„Tuberkulose aktuell“, gemeinsame Tagung zum Welttuberkulosetag 2016, Berlin, 14. März 2016 Tuberkulose und Migration: was wir aus den Meldedaten wissen Prof. Dr. Walter Haas Leiter des Fachgebiets Respiratorisch übertragbare Erkrankungen Robert Koch-Institut RKI 2016 1 RKI 2016 Quelle: Vereinte Nationen UNHCR, 2015 2 RKI 2016 Quelle: Vereinte Nationen UNHCR, 2015 3 Vier Szenarien • Transmission innerhalb Deutschlands • Reaktivierung von LTBI nach Infektion in Deutschland • Reaktivierung von LTBI nach Infektion in Hochinzidenzland • Zuzug von Personen mit aktiver TB 02.11.15 4 Meldeinzidenz der Tuberkulose in Deutschland, 2002-2015 (Datenstand 1.3.2016) Fallzahlen 2015 2014 2013 2012 Erwachsene 5.865 4.533 4.325 4.213 Kinder <15J. 196 143 170 173 Cave: der Inzidenz liegen noch Bevölkerungszahlen von 2014 zugrunde RKI 2016 5 Tuberkulose in Deutschland 2015 nach Bundesland (N= 5.860) im Vergleich mit Vorjahren bundesweite Inzidenz 7,3 Bremen 11,4 Berlin 11,1 Hamburg 10,8 Hessen 9,5 Bayern 8,5 Sachsen-Anhalt 8,2 Nordrhein-Westfalen 7,2 Brandenburg 6,8 Rheinland-Pfalz 6,8 Baden-Württemberg 6,7 Thüringen 5,5 Niedersachsen 5,4 Sachsen 5,2 Saarland 4,9 Mecklenburg-… 4,2 Schleswig-Holstein Median 2010-2014 2015 2015 bundesweit 4,1 0 RKI 2016 Cave: der Inzidenz liegen noch Bevölkerungszahlen von 2014 zugrunde 2 4 6 8 Erkrankungen/100.000 Einwohner 10 12 6 Tuberkulose-Meldedaten gemäß IfSG Variablen zu Migrationsstatus bei TuberkulosepatientInnen Staatsangehörigkeit Geburtsland Anlass der Diagnose / Art der Fallfindung Status „Asylsuchend“ und Zeitpunkt des Zuzugs nach Deutschland (neu ab Herbst 2015) RKI 2016 Quelle: Kühne et al. Migrationshintergrund in der infektionsepidemiologischen Surveillance in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz. June 2015, Volume 58, Issue 6, pp 560-568 7 Tuberkulose in Deutschland 2002-2015 nach deutschem bzw. nicht-deutschem Geburtsland RKI 2016 8 Tuberkulose in Deutschland 2002-2015 nach WHO-Regionen (Geburtsland) Geburtsland (WHO-Region) in % 60,0% 50,0% 40,0% 30,0% Deutschland WHO Region Europa (ohne Deutschland) 20,0% WHO Region Östliches Mittelmeer WHO Region Afrika 10,0% WHO Region Südostasien WHO Region West-Pazifik 0,0% WHO Region Amerika 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 Jahr RKI 2016 9 Anzahl der Fälle nach Art der Fallfindung in Deutschland, 2002-2015 § §3636.4 (4)IfSG IfSG RKI 2016 10 Häufigste Geburtsländer von Tuberkulose-PatientInnen bei Fallfindung gemäß § 36 (4) IfSG (Asylsuchende) in Deutschland, 2015 (N=1.188) Fallfindung gemäß § 36 (4) Asylsuchende (N=1.188) RKI 2016 11 Tuberkulose Organmanifestation und Infektiosität 2014 2015 3.413 2.738 4.515 3.429 675 1.086 Extrapulmonale Tuberkulose 1.092 1.325 Gesamt Anteil infektiöse Tuberkulose (Anteil mikroskopisch-positiv 4.505 60,8% 45,2% 5.840 58,7% 40,9%) Pulmonale Tuberkulose offene (infektiöse) Form darunter mikroskopisch positiv geschlossene Form RKI 2016 1.544 1.850 12 Resistente Tuberkulose in Deutschland 2002-2014 387 Fälle in 2014 89 Fälle in 2014 darunter 9 XDR Fälle