NÄHER AN DER REALITÄT BEBAUUNGSPLANUNG MIT BIM

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NÄHER AN DER REALITÄT
BEBAUUNGSPLANUNG MIT BIM
Wie Linz in Österreich Vorreiter der 3D-Stadtplanung wurde
5 MINUTEN LESEZEIT
EINFÜHRUNG
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Linz – Vorreiter im Bereich
3D-Stadtplanung
Im Wohnungsbau wird seit Langem mit 3D-Modellen und
­anspruchsvollen Visualisierungen gearbeitet. Bauträger,
­Entscheider, Makler und die späteren Bewohner können sich ­
so schon vorab ein genaues Bild von der Architektur und der
Umgebung machen – Monate vor dem ersten Spatenstich.
Ganz anders verhielt es sich bisher bei großen Infrastrukturprojekten
und städtebaulichen Maßnahmen. Aus Zeit- oder Kostengründen
wurde hier meist auf konventionelle Pläne, Zeichnungen oder die
Animation zweidimensionaler Darstellungen zurückgegriffen. Eine
oft unbefriedigende Lösung, die vom ungeübten Betrachter viel
Fantasie erforderte.
Doch immer mehr Stadtbauämter und Planer verlassen diesen Weg.
Dank neuer Anwendungen wie Building Information Modeling haben
sich die Möglichkeiten der dreidimensionalen Visualisierung stark
­verbessert. 3D-Ansichten ganzer Stadtviertel können heute sehr viel
einfacher erzeugt und über digitale Medien geteilt werden.
Einer der Vorreiter beim Einsatz von
BIM-Stadtplanungsmodellen ist Linz
in Österreich, das seinen Bürgern alle
Geodaten in 3D zur Verfügung stellt.
LINZ IM PORTRÄT
Mit knapp 200.000 Einwohnern ist Linz die drittgrößte Stadt
­Österreichs. Auf einer Fläche von 96 Quadratkilometern
verbinden sich historische Gebäude, deren Entstehung bis ins
Mittelalter zurückreicht, mit modernster Architektur.
Ihre große wirtschaftliche Bedeutung verdankt die Stadt der
Textilindustrie und dem Donaubinnenhafen. 2009 war Linz
Kulturhauptstadt Europas und wurde 2014 in das Netzwerk
„UNESCO-City of ­Media Arts“ aufgenommen.
BUILDING INFORMATION MODELING
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Eine ganze Stadt aus Bits und Bytes
E
ine dynamische Stadt wie Linz bewegt sich städtebaulich
immer vorwärts. Das erfordert eine detaillierte Planung, ­
vor allem aber die durchdachte Einbettung in historisch
gewachsene Gebäudesubstanz. Die zuständigen Stellen haben
daher früh damit begonnen, Projekte in 3D zu visualisieren, um die
­Umsetzbarkeit und Auswirkungen verschiedener Konstruktions­
ansätze besser absehen zu können. Die Veröffentlichung dieser
­Modelle erlaubt außerdem die demokratische Teilhabe der Bevöl­
kerung und führt dazu, dass eventuelle Widerstände schon im
­Vorfeld ausgeräumt werden können. Seit 2013 stellt die Kommune
allen Bürgern ein vollständiges 3D-Stadtmodell zur Verfügung.
Ausgewählte Bauvorhaben werden von Beginn an in diesem
Modell geprüft. Für die Linzer Stadtplanung lässt sich damit leicht
erkennen, ob ein Entwurf beispielsweise zu wuchtig ist und nicht in
die Umgebung passt. Verschiedene Varianten ermöglichen es, ­
Vor- und Nachteile einzelner Entwürfe gegeneinander abzuwägen:
Welche Auswirkungen hat es, wenn das Gebäude ein Stockwerk
höher wird? Wäre es sinnvoll, das Objekt breiter zu bauen und
dafür etwas niedriger? Um diese Fragen zu beantworten, müssen
lediglich Polygonen verändert werden, den Rest rechnet das
3D-Programm selbst.
