Holz besteht jede Prüfung

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11.2009
November
ISSN 0944-5749
12,80 =C
Unternehmermagazin für Holzbau und Ausbau
mikado web award 2009
Websites auf
dem Laufsteg
Existenzgründer
Die 12 Gebote
Alpenresort
Zauber der Zeder
Bauphysik
Holz besteht jede Prüfung
Organ von
Organ der Europäischen
Vereinigung des Holzbaus
Editorial
Christoph Maria Dauner,
Chefredakteur mikado
Vorstellung trifft Realität
Stell Dir vor, es ist Wirtschaftskrise und die Zimmerer machen nicht mit. Der abgewandelte
1980er-Sponti-Spruch scheint die aktuelle Auftragslage der Holzbauer ganz gut zu treffen.
Zwar spricht Ullrich Huth, Vorsitzender von Holzbau Deutschland, beim Neubau nach
wie vor von einem „nahezu ruhenden Geschäft“, doch die Nachfrage nach Sanierungsund Modernisierungsmaßnahmen gleicht dies mehr als aus:
80 Prozent der Mitgliedsbetriebe von Holzbau Deutschland
stufen ihre Auftragslage als „sehr gut“ bzw. „gut“ ein, so eine
aktuelle Umfrage.
Stell Dir vor, es ist Wirtschaftskrise und die Zulieferindustrie
macht mit. Dann tritt genau das ein, was zurzeit in Gesprächen
mit Holzbauern zu hören ist: Engpässe, Lieferschwierigkeiten,
Mitmachen und gewinnen:
Wählen Sie die
Holzbau-Website des Jahres!
Wartezeiten. Ob Dämmstoffhersteller oder Dachziegler – am
Jahresanfang auf der BAU 2009 in München noch positiv gestimmt, ließen sie sich von der
Krisenangst anstecken. Jetzt beweisen ihnen die Holzbauer mit vollen Auftragsbüchern, dass
es sich die Bauherren nicht leisten wollen, auf kleiner Flamme zu kochen. Denn gerade
die energetische Sanierung ist eine Investition, die sich rasch auszahlt. Die historisch
niedrigen Geldmarktzinsen bieten den Menschen darüber hinaus wenig Anreiz, Gelder
auf Sparbüchern oder Tagesgeld zu parken. Selbst 80-Jährige entschließen sich aktuell zur
energetischen Sanierung ihrer Immobilie, wie mir ein Zimmerer kürzlich im persönlichen
Gespräch erzählte.
Stell Dir vor, es ist Sanierungsboom und die Zimmerer machen mit. Das, liebe Leser, sollten
Sie sich nicht nur vorstellen, denn die Nachfrage ist da – also holen Sie Ihre Kunden ab.
Tipps, wie Sie bei den Bauherren punkten, finden Sie ab Seite 38.
Ihr
www.mikado-online.de
3
Holzbau hat Bauphysik fest im Griff
Dass der Holzbau mehrgeschossig sein kann, ist kein Geheimnis. Egal, ob bei der Nachverdichtung in der Großstadt
oder bei einem Schülerwohnheim etwas außerhalb, Holz
geht immer – solange sich Planer und Ausführende in der
Bauphysik an die Spielregeln halten. Seite 14
Alter Schuppen neu inszeniert
30 Jahre lang war der ehemalige Güterschuppen am
Bahnhof von Meckenbeuren ungenutzt. Nach langen
Diskussionen über Sinn, Zukunft und Finanzierung
dient der Schuppen heute als Veranstaltungshalle und
ist ein Schmuckstück der Gemeinde. Seite 30
Thema des Monats: Bauphysik
Sanierung und Ausbau
14 | Schülerwohnheim
Lego stand Pate für das Modulcontainerkonzept der
MH Modul Holz GmbH. In Rehau baute das Unternehmen aus Holzcontainern ein mehrgeschossiges
Schülerwohnheim.
30 | Umbau
30 Jahre lang war der ehemalige Güterschuppen
am Bahnhof von Meckenbeuren ungenutzt.
Heute ist er neu inszeniert und als stark frequentiertes Veranstaltungszentrum zu einem Schmuckstück der Gemeinde geworden.
18 | Mini House
Für Baulücken und Restflächen in Innenstädten
hat ein Forschungsprojekt das Minimum Impact
House entwickelt. Der erste Prototyp steht in
Frankfurt und gehört zu den Gewinnern des Wettbewerbs „Effizienzhaus 2009“.
22 | Software
Weil die Softwareprogramme für HolzbauKonstruktionen und für EnEV-Berechnungen von
verschiedenen Herstellern stammen, waren sie
bisher nicht kompatibel. Jetzt gibt es eine erste
Schnittstelle, die die Datenübergabe erlaubt.
Ingenieurholzbau
25 | Industriebau
Der Hallenanbau der Pabst Holzindustrie im
österreichischen Zeltweg zeigt, dass der Ingenieurholzbau auch mit großen Lasten umgehen kann.
Man muss nur die richtige Konstruktion finden.
4
Wolfram Janzer
Klaus-Reiner klebe
mikado 11.2009 Inhalt
mikado 11.2009
Details im Griff
35 | Brandschutz
Fassaden aus Holz sind bei mehrgeschossigen
Gebäuden noch selten zu finden. Neben den
Problemen mit der baurechtlichen Zulässigkeit gibt
es bislang noch zu wenig praktische Erfahrungen
in der brandsicheren Ausführung von
Holzfassaden. Planer für vorbeugenden Brandschutz empfehlen Brandschürzen.
Management
38 | Marketing
Existenzgründungen oder das Platzieren neuer
Produkte im Markt können zu traumhaften
Ergebnissen führen oder mit einem Schuldenberg
enden. Viele Stolpersteine liegen im Bereich
Marketing. Dass das nicht sein muss, zeigt mikadoAutor Hans-Jürgen Borchardt.
Hotel Zedern Klang
Der Zauber der Taiga erobert Tirol
Schon als Tatiana Maksimova die Entscheidung traf,
ein neues Hotel in der Osttiroler Gemeinde Hopfgarten zu errichten, stand der Name fest: „Zedern Klang“
sollte das Haus heißen, in Erinnerung an die Bäume
in der Taiga, der Heimat der Bauherrin. Seite 62
mikado web award 2009
Zum vierten Mal küren die mikadoLeser den besten Web-Auftritt der
Holzbaubranche. Zu gewinnen gibt
es drei mal ein Wochenende im
Holzhotel. Seite 6
Titel: KlausReiner Klebe;
james steidl,
iStockphoto.com;
Hotel Zedern
Klang
Bild Downloadkasten:
Bart Claeys,
iStockphoto.com
Ein Magazin der
WEKA MEDIA
GmbH & Co. KG
Holzbau und Forschung
Rubriken
51 | Feldstudie
Kaum eine andere Holzbauweise diskutieren Fachkreise so kontrovers wie den Blockbau.
Eine Felduntersuchung an 20 Objekten
ergab wertvolle Fakten zu Dauerhaftigkeit und
Risikopotenzialen.
3 |
8 |
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Zimmermeisterdach
54 | Anwendungstechnik
Je flacher das Dach ist, desto höher sind
die Anforderungen an das Dachdeckungsmaterial.
Für moderne Tondachziegel sind Dachneigungen
bis zu 10° kein Problem, wenn Design,
technische Ausstattung und Oberfläche für die
erforderliche Regen- und Windeintragssicherheit
stimmen.
Editorial
Kurz und bündig
Bücher
Ihr gutes Recht
Produkte
Tipps und Termine
Verband aktuell
Branchenführer
Landesbeirat Holz Bayern
Unternehmen
Inserentenverzeichnis
Vorschau/Impressum
Holzwelten
62 | Ferienhotel
Sie ist die Königin der Taiga. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen ist die Zeder so ziemlich für
alles und für jeden gut. In Hopfgarten im Osttiroler
Defereggental verlieh der sagenumwobene Baum
einem Hotel seinen Namen: „Zedern Klang“ ist ein
Ferienhotel der besonderen Art.
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5
Gewinnen Sie ein
◂◂Hotel Rosa
Alpina:
Außen klassisch
alpin …
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Ihre Stimme zählt!
Sie können nur gewinnen: mikado verlost 3 x 2 Übernachtungen im
Doppelzimmer inkl. Frühstück in den Tiroler Wellness-Hotels
Rosa Alpina und Zedern Klang – Luxus und Entspannung ganz in Holz!
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eurteilen Sie die Webauftritte
nach den Kriterien
▸▸ Design und Nutzen
▸▸ Inhalt und Übersichtlichkeit
Abstimmen können Sie im Internet
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Dort finden Sie auch die detaillierten
Bedingungen.
Zedern Klang
Die Besitzerin ließ alle Inneneinrichtungen des Hauses aus Zirbelholz erstellen. So umgibt Holz die Gäste vom
Boden bis zur Decke: Sie laufen auf
Holzdielen, schlafen im Holzbett und
lagern ihre Wäsche in Holzschränken.
Im Foyer ließ die Bauherrin sogar
Holz in Kunstharz gießen und stellte dessen gestalterische Elemente heraus (siehe Seite 62).
6
Rosa Alpina
Das 1850 gegründete Hotel & Spa
Rosa Alpina in St. Kassian ist ein renommierter Familienbetrieb, geführt
von Paolo Pizzinini. Sein Restaurant
bekam zwei Michelinsterne verliehen.
Das hauseigene Spa unter der Leitung
seiner Ehefrau Daniela Steiner verwöhnt die Gäste mit Pool, Finnischer
Sauna und Dampfbad. Es besticht darüber hinaus durch eine hauseigene
Schönheitsfarm, die auch außerhalb
des Hotels einen hervorragenden Ruf
genießt (siehe mikado 10.2009).
Die Wahl läuft so:
▸▸ Unter allen Homepages, die wir
Ihnen in diesem Booklet vorstellen, finden Sie Ihren persönlichen Favoriten
mikado 11.2009
▸▸ Sie senden Ihre Entscheidung an
die Redaktion
▸▸ Die Homepage mit den meisten
Stimmen gewinnt den mikadoweb-award
▸▸ Jeder Einsender, der den mikadoweb-award-Gewinner gewählt
hat, kann gewinnen
Wichtig: Jeder Teilnehmer kann nur
EINE Homepage vorschlagen.
Abstimmen und gewinnen kann
jeder – bis auf alle Mitarbeiter der
WEKA MEDIA GmbH & Co. KG und
deren Angehörige.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Teilnahmeschluss ist:
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Montag, 25. November 2009.
exklusives Wochenende!
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Logo
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7
kurz & bündig
mikado-Interview
Die richtigen Signale führen zum Erfolg
Der Lebensstil und das Kaufverhalten der Menschen haben sich
in den letzten Jahrzehnten verändert. Marketingstrategien sind
heute in fast allen Branchen von entscheidender Bedeutung.
mikado befragte den Kommunikationsexperten Stefan Theßenvitz
nach der Bedeutung für Holzbauunternehmen.
mikado: Herr Theßenvitz, wie
wichtig ist heute für ein Holzbauunternehmen eine durchdachte
Marketingstrategie?
Stefan Theßenvitz: Das Lebenselixier eines Betriebs sind seine
Kunden. Ohne Kunden ist alles
nichts, da nützt auch keine knallharte Kostenstrategie. Die Kunden sind der Dreh- und Angelpunkt allen unternehmerischen
Handelns, alles andere leitet
sich daraus ab. Marketing bedeutet „auf den Markt gehen“:
alle eigenen Aktivitäten auf den
Kunden ausrichten. Letztlich
schaffen nur Marketing und Innovation Mehrwert, der Rest sind
Kosten. Wer keine durchdachte
Marketingstrategie betreibt, der
löst eine Fahrkarte ins Blaue.
Er überlässt dem Zufall, wo die
Reise hingeht. Dabei muss es
umgekehrt laufen. Die Marketingstrategie ist der Kern jedes
erfolgreichen Betriebs.
Welche Rolle spielt dabei der Internetauftritt?
Das Internet ist heute für jedes Unternehmen das Leitmedium Nr. 1. Ohne eine Website
existiert es praktisch nicht, einfach weil jeder davon ausgeht,
dass es eine hat. Wichtig ist immer, sich klar zu sein, dass das
eigene Image nicht teilbar ist.
Angenommen, ein Betrieb leistet zwar hervorragende Arbeit,
aber seine Website ist so lala,
was glauben Sie, denkt ein Online-Besucher? Bestimmt nicht:
„Die haben so viel Arbeit, dass
sie gar nicht dazu kommen, sich
professionell und zeitgemäß zu
präsentieren!“
Sind nicht Kundenzufriedenheit
und Weiterempfehlungen entscheidend?
Auch, aber nicht nur. Es gibt zwei
erfolgreiche Wege, neue Kunden
zu gewinnen: Weiterempfehlung
und Internet. Beide wachsen nun
immer mehr zusammen. Die Bedeutung des Internets wird in Zukunft noch stark steigen. Es entwickelt sich immer mehr zum
sozialen Netz. Was zählt, ist Interaktion und Erfahrungsaustausch. Diese Aspekte verknüpfen erfolgreiche Betriebe mit
Relevanz, denn sie haben ihren
Kunden und Interessenten Wichtiges zu sagen.
Welche Ästhetik ist für ein Holzbauunternehmen die richtige?
Es gibt keine allgemeingültige
Regel für Ästhetik – außer vielleicht in der Form, dass man im-
mer mit der Zeit gehen sollte,
um nicht mit der Zeit zu gehen.
Alle großen Marken dieser Welt
sind von Beginn an immer sofort erkennbar, und zwar einfach aus dem Grund, weil sie
sich beständig gewandelt haben. Die konkrete Gestaltung ist
Darmstadt ist Weltmeister
A
www.solardecathlon.com
uch 2009 gewinnt der Beitrag der TU Darmstadt den renommierten „Solar Decathlon“ – zum zweiten Mal hintereinander. An der vom amerikanischen Energieministerium ausgelobten
„Solarhaus-Weltmeisterschaft“ nahmen 20 Teams amerikanischer und europäischer Universitäten teil. In Washington
D.C. mussten sich die Gebäude
zehn Prüfungen unterziehen.
www.solardecathlon.de
www.solardecathlon.org
◂◂So sehen Sieger aus: das
deutsche Team nach dem Sieg
8
mikado 11.2009
Aber muss denn nicht der Wurm
dem Fisch und nicht dem Angler
schmecken?
Selbstverständlich. Jeder Betrieb muss sich klar sein, dass
er nicht alle Menschen gleichzeitig ansprechen kann. Die
Menschen lassen sich in Gruppen Gleichgesinnter gliedern,
in sog. „Milieus“. Jedes dieser
„Ohne einen Internetauftritt existiert
ein Unternehmen praktisch nicht.“
Solar Decathlon
nichts Fertiges und Starres, das
sich ein Unternehmen von außen überstülpen lässt, sondern
immer visueller Ausdruck des
eigenen Selbstverständnisses,
einer lebendigen Unternehmensphilosophie.
Milieus pflegt einen eigenen
Lebensstil und grenzt sich durch
Design sichtbar von anderen Milieus ab. Design drückt eine Haltung aus und signalisiert Werte
und Vorstellungen vom Wünschenswerten. Das bedeutet,
dass sich jeder Betrieb grund-
Förderprogramm
Messe sucht gute Ideen
D
as handwerkliche Geschick ist da,
der Kopf voll mit guten Ideen, aber
das Geld für einen Messeauftritt fehlt. Für
junge und innovative Unternehmen nahm
das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) die „Dach+Holz International
2010“ in ihr Messeprogramm auf. Davon profitieren können Betriebe, die nicht älter als zehn Jahre
sind, weniger als 50 Mitarbeiter beschäftigen und
unter zehn Millionen Euro Umsatz pro Jahr erwirtwww.bafa.de → Wirtschaftsförderung
schaften.
kurz & bündig
Windkraftanlagen
Neuer Leuchtturm fürs Holz
W
legend darüber klar
werden muss, welche
Milieus er ansprechen
will, um dann entsprechend milieuspezifisch
zu kommunizieren.
Für den Betrieb geht
es darum, dass ihn
die richtigen Interessenten als Gleichgesinnten erkennen.
▴▴Stefan Theßenvitz
empfiehlt
Unternehmen, sich
auf eine
Kundengruppe
zu konzentrieren
und diese
dann konsequent zu
bewerben
Es kommt also vor allem auf Konsequenz an?
Genau. Ein Unternehmer muss
sich entscheiden, für wen er wertvoll sein will, und dann den eingeschlagenen Weg konsequent
gehen. Das heißt: sorgfältig auf
alle Signale achten, die er aussendet. Die müssen stimmig sein.
Von Paul Watzlawick stammt
der berühmte Satz: „Wir können
nicht nicht kommunizieren“. Ein
potenzieller Kunde nimmt alle
Signale wahr und interpretiert
sie unbewusst. Deswegen muss
ein Betrieb immer so kommunizieren, wie ihn ein potenzieller
Kunde wahrnehmen soll.
indkraftanlagen aus
Holz entwickelte das
Start-up-Unternehmen „TimberTower“. Die Vorteile gegenüber ihren Vorbildern aus Stahl:
mehr Stabilität, mehr Sicherheit,
weniger Geräuschemissionen,
längere Lebensdauer und ein 20
bis 30 Prozent niedrigerer Preis.
Demnächst entsteht in Hannover ein erster Prototyp. Turmhöhen von 70 bis 160 Metern und
Leistungen von ein bis vier Megawatt sind geplant. Das Bauprinzip: mehreckiger Grundriss,
außen eine Kunststoffschicht,
innen ein Holzrahmen und 30 cm
dicke Brettsperrholzplatten. Zusammengesetzt werden die vorgefertigten Elemente
in nur zwei Tagen am Standort. Für ihre Idee
und planerische Leistung erhielten die drei
Jungunternehmer beim Schweighofer Prize 2009
www.timbertower.de
eine Auszeichnung.
▴▴Windkraftanlagen aus Holz
sollen eine
Höhe bis 160
Meter erreichen
Deubau 2010
Krise bleibt draußen
R
Herr Theßenvitz, vielen Dank für
das Gespräch.
Holzfertighaus
Kubus gewinnt den Cube
und 700 Aussteller warten auf die Besucher der Messe
„Deubau“, die vom 12. bis 16. Januar 2010 in Essen stattfindet – trotz schwieriger Wirtschaftslage so viele wie beim
letzten Mal im Jahr 2008. Zwölf Hallen informieren über Neuheiten, Produkte und Dienstleistungen der Baubranche. Einen besonderen Schwerpunkt legt die Messe 2010 erneut auf
die Ausbauthemen „Renovierung und Modernisierung im Bestand“. Die Veranstalter rechnen mit rund 80 000 Besuchern
www.deubau.de
aus dem In- und Ausland.
Fischerhaus
D
en „Golden Cube 2010“ – die renommierteste Auszeichnung des deutschen Holzfertigbaus – gewann ein
neues Einfamilienhaus im Passivhaus-Standard des bayerischen Unternehmens FischerHaus. Ein Musterhaus des zukunftsweisenden Gebäudes steht
seit Mai 2009 in der mittelfränkischen Stadt Fürth.
www.fischerhaus.de
◂◂Dieses Holz-Passivhaus im
klassischen Bauhausstil
gewann den Golden Cube 2010
www.mikado-online.de
▴▴Die Deubau 2010 findet wieder in den Hallen der Messe Essen statt
9
kurz & bündig
Ausstellung
Holzbaupreis 2009
Schwermut und Abenteuer
Oberösterreich zeigt Klasse
Wolf Architektur
▴▴Das neue Wertstoffsammelzentrum Grieskirchen
gewann bei den öffentlichen Bauten
U
nter den 93 zum 4. Oberösterreichischen
Holzbaupreis 2009 eingereichten Bauprojekten zeichnete die Jury jeweils die besten in
den Kategorien „Wohnungsbauten“, „Gewerbebauten“, „Öffentliche Bauten“, „Landwirtschaftliche Bauten“ und „Umbauten“ aus. Zusätzlich vergab sie auch noch mehrere Anerkennungen und
Sonderpreise. Ästhetik, Baukonstruktion, Energieeffizienz und Funktionalität waren die vier zentralen Bewertungskriterien. Die feierliche Preisverleihung fand am 11. September 2009 im Welser Messezentrum statt. Detaillierte Informationen
über alle ausgezeichneten Arbeiten sind auf einer
eigenen Wettbewerbswebsite zu finden.
Nachhaltigkeitszertifizierung
Gold für Holz
mikado 11.2009
Juhr Architekturbüro
www.holzbaupreis-ooe.at
▴▴Ein Sonderpreis „Mischbauweise“ ging an das
Schulzentrum in Taufkirchen
10
uf der Immobilienmesse „Expo Real“
verlieh die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) am
6. Oktober 2009 über 30
Gütesiegel. In der zum
ersten Mal vergebenen Kategorie „Industriebauten“ erhielt eine
Holzhalle mit einer Ge- ▴▴Die Produktionsanlage von Sanha Kaimer bei
samtnote von 1,4 das Dresden erhielt das Gütesiegel in Gold
begehrte Gold: die Produktionsanlage des Edelstahlfitting-Herstellers Sanha Kaimer in
Großharthau bei Dresden. Geplant hat das 3250 m2 große und
2 Mio. Euro teuere Gebäude „Juhr Architekturbüro für Industriebau und Gesamtplanung“ aus Wuppertal, ausgeführt
hat es Pletschacher
Holzbau aus dem
bayerischen Dasing.
www.dgnb.de
◂◂Werner Sobek (l.)
ehrt das Büro Juhr
Juhr Architekturbüro
A
Michael Palfi
er Herausgeber nennt
sich „Agentur für Forschung und Abenteuer“. Dahinter verbirgt sich der Illustrator Gottfried Müller.
„Schwermut und Abenteuer des Hausbaus“ heißt seine Serie mit 24 Zeichnungen
skurriler Bauwerke verschrobener Bauherren. Obwohl alle
seiner Fantasie entsprangen,
▴▴Die seltsame Form dieses alten Fachwerkwirken sie doch real und erhauses resultiert aus einer über
innern vom Stil an alte Do- 200 Jahre andauernden Familienfede
kumente. Müller zeigt sich
hier auch als geistreicher Erzähler und Meister des schwarzen Humors. Die Drucke sind in
einer Mappe erhältlich, die Originale vom 19. November bis zum
17. Dezember 2009 im Freiburger Architekturforum ausgestellt.
www.agentur-fa.de ı www.architekturforum-freiburg.de
Gottfried Müller
D
kurz & bündig
Marktforschung
Online-Datenbank
Holzbranche legt zu
▴▴Haas Fertigbau: Haus „Optima“
www.bdf-ev.de → Presse/Aktuelles
Holzbrückenbau vernetzt sich
E
ine neue Informationsplattform über
Holzbrücken schaltete das „forum holzbau“ online. Die Seite
bietet einen Überblick
zu Bauprojekten, Forschung und Entwicklung sowie weiterführender Literatur. Das
Branchenregister ermöglicht, sich zu Produkten und Dienstleistungen zu informieren
und eigene zu präsentieren. An der Ausführung von Holzbrücken beteiligte Unternehmen können ihre Projekte aufschalten
www.forum-holzbruecken.com
lassen. 1DWUOLFKH'lPPVWRIIHDXV+RO]IDVHUQ
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Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V.
D
ie Baugenehmigungszahlen bei Eigenheimen gingen von Januar
bis Juli 2009 zwar um 6,6 Prozent zurück, trotzdem steigerten
die Holz-Fertigbauunternehmen die Zahl ihrer verkauften Häuser um
7,6 und ihre Umsätze um 4,6 Prozent. Eine positive Grundstimmung
spiegelt sich auch in der Herbstumfrage des Bundesverbands Deutscher Fertigbau e.V. (BDF) wider: 90 Prozent der Unternehmen gehen
von einer gleichbleibenden oder sogar besseren Marktentwicklung
aus. Ihre Fertigungsanlagen sind bereits für das nächste halbe Jahr
ausgelastet. Die positiven Zahlen begründet der Verband mit der
energiesparenden Bauweise, die bei den Kunden sehr gut ankommt.
Mit 23,7 Prozent ist der
Marktanteil in BadenWürttemberg besonders hoch.
48
$ /,7
­
4 8$/
,7 b
7 ,6
*
11
kurz & bündig
◂◂Zwei große
Holzkuben bilden
die markante
Gestalt des Hotels
▾▾Auch im Inneren
dominiert Holz
die Atmosphäre
Hotelprojekt
Luxus aus Stein und Holz
A
ATP Architekten und Ingenieure
n der Silvretta-Hochalpenstraße im Vorarlberger Montafon-Tal soll für 17 Mio. Euro eine
4-Sterne-plus-Hotelanlage mit rund 130 Zimmern,
Restaurants, Bars, Wellnesslandschaft, Konferenzräumen und Kinderspielbereich entstehen. Den
geladenen Wettbewerb gewann das Innsbrucker
Büro „ATP Architekten und Ingenieure“. Wie in
traditionellen Gebäuden sind die Sockelgeschosse aus örtlichen Steinen errichtet. Darüber ruhen
zwei große hölzerne Kuben und machen das Gebäude zu einem markanten und weithin sichtbaren Monument zeitgenössischer Baukunst.
www.atp.ag → Projekte → Wettbewerbe
Architekturwettbewerb
Buchloe
Licht, Luft und Raum
Fassadensanierung macht Schule
Z
Anton Ambros GmbH
12
www.tesenergyfacade.com ı www.ambros-haus.de
mikado 11.2009
VELUX Deutschland GmbH / Michael Heinrich
D
ie Realschule im schwäbischen Buchloe nutzte die Sommerferien, um die Fassade ihres 29 Jahre alten Sichtbetongebäudes
gründlich modernisieren zu lassen. Der Energiebedarf sank dadurch
von 126 kWh/(m2a) auf 23 kWh/(m2a). Der Heizwärmebedarf erreicht mit 16,5 kWh/(m2a)
fast Passiv-hausstandard.
Großformatige Holzrahmenelemente ermöglichten die Sanierung von
2227 m2 Fassade in einer
kurzen Zeitspanne von nur
sechs Wochen. Die Baumaßnahmen dienten auch
der Wissenschaft: Sie sind
Teil des internationalen
Forschungsprojekts „TES
EnergyFacade“, das die
Möglichkeiten des groß▴▴Mit Großelementen aus Holz dauerte
die Fassadensanierung nur sechs Wochen
elementigen Holzrahmenbaus für die energetische
Fassadensanierung untersucht und weiterentwickelt. Für die Planung
der Schulmodernisierung ist das Büro „e3 architekten“ aus Marktoberdorf verantwortlich, für die Umsetzung das Allgäuer Holzbauunternehmen Anton Ambros.
um fünften Mal lobte Hersteller Velux nun seinen
Architekturwettbewerb aus. Er sucht realisierte Bauprojekte, die sich durch hohe Entwurfsqualität auszeichnen und durch die Integration seiner Dachflächenfenster eine hohe Raum- und Aufenthaltsqualität besitzen.
