Erweiterung Oberstufenschulhaus, Delsberg Viele Jahre lang waren Klassenzimmer der Oberstufe Delsberg für spezielle Unterrichtsfächer in verschiedenen Gebäuden und provisorischen Containern über das ganze Städtchen verteilt, weil das 1950 erstellte Hauptgebäude unter chronischem Platzmangel litt. Die Schulhauserweiterung setzte dem ein Ende. Die immer stärkere Verzettelung der Schulräume bewog die Stadt Delsberg, 2002 eine Kommission zur Abklärung von Erweiterungsmöglichkeiten für das Oberstufenschulhaus einzusetzen. 2005 fand ein entsprechender Architekturwettbewerb statt. Das Siegerprojekt verzichtet auf Eingriffe im bestehenden, bereits mehrfach umgebauten Gebäude und setzt statt dessen auf den Bau eines völlig neuen Gebäudes auf der Südseite, wo sich früher der heute nicht mehr brauchbare Sportplatz befand. Der kompakte und nüchterne Neubau konnte zum 200-Jahr-Jubiläum der Oberstufe Delsberg eingeweiht werden; er passt perfekt zu den bestehenden Gebäuden. Die von der Sorne ausgehende Hochwassergefahr machte eine Anhebung des Erdgeschosses erforderlich, und der Zugang zum Gebäude erfolgt deshalb über eine leicht ansteigende Rampe, deren Dach gleichzeitig die Verbindung zum bestehenden Gebäudekörper darstellt. Vertikal erstreckt sich das neue Gebäude über sieben Halbgeschosse; horizontal sind die Räumlichkeiten, einem Baum gleich, um das Treppenhaus herum angeordnet. Das Treppenhaus in Beton sorgt für die notwendige Stabilität und umfasst auch den Aufzug. Es erschliesst alle Räume, teils direkt, teils über die angrenzenden Pausenräume. Diese Anordnung entwickelt sich von Geschoss zu Geschoss weiter und schafft dadurch ständig neue Öffnungen gegen aussen und Durchlässigkeiten gegen innen. Das Untergeschoss beherbergt die Technikräume sowie zwei Werkräume für die Holz- und die Metallbearbeitung mit einem Nebenraum. Im Erdgeschoss befinden sich die Eingangshalle, die Mensa mit den dazugehörigen Räumen sowie zwei Toiletten und ein Putzraum. Da die Mahlzeiten in einer externen Gemeinschaftsküche zubereitet werden, konnte der Bereich der Mensa klein gehalten werden; er umfasst nebst dem Essraum nur eine kleine Aufwärmküche. In den oberen Geschossen finden sich zwei Standardtypen von Klassenzimmern, mehrere Räume für handwerkliche Tätigkeiten, eine Mediathek, Zeichenzimmer sowie das Lehrerzimmer. Im Hinblick auf zukünftig ansteigende Schülerzahlen stehen im obersten Geschoss vier weitere Klassenzimmer zur Verfügung. Hauptbaustoff des Gebäudes ist Holz. Lediglich das Untergeschoss und die erste Decke sowie der zentrale Kern bestehen aus Beton. 2404 Die weiteren Geschossdecken bestehen dagegen aus Kastenelementen mit einer Spannweite bis zu 7,9 m. Die Fensterbrüstungen sind je nach Nutzungsart der Räume entweder verglast oder opak – für letztere Erscheinung sorgt eine Bekleidung mit pastellgrün gestrichenen, sägerohen Holzlamellen. Die unterschiedlichen Dicken dieser nebeneinanderliegenden Lamellen beleben die Fassade und durchbrechen auf subtile Art und Weise ihre Gleichförmigkeit. Gleichermassen belebend wirkt das durch die Unterteilung in Halbgeschosse erzeugte Spiel zwischen den teils gefüllten, teils leeren Flächen. Die braune Tönung der vertikalen Fassadenstützen schafft einen interessanten Kontrast zu den horizontalen Elementen und unterstreicht diese zusätzlich. Das Holz ist auch bei den Inneneinrichtungen allgegenwärtig, und selbstverständlich erfolgt die Energieerzeugung für das im Minergiestandard erstellte Gebäude mittels einer Holzpellets-Heizung. Situation 2405 2406 20 m Untergeschoss Erdgeschoss 1. Obergeschoss 2. Obergeschoss Ort Avenue de la Gare 9, 2800 Delsberg Bauherrschaft Service UETP Commune de Delémont Architektur GXM Architekten GmbH, Alexandra Gübeli & Yves Milani, Zürich; Mitarbeit: Virginie Reussner Bauleitung Robin Voyame Architecte, Delsberg Bauingenieur Mantegani & Wysseier AG, Biel Holzbauingenieur Indermühle Bauingenieure, Thun HLS-Ingenieur TP, AG für technische Planungen, Biel Elektroingenieur Atelier 21 Sàrl, Le Landeron Holzbau Zimmerei Kühni AG, Ramsei (Holzbau) und Guenat-Monnerat SA, Pleigne (Fenster und Fassade) Materialien Brettschichtholz 175 m3; Platten: Dreischichtplatten 27 mm 3000 m2, OSB 18 mm 750 m2, Holzfaserdämmplatten 22 mm 450 m2; Fassadenbekleidung: Schalung in Weisstanne 18 mm und 30 mm 590 m2 Baukosten (BKP 1–9) CHF 8,4 Mio. davon BKP 2 CHF 6,9 Mio. Gebäudevolumen SIA 416 8160 m3 Bauzeit Mai 2011 – Juni 2012 Fotograf Pierre Montavon, Delsberg 2407 Fassadenschnitt Aufbau Dach von oben: Extensivbegrünung Abdichtung Gefällsdämmung 80–160 mm Holzfaserdämmplatte 80 mm Dampfsperre Kastenelemente: Dreischichtplatten 27 mm Rippen 280 mm/Dämmung 30 mm/Vlies Dreischichtplatten 27 mm, perforiert Aufbau Decken von oben: Eingefärbter Kork 6 mm Zementunterlagsboden 90 mm Trennlage Trittschalldämmung 30 mm Kastenelemente: Dreischichtplatten 27 mm Rippen 360 mm/Kies/Folie/Dämmung 30 mm/Vlies Dreischichtplatten 27 mm, perforiert Aufbau Fassade von aussen: Schalung in Weisstanne 18–30 mm Lattung 55 mm Holzfaserplatte 22 mm Ständer 220 mm/Dämmung OSB 18 mm Lattung 107 mm Dreischichtplatte 2408 2409