KANTONSSCHULE WOHLEN Sanierung

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020
Departement
Finanzen und Ressourcen
Immobilien Aargau
KANTONSSCHULE WOHLEN
Sanierung Pavillonbauten und Turnhalle
November 2009
DIE LANG ERSEHNTE SANIERUNG UND MODERNISIERUNG DER 40 JAHRE ALTEN PAVILLONBAUTEN UND TURNHALLE IST ABGESCHLOSSEN. DIE PAVILLONBAUTEN ERFÜLLEN DEN
MINERGIE®-STANDARD UND SIND ZERTIFIZIERT. DIE HAUSTECHNIKANLAGEN WURDEN
TOTAL ERNEUERT. EINE PELLETHEIZUNG ERSETZT DIE VORHERIGE ÖLHEIZUNG. DANK
NEUEM GRUNDRISSLAYOUT KONNTE ZUSÄTZLICHER SCHULRAUM GESCHAFFEN WERDEN.
AB DEM SCHULJAHR 2009/2010 STEHEN DIE BAUTEN DER KANTONSSSCHULE WIEDER
VOLLUMFÄNGLICH ZUR VERFÜGUNG.
Inhalt
3
05
VORWORT
Regierungsrat Roland Brogli, Landammann
Vorsteher Departement Finanzen und Ressourcen, DFR
Regierungsrat Alex Hürzeler
Vorsteher Departement Bildung, Kultur und Sport, BKS
11
DER PAVILLON DER KANTONSSCHULE WOHLEN – EINE BEEINDRUCKENDE ENTWICKLUNG
Waldemar Feller
Prorektor Kantonsschule Wohlen
12 bericht des architekten
Stefan Hegi
Hegi Koch Kolb Architekten AG, Wohlen
Peter Trost
Batimo AG, Architekten SIA, Zofingen
16
Pläne
Situationsplan
Ansichten
Grundrisse
Schnitte
22 DIE IMMOBILIEN AARGAU DANKT
François Chapuis, Leiter Immobilien Aargau
Meinrad Fürst, Projektleiter
Projektdaten (umschlag)
Beteiligte
Planungs- und Bauchronologie
Kennzahlen
Erstellungskosten
4
Vorwort
Regierungsrat Roland Brogli, Landammann
Vorsteher Departement Finanzen und Ressourcen, DFR
Bauen und unterrichten sind anspruchsvolle Tätigkeiten.
Besonders anspruchsvoll ist es, beides gleichzeitig und
nebeneinander zu tun. Genau um diese Herausforderung
geht es bei jeder Renovation von Schulbauten. So war es
in Baden und Wettingen und so war es auch in Wohlen.
Der Schlüssel zum Erfolg heisst sorgfältige Planung,
kompetente und gelassene Umsetzung. Das verlangt
nach einer Etappierung, so dass Baufachleute, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrende über längere Zeit und
trotz der Beeinträchtigungen ihren unterschiedlichen Aufgaben gerecht werden können. Das ist bei der Sanierung
der Pavillonbauten der Kantonsschule in Wohlen bestens
gelungen. Dafür danke ich allen Beteiligten von Herzen.
Renovieren und sanieren muss heute heissen, die
Bauten so anzupassen, dass mit der Erneuerung die
bekannten und die prognostizierten Umweltveränderungen massgebend berücksichtigt sind. Das hat vor
allem Konsequenzen für die Aspekte der Energie und
der Erdbebensicherheit. Wir verlassen das Erdöl, bevor
es uns verlässt. Aktion statt Reaktion. Die Antwort ist
in Wohlen eine Pelletheizung. Dazu kommt die Wärmedämmung der Aussenfassade. Mit weiteren Massnahmen haben wir konsequent die Erreichung des MinergieStandards verfolgt. Die Erdbebensicherheit haben wir
mit der Verstärkung der Stahlkonstruktion erreicht.
