rogé
Franz Liszt (1811–1886)
Liebestraum für Violoncello und Klavier
Violine
Gershon Gerchikov,
Gwendolyn Masin
Violoncello
István Várdai
Klavier
Pascal Rogé
Transkription von «Liebesträume – Drei Notturnos»
Searle 541
István Várdai, Pascal Rogé
Claude Debussy (1862–1918)
aus Préludes II (L 123) für Klavier
Nr. 4 «Les Fées sont d’exquises danseuses»
Nr. 8 «Ondine»
Nr. 7 «La terrasse des audiences du clair
de lune»
Pascal Rogé
P A U S E
César Franck (1822–1890)
Klaviertrio fis-Moll Nr. 1 op. 1
für Klavier, Violine und Violoncello
Andante con moto
Allegro molto
Finale. Allegro maestoso
Gwendolyn Masin, István Várdai, Pascal Rogé
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VON GEISTERN UND
A N D E R E N P H A N TA S T W E S E N
Text Jürgen Hartmann
In den Flammen glitzern und spielen die
wunderlichen Salamander, in der Erden tief
hausen die dürren, tückischen Gnomen,
durch die Wälder streifen die Waldleute,
die der Luft angehören, und in den Seen und
Strömen und Bächen lebt der Wassergeister
ausgebreitetes Volk.
So erklärt die Titelheldin der Erzählung «Undine» (1811) von Friedrich de la
Motte Fouqué ihrem Verehrer und späteren Gatten, dass mehr existiert als
das unmittelbar Sichtbare. Und die rätselhafte junge Frau setzt ein wichtiges
Detail hinzu: Dies alles seien Wesen, «die fast aussehen wie ihr» – gemeint
sind wir, die Menschen. Dieses «fast» kennzeichnet die Faszination, die solche «Phantastwesen» ausüben.
Streift man durch die Wälder der Musik, findet man ebenfalls zahlreiche
«Phantastwesen», seien sie angeregt durch literarische Werke, Situationen
oder Geschichten, gipfelnd in der oftmals als nicht ganz «astrein» empfundenen Sparte der Programmmusik. In diesem Konzertprogramm findet sich
letztere nicht, und auch die «Geister» in Ludwig van Beethovens 1808 komponiertem D-Dur-Klaviertrio sind unter Fachleuten umstritten. Der Beiname
des Werks geht auf den Beethoven-Schüler Carl Czerny zurück, der über den
langsamen Mittelsatz schrieb: «Der Charakter dieses, sehr langsam vorzutragenden Largo ist geisterhaft schauerlich, gleich einer Erscheinung aus der
Unterwelt.» Ausserdem fand man bei den Skizzen zu diesem Largo solche zu
Beethovens Opernprojekt nach Shakespeares «Macbeth».
Der zu Lebzeiten berühmte, heute skeptisch betrachtete Beethoven-Deuter
Arnold Schering (1877–1941) war ohnehin der Meinung, Musik sei grundsätzlich von Literatur beeinflusst, und wurde dafür später durch seinen jüngeren Kollegen Walter Abendroth des «Verbrechens an Beethoven» bezichtigt. Zwei Akademikergenerationen später war es Stefan Kunze, der zu der
versöhnlichen Formel fand, es sei zwar wissenswert, wovon ein Komponist
angeregt worden sei, gerade im Falle Beethovens sei aber «kein Rest von Abbildlichkeit» geblieben.
24
Wie dem auch sei – jedem Hörer ist es freigestellt, sich von der Musik (s)ein
Bild zu machen. Der freskenhafte Eröffnungssatz mit seinem träumerischen
Exkurs, der von Beethoven mühevoll erkämpfte Mittelsatz mit seiner verschatteten Melancholie und das überraschend verspielte Finale – «phantastisch» sind sie auf jeden Fall.
