„Geigerzähler“ für Jedermann

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„Geigerzähler“ für Jedermann
LowCost Radioaktivitätsmesser für α-; β- und γ-Strahlung
auf Basis von PIN Photodioden mit der Möglichkeit der Spektroskopie
Niklas Fauth (15)
Schriftliche Langfassung (gekürzt), 18. März 2013
Zusammenfassung
Idee des Projekts war die in Klasse 9 und 10 häufig im Physikunterricht durchgeführte Teilchenphysik, bei welcher
die Schüler nur selten selber mit Geigerzählern arbeiten dürfen, und wenn, dann sind diese meistens ungenau, nicht
portabel oder einfach zu teuer um Schüler mit diesen Geräten auch draußen arbeiten zu lassen, wobei die
Strahlungsanalyse und Nuklidbestimmung in der Umwelt gerade heute von großem Interesse für die Wissenschaft
ist. Um entsprechende Versuche in der Schule durchzuführen, müssen die Geräte vor allem klein, günstig und
kompatibel sein. So können die Schüler Ihre eigenen Smartphones dazu nutzen, Messungen durchzuführen und in
gewissen Grenzen gesammelte Proben zu untersuchen und zu analysieren.
Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung eines Radioaktivitätsmessers, basierend auf PIN-Photodioden.
Durch die Verwendung von bis zu acht BPW34 ist es somit möglich, einen besonders günstigen, kleinen und
erstaunlich empfindlichen Detektor aufzubauen, mit welchem weiterführend sogar Gammaspektroskopie betrieben
werden kann. Der hier entwickelte nur 15x15x130mm große, etwa 50€ teure Radioaktivitätsmesser weist mit 10-14
CPM (Impulse pro Minute) eine hohe Empfindlichkeit auf, welcher sowohl für α-; β- als auch γ- und evt.
Röntgenstrahlung verwendet werden kann. Über ein normales Adapterkabel oder eine externe Soundkarte kann der
Detektor an ein Smartphone oder Laptop angeschlossen werden, um die Strahlendosis zu bestimmen, Daten mit
GPS Koordinaten in Verbindung zu bringen (Radiation-Mapping) oder sogar auf Grund der zur Energie des
Teilchens direkt proportionalen Amplitude des Ausgangssignals Gammaspektren von ca. 50-500keV
aufzuzeichnen (Gammaquanten >500keV und Betastrahlung kann nur qualitativ erfasst werden). Hierbei wird
vollständig auf einen Szintillator verzichtet, sodass lediglich der in den Dioden auftretende Photoeffekt und die
daraus resultierende, ohne Verstärker kaum messbare und extrem kurze (10-20ns) Ladungsverschiebung zur
Messung genutzt wird. Dabei liegt der Großteil der Arbeit in der Entwicklung einer Verstärkerschaltung mit
Auswertung, um den bereits seit 1968 bekannten Effekt effektiv auszunutzen, wozu hier ein sehr schneller
Operationsverstärker LMV794 von Texas Instruments genutzt wird. Mit diesem ist es möglich einen bestmöglichen
Rauschabstand und hohe Empfindlichkeit zu erzielen.
Bis jetzt wurden zwei Prototypen erfolgreich aufgebaut und getestet, und auf eben diesen bezieht sich auch diese
Langfassung. Ob für die wesentlich kleinere Endversion eventuell Details geändert werden müssen kann noch nicht
gesagt werden und muss sich noch zeigen.
„Geigerzähler“ für Jedermann
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
2. Theorie
2.1. Radioaktivität
2.2. PIN-Photodioden
2.3. Geschichte der
Radioaktivitätsmessung
auf Diodenbasis
3. Hardware
4. Auswertung
4.1 Auswertung mit Smartphone
4.2 Auswertung mit PC
5. Ergebnisse
5.1. Weitere
Detektorcharakteristika
5.2. Praktischer Einsatz
6. Resümee und Ausblick
1. Einleitung
Seit der Entdeckung der Radioaktivität im Jahre 1896
wurden diverse Messgeräte und Methoden zum
Nachweis und zur Messung entwickelt. Zu den
Bekanntesten zählen hier wohl der Geiger-MüllerZähler und der Szintillationsdetektor.
