Wuppertal Institut: Jahrbuch 2004/2005

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ISBN 3-929944-68-5
Institut Arbeit
und Technik
Kulturwissenschaftliches
Institut
Wuppertal Institut für
Klima, Umwelt, Energie
GmbH
Wuppertal Institut
für Klima
Umwelt
Energie
Jahrbuch 2004/05
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
Döppersberg 19
42103 Wuppertal
Telefon: 02 02 /24 92-0
Telefax: 02 02 /24 92-108
Jahrbuch 2004/05
Wuppertal Institut
für Klima, Umwelt, Energie GmbH
Wissenschaftszentrum
Nordrhein-Westfalen
WISSENSCHAFTSZENTRUM NORDRHEIN-WESTFALEN
Wuppertal Institut für
Klima, Umwelt, Energie GmbH
Jahrbuch 2004/2005
Inhalt
Begrüßung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
Peter Hennicke
Chancen für einen ökologischen Strukturwandel .. . . . . . . . . . . . . . . . . 6
Oscar Reutter
Kooperationen mit Universitäten in Qualifizierung und Lehre .. . . . . . . . . 17
Forschungsgruppe 1
Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Forschungsgruppe 2
Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
© Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH
im Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen
Forschungsgruppe 3
Stoffströme und Ressourcenmanagement .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
Jahrbuch 2004/2005
Forschungsgruppe 4
Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
Herausgeber:
Redaktion:
Fotos:
Bildbearbeitung:
Layout:
Druck:
Wuppertal Institut
Dorle Riechert, Oscar Reutter
wenn nicht anders angegeben:
Sabine Michaelis, Hans Kretschmer, VisLab
Sabine Michaelis
Dorothea Frinker
Hitzegrad, Wuppertal, auf Öko-Art Matt 100% Recyclingpapier
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im Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen
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Wuppertal 2005
ISBN 3-929944-68-5
Querprojekte
Nachhaltigkeitsszenarien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
Globalisierung und Nachhaltigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
Ökosuffizienz und Lebensqualität .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
Büro Berlin .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
Bernd Brouns, Stefan Lechtenböhmer, Jochen Luhmann
„Kyoto plus“ – Strategien globaler Klimapolitik im 21. Jahrhundert .. . . . 57
Peter Hennicke
Impulse für die Ressourcenwende, qualitatives Wachstum
und mehr Arbeit .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
Kora Kristof, Christa Liedtke
Lessons Learned – Erfahrungen anderer Länder für das neue
deutsche Materialeffizienzprogramm nutzen .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111
Timo Busch, Christa Liedtke
Ressourcenproduktivität und Innovation in KMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119
Raimund Bleischwitz
Jenseits der Materialeffizienz: Die Neuordnung der
internationalen Rohstoffmärkte .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129
Stefan Bringezu
Einige strategische Aspekte zur Entwicklung eines wirtschaftsweiten
nachhaltigen Ressourcenmanagements . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137
Zu Gast beim Wuppertal Institut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153
Neuerscheinungen .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155
Veröffentlichungen Juni 2004 bis Juni 2005 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157
Das WI in Kürze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190
Liebe Leserin, lieber Leser,
willkommen beim Wuppertal Institut!
Wir freuen uns, Ihnen auch dieses Jahr ein Jahrbuch in der bewährten Form
anbieten zu können. Sie finden hier sowohl eine Rückschau auf ein Jahr interdisziplinärer Forschungsarbeit (Juli 2004 bis Juni 2005) als auch einen Blick
nach vorn, auf das, was wir uns vorgenommen haben und was wichtige Themen
in der Nachhaltigkeitsdiskussion sein werden. Im Vergleich zu den Ausgaben
der letzten Jahre haben wir jedoch viele Informationen, die Sie ohnehin aktuell
auf unserer Homepage www.wupperinst.org finden, zugunsten von mehreren
themenbezogenen Beiträgen herausgelassen.
Die Erfahrung zeigt, dass Recherche und Informationsbeschaffung inzwischen weitgehend über das Internet erfolgen. Inzwischen ist sogar die Zahl der
aus dem Internet heruntergeladenen Jahrbücher höher als die Druckauflage.
Wenn Sie also mehr über uns wissen möchten, zum Beispiel über Projekte,
Personen, Publikationen, besuchen Sie uns auf unserer Homepage! Und sollten
Sie daran interessiert sein, regelmäßig über die Aktivitäten des Wuppertal Instituts auf dem Laufenden zu bleiben, abonnieren Sie die WI-News auf unserer
Homepage: dieser E-Mail-Newsletter erscheint ca. vierzehntäglich.
Einen anschaulichen Eindruck von den Veranstaltungen, Vorträgen und
Gästen am Institut sollen Ihnen die Fotos dieser Jahrbuchausgabe vermitteln.
Dabei handelt es sich naturgemäß nur um einen bildhaften Ausschnitt unserer
vielfältigen Aktivitäten innerhalb der anwendungsorientierten Nachhaltigkeitsforschung. Wir forschen nicht im stillen Kämmerlein. Die Kommunikation
der Ergebnisse verstehen wir als Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung.
Als „lernendes Unternehmen“ sind wir auf den Austausch angewiesen. Sollten
Sie also Fragen oder Anregungen haben, erreichen Sie uns per E-Mail über
[email protected].
Vielen Dank für Ihr Interesse und viel Spaß bei der Lektüre!
Dorle Riechert
Öffentlichkeitsarbeit
Chancen für einen ökologischen Strukturwandel
Peter Hennicke
fähigen wirtschaftlichen Entwicklung kann die Bundesregierung die Rahmenbedingungen und positive Anreizstrukturen für einen ökologischen Strukturwandel schaffen. Die Konzepte und Strategien dafür liegen vor – der Aufschwung kann durch Klimaschutzinvestitionen beschleunigt werden.