Wie um den ungeliebten Schering doch zu bestätigen, sind die hier auf Beethoven folgenden Werke tatsächlich von der Literatur inspiriert. Liszts drei
Nocturnes namens «Liebesträume» erschienen 1850 auf der Grundlage von
drei Liedern nach Texten von Uhland und Freiligrath. Von den drei Stücken
für Klavier solo, die in zahlreichen Arrangements vorliegen, ist das dritte am
bekanntesten. Liedhaft gebaut und sehr expressiv, paraphrasiert es Freiligraths Gedicht «O lieb, so lang du lieben kannst», das von der Endlichkeit des
Lebens handelt und Leser (oder Hörer) dazu aufruft, den Augenblick zu nutzen: «Und sorge, daß dein Herze glüht / Und Liebe hegt und Liebe trägt, /
Solang ihm noch ein ander Herz / In Liebe warm entgegenschlägt!»
Claude Debussys Préludes in zwei Bänden zu je zwölf Stücken orientieren
sich als Gesamtwerk an den entsprechenden Zyklen von Bach und Chopin.
Von ganz unterschiedlichen Kunstwerken, Vorgängen und Eindrücken inspiriert, sind sie keine fest gefügte Folge, und schon Debussy selbst hat die
1911/12 komponierten Préludes auch einzeln gespielt. Die Titel sind eher
Spiegel der jeweiligen Inspiration und kein «Programm». Dennoch ist es, wie
im Fall Beethoven bereits zitiert, wissenswert, dass «Les fées sont d‘exquises
danseuses» nach einem Stich von Rackham zu «Peter Pan at Kensington Gardens» (1906) von J. M. Barrie entstand und «Ondine» – natürlich! – nach einer
Illustration desselben Künstlers zu de la Motte Fouqués berühmter Erzählung. «La terrasse des audiences du clair de lune» ist noch um einiges exotischer: Entweder ein Zeitungsbericht oder ein Buch über königliche Audienzen im Mondschein, auf einer Terrasse eines Palastes im alten Indien, soll
Debussy hier inspiriert haben.
Der junge César Franck hatte wahrscheinlich ein «Phantastwesen» namens
Beethoven im Sinn, als er 1843, gerade einmal zwanzig Jahre alt, drei Klaviertrios als offizielles op. 1 vorlegte. Der noch immer unterschätzte Belgier,
der nicht nur als Lehrer, sondern auch als Komponist ein Meister war, ist für
unsere GAIA-Musiker eine besondere Herausforderung: Alle drei Beteiligten spielen das Werk zum ersten Mal. Franck bewies insbesondere mit dem
ersten Klaviertrio – mit Beethoven quasi vor Augen – erhebliches Selbstbewusstsein. Das spricht dafür, dass Franck dem grossen Vorbild nicht in allem
folgsam war, hatte Beethoven doch 1812 an eine junge Pianistin geschrieben:
«Der wahre Künstler hat keinen Stolz; leider sieht er, daß die Kunst keine
Gränzen hat, er fühlt dunkel, wie weit er vom Ziele entfernt ist und indeß
er vielleicht von Andern bewundert wird, trauert er, noch nicht dahin gekommen zu sein, wohin ihm der bessere Genius nur wie eine ferne Sonne
vorleuchtet.»
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P O R T R ÄT S
Künstlerinnen und Künstler
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ARIEL QUARTET
CRISTINA BARBUTI
Klavier
Durch sein lebhaftes, brillantes Spiel und
seine tiefgründigen Interpretationen hat
sich das Ariel Quartet rasch international
etabliert. In Israel vor fast zwanzig Jahren
gegründet, erhielt das Ensemble kürzlich den
prestigeträchtigen Cleveland Quartet Award.
Ariel ist Quartet-in-Residence des CollegeConservatory of Music der Universität von
Cincinnati; hier leiten die vier Musiker das
Kammermusikprogramm und geben eine
eigene Konzertreihe. In der Saison 2016/17
spielt das Ariel Quartet einen kompletten
Beethovenzyklus in Berlin und Napa Valley,
Kalifornien. Zu den Höhepunkten der letzten
Zeit zählten ein ausverkauftes Debut in der
Carnegie Hall, ein bahnbrechender Beethovenzyklus im Konzertsaal «SubCulture»
in Manhattan sowie Auftritte im Kennedy
Center in Washington und den wichtigsten U.S. Metropolen. Das Ariel Quartet tritt
regelmässig in Israel, Europa, sowie Süd- und
Nordamerika auf, hat bisher vier Beethovenzyklen gespielt und mit Musikern wie Alisa
Weilerstein, Daniil Trifonov und Menahem
Pressler konzertiert. Zu den Mentoren des
mehrfach preisgekrönten Ariel Quartets zählen Itzhak Perlman, Paul Katz sowie Walter
Levin.
