48 EVA - Forschungsprojekt Evaluierung von Energiekonzepten: Auf dem Prüfstand III Das Forschungsprojekt EVA des IGS - Instituts für Gebäude- und Solartechnik im Fachbereich Architektur der TU Braunschweig, Prof. Dr. Ing. M. Norbert Fisch, nimmt Energiekonzepte und den Nutzerkomfort realisierter Bürogebäude unter die Lupe. In Folge berichten wir über die Ergebnisse aus der Praxis. In dieser Ausgabe: Bericht Nr. 2 EnergieForum Berlin Architektur BRT Architekten, Hamburg (Entwurf), und Jensch Architekten, Berlin Dipl.-Ing. Architekt Stefan Plesser Dipl.-Ing. Robert Himler Dipl.-Ing. Architekt Carsten Bremer Prof. Dr.-Ing. M. Norbert Fisch Technische Universität Braunschweig Fachbereich Architektur IGS - Institut für Gebäude- und Solartechnik Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch Mühlenpfordtstraße 23 38106 Braunschweig T 0531. 391-3555 [email protected] www.igs.bau.tu-bs.de Mit dem Forschungs- und Entwicklungsprojekt EVA - Evaluierung von Energiekonzepten untersucht das Institut für Gebäude und Solartechnik (IGS) der TU Braunschweig, Prof.-Dr. Ing. M. Norbert Fisch, die Energieeffizienz, das Raumklima und den Nutzerkomfort zukunftsweisender Bürogebäude in der Praxis. Geprüft werden innovative Energiekonzepte und deren Komponenten wie Betonkerntemperierung, Atrien, dezentrale Lüftungstechnik etc. Ziel von EVA ist es, die Energiekonzepte von Bürogebäuden im Praxisbetrieb zu untersuchen und Optimierungspotenziale hinsichtlich Energieeffizienz (Strom, Wärme, Kälte) und Nutzerkomfort zu erschließen. Nutzer- und Betreibererfahrungen werden bewertet und Möglichkeiten zur Optimierung untersucht. EVA wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) im Rahmen des Programms “EnOB Energieoptimiertes Bauen” gefördert. Städtebauliche Situation und architektonischer Entwurf Eines der bedeutendsten Baupotenziale der Berliner Innenstadt erstreckt sich vom Alexanderplatz über die Alexanderstraße zur Jannovitzbrücke beiderseits der Spree bis zur Elsenbrücke. Die außerordentlich günstige Lage und ausgezeichnete Infrastruktur begründen die stadtplanerische Entscheidung des Senats, den Bereich Berlin Ostbahnhof/Spreeufer unter dem Titel media spree als City-Ergänzungsgebiet zu entwickeln. Lage des EnergieForum Berlin am Berliner Ostbahnhof. Quelle: EnergieForum Berlin Exposé www.energieforumberlin.de]. Als eines der ersten Projekte wurde das aus einem Altund Neubaukomplex bestehende EnergieForum Berlin im Jahr 2003 fertiggestellt. Auf dem Grundstück befindet sich das ehemalige Zentralmagazin der Städtischen Gaswerke, das in den Jahren 1906 bis 1908 von Reimer & Körte errichtet wurde. Das fünfgeschossige Magazingebäude, das Pförtnerhaus und das Verwaltungsgebäude wurden auf der Grundlage eines Denkmalpflegeplanes vom Architekturbüro Jentsch, Berlin, denkmalgerecht erhalten und für eine Büronutzung instandgesetzt. Das städte- und hochbauliche Konzept des Neubaus leitet sich im Wesentlichen aus dem bestehenden Magazingebäude als dominantes und maßstabsgebendes Element ab. Er besteht aus zwei L-förmigen Gebäuderiegeln, zwischen denen ein Atrium liegt, dass sich zur Spree hin öffnet. Der Entwurf der Neube-bauung stammt vom Architekturbüro Bothe Richter Teherani (BRT), Hamburg. EnergieForum Berlin: Prüfung bestanden! Das EnergieForum Berlin im Zentrum Zukunftsenergien/Internationales Solarzentrum bietet Firmen und Institutionen des Sektors der regenerativen Energien und der Umwelttechnik Geschäftsräume unter einem Dach. Der thematischen