Chancen für einen ökologischen
Strukturwandel
Das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls öffnet
Zukunftsmärkte
Das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls am 16. Februar 2005 markiert einen
historischen Schritt für den Klimaschutz. Seine Bedeutung liegt darin, dass die
überwiegende Mehrheit der Industriestaaten in einer „Koalition der ­Willigen“
eines der gravierendsten globalen Probleme gemeinsam anpacken will. Dabei
wird die zwischen 2008 und 2012 vorgesehene Begrenzung der Treibhausgasemissionen bei weitem nicht ausreichen. Doch kann das Inkrafttreten des
Protokolls gleichsam der Startschuss für eine Dynamik in Richtung eines
ökologischen Strukturwandels sein. Denn damit werden Rahmenbedingungen
gesetzt, die zusätzliche Anreize für Investitionen in Zukunftsmärkte im Bereich
Energieeffizienz und erneuerbare Energien setzen. Allerdings bedarf es zur
Zielerreichung des Kyoto-Protokolls und der darüber hinaus notwendigen GHGReduktionsmaßnahmen eines parallelen weltweiten Prozesses zur integrierten
und beschleunigten Marktentwicklung von Energieeffizienz und erneuerbaren
Energien. Dabei könnten multilaterale Absprachen und Selbstverpflichtungen
über Leitziele, Know-how- und Technologietransfer in ähnlicher Form statt­
finden wie beim Nachfolgeprozess der Renewables 2004. Allerdings sollten bei
der Umsetzung Programme und Projekte für Energieeffizienz und erneuerbare
Energien strategisch miteinander verbunden werden, um durch die billigeren
Optionen der Energieeffizienz die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten zu
minimieren und die Lernkurveneffekte bei den Erneuerbaren zu beschleunigen
und zu finanzieren (siehe auch Seite 101 ff.).
Konzepte und Strategien für diesen Wandel zu einer zukunftsfähigen Wirtschaft und Gesellschaft zu erforschen und zu entwickeln, ist der Gründungsauftrag des Wuppertal Instituts. Die Forschungsarbeiten der vergangenen vierzehn Jahre machen deutlich, dass die aus Klimaschutzperspektive kurz- und
mittel­fristig erforderlichen Emissionsminderungen in der Mehrheit der Industriestaaten wirtschaftlich umsetzbar sind.
Klimaschutz, der weit über die Ziele von Kyoto hinausgeht, kann sich
­doppelt lohnen: Im Sinne globalen Klimaschutzes, aber auch einer zukunfts­
Eine „Ökonomie des Vermeidens“ von unnötigem
Naturverbrauch aufbauen
Die ökologische Notwendigkeit sowie die technisch-sozioökonomische Realisierbarkeit einer drastischen Steigerung der Energie- und Materialeffizienz um
einen „Faktor X“ ist eine Leitidee, die die Forschung am Wuppertal Institut
seit gut einem Jahrzehnt inspiriert hat. Das Institut hat damit weltweit (insbesondere in Japan) Impulse gegeben und „Agenda Setting“ dafür betrieben,
die Voraussetzungen und Implikationen einer Abkopplung von Wohlstand und
Naturverbrauch einer wissenschaftlichen Analyse zu unterziehen. Das „Faktor
X“-Konzept ist der Versuch, die Komplexität der Wechselbeziehungen zwischen
Wirtschaftsentwicklung und Naturverbrauch auf eine für Entscheidungsträger
in Politik und Wirtschaft fassbare „Formel“ zu bringen und für quantitative
Analysen sowie für die Konzeptualisierung von Reduktionsstrategien zugänglich zu machen. In den neunziger Jahren war diese Analyse noch vorwiegend
ökologisch motiviert. Normative Argumentationen, die auf gleichen Nutzungsund Verschmutzungsrechten („ökologischer Imperativ“) aufbauten, prägten die
Diskussion. Anschauliche Hochrechnungen – etwa in der Form „vier Erdbälle
wären bei Verallgemeinerung des Lebensstils des Nordens auf mehr als 10 Milliarden Menschen notwendig“ – haben dazu beigetragen, dass die Notwendigkeit
einer drastischen Entkopplung von Wohlstand und Naturverbrauch heute wohl
kaum noch bestritten wird.
Aber ist dies auch möglich und gesellschaftspolitisch anschlussfähig? Die
Konzepte zur Steigerung der Ressourceneffizienz um den „Faktor X“ waren
zunächst mit den zentralen wirtschafts- und entwicklungspolitischen Herausforderungen im Norden (z.B. Eindämmung der Arbeitslosigkeit) und des Südens
„Faktor Vier“ (Weizsäcker/Lovins), „Faktor Zehn“ (Schmidt-Bleek) oder auch „Faktor
Acht“ (Yamamoto) sind dabei Formeln, die sich hinsichtlich Methodik (normativ,
szenarien­­gestützt), Zeithorizont (2030, 2050), Geltungsbereich (Mikro, Makro, Global),
Anwendungsbereich (Energie, Material, Fläche) unterscheiden. Sie alle verbindet
jedoch der Entkopplungsgedanke und die strategische Bedeutung einer Steigerung der
Ressourcen­effizienz.
Vgl. Misereor/BUND, Zukunftsfähiges Deutschland. Birkhäuser Verlag: Basel, Boston,
Berlin 1996.