Cristina Barbuti begann ihr Klavierstudium
in Pisa mit Giampiero Semeraro und schloss
es bei Mario Conter in Brescia mit Auszeichnung ab. Zusätzlich studierte sie Philosophie
und Pädagogik in Florenz. Seit ihrer Kindheit
hat sie zahlreiche Klavierwettbewerbe gewonnen. Kammermusik studierte Cristina
in Brüssel, Jerusalem und Prag. Nach ihrem
Studium unterrichtete sie von 1988 bis 1991
an der University of California in Los Angeles. Cristina trat in Italien, Deutschland,
Belgien und den USA auf. 2002 gründete sie
mit ihrem Ehemann Alexander Lonquich ein
Klavierduo. Die beiden Musiker konzertierten
bei Kammermusikfestivals in Italien, Österreich, der Schweiz, Deutschland, Norwegen
und den USA. Cristina interessiert sich sehr
für die Interaktion von Theater, Musik, Literatur und Philosophie. Sie organisiert Treffen und Musiktheaterprojekte in Italien,
Deutschland und Österreich. 2013 schuf sie
gemeinsam mit Alexander in ihrem Haus in
Florenz das «Kantoratelier», einen kleinen
Theater- und Aufführungsraum. Hier organisieren die beiden Musiker Seminare und
Konzerte, die sich mit ihren hauptsächlichen
Anliegen auf den Gebieten von Psychologie,
Musik und Theater beschäftigen.
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28
PAVEL BIALIAYEU
Perkussion
ALEXANDER LONQUICH
Klavier
Pavel Bialiayeu (Jahrgang 1977) wurde in der
weissrussischen Hauptstadt Minsk geboren.
Bereits im Alter von sieben Jahren begann
er Schlagzeug zu lernen. Pavel studierte an
der Musikakademie in Minsk und setzte sein
Studium später an der Hochschule für Musik
Köln (Abt. Wuppertal) fort. Im Jahr 2002 wurde er Preisträger des Barmenia-VersicherungsWettbewerbs. Pavel ist freischaffender Musiker, der eng mit dem Musiktheater im Revier
Gelsenkirchen (u.a. Kinderoper-Produktionen
«Hänsel und Gretel», «Das Gespenst von Canterville», «Konrad», «König Hamed») und dem
weltberühmten Kammermusikorchester «Kremerata Baltica» unter der Leitung von Gidon
Kremer arbeitet. Pavel spielt gerne Solo- und
Kammermusik in verschiedenen Formationen.
Alexander Lonquich ist in Trier geboren und
begann seine Laufbahn 16-jährig als erster
Preisträger des Klavierwettbewerbes «Casagrande» in Terni. Er ist regelmässiger Gast
bei internationalen Festivals wie den Salzburger Festspielen, Klavier-Festival Ruhr,
Lucerne Festival, Kissinger Sommer, Schubertiade Schwarzenberg, Kammermusikfest
Lockenhaus und Beethovenfest Bonn. Als
Solist spielte Alexander u.a. mit den Wiener
Philharmonikern, Royal Philharmonic Orchestra, Tonhalle-Orchester Zürich, hr-Sinfonieorchester Frankfurt unter Dirigenten wie
Abbado, Herreweghe, Holliger und Végh. Als
Solist und Dirigent musiziert er mit Orchestern wie der Camerata Salzburg, Orchestre des
Champs-Elysées, Mahler Chamber Orchestra,
Kammerorchester Basel und Orchestra da
Camera di Mantova. Als begeisterter Kammermusiker ist er Partner von Nicolas Altstaedt,
Joshua Bell, Leonidas Kavakos und dem
Artemis Quartett. Seinen Einspielungen für
EMI erhielten begeisterte Kritiken. Seit 2001
arbeitet er mit ECM zusammen. Höhepunkte
der Saison 2015/16 waren seine «Residence»
beim NDR Elbphilharmonie Orchester und
ein Beethoven-Zyklus mit dem Münchener
Kammerorchester. 2016/17 ist Alexander Artist
in Residence beim Festival Prager Frühling.
