Fichte-Gymnasium Neubau Ganztageseinrichtung DOKUMENTATION MEHRFACHBEAUFTRAGUNG Stadt Karlsruhe INHALT VORWORT 05 AUSLOBUNG 07 Auslobungstext 08 Raumprogramm 10 Jurymitglieder 11 Teilnehmer der Mehrfachbeauftragung 12 BEITRÄGE 13 netzwerk architekten 14 SWS Architekten 18 Thomas Fabrinsky Architekt BDA 22 Peter W. Schmidt Architekt BDA 26 rossmann+partner Architekten 30 AUSZUG AUS DEM PROTOKOLL DER JURY 2 35 3 GANZTAGESEINRICHTUNG F I C H T E VORWORT Luftbild 4 Das Fichte-Gymnasium ist ein Karlsruher Traditions-Gymnasium, das im Jahre 1893 als erstes Mädchen-Gymnasium Deutschlands im derzeitigen Rückgebäude der Schule gegründet wurde. Die Gründung war das Ergebnis der Anstrengungen des „Frauenverein Reform“ und stellte Ende des 19. Jahrhunderts eine revolutionäre Veränderung des Bildungsangebotes dar. Dieser Tradition, unsere Schule an die Erfordernisse der jeweiligen Zeit anzupassen, fühlen wir uns verpflichtet. Heute hat die Schule 850 Schülerinnen und Schüler, wobei nahezu die Hälfte männlich ist. Laut Modellraumprogramm fehlten der Schule schon seit Jahren Räumlichkeiten. Dieses Problem des Platzmangels hat sich durch das zusätzliche Unterrichts- und Ganztagesangebot im Zusammenhang mit G8 verschärft. Ein Teil der benötigten Klassen- und Fachräume wird derzeit durch einen Brückenbau über dem Pausenhof der Schule geschaffen. Erfreulicher Weise stand vor einigen Jahren das Grundstück in der Sophienstraße 2 zum Verkauf. Die Stadt Karlsruhe erwarb dieses Gelände für die Schule. Wir freuen uns ganz besonders darüber, dass dort ein neues Gebäude für das Fichte-Gymnasium entstehen wird. Dadurch kann der dringende Bedarf nach 2 Musikräumen, einer Mensa und Aufenthaltsbereichen für die Ganztagesbetreuung gedeckt werden. Unser Nachmittagsbetreuungsprogramm entstand schon vor zehn Jahren und hatte bisher wechselnde Standorte in diversen Klassenzimmern. Im Rahmen von G8 muss dieses Betreuungsprogramm zu einem Ganztagesangebot ausgeweitet werden. Da die verschiedenen Bausteine der Ganztagesbetreuung ineinander greifen, sind sowohl eine räumliche Nähe der sich ergänzenden Angebote als auch eigene Räumlichkeiten dringend erforderlich. Diese Voraussetzungen wird das neue Gebäude in hervorragender Form erfüllen. Wir danken den politisch Verantwortlichen, den Vertretern des Schul- und Sportamtes, den Mitarbeitern des Amtes für Hochbau- und Gebäudewirtschaft und den Architekten für ihr Engagement für dieses Bauprojekt. Oberstudiendirektorin Ingeborg Kraus, Schulleiterin 5 GANZTAGESEINRICHTUNG F I C H T E A U S L O B U N G Modellfoto Bestand 6 7 GANZTAGESEINRICHTUNG F I C H T A U S L O B U N G E Auszug aus dem AUSLOBUNGSTEXT Anlass und Zweck Das Fichte-Gymnasium hat dringenden Bedarf an einer Ganztageseinrichtung und an weiteren Klassenräumen. Erweiterungsmöglichkeiten auf dem Grundstück des Fichte-Gymnasiums (Sophienstraße 12-16) sind nicht gegeben. Aus diesem Grund hat die Stadt Karlsruhe das Grundstück in der Sophienstraße 2 erworben. Da ein Umbau des Bestandsgebäudes weder funktional noch wirtschaftlich sinnvoll ist, sollen die benötigten Räume des Fichte-Gymnasiums nach Abriss des Bestandsgebäudes in einem Neubau untergebracht werden. Hierfür wird eine Mehrfachbeauftragung ausgeschrieben, zu der fünf Architekturbüros eingeladen werden. Auftraggeber Stadt Karlsruhe, vertreten durch das Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft Vorprüfung Die Vorprüfung erfolgt durch Vertreter der städtischen Ämter. 