EBV-Infektion - Stufendiagnostik bei immunkompetenten Patienten

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fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH
FH-Bachelor-Studiengang Biomedizinische Analytik
EBV-Infektion
Stufendiagnostik bei immunkompetenten
Patienten
Bachelorarbeit 2
VerfasserIn: Sabine Legner
BetreuerIn: Dr. Maria Elisabeth Mustafa-Korninger
Innsbruck, im August 2013
Inhaltsverzeichnis
1. Zusammenfassung!
3
2. Abstract!
4
3. Ziel der Arbeit!
5
4. Einleitung!
6
4.1 Spezifische Antigene!
7
4.2 Serologische Nachweismethoden!
10
4.3 Spezifische Antikörper!
11
4.4 Vergleich der unterschiedlichen Vorgehensweisen!
14
4.5 Vergleich der Interpretationen!
17
5. Material und Methoden!
24
6. Ergebnisse!
29
7. Schlussfolgerung!
33
8. Literatur!
38
2
1. Zusammenfassung
Die infektiöse Mononukleose ist eine Erkrankung mit Symptomen wie akuter
Tonsillitis, Lymphknotenschwellungen, Hepatosplenomegalie und Mononukleose
(atypische Lymphozyten und mononukleäre Zellen) [1]. Durch die Labordiagnostik
soll eine Infektion mit EBV (Epstein-Barr Virus) bestätigt werden. Andere Ursachen
wie Infektionen mit Cytomegalievirus (CMV), Parvovirus B19, HHV-6 (humanes
Herpesvirus 6), HIV oder Toxoplasma gondii sollen ausgeschlossen werden.
In der EBV-Serologie gibt es verschiedenste in der Literatur beschriebene
diagnostische Wege und Befundinterpretationen. Ausgegangen wird zum Beispiel
von der Bestimmung der Antikörper gegen VCA (IgM und IgG) und EBNA-1 (IgG)
in einem Schritt. Beschrieben werden auch Vorgehensweisen beginnend mit der
Detektion der Antikörper gegen EBNA-1 oder einem IgG-Immunoblot. Dadurch
entstehen verschiedene Möglichkeiten der Befundinterpretation.
Zur Abklärung einer EBV-Infektion werden zwei IgG-Nachweise (VCA-IgG und
EBNA-1-IgG) und ein IgM-Nachweis (VCA-IgM) empfohlen. Ziel der Arbeit ist es,
festzustellen, ob zwei unterschiedliche IgG-Bestimmungen notwendig sind, um
zwischen einer frischen Infektion, einer durchgemachten Infektion oder einer
Seronegativität zu unterscheiden. Verglichen wurde, ob die Interpretation der
Ergebnisse der Antikörperbestimmung von EBNA-1-IgG und VCA-IgM zur
gleichen Aussage führt.
Insgesamt wurden retrospektiv die Befundinterpretationen von 381 PatientInnen
verglichen. Die labordiagnostische Untersuchung erfolgte mittels einem
Chemilumineszenzassay (CLIA) mit Liaison XL (DiaSorin, Saluggia, Italien).
Getestet wurden bei allen PatientInnen die Antikörper gegen VCA-IgG, VCA-IgM
und EBNA-1-IgG. Die ursprüngliche Interpretation erfolgte nach der empfohlenen
Vorgehensweise der Firma DiaSorin.
Mit den von der Firma DiaSorin vorgegebenen Grenzwerte wurde eine
Übereinstimmung der Interpretationen von 72,22 % gefunden. Wurden die
Grenzwerte bei EBNA-1-IgG mit 20 E/mL und bei VCA-IgM mit 50 E/mL
gerechnet, waren die Befundinterpretationen zu 91,53 % gleich.
3
2. Abstract
Infectious mononucleosis is a syndrome with symptoms like lymphadenopathy and
pharyngitis, hepatosplenomegalie and an increase in the number of the
mononuclear cells. [1] It is important, to ensure an infection with EBV (EpsteinBarr Virus). There are several causes who have to be excluded, for example other
infectious diseases induced by cytomegalovirus (CMV), parvovirus B19, HHV-6,
HIV or Toxoplasma gondii.
Many ways of diagnosis and interpretations are shown in the journals.
One possibility based on detection of antibodies against VCA (IgM und IgG) and
EBNA-1 (IgG) at the same time. A further alternative is the search for EBNA-1-IgGantibodies or the detecting of IgG-antibodies by immunoblotting. This is due to
have many ways to report an interpretation by the resulsts.
Two tests for detecting IgG-antibodies (VCA-IgG and ENBA-1-IgG) and one test
for the search for IgM-antibodies are in use. Object of this paper is to show, if there
is a need for using all three tests to distinguish acute from past infection and from
seronegativity. The interpretation of the res ults from the detection of EBNA-1-IgG
antibodies and VCA-IgM-antibodies was compared with the primary interpretation.
In total there were 381 samples, which were evaluated retrospectively.
The sera were measured with a chemiluminescent immunoassay (CLIA) by
Liaison XL (DiaSorin, Saluggia, Italien). IgG-antibodies against EBNA-1 and VCA
and IgM-antibodies against VCA have been detected in each sample. The primary
interpretation is based on the recommendation from DiaSorin.
Using the predefined values the agreement was 72,22 %. By calculating the
results with new values (EBNA-1-IgG: 20 E/mL and VCA-IgM: 50 E/mL) there was
an accordance of 91,53 %.
4
3. Ziel der Arbeit
Ziel der Arbeit ist es, anhand der erhobenen Testergebnisse eine Stufendiagnostik
zur Abklärung einer EBV-Infektion zu erstellen. Es soll zwischen einer
Primärinfektion, einer bereits durchgemachten EBV-Infektion und einer
Seronegativität unterschieden werden. In der angeführten Literatur ist ausreichend
beschrieben, dass die Bestimmung der Antikörper gegen VCA (IgG und IgM) und
EBNA-1 dafür genügt.
Durch eine retrospektive Datenerhebung und deren Auswertung soll gezeigt
werden, dass für die Routinediagnostik die Antikörperbestimmung von VCA-IgM
und EBNA-1-IgG in den meisten Fällen ausreichend ist. Nur bei fraglichen
Ergebnissen ist eine weitere Abklärung erforderlich.
Durch diese Stufendiagnostik kann die Aussage der Antikörperbestimmung
eventuell erhöht werden. Es soll gezeigt werden, dass es sinnvoll ist, auch das
Alter der Patienten und andere Marker wie eine reaktive Lymphozytose oder
erhöhte Transaminasen in die Interpretation der Ergebnisse mit einzubeziehen.
Diese stufenweise Vorgehensweise soll eine individuelle, ökonomisch sinnvolle
und aussagekräftige Labordiagnostik ermöglichen.
Nicht eingegangen wird auf die Besonderheiten bei EBV-assoziierten
Erkrankungen und immunsupprimierten Patienten.
5
4. Einleitung
Das humanpathogene Epstein-Barr-Virus ist der wichtigste Erreger der infektiösen
Mononukleose. Der Mensch ist der einzige Wirt für das EBV. Eine Infektion mit
dem EBV erfolgt meist im Kindheitsalter und verläuft in der Mehrzahl aller Fälle
symptomlos. Bei Erreichen des Erwachsenenalters haben die meisten Menschen
eine EBV-Infektion durchgemacht. Die Durchseuchungsrate wird auf 90 bis fast
100 % [1,2,3,4,6,7,9,10,15,19] in der angegebenen Literatur geschätzt.
Beim EBV handelt es sich um ein doppelsträngiges DNA-Virus. Es besteht aus
einer Hülle, dem Tegument und einem isokaedrischen Kapsid. [1]
Übertragen wird das Epstein-Barr-Virus über den Speichel als Tröpfchen- oder
Kontaktinfektion. [1] Die Dauer der Inkubationszeit wird in der Literatur
unterschiedlich beschrieben. Dabei werden Zeiträume von 14 bis 50 Tagen oder 4
bis 8 Wochen [1], von 30 bis 50 Tagen [1] oder 4 bis 6 Wochen [5] angegeben.
Kommt es zu einem Infektionsverlauf mit klinischer Symptomatik, kann man auch
labordiagnostisch Veränderungen, wie eine Erhöhung der Transaminasen oder
eine Vermehrung der Lymphozyten, finden. Die Lymphozytose ist durch die
charakteristische Vermehrung mononukleärer Zellen bedingt.