Das vollständige 3D-Modell
der Stadt Linz im Internet
PROZESSE VEREINFACHEN
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„Lego für die Großen“
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in großer Vorteil des Building Information Modeling ist die
einfache Handhabung. „Solche Gebäudekörper zu bauen, ­
ist fast ein bisschen wie Lego bauen“, erklärt Günther
Perchthaler, Leiter der Grafikgruppe bei der Stadtplanung Linz.
Einzelne Elemente können beliebig hinzugefügt und verändert
werden. Zur Simulation der Umgebung greift man auf Geodaten
oder andere Informationen zurück, zum Beispiel Satellitenbilder
oder Punktwolken. Dank fotorealistischer Renderings einzelner
­Gebäude oder Bauabschnitte bleiben die Vorhaben keine abstrakte
Vor­stellung mehr. Gerade für Bauherren und politische Entscheidungsträger sind die 3D-Visualisierungen äußerst hilfreich.
„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Entscheidungsprozesse ­
für oder gegen ein Bauvorhaben wesentlich beschleunigt werden
können“, sagt Günther Perchthaler. „Ich zeige in Besprechungen
mit Architekten, Bauherren und Kommunalpolitikern meist das
3D-Modell des geplanten Objekts. Oft erstellen wir mehrere
Varianten, um abwägen zu können und so die beste Lösung für
alle zu finden.“
PROJEKT EBELSBERG
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Bebauungsstudie als Blick in die Zukunft
I
m Süden von Linz liegt der Stadtteil Ebelsberg mit der gleich­
namigen Schlossanlage. In einer vorhandenen Baulücke im
historischen Kern sollte ein neues Gebäude entstehen, das sich
harmonisch in die Umgebung einpasst. Ein anspruchsvolles Unter­
fangen, da gerade bei Baulücken die verschiedensten Einfluss­
faktoren berücksichtigt werden müssen. Um mögliche Umsetzungen
zu prüfen, wurden zunächst zwei Machbarkeitsstudien erstellt.
Hier stand vor allem die Hanglage des Objekts im Vordergrund –
mit welchen Mitteln ließ sich diese schwierige Lage bewältigen?
In dem erstellten 3D-Modell konnten alle Entscheidungsträger
sehr schnell bewerten, wo Schwierigkeiten entstehen könnten und
wo sich Möglichkeiten zur Optimierung ergaben. „Erst im Kontext
mit Umgebung und Nachbarschaft wird ersichtlich, ob sich ein
­Projekt tatsächlich am vorgesehenen Standort realisieren lässt“, ­
fasst Günther Pechthaler die Bemühungen der Stadtplanung Linz
zusammen. Erst nach Prüfung mehrerer Modelle bekam das
Bauvorhaben schließlich grünes Licht.
3D-Rendering für das
Projekt Ebelsberg
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DIE ZUKUNFT VON BIM
Infrastrukturprojekte nachhaltig
und wirtschaftlich umsetzen
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er Einsatz von Building Information Modeling nimmt auch
bei der Planung von Infrastrukturprojekten rapide zu.
Nach einer internationalen Studie von McGraw Hill
Construction wird sich die Zahl der BIM-Nutzer in den nächsten
zwei Jahren fast ­verdoppeln. Für die öffentliche Hand bietet sich hier
die Chance, einen Wandel einzuleiten – hin zum schnelleren, wirtschaftlicheren und nachhaltigen Bauen. Veranschaulicht man sich die
Finanz­situation vieler Kommunen, dann dürfte ein solcher Paradigmenwechsel von großer Bedeutung sein.
Aber auch die Nutzer profitieren von den Möglichkeiten des
Building Information Modeling. Denn hier werden unterschiedlichste
Daten in einem Modell zusammengeführt, an dem alle am Projekt
Beteiligten gemeinsam arbeiten. So lassen sich Abstimmungsprozesse
vereinfachen und Entscheidungen beschleunigen. Die Stadt Linz
bleibt auch hier ihrer Vorreiterrolle treu: Ausgewählte Projekte stellt
sie inzwischen in die Cloud, so dass alle befugten Mitarbeiter und
Entscheidungsträger den jeweils aktuellsten Stand des Projekts
einsehen können.
„Wir sind stolz darauf, eine der ersten Städte in Österreich zu sein,
die ihre Geodaten in 3D zur Verfügung stellen können.“
Christian Ganhör, IKT Linz GmbH
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