8 Beurteilungskriterien - Einbindung im städtebaulichen Umfeld - Qualität der Freiraumplanung - Qualität und Eignung unter - funktionalen Gesichtspunkten - gestalterischen Aspekten - Erfüllung Raumprogramm - Erfüllung der Anforderungen an die Gebäudetechnik - Nachhaltigkeit (Bewertungsgrundlage ist der „Leitfaden Nachhaltiges Bauen“ des BMVBS) - Wirtschaftliche Realisierbarkeit - Flächenausnutzung - Energiekonzept Allgemein Das Bestandsgebäude an der Sophienstraße 2 wurde um 1911 vom Architekten L. Schmieder als Saalbauerweiterung des Künstlerhauses an der Karlstraße errichtet. Die Nordseite geht auf Teile der Stallungen des klassizistischen Berckholz´schen Palais von 1826 zurück. Das Ensemble wurde 1944 durch einen Luftangriff nahezu völlig zerstört, lediglich weite Teile des Erdgeschosses und Untergeschosses sowie Fragmente des Saals und des Treppenhauses im 1.OG blieben in ihrer Struktur erhalten. Das Gebäude wurde unmittelbar nach dem Krieg mit Ergänzungsbauten östlich des Treppenhauses provisorisch hergerichtet, bevor der Künstlerverein Mitte der 50er Jahre das Grundstück mit einem mehrgeschossigen Hotel- und Geschäftsbau an der Karlstraße, einem Zwischenbau mit gastronomischen Einrichtungen und dem Saalbau des Künstlerhauses wiederaufbaute. Wahrscheinlich im Zusammenhang mit diesem Wiederaufbau wurde der Saalbau auch an der westlichen Grundstücksgrenze verändert und eine Zufahrt zum Hof eingebaut. Das Gebäude wurde später vom Land erworben und als akademisches Auslandsamt genutzt. Die Liegenschaft wurde im Jahre 2007 geteilt, das Gebäude an der Karlstraße wurde von einem privaten Investor, der Saalbau des Künstlerhauses durch die Stadt Karlsruhe erworben. Das Künstlerhaus wird derzeit durch das Fichte-Gymnasium mit insgesamt 5 Klassenräumen und einer provisorischen Ganztageseinrichtung genutzt. Für das Gebäude Sophienstraße 2 wurde durch die Stadt Karlsruhe ein Abbruchantrag gestellt, dieser Antrag wurde durch das Regierungspräsidium positiv beschieden. Bei der Teilung des Anwesens wurde vereinbart, dass für die Bewohner der Karlstraße 42-44 vier Stellplätze auf dem städtischen Grundstück nachgewiesen werden müssen. Es muss auch die rückseitige Anlieferung der Geschäfte im Gebäude Karlstraße gewährleistet werden. 9 GANZTAGESEINRICHTUNG F I C H T A U S L O B U N G E RAUMPROGRAMM Ganztages- JURYMITGLIEDER 1.1 Speiseraum 114 m² einrichtung 1.2 Ausgabeküche 18 m² 1.3 Spülküche 18 m² 1.4 Aufenthaltsraum 60 m² 1.4 Aufenthaltsraum 60 m² 1.6 Umkleideräume Küchenpersonal extern Prof. Myriam Gautschi Konstanz intern Herr Joachim Frisch stellv. Leiter Schul- und Sportamt Herr Helmut Kern Leiter Gartenbauamt 1.7 Sanitärräume Küchenpersonal Herr Dr. Harald Ringler Leiter Stadtplanungsamt 1.8 Putzraum 1.9 Stuhllager Erweiterung Zu berücksichtigen sind ökologische Kriterien insbesondere die angestrebten Höchstwerte beim Energiebedarf der Schulerweiterung (120 kWh/m²a Primärenergiebedarf, 15 kWh/m²a Heizenergiebedarf). Es wird Wert auf eine alltagstaugliche und funktionale Gestaltung gelegt. Unter anderem sind die Schulbaurichtlinien und die Regeln des „Barrierefreien Bauens“ zu beachten. Es wird gewünscht, dass der zukünftige Speisesaal als Veranstaltungsraum geeignet ist. ca. 10 m² 2.1 Musiksaal 72 m² 2.2 Musiksaal II 72 m² 2.3 Nebenraum Musiksäle 18 m² 2.3 Universalraum 72 m² Frau Anne Sick Leiterin Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft beratend Herr Ulrich Framke Leiter Bauordnungsamt 2.4 Putzraum Toilettenanlagen Frau Ulrike Schlenker Leiterin Stabstelle Projektcontrolling (für Lehrer und Schüler) Frau Ingeborg Kraus Schulleiterin Fichte-Gymnasium 10 11 GANZTAGESEINRICHTUNG F I C H T B E I T R Ä G E E TEILNEHMER DER MEHRFACHBEAUFTRAGUNG 01 04 netzwerk architekten Donnersbergring 20 64295 Darmstadt Peter W. Schmidt Architekt BDA Kuppenheimstraße 4 D-75179 Pforzheim T 06151 39 149 0 [email protected] www.netzwerk-architekten.de T 07231 45 39 0 [email protected] www.pws.eu 02 05 SWS Architekten Jägerstrasse 52 76227 Karlsruhe rossmann+partner Architekten Nürnberger Str. 5 76199 Karlsruhe T 0721 407051 [email protected] www.sws-architekten.de T 0721 9 888 0 [email protected] www.rossmannundpartner.de 01 04 02 05 03 Thomas Fabrinsky Architekt BDA Hirschstraße 89 76137 Karlsruhe T 0721 46 47 09 0 [email protected] www.fabrinsky.com 03 12 Einsatzmodelle 13 GANZTAGESEINRICHTUNG F I C H T E 01 netzwerk architekten 1. Rang Entwurfsidee Grundriss 2. OG Perspektive INNENAUM Die Erweiterung des Fichte-Gymnasiums ist als präsenter „Körper“ ausgebildet. Er schließt die Lücke zwischen den begrenzenden Randbebauungen unter Aufnahme und Akzentuierung der städtebaulichen Trauflinien. Die Straßenfassade ist mit einer „Haut“ überzogen, welche die Plastizität zum öffentlichen Raum hin glättet. Nur an herausragenden Stellen sind Blickfenster eingesetzt. Die Nordfassade bleibt auch nach Außen hin plastisch und wirkt zu den vielschichtigen Pausenaktivitäten im Schulhof. Grundriss 1. OG Grundriss EG Grundriss UG Lageplan 14 Grundriss EG - Nutzungsvariante 15 GANZTAGESEINRICHTUNG F I C H T E 01 Ansicht SOPHIENSTRASSE Ansicht SCHULHOF Querschnitt Längsschnitt Energiekonzept Ziel war eine Reduzierung des notwendigen Energiebedarfs der Schule mit geringem Technikeinsatz. Die Ausbildung einer „Energiefassade“ im Süden schafft mit einfachen Mitteln solare Gewinne. An die Bewegungszonen werden reduzierte Anforderungen an den Wärmekomfort definiert. Nur die Räume für schulische Nutzungen bzw. der Ganztageseinrichtung werden mit erhöhtem Komfort bedacht. Die Küche erhält eine Zuluftanlage. Die Fortluft erfolgt über die Außenwand EG. Als Beheizungsart steht die Wärmerückgewinnung im Vordergrund. Als Spitzenlastkessel wird ein Gasbrennwertkessel eingesetzt. Sommer - Nachtkühle Fassadendetail 16 17 GANZTAGESEINRICHTUNG F I C H T E 02 () * +,'$ SWS Architekten 3. Rundgang Grundriss 2. OG Pespektive SOPHIENSTRASSE Baukörper und Materialkonzept Der Baukörper des Neubaus präsentiert sich zur Sophienstraße mit einem großflächig verglasten Erdgeschoss und einem kubisch gegliederten Baukörper in den Obergeschossen, der die Rolle des Neubaus als Verbindungsglied zwischen den beiden Anschlussbebauungen zum Ausdruck bringt. Bezüglich seiner Höhenentwicklung orientiert sich der Bau an der weiteren Bebauung der Sophienstraße, bezüglich seiner Massengliederung und Materialität verweist er auf seine Rolle als öffentliches Gebäude. Bei der Material- und Farbwahl der Fassade wird auf die Farbigkeit des Hauptgebäudes verwiesen. Es wird vorgeschlagen die Wand- und Sockelflächen im EG in Sichtmauerwerk auszubilden und die darüber liegenden Geschosse mit verputzten Wandoberflächen. Zur Herstellung einer einheitlichen Farbigkeit werden Mauerwerk und Putz mit dem gleichen mineralischen Anstrich überzogen. Die Farbe orientiert sich dabei an der Sandsteinfassade des Hauptgebäudes. "#$ ! "#%$ &'$ ! Grundriss 1. OG L@ 4 , >+J 2 F 1,$ ? , ! 1< 1<+ ! M2; "@, F Grundriss EG "#2$ ! "#$ "#%$ J J "#6$ ! &'$ "#>+$ F "#>+$ F Lageplan 18 ! 