Teilnehmen können alle Gebäude, von kleinen Eingriffen im Bestand bis zu komplexen Neubauten, vom
Wohnungs- bis zum Gewerbebau. Neben einer Fachjury stimmt auch das Publikum ab: Im Anschluss
an eine Vorauswahl von
fünf Bauprojekten wählen
die Leser der Zeitschrift
„house and more“ die endgültigen drei Preisträger
aus. Einsendeschluss ist der
14. Dezember 2009.
www.velux.de/
architektur/aw2010
◂◂Siegerprojekt des
Velux-Wettbewerbs 2009:
Badezimmer eines
Penthouse über Münchens
Dächern
kurz & bündig
Beratungsportal
Gewissheit in fünf Schritten
O
ft wissen Hausbesitzer noch zu wenig über die Nutzungsmöglichkeiten der Solarenergie, dabei sinken die Preise
für Fotovoltaikanlagen und die Investition ist momentan so
günstig wie noch nie. Deshalb gibt es nun ein neues OnlineAngebot: den Energiesparratgeber „SolardachCheck“. Er ermittelt in fünf einfachen Schritten, ob sich das eigene Dach
für eine Fotovoltaikanlage eignet und wie sich die Installation rechnet. Mit einfachen Abfragen und grafischen Hilfsmitteln wird neben Dachneigung und -ausrichtung auch die
Verschattung des Daches berücksichtigt. Der Nutzer kann direkt am Bildschirm alle wesentlichen Merkmale ganz einfach
www.klima-sucht-schutz.de
selbst zusammentragen.
Zu laut ???
▴▴Wie sich die Investition in ein Solardach lohnt, erfahren
Interessenten beim „SolardachCheck“ in fünf einfachen Schritten
Frage des Monats
Die neuen Energiestandards KfW-Effizienzhaus 100, 70
und 55 (relative Werte) haben die lange Zeit gültigen
Energiestandards KfW 60 und 40 (absolute Werte) abgelöst. Ist das sinnvoll?
A)Ja, denn mit der nächsten EnEV-Verschärfung wäre
KfW 60 sowieso nicht mehr erlaubt.
B)Nein, denn die relativen Werte führen mit der nächsten EnEV-Verschärfung zu völliger Verwirrung.
ISOCELL Zellulosedämmung
bietet beste Schalldämmwerte
durch die fugenlose Hohlraumdämmung und
den hohen Strömungswiderstand. Fordern Sie die
neuen Schallprüfungen von Passivhauswänden an!
C)Ich halte die Änderungen für völlig unverständlich
und bin jetzt schon total verwirrt.
Stimmen Sie ab im Internet: www.mikado-online.de
www.mikado-online.de
W W W. I S O C E L L . A T
13
Thema des Monats Bauphysik
Schülerwohnheim
Lego stand Pate
Lego stand Pate für das Modulcontainerkonzept der MH Modul
Holz GmbH. In Rehau baute das Unternehmen aus komplett eingerichteten Holzcontainern ein mehrgeschossiges Schülerwohnheim.
14
mikado 11.2009
Thema des Monats Bauphysik
M
it Lego Häuser bauen kann jeder Dreijährige: „Warum bauen wir Erwachsenen so kompliziert,
wenn das Lego-Konzept doch so einfach ist?“ So oder ähnlich müssen die
kreativen Köpfe der MH Modul Holz
GmbH gedacht haben, als sie ihre
Ideen zur modularen Systembauweise formulierten. Ihr Traum war ein
System aus Raumzellen, die inklusive Innenausstattung in der Werkstatt
gefertigt und auf der Baustelle nur
noch zusammengesetzt werden.
Traumschloss für Schüler
◂◂Einfach und
effektiv wie Lego:
Die vier
oberen Geschosse
bestehen aus
56 Raummodulen,
die ohne
Stahl miteinander
verbunden sind
„Solch ein Konzept ist für ein Wohnheim mit vielen identischen Einheiten
geradezu ideal“, meint Geschäftsführer Axel Wolf. Entsprechend erfreut
war er, als er den Auftrag erhielt, das
Schülerwohnheim Rehau zu errichten und dabei die Modulcontainerbauweise einzusetzen.
Zwei Betten, zwei Schreibtische,
zwei Regale, ein Schrank und eine
Nasszelle mit Dusche, Waschbecken
und Toilette: So sieht das Innenleben
der Module aus. 56 dieser Einheiten
verteilen sich in zwei Reihen mit jeweils sieben Containern über vier Geschosse. Flurbrückenkonstruktionen
zwischen den Containerreihen erschließen die Ebenen. In Stützen integrierte Schächte nehmen die Haustechnikleitungen auf.
Die vertikale Erschließung des Gebäudes erfolgt über zwei Treppenhäuser, die außen an den Giebelseiten angedockt sind. Im Haupttreppenhaus
findet neben der Treppe noch ein
Fahrstuhl Platz.
Gespeist wird in der Mensa im
Erdgeschoss. Auch die Küche sowie
ein Büro- und Anmeldungsraum,
ein Aufenthaltsraum mit angrenzender Teeküche und ein behindertengerechtes Zimmer finden in dieser
Ebene Platz. Sie ist im Gegensatz zu
den oberen Geschossen ein Skelettbau, wobei die Containermodule das
Achsraster vorgeben.
Nur der Keller ist in Stahlbetonbauweise errichtet. Alle anderen Ebenen sind – ebenso wie die Treppenhäuser inklusive Fahrstuhlschacht
– komplett aus Holz gebaut.
Im Erdgeschoss konventionell
Das Erdgeschoss ist noch auf ganz
konventionelle Weise mit 10 cm dicken Holzständern als Stützen gebaut. Die Außenfassaden auf der
Nord- und der Südseite sind komplett verglast und stützen sich auf
Pfosten aus Eichenholz mit Rähmund Schwellhölzern. Die westliche
und die östlichen Giebelfront gründen jeweils auf einem Skelett aus
12er KVH-Ständern.
Lego verbindet
Eine Holzbalkendecke trennt die erste Ebene von den in Modulbauweise
erstellten Stockwerken. Jedes Modul
wurde im Werk als komplette Box mit
vier Außenwänden, Boden und Decke
gefertigt. Die vier Ecken der Module
▸▸Die Schüler
speisen in der
Mensa im
Erdgeschoss. Das
Erdgeschoss
haben die Holzbauer
konventionall in
Holzskelettbau errichtet
www.mikado-online.de
15
Thema des Monats Bauphysik
◂◂Bett und
Dusche, WC und
Handtuchstange, Schränke
und Duschabtrennung, Schreibtisch und Türen –
so vollständig
kamen die
Container bereits
an der
Baustelle an
bestimmen als L-Profile ausgebildete Stützen, die unten jeweils einige
Zentimeter aus dem Raum herausragen und oben um dasselbe Maß
verkürzt sind. „Damit gleiten sie genauso formschlüssig ineinander wie
Legosteine“, erklärt Wolf.
Die zum Nachbarcontainer ausgerichteten Trennwände basieren
auf 8 cm dickem Ständerwerk, das
zwischen den Hölzern gedämmt ist.
Auf diesem Ständerwerk sind beidseitig 18 mm Holzwerkstoffplatten
montiert. Auf der Innenseite schließt
eine weitere Wandebene aus 12,5 mm
Gipskartonplatten an. Die zum Bad
und zum im Flur eingebauten Schrank
gerichteten Wände sind auf beiden
Seiten lediglich mit 18 mm Gipskartonplatten bekleidet. Die zum eigentlichen Flur zeigenden Wände nutzen
12 cm dickes Ständerwerk, das auf
beiden Seiten mit 18 mm Holzwerkstoffplatten und 12,5 mm Gipskartonplatten beplankt ist.
Das Ständerwerk der Außenwände ist 16 cm dick und in den Zwischenräumen isoliert. Auch diese
Konstruktion wurde beidseitig mit
18 mm Holzwerkstoffplatten bekleidet und innen nochmals mit 12,5 mm
Gipskartonplatten beplankt. Auf der
Außenseite folgt stattdessen eine
Schicht aus 2 x 16 cm Lattung, die
in den Zwischenräumen ebenfalls
vollflächig gedämmt ist. Fassadenbahnen und eine abschließende Lage
aus auf Luft gesetzter Bretterschalung komplettieren den Aufbau. Für
die Schalung wählte die MH Modul
Holz GmbH thermobehandelte Kiefernbretter. Die widerstandsfähig gemachten Hölzer wurden nochmals
mit Dünnschichtlasur gestrichen, um
Auch der Brandschutz spielt mit
Aufgrund der hochwertigen Dämmung entspricht das Schülerwohnheim in puncto Wärmeschutz dem
◂◂Binnen sechs
Tagen war der
Baukörper
komplett
aufgestellt. Ein
Kran hob den
Aufzugschacht in
den Rohbau ein
▸▸Den Abschluss
des Projekts
bildeten die
Fassadenarbeiten
und der Bau der
Treppenhäuser
16
mikado 11.2009
der natürlichen Vergrauung des Holzes vorzugreifen.
Für die Böden der Raummodule
verwendeten die Holzbauer im Vakuumpressbett verleimte Kreuzlagenholzplatten, die von unten an die
Wände gehängt werden. „Wir sind im
Besitz der großen Leimgenehmigung
und produzieren daher die Kreuzlagenholzplatten selbst“, betont Wolf.
20 mm Trittschalldämmung aus Holzweichfaserplatten, 10 mm Spanplatten und 20 mm Eichendielen vervollständigen den Bodenaufbau. Bei
den Decken arbeiteten die Holzbauer
stattdessen mit Holzbalkenkonstruktionen, die sie oben mit Holzwerkstoffplatten beplanken und unten mit
Gipskartonplatten bekleideten.
Entsprechend den bereits vorhandenen gedämmten Containerdecken
musste das Dach des Schülerwohnheims nur noch komplettiert werden. Dazu schraubten die Zimmerer
Brettschichtholzkeile auf die Container, verlegten darauf Sparrenpfetten
und komplettierten den Aufbau mit
25 mm Holzwerkstoffplatten und einer letzten Schicht aus Kunststoffdachbahnen.
KfW-40-Standard. Die zweischaligen
Aufbauten von Boden und Decke respektive der Trennwände zwischen
den Zimmern der Schüler gewähren darüber hinaus hervorragende
Schallschutzwerte. Die einzelnen
Module sind durch Elastomerlager
voneinander entkoppelt.
Beim Brandschutz profitiert das
Gebäude von der in der BayBO 2008
dokumentierten Vorschrift, dass Gebäude, deren Fertigfußboden im
obersten Geschoss nicht höher als
13 m oberhalb des Geländes liegt, in
F60-B ausgeführt werden dürfen. Das
verbaute Holz muss mit nicht brennbaren Baustoffen verkleidet werden.
Wird es nicht entsprechend verkleidet, kann nach einem Brandschutzgutachten mit Kompensationsmaßnahmen derselbe Standard erreicht
werden. „Wir haben uns aus optischer und wirtschaftlicher Sicht für
die Kompensationsmaßnahmen entschieden“, erzählt Wolf. Das im Schülerwohnheim umgesetzte Konzept
beinhaltet zwei unabhängige Fluchtwege über beide Treppenhäuser, eine
Außenfassade, die ohne Hohlräume
zwischen Außenwand und Holzschalung ausgeführt wurde, und einen
Rettungsweg, der in zwei Richtungen
geradlinig verläuft. Zudem gibt es
eine flächendeckende automatische
Brandmelde- und Alarmierungsanlage über Sockelsirenen.
▸▸Zwei Betten,
zwei
Schreibtische,
zwei Regale,
ein Schrank und
eine Nasszelle: So sieht das
Innenleben
der Module aus
Dank einer weiteren vom Holzbauunternehmen eingeführten Idee
kann das Gebäude auf störende Heiz-
Downloadtipp:
Grundrisse, Schnitte und Details
zu diesem Beitrag stehen für
Abonnenten kostenlos zum
Download bereit: www.mikadoonline.de → Downloadpaket
die endgültige Dachdeckung montiert wurde, hob ein Kran die Flursäulen in den Rohbau, sodass die Böden
der Flure eingezogen werden konnten. Den Abschluss des Projekts bildeten die Fassadenarbeiten und der
Bau der Treppenhäuser.
„Sechs Tage Bauzeit auf der Baustelle für ein viergeschossiges Gebäude – inklusive Einrichtung –, das
kann sich sehen lassen“, freut sich
Wolf über den Ablauf des Projekts.
körper verzichten. Die Handwerker
frästen stattdessen Schläuche in die
in den Decken verbauten Gipsplatten
ein. Sie werden je nach Außentemperatur mit Warm- oder Kaltwasser
durchspült. Dadurch werden die Zimmer geheizt oder gekühlt.
Das Dach wächst mit
◂◂Beim Brandschutz setzten die
Holzbauer
unter anderem
auf zwei
unabhängige
Fluchtwege
über beide
Treppenhäuser
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Klaus-Reiner klebe
Thema des Monats
Bett und Dusche, WC und Handtuchstange, Schränke und Duschabtrennung, Schreibtisch und Türen – so
komplett wurden die Container bereits im Werk ausgestattet. „Lediglich
auf die Fassade haben wir in diesem
Fall verzichtet, da der Neubau nur
wenige Meter von unserem Betrieb
entfernt ist. Statt sie an die Module zu
montieren, haben wir die Außenhaut
daher auf der Baustelle fertiggestellt“,
informiert der Geschäftsführer. Die
Dachelemente mit provisorischer
Dachabdichtung wurden bereits beim
ersten Geschoss montiert und wuchsen Stockwerk für Stockwerk mit den
Containern. „Damit waren wir sicher,
dass das Gebäude nachts ordentlich
abgedichtet war“, fügt Wolf hinzu.
Binnen sechs Tagen war der Baukörper komplett aufgestellt. Bevor
Christine Ryll, München ▪
Steckbrief
Bauvorhaben:
Neubau eines Schülerwohnheims in Rehau
Bauweise:
Ein Geschoss in Holzrahmenbau
und vier Geschosse in modularer Holzbauweise
Bauzeit:
Oktober 2008 bis August 2009
Baukosten:
3 Mio. Euro
Nutzfläche: 2200 m²
Umbauter Raum: 8000 m³
Bauherr:
Optimal Immobilien GmbH
D-41366 Schwalmtal
Architekt:
Architekturbüro Bayreuther
D-95188 Issigau
www.architekt-bayreuther.de
Generalunternehmer:
MH Modul Holz
Niederlassung Rehau
D-95111 Rehau
www.modulholz.de
17
Thema des Monats Bauphysik
Minihaus
Meister der Baulücke
Um das Potenzial von Baulücken und Restflächen für Wohngebäude in den Innenstädten zu nutzen, hat ein Forschungsprojekt das Minimum Impact House entwickelt. Der
erste Prototyp steht in Frankfurt und gehört zu den Gewinnern des „Effizienzhaus 2009“.
18
mikado 11.2009
▴▴Das Minimum
Impact
House in Frankfurt
gehört zu
den Gewinnern
des
Wettbewerbs
„Effizienzhaus 2009“
Thema des Monats Bauphysik
N
achhaltiges Bauen zielt auf einen schonenden Umgang mit
Ressourcen für den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes ab, also bei
Bau, Nutzung und Rückbau. Es ist
ein ganzheitlicher Ansatz, der ökologische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Gegebenheiten
mit in die Planung einbezieht.
Diesem Thema hat sich das Frankfurter Architekturbüro „Drexler Guinand Jauslin“ gemeinsam mit der
TU Darmstadt – Fachgebiet Entwerfen und Energieeffizientes Bauen –
zwei Jahre lang gewidmet, und zwar
in einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Forschungsprojekt. Ziel war es, einen
Prototyp für nachhaltiges Bauen in
der Stadt zu entwerfen und dabei Planungsmethoden und -instrumente zu
entwickeln, mit denen sich die energetische Bilanz von Wohngebäuden
optimieren lässt. Herausgekommen
ist das „Minimum Impact House“,
auch Minihaus genannt. Das Holzgebäude hält seinen ökologischen Fußabdruck äußerst klein.
▸▸Ein mehrgeschossiger
Holztafelbau
macht aus 29 m²
Grundfläche
155 m² Nutzfläche
Interesse des Projekts lag auch darin, das Potenzial solcher innerstädtischen Nischen zu erschließen – dazu
zählen Toreinfahrten und Hinterhöfe
ebenso wie schmale Baulücken.
Die Nachfrage nach Wohnraum
in der Stadt ist groß und wird künftig noch weiter zunehmen, Baugrund
aber ist knapp. Der Baulückenatlas
der Stadt Frankfurt zeigt mit rund
650 solcher „Restflächen“ das Potenzial, das Bauwillige durch Minihäuser
in der Stadt nutzen könnten.
Baulücken mit großem Potenzial
Das Minihaus steht in Frankfurt auf
einem Grundstück von nur 29 m². Die
Restfläche in Tortenstückform war in
den 1960er-Jahren durch eine veränderte Straßenführung entstanden und
blieb 40 Jahre lang unbebaut. Das
www.mikado-online.de
◂▾ Große
Fensterflächen
nach Süden
und verglaste
Deckendurchbrüche lassen die
Räume großzügig erscheinen
Wenig Grundfläche
für viel Nutzfläche
Der Prototyp des Minihauses ist ein
schmaler, viergeschossiger Holztafelbau mit massivem Sockelgeschoss
und kleiner Dachterrasse. Die Planer
haben sich aus Gründen der Nachhaltigkeit, wegen des geringeren
Gewichts und des hohen Vorfertigungsgrads der Bauteile für die Holzbauweise entschieden. Letzteres verkürzt die Bauzeiten, verringert die
Baukosten und mindert die Beeinträchtigung der Anwohner. Außerdem sind vorgefertigte Holztafel-Elemente in engen Baulücken und bei
schwieriger Erschließung einfacher
zu handhaben.
Die 29 m² Baugrund wurden auf
ansehnliche 155 m² Nutzfläche vervielfacht. Ob zum Wohnen oder Arbeiten – alle Räume sind so konzipiert, dass sie sich unterschiedlichen
Nutzerbedürfnissen flexibel anpassen können. Aufgrund der geringen
19
Thema des Monats Bauphysik
Grundriss 3. OG
4. OG: Schlafen/Gast (Dachterrasse)
Grundriss 4. OG
Grundriss 2. OG
3. OG: Wohnen und Schlafen
Grundriss 3. OG
2. OG: Küche und Essen
ca. 10,15 m
ca. 5,60 m
ca. 4,62 m
ca. 2,15 m
ca. 4,55 m
Grundriss EG
Grundriss 4. OG
Grundriss 2. OG
1. OG: Büro
Grundriss 1. OG
Grundriss 3. OG
EG für Laden oder Büro
Grundriss EG
Grundriss 4. OG
20
mikado 11.2009
Grundfläche entwickelt das Minihaus
seine Qualitäten in der Vertikalen.
Verglaste Decken- und Wanddurchbrüche schaffen vielfältige Blickbeziehungen zwischen den Geschossen
und lassen die Räume großzügig erscheinen.
Die Gebäudehülle besteht aus
33,50 cm dicken Holztafelbauwänden und Fenstern aus Dreifach-Wärmeschutzverglasung mit Argonfüllung (U-Wert: 0,5 W/(m²K)). Die
25 cm dick ausgedämmten Holzrähme erhielten raumseitig eine doppelte Beplankung aus Gipsfaserplatten
(2 x 1,25 cm) und auf der Außenseite eine 6 cm dicke Weichfaserplatte
mit einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade. So erreichen sie einen
U-Wert von 0,129 W/(m²K).
Brandschutz für Mehrgeschosser
Ein mehrgeschossiger Holzbau ist in
deutschen Städten bislang ein richtungsweisendes Novum. Denn obwohl der mehrgeschossige Wohnungsbau in Holz dank neuer
gesetzlicher Grundlagen seit 2004
brandschutztechnisch möglich ist,
gibt es ihn nur selten. Ein Grund dafür ist wohl die Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen an den konstruktiven Brandschutz in der neu
eingeführten Gebäudeklasse 4 (Gebäude bis zu 13 m Höhe): Nach der
Novellierung der Musterbauordnung
(MBO) und in Verbindung mit der MHFHHolzR (Muster-Richtlinie über
brandschutztechnische Anforderungen an hochfeuerhemmende Bauteile
in Holzbauweise) müssen Holzbauteile durch Bekleidungen entsprechend
eingekapselt werden.
Beim Prototyp erfüllen die Planer
die Anforderungen mit einer zweilagigen Brandschutzbekleidung in
Form der schon erwähnten doppelten Beplankung aus Gipsfaserplatten sowie durch weitere Maßnahmen
im Brandschutzkonzept wie funkvernetzte Brandmelder und Feuerlöscher.
„In diesem Gebäude-Prototyp
wurden alle derzeit verfügbaren
und kostengünstigen Technologien intelligent eingesetzt“, erklärt
Hans Drexler das Energiekonzept.
Thema des Monats Bauphysik
Drexler Guinand Jauslin Architekten GmbH
◂◂Vorgefertigte
HolztafelbauElemente sind
schnell montiert,
brauchen kaum
Baustelleneinrichtungen und
Lagerflächen:
alles Vorteile im
innerstädtischen
Bereich
Die Energiebilanz des Gebäudes
entspricht dem Standard eines Passivhauses. Alle Fensterflächen sind
optimal auf Licht- und Wärmeeinstrahlung hin orientiert.
Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung schafft ein angenehmes Raumklima bei niedrigem
Anordnung der Haustechnik im „Schachtprinzip“:
Alle Nass- und Technikbereiche liegen übereinander
Dachgarten
Energieverbrauch. Zugeheizt werden kann mit einer Luftwasserwärmepumpe, die mit 100 Prozent regenerativem Ökostrom betrieben wird
und die Wärme über eine konventionelle Fußbodenheizung verteilt.
Zwei Sonnenkollektoren decken den
Warmwasserbedarf.
Energieoptimiert
Für die Haustechnik wurde im Minihaus ein einfaches Schachtprinzip
umgesetzt. Die Vertikalität des Gebäudes bietet sich an, um alle Nassund Technikbereiche übereinander an
einem durchgehenden Schacht anzuordnen, an dessen unterem Ende
die Heizungs- und Lüftungszentrale liegt.
Badezimmer
Küche
Badezimmer
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Das Minihaus erhielt bereits mehrere
Auszeichnungen. Beim Architekturpreis „Vorbildliche Bauten im Land
Hessen 2008“ und beim „Hessischen
Holzbaupreis 2008“ erhielt es jeweils
eine Anerkennung. Im Wettbewerb
„Effizienzhaus 2009“, den das Bundesministerium für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung und die Deutsche
Energie-Agentur (dena) ausgelobt
hat, wurde es als einer von 18 Siegern prämiert.
Nun geht der Prototyp in die zweite Phase: Das nächste Minihaus wird
bereits geplant. Und wieder ist es eine
unansehnliche Baulücke, die aufgewertet werden soll.
Dipl.-Ing. (FH) Susanne Jacob-Freitag,
Anbau verhilft zu sehr
günstigem A/V-Verhältnis
Ein energieeffizientes Gebäude sollte
möglichst kompakt gebaut sein und
ein günstiges Verhältnis von Hüllfläche zu Volumen (A/V-Verhältnis)
aufweisen. Zwar hat der schmale,
hohe Baukörper des Minihauses eine
vergleichsweise große Hüllfläche, die
jedoch durch den Anbau an das Bestandsgebäude wieder erheblich reduziert wird.
Fassade als Aushängeschild
Die Fassade des Minihauses sollte Ausdruck sein für das nachhaltige Bauen und den Einsatz von Holz
im mehrgeschossigen Wohnungsbau. Eine Holzfassade aus Vollholz
oder Mehrschichtplatten lag daher
zunächst nahe, wurde dann aber
wieder verworfen, da die natürliche Vergrauung des Holzes an zentraler Stelle im Innstadtbereich als
nicht werbewirksam erkannt wurde. Für den Prototypen sollte eine
Konstruktion gewählt werden, deren optische Eigenschaften sich auch
auf lange Sicht nicht verändern. Die
Planer entschieden sich deshalb für
eine Phenolharzplatte mit Holzfurnier, versiegelt mit einer UV-beständigen Beschichtung. Das Holz darunter soll auf Dauer konserviert
bleiben.
Gästezimmer
Prototyp hat überzeugt
Karlsruhe ▪
Weitere Infos gibt es im Netz
unter www.dgj.ch/press/dgj071.
Steckbrief
Bauvorhaben:
Minimum Impact House in
Frankfurt-Sachsenhausen
Bauweise: Holztafelbau
Energiestandard: Passivhaus
Bauzeit: Mai 2007 bis April 2008
Baukosten: 300 000 Euro
(inkl. MwSt. + Ausbau)
Nutzfläche: 155 m²
Umbauter Raum: 660 m³
Bauherr:
Hans Drexler ı D-60594 Frankfurt
Planer/Architekt/Haustechnik/
Bauleitung:
Drexler Guinand Jauslin
Architekten GmbH
D-60594 Frankfurt a.M.
www.dgj.eu
Wissenschaftliche Begleitung:
Fachgebiet Entwerfen und
Energieeffizientes Bauen
TU Darmstadt
Prof. Manfred Hegger
D-64287 Darmstadt
Statik:
Wameling Ingenieure GmbH
D-63073 Offenbach
Holzbauer:
Fachwerk ı Patrick Ungermann
D-63589 Linsengericht
21
Thema des Monats Bauphysik
Software
Vom CAD zum Energieausweis
Weil Programme für Holzbau-Konstruktionen und für EnEV-Berechnungen
von verschiedenen Herstellern stammen, waren sie bisher nicht kompatibel. Seit
Kurzem gibt es eine Schnittstelle, die die Datenübergabe erlaubt.
22
mikado 11.2009
▴▴Das mit
CAD konstruierte
Gebäude
lässt sich nun
auch
bauphysikalisch
berechnen
Thema des Monats Bauphysik
M
it dem Inkrafttreten der neuen Energieeinsparverordnung
(EnEV 2009) haben sich nicht nur
die Anforderungen an die Gesamtenergieeffizienz deutlich verschärft,
sondern auch die Berechnungsverfahren geändert. Betroffen sind nicht
nur Neubauten, sondern auch Bestandsgebäude bei Veränderung,
Ausbau und Erweiterung – sowohl
im Wohn- als auch im Nicht-Wohnbau. Mit Bleistift und Taschenrechner
sind die Berechnungen nicht mehr
bewältigbar.