Zielsetzung des Gebäudes entsprechend wurde ein ganzheitliches Energiekonzept für ein energieeffizientes Bürogebäude unter besonderer Berücksichtigung der regenerativen und rationellen Energiewandlungstechnologien entwickelt. Förderung Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit - BMWA, Berlin Eva wird unterstützt durch: EON Fond Projektpartner Universität Karlsruhe, Fachbereich Bauphysik Steinbeis-Transferzentrum Energie-, Gebäude- und Solartechnik, Stuttgart bhbr Architekten, Hamburg DEZEM - Dezentrale Messtechnik, Berlin Projektlaufzeit 2004 bis 2007 Energieforum Berlin Baubeginn 2001 Fertigstellung 2003 Foto: IB Valentin Prof. K. Müller + Partner Consulting GmbH Das EnergieForum Berlin Das Projekt wird im Rahmen des Förderprogramms “SolarBau:MONITOR” durch das BMWA gefördert. Das wissenschaftliche Monitoring wird seit 2004 sukzessive auf das Projekt EVA übertragen, um den Betrieb des Gebäudes bis 2006 in einer Langzeit-Untersuchung zu dokumentieren. Im Folgenden werden der architektonische Entwurf, das Energie- und Technikkonzept sowie Messergebnisse zum EnergieForum vorgestellt. Außerdem werden Betriebserfahrungen des ersten Jahres sowie die kontinuierlichen Optimierungsmaßnahmen während des Monitorings erläutert. Die Zeitschrift Bauphysik des Verlags Ernst & Sohn hatte das Planungsteam des EnergieForum Berlin anlässlich des 25. Jahrgangs mit dem Bauphysik-Preis 2003 für das ganzheitliche Energiedesign ausgezeichnet. Bauteile und Grundriss des EnergieForums Die Gebäuderiegel des Neubaus wurden als achtgeschossige multifunktionale Mehrzweckgebäude errichtet. Sie ermöglichen ebenso wie der Altbau neben weitgehend variabler Raumaufteilung und der Bildung unterschiedlich großer Mieteinheiten auch die Anordnung traditioneller Zweibundanlagen. Das Atrium bildet den Mittelpunkt des Gebäu- Projektbeteiligte: Bauherr Hanseatic Sechzehnte Grundbesitz Investitionsgesellschaft mbH & Co. KG Enderwerber Projektgesellschaft Hanseatica Sechzehnte Grundbesitz Investitionsgesellschaft mbH & Co. KG, ein Beteiligungsunternehmen der R+V Versicherungsgruppe Bereich Immobilien, Wiesbaden Das Atrium mit Blick zur Spree Energiekonzept Sommer Architektur Altbau: JentschArchitekten, Berlin Neubau (Entwurf): Bothe Richter Teherani Architekten BDA, Hamburg Bauleitung: Werner Jahn - Guido Jahn freischaffende Architekten, Berlin dekomplexes. Es wird zeitweise als multifunktionale Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche und als Marktplatz für Konzepte, Innovationen und Produkte einer nachhaltigen Energiewirtschaft genutzt. Energie- und Klimadesign Ziel war die Umsetzung eines ganzheitlichen Energiekonzepts mit hohem Nutzerkomfort für ein energieeffizientes Bürogebäude entsprechend den Vorgaben des SolarBau:MONITOR-Programms. Der Zielwert für den jährlichen Primärenergiebedarf beträgt 100 kWh/(m²a) für Wärme und Strom bezogen auf die beheizte Netto-Grundfläche. Der errechnete Nutzenergiebedarf des Gebäudes teilt sich wie folgt auf: 40 kWh/(m²a) für Heizwärme und 20 kWh/(m²a) für Strom (ohne den Energiebedarf für nutzungsspezifische Geräte wie z. B.: Computer, Kopierer, Kaffeemaschinen). Das Magazingebäude wurde gemeinsam mit den beiden Neubauflügeln und dem dazwischen liegenden Atrium als kompakter Baukörper gestaltet und hochwärmegedämmt. Seine Fassaden sind jeweils mit einer individuell nach den Himmelsrichtungen konzipierten Kombination aus Verglasung, Sonnen- und Blendschutz ausgestattet. Neben der Fensterlüftung, die in allen Büroräumen