4J J "#$ F 4J Grundriss UG 19 GANZTAGESEINRICHTUNG F I C H T E 02 Ansicht SOPHIENSTRASSE Ansicht HOF Schnitt A Fotovoltaik Extensivbegrüngung Sichtbeton unbekleidet Bauteilaktivierung Energiekonzept Das architektonische Konzept sieht eine räumliche Struktur vor, welche erreichen soll, dass mit einer kompakten Bauweise, mit optimiertem Wärmeschutz und hochwertigen Fenstern, sowie duch eine luftdichte Gebäudehülle das Thema Anforderung an die energetische Gebäudequalität und ihren Bedarfsanforderungen bereits im Entwurf wesentlich Rechnung getragen wird. außenseitige vertikale Lamellenstruktur aus glasfaserverstärkten Betonelementen, durchgefärbt in Fassadenfarbe Befestigung thermisch getrennt Fassadenaufbau 1./2. OG WDVS aus diffusionsoffenen Multipor-Mineraldämmplatten mit mineralischer Dickbeschichtung und KEIM-Lasuranstrich Schnitt B Luftklappen zur freien Nachtlüftung und Querlüftung offene VertikalLamellendecke mit Akustikeigenschaften Fenster in Holz-/AluPfosten-Riegelsystem Fassadenaufbau EG: 2-schaliges Sichtmauerwerk (Normalformat) Oberfläche geschlämmt Schnitt C 20 Energiekonzept | Schema Südfassade: Sonnenschutz durch feststehende Lamellen im SZR (System Okalux) Fassadendetail 21 GANZTAGESEINRICHTUNG F I C H T E 03 Thomas Fabrinsky Architekt BDA 2. Rundgang Städtebauliche Einbindung Das Quartier zeichnet sich durch eine homogene Blockrandbebauung aus. Aber auch hier bestätigt die Ausnahme die Regel und die Ausnahme schafft für ein besonderes Gebäude einen besonderen Ort. An der schiefwinkeligen Schnittstelle zwischen Karl- und Sophienstraße entsteht eine klaffende Fuge, die aus der bestehenden Situation heraus auch nicht einfach geschlossen werden kann. Der Bestandsschutz, die notwendige Zugänglichkeit in den Hof, die Fensteranordnung im Bestand und der Brandschutz fordern Berücksichtigung. Wir nutzen dies um das Schulhaus frei zu stellen. Wir schaffen dadurch, zum einen die Stellplätze und die Anlieferung des Geschäftshauses in Perspektive Innenraum der Karlstraße auf unspektakuläre Weise anzubinden. Zum anderen können wir, und dies ist uns besonders wichtig, eine für ein Gymnasium angemessene Vorfläche mit großzügiger Eingangssituation entwerfen. Die Straßenflucht wird aufgenommen, die Traufhöhe wird durch unseren dreigeschossigen Neubau weitergeführt. Im Bereich des Innenhofs schließt der eingeschossige Baukörper das Schulgelände zur Geschäftsbebauung der Karlstraße ab. Die Dachfläche soll als Dachgarten über eine „begrünte Tribüne“ mit der auf Straßenniveau liegenden Pausenfläche zusammen geführt werden. Fassadenschnitt A Müll Aktivwand Graffiti Tribüne Sitzbänke Zuluft Zuluftkamin Klinker Abluft h= 4.00 Universalraum 69 m² Luft - Erdwärmetauscher Zuluft Abluft Tor Zuluft Stuhllager 7.5 m² Stehtische Speisesaal 109 m² Sitzbank Zuluft Geschirrrückgabe Zuluft Geschirrausgabe Umkl. Pers. Ausgabe 21 m² Vorplatz Umkl. Pers. -0.15 m STP 4 Info Spülküche 24 m² STP 3 Eingang ± 0.00 Fich te-G y (Alt mnasiu bau m ) B B Foyer ± 0.00 STP 2 STP Sitzbank 1 A Karlstraße Velo Velo Sop hien stra ße Grundriss EG Zuluft Zuluft Unterlicht geöffnet Abluft Oberlicht geöffnet WC Mädchen 18 m² Winter RLT - Lüftung Technik 27 m² Oberlichter geöffnet Nebenraum 8.5 m² Musiksaal 71 m² Aufenthalt 59 m² RLT Abluft Sommer Taglüftung B Luftraum in der Decke Luftstrom entlang der offenen Betodecke Frischluftsee geschlossene Lüftungsklappen (Schallschutz) geöffnete Lüftungsklappen T 30 Galerie T 30 Aufenthalt 59 m² Nebenraum 8.5 m² WC Lehrer Herren WC Jungen 16 m² RLT Zuluft Frischluftsee Verdrängungslüftung