Jahrbuch 2004/2005
(z.B. Armutsbekämpfung) wenig verbunden. Der auf dem World Summit on
Sustainable Development (WSSD) in Johannesburg im Jahr 2002 beschlossene
„Plan of Implementation“ und die vereinbarte Entwicklung von 10-JahresPlänen zum nachhaltigen Konsumieren und Produzieren zwingen allerdings
zukünftig dazu, diese Verbindung systematisch herzustellen. Denn es ist z.B.
in Deutschland wohl kaum mehrheitsfähig, einen 10-Jahres-Plan zum nachhaltigen Konsumieren und Produzieren zu konzipieren, der nicht gleichzeitig auch
einen insgesamt positiven Beitrag zur Beschäftigung ermöglicht. Insofern reicht
es nicht mehr aus, die ökologische Notwendigkeit eines Entkopplungsprozesses
zu begründen, wenn die ökonomischen (z.B. neue Geschäftsfelder, Beitrag zu
Innovationen und zur Kostensenkung) und sozialen (z.B. neue Erwerbsarbeitsplätze) Dimensionen nachhaltigerer Produktions- und Konsummuster nicht
gleichzeitig untersucht werden. Über ex post-Analysen des Energie-, Materialund Flächenverbrauchs hinaus müssen zukünftige integrierte Reduktionsstrategien konzipiert, Analysen über Hemmnisse und Steuerbarkeit eines reduzierten
Energie- und Materialverbrauchs durchgeführt und ein Instrumentenmix einer
neuen Energie- und Materialpolitik entwickelt werden.
Die Herausforderungen, die sich mit dem Inkrafttreten des Kyoto-­Protokolls
stellen, und die Chancen eines ökologischen Strukturwandels, einer „Ressourcenwende“, sind in jüngster Zeit besonders deutlich geworden und markieren
die Forschungsanstrengungen und Aktivitäten des Wuppertal Instituts. Beiden
Themen wird in diesem Jahrbuch besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Doch
zuvor einige Anmerkungen zu der wirtschaftlichen und konzeptionellen Entwicklung des Instituts im Berichtszeitraum.
Chancen für einen ökologischen Strukturwandel
projekte) und Spitzenwerte beim Drittmittelvolumen pro Vollzeitwissenschaftler sind Indikatoren für die Anerkennung des Instituts am hart umkämpften
Forschungsmarkt. Allerdings ist mit einer abermals sinkenden Grundfinanzierungsquote im Jahr 2006 eine „Schallmauer“ bei der Basisfinanzierung für ein
weltweit agierendes Forschungsinstitut erreicht. Die finanziellen Voraussetzungen für einen angemessenen Anteil marktunabhängiger Forschung werden
sonst in Frage gestellt. Auch der Internationale Beirat des Wuppertal Instituts
sieht mit Sorge, dass die drastischen Kürzungen der Landeszuwendungen in den
Jahren 2003 bis 2006 auf Dauer die Forschungssubstanz des Instituts aushöhlen
und seine auch im Ausland, z.B. in Japan, bei UNEP, dem Umweltprogramm
und anderen Organisa­tionen der Vereinten Nationen, anerkannte Kompetenz des
wissenschaftlichen „Agenda Setting“ in Frage stellen könnte. Dies würde auch
für den Forschungsstandort Nordrhein-Westfalen und für die Forschungskapazitäten im Bergischen Städtedreieck eine empfindliche Schwächung bedeuten.
Forschungsstrategisch hat das Institut durch die Evaluierung des Wissenschaftsrates im Jahr 2001 und durch die interne Qualitätskontrolle des Internationalen Beirats eine Reihe von grundlegenden neuen Impulsen erhalten.
Dies betrifft die Fokussierung seiner Forschungsfelder, die Etablierung von
Forschungspartnerschaften mit Wissenschaft und Wirtschaft, die Einrichtung
eines Doktorandenkollegs, die Qualitätskontrolle und die institutionalisierte
Neue Forschungsinitiativen am Wuppertal Institut
unter veränderten finanziellen Rahmenbedingungen
Im Berichtsjahr hat sich das Wuppertal Institut trotz weiterer einschneidender
Kürzungen bei der Grundfinanzierung erfolgreich weiterentwickelt. Das ist
einerseits dem Umstand zu verdanken, dass die seit dem 1. November 2003
gültige neue Forschungsstruktur Rationalisierungspotentiale, Synergien und
sektorübergreifende Forschungsinitiativen freigesetzt hat. Andererseits hat
das Institut aus der Not der gekürzten Grundfinanzierung versucht, mit einem
außergewöhnlichen Sprung vorwärts bei der Drittmittelakquise eine Tugend zu
machen. 80 Forschungsprojekte, ein Drittmittelvolumen von über 5,7 Mio. Euro
in 2005, Mitarbeit an spektakulären EU-weiten Forschungsverbünden (so z.B.
die Forschungsbegleitung für „Hychain“, eines der größten EU-Wasserstoff-
Am 13./14. Juni 2005 fand das jährliche Treffen des Internationalen Wissenschaftlichen Beirats des
Wuppertal Instituts statt. Prof. Lenelis Kruse, die neue Vorsitzende (3.v.l.), sagte zum Abschluss, dass das
Wuppertal Institut seinen Neukonzipierungsprozess sehr erfolgreich abgeschlossen habe und der Beirat
mit dem Fortschritt und den Ergebnissen sehr zufrieden sei. Der Beirat empfahl den Forschungsgruppen,
ihr Profil weiter zu schärfen und der Kommunikation von Projektergebnissen besondere Aufmerksamkeit
zu schenken. Er machte deutlich, dass eine stabile Grundfinanzierung Voraussetzung dafür sei, die Rolle
des Wuppertal Instituts im internationalen wissenschaftlichen Diskurs behaupten zu können. Die Zusammensetzung des Beirats erfahren Sie unter: http://www.wupperinst.org/Seiten/beirat.html
10
Jahrbuch 2004/2005
Chancen für einen ökologischen Strukturwandel
11
Kooperation mit Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen. Davon
profitiert auch die Drittmittelforschung des Instituts. Die Empfehlungen des
Wissenschaftsrates zielten jedoch auf ein Finanzierungsmodell des Wuppertal
Instituts mit einem angemessenen und eher steigenden Anteil der Grundfinanzierung und nicht auf eine noch unter der rot-grünen Landesregierung beschlossene 30-prozentige Reduzierung der Landeszuwendung für die Jahre 2003 bis
2006. Insofern sind auch einige Empfehlungen des Wissenschaftsrates, so z.B.
die stärkere Beteiligung unserer WissenschaftlerInnen an der Lehre oder die
gemeinsame Berufung und Besetzung von Leitungsfunktionen mit Professoren
zwar sehr erwünscht, aber unter den derzeitigen extremen finan­ziellen Restriktionen nicht erfüllbar.