Damit sind natürlich noch lange nicht alle grossen
baulichen Taten aufgezählt. Für alles Weitere verweise ich Sie deshalb auf die fundierten Beiträge in
dieser Baudokumentation.
f
Eingangsrampe
Mit unserem Tun – was immer es sein mag – setzen wir
Zeichen. Das Departement Finanzen und Ressourcen
will mit seiner Arbeit, zusammen mit den beauftragten
Fachleuten, Zeichen der Nachhaltigkeit setzen. Darüber
hinaus geht es aber auch darum, Zeichen für das Zusammenleben der Menschen zu setzen. Deshalb muss Bauen,
Sanieren und Renovieren ganzheitlich sein. Und deshalb
gehört es dazu, dass wir auch die Aussenräume, die
Innenhöfe, ja die ganze Umgebung menschenfreundlich
gestalten. Mit der Bepflanzung. Mit der Zugänglichkeit der
Bauten für Menschen, die sich im Rollstuhl fortbewegen
können. Auch in diesen Fragen sind wir bei der Sanierung
der Pavillonbauten unseren Prinzipien treu geblieben.
Hoffentlich zum Wohl aller, die in diesen zukunftstauglichen Bauten ein und ausgehen dürfen. Hoffentlich für
alle, die in diesen Räumen Kopf, Herz und Hand entfalten
dürfen. Hoffentlich zum Wohl der Gesellschaft. Damit
Gesellschaft wieder mehr zu Gemeinschaft werden kann.
5
6
Regierungsrat Alex Hürzeler
Vorsteher Departement Bildung, Kultur und Sport, BKS
Die Pavillons und die alte Turnhalle der Kantonsschule
sind in den Jahren 1965 –1969 erstellt worden – vor
rund vierzig Jahren also. In der Zwischenzeit hat sich
nicht nur die Mittelschuldidaktik massiv verändert,
sondern hat auch die Energie- und Haustechnik spürbare Fortschritte erzielt. Die Sanierung befolgte also
zum einen den Zweck, die in die Jahre gekommene
Gebäudesubstanz und die originelle Anordnung der
Anlage zu erhalten, zum anderen aber auch, im Bezug
auf Energieeffizienz und Belüftung deutliche Verbesserungen zu erreichen und die Unterrichtsräumlichkeiten
modernen Bedürfnissen anzupassen. Nun sind die
Arbeiten abgeschlossen und die Handwerker verlassen
das Schulareal. Die etwas erschwerten Arbeitsverhältnisse während der Sanierung werden durch das Resultat
mehr als wett gemacht.
pp
p Korridor
Aussenansicht Südost
Die modernisierte, grosszügige Anlage bietet nun hervorragende Rahmenbedingungen für einen spannenden
und anspruchsvollen Unterricht. Nicht nur wird der Alltag
durch die neue technische Ausrüstung erleichtert, auch
die Luftqualität während des Unterrichts wird bedeutend
besser sein. Wenn intellektuelle Höchstleistungen
erbracht und konzentriert gearbeitet werden soll, ist
dies nötig. Deshalb ist es sinnvoll, dass die Pavillons
den Minergie-Standard erfüllen, den Lernenden und
Unterrichtenden zuliebe, aber auch um Energiekosten
zu sparen.
Auch bei bester Technik und gelungenster Einrichtung
sind es am Ende vor allem die Menschen, welche die
Qualität einer Mittelschule ausmachen und die Schulkultur gestalten: Schülerinnen und Schüler, die neugierig und
leistungsbereit sind und etwas lernen wollen ebenso wie
kompetente Dozentinnen und Dozenten, die mit Freude
Wissen vermitteln und junge Menschen zu fesseln und
motivieren vermögen. Ohne dies bleibt ein Schulhaus
eine leere, leblose Hülle. Umgekehrt kann aber eine angenehme Umgebung, die Arbeitsatmosphäre positiv unterstützen und zu einem förderlichen Umfeld beitragen.
Ich freue mich, dass die Sanierung nun abgeschlossen
ist und alle Betroffenen der Kantonsschule Wohlen
wieder zum Normalbetrieb übergehen können. Längst
erfüllte die Anlage moderne Ansprüche an Schulhauseinrichtungen nicht mehr. Der weitgehende Verzicht auf
Provisorien forderte von allen Beteiligten eine gewisse
Flexibilität und bisweilen auch Organisationstalent.
Ich danke deshalb allen, die unter diesen erschwerten
Bedingungen gute Arbeit geleistet haben. Lehrpersonen
und die derzeitigen und künftigen Wohler Kantonsschülerinnen und -schüler werden dafür nun von einer
vorzüglich sanierten Infrastruktur profitieren. Die
Arbeitsbedingungen haben sich massiv verbessert.
Dies wird sich mit Sicherheit positiv auf die Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit aller auswirken!