Multiresistenz (MDR): jegliche Resistenz: RKI 2016 gleichzeitige Resistenz gegenüber mindestens Isoniazid und Rifampicin Resistenz gegen mindestens eines der fünf Standardmedikamente 13 Multiresistente Tuberkulose in Deutschland 2002-2014 nach Geburtsland RKI 2016 14 Tuberkulose-Behandlungsergebnis 2013 % erfolgreich Behandelter nach Geschlecht und Altersgruppe (N=3.633) 85,0% (WHO-Ziel) 76,3% bundesweit RKI 2016 15 Tuberkulose-Behandlungsergebnis 2013 nach Resistenz der Erreger 100% 90% 80% Behandlungsergebnis 70% 60% Patient unbekannt verzogen 50% nicht erfolgreiche Behandlung Fortführung der Behandlung 40% erfolgreiche Behandlung 30% 20% 10% 0% MDR (N=79) RKI 2016 jegliche Resistenz (N=369) sensibel (N=3.358) 16 Anteil der Tuberkulose-Übermittlungen ohne Angaben zu Merkmalen der Schlüsselvariablen Erfolgreiche Behandlung sichergestellt? RKI 2016 17 Zusammenfassung und Fazit RKI 2016 18 Zusammenfassung Der langjährige rückläufige Tuberkulosetrend in Deutschland ist beendet: die Fallzahlen steigen an Bisher keine Hinweise auf ein steigendes Infektionsrisiko, jedoch auf einen Zusammenhang mit aktueller Migration Aktive Fallfindung gewinnt an Bedeutung (§ 36 Abs. 4 IfSG) Resistente Tuberkulose bleibt weiter relevant Der Behandlungserfolg ist geringer bei PatientInnen im hohen Alter mit multiresistenter Tuberkulose Die Datenvollständigkeit einiger Schlüsselvariablen ist gering Wie gut gelingt die Therapiebegleitung und eine erfolgreiche Behandlung, v.a. bei PatientInnen, bei denen Tuberkulose bei Untersuchungen gemäß §36(4) IfSG identifiziert wurde? RKI 2016 19 Fazit Die Tuberkulose-Kontrolle ist in Deutschland eine ernst zu nehmende Herausforderung für Public Health Die Anstrengungen müssen intensiviert werden frühe aktive Fallfindung! Untersuchungen gemäß § 36 (4) IfSG Umgebungsuntersuchung Sicherstellung einer adäquaten und vollständigen Therapie inklusive der Übermittlung des Therapieergebnisses Es bedarf eines konzertierten Zusammenspiels der Akteure auf allen Ebenen der Tuberkulosekontrolle RKI 2016 20 Weitere Informationen Robert Koch-Institut: Tuberkulose: http://www.rki.de/tuberkulose Asylsuchende und Gesundheit: http://www.rki.de > Gesundheit A-Z > Asylsuchende und Gesundheit Deutsches Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose: http://www.dzk-tuberkulose.de > Empfehlungen / > Patientenservice und Therapie-Management Nationales Referenzzentrum für Mykobakterien: http://www.fzborstel.de/cms/forschungszentrum/nationales-referenzzentrumfuer-mykobakterien.html Bürgerinformationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Erregersteckbriefe: http://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/tuberkulose/ RKI 2016 21 Dank an RKI: Bonita Brodhun, Lena Fiebig, Barbara Hauer, Doris Altmann Nationales Referenzzentrum für Mykobakterien Bundesministerium für Gesundheit Alle Institutionen und Personen, die die Tuberkulose-Surveillance unterstützen und an einer erfolgreichen Kontrolle mitwirken RKI 2016 22 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit RKI 2016 23