Zur Bestätigung einer EBV-Infektion wird in der Routine heute der serologische
Nachweis von Antikörpern durchgeführt. Der Erregernachweis mittels PCR ist nur
in speziellen Fragestellungen, wie z. B. bei immunsupprimierten Patienten oder
bei EBV-assoziierten Erkrankungen, indiziert.
Folgende Antigene werden als Zielantigene für den Nachweis einer EBV-Infektion
eingesetzt:
6
4.1 Spezifische Antigene
VCA (Virus-Kapsid-Antigen)
Das isokaedrische Kapsid wird aus 5 Proteinen gebildet und besteht aus 162
Kapsomeren [1]. Gegen einzelne Proteine des Virus-Kapsid-Antigens werden zu
verschiedenen Zeitpunkten der Infektion in unterschiedlicher Häufigkeit Antikörper
gebildet. Für den Antikörpernachweis werden hauptsächlich Protein 23 (p23),
Protein 18 (p18) und Glykoprotein 125 (gp125) eingesetzt. [3]
Gegen die Proteine der VCAs können IgM-, IgG- und IgA-Antikörper gebildet
werden.
Bei einer Primärinfektion sind IgM-Antikörper häufig vor IgG-Antikörpern
nachweisbar. Diese können jedoch nicht immer, aber meist [1,4] serologisch
erfasst werden. Angegeben wird eine Nachweisbarkeit von IgM-Antikörpern in
zirka 90 % der Fälle [3]. Unabhängig vom Krankheitsverlauf sind IgM-Antikörper
längere Zeit nachweisbar.
VCA-IgG-Antikörper persisitieren lebenslang. [1,3,4,9,11,20]
Bei dem EBV-assoziierten Nasopharynxkarzinom können VCA-IgA-Antikörper
bereits bei der Entstehung des Karzinoms nachgewiesen werden. In diesem Fall
hat die Bestimmung von VCA-IgA eine prognostische Bedeutung. [9]
EBNA (Epstein-Barr-Virus Nukleotid Antigen)
Bisher wurden mehrere EBNA-Proteine beschrieben. Dazu gehören EBNA-1,
EBNA-2, EBNA-3A/B/C und EBNA-LP [1]. In der Diagnostik wird der Nachweis
von IgG-Antikörpern gegen EBNA-1 und EBNA-2 eingesetzt.
Antikörper gegen EBNA-1-Proteine werden Wochen bis Monate nach
Krankheitsbeginn gebildet. EBNA-1-IgG-Antikörper sind lebenslang nachweisbar
[4,11,20]. Daher ist der Nachweis von EBNA-1-IgG-Antikörpern beweisend für eine
früher stattgefundene Infektion. EBNA-2-IgG-Antikörper sind möglicherweise
schon während einer Primärinfektion aber auch später zu finden. [1,2,3,4,5]
7
EBNA-2-Antikörper eignen sich daher nicht zur Differenzierung einer
Primärinfektion oder einer früher durchgemachten Infektion. Deshalb sollten die in
der Routine eingesetzten Tests spezifisch auf EBNA-1-Antikörper sein. [1,3]
In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass die IgG-Antikörper gegen EBNA-1
unter die Nachweisgrenze sinken oder erst gar nicht gebildet werden. Hier ist eine
weiterführende Diagnostik indiziert. [3,4]
EA (Early Antigen)
In der Immunfluoreszenz sind bisher zwei Early-Antigen-Proteine beschrieben
worden. Man unterscheidet das Early-Antigen diffuse (EA-D) und das EarlyAntigen restricted (EA-R). [16] Serologisch können EA-D und EA-R nicht
unterschieden werden.
Nachweisbar sind Antikörper der Immunglobulinklassen G und A gegen EA.
Bei 30 - 85 % der PatientInnen mit einer Primärinfektion kommt es zur Bildung von
Antikörpern gegen EA [3] in den ersten 3 bis 4 Wochen [20]. Die EA-Antikörper
sind 3 bis 4 Monate nachweisbar [20]. In 20 - 30 % der Fälle bleiben diese für
Jahre bestehen [16,20].
Dem Nachweis der EA-Antikörper wird in den verschiedenen Arbeiten eine
unterschiedliche Bedeutung gegeben. Teils wird angegeben, dass die Erfassung
der Antikörper gegen EA von keiner und geringer Bedeutung in der Routine ist
[1,2,3,4]. Andererseits wird beschrieben, dass zur Unterscheidung zwischen einer
Primärinfektion und einer Reaktivierung ein Antikörpernachweis gegen EA
sensitiver ist als die Bestimmung von Antikörpern gegen VCA-IgM [5].
Hohe Titer von EA-Antikörpern findet man bei Patienten mit
Nasopharyngealkarzinom oder bei Reaktivierung [20].
8
MA (Membranantigen)
Das Membranantigen besteht aus den drei Glykoproteinen gp350, gp250 und
gp85. Diese befinden sich auf der viralen Oberfläche und auf der Membran von
infizierten Zellen. [20]
Antikörper, die gegen Membranglykoproteine gerichtet sind, scheinen einen
Einfluss auf die Ausbreitung der EBV-Infektion zu haben und schützen vor einer
Refinfektion [20]. MA-Antikörper sind neutralisierend und steigen während einer
frischen Infektion langsam an. Die MA-Antigene finden gelegentlich Anwendung
bei Blot-Tests. [3]
In kommerziell erhältlichen Testsystemen werden für die serologische Diagnostik
unterschiedliche Antigene eingesetzt. Üblicherweise kommen die Antikörper gegen
VCA (IgM und IgG) und EBNA-1 (IgG) zum Einsatz. Der Nachweis von EAAntikörpern hat sich in der Routinediagnostik nicht durchgesetzt.
Die eingesetzten Antigene werden unterschiedlich hergestellt. Heute werden
üblicherweise statt nativ aufgereinigten Antigenen rekombinant hergestellte
Antigene verwendet. Rekombinant erzeugte Antigene sind in ihrer Struktur
eindeutig definierbar. Dadurch ist ihre Sensitivität und Spezifität besser erfassbar.
Allerdings geht dadurch die Tertiär- und Quartärstruktur der Proteine verloren.
Die Mehrzahl der Hersteller verwendet bei VCA-IgG und VCA-IgM rekombinant
hergestelltes Protein 18 (p18). Immulite arbeitet beim Nachweis von VCA-IgGAntikörpern mit Glykoprotein 125 (gp125). Bei Euroimmun kommen nativ
aufgereinigte Antigene zum Einsatz. Nicht spezifiziert werden die verwendeten
Antigene bei der Bestimmung am Architect.
Beim Antigen EBNA-1 kommt meist ein rekombinant hergestelltes Antigen zur
Anwendung. Immulite und Vidas verwenden Protein 72 (p72). Bei allen anderen
wird das genaue Antigen nicht angegeben.
Tabelle1 zeigt einen Vergleich der von den Herstellern angegebenen Antigene.
9
Tabelle 1: Vergleich der angegebenen Antigene. Quelle: [12-19,21-23]
Antigen
VCA-IgG
VCA-IgM
EBNA-1
synthetisches p18
synthetisches
synthetisches EBNA-1
Architect
VCA-Antigen
VCA-Antigen
EBNA-1 Antigen
Immulite
gp125
rekombinantes p18
rekombinantes p72
Vidas
rekombinantes p18
rekombinantes p18
rekombinantes p72
ELISA
DiaSorin
rekombinantes p18
rekombinantes p18
rekombinantes EBNA-1
Enzygnost
rekombinantes p18
rekombinantes p18
-
Novagnost
rekombinantes p18
rekombinantes p18
rekombinantes EBNA-1
Euroimmun
nativ, Mischung aus
versch. viralen
Kapsidantigenen
nativ, gp125 aus EBVinfizierten P3HR1Zellen
rekombinant, Expression
aus Insektenzellen
Liaison XL
4.2 Serologische Nachweismethoden
Heterophile Antikörper
Paul und Bunnell entdeckten, dass das Serum von Patienten mit einer infektiösen
Mononukleose Schaferythrozyten agglutiniert. Dabei handelt es sich um
unspezifische IgM-Antikörper [11]. Nach den Entdeckern wurde dieser Test PaulBunnell-Test benannt. Dieser Schnelltest ist Mononukleose-spezifisch, aber nicht
EBV-spezifisch.