7
8
9
10
Der Pavillon der Kantonsschule Wohlen –
eine beeindruckende Entwicklung
Waldemar Feller
Prorektor Kantonsschule Wohlen
Was soll mit dem Pavillon der Kantonsschule Wohlen
passieren – abreissen und durch ein neues Gebäude
ersetzen oder doch sanieren? Unterstützung bei der
Beantwortung dieser Frage sollte eine Studie liefern, die
ein Architekturbüro vor einigen Jahren vorgelegt hatte.
Nicht nur in der Projektkommission wurde lange und
ausführlich darüber diskutiert. Die Argumente für eine
Sanierung überwogen schlussendlich.
Für eine Sanierung sprach vor allem die spezielle Anlage des Gebäudes mit dem langen, hellen Gang und
den links und rechts dazu angeordneten Schulzimmern.
Sehr geschickt versetzte später der Architekt die grossen Gangfenster weiter nach aussen und machte den
Gang damit noch attraktiver und zu mehr als nur einem
Gang. Aber auch der Kostenvergleich mit einem neuen
Gebäude fiel zu Gunsten einer Sanierung aus. Die
Politiker stimmten zu.
Auf Provisorien sollte durch Sanieren in Etappen verzichtet werden. Dazu waren aber besondere Anstrengungen bei der Koordination des Schulbetriebs und der
Sanierungsarbeiten nötig, und die Bauzeit erstreckte
sich auf über zweieinhalb Jahre, eine lange Zeit.
Der vollständige Verzicht auf Provisorien während der
Bauphase konnte allerdings nicht ganz erreicht werden.
Das starke Wachstum der Schülerzahlen hatte zur Folge,
dass gegen Ende der Sanierung doch noch Provisorien
benötigt wurden.
Auch wenn das Gebäude nicht vergrössert wurde,
so konnten durch eine bessere Raumaufteilung und
-nutzung zwei zusätzliche und dringend benötigte
Schulzimmer entstehen. Seit Sommer 2009 findet der
gesamte Unterricht der Fachschaft Wirtschaft und Recht
im Pavillon statt. Auch der Musikunterricht kann nun in
unmittelbarer Nähe zu den Räumen des Instrumentalunterrichts im Pavillon abgehalten werden.
Der Pavillon hat nun auch einen besseren Anschluss an
das andere Gebäude, wenngleich die gewünschte treppenlose Verbindung leider nicht realisiert werden konnte.
Aber die Treppenstufen der neuen Treppen sind jetzt
richtig dimensioniert und wie die Verbindungswege genügend breit, auch mehrere Personen kommen problemlos aneinander vorbei. Es gibt ja kaum eine Klasse, die
nicht sogar mehrmals pro Tag in kurzer Zeit das Gebäude
wechseln muss.
Auch innerhalb des Gebäudes wurde eine breite Verbindungstreppe zwischen Erdgeschoss und Untergeschoss
an einem zentralen Standort geschaffen. Am gleichen Ort
befinden sich auch die neuen vergrösserten WC-Anlagen,
bei der nicht nur das allgemeine Wachstum der Schüler-
f
Hof
zahlen sondern auch die Veränderung des Geschlechterverhältnisses berücksichtigt wurden.
In welchem Raum ist das Unterrichten am angenehmsten?
Vor der Sanierung gab es grosse Unterschiede, einzelne
Räume waren am Schluss in einem so schlechten Zustand, dass sie kaum mehr genutzt werden konnten – oder
wollten, wenn zum Beispiel wieder einmal die Rede davon
war, dass im Untergeschoss Mäuse gesehen wurden.
Heute sind die Unterschiede nicht mehr gross. Zu den
besonders auffallenden Räumen gehören sicher die beiden grossen Zimmer für Bildnerisches Gestalten und der
neue Musiksaal. Der Musiksaal hat sich bereits auch als
idealer Raum für Lehrerkonferenzen und Weiterbildungsveranstaltungen bewährt.
Alle Räume des Instrumentalunterrichts sind jetzt akustisch sehr gut gegeneinander isoliert, was von direkt
Betroffenen im Voraus kaum für möglich gehalten wurde.
Einige Musikkojen im Untergeschoss wurden vergrössert, auch die Fensterflächen sind grösser als vorher. In
diesen Räumen kann jetzt auch unterrichtet und nicht
nur geübt werden. Und in unmittelbarer Nähe befinden
sich zwei Computerräume, bereit für den Einsatz auch
im Kunstbereich.
