LANDTAG LIECHTENSTEINER VATERLAND | FREITAG, 23. NOVEMBER 2007 3 250 000 Franken für den LANV Mit 21 Stimmen bei 23 anwesenden Abgeordneten verabschiedete der Landtag gestern Abend das Budget 2008, das in der Gesamtrechnung mit einem Finanzierungsüberschuss von 10 844 000 Franken abschliesst. Von Günther Fritz Die Regierung hatte dem Landtag vor dessen Novembersitzung 27 Budgetnachträge zukommen lassen, die allesamt genehmigt wurden. Gegenüber dieser, auch die Nachträge berücksichtigenden Budgetfassung veränderte sich im Laufe der Detailberatung nur noch eine Position. So wurde mit 15 Stimmen der Antrag desVUAbgeordneten Arthur Brunhart gutgeheissen, dem Liechtensteiner Arbeitnehmerverband (LANV) die ursprünglich budgetierten Mittel von 150 000 Franken um 100 000 Franken auf insgesamt 250 000 Franken zu erhöhen. Hoher Beratungsaufwand des LANV Für das Berichtsjahr 2007 erhielt der LANV angesichts der ausserordentlichen Aufwände im Zusammenhang mit der Aufhebung der GWK-Pflichtmitgliedschaft 200 000 Franken. Für das Jahr 2008 wurde wieder der ursprüngliche Betrag von 150 000 Franken eingesetzt. «Die Aufhebung der GWK-Pflichtmitgliedschaft hatte für den LANV beträchtliche finanzielle Einbussen zur Konsequenz. Die Einbussen durch das Ausbleiben von Berufsbeiträgen betragen pro Jahr rund 30 000 Franken», erklärte der VUAbgeordnete Arthur Brunhart. Der Beratungsaufwand steige immer mehr. Aussenseiterarbeitgeber würden sich nicht mehr an gesamtarbeitsvertragliche Vereinbarungen halten. «Das bedeutet, dass die Betroffenen Hilfe beim LANV suchen», führte Brunhart weiter aus. Zur Verbesserung der Strukturen Die Umsetzung des Gesetzes zur Allgemeinverbindlicherklärung der Gesamtarbeitsverträge sei für die LANV-Geschäftsstelle anspruchsvoll. Dazu Arthur Brunhart: «Der LANV hat nicht die Mittel,Verbandsfunktionäre aufzubieten und professionelle Berater zu engagieren. Erst nach erfolgter Umsetzung der Gesetze wird der LANV in die Lage kommen, die staatlichen Beiträge gemäss Leistungsvereinbarung mit dem Ressort Wirtschaft festzulegen.» Eine Nachfrage habe zudem ergeben, dass der LANV für das Jahr 2007 ein Defizit erwarten müsse, und zwar von annähernd 50 000 Franken. «Nicht zuletzt soll die Erhöhung des Beitrages den LANV in die Lage versetzen», so Arthur Brunhart, «seine Strukturen zu verbessern, seine Arbeit zu professionalisieren und die Effizienz zu steigern.» ländische Gäste eingeladen, für welche auch ein Abendessen eingeplant sei.An den zwei Tagen der offenen Tür würden Tausende Besucherinnen und Besucher erwartet. Dabei sei auch vorgesehen, dass die Bevölkerung gratis verpflegt wird. Rudolf Lampert (FBP) setzte sich dann für die Beibehaltung der budgetierten 130 000 Franken mit der Bemerkung ein, er gönne der Unterländer Bevölkerung mehr als eine halbe Bratwurst. Der Antrag von Pepo Frick hatte mit zwei Stimmen keine Chance. Der Erhöhungsantrag von Arthur Brunhart wurde vom VU-Abgeordneten Henrik Caduff und vom FL-Abgeordneten Pepo Frick tatkräftig unterstützt, während der FBP-Abgeordnete Elmar Kindle sich klar dagegen aussprach, da der LANV ja auch Gebühren erheben könne. Schliesslich erzielte der Erhöhungsantrag zugunsten einer starken Arbeitnehmervertretung eine Mehrheit von 15 Stimmen. Dank guter Konjunkturentwicklung Unter Berücksichtigung des um 100 000 Franken erhöhten Beitrags für den LANV weist das gestern vom Landtag verabschiedete Budget 2008 einen Aufwand in der laufenden Rechnung von insgesamt 829 384 000 Franken aus. Bei einem Ertrag von 892 562 000 Franken beläuft sich der Cash Flow auf 63 178 000 Franken. Der Ertragsüberschuss in der laufenden Rechnung