MIKLÓS LUKÁCS
Cimbalom
DAS ORIGIN-ENSEMBLE
Miklós Lukács ist einer der bekanntesten und
vielseitigsten Cimbalom-Spieler unserer Zeit.
Sein unverwechselbarer Stil hat seine Wurzeln in der Musik Ungarns und des Balkans,
ist inspiriert von zeitgenössischer klassischer
Musik und nicht zuletzt vom Jazz. So spielte
er mit weltberühmten Jazz-Musikern wie u.a.
Charles Lloyd, Archie Shepp, Chris Potter, Steve Coleman, Uri Caine. Er brachte es in diesem Genre zu internationaler Anerkennung
und fand zudem in der Szene der zeitgenössischen klassischen Musik einen Platz. So war
er bereits in Covent Garden, der Royal Albert
Hall, dem Barbican Center, der Carnegie Hall,
dem Concertgebouw Amsterdam, der Casa da
Música, dem Mozarteum Salzburg sowie den
Opernhäusern in Lyon und Bordeaux ein gern
gesehener Gast. Neben seiner Mitwirkung in
verschiedenen ungarischen Ensembles gründete er 2006 das Lukács Miklós Quintet und
das Lukács Miklós Trio-Cimbiózis. Zahlreiche
ungarische Auszeichnungen wie der Musik
und Kompositionspreis des Artisjus-Award
(2000 und 2009), der Preis der Ungarischen
Künste (2011) und der Aegon Kunst Preis (2011)
bezeugen sein Können.
Léa Valentin, Violine, wechselte nach Abschluss
ihres Studiums an der CRR in Paris mit dem
«Prix à l’unanimité» an die Musikhochschule
Genf zu Robert Zimansky. Seit 2013 studiert sie
im Master-Studium in der Klasse von Gwendolyn Masin. – Priyanka Ravanelli, Violine, studiert zurzeit an der Musikhochschule Genf bei
Gwendolyn Masin. Sie besuchte Meisterkurse bei
Ingolf Turban, dem Quartetto Prometeo, Rafael
Rosenfeld und Benzion Shamir. Als Mitglied von
«La Piccola Orchestra Lumière» spielte sie eine
CD mit Giovanni Sollima ein. – Alexina Barbe,
Violine, studierte an der Musikhochschule Genf
bei Robert Zimansky und seit 2013 bei Gwendolyn Masin. Zurzeit studiert sie im Masterstudiengang Interprétation musicale. Alexina hat eine
reiche Lehrtätigkeit und tritt regelmässig mit
Ensembles in der ganzen Schweiz auf. – Martin
Moriarty, Viola, studiert zurzeit am Conservatorium van Amsterdam bei Nobuko Imai
und Marjolein Dispa. Als früherer Schüler von
Maria Kelemen und Ronald Masin ist Martin
bei europäischen Festivals aufgetreten und hat
mit namhaften Künstlern konzertiert. – Patrick
Moriarty, Violoncello, studiert zurzeit an der
Guildhall School of Music and Drama in London
bei Louise Hopkins. Als früherer Schüler von Maria Kelemen, Ronald Masin und Martin Johnson
ist Patrick bei europäischen Festivals aufgetreten
und hat mit namhaften Künstlern konzertiert.
