Schulhaus in Geuensee besteht den Retrofit-Praxistest

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Objekt
Schulhaus in Geuensee besteht
den Retrofit-Praxistest
Wer hätte gedacht, dass aus dem alten Primarschulhaus im Wiler Krumbach in der Gemeinde Geuensee nach dem Umbau solch ein schmuckes «Bijou» entstehen könnte? Wahrscheinlich
niemand,ausser dem Bauherrn Alexander Ritz, der zusammen mit der Renggli AG das Gebäude
nach der neuen Retrofit-Methode saniert hat.
Text Gregory Zirngibl – Bilder und Visualisierung zVg
S
chon seit Längerem war klar, dass das alte Schulhaus einer
grundlegenden Sanierung bedarf. Die Fassade bröckelte
ab, die Ölheizung verursachte mehr Schadstoffe, als dass sie heizte, die Fenster waren in die Jahre gekommen, und das Dach musste dringend erneuert werden, damit das Haus den nächsten Winter ohne weitere grundlegende Schäden überstehen konnte. Die
Aufgaben waren also klar, doch immer wieder scheiterte ihre Lösung an den fehlenden finanziellen Mitteln, die das ohnehin
schon stark strapazierte Gemeindebudget überforderten. Denn
die Gemeinde hatte kein eigenes Geld, um hier tätig werden zu
können. Zwar interessierten sich mehrere Investoren für das Gebäude, doch da ein Verkauf an die Bedingung gekoppelt war, das
Gebäude nach der Sanierung wieder für Bildungszwecke einzusetzen, war eine Beteiligung für diese Finanzgeber auch nicht wirklich interessant. Ausserdem steht das Gebäude in der Landwirtschaftszone, und eine Umnutzung war aus diesem Grund nicht
möglich. Für den in Freienbach ansässigen Bauherrn Alexander
Ritz waren jedoch all diese «Unpässlichkeiten» kein wirklicher
Hinderungsgrund, das vor allem energetisch schlechte Objekt zu
erwerben und einer Sanierung nach der CCM-Retrofit-Norm zu
unterziehen (siehe Fachbeitrag «Retrofit ermöglicht die Umsetzung innovativer Konzepte für nachhaltige Bauerneuerung»). Im
Rahmen seiner detaillierten Voruntersuchungen hatte er nämlich
festgestellt, dass die Gebäudesubstanz grundsätzlich noch in Ordnung war. Deshalb wurde aufgrund der gesamtheitlichen Betrachtung entschieden, das Gebäude zu erneuern und es nicht, wie
auch schon im Vorfeld diskutiert, abzureissen und danach durch
einen Neubau zu ersetzen.
Im Detail hiess dies vor allem: Sanierung der gesamten Gebäudehülle mit hochdämmenden Materialien und eingebauter Komfortlüftung, Ausbau der alten und Einbau von aktueller Haustechnik, Ersatz der alten Böden und Deckenbeläge, Erneuern des
Daches, Ersatz der alten Fenster, Installation einer Erdsondenheizung sowie einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach.
Ziel war, den Bau zeitgemäss zu modernisieren, wobei dem Bauherrn Alexander Ritz klar war, dass er über das gesetzliche Minimum hinaus modernisieren würde. Besonders wichtig war ihm
deshalb auch der Einsatz von nachhaltigen Materialien.
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Objekt
« Dieses Objekt hat die Praxistauglichkeit des Sytems
‹Retrofit› nachgewiesen.»
Alexander Ritz, Bauherr
Verzicht auf «schädliche» Materialien
Mit der Holzbaufirma Renggli aus Schötz wurde nach einem
längeren Evaluationsverfahren ein in der Schweiz bekanntes und
etabliertes Unternehmen beauftragt, das alle Anforderungskriterien erfüllte: Energetische Beratung und Zertifizierung, Holzbaulösung, Professionalität als Teil-GU, Einsatz nachhaltiger
Materialien (Verwendung von Schafwolle, keine Lösemittel, keine formaldehydverleimten Holzwerkstoffe, Verzicht von Montageschäume, ausschliessliche Verwendung von Recyclingbeton
etc.), Beratung und Ausführung Holzsystembau, Fenster, Steildach, Fassade, langjährige Erfahrung und Referenzobjekte. Ausserdem übernahm Renggli die umfangreiche Koordination der
Haustechnik sowie den Einbau der Lüftungsleitungen (System
Retrofit) und der Elektroleitungen in die Aussenwandelemente.
Dank der hochwärmegedämmten Gebäudehülle konnten die
Energiekosten auf einen Bruchteil gesenkt werden. Damit erfüllt
das Gebäude nunmehr die Kriterien eines inzwischen zertifizierten Minergie-P-Baus.
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Objekt
Laut dem Bauherrn verlief die Zusammenarbeit reibungslos, termingerecht und finanziell im definierten Rahmen. Bedingt
durch die Konstellation, dass der Bauherr gleichzeitig die Bauleitung übernahm, entstanden kurze Entscheidungswege, und das
Projekt konnte rasch umgesetzt werden.
