Onlinehändler Magazin - Nach dem Weihnachtsgeschäft ist vor dem

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Ausgabe 09|2016 • www.onlinehaendler-news.de
Nach dem Weihnachtsgeschäft
ist vor dem Weihnachtsgeschäft
Ohne langfristige Planung
geht es nicht (S. 17)
Produktinformationen
richtig aufbereiten
Die Brücke zwischen
Produkt und Kunden (S. 7)
Social Commerce:
Das Comeback von
Facebook-Shops
Aber lohnt sich das
überhaupt? (S. 25)
EDITORIAL │ IMPRESSUM
Ja, wer hat an der Uhr gedreht...?
Liebe Leserinnen und Leser,
vielleicht sind sie Ihnen auch schon im Supermarkt aufgefallen: Spekulatius, Lebkuchen und
Schoko-Nikoläuse. Dabei hat sich der Sommer
ja noch gar nicht richtig verabschiedet und
das Thermometer klettert noch stellenweise
auf über 30 Grad Celsius! Doch für den Handel
beginnt das Weihnachtsgeschäft schon in diesen Tagen und das gilt natürlich auch für den
Online-Handel. Wer sich nicht jetzt auf die verkaufsstärkste Zeit des Jahres einstellt, lässt sich
in vier Monaten gewaltige Umsätze entgehen.
„Nach dem Weihnachtsgeschäft ist vor dem
Weihnachtsgeschäft“ lautet die Devise. Julia
Ptock erklärt in ihrem Artikel, was Online-Händler bei der Weihnachtsvorbereitung keineswegs
vergessen dürfen und hat sich bei einigen Händlern umgehört, wie sie das Weihnachtsgeschäft
angehen. Alles rund um die wichtigste Zeit des
Jahres lesen Sie ab Seite 17.
Doch ob nun Weihnachten ist oder nicht: Damit die Kunden im Online-Handel vom Kauf
Ausgabe 09/2016
Verlag:
Händlerbund Management AG
Torgauer Straße 233, 04347 Leipzig
[email protected]
Herausgeber:
Händlerbund e. V.
Torgauer Straße 233, 04347 Leipzig
des Produkts überzeugt sind, müssen die Produktinformationen richtig aufbereitet werden.
Denn im Internet kann der Kunde ein Produkt
nicht in die Hand nehmen und sich ein genaues Bild machen. Fotos, Beschreibungen und
Daten sind sozusagen die Sinne des Kunden.
Ab Seite 7 zeigen wir, worauf es bei der Aufarbeitung von Produktinformationen ankommt
und welche rechtlichen Stolperfallen auf die
Händler warten – denn ganz ohne Vorgaben
des Gesetzgebers geht es auch hier nicht.
Online-Händler haben heutzutage die Möglichkeit, ihre Produkte über sämtliche Kanäle anzubieten. Und auch in den sozialen Medien bieten
sich mitunter Funktionen, um direkt über die
Newsfeeds und Timelines Produkte zu verkaufen. Vor allem Facebook zeigt hier großes Engagement. Aber lohnt sich ein Facebook-Shop?
Und wie richte ich mir als Händler einen solchen
ein? Julia Ptock hat sich ab Seite 25 ausführlich
mit dem Thema auseinandergesetzt.
Titelbild:
© Jag_cz – fotolia.com
© Yvonne Fritsche – fotolia.com
Layout/Satz:
Lysann Bohne
Redaktion:
Ariane Nölte, Chefredakteurin;
Yvonne Bachmann; Michael Pohlgeers; Tina
Plewinski; Giuseppe Paletta;
Daneben warten auch in dieser Ausgabe viele
weitere News und Praxistipps auf Sie. So beleuchten wir das Thema Barrierefreiheit und
zeigen auch, wie man sich als Online-Händler
nachhaltig engagieren kann. Ich lade Sie herzlich dazu ein, durch das Onlinehändler Magazin
zu stöbern!
Sie haben weitere Ideen für Themen, mit denen wir Sie rund um Ihr Online-Geschäft unterstützen können? Sie wollen Lob oder Anregungen loswerden? Dann schreiben Sie uns an
[email protected]. Ich freue mich
auf Ihr Feedback und wünsche Ihnen viel Spaß
beim Lesen!
Michael Pohlgeers
(Stellvertretender Chefredakteur)
Julia Ptock; Christian Laude, Christoph Pech
Händlerbund Management AG
Torgauer Straße 233, 04347 Leipzig
[email protected]
Anzeigen:
Mandy Böhme
Händlerbund Management AG
Torgauer Straße 233, 04347 Leipzig
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INHALT
TITELTHEMEN
7Produktinformationen richtig aufbereiten Die Brücke
zwischen Produkt und Kunden
17Nach dem Weihnachtsgeschäft ist vor dem Weihnachtsgeschäft Ohne langfristige Planung geht es nicht
25Social Commerce: Das Comeback von Facebook-Shops
Aber lohnt sich das überhaupt?
EDITORIAL
2 Ja, wer hat an der Uhr gedreht...?
NEWS
5Urteile, Gesetze und Abmahnungen Nachrichten aus dem
E-Commerce-Recht
6Neues vom Händlerbund Nachrichten aus dem Verband
BRANCHENTRENDS
9Barrierefreiheit im Online-Handel Von digitalen Stolperfallen
und unüberwindbaren Hürden
13Nachhaltigkeit im Online-Handel Wege und Möglichkeiten
für Händler, sich nachhaltig zu engagieren
23Reise durch das digitale Deutschland Erfurt: Digitalisierung
mit Auszeichnung
DIGITAL TECH
11Mammutaufgabe Digitalisierung In der Ruhe liegt nicht
die Kraft
AUS DER PRAXIS
21Die richtige Preisstrategie Mit diesen Kniffen überzeugen
Sie Ihre Kunden
29Kartenmachen.de: Von der Web-Agentur zum eigenen
Karten-Design-Shop „Der Schlüssel zur Umsatzsteigerung
sind die Produkte und die Cross-Selling-Effekte!“
33Wir wurden gefragt Ich wurde abgemahnt. Kann ich eine
Gegenabmahnung aussprechen?
ANBIETERVERZEICHNIS
31 E-Commerce-Dienstleister in der Übersicht
MEINE MEINUNG | VORSCHAU
34Die Grenzen des Wachstums und Internationalisierung als
strategische Option von Hagen Meischner
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eine Initiative von Facebook
„Digital Durchstarten“ ist eine gemeinsame Initiative
von Facebook und starken Partnern aus der
Wirtschaft, die kleine und mittlere Unternehmen
in Deutschland unterstützt, in der digitalen Welt
durchzustarten.
Die Initiative bietet Unternehmern Tipps und Tricks
von Experten, erfolgreiche Best Practices und andere
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NEWS
powered by Händlerbund
BÜROSERVICE TELBES –
KOMPETENT. GÜNSTIG.
TRANSPARENT.
Urteile, Gesetze und Abmahnungen
Nachrichten aus dem E-Commerce-Recht
Eigengebote und Abbruchjäger: BGH
räumt bei Ebay-Handel auf
selbst & ständig?
Ebay-Nutzer, die im Fall eines vorzeitigen
Auktionsabbruchs Schadensersatzansprüche
geltend machen wollen (sog. Abbruchjäger)
sind lästig und können den Verkauf über Ebay
vermiesen. Der BGH deutete nun an, dass er
solchem Treiben einen Strich durch die Rechnung machen will. Auch künstlich hochgebotene Auktionen können dem Online-Handel
schaden. Diese Art der Preismanipulation des
Käufers (sog. „Shill Bidding“) wurde vom BGH
nun als rechtswidrig eingestuft (Urteil vom
24.08.2016, Az.: VIII ZR 100/15).
Willkommen im 21. Jahrhundert:
Kündigung per Mail möglich
lieber
IHRE VORTEILE:
Wir schließen Online-Verträge ab, wickeln unsere persönliche Kommunikation interaktiv ab und
regeln sogar Bankgeschäfte im Internet. Warum
soll dann die Kündigung einer Mitgliedschaft nur
schriftlich möglich sein? Ist ein Unternehmen
ausschließlich online aktiv (z. B. Interaktionen
erfolgen ausschließlich online), darf kein Ausschluss der E-Mail-Korrespondenz speziell für
die Kündigung gelten (Bundesgerichtshof, Urteil
vom 14.07.2016, Az.: III ZR 387/15).
 spezialisierter Kundenservice
 Servicehotline 24/7
 weiterer Vertriebskanal
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Telefon: +49 341 92 65 90
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gen bekräftigt (Beschlüsse vom 29.06.2016,
Az.: 1 BvR 2646/15 und Az.: 1 BvR 3487/14).
Amazon-Marketplace Händler
haben Überwachungspflicht
für Artikelbeschreibungen
Das Anhängen bei Amazon ist gewollt, doch
Händler können sich ganz leicht in die Bredouille
bringen. Händler, die auf der Internet-Verkaufsplattform Amazon-Marketplace Produkte zum
Verkauf anbieten, trifft eine Überwachungsund Prüfungspflicht auf mögliche Veränderungen der Produktbeschreibungen ihrer Angebote, die selbständig von Dritten vorgenommen
werden (BGH, Urteil vom 03.03. 2016, Az.: I ZR
140/14).
Namensrecht: BGH stärkt Rechte bei
der Domainwahl
Namenskombinationen gibt es in Deutschland
unzählige, doch praktisch reichen die Domains
nicht mehr für alle Namensträger aus. Eine Grit
Lehmann muss trotzdem ein Anrecht auf die
Internetadresse "grit-lehmann.de" haben, so
die Bundesrichter in dem im August veröffentlichten Urteil (Urteil vom 24.03.2016, Az. I ZR
185/14).
Bundesverfassungsgericht zur
Meinungsfreiheit im Internet
Abmahnungen
Ein Nachteil der schnelllebigen Gesellschaft
ist die Möglichkeit der Meinungsäußerung im
Internet. Doch manche Menschen schießen
etwas über das Ziel hinaus und verbreiten im
Internet beleidigende oder unwahre Tatsachen.
Bei Schmähkritik müsse die Meinungsfreiheit zwar hinter dem Persönlichkeitsrecht des
Betroffenen zurückstehen, wahre Tatsachenbehauptungen sind jedoch (auch wenn sie
unbequem sind), hinzunehmen. Das hat das
Bundesverfassungsgericht in zwei Entscheidun-
Das Elektrogesetz ist mit neunmonatiger Umsetzungsfrist Mitte Juli endgültig in Kraft getreten. Einige Big Player scheinen jedoch noch
keine Notiz davon genommen zu haben. Die
Einhaltung des Elektrogesetzes hat sich nun die
Deutsche Umwelthilfe auf die Fahne geschrieben. Im August wurde die Nachlässigkeit von
Amazon und Ikea mit Abmahnungen quittiert,
weil beide Händler sich nicht an das neue Elektrogesetz halten und Altgeräte nicht zurücknehmen.
5
NEWS
BRANCHEN-NEWS
Neues vom Händlerbund
Nachrichten aus dem Verband
Händlerbund startet
neues Angebot telbes
Damit sich Online-Händler voll auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können und den hohen
Kundenerwartungen an guten Kundenservice
gerecht werden können, hat der Händlerbund
den Büroservice telbes ins Leben gerufen.
Geschulte Telefonisten nehmen Bestellungen
an, beantworten Kundenfragen und stellen
sicher, dass ein Online­
-Shop oder Dienstleister lückenlos für seine Kunden erreichbar
ist. Der Service kann individuell nach Bedarf
gebucht und abgerechnet werden und ist in
Deutsch und Englisch verfügbar. Die Kundenbetreuer(innen) machen sich mit dem Sortiment des jeweiligen Händlers vertraut, um
Anfragen kompetent und verkaufsorientiert
bearbeiten zu können. Das Angebot erlaubt
die Kommunikation über E­-Mail, Telefon oder
Chat und erstellt Echtzeit­reportings für die
leichte Auswertung der Kundenanfragen.
Händler und Dienstleister profitieren vor allem von der Flexibilität des Angebotes und
wissen ihr Markenimage in besten Händen.
Vor allem in Krisenfällen oder in der Urlaubssaison macht sich ein professionelles System
wie telbes schnell bezahlt. Weitere Informationen sind unter www.telbes.de verfügbar.
Infografik zum
Ebay-Amazon-Wettkampf
Passend zu den Olympischen Spielen veranstaltete der Händlerbund einen
Wettkampf zwischen Ebay
und Amazon. Die beiden
Online-Marktplätze traten
in fünf Disziplinen gegeneinander an und wurden
von einer Jury aus 1.025
Online-Händlern
bewertet. Die Umfrage stellt
beide
Online-Marktplät-
ze in den Kategorien Usability, Support,
Umsatz, Kosten und Fairness gegenüber.
Anders als erwartet, kann Amazon sich
nur schwer gegen Ebay behaupten. Einzig
beim erzielten Umsatz liegt Amazon vorn.
Die Ergebnisse sind in einer Infografik unter
www.haendlerbund.de in der Rubrik Hinweisblätter & Studien dargestellt.
Zalando baut neue Logistikzentren
Der Berliner Modehändler Zalando plant
weitere Logistikzentren in Europa. Im kommenden Jahr sollen in Polen und Frankreich
zwei neue Zentren entstehen, in die Zalando
über 150 Millionen Euro investieren und so
über 1.000 Arbeitsplätze schaffen will. Mit
den Logistikzentren sollen Kunden in den
Gebieten schneller beliefert werden können.
Im April hatte Zalando im norditalienischen
Stradella sein erstes Logistikzentrum außerhalb Deutschlands eröffnet.
Unister: Rund 20 Kaufinteressierte
Händlerbund Akademie
veranstaltet die „Roadshow
Online Marketing“
Zwischen dem 08. September und 04. November 2016 tourt die „Roadshow Online
Marketing“ durch fünf deutsche Städte. Gemeinsam mit der SEO-Küche organisiert die
Händlerbund Akademie die Veranstaltungsreihe. Im Rahmen der angebotenen Seminare
werden die verschiedenen Bereiche des Online Marketings unter die Lupe genommen.
Den Auftakt für die Roadshow Online Marketing bilden zwei Seminartage in Leipzig.
Unter dem Motto „Trends, Tools und Recht
für Online-Händler“ begrüßen die Experten
an zwei Tagen zunächst Einsteiger und dann
Fortgeschrittene, die sich für das Thema Online-Marketing interessieren. Weitere Stopps
der Roadshow sind bis November in Frankfurt Main, Stuttgart, Hannover und München geplant. Alle Termine und Tickets unter
https://akademie.haendlerbund.de/.
Rund 20 Investoren sollen an dem insolventen Unternehmen Unister interessiert sein.
Das gab der Insolvenzverwalter Prof. Dr.
Lucas Flöther bekannt. Als wahrscheinlichste Lösung gilt ein sogenannter „Asset Deal“,
bei dem Investoren werthaltige Assets frei
von Altlasten erwerben. Kurz nach der Insolvenz des Leipziger Unternehmens wurde
bekannt, dass Unister Verbindlichkeiten von
rund 39 Millionen Euro hat.
Verfahren gegen Movinga eingestellt
Die Staatsanwaltschaft Berlin hat das
Ermittlungsverfahren gegen die Movinga-Gründer Bastian Knutzen und Chris Maslowski eingestellt. Gegen die beiden Gründer
war ermittelt worden, weil sie Urkunden
gefälscht haben sollen. „Den Beschuldigten
war keine Straftat nachzuweisen“, erklärte
nun die Staatsanwaltschaft. Knutzen und
Maslowski haben im Juni ihre Posten bei
Movinga geräumt.
Beate Uhse weiter auf Talfahrt
Der Online-Handel läuft zwar für Beate Uhse,
doch das Unternehmen kommt aus der
Verlustzone nicht heraus: Im ersten Halbjahr
2016 steht ein Minus von 2,2 Millionen
Euro unter dem Strich. Der Umsatz sank um
rund 13 Millionen auf 52,3 Millionen Euro.
In der Konsequenz senkte der Vorstand der
Beate Uhse AG die Umsatzprognose für das
Gesamtjahr. Das Unternehmen rechnet nun
mit einem Umsatz zwischen 105 und 110
Millionen Euro im Jahr 2016.
6
TITELTHEMA
Produktinformationen richtig aufbereiten
Die Brücke zwischen Produkt und Kunden
Produkte anfassen, begutachten, ausprobieren – all das ist im Online-Handel nur sehr
begrenzt möglich. Um den Kunden einen
möglichst guten Eindruck von dem Produkt
zu vermitteln, sind die Produktinformationen
deshalb von besonderer Bedeutung. Aber es
kommt nicht nur darauf an, die Informationen einfach nur aufzuführen. Damit der Kunde vom Kauf überzeugt wird und der Shop
nebenbei auch noch besser bei Suchmaschinen wie Google gefunden wird, sollten
die Produktinformationen gut aufbereitet
und präsentiert werden. Dabei finden sich
auch rechtliche Stolperfallen.
möglich, solange jeder Kunde dieses Video ansehen kann. Wie praktisch diese Art der Darstellung ist, ist aber diskutabel – Anwendung
findet das in der Branche zumindest selten.
In jedem Fall sollten die Produktinformationen
nach den bekannten SEO-Kriterien aufgearbeitet werden, damit die Produkte nicht nur dem
Kunden besser vermittelt werden, sondern
auch leichter bei Suchmaschinen wie Google
gefunden werden. Die Produktbeschreibungen und -titel sollten also die wichtigsten
Keywords enthalten. Zudem sollte man sich
als Händler Gedanken darüber machen, wo
man einen kurzen Beschreibungstext platziert,
der ebenfalls positive Auswirkung auf das
Ranking in der Suchmaschine hat – auf jeder
Produktseite selbst oder nur auf der Kategorie-
Wie groß ist das Produkt, das ich kaufen will?