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Die Frutiger AG ist Royal Solisten Partner
von Gwendolyn Masin
GWENDOLYN MASIN
Violine, Gründerin
und künstlerische Leiterin
Die Virtuosität der als «Naturbegabung mit
einer Autorität, um die sie die meisten Violinisten beneiden müssten» («The Irish Times»)
beschriebenen Geigerin ist kein Zufall: Gwendolyn entstammt einer traditionsreichen Musikerfamilie aus Mittel- und Osteuropa. Im
Alter von fünf Jahren gab sie ihr Debüt an der
Franz-Liszt-Akademie in Budapest. Seitdem
erhielt sie bei ihren zahlreichen Auftritten als
Konzertviolinistin mit hochkarätigen Orchestern, bei Konzertvorträgen und als Solistin viel
Beifall – und bei jedem Auftritt ist ihre Liebe
zur Bühne förmlich greifbar: «Gwendolyn IS
music», hiess es folgerichtig in «The Independent». Kammermusik gehört zu ihren
frühesten musikalischen Erfahrungen, und
wann immer es ihr möglich ist, kehrt sie zu
dieser zurück. «Sie umgeht die Fallstricke des
Wunderkind- Status», schrieb «The Sunday
Business Post», und sie war bereits in jungen
Jahren regelmässig in Fernseh- und Radiosendungen zu Gast. Ihre Auftritte als Solistin mit
bekannten Orchestern sowie als Kammermusikerin in Europa, Russland, Südafrika und
im Mittleren Osten wurden von den Kritikern
gelobt. Gwendolyn schloss ihre Studien an
den Royal Schools of Music in London, an der
Hochschule der Künste in Bern sowie an der
Musikhochschule in Lübeck mit Auszeichnung
30
ab. Zu ihren Lehrern gehörten Herman Krebbers, Igor Ozim, Ana Chumachenco, Zakhar
Bron und Shmuel Ashkenasi. Gwendolyn wird
nicht nur als Solistin und Kammermusikerin
geschätzt – sie komponiert und transkribiert
auch und berät andere Komponisten. Die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstlern nimmt einen grossen Anteil ihrer Arbeit
ein. Im Bestreben, Musik leichter zugänglich
zu machen, beauftragt Gwendolyn Künstler,
arbeitet eng mit diesen zusammen und führt
deren Musik auf oder integriert deren Kunst
in ihre Interpretationen. Die Forschung und
Anwendung im Bereich der Musikmethodik
sind untrennbarer Bestandteil von Gwendolyns Schaffen. Ihre Promotionsarbeit am Trinity College untersucht die Gemeinsamkeiten
und Unterschiede der Violinpädagogik des 20.
Jahrhunderts. 2009 wurde das preisgekrönte
Werk «Michaela’s Music House, The Magic of
the Violin» bei Müller & Schade veröffentlicht.
Das von Gwendolyn verfasste Buch ist eine
Violinschule für Anfänger. Es wird 2017 ins
Deutsche übersetzt und enthält persönliche
Übungen und Kompositionen der Autorin.
Gwendolyn erteilt derzeit Violin- und Kammermusik-Meisterkurse an Instituten und bei
Festivals in Europa und Nordamerika und gibt
dort auch Gesprächskonzerte. Seit September
2013 ist sie Professorin für Violine an der Musikhochschule Genf.
2017 ist ein bedeutsames Jahr für die vielseitige Musikerin. Auf die Veröffentlichung von
Eugène Ysaÿes d-Moll-Violinsonate (op. 27 Nr.
3 »Ballade») und dem Album »ORIGIN» beim
Label Naxos folgt in den kommenden Monaten ihr neues Album bei Orchid Classics, das
Werke für Violine und Klavier enthält.
MASSIMO PINCA
Kontrabass
ANDREI PUSHKAREV
Perkussion
Massimo Pinca wurde 1978 in Neapel geboren
und wuchs im süditalienischen Lecce auf. Er
begann seine Karriere als Zwölfjähriger autodidaktisch als E-Bass-Spieler, studierte später
Kontrabass am örtlichen Konservatorium und
schloss gleichzeitig ein Master-Jurastudium
an der Universität Lecce ab. Im Anschluss
wurde er Schüler von Alberto Bocini und erhielt ein Kontrabass-Diplom am staatlichen
Konservatorium Florenz sowie zwei MasterAbschlüsse (Instrument und Pädagogik) an
der Musikhochschule Genf. Sein Spektrum
als Instrumentalist umfasst Barockmusik auf
alten Instrumenten ebenso wie zeitgenössische Musik, darüber hinaus Weltmusik, Rock,
Jazz und freie Improvisation. In den letzten
fünfzehn Jahren hat er um die 40, stilistisch
unterschiedliche Aufnahmen eingespielt und
ist weltweit in den verschiedensten Aufführungsstätten – vom kleinen Jazzclub bis zu
den grossen Konzertsälen in Berlin, New York,
Moskau und Peking – aufgetreten. Massimo
ist Kontrabasslehrer am Genfer Conservatoire
populaire de musique, danse et théâtre, erster Bassist der Geneva Camerata und Mitglied
des Fanfareduloup Orchestra, einem Kollektiv
von Komponisten und Improvisatoren. Daneben leitet er seine eigene Gruppe, das Tarka
Ensemble, mit dem er eigene Kompositionen
aufführt.
