pavillon - Burckhardt+Partner AG

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MODULØR
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pavillon
pavillon
nomadische momente in der architektur
serpentine gallery pavillons
ausgegrabene baukunst
in der Faltung liegt die kraFt
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Architektur, Immobilien, Recht
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EDITORIAL
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thema pavillon
„MEhR ALs REvOLUTIOn
InTEREssIERT Uns EvOLUTIOn“
Diesen Satz hörte ich im letzten Sommer, als ich dem dänischen Architekturbüro BIG einen Besuch abstattete. Das
Team von Bjarke Ingels beeindruckte mich durch seine
unkonventionelle, aber umso konsequentere Art, Architektur
zu leben. BIG bejaht eine Architektur, die es gestattet, zu allen
Aspekten des menschlichen Lebens Ja zu sagen, wie gegensätzlich sie auch sein mögen. Diese pragmatisch-utopische
Architektur, wie es Bjarke nennt, will nichts weniger, als
gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch perfekte Orte
erschaffen.
Beim dänischen Pavillon für die Expo 2010 in Shanghai hat
BIG eine erfrischende Geschichte erzählt. Das Ziel war es,
den Begriff Nachhaltigkeit so umzusetzen, dass der Lebensstandard tatsächlich verbessert würde. Auf der Suche nach
Gemeinsamkeiten zwischen Dänen und Chinesen wurde
das Team erst bei einem Blick auf die Stadtentwicklung von
Shanghai und Kopenhagen fündig. Es wollte den Menschen
aus der Weltmetropole das Fahrrad als etwas Positives zurückbringen. BIG kreierte eine räumliche Infrastruktur für
Fahrräder wie einen Fahrradweg, der um sich selbst kreiste.
Im Zentrum der Raumskulptur befand sich ein Pool, der
mit einer Million Liter original Kopenhagener Hafenwasser,
wohlgemerkt sauberem, gefüllt war. Und mittendrin sass die
kleine Meerjungfrau – keine Kopie, auch hier die echte. Wer
sich zudem traute, durfte mit einem geliehenen rot-weissen
Badeanzug einen Sprung ins Meer wagen und ein paar
Runden schwimmen.
Die Begegnung mit dieser lebensbejahenden Architektur und
den Menschen, die dahinterstehen, hat mich tief beeindruckt.
In diesem Sinn wünsche ich eine erfrischende Lektüre.
Was sind temporäre und was sind dauerhafte Bauten? Die
Unterschiede zwischen Pavillon und Gebäude sind oft weniger deutlich, als es anfänglich scheint. Dauerhafte Gebäude
sind oft weniger dauerhaft, als sie vorgeben, und temporäre
Konstruktionen können beständiger sein, als es zunächst den
Anschein hat. Für den Architekten Nikolaus Hirsch lösen sich
die Unterschiede zwischen den beiden Gebäudetypen auf, und
somit wird die Beziehung zwischen Architektur und Ausstellung neu bewertet (Seite 22).
Die Historikerin und Kunstpädagogin Dr. Kerstin Bussmann
spricht in ihrem Blick zurück in die Geschichte des Pavillons
von Vergänglichkeit und vom Motiv der Bewegung. Zelte wie
Pavillons sind Zeichen erstarrter Flexibilität, die als etwas
Flüchtiges, Weiterziehendes der ständigen Veränderung unterliegen. Doch auch für Bussmann haftet dem Pavillon eine
„Zähigkeit des Archaischen“ an, und sie sieht zunehmend eine
unscharfe Trennung zwischen Dauerhaftigkeit und Flüchtigkeit: „Beinahe erweckt es den Anschein, als würde der
Pavillon in neuer Zurichtung zur universellen Behausung für
unsere eigene Völkerwanderung“ (Seite 30).
Zu welch architektonischen Perlen eine beinahe vollkommene
Freiheit in der Gestaltung führen kann, beweist die Idee der
Serpentine Gallery in London. Jedes Jahr lässt die Kunstinstitution neben ihrem kleinen Teehäuschen, wo seit 1970 moderne und zeitgenössische Kunst der Öffentlichkeit zugänglich
gemacht wird, durch einen renommierten Architekten einen
Sommerpavillon bauen. Wie das temporäre Werk auszusehen
hat, ist nicht vorgeschrieben. Einzig die sehr kurze Dauer des
Entwurfs und der Umsetzung ist vorgegeben. Diese aussergewöhnliche Geschichte modernen Bauens finden Sie auf
Seite 38. Im olympischen Sommer von London ist die Schweiz
neben den Athletinnen und Athleten, die Anfang August um
Medaillen kämpften, auch durch Jacques Herzog und Pierre
de Meuron vertreten. Das Duo bildet zusammen mit dem
Künstler Ai Weiwei ein kongeniales Trio und zeichnet verantworlich für den aktuellen Serpentine Pavillion. Wie Archäologen haben sie in fünfwöchiger Arbeit die Fundamente der
elf Vorgängerbauten freigelegt. Entstanden ist in Kensington
Gardens eine architektonische Hommage an Vergänglichkeit
und Erinnerung (Seite 46).