Aus welchem Material besteht es? Welche
Farbe hat es genau? All diese Eindrücke und
Daten kann der Kunde im stationären Handel –
zumindest theoretisch – sehr einfach erfassen. Er kann das Produkt oder zumindest ein
Präsentationsobjekt begutachten, in die Hand
nehmen, Knöpfe drücken und Material und
Qualität so weitestgehend überprüfen. Im Online-Handel gestaltet sich das schon schwieriger. Um dieses Defizit auszugleichen, bedarf
es einer Fülle an Produktinformationen. Dabei
handelt es sich sowohl um ein Datenblatt als
auch um eine Beschreibung zum Produkt. Und
selbst Produkttitel und -bilder beziehungsweise -videos gehören zu den Produktinformationen, die dem Kunden im Online-Handel den
Eindruck vom Produkt vermitteln.
Doch es reicht nicht, diese Daten, die der
Händler vom Hersteller erhält, einfach auf die
Produktseite zu setzen. Die Produktinformationen sollten ordentlich aufgearbeitet werden,
damit sie dem Kunden nicht nur einen guten
Eindruck vom Produkt vermitteln, sondern im
besten Fall auch vom Kauf überzeugen. Dabei
ist es im Grunde dem Händler überlassen,
wie er die Produktinformationen präsentieren möchte – ob als Fließtext oder als tabellarisches Datenblatt. Theoretisch ist sogar
eine Präsentation der Produktdaten als Video
© www.thomann.de
7
TITELTHEMA
seite? Letzteres bietet sich vor allem dann an,
wenn viele ähnliche Produkte in einer Kategorie zusammengefasst sind.
Die „wesentlichen Merkmale“
dürfen nicht fehlen
Auch wenn der Händler weitestgehend alle
Möglichkeiten hat, so gibt es doch ein paar
rechtliche Einschränkungen, wenn es um Produktinformationen geht. Für einige Produkte,
wie etwa Waschmaschinen, macht der Gesetzgeber sogar Vorgaben, was in die Produktbeschreibung gehört. Und auch bei allen anderen Produkten gilt: So viel Freiheit der Händler
hier auch hat, so muss er bei jedem Produkt
doch die wesentlichen Merkmale aufführen.
So will es ebenfalls der Gesetzgeber. Was
jetzt aber bei einem Produkt die „wesentlichen
Merkmale“ sind, ist zumindest rechtlich nicht
ganz geklärt. Das liegt sicherlich auch daran,
dass die wesentlichen Merkmale bei jeder
Produktart und jedem Produkt unterschiedlich
sind. So kommt es beispielsweise bei einem
Koffer auf Dinge wie Abmessungen, Volumen
und Material an. Bei einem Musikinstrument,
wie etwa einer Gitarre, stehen aber ganz andere Merkmale (Bundzahl und -art, Holzart, Tonabnehmerbestückung etc.) im Vordergrund.
In jedem Fall sollten die Produktinformationen
möglichst umfassend und übersichtlich aufgearbeitet werden. Wer nur ein schlechtes Foto
und drei Daten zum Produkt aufführt, darf sich
über schlechte Verkaufszahlen nicht wundern.
„Die Angabe der Produktinformationen ist essenziell, denn nur wenn der Kunde einen allumfassenden Eindruck vom Artikel bekommt,
entschließt er sich zum Kauf“, weiß auch Denis Bruger, Senior Director Seller Growth bei
Ebay in Deutschland. „Sind bei der Artikelbeschreibung Fragen offen, ist der Kunde verunsichert und es entstehen Hürden, wie zusätzliches Nachfragen beim Verkäufer.“
„Das einfachste ist, man versetzt
sich als Verkäufer in die Rolle
des Käufers“
Wie man die Produktinformationen nun aber
aufbereitet, hängt vor allem von der Zielgrup-
Achtung!
Rechtliche Stolperfallen bei
Produktbeschreibungen
§ Werbeaussagen
Jegliche Art von irreführender Werbung
ist unzulässig, d. h. jede Werbeaussage
muss wahrheitsgemäß und beweisbar
sein.
§ Produktbeschreibung
Der Verkäufer ist zur Angabe der wesentlichen (= kaufentscheidenden) Merkmale verpflichtet (z. B. Maße, Material).
§ Produktfotografie
Auch Fotos werden Vertragsgegenstand.
Vermeiden Sie Abweichungen zwischen
Produktfoto und Produktbeschreibung.
Weisen Sie darauf hin, dass Dekorationsgegenstände nicht zum Lieferumfang
gehören.
§ Urheber- und Markenrecht
Überprüfen Sie, ob Sie für die Produktbeschreibungen mit einem individuellen
Charakter, Fotos oder Videos, die Sie
benutzen, die Nutzungsrechte innehaben.
Verwenden Sie Markenlogos nur, soweit
die entsprechende Einwilligung der Markeninhaber vorliegt.
§ Kennzeichnungspflicht
Artikel wie Textilien, Haushaltsgeräte,
Lebensmittel, Kosmetika und Spielzeug
müssen besonders gekennzeichnet sein.
pe und den Produkten selbst ab. Bei technischen Produkten wie etwa Kopfhörern oder
einem USB-Stick ist ein Datenblatt sicherlich
ausreichend. Bei emotionalen Produkten wie
Schmuck oder Kosmetika werden Produktinformationen häufig im Fließtext aufbereitet.
Bei einigen Produkten sind beide Arten der
Produktinformationsdarstellung denkbar und
können auch gerne kombiniert werden: Autos
sind hier ein Paradebeispiel. Sie vermitteln
sowohl emotionalen Wert, aber die technischen Daten sind überaus wichtig. „Angebo-
te mit detaillierten Produktinformationen sind
bei Käufern am beliebtesten“, erklärt Denis
Burger. „Dabei geht es nicht um besonders
lange Texte, sondern um die Beantwortung
zentraler Fragen im Kaufprozess, wie Lieferumfang, Größe, Farbe, Alter und eventuelle
Mängel. Das Einfachste ist, man versetzt sich
als Verkäufer in die Rolle des Käufers und
überlegt, ob man durch die Beschreibung einen positiven und umfassenden Eindruck vom
Artikel erhält.“
Neben den bereits angesprochenen wesentlichen Merkmalen, die nicht fehlen dürfen,
lauern in der Aufbereitung der Produktinformationen aber auch noch weitere rechtliche
Stolperfallen auf den Händler. Jede Aussage
zum Produkt, die der Händler in der Produktbeschreibung macht, muss wahrheitsgemäß
und beweisbar sein. Wird beispielsweise ein
Smartphone damit angepriesen, dass der
Akku eine Woche lang hält, dann muss das
auch stimmen – ansonsten liegt ein Fall von
irreführender Werbung vor. Bei den Produktfotos gilt: Sie sollten nicht von der Produktbeschreibung oder gar dem Produkt abweichen. Wer ein rotes Auto verkauft, soll auch
ein Foto von einem roten Auto einstellen und
nicht von demselben Modell in der Farbe blau,
weil er das Foto gerade einfach zur Hand hatte. Zudem gilt: Das Foto sollte im Idealfall nur
das Produkt selbst zeigen. Finden sich auch
andere Gegenstände oder Dekoration auf
dem Bild, hat der Händler darauf hinzuweisen,
dass diese nicht zum Lieferumfang gehören.
Und zu guter Letzt gilt: Für Produktfotos, Videos oder sogar die Beschreibung sollte der
Händler die Nutzungsrechte haben, wenn er
sie von einem Dritten (z. B. Hersteller) übernimmt.
Es gibt also einiges in Sachen Produktbeschreibung zu beachten. Doch wer seine Produktinformationen optimal für seine Zielgruppe aufarbeitet und attraktiv präsentiert, kann
den Kunden dadurch ein ganzes Stück weit
vom Kauf überzeugen. Der beste Tipp ist tatsächlich, sich seine Produktbeschreibungen
und -fotos aus dem Blickwinkel eines potenziellen Kunden anzusehen und abzuwägen, ob
man selbst vom Kauf überzeugt wäre. (mp)
8
BRANCHENTRENDS
Barrierefreiheit im Online-Handel
Von digitalen Stolperfallen und unüberwindbaren Hürden
Der Online-Handel ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Damit wächst auch die
Verantwortung, dass alle Mitglieder der Gesellschaft an der Online-Welt teilhaben können – selbst dann, wenn sie eine Schwäche
oder ein Handicap haben. Doch wie gestaltet
man einen Online-Shop barrierefrei? Welche
Kriterien muss eine barrierefreier Web-Präsenz erfüllen? In unserem Bericht werden wir
diese und andere Fragen rund um das Thema
barrierefreier Online-Handel beantworten.
Ist von „Barrieren“ oder „Barrierefreiheit“ die
Rede, wird das Thema nicht selten schnell
auf Menschen mit einem Handicap gelenkt.
Das ist in manchen Fällen durchaus einleuchtend, da Menschen mit einer körperlichen oder
geistigen Beeinträchtigung im Alltag natürlich
auf eine größere Zahl und wesentlich höhere
Barrieren treffen als Menschen ohne Handicap. Doch Barrieren gibt es überall – sowohl in
der „realen“ als auch der digitalen Welt – und
sie erschweren eben nicht nur Menschen mit
einer Behinderung das Leben. Je nach Fokus
und Kontext gibt es zum Beispiel Barrieren, die
beeinträchtigten Menschen die Orientierung im
Internet verwehren oder älteren Generationen
den Zugang zur Online-Welt unmöglich machen.
Weg mit den Hürden! –
Was bedeutet „Barrierefreiheit“?
Um sich näher mit dem Thema Barrierefreiheit beschäftigen zu können, muss man sich
darüber im Klaren sein, wie weit oder eng der
Begriff überhaupt gefasst werden kann. Grundsätzlich ist schon in Artikel 3 des Grundgesetzes
verankert, dass niemand aufgrund seiner Behinderung benachteiligt werden darf. „Barrierefrei“
sind dabei Systeme, Anlagen, Verkehrsmittel
oder Gebrauchsgegenstände, wenn sie „für
behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und
grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und
nutzbar sind.“ – So schreibt es das Gesetz zur
Gleichstellung behinderter Menschen (BGG).
Die Bundesregierung verweist darauf, dass
Barrierefreiheit „keine Speziallösung für Menschen mit Behinderungen“ ist. Es geht also im
Prinzip auch darum, die Umwelt in jener Weise
zu gestalten, dass alle Menschen gleichermaßen daran teilhaben können, und zwar ohne die
Berücksichtigung spezieller Personengruppen.
Das Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit
nennt dieses Verständnis auch „Design für alle“.
Auf Marktplätzen zählt das
Engagement der Betreiber
Will man als Online-Händler seine Waren barrierefrei anbieten und sich somit allen Käufergruppen öffnen, so gibt es in den meisten Fällen zahlreiche Ansatzpunkte zur Optimierung.
Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob man
einen eigenen Shop betreibt und somit nach
Belieben Umbaumaßnahmen vornehmen kann
oder ob man einen Marktplatz-Shop anpassen
will. Denn dort hat man in aller Regel weitaus
weniger Befugnisse, wodurch die Möglichkeiten entscheidend eingeschränkt sind – Händler
müssen hier auf die Zuarbeit der Marktplatzbetreiber setzen und hoffen, dass das entsprechende hürden-brechende Engagement vorhanden ist.
Wie steht es nun eigentlich um die namhaften
Marktplätze, die hierzulande aktiv sind? Auf
Nachfrage betonte zum Beispiel Nikolaus Lindner, Director Government Relations für Ebay in
Deutschland, die große Bedeutung der Barrierefreiheit: „Unsere Vision ist ein Handel, der durch
Technologie vorangetrieben wird und für alle
offen ist. Allgemeiner Zugang zu unserem Online-Marktplatz – für Käufer und Verkäufer – hat
Priorität und ist für uns ein Kriterium in der Produktentwicklung.“ Im Speziellen heißt das, dass
neue Features, Funktionen und Aktualisierungen
„ohne erfolgreiche Prüfung auf Barrierefreiheit
auf dem Ebay-Marktplatz gar nicht live gehen
können.“
Schon bei Farben fängt
Barrierefreiheit an
Auch Ina Froehner, Head of PR von DaWanda,
weiß um die Wertigkeit der Barrierefreiheit: „Wir
finden das Thema sehr interessant und wichtig.
Aktuell haben wir keine Features, die die Verkäufer ‚verwenden‘ können, um ihren Shop komplett
barrierefrei zu gestalten.“ Dennoch bleibt man
natürlich nicht tatenlos. Auf DaWanda.com
führe man beispielsweise Farbenblindheitstests
und Kontrastprüfungen durch, „um eine optimale Lesbarkeit zu gewährleisten“. Mithilfe solcher
Tests können Websitebetreiber und Webdesigner ermitteln, wie Menschen mit einer Farbenblindheit oder Sehschwäche eine Website
wahrnehmen. Auf Grundlage dieser Ergebnisse
lassen sich dann entsprechende Optimierungen
vornehmen.
Für die Praxis ergeben sich für Händler und
Websitebetreiber daraus zum Beispiel folgende
Handlungsmaximen: Auf Kontraste wie Rot-Grün
oder Blau-Gelb sollte im Online-Shop verzichtet
werden, da viele Menschen gerade solche Farbkombinationen nur schwer wahrnehmen kön-
9
BRANCHENTRENDS
nen. Ähnlich sieht es mit schwachen Kontrasten aus: Gelbe Schrift auf weißem Hintergrund
dürfte selbst für Menschen mit durchschnittlich
guter Sehkraft wesentlich schwieriger lesbar
sein, als schwarze Schrift auf weißem Grund.
Gleiches gilt für sich bewegende oder flackernde
Elemente.
rung auf dem Smartphone nur
schwer antippen lassen, stellen
bereits für geübte Finger ein Problem dar. Für ältere Nutzer oder
Menschen mit Beeinträchtigung
können sie sich zur unüberwindbaren Barriere mausern.
Formen und Größe:
Wenn Schnörkel zur Hürde werden
Orientierung und Verständnis gehen Hand in
Hand
Neben dem Einsatz von Farben kann natürlich
auch die Schriftgröße ein Hemmnis sein. Daher
hat DaWanda an dieser Stelle bereits interveniert: „Die Textgröße wurde schon vor einigen
Jahren von 12 Pixel auf 14 Pixel geändert“, so
Froehner weiter.
Bei der Schriftart sollten Websitebetreiber darauf achten, dass eine gut lesbare Schrift verwendet wird. Das heißt, die Einzelbuchstaben
sollten klar erkennbar und deutlich voneinander
getrennt sein. Unnötige Schnörkel oder Verzierungen an den Buchstaben, die das Lesen erschweren, sollten unbedingt vermieden werden.
Daneben gehört zu einer gut lesbaren Schrift
auch der Umstand, dass die Zeilen einen genügend großen Abstand voneinander haben und
beispielsweise die sogenannten Unterlängen der
Buchstaben „g“ oder „p“ – also jene Bereiche,
die nach unten ausladend sind – nicht mit den
Buchstaben der folgenden Zeile kollidieren.
Zu einer barrierefreien Optik gehört darüber
hinaus auch die Möglichkeit, sich Websites
auf verschiedenen Engeräten wie Laptop oder
Smartphone gleichermaßen gut les- und nutzbar anzeigen zu lassen. Schaltflächen, die sich
aufgrund ihrer geringen Größe oder ihrer Platzie-
Rechtlicher Exkurs
Nicht nur im Deutschen Grundgesetz
und dem BGG werden die Barrierefreiheit
thematisiert und die Gleichbehandlung statuiert. Auch die Europäische Kommission
hat sich gleiches zum Ziel gesetzt und 2015
einen Vorschlag für ein Barrierefreiheitsgesetz vorgelegt, das in allen Mitgliedstaaten
zur Anwendung kommen soll. Dabei wird
unter anderem auf die Barrierefreiheit von
ANSATZPUNKTE FÜR DEN AUFBAU
EINES BARRIEREFREIEN SHOPS
Optik
• Gut erkennbare Farben und Kontraste
• Gut lesbare, schnörkellose Schriftarten
• Ausreichende Schriftgrößen
• Mobile Optimierung / Responsive Design
Verständnis
• Einfache Sprache
• Vorlese-Funktion
Orientierung
• Klare Navigation
• Freiheit der Eingabegeräte
Eng an das verwendete Endgerät geknüpft
ist natürlich auch das Eingabegerät: PC-Nutzer sollten in jedem Fall die Wahl haben, ob
sie mittels Maus oder Tastatur navigieren.
Auch Ina Froehner von DaWanda verweist
auf entsprechende Vorkehrungen auf dem
Online-Marktplatz: „Wenn jemand die Seite
ohne Maus bedient, wie bei Blinden, und die
Tabsteuerung nutzt, gelangt er beim Betreten
des jeweiligen Shops zuerst in die allgemeine
Suche auf DaWanda und mit dem nächsten
Tab in die Shopsuche des jeweiligen Shops.
So besteht die Möglichkeit, dort recht schnell
das gesuchte Produkt zu finden.“
Um das Verständnis weiter zu fördern, sollten
Website-Betreiber neben einer grundsätzlich
einfachen und logischen Struktur bzw. Navigation auch auf den Einsatz einfacher Sprache
Wert legen. Unnötig viele Fremd- oder Fachwörter hemmen das Verständnis – genau wie
lange und verschachtelte Sätze. Überlegte
Zwischenüberschriften und weiterführende
Informationen (zum Beispiel durch Links) können dabei helfen, Seiten besser zu strukturieren und die Inhalte verständlicher zu machen.
Der Einsatz erweiterter Features kann weitere
Geldautomaten und Bankdienstleistungen,
technischen Geräten oder auch E-Books
eingegangen. Besonders prekär für Online-Händler: Der Richtlinienvorschlag sieht
vor, dass die Barrierefreiheit im Bereich der
Privatwirtschaft sowie im Online-Handel
verpflichtend wird.