Deshalb gibt es auf dem Markt
schon zahlreiche Softwareprogramme. Die setzen allerdings vollständige Informationen zur thermischen
Hülle voraus: den U-Wert für Wände, Decken und Dachflächen, die Neigung und die Ausrichtung, außerdem
die Position und Größe von Fenstern
und Türen. In einem weiteren Schritt
schreibt das Berechnungsverfahren
vor, die Hüllfläche wieder zu zerlegen: in Bereiche, die durch die dahinter stattfindende Nutzung definiert
sind. Denn unterschiedliche Nutzungen besitzen auch einen unterschiedlichen Heizwärmebedarf.
Nun bestehen Wände natürlich so
gut wie nie aus einem einzigen Material, sondern aus einer Folge von
Schichten unterschiedlicher Materialien. Deshalb ist die Berechnung des
U-Werts meist aufwendig. Besonders
beim Holzrahmenbau, wo innerhalb
einer Schicht verschiedene Materialien nebeneinander liegen: Holzprofile und Wärmedämmung.
Früher gab es dafür eigene Berechnungsmethoden, die den UWert grob aus den Einzelwerten im
Gefach und im Bereich des Holzquerschnittes ermittelten. Die sind
nicht mehr zulässig. Die DIN EN ISO
6946 schreibt nun ein kompliziertes Berechnungsverfahren vor, das
nur noch mit einer entsprechenden
Software wirtschaftlich durchführbar ist. Das Problem war bisher, dass
die Daten der CAD-Programme nicht
für die EnEV-Berechnungen nutzbar
waren. Das ändert sich jetzt aber.
Als erster Softwarehersteller brachte Dietrich‘s im Jahr 2009 eine auf
den Holzbau zugeschnittene Lösung
auf den Markt.
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▸▸Um den U-Wert
eines Bauteils berechnen
zu können,
muss dessen Aufbau genau
definiert sein
▸▸In einer Datenbank sind
alle gängigen
Baustoffe
mit ihrem U-Wert
eingepflegt
▸▸Ändert sich der
Wandaufbau, passen sich
die Glaserdiagramme
automatisch an
23
Thema des Monats Bauphysik
◂◂Das CAD-Programm
errechnet
die thermische
Hülle. Ein
externes Programm errechnet
daraus die
Energiebilanz
CAD-Software errechnet
die U-Werte
Das Programm errechnet die U-Werte
der einzelnen Bauteile bei der Definition von Wand-, Dach- und Deckenaufbauten automatisch. Jede Schicht
erhält über eine „Lagenidentnummer“ Materialeigenschaften zugewiesen. Ein Pulldown-Menü bietet alle
gängigen Baustoffe zur Auswahl an.
Die sind mit einer integrierten Datenbank mit bauphysikalischen Kennwerten verknüpft.
Jedes Bauteil ist in bis zu vier
Schichtbereiche unterteilbar, für die
die Materialien und ihr prozentualer Anteil an der Gesamtfläche eingegeben wird. Der U-Wert und das
Glaserdiagramm errechnen sich nach
dem vorgeschriebenen Verfahren. Bei
späteren Veränderungen von Anteil,
Material und Schichtdicke passt das
Programm das Ergebnis automatisch
an. So kann ein Planer zwischen der
Konstruktion und den energetischen
Eigenschaften seiner Bauteile hin und
her springen, sie überprüfen, verbessern und dokumentieren.
Für die energetischen Berechnungen sind außerdem die genaue Himmelsrichtung der Wände und die Neigung der Dachflächen relevant, da
die EnEV auch die passiven Solargewinne berücksichtigt. Wenn das
24
CAD-Modell erstellt ist, braucht das
Programm nur noch eine Himmelsrichtung als Winkelangabe und errechnet alles andere selbstständig.
Am Ende überprüft die CADSoftware sämtliche Bauteile, ob ihr
Aufbau korrekt ist. Dann ermittelt
sie die Systemgrenzen der Zonen
nach DIN ISO 13789, zerlegt die Bauteile in entsprechende Flächen und
vereint sie zu einer thermischen Hüllfläche. Besonders im Nicht-Wohnbau
treten oft komplexe Situationen auf,
die die Software aber auf der Grundlage des Gebäudemodells analysiert
und löst. Sie stellt die ermittelten
Grenzen und Flächen zur Kontrolle
grafisch dar und ermöglicht, sie separat ein- und auszublenden.
Am Ende übergibt sie die Daten an
die Berechnungsprogramme für Energiebilanzen. Momentan funktioniert
das allerdings noch ausschließlich
mit der Software „EnEV-Pro 2009“
des Herstellers Visionworld. Weitere
Schnittstellen zu anderen Programmen sind aber in Arbeit und stellen
wohl schon in wenigen Jahren eine
Selbstverständlichkeit dar.
Dipl.-Ing. (FH) Markus Brunn,
Neubiberg / gh ▪
EnEV-Software braucht zonierte
Hüllfläche
Zusätzlich zum Schichtaufbau und
zur Ausrichtung will die EnEV für jedes Bauteil die genaue Funktion wissen: Dach, Wand, Decke, Abseitenwand, Kellerwand und Sohle.
Bei Wohngebäuden unterscheidet
die EnEV nur zwischen beheizten
und unbeheizten Räumen. Bei NichtWohngebäuden gibt es eine feinere
Unterscheidung: nach Raumnutzung,
Raumtemperatur und der technischen
Ausrüstung mit Beleuchtung, Lüftung und Kühlung. Der Aufwand für
die Erfassung und Berechnung von
Nicht-Wohngebäuden kann deshalb
gegenüber Wohngebäuden ein Vielfaches betragen.
Ist die thermische Hüllfläche in
einzelne Zonen zerlegt, wird sie als
idealisierte, unendlich dünne Schicht
auf die Außenseite des Gebäudes projiziert. In diesem Arbeitsschritt liegen
normalerweise der größte Arbeitsaufwand und die größte Fehlerquelle. Die Software nimmt dem Planer
auf relativ simple Art und Weise einen Großteil der Arbeit ab.
mikado 11.2009
Steckbrief
Softwareprodukte:
Dietrich’s 3D-CAD/CAM
Version 8.xx
Visionworld EnEV-Pro 2009
Systemvoraussetzungen:
Betriebssysteme:
Windows 2000/XP/Vista
Arbeitsspeicher:
512 MB (mindestens)
2 GB (empfehlenswert)
Grafikkarte:
64 MB (mindestens)
128 MB (empfehlenswert)
Bildschirm:
17 Zoll / 1024 x 768 Bildpunkte
(mindestens)
24 Zoll / 1680 x 1050 Bildpunkte
(empfehlenswert)
Hersteller:
Dietrich’s AG
D-85573 Neubiberg
http://enev.dietrichs.com
Visionworld GmbH
D-20354 Hamburg
www.enev.net
Kurt Pock
Ingenieurholzbau
▴▴Ansicht der
Fachwerkträgerkonstruktion,
des sog.
„Rückgrats“
Industriebau
Halle mit starker Mitte
Der Hallenanbau der Pabst Holzindustrie im österreichischen Zeltweg zeigt,
dass der moderne Ingenieurholzbau ganz mühelos mit
großen Lasten umgehen kann. Man muss nur die richtige Konstruktion finden.
A
m Westrand von Zeltweg liegt
neben dem Holzinnovationszentrum (HIZ) des Holzcluster Steiermark der Produktionsstandort der
Pabst Holzindustrie. Hier wird seit
mehr als 60 Jahren heimisches Rundholz zu hochwertigen Produkten verarbeitet. Auch die Fertigung und der
Abbund von BS-Holz-Trägern jeglicher Ausformung finden hier statt.
Um künftig auch großformatige Sonderformen wie Satteldach-,
Fischbauch- oder S-Träger bis zu
36 m Länge, 2,6 m Bauteilhöhe
und 4 m Stichhöhe herstellen und
bearbeiten zu können, hat Pabst im
Frühjahr 2009 mit der Erweiterung
einer der bestehenden Hallen begonnen. Die dafür verwendeten BS-HolzQuerschnitte stammen aus eigener
Produktion.
Starkes Rückgrat:
Alles hängt an der Mittelachse
Die Gebäudemaße des Hallenanbaus
betragen 70 m in der Länge und
etwa 52 m in der Breite. Die Traufhöhe liegt bei ungefähr 11 m. Das
Dachtragwerk bilden Fachwerk- und
Fischbauchträger aus BS-Holz, die
auf eingespannten Stahlbetonstützen liegen.
Kernstück der neuen Halle ist das
Rückgrat, bestehend aus einer etwa
5,5 m hohen Fachwerkträgerkonstruktion in der Mittelachse. Sie spannt
mit 20 m, 30 m und wiederum 20 m
über drei Felder.
Eine besondere Herausforderung
lag in der Ausführung der Tragkonstruktion des mittleren Feldes, da
sie extrem hohe Lasten aufzunehmen hat, aber stützenfrei sein sollte. Hier kommen von beiden Seiten
Wolf Systembau
Zeichnung der Fachwerkträgerkonstruktion
www.mikado-online.de
25
Kurt Pock
Ingenieurholzbau
im Abstand von 5 m die Fischbauchträger der Dachkonstruktion mit einer Spannweite von 25,50 m an, und
gleichzeitig muss das Tragwerk die
beidseitig angeschlossene Kranbahn
für je zwei Kräne mit einer maximalen Hubkraft von 8 t aufnehmen.
Fachwerkkonstruktion ermöglicht
geschickte Lastverteilung
Die Tragwerksplaner fanden für diese knifflige Aufgabe folgende Gesamtlösung: getrennte Anordnung
der Fachwerk- und Kranbahnträger
in den Endfeldern zur unabhängigen
Einleitung von Dach- und Kranbahnlasten in die Stützen sowie ein doppeltes Fachwerk im mittleren Feld
zur Aufnahme der Gesamtlasten aus
Dach und Kranbahn.
Im Detail heißt das: Fachwerkträger
mit Stahlzugdiagonalen überspannen die Endfelder. Parallel daneben
sind auf beiden Seiten Vollwandträger (b/h = 24 x 150 cm) angeordnet,
die über Stahlprofile an die End- und
Mittelstützen anschließen und die
Kranbahn tragen. Die Lasten daraus
werden direkt und unabhängig vom
Fachwerkträger in die Stützen eingeleitet, während die Fachwerke selbst
lediglich die Dachlasten aus diesem
Bereich aufzunehmen haben.
Da die Kranbahn im mittleren
Feld direkt an den Fachwerkpfosten
anschließt und entsprechend große
Lasten in die Konstruktion einträgt,
kamen die Tragwerksplaner auf die
Idee, anstelle eines einzelnen, sehr
groß dimensionierten Fachwerkes
eine geteilte Fachwerkkonstruktion
▴▴Die neue
Produktionshalle
von Pabst am
Standort Zeltweg
zeigt sich
sehr schlicht.
Innen wartet
sie mit optimalen
Bedingungen
zur Herstellung
von Sonderträgern aus BSHolz auf
zu wählen und sie auf Abstand zu
stellen. Das hat neben der einfacheren Herstellung und Montage vor allem den Vorteil, dass die Momente,
die aus der exzentrischen Anordnung
der Kranbahnen neben den Fachwerken entstehen, besser aufgenommen
werden können.
Das doppelte Fachwerk mit Stahlzugdiagonalen nimmt Auflagerkräfte aus den Dach- und Kranlasten von
bis zu 5670 kN auf. Damit dürfte das
Lastniveau dieses Fachwerkes höher
liegen als bei einem vergleichbaren
Straßenbrückenträger.
Planung und Abbund genau
aufeinander abgestimmt
Wolf Systembau
Hallenquerschnitt
26
mikado 11.2009
Der Abbund der in den Fachwerkknoten anzuschließenden Bauteilenden stellte für das ausführende
Holzbauunternehmen Wolf Systembau im österreichischen Scharnstein
eine echte Herausforderung dar. Die
Planer nahmen deshalb bei der Knotenausbildung auch Rücksicht auf
die vorhandenen Abbundmöglichkeiten, weshalb es ausschließlich zweischnittige Verbindungen gibt.
Eine Aufgabe für sich bestand in
der Ausformung der zwei zentralen
Stahlbetonpfeiler: Sie müssen Auflager sowohl für die Einzelfachwerke
und Vollwandträger aus den Endfeldern sein, als auch für das doppelte Fachwerk des Mittelfeldes und
Ingenieurholzbau
Letzteres gleichzeitig als Gabellager
stabilisieren.
Die Stützen reichen daher bis in
die Höhe der Fachwerkobergurte,
sind aber ab Höhe der Fachwerkuntergurte um Vieles dünner.
Die Stahlbeton-„Stifte“ sichern das
Doppelfachwerk gegen Kippen.
Gebrauchstauglichkeit:
Verformung streng begrenzt
Maßgebend für die Dimensionierung
der Fachwerkkonstruktion war der
Gebrauchstauglichkeitsnachweis. Er
sieht bei solchen Tragwerken eine
strenge Begrenzung der Verformungen vor, um die bei Portalkränen geforderte hohe Genauigkeit zu erfüllen. Deshalb durfte die maximale
Verformung in vertikaler Richtung
l/600 und in horizontaler Richtung
5 mm nicht überschreiten.
Daraus ergaben sich für das Doppelfachwerk folgende Querschnitte:
Ober- und Untergurte sind jeweils
80 cm hoch, oben 32 cm und unten
40 cm breit (BS16/1). Die Ober- und
Untergurte der Endfeld-Fachwerke
weisen mit b/h von 40 cm x 36 cm
im Vergleich dazu nur etwa den halben Querschnitt auf.
Die Dimensionierung der Zugdiagonalen (Zugstabsystem aus Stahlqualität S460) erfolgte abgestuft von
76 mm außen über 60 mm bis hin zu
36 mm in der Mitte.
Kurt Pock
▸▸Die drei Träger
aus den
kurzen Feldern
schließen
an speziell ausgeformte
Stahlbetonmittelpfeiler mit
zwei seitlich
aufgebrachten
Stahlauflagerteilen an
Kurt Pock
▸▸Gleichzeitig
bilden
die Pfeiler die
Auflager
für das doppelte
Fachwerk
des Mittelfeldes
Längsverband
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▸▸Blick in die
Halle:
Die Kräne stehen
bereit für
die Produktion der
Sonderträger
Kurt Pock
Kurt Pock
Längsverband im Dach parallel neben
dem Doppelfachwerk nimmt Brems- und
Abtriebskräfte aus der Kranbahn auf
27
Ingenieurholzbau
Skizze
Kurt Pock
Detailskizze des Anschlusses Fischbauchträger an ein 20-m-Fachwerk: Die über die
verlängerten Stahlschenkel aufgelegten
Dachträger sind Einfeldträger. Sie dürfen
daher auf dem Fachwerkobergurt nur
unverbunden gestoßen werden
Kurt Pock
◂◂Ausgeführter
Anschluss
Fischbauträger an
20-m-Fachwerk
Kurt Pock
◂◂Der Anschluss
der Dachträger an
das doppelte
Fachwerk wird
analog zu dem an
das einfache
Fachwerk
hergestellt
Kurt Pock
◂◂Die Gebäudemaße des
Hallenanbaus
betragen
70 m in der Länge
und etwa
52 m in der Breite.
Die Traufhöhe
liegt bei ungefähr
11 m
28
mikado 11.2009
Zentrische Lasteinleitung für
einfachere Anschlüsse
Das Hauptaugenmerk bei der Auflagerung der 16 und 18 cm dicken
Fischbauchträger legten die Konstrukteure auf die zentrische Einleitung der Kräfte aus den Dachlasten
in die Fachwerkobergurte.
Dafür wurde ein spezielles, einer
Z-Form ähnliches Stahlanschlussteil mit eingeschlitztem Blech entwickelt. Der obere Schenkel, ein aus
Stahlplatten verschweißter „Kastenquerschnitt“, fungiert dabei als eine
biegesteife Verlängerung des Dachträgers, über den er auf dem Fachwerkobergurt lose aufgelegt wurde
(gelenkiger Anschluss am Ende des
Einfeldträgers).
Im unteren Bereich liegen die Träger auf einer Pressplatte auf Stahlwinkeln auf. Den Anschluss übernehmen eingeschlitzte Stahlbleche
und Stabdübel. Auf diese Weise entsteht ein biegesteifer Anschluss zur
Aufnahme des Versatzmoments: Es
ergibt sich aus der versetzten Einleitung der resultierenden Auflagerkraft des Trägers in der Mitte der unteren Pressplatte zur Systemachse des
Fachwerkbinders.
Als Verbindungsmittel kamen
selbstschneidende Stabdübel SFS
WS-T 7/173 zum Einsatz. Die Verbindungen sorgen für eine optimale
Kombination aus Kraft- und Formschluss, was bei dieser Halle ganz
Ingenieurholzbau
besonders wichtig war. Nach demselben Prinzip schließen die Fischbauchträger auch an die Doppelfachwerke an.
Die Knotenverbindungen erforderten 17,9 Tonnen meist verdeckt liegende Stahlanschlüsse und 1,3 Tonnen Stabdübel.
Aussteifungsverbände
für Kranlasten
Die Stabilisierung der Halle übernehmen drei Querverbände und ein
Längsverband entlang des 30 m langen Mittelfeldes.
Der Längsverband hat vor allem
die Aufgabe, Bremskräfte aufzunehmen bzw. Abtriebskräfte abzufangen, die aus der einseitigen Kranlast
auf das mächtige Doppelfachwerk
wirken.
Zu guter Letzt bildet perforiertes
Trapezblech mit Schallschluckstreifen
www.mikado-online.de
die Dacheindeckung, gefolgt von
20 cm Wärmedämmung und einer
PVC-Dachfolie.
Ein 3 m breiter Lichtfirst bringt
neben der künstlichen Beleuchtung
auch Tageslicht in die Halle.
Hohe Lasten sind für den
Ingenieurholzbau kein Problem
Der Hallenanbau wirkt trotz seines
zentralen „Rückgrats“ klar strukturiert und wohlproportioniert.
Der Hallenanbau der Firma Pabst
Holzindustrie im österreichischen
Zeltweg dient damit als gutes Beispiel für die Einsatzmöglichkeiten
von Ingenieurholzkonstruktionen
selbst bei sehr hohen Lasten. Auch
wirtschaftlich hatte der Holzbau bei
dieser Industriehalle alle Vorteile auf
seiner Seite.
Dipl.-Ing. (FH) Susanne Jacob-Freitag,
Steckbrief
Bauvorhaben:
Hallenanbau der Pabst
Holzindustrie in A-Zeltweg
Bauzeit: März bis Juni 2009
Baukosten: 1,4 Mio. Euro
Nutzfläche: 3834 m²
Umbauter Raum: 44 090 m³
Bauherr:
Johann Pabst Holzindustrie
GmbH ı A-8740 Zeltweg
www.pabst-holz.com
Tragwerksplaner
(Fachwerke und Stahlbetonstützen):
Dipl.-Ing. Kurt Pock und
Dipl.-Ing. Gerolf Urban
A-9800 Spittal a.d. Drau
www.holz-tragwerk.at
Planer und Holzbauer:
Wolf Systembau Gesellschaft
m.b.H. ı A-4644 Scharnstein
www.wolfsystem.at
Karlsruhe ▪
29
Wolfram Janzer
Sanierung und Ausbau
▴▴Aus dem alten
Güterschuppen am
Bahnhof
in Meckenbeuren
ist ein
schmuckes
Veranstaltungszentrum
geworden
Umbau
Neu inszeniert
30 Jahre lang war der ehemalige Güterschuppen am Bahnhof
von Meckenbeuren ungenutzt. Heute ist er völlig neu
inszeniert und zu einem Schmuckstück der Gemeinde geworden.
D
as alte Zeug will doch keiner
mehr. Abreißen sollte man das
Teil. Etwas Neues wäre doch viel
günstiger. Geldverschwendung.“ So
oder ähnlich hörten sich die Stimmen an, die die Handwerker der Zimmerei Hartmann vernahmen, als sie
einen maroden Anbau an einem alten Güterschuppen am Bahnhof Meckenbeuren zurückbauten. Der Güterschuppen selbst sollte erhalten und
zu einem Kulturschuppen umgebaut
werden. 30 Jahre lang war das 1877
gezimmerte Bauwerk nicht mehr genutzt worden. 30 Jahre, in denen es
statt Gütern höchstens Mäusen als
30
Unterschlupf diente. „Und ab und zu
ein paar Obdachlosen, deren Nachlass
– Bierflaschen und alte Schlafsäcke
– später unterhalb des Bretterbodens
gefunden werden sollte“, schmunzelt
Zimmermeister Christof Hartmann,
Geschäftsführer des Holzbaubetriebs
Christof Hartmann. In diesen 30 Jahren war der einst in qualitativ hochwertiger traditioneller Handwerkskunst errichtete Schuppen zu einer
nutzlosen Immobilie geworden. Die
Fassade war verwittert, das Dach
an manchen Stellen leck geworden.
Mehrfach war Wasser eingedrungen
und hatte das Gebälk durchfeuchtet.
mikado 11.2009
Und dennoch hatte nichts die bodenständige Würde des historischen Gebäudes zerstören können.
Entscheidungsphase: Zehn Jahre
Die Gemeinde Meckenbeuren erwarb
vor rund zehn Jahren die Bahngebäude am Bahnhofsquartier und
nahm den Güterschuppen in das Sanierungsprogramm mit auf. Doch
die Frage, was mit dem historischen
Bauwerk passieren sollte, konnte damals noch keiner beantworten. Eine
ganze Dekade lang diskutierten Gemeinderäte und Bevölkerung über
Sanierung und Ausbau
www.mikado-online.de
Stahlträger verstärken die
Konstruktion
Wolfram Janzer
aufwies. Damit musste die ursprüngliche Idee, nur die Holzkonstruktion
zu verstärken, ad acta gelegt werden.
Und schließlich musste auch noch
das im letzten Jahrhundert mit asbestbelasteten Eternitplatten gedeckte Dach zurückgebaut werden.
▴▴Die alten Toröffnungen durften
bleiben.
Die Handwerker
arbeiteten
die originalen
Tore auf
Lediglich die innere Schalung durfte
bleiben. Auf dieser Basis bauten die
Zimmerer die Dachdeckung wieder
auf. Sie zogen Dampfbremsfolie ein,
verlegten im Anschluss 6/25 cm dicke
Holzbohlen und dämmten die Zwischenräume mit 240 mm dicken Mineralfasermatten. Eine Unterspannbahn schützt den neuen Aufbau vor
Feuchtigkeit. Lattung und Konterlattung dienen als Unterkonstruktion
für die abschließende Deckung aus
anthrazitfarbenen Rechteckschindeln. Statt der ursprünglichen Holzkonstruktion des Bodens erhielt das
Gebäude eine neue Ziegelbalkendecke. Der neue Bodenaufbau mit
Dämmung und eingefärbtem Estrich
konnte auf dieser neuen Konstruktion aufgebaut werden. Der darunter liegende 80 cm hohe Hohlraum
nimmt alle Installationen auf. Den
maroden Anbau ersetzt inzwischen
ein neuer Trakt in Massivbauweise mit hinterlüfteter Holzverschalung. „Und mit jedem neuen Arbeitsschritt, sprich bei jeder neuen Visite
des technischen Ausschusses, wurden
die Kontrolleure immer zuversichtlicher“, lächelt Hartmann. Als dann
auch noch die Außenwände statisch und dämmtechnisch ertüchtigt
Grundriss
A
Hinterbühne
Bühne
Jauss und Gaupp, Friedrichshafen
den Sinn, die Zukunft und die Finanzierung einer Umgestaltung. Während es die Gegner einer Sanierung
allerdings bei Worten beließen, gründeten einige Befürworter kurzerhand
einen Förderverein. Mit Spendengeldern kauften sie einen Güterwaggon und stellten ihn vor den Schuppen, um ihn als Bistro zu nutzen.
Gleichzeitig schlugen sie vor, den historischen Baukörper als Veranstaltungshalle zu nutzen, und setzten es
durch, dass das auskragende Dach
mit Glas verlängert wurde, sodass
zwischen Waggon und Güterschuppen ein Foyer entstand. Im unrenovierten, ungedämmten und ungeheizten Schuppen feierte derweil
Kleinkunst Erfolge. Die Ansturm auf
die provisorische Veranstaltungshalle
war überwältigend, so sehr, dass immer mehr Personen von einer Renovierung überzeugt werden konnten.
Mit dem Architekturbüro Jauss &
Gaupp Architekten BDA fanden die
Befürworter der Sanierung zudem einen Planer, der Erfahrung mit historischen Bauten hat. Mit der Zimmerei
Christof Hartmann fanden sie einen
Betrieb, der alte Handwerkskunst
schätzt und Mittel und Wege fand,
um sie zu erhalten. Zum Glück waren
die Tragkonstruktion des Schuppens
ebenso wie die Fassaden in einem
guten Zustand. Ausnahmen bildeten
lediglich die Stellen, an denen Wasser eingedrungen war. Hier mussten
die Zimmerer verrottete Hölzer ausbauen und die Konstruktion ergänzen beziehungsweise erneuern. Ein
Anbau hingegen war in einem so desolaten Zustand, dass er abgerissen
werden musste.
„Warum nicht den Rest auch?“,
bäumten sich da nicht wenige Gegner noch einmal gegen die Renovierungsmaßnahme auf. „Zu diesem
Zeitpunkt war der vom Gemeinderat bestimmte technische Ausschuss, der die Baumaßnahmen alle
vier Wochen begutachtete, noch mit
kritischen Stimmen versehen“, erinnert sich Hartmann. Die wurden
auch nicht leiser, als die Bauarbeiter feststellten, dass das mit Holzdielen beplankte Holzgebälk des rund
80 cm oberhalb des Geländeniveaus
angeordneten Fußbodens Pilzbefall
Foyer
Bistro
A
31
Sanierung und Ausbau
worden waren, hellten sich ihre Mienen gänzlich auf.
„Wir haben die Holzkonstruktion durch den Statiker neu berechnen lassen. Dabei haben wir festgestellt, dass sich die alten Bohlen
kaum verformt hatten – und das,
obwohl sie 120 Jahre lang direkt an
einem viel befahrenen Eisenbahngleis gestanden hatten“, lobt Tobias
Gaupp, Geschäftsführer von Jauss &
Gaupp Architekten, die Qualität der
ursprünglichen Konstruktion. Aufgrund der höheren heutigen Sicherheitsansprüche ließ er trotzdem zusätzliche Stahlträger einziehen, die
die gesamte Konstruktion aussteifen.