möglich ist, wird das Gebäude durch Lüftungsanlagen mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung belüftet. Die Heizung und Kühlung der Büroräume erfolgt je nach Lage der Räume im Gebäude über eine Betonkerntemperierung bzw. Niedertemperatur-Heizkörper. Das Gebäude wird neben dem Netzstrom mit Fernwärme versorgt. Die aus statischen Gründen erforderliche Pfahlgründung des Neubaus wird in Verbindung mit dem Erdreich zusätzlich als saisonaler Wärme- und Kältespeicher genutzt. Auf der Südseite des Gebäudes ist eine Fotovoltaik-Anlage in die Fassade integriert. Baukörper - Gründung - Gebäudehülle Der gesamte Baukörper aus Neu- und Altbau wurde durch die Integration des Atriums sehr kompakt gestaltet. Das Verhältnis von Außenhülle zu beheiztem Volumen beträgt 0,15 m-1. Im Rahmen der Sanierung des Altbaus wurde eine 8 cm starke Innendämmung aus Mineralfaser in Kombination mit einer feuchtepermeablen Dampfbremse sowie neuen Fenstern eingebaut. Das Pfettendach des Altbaus mit liegendem Dachstuhl wurde mit einer Aufsparrendämmung erstellt. Die Ost-/Westseite des Neubaus ist als Lochfassade, bestehend aus vorgehängten Metallelementen mit 16 cm Mineralfaserdämmung, ausgeführt. Die Südfassade wurde als Bandfassade mit ebenfalls 16 cm Mineralfaserdämmung als elementierte Pfosten-Riegelkonstruktion erstellt. Alle Fenster des Neu- und Altbaus sind mit wärmegedämmten Rahmen der Materialgruppe 1.0 und Verglasungen mit einem U-Wert von 1,1 W/(m²K) nach Bundesanzeiger (BAZ) ausgeführt. Es wurden ausschließlich wärmedämmende Glasabstandshalter aus Edelstahl eingesetzt. Durch den außergewöhnlich guten Wärmeschutz des Gebäudes liegt der prognostizierte Wärmebedarf 47 Prozent unter dem Anforderungsniveau der zum Planungszeitpunkt gültigen Wärmeschutzverordnung WSchVo 1995. U-Werte der Gebäudehülle (Neubau) Tragwerksplanung Altbau: Ristow & Schöpe, Berlin Neubau: Pichler Ingenieure GmbH, Berlin Energiekonzept Winter Brandschutzkonzept Hosser, Hass & Partner, Braunschweig TGA Winter Ingenieure, Düsseldorf Sommerlicher Wärmeschutz Alle in Richtung Süden, Osten und Westen orientierten Fenster des Gebäudes verfügen über einen manuell bedienbaren, innenliegenden und hochreflektierenden Sonnenschutz mit Tageslichtlenkung in Kombination mit einer farbneutralen Sonnenschutzverglasung (g = 34 %, ( = 68 %). Beide Maßnahmen reduzieren die externe Wärmelast, schützen die Räume vor übermäßiger Erwärmung und gewährleisten blendfreies Arbeiten sowie ständigen Blickkontakt in die Umgebung. Heizungs- und Lüftungskonzept Bürofassadenkonzepte Energiekonzept Bauphysik Simulationen Steinbeis-Transferzentrum Energie-, Gebäude- und Solartechnik, Stuttgart, Braunschweig Monitoring TU Braunschweig, Institut für Gebäudeund Solartechnik (IGS), Braunschweig Univ. Prof. Dr. M. Norbert Fisch, Dipl.-Ing. R. Himmler 50 erfolgt über einen Wärmeübertrager und eine Abluftwärmepumpe. Übergangszeit: Die Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung im Neubau dienen vorrangig der Energieeinsparung. Ist der Betrag der rückgewonnenen Wärme geringer als der unter Berücksichtigung des Primärenergiefaktors aufgewendete Strombedarf der Anlagen, so werden diese ausgeschaltet. Der Nutzer soll in diesem Fall über die Fenster lüften. An den Fenstern sind Anzeigen mit LED (rot: mechanische Lüftung, grün: Fensterlüftung) angebracht, welche die Nutzer über den Umschaltzeitpunkt informieren. Die Lüftungsanlage des Altbaus ist aufgrund der durch die Schallemissionen vom Stralauer Platz