Damen WC Lehrer Sommer Nachtauskühlung T 30 B Flur 2.OG B T 30 B Flur 1.OG B Lageplan 22 A Grundriss 2. OG A Grundriss 1. OG B Flur KG Putzraum 3.5 m² Panoramafenster Abluftkamin für sommerliche Nachtauskühlung Abluft A Grundriss UG 23 G A N Z T A G E Ss EINRICHTUNG F I C H T E 03 Schnitt B Schnitt A Energetisches Konzept Sommerfall freie Belüftung über segmentierte Zuluft Unterlicht geöffnet Abluft Oberlicht geöffnet Ansicht OST Bauteilaktivierung von Decken und Wände Nachtauskühlung durch Überdach-Abluftkam Verzicht auf kältetechnische Einrichtungen Luft-Erdwärmetauscher zur Kühlung zuschaltbar N uft e rischluftsee Frischluftsee Beleuchtung: Langfeld-Flachleuchte mit direktem + indirektem Lichtanteil (zB. spectral PLAFOU) Sommer Taglüftung geschlossene ge Lüftungsklappen (Schallschutz) T 30 2 Luftraum Galerie Energetisches Konzept | Lüftungsschema Sommer | Taglüftung 24 25 GANZTAGESEINRICHTUNG F I C H T E 04 Grundriss DG Peter W. Schmidt Architekt BDA 1. Rundgang Die Baugestalt des neuen Hauses ist geprägt durch seine klaren Proportionen und scharf geschnittenen Öffnungen, die in Verbindung mit dem Satteldach, den Giebelscheiben und der äußerst reduzierten Detailgestalt dem Haus einen selbstbewussten Charakter, im Stil eines öffentlichen Gebäudes, verleiht. Das Gebäude ist verputzt und im übertragenen Sinne in der Tradition Karlsruher Bauten, die mit ihrer Homogenität der Fassadengestalt und klar definierten Bauvolumen einen bedeutenden Beitrag im Gefüge der Stadt leisten. Grundriss 1. OG Grundriss EG Lageplan Grundriss UG 26 27 GANZTAGESEINRICHTUNG F I C H T E 04 Ansicht Ost Schnitt A Schnitt B Ansicht Süd 28 Fassadendetails 29 GANZTAGESEINRICHTUNG F I C H T E 05 rossmann+partner Architekten 1. Rundgang Städtebau Grundriss 2. OG Der neue 3-geschosshohe Erweiterungsbau des Fichte-Gymnasiums fügt sich in die vorhandene Blockstruktur ein. Alle Klassenräume orientieren sich zur ruhigen Hofseite. Auf der Straßenseite befinden sich die Flure und die Nebenräume der Ganztageseinrichtung. Lage und Größe der Öffnungen auf der Straßenseite spiegeln die dahinterliegenden Nutzungen und strukturieren die lange Fassade. Der transparente Eingang gibt den Blick frei in das Gebäudeinnere und in den Hof. Das Treiben hinter den langen Flurfenstern belebt den unmittelbaren Stadtraum. Grundriss 1. OG Ansicht SOPHIENSTRASSE Grundriss EG Lageplan 30 Grundriss UG 31 GANZTAGESEINRICHTUNG F I C H T E 05 Schnitt Ansicht Hof Ökologie / Energie Das Gebäude erhält eine Dreischeibenwärmeschutzverglasung, 20 cm Wärmedämmung an den Gebäudefassaden, eine mechanische Lüftung mit regenerativer Wärme- und Feuchterückgewinnung und öffenbare Fenster. Die Dachflächen können optional mit einer flächigen Installation von Photovoltaik-Anlagen ausgerüstet werden. Die Wärmeversorgung erfolgt durch die lokal verfügbare Fernwärme mit hohem Anteil regenerativer Wärme. Grundlage des sommerlichen Wärmeschutzes ist ein außenliegender Sonnenschutz mit Lichtlenkung im Oberlichtbereich. Der Wasserverbrauch wird durch eine Grauwassernutzung, die auch zur Bewässerung der Grünanlagen benutzt werden kann, deutlich reduziert. Für die Auswahl der Baumaterialien werden die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) angewandt, Kunststoffe werden vermieden, Materialien mit geringer Herstellungsenergie bevorzugt. Das Gebäude erhält eine robuste, werthaltige, hinterlüftete Ziegelfassade mit mittlerer Herstellungsenergie. Damit wird die Ausnahmestellung im nahen städtebaulichen Umfeld in Anlehnung an das natursteinbekleidete Hauptgebäude des Fichte-Gymnasiums verdeutlicht. 