Doch ist es ebenfalls möglich, Radioaktivität mittels
simpler Si-Dioden zu messen. Bereits 1964 gab es
z.B. von der Fa. Phillips Halbleiterdioden, die β- und
γ-Strahlen messen konnten. Leider wurde diese Idee
nur von Wenigen aufgegriffen und erfolgreich
umgesetzt, so z.B. die Firma Hamamatsu, heute
Marktführer
im
Bereich
Dioden
für
Strahlungsmessung. Zwar wurden über die Jahre
immer wieder Schaltungen veröffentlicht, doch sind
diese meist mit vergleichsweise langsamen
Standardoperationsverstärkern aufgebaut, so dass
kaum
eine
mit
Zählrohren
vergleichbare
Empfindlichkeit erreicht werden konnte. Hinzu
kommt, dass bei der Messung mit Photodioden
Gammastrahlung am wenigsten mit den Dioden
wechselwirkt, so dass vorwiegend Beta und
2
Alphastrahlung messbar sind. Aufgrund der geringen
Reichweite von Alphateilchen sind diese jedoch ohne
sehr dünne Folie zur Abdunkelung der Dioden
ebenfalls nicht messbar, sodass lediglich die relativ
uninteressante Betastrahlung messbar ist.
Ziel der Arbeit war somit die Entwicklung eines
Radioaktivitätsmessers
mit
vergleichbaren
Eigenschaften eines Geigerzählers. Im Laufe des
Projekts konnte hauptsächlich durch die Verwendung
eines sehr schnellen OpAmps ein überragender
Rauschabstand erzielt werden, woraus eine
Empfindlichkeit von etwa 50-75% im Vergleich zu
einem herkömmlichen Geigerzählers resultiert. Doch
besonders in der Größe und im Preis ist der von mir
entwickelte Detektor weit überlegen. Mit der Größe
eines Kugelschreibers und Bauteilekosten von ca.
50€ stellt er eine echte Alternative zum weit
verbreiteten Geigerzähler dar, und das bei der
zusätzlichen Möglichkeit der Alphamessung und der
Spektroskopie, wie sie sonst lediglich mit teuren
Endfensterzählrohren oder Szintillationsdetektoren
möglich wäre.
Wie das Gerät aufgebaut ist, wie dieses verwendet
werden kann und was bei der Entwicklung beachtet
werden musste soll nachfolgend erläutert werden.
2. Theorie
2.1 Radioaktivität
Beim Zerfall eines schwereren Atomkerns zu einem
leichteren wird, abhängig vom jeweiligen Nuklid,
Alpha, Beta oder Gammastrahlung emittiert. Diese
„Strahlung“ besteht aus einzelnen Teilchen, bei α und
β Kernreste, oder bei γ-Strahlung Gammaquanten.
Jedes dieser drei Teilchen hat verschiedene
Eigenschaften, so z.B. Reichweite, Energiebereich
oder Entstehung. Jeder Strahlungstyp entsteht beim
Zerfall
eines
speziellen
Nuklids,
welches
charakteristisch diese Strahlung ausschließlich oder
zu einem bestimmten Prozentsatz emittiert.
α- und γ- Teilchen besitzen eine spezifische Energie,
die beim jeweiligen Zerfall eines Kerns eines
bestimmten Nuklids immer gleich groß ist. Die
Energie von z.B. Gammaquanten ist vergleichbar mit
der Wellenlänge des sichtbaren Lichts, also der
Farbe. Bestimmt man nun die „Farbe“ von
Gammastrahlung, so zeichnet sich einer oder
mehrere charakteristische Peaks ab, welche
„Geigerzähler“ für Jedermann
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So bieten diese unter anderem eine deutlich bessere
Reaktions-zeit,
eine
wesentlich
höhere
Empfindlichkeit, verminderte thermische Drift,
Linearität über einen großen Bereich sowie evt. eine
hohe innere Verstärkung.
Abbildung 2: Aufbau einer PIN-Photodiode
[http://www.physics.montana.edu/students/thiel/docs/detector.pdf].
Abbildung 1: (oben) charakteristisches Lichtspektrum für Quecksilber
[http://www.physikdidaktik.uni-karlsruhe.de];
(unten) charakteristisches Gammaspektrum für Kobalt-60
[http://www.leifiphysik.de].
nuklidspezifisch eine bestimmte Energie
besitzen und somit ähnlich der Spektrallinien im
sichtbaren Wellenlängenbereich direkte Rückschlüsse auf die Entstehung, das Nuklid, zulassen
(siehe Abbildung 1). Diese Energiespektren und die
Art der Strahlung werden in der Wissenschaft
genutzt, um mittels professioneller Szintillationsdetektoren unbekannte Nuklide zu bestimmen und
somit Rückschlüsse auf die Entstehung und den
Ursprung zu ziehen (natürliches Nuklid oder
künstlich erzeugtes, typisches Vorkommen etc.)
