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apoResearch Anlageinformation
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
> Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf
> Gewinnerwartungen für Aktien steigen wieder an
> Für konservative Depots kommen Rentenfonds in Frage
Ausgabe 8│2009
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Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG, Düsseldorf, unterliegt der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Bonn/Frankfurt.
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Nachdruck nur mit Genehmigung der Deutschen Apotheker- und Ärztebank.
2
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Inhalt
Zusammenfassung
4
Rückblick 2009 – Zurück auf Los!
5
Konjunkturperspektiven 2010
11
USA
Euroland
Deutschland
Japan
Emerging Markets
12
14
14
15
16
Total Asset Allokation
18
Anlagestrategie Renten
Währungen
Rohstoffe/Öl
Anlagestrategie Immobilien
Anlagestrategie Aktien
20
21
23
26
28
Global Asset Allokation
34
Branchenstrategie
36
TopTen-Aktienempfehlungen
48
Termine 2010
54
Termine der Notenbanken
Sonstige Termine
Hauptversammlungen der DAX-Unternehmen in 2010
54
54
55
3
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Zusammenfassung
Zusammenfassung
Rentenmarkt
> Die Zinsen sind niedrig und sollten 2010 wieder ansteigen.
> Mit kurzen Laufzeiten bis zu drei Jahren können am Rentenmarkt 2010
kaum mehr als 2 % erwirtschaftet werden.
> Mehr Rendite ist nur mit kontrollierten Wagnissen auf Zins-, Währungsoder Kreditmärkten zu erreichen.
Aktienmarkt
> Kapazitätsauslastungen sind noch sehr niedrig.
> Staatliche Konjunkturpakete stützen die Wirtschaft.
> Gewinnprognosen spiegeln eine Besserung der Gesamtsituation wider.
Regionen
> USA und Europa profitieren von einer anziehenden Weltwirtschaft.
> Japan verspricht das geringste Wachstum von allen.
> In den Emerging Markets liegt die Zukunft, kurzfristig besteht jedoch kein
akuter Handlungsbedarf.
Währung
> Der US-Dollar ist durch die niedrigen US-Leitzinsen schwach. Fundamental ist er unterbewertet. Wir erwarten wieder einen stärkeren US-Dollar.
Rohstoffe
> Der Trend zu steigenden Notierungen ist sehr stark und dürfte sich
fortsetzen.
Immobilien
> Anders als in diesem Jahr werden in 2010 die Einflüsse des Transaktionsmarktes die Wertentwicklung von Immobilien bestimmen.
4
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Rückblick 2009 – Zurück auf Los!
Rückblick 2009 – Zurück auf Los!
Das wohl bekannteste Wirtschaftsspiel der Welt, Monopoly, ist 2009 in der
realen Wirtschaft angekommen. Die Spekulation um Häuser und Immobilien
hat, genau wie im Spiel, seinen unrühmlichen Höhepunkt dadurch gefunden,
dass die „zurück auf Los, ziehe nicht 4.000 Euro ein“ Karte gezogen wurde.
Und tatsächlich, die Wirtschaft befindet sich wieder da, wo wir 2006 schon
angelangt waren. Aber es hätte noch viel schlimmer kommen können.
Quartal für Quartal ließen die
Volkswirtschaften die
Rezession hinter sich
Zu Beginn des Jahres wurde allgemein befürchtet, dass sich die Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre wiederholen könnte. Die Wirtschaft stürzte steil
ab. In den ersten Monaten gab es durchaus ein Parallele zu 1929, danach
wurde der Weg nach unten Dank der Konjunkturpakete und der Maßnahmen
der Notenbanken verlassen. Im Frühjahr berichtete die US-Notenbank überraschend von ersten „grünen Trieben“ in der amerikanischen Wirtschaft. Die
Gründe lagen nicht nur in den konjunkturellen Stimmungsindikatoren, sondern auch in den realwirtschaftlichen Daten wie den Auftragseingängen oder
der Industrieproduktion. Schon im zweiten Quartal wiesen wichtige Volkswirtschaften wie Deutschland, Frankreich und Japan wieder positive Wachstumsraten beim Bruttoinlandsprodukt auf. Besonders im fernen Osten hatte
sich die positive Dynamik beschleunigt. Nicht nur in China, auch in Südkorea,
Singapur, Indonesien und Hongkong konnte sich die Wirtschaft erholen. Im
dritten Quartal kamen auch die USA, Italien und die Niederlande wieder auf
den Wachstumspfad zurück. Spanien und Großbritannien dürften im vierten
Quartal ebenfalls die Rezession überwinden, die beiden Länder leiden noch
unter der extrem gestiegenen Arbeitslosigkeit und der geplatzten Immobilienblase.
In Deutschland hatte sich die Konjunktur im Sommer wieder deutlich aufgehellt. Das Kalenderjahr 2009 endet aber bei einer globalen Betrachtung mit
einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um über 2 %. In Deutschland
wird das BIP sogar um rund 5 % gefallen sein.
Krise durch Warenhandel
bedingt
Die Krise ist eine Krise des Warenhandels. Somit war in Deutschland insbesondere das verarbeitende Gewerbe betroffen. Gerade in Deutschland ist die
Krise im Dienstleistungsbereich und in der Bevölkerung, dank großem Transferanteil staatlicher Leistungen, überhaupt nicht in diesem Ausmaß angekommen.
Im Warenhandel kam es zu einer massiven Umverteilung, was sich in den
Leistungsbilanzsalden der Länder ablesen lässt: Deutliche Nachfragerück5
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Rückblick 2009 – Zurück auf Los!
gänge in den USA (-429 Mrd. USD), Großbritannien (-64 Mrd. USD) und
Frankreich (-39 Mrd. USD) stehen geringere Exporte aus Japan (+15 Mrd.
USD), Russland (+109 Mrd. USD), China (+91 Mrd. USD) und besonders
Deutschland (+160 Mrd. USD) gegenüber. Kein anderes Land hat einen so
großen Dämpfer in der Leistungsbilanz erhalten wie Deutschland.
Ja, es hätte schlimmer kommen können. Aber letztendlich stehen wir mit
leeren Händen da. Das Bruttoinlandsprodukt ist wieder da, wo es schon
Anfang 2006 lag. Und, um es vorwegzunehmen, die alten Höchststände vom
Spätsommer 2008 werden wir wohl vorläufig nicht erreichen.
Expansive Geldpolitik der
Notenbanken
Nach wie vor fahren die Notenbanken eine sehr expansive Geldpolitik. Die
Zielrate der US-Notenbank für Tagesgeld liegt seit Dezember 2008 bei 0 %
bis 0,25 %. Die Fed wollte den Finanzmarkt um jeden Preis wieder stabilisieren und den Interbankenmarkt beleben. Die EZB hatte den Leitzins am
7. Mai 2009 auf 1,0 % gesenkt. Damit sollte die Konjunktur gestützt und die
Gefahr einer Deflation gesenkt werden. Eine Deflation ist insoweit sehr
gefährlich, da es dagegen keine wirksamen Mittel gibt.
Andererseits birgt die derzeitige Geldpolitik eine Inflationsgefahr. Steuert die
Notenbank nicht rechtzeitig dagegen und lässt die Zinsen länger auf dem
Rekordtief, bleibt die (Basis-)Geldmenge hoch, und die Inflation kann sich
entwickeln. Erhöht sie hingegen die Zinsen zu früh, besteht die Gefahr einer
Depression mit Deflation (ähnlich der Weltwirtschaftkrise oder der Situation
in Japan). Wir halten es für wahrscheinlicher, dass die Notenbanken die
Zinsen spät erhöht und lieber eine Inflation als eine Deflation riskiert. In
diesem Fall bleiben zwar die kurzfristigen Zinsen niedrig, die langfristigen
Zinsen steigen aber aufgrund der Inflationsangst.
Die Zinsen konnten sich 2009
kaum von ihren Tiefstständen
lösen
2009 war ein Jahr mit wenig
Zinsschwankungen
6
Die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen sind per saldo nicht gestiegen. Die
Erwartung steigender Leitzinsen wurde in der zweiten Jahreshälfte immer
weiter in die Zukunft geschoben. Arbeitslosigkeit und Verschuldung begrenzen einen möglichen Konjunkturaufschwung. Diese Faktoren haben einen
Zinsanstieg bisher verhindert.
2009 ist ein Jahr mit erstaunlich geringen Zinsschwankungen. Im Wesentlichen blieben die Zinsen 10-jähriger Bundesanleihen zwischen 3 % und 3,5 %.
Auch zwischenzeitlich waren die Ausschläge gering. Anfang Juni erreichten
sie ihr Jahreshoch bei 3,7 %. Deutlich gefallen sind hingegen die kurzfristigen
Zinsen. So lag der Zins für drei Monatsgelder im Interbankenhandel am
Jahresanfang bei gut 3 % und ist auf unter 1 % gefallen.
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Rückblick 2009 – Zurück auf Los!
Zinsentwicklung 10-jähriger Bundesanleihen
3,8
3,6
3,4
3,2
3,0
02.12.2009
02.11.2009
02 .1 0.2009
02.09.2009
02 .0 8.2009
02.07.20 09
02.06 .2 009
02.05.20 09
02.04.20 09
02.03.2009
02.02.20 09
02.01.20 09
02.12.2008
2,8
Quelle: Datastream
Wechselkursentwicklung
1,7
1,5
1,3
1,1
0,9
USD/Euro
OECD Warenkorb
03.12.09
03.12.08
03.12.07
03.12.06
03.12.05
03.12.04
03.12.03
03.12.02
03.12.01
03.12.00
03.12.99
03.12.98
03.12.97
03.12.96
03.12.95
03.12.94
0,7
03.12.93
unterbewertet
Die großen Notenbanken versuchen, sehr starke Schwankungen an den
Devisenmärkten zu verhindern. Bisher gelangt ihnen dies auch. Seit den
Tiefstständen von 1,26 USD/Euro Anfang März, stieg der Wechselkurs stetig
an. Der Euro machte im Oktober einen zaghaften Ausbruchsversuch und
sprang über die Marke von 1,50 Euro/US-Dollar. Dazu haben auch die niedrigen US-Zinsen beigetragen, denn inzwischen ist der US-Dollar zur Carry
Trade-Währung Nr. 1 aufgestiegen. Finanzinvestoren verschuldeten sich gern
in US-Dollar – so, wie sie es früher in Yen gemacht haben – und legen diese
Gelder in hochverzinsliche Anlagen an. Von der fundamentalen Kaufkraft ist
der US-Dollar zum Euro inzwischen unterbewertet.
03.12.92
Der US-Dollar ist
US Warenkorb
Deutscher Warenkorb
Quelle: Datastream, IFO
7
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Rückblick 2009 – Zurück auf Los!
Ölpreis zog kräftig an
Die Notierungen am Ölmarkt zogen im Jahresverlauf kontinuierlich an. Die
Tiefststände zu Jahresbeginn wurden zwar im Februar noch einmal angetestet, in den folgenden Monaten überwiegte aber wieder die Hoffnung auf eine
sich erholende Wirtschaft. Da dies eine höhere Nachfrage nach dem schwarzen Gold implizierte, musste zuletzt für ein Barrel mit knapp 80 US-Dollar fast
doppelt so viel wie am Jahresanfang gezahlt werden.
Ölpreis in US-Dollar
02.12.2009
02.11.2009
02.10.2009
02.09.2009
02.08.2009
02.07.2009
02.06.2009
02.05.2009
02.04.2009
02.03.2009
02.02.2009
02.01.2009
90
80
70
60
50
40
30
20
Ölpreis in Euro
Quelle: Datastream
Aktienjahr 2009
Indexperformance auf
Monatsbasis in der jeweiligen
Landeswährung
Die internationalen Aktienmärkte begannen das Kalenderjahr 2009 mit einer
genauso desaströsen Entwicklung, wie sie das Kalenderjahr 2008 beendet
hatten. Egal auf welchen Index geschaut wird: Bis Mitte März 2009 mussten
alle Märkte signifikante Verluste verkraften.
20%
15%
10%
5%
0%
-5%
-10%
-15%
Jan
Feb
DAX
DJ Euro Stoxx 50
Mrz
Apr
Mai
Jun
DJ Stoxx 50
Jul
Aug
DJ Industrials
Sep
Okt
Nov
Nikkei 225
Quelle: Datastream
8
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Rückblick 2009 – Zurück auf Los!
Kursrückgänge auch im
historischen Vergleich
beachtlich
Schaut man sich die Performanceentwicklung seit September 2008 an (Insolvenz von Lehman Brothers), wird das Ausmaß der Krise besonders gut
sichtbar. Die in der vorstehenden Grafik enthaltenen Indizes verloren alle
zwischen 50 % und 60 % ihres Wertes. Selbst im historischen Vergleich ist
diese Entwicklung bemerkenswert. Deutlichere Rückgänge gab es nur während der Weltwirtschaftskrise 1929/1932 sowie dem Platzen der Technologie-Blase inklusive dem Zeitraum nach den Anschlägen in New York (11. September 2001).
Ab Mitte März hellte sich die Stimmung an den Aktienmärkten wieder merklich auf. Die Verluste seit Ausbruch der Krise konnten zwar noch nicht wieder
wett gemacht werden. Die Performance für das Kalenderjahr 2009 fällt aber
trotzdem sehr zufriedenstellend aus.
In der nachfolgenden Tabelle haben wir für ausgesuchte Indizes die jeweils
seit Jahresbeginn erzielte Performance – sowohl in Euro als auch in Landeswährung (LW) – zusammengefasst.
Performance internationaler
Aktienindizes
Rang
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
Index
IBEX 35 - PRICE INDEX
FTSE 100 - PRICE INDEX
DJ STOXX 50 - PRICE INDEX
DAX 30 PERFORMANCE - PRICE INDEX
DJ EURO STOXX 50 - PRICE INDEX
FRANCE CAC 40 - PRICE INDEX
FTSE MIB INDEX - PRICE INDEX
SWISS MARKET - PRICE INDEX
S&P 500 COMPOSITE - PRICE INDEX
DOW JONES INDUSTRIALS - PRICE INDEX
NIKKEI 225 STOCK AVERAGE - PRICE INDEX
TOPIX - PRICE INDEX
Perf. in Euro*
28,1%
25,9%
18,3%
18,2%
15,7%
15,6%
14,1%
12,5%
12,2%
9,0%
-0,5%
-8,5%
Perf. in LW*
18,3%
14,5%
20,8%
17,5%
2,5%
-5,6%
Quelle: Datastream, * seit Jahresbeginn bis zum 2. Dezember 2009
Erklärungsansätze für die
Rallyes an den Aktienmärkten
Vor dem Hintergrund einer der schwersten Krisen der letzten Jahrzehnte bzw.
überhaupt stellt sich die Frage, wie es zu einer so positiven Performance
kommen konnte. Eine allgemeingültige Aussage hierzu gibt es aus unserer
Sicht nicht. Wir wollen im Folgenden verschiedene Erklärungsansätze anführen:
1. Die Notenbanken (Fed, EZB, usw.) haben über verschiedene Wege die
Kapitalmärkte mit einer enormen Menge an Liquidität geflutet. Diese Gelder waren sicherlich in erste Linie dafür gedacht, dass die Wirtschaft am
Laufen bleibt und die Kreditvergabe nicht ins Stocken gerät. Ein gewisser
Prozentsatz dieser Mittel fließt jedoch in Form von Nachfrage nach Aktien
oder anderen Wertpapieren auch an den Kapitalmarkt.
9
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Rückblick 2009 – Zurück auf Los!
2. Des Weiteren ist das weltweite Zinsniveau derzeit sehr niedrig. Um eine
einigermaßen vernünftige Verzinsung der investierten Gelder zu bekommen, müssen die Investoren ihre Gelder in risikoreichere Produkte anlegen. Hierzu zählen beispielsweise auch die Aktien.
3. Wie bereits erwähnt, büßten die weltweiten Aktienmärkte seit Ausbruch
der Krise in der Spitze mehr als die Hälfte ihres Wertes ein. Da sich die
Gewinne der Unternehmen im gleichen Zeitraum weit weniger verringerten, fiel das Bewertungsniveau – gemessen am KGV – drastisch.
4. Die internationalen Konjunkturpakete sorgten für eine „künstliche“ Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen. Dies führte bei den Unternehmen zu geringeren Umsatzrückgängen und stabilisierte die Gewinnmargen.
5. Aus Angst vor anziehenden Inflationsraten werden verstärkt Sachwerte
nachgefragt. Neben Immobilien oder Rohstoffen zählen hierzu auch Aktien.
Das Zusammenspiel sorgte für
den Schwung an der Börse
DAX-Verlauf in 2009 ähnelt
der Entwicklung in 2003
Welcher Erklärungsansatz wie viel zum Anstieg der Börsen beigetragen hat,
lässt sich nicht sagen. Es ist vielmehr das Zusammenspiel der einzelnen
Punkte, das aus unserer Sicht wieder zu einem Mehr an Vertrauen der Kapitalmarktteilnehmer in die Wirtschaft und damit in die Börse beigetragen hat.
Hätte man eine gute Glaskugel gehabt, so hätte sich die Parallele zum Jahr
2003 sofort offenbart. Jetzt erkennt man den Gleichlauf leider erst im Nachhinein. Denn in diesem Jahr zogen wie im Kalenderjahr 2003 die Aktienkurse
bei geringen Umsätzen nach einer kräftigen Krise seit Mitte März wieder an.