Roland Merz
Chefredakteur, [email protected]
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INHALT
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MAGAZIN
eDitORiaL
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FORUM
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Vis-a-Vis
Doris Wälchli
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theMa
PaViLLOn
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KOLUMne
Walter Maffioletti
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aRchiteKtUR
Schauhaus, Botanischer Garten Grüningen
Pavillon St.-Johann-Park, Basel
Swiss-Re-Pavillon, Adliswil
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Recht
Die Ästhetik im Recht
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aKtUeLL
Designers‘ Saturday 2012
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THEMA
Pavillon
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das
thema
Pavillon
022
die Pavillonisierung der architektur
Schnell, experimentell, vergänglich – der Pavillon scheint der
angenehme Teil der Architektur zu sein.
von Prof. Nikolaus Hirsch
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der Pavillon – nomadische momente
Häuser können nicht wandern, aber die Vorstellung, dass sie
es könnten, ist auch in der Geschichte der Architektur nicht
folgenlos geblieben.
von Dr. Kerstin Bussmann
038
„Wir bieten architekten eine beisPiellose
Freiheit“
Seit dem Sommer 2000 steht in Londons Kensington Gardens
jedes Jahr ein Pavillon, der die Architektenwelt in seinen
Bann zieht.
von Philip Jodidio und Roland Merz
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Pavillon: Die Unterschiede zwischen permanenter Architektur und temporären Bauten lösen sich auf. Das Titelbild zeigt die Dachuntersicht des Musikpavillons von Robert Maillart,
der seit 1908 am Bürkliplatz in Zürich steht.
ausgegrabene baukunst
Die Basler Architekten Herzog & de Meuron und der
chinesische Künstler Ai Weiwei lassen mit ihrem
Pavillonentwurf für die Serpentine Gallery tief blicken.
von Alice Werner
052
in der Faltung liegt die kraFt
„TexFold“ heisst das System aus nicht miteinander verbundenen
Stangen und einer gefalteten Textilhülle, welches Forscher der
Hochschule Luzern entwickelt haben.
von Ben Kron
WEiTERE THEMEnRELEvAnTE ARTikEL:
Schauhaus, Botanischer Garten Grüningen, ab Seite 60
Pavillon St.-Johann-Park, Basel, ab Seite 68
Swiss-Re-Pavillon, Adliswil, ab Seite 74
© Simone Vogel
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aRchITEKTUR
Pavillon St.-Johann-Park, Basel
aRchITEKTEn
Burckhardt + Partner, Basel
www.burckhardtpartner.ch
LanDschafTsaRchITEKTEn
Schönholzer + Stauffer, Riehen
www.schoenholzerstauffer.ch
BaUhERRschafT
Christoph-Merian-Stiftung, Basel
Hochbau- und Planungsamt Basel-Stadt
BaUZEIT
Januar–Juni 2012
Die Fassade des Pavillons ist in drei Module
aus alternierenden Fichtenstützen gegliedert.
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Flügel
im
Park
Die drei Flügel des
Baukörpers trennen
die Funktionen klar
voneinander und
ermöglichen eine starke
Beziehung zum Park.
BURcKhaRDT + PaRTnER, BasEL
Das Wort Pavillon bedeutete ursprünglich „Zelt“. Der Begriff geht auf
das lateinische „Papilio“ für „Schmetterling“ zurück, da die Form der
römischen Zelte an die Flügel eines Schmetterlings erinnerten.
Der kürzlich eingeweihte Pavillon von Burckhardt + Partner im
St.-Johann-Park in Basel wird der ursprünglichen Bedeutung des
Wortes in mehrfachem Sinn gerecht.
von Katharina Marchal (Text) und Hans H. Münchhalfen (Fotos)
Drei Flügel ragen in die Parklandschaft hinaus. Das Wettbewerbsprojekt (2008) setzte sich noch aus vier
Flügeln zusammen und glich tatsächlich einem Schmetterling. Zur Kosteneinsparung wurde ihm leider einer gestutzt, was dem Konzept nicht schadete.
Die Figur ermöglicht sowohl die klare
Trennung aller Funktionen sowie die
maximale öffentliche Nutzung des Gebäudes. Bis zum Abend stehen die drei
Türen zum Spielplatz, zur Terrasse und
in Richtung Strasse offen – das Gebäude
leuchtet von innen heraus. Die äussere
Tragstruktur aus Fichtenholzstützen mit
unterschiedlichen Abständen integriert
sich in den lockeren Baumbestand auf
der Westseite des Parks. Die raumhohe
Verglasung zwischen den Stützen hebt
die visuellen Grenzen zwischen Innenraum und Landschaft auf. Auch die einheitliche, sehr einfache Materialisierung
unterstützt den fliessenden Übergang von
innen nach aussen. Der helle Asphalt der
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St.-Johann-Park-Pavillon, Basel
Parkwege passt sich farblich dem Hartboden der Innenräume an. Die Massivbauweise beschränkt sich auf das
Fundament; der darüber aufgerichtete
Montagebau ist komplett aus Holz. Klar
oder blau lasierte OSB-Platten verkleiden
die Innenwände, rohe Dreischichtplatten
aus Fichtenholz die Decken. Sämtliche
Installationen sind offen montiert, bilden
jedoch eine überschaubare Ordnung. Der
spartanische Innenausbau lässt viel Spielraum für unterschiedliche Nutzer; die
Einfachheit entspricht hier dem Zweck.