eingeschränkten Möglichkeit zur Fensterlüftung ganzjährig in Betrieb. Die Heizfunktion der Betonkerntemperierung wird während der Übergangszeit deaktiviert, um eine Überhitzung der Büros zu verhindern. Die statischen Heizflächen werden bei Bedarf zugeschaltet. Die Vorlauftemperatur wird in Abhängigkeit von der Außenlufttemperatur gesteuert. Steigt die mittlere Außenlufttemperatur über einen einstellbaren Wert (zurzeit 18°C), so wird die automatische Nachtlüftung mittels elektrischer Stellantriebe der Büros bzw. des Atriums ausgelöst. Dies führt zu einer thermischen Regeneration der inneren Wärmespeichermassen (Geschossdecken) und reduziert Temperaturspitzen am folgenden Tag. Die Nachtlüftung wird abhängig von der Außenlufttemperatur und den Raumlufttemperaturen geregelt. Die Zu- und Abluftöffnungen des Atriums sind mit der Regelung verknüpft, so dass eine Querlüftung der Büros von der Umgebung über das Atrium ermöglicht wird, falls die Nutzer die Bürotüren nachts offen lassen. Bürokonzept Südfassade Heizungs- und Lüftungskonzept Neubau im Winter Sommer: Im Sommer werden die Büros im Neubau ebenso wie das Atrium ausschließlich natürlich belüftet. Die Büros im Altbau werden mechanisch belüftet, jedoch können die Fenster von den Nutzern jederzeit geöffnet werden. Die Nachtlüftung bleibt aktiv und wird bei Bedarf ausgelöst. Steigt die mittlere Außenlufttemperatur über einen einstellbaren Wert (zurzeit 18°C), wird die Betonkerntemperierung in den Geschossdecken des Neubaus mit einer Vorlauftemperatur von 18°C zur Kühlung aktiviert. Die Betonkerntemperierung wird direkt von der Energiepfahlanlage mit Kaltwasser versorgt. Beleuchtungskonzept Die eingesetzten Sonnen- und Blendschutzsysteme ermöglichen eine weitgehende Tageslichtnutzung. Um dieses Energiesparpotenzial nutzen zu können, werden in den Büros fassadenseitig Kunstlichtsysteme mit einem elektronischem Vorschaltgerät (15 W/m²) und einer Konstantlichtregelung (500 Lux) eingesetzt. Die zweite, flurseitige Leuchtenreihe wird nur bei Bedarf manuell zugeschaltet. Die Beleuchtung in den Fluren wird präsenzabhängig gesteuert. Kühlungs- und Lüftungskonzept Neubau im Sommer Winterfall: Die beiden Neubauflügel werden über je eine Zu-/Abluftanlage mit Rotations-wärmetauscher belüftet (hygienischer Mindestluftvolumenstrom: 4 m³/(m²h) bzw. 1,3 h-1). Der Heizwärmebedarf wird über fassaden- bzw. atriumsseitig angeordnete Niedertemperatur-Heizkörper (Auslegung: 60/40°C) gedeckt. Bei Außenlufttemperaturen unter 10°C wird die Betonkerntemperierung der Geschossdecken mit einer gleitenden Vorlauftemperatur zwischen 20 und 26°C zugeschaltet und damit die Grundlast gedeckt. Das denkmalgeschützte Magazingebäude wird über eine Abluftanlage und schallschützende Zuluftelemente mit Winddruckklappen in den Brüstungsbereichen unterhalb der Fenster belüftet. Dadurch konnte das Lüftungskanalnetz auf das notwendige Minimum reduziert werden, ohne auf den Komfort und die Energieeinsparung einer mechanischen Belüftung zu verzichten. Die Wärmerückgewinnung aus der Abluft Energiepfahlanlage: Saisonale Wärme- und Kältespeicherung Während der Heizperiode wird dem Boden um die Gründungspfähle mittels einer elektrisch angetriebenen Wärmepumpe Wärme entzogen und dieser somit abgekühlt. Der Betrieb der Anlage wird unterbrochen, sobald die Verdampferaustrittstemperatur der Wärmepumpe einen Wert von ca. 4°C unterschreitet. Dies tritt auf, wenn das Erdreich um die Pfähle bis auf ca. 5 - 6°C abgekühlt ist (mittlere Erdreichtemperatur