Das ist insofern heikel, da die barrierefreie
Gestaltung eines Online-Shops mit hohen
Kosten verbunden sein kann: Wenn also
Barrieren abbauen: So können sich sehbeeinträchtigte Nutzer mithilfe von Text-to-SpeechDiensten beispielsweise die geschriebenen
Texte auf einer Website vorlesen lassen.
Fazit
Es hat sich gezeigt: Die Ansatzpunkte zur barrierefreien Optimierung einer Website sind zahlreich und vielfältig. Fast in jedem Online-Shop
finden sich Elemente, an denen man noch feilen könnte. Natürlich ist der Aufwand für eine
entsprechend überarbeitete Seite je nach Sortiment, Größe, Funktionen etc. unterschiedlich
hoch. Das weiß auch der Digitalisierungsspezialist i-ways sales solutions GmbH. CMO des
Unternehmens, Florian Laudahn, betonte, dass
man im Zuge einer barrierefreien Anpassung
einer Website immer ein klares Ziel haben sollte: „Hier können wir nur klar empfehlen, vor
der Beauftragung mit allen Beteiligten eine
intensive Anforderungs- und Zieldefinition zu
erstellen. Die Kernfragen sollten sein: Für wen,
möchte ich durch welche Maßnahmen was
verbessern, um welches Ziel zu erreichen?“
Wenn diese Fragen geklärt sind, sollte die
Hälfte der sprichwörtlichen Miete schon drin
sein. (tp)
nicht nur einzelne Kriterien, sondern ein
ganzer Anforderungskatalog verpflichtend
umgesetzt werden muss, kann dies für kleine und mittelständische Händler existenzbedrohend sein. Nicht umsonst hat sich der
Händlerbund in einer aktuellen Stellungnahme zwar für die Inklusion, Teilhabe und
Gleichberechtigung von beeinträchtigten
und behinderten Menschen ausgesprochen, jedoch die Verhältnismäßigkeit einer
solchen Verpflichtung infrage gestellt.
10
DIGITALTECH
Mammutaufgabe Digitalisierung
In der Ruhe liegt nicht die Kraft
Was ist eigentlich Digitalisierung? Allein mit
einer schnöden Begriffserklärung könnte man
Seiten füllen, denn ob man nun den Schritt
vom Handy zum Smartphone, vom Brief zur
E-Mail oder vom Ladengeschäft zum Online-Shop meint – Digitalisierung oder digitale
Transformation ist das alles. Die Frage, die
man sich als Händler, als Logistiker, als Unternehmen insgesamt stellen muss, lautet: Wie
setze ich den abstrakten Begriff in die Realität
um? Antworten gibt es viele, fest steht aber:
Ohne geht es nicht!
In einer früheren, weniger komplexen Zeit ging
man, wenn man ein neues UKW-Radio brauchte, in die Stadt. Im Elektronikgeschäft ließ man
sich vom Fachmann beraten, welches Radio den
besten Empfang und die einfachste Bedienung
bietet und trug es nach Hause. Heute checken
die meisten Menschen in der Regel Vergleichsportale oder die aktuellsten Amazon-Deals und
lassen sich das Päckchen noch am selben Tag in
die Packstation oder dank Zeitfensterzustellung
direkt um 19:24 Uhr nach Hause liefern. Der
Kunde von heute ist längst „digitalisiert“, er will
seine Bestellungen so schnell, so günstig und so
stressfrei wie möglich. Ebay und Amazon machen es als All-In-One-Anbieter möglich, Deutsche Post und DPD sorgen für den ultraschnellen
Versand. Und der kleine, traditionelle Elektronikfachmarkt? Kommt der etwa nicht mehr hinterher? Eine BVDW-Studie zur Digital Readiness
kommt leider zum Ergebnis: Nein, kommt er
nicht. Was tun?
Ruhe-Phase
„Die unternehmensgrößenspezifischen Unterschiede in dieser Studie sind wirklich sehr spannend. Fast schon dramatisch erscheinen die
Unterschiede zwischen kleineren und größeren
Unternehmen, wir haben in dieser Studie nach
Umsatz und Mitarbeiterzahl differenziert. Hier
deuten die Ergebnisse darauf hin, dass gerade
die kleinsten Unternehmen den größten Nachholbedarf aufweisen“, sagt Oliver Bohl, Vorsitzender der Fokusgruppe Digital Commerce im
BVDW. Jedes zehnte Unternehmen befindet
sich in der sogenannten "Ruhe-Phase", hat also
weder eine angepasste Strategie, noch ausgeprägte digitale Kompetenzen aufseiten der Mitarbeiter.
„Dies kann sich zu einer echten Existenzbedrohung entwickeln. Die Großen im Markt setzen
den Maßstab aus Kundensicht. Hier müssen
auch kleinere Unternehmen die Notwendigkeit
zum Agieren erkennen und signifikante Investitionen in ihre Zukunftsfähigkeit tätigen. Konkret
gilt es, die Potenziale der Digitalisierung für das
eigene Kerngeschäft herauszuarbeiten und dabei den Nutzer und sein Verhalten zu durchleuchten.“ Aber wie kann ein Unternehmen „konkret“
die Potenziale der Digitalisierung nutzen? Gut
und schön, wenn digitale Transformation dazu
führen kann, Umsätze zu steigern und den Kunden enger an das Unternehmen zu binden. Aber
um dorthin zu gelangen, ist es ein langer Weg.
Selbst Experten sagen, dass die Digitalisierung
ein schwieriger, komplexer Prozess ist.
Starter-Phase
Zuallererst muss der Wille vorhanden sein, Wagnisse einzugehen und sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. 15 Prozent der Unternehmen
befinden sich in der Starter-Phase. Hier sind immerhin schon erste digitale Projekte erkennbar,
die jedoch nur vereinzelt umgesetzt werden. Es
gilt, Ideen zu strukturieren und den Begriff „Digitalisierung“ nicht nur anzureißen, weil es gerade im Trend liegt. Ein Unternehmen, welches
beispielhaft für eine erfolgreiche Transformation
gelten kann, ist DPD. Dieses hat sich, wenn auch
aus einer bereits vergleichsweise starken Ausgangsposition heraus, schon vor Jahren selbst
eine „digitale Denkweise“ auferlegt, wie es Michael Knaupe, Director Products & Services DPD
GeoPost (Deutschland) GmbH, nennt. „Bei uns
ging der entscheidende Impuls zu einer konsequenten Digital-First-Denkweise unmittelbar von
der Unternehmensführung aus. DPD CEO Boris
Winkelmann legt seit seinem Amtsantritt 2013
den Fokus auf eine entschiedene Nutzung der
Digitalisierung als Wachstumschance.“
Das führte mittlerweile zu messbaren Erfolgen,
wie Knaupe darlegt: „Das Unternehmen verzeichnete 2015 das stärkste Wachstum seit 20
Jahren, ein Umsatzplus von 8 Prozent im Vorjahresvergleich. Wachstumstreiber ist dabei klar
der Online-Handel: Der Marktanteil von DPD im
B2C-Segment liegt mittlerweile bei 8 bis 10 Prozent, im Jahr 2013 waren es noch lediglich 5 bis
7 Prozent. Diese Erfolge führen wir unmittelbar
auf unsere digitalen Services zurück.“ Steigende
Marktanteile, steigende Umsätze, eine preisgekrönte App, die dem Kunden nicht nur die Möglichkeit gegeben hat, Pakete live zu verfolgen
oder dem Paketboten ein Trinkgeld zu zahlen,
sondern bis kurz vor der Lieferung ermöglicht,
das Päckchen noch zu einer anderen Adresse
umzuleiten – DPD hat den digitalen Kunden verstanden.
Pilot-Phase
Das Unternehmen hatte es aber auch leichter als kleinere Logistikanbieter oder eben als
klassische stationäre Händler. Für diese ist es
fordernd, anhand eigener digitaler Projekte Strategien umzusetzen, cross-funktionale Teams zu
bilden und ein Bewusstsein für die Transformation zu bilden, wie es der BVDW für die dritte,
die Pilot-Phase, festlegt. Denn, seien wir ehrlich,
wie soll ein kleiner Buchladen ein „cross-funktionales Team“ bilden? Wo soll man überhaupt
anfangen?
Die meisten denken bei der Digitalisierung direkt
an den Online-Shop, der angebunden werden
11
Pakete steuern mit der DPD App | © DPD
DIGITALTECH
muss. Dabei ist das eigentlich ein nachgelagerter Schritt. Man kann als Kleinunternehmer
auch tatsächlich klein beginnen. Kartenzahlung
anzubieten oder eine Website zur Vorstellung
des Ladens aufzusetzen sind bereits Schritte auf
dem Weg, wenn sie auch klein sein mögen. Wer
nicht originär aus dem Online-Handel kommt und
irgendwann tatsächlich so weit ist, einen Online-Shop nicht nur anzubieten, sondern auch zu
pflegen, zu optimieren und in der Google-Suche
auf den vorderen Rängen zu platzieren, der hat
die Pilot-Phase längst hinter sich gelassen. Im
Mittelpunkt der Überlegungen muss immer die
Frage stehen, wie man dem Kunden das Einkaufen angenehmer und einfacher gestalten kann.
Zudem muss die Selbstwahrnehmung stimmen.
„Es ist schon auffällig, dass die Selbsteinschätzung der befragten Unternehmen im Durchschnitt deutlich positiver ist als die Realität.“
Das ist allerdings eine große Gefahr, denn wenn
man keine Veranlassung sieht, etwas zu tun,
dann bleibt man stehen – und wird mittelfristig
arge Probleme bekommen. Der Einzelhandel erfährt seit Jahren am eigenen Leib, was passiert,
wenn man den E-Commerce beobachtet, ohne
selbst aktiv zu werden.
Digitalisierungs-Phase
„Digitalisiert“
Umgekehrt ist natürlich auch nicht alles Gold,
was glänzt. Arbeitsprozesse zu optimieren und
komplett erprobte Abläufe über den Haufen zu
werfen, ist einerseits nicht ganz einfach, schon
allein, weil man etablierte Mechaniken nicht einfach ändern möchte. Aber spricht man von Digitalisierung, dann spricht man eben andererseits
auch immer wieder über Arbeitsplätze. Wenn
die Digitalisierung zur „Top-Down-Priorität“ geworden ist, wie es Michael Knaupe vom DPD
nennt, wenn ein Unternehmen die Digitalisierungs-Phase erreicht hat, kultureller Wandel Einzug hält, Führungsstrategie, Kernprozesse, Produkte und Dienstleistungen digitalisiert werden,
dann ist man schnell auch bei Rationalisierung
angekommen. Das Vorurteil lautet immer noch:
Die Technik ersetzt den Menschen.
Noch heikler für den Kunden ist das Thema „Datensicherheit“. Amazon und Ebay können nur
darum so gut und kundenfreundlich funktionieren, weil sie ihre Kunden kennen, weil sie individualisierte Kommunikation anbieten. Um das
zu erreichen, brauchen sie die nötigen Daten,
die den Algorithmus füttern und dafür sorgen,
dass sie wissen, was wir wollen, bevor wir es
wissen. Zwei Herzen schlagen in unserer Brust.
Wir wollen den ultimativen Service, aber eigentlich wollen wir auch den fortwährenden Schutz
unserer Daten.
Aber stimmt das wirklich, Herr Knaupe? „Engagierte Arbeitskräfte bleiben in unserem Geschäft
auch auf lange Sicht wichtigster Erfolgsfaktor.
Aber die Arbeit verändert sich. So werden etwa
unsere Zusteller viel stärker als zuvor digital angeleitet und unterstützt. In Summe erleichtert
das ihre Arbeit, zum Beispiel weil sie seltener
vor verschlossen Türen stehen – denn bei DPD
wissen die Empfänger genau, wann ihr Paket
kommt – und können flexibel vorab reagieren,
wenn sie zum prognostizierten Zustellzeitpunkt
nicht zu Hause sein können. Gerade in der Entwicklung hat die Digitalisierung bei uns auch
Arbeitsplätze geschaffen, nur so lassen sich
innovative Ideen auch schnell auf die Straße
bringen. Zudem sind im Unternehmen ganze
Bereiche neu erstanden – etwa für das fortlaufende Testing unserer Services auf den digitalen Kanälen.“ Oliver Bohl sieht denn auch statt
des Ab- oder Aufbaus von Arbeitsplätzen eher
die „gesteuerte Transformation“ als zielführend.
Arbeitsplätze, Aufgaben und Kompetenzen müssen umgewandelt und nicht mit aller Macht neu
forciert werden.
digitaltech
Nachrichten
aus der
Digitalbranche
NEWS
Das Zauberwort lautet an dieser Stelle Transparenz. Die Konsumenten möchten „verstehen,
wie ihre Daten verwendet werden und erwarten eine hohe Transparenz und Vertrauenswürdigkeit. Daher gilt es, mit diesem Aspekt sehr
offen und transparent zu verfahren und die Konsumenten einzubeziehen“, so Oliver Bohl. Ist ein
Unternehmen „digitalisiert“, sind Online- und
Offline-Welt perfekt verzahnt, ist die gesamte
Organisation auf die Umsetzung digitaler Prozesse ausgerichtet, dann muss sich das Unternehmen nicht nur mit Kunden-, sondern auch mit
den eigenen Unternehmensdaten auseinandersetzen. Es braucht eine Datenbasis, auf der man
aufbauen kann. Wer genau weiß, was im Unternehmen wie funktioniert, wer weiß, warum
Kunden gerade in den eigenen Laden kommen
und nicht zum Konkurrenten gegenüber gehen,
und diese Informationen in konkrete Prozesse
umsetzt, der geht den ersten Schritt hin zum
digitalen Unternehmen. Dafür muss man kein
Amazon und kein Ebay sein, man muss sich aber
stets vor Augen führen: Wenn ich die Digitalisierung nicht als Chance, sondern als Gefahr begreife, dann wird mich nicht nur die Konkurrenz
überholen, dann werden mich auch die Kunden
zurücklassen. (cp)
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12
BRANCHENTRENDS
Nachhaltigkeit im Online-Handel
Wege und Möglichkeiten für Händler, sich nachhaltig zu engagieren
bereichen zur Anwendung kommen kann. Aus
diesem Grund soll der Begriff nachfolgend erst
einmal umrissen werden.
Nachhaltigkeit ist ein Thema, das viele Menschen beschäftigt – und zwar sowohl privat als
auch geschäftlich. Nicht selten wird die Nachhaltigkeit auch als Leitprinzip statuiert, als ein
Ziel und Grundgedanke, nach dem Menschen
ihr Leben ausrichten. Auch viele Unternehmen
haben sich den Begriff auf die Fahne geschrieben und ihn fest in ihrer Firmenphilosophie
verankert. Dabei ist Nachhaltigkeit ein sehr
komplexer Begriff, der sich auf unterschiedliche Aspekte beziehen und in diversen Lebens-
Eine Definition, auf die häufig zurückgegriffen
wird, ist jene der Weltkommission für Umwelt
und Entwicklung der Vereinten Nationen. Demnach ist die Nachhaltigkeit „eine Entwicklung,
die den Bedürfnissen der heutigen Generation
entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger
Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.“ Alles in allem geht
es also darum, Verantwortung zu übernehmen
– gegenüber Natur und Umwelt, gegenüber
den Menschen, gegenüber zukünftigen Gene-
Nachhaltigkeit – Vom Begriff zum
Leitprinzip
Beim Thema Nachhaltigkeit geht es im Grunde
um einen verantwortungsbewussten Umgang
mit Ressourcen, um die Stabilität und den
Erhalt des ökologischen Systems. Doch der
Begriff kann auch wesentlich weiter gefasst
werden und bezieht sich – je nach Verwendung
und Fokus – mittlerweile auch auf soziale Gerechtigkeit und die Ökonomie von Staaten.
rationen.
Dass eine solche Aufgabe – nämlich die
nachhaltige Entwicklung – natürlich nicht von
einzelnen Menschen oder allein der Politik zu
stemmen ist, dürfte den meisten klar sein.
Nicht umsonst ruft die Regierung auf ihrer
Seite zum gemeinschaftlichen Anpacken auf:
„Eine wirklich ‚nachhaltige‘ Entwicklung kann
nicht verordnet werden, sondern erfordert das
aktive Zusammenwirken von Gesellschaft und
Staat.“ – Und da schließt sich der Kreis. Denn
viele Verbraucher legen mittlerweile großen
Wert auf einen nachhaltigen Lebensstil und
wollen diesen auch beim Shoppen umsetzen.
Laut einer aktuellen Umfrage von Ebay in
Kooperation mit dem Marktforscher YouGov
Deutschland ist Nachhaltigkeit im Online-Handel für zwei Drittel der befragten Online-Shopper (62 Prozent) wichtig bis sehr wichtig (siehe
Ausschnitt Infografik). Grund genug für Unternehmen, den nachhaltigen Wünschen und Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden und
entsprechende Tatkraft sowie Engagement zu
zeigen.
Nachhaltige Sortimente – nicht für
alle Segmente umsetzbar
Der erste Gedanke, der vielen beim Thema
Nachhaltigkeit im Online-Handel in den Kopf
kommen dürfte, ist der Verkauf nachhaltiger
Produkte, was in den meisten Fällen wohl
dem Handel mit Fair Trade- oder Bioprodukten
gleichkommt. Doch auch der Handel mit gebrauchten, überarbeiteten oder neu instandgesetzten Produkten fällt unter den Einflussbereich des Nachhaltigkeitsgedankens. Dass
es einen solchen Trend definitiv gibt, bestätigt
auch Dr. Nikolaus Lindner, Director Government
Relations für Ebay in Deutschland:
„Den Trend hin zum Kauf und Verkauf nachhaltiger Produkte erkennen wir bei Ebay schon seit
Längerem. Bio, Fair Trade, recycelt – die starke Nachfrage nach Produkten mit einer dieser
Auszeichnungen schafft Chancen für Händler,
die sich mit diesem Themenbereich gezielt aus-
13
© malp – fotolia.com
In der heutigen Zeit ist das Thema Nachhaltigkeit fast schon ein Trend. Immer wieder
stellen Unternehmen den Begriff in den Fokus verschiedener Kampagnen und weisen
ihre Kunden gezielt darauf hin, dass sie
nachhaltige Konzepte und Strategien verfolgen. Doch was bedeutet „Nachhaltigkeit“ überhaupt? Kann sich wirklich jeder
Online-Händler nachhaltig engagieren? Und
wie wichtig ist es eigentlich den Kunden,
dass Unternehmen eine Verantwortung gegenüber Mensch und Natur übernehmen?
