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Denkmalschutz spielt in Frankreich eine gro-21.03.2017
ße Rolle
Viele geschützte Monumente / Paris renoviert mehrere Kirchen / Von Marcus Knupp
Paris (GTAI) - Geschichte ist in Frankreich allgegenwärtig. Historische Bauwerke, Schlösser, Kirchen oder Fes­
tungsanlagen haben dabei nicht nur eine besonders große Sichtbarkeit, sie stellen Planer, Architekten und
Handwerker auch vor besondere Aufgaben, sei es bei deren Erhalt oder der Integration in moderne Siedlungs­
strukturen. Zwischen strengem Milieuschutz und einer gepflegten kunsthandwerklichen Tradition gibt es einen
breiten Markt für spezielle Materialien und Bauleistungen. (Internetadressen)
Die mittelalterliche Kathedrale von Saint-Denis soll ihren 1846 nach Sturmschäden abgetragenen Nordturm zu­
rück erhalten. An drei großen Pariser Kirchen, darunter die im Stile eines antiken Tempels entworfene Madelei­
ne, werden Teile der Fassade erneuert. Die große hufeisenförmige Freitreppe am Schloss Fontainebleau wartet
auf ihre Komplettsanierung. Spektakuläre Vorhaben wie diese erregen natürlich besondere Aufmerksamkeit, die
Reichweite des Denkmalschutzes in Frankreich ist jedoch erheblich größer.
Denn nicht nur bei Arbeiten an gelisteten Baudenkmälern haben die Denkmalschützer ein Wort mitzureden,
sondern auch bei solchen in ihrer Umgebung. Insgesamt besitzt Frankreich rund 43.800 geschützte Gebäude und
280.000 weitere geschützte Objekte. Hinzu kommen 822 Orte des historischen Erbes, darunter etliche Altstädte.
Mittlerweile gehören auch circa 3.000 Bauwerke des 20. Jahrhunderts zum denkmalgeschützten Bestand.
Strenge Denkmalschutzauflagen
Aspekte des Denkmalschutzes sind daher bei vielen Bauvorhaben zu beachten. Für die Genehmigung von Arbei­
ten sind in Frankreich die verbeamteten "Architects des bâtiments de France" (ABF) zuständig. Der ABF muss
immer konsultiert werden, wenn eine Baumaßnahme
an einem denkmalgeschützten Objekt
in einer Zone zum Schutz des städtebaulichen und landschaftlichen Erbes (zone de protection du patrimoine ar­
chitectural urbanistique et paysager, ZPPAUP) oder einem Gebiet zur Erschließung der Architektur und des his­
torischen Erbes (aire de mise en valeur de l'architecture et du patrimoine, AVAP)
in einem geschützten Landschaftsbestandteil (site classé, site inscrit)
in der geschützten Umgebung von als historisches Denkmal registrierten Gebäuden (périmètre de protection
des immeubles classés ou inscrits au titre des monuments historiques, in der Regel 500 m)
liegt. Je nach Art des geschützten Objektes muss der ABF innerhalb von einem bis vier Monaten ein Urteil abge­
ben. Erhält man binnen dieser Frist keine Antwort ist das in der Regel als Zustimmung zu werten.
Ein Generationswechsel führt derzeit zu einem etwas lockereren Umgang mit historischen Baudenkmälern. Bis
vor etwa 15 Jahren haben die ABF sehr akribisch Listen mit schützenswerten Bauwerken zusammengestellt, die
dann für sie reserviert waren. Dies gilt aber nicht für alle alten Gebäude. Wurden bereits in früheren Epochen
erhebliche Änderungen vorgenommen, sind sie beispielsweise oft nicht gelistet.
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DENKMALSCHUTZ SPIELT IN FRANKREICH EINE GROSSE ROLLE
Erosion des Know-hows
Die Einhaltung von Denkmalschutzauflagen ist nicht immer einfach, insbesondere wenn hierfür spezielle Kennt­
nisse und Fähigkeiten notwendig sind. Branchenvertreter beklagen in diesem Zusammenhang den Mangel an
qualifizierten Fachleuten in kunsthandwerklichen Berufen. Neue Technologien verdrängen traditionelle Fertig­
keiten aus der allgemeinen Bautätigkeit und der Raumausstattung. So gibt es beispielsweise in Frankreich nur
noch zwei Firmen, die von Hand große Seidengewebe für die Wandverkleidung etwa in Barockschlössern her­
stellen können.
Zwar wurde 2008 ein Fach "traditionelles Bauen" (bâtiment ancien) zum Fachabitur eingeführt. Kunsthand­
werkliche Fertigkeiten kann man aber meistens nur in direkter Anleitung von erfahrenen Meistern richtig lernen,
geben Praktiker zu bedenken. Und hier liegt eine Schwäche des französischen Ausbildungssystems, in dem die
handwerkliche Lehre nach dem dualen System, wie sie in Deutschland üblich ist, eine wesentlich geringere Be­
deutung hat.
Konflikte mit der Energiewende
Zusätzliche Herausforderungen kommen auf Bauherren und Denkmalschützer durch die Zielsetzungen des fran­
zösischen Gesetzes zur Energiewende von 2015 (Loi de transition énergétique pour la croissance verte) zu. Es
sieht zum Beispiel vor, dass pro Jahr rund eine halbe Million Wohnungen wärmetechnisch saniert werden. Die
große Dichte historischer Bauwerke in den Innenstädten macht Veränderungen an der Fassade jedoch bei sehr
vielen Gebäuden genehmigungspflichtig durch die ABF. Das gleiche gilt natürlich für die Installation von Anlagen
zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen wie Photovoltaik-Modulen.
Andere Konfliktlinien ergeben sich aus divergierenden Anforderungen von Denkmalschutz einerseits und Barrie­
refreiheit oder Brandschutz andererseits. Dies gilt insbesondere dann, wenn Eigentümer historischer Bauwerke
diese zur Deckung der Unterhaltskosten für Besucher öffnen wollen. Denn für öffentlich zugängliche Gebäude
gelten hier andere Normen. Die gleichzeitige Beachtung verschiedener Anforderungssysteme bedeutet oft deut­
lich höhere Kosten, die nicht alle Bauherren aufbringen können. Immer mehr alte Schlösser stehen daher zum
Verkauf.
Internetadressen
Offizielle Hinweise zu den möglichen Einschränkungen und Auflagen zum Denkmalschutz können auf folgender
Website eingesehen werden:
Internet: https://www.service-public.fr/professionnels-entreprises/vosdroits/F32190 
Auf verschiedenen Ebenen haben sich die Akteure zum Erhalt von geschützten Bauwerken und Einzelobjekten
organisiert. Dazu zählen Verbände, Vereine und Stiftungen; nachfolgend eine Auswahl:
Association des Villes et Pays d'art et d'histoire et des Sites patrimoniaux
Internet: http://www.an-patrimoine.org 
Société pour la Protection des Paysages et de l'Esthétique de la France
Internet: http://www.sppef.fr 
Fondation du patrimoine
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DENKMALSCHUTZ SPIELT IN FRANKREICH EINE GROSSE ROLLE
Internet: http://www.fondation-patrimoine.org 
Association VMF (vielles maisons françaises)
Internet: http://www.vmfpatrimoine.org 
Conseil international des Monuments et des Sites (ICOMOS France)
Internet: http://France.icomos.org 
Ateliers d'Art de France
Internet: http://www.ateliersdart.com 
(S.K.)
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