In der nachfolgenden Grafik haben wir die indizierten Kursverläufe für diese
zwei Jahre übereinandergelegt.
Jahr 2003
01. Jan.
01. Dez.
01. Nov.
01. Okt.
01. Sep.
01. Aug.
01. Jul.
01. Jun.
01. Mai.
01. Apr.
01. Mrz.
01. Feb.
01. Jan.
150
140
130
120
110
100
90
80
70
Jahr 2009
Quelle: Datastream
10
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Konjunkturperspektiven 2010
Nach den großen Verlusten
jetzt die großen Gewinne
Gewinner- und VerliererRegionen der letzten Jahre
Die Börsen Lateinamerikas sind im laufenden Jahr die großen Gewinner.
Allerdings hätte sich vermutlich auch kein Investor über die Performance in
Osteuropa oder den asiatischen Emerging Markets beschwert. Die rote
Laterne hält im betrachteten Zeitraum der Gewinner der Vorsaison, der
japanische Aktienmarkt. Dies zeigt, wie wichtig es ist, auch unter regionalen
Gesichtspunkten eine Diversifikation der Anlagen anzustreben.
DAX 30 Euro Stoxx 50
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
lfd. Jahr
7,0%
28,2%
47,1%
17,7%
39,1%
-7,5%
-19,8%
-43,9%
37,1%
7,3%
27,1%
22,0%
22,3%
-40,4%
20,2%
„ Verlierer
14,1%
22,8%
36,8%
32,0%
46,7%
-2,7%
-20,2%
-37,3%
15,7%
6,9%
21,3%
15,1%
6,8%
-44,4%
17,6%
Dow Jones
Asien ex Jp
Japan
Lat Amerika
EM Europa
24,4%
32,0%
42,9%
7,8%
46,7%
0,2%
-2,0%
-29,4%
4,3%
-4,3%
14,5%
4,0%
-4,0%
-30,4%
9,8%
-6,9%
23,1%
-19,2%
-12,6%
96,2%
-24,9%
-4,7%
-21,9%
24,5%
10,3%
39,0%
22,0%
31,0%
-50,0%
55,3%
-8,7%
-13,2%
-16,9%
-1,0%
104,4%
-28,7%
-26,1%
-23,4%
14,0%
6,9%
43,6%
-9,7%
-15,5%
-24,6%
-4,4%
-19,6%
21,1%
39,4%
-42,3%
84,6%
-9,4%
2,0%
-35,9%
41,8%
30,6%
62,3%
31,3%
41,3%
-44,6%
78,2%
-18,7%
105,2%
139,7%
-61,1%
160,3%
-31,1%
6,9%
0,3%
34,7%
28,5%
87,0%
34,5%
16,4%
-64,6%
66,8%
„ Gewinner
Quelle: Datastream
Konjunkturperspektiven 2010
Weitere Erholung ist zu
erwarten
Die Wirtschaft braucht Jahre,
um wieder das Niveau vor der
Krise zu erreichen
2010 erwarten wir eine deutlich bessere Weltkonjunktur. Dies gilt besonders
für das erste Halbjahr, in dem die globalen Konjunkturpakete ihre maximale
Wirkung entfalten dürften. Danach wird es schwieriger. Das Wachstum wird
durch Probleme der Banken, Verschuldung der US-Konsumenten und die
hohe Staatsverschuldung begrenzt.
Bei aller neuen Hoffnung: Der Weg ist noch lang. Die Rezession hat die Weltwirtschaft auf den Stand von Anfang 2006 zurückgeworfen. Ende 2010 dürfte
die Wirtschaft wieder da sein, wo wir bereits Mitte 2006 waren. Die alten
Höchststände (3. Quartal 2008) werden wir aus heutiger Sicht erst Anfang
2013 wieder erreichen. Wir fangen also wieder von vorne an, zumindest
soweit es die letzten drei Jahre betrifft.
Aus wirtschaftlicher Sicht kann das Jahr 2009 mit einer schwierigen Krankheit verglichen werden. Die Notenbanken und Regierungen haben Medizin in
nie gekannten Dosierungen verabreicht. Der Patient war mit einem äußerst
ernsten Befund auf der Intensivstation. 2010 wird ein Übergangsjahr: Der
Patient kann die Intensivstation zwar verlassen, ist aber nach wie vor auf die
Medikamente angewiesen. Es ist die Zeit der Rekonvaleszenz und es besteht
Rückfallgefahr. 2011 sollte die Medizin dann langsam abgesetzt werden
11
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Konjunkturperspektiven 2010
können. Das heißt für die Wirtschaft: Die Notenbanken dürfen die Zinsen
wieder erhöhen und Staaten beginnen, ihre Schulden abzubauen. Abzuwarten
ist, wie die Weltwirtschaft diesen „Entzug“ verkraften wird.
Mit Rückschlägen im
Aufschwung ist zu rechnen
Offen bleibt zunächst die Frage, ob im nächsten Jahr wieder ein selbsttragender Aufschwung erreicht wird. Es besteht die Gefahr, dass nach dem
Auslaufen der geld- und fiskalpolitischen Effekte 2010 der Konsum und die
Investitionen noch zu schwach sind, um das Wachstum ohne neue Konjunkturpakete und massiven geldpolitischen Rückenwind zu tragen. Selbst wenn
sich die Konjunkturdaten in nächster Zeit weiter verbessern werden, kann
nicht zwangsläufig von einem neuen, länger anhaltenden Wirtschaftsaufschwung mit hohem Trendwachstum ausgegangen werden.
Die Konjunkturprogramme haben gegriffen. Dies gilt am meisten für China.
Das Wachstum der Investitionen und des Exports ist sehr stark. Die Binnennachfrage hingegen hat noch Potenzial. Auch in den USA wirken die Programme. Offen ist allerdings, ob die Staatseingriffe zu einem selbsttragenden
Aufschwung führen. Die öffentlichen Defizite lassen wenig Raum für weitere
Konjunkturpakete. Daher machen sich manche Prognostiker bereits Sorgen
um 2011.
Die Erholung verläuft nicht
synchron – die
Schwellenländer übernehmen
die Führung
Nachdem die Staaten 2008 synchron in den Abschwung gegangen sind und
2009 weitgehend parallel die Rezession hinter sich gelassen haben, erwarten
wir 2010 stärkere Unterschiede in der Entwicklung. Die Industriestaaten sind
hoch verschuldet. Der US-Konsument lahmt und Euroland hat ein Potenzialwachstum von lediglich 1 % bis 2 %. Die Emerging Markets hingegen konnten
ihre Konjunkturprogramme aus ihren Devisen-Reserven bezahlen. Dies gilt
besonders für die massiven Maßnahmen in China. Andere Länder hatten ihre
Schulden in den guten Jahren mit hohen Rohstoffpreisen deutlich reduzieren
können. Dazu kommt eine vorteilhafte Demografie, die den Emerging Markets in Zukunft einen Wachstumsvorsprung sichert.
USA
Die Erwartungen für die USA
halten wir für optimistisch
2009e
2010e
BIP
-2,4 %
2,7 %
Inflation
-0,4 %
2,0 %
Investitionen -17,8 %
0,4 %
Quelle: Consensus Forecasts
12
Für die USA werden 2010 immerhin 2,7 % Wachstum erwartet, nachdem
2009 wohl ein Rückgang in ähnlicher Höhe hingenommen werden muss. Das
Wachstum würde sogar dem Schnitt der guten Jahre 2005 bis 2007 entsprechen. Dazu soll insbesondere der Konsum beitragen. Mit 1,6 % liegt das
geschätzte Konsumwachstum aber nur etwa halb so hoch wie in den guten
Jahren. Dies ist vor dem Hintergrund der hohen Arbeitslosigkeit und der
hohen privaten Verschuldung noch immer eine optimistische Erwartung. Die
Arbeitslosenquote liegt bereits bei 10,2 %. Sie dürfte aber, im Gegensatz zu
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Konjunkturperspektiven 2010
Deutschland, im Jahresverlauf 2010 ihren Höchststand erreichen. Da die
meisten Amerikaner ein eigenes Haus besitzen, ist die Entwicklung am Immobilienmarkt wichtig. Hier deutet sich eine Wende an. Dies wäre für die
Stimmung der Verbraucher positiv. So nimmt der Anteil der zwangsversteigerten Objekte bei den Umsätzen am Wohnimmobilienmarkt bereits ab. Aus
diesem Grund stabilisieren sich auch die Hauspreise. Der Angebotsüberhang
baut sich jetzt Stück für Stück ab.
Unternehmen machen wieder
Gewinne
Der Unternehmenssektor hat sich bereits von dem tiefen Einbruch erholt. So
soll die Industrieproduktion 2010 um 4,2 % wachsen. Dies ist sogar mehr als
in den guten Jahren, relativiert sich aber nach einem Rückgang von 10 % in
2009. Auch sind die Gewinnmargen nicht so stark wie in der vorherigen
Rezession gefallen. Aufgrund der Entlassungen und fallender Lohnstückkosten haben sich die Margen bereits in der ersten Jahreshälfte 2009 stabilisiert.
Stimmungsindikatoren USA
70
160
140
120
100
80
60
40
20
60
50
40
30
20
01.12.2009
01.12.2008
01.12.2007
01.12.2006
01.12.2005
01.12.2004
01.12.2003
01.12.2002
01.12.2001
01.12.2000
01.12.1999
10
Stimmung der US-Verbraucher
Stimmung der US-Industrie (rechte Skala)
Quelle: Datastream
Makrodaten bessern sich
Wie aus obiger Grafik deutlich wird, hat sich die Stimmung der US-Unternehmen wieder deutlich gebessert. Die Werte über 50 sprechen für Wachstum. Das Sentiment der Verbraucher hingegen wird durch den schwachen
Arbeitsmarkt und die wieder hohen Benzinpreise gedämpft. Dies ist der
Grund, warum das Konsumwachstum nur schwach ausfallen dürfte.
13
apoFokus
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Konjunkturperspektiven 2010
Euroland
2009e
2010e
BIP
-3,8 %
1,2 %
Inflation
0,3 %
1,1 %
Investitionen -10,2 %
0,0 %
Quelle: Consensus Forecasts
Konjunkturprogramme wirken
auch noch 2010
Was ist mit dem „lahmen“ Europa passiert? Die Eurozone hat Mitte 2009
überraschend noch vor den USA wieder zum Wachstum zurückgefunden.
Nachdem der Absturz in Exportnationen wie Deutschland besonders tief war,
ist die Wachstumsdynamik von Quartal zu Quartal überraschend erfreulich.
Natürlich gibt es auch Rückschlagsrisiken wie z. B. den Arbeitsmarkt, die
geringe Kapazitätsauslastung und das Auslaufen verschiedener Konjunkturprogramme. Auch haben Programme wie die Abwrackprämie Wachstum aus
der Zukunft geborgt. Per saldo ist das Bild aber positiv.
Für 2010 wird ein Wachstum von gut einem Prozent erwartet, und wir denken, dass es noch etwas mehr wird. Der Anstoß für den Aufschwung kommt
ohne Zweifel von den globalen und heimischen Konjunkturprogrammen.
Diese wirken zum einen auf den direkten Staatsverbrauch, der 2010 in der
Eurozone erneut rund 2 % wachsen dürfte. Zum anderen sind die Programme
ein Grund für den stabilen Konsum, der zumindest wieder einen kleinen
Wachstumsbeitrag leisten sollte. Kritisch ist jedoch die Entwicklung der
Arbeitslosenquote zu werten, die 2010 über 10 % steigen wird. Dies ist aber
weniger, als Mitte 2009 befürchtet wurde. Den Konsum belebend wirken die
extrem tiefen Zinsen. Diese begünstigen auch die Baubranche sowie die
Investitionen der Unternehmen. So hat sich die Stimmung der Unternehmen
seit dem totalen Absturz Anfang 2009 inzwischen wieder so stark gebessert,
dass die Wirtschaft an der Schwelle zu einer neuen Expansion steht. Die
positiven Nachrichten betreffen nicht nur Umfragedaten. Auch die harten
Indikatoren, wie die Auftragseingänge und die Produktion, haben sich seit
Juni bzw. Juli 2009 positiv entwickelt. Die Investitionen dürften 2010 stabil
bleiben, und die Industrieproduktion sollte wieder 1 % bis 2 % steigen. Einen
weiteren Wachstumsbeitrag erwarten wir vom Außenhandel. Der Außenbeitrag ist bereits seit dem zweiten Quartal 2009 positiv. Ursache war zunächst,
dass der Export langsamer gefallen ist als der Import. Der Exportüberschuss
ist dementsprechend gewachsen. 2010 dürfte der Import wieder 2 % bis 3 %
anziehen. Da wir beim Export ein noch stärkeres Wachstum erwarten, trägt
auch der Außenhandel seinen Anteil zum kommenden Wachstum bei.
Deutschland
Deutschland liegt wieder an
Eurolands Spitze
14
Nachdem Deutschland als ehemaliger Exportweltmeister 2009 besonders
unter dem Einbruch des Welthandels zu leiden hatte, sieht es für 2010 wieder besser aus. Wir halten die Wachstumsschätzung von 1,5 % für realistisch
und könnten uns sogar vorstellen, dass dieser Wert noch etwas übertroffen
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Konjunkturperspektiven 2010
2009e
2010e
BIP
-4,9 %
1,5 %
Inflation
0,3 %
0,9 %
Investitionen -19,5 %
1,4 %
Quelle: Consensus Forecasts
wird. Davon werden allein schon 0,7 % als statistischer Überhang die Wachstumszahl in 2010 ohne Zutun stützen. Dafür spricht Deutschlands Stärke bei
Investitionsgütern, Exporten und der bemerkenswert stabile Konsum.
Deutschland dürfte sogar noch vor Frankreich die Führung im Wachstum
übernehmen. Der deutsche Konsum wird – im Gegensatz zu Frankreich –
aufgrund der in 2010 steigenden Arbeitslosigkeit nicht zum Wachstum beitragen. Da die Arbeitslosigkeit entgegen früherer Befürchtungen die 10 %Grenze nicht überschreiten wird, kommt vom Konsum aber auch kein Gegenwind. Hilfreich sind hingegen die Investitionen, die nach dem Einbruch
von fast 20 % wieder etwas zulegen (siehe Tabelle links). Wachstums treibend ist insbesondere die Industrieproduktion, für die ein Plus von 4,3 %
prognostiziert wird. Die Stimmung der Unternehmen spricht für diese Entwicklung (siehe nachfolgende Grafik).
Ifo-Konjunktur Uhr
Der Ifo-Geschäftsklimaindex
120
besteht aus einer Erwartungsund einer Lagekomponente.
diese beiden Komponenten
und teilt sich in die
Quadranten Aufschwung,
Hochkonjunktur, Abschwung
und Rezession auf
„
„
Hochkonjunktur
Lage gut
Verschlechterung erwartet
2007
110
Lagebeurteilung
Die Ifo-Konjunktur-Uhr zeigt
Abschwung
115
2008
105
2006
100
2005
95
2004
2001
90
2003
2009
85
November 2009
2002
80
Aufschwung
„
Rezession
75
75
80
„
85
90
95
Geschäftserwartung
Lage schlecht
Verbesserung erwartet
100
105
110
Quelle: Datastream
Japan
2009e
2010e
BIP
-5,7 %
1,4 %
Inflation
-1,2 %
-0,9 %
Investitionen -19,3 %
-0,1 %
Quelle: Consensus Forecasts
Ähnlichkeiten mit Deutschland sind oft in Japan zu finden. Die Parallele liegt
in dem starken Exportsektor. Dieser war in der Krise sogar noch stärker
eingebrochen als bei uns. 2010 sieht es wieder deutlich besser aus. Die
Industrieproduktion soll 11 % steigen. Auch die Verbraucher leisten mit
knapp 1 % mehr Konsum einen kleinen Wachstumsbeitrag. Die leichte Deflation kann jedoch leider noch nicht überwunden werden.
15
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
Konjunkturperspektiven 2010
Emerging Markets
Viele Anleger halten Schwellenländer für riskant. Allerdings muss man feststellen, dass sich die Aktienmärkte vieler Volkswirtschaften, die sich auf dem
Weg zu etablierten Volkswirtschaften befinden, schneller erholt haben als die
Etablierten. Dies liegt in erster Linie daran, dass die Exporte und die Inlandsnachfrage hoch sind. Betrachten wir die Wachstumsraten des BIPs in Ländern wie Indonesien oder Brasilien, so reden wir nicht über 0,5 % oder 1 %
oder im besten Falle 1,5 % (wie z. B. in Deutschland), sondern gleich über 5 %
bis 8 %. Auch wenn das Wachstum Chinas immer etwas mit Unsicherheit
behaftet war (Wie glaubwürdig sind die offiziellen Statistiken?), so kamen
doch rund 8 % bis 9 % heraus. Und selbst wenn das wahre Wachstum „nur“
7 % betrug, so wäre es trotzdem ein ganz anderes Niveau als in Europa oder
in den USA.
Asien
2009e
2010e
BIP
1,1 %
5,1 %
Inflation
0,7 %
1,9 %
Quelle: Consensus Forecasts
Die Börsen der Schwellenländer gelten ebenfalls als riskant. Allerdings: Wenn
Panik herrscht, ist der DAX nicht weniger riskant, wenn man die kurzfristige
Volatilität als Gradmesser nimmt. Im letzten Quartal des Jahres 2008 gab es
Tagungsschwankungen von bis zu 10 %.
Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Erholung der Weltwirtschaft
im Wesentlichen auf die gute Entwicklung – insbesondere der asiatischen
Unternehmen ex Japan – zurückzuführen ist.
Was Schwellenländer auszeichnet, ist die hohe Inlandsnachfrage in Verbindung mit hohen Exporten. Diese sind in der derzeitigen Krise zwar zurückgegangen. Eine anziehende Inlandsnachfrage konnte dies allerdings teilweise
kompensieren.
Lateinamerika
2009e
2010e
BIP
-2,2 %
3,4 %
Inflation
5,9 %
6,7 %
Quelle: Consensus Forecasts
16
Der jüngste Kursanstieg in den Schwellenländern hatte mehrere Gründe. Zum
einen den weltweiten Anstieg der Geldmengen. So ist die Geldmenge M1 in
den USA um rund 20 % und M2 in China über 21 % erweitert worden. Durch
die weltweit gestiegene Geldmenge wurde und wird immer noch mehr Geld in
die Aktienmärkte investiert. Ferner sind die Anleihe-Spreads weltweit zurückgegangen. Hieraus resultiert eine nachlassende Attraktivität von Anleihen generell, so dass das suchende Kapital vor allem zu einer erhöhten
Nachfrage nach Sachanlagen in Form von Aktien führte. Getrieben durch die
starken Aktienmarktrenditen wurden auch wieder verstärkt Gelder aus Geldmarktfonds abgezogen, die dann wiederum in Aktien - und hier besonders in
die stark steigenden Märkte der Schwellenländer - investiert wurden.
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Konjunkturperspektiven 2010
Osteuropa
2009e
2010e
BIP
-5,7 %
2,3 %
Inflation
7,2 %
6,2 %
Quelle: Consensus Forecasts
Wir rechnen damit, dass die Volkswirtschaften der Schwellenländer im Vergleich zu den entwickelten Ländern auch in Zukunft deutlich stärker wachsen
werden, allen voran die Regionen mit den meisten Einwohnern. Dies sind
China und Indien. Die Schätzungen für das Wachstum dieser Regionen liegen
für das Jahr 2009 bei 8 % bzw. 6 %. Die Währungsreserven der Schwellenländer belaufen sich aktuell auf rd. 4 Billionen USD im Vergleich zu 2,5 Billionen
USD bei den entwickelten Ländern.
Gerade China kauft derzeit Rohstoffe, Förderminen (vorwiegend in Afrika),
Ackerland (Afrika, Südamerika) und beteiligt sich direkt an Unternehmen.
Was ebenfalls für Schwellenländer spricht, sind ihre geringen Schulden
bezogen auf das BIP-Wachstum. Gerade in den etablierten Ländern ist diese
Verschuldung deutlich höher. Zum Beispiel sind Russland und Rumänien mit
50 % des BIP verschuldet, Japan hingegen mit über 360 %.
Risikofaktoren
Die Risikofaktoren sind nicht neu und werden in jeder Publikation zu den
Emerging Markets genannt. Der Vollständigkeit halber möchten aber auch
wir die Investoren darauf hinweisen, dass ein Investment in den Emerging
Markets nicht mit einem Investment in europäische oder US-amerikanische
Aktien zu vergleichen ist. Die Kapitalmärkte dieser Länder sind bei Weitem
noch nicht so entwickelt (z. B. Bilanzierungsregeln), die Größe und damit die
Liquidität der Märkte ist wesentlich geringer oder auch politische Maßnahmen (z. B. Handelsbeschränkungen für ausländische Investoren, Verstaatlichung) können die Verfügbarkeit über die getätigten Investments erheblich
einschränken. Erfahrungsgemäß zeichnen sich diese Kapitalmärkte auch
durch eine größere Volatilität aus, das heißt, dass der Anleger mit höheren
Schwankungen rechnen muss. Aber: Eine höhere Rendite ist im Normalfall
auch nur bei einem höheren Risiko zu erzielen!
Auf der nachfolgenden Weltkarte haben wir die prognostizierten Wachstumsraten für das Bruttoinlandsprodukt in den einzelnen Ländern noch einmal
zusammengefasst.
17
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
Total Asset Allokation
Prognostiziertes Bruttoinlandsprodukt 2010
Quellen: Consensus Economics, Reuters
Nicht zu vergessen ist: 2010 ist das Übergangsjahr, das die Weltwirtschaft
zur Genesung benötigt. Die Nagelprobe wird erst ab 2011 auf uns zukommen, denn dann müssen die Notenbanken und Regierungen ihre ExitStrategien aus der Überversorung mit Liquidität bzw. Überverschuldung der
Staatshaushalte umsetzen.
Total Asset Allokation
In welche Anlageklassen soll
investiert werden?
Die Frage, die sich bei der Total Asset Allokation stellt, lautet: In welche
Anlageklassen soll Geld investiert werden? Neben den Aktien und Renten
sind hier insbesondere Immobilien und Rohstoffe zu nennen. Quasi als Restgröße sind noch der Cash-Bereich bzw. die Bargeld nahen Produkte zu nennen. Die von uns festgelegte Benchmark setzt sich wie folgt zusammen:
>
>
>
>
45,0 %
42,5 %
7,5 %
5,0 %
Aktien
Renten
Immobilien
Rohstoffe
Das Gewicht dieser Anlageklassen orientiert sich in erster Linie an der Risikoneigung eines Investors und kann daher nur in einem persönlichen Gespräch ermittelt werden. Allerdings sollte jeder Anleger darauf achten, dass
unabhängig von der jeweiligen Gewichtung innerhalb der verschiedenen
Anlageklassen eine genügend große Diversifikation vorgenommen wird, d. h.,
nicht alle Vermögenswerte auf eine Karte gesetzt werden.
18
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Total Asset Allokation
Unsere aktuell empfohlene
Gewichtung sieht abweichend
von der Benchmark wie folgt
aus:
Rohstoffe
5,0%
Immobilien
7,5%
Aktien
49,0%
Renten
38,5%
In den folgenden Absätzen wollen wir auf die Gewichtungen der einzelnen
Anlageklassen kurz eingehen.
Aktien übergewichten
Ein schwieriges konjunkturelles Umfeld einhergehend mit einer überdurchschnittlichen Aktienmarktperformance im Jahr 2009 ist keine einfache Basis
für ein erfolgreiches Jahr 2010. Die Unternehmen sind hinsichtlich des Umsatz- und Gewinnwachstums in der Bringpflicht, die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Mit den für das Geschäftsjahr 2009 vorgelegten Halbjahres- bzw. Neun-Monats-Berichten konnten aber bereits zwei gute Schritte
gemacht werden. Die Umsätze – wie sollte es auch anders sein – waren zwar
im Jahresvergleich 2008/2009 rückläufig, der Trend zeigte, je weiter das
Geschäftsjahr 2009 fortschritt, jedoch in die richtige Richtung. Ähnliches gilt
für die Gewinngrößen. Dank eines zügigen Tritts auf die Kostenbremse ist es
vielen Unternehmen sogar gelungen, die Gewinnerwartungen der Marktteilnehmer zu übertreffen. Wir starten in das Jahr 2010 mit einer leichten Übergewichtung des Aktienbereichs. Welche Einflussfaktoren aus unserer Sicht
im kommenden Jahr für die Aktienmärkte eine große Bedeutung haben,
werden wir unter dem Punkt „Anlagestrategie Aktien“ noch näher erläutern.
Renten untergewichten
Sollten die Zinsen, wie von uns erwartet, leicht ansteigen, werden Bundesanleihen mit 3 bis 6 jähriger Laufzeit eine 12-Monatsperformance von 1 %
erreichen. Bei Unternehmensanleihen erwarten wir je nach Zinsaufschlag
etwa 1 % mehr.
Immobilien neutral
Wir empfehlen den Anlegern, die durchaus vorhandenen Chancen am Immobilienmarkt zu nutzen, können aber einzelne Risiken (z. B. Ausweitung der
Krisen in Dubai oder China) nicht ausschließen. Deswegen gewichten wir den
Immobilienmarkt, gemessen an unserer Benchmark, neutral.
Rohstoffe neutral
Unsere Einschätzung zur Assetklasse Rohstoffe ist derzeit neutral. Investoren, die die Rohstoffrallye im Jahr 2009 verpasst haben, raten wir daher nicht
19
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
Total Asset Allokation
zu einem generellen Neueinstieg in diesen Sektor. Wer schon engagiert ist,
sollte die Gewinne weiter laufen lassen und Positionen beim ersten Auftauchen einer Korrektur abbauen.
Anlagestrategie Renten
Zinsentwicklung
Nach wie vor fahren die Notenbanken eine sehr expansive Geldpolitik. Die
Zielrate der US-Notenbank für Tagesgeld liegt z. B. bei 0 % bis 0,25 %. Die
Zielrate würdigte das zuletzt kräftige Wirtschaftswachstum. Die Fed wiederholte aber, dass das wirtschaftliche Umfeld voraussichtlich noch für eine
"ausgedehnte Periode" außergewöhnlich niedrige Leitzinsen rechtfertigen
wird.
Die Kapazitätsauslastung – sowohl in den USA als auch in Europa – ist derzeit sehr niedrig und dürfte es in den kommenden Monaten auch bleiben.
Daher ist es den Unternehmen nur schwer möglich, höhere Preise bei den
Abnehmern durchzusetzen. Dieser Umstand spricht dafür, dass es im Jahr
2010 keine nennenswerte Inflation geben wird. Auch für die Folgejahre
sehen wir nur eine geringe Wahrscheinlichkeit von mehr als 2 % Inflation.
Somit gehen wir davon aus, dass die EZB den Leitzins bei 1,0 % belässt.
Damit soll die Konjunktur gestützt und die Gefahr einer Deflation gesenkt
werden.
Die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen sind seit Mitte 2009 per saldo gefallen. Zuletzt lagen sie nur noch bei 3,2 %. Anfang Juni waren sie aber schon
auf 3,7 % gestiegen. Dies könnte erneut geschehen. Da die Unternehmen und
Verbraucher wieder Vertrauen zurück gewonnen haben, wirken die Konjunkturprogramme und Zinssenkungen. Darin sehen wir eine Gefahr für länger
laufende Anleihen. Wir raten zu Laufzeiten von 3 bis 6 Jahren.
Wir empfehlen, Bundesanleihen zu meiden. Stattdessen bevorzugen wir
Unternehmensanleihen, Pfandbriefe und andere Spreadprodukte.
Spreads
Die Zinsaufschläge sind 2009 stark gefallen. Sie befinden sich zwar historisch immer noch auf angemessen Niveaus, sind aber nicht mehr so attraktiv
wie zu Beginn der Krise.
Mehrrendite ist mit
Sicherere Anleihen mit drei Jahren Laufzeit bieten kaum mehr als 2 % Zinsen.
Bei längeren Laufzeiten ist es ein wenig mehr, dafür steigt aber das Zinsänderungsrisiko. Bei einem Zinsanstieg würde die Anleihe im Kurs sinken. Wer
am Rentenmarkt mehr als diese 2 % erzielen möchte, muss also in der einen
oder anderen Weise Risiko eingehen. Wir empfehlen, auf kontrollierte Wetten
in den Zins-, Währungs- und Kreditmärkten zu setzen. Dies ist über entspre-
kontrollierten Wetten auf
Zins-, Währungs- und
Kreditmärkten möglich
20
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Total Asset Allokation
chende Fonds möglich. Der Fondsmanager braucht dazu viele ResearchAnalysten, die auf die jeweiligen Segmente (z. B. aktive Laufzeitensteuerung,
Währungen, Zinsaufschläge) spezialisiert sind. Die aussichtsreichsten Ideen
werden dann im Fonds umgesetzt. Wie groß eine Fondsposition werden darf,
wird dabei vom Fondsmanager je nach Risiko festgelegt. Risikomanagement
ist das Leitmotiv eines solchen Fonds.
Die Notenbanken haben ihre Geldmenge stark ausgeweitet. Dies spricht für
eine große Inflationsgefahr. Auch 2010 wir diese Geldmenge aber nicht zu
stark steigenden Preisen führen, da die Kapazitätsauslastung beiderseits des
Atlantiks nur bei rund 70 % liegt und die Arbeitslosigkeit erst im Jahresverlauf
ihren Höhepunkt erreichen dürfte. Trotzdem gibt es eine langfristige Gefahr
für die Geldwertstabilität. Dies liegt auch an der hohen Verschuldung der
Staaten, Unternehmen und Verbraucher. Jedoch ist eine Inflation bzw. ein
Preisanstieg bei Aktienkursen, Rohstoffen oder Immobilienpreisen wahrscheinlicher als bei Konsumprodukten, welche mit dem statistischen Warenkorb gemessen werden.
Inflation
Währungen
US-Dollar bleibt Leitwährung
USD/Euro
1,7
02.12.09
02.12.08
02.12.07
02.12.06
02.12.05
02.12.04
1,1
Quelle: Datastream
Trend:
─ kurzfristig steigend auf ca.
1,55 USD/Euro
─ in 12 Monaten fallend in
Richtung 1,40 USD/Euro
In der Finanzkrise diente der US-Dollar zunächst als sicherer Hafen unter den
Devisen. Seitdem dieser Krisenbonus an Bedeutung verloren hat und gute
US- und Euroraum-Wirtschaftsdaten eine konjunkturelle Bodenbildung anzeigen, konnte sich der Euro erholen und stieg mittlerweile auf Niveaus über
1,50 USD/Euro. Grund hierfür war der gestiegene Risikoappetit, der Abflüsse
aus dem sicheren Hafen US-Dollar in andere Währungen auslöste. Deutlichstes Anzeichen dafür war die Korrelation zwischen positiver AktienmarktPerformance und Dollarschwäche.
Im Vergleich zu beinahe allen anderen Devisen gab der Greenback stetig ab.
Analysten begründen die Schwäche des US-Dollars vordergründig nach wie
vor mit der zunehmenden Risikobereitschaft der Anleger, die die US-Währung
verkauften, um diese in gewinnträchtigere, risikoreichere Kapitalanlagen umzuschichten. Diese Strategien werden Carry Trades (Grafik Seite 22) genannt.
Jedoch dürfte hinter der anhaltenden Abwertung ebenso jener Umstand
stehen, dass der US-Dollar inzwischen zu einer dominanten Refinanzierungswährung für so genannte Carry-Trades geworden ist. Bei diesen Transaktionen nehmen Anleger Kapital in niedrigverzinslichen Währungen auf, um sie in
höherverzinsliche Devisen zu investieren. Da die US-Notenbank ihren Leitzins
noch bis weit in das kommende Jahr bei nahe Null belassen will, scheinen die
Voraussetzungen für derartige Geschäfte zurzeit ideal zu sein.
21
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
Total Asset Allokation
Wie funktionieren Carry-Trades?
Investoren leihen sich
US-Dollar zu sehr geringen
Zinsen
Investments in internationale Aktien
(z. B. europäische Blue Chips)
werden gekauft und steigen im Kurs
US-Notenbank
$
€
Tausch am Devisenmarkt
US-Dollar schwächt sich ab
Eine zusätzliche Einflussgröße, die dem US-Dollar zugesetzt haben könnte, ist
das Investitionsverhalten Chinas, dem Land mit den weltweit größten USDollarreserven. Das Land der Mitte entfachte in den vergangenen Monaten
eine politische Diskussion um den Leitwährungsstatus des Dollars und kündigte zuletzt als erste Nation der Welt an, 50 Mrd. USD in die neu zu emittierenden Anleihen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu investieren, die
in der von den Chinesen favorisierten synthetischen Währung, den Sonderziehungsrechten des IWF, begeben werden.
Noch ist die Stimmung eher negativ gegenüber dem US-Dollar. Ursachen
hierfür sind die Sorgen um die Nachhaltigkeit der US-Fiskalpolitik und Inflationsängste aufgrund der expansiven Geldpolitik der Fed. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Rolle des US-Dollars als Weltreservewährung. Unserer Meinung
nach wird dabei jedoch auch negativ übertrieben. Die Staatsfinanzen in den
USA stehen eher besser da als in den anderen Staaten. Auch eine Inflation
dürfte den US-Dollar zukünftig kaum belasten. Dies wäre nur der Fall, wenn
besonders in den USA die Preise steigen, in Euroland aber nicht. Was die
Rolle des US-Dollars als Weltreservewährung angeht, ist keine Alternative in
Sicht. Außerdem hat sich der Greenback in der Finanzkrise durchaus bewährt. Auch wenn die drei genannten Kritikpunkte den US-Dollar 2009 belasteten, erwarten wir 2010 eher wieder eine stärkere US-Valuta, da dies
auch der Kaufkraftparität entsprechen würde.
22
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Total Asset Allokation
In Japan dürfte die Talsohle mittlerweile durchschritten sein, was sich bereits
mit einem Wachstum des BIPs im zweiten Quartal angedeutet hatte. Für das
kommende Jahr wird ein Wachstum von 1,4 % erwartet.
Yen
Yen/Euro
180
02.12.09
02.12.08
02.12.07
02.12.06
02.12.05
02.12.04
100
Quelle: Datastream
Trend:
Die neue Regierung hat angekündigt, den Fokus stärker auf die Binnennachfrage zu legen. Gegenüber dem schwächelnden US-Dollar hat der Yen derzeit
ein leichtes Spiel und wertet merklich auf, ohne dass Interventionen zu
einem Thema würden. Gegenüber dem Euro hingegen pendelt der Yen seit
einem halben Jahr in einer engen Spanne von 129 bis 139 Yen je Euro. Aktuell liegt der Kurs bei 129.
fallend auf ca. 120 Yen/Euro
Wir erwarten kurzfristig keine nennenswerte Ausschläge im Handel des
Währungspaars.