Fragen über Fragen, die uns dazu bewogen
haben, das Thema einmal genauer unter die
Lupe zu nehmen.
BRANCHENTRENDS
über Bord werfen und nur noch auf nachhaltige
Produkte setzen – in vielen Bereichen ist dies
mit den zur Verfügung stehenden Mitteln gar
nicht möglich. Es geht vielmehr darum, innerhalb des jeweiligen Unternehmens mögliche
Optimierungspotenziale zu erkennen, um die
Nachhaltigkeit in den eigenen Reihen zu verbessern.
Nachhaltige Produktgruppen, Bezugsquellen und Bürokratie
Ausschnitt, Infografik zum Thema Nachhaltigkeit
© eBay
einandersetzen und passende Angebote für die
Kunden schaffen.“ Das Konsumentenverhalten
der Verbraucher habe sich im Laufe der Jahre
demnach stark gewandelt. Der reine Besitz
ordne sich bei vielen Käufern dem bewussten
und nachhaltigen Konsum unter. Und genau auf
diesem Gedanken, einem gebrauchten Produkt
„durch den Wiederverkauf ein neues Leben zu
schenken und anderen Käufern damit eine Freude zu machen“, basiere auch die Gründungsidee von Ebay, so Lindner weiter.
Doch genau wie jedes andere Ziel auch, muss
die Nachhaltigkeit für Online-Händler praktikabel sein, um ein entsprechendes Konzept dauerhaft und wirtschaftlich verfolgen zu können.
Und natürlich können Händler die bestehenden
nicht-nachhaltigen Sortimente nicht einfach
Wie und vor allem wo setzt man nun aber als
Unternehmen an, wenn man die eigenen Strukturen und Prozesse nachhaltiger gestalten will?
Ein Beispiel: Nur, weil man als Unternehmen
nicht das gesamte Sortiment umstellen kann,
heißt das nicht, dass man im Bereich des Sortiments keine Ansatzpunkte hat. So sollten
nachhaltige Unternehmen u. a. darauf achten,
Produkte oder Warengruppen vom Verkauf auszuschließen, bei deren Produktion Ressourcen
unnötig geschröpft oder die Umwelt übermäßig
belastet wird. Darüber hinaus – und dies ist ein
„selbstbezogenes Nachhaltigkeitskriterium“ –
hat das ECC Köln in einer Studie aus dem vergangenen Jahr herausgefunden, dass es für
über 85 Prozent der befragten Online-Shopper
wichtig ist, dass Unternehmen Produkte sperren, bei denen es Hinweise auf schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit gibt.
Auch die Bezugsquellen bzw. Zulieferer der
Produkte oder Materialien, die im eigenen
Unternehmen die Basis der Geschäfte bilden,
könnten überprüft werden. In aller Regel gilt:
Transportwege belasten die Umwelt. Je weiter
der Weg ist, den die Zuliefererteile oder Materialien ins eigene Unternehmen hinter sich
bringen müssen, desto schwieriger ist es, die
CO2-Bilanz – also den Ausstoß des Kohlendioxids – gering zu halten. Unternehmen, die
sich also auf regionale Anbieter benötigter Teile
stützen oder die Wege der Zulieferer möglichst
kurz halten, stärken nicht nur den lokalen Markt,
sondern tun im Rahmen ihrer Möglichkeiten zugleich etwas gegen die weitere Verschmutzung
der Luft.
Ein weiterer Faktor ist die Bürokratie. In vielen Unternehmen fallen Unmengen an Papier
an, die im Zuge bürokratischer Prozesse über
die Schreibtische, Produktionsstraßen oder
Ladentheken wandern. Das nötige Schlagwort
heißt hier „Digitalisierung“. Mit ihrer Hilfe ist
es möglich, die Papierfluten zu minimieren.
Zahlreiche Unternehmen verzichten beispielsweise darauf, ihren Kunden Papierrechnungen zuzuschicken und setzten stattdessen
auf E-Mails. Auch Amazon hatte diese Praxis
bereits 2014 mit Blick auf den Umweltschutz
Screenshot: Amazon-Post bei Facebook
angekündigt und umgesetzt:
Logistikbereich mit vielen
Ansatzpunkten
Neben dem Sortiment scheint die Logistik jener
Bereich zu sein, in dem sich das wohl größte
Optimierungspotenzial versteckt. Angefangen
natürlich beim Verpackungsmüll: Die Fluten
an Kartonagen, Füllmaterialien und sonstigen
Verpackungsmaterialien schaden nicht nur der
Umwelt, sondern sind auch für viele Kunden
ärgerlich – besonders, wenn kleine Produkte
in viel zu großen Kartons versendet und dabei
Unmengen an Füllmaterialien verschwendet
werden. Nicht umsonst findet man in den sozialen Medien immer wieder Nachrichten, in
denen sich Shopper über diese Art der Umweltverschmutzung beschweren. Wenn Händler also die Nutzung ihrer Versandmaterialien
optimieren, können sie dadurch nicht nur der
Umwelt helfen, sondern zugleich Geld sparen
und den Kundenwünschen gerecht werden.
Auch die Wahl des Logistikdienstleisters kann
in Sachen Umweltschutz eine entscheidende
Rolle spielen. So gibt es auf dem Markt moderne Transport- und Logistikunternehmen,
die gezielt auf der Basis nachhaltiger Konzepte
arbeiten und Verantwortung für Mensch und
Umwelt übernehmen. Dabei spielt natürlich
der bedachte Verbrauch von Ressourcen so-
14
BRANCHENTRENDS
wie die Reduzierung der CO2-Emissionen eine entscheidende Rolle.
Erster möglicher Ansatzpunkt kann
natürlich der Fuhrpark sein: Der
Einsatz moderner, energiesparender und vergleichsweise leichter
Fahrzeuge mit möglichst niedriger
Schadstoffklasse ist wünschenswert. Manche Logistiker setzen
auch tempogedrosselte LKW ein,
die durch den geringeren Treibstoffverbrauch umweltschonender
sind und Kosten einsparen.
Als weiterer Optimierungspunkt
bleibt der Versand der Pakete zum
Kunden. Viele Logistikunternehmen wie die DHL oder Hermes haben sich der Nachhaltigkeit längst
verschrieben und beispielsweise
Maßnahmen ergriffen, um diese in
ihren Standorten, Fuhrparks oder
sogar mit Blick auf die Berufsbekleidung der Mitarbeiter durchzusetzen. Darüber hinaus nutzen Anbieter innerstädtisch vermehrt Hybriden oder
Elektroautos, sofern die letzte Meile nicht mit
Rädern zurückgelegt werden kann. So wird
die Luftverschmutzung durch gesundheitsschädliche Abgase in den Städten minimiert.
– Bei der Wahl des Logistikpartners können
Online-Händler solche Aspekte definitiv berücksichtigen.
Zu guter Letzt können Unternehmen auf einen
nachhaltigen Versand bauen: Während die
DHL nach eigenen Aussagen beispielsweise
Päckchen und Pakete für Privatkunden ohne
Aufpreis 100 Prozent klimaneutral versendet,
steht diese Option Geschäftskunden bei vielen Logistikern optional zur Verfügung. Möglich ist beispielsweise, dass Online-Kunden
eine Zusatzgebühr entrichten und das Paket
dann entsprechend klimafreundlich versendet
wird. Das bedeutet für den Händler zwar im
Endeffekt mehr Aufwand, kann jedoch zur
Kundenbindung beitragen und sich langfristig
rentieren.
Ein Blick auf eine Infografik des ECC Köln
zeigt, welche sozialen bzw. ökologischen
Aspekte in Online-Shops bereits häufig um-
Infografik © ECC Köln
gesetzt sind, und könnte Unternehmen zumindest einen Anhaltspunkt bieten, wo noch
Potenzial zur Nachbesserung besteht.
Zum Schluss:
Ein Blick auf den „Fußabdruck“
Im Zuge von Nachhaltigkeitsdebatten werden
immer wieder die Begriffe „ökologischer Fußabdruck“ und „CO2-Fußabdruck“ aufgegriffen,
weshalb diese noch kurz angerissen werden
sollen. Im Lexikon der Nachhaltigkeit, das von
der Aachener Stiftung Kathy Beys konzipiert
wurde, ist der ökologische Fußabdruck als
Indikator für Nachhaltigkeit bzw. das Fehlen
eben dieser Nachhaltigkeit beschrieben. Das
Konzept wurde gestaltet, „um herauszufinden, inwieweit der eigene aktuelle Lebensstandard oder zum Beispiel das Wirtschaften
eines Unternehmens bereits ökologisch und
sozial verträglich gestaltet ist“. Der CO2-Fußabdruck beschreibt hingegen die „Menge
an CO2-Emissionen, die ein Mensch in einer bestimmten Zeit verursacht.“ Ein großer
Fußabdruck verweist auf eine hohe Emission,
während ein kleiner Fußabdruck ein klimafreundliches Leben impliziert.
Nicht nur für Unternehmen gilt es also, den
ökologischen bzw. CO2 Fußabdruck, den sie auf
der Erde hinterlassen, so klein wie möglich zu
halten. Ansatzpunkte gibt es fast überall, wobei natürlich noch einmal betont werden soll,
dass es äußerst schwierig ist, „nachhaltige
Pauschalvorschläge“ zu geben, die sich auf alle
Geschäftskonzepte und Unternehmen gleichermaßen anwenden lassen. Dafür ist der Markt
zu komplex und die Akteure einfach zu mannigfaltig. Für Unternehmen, die sich der Nachhaltigkeit verschreiben, sollte die oberste Handlungsmaxime daher sein, nach bestem Wissen
und Gewissen zu handeln und entlang aller
Unternehmensprozesse nach nachhaltigem
Optimierungspotenzial Ausschau zu halten. (tp)
Nachhaltige Ansatzpunkte für
Unternehmen (Auswahl)
•Sortimente / Warengruppen / Produkte
•Bezugsquellen / Zulieferer
•Bürokratie / Papieraufkommen
•Verpackungsmanagement
•Wahl der Logistiker / Fuhrpark
•Klimaneutraler Paketversand
15
TITELTHEMA
Interview mit Philipp Schrader
Weihnachtsvorbereitungen aus Sicht
eines Preisvergleichs
Der Kunde bemerkt die Weihnachtsvorbereitungen des stationären Einzelhandels,
wenn ab dem 1. September die Schokoladennikoläuse in den Supermärkten stehen.
Wann sollte sich der Online-Handel auf das
Weihnachtsgeschäft vorbereiten?
Philipp Schrader: Spätestens im September,
eher etwas früher, denn naturgemäß ist die
Weihnachtszeit sehr umsatzstark. Die Kunden
sind bereit, Geld auszugeben und beginnen
damit meist schon im Oktober. Wir wissen
anhand unserer Daten, wann und wonach die
Kunden suchen, und dementsprechend auch,
zu welchen Zeiten Online-Shops die besten
Umsätze generieren.
Was zeichnet denn eine gute Vorbereitung
aus?
Philipp Schrader: Zu den allgemeinen Vorbereitungen zählt die Auswahl, welche Produkte
überhaupt für das Weihnachtsgeschäft infrage kommen. Wichtige Produkte sollten auf
ihre Verfügbarkeit beim Lieferanten hin überprüft und bestellt werden. Lieferfristen müssen zwingend verlässlich angegeben werden,
damit Kunden wissen, bis wann sie bestellen
müssen, um ihre Ware rechtzeitig zu erhalten.
Daher sollten die Produktdaten entsprechend
aufbereitet werden.
Aber nicht nur das Sortiment selbst muss auf
den aktuellen Stand gebracht werden, gerade
auch die Marketing- und Vertriebskanäle müssen zur wichtigsten Zeit des Jahres optimal
ausgesteuert sein. Kampagnen sollten vorab
geplant und vorbereitet werden. Schon im
Sommer legen unsere rund 250 Content-Mitarbeiter Produktdaten für das Weihnachtsgeschäft an, um beispielsweise eine gute Sichtbarkeit bei Google zu gewährleisten.
Wie shoppt der durchschnittliche Kunde für
Weihnachten?
Philipp Schrader: Eine von ECC Köln und Ebay
beauftragte Studie vom November 2015 kam
zu dem Schluss, dass Online-Marktplätze ein
starker Umsatztreiber im Weihnachtsgeschäft
sind. Das liegt auf der Hand, denn hier bekommt ein Kunde im besten Fall alle Geschenke auf einmal. Zudem muss er sich nicht bei
mehreren Shops registrieren und spart sich so
Aufwand. Kunden vergleichen generell Preise,
da sie nicht nur Zeit sondern auch Geld sparen
möchten. Aus diesem Grund bieten wir die
Option mit Idealo Direktkauf seit über einem
Jahr erfolgreich an und geben Kunden die
Möglichkeit, ein auf dem Preisvergleichsportal gesuchtes Produkt auch direkt kaufen zu
können. Es sollte also für alle Händler oberste
Priorität haben, sich hier gut aufzustellen.
Welche Erfahrungswerte konnte Idealo in
der letzten Weihnachtssaison sammeln?
Philipp Schrader: Wir sehen, dass ab Anfang
Oktober bis zum vierten Advent die Verkaufszahlen über Idealo, vor allem auch über Idealo
Direktkauf deutlich ansteigen. Die stärksten
Kalenderwochen waren dabei 48 bis 51, der
Peak lag in Woche 50. In der Weihnachtszeit
haben wir rund die Hälfte aller Verkäufe des
gesamten Jahres 2015 verzeichnet. Die Conversion Rate ist in dieser Zeit um rund 50 Prozent gestiegen. Wir freuen uns also schon auf
das kommende Weihnachtsgeschäft.
Wie wichtig ist denn das Trendthema Mobile beim Weihnachtseinkauf?
Philipp Schrader: Wir beobachten eine
hohe Steigerung der Einkäufe über Smartphones. Das Weihnachtsgeschäft ist
auch die Zeit der Last-Minute-Käufe.
Daher ist es für Händler ungemein wichtig,
im Bereich Mobile gut aufgestellt zu sein.
Das ist für viele Händler noch immer ein großes Problem. Sei es aus Zeit-, Kosten- oder
Ressourcengründen. Bei uns sind alle Seiten
mobiloptimiert und bieten so dem Kunden und
damit auch dem Händler einen großen Mehrwert. Die Idealo-App wurde mittlerweile 3,5
Millionen Mal heruntergeladen. In der vergangenen Weihnachtssaison stieg die Nutzung
Idealo-Vertriebsleiter Philipp Schrader
im Interview
der App im Verhältnis zum restlichen Jahr um
20 Prozent. Das ist schon beeindruckend.
Aber gräbt ein Händler durch die Teilnahme
an Idealo Direktkauf seinem eigenen Shop
nicht im Prinzip das Wasser ab?
Philipp Schrader: Diese Sorge haben in der
Tat viele kleinere Händler. Bisher konnten wir
aber in der Praxis das Gegenteil beobachten.
Die Zahl der Klicks zum Shop, die bisher über
den Preisvergleich generiert werden, bleibt
bestehen. Die Verkäufe im Shop werden nicht
kannibalisiert. Es gibt für die Händler viel mehr
Umsatz on top – vor allem dank der App und
Mobiloptimierung.
Ein abschließender Ratschlag?
Philipp Schrader: Eine gute Vorbereitung ist
enorm wichtig! Diese kann für unterschiedliche Händler aber unterschiedlich aussehen.
Grundsätzlich gehört dazu eine gute Aufbereitung des eigenen Sortiments und vor allem
auch der Marketing- und Vertriebskanäle. Wer
keine eigenen Ressourcen für umfangreiche
Maßnahmen hat, kann von bestehenden
Strukturen profitieren, um sich gut zu platzieren. Dabei sind wir natürlich gerne behilflich.
16
TITELTHEMA
Nach dem Weihnachtsgeschäft ist
vor dem Weihnachtsgeschäft
Weihnachtsvorbereitungen im Online-Handel: Ohne langfristige Planung geht es nicht
Es ist September und damit nur noch vier
Monate bis Weihnachten. Höchste Zeit also,
mit den Vorbereitungen für das Weihnachtsgeschäft zu beginnen oder diese noch weiter zu intensivieren. Doch woran muss alles
gedacht werden und um welchen Bereich
sollte man sich als erstes kümmern? Neben
Tipps zum stressfreien Weihnachtsgeschäft
haben wir auch einige Online-Händler befragt, wie sie das Weihnachtsgeschäft angehen.
Das Weihnachtsgeschäft ist und bleibt für den
Handel der Umsatztreiber. Eine entsprechende Vorbereitung ist aus diesem Grund unerlässlich, denn a) haben zu Weihnachten die
Kunden die größten Spendierhosen an und b)
sind spätestens eine Woche vor dem Fest die
Nerven der Kunden zum Zerreißen gespannt.
Lange Wartezeiten sind spätestens dann nicht
mehr akzeptabel. Doch der Reihe nach…
davon, was man alles vorbereiten und vorantreiben will, sollte ein entsprechend umfangreicher Vorbereitungszeitraum gewählt und
vielleicht schon im Juni mit den Vorbereitungen begonnen werden. Die einzelnen Maßnahmen sind hier ganz klar in lang-, mittel- und
kurzfristig einzuordnen. Unter langfristige
Maßnahmen fallen unter anderem der Einkauf
sowie die Identifizierung von Geschenk- und
Trendartikeln. Gerade Trendartikel sind für das
Weihnachtsgeschäft nicht zu unterschätzen.