Leider konnte das Projekt in der Turnhalle nicht so wie
geplant umgesetzt werden, da nichtprojektierte Kosten
kompensiert werden mussten. Von den beiden geplanten
Räumen Kraftraum und Gymnastikraum wurde nur der
eine realisiert. Die Kantonsschule Wohlen hat nun einen
Kraftraum aber leider keinen Gymnastikraum. Der Verzicht auf den Gymnastikraum ist nicht zuletzt auch deshalb einschneidend, weil nur mit beiden neuen Räumen
das Erstellen der Sportstundenpläne hätte vereinfacht
werden können. Die Schule Bünzmatt der Gemeinde
Wohlen, mit der die Kantonsschule bei der Hallenbelegung zusammenarbeitet, hätte auch ein Interesse daran
gehabt und davon profitieren können.
Grosse Auswirkungen auf den Schulbetrieb hatte dann
noch ein anderes nicht geplantes Ereignis: Während
der Sanierung der ersten Halle fiel auch die zweite Halle
wegen eines Brandes durch Brandstiftung aus. Der
gesamte Sportunterricht konnte während mehreren
Monaten nur noch im Freien stattfinden. Der Fachschaft
Sport und allen SchülerInnen sei an dieser Stelle noch
einmal gedankt für ihre Kooperation in dieser schwierigen Situation. Was soll mit dem Pavillon der Kantonsschule Wohlen passieren? Heute stellt sich diese Frage
nicht mehr. Und der Pavillon erreicht mit dieser Sanierung Minergie-Standard. Wenn man weiss, wie es vorher
einmal war, ist dies eine beeindruckende Entwicklung.
11
Bericht des architekten
12 Stefan Hegi
Hegi Koch Kolb Architekten AG, Wohlen
Peter Trost
Baltimo AG, Architekten SIA, Zofingen
Geschichte und Qualität
Einst als Bauten für akuten Bedarf für das Lehrerseminar – mit Aussicht auf späteren Ersatz – wurden die
Pavillonbauten in den Jahren 1965 und 1969 entlang
der Bünz in rationeller und kostengünstiger Art erstellt.
Ein massiv betonierter Sockel, welcher zur Bünz sich
öffnende Nebenräume und einen Werkraum enthielt,
bildete die Basis für die darüber mit Durisol-Betonelementen aufgerichteten Schulpavillons. In fünf Trakten
reihen sich beidseitig eines voll verglasten Erschliessungsganges die Schulzimmer garniert mit Nebenräumen, WC-Anlagen und Erschliessungstreppe. Die von
aussen auf den ersten Blick empfundene Regelmässigkeit ist im Innern organisatorisch nicht nachvollzogen.
Diese Verschleierung ist Teil einer wohl unbewusst entstandenen Spannung zwischen Übersicht und Orientierungslosigkeit. Einzig das Abschreiten des Ganges mit
den wiederkehrenden und im Laufe der Jahre unterschiedlich gestalteten Innenhöfen und Ausgängen hilft
ein Anfang und Ende zu erleben und die eigene Position
innerhalb der Aufreihung zu finden. Es gab keinen Haupteingang, nur Eingänge zur Wirbelsäule der Schulanlage.
Dieser lockere, aber spannungsvolle Umgang mit Aussen
und Innen erwies sich als grosse, von Lehrerschaft und
Schülern geschätzte, Qualität. Die konstruktiven und
wärmetechnischen Mängel wurden über Jahre hinweg
teilweise mit Unterhaltsarbeiten behoben, oder aber
aufgrund der attraktiven räumlichen Qualitäten schlichtweg hintenangestellt. Nach dem Neubau in den 80erJahren und der Nutzung als Kantonsschule gelangten
die Pavillons nochmals etwas ins Abseits, überstrahlte
der mit Calatrava-Architektur angereicherte Neubau von
Burkhard, Meyer, Steiger mit seiner subtilen Detaillierung und Materialisierung alles Danebenstehende. Doch
hielten die Pavillonbauten ihren Dornröschenschlaf
ohne Verlust der geheimen Zuneigung schadlos aus.