Klein und fein
Heute präsentiert sich das Gebäude als kleines Schmuckstück. Die
neuen Holzfassadenelemente in einem leichten Grauton sowie die
farblich akzentuierten Fensterrahmen in Rot lassen das Schulhaus
einladend wirken. Betritt man das Innere, dominieren hier die Farben Weiss und Anthrazit. In den Schulräumen wurden Holzböden
verlegt, die Schrankelemente sind ebenfalls in Anthrazit gehalten.
Die grossen Fensterflächen sorgen für sehr angenehme Lichtverhältnisse, und der Blick ins Grüne könnte durchaus dazu verleiten, statt
dem Unterricht zu folgen, seinen eigenen Gedanken nachzuhängen.
Die kleine Cafeteria mit Plattenboden und in Weisstönen gehalten
ist die ideale Oase für eine kurze Entspannung. Die angebaute neue
Hauswartswohnung ist ebenfalls sehr gelungen. Der aus Sichtbeton
gehaltene Überbau bildet den Rahmen für den eingebauten kubisch
wirkenden Raum, der die Wohnung umschliesst und sich dank den
beiden Grünflächen vor und hinter diesem Wohntrakt perfekt in
die Umgebung einpasst. Der Balkonteil und die Mauern in Waschbeton sind energetisch vollkommen von der Hülle des Gebäudes getrennt. Dieser Teil ist neu gebaut mit Garage im UG. Das Schulgebäude und das angebaute Einfamilienhaus besitzen eine geschlossene
Hülle ohne Verbindung zum neuen Teil.
Die Lösung in Stichworten
• Energetische Sanierung mit dem System «Retrofit» nach
Minergie-P-Standard (Das gesamte Gebäude wurde zwar nach
ECO-Kriterien erneuert, aber die Zertifizierung nach
ECO-Standard ist zurzeit noch hängig. CCM-Retrofit ist ein
Projekt der ETH Zürich, der Empa und der FHNW.)
• Erdsondenheizung und Photovoltaikanlage auf dem Dach
• Neue Bödenbeläge
• Neue Gebäudehülle mit Fassade, Fenster,
integrierter (Komfort-) Lüftung
• Neues Dach inklusive Fotovoltaikanlage
• Neue Nutzung der Schulräume für die Erwachsenenbildung
• Renovierte (Abwarts-)Wohnung
Bauherr und Bauleitung
Alexander Ritz, 8807 Freienbach
Architekt
Bruno Thoma, Architekt ETH/SIA, 8807 Freienbach
GU, Innenarchitektur
AC Design AG, 8807 Freienbach
Holzbauer
Fassadenelemente mit integrierter Lüftung und Fenster, energetische Planung, Dachkonstruktion Renggli AG, Gleng, 6247 Schötz
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Objekt
Retrofit ermöglicht die Umsetzung innovativer Konzepte
für nachhaltige Bauerneuerung
Zwar sind energieeffiziente Neubauten von hoher Wichtigkeit,
wirklich entscheidend ist jedoch der energetische Zustand der
bestehenden Gebäude, da diese für eine nachhaltige Entwicklung bedeutsam sind. Heute geht man davon aus, dass bis ins
Jahr 2050 in der Schweiz über 90 Prozent des Gebäudeenergiebedarfs durch Bauten verursacht wird, die vor dem Jahr 2000
erstellt wurden. Gleichzeitig weisen Altbauten gegenüber modernen Neubauten häufig ein grosses Defizit bezüglich Komfort
und Zweckmässigkeit auf. Die langfristige Vermietbarkeit ist
unsicher, und die Verschlechterung der Altbauquartiere ist eine
Frage der Zeit. Reparaturen und Pinselrenovationen lösen das
Problem auf Dauer nicht, und ständige Teilerneuerungen sind
kostspielig und ineffizient.
Das Projekt «CCEM-Retrofit» hat mit breiter Unterstützung das
Ziel verfolgt, innovative Konzepte für die nachhaltige Bauerneuerung zu entwickeln. Das Forschungsspektrum reichte von der
Typologie der betroffenen Gebäude bis zur Montage von vorgefertigten Fassaden- und Dachelementen. Dabei wurden zahlreiche technologische Innovationen integriert, um praxisgerechte
Lösungen zu schaffen. Mit realisierten Objekten wie z. B. mit
dem in dieser Ausgabe vorgestellten Schulhaus Krummbach in
Geuensee konnte diese bestätigt werden.