Ein Beispiel: Der Kino-Start von „Star Wars:
Episode VII – Das Erwachen der Macht“
im Dezember 2015 sorgte für einen Run auf
Merchandise-Artikel. Die Ausgabebereitschaft
der Deutschen lag laut einer Deals.com-Studie durchschnittliche bei 33,67 Euro. Entsprechend lohnt sich ein Blick in den Kalender:
Welche Filme werden vor Weihnachten veröffentlicht? Welche Bücher werden erscheinen?
Vielleicht passen die Neuerscheinungen ja
zum schon angebotenen Sortiment. Annedore Linder von Anndora.de hat ihr Produktsortiment mit Blick auf Weihnachten hingegen
bewusst um einige Produkte wie Kerzen, Duftgeräte oder reisenthel-Taschen erweitert. Der
Plan, den Kunden Anndora.de „schmackhaft“
zu machen, scheint aufzugehen: „Unsere Kunden belohnen uns regelmäßig zu Weihnachten
mit zahlreichen Einkäufen.“
Während die Identifizierung von Trendartikeln
nicht unbedingt notwendig ist, um das Weihnachtsgeschäft erfolgreich abzuschließen, ist
es der Einkauf auf jeden Fall. Gerade der Einkauf ist grundlegend, denn wer mit der Planung
zu spät beginnt, kann im schlimmsten Fall kurz
vor Weihnachten vor leeren Regalen stehen.
Händler sollten sich deswegen im Vorfeld
mit ihren Lieferanten absprechen und gezielt
nachfragen, ob besonders beliebte Produkte
ausreichend vorrätig sind und die Produktion
Wer sich gut und ausführlich auf das Weihnachtgeschäft vorbereiten will, braucht dafür
auf jeden Fall eine Strategie. Denn aus der
Kalten heraus ist es unmöglich, das Weihnachtsgeschäft erfolgreich über die Bühne
zu bringen. Michael Atug, Betreiber des Online-Shops MyMaw.de (Profi- und Qualitätswerkzeug), ist seit 2001 erfolgreicher Händler
sowie Mitglied des “E-Commerce Quartetts”
und konnte entsprechend einige Erfahrungen
sammeln. Der schlimmste Fehler, den man
seiner Meinung nach machen kann: „Nichts zu
machen! Das Weihnachtsgeschäft einfach auf
einen zukommen zu lassen und zu gucken was
passiert, ist der schlimmste Fehler, den man
machen kann.“
Volle Regale sind das A und O
Doch wann sollte man mit den Vorbereitungen
zum Weihnachtsgeschäft anfangen? Abhängig
17
TITELTHEMA
läuft. Man sollte dabei immer im Blick haben,
dass man wahrscheinlich nicht der einzige Abnehmer ist und die Bestände beim Hersteller
auch nur begrenzt sind. Ein kleiner Tipp: Wenn
man sich ohnehin schon im Gespräch mit dem
Lieferanten bzw. Hersteller befindet, kann man
auch versuchen herauszufinden, was bei der
Konkurrenz gut läuft. Vielleicht bietet der Lieferant eine Hot-Seller-Liste oder gibt sonstige
Tipps.
© EMrpize – fotolia.com
Aushilfen können für eine
reibungslose Logistik sorgen
Der Punkt Einkauf führt unweigerlich zu dem
Punkt Logistik/Versand. Ist das Lager voll,
heißt es nur noch auf die Bestellungen warten.
Und diese werden kommen. Für Online-Händler wird an dieser Stelle vor allem die zügige
Auftragsabwicklung enorm wichtig, denn
wenn Kunden die Ware nicht rechtzeitig erhalten, wird dies automatisch zu Problemen
führen. Um die gesteigerten Anforderungen
stressfrei abzuarbeiten, empfiehlt es sich,
Aushilfen für die Weihnachtssaison einzustellen. Bei Anndora.de setzt Linder frühzeitig auf
die Einarbeitung der Aushilfen: „Da die Weihnachtsvorbereitungen das ganze Jahr laufen,
sind wir im Bereich Mediendesign und Verkauf
gut aufgestellt. Da das Versandaufkommen
jedoch wächst, haben wir jetzt schon begonnen, uns Aushilfen für das Lager anzuwerben.
Dies war bereits erfolgreich und die Mitarbeiter werden mit Sicht auf das Weihnachtsgeschäft angelernt.“ Auch Andrea Gönner von
Garnwelt.de setzt auf Aushilfen. „Da wir unseren Online-Handel mit Wolle betreiben, sind
die Wintermonate sowieso unsere stärksten
Verkaufsmonate. Für die Wintersaison stellen
wir je nach Bedarf zusätzlich Personal ein, wir
haben einen Pool an Saisonkräften, die wir
kurzzeitig abrufen können. Gerade vor Weihnachten erwarten die Kunden eine schnelle
Lieferung, hier sollte eine präzise Personalplanung greifen, damit die Aufträge schnellstmöglich abgearbeitet werden können“, erklärt
die Geschäftsfrau.
Mobile ist Pflicht
Neben dem Einkauf und einer soliden Planung der Logistik und des Personals müssen
sich Online-Händler aber natürlich auch um
ihren eigenen Web-Auftritt kümmern. Der
Online-Shop ist schließlich das Herz des Business. Und einer der wichtigsten Punkte ist hier
ganz klar die Optimierung für mobile Endgeräte. Was vielleicht letztes Jahr noch ein Kann
war, ist in diesem Jahr ein absolutes Muss.
Unzählige Studien machen deutlich, dass immer mehr Verbraucher über Smartphone oder
Tablet shoppen. Ist der Shop nicht für mobile
Endgeräte optimiert, wird es sehr wahrscheinlich in diesem Jahr zu Umsatzeinbußen kommen, denn die Kunden werden, wenn das
Einkaufserlebnis nicht ihren Vorstellungen entspricht, die Seite verlassen und bei der Konkurrenz einkaufen. Dies hat auch Andrea Gönner erkannt und entsprechend reagiert: „Unser
Shop wird unseren Kunden voraussichtlich ab
Ende Oktober im Responsive Design erscheinen. Das Einkaufen vom Tablet aus wird nun
noch einfacher werden.“
In den Punkt Design gehört dabei jedoch mehr
als die Optimierung für mobile Endgeräte.
Denn Weihnachten ist Weihnachten und die
Kunden erwarten ein entsprechendes Design.
Denn Weihnachten bedeutet Schnee, Kerzen,
Weihnachtslieder und eine besinnliche Stimmung. Und dies lässt sich auch im Online-Shop
umsetzten. Aber Vorsicht: Beim Design ist oft
weniger mehr. Auch wenn es keine 100-prozentige Antwort auf die Frage gibt, was beim
Design richtig oder falsch ist – überladene Seiten, die vom Eigentlichen ablenken, sind eher
kontraproduktiv. Zumal sich zusätzliche Features auch auf die Ladezeit des Online-Shops
auswirken. Und Kunden sind ungeduldig. Eine
Studie von 2015 des Unternehmens Dyn hat
herausgefunden, dass eine Ladezeit von drei
Sekunden ausreicht, damit Verbraucher die
Lust an dem Online-Shop verlieren.
Online-Händler sollten die Gelegenheit lieber
nutzen, um noch einmal einen kritischen Blick
auf die eigene Shop-Usability zu werfen. Findet
der Kunde die Produkte schnell? Funktioniert
die Onpage-Search? In diesem Zusammenhang kann auch überlegt werden, ob es sinnvoll ist, extra Produktkategorien wie „Geschenke für Männer“ oder „Geschenke für Frauen“
zu erstellen. Wer sich dafür entscheidet, sollte
jedoch darauf achten, diese möglichst einfach
zu halten. Die Faustregel lautet hier: maximal
drei Menüebenen. Und auch die Namensgebung sollte klassisch bleiben und den potenziellen Kunden nicht zu sehr verwirren.
Werbung, Werbung, Werbung
Doch bevor es überhaupt so weit ist und der
Kunde online bestellt, steht die Aufgabe, den
Kunden auch in den eigenen Shop zu bekommen. Die aktuelle Studie „Online-Marketing
bei deutschen Shops“ hat untersucht, welche Kanäle für besonders viel Traffic sorgen.
An oberster Stelle steht hier ganz klar die organische Suche. Und wer hier im November
und Dezember ganz oben stehen will, sollte
spätestens gestern mit der Umsetzung der
SEO-Strategie begonnen haben. Dafür grundlegend ist eine ordentliche Keyword-Analyse.
Klassiker wie „Weihnachtsgeschenke für Frauen“ oder „Weihnachtsgeschenke für Männer“
sind dabei nur die halbe Miete. Man kann
sich sicher sein, dass auch die Wettbewerber diese Keywords auf dem Schirm haben.
18
TITELTHEMA
Google ist allerdings nicht der einzige Ort, an
dem es Sinn macht, Werbung zu schalten
bzw. durch Marketing die potenziellen Kunden
in den Shop zu locken. Annedore Linder setzt
dabei auf ein weitgestreutes Portfolio: „Wir informieren uns über die Nutzer und Altersklassen, die bestimmte Netzwerke bevorzugen.
Nach diesen Auswertungen kanalisieren wir
die Produkte auf den speziellen Medien, um
das Interesse auch bei den richtigen Kunden zu wecken. Für jüngere Leute sind das
Facebook, Twitter, Instagram oder Pinterest,
für die reifere Generation auch mal eine Zeitungsannonce.“ Und auch Juliane Heidrich
von catsonappletrees.de schätzt, dass „der
Social-Media-Bereich bzw. SEO sehr wichtig
sind, um die Verkäufe zu generieren.“
Mit Blick auf die wichtigsten sozialen Netzwerke ist zu überlegen, welches sich für das eigene
Sortiment am besten anbietet. Gerade wenn
es eine eher bildlastige Weihnachtskampagne
werden soll, bietet sich ein Profil auf Pinterest
oder Instagram eher an als ein Twitter-Account.
Wer lieber regional werben will, sollte hingegen
einen Blick auf Foursquare werfen. Wichtig ist
aber vor allem, dass man sich
nicht verzettelt und dass man
bei den relevanten Netzwerken
bleibt, denn da tummeln sich
die potenziellen Kunden. Zudem
noch ein Tipp für die Praxis:
Das Design der Profilseite auf
den sozialen Netzwerken sollte
mit dem Shop-Design weitestgehend übereinstimmen. Das
heißt: Die Header dürfen durchaus gleich sein oder zumindest
in einem ähnlichen Design gehalten werden.
Der Service macht den
Unterschied
Natürlich lässt sich auch mehr
bewerben als nur die Produkte. Gerade Services können zu
Weihnachten den kleinen Unterschied machen. Online-Shops,
die zu Weihnachten mit Flexibilität punkten können, bleiben
Kunden oft länger im Gedächtnis. Wer zum Beispiel eine große
Auswahl bei den Versand-Optionen anbietet, kann dies auch bewerben. Ähnlich verhält es sich
mit Lieferversprechen. Wenn
Kunden bis zum 22. Dezember
bestellen können, ist das durchaus ein USP.
Aber Vorsicht: Wer solche Versprechen macht,
muss sie auch einhalten! Denn im Online-Handel
besteht grundsätzlich eine gesetzliche Pflicht,
dem Kunden für Artikel, die über den Shop bestellt werden können, einen Liefertermin für die
angebotenen Produkte zu nennen. Der Hinweis
z. B. „Heute (20.12.) bestellt – Lieferung bis zum
Heiligabend garantiert“ ist grundsätzlich ausreichend, um diese gesetzliche Informationspflicht
zu erfüllen, denn für den Kunden ist aufgrund
des fest abgrenzbaren Zeitraumes klar, wann
er (spätestens) mit der Lieferung rechnen kann.
Die Angabe „Lieferbar bis zum Heiligabend“ genügt jedoch nicht, da die Aussage „lieferbar“
nicht aussagt, dass die Ware auch tatsächlich
„geliefert“ wird. Michael Atug ist mit Blick auf
die letzten Weihnachten jedoch aufgefallen,
dass die Last-Minute-Shopper weniger geworden sind: „Last-Minute-Bestellungen à la ‚Heute
ist zwar schon der 23.12., aber könnt ihr das
noch bis Weihnachten liefern?!‘ haben bei uns
enorm abgenommen und spielen kaum noch
eine Rolle. Diese Entwicklung beobachten wir
seit ca. 3 Jahren. Und auch der Punkt Retouren
ist nach Weihnachten nicht so extrem hoch, wie
er mal war.“
Auch wenn die pünktliche Lieferung wohl zu
den wichtigsten Punkten beim Weihnachtsgeschäft zählt, darf auch die Art und Weise
der Lieferung nicht ganz außen vor gelassen
werden. Das Sprichwort „Kleine Geschenke
erhalten die Freundschaft“ trifft zu keiner Zeit
besser zu als zu Weihnachten. „An unsere
Geschäftskunden (Händler) hatten wir in der
Vorweihnachtszeit einen Süßigkeitengruß aus
einer kleinen Schokoladenmanufaktur verschickt“, erklärt zum Beispiel Heidrich von catsonappletrees.de. Aber auch Anndora.de und
Garnwelt.de setzten auf das kleine Extra. Während bei Anndora.de zum Beispiel die Selbstabholer oft ein Geschenk direkt vor Ort oder zur
kalten Jahreszeit auch gern ein heißes Getränk
bekommen, setzt Garnwelt.de ebenso das ganze Jahr auf kleine Give-aways (z. B. Bio-Teebeutel, Strickanleitungskarten/Strickhefte oder
auch mal Strickzubehör) – zu Weihnachten sind
es dann aber spezielle Weihnachtsanleitungen
zum Nähen oder Sticken. (jp)
19
© Jag_cz – fotolia.com | © Yvonne Fritsche – fotolia.com
Orientieren sollte man sich deshalb auch am
eigenen Sortiment und sich fragen: Welche
Produkte bieten sich als Weihnachtsgeschenk
an und lassen sich entsprechend bewerben?
Anzeigen – sowohl AdWords-Anzeigen als
auch Product Listing Ads – sind dafür das A
und O. „Des Weiteren sollte man darüber nachdenken, für besondere Weihnachtskracher
sein Google- oder Preissuchmaschinen-Budget
zu erhöhen. Macht je nachdem absolut Sinn!“,
weiß Michael Atug von MyMaw.de.
HÄNDLERSTIMMEN ZUM WEIHNACHTSGESCHÄFT
Ines Heidner & Juliane Heidrich (v.l.n.r.) – catsonappletrees.de (Papeterie & Wandsticker) – Online-Händler seit
2011 | © Boesner-Handelmann
Welcher Bereich (bspw. Social Media, SEO/
SEA, Logistik, Einkauf) ist ihrer Meinung
nach der für das Weihnachtsgeschäft entscheidendste? Und warum?
Unserer Meinung nach sind alle Kanäle gleich
wichtig. Es sind der Social-Media-Bereich bzw.
SEO sehr wichtig, um die Verkäufe zu generieren. Genauso wichtig sind dann die Organisation und Umsetzung der Bestellungen (also
Logistik und Einkauf), um unsere Produkte
auch rechtzeitig und schnell zum Kunden zu
bringen - damit dieser zufrieden ist und auch
wieder bestellt.
Was ist der schlimmste Fehler, den man Ihrer Meinung nach bei der Vorbereitung des
Weihnachtsgeschäfts machen kann?
So spontan fällt mir kein „schlimmster Fehler“
ein. Für uns ist es jedoch sehr wichtig, genügend Produkte schon im Voraus herzustellen
und gut vorbereitet zu sein, damit es am Jahresende nicht zu chaotisch zugeht.
Wann haben Sie letztes Jahr mit den Weihnachtsvorbereitungen angefangen?
Seit diesem Jahr fangen wir bereits ab Juli
mit den Vorbereitungen für das Weihnachtsgeschäft an. Letztes Jahr haben wir einen unserer besten Artikel nicht mehr ausreichend
da gehabt und uns sehr geärgert. August
oder September halte ich daher für eigentlich schon zu spät. Gerade wenn es um die
Punkte Import oder das Bestellen der Ware in
großen Mengen geht, sollte man so früh wie
möglich mit den Vorbereitungen beginnen.
Was sind Ihre Tipps für ein erfolgreiches
Weihnachtsgeschäft?
Wir nutzen bei uns im Büro seit Jahren ein
„Peak Planning Board“, um solche Spitzenzeiten besser beobachten zu können und somit
besser handeln zu können. Wenn man diese
Liste jedes Jahr verbessert und aktualisiert,
dann hat man für das nächste Jahr eine perfekte Vorlage, die Gold wert ist!
Um zusätzliche Aufträge zu generieren,
funktioniert ein Lockvogelangebot manchmal ganz gut. Also einen tollen Artikel, der
verbunden mit einer Preissenkung unwiderstehlich wird, aber im Warenkorb fast immer
mit einem anderen Artikel zusammengekauft
wird. Dieser zweite Artikel sollte dann natürlich eine ziemlich gute Marge haben. Oder
man bietet im Checkout noch Cross-Selling
an. Funktioniert!
Andrea Gönner – garnwelt.de (Wolle, Strick- und
Häkelzubehör) – Online-Händlerin
Michael Atug – MyMaw.de (Profi- und Qualitätswerkzeug) – Online-Händler seit 2001 | © eCommerce
Rockstar
Stellen Sie für das Weihnachtsgeschäft extra Personal an?
Da wir unseren Online-Handel mit Wolle betreiben, sind die Wintermonate sowieso un-
sere stärksten Verkaufsmonate. Für die Wintersaison stellen wir je nach Bedarf zusätzlich
Personal ein, wir haben einen Pool an Saisonkräften, die wir kurzzeitig abrufen können.