32 Detailschnitt Detaillansicht 33 GANZTAGESEINRICHTUNG F I C H T B E W E R T U N G E AUSZUG AUS DEM PROTOKOLL DER JURY EINZELBEWERTUNGEN NETZWERKARCHITEKTEN 34 Die Schulerweiterung des Fichte-Gymnasiums setzt die Blockrandbebauung der Sophienstraße konsequent fort mit einem dreigeschossigen liegenden Baukörper, der die Bebauung aus dem 19. Jahrhundert mit der aus den 1950er Jahren verbindet. Die Fassade ist in Form eines Schildes ausgebildet, in dem horizontal liegende Fenster teilweise herausgeschnitten, teilweise durch die ephemere „Haut“ aus Profilglas durchscheinen. Die Anschlüsse an die Nachbargebäude sind noch detaillierter zu gestalten. Die an der östlichen Grundstücksgrenze liegende Durchfahrt ermöglicht eine zusammenhängende Nutzung der westlichen Hoffläche für die Schule. Der Schulhof ist mit unterschiedlichen Freiraumnutzungen belegt, was aber einer freieren Gestaltung nicht im Wege ist. Sinnvoll ist auch die Unterbringung der Müllbehälter in der Durchfahrt. Die Kennwerte zeigen ein ungünstiges Verhältnis „Nutzfläche zum Bruttorauminhalt“, was vor allem auf das Foyer und das offene Treppenhaus zurückzuführen ist. Neben den bereits genannten kritischen Anmerkungen ist bei der Fassadengestaltung eine sehr intensive Bearbeitung für die Ausführungsplanung notwendig, um ein „oberflächiges“ Erscheinungsbild zum öffentlichen Raum hin zu vermeiden. Auch soll überprüft werden, ob die Fassadenhaut vom Boden und den Nachbargebäuden durch einen Versatz abgesetzt werden kann. Interessant wird auch die Vertiefung des Energiekonzeptes. Insgesamt betrachtet kann dieses Schulgebäude ein lebendiger Baustein und ein besonderer Beitrag zur zeitgenössischen Architektur in Karlsruhe am östlichen Zugang zur Sophienstraße werden. Die Jury empfiehlt deshalb die Weiterbearbeitung des Entwurfs. Die Fassade zum Schulhof hat mit der Sichtbetonoberfläche und mit teilweise plastisch herausgestellten quadratischen Fenstern eine andere Sprache als die Seite zur Straße. Die Jury kann sich hier etwas mehr Ruhe im Erscheinungsbild vorstellen. Die innere Organisation des Raumprogramms ist logisch und qualitätvoll. Das großzügig wirkende Foyer, mit dem alle Ebenen durchdringenden Luftraum, mit der Treppentribüne und den beidseitig angeordneten Treppenläufen sind dabei besonders hervorzuheben. Der breite Zugang zum Speisesaal signalisiert Offenheit. Durch diese Anordnung kann dem Wunsch der Schule, den Speisesaal bei Bedarf für Veranstaltungen zu vergrößern, gut entsprochen werden. Das betrifft auch die Anordnung der WC auf dem Splitlevel. Verbesserungswürdig ist die Dimension des Gebäudeeingangs mit dem Windfang. Die Verfasser des Entwurfs sehen einen Baukörper vor, der in seiner Höhenentwicklung aus den städtebaulichen Rahmenbedingungen abgeleitet wird und sich somit in die vorhandene Reihung der Sophienstraße einfügt. Das Farb- und Materialkonzept der Hülle nimmt Bezug auf die Sandsteinfassade des Hauptgebäudes des Fichtegymnasiums, das nur wenige Häuser weiter platziert ist. In der Diskussion über die Angemessenheit der gewählten Form werden zwei Tendenzen deutlich. Auf der einen Seite wird die Maßstäblichkeit hinsichtlich der Höhenentwicklung gelobt, auf der anderen Seite wird hinterfragt ob die volumetrische Ausbildung des Gebäudes insbesondere im Übergang zur Dreigeschossigkeit nicht zu eigenständig und damit auch zu dramatisch wird. Die Situation wirkt gleichsam SWS ARCHITEKTEN 