Der Internationale Beirat (IAB) hat auf seiner Sitzung im Juni 2004 die
Neukonzipierung insgesamt recht positiv bewertet („Well under way“). Der
neu zusammengesetzte Internationale Beirat hat im Juni 2005 die weitere
Umsetzung wie folgt charakterisiert: „The IAB was most satisfied with the
results of the restructuring process.“ Das verdeutlicht eine Auswahl von Initiativen und Forschungsaktivitäten des Wuppertal Instituts im internationalen wie
regionalen und nationalen Bereich.
„International Centre on Sustainable Consumption and
Production“ (CSCP)
Foto oben: Auch die wissenschaftliche Debatte hat ihre humorvollen Seiten. Im Bild: Peter Hennicke,
Lenelis Kruse, Akio Morishima, Leena Srivastava und Hans G. Nutzinger.
Fotos unten von l.n.r.: Lenelis Kruse, Hagen, und Akio Morishima, Tokio – Joan Davis, Zürich, und
Thomas B. Johansson, Lund – Hans G. Nutzinger, Kassel.
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und das Wuppertal
Institut haben am 1. August 2005 das „International Centre on Sustainable
Consumption and Production“ (CSCP) gegründet. Dieses Vorhaben wird vom
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, vom
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, vom
Ministerium für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
NRW und der Wirtschafts- und Beschäftigungsförderungsgesellschaft Wuppertal sowie vom Exekutivdirektor von UNEP, Prof. Dr. Klaus Töpfer, unterstützt.
Das CSCP wird damit zu einem weiteren Mitglied in der internationalen
Gemeinschaft der weltweit kooperierenden UNEP Centres. Mitglieder sind
derzeit u.a. das „UNEP World Conservation Monitoring Centre“ (WCMC),
das „Global Resource Information Database“ (GRID), das „UNEP Collaborating Centre on Energy and Environment“ (UCCEE), das „UNEP Collaborating
Centre on Water and Environment“ (UCC-Water) und die „Global Reporting
Initiative“ (GRI). Aufgabe des CSCP ist es, lösungsorientierte Beiträge zu dem
10-Jahres-Programm für „Sustainable Consumption and Production“ (SCP)
12
Jahrbuch 2004/2005
zu leisten, das auf dem Johannesburg-Gipfel für Nachhaltige Entwicklung im
Jahre 2002 verabschiedet wurde. Der nach Johannesburg initiierte „MarrakeschProzess“ wird von UNEP und dem United Nations Department of Economic
and Social Affairs (UN DESA) geführt. Das Centre soll das „Haus-Institut“
dieses Prozesses werden und aktiv zu dessen Erfolg beitragen. Das Centre baut
dabei auf den langjährigen Forschungsaktivitäten des Wuppertal Instituts im
Bereich nachhaltigen Produzierens und Konsumierens auf und kooperiert eng
mit dem Wuppertal Institut.
Sitz des Centres ist Wuppertal. Es wird in fachlicher und organisatorischer
Hinsicht eng mit dem Wuppertal Institut zusammenarbeiten. Nordrhein-Westfalen kann auf diese Weise eine wissenschaftliche Institution von weltweitem
Rang im Lande ansiedeln und erweitert damit das Spektrum innerhalb der bisher vorwiegend in Bonn tätigen „UN Familie“. Das Centre unterstreicht damit
die Bedeutung von NRW als einem international anerkannten Wissenschaftsstandort. Auch die Ansiedlung im Bergischen Städtedreieck passt sich ausgezeichnet in die vom Land NRW geförderten Strategien zur Regionalentwicklung ein. Das Bergische Städtedreieck hat „Nachhaltigkeit“ als einen Entwicklungsschwerpunkt definiert (z.B. im Rahmen der Regionale 2006). Nachhaltig­
keitsprojekte (wie z.B. KURS 21 – Schulen unternehmen Zukunft) bilden
einen ausge­wiesenen Schwerpunkt dieser Aktivitäten. An der neu gegründeten
regionalen Stiftung für Nachhaltiges Wirtschaften beteiligen sich viele Akteure
in der Region. Dies ist auch der Grund dafür, dass das Centre von Oberbürgermeister Jung und allen Parteien des Gemeinderates tatkräftig unterstützt wird.
Wissenschaftliche Kooperation mit Japan
Das Wuppertal Institut hat im letzten Jahr seine traditionell guten wissenschaftlichen Kontakte mit Japan weiter ausgebaut. Im Kontext des „Deutschland
in Japan-Jahres“ hat das Wuppertal Institut die Umweltkonferenz am 9. April
2005 in Tokyo mit vorbereitet und war durch Raimund Bleischwitz und Peter
­Hennicke als Redner vertreten. Darüber hinaus waren der Präsident auf Veranstaltungen des „Science Council of Japan“ (SCJ) und Manfred Fischedick bei
einem hochrangigen Szenarien-Workshop des National Institute of Energy
Strategies (NIES) in Tokyo eingeladen. Hennicke war im September 2004
Invited Speaker auf dem „Science and Technology in Society Forum“ in Kyoto
(STS Forum), das von 30 Ministern aus aller Welt und 480 Vertretern von Regierungen, Wirtschaft und Wissenschaft aus 50 Ländern besucht wurde.