„Sie verschwinden aber im Fassadenaufbau und sind komplett unsichtbar“, versichert Hartmann. Von innen sichtbar geblieben sind hingegen
32
▴ Zum Glück war
nur an wenigen
Stellen Wasser in
die Konstruktion
eingedrungen
▸▸Am Dach bauten
die Zimmerer
auf der bestehenden inneren
Schalung die Dachdeckung
wieder auf
▾▾Die alten Bohlen
hatten sich
kaum verformt,
obwohl sie
120 Jahre lang an
einem
stark befahrenen
Eisenbahngleis
gestanden hatten
▸▸Die alten asbestbelasteten
Eternitplatten
wurden
ausrangiert
mikado 11.2009
die alte Holzfachwerkkonstruktion
sowie die alte Holzverschalung. Die
historischen Bauteile wurden mit einer Holzlasur behandelt, die die unterschiedlichen Farbtöne egalisiert,
und darüber hinaus mit einem Brandschutzanstrich versehen. Der restliche
Aufbau der Fassade ist neu: Dampfbremsfolie, 16 cm starkes Konstruktionsvollholz, dessen Zwischenräume
mit 16 cm dicken Mineralfasermatten
gedämmt wurden, Winddichtbahn als
Hintergrund für die Außenhaut und
schließlich 6 cm breite Schalung aus
sibirischem Lärchenholz.
Alt und unbezahlbar
„Angesichts dieser behutsamen Sanierung konnte der Raumeindruck
des historischen Gebäudes durch
eine neue Lichtkonzeption und zusätzliche Bauteile in einer modernen
Architektursprache enorm verbessert
werden“, betont der Architekt. Der
neu inszenierte Schuppen mit dem
Namen „Kultur am Gleis 1“ bietet ein
ideales Ambiente für kulturelle Veranstaltungen aller Art. Das Repertoire reicht von Ausstellungen über
Versammlungen bis hin zu Tanzveranstaltungen. Eine fest eingebaute
Bühne und Regieebenen machen
es möglich, dass auch Musikgruppen und Künstler in den Räumen
auftreten können. Der neue Anbau
dient als Hinterbühne und Umkleide
– und schützt den Saal darüber
hinaus vor dem Lärm der vorbeifahrenden Züge. Im neuen Kellergeschoss unter dem Anbau ist Platz
für die Künstlergarderoben. Auch
Sanierung und Ausbau
◂◂Das neue Dach
trägt eine
Deckung aus
anthrazitfarbenen Rechteckschindeln
▸▸Der „Kultur
am Gleis 1“ steht
nichts mehr
im Wege. Auch
der Waggon
des Fördervereins
hat seinen
Platz gefunden
moderne Sanitäranlagen wurden
im Zuge der Sanierung eingebaut,
Rauchabzugsöffnungen in Form von
Lichtschächten in die Dachfläche integriert und die Haustechnik erneuert. Vor der neuen Revisionsöffnung
der Technikzentrale hängen die alten, aufgearbeiteten Fenster als zu
öffnende Verkleidung. Erschlossen
wird der Kulturschuppen mit seinen 220 Sitzplätzen direkt über den
Bahnsteig. Das Foyer liegt im Zwischentrakt zwischen Saal und Güterwaggon. Letzterer ist immer noch
im Besitz des Fördervereins. Er wurde von den Mitgliedern in Eigenregie ausgebaut und in das Objekt integriert.
Die ursprünglichen Toröffnungen
des Schuppens durften ebenfalls bleiben. Die Handwerker versahen sie
lediglich mit neuen Glas-Aluminium-Elementen und arbeiteten die
alten Tore restauratorisch auf. Die
Beschläge wurden – kurz vor dem
letzten Weihnachtsfest – demontiert
und zwischengelagert, um nach den
Feiertagen sandgestrahlt und dann
wieder eingebaut zu werden. „Dabei
haben wir die Erfahrung gemacht,
dass altes Zeug doch sehr begehrt
ist“, schmunzelt Hartmann. „Als wir
mit den Arbeiten beginnen wollten,
waren die Beschläge plötzlich nicht
mehr auffindbar. Irgendjemand hatte sie mitgenommen.“
Das kann dem inzwischen in Betrieb genommenen neuen Kulturschuppen zum Glück nicht passieren. Doch dass es das Beste war, das
Gebäude zu erhalten, darüber sind
sich inzwischen alle einig, betont
Hartmann: „Auch wenn ein Neubau
das Gleiche gekostet hätte, das Flair,
das wir in dem Altbau haben, hätten
wir damit nicht generieren können.
Und das ist einfach unbezahlbar.“
Christine Ryll, München ▪
Steckbrief
Bauvorhaben:
Umbau und Modernisierung
eines Güterschuppens in
ein Veranstaltungsgebäude,
D-88074 Meckenbeuren
Bauweise:
Holzfachwerkgebäude mit
Verschalung
Bauzeit:
Februar 2008 bis Februar 2009
Baukosten:
1,8 Mio. Euro
Nutzfläche:
720 m²
Schnitt
Umbauter Raum:
4635 m³
Bauherr:
Bilder dieser Doppelseite: Jauss und Gaupp, Friedrichshafen
Gemeinde Meckenbeuren
D-88074 Meckenbeuren
Architekten:
Architekturbüro Jauss und
Gaupp Architekten BDA
D-88046 Friedrichshafen
www.architekten-jauss-gaupp.de
Holzbau:
Christof Hartmann
D-88074 Meckenbeuren
www.hartmann-holzbau.de
www.mikado-online.de
33
Bücher
D
as Autorenduo – beide anerkannte Experten auf dem
Gebiet des nachhaltigen Bauens – stellte eine Dokumentation über Einfamilienhäuser zusammen, die sowohl ökologisch
als auch gestalterisch vorbildlich sind. In ihrem Buch präsentieren sie 30 Bauprojekte aus Deutschland, Österreich
und der Schweiz mit professi-
Manfred Hegger / Isabell Schäfer
Grüne Häuser
Einfamilienhäuser – nachhaltig,
ökologisch, energieeffizient
Callwey, München
1. Auflage ı September 2009
159 Seiten ı 29 x 22 cm
60 Euro
ISBN: 978-3-7667-1809-9
D
ieser Ratgeber informiert
umfassend über die aktuellen gesetzlichen Regelungen
und zeigt, welche Möglichkeiten existieren, den Energieverbrauch zu senken, und welche Rolle künftig erneuerbare
Energien spielen. Die Bandbreite
der Themen reicht von der bautechnischen Verbesserung der
Energieeffizienz über Solarenergie, Holzpellets, Wärme-
pumpen, Biogas und Fernwärme
bis hin zu den staatlichen Förderprogrammen. Auf der CDROM befinden sich ein ExcelTool „Instandhaltungsplaner“,
Musterbriefe an Mieter, Checklisten für den Einsatz alternativer Energien, ein Glossar, das
Erneuerbare-Energien-WärmeGesetz (EEWärmeG) und die
neue Energieeinsparverordnung
(EnEV 2009).
▪
H. J. Krolkiewicz / G. Hopfensperger / H. Spöth
Energiekosten
für Gebäude senken
mit CD-ROM
Haufe, Freiburg
1. Auflage ı April 2009
342 Seiten ı 21 x 15 cm
40 Euro
ISBN: 978-3-448-09352-0
D
as Fachbuch behandelt
allgemeinverständlich das
Problem der Zerstörung von
Holzkonstruktionen durch Pilze
und Insekten. Es illustriert dies
ausführlich mit zahlreichen bebilderten Beispielen. Ziel ist,
dem Fachmann eine gründliche Kenntnis zur angemessenen
Bekämpfung der biotischen Zerstörer zu vermitteln. Es ist ein
Nachschlagewerk für Architek-
Klaus Kempe
Holzschädlinge
Vermeiden. Erkennen. Bekämpfen
Huss-Medien, Berlin
4., überarbeitete Auflage
Mai 2009
182 Seiten ı 30 x 21 cm
50 Euro
ISBN: 978-3-345-00935-8
onellen Fotos, Plänen, Texten
und den wichtigsten Fakten.
Es berücksichtigt dabei die für
die Nachhaltigkeit eines Hauses
entscheidenden Kriterien. Eine
ausführliche Einleitung sowie
Interviews mit Werner Sobek
und Hermann Kaufmann komplettieren das Buch und machen
es zu einem wichtigen Werk im
▪
Einfamilienhausbereich.
ten, Bauingenieure und Zimmerer. Bei seinen Ausführungen
bezieht sich der Autor auf die
neue DIN 68800, deren Teil 4
in Deutschland die Bekämpfung
von Pilzen und tierischen Holzschädlingen regelt. Die Empfehlungen gelten als anerkannte
Regeln der Technik. Außerdem
fließen die Erfahrungen seiner
langjährigen gutachterlichen
Praxis mit ein.
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mikado 11.2009
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Details im Griff November 2009
Brandschutz
Holzfassaden brauchen Brandschürzen
Fassaden aus Holz sind bei mehrgeschossigen Gebäuden selten.
Neben Problemen mit der baurechtlichen Zulässigkeit gibt es auch
noch wenig praktische Erfahrungen in der brandsicheren Ausführung.
Berliner Feuerwehr
◂◂Originalaufnahme der
Berliner
Feuerwehr:
Nur neun Minuten
nach Brandbeginn stand
die ganze
Fassade
in Flammen
Brandfall
Am 21. April 2005 brannten in Berlin-Weißensee in einem siebengeschossigen Gebäude vier Wohnungen
von der zweiten bis zur fünften Etage.
Vor den Fenstern stand die komplette Fassade in Flammen. Zwei Menschen kamen ums Leben, drei wurden
verletzt. Zehn Personen konnten sich
über Schiebe- und Drehleitern oder
mittels Fluchthauben retten.
Besonders kritisch war, dass die
Wohnungen teilweise nur Fenster an
der Brandfassade besaßen und das
Treppenhaus stark verrauchte.
Es handelt sich zwar um einen
Massivbau, doch aus dem Fassadenaufbau lassen sich Schlüsse zu
Brandgefahren bei mehrgeschossigen Holzbauten ableiten. Neben der
Oberfläche birgt vor allem auch die
Hinterlüftung Gefahren.
Auf einen Blick
Objekt
Mehrgeschossiges Gebäude mit Holzfassade
Schadensbild
Im Brandfall schnelles Ausbreiten des Brandes
über die gesamte Fassade
Schadensursache
Brennbare Außenhaut und Unterkonstruktion;
Hinterlüftung mit Kamineffekt
Schadens­
vorbeugung
Einbau von horizontal durchlaufenden Brandschürzen
in jedem Geschoss
www.mikado-online.de
Objekt
Das betroffene Wohn- und Geschäftshaus ist Teil einer Wohnanlage aus neun durch Brandwände getrennten Häusern, die 1995 bis 1996
entstanden. Die tragende Fassadenkonstruktion besteht aus Stahlbeton, allerdings abweichend von der
ursprünglichen Planung aus wirtschaftlichen Gründen mit einer „verlorenen Schalung“ aus 25 mm dicken Spanplatten der Baustoffklasse
B2 „normal entflammbar“ errichtet.
Die Treppenraum- und Brandwände besaßen zementgebundene Holzfaserplatten.
Im Rahmen von Zustimmungen im
Einzelfall nach § 20 bzw. § 21 Bauordnung Berlin (BauOBln) konnte für
das Gebäude – um Unebenheiten der
Rohbaufassade auszugleichen – eine
normal entflammbare Unterkonstruktion (Baustoffklasse B2) verwendet werden, obwohl die BauOBln hier
schwer entflammbare Baustoffe (B1)
forderte. Zusammen mit Brandsperren aus nicht brennbaren Mineraldämmfaserplatten, die 50 cm breit
umlaufend an den Fensterpfeilen im
2. und 4. OG anzuordnen waren, stufte eine mit der Begutachtung beauftragte Materialprüfungsanstalt die
Konstruktion als unbedenklich ein.
Brandursache
Ein Fernsehgerät implodierte in einer Wohnung im 2. Obergeschoss
und setzte das Wohnzimmer in Flammen. Begünstigt durch die mangelhafte Ausbildung der Gebäudefassade konnte sich der Brand so schnell
ausbreiten, dass die Feuerwehr bei ihrem Eintreffen – nur neun Minuten
35
Details im Griff November 2009
Fassadenkonstruktion des Brandschadens: Stahlbeton mit verlorener Schalung
Hinterlüftete Fassade mit horizontaler Blechschürze
Außenputz (Unterputz/Textilglas/Oberputz)
Dämmung (Polystyrol-Hartschaum Baustoffklasse B1)
vertikale Schienen (Hart-PVC Baustoffklasse B2)
Halteschienen horizontal (Hart-PVC) Abstand 50 cm
Spanplatte außen (verlorene Schalung)
Stahlblech, kein Aluminium
Dicke = 1,5 mm
für freie Auskragung ≤ 160 mm
Dicke = 2,0 mm
für freie Auskragung > 160 mm
Befestigung mit Stahlschrauben
Stahlbeton
Spanplatte innen (verlorene Schalung)
nach der Alarmierung – bereits einen
Vollbrand über fünf Geschosse der
Fassade (ca. 400 m²) vorfand.
Das Feuer, das mit einer Temperatur von bis zu 900 ˚C aus dem Fenster des Brandraumes schlug, konnte
sich über den ungeschützten Sturz
in den durch die Hart-PVC-Schienen
gebildeten Luftraum ausbreiten. Dort
setzte es die vorhandenen brennbaren Materialien (Spanplatte, PVCSchiene und Polystyrol-Dämmung)
in Brand und verbreitete sich schnell
über die gesamte Fassade.
Die Konstruktion der Brandfassade ist ähnlich wie eine Holzfassade
ausgebildet. Auf einer brennbaren
Bekleidung – Holz oder Holzwerkstoffe – sind brennbare Leisten oder
Schienen zur Hinterlüftung aufgebracht, an denen wiederum eine normal oder schwer entflammbare Außenkonstruktion befestigt ist.
Ein Brand kann sich hier einmal
über die brennbare Außenhaut, aber
auch besonders gut und ggf. unbemerkt über die Hinterlüftung ausbreiten. Die Hinterlüftung bietet zudem
eine Art „Kamineffekt“, der bei dem
hier geschilderten Brand zu einem
Flammeninferno führte.
Obgleich derartige Fassadenkonstruktionen in Holz gemäß § 28 Musterbauordnung (MBO) von 2002 nur
für Gebäude der Gebäudeklassen 1
bis 3 (max. Höhe des obersten Fußbodens ≤ 7 m) zulässig sind, gehen
die Wünsche vieler Bauherren, Ar-
36
chitekten und Holzbauunternehmen
dahin, derartige Konstruktionen auch
bei mehrgeschossigen Häusern in Innenstädten einzusetzen. Die Gründe
dafür sind vielfältig:
▸▸ Ästhetik
▸▸ Ökobilanz
▸▸ Energieeffizienz
▸▸ regionale Verfügbarkeit
▸▸ geringes Gewicht
▸▸ kurze Bauzeit
Bei derartigen Baumaßnahmen,
die bisher nur auf Basis von Ausnahmeregelungen und Kompensationen
im Bereich der Anlagentechnik möglich sind, müssen selbstverständlich
die im Baurecht verankerten Ziele des
Brandschutzes gewährleistet sein.
Maßnahmen zum vorbeugenden
Brandschutz
Bezüglich des Brandüberschlags
auf andere Geschosse haben sich in
Labor- und Naturbrandversuchen bei
Holzbauten Brandschürzen bewährt.
Bei richtigem Einbau unterbrechen
sie wirksam die Hinterlüftung und damit auch die Brandausbreitung zwischen hinterer und vorderer Fassadenkonstruktion.
Als vorkragende Brandsperren,
die durchgängig in einer Höhe um
das Gebäude laufen (Bauchbinden),
verhindern sie auch die vertikale
geschossübergreifende Brandausbreitung auf der Außenfläche der
Fassade. Bei Holzaußenwandbekleidungen sind sie in mehrgeschossigen
mikado 11.2009
Gebäuden in jedem Geschoss einzubauen. Sie können im Bereich der Geschossdecke, der Fensterbänke oder
der Fensterstürze angeordnet werden.
Als Material eignen sich Blech (Stahl,
kein Aluminium), mineralische Produkte (z.B. zementgebundene Spanplatten) oder Holz (nicht brennbar,
abgedeckt oder frei).
Die vorgeschlagenen Lösungen
erfüllen zwar die bauaufsichtlichen
Anforderungen an Fassaden mehrgeschossiger Gebäude nicht, aufgrund
der vorliegenden Brandversuche, ihrer wissenschaftlichen Auswertung
und auf der Grundlage von schutzzielorientierten Brandschutzkonzepten sind Holzfassaden aber trotzdem
auch in diesem Bereich genehmigungsfähig und ausführbar.
Planung und Brandschutz müssen
bei solchen Fassaden frühzeitig aufeinander abgestimmt werden. Idealerweise wird von Anfang an ein
Fachplaner für den vorbeugenden
Brandschutz in die Planung des Bauvorhabens einbezogen.
Reinhard Eberl-Pacan, Architekt und Planer
für vorbeugenden Brandschutz, Berlin ▪
Downloadtipp:
Die Langfassung dieses Schadensfalls steht für mikado-Abonnenten
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www.mikado-online.de
→ Arbeitshilfen
Management Ihr gutes Recht
Abmahnungen
Spontane Kündigung ist unzulässig
Verletzt ein Arbeitnehmer wiederholt seine Vertragspflicht, muss ihn der
Arbeitgeber zunächst einmal abmahnen und ihm dabei klar und unmissverständlich
ankündigen, dass ein neuerlicher Verstoß zur Kündigung führt.
D
em Inhaber einer Zimmerei mit
15 Arbeitnehmern „platzt der
Kragen“. Nachdem ein langjähriger
Mitarbeiter die letzten Monate schon
fünfmal zu spät zur Arbeit erschienen war, ist er auch heute wieder unpünktlich. Seine Kolonne steht auf
der Baustelle und muss auf ihn warten. Als er eine halbe Stunde nach
Arbeitsbeginn eintrifft, kündigt ihm
der Arbeitgeber wutentbrannt – und
fragt anschließend bei seinem Verband an, ob die Kündigung auch
wirksam ist.
Ohne vorherige Abmahnung ist
die Kündigung unwirksam
Vor dem Kündigen muss der
Arbeitgeber abmahnen
Der Arbeitgeber sollte aber nicht
zu viele Abmahnungen wegen gleichartiger Pflichtverletzungen aussprechen, denn das schwächt wiederum
die Warnfunktion erheblich. Wenn
das aber doch der Fall ist, muss er den
Abmahnungstext vor dem Ausspruch
einer Kündigung besonders eindringlich formulieren, um dem Arbeitnehmer klarzumachen, dass die nächste Pflichtverletzung zur Kündigung
führen wird. Die Überschrift sollte
deshalb „Letztmalige Abmahnung“
lauten.
Die Frage, ob bei einer weiteren
Vertragsverletzung dem Arbeitnehmer gekündigt werden kann oder ob
noch eine weitere Abmahnung erforderlich ist, hängt letztlich aber
auch von der Art, von der Schwere und den zeitlichen Abständen der
Verstöße ab.
Bei allen verhaltensbedingten Kündigungen gilt der arbeitsrechtliche
Grundsatz: Vorher muss der Arbeitgeber grundsätzlich eine einschlägige Abmahnung als milderes Mittel
aussprechen. Deren Inhalt ergibt sich
aus ihren drei Funktionen:
(1) Hinweisfunktion
Die Abmahnung soll den Arbeitnehmer auf die Pflichtwidrigkeit seines
Verhaltens hinweisen und dieses präzise beschreiben – mit Datum, Zeit
und ggf. Ortsangabe.
(2) Androhungsfunktion
Die Abmahnung soll dem Arbeitnehmer eindringlich vor Augen führen,
dass der Arbeitgeber nicht bereit ist,
ein vertragswidriges Verhalten länger
hinzunehmen, und dass er im Wiederholungsfall das Arbeitsverhältnis
beenden wird.
(3) Dokumentationsfunktion
Die Abmahnung dokumentiert den
Pflichtverstoß und die darauf begründete Rüge. Deshalb ist sie schriftlich
zu erteilen und dann zur Personalakte zu nehmen.
www.mikado-online.de
„Abmahnung – Sehr geehrter Herr
…, leider mussten wir feststellen, dass
Sie am 20.10.2009 durch folgendes
Verhalten Ihre arbeitsvertraglichen
Verpflichtungen verletzt haben: Sie
erschienen an diesem Tag zum wiederholten Male ohne triftigen Grund
zu spät zur Arbeit, nämlich erst um
7:30 Uhr statt um 7:00 Uhr. Mit
In unserem eingangs beschriebenen
Fall ist die spontane Kündigung unwirksam, weil der Arbeitgeber die
Unpünktlichkeit seines Arbeitnehmers vorher niemals abgemahnt
hatte.
„Das beanstandete Verhalten ist präzise zu
beschreiben – mit Datum, Zeit und Ortsangabe.“
Auf die richtige Formulierung
kommt es an
Der Arbeitgeber muss also zunächst
eine entsprechende Abmahnung formulieren, die bei einer Verspätung
beispielsweise so lauten kann:
diesem Verhalten haben Sie Ihre arbeitsvertraglichen Pflichten verletzt.
Wir können das nicht weiter hinnehmen und fordern Sie hiermit auf, das
beanstandete Fehlverhalten zukünftig zu unterlassen und sich vertragsgemäß zu verhalten. Wir weisen Sie
darauf hin, dass Sie im Wiederholungsfall mit einer Kündigung des
Arbeitsverhältnisses rechnen müssen.
Mit freundlichen Grüßen …“
Unterhalb seiner Unterschrift sollte der Arbeitgeber auch gleich eine
Zeile für die Gegenzeichnung seines Arbeitnehmers mit Ort und Datum vorsehen und darüber den Satz
„Das Abmahnungsschreiben vom
20.10.2009 habe ich am 22.10.2009
erhalten“ schreiben.
Autor
Ulf Mosenthin ist Rechtsanwalt und
seit 1990 beim Verband Baugewerblicher Unternehmer Niedersachsen
e.V. tätig. Er leitet dort die Abteilung „Arbeits- und Sozialrecht“.
37
Management
Existenzgründung
Das Marketing A-B-C
james steidl, iStockphoto.com
Traumhaftes Betriebsergebnis oder Schuldenberg – bei
Existenzgründern liegt beides oft dicht zusammen. Für
den richtigen Weg brauchen die jungen Unternehmer eine
klare Orientierung, besonders im Bereich Marketing.
38
mikado 11.2009
Management
J
emand hat eine Idee und glaubt
fest daran, sie mit einer eigenen
Firma erfolgreich umsetzen zu können. Jetzt überlegt er das Für und Wider. Die Überlegungen enden leider
viel zu häufig damit, Bedingungen
und Verhältnisse durch die rosarote
Brille zu sehen. Existenzgründer interpretieren die Fakten häufig zu positiv, ohne sie akribisch in allen Details zu hinterfragen und kritisch zu
prüfen. Aufgrund mangelnder Sorgfalt enden – laut Statistik – rund 60 %
aller Existenzgründungen über kurz
oder lang in einer Insolvenz.
Am besten diskutiert der Existenzgründer seine Idee mit möglichst
vielen kompetenten Personen, einschließlich der Existenzgründungsberater in den Handwerkskammern.
So lange, wie er über das Thema diskutieren kann, ohne dass konkrete Vorstellungen bestehen, kann er
auch die Chancen und Schwierigkeiten offen durchdenken. Existenzgründer können nie genug kostenloses Know-how bekommen. Experten
empfehlen, wenigstens ein Existenzgründungsseminar zu besuchen, um
die gesamte Problematik kennenzulernen.
Meine Zielgruppe,
die unbekannten Wesen?
◂◂Existenzgründungsberater
der Handwerkskammern
haben viele
Tipps auf Lager,
wie Handwerker ihre Ideen
erfolgreich
an den Mann
bringen
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Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler! Jungunternehmer gehen häufig davon
aus, dass der Markt ihre Idee oder
ihr Angebot begeistert aufnehmen
wird. Doch nur wer seine (zukünftigen) Kunden von vornherein mit in
seine Überlegungen einbezieht, hat
eine Chance, erfolgreich zu bestehen.
Hier helfen Kundenbefragungen zu
Idee und Angebot, z.B. ob der Kunde bereit ist, den Anbieter zu wechseln, wenn er das neue Produkt bzw.
die neue Dienstleistung zum Preis
von … Euro erwerben könnte. Um
den Geschäftsansatz weiter zu verbessern, ist die Frage hilfreich, was
das Angebot noch enthalten muss,
damit der Kunde den Anbieter wechseln würde.
Neben der konkreten Bedarfsermittlung bieten sich Fragen nach
möglichen Ergänzungen an, wie z.B.
39
Management
wer seine Wettbewerber kennt, kann
seine eigene Wettbewerbsfähigkeit
korrekt einschätzen.
Strategie für die
Reaktion des Wettbewerbs
Wichtig ist es, die Reaktionen der
Wettbewerber einzuplanen, damit sie
den jungen Unternehmer nicht völlig
überraschend treffen.
Er sollte mögliche Reaktionen
durchdenken, um sofort mit geeigneten Gegenmaßnahmen reagieren
zu können.
◂◂Erfolgreiche
Unternehmer
sehen sich den
Markt genau
an, um ihr
Potenzial richtig
einschätzen
zu können
Service, Garantie, Beratung, Schnelligkeit oder Einsatzbereitschaft. Viele
Kunden haben konkrete Vorstellungen, was das optimale Angebot für
sie enthalten muss. Diesen Informationspool können Unternehmer dann
anzapfen.
Sieben wichtige Punkte
Wer eine Firma gründen oder ein
neues Produkt am Markt platzieren
will, sollte sein Marketing sorgfältig
planen und sich mit allen möglichen
Szenarien auseinandersetzen.
Werbebotschaft verständlich und
überzeugend zu formulieren. So kann
man sich eindeutig positionieren und
ist nicht nur einer von vielen.
Wissen um Markt
und zukünftige Wettbewerber
Die Kenntnis des Marktes und der
Mitbewerber ist die Voraussetzung
dafür, die Unterschiede zum eigenen Angebot klar und überzeugend
zu entwickeln und darzustellen. Nur
Attraktives Angebot
Bevor überlegt und gerechnet wird,
muss klar sein, ob der Markt das
Produkt wünscht oder mindestens
braucht. Dieses Wissen gewinnt man
durch Befragung Wer fragt, erfährt
schnell und direkt, ob das neue Angebot attraktiv ist und ob es Nachfrage auslöst.