Diese Vorgeschichte stand im Jahr 2001 als aufzuarbeitende Ausgangslage im Zentrum der dringend
anstehenden Abklärungen für eine Komplettsanierung
der Pavillonbauten einschliesslich der dazu gehörenden
Turnhalle. Es galt, eine Bauzustandsanalyse zu machen,
wie auch das potentielle, möglichst optimal auszuschöpfende Raumangebot zu prüfen.
Diese erste Studie hatte konkret zum Ziel, den baulichen
Sanierungsbedarf zu ermitteln, das Erweiterungspotential maximal auszuschöpfen ohne Schaffung zusätzlicher Neubauten, den Bauablauf ohne grosse Störung
des Schulbetriebes und ohne temporäre Ersatzbauten
zu studieren, und eine Gesamtbeurteilung machen zu
können, ob der Erhalt und die Sanierung der Pavillonbauten gerechtfertig sein kann.
2004 wurden in einer vertieften Auseinandersetzung das
Bauprojekt ausgearbeitet, sowie nochmals Vergleiche
mit einem Neubau gezogen. Finanzpolitische Gründe,
die Möglichkeit der etappierbaren Bauarbeiten aber vor
allem die einmaligen innen- und aussenräumlichen
Qualitäten führten zum Sanierungsentscheid. Das Ziel die
besonderen Qualitäten der Schulanlage zu erhalten, die
landschaftliche Einbindung, die zurückhaltende äussere
Gebäudeerscheinung und die klare Raumorganisation mit
der kammartigen Gruppierung der Unterrichtszimmer zu
optimieren, konnte somit in Angriff genommen werden.
Raumentwicklung
Das auf dem bünzseitigen Sockelgeschoss aufgesetzte,
eigentliche Erdgeschoss enthält nun mehr reine Unterrichtszimmer, z. T. mit zusätzlichen seitlichen Erschliessungsgängen an den Hauptgang angeschlossen. Die
vielfach vorhandenen Zugänge wurden auf der Bünzseite
reduziert, hingegen zum östlich gelegenen Neubau
belassen, ja sogar durch Verbesserung der Wegsysteme,
Rampen und Aussentreppen aufgewertet. Noch immer
kann der «persönliche» Ausgang gewählt werden. Ein
eigentlicher aber nicht forcierter Haupteingang befindet
sich neu direkter dem mit Calatrava-Vordach versehenen
Haupteingang des oberen Neubaus gegenüber. Somit
wird die Verbindung der beiden sehr unterschiedlich
konzipierten Kantonsschulbauten mit der Verzahnung
der Aussenräume stärker spürbar.
In der Nähe des etwas zentraler gelegenen inoffiziellen
Haupteinganges liegt die neue, grosszügiger gestaltete
Verbindungstreppe nach unten und die ebenfalls vergrösserten Toilettenanlagen. An der zentralen Erschliessungsachse reihen sich die fünf unterschiedlich grossen
Pavillontrakte mit je zwei bis drei Unterrichtszimmer
auf. Im nördlich gelegenen, grössten Trakt befinden sich
spezifischere Räume für bildnerisches Gestalten und
Musikunterricht. Das Untergeschoss, aufgewertet durch
eine grosszügigere Treppenverbindung und der Qualität
der idyllischen Ausrichtung zur Bünz, beherbergt
p
oben: Ansicht West
p unten: Hof
pp Schulzimmer
mehrere Gruppenräume, Lehrerzimmer und Musikkojen. Die direkten Ausgängen und die Qualität der
vorhandenen Aussenräume lassen in den wärmeren
Jahreszeiten eine schulische Nutzung durchaus zu.
Die Turnhalle konnte dank der Auslagerung des Aussengeräteraumes mit einem zusätzlichen Fitness- und
Kraftraum ausgebaut werden.
Gebäudesanierung
Sämtliche Sekundärstrukturelemente (Fenster, Türen,
nicht tragende Innenwände, Böden, etc.) sowie die gesamten haustechnischen Installationen wurden entfernt
und der Bau auf die Primärkonstruktion reduziert. Der
Neuaufbau wurde additiv nach aussen vorgenommen,
sodass die bisher aussen spürbare Durisol-Elementgliederung nur noch im Innern nachvollzogen werden
kann. Das bereits 2001 anvisierte Ziel des Minergiestandards konnte mit dem Einbau von traktweise autonomen Komfortlüftungen und der im Fassaden- und
Dachbereich aussenangebrachten komplett neuen Wärmedämmebene problemlos erreicht werden. Mit einer
neu eingebrachten Pelletheizung werden die Räume mit
Heizkörpern erwärmt. Die neu konzipierte Beleuchtung
wird ebenfalls den Minergieanforderungen gerecht.
