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Lymphdrüsenkrebs: Studie bestätigt bessere Ergebnisse durch ergänzende
Strahlentherapie bei ausgedehnten Tumoren
Berlin, März 2014 – Besonders aggressive B-Zell-Lymphome, eine Krebserkrankung des
Lymphsystems, die vor allem bei älteren Menschen auftritt, wurden lange Zeit mit einer
Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie behandelt. In letzter Zeit wurde auf die
Radiotherapie allerdings immer häufiger verzichtet, stattdessen setzten Ärzte vielversprechende
neue Medikamente ein. Zwar konnten die sogenannten monoklonalen Antikörper, die diese
Krebszellen gezielt angreifen, die Therapieergebnisse verbessern. Jedoch wurde in einer
aktuellen Studie gezeigt, dass vor allem bei ausgedehnten Tumoren die Langzeiterfolge durch
eine zusätzliche Strahlentherapie noch weiter optimiert werden können, erklärt die Deutsche
Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).
B-Zell-Lymphome gehören zu den Non-Hodgkin-Lymphomen, die wiederum eine Untergruppe des Lymphdrüsenkrebses sind. B-Zell-Lymphome bestehen aus Zellen des Immunsystems, die normalerweise Antikörper produzieren. Bei aggressiven Varianten des B-ZellLymphoms kommt es häufig zu einem ausgedehnten Befall der Lymphdrüsen, bei dem die
Tumorgröße einen Durchmesser von mehr als 7,5 cm hat und der auch als „bulky disease“
bezeichnet wird. Bei diesen Patienten hat der Tumor häufig die Grenzen der Lymphdrüsen
überschritten. Die Therapie bestand lange Zeit in einer Chemotherapie, die nach den Anfangsbuchstaben der vier eingesetzten Medikamente als CHOP bezeichnet wird. Patienten mit
„bulky disease“ erhielten außerdem teilweise eine Bestrahlung.
Vor einigen Jahren wurde CHOP durch ein weiteres Medikament, den monoklonalen Antikörper Rituximab, ergänzt, der gezielt B-Zellen angreift. In einer früheren Studie (RICOVER60) konnten Forscher mit dieser Therapie die Behandlungsergebnisse bei aggressiven B-ZellLymphomen deutlich verbessern. „Es ergab sich deshalb die Frage, ob auf eine Radiotherapie
verzichtet werden kann“, berichtet Professor Dr. med. Christian Rübe, Direktor der Klinik für
Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums des Saarlandes, der an der
RICOVER-60-Studie beteiligt war. In einer Nachfolgestudie (RICOVER-noRTh) wurde bei
166 Patienten mit aggressiven B-Zell-Lymphomen auf die Strahlentherapie verzichtet. „Das
Potential des Antikörpers Rituximab wurde sehr hoch eingeschätzt, sodass die Frage nach
dem Stellenwert der Bestrahlung beantwortet werden musste“, sagt Professor Rübe.
Die jetzt vorliegenden Endergebnisse bestätigen nun die Notwendigkeit der Radiotherapie.
„Der Verzicht auf eine Bestrahlung der Tumoren hat trotz Rituximab die Rate der Rückfälle
gegenüber den bestrahlten Patienten deutlich erhöht“, berichtet der Experte. Der Anteil der
Patienten, bei denen der Krebs in den ersten drei Jahren nicht weiter fortgeschritten ist, wurde
durch die Radiotherapie von 62 auf 88 Prozent gesteigert. Der Anteil der überlebenden Patienten erhöhte sich von 65 auf 90 Prozent. Die Zentren haben laut Professor Rübe bereits die
Konsequenzen gezogen und bieten für die meisten Patienten mit „bulky disease“ wieder eine
Strahlentherapie an.
Die Bestrahlung erfolgt beim Non-Hodgkin-Lymphom im Anschluss an die Chemotherapie.
Die Dosis ist mit insgesamt 36-40 Gray relativ niedrig und damit gut verträglich. „Die moderne Radiotherapie wurde von den meisten Patienten trotz des oftmals fortgeschrittenen
Alters gut vertragen“, ergänzt DEGRO-Präsident Professor Dr. med. Michael Baumann,
Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden. „Der Verzicht auf die Radiotherapie in RICOVERnoRTh hat die Verträglichkeit nicht verbessert “, sagt Professor Baumann, der auf die lange
Erfahrung deutscher Kliniken mit der Strahlentherapie verweist: „Die Studie zeigt, dass die
Radiotherapie bei ausgewählten Patienten mit Lymphdrüsenkrebs auch in Zukunft einen hohen Stellenwert haben wird.“
Literatur:
Held, G. et al.: “Role of Radiotherapy to Bulky Disease in Elderly Patients With Aggressive B-Cell
Lymphoma” in: JOURNAL OF CLINICAL ONCOLOGY, Published Ahead of Print on February 3,
2014 as 10.1200/JCO.2013.51.4505,
http://jco.ascopubs.org/content/early/2014/02/03/JCO.2013.51.4505
Zur Strahlentherapie:
Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen
Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die
Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes,
sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken
können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.
Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.
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