Schweizer Franken
Trotz der expansiven Geldpolitik der schweizerischen Nationalbank gilt der
Schweizer Franken nach wie vor als stabile Währung. Zum Nachteil gereicht
die starke Währung jedoch wegen der starken Abhängigkeit der schweizerischen Konjunktur vom Export. Unternehmen aus diesem Sektor leiden unter
einer starken Inlandswährung. Die Konjunkturindikatoren der schweizerischen Wirtschaft gaben in den vergangenen Monaten ein weiter verbessertes
Bild.
CHF/Euro
1,7
02.12.09
02.12.08
02.12.07
02.12.06
02.12.05
02.12.04
1,4
Quelle: Datastream
Trend:
gleichbleibend 1,50 - 1,55
Das Preisniveau ist stabil, und die Arbeitslosigkeit ist nur leicht auf 4,1 %
gestiegen. Der Franken bleibt in einer engen Bandbreite gegenüber dem
Euro.
CHF/Euro
Rohstoffe/Öl
Einflussfaktoren für die
Preisfindung
Gold
Ist jetzt ein guter Zeitpunkt für den Einstieg in Rohstoffe? Wir meinen klar
„jein“. Ja, weil der Trend nach wie vor intakt ist. Nein, weil möglicherweise
immer mehr Anleger auf den fahrenden Zug aufspringen und damit eine
Verteuerung bewirken, die von der Industrie nicht geteilt wird und die jenseits der wahren Knappheitsverhältnisse liegt. Im Einzelnen:
Gold ist derzeit so populär wie seit Langem nicht mehr. Die Medien berichten
derzeit ständig über den Goldpreis, der die 1.000-Dollar-Marke je Unze
nachhaltig geknackt hat und immer neue Höchstmarken nimmt (derzeit bei
rund 1.200 USD je Unze). Geht es nach den Spezialisten, dann ist gerade
jetzt der richtige Einstiegszeitpunkt, da der Preis weiter steigen wird. Derzeit
trifft sozusagen der Rekordoptimismus den Rekordgoldpreis. Möglicherweise
bildet sich aber auch eine Rekordblase, denn der wahre Preistreiber kommt
eben aus dem Lager der Finanzbranche und nicht aus der Rohstoffindustrie.
23
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
Total Asset Allokation
Die Netto-Long-Positionen erreichten im November 2009 mit 240.000 Kontrakten ebenfalls ein Rekordniveau. Die Terminkurve impliziert ab Dezember
2010 einen stärkeren Anstieg des Goldpreises.
Eine alte Regel erfolgreicher Investoren lautet, dass man vorsichtig sein
muss, wenn Taxifahrer und Hausfrauen über Aktien oder Rohstoffe als Anlagetipps reden, denn dann ist die Party bald vorbei und die Korrektur nahe.
Tatsächlich wird die Party wahrscheinlich noch eine Weile weitergehen. Denn
nach wie vor herrschen Unsicherheiten hinsichtlich einer dauerhaften Erholung der Volkswirtschaften von der globalen Krise. Die Liquidität ist enorm
und die Möglichkeit theoretisch existent, dass die Inflation wieder zunimmt.
Wer hier erst jetzt einsteigen will, sollte zumindest aufpassen. Sobald der
Trend gebrochen ist, wird die Korrektur heftig ausfallen, wie dies bei Rohstoffen immer der Fall ist. Bitte stellen Sie sich in dieser Anlageklasse nie gegen
den Trend!
Zu – zumindest kurzfristigen – Preissteigerungen könnten folgende Faktoren
führen: Die geförderte Menge an Gold ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Im Jahr 2009 dürften weniger als 2.400 Tonnen gefördert
werden und damit rund 10 % weniger als noch vor 8 Jahren. Außerdem hat
sich mit den Gold-ETFs eine neue Nachfragegruppe am Markt etabliert, die
seit Jahresanfang immerhin 550 Tonnen Gold gekauft hat. Und schließlich
zeichnet sich ab, dass die Notenbanken von der Angebotsseite auf die Nachfrageseite wechseln.
Rohöl
24
Rohöl hat zwar kein neues Rekordniveau erreicht (dazu ist noch viel „Platz“),
ist aber so teuer wie seit einem Jahr nicht mehr. In der Spitze notierte WTI
bei rund 80 USD je Fass und liegt aktuell nur knapp darunter. Geschmiert
wird der Preis unter anderem durch den US-Dollar. Denn nach wie vor besteht der Zusammenhang, dass Öl teurer wird, wenn der US-Dollar abwertet
und billiger wird, wenn er aufwertet. Wie auch bei Gold beurteilen vor allen
die Händler aus dem Finanzbereich (also die nicht-kommerziellen) die Perspektiven für Öl als Investition immer optimistischer. Die Netto-LongPositionierung, hierfür ein guter Gradmesser, wurde immer weiter ausgebaut
und reicht fast wieder an das Rekordhoch vom Sommer 2007 heran. Allerdings sind die Lagerbestände in den USA (in Cushing/Oklahoma) noch so
hoch, dass eine Verknappung nicht auf der Hand liegt. Jüngst hatten sich die
Bestände etwas verringert, allerdings kann man auf diesem Niveau noch
nicht von knappheitsgetriebenen Preisen sprechen. Was man jedoch mit in
den Ölpreis einrechnen sollte, ist die saisonbedingte Angst vor Wirbelstür-
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Total Asset Allokation
men im Golf von Mexiko. Gerade erst wurde der riesige Louisiana Offshore
Oil Port aus Angst vor der Zerstörungskraft des Hurrikans Ida geschlossen.
Die erst kürzlich regulierten Preise für Diesel und Benzin in China stehen
erneut vor einer Anhebung. Damit könnten die dortigen Treibstoffpreise ein
neues Rekordniveau erzielen. Dadurch wird sich wahrscheinlich die chinesische Ölnachfrage verringern – und damit die Ölimporte. Sollte der Angstaufschlag für die Hurrikane nach Auslaufen der Wirbelstürme wieder verschwinden (unterstellt, dass die Stürme keinen großen Schaden angerichtet haben),
ist es wahrscheinlich, dass der Ölpreis wieder sinkt.
Im Oktober erreichten die chinesischen Ölimporte mit durchschnittlich 4,55
Mio. Barrel pro Tag (mbpd) den zweithöchsten Wert nach den Rekordimporten vom Juli (4,62 mbpd). Gegenüber dem Vorjahr ergab sich ein Plus von
fast 20 %. Viele Anleger und Trader folgern daraus, dass der Preis steigen
muss. Allerdings haben die Chinesen es immer wieder verstanden, den Markt
auszutricksen, indem sie ihre Importe kleinredeten und ihren Energiehunger
leugneten. Als die Preise fielen, kauften sie in großen Mengen ein, denn
Chinesen sind gute Händler. Solche Meldungen sollte man also nicht unbedingt kritiklos interpretieren.
Industriemetalle
Industriemetalle haben in diesem Jahr eine beeindruckende Entwicklung
hingelegt. Allein Kupfer (als typisches Konjunkturmetall) verteuerte sich um
über 130 %! Die Notenbanken (vor allem die Fed) halten erst einmal an ihrem
Kurs der Niedrigzinspolitik fest. Historisch betrachtet gingen Zinserhöhungszyklen häufig einher mit anziehenden Metallpreisen. Dies liegt auch auf der
Hand, denn Leitzinsen werden in der Regel dann angehoben, wenn eine
Wirtschaft wächst und damit auch die Inflationsgefahren steigen. Eine Zinswende ist derzeit wohl noch nicht in Sicht. Allerdings muss man gleichzeitig
feststellen, dass Verteuerungen um mehr als 100 % bedeuten, dass ein
Großteil der Konjunkturerhöhung schon vorweggenommen wurde. Und dieser
Anstieg läuft nicht parallel zu den Fundamentaldaten. Haben sich doch genau
zu dem Zeitpunkt, an dem der Kupferpreis von 6.000 auf 6.500 USD je Tonne
gestiegen ist, die Lagerbestände um 100.000 Tonnen erhöht
Fazit Rohstoffe
Rohstoffmärkte sind im Jahr 2009 stark gestiegen und könnten noch weiter
laufen. Allein die große vagabundierende Überliquidität in der Finanzbranche
spricht für weiter steigende Rohstoffpreise. Allerdings gibt es bei Gold, Öl
und Metallen durchaus Anzeichen, dass der breite Kursanstieg bald ins
Stocken geraten könnte. Denn die Fundamentaldaten zeigen zum Teil deutlich, dass nicht alle Preisniveaus berechtigt sind. Wer also derzeit eine Alter25
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
Total Asset Allokation
native zu Aktien sucht, sollte bei Rohstoffen nicht blind hoffen, dass die
Preise weiter steigen. Wenn der Trend dreht, dreht er sehr rigoros.
Anlagestrategie Immobilien
Aufgrund der nach wie vor angespannten konjunkturellen Lage werden die
Immobilienmärkte auch in 2010 noch schwierig bleiben. Die tatsächliche
Entwicklung dürfte jedoch besser sein als die oft noch sehr pessimistischen
Prognosen.
Vor allem sollten sich – im Gegensatz zum Jahr 2009 – die Einflüsse des
Kapitalmarktes in Grenzen halten, auch wenn einige Immobilienfonds sich
noch immer des Instruments der Rücknahmeaussetzung bedienen (müssen).
Für das kommende Jahr hingegen sind die Einflüsse des Transaktionsmarktes
bedeutender. Die Renditen haben im langfristigen Vergleich wieder ein recht
hohes Niveau erreicht, sind aber aufgrund weniger Transaktionen sehr invalide. Die Aussichten bezüglich einer Normalisierung des Marktes sind besser
geworden, obgleich bis dahin noch einige Zeit vergehen sollte. Die Transaktionen werden daher vorerst, auch aufgrund des nach wie vor sehr teuren
Fremdkapitals (niedriger Zins, aber hohe Risikoaufschläge), verhalten bleiben
bzw. die Renditeniveaus werden sich insgesamt nur gering verändern. Die
Angst vor so genannten Notverkäufern (Distressed Sellers) in Europa, die
einen eventuellen Preisdruck auslösen, wird übertrieben. Diese Verkäufer
traten bisher nur sehr vereinzelt auf, ein wirklicher Markt existiert dafür
nicht. Auch Schnäppchenjäger werden in 2010 eher Enttäuschungen erleben,
denn die Preisvorstellungen der Verkäufer waren / sind immer noch sehr
hoch.
Stadt
London Westend
London City
Paris
Frankfurt
Moskau
Stuttgart
Düsseldorf
Berlin
Hamburg
St. Petersburg
Miete Veränderung
qm/Jahr
Q3/09 zu
Q3/08
883 €
-30,2 %
530 €
-25,0 %
700 €
-15,7 %
420 €
-5,4 %
479 €
-63,2 %
216 €
2,9 %
270 €
0,0 %
246 €
-6,8 %
276 €
-2,1 %
410 €
-42,9 %
Quelle: Jones Lang LaSalle
Der Druck auf die Mietmärkte ist nach wie vor gegeben, die Mietentwicklung
im nächsten Jahr wird für eine Beurteilung von Anlagechancen ebenso wichtig wie die Dauer der Mietverträge und auch die Leerstandsentwicklungen.
Ein gutes Asset-Management (u. a. auch Mietmanagement) in Verbindung mit
einem effizienten Facility-Management kann hier eventuelle Abwertungen
verhindern.
Der Verfall der Mieten in den Nutzungsarten Büroimmobilien und Handelsimmobilien dürfte im zweiten Halbjahr 2009 seinen Tiefpunkt erreicht haben.
Notwendige Kapazitätsanpassungen wirken verzögert, weniger Neuvermietungen sind wahrscheinlich.
Dem gegenüber stehen höhere Mieten für Wohnimmobilien in Metropolregionen und für Einzelhandelsflächen und Shopping-Center in Toplagen.
26
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Total Asset Allokation
Büroimmobilienuhr 2. Quartal 2009
Verlangsamtes Beschleunigter
Mietpreis- Mietpreiswachstum rückgang
Beschleunigtes Verlangsamter
Mietpreis- Mietpreiswachstum rückgang
Stuttgart
Düsseldorf, Rom
Budapest, Luxemburg
Edinburgh, Lissabon, Prag
Amsterdam, Hamburg
Barcelona, Bukarest, Kopenhagen,
Istanbul, Mailand, München
Athen, Frankfurt, Helsinki, Lyon, Madrid
Oslo, Stockholm
Berlin, Dublin
Paris
Brüssel, St. Petersburg
London Westend, London-City, Moskau
Kiew
Warschau
Quelle: Jones Lang LaSalle
In 2010 werden von den professionellen Anlegern in Summe alle Teilmärkte
gespielt.
In Asien wird sich der Fokus auf Japan (stabile Marktverhältnisse) und Singapur konzentrieren, das dem Markt in einigen Regionen noch etwas hinterher
hinkt. In China hingegen sind bereits Überhitzungstendenzen festzustellen.
Grundsätzlich bietet Ost-Asien den Vorteil, dass flächenmäßige Erweiterungen möglich sind.
In Europa ist hingegen eine Substanzmehrung nur noch sehr partiell möglich.
Traditionell genießen die Kernmärkte Frankreich, Deutschland, Italien und
auch Großbritannien hohe Aufmerksamkeit. Für Neuinvestitionen ist es im
Königreich schon fast zu spät. Die Preise dort ziehen wieder an, das Investmentvolumen in London steigt spürbar. Im Büro- und Bankenviertel Canary
Wharf sind teilweise schon wieder Transaktionen zu unter 6 % Nettoanfangsrendite auszumachen. Spanien hingegen ist aufgrund struktureller Probleme
und zu hoher Mieten eher ein Randthema. In Deutschland nehmen die Transaktionen in Gewerbeobjekten wieder zu. Mögliche Belastungen aufgrund von
steigenden Leerständen und sinkenden Mieten sind in Deutschland geringer
als in anderen Ländern. Anleger in peripheren Lagen werden es schwer haben, da ein nochmaliges Sinken der Mieten in einer Größenordnung von 5 %
bis 6 % vom derzeitigen Niveau (bei Neuvermietungen) nicht ausgeschlossen
werden kann.
27
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
Total Asset Allokation
In Osteuropa genießen die traditionellen Stars (Polen, Tschechien, Ungarn)
hohe Beachtung, während bzgl. Moskau und anderen russischen Metropolen
immer noch Zurückhaltung geübt wird. Ursächlich dafür ist die Befürchtung
weiter sinkender Mieten.
Gemischte Signale kommen aus Amerika. Einerseits warnen Experten davor,
dass die Krise in ihrem Ursprungsland noch nicht vorbei ist, andererseits
werden alle nur verfügbaren Strohhalme wie Rettungsringe benutzt. Die
Beendigung des Sinkens des Case/Shiller-Indexes bzw. dessen leichte Erholung im letzten halben Jahr sind aber eher nur Hinweise auf erste Stabilisierungstendenzen im Markt für Häuser und Wohnungen. Ein echter Aufschwung sieht anders aus. Zumal, wenn man bedenkt, dass die Käufer von
Wohnimmobilien mit steuerlichen Anreizen bzw. Subventionen belohnt wurden, diese aber in Zukunft entfallen könnten.
Die derzeitigen Preisniveaus liegen aber immer noch deutlich über denen aus
dem Jahr 2000, dem letzten Jahr vor dem kometenhaften Anstieg. Wer dennoch ein Engagement bereits zu diesem Zeitpunkt anstrebt, sollte erstklassige Büro- und Gewerbeimmobilien in Top-Lagen bevorzugen. Besonderes
Augenmerk sollte auf die Ausgestaltung und Restlaufzeit der Mietverträge
gelegt werden.
Anlagestrategie Aktien
Weltwirtschaft
Das Tal der Tränen ist durchschritten, im kommenden Jahr wird für alle
Regionen wieder ein Wirtschaftswachstum prognostiziert. Deutliche Unterschiede gibt es allerdings hinsichtlich des erwarteten Ausmaßes. Mit einem
geschätzten Plus von 5 % schneidet die Region Asien/Pazifik (inkl. Japan) am
besten ab. Ohne die Berücksichtigung Japans liegen die BIP-Prognosen für
die Jahre 2009 und 2010 sogar bei 4,8 % und 7,4 %.
Wachstumsprognosen für
das Bruttoinlandsprodukt
(Stand: November 2009)
BIP % ggü. Vorjahr
Nordamerika
Westeuropa
Lateinamerika
Osteuropa
Asien / Pazifik
2008
2009e
2010e
0,4
0,6
4,2
4,2
3,8
-2,4
-4,0
-2,2
-5,7
1,1
2,7
1,0
3,4
2,3
5,1
Quelle: Consensus Economics
Der verbesserte wirtschaftliche Ausblick bildet ein tragfähiges Fundament für
den Aktienmarkt. Faktoren, die aus unserer Sicht noch wichtig sind, wollen
wir im Folgenden beleuchten.
