Protest, Populismus, Politikalternative? Rechtspopulismus in Deutschland Veranstaltungsreihe von DGB Niedersachsen und FES Niedersachsen Seit den Europawahlen 2014 nehmen rechtspopulistische und rechtsextreme Tendenzen fast überall in Europa zu. Auch in Deutschland ist ein deutlicher Rechtsruck insbesondere in Gestalt des Rechtspopulismus erkennbar. Rechtspopulist_innen grenzen sich selbst und ihre Gruppe stark von Menschen anderer Herkunft oder Religion ab und schüren gezielt Ängste in der Bevölkerung. Auch Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft sprechen darauf an, weil sie sich durch die Rechtspopulist_innen in ihren Sorgen und Ängsten verstanden fühlen. Ziel einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe des DGB Niedersachsen – Bremen – Sachsen-Anhalt und des Landesbüros Niedersachsen der Friedrich-Ebert-Stiftung sollte es sein, über rechtspopulistische und rechtsextreme Einstellungen aufzuklären, diese in den aktuellen gesellschaftspolitischen Kontext einzuordnen und mögliche Gefahren für eine offene und demokratische Gesellschaft zu erläutern. An fünf verschiedenen Niedersachsen Orten diskutierte im der Flächenland ausgewiesene Rechtspopulismus-Experte Alexander Häusler vom Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus / Neo- nazismus (FORENA) der Fachhochschule Düsseldorf mit lokalen Aktiven und Multiplikator_innen aus Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und der Politik. Die 1 Sebastian Meise (DGB) & Franziska Schröter (FES) Idee dahinter: Menschen aufklären, ihnen Argumente an die Hand geben und zur politischen Teilhabe motivieren. Die Methode: In einer Fishbowl-Diskussion auf Augenhöhe, mit einem freien Stuhl auf dem Podium für jeden und jede, die sich einbringen mochte. Eigene Akzente für soziale Gerechtigkeit und ein friedliches Miteinander setzen Den Auftakt der Roadshow „Protest, Populismus, Politikalternative? Rechtspopulismus in Deutschland“ bildete am 24. August Barsinghausen. Im ASBBahnhof waren trotz Sommerglut über 60 Menschen versammelt, die sich informieren und einbringen wollten. Alexander Häusler In seinem Impulsvortrag spricht Alexander Häusler zuerst über den Rechtspopulismus, wie er sich in Gestalt der Alternative für Deutschland (AfD) in Deutschland ausdrückt. Bei der Verortung des Rechtspopulismus benennt er die drei Schlüsselbegriffe Heimat, Glaube und Identität, welche in einem zweiten Schritt gegen Minderheiten gerichtet würden. Zentral im Parteiprogramm verankert seien, so Häusler, Themen wie Einwanderung, Islam, die Europäische Union (EU) und gesellschaftliche Pluralisierung. Diese werden durch die AfD abgelehnt. Als zentrale Feindbilder gelten Muslim_innen und Multikulturalist_innen. Ziel der AfD sei es, das politische System von innen heraus nach rechts zu verschieben. Dabei wird das Volk, eine ethnisch und vom Denken her einheitliche Gruppe, den volksfeindlichen Eliten entgegengesetzt. Es entstehe eine Abgrenzung von Gruppen nach oben wie auch nach unten. Oben stünden die „bösen Politiker_innen“ und unten die Sozialschmarotzer_innen. Die Rechtspopulist_innen selbst sehen sich als Außenseiter, „Opfer“ und moralisch besser als die etablierte Elite. Die Politik, die ein „schmutziges Geschäft“ betreibe, welches nicht im Sinne des Volkes sei, solle „bereinigt“ werden. Den Ursprung der AfD bilde ein „Dachverband verschiedener Milieus“, erläutert der Wissenschaftler. Hierzu gehöre das wirtschaftsliberale Milieu, das nationalkonservative Milieu und das rechtsextreme Milieu. Die AfD sei eine „Nachfolgerin“ anderer rechtspopulistischer Parteien wie z.B. den „Republikanern“ oder der Partei „Die Freiheit“. Als Vorbilder gelten die Schweizerische Volkspartei SVP und die Freiheitliche 2 äusler Partei Österreichs FPÖ. Bislang sieht Häusler in der AfD eine reine Protestpartei, da sie noch keine politische Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen musste. Inwiefern der Einzug in diverse Landesparlamente dies nun ändere, bleibt noch offen. Zum Abschluss seines Vortrags mahnt der Sozialwissenschaftler, dass „man sich nicht nur an der Rechten abarbeiten sollte“. Stattdessen plädiert er dafür, „eigene Akzente für soziale Gerechtigkeit und ein friedliches Miteinander zu setzen“. Die darauf folgende Podiumsrunde wurde von Dirk Assel moderiert, der sich im Projekt „Für Demokratie Courage zeigen“ seit vielen Jahren gegen Rechts engagiert. Mit ihm im Fishbowl diskutierten Antje Marklein, Superintendentin des Kirchenkreises Ronnenberg, Ingo Arlt von der IG Metall Hannover und der Sprecher gegen Rechts der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, v.l.n.r.: Antje Marklein, Michael Höntsch, Dirk Assel & Alexander Häusler Michael Hans Höntsch (MdL). Angesichts der hasserfüllten Rhetorik in aller Öffentlichkeit und über die sozialen Medien sowie der Zunahme rechtsgerichteter Straftaten machte der Parlamentarier ein „deutliches Defizit an Haltung und Empathie“ bei Teilen der Bevölkerung aus. Statt an einer wirklichen Problemlösung Interesse zu zeigen, würde bei vielen das Gefühl der totalen Ablehnung gegenüber den zu uns geflüchteten Menschen regieren. Dabei war man sich in der Runde einig, dass viele Bürger_innen Herausragendes in der Flüchtlingshilfe leisten würden. Antje Marklein berichtete von der aufopferungsvollen Arbeit in der Flüchtlingshilfe vieler Menschen in ihrem Kirchenkreis. Dafür gebühre den Helfer_innen der größte Respekt. „Die Alexander Häusler & Ingo Arlt Ehrenamtlichen gehen häufig über ihre eigenen Grenzen hinaus“, sagte Marklein. Aus seiner gewerkschaftlichen Perspektive wies Ingo Arlt daraufhin, wie kontrovers das Thema Rechtspopulismus in den Betrieben und Gewerkschaften diskutiert wird. Angesichts von Leiharbeit, Werkverträgen und einer zunehmenden Prekarisierung der Arbeitswelt wurden einer solidarischen 3 Betriebsarbeit in der Vergangenheit viele Steine in den Weg gelegt. Arlt führte aus, dass „30 Jahre Standortnationalismus und Entsolidarisierungspolitik mittlerweile ihre Spuren in der Gesellschaft hinterlassen haben.“ Ähnlich argumentierte Alexander Häusler. Der Wissenschaftler forderte von der Politik konkrete Maßnahmen für eine solidarische Gesellschaft ein. Die zurückliegenden Regierungskoalitionen wären aber genau den umgekehrten Weg gegangen. Die Bürger_innen erkennen daher zwischen den Parteien keine Unterschiede mehr. Genau darin liegt das Problem: „Das Fehlen politischer Alternativen stärkt den Rechtspopulismus“; schlussfolgerte Häusler. Link zum HAZ-Artikel „Dann ist die Europäische Union am Ende“ Am nächsten Vormittag luden FES und DGB einige Pressevertreter_innen zu einem Hintergrundgespräch in Hannover ein, um über die Veranstaltungsreihe und das Thema zu informieren. Wenn sich die Tendenz weiter so fortsetze, dass sich Rechtspopulist_innen in ganz Europa bei Wahlen durchsetzen, sei die EU und die europäische Idee am Ende, warnt Häusler. Er erklärte den anwesenden Medien auch, dass die AfD trotz ihrer Zerstrittenheit gewählt werde, nicht weil sie eine besonders gute Organisationsstruktur hätte. Diese Protestwähler_innen gelte es für das demokratische System zurückzugewinnen. Link zum EPD-Artikel Link zum NP-Spezial „Ungleichheit angehen, agieren! Nicht