Chancen für einen ökologischen Strukturwandel
13
Am 31. Oktober 2005 wird das Wuppertal Institut in Zusammenarbeit mit
dem japanischen Institute for Global Environmental Strategies (IGES) im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt (BMU) und des Ministeriums für
Wissenschaft und Forschung (MWF) des Landes Nordrhein-Westfalen ebenfalls im Rahmen des „Deutschland-in-Japan-Jahres“ eine Klimakonferenz in
Tokyo durchführen.
Am 1. April 2005 begann das „Deutschland-in-Japan-Jahr“ mit mehreren hundert Veranstaltungen. Das
Wuppertal Institut ist aktiv dabei. Unter anderem war es bei der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst geförderten Auftaktkonferenz „Environment
and Science – Concepts and Strategic Goals for the Future“, die vom 11. bis 13. April 2005 in Tokio
stattfand, vertreten. Peter Hennicke war als Referent geladen. Er besuchte auch die EXPO 2005, die unter
dem Motto „Die Weisheit der Natur“ stand. Im Bild zusammen mit Tsuguki Yamashita, Generaldirektor
des Aichi Pavilion Nagakute.
Das japanische
„Low Carbon“
Projektteam und die
eingeladenen ausländischen Experten zum
„Inter­national Workshop on 2050 Low
Carbon Scenario“
am 24./25. März in
Tokyo. Unter den
Experten Manfred
Fischedick vom
Wuppertal Institut.
14
Jahrbuch 2004/2005
Chancen für einen ökologischen Strukturwandel
15
Scientific and Technical Advisory Panel (STAP) der Global
Environment Facility (GEF)
Die Verbindung der rationelleren Energienutzung mit erneuerbaren Energien
ist ein vorrangiges Thema, dem Peter Hennicke im Rahmen seiner Mitarbeit im
„Scientific and Technical Advisory Panel“ (STAP) von GEF besondere Aufmerksamkeit widmet. Dabei spielt auch eine Rolle, wie ein Knowledge Management
System aufgebaut und genutzt werden kann, um die umfangreichen Erfahrungen
mit GEF-geförderten Projekten im Schwerpunkt Climate Change auszuwerten
und zu verbreiten. In Zusammenarbeit mit Prof. Thomas Johannson, ebenfalls
Mitglied des STAP und langjähriges Mitglied im Inter­nationalen Beirat des
Wuppertal Instituts, werden weiterhin Themen wie ­„efficient buildings“, „socioeconomic interlinkages“ (e.g. sustainable production and consumption) und
„biofuels“ im STAP diskutiert.
Umweltkongress Ressourceneffizienz
Am 17. März 2005 hat das Wuppertal Institut einen nationalen Kongress
„Ressourceneffizienz – Neue Chancen für nachhaltiges Wirtschaften in Stadt
und Region: Konzepte, Strategien, Beispiele“ veranstaltet. Mit 250 Teilnehmern aus der Praxis in Stadtverwaltungen, Kommunalpolitik, Wirtschaft und
Nichtregierungsorganisationen sowie der Wissenschaft wurden die Chancen der
Ressourceneffizienz-Strategie auf kommunaler und regionaler Ebene diskutiert.
Der Kongress, an dem rund 20 WissenschaftlerInnen aus allen Forschungsgruppen des Instituts beteiligt waren, wurde maßgeblich vom Ministerium für
Wissenschaft und Forschung und dem Ministerium für Wirtschaft und Arbeit
des Landes Nordrhein Westfalen, vom Verband kommunaler Unternehmen
(VKU), von der Stadt Wuppertal und weiteren regionalen Partnern gefördert
(siehe auch Seite 99 f.).
Im Rahmen iranisch-deutscher Kooperationsaktivitäten zu Klimaschutz und nachhaltiger Entwicklung
wurden am Beispiel solarer Technologien zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung Rahmen­
bedingungen, Potentiale und konkrete Ansatzpunkte für den Einsatz erneuerbarer Energien und Energie­
effizienz-Technologien im Iran untersucht. Das Projekt wurde vom Wuppertal Institut in Kooperation
mit dem „Centre for Environment and Energy Research and Studies“ (CEERS, Teheran), der Universität
Osnabrück und dem Büro Ö-quadrat durchgeführt und mit Mitteln der Heinrich-Böll-Stiftung gefördert.
Die Projektergebnisse wurden am 18./19. Mai in einem Workshop in Teheran der Öffentlichkeit vorgestellt und mit verschiedenen Ministerien und Interessengruppen diskutiert. Im Bild Prof. Dr. Madjid
Abbaspour (Präsident von CEERS, Teheran, 2. v.r.) und Peter Hennicke (links) beim 4. iranisch-deutschen
Workshop zu Klimapolitik und nachhaltiger Entwicklung. Foto: Wolfgang Irrek
Forschungskooperationen mit der Wirtschaft
Mit der Wirtschaft ist die projektförmige Zusammenarbeit und damit die
anwendungsbezogene Forschung weiter ausgebaut worden. Diese strategischen
Forschungspartnerschaften zeigen die Relevanz der vom Institut behandelten
Themen und stellen gleichzeitig eine hinreichende Praxisorientierung sicher. Im
Meike Spitzner vom Wuppertal Institut vertritt die deutsche Gender-Umwelt-Forschung bei der UNEPWeltfrauenversammlung zur Umwelt in Nairobi im Oktober 2004 (im Bildhintergrund, vorn links: Frau
Dr. Emig, die Vertreterin des BMU im International Network of Women Ministers on Environment).
Foto: Juliane Grüning, DNR
16
Jahrbuch 2004/2005
Dezember 2004 wurde aus der Forschungspartnerschaft mit der Ruhrgas AG der
Werkstattbericht zum Projekt „Bewertung der Klimawirksamkeit von Erdgas im
Vergleich zu anderen fossilen Energieträgern“ vorgelegt. Im Mai 2005 wurde
ein auf drei Jahre angelegtes anwendungsorientiertes Forschungsprojekt im
Auftrag von zehn kommunalen Versorgungsunternehmen aus ganz Deutschland,
des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) und der Arbeitsgemeinschaft
für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) ­begonnen. Ziel dieses
Projektes ist es, die Perspektiven dezentraler Infrastrukturen im Spannungsfeld
von Wettbewerb, Klimaschutz und Qualität auszuloten und die zukünftige Rolle
kommunalwirtschaftlicher Unternehmen für eine nachhaltige Infrastrukturentwicklung in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser, Abfall und Öffentlicher
Personennahverkehr zu untersuchen.