28
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Total Asset Allokation
Dubai wird kein neues
Schreckgespenst
Konjunkturpakete
Sind die Zahlungsschwierigkeiten des Emirats Dubai das nächste große
Schreckgespenst für die Finanzmärkte? Nachdem der Staatskonzern Dubai
World sowie das Tochterunternehmen Nakheel Ende November um einen
Zahlungsaufschub gebeten haben, reagierten die weltweiten Börsen mit
deutlichen Kursrückgängen. Aus unserer Sicht sollte diese Nachricht, die
zudem keinen neuen Sachverhalt darstellt, nicht überbewertet werden. Auch
in der Vergangenheit war die Finanzkraft des großen Bruders Abu Dhabi
schon eine Stütze für Dubai. Wichtiger aus unserer Sicht ist, dass die sehr
ambitionierten und oftmals auch auf Glanz angelegten Projekte anhand etwas
realistischerer Kriterien beurteilt werden.
Was unterscheidet Dubai von Abu Dhabi? Die Erdölvorkommen in Dubai sind
deutlich geringer als im Nachbar-Emirat. Schätzungen zufolge sind diese
zwischen 2015 und 2030 bereits erschöpft. Dubai hat damit deutlich früher
und deutlich stärker auf die Karten „Tourismus“ oder „Drehkreuz der Welt“
gesetzt. Dieses Wachstum wurde in der Vergangenheit aber zu einem großen
Teil kreditfinanziert. Da die Auswirkungen der Wirtschaftskrise (z. B. weniger
Nachfrage nach Büroimmobilien) auch die arabische Welt getroffen hat,
leidet Dubai stärker als andere Zentren in dieser Region.
Rund um den Globus wurden im Jahr 2009 staatliche Konjunkturpakete
aufgelegt. Ziel der beschlossenen Maßnahmen war bzw. ist es, dem Nachfrageausfall entgegenzuwirken. Die gewählten Wege sind unterschiedlicher
Natur. So wurden Kaufanreize gesetzt (z. B. Abwrackprämie), der Staat trat
als Nachfrager auf (z. B. Investitionen in die Infrastruktur) oder der finanzielle
Spielraum für die Bürger wurde verbessert (z. B. Steuersenkungen). Ein Teil
der Projekte (z. B. Abwrackprämie) hat seine Wirkung bereits entfaltet. Von
diesen Maßnahmen ist somit kein Impulse für das Wirtschaftswachstum
mehr zu erwarten. Andere hingegen wurden im Kalenderjahr 2009 initiiert,
die Umsetzung steht aber noch aus. Hierzu gehören in einem großen Maße
auch die Infrastrukturinvestitionen. Ein Überblick über den Umfang der
staatlichen Konjunkturpakete zeigt die nachfolgende Grafik.
29
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
Total Asset Allokation
Absoluten Beträge der
Konjunkturprogramme
- in Klammern: Anteil am BIP
> USA
938 Mrd. USD (6,6 %)
> China
586 Mrd. USD (13,3 %)
> Japan
332 Mrd. USD (6,8 %)
Russland
3,0%
Korea
Deutschland 3,2%
4,2%
Japan
16,0%
USA
45,3%
> Deutschland 88 Mrd. USD (2,4 %)
> Korea
66 Mrd. USD (6,9 %)
> Russland
62 Mrd. USD (3,7 %)
China
28,3%
Quelle: Deutsche Bank
Hinzu kommen noch rund 4,5 Billionen USD an Wertberichtigungsbedarf
(IWF-Schätzung), die hauptsächlich der Steuerzahler aufbringt.
Konsument braucht
Sicherheit bezüglich seines
Arbeitsplatzes
Wie geht es mit dem privaten Konsum weiter? Ein Teil der durch die staatlichen Konjunkturprogramme getroffenen Maßnahmen zielt auf die Belebung
des Wirtschaftswachstums durch den privaten Konsumenten ab. Hierzu
zählen beispielsweise die Steuererleichterungen. Im Koalitionspapier von
CDU, CSU und FDP findet sich dementsprechend auch die Aussage „Mehr
Netto vom Brutto“ wieder. Die Steuergeschenke allein führen aber nicht zum
gewünschten Ziel. Für die Bürger ist es wichtig zu wissen, auch künftig noch
einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. Ein Blick auf die Arbeitslosenzahlen
verheißt hier nichts Gutes. Der in Deutschland gewählte Weg über Kurzarbeit
hat zwar dazu geführt, dass die Arbeitslosenzahlen weniger dramatisch als
befürchtet gestiegen sind. Eine Dauerlösung kann es aber allein schon deswegen nicht sein, da die Mittel für die Kurzarbeit vom Steuerzahler oder über
eine höhere Neuverschuldung des Staates aufgebracht werden müssen.
Die geringe Auslastung der Kapazitäten schmerzt die Unternehmen derzeit
sicherlich am meisten.
Kapazitätsauslastung in
Deutschland und den USA
(saisonbereinigt)
95
90
85
80
75
70
Deutschland
30
USA
Q4 2009
Q4 2005
Q4 2001
Q4 1997
Q4 1993
Q4 1989
Q4 1985
Q4 1981
Q4 1977
Q4 1973
Q4 1969
65
Quelle: Datastream
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Total Asset Allokation
Wie der vorherige Chart zeigt, sind die Produktionskapazitäten der Wirtschaft
in etwa so schlecht (USA) bzw. sogar noch schlechter (Deutschland) ausgelastet als zu Zeiten der Ölkrise (1970er-Jahre) bzw. der US-Sparkassenkrise
(1980er-Jahre). Dies bedeutet für die Unternehmen, dass hohe Fixkosten auf
geringere Stückzahlen umgelegt werden müssen. Um wieder kosteneffizienter zu arbeiten, müssen also entweder die Stückzahlen deutlich gesteigert
oder die Fixkosten gesenkt werden. Deutlich steigende Stückzahlen hieße
aber, dass in etwa eine Nachfrage auf Vorkrisen-Niveau wieder erreicht wird.
Dies ist aus unserer Sicht kurzfristig wenig wahrscheinlich. Um die Fixkosten
zu senken, können Produktionsstätten stillgelegt werden. Um diesen Schritt
werden die Gesellschaften nicht herum kommen. Er wird auch schon umgesetzt. Was sich in der Zukunft positiv auf die Gewinnmargen der Unternehmen auswirken sollte, hat volkswirtschaftlich gesehen aber auch seine Schattenseite. Die Schließung von Produktionsstätten wird nicht ohne den Abbau
von Arbeitsplätzen einhergehen. Bislang wurde in Deutschland zwar versucht,
diesem Problem über den Weg der Kurzarbeit zu begegnen. Allerdings glauben wir nicht, dass diese Maßnahmen ausreichend sind.
Bewertung
Wie sieht die Bewertung an den Aktienmärkten aus? Ein Blick auf die KursGewinn-Verhältnisse (KGV) der weltweit wichtigen Indizes zeigt, dass die KGV
auf Basis der 2010er bzw. 2011er Gewinnschätzungen noch durchaus auf
vertretbaren Niveau liegen.
KGV der weltweit
Index
wichtigen Indizes
Welt
USA
Japan
Europa
Deutschland
Frankreich
Asien
MSCI AC World
S&P 500
TOPIX
Euro Stoxx 50
DAX 30
CAC 40
MSCI Asia ex Japan
2009e
17,1
17,7
32,1
13,1
15,5
14,8
17,7
KGV
2010e
14,0
14,2
16,5
11,0
12,0
11,6
13,9
2011e
11,7
11,7
13,0
9,3
9,9
9,6
12,0
Quelle: IBES, Stand: November 2009
Gewinnschätzungen wurden
im mittleren zweistelligen
Prozentbereich reduziert
Um hinsichtlich der Güte der Kennziffer KGV eine Aussage machen zu können, muss die Frage erlaubt sein, wie verlässlich die im Markt befindlichen
Gewinnschätzungen sind. Sind diese zu niedrig, d. h. zu pessimistisch, was
die wirtschaftliche Entwicklung angeht, oder bereits wieder zu hoch, d. h. es
wird schon wieder so getan, als ob es nie eine Krise gegeben hätte? Letzteres kann aus unserer Sicht eindeutig verneint werden. Je nach Region erreichten die Gewinnschätzungen etwa im März 2008 ihre bisherigen Höhe31
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
Total Asset Allokation
punkte. Seitdem wurden die Prognosen sowohl für den S&P 500-Index als
auch den DJ Euro Stoxx 50-Index für die Jahre 2009 und 2010 um ca. 50 %
bzw. gut 40 % reduziert. Seit September 2009 ist eine Stabilisierung festzustellen, im November erlebten die Aufwärtsrevisionen ihren stärksten Anstieg
innerhalb der letzten fünf Jahre.
Aus unserer Sicht spiegeln die deutlich reduzierten Gewinnschätzungen viele
negative Aspekte – die es sicherlich auch gibt – bereits wider. Hier sind
exemplarisch die geringere Kapazitätsauslastungen oder eine teurere Refinanzierung zu nennen. Sollte die Krise jedoch keine zweite Runde drehen,
und davon gehen wir aus, rechnen wir nicht mit weiteren Reduzierungen bei
den Prognosen.
Entwicklung des Ölpreises
Der Ölpreis hat die Gewinn- und Verlustrechnungen in den letzten zwölf
Monaten um durchschnittlich 38 % entlastet.
60%
40%
20%
0%
-20%
-40%
-60%
Preisanstieg ggü. Vorjahr
02.12.2009
02.11.2009
02.10.2009
02.09.2009
02.08.2009
02.07.2009
02.06.2009
02.05.2009
02.04.2009
02.03.2009
02.02.2009
02.01.2009
02.12.2008
-80%
Durchschnittlicher Preisrückgang im letzten Jahr
Quelle: Datastream
Dieser positive Effekt ist für das kommende Jahr nicht zu erwarten. Selbst
wenn man davon ausgeht, dass für das gesamte Jahr 2010 das Barrel Öl
nicht mehr kosten wird als aktuell (Stand per 02.12.2009: 52,65 Euro), so
läge der durchschnittliche Preisanstieg bei ca. 20 %. Insbesondere im Vergleich der ersten zwei Quartale zeigt sich der Anstieg (siehe nachstehende
Grafik).
32
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Total Asset Allokation
Ein stabiler Ölpreis würde im
100%
Jahresdurchschnitt zu einem
80%
etwa 20 %-igen Preisanstieg
führen
60%
40%
20%
0%
Preisentwicklung ggü. Vorjahr
01.01.2011
01.12.2010
01.11.2010
01.10.2010
01.09.2010
01.08.2010
01.07.2010
01.06.2010
01.05.2010
01.04.2010
01.03.2010
01.02.2010
01.01.2010
-20%
Durchschnittlicher Preisanstieg ggü. 2009
Quelle: Datastream
Refinanzierung der
Unternehmen
Credit-Spreads für
Die Refinanzierung ist für die Unternehmen wieder einfacher geworden. Im
Kalenderjahr 2009 sind so viele Unternehmensanleihen wie noch nie zuvor
emittiert worden. Die Einengung der Spreads (siehe nachstehenden Chart)
zeigt zudem, dass der Risikozuschlag, den die Emittenten gegenüber Staatsanleihen lange Zeit zahlen mussten, sich spürbar verringert hat.
5%
Unternehmensanleihen nach
Ratingklassen
4%
3%
2%
1%
0%
-1%
2001
2002
AA
2003
A
2004
2005
2006
2007
2008
2009
BBB
Quelle: Datastream
Profiteure im aktuellen
Wirtschaftsumfeld
Unsere detaillierte Einschätzung zu den einzelnen Branchen haben wir weiter
hinten beschrieben. An dieser Stelle wollen wir uns daher auf eine generelle
Betrachtung beschränken. Wie lauten die großen Themen? Es fällt uns
schwer, das Megathema zu identifizieren. Wir glauben vielmehr, dass es ein
bunter Strauß an Themen sein kann, die mal mehr oder mal weniger im
Blickpunkt der Investoren stehen. Hierbei könnte es sich aus unserer Sicht
um folgende Themen handeln:
33
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
Global Asset Allokation
1. Emerging Markets:
stehen weiterhin für Wachstum und machen den Industrienationen immer
mehr Konkurrenz
2. Liquidität:
steht bei den Unternehmen für Stabilität und Sicherheit, ermöglicht zudem
die Möglichkeit, attraktive Chancen zu nutzen
3. Infrastruktur:
Aufbau in den Emerging Markets, Ersatzinvestitionen in den Industrieländern
4. Energie:
die Umwelt soll über regenerative Energie geschützt werden, der
Verbrauch effizienter gestaltet und Ersatz für die endlichen Ressourcen
geschaffen werden
5. Sachwerte:
Schutz vor Inflation, Sachwerte sind Immobilien, Aktien oder auch Rohstoffe
In der nachfolgenden Tabelle haben wir für ausgesuchte Aktienindizes unsere
Erwartungen für das Kalenderjahr 2010 zusammengefasst:
Indexprognosen
DAX
EuroStoxx 50
S&P 500
PROGNOSE
Basisszenario
6.400
3.200
1.250
tiefst
5.200
2.500
970
höchst
6.600
3.300
1.300
IST
Aktienmärkte - 12-Monatsprognose
02.12.2009
5.782
2.878
1.109
Global Asset Allokation
Global Asset Allokation
34
Innerhalb der Global Asset Allokation legen wir fest, welche Regionen wir im
Aktienbereich für besonders chancenreich halten (übergewichten) und wo wir
derzeit eher etwas vorsichtiger sind (untergewichten). Die hier getroffene
Allokationsentscheidung kann auf den ersten Blick im Widerspruch zu den
beschriebenen konjunkturellen Erwartungen für ein Land oder eine Region
stehen. Dies resultiert aber beispielsweise daraus, dass wir von der Währungsseite mit einem positiven Performancebeitrag rechnen oder die Vergan-
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Global Asset Allokation
genheit gezeigt hat, dass der entsprechende Aktienmarkt in Krisen besonders stabil ist.
Unsere aktuelle Global Asset
Allokation sieht wie folgt aus:
Emerging
Markets
Japan 6,50%
5,00%
Amerika
31,75%
Nordamerika und Europa
übergewichten
Emerging Markets untergewichten
Europa
56,75%
Wir setzen derzeit bei der regionalen Gewichtung auf Nordamerika und Europa. Die Unterschiede zwischen diesen beiden Wirtschaftsräumen sind eher
marginal. Beide profitieren von einer wieder anziehenden Weltwirtschaft. Die
stabilen politischen Rahmenbedingungen sind in der noch etwas unsicheren
Gesamtsituation ein Plus.
Mittelfristig können wir uns zudem gut vorstellen, dass die Emerging Markets
wieder sehr interessant werden. Hierfür sprechen aus unserer Sicht folgende
Argumente:
1. An den Emerging Markets ist die Finanz- und Wirtschaftskrise zwar nicht
spurlos vorbei gegangen, im Vergleich zu den meisten Industrienationen
konnten diese Länder aber auch zuletzt noch ein positives Wachstum ausweisen.
2. Die Emerging Markets traten zuletzt den Beweis an, dass sie mittlerweile
ein größeres Eigenleben führen. Die frühere Abhängigkeit der Wirtschaft
dieser Länder von den USA, Japan oder Europa ist deutlich zurückgegangen. In einigen Ländern (z. B. China) gewinnen die Binnenmärkte immer
mehr an Bedeutung.
3. Insgesamt scheinen sich die aufstrebenden Volkswirtschaften rascher zu
erholen als die Industrieländer. Die expansiven monetären und fiskalpolitischen Maßnahmen wirken offensichtlich schneller.
Für die Emerging Markets sind wir insofern vorsichtiger gestimmt, als dass
diese Märkte seit Jahresbeginn eine sehr positive Performance erzielt haben.
35
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
Branchenstrategie
Japan untergewichten
Für die japanische Wirtschaft sind die geringsten Wachstumsraten zu erwarten. Die Bewertung der japanischen Aktienmärkte ist aus unserer Sicht nicht
attraktiv genug dafür, um dieses Defizit gegenüber den anderen Industrienationen ausgleichen zu können.
Branchenstrategie
Branchengewichtung
Den nachstehenden Grafiken können Sie unsere aktuelle Branchenallokation
entnehmen:
Basic
Materials
Consumer
Goods
Consumer
Services
Financials
HealthCare
Industrials
Oil & Gas
Technology
Telecoms
Utilities
Utilities
6,7%
Telecoms
6,5%
Technology
2,6%
Oil & Gas
10,2%
Chemicals
Basic Resources
Automobiles & Parts
Food & Beverage
Personal & Household Goods
Retail
Media
Travel & Leisure
Banks
Insurance
Financial Services
Real Estate
HealthCare
Construction & Materials
Industrial Goods & Services
Oil & Gas
Technology
Telecommunications
Utilities
0,50%
0,00%
-0,50%
0,50%
-0,25%
-0,25%
0,00%
-0,50%
-0,50%
0,50%
0,00%
0,00%
0,75%
0,25%
-0,40%
0,00%
-0,35%
-0,25%
0,50%
Basic Materials
9,4%
Consumer Goods
13,2%
Consumer Services
5,7%
Industrials
10,4%
Healthcare
10,1%
Financials
25,3%
Quelle: apoBank
In den folgenden Absätzen gehen wir auf die aktuelle Situation in den einzelnen Branchen genauer ein.
36
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Branchenstrategie
Übergewichten (50 Bp.)
Basic Materials
Chemie / Grundstoffe
Wenn eine Weltwirtschaft lahmt und weniger chemische Produkte oder
Vorprodukte verbraucht, fährt die Chemiebranche quasi gleich gegen die
Wand. Denn sie beliefert ja alle anderen Branchen mit Vor- oder Endprodukten. Daher hat die Chemie auch zu Beginn der Krise deutlich Federn lassen
müssen.