2.2 PIN-Photodioden
Die Quantenausbeute eines Strahlungsdetektors ist
definiert durch die Wahrscheinlichkeit, dass ein auf
den Detektor einfallendes Photon oder Gammaquant
ein Ladungsträger-Paar erzeugt, welches zu einem
Stromfluss durch den Detektor führt. Dabei ist die
Empfindlichkeit ein weiterer wichtiger Parameter zur
Charakterisierung eines Strahlungsdetektors. Die
Empfindlichkeit ist definiert als das Verhältnis von
erzeugtem Photostrom zur einfallenden elektromagnetischen Energie. Die einfachste Art eines
Halbleiter-Strahlungsdetektors
kann
durch
Beobachten der Veränderung der Leitfähigkeit in
einem Halbleiter durch das Erzeugen von
zusätzlichen Ladungsträgern durch ein einfallendes
elektromagnetisches Feld aufgebaut werden. Im
einfachsten Fall ist ein solcher Detektor ein
Photowiderstand. Sog. PIN Photodioden (positive
intrinsic negative diode), pn Halbleiterdioden mit
einer zusätzlichen schwach dotiert Schicht, können
die Performance eines Photowiderstands bei der
Radioaktivitätsmessung deutlich übertreffen.
Wenn Photonen im Bereich 3 (pn-schicht) der
Abbildung 2 Ladungspaare erzeugen, bewegen sich
diese einige Zeit zufällig, bis sie rekombinieren und
somit kein Strom fließt. Die angelegte Spannung
befindet sich auf Grund der fehlenden Ladungsträger
und dem daraus resultierendem hohen Widerstand in
den
Sperrschichten
hauptsächlich
in
der
Raumladungszone. Erzeugen Photonen hingegen im
Bereich 1 (I-Schicht) Ladungspaare, so werden diese
rasch abgeleitet, was in einem Stromfluss resultiert.
Auch in Bereich 2, den PI und IN Übergängen,
können Ladungspaare abgeleitet werden. Dieser sehr
kleine und kurze „Photostrom“ wird anschließend
mit einem Ladungsverstärker verstärkt, so dass sich
eine zu der Energie der Teilchen proportionale
Spannung ergibt.
2.3 Geschichte der Radioaktivitätsmessung
auf Diodenbasis
Bereits 1964 wurden von Phillips entsprechende
Lithium gedriftete Silizium- oder Germanium
Photodioden
für
die
Radioaktivitätsmessung
produziert, zu welchen am 15.8.1968 von J. A.
Oosting die Applikationsinformation „Semiconductor
Radiation Detectors" [1] veröffentlicht wurde. Diese
Dioden mussten auf unter -80°C gekühlt werden, um
den Dunkelstrom und das Rauschen weitgehendst zu
unterdrücken. Bei dem ersten Amateurversuch [2]
1978 von Grzegorz Hahn wurden bereits
umgänglichere Dioden verwendet, welche allerdings
auf Grund der verwendeten sehr langsamen
Operationsverstärker nur bei sehr starken Präparaten
überhaupt Funktion zeigten.
„Geigerzähler“ für Jedermann
Am 2.12.1983 hat die Firma Hamamatsu (Japan) die
kommerzielle Anwendung von PIN-Photodioden in
Labor-Geräten in Hamamatsu Photonics K.X., R & D
Group: "Test Results of Gamma & Beta Ray
Detection on Hamamatsu Silicon Photocell Type No.
S1722 & S1723" veröffentlicht [3]. Der erste
preiswerte, komplette und in größerer Stückzahl
gebaute kleine Monitor mit Photodioden wurde
daraufhin 1986 von Jo Becker [4] in der Funkschau
veröffentlicht: "Radioaktivitätsmesser im Miniformat,
Strahlungs-Messgerät mit Zählrohr oder Pin-DiodenDetektor", FUNKSCHAU Heft 21/1986, Seite 63...69
Daraufhin gab es diverse Nachbauten und eigene
Schaltungsentwürfe, welche noch heute auf diversen
Hobbyelektronik-Seiten im Internet zu finden sind.