nur diskutieren“ Am 25. August war die Roadshow dann zu Gast in der Seminarturnhalle in Stade. Die Moderation der Fishbowl-Runde übernahm hier Lutz Bock von der DGB Region Bremen Elbe Weser. Zunächst berichtete Annette Düring, Regionsgeschäftsführerin des DGB Bremen Elbe Weser, von ihren Erfahrungen mit der AfD im Kontext der Gewerkschaften. Sie zeigte sich Walter Punke & Lutz Bock bestürzt über das Verhalten der AfD: „Die AfD ist richtig gewerkschaftsfeindlich. Unsere Basis ist das Wort Solidarität. Und das finde ich in keiner Weise bei dieser Partei wieder.“ Als 4 Lösungsansatz schlägt sie eine stärkere Positionierung und mehr Kommunikation mit den Menschen vor, da „das Erstarken der AfD die Schwäche der demokratischen Parteien sei“. Walter Punke, ehemaliger Pastor und Organisationsberater aus Stade, konnte Düring in diesem Punkt nur beipflichten. Er betonte, dass es wichtig sei, Differenzierungen durchzuhalten und bei platten Argumenten eines Gesprächspartners nachzufragen. „Die Leute sind anfällig für leichte Antworten“, so Punke. Als Gast im Fishbowl beteiligte sich auch Petra Tiemann, SPD-Landtagsabgeordnete aus Stade, an der Debatte. Angst und Neid würden durch die AfD geschürt. Politik, Kirche und Gewerkschaften zeigen ihrer Einschätzung nach zu wenig Haltung. Insbesondere „die demokratischen Parteien dürften nicht am rechten Rand fischen“, mahnt Tiemann. Hierauf erwiderte Häusler, dass seit 10 bis 15 Jahren v.l.n.r.: Alexander Häusler, Walter Punke, Lutz Bock, Petra Tiemann & Annette Düring alle Deutschlands politischen von sich Parteien sagen: „Wir machen Politik der Mitte“. Das Problem sei, dass für die Bürger_innen so die demokratischen Parteien ununterscheidbar würden – egal ob gefühlt oder tatsächlich. „Dies mache den Weg für die AfD auf“, betont Häusler. Als eine weitere zentrale Problematik sieht er das verstärkte Aufgehen der sozialen Schere in Deutschland, aber auch in Europa, welche sich in realen Missständen für bestimmte Bevölkerungsgruppen manifestiere. Die europäische und deutsche Sparpolitik tue ihr Übriges, indem sie eine Sinnkrise bei den Menschen erzeuge. Hierauf „gibt Rechts Antworten – katastrophal falsche“, so Häusler. Als einen Lösungsansatz appelliert Annette Düring an die Politik: „Ungleichheit angehen, agieren! Nicht nur diskutieren“. Die Menschen Annette Düring würden merken, dass es in bestimmten Bereichen wie z.B. der Pflege an allem fehle und schlussfolgern daraus, dass die Politik nichts täte, so Düring. Deshalb müssten ihrer Meinung nach Vereine und Ehrenamt finanziell viel mehr unterstützt werden. 5 Die Geflüchteten sind nicht der Grund für die rechten Wahlerfolge Weiter ging es am 5. September in Lüneburg: Nach einem erneut knackigen Impuls durch Alexander Häusler, moderierte Nissar Gardi, Erziehungswissenschaftlerin und Bildungsreferentin im Projekt empower, welches Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt anbietet, die anschließende im Das Glockenhaus Lüneburg Fishbowl-Diskussion Glockenhaus Lüneburg. Als Diskutanten waren dieses Mal Olaf Meyer von der Antifaschistischen Aktion Lüneburg Uelzen und Matthias RichterSteinke, Regionsgeschäftsführer des DGB Nord-Ost-Niedersachsen, auf dem Podium vertreten. Zunächst gab Nissar Gardi das Wort an Olaf Meyer. Er berichtete aus eigener Erfahrung, dass rechtspopulistische Tendenzen in Lüneburg vorhanden seien. Es seien bereits mehrfach Brandanschläge und Aktivitäten verzeichnet worden. An dieser Stelle ergänzte Hinweis, dass Rechtsextremismus und vor Flüchtlingsunterkünften Matthias Richter-Steinke mit dem Matthias Richter-Steinke & Nissar Gardi Rechtspopulismus voneinander zu trennen seien. Doch trotz dieser Unterschiede „gelinge es der AfD immer mehr, sich zu einer radikalen rechten Sammlungspartei in Deutschland zu entwickeln“, stellte Alexander Häusler fest. Richter-Steinke vertrat Olaf Meyer die Meinung, dass Menschen mit eigener oder familiärer Migrationserfahrung maßgeblich zu der Gruppe der Benachteiligten zählen würden. Die Gewerkschaften versuchen zunehmend mit genau diesen Menschen zu arbeiten und ihre Ängste und Wünsche, etc. zu diskutieren. „Dies sei ein wichtiger Weg, um Menschen zusammenzubringen“, so RichterSteinke. Alexander Häusler betonte im Anschluss, dass man die verschiedenen Ursachen nicht gegeneinander ausspielen dürfe. So seien beispielsweise die „Flüchtlinge“ nicht die 6 Ursache für das Phänomen der Wahlergebnisse. Auch das Agenda-Setting der Politik, die lang gemachten Fehler, etc. müssten mit berücksichtigt werden, plädierte Häusler. Rechtspopulistische Wahlerfolge seien auf viele verschiedene Gründe zurückzuführen und hätten nur bedingt etwas mit den neu zu uns kommenden Menschen zu tun. „Allerdings“, stellte der Wissenschaftler klar, „benutze die AfD die Ausländer und Flüchtlinge geschickt als Metapher für den Untergang Deutschlands.“ Im weiteren Verlauf ging die Runde auf den Zusammenhang eines erstarkenden Rechtspopulismus im Zuge der zunehmenden sozialen Spaltung in Deutschland ein. „Die Ängste, ins soziale Elend zu geraten, haben massiv zugenommen“, merkte RichterSteinke an. Die neoliberale Agenda der Politik hat in den vergangenen Jahren massive Sorgen über den individuellen Abstieg bei den Menschen ausgelöst. Deshalb suchen viele Bürger_innen nach einen unmittelbar greifbaren Schuldigen. In dieser Situation wird dann auf den Nächstschwächeren losgegangen. Es bedürfe deswegen einer Politik, die wieder das Soziale in den Fokus nimmt. Olaf Meyer konnte dieser Analyse nur beipflichten: „Die soziale Frage muss in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung gestellt werden.“ Dagegen erteilte Alexander Häusler jener Politik eine Absage, die versucht, den Rechtspopulisten entgegen zu kommen, indem sie deren Inhalte, z.B. eine Verschärfung des Asylrechts, übernimmt und umsetzt. „Damit springen die etablierten Parteien über das Stöckchen, dass ihnen die AfD hinhält“, sagte der Experte. Von einer solchen Praxis wird nur die AfD profitieren, weil ihr damit noch mehr Wähler zugespielt werden. Flüchtlingskrise kein unlösbares Problem für Europa Zum Abschluss der Roadshow machten wir dann Halt in Peine. Zunächst hatte Nicole Laskowski, Pressesprecherin des ev.-luth. Kirchenkreises Peine, nach dem Impuls die Möglichkeit, mit einem Einstiegsstatement aus der Sicht der Kirchen zu berichten, welche Erfahrungen sie im Umgang mit dem Rechtspopulismus in den letzten Jahren gemacht hat. Die Kirchen verzeichneten bereits seit einigen Jahren sinkende oder stagnierende Mitgliederzahlen, so Laskowski. Dennoch wendeten sich gerade in unsicheren Zeiten viele Moderator Anis Ben-Rhouma Menschen wieder an die Kirche und suchten hier Zuflucht. Da der christliche Glaube 7 Werte wie Nächstenliebe oder aber auch den Grundsatz, dass alle Menschen gleich sind, wertschätze, sei prinzipiell erst einmal jede_r in der Kirchengemeinde willkommen. Auf Nachfrage des Moderators Anis Ben-Rhouma von der IG BCE, wie man mit Ehrenamtler_innen umgehen sollte, die die AfD wählen oder sogar Mitglied sind, antwortete Nicole Laskowski, dass es Das Podium in Peine mit Gast im Fishbowl sich dabei um eine schwierige Frage handele, für die der Kirchenkreis Peine noch