Die Ergebnisse des dritten Quartals im Jahr 2009 haben gezeigt, dass es
wieder leicht aufwärts geht. So stieg die Produktion gegenüber dem Vorquartal kräftig an, da sich im In- und Ausland die Nachfrage nach Chemikalien spürbar belebte. Hierbei profitierten alle Sparten von der Erholung der
Konjunktur. Die Folge war, dass sich die Kapazitätsauslastung der Anlagen
weiter verbesserte. Jedoch lag diese mit 77 % noch immer deutlich unter
dem historischen Branchendurchschnitt.
Wir erwarten, dass der konjunkturelle Boden der Weltwirtschaft mittlerweile
gefunden wurde. Allerdings sind wir von einer Erholung in „Vollgas-Manier“
weit entfernt. Dies bedeutet, dass die Produktion noch unter dem Vorjahresniveau bleibt und nur langsam steigen wird. Auch in Südostasien zieht das
Wachstum wieder an, was die Nachfrage nach Chemikalien weiter stabilisieren kann. Dennoch bleibt die Lage schwierig. Vom Produktionsniveau des
Jahres 2008 ist die Branche nach wie vor weit entfernt und wird es auch im
Jahr 2010 bleiben.
Der Preisverfall bei chemischen Produkten des ersten Halbjahres 2009 hat
sich im dritten Quartal nicht fortgesetzt. So stiegen die Chemikalienpreise
um 0,1 % an. Dieser Trend wird sich unserer Meinung nach auch im nächsten
Jahr fortsetzen.
Untergewichten (25 Bp.)
Consumer Goods
Automobil/Nahrungsmittel/Konsumgüter
davon Automobil
Untergewichten (50 Bp.)
Die internationale Automobilindustrie gehörte zu den Gewinnern der staatlichen Konjunkturpakete. Diese sind in den meisten Ländern mittlerweile aber
ausgelaufen, so dass die zusätzliche Nachfrage – insbesondere im Kleinwagensegment – wieder entfällt. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass ein
Teil der Nachfrage aus dem Jahr 2010 durch diese Maßnahme ins Jahr 2009
vorgezogen wurde. Demnach bleibt abzuwarten, ob der Nachfrageausfall nur
zeitlich nach hinten verschoben wurde. Die Gewinner (Anbieter von Kleinwa37
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
Branchenstrategie
gen) können somit zu den Problemkindern des nächsten Jahres werden.
Weniger stark betroffen dürften aus unserer Sicht die Premium-Hersteller
sein. Mit einer Erholung der Wirtschaft dürfte eine Stabilisierung der Absatzzahlen einhergehen. Zudem müssen die Konzerne bei Ihren Absatzzahlen nur
gegen die deutlich niedrigeren 2009er-Werte antreten.
Unter Wachstumsaspekten haben die Industrienationen für die Automobilhersteller deutlich an Bedeutung verloren. Die größten Stückzahlen werden
zwar nach wie vor mehrheitlich in diesen Ländern abgesetzt, aber für den
Münchener BMW-Konzern ist beispielsweise China mittlerweile als Absatzmarkt bedeutsamer als Länder wie Japan, Frankreich oder Italien. Die Konzerne reagieren auf diesen Trend mit der Entwicklung von Modellen, die den
speziellen Anforderungen der dortigen Kundschaft entsprechen.
davon Nahrungsmittel
Übergewichten (50 Bp.)
davon Konsum
Untergewichten (25 Bp.)
38
Die Hersteller für Nahrungsmittel müssen sich auch im kommenden Jahr auf
den Low-Cost Bereich konzentrieren. Markenhersteller dürften es schwer
haben, ihre doch guten Margen aufrecht zu erhalten. Der Volumenverkauf
der Produkte dürfte im Vordergrund stehen. Die international operierenden
Konzerne haben den Vorteil, dass sie ihre Produkte auch in den Emerging
Markets vertreiben können und von den Wachstumsraten in diesen Ländern
profitieren werden. Die aufstrebenden Länder werden der Wachstumsmotor
und der Gewinnbringer in 2010 sein, die Märkte der westlichen Industrieländer treten eher in den Hintergrund. Für die Emerging Markets werden in
2010 zweistellige Zuwachsraten des BIP erwartet, sie werden damit die
Zielländer für die Nahrungsmittelhersteller.
Die Konsumausgaben der Verbraucher werden sich in 2010 wohl auf das
Nötigste wie Nahrungsmittel, Benzin oder andere kurzlebige Verbrauchsgüter beschränken. Langlebige Güter dürften in der derzeitigen Wirtschaftslage
eher das Nachsehen haben. Diese Einschätzung resultiert aus der immer
noch zunehmenden Arbeitslosenrate. Gerade im „Konsumland“ USA, der
Konsum beträgt etwa 70 % am BIP, dämpft die anhaltende Freisetzung von
Angestellten die Kauflust. Gleichzeitig müssen die Konsumenten ihre Konsumentenkredite aus der Vergangenheit zurückführen. Somit wirken diese
Faktoren additiv dem Konsum entgegen. Zwar dürften die Zinsen niedrig
bleiben und damit die Tilgungsraten der Kredite höher ausfallen, jedoch wird
dies über das Jahr 2010 hinaus anhalten. Erst am Wendepunkt der Arbeitslosenrate wird auch die Konsumfreudigkeit wieder zunehmen.
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Branchenstrategie
Untergewichten (75 Bp.)
Consumer Services
Einzelhandel/Medien/Reise & Freizeit
davon Einzelhandel
Untergewichten (25 Bp.)
davon Reise & Freizeit
Untergewichten (50 Bp.)
Neutral gewichten (0 Bp.)
Im Einzelhandel werden die Erträge nicht über Preiserhöhungen zu erzielen
sein, wenn überhaupt nur über die Volumina der Produkte. Die Rohstoffbeschaffungskosten der Hersteller dürften ansteigen und damit der Spielraum
für die Einzelhändler zur Durchsetzung von günstigeren Einkaufspreisen eher
gering sein. Weiterhin könnten die Produktpreise, ex Nahrungsmittel und
Energie, durch die geringere Nachfrage der Endverbraucher sich eher noch
ermäßigen. Das wiederum wird die Margen der Einzelhändler unter Druck
setzen. Der Vorteil der günstigen Preise wird gegebenenfalls nur bei bestimmten Produktgruppen zu einer erhöhten Nachfrage führen. Das Jahr
2010 dürfte ein eher schwieriges Jahr für die Einzelhandelsbranche werden.
Die sich nur langsam erholende Weltkonjunktur dürfte auch in 2010 auf die
Gewinnerwartungen der Reise & Freizeit Branche drücken. Die Menschen
rund um den Globus werden auch weiterhin in Urlaub fahren/fliegen, aber
kürzer, individueller oder sich im eigenen Heimatland erholen. Damit dürfte
das Negativszenario des Jahres 2009 in 2010 fortgeschrieben werden. Der
Luftfahrtbranche selbst könnten die Kostensenkungsprogramme der Unternehmen ebenfalls weiter zu schaffen machen. Dienstflüge werden, wenn
überhaupt, nicht mehr in der Businessklasse, sondern in der Touristenklasse
durchgeführt. Und auch die angesammelten Meilen der Vielflieger-Programme der Fluggesellschaften werden eher für kostenlose Flüge und nicht mehr
für schöne Prämien verwendet. Erst bei einer nachhaltigen wirtschaftlichen
Erholung werden auch die Aussichten für die Reise & Freizeit-Branche wieder
besser.
Financials
Banken/Finanzdienstleister/Versicherungen
davon Banken
Untergewichten (50 Bp.)
Für die Banken dürfte 2010 ein schwieriges Jahr werden. Sie belegen im
Sektor Titans-Index – einem globalen Aktienindex (ohne VR China) – inklusive der Finanzdienstleister (ohne Versicherungen) mit einer Börsenkapitalisierung von fast 1.700 Mrd. Euro klar den 1. Platz vor der Technologiebranche
mit knapp 1.200 Mrd. Euro. Der größte Sektor bleibt wohl gleichzeitig der
anfälligste, auf jeden Fall der am schwersten kalkulierbare. Solange Bilanzkosmetik im großen Stil betrieben wird oder werden muss, weiß niemand,
was die Banken de facto verdienen. Die Stimmung der Politik und Wirtschaft
ist klar gegen die Institute („Zerschlagungsdiskussionen“, Regulierungskon39
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
Branchenstrategie
zepte, Boni-Debatten). Daher versuchen die Paketempfänger schnell mit aller
Macht Staatshilfen zurückzuzahlen, um sich aus der staatlichen Umklammerung zu befreien. Das könnte 2010, wie bereits in diesem Jahr, erneute
Mammut-Kapitalerhöhungen zur Folge haben, mit denen die Hilfen zurückgezahlt werden. Im operativen Geschäft gibt es wenig identifizierbare Gewinntreiber. Aktuell gehen die Banken wieder voll aufs Risiko und scheuen weiter
das Kreditgeschäft („Kreditklemme“). 40 % der Kredite (US-Werte) werden
untereinander im Sektor vergeben. Das Gros der erneut sprudelnden Erträge
wird wie vor der Krise im volatilen Investmentbanking verdient (neue Finanzprodukte sind stark im Kommen) oder es sind bilanzielle Scheingewinne mit
Bewertungshintergrund. Die revitalisierten Vertriebsoffensiven sind wieder
voll im Gange. Daneben wird dem Kostensparen eine unverändert hohe
Priorität eingeräumt. Auf Dauer erweist sich diese einseitige kapitalmarktabhängige Geschäftsstrategie als gefährlich. Andere Ertragsquellen, wie z. B.
Finanzierungsgeschäfte im Bereich der permanent ansteigenden Staatsverschuldung, werden derzeit wenig diskutiert. Was ist bei den Bankaktien zu
erwarten? Zwar schätzen die meisten Analysten basisbedingt für 2010
deutlich höhere Gewinne bei den Banken und gehen vielfach von erneuter
Dividendenfähigkeit aus. Überzeugende Argumente für diesen Optimismus
fehlen allerdings. Auch Josef Ackermann zweifelt ebenso an der Erreichbarkeit seiner 25 % Return on Equity-Marke. Daher dürften per saldo die Kurse
der Bankaktien eher unter Druck geraten.
davon Versicherungen
Übergewichten (50 Bp.)
40
Der Versicherungssektor ist mit einer Börsenkapitalisierung von 450 Mrd.
Euro deutlich kleiner als der Bankensektor und belegt im Sektor Titans-Index
Platz 9 von insgesamt 18 Subindizes. Zwar macht der Sektor im Vergleich zu
den Vorjahren mehr negative Schlagzeilen, aber er bleibt in Relation zu den
Banken von der Finanzkrise nur marginal betroffen. Im Vergleich zum größten Sündenfall, der Beinahe-Pleite des US-Multis AIG, die mit 85 Mrd. USD
Staatsgeldern gerettet wurde, und den massiven Problemen bei einigen USAnleihenversicherern (Ambac), leidet kein großer Europäer unter der Last
der toxischen Wertpapiere. Deren Anteil in den Depots der deutschen Assekuranz beträgt knapp 3 %. Nur wenige große europäische Konzerne (z. B.
ING) benötigen Staatshilfe. Die Branche ist gut kapitalisiert (Solvabilität liegt
hierzulande deutlich über dem BaFin-Soll). Andererseits versäumte die
Assekuranz aus übertriebener Vorsicht, sich am Aktienmarkt zu engagieren
(Aktienquote knapp 5 %) und partizipiert nicht an der aktuellen Hausse.
Diesbezügliche zukünftige Verbesserung könnten von den neuen IFRSBilanzierungsvorschriften für Finanzinstrumente ausgehen, die langfristige
Aktienanlagen im Sektor begünstigen würden. Deutschen und kontinentalen
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Branchenstrategie
Lebensversicherern macht daneben das Niedrigzinsszenario zu schaffen,
weil sie bei einer Trendfortsetzung ihre Garantieverpflichtungen (deutscher
Garantiezins 2008 im Durchschnitt 3,6 %) kaum noch zu erfüllen imstande
sein werden. Zudem können potenzielle neue Rechtsprechungen (Rückkaufswert, Anwendung von MiFid auf die Branche) immer wieder störende
Auswirkungen haben. Die Sachversicherer arbeiten dagegen mit auskömmlichen Margen, und für die Rückversicherer wird an der diesjährigen Sturmfront eine Entwarnung gegeben. Grundsätzlich wird in 2010 in der ganzen
Branche mit einem moderaten Prämienwachstum und der Fortsetzung eingeleiteter Kostensenkungsprogramme – in Deutschland bleibt auf diesem
Gebiet die Munich Re, die gerade ihre Tochter ERGO saniert, der Vorreiter gerechnet. Die Bewertung der europäischen Versicherungsaktien soll sich
nach Analystenschätzungen in 2010 weiter verbessern, und das KGV bei den
Global Playern deutlich unter 10 fallen. Angesichts der eher fehlenden Ertragsfantasie ist dieser Optimismus jedoch mit Vorsicht zu genießen.
Übergewichten (75 Bp.)
HealthCare
Die Pharmaindustrie bereitet sich auf das neue Jahrzehnt vor. Die Herausforderungen an den Gesundheitsmärkten führten zu strategischen Neuausrichtungen mancher Konzerne, geprägt durch Übernahmen und Fusionen.
Die Diversifikation des Geschäftsmodells Pharma steht im Vordergrund.
Lücken in der Forschungs- und Entwicklungspipeline wurden mit der Einlizenzierung von Wirkstoffen aus der Biotechnologieindustrie oder Übernahmen mittlerer (Sanofi-Aventis/Zentiva) oder großer Wettbewerber (Pfizer/Wyeth; Merck/Schering-Plough) ausgeglichen.
Der weltweit führende Anbieter von Informationen und Dienstleistungen für
die Pharma- und Gesundheitsindustrie, IMS Health, erwartet für das nächste
Jahr ein weltweites Wachstum für den Pharmamarkt von 4 % bis 6 %. Die
globale durchschnittliche jährliche Wachstumsrate soll bis 2013 bei 4 % bis
7 % liegen. Bis 2013 soll der weltweite Umsatz von 825 Mrd. USD (2010) auf
975 Mrd. USD steigen. Die Wachstumsmärkte in den nächsten Jahren werden allerdings nicht die westlichen Industrieländer, sondern die Emerging
Markets sein, angeführt von China, das etwa 21 % zur globalen Wachstumsrate beitragen soll.
41
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
Branchenstrategie
Untergewichten (15 Bp.)
Industrials
Bau/Industrielle Güter & Dienstleistungen
davon Bau
Übergewichten (25 Bp.)
Die Wirtschaftskrise hat die Bauindustrie nachhaltig verändert. Weltweit
herrscht in der Branche eine unsichere Situation vor, die sich nicht vor
2011/2012 entspannen wird.
Das Bauleistungsvolumen in nahezu allen westeuropäischen Ländern ist in
2009 gesunken. Gleiches gilt auch für die osteuropäischen Ländern, deren
Output ebenfalls signifikant gefallen ist. Der Ausblick für 2010 in Europa ist
nicht viel besser. Auch im kommenden Jahr wird mit sinkenden Bauleistungen aufgrund zurückgehender Auftragseingänge gerechnet. Positiv ist jedoch, dass der Tiefpunkt in Westeuropa (Spanien, Großbritannien, Frankreich und auch Deutschland) bereits Ende 2009/ 2010 durchschritten wird.
Zudem haben sich Befürchtungen hinsichtlich einer hohen Rate von Stornierungen an Aufträgen nicht bewahrheitet.
Die öffentlichen Programme werden national fast immer mit Verzögerungen
umgesetzt. Der Nachfrageimpuls im öffentlichen Bau steht einem Rückgang
im Wirtschaftsbau aufgrund des Kosteneinspardrucks gegenüber. Es erscheint unwahrscheinlich, dass der Rückgang im Wirtschaftsbau von öffentlichen Aufträgen komplett aufgefangen oder überkompensiert werden kann.
Dies in Betracht ziehend, soll die europäische Bauleistung in 2010 um 1,5 %
sinken.
Obwohl die Preise für Neubauleistungen (egal welcher Art) nur moderat
gestiegen sind und somit kein echter Preisdruck auszumachen ist, mehren
sich erste Anzeichen, die auf einen schärferen Wettbewerb hindeuten. Da
sich die Inputkosten zeitnah verringern, sollte der Margendruck etwas nachlassen.
Dem sinkenden Ordereingang im Wirtschaftsbau stehen immer noch auf
einem hohen Level gefüllte Auftragsbücher entgegen.
Das Jahr 2010 sollte wegen der positiv wirkenden Konjunkturprogramme nur
zu einem leichten Abwärtstrend führen. Dem schlechteren Ausblick für den
Nicht-Wohnungsbau (Handelsbau und Industriebau) stehen positive Erwartungen bezüglich öffentlicher Bauten gegenüber.
Nach wie vor schwierig gestaltet sich die Finanzierung neuer und insbesondere großer Projekte. Darlehen werden vergeben, jedoch führen die unternehmensspezifischen Risikoaufschläge gerade für kleinere Unternehmen zu
42
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Branchenstrategie
oft unrentablen Gesamtprojektkosten.
Warum trotz des relativ ungünstigen Ausblicks eine Investition in ausgesuchte Unternehmen der Baubranche sinnvoll sein kann, macht ein Blick auf so
genannte Werttreiber deutlich, die nicht unbedingt originär zum Baugeschäft
gehören.