Zuerst erfolgt eine Vorabsorption der nicht-mononukleose-typischen GewebsAutoantikörper. Danach werden die heterophilen Antikörper über die Antigene auf
tierischen Erythrozyten nachgewiesen. [1]
Bei atypischen Verläufen weist der Test nur eine geringe Sensitivität auf. Bei einer
HIV-Primärinfektion kann dieser falsch positiv sein. [1] Bei Kindern sind die
unspezifische Abwehr und die Bildung von heterophilen Antikörpern noch nicht so
10
ausgeprägt. Im Alter von 2 bis 5 Jahren können bei 50 % der Kinder keine
heterophilen Antikörper nachgewiesen werden [4].
Dieser Test ist heute durch die spezifischen Antikörpernachweise abgelöst
worden.
4.3 Spezifische Antikörper
IIFT (indirekter Immunfluoreszenztest)
Als Goldstandard für die EBV-Serologie wird der indirekte Immunfluoreszenztest
(IIFT) beschrieben [4,10,15,17].
Verwendet werden humane EBV-transformierte B-Zell-Linien von Patienten mit
Burkitt-Lymphom (P3HR-1 Zelllinie) oder die Raji Zelllnie. Beide Zelllinien
unterscheiden sich in der Expression ihrer Antigene. Die Raji Zelllinie exprimiert
EBNAs und keine VCA, die P3HR-1 Zelllinie produziert EBNA-1 und in 5 - 20 %
VCA im Zellkern. [4]
Der IIFT ist arbeitsaufwändig, nicht automatisierbar und die Interpretation ist
subjektiv [10,15,17]. Daher ist diese Nachweismethode in der Routinediagnostik
nicht einsetzbar.
In der Routinediagnostik werden heute meist enzyme-linked immunosorbent
assays (ELISA) und Chemilumineszenzassays (CLIA) verwendet. Die Resultate
sind mit den Ergebnissen des IFT vergleichbar [3]
Enzyme-linked immunosorbent assay (ELISA, EIA)
Der ELISA wird normalerweise in einer Mikrotiterplatte durchgeführt. An die feste
Phase (Mikrotiterplatte) ist ein definiertes Antigen gebunden. Durch die
Verwendung eines bekannten Antigens kommt es bei Vorhandensein des
passenden Antikörpers im Serum der PatientInnen zu einer Antigen-AntikörperReaktion. Die gesuchten Antikörper werden mit Hilfe einer Enzym-SubstratReaktion gemessen.
11
Abb. 1: Prinzip eines ELISA. Quelle: http://www.piercenet.com/browse.cfm?
fldID=F88ADEC9-1B43-4585-922E-836FE09D8403
Wie in Abbildung 1 gezeigt, gibt es beim ELISA verschiedene Möglichkeiten. Man
unterscheidet grundsätzlich zwischen der direkten, der indirekten und der
„Sandwich“-Methode.
Beim direkten ELISA ist die feste Phase mit einem definierten Antigen beschichtet.
Der im Serum eventuell vorhandene Antikörper bindet an das Antigen. (siehe
Abbildung 1, Direct Assay)
Der indirekte ELISA beinhaltet zwei Schritte. Ist in der Probe der gesuchte
Antikörper (primärer Antikörper) vorhanden, bindet dieser an das definierte
Antigen. Ein weiterer markierter Antikörper (sekundärer Antikörper) erkennt den
ersten, bereits gebundenen Antikörper. (siehe Abbildung 1, Indirect Assay)
Bei der Sandwichmethode wird das vorhandene Antigen zwischen zwei
Antikörpern detekiert. Die feste Phase ist mit einem bekannten Antikörper (capture
antibody) beschichtet. Das Antigen bindet an diesen. Ein primärer Antikörper, der
unmarkiert ist, erkennt das Antigen und adsorbiert daran. An diesen Antikörper
bindet ein markierter, sekundärer Antikörper.
Gemessen wird die durch den Substratumsatz erzeugte Farbreaktion. [8]
Diese Methoden kommen bei ELISA DiaSorin, Novagnost und Enzygnost zum
Einsatz.
12
Enzyme-linked fluorescence assay (ELFA)
Das selbe Prinzip wie beim ELISA findet man beim ELFA. Der einzige Unterschied
besteht darin, dass statt einer Farbreaktion eine Fluoreszenzreaktion stattfindet,
die gemessen wird.
Vidas arbeitet mit dieser Methode.
Chemiluminescence immuno assay (CLIA), Chemiluminescent microparticle
immunoassay (CMIA)
Beim CLIA und CMIA werden als feste Phase magnetische Partikel (Beads)
verwendet. Die Antigen-Antikörper-Reaktion funktioniert gleich wie beim ELISA.
Gemessen wird die Chemilumineszenz.
Mit dem CLIA arbeiten Liaison XL und Immulite. Der CMIA wird beim Architect
eingesetzt.
Immunoblot
Der Vorteil eines Immunoblots liegt darin, dass mehrere Antigene auf einem
Streifen aufgebracht sind. Durch den Einsatz mehrerer Antigene erhält man eine
höhere Aussagekraft der Ergebnisse. In den angegebenen Blotsystemen kommen
rekombinant hergestellte oder nativ aufgereinigte Antigene zum Einsatz.
Verwendet werden verschiedene Antigene wie p72 (EBNA-1), p18 (VCA), p23
(VCA), p54 (EA) und p138 (EA) [4]. Es finden sich auch Testsysteme, in denen
gp350/250 (MA) und ZEBRA (IEA - Immediate Early Antigen) eingesetzt werden.
Immunoblots zum Nachweis für IgM- und IgG-Antikörper sind zur Bestätigung
eines Screeningtests geeignet. [20]
Da die einzelnen Testsysteme unterschiedliche Antigene und Reagenzien
verwenden, sind sie untereinander schwer vergleichbar.
Diese Methode verwendet Euroimmun.
13
4.4 Vergleich der unterschiedlichen Vorgehensweisen
In den Abbildungen 2 bis 4 findet sich ein Vergleich der unterschiedlichen
Diagnosewege wie sie in der Literatur aufgezeigt werden. Teilweise sind auch die
Befundinterpretationen enthalten. Das Vorgehen für die Diagnostik richtet sich
nach den nachgewiesenen Antikörpern.
EBNA-1-IgG
positiv
negativ
schwach positiv
alte Infektion
VCA*
negativ
positiv
hoher Titer
keine EBV-Infektion
Primärinfektion
Reaktivierung
VCA-IgM
Bestätigung
Primärinfektion
Abb. 2: Stufendiagnostik und Interpretation einer EBV-Infektion. Quelle: Thomas, Lothar:
Labor und Diagnose. Frankfurt/Main: TH-Books Verlagsgesellschaft mbH, 2012, 8. Auflage, Band 2
[5]
* nicht näher definiert
Die in Abbildung 2 dargestellte Vorgehensweise wird damit begründet, dass die
Antikörper gegen EBNA-1 erst spät im Verlauf einer EBV-Infektion gebildet
werden. In die Entscheidungsfindung wird auch die Höhe der nachgewiesenen
14
Antikörper mit einbezogen. Der Nachweis von Antikörpern gegen EBNA-1 ist
beweisend für eine durchgemachte Infektion mit EBV. Bei negativem oder
schwach positivem Ergebnis (erste Titerstufe) der EBNA-1-IgG-AntikörperBestimmung sollen Antikörper gegen VCA bestimmt werden. Fällt dieser Nachweis
negativ aus, liegt keine EBV-Infektion vor. Sind hohe Titer nachweisbar (ab 1:160),
handelt es sich wahrscheinlich um eine relativ frische oder reaktivierte Infektion.
Durch einen positiven Nachweis von VCA-IgM-Antikörpern kann eine
Primärinfektion bestätigt werden. [5]
Da die Testergebnisse mit Titerstufen angegeben werden, sind die Bestimmungen
höchstwahrscheinlich mit einem IFT durchgeführt worden.