im gesamten von den Pfählen erschlossenen Bereich). Die Pfahltemperatur beträgt dann etwa 4 - 5°C. Die gekoppelte Gebäude- und Anlagensimulation hat ergeben, dass dem Erdreich im Zeitraum von Oktober bis April eine Wärmemenge von ca. 85 MWh/a entzogen werden kann. Im Sommer dient die im Untergrund gespeicherte Kälte zur Gebäudekühlung. Dazu werden die hydraulischen Kreise der Energiepfahlanlage und der thermischen Betonkerntemperierung in den Geschossdecken über einen Wärmetauscher gekoppelt und das Wasser umgewälzt. Die überschüssige Raumwärme wird von dem in den Betondecken zirkulierenden Wasser aufgenommen, das sich dabei erwärmt. Das Wasser gibt seine Wärme über die Energiepfähle an den Unter- 51 grund ab, die Erdreichtemperaturen steigen dabei im Bereich der Pfähle auf bis zu 15°C. Dem Untergrund soll dabei die gleiche Wärmemenge - ca. 85 MWh - zugeführt werden, wie im Winterhalbjahr über die Wärmepumpe entnommen wurde. Energieversorgungskonzept Der Heizwärmebedarf des Gebäudes soll zu ca. 20 Prozent von der mit der Wärmepumpe gekoppelten Energiepfahlanlage, zu 5 % von der Abluftwärmepumpe im Magazingebäude und zu 75 % vom Fernwärmeanschluss gedeckt werden. Eine Fotovoltaikanlage mit Netzeinspeisung, die mit einer Spitzenleistung von 55 kW projektiert ist, soll mit einem Jahresertrag von 46 MWh/a ca. 10 % des Strombedarfs decken. Die Module aus monokristallinen Solarzellen (Fläche ca. 500 m²) sind auf den beiden Neubaudächern und an der Südfassade angebracht. Ein BrennstoffzellenBlockheizkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 0,8 kWel und einer thermischen Leistung von 2,6 kWth wurde zu Demonstrationszwecken aufgebaut, um den Nutzern und Besuchern des EnergieForums diese Zukunftstechnologie zu demonstrieren. Der Hauptstrombedarf wird über das Netz gedeckt. Evaluierung Im Mittelpunkt der Evaluierung stand die Analyse der Energieeffizienz des Gebäudes. Insbesondere wurde untersucht, ob die hochgesteckten Zielwerte der Planung im praktischen Betrieb tatsächlich eingehalten wurden. Für das Jahr 2004 wurde der Zielwert von 100 kWh/(m²NGFa) mit einem Primärenergieverbrauch von 85,5 kWh/(m²NGFa) um 14,7 % deutlich unterschritten. Der Zielwert Nutzenergieverbrauch Heizwärme von 40 kWh/(m²NGFa) wurde mit 50,6 kWh/(m²NGFa) um 26,5 % überschritten. Dies wurde durch den Ertrag der Wärmepumpe Energiepfähle kompensiert, der wesentlich höher lag als prognostiziert. Der Zielwert Nutzenergiebedarf Strom wurde mit 21,7 kWh/(m²NGFa) nur geringfügig überschritten. Der Wärmebedarf des Gebäudes wurde zu 83 % über die Fernwärme, 16 % über die Energiepfahlanlage und zu einem Prozent über die Abluftwärmepumpe gedeckt. Die gesamte Heizenergie zur Betonkerntemperierung von 176 MWh/a wurde über die Wärmepumpe Energiepfähle geliefert. Entgegen dem prognostizierten Betrag von 85 MWh/a wurden dem Erdreich 134 MWh/a Wärme entzogen. Für den Betrieb der Wärmepumpe mussten dazu 33 MWh/a elektrische Energie aufgewendet werden. Dies ergibt eine sehr gute Jahres-Arbeitszahl von 5,4 (ohne Umwälzpumpe Energiepfähle) oder 4,8 (mit Umwälzpumpe Energiepfähle). Für das Jahr 2004 wurden insgesamt 1.643 Volllaststunden gemessen. Im Vergleich mit Referenzgebäuden, die im Projekt EVA untersucht wurden, weist das EnergieForum ebenfalls eine hohe Energieeffizienz auf. Zu beachten ist, dass in EVA im Vergleich zum SolarBau:MONITOR auch der Energieverbrauch der Ausstattung in den Mietbereichen betrachtet und auf die gesamte BGF bezogen wird. Als Kennwerte für den