beträgt in der gestern verabschiedeten Fassung 23 485 000 Franken. Wie Landtagsvizepräsident Ivo Klein (VU) im Rahmen der Grundsatzdebatte ausführte, habe die sehr gute Konjunkturentwicklung auch die Ausgangslage für den Landesvoranschlag 2008 erheblich verbessert. So haben die laufenden Erträge einen Zuwachs um rund 62 Mio. Franken oder um 7,4 Prozent auf 892 Mio. Franken erfahren. Die Steuern und Abgaben mit einem Total von 84 Prozent der gesamten Erträge hätten mit einem Plus von 66 auf 748 Millionen praktisch alleine zu dieser verbesserten Ertragslage geführt. Von diesem budgetierten Zuwachs entfallen wieder rund 42 Millionen auf die Kapital- und Ertragssteuer. Dazu Ivo Klein, Mitglied der Finanzkommission: «Einen weiteren wichtigen Posten auf der Ertragsseite bilden die Vermögenserträge mit einem Volumen von 118 Millionen. Zu dieser Position trägt die Dividende der Liechtensteinischen Landesbank mit über 54 Millionen Franken massgeblich bei. Mit rund 20 Millionen schlagen die Liegenschaftsverkäufe zu Buche. Hierzu ist zu bemerken, dass diese Erträge einmalig sind und in dieser Form in den Folgejahren nicht einfach wiederholt werden können.» Kein Grund zur Euphorie Der aktualisierte Finanzierungsüberschuss in der Gesamtrechnung von nur noch 10,9 Mio. Franken stellt nach den Ausführungen desVU-Abgeordneten Günther Kranz gegenüber der Prognose 2007 einen Rückgang von 27,7 Mio. Franken oder satten 71,8 Prozent dar. «In Euphorie wird man aufgrund dieses Ergebnisses nicht ausbrechen, da dieses gegenüber der mutmasslichen Rechnung 2007 eine Verschlechterung darstellt und das Finanzergebnis allein ist wiederum ausschlaggebend für diese positive Budgetvorlage», betonte Günther Kranz, ebenfalls Mitglied der Fi- Engagiert sich für die Anliegen der Arbeitnehmer: Der VU-Abgeordnete Arthur Brunhart brachte gestern erfolgreich den Antrag durch, wonach der LANV statt der budgetierten Mittel von 150 000 Franken für das Jahr 2008 insgesamt Bilder Daniel Schwendener 250 000 Franken erhält. nanzkommission. Die überaus reichlich fliessenden Fiskaleinnahmen würden das finanzielle Gesamtbild aufhellen. Dazu der VU-Abgeordnete Kranz weiter: «Nur ein Teil des Überschusses verdient das Prädikat nachhaltig, da in den Vermögenserträgen nebst den 33 Mio. Franken aus den Poolanlagen weitere 20,4 Mio. Franken aus Einmaleffekten, ausschliesslich aus Liegenschaftsverkäufen resultieren. Diese Operation lässt sich noch ein oder zwei Jahre wiederholen und dann dürfte das Liegenschaftsportefeuille des Landes bereinigt sein.» Strukturelle Probleme Finanzkommissionsmitglied Elmar Kindle (FBP) wies darauf hin, dass die laufenden Beiträge ein hohes Wachstum aufweisen. Mit 42 Prozent des Aufwandtotals bilden die Beitragsleistungen die grösste Position. Es bedürfe eines kollektiven Wollens aufseiten der Regierung und des Landtags, um die notwendigen strukturellen Änderungen vornehmen zu können. Für Landtagsvizepräsident Ivo Klein ist klar: «Die hohen Steigerungsraten auf der Aufwandseite können so nicht weitergeführt werden. Wenn nämlich die Konjunktur nicht mehr so viel Geld in die Staatskasse spült, wird es wohl die unangenehme Aufgabe des zukünftigen Finanzministers sein, die strukturellen Probleme in der Landesrechnung zu beheben.» Auch für FBP-Fraktionssprecher Markus Büchel ist es wichtig, die Folgen jeder zusätzlichen Ausgabe, die aufseiten von Regierung und Landtag kreiert wird, sorgfältig zu überdenken. «Die Wirtschaft boomt, doch denken wir auch an die Schattenseiten, an die sogenannten Kollateralschäden», betonte der FL-Abgeordnete Pepo Frick in der Grundsatzdebatte zum positv abschliessenden