Die mit Weiss-Grau-Anthrazittönen zurückhaltende
farbliche Materialgestaltung lässt die jahreszeitlich unterschiedlich wirkende Aussenwelt durch die meistens
zweiseitig befensterten Fassaden vollkommen nach
innen wirken.
Äussere Erscheinung
Die Auseinandersetzung mit der Wahl der geeigneten
Fassadenoberfläche war bereits bei der ersten Sanierungsstudie intensiv. Klar schien, dass die ursprüngliche
strukturierende und aussen spürbare Elementgliederung
nicht mehr präsent sein wird. Klar schien auch, dass das
Leichte und spürbare Provisorische in einer auf längere
Lebensdauer ausgerichteten Sanierung im äusseren
Erscheinungsbild sich wiederfinden sollte. Ebenso sollte
das Umhüllen mit einem wirksamen Wärme- und Witterungsschutz nachvollziehbar und für den Benutzer lesbar
sein. Der betonierte Sockel, welcher zum grossen Teil
im Erdreich verschwindet, wurde aussen belassen und
wo notwendig innenseitig gedämmt. Durch diese auch
konstruktiv bedingte Massnahme konnte die vertikale
Geschossgliederung ungezwungen gestalterisch erhalten
bleiben. Das Augenmerk richtete sich deshalb nur noch
auf die Erscheinung des aufgesetzten und vom Boden
leicht abgehobenen Erdgeschosses. Die gewählte Glasfaser-(GFK-)Platte mit ihrer glatten Oberfläche und der
je nach Sichtwinkel und Lichteinfall unterschiedlichen
transluziden Tiefenwirkung versinnbildlicht die beiden
Aspekte Schutz und ehemaliges Provisorium auf
spannende Weise. Nicht auf die strenge Abbildung der
ursprünglichen Massteilung der vorfabrizierten Betonelemente Rücksicht nehmend lässt sie doch Durchund Einblicke in die Unterkonstruktion zu. Die leichten
Nuancen der Farbwirkungen beleben die Oberfläche und
unterstreichen das Umhüllen eines ehemals als Provisorium gedachten Baukörpers. Die gewählte blaue Farbe
kontrastiert zur farblich jahreszeitlich unterschiedlich
wirkenden Umgebung, vermittelt aber auch das Gefühl, in
den Pavillonbauten näher des Bünzbaches zu sein als der
massive Klinkersteinbau des oberen Kantonsschulbaus.
Realisierung
Die Umsetzung des anspruchsvollen Sanierungsprojektes musste unter Aufrechterhaltung des Schulbetriebes erfolgen. Ein etappenweises Vorgehen war daher
unabdingbar. In einer zweieinhalbjährigen Bauzeit wurde
Pavillon um Pavillon bearbeitet und dem definitiven
Schulbetrieb übergeben.
Dieses Szenario bedingte eine ausgeklügelte Baulogistik und detaillierte Absprachen mit der Schulleitung.
Im Rahmen der detaillierten Ausführungsplanung
boten die Gebäude ein nicht unerhebliches Überraschungspotential. Die auf den ersten Blick einheitliche
Konstruktionssystematik der Gebäude entpuppte sich
nach erfolgten Rückbauarbeiten als trügerisch. Materialqualitäten und umgesetzte Detaillösungen waren von
Pavillon zu Pavillon sehr unterschiedlich. Im Zusammenhang mit den geforderten Standards bezüglich
Sicherheit und technischer Ausrüstung erforderte dies
eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Bestand.
Innovation und Wirtschaftlichkeitsüberlegungen waren
zentrale Themen, die uns alle bei der Umsetzung des
Projektes beschäftigten.