EBNA-1-IgG
positiv
negativ
alte Infektion
VCA-IgG
positiv
negativ
VCA-IgM
seronegativ
positiv
Primärinfektion
negativ
weiterführende Diagnostik
Abb. 3: EBV-Testkonzept: Ablauf- und Interpretationsschema einer
immunglobulinklassenorientierten Diagnostik. modifiziert nach Abb. 35.9 Quelle: Neumeister,
Birgit et al.: Mikrobiologische Diagnostik. Stuttgart/New York: Georg Thieme, 2009, 2., vollständig
überarbeitete Auflage [3]
15
Bei der in Abbildung 3 gezeigten immunglobulinklassenorientierten Diagnostik
kommen die Parameter VCA-IgG, VCA-IgM und EBNA-1-IgG zum Einsatz. Dabei
handelt es sich um eine Kombination von spezifischen IgM- und IgG-Antikörpern.
[3]
Unspezifische Reaktionen im Rahmen anderer Viruserkrankungen werden bei der
Konstellation EBNA-1-IgG negativ, VCA-IgG und VCA-IgM positiv nicht
berücksichtigt.
EBV-Blot-IgG
VCA-positiv
EBNA-1- oder p18-positiv
VCA-positiv
EBNA-1- und p18-negativ
EBV-Blot-IgG
Avidität
hochavide
Antikörper
alte Infektion
niedrigavide
Antikörper
Primärinfektion
Abb. 4: EBV-Testkonzept: Ablauf- und Interpretationsschema einer aviditätsorientierten
Diagnostik. modifiziert nach Abb. 35.10 Quelle: Neumeister, Birgit et al.: Mikrobiologische
Diagnostik. Stuttgart/New York: Georg Thieme, 2009, 2., vollständig überarbeitete Auflage [3]
Ausgegangen wird von einem IgG-Immunoblot, der Antigene von VCA und
EBNA-1 enthält. Werden VCA-Antikörper isoliert nachgewiesen, erfolgt eine
Bestimmung der Avidität. Die aviditätsorientierte Diagnostik nimmt darauf Bezug,
dass bei einer Primärinfektion nur niedrigavide Antikörper gebildet werden. Im
späteren Verlauf sind nur noch hochavide Antikörper nachweisbar [1,3]. Dadurch
kann, wie in Abbildung 4 gezeigt, eine Unterscheidung zwischen Primärinfektion
und durchgemachter Infektion unterschieden werden. [3]
16
4.5 Vergleich der Interpretationen
Serologisch findet man mit dem Auftreten der klinischen Symptomatik IgM- und
IgG-Antikörper gegen das Virus-Kapsid-Antigen (VCA). IgG-Antikörper gegen
EBNA-1 sind erst im weiteren Verlauf der Infektion nachweisbar. Während der
akuten Phase der Infektion können eventuell VCA-IgG-Antikörper in geringerer
Konzentration als VCA-IgM-Antikörper nachgewiesen werden. Nach drei bis sechs
Monaten nach Infektionsbeginn verschwinden die Antikörper gegen VCA-IgM und
es werden Antikörper gegen EBNA-1 gebildet. Die Antikörper gegen EBNA-1 und
VCA-IgG persistieren lebenslang. [11]
Die Tabellen 2 bis 10 führen Befundinterpretationen an, die in der Literatur
beschrieben werden. In den Tabellen 3, 5 und 6 wird auch der Nachweis der EAAntikörper in die Befundinterpretation mit einbezogen.
Die Ergebnisse der VCA-IgG-, VCA-IgM- und EBNA-1-Antikörper-Bestimmung
werden in den aufgelisteten Arbeiten unterschiedlich gewertet. Sowohl qualitative
wie auch quantitative Resultate werden für die Bewertung herangezogen. Die
Diagnosen „akute Infektion, Primärinfektion, infektiöse Mononukleose,
subklinische Infektion (Kinder), akute Infektion in der Frühphase oder akute
Primärinfektion“ stehen für den Nachweis von IgG- und IgM-Antikörper gegen
VCA. Auf Grauzonen oder grenzwertige Resultate wird nicht ausreichend
eingegangen.
Werden sowohl VCA-Immunglobuline als auch EBNA-1-IgG-Antikörper
nachgewiesen, findet sich in den angeführten Tabellen die Diagnose
„Übergangsphase, transiente Infektion oder zweifelhaftes Ergebnis“. Bei dieser
Antikörperkonstellation wird laut Literatur eine weitere labordiagnostische
Abklärung durch Bestimmung von Blutbild und Transaminasen, sowie ein
Ausschluss anderer viraler Erkrankungen empfohlen. [4,20]
17
Tabelle 2: Diagnostische Beurteilung der EBV-Serologie bei verschiedenen
Infektionsformen. modifiziert nach Tabelle 63.3 Quelle: Dörr, Hans W./Gerlich Wolfram H.:
Medizinische Virologie. Stuttgart/New York: Georg Thieme, 2009, 2., komplett überarbeitete und
erweiterte Auflage [1]
VCA
EBNA-1
Infektionsform
IgG
IgM
IgG
keine Infektion
-
-
-
akute Infektion
+
+
-
frühere Infektion
+
-
+
Bei Ergebnissen, die nicht in Tabelle 1 aufgezeigt sind, wird eine Bestimmung der
Avidität empfohlen. [1]
Tabelle 3: Differenzierung Primärinfektion und Reaktivierung. Quelle: Hofmann, Friedrich/Tiller
Friedich W.: Praktische Infektiologie. Heidelberg/München/Landsberg/Frechen/Hamburg: ecomed
Medizin, 2012, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage [2]
Infektionsform
EA
VCA-IgG
VCA-IgM
EBNA-IgG
Primärinfektion
+
*
ggf. +
-
Reaktivierung
+
+
*
+
* keine Ergebnisse angegeben
Die in Tabelle 3 angeführten Interpretationen beziehen sich auf eine Bestimmung
der Antikörper mit ELISA und IIFT. [2] Nicht beschrieben wird, mit welchen
Nachweismethoden die verschiedenen Antikörper detektiert wurden.
18
Tabelle 4: State-of-the-art interpretation of EBV-specific serological profiles for diagnoses.
modifiziert nach Tabelle 2 Quelle: Hess, Ralf D.: Routine Epstein-Barr Virus Diagnostics from the
Laboratory Perspective: Still Challenging after 35 Years. In: Journal of Clinical Microbiology, 42(8),
2004, 3381-3387 [4]
VCA
Infektionsform
EBNA-1 IgG
IgG
IgM
keine Infektion
-
-
-
akute Infektion
+
+
-
alte Infektion
+
-
+
weitere Abklärung
+
-
-
weitere Abklärung
+
+
+
weitere Abklärung
-
+
-
unplausibel
-
-
+
In Tabelle 4 sind verschiedene Infektionsformen dargestellt. Vorzugsweise soll die
Antikörperbestimmung aus einer Serumprobe in der Akutphase durchgeführt
werden. Bei unklaren Ergebnissen wird eine weitere Abklärung mittels
Aviditätsbestimmung, Western Blot oder PCR empfohlen. [4]
Tabelle 5: Charakteristische Antikörperspektren bei Patienten mit EBV-assoziierten
Krankheiten. modifiziert nach Tabelle 43-15 Quelle: Thomas, Lothar: Labor und Diagnose.
Frankfurt/Main: TH-Books Verlagsgesellschaft mbH, 2012, 8. Auflage, Band 2 [5]
VCA
EA
EA-D
EA-R
EBNA-1
IgM
IgG
IgA IgG
IgA
IgG
IgG
-
-
-
-
-
-
-
infektiöse Mononukleose
+++
++++
+
+
-
+/-
-
subklinische Infektion (Kinder)
+++
++++
+
-
-
+
-
-
++
-
-
-
+/-
+
(+)
++++
++
++
+
++
(+)
Infektionsform
nicht-infektiöse Mononukleose
lang zurückliegende Primärinfektion
reaktivierte Infektion
19
Weitere verschiedene diagnostische Möglichkeiten werden in Tabelle 5 dargestellt.