Seine musikalische Ausbildung begann Andrei
Pushkarev als Fünfjähriger am Klavier, mit 14
Jahren konzentrierte er sich auf Schlaginstrumente. Als Student der Nationalen Musikakademie der Ukraine setzte er seine professionelle Ausbildung fort. 1999 wurde Andrei
Mitglied des Kammerorchesters Kremerata
Baltica. In den folgenden Jahren war Andrei
häufig als Solo-Vibraphonist beim Kammermusikfest Lockenhaus zu hören. Sein Projekt
«Bach Vibrations» brachte er bei Gidon Kremers Festival »Les Musiques» und dem Verbier
Music Festival zur Aufführung. Andrei trat mit
vielen bekannten Musiker auf, darunter Gidon
Kremer, Yo Yo Ma, Martha Argerich, Vadim Repin, Julian Rachlin, Gabriela Montero, Didier
Lockwood, Maxim Rysanow, Peter Sadlo, und
arbeitete mit Dirigenten wie Yury Temirkanov,
Voldemar Nelsson, Roman Kofman. 2004 erhielt Andrei den Preis für Solo-Vibraphon der
«Pro Europe»-Stiftung. Seit 2009 hält er regelmässig Meisterklassen rund um die Welt. Er ist
Juror in zahlreichen internationalen Schlagzeugwettbewerben. Neben eigenen Werken
komponiert Andrei viele Arrangements für
Orchester und verschiedene kammermusikalische Formationen für namhafte Instrumentalisten. Seine Aufnahmen als Solo-Paukist und
Vibraphonist erhielten viele Preise.
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32
PASCAL ROGÉ
Klavier
CHRISTOFFER SUNDQVIST
Klarinette
Pascal Rogé verkörpert beste französische Klavierkunst. Seine Interpretationen der Werke
von Poulenc, Satie, Fauré, Saint-Saëns und
insbesondere Ravel sind geprägt durch Eleganz, Schönheit und perfekte Phrasierung.
Geboren in Paris, wurde Pascal als 17-jähriger
Exklusivkünstler von Decca. Er erhielt zahlreiche wichtige Preise. Vor einigen Jahren begann
er für Onyx eine neue Aufnahmeserie, die Rogé
Edition. Mit dem Radio-Symphonieorchester
Wien unter Bertrand de Billy nahm er kürzlich zwei CDs mit Klavierkonzerten von Ravel
und Gershwin auf. Pascal ist in nahezu jedem
wichtigen Konzertsaal und mit den führenden
Orchestern der Welt aufgetreten. Zu den Dirigenten, mit denen er gearbeitet hat, zählen
Lorin Maazel, Michael Tilson Thomas, Mariss
Jansons, Charles Dutoit, Kurt Masur, Edo de
Waart, Alan Gilbert, David Zinman, Marek
Janowski, Sir Andrew Davis und Raymond
Leppard. In der letzten Zeit hat er auch Recitals mit seiner Partnerin, der Pianistin Ami
Rogé gespielt. 2011 spielten sie die Uraufführung eines neuen Auftragswerks von Matthew
Hindson mit dem Sydney Symphony Orchestra
unter Vladimir Ashkenazy. Pascal widmet sich
auch der Lehrtätigkeit, gibt Meisterklassen in
zahlreichen Ländern und ist Jury-Vorsitzender
des Genfer Klavierwettbewerbs.