Dabei werden hauptsächlich die günstigen BPW34
PIN-Dioden verwendet, allerdings in Verbindung mit
nur mäßig schnellen Operationsverstärkern, oder
Aufbauten mit nur einzelnen Dioden. Viele dieser
Detektoren sind unempfindlich, messen kein Alphastrahlung oder haben keine gute analoge Auflösung
bzw. Reaktionszeit. Inspiriert zu diesem Projekt
wurde ich z.B. durch Burkhard Kainka [5], welcher
auf seiner Homepage ebenfalls div. Schaltungen
veröffentlicht hat.
3. Hardware
Bei der Auswahl der Dioden ist auf einige wichtige
Parameter zu achten. Hierzu zählt einerseits die
Beschaffenheit des Halbleiters, welcher selbstverständlich in PIN-Topologie aufgebaut sein muss,
die Oberfläche und vor allem das Volumen des
aktiven Bereichs, die Eigenkapazität der Diode und
daraus folgend die Reaktionszeit sowie die maximale
Sperrspannung. Des Weiteren sollte die Diode
speziell in dieser Anwendung sehr preiswert sein,
wodurch die Auswahl auf einige wenige Standardtypen begrenzt wird. Zwar bietet die Firma
Hamamatsu High-End Photodioden, doch bewegen
sich diese meist im dreistelligen Preissegment. Eine
dieser Standarddioden ist z.B. die BPW34 [6]. Sie
wird standartmäßig in Consumer Elektronik für Fernsteuerungen eingesetzt und ist für nur 57ct erhältlich.
4
Abbildung 4: Bis auf 0-5µm abgeschliffenes Epoxidgehäuse acht
BPW34 zur Alphamessung, bei der ersten Diode liegt der Chip blank.
Mit 0,56mm³ besitzt der Chip ein recht großes
Volumen. Bei Parallelschaltung 8 solcher Dioden
erhöht sich das Volumen somit auf 4,48mm³. Es ist
möglich die Diode mit hoher Sperrspannung zu
fahren (32V), wodurch sich die Kapazität auf etwa
5pF verringert. Dies hat den Vorteil schnellerer
Pulse, wodurch die Empfindlichkeit steigt, allerdings
steigt mit zunehmender Spannung auch das
Dunkelrauschen, so dass in dieser Anwendung eine
Betriebsspannung von lediglich 19V statt 32V
genutzt wird. Damit keine Photonen in die Dioden
fallen, welche genauso wie Gammaquanten gemessen
werden würden, müssen die Dioden lichtdicht
verpackt werden. Ursprünglich wurde hierfür 20µm
dicke Alufolie verwendet, welche aber keine
Alphateilchen durchlässt und daraufhin etwa 5µm
dicke Alufolie aus Wickelkondensatoren, mit welcher
es nun möglich ist starke Alphateilchen zu
detektieren. Außerdem steht je ein Bogen
Aluminiumbedampfte Hostaphan-Folie mit 0,41 bzw.
0,21 mg/cm² zur Verfügung, mit der es möglich ist
beliebige Alphastrahlung zu messen.
Allerdings befindet sich im Aufbau zwischen Strahlungsquelle und Chip nicht nur Alufolie, sondern auch
das etwa 300µm dicke Epoxidgehäuse der BPW34.
Nachdem der Versuch dieses chemisch zu entfernen
gescheitert ist, wurde nun mittels Präzisionsfräsen bei
der Firma Teamtechnik das
Gehäuse auf bis zu 0µm
(blanker Chip) herunter
gefräst (Abb 4). Somit ist es
auch möglich ohne Probleme auch weiche Alphastrahlung zu messen.
Abbildung 3: Spezifikationen der
Standard PIN-Photodiode BPW34.
Besonders fällt der große Chip so wie
die schnelle Anstiegs- und Abfallzeit
von nur 20ns.