Endenergieverbrauch des EnergieForums wurden in EVA 24 kWh/(m²BGFa) für den gesamten Stromverbrauch einschließlich des Mieterstroms und 34 kWh/(m²BGFa) für den Wärmeverbrauch ermittelt. Nach der Inbetriebnahme der Gebäudeleittechnik im Herbst 2003 wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Gebäudemanagement (Hochtief Facility Management) einzelne Probleme und Störungen während des Gebäudebetriebs aufgedeckt und behoben. Ohne Optimierungsmaßnahmen hätten diese auf Dauer zu einem erheblichen Mehrverbrauch an Heizwärme und Strom bzw. zu Einbußen beim Nutzerkomfort geführt. Die Ergebnisse des wissenschaftlichen Monitorings und des Energiecontrollings zeigen erwartungsgemäß, dass die Lüftungswärmeverluste entscheidenden Einfluss auf den Heizwärmebedarf und - im Fall der Schema der Energieversorgung 288 Kennwerte der Energieversorgung Nutz- und Primärenergieverbrauch 2004. Heizwärmeverbrauch 2004 52 Energiebilanz der Wärmepumpe Energiepfähle Kennwerte für den spezifischen Jahresendenergieverbrauch Wärme und Strom mit Referenzgebäuden aus EVA (bezogen auf die BGF, Energieforum: Werte für 2004) Betriebserfahrungen im ersten Jahr (Auszug) 32 % führen. Der Strombedarf für den Betrieb der Wärmerückgewinnungsrotoren wäre im Vergleich zum Gesamtstrombedarf vernachlässigbar gering. Insgesamt erhöhte sich der Primärenergiebedarf um elf Prozent. Der Ausfall der WRG im EnergieForum wurde durch den Defekt eines Frequenzumformers ausgelöst. Eine Störmeldung der GLT lag nicht vor. Szenario 2: Durch eine Deaktivierung des Wochenzeitschaltprofils der Lüftungsanlagen liefen diese im Winter zeitweise im Dauerbetrieb. Bliebe dies unerkannt, würde sich der Heizwärmebedarf um 16 % erhöhen. Der Strombedarf stiege um 32 %. Zusammen ergibt dies einen Primärenergiemehrbedarf von 29 % gegenüber dem Best-Practise-Szenario. Der Störfall wurde ausgelöst durch die Installation eines Software-Updates. Eine Störmeldung der GLT wurde nicht ausgegeben. Szenario 3: Der ganzjährige Betrieb der Lüftungsanlagen durch den Ausfall der Sommer-Winter-Umschaltung würde einen um 13 % höheren Strombedarf verursachen. Der Primärenergiebedarf stiege um 8 %. Der Ausfall war bedingt durch eine fehlerhafte GLT-Programmierung und hat keine Störmeldung verursacht. Szenario 4: Durch die Nachtlüftung des Gebäudes während der Heizperiode ergäbe sich ein Mehrverbrauch an Heizwärme von 81 %. Der Mehrbedarf an Strom für den Antrieb der Stellmotoren ist vernachlässigbar gering. Es würde insgesamt ein um 27 % erhöhter Primärenergiebedarf entstehen. Der Fehler wurde durch den Ausfall der Außenlufttemperatur-Messung verursacht. Szenario 5: Bei einem Leerstand des Gebäudes von 30 % und der Beheizung der nicht genutzten Bereiche auf 21°C ergibt sich eine Mehrverbrauch an Heiz- und Primärenergie von 18 bzw. 6 %. Dieser Mehrverbrauch wird durch die geringeren inneren thermischen Lasten des Gebäudes durch Beleuchtung, Geräte und Menschen verursacht. Ein erhöhter Stromverbrauch entsteht nicht. Die Erfahrungen aus dem Monitoring im EnergieForum zeigen, dass eine Überlagerung der angeführten Einzelszenarien ebenfalls auftreten kann. In der Kombination könnte so der tatsächliche Energieverbrauch den in der Planung angestrebten Energiebedarf um über 100 % überschreiten, ohne dass offensichtliche Störungen bei Nutzung und Betrieb des Gebäudes sichtbar würden. Es würden Mehrkosten allein für Fernwärme von bis zu 40 T /a entstehen. Dies unterstreicht die Bedeutung des Energie-Monitorings im Betrieb. Lüftungsanlagen - auf den Strombedarf haben. Es wurde deshalb besonderes Augenmerk auf den Betrieb der Lüftungsanlagen und der Nachtlüftung gelegt. Die Tabelle zeigt einige der Störungsszenarien, die im Laufe des ersten Betriebsjahres identifiziert bzw. behoben wurden. Die Störungen wurden durch das Monitoring in der Regel schnell erkannt und soweit möglich behoben. Um eine vergleichbare Bewertung im Kontext der Jahres-Energiekennwerte zu ermöglichen, wurden die dargestellten Szenarien als dauerhafte Randbedingungen einer validierten Simulation des Gebäudes angesetzt. Die Ergebnisse zeigen den Einfluss der Störungen auf die Energiemehrverbräuche im Vergleich zum Best-Practise-Szenario. Szenario 1: Der ganzjährige Ausfall der Wärmerückgewinnung in den Neubauten würde zu einer Erhöhung des Jahresheizwärmebedarfs um Raumklima und Nutzerkomfort Neben der Optimierung der Energieeffizienz liegt der Fokus der Evaluierung auf dem Raumklima und dem Nutzerkomfort. Hierzu wurden im Gebäude ebenfalls erste Untersuchungen im Atrium und in den Büros durchgeführt. Zur Analyse des Lüftungskonzepts im Atrium wurden kontinuierlich Lufttemperaturen gemessen. Die Auswertung einer Schönwetterphase zeigt, dass im Atrium auch ohne Sonnenschutz und künstliche Belüftung ein angenehmes Klima herrscht. Die Temperaturen im Atrium lagen bei geöffneten Lamellen maximal 5 K über der Außenlufttemperatur. Sie werden jedoch auf Grund der Abminderung der Solarstrahlung durch die farbneutrale Sonnenschutzverglasung und die Durchströmung des Atriums als niedriger und das Klima insgesamt als angenehm empfunden: das natürliche Lüftungskonzept funktioniert. Allerdings konnte auch im Atrium noch eine Optimierung der Regelung erreicht werden: in einigen Zeiträumen mit Außenlufttemperaturen zwischen 10 und 20°C lagen die Lufttemperaturen im Atrium bei bis zu 30°C. Dies ließ sich auf die geschlossenen Lüftungslamellen zurückführen. Die Sicherheitsfunktion der Gebäudeleittechnik hatte ab einer Windgeschwindigkeit von 4 m/s die Zu- und Abluftöffnungen des Atriums geschlossen. Der Grenzwert in der Gebäudeleittechnik wurde daraufhin auf 6 m/s korrigiert. In insgesamt 56 Büroräumen des Neubaus wurden im Jahr 2004 die Raumlufttemperaturen gemessen, um den sommerlichen Wärmeschutz zu bewerten. Den aktuellen Auswertungen liegt der Zeitraum 53 1. 1. 2004 bis 25.10.2004 zu Grunde. Als Bewertungskriterium wird die DIN 4108-2 (7/2003) angesetzt. Diese verlangt für Berlin, dass die Raumtemperatur in Büroräumen an weniger als 10 % der Nutzungszeit (10 h/d), also in weniger als ca. 260 h/a über 27°C liegt. Die Analyse der Messdaten zeigt, dass in einzelnen Büroräumen bis zu 250 Überhitzungsstunden vorlagen, also in weniger als 10 % der gesamten Nutzungszeit. Das Kriterium nach DIN 4108-2 wurde somit in allen 56 Büros eingehalten. Zu berücksichtigen ist, dass ca. 30 % der Mietflächen nicht genutzt werden. Die entsprechenden Messungen wurden in die Bewertung mit einbezogen. Bei der detaillierten Analyse wurde festgestellt, dass die Raumlufttemperaturen über 27°C vermutlich weitgehend auf die noch nicht vollständig optimierte Betriebsführung bzw. Anlagentechnik zurückzuführen ist. Einige Störungen konnten bereits identifiziert werden: - Die Vorlauftemperatur der Betonkerntemperierung lag auf Grund eines anlagentechnischen Fehlers zu hoch. Dies führte dazu, dass in einzelnen Räumen insbesondere während der Übergangszeiten in Frühling und Herbst Raumlufttemperaturen über 26°C gemessen wurden. - Der Defekt