Die Bestimmung der EA-Antikörper wird zur Unterscheidung zwischen einer
Primärinfektion und einer Reaktivierung verwendet. Der Nachweis von restricted
Antigen (EA-R) und diffusem Antigen (EA-D) mittels IIFT findet vor allem beim
Burkitt-Lymphom seine Anwendung. [5]
Tabelle 6: Interpretation des serologischen Profils beim Vidas. modifiziert nacht: Quelle: http://
www.biomerieux.de/servlet/srt/bio/germany/dynPage?open=GRM_CLN_
PRD&doc=GRM_CLN_PRD_G_PRD_CLN_51&pubparams.sform=0&lang=de
EA IgG
VCA IgM
VCA IgG
EBNA
keine Infektion
-
-
-
-
akute Infektion
+/-
+
+
-
-
-
+
+
vorhergegangene Infektion
Tabelle 6 zeigt die Bestätigung einer EBV Infektion und die Ermöglichung der
Profil-Auswertung beim Vidas. Bei 80 % der Patienten können EA im frühen
Stadium nachgewiesen werden. In der Routinediagnostik einer infektiösen
Mononukleose wird dies derzeit nicht berücksichtigt. [vgl. http://
www.biomerieux.de/servlet/srt/bio/germany/dynPage?open=GRM_CLN_
PRD&doc=GRM_CLN_PRD_G_PRD_CLN_51&pubparams.sform=0&lang=de]
20
Tabelle 7: Mögliche Interpretation/Testempfehlung beim Architect. Quelle: https://
abbottdiagnostics.com/getIFUPDF.cfm?controlNumber=G34263
VCA
IgG
IgM
EBNA-1
IgG
Seronegativ (keine Infektion)
-
-
-
Akute Primärinfektion in der Frühphase*
-
+
-
Akute Primärinfektion
+
+
-
Transiente Infektion*
+
+
+
Zurückliegende Infektion
+
-
+
Isoliertes VCA-IgG*
+
-
-
Isoliertes EBNA-1-IgG*
-
-
+
Mögliche Indikation.../Testempfehlung
- nicht reaktiv, + reaktiv, * 1 - 2 Wochen nach der ersten Probennahme eine neue Probe testen
Tabelle 8: Ermittlung des Stadiums der EBV-Infektion mit den Architect EBV Assays.
modifiziert nach Quelle: https://abbottdiagnostics.com/getIFUPDF.cfm?controlNumber=G34263
VCA
IgG
IgM
EBNA-1
IgG
Seronegativ (keine Infektion)
-
-
- / GZ
Akute Primärinfektion in der Frühphase
-
+ / GZ
- / GZ
Akute Primärinfektion
+ / GZ
+ / GZ
- / GZ
Transiente Infektion
+ / GZ
+ (GZ)*
+
Zurückliegende Infektion
+ / GZ
-
+
Isoliertes VCA-IgG
+ / GZ
-
- / GZ
-
-
+
Infektionsstadium
Isoliertes EBNA-1-IgG
* Proben mit nicht eindeutigem Ergebnis (Grauzone - GZ) im VCA-IgM und Reaktivität mit EBNA-1-IgG sollten
als zurückliegende Infektion eingestuft werden.
Tabelle 7 und 8 zeigen die Testempfehlungen und die Ermittlung des
Infektionsstadiums beim Architect. Bei einigen Konstellationen wird eine
21
neuerliche Blutabnahme nach 1 bis 2 Wochen nach der ersten Blutabnahme
empfohlen. [21,22,23]
Tabelle 9: Reaktionsschema für LIAISON®. modifiziert nach http://assayinfo.diasorin.
com/download/IFUk_de_310510_01.pdf
Anti-VCA
Anti-EBNA
IgG
IgG
negativ
negativ
negativ
- Frühphase
positiv
negativ
negativ
- Akute Phase
positiv
positiv
negativ
- Übergangsphase
positiv
positiv
positiv
Vergangene EBV-Infektion
negativ
positiv
positiv
Für EBV zweifelhafte Reaktivität
negativ
positiv
negativ
Für EBV unbekannte Reaktivität
negativ
negativ
positiv
Reaktionsschema für LIAISON® EBV
Für EBV negative Personen
Anti-EBV IgM
EBV-Primärinfektion
Das in Tabelle 9 gezeigte Interpretationsschema kann direkt im Gerät angewandt
werden. [12-14] Es bezieht sich rein auf die qualitativen Ergebnisse.
22
Tabelle 10: Interpretationsschema für LIAISON®. modifiziert nach http://assayinfo.diasorin.com/
download/IFUk_de_310510_01.pdf
Ergebnis des
Anti-EBV IgM
Ergebnis des
Anti-VCA IgG
Ergebnis des
Anti-EBNA IgG
< 20 E/mL
< 20 E/mL
< 20 E/mL
Negativ für EBV
≥ 20 E/mL
< 20 E/mL
< 20 E/mL
Verdächtige EBV-Primärinfektion
(Frühphase).
≥ 20 E/mL
≥ 20 E/mL
< 20 E/mL
EBV-Primärinfektion (akute Phase).
≥ 40 E/mL
≥ 20 E/mL
≥ 20 E/mL
EBV-Primärinfektion
(Übergangsphase).
< 40 E/mL
≥ 20 E/mL
≥ 20 E/mL
Vergangene oder reaktivierte EBVInfektion.
< 20 E/mL
≥ 20 E/mL
≥ 5 E/mL
Vergangene oder reaktivierte EBVInfektion.
< 20 E/mL
≥ 20 E/mL
< 5 E/mL
Zweifelhaftes Ergebnis (nur das AntiVCA IgG ist positiv).
Andere Ergebnisse
Interpretation
Für EBV unbekannte Reaktivität.
Um eine bessere Eingrenzung zwischen den Phasen einer EBV-Infektion zu
erhalten, sollte die Bestimmung von Anti-VCA-IgG, Anti-VCA-IgM und AntiEBNA-1-IgG gleichzeitig erfolgen. Tabelle 10 stellt die empfohlene Interpretation
dar. Es können verschiedene Grenzwerte verwendet werden, wenn mehrfache
EBV-Nachweise mit Liaison XL durchgeführt werden. Dadurch soll die
Interpretation verbessert werden. [12,13,14]
Der Graubereich liegt bei EBNA-1-IgG bei 5 - 20 E/mL und bei VCA-IgM bei 20 40 E/mL. Zum Teil werden diese Werte in solchen Bereichen benutzt, um die EBVInfektion in Phasen einzuteilen. [12,13,14]
23
5. Material und Methoden
PatientInnenkollektiv
Serumproben von 381 PatientInnen im Alter von 1 bis 86 Jahren wurden in einem
Zeitraum vom 28.09.2012 bis 08.07.2013 gesammelt. Die Seren wurden
eingefroren und bei -20°C gelagert. VCA-IgM- und IgG-Antikörper sowie EBNA-1IgG-Antikörper wurden mittels eines Chemilumineszenz-Immunoassays (CLIA,
Liaison XL) analysiert. Fehlende Ergebnisse wurden im Nachhinein erhoben.
Ausgeschlossen wurden PatientInnen mit nachgewiesener akuter
Cytomegalieinfektion, da IgM-Antikörper gegen CMV mit VCA-IgM-Antikörpern
des EBV kreuzreagieren können. Bei 12 PatientInnen bestand der Verdacht auf
eine Cytomegalieinfektion, da IgM-Antikörper gegen das Cytomegalievirus
nachgewiesen werden konnten. Bei diesen PatientInnen wurde ein direkter
Erregernachweis mittels PCR angeschlossen. In drei Fällen konnte eine
Cytomegalieinfektion nachgewiesen werden. Bei den verbleibenden 9
PatientInnen wurde eine Primärinfektion mit CMV ausgeschlossen.
Die Ergebnisse der quantitativen Bestimmung von Antikörper gegen VCA-IgG,
VCA-IgM und EBNA-1-IgG wurde bei 378 Patienten ausgewertet.
Methode
Bei den EBV IgG- und IgM-Antikörperbestimmung für Liaison handelt es sich um
quantitative Bestimmungen von IgG- und IgM-Antikörpern gegen das EpsteinBarr-Virus aus Serum oder Plasma. Der Test wurde am Liaison XL (DiaSorin,
Saluggia, Italien) durchgeführt.
24
Probenmaterial
Für die Bestimmung wurde humanes Serum verwendet werden. Für die EBVAntikörperbestimmung ist ein Mindestvolumen von 170 μl (20 μl Probe und 150 μl
Totvolumen) erforderlich.
Testprinzip indirekter CLIA
Die Magnetpartikel sind mit dem jeweiligen Antigen beschichtet. Eventuell
vorhandene Antikörper binden sich in der ersten Inkubation an diese
Magnetpartikel. Ungebundenes Material wird durch einen Waschzyklus entfernt.