17
Oscar Reutter
Kooperationen mit Universitäten in
Qualifizierung und Lehre
Im vergangenen Jahr hat das Wuppertal Institut seine Vernetzung mit Universitäten über gemeinsame Lehre und gemeinsame Forschungsprojekte systematisch ausgebaut. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der Entwicklung
eines Doktorandenprogramms.
Mitwirkung in der universitären Lehre
Populärwissenschaftliche Sachbücher
Autoren des Wuppertal Instituts haben neben einer Reihe von Fachpublika­tionen
zwei Sachbücher veröffentlicht, um die langjährigen Forschungsergeb­nisse des
Instituts einer breiten interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die
fast gleichzeitige Publikation von „Fair Future – Begrenzte Ressourcen und
globale Gerechtigkeit“ und „Weltmacht Energie. Herausforderung für Demokratie und Wohlstand“ zur Ressourcenthematik unter sehr verschiedenem Blickwinkel zeigt die erreichte Fokussierung und dass der differenzierten Analyse
von Potenzialen und Umsetzungskonzepten zur Steigerung der Material- und
Energieeffizienz eine besondere Bedeutung zugemessen wird. Dabei rückt die
Verbindung der ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimensionen von
Nachhaltigkeit mehr und mehr ins Blickfeld.
Das Wuppertal Institut arbeitet projektbezogen mit zahlreichen deutschen und
ausländischen Universitäten zusammen. Formelle Kooperationen bestehen mit
der Universität Teheran (CEERS) im Iran, mit der Universität Osnabrück und der
Universität Wuppertal. Im Rahmen seiner durch die Kürzung der institutionellen
Förderung eng begrenzten Möglichkeiten wirkt das Institut auch weiter an der
akademischen Lehre mit. Im Berichtsjahr 2004/2005 haben Wissenschaft­lerInnen
des Instituts am Europa-Kolleg in Brügge/Belgien (Raimund Bleischwitz), am
Schuhmacher-College in England und in Bija Vidyapeeth in Dehradun/Indien
(Wolfgang Sachs), als Gastprofessorin an der Universität Lüneburg (Uta von
Winterfeld), an der Universität Paderborn (Stephan Ramesohl) und an der
Universität Duisburg-Essen (Holger Dalkmann) gelehrt. Darüber hinaus hat
das Wuppertal Institut seine Kooperationen mit Univer­sitäten in NordrheinWestfalen ausgebaut.
Mit der Bergischen Universität Wuppertal (Fachbereich Bauingenieurs­
wesen) wurden seit Anfang 2004 die Kontakte in Forschung und Lehre intensiviert. Im Wintersemester 2004/2005 wurde erstmalig eine gemeinsame Ring­
vorlesung „Nachhaltige Infrastrukturgestaltung“ von Wuppertal ­Institut (Oscar
Reutter), Bergische Universität Wuppertal (Prof. Felix Huber, Fachzentrum Verkehr) und der Stadt Wuppertal (Erwin Rothgang, Ressortleiter Umweltschutz)
durchgeführt. Die Gemeinschaftsveranstaltung in der Aula des Wuppertal
Instituts wurde von Studierenden, Beschäftigten der Stadtver­waltung Wuppertal und interessierten FachwissenschaftlerInnen besucht. Wissen­schaftler des
Wuppertal Instituts beteiligten sich mit Vorträgen zu den Bereichen Energie,
Verkehr, Wasser/Abwasser, Abfall und Stadtentwicklung.
18
Jahrbuch 2004/2005
Mit der Fernuniversität Hagen (Prof. Gerd Simonis; Prof. Lenelis Kruse) und
dem Fraunhofer Institut Umwelt-, Sicherheits-, Energietechnik (UMSICHT) in
Oberhausen (Prof. Eckhard Weidner) wurde im Mai 2005 ein Rahmen­vertrag
über die Zusammenarbeit im Fernstudiengang „Interdisziplinäres Fern­studium
Umweltwissenschaften“ (Infernum) abgeschlossen (Koordination Oscar
­Reutter, Wuppertal Institut). In diesem Rahmen werden von Wissenschaftlern
des Wuppertal Instituts drei Lehrbausteine zur „Angewandten Systemanalyse“,
zur „Nachhaltigkeits­politik“ und zur „Ökologischen Mobilität“ entwickelt.
Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses
Am 31. Mai 2005 schließen die Träger des Interdisziplinären Fernstudiums Umweltwissenschaften
(infernum), die FernUniversität in Hagen und das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheitsund Energietechnik (UMSICHT) einen Kooperationsvertrag mit dem Wuppertal Institut im Rahmen
einer Festveranstaltung ab.
Als Ort der wissenschaftlich-praktischen Ausbildung ergänzt das Wuppertal
Institut die universitäre Qualifizierung und arbeitet dazu mit Hochschulen
und Universitäten zusammen. Im Jahr 2004 hat das Institut über 100 junge
WissenschaftlerInnen projektbegleitend im Rahmen von Praktika und Diplomarbeiten oder als studentische ProjektmitarbeiterInnen wissenschaftlich weiter
­qualifiziert.