13
14
15
situation
16
1 Calatrava-Haus
2 Pavillonbauten
s 3 Turnhallen
3
2
1
Pavillonbauten
s
Pavillon 3: Schnitt
Pavillon 5: Fassade Süd
Pavillon 5: Fassade Nord
Pavillon 1: Fassade Süd
Pavillon1: Fassade Nord
Pavillon 1/2: Fassade West
17
PAVILLONBAUTEN
s
Pavillon 1 – 5: EG
18
Pavillon 5
1
2
2
2
2
3
1 Zeichensaal
2 Instrumentalunterricht
3 Musiksaal
4 Schulzimmer
5 Computerzimmer
6 Vorbereitungsraum Lehrer
Pavillon 4
6
4
4
5
Pavillon 3
4
4
Pavillon 2
4
4
4
4
4
4
Pavillon 1
PAVILLONBAUTEN
s
2
2
2
2
2
2
1
3
2
Pavillon 1 – 5: UG
Pavillon 5
1 Bildnerisches Gestalten
2 Instrumentalunterricht
3 Gruppenraum
4 Vorbereitungsraum Lehrer
5 Kopierraum
6 Informatik-Assistent
7 Kantiforum
8 Lagerräume
9 Technik
10 Heizung
Pavillon 4
Pavillon 3
Pavillon 2
Pavillon 1
8
3
4
5
9
10
8
6
7
19
TURNHALLE
20
s
Ansicht West
Ansicht Ost
Ansicht Nord
Ansicht Süd
Turnhalle 1: Schnitt
s
ss
EG
UG
Turnhalle 2
6
1
4
Turnhalle 1
1 Luftraum Turnhalle
2 Lehrerzimmer
3 Kraftraum
4 Garderobe
5 Dusche
6 Aussengeräte
3
5
2
2
1
3
6
5
4
7
8
Turnhalle 1
1 Turnhalle
2 Geräte
3 Garderobe
4 Dusche
5 Instrumentalunterricht
6 Lager
7 Technik
8 Heizung
21
DIE IMMOBILIEN AARGAU DANKT
22 François Chapuis, Leiter Immobilien Aargau
Meinrad Fürst, Projektleiter
Die schwierige Frage, die Pavillonbauten erhalten oder
einen Ersatzneubau zu realisieren, wurde nach vergleichenden Studien zu Gunsten der vorhandenen Pavillonbauten entschieden. Dank diesem Entscheid bleibt ein
Beispiel eines heute seltenen Schulhaustyps erhalten.
Die Qualität der Architektur der ursprünglichen Anlage
wurde erkannt und darum der klare und kleinmassstäbliche Aufbau der Schulanlage mit unterschiedlich
gestalteten und nutzbaren Aussenräumen zwischen
den Pavillons beibehalten.
Nach der Sanierung der 40-jährigen Schulanlage, ursprünglich als Provisorium des Lehrerseminars Wettingen gebaut, stehen die Pavillons heute als wunderschöne
und gleichberechtigte Bauten im Kontext mit dem 20
Jahre späteren Neubau des Hauptgebäudes und fügen
sich harmonisch in die Umgebung ein. Mit der Anpassung
an heutige technische und energetische Anforderungen
konnte die Anlage in einen langfristig nutzbaren Bau
(Minergie zertifiziert) überführt werden. Die Immobilien
Aargau dankt dem Grossen Rat für das Vertrauen in unsere
Arbeit und den Entscheid zum verantwortungsvollen Umgang mit einem bedeutenden Zeugen seiner Bauepoche.
Die Realisierung eines mehrjährigen Projektes muss
auf veränderte Nutzeranforderungen und Rahmenbedingungen reagieren. Eine vollumfängliche Sanierung bis
und mit Rohbau, wie in vorliegendem Fall, birgt immer
das Risiko, dass erst nach vollständigem Rückbau sämtliche notwendigen Massnahmen erkannt und geplant
werden können. Mit grossem Aufwand, engagiertem
Einsatz, innovativen Ideen und konstruktiver Zusammenarbeit aller Beteiligten konnte diese komplexe Bauaufgabe gelöst werden. Die Immobilien Aargau dankt
all jenen, die mit ihrem Wissen, Handwerk, Planen und
Handeln zur erfolgreichen Sanierung und Umsetzung
dieses Projektes beigetragen haben.
pp
p Calatrava-Haus
Fassadenausschnitt Turnhalle
Ein ganz besonderer Dank gilt der Schule, ihren Fachschaften sowie den Schülern. Das mehrjährige Nebeneinander von Schulbetrieb und Baustelle erforderte den
Willen zu Akzeptanz und Toleranz. Die sich jedes Semester ändernde räumliche Situation erforderte ein hohes
Mass an Flexibilität sowie geschicktes und umsichtiges
Organisationsvermögen für die Stundenplanung.