Während der zweiten Inkubation binden monoklonale Anti-Human-IgG-Antikörper
(Maus) an die bereits gebundenen Antikörper. Ungebundenes Material wird durch
einen Waschschritt entfernt. Durch Hinzufügen der Starterreagenzien wird die
Chemilumineszenz (Lichtsignal) angeregt. Das entstandene Lichtsignal wird von
einem Photomultiplier gemessen und in relativen Lichteinheiten (RLU) angegeben.
Die RLU sind proportional zur Konzentration der gebundenen Antikörper.
[12,13,14]
Testprinzip VCA-IgM-Antikörperbestimmung
Bei der quantitativen IgM-Antikörperbestimmung ist die Festphase mit einem
spezifischen Kapsid-Antigen (VCA) beschichtet. Als Hauptkomponente wird
synthetisches Peptid p18 verwendet. Zur Vermeidung von Interferenzen durch
menschliche Anti-VCA-IgG oder durch erhöhten Rheumafaktor, wird ein Puffer mit
Anti-Human-IgG (Ziege) als Absorptions-Reagenz zugesetzt.
Der Messbereich liegt bei 10 - 160 E/mL. Werte < 20 E/mL sind mit negativ
bewertet, Ergebnisse zwischen 20 und 40 sind grenzwertig. Ergebnisse ≥ 40
werden positiv bewertet. [13]
25
Testprinzip VCA-IgG-Antikörperbestimmung
Bei der quantitativen IgG-Antikörperbestimmung ist die Festphase mit einem
spezifischen Kapsid-Antigen (VCA) beschichtet. Als Hauptkomponente wird das
synthetische Peptid p18 verwendet.
Der Messbereich liegt bei 10 - 750 E/mL Anti-VCA-IgG. Werte < 20 E/mL werden
mit negativ bewertet, Wert ≥ 20 E/mL gelten als positiv. [12]
Testprinzip EBNA-IgG-Antikörperbestimmung
Für die quantitative Bestimmung der EBNA-1-IgG-Antikörper ist die Festphase mit
einem synthetischen EBNA-1-Peptid beschichtet.
Der Messbereich liegt bei 3 - 600 E/mL, Anti-EBNA-IgG. Ergebnisse, die < 5 E/mL
sind , sind mit negativ bewertet, Werte mit ≥ 20 mit positiv. Ergebnisse zwischen 5
und 20 werden als grenzwertig betrachtet. [14]
Befundinterpretation
Bei der Befundinterpretation wurden die vom Hersteller angegebenen Grenzwerte
herangezogen (siehe Tabelle 11). Bei fraglichen Ergebnissen, wie zum Beispiel bei
positivem Ergebnis bei VCA-IgG und grenzwertigem oder positivem Ergebnis bei
VCA-IgM, wurden weitere Parameter einbezogen. Berücksichtigt wurden die
klinische Fragestellung, die Ergebnisse der Transaminasen, vor allem der
Alaninaminotransferase (ALAT) und des Blutbilds sowie das Alter. Aufgrund dieser
Zusammenschau wurde entweder eine Befundung erstellt oder zur weiteren
Abklärung eine Bestimmung der IgG-Antikörper gegen EBNA-1 durchgeführt.
Tabelle 12 zeigt die Interpretationen der Resultate in der die
Antikörperbestimmung gegen EBNA-1 mit einbezogen ist.
26
Tabelle 11: Alte EBV Befundung.
VCA-IgG
E/ml
Bewertung
VCAIgM E/ml
Bewertung
Befundung
<20
negativ
<20
negativ
Serologisch kein Hinweis auf eine EBV-Infektion.
<20
negativ
20 - 40
grenzwertig
<20
negativ
>40
positiv
Serologisch Hinweis auf eine EBVPrimärinfektion.
>20
positiv
<20
negativ
Spricht gegen eine frische EBV-Infektion,
Erstkontakt hat bereits früher stattgefunden.
>20
* positiv
20 - 40
* grenzwertig
Der serologische Befund spricht mit größter
Wahrscheinlichkeit gegen eine frische EBVInfektion.
>20
* positiv
>40
* positiv
Serologisch Hinweis auf eine EBV-Infektion.
Eine frische Infektion kann nicht mit Sicherheit
ausgeschlossen werden.
* Im Zusammenschau mit dem Gesamtbefund - Alter, Leukozytose, Lymphozytose, aktivierte Lymphozyten,
erhöhte Leberenzyme (ALAT) beurteilen, bei serologisch unklaren Befunden - EBNA-IgG nachfordern.
Tabelle 12: Alte EBV Befundung mit EBNA-1-IgG.
VCAIgG E/ml
Bewertung
VCA-IgM
E/ml
Bewertung
EBNAIgG
Bewertung
Befundung
>20
positiv
20 - 40
grenzwertig
<5
negativ
Serologisch Hinweis auf eine
EBV-Infektion.
>20
positiv
20 - 40
grenzwertig
5 - 20
grenzwertig
Serologisch Hinweis auf eine
EBV-Infektion.
>20
positiv
20 - 40
grenzwertig
>20
positiv
Spricht gegen eine frische
EBV-Infektion, Erstkontakt
hat bereits früher
stattgefunden.
>20
positiv
>40
positiv
<5
negativ
Serologisch Hinweis auf eine
EBV-Infektion.
>20
positiv
>40
positiv
5 - 20
grenzwertig
Serologisch Hinweis auf eine
EBV-Infektion.
>20
positiv
>40
positiv
>20
positiv
Spricht gegen eine frische
EBV-Infektion, Erstkontakt
hat bereits früher
stattgefunden.
27
Für die neu entwickelte Befundinterpretation wurden die Ergebnisse von der
Bestimmung der EBNA-1-IgG-Antikörper und der VCA-IgM-Antikörper
herangezogen. Bei fehlendem Antikörpernachweis der EBNA-1-IgG wurde der
Test im Nachhinein durchgeführt.
Ebenfalls wurden die Aussagen der Ergebnisse der VCA-IgG-Antikörper in
Kombination mit der VCA-IgM-Antikörperbestimmung verglichen. Die
Interpretationen wurden auf wenige Aussagen reduziert. Unterschieden wurde
zwischen Seronegativität, einer frischen Infektion oder einer bereits
durchgemachten Infektion.
28
6. Ergebnisse
Zuerst wurde von den Ergebnissen der Antikörperbestimmung von EBNA-1-IgG
und VCA-IgM ausgegangen. Zu Berechnung der Befundinterpretation wurden die
in Tabelle 13 aufgelisteten Grenzwerte (Cutoff) verwendet.
Tabelle 13: Vergleich der neuen Interpretation in Bezug auf die vorherige Aussage
ausgehend von der Bestimmung von EBNA-1-IgG und VCA-IgM.
EBNA-1-IgG
Cutoff E/mL
VCA-IgM
Cutoff E/mL
richtig
diskrepant
5
20
67,99 %
121
20
20
72,22 %
105
20
40
88,36 %
44
20
50
91,53 %
32
Mit „richtig“ wurden die PatientInnen bewertet, bei denen die
Befundinterpretationen übereinstimmten. PatientInnen mit positivem Nachweis von
EBNA-1-IgG-Antikörpern und VCA-IgM-Antikörpern wurden mit „diskrepant“
gewertet.
Die größte Übereinstimmung der Aussagen wurde mit Grenzwerten von 20 E/mL
bei EBNA-1-IgG und 50 E/mL bei VCA-IgM erreicht. Mit diesen Cutoffs wird die
Spezifität der Aussage scheinbar erhöht.
Ein weiterer Vergleich wird in Tabelle 14 dargestellt. Hier wurden zur Berechnung
der Interpretation die Ergebnisse von den Bestimmungen der VCA-IgG- und der
VCA-IgM-Antikörper einbezogen.
29
Tabelle 14: Vergleich der neuen Interpretation in Bezug auf die vorherige Aussage
ausgehend von der Bestimmung von VCA-IgG und VCA-IgM.
VCA-IgG
Cutoff E/mL
VCA-IgM
Cutoff E/mL
richtig
diskrepant
20
20
57,67 %
160
20
50
80,95 %
72
50
50
84,39 %
59
150
50
92,06 %
30
300
50
95,50 %
17
Die beste Übereinstimmung mit 95,50 % richtigen Aussagen wurde mit einem
Grenzwert von 300 E/mL bei VCA-IgG und 50 E/mL bei VCA-IgM gefunden. Wird
mit einem Cutoff von 150 E/mL VCA-IgG gerechnet, sind 92,06 % der
Interpretationen richtig.