35 GANZTAGESEINRICHTUNG F I C H T wie ein zweiter Auftakt in die Sophienstraße und tritt in Konkurrenz zum Eckgebäude der Karlstraße. Der Freibereich ist sinnvoll aufgeteilt und hat eine hohe Aufenthaltsqualität im Bereich der Schule. Die Idee, den Schulhofbereich auch in der Höhe abzusetzen, wird positiv hervorgehoben. Größe und Lage der einzelnen Räume ist folgerichtig angeordnet. Es wird jedoch sehr kritisch gesehen, dass der Wunsch der Schule, den Speiseraum durch Zusammenschalten mit einem weiteren Raum zu vergrößern nicht umsetzbar ist, ohne die Grundrissform infrage zustellen. Die Kennwerte zu Flächen und Raum liegen im vorgegebenen Rahmen und lassen eine wirtschaftliche Realisierung vermuten. Das energetische Konzept ist schlüssig und entspricht den Forderungen der Auslobung. Die Jury würdigt die Arbeit als außerordentlich gelungenen Beitrag, der den Verfassern große Sensibilität und entwerferisches Können attestiert. THOMAS FABRINSKY ARCHITEKT BDA Wie kann oder soll „Stadt“ an dieser besonderen Stelle zusammen mit der vorgegebenen Nutzung einer Ganztageseinrichtung fürs Fichte-Gymnasium gelesen und interpretiert werden? Der Entwurfsverfasser entwickelt aus seiner Analyse des Straßenraumes Sophienstraße ein Konzept, das - konsequent zu Ende gedacht – nicht die Baulücke schließt, sondern ein freistehendes Gebäude vorschlägt. Der 50er Jahre Bau an der Karlstraße wird dadurch in seiner Stellung als Kopfbau bestärkt, die Blockrandbebauung Sophienstraße östlich des Fichte-Gymnasiums jedoch endet ungelöst mit einer Brandwand. Dazwischen, in diesem Freiraum, entwickelt der Verfasser einen Soli- 36 B E W E R T U N G E tär. Einen Solitär, der sich aber nicht völlig frei macht, sondern sich in seiner Volumetrie seiner Umgebung anpasst. In den Obergeschossen zeichnet der Baukörper den Straßenraum nach, im Erdgeschoss formt er ein Sockelgeschoss, das sich tief in den Hof hinein zieht und dadurch die Möglichkeit bietet, einen Eingang für die Schüler und Lehrer und, räumlich getrennt, eine Hofeinfahrt mit Parkplätzen, Anlieferung, Fahrrädern, Müll etc. anzubieten. Eine positive Trennung der verschiedenen Nutzungen und Nutzer. Grundsätzlich erlaubt die Idee des Solitärs das Programm als kompakten Baukörper zu lösen. Konsequent entwickelt der Verfasser das Konzept in seiner Grundrissordnung weiter, öffnet die Arbeits- und Musikräume im OG nach Norden, den Speisesaal im EG nach Westen, und bietet Blick- und Sichtbeziehungen im Erschließungsbereich. Öffnungen und Lichtstimmungen werden in den Obergeschossen kontrolliert eingesetzt, Materialien für den Innenraum sorgfältig ausgewählt. Nicht zu überzeugen vermag die Gestaltung des EG-Grundrisses. Zu bemängeln ist, dass sich die großzügige Eingangsgeste unter der Auskragung der oberen Geschosse nicht im Innenraum widerspiegelt, sondern gleich an einer Infowand endet und der notwendige Windfang fehlt. Auch der Speisesaal überzeugt nicht. Mit seinen 3 unterschiedlichen raumdefinierenden Wänden hat er nicht die Kraft und Klarheit, die seine einfache Grundrissgeometrie verspricht und seine Raumdefinition im Außenraum bleibt ebenso zufällig. Durch die Raumtiefe und einseitige Belichtung sind vielmehr zusätzliche Oberlichter notwendig. Im Außenraum bietet eine breite Treppe, die auf das Dach des eingeschossigen Speisesaals führt ein attraktives Angebot für die Schüler - die Umsetzung und Materialisierung mit be- grünten Stufen wird hinterfragt. Die Jury anerkennt die Konsequenz und Stringenz der