Noch mit der Baubranche in Verbindung gebracht werden Aspekte wie die
Ausweitung der Infrastrukturmaßnahmen mit öffentlichen Mitteln, auch im
Rahmen von Private-Public-Partnership-Projekten (PPP). Auch Wert steigernde Aspekte wie Ökologie, Nachhaltigkeit und energieeffizientes Bauen sind
unmittelbar einleuchtend.
Für Anleger ebenso wichtig sind die spezifischen und selektiven Ausrichtungen der Unternehmen und deren Produktmix. Der Trend geht dabei weg von
den originären Bauleistungen hin zu baunahen Dienstleistungen (wie z. B.
dem Facility-Management).
Die „kleine Welle“ an Privatisierungen von Betreiberprojekten, die mittlerweile bei den größten Bauunternehmen einen Löwenanteil der Gesamtleistung
ausmachen, zeigt, dass mit Börsengängen und Verkäufen Barmittel generiert
werden können, die dann in neue oder ausbaufähige Betreiberprojekte
(Mautstraßen, Flughäfen usw.) investiert werden können. Da passt es gut,
dass bezüglich der Mautzahlungen im Pkw-Verkehr wieder steigende Einnahmen erwartet werden und im Güterverkehr (Lkw) sich die Einnahmensituation nach dem Tiefpunkt in 2009 ebenfalls besser entwickeln sollte bzw.
zumindest mit einer Stabilisierung gerechnet wird.
davon Industrielle Güter &
Dienstleistungen
Untergewichten (40 Bp.)
Die World Steel Association hat im Oktober 2009 ihren Bericht über den
globalen Stahlmarkt veröffentlicht. Der wirtschaftlichen Situation entsprechend wird für das Jahr 2009 mit einem Rückgang beim Stahlverbrauch im
hohen einstelligen Prozentbereich gerechnet. Einzig die asiatische Region
soll noch ein kleines Plus ausweisen. Für das kommende Jahr sehen die
Prognosen jedoch schon wieder positiver aus. Weltweit soll das Wachstum
bei knapp 10 % liegen. Der stärkste Anstieg (+17 %) wird für die NAFTAStaaten vorhergesagt. Die wieder anziehende Nachfrage wird bei den StahlUnternehmen zu einer besseren Auslastung führen und sollte sich positiv auf
die Gewinnmargenentwicklung auswirken.
Logistik-Konzerne gelten als Indikatoren für die Wirtschaftsentwicklung. Eine
anziehende Wirtschaft lässt die Umsätze in der konjunktursensiblen Branche
umgehend steigen. Bislang waren die Äußerung der Branchengrößen wie
43
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
Branchenstrategie
UPS, FedEx oder der Deutschen Post DHL aber eher verhalten. Jedoch ist es
den Konzernen trotz deutlicher Umsatzrückgänge gelungen, im operativen
Geschäft weiter profitabel zu arbeiten.
Der europäische Flugzeugbauer Airbus geht in seiner jüngsten Marktprognose davon aus, dass in den nächsten 20 Jahren der Bedarf an rund 25.000
Passagier- und Frachtflugzeugen im Wert von gut drei Billionen US-Dollar
besteht. Als Gründe für die steigende Nachfrage führt das Management
beispielsweise die Weiterentwicklung der Streckennetze der Airlines, die
Expansion des Low-Cost-Sektors sowie die Ablösung älterer, weniger effizienter Flugzeuge durch ökoeffizientere neue Modelle an. Diesem langfristig
beruhigenden Ausblick stehen aktuell jedoch andere Entwicklungen entgegen. Bestellungen werden zeitlich gestreckt, und die Nachfrage nach großen
Flugzeugen – wie z. B. dem A380 – nimmt ab. Zudem kämpfen sowohl Airbus
als auch Boeing mit hausgemachten Problemen in der Entwicklung.
Neutral gewichten (0 Bp.)
Oil & Gas
Die großen Ölkonzerne haben in den letzten Quartalsergebnissen ein ordentliches Minus ausweisen müssen. Grund ist die Tatsache, dass der Ölpreis auf
Jahressicht deutlich gefallen ist. Hinzu kommt ein Umstand, mit dem die
ganze Branche zu kämpfen hat: Die geförderten Mengen sinken. Es wird
immer schwieriger, neue Ölvorkommen zu finden und vor allem dann auch zu
fördern. Neue Funde liegen zunehmend in den Tiefseeregionen fernab der
Küsten. Die Ausbeutung dieser Lagerstätten ist mittlerweile ein große technische Herausforderung.
Wer in die großen Ölkonzerne investieren möchte, sollte diejenigen wählen,
die auch im Auffinden neuer Reserven führend sind und deren gesamte
Fördermenge eher steigt als sinkt – so schwierig das auch ist. Da der Ölpreis
wie die anderen Rohstoffe auch ein Spielball der Aktienmärkte ist und in der
Verarbeitung („Downstream“) die Margen gering sind und dies auch im
nächsten Jahr bleiben werden, zählen Ölunternehmen unserer Meinung nach
nicht zu den Favoriten des Börsenjahres 2010.
Untergewichten (35 Bp.)
Technology
Die gute Nachricht zuerst: Gemäß Marktforschungsinstituten hat der Technologie-Sektor das Schlimmste hinter sich. Das Jahr 2009 soll als schlechtestes seit langem in die Geschichte eingehen. Im Vergleich zu diesem Jahr
prognostiziert z. B. Gartner für 2010 einen Umsatzzuwachs im gesamten
44
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Branchenstrategie
Sektor von beachtlichen 3,3 %. Doch vor übertriebenem Optimismus sei
gewarnt: Vor 2012 werden die Umsätze nicht mehr das Niveau wie vor der
Wirtschaftskrise (2008) erreichen.
Software
Der Softwaresektor soll im kommenden Jahr um 2,1 % wachsen. Diese gute
Zahl kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wiederkehrenden
Lizenzerlöse bei den meisten Anbietern auch in 2010 das Sorgenkind der
Geschäftsentwicklung bleiben sollten. Dies hat zum Einen damit zu tun, dass
der Abverkauf von mehr Lizenzen generell an eine Zunahme der Nutzer
(Angestellten) gebunden ist, was zumindest nicht für alle Regionen der Welt
zutreffen wird. Zum Anderen tragen viele Unternehmen noch nicht der Tatsache Rechnung, dass sich z. B. das verstärkt angebotene Lizenz- und DataWarehousing auf kundenexternen Servern aus diversen Gründen bisher nicht
durchgesetzt hat.
IT Services
Geschwindigkeit der Datenübertragung und Datengröße – dies sind die
beiden Stichworte bezüglich des Jahres 2010 im Mobil- und Festnetzsektor.
Besonderes Augenmerk wird der Einführung des schnellen mobilen Datenübertragungsstandards LTE (Long-Term-Evolution) beigemessen. Denn dieser
Standard wird zum ersten Mal weltweit einheitlich verwendet. Gleichzeitig
wird diese neue Übertragungstechnik eine weitere Konsolidierung am Anbietermarkt beginnend in 2010, aber auch darüber hinaus einleiten, da die
Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen sehr hoch sind.
Im Festnetzbereich geht der Trend hin zu optischen Übertragungsmedien
(Glasfaserkabel anstelle von Kupferdraht). Dafür wird eine zweistellige
Wachstumsrate prognostiziert.
Neue Trends im IT-Beratungsgeschäft sind nicht erkennbar. Während oder in
einer Rezession sind vor allem Beratungsleistungen um das Thema „Outsourcing“ zur Optimierung der Kostenstruktur gefragt.
Telco Equipment (Mobilfunkund Gerätehersteller)
Für den Subsektor wird ein Wachstum von stolzen 3,2 % (ohne Berücksichtigung des „grauen“ Marktes) in 2010 erwartet. Beachtet werden muss jedoch
dabei die Inhomogenität bzgl. der einzelnen Unternehmen: Während Geräte
von bspw. Apple und Dell zum Wachstum ein gutes Stück beitragen können,
gilt dies für Hersteller wie Sony-Ericsson, Motorola oder Nokia nicht oder nur
bedingt. Der Mobilfunkgerätemarkt wird auch im kommenden Jahr der mit
dem höchsten Verdrängungswettbewerb, dem größten Überangebot und
dem heftigsten Preiskampf bleiben. Langfristig vorstellbar wäre eine „Marktbereinigung“ durch ein Zusammengehen bzw. Aufgeben einiger Mobilgeräte45
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
Branchenstrategie
produzenten. Als Verkaufsschlager werden die smartphones angesehen.
Dabei machen sich vor allem Google und Nokia mit ihren unterschiedlichen
Betriebssystemen Konkurrenz, die zunehmend auch in preiswerteren Mobilfunkgeräten (bis 150 Euro) Anwendung finden und diese Geräte technisch
aufwerten.
Semiconductor (Halbleiter)
Dem Segment wird im kommenden Jahr ein deutlicher Turn-Around zugebilligt und ein Umsatzvolumen von ca. 222 Mrd. USD prognostiziert. Dies
würde gemäß ersten Schätzungen eine Zunahme um ca. 3 % bedeuten. Die
Schätzungen gehen konform mit dem Wachstum des Mobilfunkgerätesektors, der neben der Unterhaltungs-, der Fahrzeug- und der Sicherheitsindustrie einer der vier Hauptabnehmer von integrierten Chiplösungen ist.
Untergewichten (25 Bp.)
Telecoms
Die Branche nimmt mit einer Börsenkapitalisierung von etwa 850 Mio. Euro
im Sektor Titans-Index den Platz 3 ein. Seit mehr als einem Jahrzehnt gilt sie
aus Börsensicht als wenig beweglich. Zwar ist der Sektor einem starken
Wettbewerb ausgesetzt, dennoch hat sich an seiner oligopolistischen Marktstruktur seitdem nicht viel geändert. Wenige große Adressen aus Europa
(Vodafone, Telefonica, France Telecom und Deutsche Telekom) und aus
Übersee (America Mobile, AT&T, Verizon und China Mobile) teilen sich unverändert den Weltmarkt. Ebenso bleiben die wichtigsten Marktdaten seit
Jahren kaum verändert. Drei Hauptgeschäftsfelder (Festnetz, Mobilfunk und
Breitband), schwache Margen und niedriges Umsatzwachstum (3 % bis 5 %),
dagegen aber hohe Cashflow-Zuflüsse und sehr freundliche Dividendenrenditen (6 % bis 8 %) bei - durch verschiedene Sondereinflüsse bedingten - eher
volatilen Ergebnissen prägen das Bild des Sektors. In den vergangenen zwei
bis drei Jahren kamen rigide Kostensenkungsprogramme und Expansionsaktivitäten in den Emerging Markets (Osteuropa, Asien, Lateinamerika) hinzu,
die zum Ziel haben, den sich abzeichnenden Sättigungstendenzen in den
Industrieländern auszuweichen. Die Telekom-Aktien zählen trotz der unbestrittenen Substanzstärke generell zu den Verlierern der letzen Hausse. Sie
werden von den Großanlegern wenig beachtet. Analysten schätzen sie zwar
als dividendenträchtige Papiere, stufen sie aber gleichzeitig als wenig fantasiereich ein. Die vormals Kurs stimulierenden Fusionsgerüchte sind aktuell
im Sektor kein Thema. In 2010 dürfte sich an dieser defensiven Einstufung
der Sektortitel relativ wenig ändern, es sei denn, wir erleiden einen Börsencrash, und Anleger suchen wieder nach einem sicheren Hafen.
46
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Branchenstrategie
Übergewichten (50 Bp.)
Utilities
Die großen Versorger sind generell defensiv und glänzen nach wie vor mit
einer hohen Dividendenrendite. Die jüngsten Quartalsergebnisse zeigen,
dass die Branche in der Krise stabile Ergebnisse erwirtschaftet hat und dabei
ist, die Prognosen für 2010 hoch zu setzen. Viele Versorger haben international Unternehmen dazugekauft oder sind bedeutende Beteiligungen eingegangen. Damit sind sie weniger angreifbar und abhängig geworden. Diese
Unabhängigkeit wird sich im nächsten Jahr bezahlt machen. Viele Stromversorger haben sogar selbstbewusst eine Preiserhöhung zum Jahreswechsel
angekündigt. Dies taten sie fast zeitgleich, denn sie sind gesetzlich dazu
verpflichtet, Preisänderungen mit einer Frist von sechs Wochen zu veröffentlichen. Begründet wird dies in erster Linie mit dem Anstieg der Umlage nach
dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Diese klettert 2010 von aktuell 1,2
Cent auf 2 Cent. Damit werden die höheren Einspeisevergütungen bezahlt,
die für Windkraft und alternative Energie gewährt werden. Ein Grund des
Anstiegs ist ein Zuwachs an Ökokraftwerken. Die Branche rechnet mit einem
Wachstum der EEG-Strommenge von 74 Mrd. Kilowattstunden im Jahr 2009
auf über 90 Mrd. Kilowattstunden im Jahr 2010. Die Differenz entspricht der
Jahresstromerzeugung von zwei Kernkraftwerken. Diese Erzeugungsform
wird damit in der Tendenz weniger essenziell.
Vielen Branchen geht es schlechter als den Versorgern. Die Gewinne kommen zurück – schneller als ursprünglich erwartet. Vor allem können die
Gebühren erhöht werden, was anderen Branchen bisher verwehrt ist. Daher
sind wir der Meinung, dass man im Jahr 2010 mit Unternehmen der Versorgerbranche rechnen muss.
Studie abgeschlossen am 2. Dezember 2009
Verfasser: Klaus Niedermeier, Peter Wirth
47
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
TopTen-Aktienempfehlungen
TopTen-Aktienempfehlungen
Mit unseren TopTen-Aktienempfehlungen wollen wir Investoren eine Liste
an die Hand geben, die aus unserer Sicht eine gute Basis für ein Aktieninvestment im europäischen Raum darstellt.
Ein Auswahlkriterium für diese Liste ist – natürlich neben der zu erwartenden Performance der Einzeltitel – daher auch eine möglichst breite Aufstellung innerhalb der verschiedenen Branchen, um dem Diversifikationsgedanken Rechnung zu tragen.
Industrielle Güter & Dienstleistungen, CH0012221716
ABB ’R’
> Schwellenländer müssen in den kommenden Jahren ihre Stromnetze
massiv ausbauen, während in vielen Industrienationen in Nordamerika
und Europa die Modernisierung der Netze ansteht.
120
100
30
Dez 07
Jun 08
Dez 08
Jun 09
Dez 09
ABB 'R'
DJ STOXX 600 E - PRICE INDEX
Kennzahlen
Kurs (02.12.) in CHF
Hoch/Tief 52 Wochen
Marktkapitalisierung (Mio. EUR)
Free Float
18,85
22,20/12,83
29.062
100,0%
Bewertungskennziffern
EPS
Dividende
Umsatz (Mio. CHF)
EBITDA (Mio. CHF)
KGV
Div.-rendite
48
2008
1,43
0,45
34.912
5.213
13,2
2,4%
2009e
1,22
0,44
31.626
4.703
15,5
2,3%
2010e
1,05
0,43
30.238
4.159
18,0
2,3%
> Eine Studie des Edison Electric Institute zufolge müssen allein in den
USA in den nächsten zwanzig Jahren 880 Mrd. USD in das Stromübertragungs- und -verteilungsnetz investiert werden, um eine zuverlässige Versorgung aufrecht erhalten zu können.
> Der steigende Wettbewerbsdruck auf den Weltmärkten erfordert bei
den Industriekunden weitere Anstrengungen zur Effizienzsteigerung. Als
Anbieter von umfassenden Automationslösungen kommt ABB hier ein
tiefgehendes Verständnis von Industrieprozessen zugute.
> Auf Sicht von 12 Monaten halten wir ein Kursziel von ca. 22,50 CHF für
realistisch.
Analyst: Klaus Niedermeier
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
TopTen-Aktienempfehlungen
Versicherungen, DE0008404005
Allianz
> Die Allianz ist nur marginal in die aktuelle Finanzkrise verstrickt.
120
100
> Der Aufbau neuer Bankaktivitäten (Allianz Bank) im überschaubaren
Rahmen stimuliert.
20
Dez 07
Jun 08
Dez 08
Jun 09
Dez 09
ALLIANZ (XET)
DJ STOXX 600 E - PRICE INDEX
Kennzahlen
Kurs (02.12.) in EUR
Hoch/Tief 52 Wochen
Marktkapitalisierung (Mio. EUR)
Free Float
84,30
88,12/48,68
38.264
100,0%
Bewertungskennziffern
EPS
Dividende
Umsatz (Mio. EUR)
EBITDA (Mio. EUR)
KGV
Div.-rendite
2008
-5,43
3,50
92.500
0
-15,5
4,2%
2009e
9,72
3,86
87.107
6.488
8,7
4,6%
2010e
10,73
4,28
89.095
7.815
7,9
5,1%
> Die Bewertung des deutschen Marktführers (KGV, Umsatz zu Marktkapitalisierung) ist historisch gesehen sehr niedrig.
> Versicherungsaktien könnten 2010 die Bankaktien im Finanzsektor als
Börsen-Favoriten ablösen.
> Auf Sicht von 12 Monaten halten wir ein Kursziel von ca. 95 Euro für
realistisch.
Analyst: Dr. Viktor Heese
Telekommunikation, DE0005557508
Deutsche Telekom
> Die Deutsche Telekom erzielt sukzessive Erfolge auf dem Gebiet der
Kosteneinsparung.