Christoffer Sundqvist ist seit 2005 Solo-Klarinettist des Finnischen Radio-Symphonieorchesters. Er legte sein Diplom 2002 bei
Anna-Maija Korsimaa an der Sibelius-Akademie
in Helsinki ab und war Gewinner des renommierten Crusell Klarinettenwettbewerbs 2002
und des Juvenalia Kammermusikwettbewerbs
in Espoo. Als Solist tritt er mit fast allen finnischen Orchestern sowie im Ausland u.a. mit
dem BBC Symphony Orchestra, den Göteborger Sinfonikern, dem Sinfonieorchester Basel
und der Nordwestdeutschen Philharmonie
auf und hat mit Dirigenten wie Jukka-Pekka
Saraste, John Storgårds, Okko Kamu, KarlHeinz Steffens und Hannu Lintu gearbeitet.
Im Bereich der Kammermusik ist Christoffer in
mehreren Ensembles sowie als Partner u.a. von
Angela Hewitt aktiv. Daneben ist er ständiger
Partner von Sebastian Fagerlund, mit dem er
gemeinsam das RUSK Kammermusikfestival
in Jakobstad leitet. Christoffers Diskographie
umfasst u.a. die Klarinettenkonzerte von Fagerlund, Sallinen, Eötvös und Nielsen. Seine
Aufnahmen erhielten internationale Anerkennung und wurden u.a. mit dem EMMA-Preis
ausgezeichnet. Christoffer lehrt Klarinette an
der Sibelius-Akademie und gibt regelmässig
Meisterkurse.
JANNE THOMSEN
Flöte
ISTVÁN VÁRDAI
Violoncello
Die dänische Flötistin Janne Thomsen hat
sich weltweit einen Ruf als erfolgreiche Solistin erarbeitet. Sie begann mit vier ihren
Instrumentalunterricht und vervollständigte
ihr Können an der Royal Academy of Music
in London und dem Conservatoire de Paris.
Janne ist Preisträgerin bedeutender internationaler Wettbewerbe. Als Solistin gastiert sie bei
Orchestern und Ensembles wie dem English
Chamber Orchestra, der Tschechischen Philharmonie, der Kremerata Baltica, der Camerata Salzburg, dem Wiener Kammerorchester
und den Moskauer Solisten. Sie musiziert mit
Künstlern wie Maxim Vengerov, Gidon Kremer,
Janine Jansen, Pierre Laurent Aimard, Yuri
Bashmet, Joshua Bell, Jana Bouskova, Steven
Isserlis und Mischa Maisky. Janne arbeit mit
führenden Komponisten unserer Zeit wie Sofia Gubaidulina, Wolfgang Rihm, Hans Werner
Henze, Giya Kancheli, Peteris Vasks und Michael Berkeley zusammen. Von 2004 bis 2007
unterrichtete sie am Mozarteum in Salzburg
und anschliessend von 2008 bis 2010 an der
Hochschule für Musik in Luzern. 2005 hat
Janne das internationale Festival «Klassiske
Dage» im dänischen Holstebro gegründet, das
mit viel Erfolg jährlich stattfindet.
Der 30-jährige ungarische Cellist István Várdai
gewann 2014 den ARD-Wettbewerb in München. Zuvor hatte er bereits mehrere wichtige Preise erhalten. Seit seinem Debütkonzert
1997 in Den Haag ist er – in Zusammenarbeit
mit weltberühmten Musikern und Orchestern
– international aufgetreten. Er wurde zum
Santander Festival, dem Pablo Casals Festival,
Festival de Radio France, Schleswig-Holstein
Musikfestival, Verbier Festival und dem Budapest Spring Festival eingeladen. 2010 gab er u. a.
sein Debüt in der Carnegie Hall und im Wiener
Konzerthaus und musizierte gemeinsam mit
Gidon Kremer, András Schiff und Yuri Bashmet. Ab 2004 studierte István an der FranzLiszt-Akademie in Budapest, ab 2005 an der
Musikhochschule Wien. Von 2010 bis 2013 setzte er seine Studien an der Kronberg Academy
fort, zu deren Lehrpersonal er seitdem gehört.
Seine erste CD mit Musik von Janáček, Prokofjew und dem Cellokonzert von Elgar erschien
2009; es folgten weitere Aufnahmen mit Werken von Vanhal, Mendelssohn, Beethoven und
Tschaikowsky. Gemeinsam mit Kristóf Baráti ist
István künstlerischer Leiter des führenden ungarischen Kammermusikfestivals «Kaposfest».