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Der räumliche Aufbau, besonders die Schirmung
spielt eine große Rolle für die Funktion des
Detektors. Besonders bei langen Kabeln müssen
diese entsprechend geschirmt werden, Baugruppen in
Kammern getrennt werden und gute Filter
gewährleistet werden. Mit dem Prototyp gab es bis
in der Endversion sollten diese auf Grund der
Kompaktheit nicht mehr auftreten. Tests an Prototyp
2 zeigten bereits, dass die Platinen fehlerfrei sind und
funktionieren, allerdings gab es auch hier Probleme
mit Störungen, verursacht durch den stark streuenden
Wandler. Allerdings ließen sich diese Streuungen mit
entsprechend
verlötetem
Kupferblech
unproblematisch abschirmen, so dass es auch hier
durch die Schirmung der späteren Verstärkereinheit
zu keinen Problemen kommen sollte.
5
Dieser Mikrokontroller Integriert die Impulse pro
Zeiteinheit und stellt diese auf einer 10 Stelligen
LED-Bargraphanzeige dar. Der gesamte Detektor
“Stift“ wird von zwei 1,55V Knopfbatterien mit
Strom versorgt und verfügt an einem Ende über eine
4-polige Klinkenbuchse zum Anschluss von
Kopfhörern, Smartphone oder PC. Des Weiteren
Verfügt der Detektor intern über einen PiezoTongeber
und
eine
LED,
die
durch
optische/akustische Signale einfallende Teilchen
anzeigen.
4. Auswertung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten die über Klinke
zur Verfügung stehenden Signale auszuwerten.
Einerseits bieten sich die erwähnten
internen Möglichkeiten zur simplen
Abschätzung
der
Werte
zur
Verfügung, andererseits können die
Daten auch extern verarbeitet werden.
So
können
z.B.
leicht
die
Dosisleistung,
Ereignisse
pro
Zeiteinheit,
Aktivitäts-histogramme
oder gar Spektren dargestellt werden.
Damit dies allerdings möglich ist,
müssen die Signale erst digitalisiert
werden. Hier sind einige Dinge zu
beachten. Einerseits sind die Pulse
relativ kurz, so dass der verwendete
ADC eine gewisse Schnelligkeit
aufweisen muss, die ausreichend ist,
um die Signale brauchbar aufzulösen.
Dies ist gerade im Audiobereich nicht
selbstverständlich!
Abbildung 5: Aufbau des 1. Prototyps
Abbildung 6: Andeutung des später fertigen Detektors,
welcher deutlich kompakter und somit weniger Störanfällig ist.
Der fertige Detektor, bestehend aus einem
Kunststoffträger und einem Gehäuse aus Alu
Vierkantprofilen, beinhaltet neben dem eigentlichen
Detektor einen Mikrokontroller der MSP430 Familie.
Wenn nun die Daten z.B. durch eine gute Soundkarte
digitalisiert wurden, gibt es zwei verschiedene
Methoden, Pulse bzw. Peaks zu erkennen.
Dies ist einerseits durch eine
Triggerschwelle
möglich. Dabei wird jeder Messpunkt, der einen
bestimmten Wert überschreitet, als Ereignis
registriert. Dies hat den Nachteil, dass auch
Störungen oder Mikrophonie durch die Alufolie vor
den Dioden zu gezählten Ereignissen führen.
Eine andere Möglichkeit ist die sog. PulsErkennungs-Analysis. Hierbei prägt sich die
Software die Form von gewollten, korrekten Pulsen
ein, und jedes Ereignis, das bis zu einem bestimmten
Prozentsatz mit dem „idealem Puls“ übereinstimmt,
wird gezählt. Diese Methode bietet den Vorteil, dass
es praktisch nicht möglich ist etwas andres als
radioaktive Teilchen zu zählen, da diese immer eine
etwa gleiche charakteristische Pulsform haben. Beide
hier vorgestellten Programme bieten die Möglichkeit
zu beiden Methoden.
„Geigerzähler“ für Jedermann
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4.1 Auswertung mit dem Smartphone
Im offiziellen Apple Appstore [7] gibt es seit einiger
Zeit die App „Geiger Bot“ von Nick Dolezal als
kostenlosen Download. Schließt
man
den
Diodendetektor an das Smartphone an, so bieten sich
einige sehr umfangreiche Möglichkeiten zur
Datendarstellung an.