23
020
kantonsschule Wohlen
Sanierung Pavillonbauten und Turnhalle
November 2009
Auswahl abgeschlossener Projekte
019 FH Nordwestschweiz, Windisch, 2009
018 Photovoltaik, Neue Kantonsschule Aarau, 2008
017 Haus Wedekind, Kantonsschulareal Aarau, 2008
016 Mensa, Kantonsschule Wettingen, 2008
015 Mutterkuhstall LZ Liebegg, 2008
014 Abtgarten, Kloster Wettingen, 2008
013 Pavillonsanierung Königsfelden, 2008
012 Aargauer Kantonsbibliothek, Aarau, 2008
011 Kantonsschule Baden, 2008
010 Via et Porta Praetoria, Windisch, 2007
009 Grossratsgebäude, Aarau, 2007
Bad-Zurzach
Kantonsschule
Wohlen
Rheinfelden
Äsch
Laufenburg
Anglikerstrasse
Jurastrasse
Brugg
Windisch
Allmendstrasse
Baden
Wettingen
Bünz
Kapellstrasse
Bünzstrasse
Lenzburg
Aarau
Gränichen
Liebegg
Seengen
Bremgarterstrasse
Zentralstrasse
Aarburg
Bremgarten
Wohlen
Unterkulm
Zofingen
Muri
Bahnhof
Standort
Allmendstrasse 26, 5610 Wohlen
Bauherrschaft
Kanton Aargau, vertreten durch die Immobilien Aargau
(IMAG), Departement Finanzen und Ressourcen, DFR
baukommission
Christoph Bader, Projektmanagement, IMAG, DFR (Vorsitz)
Meinrad Fürst, Projektleiter, Projektmanagement, IMAG, DFR
Philipp Czaja, Projektleiter Nutzerdepartement,
Abteilung Berufsbildung und Mittelschule, BKS
Peter Schlatter, Controller, Finanzverwaltung, DFR
Franz Widmer, Rektor Kantonsschule Wohlen
Dr. Waldemar Feller, Prorektor Kantonsschule Wohlen
BAUPROJEKT UND GESTALTERISCHE LEITUNG
Hegi Koch Kolb Architekten AG, Wohlen
AUSFÜHRUNGSPLANUNG UND BAULEITUNG
Batimo AG, Architekten SIA, Zofingen
Bauingenieur
Schaffner Ingenieur GmbH, Wohlen
ELEKTROPLANUNG
IBW Technik AG, Wohlen
HEIZUNGS-,LÜFTUNGS- UND SANITÄRPLANUNG
Stenz AG, WOHLEN
BAUPHYSIK, AKUSTIK
Ramser Bauphysik AG, Wetzikon
GEOLOGIE
Dr. Heinrich Jäckli AG, Baden
FACHINGENIEUR SCHADSTOFFE/ASBEST
Holinger AG, Baden
Planungs- und Bauchronologie
Kreditgenehmigung durch Regierungs- und Grossrat
des Kantons Aargau September 2005
Baubewilligung Juni 2006
Baubeginn 2007
Bauvollendung Oktober 2009
Einweihung 6. November 2009
Kennzahlen
Gebäudegrundfläche
Geschossfläche
Pavillon 3’159 m2, Turnhalle 1’602 m2
Gebäudevolumen
Pavillon 10’474 m3, Turnhalle 5’815 m3
Erstellungskosten
Vorbereitungsarbeiten
Gebäude
Umgebung
Baunebenkosten
Ausstattung
Total Erstellungskosten (indexiert)
2’651 m2
4’761 m3
16’289 m3
CHF
80’000
CHF 9’920’000
CHF
400’000
CHF
500’000
CHF
310’000
CHF 11’210’000
Herausgeber und Bezugsquelle
Kanton Aargau
Departement Finanzen und Ressourcen
Immobilien Aargau
Telli-Hochhaus
5004 Aarau
Telefon062 835 35 00
Telefax 062 835 35 09
E-Mail [email protected]
www.ag.ch/immobilienaargau
Konzept und Gestaltung Driven Graphics, Zürich
Fotografie Christine Seiler, Zürich
Druck Neidhart + Schön AG, Zürich
© 2009 Kanton Aargau, Departement Finanzen und Ressourcen
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