Seit einigen Monaten spielt er als unbegrenzte
Leihgabe das Du Pré-Harrell-Stradivari-Cello.
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ELEMENTE
Das Forum für Gönner und Freunde
mit zahlreichen Vorteilen
LIEBE ZUHÖRERINNEN, LIEBE ZUHÖRER!
GAIA HEISST MUSIK ERLEBEN –
GAIA FEIERT DAS PURE LEBEN
Möchten Sie Ihre Begeisterung, Ihre Erlebnisse oder Ihre Verbundenheit mit
GAIA teilen? Sie haben die Möglichkeit
dazu: Werden Sie eine Gönnerin oder
ein Gönner von GAIA. Sie lassen GAIA
auf diese Weise weiter aufblühen – ein
Festival, bei dem Freude und Spannung
in der Musik nicht nur gehört, sondern
erlebt werden und dessen inspirierende Konzerte das Publikum noch lange
weiter bewegen, nachdem der Schlussakkord verklungen ist.
Als Gönnerin oder Gönner reservieren
wir Ihnen in allen Konzertlokalitäten
Ihre bevorzugten Plätze vor dem Vorverkaufsbeginn.
Sie haben verschiedene Möglichkeiten:
WASSER
Einzelperson CHF 200.–
– 2 Konzertkarten inkl. Prosecco in der Pause
und Schlummertrunk mit den Künstlern
FEUER
Paar CHF 400.–
– 4 Konzertkarten inkl. Prosecco in der Pause
und Schlummertrunk mit den Künstlern
LUFT
CHF 800.–
– 8 Konzertkarten inkl. Prosecco in der Pause
und Schlummertrunk mit den Künstlern
– Eintrag Ihres Namens auf der Gönnerliste
ERDE
Wir freuen uns über eine E-Mail oder
einen Anruf, damit wir Ihnen unverbindlich die Details zuschicken können.
[email protected]
T 079 408 37 61
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CHF 1 400.–
– 4 VIP-Packages im Wert von CHF 280.–
pro Person. Seerundfahrt inkl. Apéro Riche
– 4 Konzertkarten inkl. Prosecco in der Pause
und Schlummertrunk mit den Künstlern
– Eintrag Ihres Namens auf der Gönnerliste
DAS IST GAIA
M U S I K F E S T I VA L O B E R H O F E N
Impressum
LEITUNG
KOMITEE
PROGRAMMHEFT
Gründerin &
künstlerische Leitung
Gwendolyn Masin
Logistik /
Stage Management
Claudio Allemann
Präsident
Christoph Ott
Stage Management
Aya Yoshigoe
Texte und Redaktion
Angela Beuerle
Jürgen Hartmann
(Originalbeiträge,
© bei den Autoren)
Direktorin
Jacqueline Keller
Ticketing
Claudia Tizzoni
Transporte
Andreas Kehrli
Personal / Helferinnen
und Helfer
Jean Marc Gillieron
Gönner und Freunde
Beatrice Frey
Catering
Hand und Fuss,
Beat Habegger
Filmteam
Miklòs Vàli
Fotograf
Reto Andreoli
Ton
15 PROD.CH
Gestaltung
Neidhart Grafik
Hubert Neidhart
Druck
Jost Druck AG
Hünibach
Aktuelle Informationen,
Aufnahmen, Filme,
Fotos und vieles mehr
finden Sie auf
www.gaia-festival.com
HERZLICHEN
DANK
an alle Ehrenamtlichen
und Mitwirkenden,
die das Festival seit Jahren
unterstützen
Beleuchtung
Nuance / Daniel Tschanz
35
WIR DANKEN
allen,
die mit
Royal Solisten Partner
Solistenpartner
Car Sponsor
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Media
Gönner und Freunde
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Beat Ott
DAS NÄCHSTE
GAIA Musikfestival Oberhofen findet vom 2. bis 6. Mai 2018 statt.
Wir freuen uns jetzt schon auf Ihren Besuch.
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Gestaltung: www.neidhart-grafik.ch | Photos: Balázs Böröcz
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