Am Institut forschen zahlreiche junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Doktorandinnen und Doktoranden; darüber hinaus unterstützt das
Institut im Jahr 2005 zwei Habilitationsverfahren. Die Dissertationen werden
aus den Forschungsthemen der Drittmittelprojekte entwickelt und sowohl am
Institut als auch von Seiten der kooperierenden Universitäten betreut. Teilweise
handelt es sich um Eigenforschungsprojekte, teilweise werden die Arbeiten
aus extern eingeworbenen Promotionsstipendien gefördert, teilweise werden
die Dissertationsprojekte aus Projektmitteln des Instituts unterstützt. Philipp
­Schepelmann wurde im Mai 2005 mit seiner Dissertation „Integration von
Umwelt- und Ressourcenschutz in die EU-Regionalpolitik am Beispiel der
Ziel-II-Regionen in NRW“ an der TU ­Berlin promoviert.
Die Zahl der Doktorandinnen und Doktoranden wurde inzwischen mit
Hilfe extern eingeworbener Promotionsstipendien systematisch erhöht und in
einem neu eingerichteten Doktorandenprogramm gebündelt. Damit will das
Wuppertal Institut zusammen mit den kooperierenden Universitäten (zurzeit
Kooperationen mit Universitäten in Ausbildung und Lehre
19
in Aachen, Bamberg, Berlin, Bochum, Dortmund, Dresden, Duisburg-Essen,
Flensburg, Kassel, Oldenburg, Osnabrück und Wuppertal) seine akademische
Verankerung bei der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung in den Disser­
tationsprojekten verbessern und die disziplinäre Fundierung seiner trans­
disziplinären wissenschaftlichen Arbeit stärken.
Zum 1. April 2005 haben sechs PromotionsstipendiatInnen im Promotions­
kolleg „Ökologie und Fairness im Welthandelsregime“, das von der ­Heinrich­­Böll-Stiftung finanziert und vom Wuppertal Institut durchgeführt wird, ihre
Arbeit aufgenommen. Im Sommer 2005 wurden weitere vier inzwischen
bewilligte Promotionsstipendien der Vera und Georg Spahn-Stiftung und der
Stemmler-Stiftung am Wuppertal Institut ausgeschrieben und vergeben. Drei
bereits bewilligte Promotionsstipendien der Hans-Böckler-Stiftung, der HansSeidel-Stiftung und des DAAD kommen dazu. Insgesamt werden somit im Jahr
2005 rund 20 NachwuchswissenschaftlerInnen an ihrer Dissertation forschen.
Für geeignete NachwuchswissenschaftlerInnen, die zunächst keine Dissertation planen, wurde ein achtzehnmonatiges berufsbezogenes Qualifizierungs­
verfahren entwickelt. Sie sollen als „Wissenschaftliche Assistenzkräfte“ im
Sinne eines „Trainee-on-the-Job-Programmes“ an den wichtigsten Arbeitsfeldern der wissenschaftlichen Projektarbeit im Wuppertal Institut (Projekt­
akquisition, Projektbearbeitung, Veröffentlichungen, Vorträge und Betreuung
von Praktikanten) unter Anleitung durch erfahrene WissenschaftlerInnen mitarbeiten.
20
Forschungsgruppe 1
Forschungsgruppe 1: Zukünftige
Energie- und Mobilitätsstrukturen
2006 in Essen stattfinden wird. Zukünftig orientieren sich die Forschungsfragen
vor allem auf folgende Aspekte:
Die Forschungsarbeiten der Forschungsgruppe 1 orientieren sich an den
zen­­tralen Herausforderungen für die zukünftige Ausgestaltung des Energie- und
Verkehrssystems. Zu den wesentlichen Kernfragen gehören:
• Wie ist eine ökologische, energetische und ökonomische Optimierung des
Kraftwerksparks auf der Zeitachse gestaltbar?
• Wie müssen Infrastrukturen zukünftig ausgestaltet sein – wie kann z.B. der
Ausbau und die System-/Netzintegration dezentraler Energieversorgungstechnologien und erneuerbarer Energien gewährleistet werden und welche
technischen und politischen Maßnahmen sind dafür notwendig?
• Welche Auswirkungen auf das Energie- und Verkehrssystem und die ihnen
zugrunde liegenden Infrastrukturen ergeben sich aus veränderten demographischen und nachfrageseitigen Rahmenbedingungen?
• Wie kann eine bessere Integration von Kraftstoff- und Energiewirtschaft
(Bereitstellung alternativer Kraftstoffe) gewährleistet werden?
• Welche neuen Technologien und Nutzungskonzepte im Verkehrs- und
Energiebereich sind notwendig, wie sind sie im systematischen Vergleich
zu bisherigen Optionen einzuschätzen und welche Chancen der Markteinführung bestehen?
Die mit der Neustrukturierung der Forschungsgruppen intendierte Nutzung von
Synergieeffekten durch die stärkere sektorübergreifende Kooperation kommt
in den beiden Fokusbereichen der Forschungsgruppe besonders zum Tragen
und hat sich bewährt. Im Fokusprojekt Neue Kraftstoffe und Energieträger
befassen sich drei größere drittmittelfinanzierte Projekte mit der Identifikation
von integrierten Strategien für alternative Kraftstoffe (Umweltbundesamt), der
Einschätzung der Nutzung von Biomasseressourcen für den Kraftstoffbereich
in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung von Biogas (Bundesverband der Gas- und Wasserwirtschaft e.V. – BGW) und der Entwicklung einer
Wasserstoff Road Map, mit der ökonomisch tragfähige Einstiegsmärkte identifiziert werden sollen (Ministerium für Verkehr, Energie und Landesplanung
NRW). Ferner ist die Forschungsgruppe an verschiedenen nationalen und EUweiten Projekt- und Diskussionsprozessen beteiligt (u.a. Advisory Board des
EU NaturalHY project) und ist zudem Mitglied der wissenschaftlichen Vorbereitungsgruppe für die 3. Internationale Wasserstoffkonferenz, die im Frühjahr
21
• Vergleichende Analysen der treibenden Kräfte für Einstiegsmärkte für
globale Wasserstofflösungen mit fokussiertem Blick auf Europa und
Asien;
• Einschätzung aller Aspekte der Verfügbarkeit von erneuerbaren Energie­
ressourcen für die Wasserstoffproduktion und ihre effiziente Allokation;
• Analyse der Möglichkeiten internationaler wissenschaftlicher und industrieller Kooperationen für die Entwicklung und Durchsetzung von sauberen
wasserstoffbasierten Lösungen;
• Untersuchung der möglichen Rolle von Erdgas als wichtige „bridging
technology“ für die weitere Entwicklung der Infrastrukturen.