Aus den Ergebnissen der Berechnungen, die in den Tabellen 13 und 14 dargestellt
sind, wurden die Grenzwerte neu definiert. Diese sind in Tabelle 15 aufgelistet.
Der Nachweis von VCA-IgG scheint erst ab hohen Ergebnissen zu einer
Reduzierung der unklaren Aussagen zu führen. Daher wurden die neuen
Befundinterpretationen, die in Tabelle 16 dargestellt sind, ohne VCA-IgG erstellt.
Tabelle 15: Erhobene Grenzwerte.
Antikörper
positiv
EBNA-1-IgG
≥ 20 U/mL
VCA-IgM
≥ 50 U/mL
30
Tabelle 16: Neue Befundinterpretationen und Anzahl der Interpretationen.
EBNA-1-IgG
VCA-IgM
Interpretation
n = 378
-
-
seronegativ
73
+
-
durchgemachte Infektion
230
-
+
frische Infektion
43
+
+
zweifelhaftes Ergebnis*
32
* weitere Abklärung erforderlich
Die in Tabelle 16 dargestellten Interpretationen wurden mit den ursprünglichen
Aussagen verglichen. Von 378 ausgewerteten Ergebnissen stimmten die
Aussagen von 347 (91,8 %) Proben überein.
Um sicherzustellen, dass mit den neuen Grenzwerten die selben validen
Aussagen gefunden werden, wurden die VCA-IgG-Antikörper mit einbezogen. Die
Anzahl der jeweiligen Befundinterpretationen wird in Tabelle 17 dargestellt.
Tabelle 17: Befundinterpretation und Anzahl der gefundenen Ergebnisse. n = 378
Testergebnis
Anzahl
Bewertung
EBNA-1-IgG: negativ
VCA-IgM: negativ
73
Bestimmung von VCA-IgG
EBNA-1-IgG: positiv
VCA-IgM: negativ
230
alte Infektion
EBNA-1-IgG: negativ
VCA-IgM: positiv
43
Primärinfektion
EBNA-1-IgG: positiv
VCA-IgM: positiv
32
zweifelhaft *
* weitere Abklärung notwendig
Tabelle 17 zeigt die Befundinterpretationen der 378 ausgewerteten Proben. Die
VCA-IgG-Antikörperbestimmung ist nur in speziellen Fällen erforderlich.
Mit der neuen Vorgehensweise werden isolierte VCA-IgG nicht gefunden. Diese
würden mit der neuen Befundinterpretation mit seronegativ befundet. Daher ist in
diesem Fall eine Bestimmung der VCA-IgG-Antikörper indiziert.
31
Tabelle 18: Ergebnisse der VCA-IgG-Antikörperbestimmung bei EBNA-1-IgG und VCA-IgM
negativen PatientInnen.
Testergebnis
Anzahl
Bewertung
VCA-IgG
Anzahl
Bewertung
Bestimmung von
VCA-IgG
positiv
42
zweifelhaft *
73
negativ
31
seronegativ
EBNA-1-IgG: negativ
VCA-IgM: negativ
* weitere Abklärung notwendig
Wie in Tabelle 18 dargestellt, waren insgesamt 73 PatientInnen EBNA-1-IgG und
VCA-IgM negativ. Bei 31 Proben war das VCA-IgG negativ. Diese PatientInnen
wurden richtig mit seronegativ interpretiert. In 42 Fällen wurden isolierte VCA-IgGAntikörper gefunden. Diese können nur durch die Einbeziehung anderer
Parameter wie Anamnese, Transaminasen und Blutbild beurteilt werden.
230 PatientInnen waren EBNA-1-IgG positiv und VCA-IgM negativ. Diese wurden
mit „alte Infektion“ bewertet.
EBNA-1-IgG negativ und VCA-IgM positiv wurde mit „Primärinfektion“ interpretiert.
Mit dieser Konstellation wurden 43 PatientInnen gefunden.
Bei den Ergebnissen „Primärinfektion“ und „alte Infektion“ führte das Resultat der
Antikörperbestimmung VCA-IgG zu keiner anderen Bewertung.
Bei 32 (8,5 %) PatientInnen waren EBNA-1-IgG-Antikörper und VCA-IgMAntikörper nachweisbar. In allen 32 Proben waren auch VCA-IgG-Antikörper
nachweisbar. Diese Ergebnis wird mit zweifelhaft bewertet. Eine weitere Abklärung
ist indiziert.
Isolierte EBNA-1-IgG-Antikörper fanden sich bei 21 Fällen. Dies hat keinen
Einfluss auf die neue Befundinterpretation.
32
7. Schlussfolgerung
Es konnte dargestellt werden, dass die Interpretationen von EBNA-1-IgG, VCAIgG und VCA-IgM unterschiedlich beschrieben sind. In Ausnahmefällen wird zur
weiteren Differenzierung der Nachweis von EA-Antikörpern empfohlen. Der
Nachweis der Antikörper gegen EA ist jedoch umstritten, da diese sowohl bei einer
frischen Infektion mit EBV nachweisbar sind, als auch bei einer durchgemachten
Infektion nachweisbar sein können [1,2,3,4,20]. Zum Teil werden bei den
Interpretationen der serologischen Ergebnisse vom Verlauf der EBV-Infektion
abhängig gemacht. In den meisten Arbeiten wird allerdings ausreichend
beschrieben, dass bei immunkompetenten PatientInnen die wichtigste
Unterscheidung zwischen einer Primärinfektion und einer durchgemachten
Infektion zu treffen ist.
Derzeit ist nicht bekannt, was die Reaktivierung einer EBV-Infektion bewirkt. Es
scheint aber, dass bei immungesunden Patienten das Erkennen einer
Reaktivierung nicht krankheitsrelevant ist.
Die Bestimmung der EBV-Antikörper ist nicht standardisiert, da unterschiedliche
Antigene eingesetzt werden und diese verschieden aufbereitet werden. Daher ist
ein Vergleich der Resultate schwierig. Spezifität und Sensitivität der
beschriebenen Testmethoden unterscheiden sich signifikant. Berücksichtigt
werden sollte, dass die qualitativen Ergebnisse von Immunfloureszenz-Tests mit
den quantitativen Ergebnissen verschiedener ELISA-Methoden nur bedingt
vergleichbar sind.
Es scheint, dass Antikörper gegen EBNA-1 erst im späteren Verlauf einer EBVInfektion nachweisbar sind. Das kann entweder daran liegen, dass die Bildung der
Antikörper erst spät erfolgt oder dass die Testsysteme so aufgebaut sind, dass
EBNA-1-IgG-Antikörper erst später erfasst werden.
Als Einzelbestimmung ist die Antikörpermenge für die Beurteilung des
Infektionsstadiums nicht aussagekräftig. Im Verlauf oder in Zusammenschau mit
anderen labordiagnostischen Parametern, kann die quantitative Bestimmung von
33
den spezifischen Immunglobulinen hilfreich sein. Nach Infektion ist der Nachweis
von EBNA-1-IgG für die Aussage einer durchgemachten Infektion valide. Die
Menge an nachweisbarem EBNA-1-IgG ist individuell sehr unterschiedlich und
daher für die Unterscheidung zwischen einer durchgemachten Infektion und einer
reaktivierten Infektion zu hinterfragen. Das heißt, dass aufgrund der Höhe der
EBNA-1-IgG-Antikörper nicht darauf zurück geschlossen werden, wie lange eine
Infektion mit EBV her ist.
5 % der PatientInnen bilden keine Antikörper gegen EBNA-1 nach einer EBVInfektion. Hier kann es zum Nachweis von isolierten VCA-IgG-Antikörpern
kommen. [20]
Ein Problem stellen nicht eindeutig interpretierbare Ergebnisse dar. Zu Beginn der
EBV-Infektion können Antikörper gegen VCA-IgG und VCA-IgM nachgewiesen
werden, wobei manchmal VCA-IgM-Antikörper bereits früher detektiert werden
können.
Bei isoliert nachgewiesenen VCA-IgM-Antikörpern kann es sich also um eine
frische Infektion handeln, bei der die Antikörper gegen VCA-IgG noch nicht
detektierbar sind. Jedoch kann durch die Antikörperbildung gegen andere Viren,
wie z. B. gegen verschiedene Herpesviren, Parvovirus B19 oder Toxoplasma
gondii der IgM-Antikörpernachweis unspezifisch positiv reagieren.