Schritte, hinterfragt jedoch den primären gedanklichen Ansatz, das Gebäude als Solitär in diesem städtebaulichen Kontext zu behandeln. Die stadträumliche Wirkung vermag letztendlich nicht zu überzeugen. PETER W. SCHMIDT ARCHITEKT BDA Die Verfasser thematisieren in ihrem Entwurf die klare Herausbildung von Zentren für Realschule und Grundschule auf dem Schulcampus unter der Prämisse der maximalen Erhaltung von Schulhofflächen und Baumbestand. Hierzu schlagen sie einen kompakten Baukörper entlang der Moltkestraße in Form eines direkten Anbaus an den zweigeschossigen Grundschulpavillon vor, in dem in Erdgeschoss und Untergeschoss die Sporthalle mit Nebenräumen und im Obergeschoss die Erweiterung der Grundschule untergebracht sind. Zur vollständigen Umsetzung des Konzepts sind auch Eingriffe im Hauptgebäude erforderlich (Verlagerung des Verwaltungstrakts der Grundschule). In einer zweiten Stufe wird die Sanierung der Pavillonfassaden vorgeschlagen, so dass dann Bestand und Neubau einheitlich erscheinen. Damit wird auch die Fortführung des leicht geneigten Satteldachs zu einem Walmdach begründet. Die Konstruktion der Sporthalle besteht aus Stahlbetonwänden und Brettschichtholzträgern, auf denen die Schulräume aufgesetzt werden. Die dargestellte Konstruktionshöhe der Träger wird als zu gering dimensioniert bewertet, was in der Folge eine zusätzliche Absenkung des Hallenbodens erfordern würde. Der schlüs- sig durchgearbeitete Entwurfsansatz, aus Bestand und Neubau langfristig ein Gebäude zu erhalten, bedingt, dass das Raumprogramm für die Erweiterung Grundschule um 230 qm überschritten wird. Damit wird deutlich der Rahmen der Aufgabenstellung gesprengt. Da die Arbeit in einer weiteren Bearbeitung keine Entwicklungsmöglichkeiten zu einer Reduzierung der Flächen erkennen lässt, kann sie aus wirtschaftlichen Gründen nicht zur Weiterbearbeitung empfohlen werden. ROSSMANN + PARTNER ARCHITEKTEN Die Verfasser nehmen mit ihrer Arbeit die Blockrandstruktur der Sophienstraße durch einen dreigeschossigen Baukörper auf, der abgestuft eingeschossig an das Gebäude an der Karlstraße anschließt. Die Fassadengestaltung hebt sich in ihren Proportionen, Formaten und Flächenteilungen stark von der Maßstäblichkeit der umgebenden Bebauung ab. Im Erdgeschoss werden der Speisesaal und die Durchfahrt zur Hofseite aus der Fassade gedreht. Alle untergeordneten Funktionen sind zur Strasse hin orientiert, was zu einer Abschottung des Gebäudes zum Straßenraum führt. Die Eingangs - und Erschließungszone ist räumlich wenig differenziert durchgearbeitet und lädt trotz des Angebots eines „Aktionsflurs“ im 2. Obergeschoss wenig zum Aufenthalt ein. Der Übergang von der Strasse ins Foyer erfolgt trotz Windfangs relativ unvermittelt. Die Entflechtung von Schulhof und Parkierung wird grundsätzlich positiv gesehen, allerdings wird sie bei der vorliegenden Arbeit durch Bauvolumen im Erdgeschoss erzeugt. Neben einem energetischen Konzept haben die Verfasser differenzierte Überlegungen zur Wassernutzung vorgeschlagen. 37 GANZTAGESEINRICHTUNG F I C H T E Insgesamt wird die Lösung als interessanter Beitrag gesehen, der jedoch eine starke Grundidee vermissen lässt, aus der sich die Arbeit entwickelt. So bleiben viele Elemente, besonders in der Ausbildung der Fassade, austauschbar und willkürlich. 38 39 IMPRESSUM Stadt Karlsruhe Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft Zähringerstraße 61 76133 Karlsruhe T 0721 133 - 2601 F 0721 133 - 2699 [email protected] www.karlsruhe.de/ hochbau Mai 2010