Was ist der schlimmste Fehler, den man
Ihrer Meinung nach bei der Vorbereitung
des Weihnachtsgeschäfts machen kann?
Gerade vor Weihnachten erwarten die Kunden eine schnelle Lieferung, hier sollte eine
präzise Personalplanung greifen, damit die
Aufträge schnellstmöglich abgearbeitet werden können.
Annedore Linder – anndora.de (Beruf, Haus, Garten und
Freizeit) – Online-Händlerin seit 1999 | © Ebay
Denken Sie sich etwas Besonderes für ihre
Kunden zu Weihnachten aus? (Aktionen,
kl. Geschenke im Paket, etc.)
Kleinere Geschenke versenden wir immer
vor Weihnachten mit den Paketen. Wir versuchen das ganze Jahr über bei unseren
Lieferanten witzige oder praktische Zugaben
zu erhalten, um unseren Kunden eine zusätzliche Freude im Weihnachtsgeschäft zu machen. Auch eigene Give-aways werden für
diese Zeit produziert.
Wie zufrieden waren Sie mit dem letzten
Weihnachtsgeschäft?
Das Weihnachtsgeschäft ist auch produktabhängig. Hier haben wir bestimmte Produkte,
Kerzen, Duftgeräte oder reisenthel-Taschen
bewusst in unser Sortiment integriert, um
den Kunden anndora.de „schmackhaft“ zu
machen. Unsere Kunden belohnen uns regelmäßig zu Weihnachten mit zahlreichen
Einkäufen.
20
AUS DER PRAXIS
Die richtige Preisstrategie
Mit diesen Kniffen überzeugen Sie Ihre Kunden
Wenn es um den Preis geht, hat ein Händler im Grunde fast alle Freiheiten. Doch bei
der Gestaltung des Preises muss man als
Händler äußerst geschickt vorgehen, denn
auch wenn ein Produkt besonders nützlich
oder sogar dringend benötigt ist: Am Ende
ist es immer Geld, welches den Besitzer
wechselt. Mit der falschen Preisstrategie
können Händler viele ihrer Kunden schnell
vergraulen, mit der richtigen Strategie aber
auch ordentlich punkten. Einen für den Kunden attraktiven, aber für den Händler nicht
zu niedrigen Preis zu finden, ist ein wahrer
Balanceakt.
Eine Tafel Schokolade für 0,99 Euro, ein T-Shirt
für 19,99 Euro, ein neuer Fernseher für 499
Euro. Immer diese kleine Ziffer – sie hat sich
im Handel über Jahre und Jahrzehnte etabliert. Dass man als Händler einen solchen
Preis wählt, soll einen besonderen Effekt beim
Kunden auslösen: Eine niedrigere Zahl steht
am Anfang. Der Kunde glaubt, das Produkt
sei also günstiger als es tatsächlich ist. Und
schlägt zu. Es ist wahrscheinlich der älteste
Trick der Handelsbranche, aber ob der Effekt
überhaupt eintritt, ist längst nicht unumstrit-
ten, wie auch Dr. Kai-Markus Müller, Neurowissenschaftler und CEO von The Neuromarketing Labs, erklärt.
„Es gibt Hinweise darauf, dass dies im Einzelhandel zum Teil zu höheren Umsätzen führt“,
räumt Dr. Müller ein. „Unklar ist allerdings, in
welchen Fällen der Ansatz mehr Einfluss auf
den Verkäufer hat und in welchen mehr auf
den Käufer.“ Es könne sein, dass Verkäufer
mehr Produkte an den Mann bringen, wenn
sie an den Effekt glauben – vor allem in beratungsintensiven Branchen wie der Modebranche oder bei Finanzdienstleistungen sei
der Verkäufereffekt nicht zu vernachlässigen.
„Doch auch im Bereich E-Commerce stellt
sich die Frage, ob die Verkaufsseite nicht
auch den Effekt überschätzt und ihre mit -,99
bepreisten Produkte dementsprechend platziert“, merkt Dr. Müller an. Es gibt laut dem
Neurowissenschaftler eine entscheidende
Signalwirkung bei derartigen Preisen: Die
,99er-Preise signalisieren dem Kunden, dass
bei dem Produkt der Preis im Vordergrund
steht. „Vergleichen Sie Fast-Food-Ketten mit
gehobenen Restaurants“, führt Dr. Müller
als Beispiel an. „In gehobenen Restaurants
Also alles Quatsch mit dem -,99er-Preis? Die
Praxis ist stark umstritten, eine genaue Wirkung konnte schließlich bisher nicht nachgewiesen werden. Im Zweifel können Händler
sich darauf stützen, dass diese Strategie im
Handel breite Anwendung findet – also zumindest auch keine schädliche Wirkung haben kann. Amazon bietet selbst seine PrimeMitgliedschaft schließlich für 49 Euro und
nicht glatte 50 Euro im Jahr an. Und auch
in den USA findet der Trick Anwendung –
dort kostet die Premium-Mitgliedschaft
99 US-Dollar jährlich. Eine Angst vor glatten
Preisen müssen Händler aber nicht haben, sie
finden sich schließlich im Handel auch wieder. Glatte Preise seien vor allem dann sinnvoll, wenn der Preis Wertigkeit symbolisiert,
meint der Neurowissenschaftler Dr. Müller.
„Glatte Preise werden von Verkäufern oftmals
unterschätzt. Allzu glatt sollte der Preis aber
nicht sein, denn dann sieht er aufgerundet
aus.“
Wie viel ist das Produkt
tatsächlich Wert?
Neben diesem Klassiker der Handelsbranche gibt es aber auch eine Vielzahl weiterer
Tricks, um die Kunden mit dem Preis vom
Kauf zu überzeugen. Da wäre zum Beispiel
die unverbindliche Preisempfehlung. Sie wird
von vielen Händlern als Vergleichspunkt für
den eigenen Preis angegeben, dabei unterbietet quasi jeder Händler die unverbindliche
Preisempfehlung des Herstellers.
Eine weitere Strategie besteht darin, mit
Rabatten zu werben und so viele Kunden zu
gewinnen. Der Baumarkt Praktiker hat sich
mit seinem “20 Prozent auf alles! Außer
Tiernahrung”-Rabatt beispielsweise einen
Namen gemacht. Doch auch wenn diese
21
© Olivier Le Moal – fotolia.com
werden Sie weder Rabattaktionen noch
,99er-Preise finden, weil dort Produkt und
Service im Mittelpunkt stehen.“
AUS DER PRAXIS
Sonderangebot/Rabatt
Preise runter, Verkäufe rauf. Das stimmt
tatsächlich, bringt aber nur kurzfristige
Erfolge – denn meist lässt der Händler
hier viel Geld und Potenzial liegen. Wer
die Rabatte zu stark ansetzt und zu lange
laufen lässt, riskiert zudem Verluste.
Der Trick der linken Ziffer
Der Klassiker schlechthin. Fernseher für
499 Euro, T-Shirts für 19,99 Euro. Da wir
von links nach rechts lesen, soll der Preis
dadurch niedriger wirken, als er tatsächlich ist. Wie wirksam diese Strategie ist,
ist allerdings heftig umstritten. Bei Preisen
jenseits der 1.000 Euro sollte übrigens auf
das Komma verzichtet werden. Ein Preis
von 1999,99 Euro wirkt befremdlich.
Strategie besonders gängig ist, birgt sie auch
ein paar Risiken. „Ich warne meine Klienten
generell davor – egal ob online oder offline –
mit Rabatten und Preis-Promotions zu werben“, erklärt Kai-Markus Müller. „Über den
Preis verkaufen, das kann jeder. Die Kunst
liegt in der Kommunikation des Wertes des
Produkts.“ Wer nur über den Preis verkauft,
trainiere seine Kunden darauf, auch nur auf
dieses Kriterium zu achten. „Erziehen Sie Ihre
Kunden zu Fans Ihrer Marke und Ihrer Produkte, nicht zu Schnäppchenjägern!“, rät Dr. Müller. „Folgen Sie den Positivbeispielen Apple,
Porsche, Hornbach oder dm und nicht den
Negativbeispielen Praktiker oder Schlecker.“
Vor allem Apple ist dafür bekannt, seine Produkte durch verschiedene Preisstufen miteinander ins Verhältnis zu setzen. Bei der Apple
Watch gibt es beispielsweise wenige sehr
günstige Modelle, wenige sehr teure Modelle und viele Modelle mit einem Preis, der im
Mittelfeld liegt. Für den Kunden wirkt der Kauf
eines solchen Mittelklasse-Modells also wie
ein gutes Angebot: Nicht das billigste Modell,
aber im Gegensatz zum 1.300-Euro-Gerät viel
Geld gespart. Dass man letztendlich 799 Euro
ausgegeben hat, wirkt da schon fast egal.
Vergleich mit einem Ankerpreis
Der direkte Vergleich mit einem Preis, bei
dem der eigene natürlich niedriger ist.
Berühmtestes Beispiel ist die unverbindliche Preisempfehlung. Da diese aber von
quasi allen Händlern unterboten wird,
ist die Wirkung dieser Strategie äußerst
eingeschränkt. Mehr Sinn macht es da,
ein teureres Produkt als Vergleichspunkt zu
setzen – so wie Apple sein iPhone in drei
Modellen anbietet.
Bundle-Preise
Hier werden Pakete geschnürt, wie etwa
“1 Spielekonsole + 1 Controller + 1
Spiel” oder auch einfach “3 Paar Socken”.
Dadurch erhält der Kunde den Eindruck,
mehr für sein Geld zu bekommen. Achtung: Wer die Einzelteile des Bundles auch
separat zum Verkauf anbietet, sollte darauf
achten, dass die Addition auch sinnig ist
(das Bundle im Zweifel also etwas günstiger als die drei Einzelprodukte zusammen).
“Wenn Sie dieses Produkt
günstiger finden…”
Eine Preisstrategie aus dem stationären
Handel. Wenn der Kunde das Produkt
nachweislich woanders günstiger findet,
bietet man es zu diesem günstigeren
Preis an. Damit verspielt man vielleicht
ein wenig Marge, sorgt aber sicherlich für
größere Kundenzufriedenheit.
Liefer- und Handlingskosten
separat angeben
Eigentlich gang und gäbe im Online-Handel: Die Kosten für Verpackung und
Versand werden separat aufgeführt. Damit
bleibt der Produktpreis niedriger.
Übrigens: Dass
man mit Preisstrategien seine
Kunden zum Kauf
bewegen kann,
liegt in der Natur
der Preise. Denn
bei ihnen handelt
es sich im Grunde
um willkürliche
Ve r b i n d u n g e n
eines Gegenstandes oder einer
Dienstleistung
zu einer Zahl, erklärt Dr. Müller.
Das menschliche
Gehirn ist evolutionär nicht darauf
spezialisiert, damit umzugehen.
Daraus ergibt sich eine große Unsicherheit bei
den Kunden, wenn es um den Preis geht. Vor
allem bei neuen Produkten können sie selten
einschätzen, ob ein Preis viel zu hoch, angemessen oder viel zu niedrig ist. Diese Preisunsicherheit ist bei vielen Kunden oft höher als
die Verkäufer bedenken, merkt Dr. Müller an.
© PureSolution – fotolia.com
Die gängigsten Preisstrategien
im Handel
“Diese Preisunsicherheit wiederum lässt sich
ausnutzen, um die Preiswahrnehmung zu beeinflussen”, erklärt der Neurowissenschaftler.
Damit das aber optimal gelingt, sollten Händler ein genaues Konzept ihrer Preisstrategie
erarbeiten. So können sie viele Kunden auch
tatsächlich zum Kauf bewegen. (mp)
22
BRANCHENTRENDS
Reise durch das digitale Deutschland
Erfurt: Digitalisierung mit Auszeichnung
der Stadt, und natürlich um Einzelfälle bei Unternehmen“, betont Jentz allerdings.
Glasfaseranschlüsse für 40.000
Haushalte
Unsere Reise durch die Bundesrepublik
geht weiter: Nachdem wir uns in der letzten Ausgabe den Stand der Digitalisierung
in der bayrischen Hauptstadt München
angesehen haben, geht es nun nach Mitteldeutschland – genauer gesagt, nach Erfurt. Die 200.000-Einwohner-Stadt dürfte im
E-Commerce bereits bekannt sein, schließlich hat der Berliner Modehändler Zalando
ein Logistikzentrum in der Stadt. Doch wie
steht es daneben um die Digitalisierung und
den Online-Handel in Erfurt?
Eines wird schnell klar: Erfurt versperrt sich
weder dem Online-Handel noch der Digitalisierung. Erfurter Unternehmen sind „im
Netz überdurchschnittlich engagiert“, erklärt
Wolfgang Jentz, Leiter des Amtes für Wirt
schaftsförderung in Erfurt. Dafür wurde die
Stadt im Jahr 2013 mit dem Google eTown
Award ausgezeichnet, der die Netzaktivität
der Unternehmen in der Stadt würdigt. „Erfurt
gehört zu den Städten, in denen die Digitalisierung schnell voranschreitet“, kommentierte
Sarah Fix-Bähre von Google Deutschland damals den Stand der Dinge in Erfurt. Fast 9.000
mal täglich wurde im Jahr 2013 bei Google
nach dem Begriff Erfurt gesucht.
Der Online-Handel, so Jentz, sei „ein sehr
wichtiges Thema in Erfurt“ – große Online-Händler wie Zalando oder Redcoon sind
in der Stadt angesiedelt. Daneben gebe es
aber auch viele kleine Einzelhändler, die ihren
Online-Auftritt vorbereiten. Wie groß der Anteil der Online-Unternehmen an der gesamten
Wirtschaft in Erfurt ist, kann Jentz aber nicht
sagen – dazu habe die Stadt keine Erhebung
durchgeführt. Und trotz der Bedeutung des
Online-Handels für den Wirtschaftsstandort:
Projekte, um die Digitalisierung und Online-Händler speziell zu fördern, gibt es in Erfurt
nicht. „Als Amt für Wirtschaftsförderung kümmern wir uns um die allgemeine Digitalisierung
Zuletzt hatte die Stadt das Glasfasernetz ausgebaut und damit schnelle Internetanbindung
bereitgestellt. 40.000 Erfurter Haushalte profitieren von dem Breitbandausbau. Über die
Glasfaserleitungen seien, je nach Entfernung
von den neu installierten Schaltkästen, Downloads mit bis zu 100 MBit/s und Uploads bis
zu 40 MBit/s möglich. Ältere Kupferleitungen
kommen lediglich auf Datenübertragungen
von bis zu 6 MBit/s. „Wir freuen uns sehr, dass
das aktuelle Projekt der Telekom zum Breitbandausbau in Erfurt weitestgehend abgeschlossen ist“, so Oberbürgermeister Andreas
Brausewein im Dezember, als das Glasfasernetz freigeschaltet wurde. „Bürgerinnen und
Bürger aber auch Unternehmen unserer Stadt
profitieren davon.“ Das Projekt sei ein „großer
Schritt“ gewesen, um eine flächendeckende
Breitbandversorgung in Erfurt zu realisieren.
Von einem digitalen Prestige-Projekt in der
Stadt will Amtsleiter Jentz allerdings nicht
sprechen. „Leider gibt es kein städtisches
Prestige-Projekt, mangels finanziellen Möglichkeiten der Stadt“, erklärt er. Erfurt kümmert
sich also darum, eine solide, digitale Grundlage
für die Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen
23
© pixelliebe – fotolia.com
Für Zalando war die Entscheidung, das Logistikzentrum in Erfurt zu eröffnen, leicht getroffen. Das Erfurter Logistikzentrum wurde im
Jahr 2012 eröffnet und war das erste Zentrum, das Zalando gemeinsam mit Goodman
konzipiert hatte. Ausschlaggebender Faktor
für das damals noch stärker auf Deutschland
fokussierte, junge Unternehmen war die zentrale Lage der Stadt Erfurt. Zudem sei die Zusammenarbeit mit der Stadt „sehr angenehm
und von Vertrauen geprägt“ gewesen, wie Zalando-Sprecherin Nadine Przybilski beschreibt.
BRANCHENTRENDS
zu sichern. Digitale Baustellen gebe es vor
allem außerhalb der Kernstadt. Sie entstehen
erwartungsgemäß vor allem dort, wo der Ausbau bereits längere Zeit zurückliegt. Einige Internetanbieter prüfen derzeit, ob in einigen Gebieten, in denen die Datenraten noch bei etwa
2 MBit/s liegen, das Umrüsten auf 50 MBit/s
möglich ist. „Hier wird sehr häufig auf Vectoring gegangen“, erklärt Jentz. „FTTH-Lösungen
sind vielen Unternehmen zu teuer. Die ‚großen’
Internethändler haben aber selbstverständlich
FTTH-Anschlüsse.“
An der FTTH-Technologie führt kein
Weg vorbei
In Zukunft soll es deshalb mehr FTTH-Anschlüsse in Erfurt geben – das sei bisher an
den höheren Kosten gescheitert. Langfristig
wird an der Glasfasertechnik auch kein Weg
vorbeiführen, dessen ist Jentz sich sicher:
„Wenn die Datengrenze für Vectoring erreicht
ist, wird das die einzige technische Lösung
sein, die bleibt, um schnellere Lösungen zu
bekommen.“ (mp)
Vectoring vs. FTTH-Technologie
Das Vectoring ist eine Technik, bei der
die alten Kupferleitungen quasi in den
„Turbo-Modus“ gebracht werden, um
schnellere Datenübertragungsraten zu
ermöglichen. An die Übertragungsraten
von Glasfaserleitungen kommt man damit
zwar nicht heran, die Technik ist also kaum
eine langfristige Lösung, doch kurzfristig
lässt sich damit der Breitbandausbau
realisieren.