Einerseits können hier wie erwähnt die Ereignisse
integriert werden und als „Impulse pro Zeiteinheit“
(hier Impulse pro Minute) angezeigt werden, es kann
die Dosisleistung in verschiedenen Einheiten
errechnet werden, Histogramme erstellt und einfache
Spektren gezeichnet werden. Auch hier kann
zwischen
den
beiden
Erkennungsmethoden
umgeschaltet werden. In Abbildung 18 erkennt man
deutlich den Triggerlevel (rot) mit dem bereits
zufriedenstellend Pulse erkannt werden können,
sowie in Abbildung 19 das sog. „Pulse Shape
Training“ bei welchem sich die Software die Pulse
einprägt (Durchschnitt blau, letzter Puls rot, „Shape
Tolerence“ auf 200%).
Vorteil der App ist die Flexibilität der Anwendung.
So kann der ständige Begleiter, das Smartphone, um
den Detektor ergänzt werden und spontan unterwegs
eingesetzt
werden. So können z.B. auf einer
Wanderung interessante Mineralien untersucht
werden, oder bei bestimmten Stoffen Kontrollen
durchgeführt werden (Granit, Glas, Uhren,
grundsätzlich tendenziell radioaktive Substanzen…).
Abbildung 7: Anzahl Pulse/Zeiteinheit
Abbildung 8: Anzeigen der Dosisleistung
Abbildung 9: Anzeigen des Eingangssignal mit Triggerlevel
Abbildung 10: Menufenster zur Einprägung des Pulses
Abbildung 11: Ansicht Spektroskopie
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4.2 Auswertung mit dem PC
Eine weitere Möglichkeit der Auswertung ist die
Erfassung mittels PC. Dieser bietet den Vorteil der
leichteren Bedienung, außerdem können Messdaten
beliebig exportiert werden und die Messungen sind
wesentlich genauer. Von der „School of Physics at
The University of Sydney“ wurde der sog. PRA Pulse Recorder and Analyser [8] veröffentlich, eine
Freeware, mit welcher man mittels Audioeingang
Signale auswerten kann. Mit diesem Programm ist es
möglich den Diodendetektor über eine externe oder
die interne Soundkarte anzuschließen und Spektren
aufzuzeichnen. Leider sind Gamma und Beta
Spektren kaum als solche zu erkennen. Die minimal
messbare Gammaenergie liegt wohl bei ca. 2030keV, die maximale bei Schätzungsweise 200keV.
Bei mehr als 200keV werden die Gammaquanten
womöglich nicht vollständig von den Dioden
absorbiert, so dass lediglich eine völlig zufälliger
Prozentsatz der Gesamtenergie eines Teilchen
gemessen wird, wodurch diese völlig zufällige und
nicht reproduzierbare Verteilung zustande kommt.
Dennoch sind charakteristische Merkmale für
Spektren wie z.B. die Compton-Kante deutlich
erkennbar, des Weiteren wurde das gesamte Setup
bereits an einem Szintillationsdetektor betrieben, bei
welchem sich eindeutige Spektren abzeichneten.
Abbildung 13: Gammaspektrum Co60
Abbildung 14: Betaspektrum Na22
Misst man jedoch Strahlung, die vollständig
absorbiert wird, wie z.B. Alphastrahlung, ist es sehr
gut möglich von dieser Spektren aufzuzeichnen.
Hierbei muss jedoch beachtet werden, dass die
absolut gemessene Energie sehr stark von äußeren
Einflüssen abhängt. Durch die geringe Eindringtiefe
von Alphastrahlung, die die Spektroskopie überhaupt
möglich macht, wird auch durch Luft und andere
Materie zwischen Strahler und Detektor mit jeder
Kollision Energie absorbiert, so dass die
durchschnittlich gemessene Energie stark von der
absoluten Energie des Strahlers abweicht und z.B.
durch Abstand bzw. Luftdruck variiert werden kann.
Abbildung 12: Hochqualitative Soundkarte mit 96kHz und 24bit
Abbildung 15: Alphaspektrum Am241 bei verschiedenem Druck
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5. Ergebnisse:
5.1. Weitere Detektorcharakteristika
6. Resümee und Ausblick
Wie bereits erwähnt bietet der Detektor sowohl für
α-; β- als auch γ-Strahlung eine hohe
Empfindlichkeit. Dies ging aus ersten Versuchen bei
der Firma Berthold Technologys bei Bad Wildbad,
bei welchen der Detektor mit vielen verschiedenen
Strahlern getestet wurde, hervor. Hierbei liegt die
Nachweisschwelle für Gammastrahlung bei etwa
50keV (getestet mit Thorium 232, 64 keV), doch
auch die Gammastrahlung von Americium 241 ließ
sich noch nach unten hin auflösen (26,3 bzw. 13,9
keV), weshalb sich der Detektor ggf. auch zur
Messung von Röntgenstrahlung eignet. Durch den
Besuch des IKE in Stuttgart zeigte sich außerdem
dass es mit dem Detektor möglich ist, indirekt
Neutronen nachzuweisen. Diese aktivieren das
Aluminium aus dem das Gehäuse besteht, welches
kurz danach zu Gammastrahlung zerfällt, welche
detektiert wird. Durch mehrere Messungen vor Ort
bestätigte sich außerdem die Vermutung bzgl. der
Gammaspektroskopie.