Kundennutzen definieren
Nur wenige Existenzgründer sind in
der Lage, den Vorteil, mit dem sie
erfolgreich Kunden gewinnen wollen, in einem (kurzen) Satz zu formulieren. Das ist sehr wichtig, um
40
mikado 11.2009
▾▾Jeder
Unternehmer
sollte die
Vorteile seiner
Produkte in
einem kurzen Satz
formulieren
können
Marktpotenzial einschätzen
Voller Euphorie unterstellen viele
Existenzgründer, dass der Markt bzw.
das Marktpotenzial für das neue Angebot ausreichend groß ist.
Sie arbeiten mit Hypothesen und
Annahmen, die häufig nicht der Realität entsprechen. Für eine realistische Einschätzung helfen folgende Fragen:
▸▸ Wie hoch wird der Durchschnittsumsatz pro Kunde sein?
▸▸ Wie viele Kunden müssen pro
Monat/pro Woche oder pro Tag
bestellen bzw. kaufen?
▸▸ Wie viele Interessenten müssen
pro Monat/pro Woche oder pro
Tag gewonnen werden, damit die
gewünschte Kundenzahl erreicht
wird? (Achtung: Nicht jeder Interessent kauft oder bestellt!)
▸▸ Gibt es in dem vorgesehenen
Einzugsgebiet genug mögliche
Management
Finanzielle Mittel für die Werbung
Neue Unternehmen sind auf dem
Markt nicht bekannt. Um das zu ändern, muss in der Anfangsphase überdurchschnittlich viel Geld für Werbung und PR eingesetzt werden.
Kunden, die ihren Anbieter
wechseln könnten?
Die letzte Frage ist besonders
wichtig. Da heute das Angebot größer ist als die Nachfrage, löst jeder
neue Markteintritt einen Verdrängungswettbewerb aus.
Wenn die Wettbewerber Kunden
verlieren, werden sie nicht tatenlos
zusehen.
Kreative Ideen
Jetzt ist Kreativität gefragt. Jeder
Existenzgründer, der etwas Neues zu
bieten hat, muss sich überlegen, wie
er sein neues Angebot so darstellt,
dass die Presse über ihn berichtet.
Vor allem bei der der PR-Planung
kommt es darauf an, anders als andere zu sein.
Wer weiß, was ihn am Markt erwartet, kann entsprechend planen
und die Bedingungen für sich optimieren. Hans-Jürgen Borchardt, E-Denia ▪
Jede Idee ist anders
Zu den Themen Existenzgründung, Marketing, Werbung und PR gibt es massenweise Literatur. Die Grundaussage ist
immer gleich: An einem oder mehreren
Beispielen wird dargestellt, wie einfach
es ist, eine Geschäftsidee erfolgreich zu
realisieren. Alles wird einfach, so logisch
und überzeugend beschrieben, dass bei
den Lesern der Eindruck entsteht: Das
kann ich auch! Doch dem ist nicht so,
denn jede Geschäftsidee hat ihre eigenen
Bedingungen. Hier die zwölf wichtigsten:
Die Person/en
Mentalität, Charakter, Denkweise,
Reaktion, soziale Kompetenz, Ausdauer,
Kontakt- und Überzeugungsfähigkeit sind
personengebunden. Jede Person interpretiert die bestehenden Bedingungen und
Möglichkeiten unterschiedlich und kommt
zu anderen Ergebnissen.
Die Idee
Der „Erfinder“ hat zu seiner Idee eine
andere Einstellung als der Nachahmer. Er
ist überzeugt und setzt sie durch. Außerdem ist er in einer anderen Situation. Der
Erfinder hat es einerseits schwerer, aber
andererseits einen entscheidenden Vorteil, den Nachahmer nicht nutzen können:
Die Medien berichten über ihn. Das ist
kostenlose Werbung.
Die Kenntnisse
Wer eine neue Idee, ein neues Angebot
realisiert, hat sich vorher sehr lange und
intensiv mit dem Thema und den damit
verbundenen Problemen beschäftigt.
Nachfolgende laufen Gefahr, die Probleme
zu übersehen oder sie nicht in vollem Umfang zu erkennen. Der Erste besitzt in der
Regel ein deutlich größeres Wissen und
kann es auch entsprechend nutzen.
Die Umfeldbedingungen
Die Umfeldbedingungen werden in
den einschlägigen Ratgebern selten
untersucht, obwohl sie oft einen entscheidenden Einfluss haben. Wurde der
www.mikado-online.de
Initiator von der Frau oder der Familie
unterstützt? Welche Hilfen und Unterstützungen hat er erhalten? Haben ihm kompetente Freunde oder Bekannte geholfen?
Wie groß war sein Startkapital?
Das Engagement
Wer etwas Neues entwickelt oder etwas
Bestehendes deutlich verbessert, ist von
der Richtigkeit seiner Zielsetzung und
seiner Arbeit überzeugt. Nachahmer
glauben auch an die Geschäftsidee,
sind aber persönlich nicht so involviert.
Der Erfinder hat sich lange und intensiv
mit allen Details auseinandergesetzt
und – wie man so sagt – sein „Herzblut“
eingebracht.
Das Einzugs- bzw. Verbreitungsgebiet
Ein besonders häufiger Fehler ist, dass
nicht ausreichend geprüft wird, ob das
vorhandene Marktpotenzial im voraussichtlichen Einzugs- bzw. Verbreitungsgebiet für das eigene Angebot groß genug
ist. Ein Ladengeschäft für Naturfußbodenbeläge benötigt ein wesentlich größeres
Einzugsgebiet als ein Universal-Dienstleister für Haus- und Gartenarbeiten.
Der Standort
Der Standort entscheidet oft über den
Erfolg einer Existenzgründung. Anbieter,
die eine hohe Kundenfrequenz benötigen, siedeln sich in einer zentralen oder
verkehrsgünstigen Lage an. Bei Anbietern, die zu ihren Kunden kommen, ist die
Lage im Prinzip unwichtig. Spezialisten,
die innerhalb einer Region ein monopolartiges Angebot haben, können sich auch
außerhalb der Zentren ansiedeln.
Ein weiterer Punkt ist die Verkehrslage.
Unternehmen, die sich an stark frequentierten Straßen ansiedeln, haben
den Vorteil, dass sie täglich tausende
Kontakte zu den Passanten und Verkehrsteilnehmern haben, weil ihre Werbung,
ihr Angebot wahrgenommen wird. Sie
erreichen innerhalb kurzer Zeit eine hohe
Bekanntheit, ohne finanzielle Mittel für
Werbung aufwenden zu müssen.
Die Wettbewerber
Selten kann man ohne Wettbewerber
arbeiten. Da Wettbewerb aber Kampf
um die Kunden heißt, sollte man seine
Gegner kennen. Wer seine Gegner nicht
kennt und sein eigenes Angebot nicht
so gestaltet, dass er sich als die bessere
Alternative präsentiert, muss über den
Preis verkaufen. Der Wettbewerb über
den Preis ist die denkbar schlechteste
Lösung. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis
es irgendjemand billiger macht.
Die Marktbedingungen
Die Marktbedingungen können von Region zu Region sehr verschieden sein. Was
in Berlin richtig ist, gilt nicht automatisch
auch für Regensburg oder Wilhelmshaven. Die Kaufkraft, das Kaufverhalten,
die Verbrauchergewohnheiten, die regionalen Gepflogenheiten sind im Regelfall
anders und können die Geschäftsidee
mehr oder weniger stark beeinflussen.
Die Startbedingungen
Oft haben erfolgreiche Unternehmensgründer schon im Vorfeld Zusagen
oder Verträge mit Abnehmern, die eine
bestimmte Grundauslastung garantieren. Wer nicht eine ausreichend lange
Anlaufzeit einplant, dem geht oft „die
Puste“ aus.
Der Neuigkeitscharakter
Nachahmer haben den Vorteil Neuigkeit
nur begrenzt. Eine Möglichkeit, die Pioniervorteile zu nutzen, besteht darin, das
Angebot weiterzuentwickeln.
Die finanziellen Mittel
Jeder sollte sich jeder ausschließlich
auf seinen tatsächlichen Finanzbedarf
konzentrieren. Auf keinen Fall darf es
„gerade so reichen“. Wer keine ausreichenden Reserven einplant, kommt beim
ersten nicht geplanten Zwischenfall in
Schwierigkeiten.
41
Produkte
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Schrauben genügt
Der innovative Balkon
– innen im Mauerwerk
liegende Stahlhülse
– außen einen eingeschobenen
Leimholzkragbalken mit Metallabdeckung
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▴▴Eine lange Senkkopfschraube
und einige Vollgewindeschrauben
reichen aus, um Koppelpfetten
sicher miteinander zu verbinden
Würth entwickelte eine neue Verbindungsmethode für Koppelpfetten, die
den sog. „Einhängeeffekt“ nach der
neuen DIN 1052 nutzt. Einzudrehen
sind nur eine Scheibenkopfschraube und je nach Belastung zwei bis
sechs Vollgewindeschrauben – jeweils rechtwinklig zur Sparrenpfette. Vorbohrung und Ausfräsungen
sowie Setz- oder Klemmwerkzeuge
sind damit überflüssig.
Adolf Würth GmbH & Co. KG
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Feuchtgebiete ohne Pilze
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ist mit einem besonderen Holzschutzmittel imprägniert: Den nach DIN 68800 bzw. 68705-3 geforderten Pilzschutz übernimmt das bauaufsichtlich zugelassene Holzschutzmittel Boracol 10 Rh,
das tief ins Sperrholz eindringt. Der
neue Holzwerkstoff
ist außerdem gegen
Schimmel behandelt, sodass die Platten für viele problematische Aufgaben
bei Bau und Renovierung einsetzbar sind:
bei Dächern über
und Decken unter ▴▴Für Bereiche mit hoher Feuchtebelastung ist der
unbeheizten Räu- neue Holzwerkstoff „Spruce
men, Dachüberstän- protect“ mit vorbeuden und Räumen mit gendem Pilzschutz konzipiert
langfristig sehr hoher
relativer Luftfeuchtigkeit. Den Holzwerkstoff
gibt es in den Standardformaten 2500 x 1250
und 2500 x 625 mm und in Stärken von 15, 18,
21, 24, 27 und 30 mm mit stumpfen Kanten oder
mit Nut und Feder.
Finnforest Deutschland ı D-28237 Bremen
Telefon 04 21/6 91 17 75 ı www.finnforest.de
Infrarotkamera
Spürhunde und Sparfüchse
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Eichenholz.
Kamerahersteller Flir stellte die neue Infrarotkamera „i7“ vor. Sie
verbindet eine Infrarotauflösung von 120 x 120 Pixel mit einem
auf 25° × 25° erhöhten Sichtfeld und einer Genauigkeit von ±2 %.
Diese Kombination ermöglicht das einfache und schnelle Erkennen
von mangelhafter Dämmung, Problemen bei Heiz-, Belüftungs- und
Klimasystemen, Wärmelecks und zahlreichen anderen Problemen
an Gebäuden. Für umfassende Analysen am Auftragsort stehen
drei verschiedene Messmodi zur Verfügung: Punkt (mittig), Bereich (Min./Max.) und Isotherm (oberhalb/unterhalb).
FLIR Systems GmbH Germany ı D-60437 Frankfurt am Main
Telefon 0 69/9 50 09 00 ı www.flir.de
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Tel.: 0 54 29/92 90-0
Fax: 0 54 29/92 90-50
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42
▸▸Die Flir i7 ist eine Weiterentwicklung der Kamera i5.
Sie macht die Arbeit mit moderner
Infrarottechnologie ab 2995 Euro (zzgl. MwSt.)möglich
mikado 11.2009
Produkte
Verbindung
Holz bleibt unter sich
Holzhausbauer Murr entwickelte ein
Massivholzwandsystem mit neuartiger
Verbindungstechnik. Um das Naturprodukt Holz nicht mit Leim oder Metall
zu versetzen, kommt eine „Schraube
aus Holz“ zum Einsatz. Ein spezieller
Bohrmaschineneinsatz ermöglicht, mit
Gewinde versehene Holzstifte in vorgebohrte Löcher zu schrauben. Das Massivholzwandsystem besteht aus beliebig vielen Schichten Holz, die diese
Schraube verbindet.
Hans Murr ı D-86633 Neuburg/Donau
Telefon 0 84 31/4 77 60 ı www.murr.de
MDF-Platte
Brandschutz in Schwarz
▴▴Die neu entwickelte „Schraube
aus Holz“ verbindet
Hölzer ohne Leim und Metall
Mit der „Topan MDF black FR“ brachte Glunz eine
schwer entflammbare Variante seiner schwarz
durchgefärbten MDF-Platten auf den Markt. Kombiniert mit einem 2-Komponenten-Acryl-Mehrschichtlack erfüllt das Produkt hohe BrandschutzStandards, ist nach DIN EN 13501-1 zertifiziert
und genügt auch einem hohen Designanspruch.
Lieferbar sind Stärken von 10 bis 25 mm.
Glunz AG ı D-49716 Meppen
Telefon 0 59 31/4 05-0 ı www.glunz.de
Montageanlage
Rechte Winkel für alle Größen
Wärmedämmung
Recycling zum Energiesparen
Mit der All-in-One-Montageanlage „tectofix 3000“ lassen sich
Holzbalken für die Vorfertigung
von Dach-, Wand- und Deckenelementen absolut rechtwinklig
anlegen und aufspannen. Auf
zwei parallel verlegten Lagen
von Stahlträgern, die über Kreuz
angeordnet sind und ein Raster
bilden, liegen Pfosten und Riegel wie auf einem überdimensionalen Arbeitstisch exakt lotrecht
nach Planvorgabe. Haltevorrichtungen fixieren sie so, dass sie
sich nicht mehr verschieben. Die
Anlage wird auf dem Boden der
Werkhalle montiert, ist modular
aufgebaut und rundum erweiterbar. So lassen sich Holzbau-Elemente jeder Größe vorfertigen.
Bauer Holzbau GmbH
D-74582 Gerabronn
Telefon 0 79 52/9 25 90 24
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Lieferbar sind sie als Spannfilz
„SF 032 PLUS“ in 100 bis
160 mm, als Untersparrenfilz
„USF 032 PLUS“ in 60 mm
und als Dämmfilz „DF 032-h“
in 100 bis 160 mm Dicke.
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an, die von einem unabhängigen Institut geprüft
sind. Im sog. „Heizkastenverfahren“ wird dabei
über einen Zeitraum von zwei Wochen der tatsächliche Wärmedurchgang der kompletten Bodentreppe ermittelt. Fehlt das Prüfsiegel, ist es möglich,
dass lediglich für eine ideale Stelle des Deckels der
U-Wert ausgerechnet und angegeben ist.
Wellhöfer Treppen GmbH & Co. KG
D-97084 Würzburg
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www.wellhoefer.de
Spannbahnen
Dämmplatten
Klöbt von beiden Seiten
Nicht von Pappe
Einen neuartigen ökologischen Dämmstoff meldete ein Startup-Unternehmen zum Patent an
und brachte ihn nun auf den Markt. Längs- und
querverklebte Wellplatten ergeben ein Element,
das in Sachen Formstabilität, Wärmedämmung,
Druckfestigkeit, Schalldämmung und Brandschutz gute Eigenschaften aufweist. Der Rohstoff Zellulose ist nachwachsend und zu 100 %
recycelbar. Da vorhandene Anlagen der Verpackungsindustrie zum Einsatz kommen, sind
die Produkte relativ kostengünstig herstellbar.
Durch Verklebung mit Span-, Furnier- und
Mehrschichtplatten sind zudem leistungsfähige
Verbundelemente möglich.
Z+B Verbundelement KG
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▴▴Längs- und querverklebte Wellplatten
ergeben ein leistungsfähiges Dämmmaterial
44
mikado 11.2009
▴▴Zwei Klebestreifen im Überdeckungsbereich sorgen
für ein dichtes Verkleben der
Unterdeck- und der Unterspannbahnen
Klöber führt für seine Unterdeck- und Unterspannbahnen der Permo-Produktlinie eine innovative Verklebetechnik ein. So sind diese
Produkte nun mit zwei Klebestreifen im Überdeckungsbereich ausgerüstet und mit dem Namenszusatz SK² gekennzeichnet. Ein besonderer
Vorteil ist die zügige und sichere Verarbeitung
auf der Baustelle. Das „Kleber-auf-Kleber-System“ verbessert die winddichte Verklebung.
Eine kraftschlüssige Verbindung erfordert so
einen geringeren Anpressdruck und die Verbindung ist auch unter Baustellenbedingungen
verlässlich. Beide Klebestreifen sind mit einer
Releasefolie ausgestattet, die die Klebestellen
bei Transport und Verarbeitung schützt.
Klöber GmbH & Co. KG
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Internet: www.abbund-dahlen.de; E-Mail: [email protected]
Fortbildung
15. Internationales Holzbau-Forum (IHF)
Aus der Praxis – für die Praxis
Wirtschaft, Markt, Ökologie, Energieeffizienz, Architektur, Tragwerke und
Realisierung – darum dreht sich vom 2. bis 4. Dezember 2009 der größte europäische
Holzbaukongress in Garmisch-Partenkirchen.
◂◂Die Frankfurter
Messehalle 11
von Hascher Jehle
Architektur
besitzt über 116 m
gespannte
Fachwerkträger.
Alfons Brunauer
stellt das
spektakuläre
Bauprojekt vor
▸▸ Holztragwerke: Organische
Freiformflächen und ausgewählte
internationale Großprojekte
▸▸ Situation des Holzbaus in
Schweden
▸▸ Holzbrückenbau und Erlebnisstege
▸▸ Energieeffizientes Bauen
mit Holz
▸▸ Urbaner Holzbau: Forschung
begleitet Realisierung
Messe Frankfurt / WIEHAG
Kein Fortschritt ohne Pioniere
D
Die Auftaktveranstaltung am Mittwochvormittag beschäftigt sich mit
den Themen „Nachhaltigkeit, Ökologie und Zertifikate“ sowie der
„Zukunft gemeinsamer Holzabsatzförderung in Deutschland“. Nachmittags geht’s dann weiter mit diesmal
vier zeitgleich stattfindenden PrologBlöcken:
▸▸ Architektur-Forum „Kultiviertes
Bauen“
▸▸ Fertighaus-Forum „Marktanalyse
und Marktchancen“
▸▸ Holzhausbau-Forum „Ökonomische Mehrwerte des nachhaltigen
Bauens“
▸▸ Verbindungstechnik-Forum
„Schrauben und Kleben im Holzbau“
Was die vier Prologe am Mittwoch
als Einzelthema aufgreifen, vertiefen
dann am Donnerstag und Freitag die
sieben Themenblöcke des sog. „Kernforums“. Das internationale Veranstaltergremium unter der Federführung
der Berner Fachhochschule Biel und
der Hochschule Rosenheim präsentiert
dabei hochkarätige Experten aus verschiedenen Ländern. Die Teilnehmer
erhaltsen ein Update ihres Wissensstands zu folgenden Themen:
▸▸ Holzumfeld: Die globale Krisenbewältigung und ihre Chancen
48
mikado 11.2009
as Garmisch-Partenkirchener
Congress Centrum ist auch 2009
wieder Austragungsort des dreitägigen Internationalen Holzbau-Forums (IHF). Wie letztes Jahr erwarten die Veranstalter weit über 1000
Teilnehmer in der Alpenmetropole.
Mehr als 60 Vorträge namhafter Referenten aus Forschung und Praxis
informieren ausführlich über aktuelle und künftige Entwicklungen im
Holzbau.
Die ganze Breite des Holzbaus
Auch in diesem Jahr dient das IHF
als Rahmen, um Persönlichkeiten
zu ehren, die sich große Verdienste
bei der Entwicklung des Bauens mit
Holz erworben haben. In einer Feierstunde erfahren Kommerzialrat Reinhold Mosser (Mosser Holzindustrie,
A-Randegg) und Prof. Dr. Peter Glos
(TU München) eine angemessene
Würdigung ihres Lebenswerks. ▪
Ausführliche Infos zum Programm
und zur Anmeldung gibt es im
Internet: www.forum-holzbau.com
→ Veranstaltungen
▸▸Das IHFProgramm bietet
auch 2009
eine große Palette
spannender
Vortragsthemen
Fortbildung
Vortragsprogramm des Kernforums
Holzumfeld: Strukturveränderungen – Krisen und ihre Chancen
Moderation: Prof. Uwe Germerott, BFH Biel, CH-Biel
▸▸ Die Welt nach der Krise: Was bleibt – was kommt?
(Kai Gramke, Prognos, CH-Basel)
▸▸ Green Building – Einflüsse aufs Planen und Bauen
(Dr. Michael Bauer, Dress & Sommer Building Technologies,
D-Stuttgart)
Holztragwerke: Freiformflächen – Konstruieren und Bauen
in organischen Formen
Moderation: Prof. Dr. Claus Wagner, Hochschule Rosenheim,
D-Rosenheim
▸▸ Bionische Architektur mit Holz – unsere Chance!
(Hermann Blumer, SJB.Kempter.Fitze, CH-Herisau)
▸▸ Toskana Therme (Mathias Hofmann, Hess-Wohnwerk,
D-Kleineheubach)
▸▸ Freiformen in Holz – Golfresort in Südkorea / Therme für
ein 5-Sterne-Hotel in Bad Ragaz (Richard Jussel, BlumerLehmann, CH-Gossau)
▸▸ Pompidou Metz – die Umsetzung (Jean de Gastines,
Shigeru Ban Architects Europe and Jean de Gastines, F-Paris)
Holztragwerke: Ausgewählte
internationale Objekte mit Ausstrahlung
Moderation: Prof. Dr. Frank Lam, UBC Vancouver, CANVancouver
Block B
Brücken und Erlebnissteige
Moderation: Prof. Michael
Flach, Universität Innsbruck,
A-Innsbruck
▸▸ Bestandsanalyse
von Holzbrücken mit
zerstörungsfreien und
zerstörungsarmen
Prüfverfahren (Dr. Andreas
Hasenstab, Remmers
Fachplanung, D-Löningen)
mikado
Donnerstag, 3. Dezember 2009
▸▸ Fußgängerbrücke Oloron St.
Marie (Jean-François Blassel, RFR-Paris, F-Paris)
▸▸ Blockverleimte Brücken für die Bundesgartenschau
(Prof. Dr. Johann Pravida, HS Rosenheim, D-Rosenheim)
▸▸ Eine Brücke für den Drachenkönig in Buthan
(Wolfram Kübler, Walt + Garmarini, CH-Zürich)
▸▸ Wipfelwanderweg Almfrische Rachau
(Wolfgang Wild, Almholz Vertriebs-GmbH, A-Fladnitz)
▸▸ Hochmoorerlebnispfad im Wilden Kaiser
(Dr. Christian Stöffler, FS1-ZT GmbH, A-Innsbruck)
Block C
Energieeffizientes Bauen
Moderation: Prof. Andreas Müller, BFH Biel, CH-Biel
▸▸ Ästhetik pur – Holzbau und Fassade der Herbert Art Gallery
(Marcus Fischer, Finnforest Merk, D-Aichach)
▸▸ Gebäudeformbeiwert als Indikator für den Heizenergiebedarf
(Prof. Kimmo Lylykangas, TU Helsinki, SF-Helsinki)
▸▸ Holz statt Stahl – vier Fußballstadien in Quebéc
(Eric Karsh, Equilibrium Consulting, CAN-Vancouver)
▸▸ Von der Energieschleuder zum Nullenergiehaus – zwei
aktuelle Beispiele (Beat Kämpfen, Kämpfen für Architektur,
CH-Zürich)
▸▸ Freizeit- und Schwimmzentrum „Les Thermes“ (Heinrich
Werner Ochs, Ochs GmbH, D-Kirchberg; Axel Christmann,
Hermann & Valentin et Associes, LUX-Remerschen)
▸▸ Messehalle 11 Frankfurt am Main
(Alfons Brunauer, Wiehag, A-Altheim)
Freitag, 4. Dezember 2009
Block A
Gastland Schweden
Moderation: Tobias Schauerte, Växjö University, S-Växjö
▸▸ Schwedischer Holzbau von 1994 bis 2008 (Niclas Svensson,
Sveriges Träbyggnadskansli, S-Stockholm)
▸▸ eco2building – Energieeffizienz und Ökonomie in Holz für
Industrie und Gewerbe (Prof. Dr. Claus Kahlert,
ebök Institut für Effizienzforschung, D-Tübingen)
▸▸ Energieflüsse und gesunde Innenraumluft im
Plusenergiehaus – gemessene Werte
(Werner Setz, Setz Architektur, CH-Rupperswil)
▸▸ Energieeffiziente Gebäudehülle in Holz – Neubau des
Headquarters der Salon AG (Prof. Dr.-Ing. M. Norbert Fisch,
IGS TU Braunschweig, D-Braunschweig)
Epilog
▸▸ Realisierte Holzbauobjekte der letzten Jahre aus
architektonischer Sicht (Prof. Magnus Silfverhielm,
AIX arkitekter AB, S-Stockholm)
Urbaner Holzbau – Forschung
begleitet Realisierung
Moderation: Prof. Wolfgang Winter, TU Wien, A-Wien
▸▸ Industrieller Holzbau
(Prof. Lars Stehn, Lulea Tekniska Universitet, S-Lulea)
▸▸ Brandschutztechnische Lösungen für den vielgeschossigen
Holzwohnbau (Martin Teibinger, Holzforschung Austria,
A-Wien)
▸▸ Herausforderungen im Holzbau
(Prof. Charlotte Bengtsson, SP Trätek, S-Boras)
▸▸ Limnologen-Potpourri – Praktische Erfahrungen mit
achtgeschossigen Holzhäusern
(Prof. Erik Serrano, Växjö Universitet, S-Växjö)
▸▸ Zukunftsstrategie – Holzstadt 2012
(Prof. Erland Ullstad, Växjö kommun, S-Växjö; Niclas
Svensson, Sveriges Träbyggnadskansli, S-Stockholm)
www.mikado-online.de
▸▸ Unterdrückung der Schall-Längsleitung im Massivholzbau
(Franz Dolezal, Holzforschung Austria, A-Wien)
▸▸ Wege der Planung beim urbanen Holz-Wohnbau (Johannes
Kaufmann, Johannes Kaufmann Architektur, A-Dornbirn)
▸▸ Schul- und Bürobauten in der Steiermark am Beispiel
Wildon, Mayer-Melnhof und Kindergarten Leoben
(Werner Nussmüller, Nussmüller Architekten, A-Graz)
49
Fortbildung
Tipps und Termine
Kassel
Darmstadt
Seminar Flexible Preisbildung
Fernlehrgänge zum Energieberater
Aufträge mit hart kalkulierten Preisen entscheiden über möglichen Gewinn oder Verlust eines Unternehmens. Der harte Wettbewerb fordert immer neue Tiefstpreise. Das Seminar zeigt,
wie Handwerker erfolgreich Preisober- und Preisuntergrenzen
ermitteln. Die Referenten erläutern mit Beispielen aus dem
Arbeitsalltag, wie sich die Ermittlung der Preise unmittelbar auf
das Ergebnis auswirkt. Praktische Übungen helfen, das erlernte
Wissen sofort im eigenen Betrieb anzuwenden.
