Groß oder klein?

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Stefan Gottschling
Groß oder klein?
Wie Sie mit einfachen Regeln zur Groß- und Kleinschreibung
Ihren Worten „die wahre Größe“ verleihen
Ein Auszug aus dem Buch „einfach besser texten“, 4., überarbeitete Auflage. Wiesbaden:
GABAL, 2010. S. 113-116.
Stefan Gottschling
Groß oder klein?
Oder: Wie Sie mit einfachen Regeln zur Groß- und Kleinschreibung Ihren Worten
„die wahre Größe“ verleihen
Der heilige Abend oder der Heilige Abend? Wünschen wir alles Gute im neuen Jahr
oder im Neuen Jahr? Ist es Karl der große oder der Große? Und wird aus einem
gelben Trikot bei der Tour de France automatisch nicht doch lieber ein Gelbes Trikot?
Manchmal ist Groß- und Kleinschreibung ganz schön kompliziert. Deshalb zeigt Ihnen
dieses Kapitel einfache Regeln, die helfen, den richtigen Worten ihre wahre Größe zu
verleihen.
Substantive schreibt man groß. Doch was, wenn sie kombiniert sind mit Eigenschaftswörtern
wie im heiligen / Heiligen Abend oder im Lehrstuhl für neuere deutsche / Neuere Deutsche
Literaturgeschichte? Und was, wenn die Artikel „der, die, das“ hinzutreten? Schreibt sich
die berühmte Dresdner Brücke „das blaue Wunder“ oder aber „das Blaue Wunder“ oder
„Das Blaue Wunder“?
Die Regel: Zunächst einmal schreibt man Eigennamen immer groß. Besteht ein Eigenname
aus mehreren Wörtern, werden alle Wörter großgeschrieben, mit Ausnahme von Artikeln
(der, die, das), Präpositionen (von) und Konjunktionen (und). Die Dresdner Brücke schreibt
sich also im Satz „das Blaue Wunder“.
Woran Sie Eigennamen erkennen ...
Dass die Größe in „Karl der Große“ sich nicht auf König Karls Länge in Zentimetern
bezieht, ist jedem Leser klar. Und dass damit nicht der Nachbarssohn, der zufälligerweise
Karl getauft wurde, gemeint sein kann, wissen wir aus dem Geschichtsunterricht. Doch nicht
immer ist die Entscheidung, ob Eigenname oder nicht, ganz einfach: der heilige Abend, das
gelbe Trikot, die neuen Medien oder das neue Jahr? Groß oder klein?
Für Klarheit sorgen zwei einfache Kriterien:
Fragen Sie sich: Erfüllt ein Wort das Highlander-Kriterium „Es kann nur einen geben“?
Dann Großschreibung! „Karl der Große“, „Ludwig der Fromme“.
Gibt‘s eine Taufe? Können Sie davon ausgehen, dass Mensch, Gegenstand, Institution
irgendwann einmal getauft wurden? Oder ist ein „Taufakt“ vorstellbar? Übrigens ist Taufe
hier nicht ganz wörtlich zu nehmen. Es geht hier um das bewusste und einzigartige Bezeichnen eines Menschen, Bauwerks oder Gegenstandes. Denken Sie an die Flasche Sekt, die man
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noch immer am Bug eines zu taufenden Schiffes zerschlägt. Ich taufe dich auf den Namen:
„Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern“, „Flotte Flunder“, „Karl der Große“.
Die Quelle für alle Wissbegierigen: Das schöne Wort Highlander-Kriterium habe ich gefunden in einem Buch über „Die 101 häufigsten Fehler im Deutschen“ (München: C.H. Beck,
2004) von Klaus Mackowiak.
Einfache Regeln ...
Gerüstet mit Highlander-Kriterium und der „Tauf“-Frage sollten Sie nun auch jeden Streitfall „Eigenname oder nicht?“ schnell entscheiden können. Hier sind jedoch weitere Regeln,
die eine Entscheidung „groß oder klein“ noch einfacher machen.
Groß schreibt man immer:
1. Personen. Ob nun lebend, historisch oder erfunden, ob tatsächlicher Name oder Spitzname: Wir schreiben „Karl der Große, der „Alte Fritz“ oder „Long John Silver“.
2. Geografische und politische Eigennamen von Erdteilen, Ländern, Städten, Straßen
usw.: die „Vereinigten Staaten“, die „Fränkische Schweiz“, die „Breite Straße“. Übrigens auch „inoffizielle“ Bezeichnungen wie „Dritte Welt“ oder „Naher Osten“.
3. Ob Bauwerk, Sternbild oder Orden: Wann immer ein Objekt einen Namen trägt,
schreiben wir diesen Namen groß: der „Schiefe Turm von Pisa“, der „Große Wagen“,
das „Blaue Band“ (für die schnellste Atlantik-Überquerung).
4. Eigennamen von Institutionen, Behörden, Firmen, Vereinen und sonstigen Gruppen.
Die „Augsburger Allgemeine Zeitung“ oder die Pop-Band „Erste Allgemeine Verunsicherung“, das „Institut für Neuere Deutsche Literaturgeschichte“.
5. Titel, Ehren- oder Amtsbezeichnungen wie der „Heilige Vater“, der „Regierende
Bürgermeister“ oder die „Königliche Hoheit“.
6. Besondere Kalendertage: der „Heilige Abend“ oder der „Weiße Sonntag“.
7. Historische Ereignisse oder Epochen (die einen Namen tragen, vgl. „Tauf“-Frage):
der „Erste und der Zweite Weltkrieg“. Und wenn am Heiligen Abend Frieden einkehrt
in die Häuser Westfalens, könnte man das vielleicht auch als westfälischen Frieden
bezeichnen, es ist aber eben nicht der Westfälische Friede, denn den schreibt man als
historisches Ereignis groß.
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Keine Regeln ohne Besonderheiten:
Groß schreibt man auch „fachsprachliche Klassifizierungen“. Zum Beispiel im Biologiebuch
den „Roten Milan“, das „Fleißige Lieschen“ oder den „Weißen Hai“. In der Sportberichterstattung das „Gelbe Trikot“ oder die „Rote Karte“.
Mit der „Roten Karte“ stoßen wir auf eine weitere Besonderheit: Es gibt Verbindungen von
Eigenschafts- und Hauptwörtern, die zwar zusammengehören, die aber keine Eigennamen,
Titel oder historischen Ereignisse sind. Und die schreibt man klein. Nach offizieller Schreibregelung auch die „rote Karte“ oder das „gelbe Trikot“. Doch hier hat die Fachpresse Großschreibung für sich festgelegt. Klarer wird‘s bei Formulierungen wie „das schwarze Schaf“,
„der wissenschaftliche Mitarbeiter“ oder eben „das neue Jahr“. Noch einmal: Wenn kein
Eigenname, kein Titel, kein historisches Ereignis und keine fachsprachliche Klassifizierung
vorliegt, schreibt man das Eigenschaftswort klein. Ganz einfach!
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