Vielfältige NutzuNg
Das St.-Johann-Quartier zeichnet sich
durch seine heterogene Bewohnerschaft
aus. Mit der Finanzierung des neuen
Pavillons (2,1 Millionen Franken) ermöglichte die Christoph-Merian-Stiftung
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Ansicht von Osten: Durch die Gliederung der Fassade entsteht im Innenraum ein vielfältiges Licht-und-Schatten-Spiel.
die Umsetzung des öffentlichen Begegnungsortes für Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, für Jung und Alt.
Unter einem Dach werden hier verschiedene Aktivitäten vereint: Im Kaffeehaus
und in der Bar „Jonny Parker“ profitiert
man von einem Blick aus leicht erhöhter
Lage auf den Rhein. Die vorgelagerte, neu gestaltete Terrasse baut auf den
Mauern der ehemaligen Aussichtskanzel des versetzten Waaghauses auf. Im
1
5m
grössten Flügel des Pavillons befindet
sich der Spilruum St. Johann – ein offener Kindertreffpunkt mit Kreativraum
und Stillem Raum. Direkt an das Foyer
grenzt das Büro des Neutralen Quartiervereins St. Johann an und bildet eine
räumlich geschlossene Einheit innerhalb der offenen Struktur; auch die Neben- und Lagerräume, das WC und die
Küche sind als zusammengefasste Kerne
mit Fenstern hinter dem durchlaufenden
Die Gebäudehülle bildet die äussere Tragstruktur und
fasst alle Funktionen zu einem einheitlichen Baukörper.
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Das Foyer bildet das Zentrum des Pavillons, vernetzt alle
Funktionen und verteilt die Besucher.
Auch im Quartierbüro prägen Hartbetonböden, OSBund Dreischichtplatten die Einfachheit des Gebäudes.
Kreativraum
Stiller Raum
Spielraum
WC
WC
N
Abstellen
Lager
Lager Café
Technik
Foyer
Küche
Stuhllager
Quartierbüro
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Café
5m
Grundriss: Geschlossene und offene Bereiche liegen wie
Waben aneinander und zonieren den Innenraum.
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St.-Johann-Park-Pavillon, Basel
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Fassaden platziert; die abgewinkelten
Flächen der Einbauten bilden trichterförmige Gänge und Räume. Durch welchen
der drei Eingänge man den Pavillon auch
betritt, man steht im Zentrum der Anlage
und überschaut alle Aus- und Zugänge.
PaVilloN im Park
Der Pavillon ist Teil des neu gestalteten
Parks von Schönholzer + Stauffer Landschaftsarchitekten. Die neue Wegführung und der wieder geöffnete Zugang
von der Elsässerstrasse binden den Park
stärker an das Quartier an. Diese Aufwertung verbessert nicht nur die soziale
Kontrolle innerhalb des Parks, sondern
verstärkt auch den Bezug zum Rhein.
Anstelle der abgebrochenen Ruine des
historischen Schlachthofgebäudes und
des alten Spielplatzes entstand ein viel-
Von der erhöhten Terrasse der Cafeteria eröffnet sich
eine Aussicht über die Wiesen des Parks am Rhein.
fältiger Spiel- und Aufenthaltsort für
Jung und Alt. Auf dem neuen Spielplatz,
der unmittelbar an die Terrasse des Pavillons angrenzt, können sich die Kinder auf den zwei riesigen Klettergeräten
in Form eines Schweins und einer Gans
austoben. Dazwischen fordert eine grosse Sandspielanlage mit Wasserpumpe
zum Experimentieren auf. Auf der gegenüberliegenden Seite des Pavillons erlaubt
eine im Belag integrierte Wasserpfütze
mit Wasserdüsen das Planschen und
Spritzen. Mehrere Fitnessgeräte im Park
stehen den „Grossen“ zur Verfügung. Für
die Senioren des Alters- und Pflegeheims
nebenan erhöhte man sogar einige der
Parkbänke zum erleichterten Aufstehen.
Seit der Einweihung werden der neue Pavillon und der Spielplatz intensiv genutzt.
Nicht nur die Bewohner des Quartiers
schätzen die Aufwertung des Parks und
den neuen Treffpunkt.
Ein fantasievoll gestalteter Spielplatz grenzt direkt an den
Pavillon und integriert sich in den dichten Baumbestand.
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