Veranstaltungsort: Kassel ı Termin: 27. November 2009
Teilnahmegebühr: 299 Euro
Informationen: www.weka-akademie.de → Handwerk
Verschiedene Fernlehrgänge für Energieberater mit zertifiziertem Abschluss
bietet die TU Darmstadt an. Die Teilnehmer lernen mit einem multimedialen Trainingssystem ort- und zeitunabhängig. Jeder bestimmt Start,
Lernzeiten und Lerntempo selbst.
Fragen beantwortet ein Tutorenteam.
Einzige Präsenzveranstaltung ist die
Abschlussprüfung.
Veranstaltungsort: zu Hause / im Büro
Termin: jederzeit möglich
Prüfungsort: Darmstadt ı Teilnahmegebühr: 1790 Euro
Infos: www.energieberater-ausbildung.de
Kassel
Gesellenschulung Dämmtechnik
Um die Ausführungskompetenz zu erhöhen und Fehler bei der
Anwendung zu vermeiden, veranstaltet die „Fördergemeinschaft
Holzbau und Ausbau“ eine Gesellenschulung zur „Fachkraft
Dämmtechnik Holzbau, Ausbau & Modernisierung“. Die eine
Hälfte der insgesamt 26 Stunden sind Praxisübungen für die
fachgerechte Ausführung von Anschlüssen, Durchdringungen
und Fugen. Die andere Hälfte befasst sich mit Fachtheorie.
Veranstaltungsort: Kassel ı Termin: 19. bis 21. November 2009
Teilnahmegebühr: 195 Euro (Innungsbetriebe) / 255 Euro
Infos: www.fg-holzbau.de
Frankfurt/M. ı Hamburg ı Berlin ı Stuttgart ı München
Baufachtagung Perfekte Gebäudehülle
Das effiziente und reibungslose Zusammenarbeiten der unterschiedlichen Gewerke steht auch bei der 14. Baufachtagung im Mittelpunkt. Die Referenten
aus verschiedenen Unternehmen zeigen
innovative Dienstleistungen, Werkzeuge und Softwareprodukte. Die Vorträge
drehen sich um die EnEV 2009, den Gebäudeumbau in Passivhausstandard, den
Einsatz erneuerbarer Energien, die Umnutzung von Wohnungen sowie Schallund Brandschutz.
Veranstaltungsort: Hamburg ı Termin: 16. November 2009
Veranstaltungsort: Berlin ı Termin: 18. November 2009
Veranstaltungsort: Stuttgart ı Termin: 1. Dezember 2009
Veranstaltungsort: München ı Termin: 3. Dezember 2009
Teilnahmegebühr: 95 Euro ı Infos: www.baufachtagung.de
50
mikado 11.2009
Hamburg
Tag der Holzwirtschaft
Um „Holztechnolgie zwischen
Grundlagenforschung, Industrienähe und Politikberatung“ dreht
sich das wissenschaftliche Symposium mit hochkarätigen Referenten.
Veranstaltungsort: Hamburg
Termin: 13. November 2009
Teilnahmegebühr: Vorträge kostenfrei, Abendprogramm 45 Euro
Infos: www.holzwirtschaft.org/
tagderholzwirtschaft
Heilbronn ı St. Johann ı Wismar ı Brilon
Seminar DIN 1052 effizient anwenden
Zweitägige Seminare bietet der österreichische Holzwerkstoffhersteller Egger an. Der erste Tag befasst sich mit der neuen
DIN 1052:2008-12, der zweite mit der Entwicklung erfolgreicher
Verkaufsstrategien vom Erstgespräch bis zur Kundenbindung.
Veranstaltungsort: Heilbronn
Termin: 27. und 28. November 2009
Veranstaltungsort: St. Johann/Tirol
Termin: 15. und 16. Januar 2010
Veranstaltungsort: Wismar
Termin: 19. und 20. Februar 2010
Veranstaltungsort: Brilon
Termin: 26. und 27. Februar 2010
Teilnahmegebühr: 149 Euro ı Infos: www.egger.com/holzbau
Holzbau & Forschung
Feldstudie
Dauerhaftigkeit von Blockhäusern
Kaum eine andere Holzbauweise diskutieren Fachkreise so kontrovers wie
den Blockbau. Eine Felduntersuchung an 20 Objekten
ergab wertvolle Fakten zu den Themen Dauerhaftigkeit und Risikopotenziale.
B
lockbalken sind im Gegensatz
zu Bauteilen mit wasserabweisenden Bekleidungen in vielen Fällen direkt der Witterung ausgesetzt.
Erschwerend kommt hinzu, dass die
Konstruktionen oft 1000 bis 1500 lfm
Außenfugen und zahlreiche Hirnholzflächen aufweisen – etwa bei
den Eckverkämmungen.
Bisherige Regelungen des baulichen Holzschutzes in DIN 68800-2
(Holzschutz: Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau) sahen in solchen Fällen (Gebrauchsbzw. Nutzungsklasse 3) prinzipiell
www.mikado-online.de
die Anwendung eines vorbeugenden
chemischen Holzschutzes nach DIN
68800-3 (Holzschutz: vorbeugender
Schutz von Holz mit Holzschutzmitteln) vor. Dabei werden Blockhäuser – nicht zuletzt aus gesundheitlichen Erwägungen – seit jeher ohne
chemischen Holzschutz errichtet. Einer Vielzahl dauerhafter Blockbauten
stehen einzelne Gebäude mit vorzeitigem Versagen gegenüber.
Im Auftrag der Gütegemeinschaft Blockhausbau e.V. führte Josef Egle mit Unterstützung von Baudirektor i.R. Borimir Radovic eine
Felduntersuchung zu Dauerhaftigkeit
und Risikopotenzialen von Blockbauten durch.
Zwanzig Blockhäuser
unter der Lupe
Für die Untersuchungen wählten die
Holzbauspezialisten 20 Wohngebäude im Alter zwischen 10 und 150
Jahren in Regionen unterschiedlicher Höhe und Schlagregenbeanspruchung in Deutschland und in
der Schweiz aus. 14 Objekte waren
in Fichte, vier in Kiefer und je eines
51
Holzbau & Forschung
◂◂Bild 1: Nach
teilweiser
Entfernung von
Riesel tritt
ein weitgehend
zerstörter
Schwellenbalken
hervor
(Bj. 1989)
◂◂Bild 2:
Strukturelle
Schädigungen
Unterzug/
Balkonträger
und Aufdopplung
(Bj. 1983)
◂◂Bild 3:
Geringfügiger
Befall
durch holzabbauende
Pilze an Hirnholzflächen und
Schwindrissen im
Schwellenbereich
(Bj. 1967)
◂◂Bild 4:
Oberflächiger
Pilzbefall.
Die Schwelle liegt
direkt auf Steinplatten (Bj. 1965)
▸▸Bild 5: Erhöhte
Auswaschbeanspruchung,
keine
Schädigung der
Schwellenbalken
(LA, Bj. 1930)
52
mikado 11.2009
in Lärche und Douglasie gebaut. Ein
Gebäude war in Rundstammbauweise, die anderen in Vierkantkonstruktion, davon 16-mal einschalig,
zweimal zweischalig und einmal in
Senkrechtbauweise.
Knackpunkte überprüfen
Vorrangig erstreckten sich die Untersuchungen und Messungen auf die
bewitterten Gebäudeseiten, insbesondere Schwellen, Eckverkämmungen,
Fenster, Türen, Balkenlängsstöße und
weitere Anschlüsse.
Neben einer detaillierten Erfassung des baulichen Zustands und
Holzfeuchtemessungen prüften die
Experten die Blockbalken auf einen
Befall durch holzabbauende Pilze
oder Insekten.
Bei allen Gebäuden waren die
Schwellenhölzer in der gleichen
Holzart wie die weiteren Wandbalken ausgeführt. Ausgehend von
Baukonstruktion, Altersklasse und
Schwindfugen wurden anscheinend
fünf Objekte lufttrocken verarbeitet, die übrigen waren technisch getrocknet.
Alle zwanzig Gebäude waren mit
„üblichen“ Dachüberständen ausgeführt (Traufe ca. 80 – 150 cm, Giebel
ca. 100 – 200 cm).
Bei der Hälfte der Gebäude war an
mindestens einer Außenwand Brennholz unter Dach gelagert. Ein weiteres Gebäude befindet sich etwa
200 m vom Rundholzplatz eines Sägewerkes entfernt, ein anderes ca.
500 m von einem landwirtschaftlichen Anwesen mit dokumentiertem
Hausbockbefall.
Die wichtigsten
Untersuchungsergebnisse
1.Befall durch holzabbauende Pilze
Fünf der zwanzig Objekte waren
durch holzabbauende Pilze in ganz
unterschiedlicher Intensität befallen: Zwei Schwellenbalken bei einem Garagenanbau zur Westseite hatten holzabbauende Pilze
(Blättlinge) weitgehend zerstört.
Die Balken mit einer Dicke von
90 mm hatten über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren direkten Erdkontakt. Zusätzlich zu
holzabbauenden Pilzen zeigten
sich hier auch Fraßgänge von tierischen Holzschädlingen (Bild 1).
Fortgeschrittene Schädigungen
durch holzabbauende Pilze zeigten
sich weiterhin an einem als Balkonträger verlängerten Deckenunterzug einschließlich einer darüber befindlichen Aufdopplung
(Bild 2). Der Unterzug besaß wegen
statischer Überlastung ein leichtes
Gefälle zur Innenseite. Die baulichen Anschlüsse zwischen Unterzug, Aufdopplung und den Balkonbohlen waren durch Laubreste
stark verschmutzt. Die Balkonbodenbretter waren an der schadhaften Stelle mit einem stumpfen
Längsstoß ausgeführt.
Bei zwei Objekten mit markanten Schwindrissen im Vorkopfbereich stellten die Prüfer im Schwellenbereich geringfügige Störungen
durch holzabbauende Pilze fest
(Bilder 3 und 4).
Eine punktuelle oberflächige
Schädigung durch holzabbauende Pilze zeigte sich hinter einem
Blumenkasten an einem Wochenendhaus. Vermutlich infolge
Schlagregen und Ausspülung lagerte Blumenerde direkt an einem
Blockbalken an. Der Holzfeuchtegehalt betrug an dieser Stelle
mehr als 30 %. Etwa 20 cm entfernt am gleichen Balken waren
es etwa 14 %.
2.Befall tierische Holzschädlinge
Ein zwischenzeitlich abgestorbener Insektenbefall durch Anobien
und Hausbock war bei einem historischen Blockbau (ca. 150 Jahre) gegeben.
Holzbau & Forschung
Mit Ausnahme der dargestellten
Schwellenbalken mit etwa zehnjährigem Erdkontakt konnte an
keinem weiteren Objekt mit offenkundiger technischer Trocknung
ein Befall durch tierische Holzschädlinge festgestellt werden. Erhöhte Risikopotenziale wie angelagertes Brennholz, unmittelbare
Nähe zu einem Rundholzplatz bzw.
zu einem dokumentierten Hausbockbefall blieben ohne Auswirkungen.
3.Spritzwasserschutz
Die Bodenfreiheit der tragenden
Holzkonstruktion im Schwellenbereich lag überwiegend zwischen 0
und 15 cm. Die Holzoberflächen in
Bodennähe zeigten bei allen Gebäuden an den Wetterseiten erhöhte Auswaschbeanspruchungen,
jedoch keine Schädigungen. Gleiches gilt für diverse senkrechte
Holzstützen (Bild 6).
4.Längsstöße Blockbalken
Etwa zwei Drittel der untersuchten
Gebäude hatten auch an der Wetterseite Längsstöße in den Blockaußenwänden mit Fugen von ca.
0 – 3 mm. Die Stöße waren stumpf
mit innen liegenden vertikalen Absperrungen (z.B. Fremdfedern oder
Zapfenverbindungen). Ein Schädlingsbefall lag hier bei keinem der
untersuchten Objekte vor.
5.Sperrbahnen im Schwellenbereich
Bei etwa der Hälfte der Objekte
war zwischen Unterbau und Holzkonstruktion keine Sperrbahn zu
erkennen. Der Holzfeuchtegehalt
im Schwellenbereich aller Objekte wurde auf den witterungsbeanspruchten Gebäudeseiten mit
14 bis 20 % ermittelt. Strukturelle
Schädigungen waren (mit Ausnahme der erwähnten Schwellenbalken mit jahrelangem Erdkontakt)
nicht feststellbar.
6.Holzverfärbende Pilze
An allen 20 Objekten konnten
holzverfärbende Pilze (diverse
Schimmelpilzgattungen) in unterschiedlicher Intensität, dabei
ohne Auswirkungen auf die Festigkeit des Holzes, ausgemacht
werden (Bilder 7 – 9). Intakte, ausreichend diffusionsoffene Anstriche sind offensichtlich in der Lage,
www.mikado-online.de
◂◂Bild 6:
Auswaschbeanspruchung
Holzstütze
mit Bodenabstand
8 cm, keine
Schädigung
(Bj. 1992)
▸▸Bild 7:
Holzverfärbende
Pilze an der
Wetterseite,
Über-Eck-Lagerung
von Brenn­holz
(Bj. 1987)
die Ansiedlung solcher Pilzgattungen zu reduzieren, gänzlich vermeiden können sie sie nicht. Überwiegend waren die untersuchten
Objekte mit einem intakten Lasuranstrich versehen, vier Gebäude
waren unbehandelt.
der Sorptionsfähigkeit von Massivholz zu keinen Schädigungen. Erdkontakt, aber auch Feuchtenester in
Verbindung mit Schmutzablagerungen stellen ein beachtliches Risikopotenzial dar. Ein Insektenbefall bei
technisch getrockneten Blockwänden
ist nicht zu erwarten.
Die wesentlichen Ergebnisse dieser Felduntersuchung fanden u. a. Berücksichtigung in der Überarbeitung
der RAL-Güterichtlinien Blockhausbau RAL GZ 402 und in Stellungnahmen zur aktuellen Neufassung
der DIN 68800-2 (Vorbeugende bauliche Maßnahmen).
Anforderungen an
dauerhafte Blockbauten
Fachgerecht errichtete Blockhäuser sind von großer Dauerhaftigkeit.
Sie weisen auch bei direkter Bewitterung eine hohe Resistenz gegen
pflanzliche und tierische Holzschädlinge auf.
Rascher, ungehinderter Wasserablauf in Verbindung mit rissarmen
Holzsortimenten sind allgemeine
Anforderungen des Blockbaues und
konnten bei der vorliegenden Untersuchungen bestätigt werden.
Feuchteanreicherungen bei horizontalen Nut-Feder-Verbindungen,
Eckverkämmungen, Hirnholzflächen
und Längsstößen führen aufgrund
Josef Egle, Übersee ▪
Josef Egle arbeitet als IHKSachverständiger für Holzhausbau.
Das Unternehmen EGLE
ENGINEERING ist eine amtlich
anerkannte Überwachungs- und
Zertifizierungsstelle für beidseitig
bekleidete Holztafelelemente und
Fremdüberwachungsstelle für die
Gütegemeinschaft Blockhausbau
e.V. www.egle-engineering.de
◂◂Bild 8:
Feuchtespuren und
holzverfärbende
Pilze am Übergang
StreichsparrenGiebelwand infolge
Tauwasser
(Bj. 1992)
▸▸Bild 9:
Schimmelpilz
in der Umgebung
eines
Balkonhandlaufs
(Bj. 1992)
53
Zimmermeisterdach Anwendungstechnik
▴▴Flach geneigtes
Dach,
eingedeckt mit
„Premion“
„Nuance“ von
Creaton
in Schieferton
engobiert
Anwendungstechnik
Flach geneigt hat’s in sich
Je flacher das Dach, desto höher die Anforderungen an das Deckungsmaterial.
Dachneigungen bis zu 10° sind für moderne Tondachziegel problemlos, vorausgesetzt,
Design, Ausstattung und Oberfläche unterstützen Regen- und Windeintragssicherheit.
G
rundsätzlich gilt: Jedes Bedachungsmaterial hat eine bestimmte Regeldachneigung. Der Begriff aus dem Regelwerk ist definiert
als „… die unterste Dachneigungsgrenze, bei der sich in der Praxis
eine Dachdeckung als regensicher erwiesen hat.“ Die ist meist den Angaben und Richtlinien der jeweiligen
Hersteller zu entnehmen. Bei einem
Biber ist die Regeldachneigung von
30° notwendig, da er über keinerlei
Verfalzung verfügt und nur über die
Doppelüberdeckung und den Halbverband seine Regeneintragsicherheit erlangt. Auch für klassische
Doppelmuldenfalz- und Reformziegel gilt eine Regeldachneigung von
54
30°, für Flachdachziegel liegt sie bei
22°. Doch damit kommt man in der
Praxis heute nicht mehr weit. In den
1990er-Jahren hat sich bei den klassischen Flachdachziegel ein großer
Entwicklungssprung vollzogen. Damit erweitern heute die innovativen
Verfalzungstechniken den Spielraum
des Dachdeckers und des Architekten erheblich.
Zusätzliche Maßnahmen
Laut Regelwerk des Deutschen Dachdeckerhandwerks sind Zusatzmaßnahmen erforderlich, wenn
▸▸ die Dachneigung die Regeldachneigung unterschreitet
mikado 11.2009
▸▸ das Dach konstruktive Besonderheiten (wie z.B. Fledermausgauben oder Tonnendächer) aufweist
▸▸ das Dachgeschoss als Wohnraum
genutzt wird
▸▸ klimatische Verhältnisse dies
notwendig machen (wie z.B. die
exponierte Wetterlage des
Gebäudes an der Küste oder in
Schneeregionen)
▸▸ der Bebauungsplan nur sehr
flache Dachneigungen zulässt
Wenn einer oder mehrere dieser Punkte zum Tragen kommen, ist
eine Unterspannung, eine überlappte oder verfalzte Unterdeckung, eine
verschweißte oder verklebte Unterdeckung, ein regensicheres oder im
Zimmermeisterdach Anwendungstechnik
Regeln und Herstellerangaben
Die Dacheindeckung muss aber nicht
immer strikt nach dem Regelwerk –
also den „anerkannten Regeln der
Technik“ – erfolgen, sondern kann
auch nach den Herstellerangaben –
also dem Stand der Technik – ausgeführt werden. Entscheidend hierfür
ist die gemeinsame Abstimmung mit
dem Bauherrn.
Ein Rechenbeispiel soll den Kostenvorteil einer Ausführung nach dem
Stand der Technik verdeutlichen: Für
einen großen Supermarkt mit einer
Gesamtdachfläche von 1000 m² ist
die Verwendung eines Flachdachziegels ausgeschrieben, da die Dachneigung nur 14° beträgt. Das Gebäude
ist in einer exponierten Lage erbaut
und verfügt zudem über sehr lange Sparren. Gemäß dem Regelwerk
würde hier die Regeldachneigung des
Flachdachziegels um 8° unterschritten werden und es gäbe zudem drei
weitere erhöhte Anforderungen. Es
müsste also ein wasserdichtes Unterdach ausgeführt werden.
Als geschätztes bundesdeutsches
Mittel dürfte der Quadratmeterpreis
bei einem wasserdichten Unterdach
um die 12 Euro liegen. Bei 1000 m²
ergäbe das in der Summe Gesamtkosten von 12 000 Euro.
Würde der Verarbeiter hier nun beispielsweise nach den Creaton-Herstellerangaben einen Flachdachziegel
▸▸Zusatzmaßnahme:
Unterdeckung
mit der CreatonPolypropylenBahn „Trio“
Fotos: CREATON / HS
Extremfall auch ein wasserdichtes
Unterdach auszuführen. Die Regeneintragsicherheit muss dann im Ergebnis der gesamte Dachaufbau und
nicht mehr die Dacheindeckung allein gewährleisten.
◂▴ Bei Creaton
liefen langjährige
Studien
zur Prüfung der
Regeneintragsicherheit
unter
Dauerbelastung
verarbeiten, würde für dieses Bauvorhaben eine Unterspannung völlig
ausreichen. Der Preis dafür liegt bei
ca. 4 Euro / je m² und für die Gesamtfläche 4000 Euro. Für den Bauherrn
also eine Ersparnis von 8000 Euro.
Malte Petersen, Leiter Anwendungstechnik
bei der Creaton AG in Wertingen ▪
Zusatzmaßnahmen bei Unterschreiten der Regeldachneigung
Erhöhte Anforderung
Nutzung – Konstruktion – klimatische Verhältnisse
keine weitere erhöhte
Anforderung
eine weitere erhöhte
Anforderung
zwei weitere erhöhte
Anforderungen
drei weitere erhöhte
Anforderungen
≥ Regeldachneigung
(RDN)
–
Unterspannung
Unterspannung
überlappte oder verfalzte
Unterdeckung
≥ (RDN – 6°)
Unterspannung
Unterspannung
überlappte oder verfalzte
Unterdeckung
verschweißte oder
verklebte Unterdeckung
≥ (RDN – 10°)
regensicheres
Unterdach
regensicheres
Unterdach
regensicheres
Unterdach
wasserdichtes
Unterdach
< (RDN – 10°)
regensicheres
Unterdach
wasserdichtes
Unterdach
wasserdichtes
Unterdach
wasserdichtes
Unterdach
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57
Landesbeirat Holz
Holzbautag Oberland
Holzbau punktet auch in den Kommunen
Zum dritten Mal informierte der Regionale Holzbautag Oberland über Anwendungsbeispiele für Holzbau und Holzenergie in Kommunen. Gut 120 Teilnehmer trafen sich am
18. September 2009 in Irschenberg.
◂◂Ully Schweizer:
„Nur was
die Bauherren
vorgeben,
können geeignete
Architekten
auch umsetzen“
P
Darauf kommt es an
Landrat Gebhard Kaiser (Oberallgäu)
stellte Leitprojekte zu Holzbau, Biomasse und Abfallwirtschaft aus dem
Oberallgäu vor und plauderte dabei aus einer mehr als 30-jährigen
Praxis kommunaler Entscheidungsprozesse.
Architekt Erwin Keck (Ochsenhausen) fokussierte in seinen Ausführungen auf den Passivhausstandard und
referierte am Beispiel eines Zweckbaus auch über die wirtschaftlichen
Vorteile der Holzbauweise.
58
Entgegen der Programmankündigung begrüßte der stellvertretende
Landrat die Anwesenden. Sowohl der
Bundestagsabgeordnete einer großen
Volkspartei sowie der Wirtschaftsförderer des Landkreises Miesbach verließen die Veranstaltung vorzeitig.
Das hatte sicherlich seine Gründe,
lässt aber unter Umständen falsche
Schlüsse zu. Die Referate lieferten
jede Menge Know-how für Entwicklungen vor Ort. Der Bedarf an Lösungen, die bei den Referaten vorgestellt
wurden, ist groß. Wer ist nun gefordert, den nächsten Schritt zu tun?
Die Akteure der Forst- und Holzwirtschaft sind gut beraten, genauso souverän wie ihr gemeinsamer Rohstoff
aufzutreten und das Konzept nicht
aus der Hand zu geben.
Die 120 Teilnehmer setzten sich
aus Kreis- und Gemeindevertretern
sowie Fachplanern zusammen. Die
weiteren Teilnehmer rekrutierten sich
aus Kreisen der Waldbesitzervereinigungen (WBV) Holzkirchen und
Wolfratshausen sowie der Schreinerund Zimmerer-Innungen Miesbach/
Bad Tölz-Wolfratshausen.
Das sollten wir ausbauen
Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Miesbach
organisierte die Veranstaltung mit
Unterstützung durch die WBV Holzkirchen und den Holzbaufachberater
Anselm von Huene. Durch die wechselnden Tagungsorte Bad Tölz und
Miesbach halbiert sich der ehrenamtliche Aufwand. Jedoch wird erst
durch die Mitarbeit von AELF und
Holzbaufachberatung die Kugel rund.
Das verleitet natürlich dazu, sich im
Vorfeld einer Veranstaltung zurückzulehnen, weil es eben „Hauptamtliche“ gibt. Das funktioniert aber nur
kurzfristig. Alexander Kirst, München ▪
▸▸Gebhard Kaiser:
„Gestaltungswille, Vernetzung
mit anderen
Fachgebieten und
die Qualität
der Architekten
sind die
Erfolgsfaktoren
für mehr
Holzverwendung“
▸▸ Erwin Keck:
„Passivhaus-Standard
rechnet
sich auch im
Zweckbau“
mikado 11.2009
Robert Nörr
raxisbewährte Referenten sind
in der Lage, die Zuhörer mitzureißen. In seiner Einführung spannte
Forstdirektor Ully Schweizer (Amt für
Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Miesbach den Bogen von
der Notwendigkeit der naturgemäßen
Waldbewirtschaftung zur nutzungsgerechten Holzverwendung.
Darüber sollten wir nachdenken
Unternehmen
Holzbau Taglieber
Bürogebäude spart Energie
Holzbau Taglieber lud am 3. und 4. Oktober
2009 zur Einweihung seines neuen Bürogebäudes an den Firmensitz in Öttingen ein. Rund
350 Gäste ließen sich da nicht zweimal bitten. Der frisch gewählte Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange überzeugte sich ebenso wie
der CSU-Fraktionsführer im Bayerischen Landtag, Georg Schmid, von der ganzheitlichen Gebäudekonzeption. Mit dem Verwaltungsbau
beweist Geschäftsführer Erwin Taglieber anschaulich, wie ästhetisch Zimmerer heute klimafreundliche Gebäude gestalten, präsentieren und natürlich auch
verkaufen können. Mit der Expansion hat das Unternehmen 29 neue
Arbeitsplätze geschaffen.
▴▴Der neue Verwaltungsbau bindet rund 197 t CO2
Holzbau Taglieber GmbH ı D-86732 Oettingen ı www.taglieber.de
▴▴ Gastgeber
Erwin Taglieber
(links) im
Gespräch mit
Alexander Gumpp
Glunz
Geschenke helfen Wettbewerbern
Glunz sponserte das Team der Technischen Universität
Darmstadt bei seiner Teilnahme am internationalen Hochschulwettbewerb „Solar Decathlon“ (Solarer Zehnkampf)
2009. Das Team Germany erhielt für seine Einreichung dekorative und konstruktive Holzwerkstoffe aus Meppen. Das
über 40-köpfige Team hat in seinem Beitrag „surPLUShome“
160 m² Topan MDF Colour, 500 m² Agepan OSB und 200 m²
Agepan Cell verbaut. Ziel des diesjährigen Wettbewerbs war
es, ein energieautarkes Gebäude für das Wohnen im Jahre
2015 zu entwerfen. Weltweit entwickelten 20 Universitäten
Modelle für zukunftsfähige, nachhaltige Wohnformen und
präsentierten sie im Oktober in Washington.