eines Ventils in der dynamischen Heizung führte dazu, dass die Zulufttemperatur in den Büros zu stark erwärmt wurde. - Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die Temperatursensoren für die Steuerung der Kühlfunktion nicht kalibriert waren und zu niedrige Raumlufttemperaturen anzeigen. Dadurch wurde die Kühlfunktion der entsprechenden Räume zu spät ausgelöst. Das Nutzerverhalten, das über die Fensterlüftung und den Einsatz des Sonnenschutzes ebenfalls einen erheblichen Einfluss auf die Raumlufttemperaturen hat, kann zusätzlich zu einer Überhitzung beigetragen haben. Dieser Einfluss konnte noch nicht bewertet werden. Berücksichtigt man die Ausschöpfung der Potenziale des Gebäudes zur effizienteren Kühlung durch eine optimierte Betriebsführung, werden die genannten Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz voraussichtlich im gesamten Gebäude eingehalten. Die Betriebsführung zur Optimierung des Nutzerkomforts wird deshalb im weiteren Monitoring im Mittelpunkt stehen. Fazit - Lessons learnt Im EnergieForum lag der tatsächliche spezifische Jahresheizwärmeverbrauch im ersten Jahr bei 58 kWh/(m²NGF·a). Nach der Optimierung im Rahmen des wissenschaftlichen Monitorings (IGS, TU Braunschweig), die neben den hier dargestellten Szenarien auch andere Bereiche des Betriebes betraf, zeichnet sich im 2. Jahr eine Reduzierung um ca. 33 % ab. Das Ziel des SolarBau:MONITOR-Projekts eines Primärenergiebedarfes von 100 kWh/(m²·a) bzw. eines Jahres-Heizwärmebedarfs von unter 40 kWh/(m²a) wird damit erreicht. Durch die Optimierung des Betriebs werden in den ersten drei Betriebsjahren ca. 735 MWh Heizwärme bzw. Kosten von ca. 35 T eingespart. Ohne das Monitoring wären diese erhöhten Energieverbräuche nicht entdeckt worden und hätten zu Mehrkosten geführt. Der Vergleich mit anderen Bürogebäuden in EVA zeigt, dass die im EnergieForum geplante und in der Praxis erreichte Energieeffizienz eine Verbesserung gegenüber dem derzeitigen Standard um den Faktor 3-4 darstellt. Gleichzeitig haben die bisher durchgeführten Untersuchungen gezeigt, dass es in einigen Räumen zeitweise zu Überhitzung kommt. Die Analysen lassen jedoch erwarten, dass der Nutzerkomfort in dieser Hinsicht durch Maßnahmen zur Betriebsoptimierung weiter verbessert werden kann. Diese werden im weiteren Verlauf des Monitorings umgesetzt und dokumentiert. Das Beispiel EnergieForum zeigt, dass der Energiedesigner, der in der Planung die integrale Kompetenz zur Verbindung von Architektur, Gebäudehülle, Bauphysik und Anlagentechnik einbringt, auch die Inbetriebnahme des Gebäudes und die ersten Betriebsjahre überwachen sollte. Zum einen, um die ganzheitlichen Ansätze des Planungsteams auch im Betrieb zu berücksichtigen. Zum anderen, um eine Qualitätssicherung der Planungsziele durchzuführen und ein Optimum an Effizienz und Komfort zu erreichen. Bürogebäude mit anspruchsvollen Energiekonzepten werden heute oft Sensitivitätsanalyse zum Energiemehrbedarf von Betriebsszenarien im Vergleich zum Best-Practise Lufttemperaturen im Atrium (Schönwetterperiode) Darstellung der Überhitzungsstunden in den Referenzräumen mit zusätzlichen Investitionen in Planung und Errichtung zur Erreichung einer hohen Energieeffizienz realisiert. Im EnergieForum wird die ökonomische und ökologische Rendite dieser Anstrengungen durch ein ganzheitliches Engagement für das Projekt auch tatsächlich erreicht. Internetlinks www.igs.bau.tu-bs.de www.energieforum-berlin.de www.solarbau.de www.enerkenn.de www.ensan.de