keine endgültige Lösung gefunden habe. Die Referent_innen kamen dann auch recht schnell auf die Flüchtlingssituation in Deutschland zu sprechen. An dieser Stelle berichtete Laskowski aus erster Hand: In Peine seien aktuell rund 600 Geflüchtete untergebracht und die Zahl an Ehrenamtlichen sei so hoch wie nie zuvor. Laskowski sieht in der aktuellen Flüchtlingssituation „gar nicht so ein großes Problem, man muss es nur angehen“. Für sie gibt es keine andere Lösung als die Menschen aufzunehmen, denn der Bedarf sei da: „Es gibt Bereiche, wo wir niemanden finden, der dort arbeiten will.“ Auch Frank Raabe-Lindemann, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall SalzgitterPeine und DGB-Kreisvorsitzender in Peine, sieht in der Flüchtlingskrise kein unlösbares Problem für Europa. Frank Raabe-Lindemann & Nicole Laskowski Dennoch musste er die Erfahrung machen, dass auch im Tätigkeitsfeld der Gewerkschaften fremdenfeindliche Beiträge immer mehr würden. Chauvinismus und Antisemitismus würde er ebenfalls in seiner alltäglichen Arbeit mit und in den Betrieben begegnen. Auch an Raabe-Lindemann richtete BenRhouma die Frage, wie die Gewerkschaften mit Mitgliedern und Funktionären umgingen, die die AfD wählen. Die Gewerkschaften haben ähnlich wie die Kirchen noch keine passende Lösung gefunden, da es keine Unvereinbarkeitsbeschlüsse der Gewerkschaften mit der AfD gäbe, wie es bei der NPD der Fall ist. Trotzdem glaubt Raabe-Lindemann, dass ein offener Dialog solchen fremdenfeindlichen Tendenzen 8 entgegenwirken kann. Sein Plädoyer: „Die Leute offen ansprechen. Deutlich machen, dass sie Probleme bekommen, wenn sie offen rassistisch im Betrieb sprechen“. In der Diskussion zeigte sich rasch, dass man sich darüber einig ist, dass rechtspopulistische Einstellungen in der Gesellschaft ernst genommen werden müssen. Doch wie könnten konkrete Handlungsempfehlungen aussehen? Nicole Laskowski machte sich für ein Bekämpfen von Fluchtursachen stark. Darüber hinaus sei es von zentraler Bedeutung, sich der Ängste der Menschen, unabhängig davon, ob es begründete oder diffuse Ängste sind, anzunehmen. „Oft sind es vor allem Menschen, die noch keinen Kontakt mit Geflüchteten gemacht haben“, berichtet sie. Hinzukommen mittlerweile viele Menschen, die Angst vor einem sozialen Abstieg aus der Mittelschicht hätten. Für Frank Raabe-Lindemann führt kein Weg daran vorbei, sich inhaltlich konfrontativ mit den Positionen der AfD-Wähler_innen auseinanderzusetzen. Denn der Erfolg der AfD käme nicht von irgendwo her: es seien die sozialen und politischen Verwerfungen in Deutschland, die die AfD erstarken ließen. „Wenn wir die soziale Frage nicht stellen, werden wir Probleme mit der Rechten bekommen“, schlussfolgerte er. Daher reiche es nicht zu sagen “Wir schaffen das!“, sondern das „Wie?“ sei entscheidend. Anders als Häusler sieht Raabe-Lindemann in der AfD nicht nur eine Protestpartei. „Man muss sich darauf einstellen, dass es diese Parteien gibt“, so der Gewerkschaftssekretär. Die EU sei nicht in der Lage gewesen die Flüchtlingssituation zu meistern. Dies sei „am Egoismus der Der Fishbowl-Platz wurde rege genutzt meisten Länder gescheitert“, bedauerte er. Nicole Laskowski hat einen optimistischeren Ausblick in die Zukunft: „In fünf Jahren werden wir nicht mehr von der AfD Einschätzung. sprechen“, Den so ihre Abschluss der Diskussion setzte Alexander Häusler. Ihm sei es wichtig die Spreu vom Weizen zu trennen. Er hielt an seiner Analyse fest, dass sich die AfD als realpolitisch handlungsunfähig zeigen würde, da sie zu sehr in sich zerstritten sei. Link zum PZ-Artikel 9