Glunz AG ı D-49716 Meppen ı www.sonae.glunz.de
www.mikado-online.de
▴▴Glunz unterstützt das deutsche Team beim Solar Decathlon 2009
59
Unternehmen
Knauf
Händchenhalten für Häuslebauer
◂◂ Ganzheitliche Beratung
für die Wohnungswirtschaft
(v.l.n.r.): Thomas Thode,
Klaus-Peter-Rumsch, Klaus
Salhoff, Ralf Lehmann,
Andreas Schlicht, Wilfried
Schmitt, Willi Schürrle,
Stefan Vogt
◂◂Der Bereich Holzbau
im Marktmanagement liegt jetzt
in den Händen
von Kerstin Schöneberger
Knauf hat eine neue Vertriebsorganisation geschaffen,
die Wohnbaugesellschaften, Generalunternehmer und
Projektentwickler künftig durch persönliche Ansprechpartner beraten wird. Das Team begleitet seine Kunden über den gesamten Lebenszyklus der Immobilie. in
der Planungsphase steht das Team mit dem kompletten
Know-how zur Seite. Während der Ausführung ist die
Mannschaft Ansprechpartner und leistet Hilfe bei Ausschreibungen und der Auswahl von Fachunternehmen.
Produkthaftung und Konstruktionen mit Prüfzeugnissen
bieten Sicherheit in der Gewährleistungsphase.
Auch sonst dreht sich das Personalkarussell in Simbach:
Kerstin Schöneberger betreut ab sofort den Bereich Holzbau im Marktmanagement. Die Expertin im Fachgebiet
Modernisierung und Energieeffizienz hat in Würzburg
Architektur studiert und ist bereits seit mehreren Jahren
im Unternehmen tätig.
Knauf Gips KG ı D-97346 Iphofen ı www.knauf.de
Rheinzink GmbH & Co. KG
Zwei Stars in Datteln
Rund 350 Gäste und zwei Stars trafen sich am 29. September 2009 im rheinischen Datteln: Architekt Daniel Libeskind
und der Prototyp seiner Villa in Holzbauweise (siehe mikado
9/09). Der Planer selbst
eröffnete die in nachhaltiger Holzbauweise
errichtete Villa. Sie ist
weltweit auf maximal
30 Exemplare limitiert.
Das Projekt überzeugt
mit Ästhetik, innovativer Energietechnik und
hochwertigen Baumaterialien. Die OSB-Platten von Egger und die
Metallspezialisten von
Rheinzink sorgten für
▴▴Ulrich Grillo, Daniel Libeskind und
Matthias Eisfeld bei der Eröffnung in Datteln
eine gelungene Fassadengestaltung. Rund
2 Mio. Euro ließen sich die Zinkblechexperten die rund
320 m² Wohnfläche kosten, um sie am Dattelner Stammsitz
als Empfangs- und Besprechungsräume zu nutzen.
Rheinzink GmbH & Co. KG ı D-45711 Datteln ı www.rheinzink.de
Egger Holzwerkstoffe ı D-59929 Brilon ı www.egger.de
60
mikado 11.2009
Erlus
Stiftung für Zivilcourage
Freunde und Weggefährten von Dominik Brunner sowie die Erlus AG haben die „Dominik Brunner Stiftung für Zivilcourage“ gegründet. Mit dem Andenken
an den Verstorbenen sei die Verpflichtung verbunden,
dessen Zivilcourage zu würdigen und nicht zu vergessen. „Wir wollen – ganz im Sinne von Dominik
Brunner – den Worten auch Taten folgen lassen und
haben deswegen die Dominik Brunner Stiftung für
Zivilcourage ins Leben gerufen“, erklärt Aufsichtsratsvorsitzender Claus Girnghuber. Die Stiftung soll
in Zukunft Menschen und deren Angehörigen helfen,
die wegen ihres selbstlosen Handelns gesundheitlich
oder finanziell in Not geraten sind. Ein Spendenkonto für die Stiftung wurde bei der Sparkasse Landshut
eingerichtet, die Treuhandschaft hierfür unterliegt der
Erlus AG. Die Schirmherrschaft soll zukünftig eine
angesehene Persönlichkeit des gesellschaftlichen Lebens übernehmen.
ERLUS Aktiengesellschaft
D-84088 Neufahrn ı www.erlus.com
Unternehmen
HECO-TOPIX®-CC
Opitz
Das perfekte Holzverbindungsmittel
mit Zug für den Ingenieur-Holzbau
Lob vom Landeschef
Rund 400 Gäste kamen,
um beim ersten Zukunftstag von Opitz Vorträge zu den Themen Energie und Umwelt zu hören.
Firmenchef Martin Opitz
war besonders erfreut,
dass der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Matthias Platzeck,
ein Grußwort an die Teilnehmer sprach. Der betonte die zukünftige Bedeutung langfristig sicherer,
klimaverträglicher und bezahlbarer Energieversorgung und hob den Gastgeber dabei als positives Beispiel hervor. Im Anschluss an seine Rede
zeichnete der Ministerpräsident zehn Unternehmen
aus, die sich durch besonders CO2-sparendes Einkaufs- und Bauverhalten hervortaten. Die Aktion
ist eine Initiative des Neuruppiner Unternehmens
für vorbildliches Handeln.
Zieht aufgrund unterschiedlicher Gewindesteigungen beim Verschrauben
die zu verbindenden Teile zusammen
Dank HECO-TOPIX®-Spitze und -Zylinderkopf sind auch kleine Schraubabstände ohne Aufspalten zu realisieren
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Bemessungsnachweise über
HECO®-Bemessungssoftware HCS
Allgemein bauaufsichtlich
zugelassen, Z-9.1-665
▴▴Ministerpräsident Matthias
Platzeck (l.) und
Martin Opitz sind
sich einig:
Der klimaverträglichen und
bezahlbaren
Energieversorgung gehört
die Zukunft
Opitz Holzbau/Opitz Solar
D-16816 Neuruppin
www.opitz-holzbau.de
Dietrich’s AG
Anstoßen auf zehn Jahre AG
Der Holzbau-Software-Hersteller Dietrich’s feiert 2009
sein zehnjähriges AG-Bestehen. Aus diesem Anlass haben sich Ende September die
Mitarbeiter der Dietrich’s AG
und ihre Familien zusammengefunden, um bei Livemusik und mediterranem Buffet
anzustoßen. Dipl.-Ing. Uwe
Emmer, Vorstandsvorsitzender der Dietrich’s AG, erklär▴▴Vorstandsvorsitzender
te: „Ohne den Einsatz unserer
Uwe Emmer
Mitarbeiter wäre die Dietrich’s
AG nicht so erfolgreich.“ Aus
der ersten Idee von Zimmermeister Josef Dietrich 1982 hat
sich ein erfolgreiches Softwareunternehmen entwickelt. Das
Ziel der Umfirmierung in die Aktiengesellschaft war es, die
Mitarbeiter am eigenen Unternehmen zu beteiligen.
Dietrich’s AG D-85579 ı Neubiberg ı www.dietrichs.com
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Inserenten
A
Abbundzentrum, Dahlen
Auwärter, Waldershof
47
61
L
Layher, Ulm
Lignatur, Ch-Waldstatt
52
34
B
Bachl, Röhrbach
Boll, Steinen
Bruckamp, Lübecke
U2
47
47
M
MH-Massivholz, Altenstadt
Monier, Oberursel
Moser, Salach
42
U4
47
D
Dieckmann, Melle
Dölker, Horb
42
47
N
Nelskamp, Schermbeck
29
O
Opitz, Köln
Ossenberg, Altena
43
42
P
Piske, Vilshofen
Pongratz, Bogen
Poppensieker+Derix
42
47
45
S
Suttner, Haselbach
47
W
Weihele, Görisried
WEKA, Kissing
Wiese, Meschede
47
46, U3,
Gesamtbeilage
47
E
easy-step,
Schwabmünchen
44
F
Frick, Türkheim
65
H
Heco, Schramberg
Hofatex, Slowakei
61
11
I
Inthermo, Ober-Ramstadt
Isocell, A-Neumarkt
45
13
61
Holzwelten Ferienhotel
62
mikado 11.2009
▸▸Das Logo des Hotels
spiegelt den Namen „Zedern Klang“
wider. Bei Nacht
strahlt es über dem Eingang
weithin sichtbar
Sie ist die Königin der Taiga, bisweilen uralt und gut für alles
und für jeden: die sibirische Zeder. In Hopfgarten im
Osttiroler Defereggental verlieh sie einem Hotel ihren Namen.
▸▸Von den insgesamt
48 Hotelzimmern sind nun 27 aus
Holz. Bei den Gästen
sind die am beliebtesten, obwohl
etwas teurer
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63
Holzwelten Ferienhotel
N
ach 500 Jahren, so geht die Sage
in Sibirien, entwickelt sie eine
Stimme. Dann bringt sie ihre über
Jahrhunderte angesammelte Kraft mit
unverwechselbarem Klang zum Ausdruck. Die Rede ist von der Königin
der Taiga: der Zeder. Die Geschichte dieses Baums ist in ganz Russland
bekannt. Sie steht im Mittelpunkt unzähliger Sagen. Ihre Früchte gelten
als Heilmittel gegen Bluthochdruck,
Herzinfarkt, Magengeschwüre, Hautallergien, Leberzirrhose und vieles
mehr. Ihre Widerstandsfähigkeit ist
gigantisch, ihre Lebenserwartung fast
biblisch. Sie übersteht Minustemperaturen von bis zu 60 Grad Celsius
und ein Alter bis zu 800 Jahren.
nicht gefährden wollte. Maurerarbeiten im Außenbereich sind in den
strengen Wintern Osttirols ohnehin
nur unter erschwerten Bedingungen
oder gar nicht möglich. Das Grundstück, auf dem das Gebäude steht,
liegt zudem von November bis Februar weitgehend im Schatten. Damit war die Wahrscheinlichkeit einer
Zwangspause sehr groß.
„Daher ging Frau Maksimova auf
den Vorschlag der Planer ein, einen
Teil der anstelle einer alten Pension
geplanten Immobilie in Holz zu errichten“, erklärt Gregor Fehlmann,
Technischer Leiter von Holzbau Hofer, dem Zimmereibetrieb, der den
Bau dann ausführen durfte. Sein
Spektrum reicht von Einfamilienhäusern bis hin zu Hallen. Hotelbauten
gehören seit geraumer Zeit ebenfalls
dazu – und nehmen inzwischen einen
immer größeren Raum ein.
Holz zunächst vor allem der
Bauzeit zuliebe
Schon als Tatiana Maksimova die
Entscheidung traf, ein neues Hotel
in der Osttiroler Gemeinde Hopfgarten zu errichten, stand der Name fest:
„Zedern Klang“ sollte das Haus heißen, in Erinnerung an die singenden Bäume in ihrer Heimat. Aus Holz
sollte das Gebäude trotzdem nicht bestehen. Die Hotelbesitzerin befürchtete Schallschutzprobleme und wollte
den Erfolg ihres Bauvorhabens nicht
gefährden.
Dass sie es trotzdem wagte, verdankt das Projekt der Architektengemeinschaft Lienz, die die extrem
enge Terminvorgabe für die Bauzeit
64
Gewinnspiel
mikado-Leser können ein Wochenende im Hotel Zedern Klang
gewinnen. In den Lostopf kommen alle, die beim mikado web
award 2009 mitmachen und die
beste Website der Holzbaubranche wählen. Ausführliche Informationen dazu gibt es in diesem
Heft auf den Seiten 6 bis 7.
mikado 11.2009
48 Zimmer, davon fünf Suiten,
zwei Restaurants, eine Lobbybar, eine
Kristallbar, eine Zirbenstube mit Kamin, ein Weinkeller, Räumlichkeiten
für Seminare, ein Fitnessraum und
Kinderspielmöglichkeiten – das Angebot des „Zedern Klang“ richtet sich
sowohl an Geschäftsreisende als auch
an Kurz- und Langzeiturlauber. Ein
im Hotel integriertes Spa-Zentrum
mit Hallenbad und diversen Sprudeln, Freibecken, russischer Sauna,
Zedernfass, Kräuterbad, Dampfbad,
Eisbrunnen, Mentholdusche, Wärmebank, Ruheraum mit Gradierwerk,
Frischwasserbecken im Freien, Liegewiese und Solarium-Sonnenwiese
machen es zudem für Wellnesskuren
interessant.
Am Hang Beton, im
Schwimmbad Holz
Die Architektur des Neubaus spiegelt die Umgebung, die regionaltypische Bauweise und moderne Elemente wider. Holz von in der Umgebung
wachsenden Bäumen, großzügige Glasfronten und direkt aus dem
Defereggental gelieferter Naturstein
schaffen eine ruhige, entspannende
Atmosphäre im Haus. Weil der L-förmige Baukörper in einen Hang gebaut ist, ist rund die Hälfte des Gebäudes in Massivbauweise errichtet.
Die beiden Untergeschosse wurden
komplett betoniert, die vier oberirdischen zum Teil.
Hotel Zedern Klang
Holzwelten Ferienhotel
27 Zimmer bestehen aus Holz.
Auch ihre eigene zweigeschossige
Wohnung im Hotel ließ die Bauherrin
aus diesem Material errichten. Außerdem basieren sämtliche Balkonvorbauten auf einer Konstruktion
aus Brettschichtholz in Lärche. Die
ist statisch so ausgeklügelt, dass sie
das komplette Vordach auf der Südseite trägt. Und sogar das hauseigene
Schwimmbad gründet auf einer fächerförmigen Holzkonstruktion.
Sämtliche Stützen und auch das
Dach sind komplett aus Brettschichtholz errichtet. Niro-Stahlteile garantieren, dass die Stützenfüße unfreiwillige Bäder schadlos überstehen.
Ansonsten beließ es Holzbau Hofer
bei einem farblosen Anstrich, um die
Konstruktion gegen Dreck, Staub und
Feuchtigkeit zu schützen.
Eine zweischalige Konstruktion
aus Brettsperrholz-Elementen garantiert gute Schallschutzwerte zwischen
den einzelnen Hotelzimmern. Auf
eine 11,2 cm dicke BrettsperrholzWand folgen 4,5 cm Mineralwolle,
die wiederum an ein 14,3 cm dickes
Brettsperrholz-Element grenzt. „Weil
die Sichtoberfläche aus Holz besteht
– genauer gesagt aus Fichtenholz –,
war bei der Montage extreme Sorgfalt nötig“, erklärt Fehlmann. Dementsprechend fertigte der Zimmereibetrieb die Elemente inklusive der
technischen Installationen wie Elektroleitungen im Werk vor. „Schließlich
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ist jede nachträgliche Bohrung sichtbar. Da darf man kein Risiko eingehen“, gesteht der Technische Leiter.
Die Außenwände setzen sich aus
12,2 cm starken Brettsperrholz-Elementen zusammen, die mit Vollwärmeschutz bekleidet und verputzt
wurden. Die 20 cm dicke Decke baut
ebenfalls auf Brettsperrholz-Elemente. 16,3 cm dicke Brettsperrholz-Elemente fungieren darüber hinaus als
Dachelemente und sind in diesem
Bereich bereits schräg montiert, sodass die Raumhöhe in den betreffenden Zimmern ansteigt. 0,4 cm Bitumenbahnen als Dampfsperre, 16 cm
Steinwolle und eine dreilagige Alpinbahn schließen den Dachaufbau ab.
Inneneinrichtung setzt
konsequent auf Holz
In Einklang mit der Architektur ließ
die Hotelbesitzerin auch alle Inneneinrichtungen des Hauses aus Zirbelholz erstellen, sodass die Gäste vom
Boden bis zur Decke mit dem Holz
umgeben sind. Sie laufen auf Holzdielen, schlafen im Holzbett und lagern ihre Wäsche in Holzschränken.
Im Foyer ließ die Bauherrin sogar
Holz in Kunstharz gießen und stellt
das als gestalterische Objekte aus.
Insgesamt 800 m3 Holz wurden
so im vergangenen Jahr im „Zedern
Klang“ verbaut, bevor das Haus am
20. Dezember 2008 seine Türen für
Gäste öffnete. Seither ist das Hotel
▴▴Das großzügige
Foyer spielt
mit dem Motiv
„Holz“ und
bietet eine warme
und zugleich
elegante
Athmosphäre
belegt. Ohne Pause. „Das Interessante dabei ist“, lächelt Fehlmann,
„dass die Holzzimmer besser ausgebucht sind als die aus Beton. Und das,
obwohl sie ein ganzes Stück teurer
Christine Ryll, München ▪
sind.“
Steckbrief
Bauprojekt:
Neubau Spa-Hotel „Zedern
Klang“
A-9961 Hopfgarten (Osttirol)
Bauweise:
Massivholz
Bauzeit:
August 2007 bis Dezember 2008
Baukosten:
11 Mio. Euro
Nutzfläche:
5948 m2
Umbauter Raum:
26 382 m3
Bauherrin:
Tatiana Maksimova
A-9961 Hopfgarten (Osttirol)
www.zedern-klang.com
Architekturbüro:
Architektengemeinschaft Lienz
A-9900 Lienz
www.architektengemeinschaft.at
Holzbauuntenehmen:
Holzbau Hofer GmbH
A-9990 Nußdorf-Debant
www.holzbau-hofer.at
65
Vorschau mikado 12.2009 erscheint am 3. Dezember 2009
Michael Keller
Thema des Monats
Internationaler Holzbau
Der in den deutschsprachigen Ländern praktizierte Holzbau
entwickelt sich immer mehr zum Exportschlager. Je nach
Bauaufgabe spielt Holz dabei zwei seiner Vorteile gekonnt
aus: die präzise Vorfertigung von Großelementen und die
schnelle Montage. Die Eroberung ausländischer Märkte zeigt
aber auch deutlich: Holz setzt sich nur dann durch, wenn
die Qualität hochwertig ist. mikado stellt beispielhaft einige
Bauprojekte und Unternehmenskonzepte vor.
Jörg Pfäffinger
Architektur
Wohnhaus in Vorarlberg
Um die imposante Bergkulisse
genießen zu können, erhielt der
Baukörper eines Einfamilienhauses mehrere Einschnitte, die
ihn wie eine Skulptur erscheinen
lassen. Diesen Eindruck verstärkt
eine einheitliche Bekleidung mit
den in der Region traditionsreichen
Holzschindeln aus Weißtanne.
Trotz zerklüfteter Form und großer
Fenster erreicht der Holzrahmenbau fast Passivhausstandard.
Ingenieurholzbau
Fachwerkbrücke in Frankreich
In der malerischen Kleinstadt Oloron Ste. Marie am Fuße
der südfranzösischen Pyrenäen stehen zwei Brückenbauwerke, die an Leichtigkeit kaum zu übertreffen sind. Bei
der Konzeption gab es schon früh einen konstruktiven
Dialog zwischen den Planern und einem auf Holzbrückenbau spezialisierten Unternehmen aus Deutschland.
Schaffitzel
Außerdem
Mobil:
Nutzfahrzeuge für Holzbauunternehmer
Impressum
Offizielles Organ von Holzbau Deutschland
Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen
Baugewerbes e.V. (ZDB), Berlin, Offizielles Organ der
Europäischen Vereinigung des Holzbaus (E.V.H.), Luxemburg
Verlag:
WEKA MEDIA GmbH & Co. KG ı Römerstraße 4 ı 86438 Kissing
Telefon +49 82 33.23-0 ı www.weka.de ı www.mikado-online.de
Diese Anschrift gilt auch für folgende Personen und
Gesellschaften, sofern nicht anderslautend:
Herausgeber:
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sind als Kommanditistin:
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66
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11 Ausgaben Studenten/
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mikado 11.2009
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RVTTLU[PLY[L9LJO[Z\Y[LPSL
Verband aktuell
Fachversammlung
Drei Entscheidungen und ein Neuer
Ein neu gewähltes Mitglied und drei Beschlüsse waren das Resultat der
Fachversammlung des Bundes Deutscher Zimmermeister, heute Holzbau Deutschland,
am 15. September 2009 in Fulda.
B
eschlossene Sache ist die
Umbenennung des „Bund
Deutscher Zimmermeister“ in
„Holzbau Deutschland – Bund
Deutscher Zimmermeister im
Zentralverband des Deutschen
Baugewerbes“. Die Fachversammlung verabschiedete das
„Gestaltungshandbuch Holzbau
Deutschland“ und ermunterte
die Landesverbände, die Gestaltungsrichtlinie zu übernehmen,
um mit einem starken und bundeseinheitlichen Erscheinungsbild aufzutreten. Pünktlich zum
Starttermin für den neuen Namen am 22. September 2009 waren die Fahnen mit dem neuen
Corporate Design fertig. Helmut
Klumb, Vorsitzender des Verbandes Hessischer Zimmermeister e.V., nahm gleich eine Fahne
mit, um sie zum Hessischen Verbandstag eine Woche später zu
hissen. Auch beim Landesholzbautag Baden-Württemberg am
26. September wehte die neue
Fahne im Wind.
◂◂Die Fahnen mit dem neuen
Corporate Design
von Holzbau Deutschland
◂◂„Die Offensive Aufstiegsfortbildung soll die Meisterausbildung
stärken“, sagte Karl Hoffmeister,
Vorsitzender des Ausschusses Ausund Weiterbildung
Holzbau Deutschland
stürmt das Internet
unter www.zimmerer-nationalmannschaft.de
www.holzbau-deutschland.de
ist seit dem 22. September 2009
die neue Startseite des Berufsverbandes. Sie informiert über
den neuen Namen und das neue
Erscheinungsbild. Der bisherige Internetauftritt wird optisch,
technisch und inhaltlich erneuert. Ziel ist es, das Informationsangebot weiter auszubauen und
noch mehr Nutzen zu bieten.
Offensive
Aufstiegsqualifizierung
Die Fachversammlung entschied
über das Gesamtkonzept des Arbeitskreises Bildung. Sie stimmte den Eckpunkten der „Offensive Aufstiegsqualifizierung“ zu.
Damit wird das Ziel verfolgt, die
Meisterausbildung zu stärken.
Die Eckpunkte lauten:
▸▸ verbandseigene Qualifikationen etablieren
▸▸ eine Anerkennung von
Meisterschulen
▸▸ Erstellung einer Aufgabensammlung für die Meisterprüfung und
▸▸ Unterstützung der Meisterschüler und -schulen
Exzellenzmedaille gewonnen
Als „wichtig für die Berufsförderung und eine große Chance für die Auszubildenden“ bezeichnete die Fachversammlung
Unterstützung für
Plattform Forst und Holz
die Berufsmeisterschaften. Der
Erfolg von Thomas Schleicher gab ihr Recht: Das Mitglied der deutschen ZimmererNationalmannschaft konnte bei
der Weltmeisterschaft der Berufe „WorldSkills 2009“ Anfang
September in Calgary die Exzellenzmedaille erringen. Mehr
Informationen über die Zimmerer-Nationalmannschaft gibt es
Die Fachversammlung entschied
sich dafür, die Plattform Forst
und Holz finanziell zu unterstützen. Mit dem Geld werden
die vorhandenen Schriften und
Fachinformationen aus dem Bestand des Holzabsatzfonds herausgelöst und den Mitgliedern
von Holzbau Deutschland zur
Verfügung gestellt.
Dach und Holz 2010
Das Programm für die Dach +
Holz 2010 in Köln steht. Holzbau
Deutschland richtet wie gehabt
parallel zur Messe den Deutschen Holzbautag aus.
cv ▪
Olaf Korr ist neu im Vorstand
◂◂Olaf Korr aus Aachen ist der Neue
im Vorstand von Holzbau Deutschland
Einstimmig wählte die Fachversammlung Olaf Korr in den Vorstand von
Holzbau Deutschland. Er tritt die
Nachfolge von Ulrich Hamacher an.
Der Diplom-Ingenieur aus Aachen
führt den Betrieb Barthel Korr GmbH
mit 25 Mitarbeiten bereits in der
dritten Generation. Korr hat sich dem
schlüsselfertigen Holzhausbau mit einer Schreinerei für den
hochwertigen Innenausbau verschrieben.
Organ von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister
I
Verband aktuell Aus den Landesverbänden
Verband Hessischer Zimmermeister e.V.
Der Verband auf dem Prüfstand
Um das Verhältnis der Mitglieder zu ihrem Verband, um Technik, um Normen und
um Recht drehte sich der Verbandstag der Hessischen Zimmermeister
mit dem Kasseler Holzbaukongress on tour am 18. und 19. September 2009.
◂◂Die neue Holzbau-DeutschlandFahne flatterte
vor dem Kongressgebäude
haben mit 73 % eine ungewöhnlich hohe Bedeutung im Vergleich zum Image mit nur 27 %.
Das mag angesichts der langen und lebendigen Zimmerertradition überraschen, zeigt
aber, dass die Holzbaubranche
heute unternehmerisch und erfolgsorientiert denkt. Für den
Verband sind konkrete Leistungen natürlich viel zielgerichteter und schneller verbesserbar
als ein Image.
Strategien der
Stehaufmännchen
V
or dem Kongresszentrum im nordhessischen
Bad Sooden-Allendorf flatterte schon die neue HolzbauDeutschland-Fahne – fünf Tage
vor ihrer offiziellen Präsentation
in Köln. Aber nicht nur hier demonstrierte der Verband Hessischer Zimmermeister e.V. (VHZ)
Zukunftsorientierung: Gleich zu
Beginn seines 60. Verbandstags
präsentierte er den rund 100 Anwesenden das Ergebnis einer
kurz vorher fertig gewordenen
Untersuchung über die Zufriedenheit seiner Mitglieder – ein
deutliches Signal von Veränderungsbereitschaft.
II
Mitglieder bewerten
Verbandsarbeit
Verantwortlich für die Untersuchung war das Institut „forum!
Marktforschung“, das schon für
zahlreiche Verbände anderer
Branchen tätig ist und das Ergebnis deshalb zuverlässig einordnen und deuten kann.