120
100
40
Dez 07
Jun 08
Dez 08
Jun 09
Dez 09
DEUTSCHE TELEKOM (XET)
DJ STOXX 600 E - PRICE INDEX
Kennzahlen
Kurs (02.12.) in EUR
Hoch/Tief 52 Wochen
Marktkapitalisierung (Mio. EUR)
Free Float
10,35
11,54/7,93
45.118
68,3%
Bewertungskennziffern
EPS
Dividende
Umsatz (Mio. EUR)
EBITDA (Mio. EUR)
KGV
Div.-rendite
2008
0,34
0,78
61.666
19.459
30,4
7,5%
2009e
0,65
0,77
64.759
20.469
15,9
7,4%
2010e
0,71
0,78
63.348
20.081
14,6
7,5%
> Die Bonner bleiben wie in den Vorjahren wahrscheinlich auch in 2010
ein dividendenfreundlicher Konzern.
> Die Telekom-Aktie sticht bei der Bewertung vor allem durch ihre Cashflow-Stärke hervor.
> Die Expansion in Ost- und Südeuropa wird sich auf Dauer auszahlen.
> Auf Sicht von 12 Monaten halten wir ein Kursziel von ca. 11,50 Euro für
realistisch.
Analyst: Dr. Viktor Heese
49
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
TopTen-Aktienempfehlungen
Versorger, DE000ENAG999
E.ON
120
100
20
Dez 07
Jun 08
Dez 08
Jun 09
Dez 09
E ON (XET)
DJ STOXX 600 E - PRICE INDEX
Kennzahlen
Kurs (02.12.) in EUR
Hoch/Tief 52 Wochen
Marktkapitalisierung (Mio. EUR)
Free Float
27,24
30,47/18,19
54.507
100,0%
Bewertungskennziffern
EPS
Dividende
Umsatz (Mio. EUR)
EBITDA (Mio. EUR)
KGV
Div.-rendite
2008
0,68
1,50
86.753
13.453
40,1
5,5%
2009e
2,84
1,50
83.659
13.300
9,6
5,5%
2010e
2,95
1,59
86.851
14.192
9,2
5,8%
120
100
Jun 08
Dez 08
Jun 09
Dez 09
HOCHTIEF (XET)
DJ STOXX 600 E - PRICE INDEX
Kennzahlen
Kurs (02.12.) in EUR
Hoch/Tief 52 Wochen
Marktkapitalisierung (Mio. EUR)
Free Float
52,40
59,52/20,93
3.668
64,9%
Bewertungskennziffern
EPS
Dividende
Umsatz (Mio. EUR)
EBITDA (Mio. EUR)
KGV
Div.-rendite
50
Analyst: Frank Roggow
Bau, DE0006070006
HOCHTIEF
10
Dez 07
> Dank der breiten internationalen Aufstellung – E.ON hat in Russland,
Italien, Spanien und Frankreich Beteiligungen hinzugekauft - ist der
Konzern von der Krise weniger stark betroffen als andere Unternehmen.
> Die Stromerzeugung aus Offshore-Windkraft soll bis zum Jahr 2015
verdreißigfacht werden, womit man sich bewusst gegen die Skeptiker
der Branche stellt. Außerdem baut E.ON zwei Solarthermie-Kraftwerke
in Südspanien und investiert rund 550 Mio. Euro.
> Die Düsseldorfer weichen in ihrem Gasgeschäft von den langfristigen
Lieferverträgen mit Russland, Norwegen und den Niederlanden ab, da
immer mehr Marktanteile verloren gehen. E.ON-Ruhrgas wird sich künftig vielmehr aus kurzfristig verfügbaren Mengen bedienen.
> Auf Sicht von 12 Monaten halten wir ein Kursziel von ca. 35 Euro für
realistisch.
2008
2,52
1,40
19.103
703
20,8
2,7%
2009e
2,54
1,43
18.543
822
20,6
2,7%
2010e
2,80
1,50
18.530
849
18,7
2,9%
> HOCHTIEF ist von der Krise in Dubai nur wenig betroffen. Ausstehende
Forderungen belaufen sich nach Konzernangaben auf unter 12 Mio. Euro. Die Beteiligung Al Habtoor ist überwiegend in Abu Dhabi und Katar
engagiert.
> HOCHTIEF hat über Tochterfirmen weltweit diverse Aufträge gewinnen
können und setzt damit den bereits seit über einem Jahr anhaltenden
Trend einer stetigen Auftragsgenerierung fort.
> Innerhalb des Leistungsspektrums besitzen in Zukunft immer wichtiger
werdende Aspekte wie umweltgerechtes Bauen oder Nachhaltigkeit bei
Erstellung und Bewirtschaftung von Gebäuden besondere Bedeutung.
HOCHTIEF ist im Dow Jones Sustainability-Index gelistet.
> Auf Sicht von 12 Monaten halten wir ein Kursziel von ca. 62 Euro für
realistisch.
Analyst: Sven Bartram
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
TopTen-Aktienempfehlungen
Versicherung, DE0008430026
Munich Re
> Die Restrukturierung der Tochter Ergo dürften zu deutlichen Kosteneinsparungen führen und sich somit positiv auf die Gewinnmargen auswirken.
120
100
40
Dez 07
Jun 08
Dez 08
Jun 09
Dez 09
MUENCHENER RUCK. (XET)
DJ STOXX 600 E - PRICE INDEX
> Ein für 2010 geplanter Rückkauf eigener Aktien bringt eine Bewertungsverbesserung.
Kennzahlen
Kurs (02.12.) in EUR
Hoch/Tief 52 Wochen
Marktkapitalisierung (Mio. EUR)
Free Float
105,62
122,26/81,03
20.849
100,0%
Bewertungskennziffern
EPS
Dividende
Umsatz (Mio. EUR)
EBITDA (Mio. EUR)
KGV
Div.-rendite
2008
7,48
5,50
41.570
0
14,1
5,2%
2009e
12,29
5,56
41.702
4.165
8,6
5,3%
> Für das Gesamtjahr 2009 wird ein Zuwachs des Nettogewinns um 64 %
erwartet.
2010e
13,52
5,79
43.707
3.912
7,8
5,5%
> Die Hurrikan-Saison war im Kalenderjahr 2009 schwächer als im Vorjahr. Hieraus resultieren geringere Belastungen.
> Auf Sicht von 12 Monaten halten wir ein Kursziel von ca. 120 Euro für
realistisch.
Analyst: Dr. Viktor Heese
Nahrungsmittel, CH0038863350
Nestlé
> Nestlé könnte ab Januar seine 52 %-ige Beteiligung an Alcon komplett
an Novartis veräußern, der Mittelzufluss läge bei 27,5 Mrd. US-Dollar.
120
100
40
Dez 07
Jun 08
Dez 08
Jun 09
Dez 09
NESTLE 'R'
DJ STOXX 600 E - PRICE INDEX
Kennzahlen
Kurs (02.12.) in CHF
Hoch/Tief 52 Wochen
Marktkapitalisierung (Mio. EUR)
Free Float
48,98
48,98/35,20
118.641
100,0%
Bewertungskennziffern
EPS
Dividende
Umsatz (Mio. CHF)
EBITDA (Mio. CHF)
KGV
Div.-rendite
2008 2009e 2010e
4,87
2,90
3,12
1,40
1,45
1,55
109.908 108.741 110.626
18.925 18.841 18.960
10,1
16,9
15,7
2,9%
3,0%
3,2%
> Der Konzern könnte mit dem frischen Kapital auch 2010 ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm finanzieren und/oder eine höhere Dividende im Folgejahr ausschütten.
> Im kommenden Jahr will Nestlé seinen Produkt/Preis-Mix aggressiver
vorantreiben, um weitere Marktanteile zu gewinnen.
> Sollte sich das Verbrauchervertrauen in 2010 besser entwickeln als
derzeit erwartet, würde das Flaggschiff der Nahrungsmittelindustrie
durch seine Konzentration auf margenstarke Marken überproportional
profitieren.
> Auf Sicht von 12 Monaten halten wir ein Kursziel von ca. 55 CHF für
realistisch.
Analyst: Dr. Uwe Färber
51
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
TopTen-Aktienempfehlungen
Gesundheit, FR0000120578
Sanofi-Aventis
> Durch den Schweinegrippeimpfstoff erlebt Sanofi derzeit eine „Sonderkonjunktur“ (Umsatzplus auch im 1. Quartal 2010 ca. 500 Mio. Euro).
120
100
40
Dez 07
Jun 08
Dez 08
Jun 09
Dez 09
SANOFI-AVENTIS
DJ STOXX 600 E - PRICE INDEX
Kennzahlen
Kurs (02.12.) in EUR
Hoch/Tief 52 Wochen
Marktkapitalisierung (Mio. EUR)
Free Float
52,79
53,57/39,41
69.480
81,0%
Bewertungskennziffern
EPS
Dividende
Umsatz (Mio. EUR)
EBITDA (Mio. EUR)
KGV
Div.-rendite
2008
2,94
2,20
27.568
10.379
18,0
4,2%
2009e
6,35
2,41
29.984
12.385
8,3
4,6%
2010e
6,40
2,52
29.494
12.041
8,2
4,8%
> Die Strategieänderung des Konzerns, unterstützt durch die Zukäufe von
6,2 Mrd. Euro in 2009, dürfte in den kommenden Jahren die Erträge
stabilisieren und die Patentabläufe der Blockbuster Taxotere, Plavix und
Lovenox weitestgehend kompensieren.
> Mit der Positionierung in den Schwellenländer und der Verbreiterung
der Generikapalette profitiert Sanofi von diesen Wachstumsmärkten,
bedingt auch durch das gestiegene Gesundheitsbewusstsein in diesen
Regionen.
> Der geplante Ausbau der Impfstoffsparte vermindert weiter die Abhängigkeit von einzelnen Medikamenten.
> Auf Sicht von 12 Monaten halten wir ein Kursziel von ca. 58 Euro für
realistisch.
Analyst: Dr. Uwe Färber
Technologie, DE0007236101
Siemens
120
100
30
Dez 07
Jun 08
Dez 08
Jun 09
Dez 09
SIEMENS (XET)
DJ STOXX 600 E - PRICE INDEX
Kennzahlen
Kurs (02.12.) in EUR
Hoch/Tief 52 Wochen
Marktkapitalisierung (Mio. EUR)
Free Float
67,57
69,00/38,36
61.773
89,3%
Bewertungskennziffern
EPS
Dividende
Umsatz (Mio. EUR)
EBITDA (Mio. EUR)
KGV
Div.-rendite
2008
1,91
1,60
77.327
5.965
35,4
2,4%
2009e
4,56
1,61
76.377
8.745
14,8
2,4%
2010e
4,53
1,64
74.216
8.243
14,9
2,4%
> Die Akquisition des israelischen Konzerns Solel Solar Systems für 418
Mio. USD (284 Mio. Euro) ist strategisch sinnvoll und komplettiert das
Angebot im Energiesektor (Solarthermie).
> Siemens forciert die konsequente Trennung nicht zum Kerngeschäft gehörender Beteiligungen (z. B. Hörgeräte-Sparte). Verkauft wurden bspw.
die Flugfeldbeleuchtung und die Sparte Electronic Device Manufacturing.
> Das Management hält das Erreichen der Jahres-Gewinnprognose für
sehr wahrscheinlich und will mindestens 6,6 Mrd. Euro erreichen. Der
prozentuale Umsatzrückgang soll weniger als die Hälfte des Sinkens
des weltweiten Bruttosozialprodukts betragen. Das Ziel, im Geschäftsjahr 2009/ 2010 Kosten von mindestens 1,2 Mrd. Euro einzusparen,
wurde bestätigt.
> Auf Sicht von 12 Monaten halten wir ein Kursziel von ca. 75 Euro für
realistisch.
Analyst: Sven Bartram
52
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
TopTen-Aktienempfehlungen
Telekommunikation, ES0178430E18
Telefónica
> Der spanische Telekomriese zählt zu den profitablen Titeln im Sektor.
120
100
> Die hervorragende Bewertung wird von einer exzellenten Dividendenrendite begleitet.
40
Dez 07
Jun 08
Dez 08
Jun 09
Dez 09
TELEFONICA
DJ STOXX 600 E - PRICE INDEX
Kennzahlen
Kurs (02.12.) in EUR
Hoch/Tief 52 Wochen
Marktkapitalisierung (Mio. EUR)
Free Float
19,64
19,65/13,69
92.430
87,2%
Bewertungskennziffern
EPS
Dividende
Umsatz (Mio. EUR)
EBITDA (Mio. EUR)
KGV
Div.-rendite
2008
1,63
1,00
57.946
22.919
12,0
5,1%
2009e
1,70
1,15
56.535
22.336
11,6
5,9%
2010e
1,85
1,34
57.496
22.560
10,6
6,8%
> Die Spanier bauen sukzessive ihre führende Position in Lateinamerika
aus.
> Die Ziele für 2010 sind sehr ambitioniert und sehen den Aufbau eines
flächendeckenden Mobilfunk- und Breitbandnetzes im Heimatland vor.
> Auf Sicht von 12 Monaten halten wir ein Kursziel von ca. 22 Euro für
realistisch.
Analyst: Dr. Viktor Heese
53
apoFokus
apoResearch Anlageinformation
Termine 2010
Termine 2010
Termine der Notenbanken
14. Januar 2010 EZB-Sitzung
8. Juli 2010 EZB-Sitzung
27. Januar 2010 FED-Sitzung
22. Juli 2010 EZB-Sitzung
4. Februar 2010 EZB-Sitzung
5. August 2010 EZB-Sitzung
18. Februar 2010 EZB-Sitzung
10. August 2010 FED-Sitzung
4. März 2010 EZB-Sitzung
2. September 2010 EZB-Sitzung
16. März 2010 FED-Sitzung
16. September 2010 EZB-Sitzung
18. März 2010 EZB-Sitzung
21. September 2010 FED-Sitzung
8. April 2010 EZB-Sitzung
7. Oktober 2010 EZB-Sitzung
22. April 2010 EZB-Sitzung
21. Oktober 2010 EZB-Sitzung
28. April 2010 FED-Sitzung
3. November 2010 FED-Sitzung
6. Mai 2010 EZB-Sitzung
4. November 2010 EZB-Sitzung
20. Mai 2010 EZB-Sitzung
18. November 2010 EZB-Sitzung
10. Juni 2010 EZB-Sitzung
2. Dezember 2010 EZB-Sitzung
23. Juni 2010 FED-Sitzung
14. Dezember 2010 FED-Sitzung
24. Juni 2010 EZB-Sitzung
16. Dezember 2010 EZB-Sitzung
Sonstige Termine
1. Januar 2010 Spanien übernimmt die EU-Ratspräsidentschaft
16. Januar 2010 Parlamentswahlen im Irak
27. bis 31. Januar 2010 Weltwirtschaftsforum WEF 2010
Mai 10 Parlamentswahlen in Großbritannien
9. Mai 2010 Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen
7. bis 23. Mai 2010 Eishockey-Weltmeisterschaft in Deutschland
11. Juni bis 11. Juli 2010 Fußball-Weltmeisterschaft der Herren in Südafrika
1. Juli 2010 Belgien übernimmt die EU-Ratspräsidentschaft
3. bis 25. Juli Tour de France
3. Oktober 2010 20. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands
1. November 2010 Einführung des elektronischen Personalausweises
54
Ausblick 2010 – Ein neuer Frühling?
Termine 2010
Hauptversammlungen der DAX-Unternehmen in 2010
21. Januar 2010 ThyssenKrupp
26. Januar 2010 Siemens
11. Februar 2010 Infineon Technologies
DE0007500001
DE0007236101
DE0006231004
1. April 2010 MAN
DE0005937007
9. April 2010 Merck KGaA
DE0006599905
14. April 2010 Daimler
DE0007100000
19. April 2010 Henkel KGaA
DE0006048432
22. April 2010 RWE
DE0007037129
22. April 2010 Volkswagen
DE0007664005
28. April 2010 Deutsche Post DHL
DE0005552004
28. April 2010 Munich Re
DE0008430026
29. April 2010 Deutsche Postbank
DE0008001009
29. April 2010 Deutsche Lufthansa
DE0008232125
29. April 2010 BASF
DE0005151005
29. April 2010 Beiersdorf
DE0005200000
30. April 2010 Bayer
DE0005752000
3. Mai 2010 Deutsche Telekom
DE0005557508
4. Mai 2010 Linde
DE0006483001
5. Mai 2010 Allianz
DE0008404005
5. Mai 2010 Metro
DE0007257503
6. Mai 2010 E.ON
DE0007614406
6. Mai 2010 Adidas
DE0005003404
11. Mai 2010 Fresenius Medical Care
DE0005785802
11. Mai 2010 K+S
DE0007162000 DE0005190003
18. Mai 2010 BMW
19. Mai 2010 Commerzbank
DE0008032004
27. Mai 2010 Deutsche Börse
DE0005810055
27. Mai 2010 Deutsche Bank
DE0005140008
8. Juni 2010 SAP
DE0007164600
8. Juni 2010 Salzgitter
DE0006202005
55
Deutsche Apotheker- und Ärztebank
Hauptverwaltung
apoResearch
Richard-Oskar-Mattern-Straße 6
40547 Düsseldorf
Telefon: (0211) 5998-0
Internet: http://www.apobank.de
V.i.S.d.P.:
Uwe Zeidler
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41468 Neuss
56
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