5.2. Anwendung
Der mögliche Einsatz des Detektors ist sehr
weitreichend. Theoretisch könnte dieser in naher
Zukunft das Zählrohr vollständig ersetzen. So könnte
diese Anwendung in der Biologie, Geologie sowie in
der allgemeinen Kernphysik/Wissenschaft finden.
Dieser würde im Vergleich zum Geigerzähler sogar
einige Vorzüge bieten, wie Größe, Empfindlichkeit,
Energieauflösung so wie die unkomplizierte Messung
von Alphastrahlung. Leider sind PIN-Dioden mit
dem eines Zählrohres vergleichbaren Messvolumens
noch sehr teuer, so dass im LowCost / Privatbereich
mit Standarddioden gearbeitet werden muss.
Doch auch mit diesen vergleichsweise kleinen
Dioden können wie hier gezeigt durchaus
repräsentative Messungen durchgeführt werden, die
für den Hobby und Schulbereich vollkommen
ausreichend sind. Gerade durch die flexible
Auswertung mittels Smartphone eignet sich der
Detektor ideal für Messungen in der Umwelt. Doch
auch stationär können mittels Laptop durchaus gute
Ergebnisse erzielt werden, welche sich in einigen
Wochen vielleicht sogar zur Nuklidbestimmung
eignen. Dies wäre dann besonders für die Schule
interessant, um hier verschiedene von Schülern
gesammelte Proben zu analysieren und zu
charakterisieren.
Rückblickend kann gesagt werden, dass das Projekt
ein voller Erfolg war und ist. Auch wenn es noch
nicht vollständig beendet ist, so ist bereits jetzt ein
Großteil der Arbeit, das Entwickeln der
Verstärkerstufe und der restlichen Elektronik,
abgeschlossen, so dass in den nächsten Wochen
hauptsächlich ergänzende Messreihen durchgeführt
werden können. Auch wenn die Durchführung der
Arbeit sehr kurzfristig begonnen wurde, wurden die
Ziele, die Entwicklung eines kompakten und
preiswerten Radioaktivitätsmessers, gerade durch die
überraschend hohe Empfindlichkeit um Weiten
übertroffen. Auch wenn es noch einige Fehler zu
beheben gibt, so sind diese lediglich Ergänzungen
zum soweit funktionierenden Hauptgerät, wie z.B.
die Spektroskopie.
Auch wenn die Theorie mit Applikationsbeispielen
bereits vorhanden war, die Schaltung auf den ersten
Blick relativ einfach wirkt und auch das elektronische
Wissen umfangreich vorhanden war, lag die
Herausforderung gerade darin, ohne ausführliche
Referenzen eine völlig neue Schaltung zu
dimensionieren, zu erproben und zu perfektionieren,
und das bei einem sowieso schon sehr kritischen und
störanfälligem Operationsverstärker. Doch gerade
durch die Verwendung dieses neuen OpAmps war es
überhaupt erst möglich, eine so hohe Empfindlichkeit
zu erzielen, die hoffentlich noch in Zukunft weiter
erhöht werden kann, um den Diodendetektor als
Alternative noch attraktiver zu machen.
Danksagungen:
Besonders möchte ich mich bei meinem Betreuer Jo
Becker bedanken, der für mich sehr viel Zeit und
Aufwand bei der Betreuung der Entwicklung des
Detektors aufgebracht hat und bei technischen Fragen
immer mein erster Ansprechpartner war. Außerdem
möchte ich mich bei meinem 2. Betreuer Bernhard
Horlacher für die Unterstützung bei der Umsetzung
bedanken. Des Weiteren bedanke ich mich herzlich
bei allen beteidigten Firmen für die freundliche
Unterstützung.
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