Erhöhte Rheumafaktoren, Kälteagglutinine oder Autoantikörper können ebenfalls
zu falsch positivem VCA-IgM-Antikörper-Nachweis führen. Mit dem Nachweis von
erhöhten Rheumafaktoren ist nicht gesichert, dass die positive Bestimmung von
VCA-IgM-Antikörpern unspezifisch ist [20]. Für eine Sicherung der Diagnose
eigenen sich Transaminasen und Blutbild. Bei Bedarf müssen andere virale
Erkrankungen ausgeschlossen werden.
Sind Antikörper gegen VCA-IgG, VCA-IgM und EBNA-1 nachweisbar, handelt es
sich eventuell um eine frische Infektion, bei der EBNA-1-Antikörper bereits früh
gebildet wurden. Zirka 5 % der Laborbefunde weisen diese Konstellation auf. Bei
den untersuchten Proben konnten bei 32 PatientInnen alle drei Antikörper
nachgewiesen werden, dies entspricht 8,47 %. Hier ist eine weiterführende
34
Diagnostik indiziert. Es sollten Kreuzreaktionen der VCA-IgM-Bestimmung oder
andere virale Erkrankungen ausgeschlossen werden. Eine serologische
Unterscheidung zwischen einer frischen Infektion und einer Reaktivierung kann
jedoch nicht getroffen werden.
In den verschiedenen Befundinterpretationen findet man unterschiedliche
Aussagen, wenn EBNA-1-IgG-Antikörper, VCA-IgM-Antikörper und VCA-IgGAntikörper nachweisbar sind. Mögliche Interpretationen in der Literatur sind
„reaktivierte Infektion“ [5], „transiente Infektion“ [21-23], „EBV-Primärinfektion in
der Übergangsphase“ [12-14], unklares Ergebnis [19], „späte Primärinfektion oder
Reaktivierung“ [20].
Ebenso verhält es sich mit isoliert nachweisbaren VCA-IgG-Antikörpern. Hier
findet man folgende Interpretationen: „für EBV zweifelhafte Reaktivität“ [12-14],
unklares Ergebnis [19], „Akute oder durchgemachte Infektion“ [20] oder „isoliertes
VCA-IgG“ „1 bis 2 Wochen nach der ersten Probe eine neue Probe testen“.
Bei manchen PatientInnen sind VCA-IgG-Antikörper bereits vor den VCA-IgMAntikörpern nachweisbar. Um auch diese Primärinfektionen zu erfassen, sollte ein
VCA-IgG-Antikörpernachweis bei negativem EBNA-1-IgG und negativem VCA-IgM
erfolgen.
Durch die Einbeziehung verschiedener anderer Laborparameter wie die
Transaminasen, das Blutbild, oder auch der Verlauf der Antikörperbestimmung,
sowie die Anamnese, kann eine klinisch valide Aussage getroffen werden.
Der Ablauf der neuen Stufendiagnostik ist in Abbildung 5 dargestellt.
35
EBNA-1-IgG
VCA-IgM
EBNA: positiv
IgM: negativ
alte Infektion
EBNA: negativ
IgM: negativ
VCA-IgG
EBNA: negativ
IgM: positiv
positiv
EBNA: positiv
IgM: positiv
zweifelhaft
negativ
Primärinfektion
seronegativ
weitere
Abklärung *
* Anamnese, weitere Laborbefunde wie Blutbild, Transaminasen und ev. Virusserologie
Abb. 5: Stufendiagnostik einer EBV-Infektion.
Zur Erhebung des Immunstatus würde eine Bestimmung der EBNA-1-IgGAntikörper ausreichen. Um eine frische Infektion nicht zu übersehen, sollte jedoch
zusätzlich ein Nachweis der VCA-IgM-Antikörper durchgeführt werden.
Bei positivem EBNA-1-IgG Nachweis und negativen VCA-IgM-Antikörpern kann
davon ausgegangen werden, dass es sich um eine bereits durchgemachte EBVInfektion handelt.
Sind keine Antikörper gegen EBNA-1 nachweisbar und es können VCA-IgMAntikörper detektiert werden, weist dies auf eine Primärinfektion hin.
Können weder EBNA-1-IgG-Antikörper noch VCA-IgM-Antikörper nachgewiesen
werden, folgt der Nachweis von VCA-IgG-Antikörpern. Bei negativem Ergebnis ist
der/die PatientIn seronegativ. Ist das Resultat positiv, sollte eine weitere Abklärung
36
erfolgen. Dazu gehören Anamnese, weitere Laborparameter wie Transaminasen
und Blutbild, sowie eine weiterführende Virusserologie.
Bei positivem VCA-IgM- und EBNA-1-IgG-Antikörper-Nachweis ist die Spezifität
von VCA-IgM und EBNA-1-IgG zu überprüfen. Eventuelle Kreuzreaktionen oder
unspezifische Reaktionen sollten ausgeschlossen werden.
In allen anderen Fällen führt die Bestimmung der Antikörper gegen VCA-IgG zu
keiner valideren Aussage.
Aufgrund der Ergebnisse ist die Bestimmung von VCA-IgG-Antikörpern bei 73 von
378 PatientInnen indiziert. Bei 305 Proben kann der VCA-IgG-Nachweis
eingespart werden.
Bei automatisierten Systemen könnte folgende Vorgehensweise angewandt
werden: Für die Erhebung des Immunstatus könnten zuerst Antikörper gegen
EBNA-1 nachgewiesen werden. Ist das Ergebnis positiv, kann von einer bereits
durchgemachten EBV-Infektion ausgegangen werden. Bei negativem Ergebnis
sollten als Reflextest ein VCA-IgM-Antikörper-Nachweis angeschlossen werden.
Bei negativem VCA-IgM sollte eine Bestimmung der VCA-IgG-Antikörper erfolgen,
um eine frische Infektion nicht zu übersehen.
Voraussetzung wäre, dass der Test für den Nachweis der EBNA-1-IgG-Antikörper
sowohl eine hohe Sensitivität als auch eine hohe Spezifität ausweist und der
Cutoff so gewählt wird, dass ein positives Ergebnis erst einige Wochen nach
Infektionsbeginn möglich ist.
Aufgrund der erhobenen Ergebnisse wird jedoch das in Abbildung 5 gezeigt
Vorgehen empfohlen. Die Bestimmung der EBNA-1-IgG-Antikörper und VCA-IgMAntikörper sollte in einem Schritt erfolgen, um eine Primärinfektion nicht zu
übersehen. Dies hat auch den Vorteil, dass ein unspezifischer Nachweis von VCAIgM-Antikörpern ein Hinweis auf eine andere virale Erkrankung sein kann. Dies
bietet eine Hilfestellung bei der Differentialdiagnose.
Durch die Reflextestung in einem automatisierten System ist durch eine
Reduzierung der Bestimmung der VCA-IgG-Antikörper eine kosteneffektive und
effiziente EBV-Diagnostik möglich.
37
8. Literatur
[1]$
Dörr, Hans W./Gerlich Wolfram H.: Medizinische Virologie. Stuttgart/New
York: Georg Thieme, 2009, 2., komplett überarbeitete und erweiterte Auflage
[2]$
Hofmann, Friedrich/Tiller Friedich W.: Praktische Infektiologie. Heidelberg/
München/Landsberg/Frechen/Hamburg: ecomed Medizin, 2012, 3. überarbeitete
und erweiterte Auflage
[3]$
Neumeister, Birgit et al.: Mikrobiologische Diagnostik. Stuttgart/New York:
Georg Thieme, 2009, 2., vollständig überarbeitete Auflage
[4]$
Hess, Ralf D.: Routine Epstein-Barr Virus Diagnostics from the Laboratory
Perspective: Still Challenging after 35 Years. In: Journal of Clinical Microbiology,
42(8), 2004, 3381-3387
[5]$
Thomas, Lothar: Labor und Diagnose. Frankfurt/Main: TH-Books
Verlagsgesellschaft mbH, 2012, 8. Auflage, Band 2
[6]$
Cohen, Jeffrey I.: Epstein-Barr Virus Infection. In: The New England Journal
of Medicine Volume 343, Number 7, 2000, 481-492
[7]$
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