Bei einem FTTH-Anschluss („Fibre to the
Home“) handelt es sich um die Verlegung
von Glasfaserleitungen bis in die Wohnung. Die schnellen Leitungen enden also
nicht mehr am Verteilerkasten auf dem
Bürgersteig oder im Keller des Hauses
und werden dann wieder mit langsameren
Kupferleitungen weitergeführt. Dadurch ist
der Breitbandanschluss voll nutzbar.
© JiSign – fotolia.com
Um die Digitalisierung, vor allem den Breitbandausbau, in Erfurt weiter zu fördern, sollen
Verknüpfungen in der Stadt so gestaltet wer-
den, dass die Internetanbieter zum Glasfaserausbau angeregt wird. Es gehe darum, dass
sich das wirtschaftliche Ergebnis für den Anbieter rechnet und er so bereit ist, eine Leitung
zu legen oder den Kabelverzweiger umzurüsten, erklärt Jentz. „Bei den Internetversorgungsunternehmen arbeiten wir im Amt für
Wirtschaftsförderung mit allen Anbietern vor
Ort zusammen“, betont der Amtsleiter.
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24
TITELTHEMA
Social Commerce: Das Comeback von Facebook-Shops
Aber lohnt sich das überhaupt?
Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter,
Instagram und Co. wollen vom anhaltenden
Erfolg des Online-Handels profitieren. Social
Commerce heißt der Trend, der seit Jahren
beschworen wurde, sich bisher aber nicht
so wirklich durchsetzten konnte. Die Kunden scheinen auf den ersten Blick nicht daran interessiert zu sein, direkt im Netzwerk
einzukaufen. Facebook glaubt jedoch an
den Social Commerce und hat dafür schon
2011 die sogenannten Facebook-Shops ins
Leben gerufen. Der Erfolg blieb damals aus.
Kein Grund, es jetzt nicht noch einmal zu
probieren. Aber lohnt sich ein solcher Facebook-Shop? Welche Möglichkeiten gibt es
zur Einrichtung und was muss dabei rechtlich beachtet werden?
Auf die Frage, ob sich ein eigener Shop auf
Facebook lohnt, gibt es keine klare Antwort.
Generell ist Facebook ein Netzwerk mit einer
enormen Reichweite. In Deutschland allein
hat das Netzwerk 27 Millionen Nutzer, was
rund einem Drittel der deutschen Bevölkerung entspricht. Es war also nie leichter, die
große Masse zu erreichen. Doch wenn es so
einfach wäre, hätten sich bereits 2011 die
Facebook-Shops durchgesetzt. Haben sie aber
nicht. Und der Grund dafür ist das Verhalten
der User: Facebook-User suchen nicht aktiv
Der Shop Karbon Speed hat seinen Facebook-Shop über die App Ecwid realisiert.
auf Facebook. Viele scrollen sich durch ihren
Newsfeed, klicken “Gefällt mir” oder kommentieren Beiträge. Eine Studie von Digitas
aus dem Jahr 2012 zeigt aber noch weitere
Gründe auf: Das Misstrauen der Nutzer in die
Sicherheit ist mit die größte Bremse für den
Erfolg des Social Commerce. Von den 2.247
befragten Nutzern erklärten 55 Prozent, dass
sie Facebook und Co. ihre Kreditkarteninformationen oder vergleichbar sensible Daten
nicht anvertrauen wollen. Dies scheint sich inzwischen aber geändert zu haben. Die Untersuchung von DigitasLBi aus dem März 2015,
bei der 1.000 Internetnutzer befragt wurden,
wollte wissen: “Have you ever bought an item
Der Online-Shop Gossengold.com hat seinen Facebook-Shop über Lightspeed realisiert.
directly from a social media platform?” (Haben
Sie jemals ein Produkt direkt von einer SocialMedia-Plattform gekauft?) Und tatsächlich
gaben 15 Prozent der Befragten an, dass sie
schon einmal einen Kauf direkt über Facebook
getätigt haben. Nur Pinterest liegt noch vor
Facebook – mit 17 Prozent.
Welche Möglichkeiten gibt es?
Entschließt man sich als Händler für einen
Facebook-Shop, steht natürlich die Frage im
Raum, wie man diesen realisieren kann. Tatsächlich verfügen so gut wie alle bekannten
Shopsoftware-Anbieter über die Möglichkeit,
einen Facebook-Shop zu erstellen (siehe Tabelle). Unter anderem bietet auch der Shopsoftware-Anbieter Lightspeed (ehemals SEOshop)
die Möglichkeit eines Facebook-Shops, wobei es sich dabei um eine Integration von
einem Lightspeed-Online-Shop zu einem
bestehenden Facebook-Firmenprofil handelt.
“Das Prinzip ist sehr einfach. Nachdem die
Facebook-Shop Funktion im Lightspeed Backend aktiviert wurde, werden Kategorien, Inhaltsseiten und Produkte automatisch auf die
Facebook-Seite übertragen. Der Online-Händler braucht hier nichts weiter zu tun. Alle
Aktualisierungen im Backend werden dann
automatisch mit dem Facebook-Shop synchronisiert. Zusätzlich hat der Online-Händler noch
25
TITELTHEMA
spezielle Anpassungsmöglichkeiten, für den
Shop-Bereich seiner Facebook-Seite”, erklärt
Sebastian Maurer, Sales Engineer und Partner
Manager bei Lightspeed.
Neben der Möglichkeit, den Shop direkt über
die verwendete Shop-Software zu generieren, ist dies auch über externe Erweiterungen
möglich. Ecwid gehört zu den bekanntesten
E-Commerce-Apps auf Facebook. Nach eigenen Aussagen hat Ecwid bereits 40.000 Shops
zu Facebook gebracht. Wie das Unternehmen
auf der eigenen Seite erklärt, generieren die
Händler 15 Prozent ihrer Umsätze über Facebook-Verkäufe. Voraussetzung für die Nutzung
der App ist natürlich eine entsprechende Facebook-Unternehmenseite und ein Konto bei
Ecwid sowie die installierte App. Nachdem die
Zugriffsberechtigungen für die Seite gewährt
und einige vorbereitende Konfigurationen vorgenommen wurden, kann der Shop dann individuell angepasst werden. Neben Ecwid gibt
es auch noch Shopify. Facebook arbeitet selbst
eng mit dem Software-Anbieter zusammen –
und das auch schon seit 2011. Im September
2015 wurde dann von Shopify groß angekündigt, dass man einen eigenen Shop-Bereich
für Facebook-Seiten launchen will. Die Shopify-Shops auf Facebook sollen dabei über die
gleichen Features wie ein Shopify-Shop verfügen – sprich: Store Management, Hosting,
Analytics, etc. Die Besonderheit an dem neuen Dienst liegt aber vor allem in der direkten
Integration in Facebook, was dazu führt, dass
der Shopify-Facebook-Shop nativ in der mobilen Facebook-Version verfügbar ist und einen
eigenen Bereich bekommt, wie man auf dem
Screenshot des Facebook-Shops von Mvmt
Watches gut erkennen kann. Das Problem ist
jedoch, dass Shopify den Service erst einmal
nur eigenen Kunden zur Verfügung stellt. Es gibt
bisher keine Informationen, ob und wann der
Rollout auch für Nicht-Kunden kommen wird.
Sehr spannend ist, dass auch Marktplätze
ihren Händlern die Möglichkeit bieten, einen
Facebook-Shop zu erstellen. Der soziale Marktplatz Ezebee.com hat eine eigene Schnittstelle
für seine Händler entwickelt. “Circa 20 Prozent
unserer User setzen die Facebook-Shop-App
ein, aber es kommt auch sehr auf das Land
an. Ezebee.com ist ein internationales Unternehmen und obwohl Facebook weltweit sehr
stark ist, werden die Shops unterschiedlich
gut angenommen. Deutschland ist da sicher
ein Vorreiter”, weiß Julia Emmert, CMO von
Ezebee.com.
Natürlich ist auch Facebook selbst darum
bemüht, Online-Händlern die Möglichkeit
zum Verkauf anzubieten. Im Hilfebereich für
Werbende gibt es bereits einen Leitfaden für
die Einrichtung eines Shop-Bereiches auf der
eigenen Unternehmensseite. Allerdings weist
Facebook darauf hin, dass es sich bei dem Bereich um eine neue Funkton handelt, die noch
getestet wird. Deswegen kann es durchaus
sein, dass die Funktion noch nicht nutzbar ist.
Dennoch dürfte es nur eine Frage der Zeit sein,
bis Facebook das Feature vollständig freischalten wird. Arne Henne, seit 2012 SMB Program
Manager EMEA bei Facebook, stellt jedoch
klar: “Ziel von Facebook ist es aber nicht, den
Online-Shop abzulösen.”
Auch im Facebook-Shop muss
Rechtssicherheit herrschen
Online-Händler wissen, dass sie ihren Kunden gegenüber weitreichende Informationspflichten haben. Im Online-Shop dürfen AGB,
Impressum und Datenschutzerklärung nicht
fehlen. Händler, die zudem auf den gängigen
Marktplätzen aktiv sind, wissen auch, dass sie
sich auch hier rechtlichen absichern müssen.
Und auch wer einen Facebook-Shop launcht,
muss seine Kunden entsprechend informieren.
Sebastian Maurer von Lightspeed sieht darin
einen bedingten Nachteil: “Eine gewerblich
genutzte Facebook-Seite benötigt die gleichen
rechtlichen Vorkehrungen wie ein normaler
Online-Shop auch. Sie benötigen entsprechende Rechtstexte und müssen sich sonst auch
an die gleichen Bestimmungen halten. Auch
dieser Kanal muss vom Händler betreut werden, das wird leider schnell mal vergessen.”
Es ist entsprechend darauf zu achten, dass,
egal wie man einen Facebook-Shop eröffnet –
ob über eine App oder direkt über das verwendete Shopsystem – die wichtigen Rechtstexte
eingepflegt werden können.
Der Anbieter Mtvm Watches hat seinen Facebook-Shop mit Shopify realisiert. Auf dem Smartphone
wird der Shop bei Facebook sehr prominent platziert
und ihm viel Platz eingeräumt.
26
TITELTHEMA
Entsprechend bleibt die Frage: Lohnt sich ein
Facebook-Shop? Die Antwort: Jein. Facebook
verfügt über viel Reichweite und ein weiterer
Absatzkanal ist immer einen Versuch wert. Zudem zeigen sich die Nutzer mittlerweile offener
in puncto Social Commerce. Doch der Launch
und die Pflege eines Facebook-Shops bedeuten
immer auch einen Mehraufwand, weswegen
Händler darauf achten sollten, dass der Return
on Investment (kurz ROI) auch positiv ausfällt.
Der Blick auf das eigene Sortiment kann zudem
auch ein guter Ratgeber sein, ob sich ein Facebook-Shop lohnt. “Grundsätzlich kann man
aber sagen, dass sich Produkte, die sich an eine
jüngere Zielgruppe richten, eher auf Facebook
verkaufen lassen. Ich sehe hier aber auch mehr
und mehr Händler, die mit Schmuck und Accessoires auf Facebook große Erfolge feiern”, berichtet Maurer von Lightspeed. Ähnlich sieht es
auch Julia Emmert von Ezebee.com: “Facebook
eignet sich zum einen vor allem, um Produkte
zu verkaufen, die Impulskäufer ansprechen.
Spaßprodukte, die eine sofortige Befriedigung
bringen oder einen symbolischen Wert haben.
Hier kann man schnell viel absetzen.”
Allerdings sollten Online-Händler bedenken:
Facebook ist ein soziales Netzwerk und die User
zeigen ein anderes Nutzerverhalten als zum
Beispiel im Online-Shop oder auf Amazon. Wer
sich auf diesen Seiten bewegt, will Informationen zu Produkten und diese sehr wahrscheinlich
auch kaufen. Facebook hingegen ist für viele ein
Zeitvertreib und eine Möglichkeit, mit Leuten in
Kontakt zu bleiben. Der Newsfeed ist und bleibt
für viele Facebook-Nutzer der wichtigste Ort
bei Facebook. Und entsprechend liegt auch die
Reichweite eines kommerziellen Facebook-Auftritts im Newsfeed. Wer seine Produkte auf
Facebook bewirbt, hat gute Chancen, von den
Usern gesehen zu werden. Der Shop als Element
auf der Seite hingegen wird wahrscheinlich nur
von einem sehr kleinen Bruchteil der Fans wahrgenommen werden, was widerum nur zu wenig
Verkäufen bzw. Traffic führen wird. Auch Arne
Henne von Facebook sieht die Stärken des sozialen Netzwerks eher im Bereich Marketing statt
im direkten Verkauf: “Facebook ist eine Marketing-Plattform und kein Online-Shop. Bei Facebook treffen Händler auf Menschen im Entde-
ckermodus. Das heißt, die potenziellen Kunden
suchen nicht konkret nach einem bestimmten
Produkt, sondern sie lassen sich inspirieren. Für
Händler ist das die ideale Chance, ihre Produkte und Services zu präsentieren. Dafür bietet
Facebook zahlreiche Formate, wie beispielsweise Canvas-Anzeigen.”
Wer also ohnehin Werbung oder Posts auf Facebook schaltet, kann damit auch direkt auf den
eigenen Shop verweisen. Das könnte in vielen
ANBIETER
1und1
3dcart
Amazon
BigCommerce
GlobeCharge – Santu
Fällen sogar effektiver sein, da man den Kunden
die anfangs erwähnte Skepsis nimmt, Facebook
sensible Daten anvertrauen zu müssen. Als Fazit
muss man demnach sagen: Ein Facebook-Shop
ist bisher noch ein Nice-to-have und jeder muss
selbst entscheiden, ob er sich für ihn lohnt. Ein
Muss ist er bisher jedoch nicht. Sebastian Maurer ist aber davon überzeugt, dass Facebook
eine hervorragende Ergänzung zum eigentlichen
Webshop und zum gesamten kanalübergreifenden Markenauftritt sein kann. (jp)
TARIF
Plus, Unlimited
Cloud, Mini, Power, Professional,
Professional+, Starter
Seller Central, Seller Central
Power
Bronze, Silber, Gold, Platinum,
Diamond, Enterprise
Home, Starter, Business, Professional
Heroic Shop
Host Europe
E-Shop Premium
IBM WebSphere Commerce Enterprise, Professional
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Community, Enterprise, Hosting,
Professional, Standard
Lightspeed
Starter, Fortgeschrittene, Professional
Magento
Commuinity, Enterprise, Premium
OXID eSales
Pinnacle Cart
PrestaShop
Commuinity, Enterprise, Professional
StartUp, Small Biz, Enterprise,
Entrepreneur
FACEBOOK-SHOP
inkl.
inkl.
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kostenpflichtige(s)
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inkl.
inkl.
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via Drittprovider
ja
ja
kostenpflichtige(s)
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kostenpflichtige(s)
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ja
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Professional
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Basic, Professional, Unlimited
kostenlose(s) Plugin(s)
Strato
Plus, Pro, Ultimate
ja
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Tictail AB
xt Commerce
Advanced
inkl.
Kostenlose(s) Plugin(s)
Randshop
Cloud, Download
Shopcloud
Merchant, Professional+, Start,
Ultimate
Die Tabelle wurde in Zusammenarbeit mit Ecomparo (www.ecomparo.de) erstellt. Die angegebenen Shopsoftware-Tarife wurden am 10.08.2016 abgerufen.
Facebook-Shop: Ja oder nein?
249 Euro
27
ADVERTORIAL
Erfolgreich auf allen Ebenen
Ein Gastbeitrag von Alexander Gansel, Geschäftsführer der DutyPay GmbH
Was braucht ein Online-Händler zum Erfolg?
Ein gutes Produkt, dazu einen Computer mit
Internet-Anschluss, viele Pappkartons und
reichlich starken Kaffee. Der Rest wird improvisiert. Oder?
In den Anfangstagen des Online-Handels
herrschte Aufbruchsstimmung: Es gab kaum
vorgefertigte Lösungen, daher bastelte man
sich selbst in mühevoller Kleinarbeit eine Webseite mit Shop, verpackte nächtelang Waren
in Kartons und brachte sie morgens selbst zur
Post. Die Rechnung wurde in Word erstellt, die
Buchhaltung in Excel geführt. Ging ja. Irgendwie.
Eine Branche wird erwachsen
Diese Wildwest-Zeiten sind längst vorbei.
Heute ist Online-Shopping selbstverständlicher
Teil unseres Konsumverhaltens geworden. Und
der Online-Handel hat sich professionalisiert –
mit eigenem Interessenverband, Softwarelösungen, Vertriebsplattformen. Wer keine Lust
auf Klebeband hat, überlässt die komplette
Logistik einem Dienstleister. Bezahldienste
kümmern sich um die Rechnung. Doch was ist
dann heutzutage entscheidend für den Erfolg
eines Online-Händlers, egal ob „Rookie“ oder
„alter Hase“?
Vorne hui, hinten pfui?
Klar ist: Nach wie vor fängt alles mit einem
guten Produkt an, das die Käufer auch haben
wollen. Dazu kommt ein schicker, benutzerfreundlicher Online-Shop oder eine gute
Platzierung auf der Vertriebsplattform. Professionelle Bilder sind ein Muss, da sind sich
alle einig. Auch auf SEO und Rezensionen
wird viel Aufmerksamkeit gerichtet. Mehrere
Bezahlmöglichkeiten, schnelle Auslieferung,
reibungslose Retouren – das alles zu organisieren, ist für einen Online-Händler schon
so zeitintensiv, dass die schnöden Details
wie Buchhaltung, Rechnungswesen, Steuern
gerne liegen bleiben. Das böse Erwachen folgt
dann spätestens, wenn der Betriebsprüfer
vom Finanzamt die Dokumentation zerpflückt.
Darum spart es Zeit und Nerven, wenn man
sich beizeiten gute Partner und SoftwareLösungen auch für diese Aufgaben sucht.
Die ewigen Baustellen aufräumen spart Zeit
und Nerven
Die meisten Shop-Systeme bieten auch die
Möglichkeit, direkt Rechnungen zu erstellen,
die den gesetzlichen Anforderungen genügen.