Budget 2008. So würden mehr Arbeitsplätze mehr Verkehr generieren und die Umwelt zusätzlich belasten. Die Politik dürfe aber auch jene Mitmenschen, die nicht mehr voll leistungsfähig sind, nicht vergessen, erklärte Pepo Frick, FL-Mitglied der Finanzkommission. Regierungschef Otmar Hasler freute sich über die intensive und gründliche Analyse des Landesvoranschlags 2008. Die Regierung müsse auch künftig vermehrt Anstrengungen unternehmen, um einerseits der Wirtschaft günstige Rahmenbedingungen bieten zu können und andererseits das Ausgabenwachstum in den Griff zu bekommen. Keine halben Bratwürste Für die Durchführung der offiziellen Feierlichkeiten zur Eröffnung des neuen Landtagsgebäudes und eines «Tages der offenen Tür» werden im Budget 130 000 Franken vorgesehen. Der FL-Abgeordnete Pepo Frick stellte den Antrag, diese Mittel zu halbieren. Davon riet Regierungschef Otmar Hasler klar ab. Für den offiziellen Teil seien die Parlamentspräsidenten der Nachbarstaaten und viele in- 180 000 Franken für die LGU Im Vergleich zum Vorjahresbudget werden die Beiträge an die politischen Parteien von bisher 815 000 Franken um 330 000 auf 1 145 000 Franken erhöht. Der FL-Abgeordnete Paul Vogt fühlte sich unzureichend über die entsprechende Aufteilung der zusätzlichen Mittel informiert. Regierungschef Otmar Hasler erklärte, dass es für die Auszahlung der zusätzlichen Mittel zuerst eine Gesetzesänderung brauche. Den entsprechenden Vernehmlassungsentwurf werde er bis Ende Jahr den politischen Parteien zustellen. Der Regierungschef räumte ein, mit diesem Bericht im Verzug zu sein. Für die Zusammenarbeit mit privaten Naturschutzorganisationen sieht das Budget 2008 imVergleich zumVorjahr eine Steigerung um 60 000 auf insgesamt 227 000 Franken vor. Dieser Budgetanstieg wird von der Regierung mit der Erhöhung des Jahresbeitrags an die Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz (LGU) von 120 000 auf neu 180 000 Franken begründet. Der VU-Abgeordnete Harry Quaderer bekundete inbesondere «als Schaaner» Mühe mit einer zusätzlichen Unterstützung der LGU, deren verdienstvolle Tätigkeit er nicht erkennen könne. Der Antrag von Harry Quaderer, der LGU diese zusätzlichen 60 000 Franken nicht zu gewähren, wurde mit Hinweis auf den «Zinnober», den die LGU mit ihren dauernden Einsprachen verursacht, vom FBP-Abgeordneten Elmar Kindle unterstützt. Das löste dann eine riesige Solidaritätskundgebung vonseiten aller drei Parteien gegenüber der LGU aus. Der Kürzungsantrag erzielte dennoch beachtliche sechs Stimmen. 3 Prozent für das Staatspersonal Für das Staatspersonal beantragte die Regierung eine Erhöhung von 3 Prozent der Gesamtlohnsumme für Anpassungen des individuellen Besoldungsanteils. Dabei soll für das Jahr 2008 ein Anteil von 2 Prozent der Gesamtlohnsume für Anpassungen des fixen Leistungsanteils verwendet werden. Ein Anteil von 1 Prozent der Gesamtlohnsumme soll für einen einmaligen variablen Leistungsanteil gesprochen werden. Der Landtag stimmte diesen Regierungsanträgen mit 19 von 23 Stimmen zu. G o l d s c h m i e d R a p h a e l H u b e r Juwelen in schönster Vollendung Pepo Frick (FL): «Die Wirtschaft boomt, doch denken wir auch an die Schattenseiten, an die sogenannten Kollateralschäden!» Landtagsvizepräsident Ivo Klein (VU): «Die hohen Steigerungsraten auf der Aufwandseite können so nicht weitergeführt werden.» Günther Kranz (VU): «Diese Entwicklung mahnt zu besonderer Aufmerksamkeit und zu Korrekturen in der Aufwandsstruktur.» Juwelen · Schmuck · Exclusive Einzelanfertigungen A l t e n b a c h 1 · 9 4 9 0 Va d u z · L i e c h t e n s t e i n · Te l e f o n + 4 2 3 2 3 2 6 1 2 1