Bei der Imageanalyse schnitt
der VHZ am besten in den Kategorien „Glaubwürdigkeit“,
„Fairness“ und „Sympathische
Ausstrahlung“ ab. Bei „Erfolg“,
„Flexibilität“ und „Mitgliederorientiertheit“ zeigten sich Defizite. Bei den Leistungen waren
die Befragten mit der Beratung,
mikado 11.2009
Information und Fortbildung
zufrieden, unzufrieden dagegen
mit dem Mitgliedsbeitrag und
der Interessenvertretung.
Die Gesamtzufriedenheit entsprach dann jedoch genau dem
Durchschnitt der vom Institut
bisher untersuchten Verbände.
Kein Grund zur Beunruhigung
also, dafür aber ein repräsentativ gestütztes Bild, wo künftig
Prioritäten zu setzen sind.
Die emotionale Mitgliederbindung ist im Vergleich zu
anderen Verbänden etwas geringer. Ursache dafür ist vor allem die Unzufriedenheit mit einigen Verbandsleistungen. Diese
Um Emotionen ging es auch
beim Vortrag von Ralph Goldschmidt: Er erläuterte, warum
manche Menschen bei Rückschlägen resignieren, andere
jedoch gestärkt daraus hervorgehen. Entscheidend ist die
Persönlichkeitsstruktur. Deshalb sollte sich ein Unternehmer nicht nur auf seine „Ergebnisse“ konzentrieren, sondern
auch auf den „Ergebnislieferanten“: auf sich selbst.
Die psychische Widerstandsfähigkeit zur erfolgreichen Bewältigung von Misserfolgen ist
erlernbar und trainierbar. Goldschmidt betonte aber, dass es
nicht um effektive Durchhalteparolen geht, sondern um ein
bewusstes Gestalten des eigenen
Lebens, sodass es Krisen abfedert und Kraft spendet.
Verband aktuell Aus den Landesverbänden
Für die sieben zentrale Lebensbereiche „Beziehungen“,
„Gesundheit“, „Beruf“, „Finanzen“, „Lebensphilosophie“,
„Freizeit“ und „Wohnen“ erläuterte er, auf was es ankommt,
was förderlich ist und was nicht.
Wie im Beruf auch geht es hier
darum, Ziele zu formulieren und
umzusetzen. Dafür muss man
sieben Handlungskompetenzen
trainieren und stärken: Selbstbewusstsein, Selbstverantwortung, Selbstakzeptanz, Selbstmotivation, Selbstkontrolle,
Selbstorganisation und Beziehungen.
Bei seinen pointierten und
humorvollen Ausführungen erwies sich Goldschmidt, der sich
selbst „Experte für Leistungskraft & Lebensglück“ nennt,
auch als großer Unterhaltungskünstler, bei dem die Zeit wie
im Flug vergeht, aber auch viele nützliche Ideen und Anregungen im Gedächtnis hängen
bleiben.
Technik, Normen und Recht
wandeln sich
Der „6. Kasseler Holzbaukongress on tour“ fand am zweiten Tag statt. Mit „Nichts ist so
beständig wie der Wandel“ war
die Veranstaltung treffend betitelt, denn fünf der sechs Vorträge drehten sich um Neuerungen in der Technik und in
der Normung. Und auch in der
Rechtsprechung, Thema des
sechsten Vortrags, hat sich in
letzter Zeit einiges verändert.
Den Anfang machte Wolfgang
Bürkner vom Hersteller „SFS intec“. Er berichtete über die neuen Möglichkeiten, mit Vollund Doppelgewindeschrauben
preisgünstige und trotzdem leistungsfähige Holzverbindungen
herzustellen. Der Markt bietet
hier eine große Produktpalette verschiedener Hersteller an,
wobei sich die Schrauben bei
Kopfform, Gewinde und Spitzenform oft stark unterscheiden.
Auch die zulässigen Kräfte sind
sehr verschieden. Der Handwerker muss deshalb die bautechnischen Zulassungen detailliert
kennen.
Einblicke in die neue DIN
18203-3:2008 für Bauteile
aus Holz und Holzwerkstoffen
gab Dieter Kuhlenkamp vom
Bund Deutscher Zimmermeister (BDZ). „Millimeter, die Geld
kosten“ nannte er seinen Vortrag, der die Neudefinitionen
zulässiger Maßabweichungen –
wie Toleranzen inzwischen heißen – erläuterte. Als Arbeitshilfen zur besseren Orientierung
in diesem Zahlendschungel hat
der BDZ für seine Mitglieder gedruckte Merkblätter herausgegeben und ein Internet-Portal
eingerichtet.
▴▴Die Auswertung der Mitgliederumfrage zeigte deutlich, wo die
nächsten Jahre die Schwerpunkte in der Verbandsarbeit zu legen sind
mikado-Interview
Wissen, wo man genau steht
Mit der Durchführung einer detaillierten Untersuchung
zur Mitgliederzufriedenheit betrat der Verband Hessischer
Zimmermeister (VHZ) Neuland in der Holzbaubranche.
mikado befragte dazu dessen Vorsitzenden Helmut Klumb.
mikado: Herr Klumb, warum
ließen Sie die Mitgliederumfrage durchführen?
Helmut Klumb: Unsere beiden
Geschäftsführer, Thorsten Burmeister und Helmhard Neuenhagen, kamen mit der Idee auf
uns zu. Wir haben sie in einer
Vorstandssitzung diskutiert und
waren am Ende alle überzeugt,
dass das zum Einstieg der neuen Geschäftsführung genau das
Richtige ist. Sie gibt uns wesentlich mehr Klarheit, wo wir
momentan stehen und wo es
Handlungsbedarf gibt.
Hat sich der Aufwand gelohnt?
Ja, denn nun wissen wir ganz
genau, wo unsere Stärken und
unsere Schwächen liegen. Und
für unsere Mitglieder war es ein
deutliches Signal, dass sie der
Verband sehr ernst nimmt und
seine Arbeit künftig noch mehr
an ihren Bedürfnissen orientierten möchte.
Was war für Sie bei der Präsentation der Ergebnisse die größte Überraschung?
Eigentlich gab es keine Überraschung. Wir wussten schon vorher ungefähr, wo Knackpunkte
liegen. Aber das sind eben
immer nur Einzelmeinungen,
noch dazu in einem anderen
Kontext abgegeben. Deshalb
ist es schwierig zu beurteilen,
ob das die tatsächliche Stimmungslage ist oder nicht. Jetzt
haben wir das aber durch ein
unabhängiges und hochprofessionell arbeitendes Institut bestätigt bekommen.
▴▴VHZ-Vorsitzender Helmut Klumb
will die Schwächen seines
Verbands entschlossen angehen
Ein großer Kritikpunkt waren
die Mitgliedsbeiträge.
Das halte ich vor allem für ein
Kommunikationsproblem. Wir
müssen unseren Mitgliedern
künftig klarer darstellen, welche Leistungen sie für ihre Beiträge erhalten und welche wir
tatsächlich anbieten. Viele gehen scheinbar in der Hektik des
Alltags etwas unter und sind
gar nicht richtig bekannt.
Wie geht es nun weiter?
Wir setzen uns demnächst mit
dem Institut zusammen, um
die Untersuchung gründlich
zu analysieren und eine Prioritätenliste zu erstellen. Die
nehmen wir dann in Angriff.
In zwei bis drei Jahren lassen
wir dann wieder eine Umfrage
durchführen, um zu sehen, ob
die Maßnahmen gegriffen haben und sich das Meinungsbild
verändert hat.
Herr Klumb, herzlichen Dank
für das Gespräch!
III
Verband aktuell Aus den Landesverbänden
▴▴Ralph Goldschmidt erläuterte anhand zweier Geldscheine, die er zerknüllte und zerstampfte, die Mechanismen des eigenen Selbstwertgefühls
▴▴Die Landessiegerin im Zimmererhandwerk Rebekka Lieb (Mitte) und ihren
Ausbilder Leo Lintl (links) ehrte Helmut Klumb beim Zunftabend
Die Holzbaulegende Borimir
Radovic berichte über Holzschutz und den Entwurf zur DIN
68800. Er begann dabei mit einem Rückblick in eine Vergangenheit, wo der Glaube „überall
wo Holz sei, arbeiten Pilze und
Insekten“ dazu führte, dass dem
chemischen Holzschutz eine unangemessene Bedeutung zukam.
Dass dies nicht zutrifft, ist inzwischen wissenschaftlich bewiesen. Holzzerstörende Pilze
bilden sich ab einer Holzfeuchte von 30 %, und die stellt sich
bei 20 °C erst ab einer dauerhaften Luftfeuchte von fast
100 % ein. Auf diese Tatsache
reagieren die neuen Normen
kann das 10- bis 100-Fache an
Feuchtigkeit in die Konstruktion eindringen lassen. Damit
werden alle bauphysikalischen
Berechnungen hinfällig. Zu verhindern ist das nur durch große
Sorgfalt. Borsch-Laaks zeigte,
wie’s richtig gemacht wird.
Den richtigen Umgang mit
Mängelrügen erläuterte Rechtsanwalt Wolfgang Rathgen
kompetent, wortgewaltig und
humorvoll. Er schilderte, welche Fehler Handwerker häufig
begehen und wie sie diese künftig zum eigenen Vorteil vermeiden. Bis hin zu Musterbriefen reichten seine praxisnahen
und handlungsorientierten Rat-
schläge. Wichtig vor allem auch
deshalb, weil durch aktuelle
Rechtsprechungen das BGB gegenüber der VOB an Bedeutung
gewann.
Die rund 200 Teilnehmer kamen an diesem Tag voll auf ihre
Kosten. Nachlesen können sie die
zahlreichen Informationen der
hochkarätigen Vorträge in einem
140 Seiten starken Handout. Der
„7. Kasseler Holzbaukongress on
tour“ findet zusammen mit dem
61. VHZ-Verbandstag 2010 in
Darmstadt statt.
gh ▪
Mehr Fotos des VHZVerbandstags stehen auf:
www.mikado-online.de →
Bildergalerie
mikado
nun endlich und verankern den
baulichen Holzschutz angemessen: Wenn Holz nicht ungeschützt dem Regen ausgesetzt
ist, braucht es keinen chemischen Holzschutz mehr.
Mit Luftdichtheit befasste sich
der Bauphysik-Sachverständige
Robert Borsch-Laaks gleich in
zwei Vorträgen: Von der Zulässigkeit von Schwachstellen
bei der Luftdichtheit im Rahmen der DIN 4108-7 handelte
der erste, von Feuchtemanagement bei Flachdächern der zweite. Das Problem ist nicht die Diffusion, sondern die Konvektion
an falsch geplanten oder falsch
ausgeführten Detailpunkten. Sie
▴▴„Millimeter, die Geld kosten“ nannte Dieter Kuhlenkamp vom BDZ
seinen Vortrag über Maßabweichungen nach der neuen DIN 18203-3:2008
IV
mikado 11.2009
▴▴Über holzzerstörende Pilze und Insekten sowie chemischen und konstruktiven Holzschutz in der neuen DIN 68800 berichtete Borimir Radovic
Verband aktuell Aus den Landesverbänden
Zimmerer-Innung Schwalm-Eder
Klasse Ergebnisse bei der Ausbildung
Zimmererinnung schwalm-eder
A
▴▴André Ludwig, Alexander Bätz und Kevin Kurzrock erhielten ihren
Gesellenbrief (vorne v.l.n.r.). Es gratulierten Vorstandsmitglied
und Zimmermeister Harald Schenk und Geschäftsführer Jürgen Altenhof
uf der gemeinsamen Freisprechungsfeier in Bad
Sooden-Allendorf erhielten 22
neue Zimmerer aus den Zimmerer-Innungen in Nordhessen ihren Gesellenbrief. Seit
2006 veranstalten die Zimmerer-Innungen Schwalm-Eder,
Hersfeld-Rotenburg, Kassel,
Werra-Meißner-Kreis und Waldeck-Frankenberg die Gesellenfreisprechungsfeier gemeinsam.
Turnusmäßig wechselt der Ort
für die Gesellenfreisprechungsfeier jedes Jahr von einer Innung zur nächsten. In diesem
Jahr war die Zimmerer-Innung Werra-Meißner-Kreis der
Gastgeber. Obermeister Werner
Jäschke von der Zimmerer-Innung Werra-Meißner-Kreis lobte die hervorragenden Leistungen der angehenden Gesellen.
„Heute ist der lang ersehnte Tag,
der die Ausbildungszeit beendet,
aber nicht das Lernen, denn dies
muss man sein Leben lang“, so
Jäschke.
Für die Zimmerer-Innung
Schwalm-Eder gratulierten Vorstandsmitglied Harald Schenk
aus Schlierbach und Geschäftsführer Jürgen Altenhof. In weiteren Grußworten überbrachten Landrat Stefan Reuß, der
stellvertretende Landesinnungsmeister Friedrich Brauner und
Stefan Fross von der VR-Bank
Werra-Meißner-Kreis die Glückwünsche an die jungen Handwerksgesellen und die Gäste.
Als Jahrgangsbeste erhielt
Rebekka Lieb aus Witzenhausen eine Auszeichnung, sie hatte die Gesellenprüfung mit sehr
gutem Ergebnis absolviert. ▪
Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmererhandwerks
Meisterhafte Zimmereien
D
▴▴Über 62 ausgezeichnete Holzbaubetriebe konnte sich Peter Aicher,
Präsident im Landesinnungsverband
des Bayerischen Zimmererhandwerks, auf der Innungsversammlung in Rosenheim freuen
ie Meisterhaft-Sterne von
Eins bis Fünf sind nicht
im Vorbeigehen zu erwerben.
Die Mitgliedsbetriebe der Zimmererinnung müssen dafür eine
ganze Reihe von Qualifikationsmaßnahmen nachweisen“, unterstrich der Obermeister und
Präsident im Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmererhandwerks, Peter Aicher, anlässlich der Mitgliederversammlung
der Rosenheimer Zimmerinnung
im September 2009. Aicher erkannte in „Meisterhaft – Bauen mit Meisterqualität“ eine
effektive Reaktion auf die Aufgaben, die mit der novellierten
Handwerksordnung (HWO) auf
das Zimmerhandwerk zugekommen sind.
Seit Mai 2009 steht Peter Aicher als Präsident an der Spitze der bayerischen Holzbauverbände. Nach Abschluss der
Meisterschule übernahm Peter
Aicher 1984 den elterlichen Betrieb in Halfing. Bis heute hat
er diesen zu einem führenden
Holzbauunternehmen der Region mit nunmehr 30 Beschäftigten ausgebaut. Ungeachtet
dessen versteht sich sein Unternehmen nach wie vor als Familienbetrieb, dessen Entwicklung
auf Innovation, Ausbildung und
Organ von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister
Wertschätzung beruht. Seit
Übernahme des elterlichen Betriebs engagiert sich Aicher zudem in der Zimmerer-Innung
Rosenheim, die er seit 1995 als
Obermeister anführt.
Für Aicher ist die Qualifikation „Meisterhaft“ eine wichtige
Orientierungsmarke für die potenziellen Bauherren. „Wir Innungsbetriebe müssen für Vertrauen und Sicherheit stehen“,
sagte Aicher bei der Innungsversammlung. Er freute sich daher besonders, dass er 62 Mitgliedsbetriebe mit dem Zertifikat
– drei, vier und fünf Sterne –
▪
auszeichnen konnte.
V
Verband aktuell Aus den Landesverbänden
Verband des Zimmerer- und Holzbaugewerbes Baden-Württemberg
Sonnige Aussichten
Als vollen Erfolg konnten Veranstalter den diesjährigen Landesholzbautag am
26. September 2009 verbuchen. Bei strahlendem Spätsommerwetter lag Rottweil
fest in Zimmererhand: Überall waren Holzbauer in Kluft zu sehen.
▴▴Zimmererklatsch auf dem Münsterplatz: An die 100 Holzbauer in Kluft
boten ein schönes und eindrucksvolles Bild
er Wettergott meinte es
gut mit den Zimmerern
und Holzbauern Baden-Württembergs: Bei strahlendem
Sonnenschein trafen sich am
26. September 2009 gut 360 von
ihnen zum Zimmerertreff auf
dem Münsterplatz in Rottweil.
Zimmererbier, Zimmererklatsch und Zimmererkluft
Der Auftakt zum Landesholzbautag war nicht zu übersehen: Viele Einwohner der Stadt
der Badischen Fasnet blieben
nach ihren Samstagseinkäufen
stehen und staunen, was es alles zu sehen gab: Zimmererbier,
Zimmererklatsch und vor allem
Zimmerer in Zimmererkluft, so
weit das Auge reichte.
Besonders gut punktete die
Verlosung von fünf robusten
VI
Spielhäusern aus Holz unter
den Kindergärten aus der Region: Die Kindergärten, die mit
den meisten Kindern vor Ort auf
dem Münsterplatz waren, konnten sich über die Klettergeräte
freuen. Eines der Häuser ging als
Geschenk an einen Kindergarten im italienischen L´Aquila,
einer von vier Partnerstädten
Rottweils.
▴▴Bei der Anreise verbrauchten die
Zimmerer so wenig CO2 wie möglich
hat seinen Ursprung in der Forstwirtschaft“, sagte er. Der Holzbau leiste ein besonders großen
Beitrag zur Nachhaltigkeit, denn
Holz ist gut und Holz tut gut.
„Mit dem Baustoff Holz lassen sich die Konjunkturpakete
der Regierung schnell und kostengünstig umsetzen“, ist sich
Schlosser sicher. Seiner Meinung nach sind Zimmerer die
Klimaschützer Nummer 1. Der
Holzbau stelle sich der Verantwortung mit innovativen,
preisgünstigen, gesunden und
umweltfreundlichen Konstruktionen. Das Bauen mit Holzwerkstoffen ist Umweltschutz.
In Baden-Württemberg liege
die Holzbauquote bei 23,9 %,
so hoch wie sonst nirgends in
Deutschland. Der Bundesdurchschnitt liege bei 14,7 %. Das
Zimmererhandwerk leiste also
einen großen Beitrag zu eben
den Zielen, die die Politik gegenwärtig propagiere.
„Das leistet unser Handwerk
aber teilweise unter unzumutbaren Rahmenbedingungen“,
Holz ist gut und tut gut
Josef Schlosser, Präsident des
Verbandes des Zimmerer- und
Holzbaugewerbes Baden-Württemberg, begrüßte die Teilnehmer: „Der Begriff Nachhaltigkeit
▸▸Zahlreiche Denkanstöße
gab Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen
den Zuhörern mit auf den Weg
mikado 11.2009
Mackowiack
D
mikado
mikado
Zimmerer sind
Klimaschützer Nummer 1
Verband aktuell Aus den Landesverbänden
prangerte Schlosser an, „seit Jahren
werden unseren Betrieben Erleichterungen bei den Bürokratielasten, bei
den Abgabelasten oder bei der Sicherung von Forderungen in Aussicht gestellt.“
sei die Vorverlegung der Sozialversicherungsbeiträge. Dieses „Monstrum“ müsse so schnell wie möglich
rückgängig gemacht werden.
Seinen Dank richtete Schlosser unter anderem an die Landesregierung
für die konsequenten Bemühungen
um eine vermehrte Verwendung des
Baustoffs Holz.
Schlosser fordert mehr Mut
von der Regierung
Positive Aussichten
Auf der nachmittäglichen Veranstaltung in der Rottweiler Stadthalle stellte Schlosser das Konjunkturbarometer
2009 vor. An der Konjunkturumfrage
des Verbandes beteiligten sich mehr
als 200 Betriebe. Bewerteten noch im
März diesen Jahres 12,8 % ihre allgemeine Auftragslage als „top“, waren
es im September sogar 35,6 %. Beim
öffentlichen Bauen war festzustellen,
dass das Konjunkturpaket II bei den
Zimmerern in Baden-Württemberg
ankommt. Die Nachfrage im Holzhausbau sei stabil, der Wohnungsbau habe jedoch nachgelassen. Dafür
ziehe die energetische Sanierung an.
▾▾Zum Festabend
lud Matthias
Krauss (r.) in die
„heiligen“
Werkhallen von
Mafell. Als
Dankeschön gab`s
einen Timmy
vom Präsidenten
▸▸Volker Kauder,
Vorsitzender der
CDU/CSUFraktion, nutzte
einen Tag vor
der Bundestagswahl die
Gelegenheit, die
Zimmerer in
seinem Wahlkreis
zu begrüßen
„Hier ist ganz klar unser Markt“, bestätigte Schlosser den Trrend. 63,1 %
der Befragten sind mit den Preisen,
die sie erzielen können, zufrieden. Die
Zahlungsmoral, in der Regel ein Zeichen für Qualität und optimale Abwicklung, beurteilen die Zimmereiunternehmen in Baden-Württemberg
als gut. Bei der Entwicklung der gesamtbetrieblichen Aussichten ist Optimismus pur angesagt: 12,5 % beurteilen ihre Situation als „top“, 70,6 %
als „ok“. Die Mitarbeiterzahlen bleiben konstant, die Ausbildungsbereitschaft liegt bei 61,3 % mit „sicher
ja“, 25 % bei „eventuell ja“, 11,2 %
bei „eher nein“ und 2,5 % bei „sicher nein“. Schlosser warnte vor Fachkräftemangel und bat seine Kollegen,
noch mehr auszubilden. „Es wird die
Zeit kommen, da haben wir Aufträge, aber keine Facharbeiter mehr“,
sagte Schlosser. Der Auftragsbestand
liegt bei 9,67 Wochen. Augenscheinlich meint es nicht nur der Wettergott gut mit den Zimmerern in Bacv ▪
den-Württemberg. Organ von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister
mikado
Mackowiack
„Die steuerlichen Anreize für legale Arbeiten, wie z.B. den Steuerbonus für Handwerkerleistungen oder
die Umstellungen auf die Ist-Versteuerung, sind zwar ein guter Ansatz, sollten aber mutiger ausgestaltet
werden“, verlangte Schlosser. „Seit
Jahren fordern wir einen reduzierten Mehtrwertsteuersatz auf Bauleistungen sowie verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten, um auch dem
Neubau wieder neue Impulse geben
zu können und um die Schwarzarbeit am Bau einzudämmen. Was
andere Ländern erfolgreich umgesetzt haben, kann bei uns nicht völlig falsch sein“, mahnte er. Ein großes Ärgernis für die kleinen Betriebe
mikado
▸▸Ullrich Huth,
Vorsitzender
Holzbau
Deutschland
▸▸ Klaus-Dieter
Rapp,
Obermeister der
Innung Rottweil
mikado
mikado
◂◂Präsident Josef
Schlosser
eröffnete den
Zimmerer-Treff
auf dem
Münsterplatz
VII
Verband aktuell Verbände & Vereinigungen
Leistungspartner des Zimmererhandwerks
Neuer Partner nutzt die Energie am Dach
systaic AG
Die systaic AG gehört seit Kurzem zu den Leistungspartnern des Zimmererhandwerks. Die systaic-Energiedachsysteme bieten zukunftsweisende Lösungen
für das Dach inklusive einer eigenständigen Energieversorgung für das Gebäude an.
I
nnenstadt Düsseldorf: Unweit der Königsallee, inmitten von Banken, Versicherungen
und großen Medienhäusern, hat
die systaic AG ihren Firmensitz.
Es weht ein wenig der Hauch
der „new economy“ durch die
Räumlichkeiten. Doch damit hat
systaic nichts zu tun. Das im
Jahr 2004 gegründete Unternehmen entwickelt am Düsseldorfer Standort ebenso handfeste wie innovative Produkte rund
ums Dach und versteht sich damit als enger Partner des „Bedachungshandwerks“ – wie es im
VIII
Geschäftsbericht für das Jahr
2008 heißt. „Aus diesem Grund
haben wir uns auch entschieden, Leistungspartner zu werden“, erklärte Michael Pack,
Vorsitzender des Vorstandes
der systaic AG, bei einer Unternehmensvorstellung in Düsseldorf. „Denn mit unseren innovativen Dachlösungen sehen wir
uns als eine hervorragende Ergänzung der Produktpalette der
Leistungspartner des Zimmererhandwerks.“ Vor fast zehn Jahren hat sich dieser Zusammenschluss namhafter Hersteller von
mikado 11.2009
Baustoffen, -elementen sowie
Zimmereimaschinen mit dem
Verband Holzbau Deutschland
– Bund Deutscher Zimmermeister gegründet und unterstützt
die Innungsbetriebe in der Verbandsorganisation von Holzbau
Deutschland durch schlagkräftige Maßnahmen im Bereich Marketing und Bildung.
Die systaic AG bietet mit ihren Energiedachsystemen ein
Konzept zur eigenständigen
Energieversorgung von Gebäuden an. Der vielfach in der Holzbaubranche verwendeten Aussage „vom Schutzdach zum
Nutzdach“ hat sich systaic vollständig angenommen und eine
Lösung entwickelt, welche die
klassischen Dachziegel gänzlich ersetzt.
Im Jahr 2007 kam das Energiedach nach dreijähriger Entwicklungsarbeit auf den Markt
und fügt sich heute als Solarenergielösung optisch ansprechend in den Neubau oder bei
einer Dachsanierung ein. „Wir
haben unser Energiedach als
Komplettdach konzipiert, es ist
eine stilvolle und sich selbst
amortisierende Alternative zu
herkömmlichen Dachmaterialien“, so Vorstandsvorsitzender Michael Pack. systaic hat
die Solargeneratoren als sichtbaren Bestandteil des Gebäudes konzipiert. Als Bauelement
übernimmt die Fotovoltaik-
Applikation konstruktive Aufgaben und ermöglicht dem Zimmerer durch das Prinzip von
„Click & Connect ohne Kabel“
eine einfache Handhabung und
schnelle Montage.
Mit einem gewissen Stolz berichtet Michael Pack von den
bisherigen Erfolgen. Aufgrund
des gelungenen Designs, aber
auch wegen seiner Effizienz und
baulichen Vorteile hat das Dach
zahlreiche Architektur- und Innovationspreise eingeheimst.
Und auch in der Praxis hat sich
das Dach bewährt.
Anzeichen für weitere Erfolge
sind bereits vorhanden. systaic
lässt mit der Forschungsarbeit
nicht nach. Neueste Komponente im Energiedach ist die Zuführung der fotovoltaischen Abluft
in ein Wärmepumpensystem,
um es für die Raumwärme und
das Warmwasser zu nutzen. Und
so lautet die Rechnung, wie viele systaic-Energieeinheiten auf
das Dach eines Zwei-PersonenHaushaltes müssen: 33 Stück.
Dann sind die Bewohner unabhängig von fossilen Brennstoffen mit Wärme und Elektrizität versorgt. In Zeiten des
Klimawandels wird diese Art
der Nachhaltigkeit auch beim
Bau stetig steigen. systaic ist
mit dem eigenen Produktionsstandort im bayerischen Landsberg bestens für die Nachfrage
www.systaic.de ▪
gerüstet.
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