Doch gerade Händler, die international verkaufen möchten, sollten genau prüfen: Beherrscht
mein System das? Kann es Mehrsprachigkeit
sowie verschiedene Währungen und Mehrwertsteuersätze koordinieren?
Auch wer Fulfillment by Amazon oder ähnliche
Programme nutzt, kommt um eine leistungsfähige Rechnungssoftware nicht herum. Hier
macht eine spezialisierte Lösung, wie z. B.
Amainvoice, großen Sinn. Amainvoice hat sich
auf das europaweite Verkaufen über Amazon
spezialisiert. Die Software kann die Listen von
Amazon auswerten und die entsprechenden
Rechnungen und Belege automatisch erstellen. Neben der Möglichkeit, das Programm
14 Tage lang in der Vollversion unverbindlich
zu testen, erhält jeder Händler eine intensive
persönliche Betreuung. Gerade für Teilnehmer
am Pan-EU-Projekt von Amazon ist Amainvoice eine unschätzbare Hilfe.
Besonderheiten des Online-Handels nicht vertraut. Steuerkanzleien wie steuerberaten.de
setzen konsequent auf Digitalisierung und
sind geeignete Partner in der schnellen Welt
des E-Commerce. Steuerberaten.de betreut
eine Vielzahl an Mandanten, die im Bereich
Online-Handel tätig sind. Dadurch haben sie
sich auf die umsatzsteuerlichen Besonderheiten, die z.B. durch Amazon FBA-Lager oder
Geschäftsvorfälle im Ausland mit Lieferschwellenüberwachung entstehen, spezialisiert.
Und wer mit seinem Online-Shop ins Ausland
liefert – egal ob über Partnerprogramme oder
auf eigene Faust – wird dort oft umsatzsteuerpflichtig, ohne sich dessen bewusst zu sein.
Die europäischen Finanzämter überprüfen inzwischen verstärkt Online-Händler. Wer die
Registrierung und Meldung der Umsatzsteuer
im Ausland über Partner wie DutyPay erledigt,
spart sich viel Zeit und Ärger.
So bleibt mehr Muße für das, was OnlineHändlern wirklich Spaß macht: Verkaufen!
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Wer mit seinem Online-Shop Erfolg
hat und Geld verdient, muss auch
Steuern zahlen. Viele „klassische“
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Päckchen packen im Keller, Rechnung von Hand schreiben: Das ist Geschichte. E-Commerce ist heute schnell,
professionell und erfolgreich – und braucht gute Lösungen auch in der (ungeliebten) Buchhaltung
28
AUS DER PRAXIS
Kartenmachen.de: Von der Web-Agentur zum eigenen
Karten-Design-Shop
„Der Schlüssel zur Umsatzsteigerung sind die Produkte und die Cross-Selling-Effekte!“
Sobald ein großes, ja vielleicht sogar einmaliges Ereignis ansteht, an dem die wichtigsten Menschen aus dem Leben einer Person
teilhaben sollen, nutzen viele Menschen auf
individualisierte Einladungskarten. Erst mit
ihnen wird das Gesamterlebnis einmalig und
hebt es von herkömmlichen Veranstaltungen
ab. Umso bedeutender ist es dementsprechend, dass hierfür keine 08/15-Karten aus
dem Blumenladen um die Ecke, sondern einzigartige Karten verwendet werden. Und genau an diesem Punkt kommt der Online-Karten-Shop Kartenmachen.de ins Spiel.
Kartenmachen.de wurde von Andreas Ritter
ins Leben gerufen. Die Idee entstand praktisch
im wahren Leben: Als er 2010 heiratete, wollte er keine 08/15-Einladungskarten an seine
Gäste versenden. Diese sollten vielmehr mit
einer individuell gedruckten Karte persönlich
angesprochen werden. Ritter wurde jedoch
weder offline noch online fündig, weswegen
er kurzerhand auf die Idee kam, das ganze
Vorhaben in die eigene Hand zu nehmen: „Ich
bestellte also 200 UV-lackierte Hochzeitskar-
ten ohne Text direkt bei einer Druckerei.“ Dabei
kam Ritter natürlich auch seine abgeschlossene Ausbildung zum Mediengestalter zugute.
2013 folgte dann der Weg zur Selbstständigkeit in Form einer Web-Agentur, bei der er für
seine Kunden Online-Shops entwickelte. So
sah Ritter, dass die Shops Gewinne abwarfen,
solang sowohl die Geschäftsidee als auch die
dazugehörige Umsetzung passten. So fragte
er sich dann schließlich selbst, mit welcher
Idee er Erfolg haben und am Markt bestehen
könnte, woraufhin ihm seine selbst gestalteten Karten wieder einfielen. „Die Restkarten
von meiner Hochzeit waren der Grundstein von
Kartenmachen.de. Und die ersten Kunden für
meine Idee der individualisierten Einladungskarten fand ich auf Ebay.“
Professionelle Grafiker
Ein wenig stellt sich bei einem Konzept wie
dem von Kartenmachen.de schon die Frage,
was das Unternehmen von anderen Anbietern aus diesem Bereich unterscheidet. Ritter
klärt auf: „Natürlich gibt es schon Shops im
Netz, die individualisierbare Einladungskarten
anbieten. Aber: Hier muss der Kunde seinen
Text selbst in das Kartendesign einbringen.“
Für Laien nicht unbedingt immer ein leichtes
Vorhaben, worunter oft das optische Ergebnis
leiden muss. Bei Kartenmachen.de hingegen
muss der Kunde den Text nicht selbst in die
Karte einfügen. „Das übernimmt ein professioneller Grafiker. Dieser arbeitet mit einem
Profi-Tool und kann für eine perfekte Optik sorgen.“ Zusätzlich hat Kartenmachen.de für die
Kommunikation zwischen Kunde und Grafiker
eine eigene Software namens „Designstudio“
entwickelt: „Darüber werden Änderungswünsche ebenso kommuniziert wie Freigaben erteilt“, so Ritter.
Dass diese Alleinstellungsmerkmale und das
Gesamtkonzept an sich durchaus funktionieren,
beweist beispielsweise eine Kampagne auf
der Crowdfunding-Plattform Seedmatch.de.
Die angepeilte Summe von 300.000 Euro
konnte dort innerhalb kurzer Zeit erfolgreich
eingesammelt und sogar überboten werden.
29
AUS DER PRAXIS
Wofür will Kartenmachen.de das Geld letztendlich genau nutzen? „Wir werden zwei weitere Grafiker und einen Online-Marketing-Manager einstellen. Zum Herbst bieten wir auch
einen Ausbildungsplatz für einen Fachinformatiker / Anwendungsentwicklung ein. Wir
freuen uns über Bewerbungen!“ Mit einem
größeren Team sollen dann noch schneller
neue Produkte, Kartenkategorien und Motive
eingeführt werden. Auch der Online-Shop soll
eine Überarbeitung erfahren.
Venture-Debt als InvestmentMethode
Als Investment-Methode nutzt das Unternehmen ein sogenanntes „Venture Debt“-Modell.
Diese Variante kann lediglich von Unternehmen genutzt werden, die bereits seit mehreren Jahren signifikante Umsätze bzw. Gewinne
erzielen und dementsprechend ein etabliertes
Geschäftsmodell vorweisen können. Ritter erklärt das Modell wie folgt: „Investoren geben
dem StartUp ein partiarisches Nachrangdarlehen und erhalten dafür über vier bis fünf Jahre
eine tagesgenau berechnete Festverzinsung
in Höhe von acht Prozent.“ Dabei ist sogar ein
„Venture Kicker“, also ein weiterer Bonuszins
bei besonders erfolgreichen StartUps möglich.
Geschäftsführer Andreas Ritter
rung im dreistelligen Bereich angepeilt. Die
Chancen, dieses durchaus ambitionierte Ziel
zu erreichen, sollen jedoch gar nicht mal so
unrealistisch sein: „Zum Ende des zweiten
Quartals haben wir schon fast den gesamten
Umsatz des Vorjahres erreicht. Darauf sind
wir wirklich stolz.“ Die Umsatzsteigerung im
Jahr 2017 wiederum soll dann im niedrigen
dreistelligen Bereich liegen – „danach erwarten wir jährlich Steigerungsraten zwischen 25
und 75 Prozent.“
Wie möchte Kartenmachen.de dieses Vorhaben auch in der kommenden Zeit erfolgreich
in die Tat umsetzen? „Der Schlüssel zur Umsatzsteigerung sind natürlich die Produkte und
die Cross-Selling-Effekte, die eintreten, wenn
wir mehr Produkte anbieten.“ Derzeit sollen
sich etwa 250 Produkte in fünf verschiedenen
Kategorien befinden – Tendenz, wie sollte
es anders sein, steigend. Dabei sollen mehr
Produkte nicht automatisch auch gleichzeitig
mehr Kosten für Kartenmachen.de bedeuten. Ritter rechnet vor: „Wenn wir pro Monat
70.000 Euro mehr einnehmen wollen, müssen
wir nur ein Mal 10.000 Euro investieren und
zwei bis drei Mitarbeiter einstellen, die diese
Produkte entwickeln bzw. das Online-Marketing vorantreiben.“
Der Schritt ins Ausland im nächsten Jahr steht
für die Plattform sogar bereits fest. Als erstes
Land hat Kartenmachen.de Großbritannien
auserkoren. „Davon versprechen wir uns viel,
denn die Briten haben eine ausgeprägte Feierkultur und geben gerne Geld für Einladungskarten aus.“ Dabei soll nicht einmal der Brexit
diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung machen: „Das ist glücklicherweise aber
nicht so. Unsere Niederlassungen sollen völlig
unabhängig sein. Produktion und Versand werden vor Ort stattfinden. Nur die Motive sollen
hauptsächlich in Deutschland entwickelt werden.“ (cl)
Das StartUp selbst hat durch dieses Modell
beispielsweise Vorteile im Marketing-Bereich:
„Wir gewinnen dadurch viele neue Kontakte
und Multiplikatoren. Und wir erhöhen unsere
Reichweite beträchtlich. Das StartUp wird dadurch bekannter, es erweitert sein Netzwerk
und generiert neue Kunden.“ Doch nicht nur
die Erhöhung des Bekanntheitsgrades ist dabei
für Ritter relevant: „Man lernt dazu: Durch die
Fragen, die Investoren stellen, und durch den
Prozess selbst. Für mich ist das sehr wertvoll.“
Hohe Umsatzsteigerungen
Aber nicht nur die Crowdfunding-Kampagne
spricht für den Erfolg von Kartenmachen.de,
wie Zahlen beweisen, die uns das Unternehmen preisgegeben hat. So ist der Umsatz im
letzten Jahr um 150 Prozent gestiegen. Und
auch in diesem Jahr wird eine Umsatzsteige-
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32
AUS DER PRAXIS
Wir wurden gefragt
Ich wurde abgemahnt. Kann ich eine Gegenabmahnung aussprechen?
Abmahnungen gehören zum Online-Handel
wie das Amen in der Kirche. Wer viel Zeit,
Geld und Mühe in den rechtssicheren Shop
investiert, ist deshalb im Abmahnfall besonders frustriert – erst recht, wenn der Konkurrent bewusst nach Fehlern sucht, selbst
aber ebenfalls nicht unschuldig ist.
„Auge um Auge, Zahn um Zahn“
Hier den Grundpreis vergessen, dort eine unvollständige Artikelbeschreibung verwendet... Wer
tagtäglich an seinem Online-Shop herumbastelt, wird wissen, wie schnell sich kleine, aber
verheerende Fehler einschleichen können. Gründe, für Wettbewerbsverstöße zur Rechenschaft
gezogen zu werden, gibt es daher in der Praxis
genug. Der deutsche Gesetzgeber will jedoch,
dass sich der Wettbewerb vorrangig selbst reguliert und hat das Institut der Abmahnung anstatt einer staatlichen Aufsicht geschaffen.
Wer eine Abmahnung erhält, dem kommt
stets die Frage nach Selbstjustiz in den Sinn,
wenn es der Abmahner selbst nicht so genau
mit der Rechtssicherheit nimmt. Eine Gegenabmahnung des Abgemahnten ist grundsätzlich eine zulässige „Retourkutsche“ und vom
deutschen Recht nicht ausgeschlossen. Der
abmahnende Mitbewerber wird lediglich
dazu angehalten, sich selber wettbewerbskonform zu verhalten, was im Grundsatz nicht
zu beanstanden ist. Die Gegenabmahnung ist
daher ein legales Mittel, um den abmahnenden Mitbewerber an die eigene Lauterkeit zu
erinnern.
„Gleiches nicht mit Gleichem zu
vergelten“
Auch wenn die Verlockung groß ist: Händler
sollten im Eifer des Gefechts nicht über das
Ziel hinausschießen. Eine Gegenabmahnung
nur mit dem Ziel, den Abmahnenden zu schädigen, kann rechtsmissbräuchlich sein. Davon
kann man ausgehen, wenn der Abmahnende
beispielsweise allein ein Interesse an der
Kostenerzielung hat. Die Gegenabmahnung
als „Retourkutsche“ einer koordiniert handelnden Gruppe von Abmahnern, um den Abmahnenden darüber hinaus zu schädigen, ist
ebenfalls nicht erlaubt.
Eine Gegenabmahnung kann auch rechtsmissbräuchlich sein, wenn diese vorab angekündigt wird, um den Abmahner zur Rücknahme seiner ausgesprochenen Abmahnung zu
bewegen. (yb)
Antwort:
Eine Gegenabmahnung ist grundsätzlich
zulässig, wenn das Gegenüber tatsächlich einen Verstoß begangen hat.
Alle Händler sollten auch Alternativen
in Erwägung ziehen, das Kriegsbeil zu
begraben: Fairer Handel kann auch auf
anderem Wege (wieder)hergestellt
werden (#FairCommerce).
HABEN SIE AUCH EINE
RECHTSFRAGE AN UNSERE
JURISTEN?
Dann schreiben Sie
uns an:
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onlinehaendler-magazin.de
Ausgewählte Fragen werden
von uns beantwortet.
33
MEINE MEINUNG │ VORSCHAU
Die Grenzen des Wachstums und
Internationalisierung als strategische Option
von Hagen Meischner
Jedes meiner Gespräche mit kleinen und
mittelständischen Händlern dreht sich
irgendwann um Amazon oder die Optimierung der Conversion. Dies ist Ausdruck
eines enormen Wettbewerbsdrucks und
der stetig steigenden Kosten für Marketing, mit dem Ziel, sich langfristig
am Markt behaupten zu können. Häufig
heißt dann die Lösung, noch mehr Geld
in die Schlacht zu werfen, um nicht unterzugehen. Die Frage ist aber, wo führt
das hin? Denn auch wenn der deutsche
E-Commerce weiter wächst, sind es meist
die Big Player, die mit Umsatzzuwächsen
im Milliardenbereich den Gesamtmarkt
nach oben ziehen und damit gleichzeitig
die KMUs in Bedrängnis bringen.
Daher sollte die Lösung nicht automatisch
heißen: 30 Prozent mehr Marketingbudget
für 0,6 Prozent mehr Conversion. Sondern es
sollte die Frage gestellt werden: Wo kann ich
meine Produkte am besten mit einer attraktiven Marge verkaufen? Denn die meisten
Onlinehändler sind erfolgreiche „Händler“
und sollten sich auf diese Kernkompetenz
fokussieren. Von daher muss der Blick über
die Grenzen schweifen und auch nicht gleich
wieder an den Alpen enden. Einerseits liegt
Deutschland im Herzen Europas und ande-
rerseits gibt es mittlerweile eine umfassende Infrastruktur an Dienstleistern, die Händlern bei dem Schritte in einen neuen Markt
unterstützen: sei es Salesupply für Retouren
und Kundenservice, Textmaster für Übersetzungen, DutyPay für die Steuerabwicklung,
der Händlerbund für die rechtlichen Belange
oder PrestaShop mit einem internationalen
Shopsystem – um hier nur einige Anbieter
exemplarisch zu nennen. Ein Mangel an
Servicepartnern ist also heute keine Ausrede mehr, um nicht in neue Märkte zu expandieren. Aber natürlich ist der Schritt ins
Ausland kein Selbstzweck, sondern muss Ergebnis einer fundierten Analyse sein. Dabei
spielen verschiedene Fragen eine Rolle: Sind
meine Produkte in dem Markt nachgefragt?
Wie sieht die Wettbewerbssituation aus und
mit welchen Margen werden die Artikel gehandelt? Sehr häufig wird das Ergebnis sein,
dass im Ausland weniger Wettbewerbsdruck herrscht und die Margen besser sind
als hierzulande!
Daher bin ich davon überzeugt, dass die Zukunft mittelständischer Online-Händler nicht
allein in der Conversion-Optimierung und
teurem Traffic liegt, sondern insbesondere
in der Fähigkeit, neue Märkte zu erobern.
Daher sollte es die Aufgabe jedes Inhabers
oder E-Commerce-Managers sein, sich in
den nächsten sechs Monaten zumindest mit
dem Thema fundiert auseinander zu setzen.
Über den Autor:
Hagen Meischner verantwortet seit Ende
2014 das Geschäft des Open-Source-Anbieters PrestaShop in DACH. Dabei liegt der
Fokus auf der Schaffung von Rahmenbedingungen, die den Einsatz des weltweit erfolgreichen Shopssystems fördern. Zuvor hat er
fünf Jahre Vertrieb und Partnermanagement
bei der pixi* Software GmbH geleitet. Der diplomierte Betriebswirt ist seit 15 Jahren im
E-Business tätig.
Das lesen Sie in der nächsten Ausgabe:
• Costumer Journey – woher kommt der Kunde?
• Ausbildung zum Online-Händler
• Tipps für eine reibungslose E-Commerce Logistik
Die nächste Ausgabe erscheint Anfang Oktober.
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