Das Konzept ist dabei einfach und klar: Über das bestehende
Gebäude wird eine weitgehend vorfabrizierte, neue Gebäudehülle gelegt. Diese neue Hülle lässt nicht nur viel Spielraum für die
architektonische Gestaltung, sie bietet auch die Möglichkeit für
wertvermehrende An- und Aufbauten; und sie bietet Gewähr,
dass das Gebäude nach der Renovation den höchsten Ansprüchen an Energieeffizienz und Komfort entspricht. So ist beispielsweise eine Komfortlüftung bereits in die Fassadenmodule
integriert. Das Gebäude wird so mindestens dem MINERGIE-,
evtl. sogar dem MINERGIE-P-Standard genügen. Diese Vorfertigung von integralen Fassaden- und Dachelementen bildet einen
zentralen Aspekt des Projekts CCEM-Retrofit. Darin integriert
werden verschiedene haustechnische Elemente sowie Fenster
und angemessene Wärmedämmungen. Daneben sind Rationalisierung, Optimierung, Qualitätssicherung und Kostensicherheit
weitere entscheidende Merkmale des Konzepts.
Die während der Projektdauer ausgeführten Erneuerungsprojekte zeigten, dass Grundrissoptimierungen und Aufstockungen eine ideale Basis für wirtschaftliche Lösungen ermöglichen.
Im Fokus von CCEM-Retrofit stehen Mehrfamilienhäuser, welche eine erste Komplettsanierung verlangen, also Gebäude,
welche ungefähr 40 Prozent der Bausubstanz der Schweiz ausmachen. Ziele der Erneuerung sind neben der Energiereduktion
verbessertes Innenraumklima, optimierte Resultate hinsichtlich
thermischem Komfort, Luftqualität, Lärmschutz und Tageslichtnutzung, eine geeignete Integration von Solaranlagen und ein
rascher, effizienter Bauprozess.
mehr Infos
www.bfe.admin.ch
www.ccem.ch/ccem-retrofit
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Objekt
Fundamentuntergrund
in Luzerner Altstadt verfestigt!
Das Wohn- und Geschäftshaus Brandgässli / Unter der Egg, Luzern, liegt im Herzen der weitgehend
autofreien Altstadt, direkt an der Reuss, wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Sie ist Teil einer
Häuserzeile vis-à-vis des Luzerner Theaters und der Jesuitenkirche.
Text / Bilder: URETEK Schweiz AG
N
ach einem Brand um 1833 wurde dieses Stadthaus neu
aufgebaut. Zu den wenigen erhaltenen originalen Gebäudeteilen gehören die Arkaden (vermutlich um 1596). Ziel des
Umbaus ist es, Wohnraum zu schaffen, der hohen Ansprüchen
gerecht wird. Der Ausbau führt zu einer Erhöhung der Gebäudelasten. Um allfälligen daraus resultierenden weiteren Setzungen
vorzubeugen, wurde URETEK Schweiz AG beauftragt, den Fundamentuntergrund zu verfestigen.
Im Erdgeschoss lastet das 7-stöckige Gebäude zur Reussseite hin
auf zwei Reihen Arkaden. Diesen zugrunde liegen acht Einzelfundamente (100 × 200 cm). Auf der Seite Brandgässli besteht die
Fundation aus Fels, welcher zur Reussseite hin abfällt. Im Bereich
der Arkadenfundamente ist der Untergrund sandig und mit Steinen versetzt. Dieser Untergrund sollte verdichtet werden, denn im
Laufe der Jahre hat sich das Reihenmehrfamilienhaus zur Aussen-/
Reussseite hin um ungefähr 10 cm gesenkt. Die Fundamentsohle
ab Oberkante Pflastersteine liegt bei der inneren Reihe in einer
Tiefe von –2,00 m, bei der äusseren Reihe bei –3,00 m. Auf Fels
trifft man bei der inneren Reihe in einer Tiefe von –3,50 m bis
–4,00 m, bei der äusseren Reihe in –4,70 m bis –5,20 m.
Das URETEK-Kunstharz wurde mit kontrolliertem Druck durch
Bohrlöcher von 12 bis 25 mm unterhalb der Fundamente in drei
Tiefenstufen injiziert. Hohlräume wurden verfüllt und der Untergrund (im Bereich mit den grössten Spannungen) durch die starke
Expansionskraft von 10 000 KPA (100 kg/cm2) verdichtet und
verfestigt. Die Tiefen der Injektionslanzen betrugen bei der inneren Reihe –2,50 m, –3,00 m, –3,50 m, bei der äusseren Reihe
–3,50 m, –4,00 m, –5,00 m. Die geomechanischen Verhältnisse
des Untergrundes unter den Fundamenten wurden verbessert, bis
hin zu einer Hebereaktion von etwa 1 mm. Dies zeigt auf, dass die
Tragfähigkeit des Fundamentuntergrundes für den darüberliegenden Gebäudeteil neu höher ist als erforderlich.
mehr Infos
Wohn- und Geschäftshaus
Brandgässli / Unter der Egg, Luzern
Kunstharzinjektionen durch
die URETEK Schweiz AG
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URETEK Schweiz AG
Wylstrasse 8, 6052 Hergiswil
041 676 00 80
www.uretek.ch
[email protected]
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