Das Fokusprojekt Energie und Verkehr sparende Siedlungsstrukturen konzen­
triert sich auf die Analyse der Auswirkungen der demographischen Entwicklung
und der mit ihr verbundenen Veränderungen der Siedlungsstrukturen auf den
Energie- und Verkehrsbereich. Von Interesse sind hier beispielhaft die abseh­
baren Veränderungen für die Erdgas- und Fernwärmenetze sowie Erfordernisse,
denen sich neue Energieinfrastrukturen (z.B. Wasserstoffnetze) verstärkt stellen
müssen. Neben der Beschreibung der generellen Folgen sollen im Rahmen
der Arbeiten auch Anpassungsmöglichkeiten (z.B. durch eine Ausweitung der
Erdgasanwendungen) aufgezeigt werden. Die Überlegungen aus dem Fokus­
projekt gehen hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Geschäftspolitik von Stadtwerken auch ein in das Forschungsgruppen übergreifend durchgeführte Projekt
Infrafutur (siehe auch Seite 30).
Anknüpfend an die aktuelle energiewirtschaftliche Debatte, hat sich das
Thema „CO2-Abtrennung und Speicherung (Carbon Capture und Storage:
CCS)“ mit drei laufenden Projekten zu einem weiteren wichtigen Forschungsbereich entwickelt. Auf internationaler Ebene wird CCS von zahlreichen
Ländern eine hohe Bedeutung bei der Realisierung engagierter Klimaschutzziele zugemessen. Welche Bedeutung CCS tatsächlich haben kann, ist erst
wenig erforscht. Dabei spielen Länder wie China eine besondere Rolle, deren
­Energiewirtschaft sehr stark auf dem Einsatz von heimischer Kohle basiert. In
einigen Industrieländern wird CCS dagegen primär industriepolitisch betrachtet
und klimapolitisch sehen viele Akteure darin eher eine „Jokerfunktion“. Vermut­
lich kommt CCS auch eine entscheidende Bedeutung bei der Einbindung der
USA in die Klimaschutzbemühungen zu. Aktuelle Klimaschutzszenarien (u.a.
vom Department of Energy) setzen bereits auf CCS, um die amerikani­schen
Emissionen bis zum Jahr 2050 auf dem heutigen Niveau zu stabilisieren. Die
22
Jahrbuch 2004/2005
Forschungsgruppe 1
23
Forschungsgruppe konzentriert sich vor diesem Hintergrund auf die Bewertung der Chancen und Grenzen dieser neuen Technologie. Das Augenmerk
liegt dabei neben technischen Analysen auch auf sozioökono­mischen Betrachtungen. Wichtige Ansätze sind:
• Erfassung der treibenden Kräfte und möglichen Widerstände (inkl. Akzeptanzfragen);
• Analyse der technischen Optionen und deren Entwicklungsstand sowie der
•
•
•
•
Am 4. November 2004 fand in Düsseldorf der 2. Klimaschutzkongress NRW „Nachhaltige Mobilität
– Technische Innovationen für den Klimaschutz im Verkehr“ statt. Schwerpunkt war der Verkehrssektor.
Der Kongress wurde vom Wuppertal Institut im Auftrag des Ministeriums für Verkehr, Energie und Landesplanung NRW konzeptionell vorbereitet. Dabei ging es um technische Potenziale, um der drohenden
Verknappung von Öl zu begegnen und Klimaänderungen zu begrenzen und welche Exportchancen der
Klimaschutz im Verkehr für innovative Unternehmen eröffnet. Den Fragen des Publikums (Foto oben:
M. Ruchser, © Energetic Consulting, 2004) stellen sich die Referenten (links: Wolfgang Schneider, Vorstand der Ford AG, und Peter Hennicke). Foto unten: Andreas Pastowski
mit ihrem Einsatz verbundenen Risiken unter Berücksichtigung der gesamten Prozesskette (Abtrennung, Transport und Speicherung);
Identifikation der energiewirtschaftlichen und klimapolitischen Potenziale
auf der Zeitachse;
Infrastrukturanalyse und Diskussion der Systemkompatibilität;
Wechselverhältnis zu anderen Klimaschutzstrategien (CCS als komplementäre oder REG/REN-Strategien eher behindernde Option) und systema­
tischer Vergleich mit diesen;
Analyse der potenziellen Märkte und der resultierenden industriepolitischen
Ansatzpunkte.
Weitere aktuelle Forschungsarbeiten umfassen die Analyse der Tragfähigkeit
von neuen Mobilitätskonzepten. Das vom Bundesministerium für Bildung
und Forschung geförderte Forschungsvorhaben „Zukunft des Car-Sharing in
Deutschland“ (Laufzeit 2003 bis 2005) ist in seine Endphase eingetreten. Untersucht werden die Bedingungen und Möglichkeiten der Diffusion von Car-Sharing
und die Auswirkungen der Diffusion auf die Ökobilanz. Ziel des Vor­habens
ist es, für den Zeithorizont 2020 eine empirisch begründete Einschätzung der
verkehrs- und umweltpolitischen Bedeutung von Car-Sharing zu liefern. Das
Projekt stellt damit eine wichtige sozialwissenschaftliche Ergänzung der Arbeit
an stark technisch-ökonomisch orientierten Fragen der Technologiediffusion
dar. Zukünftige Forschungsanstrengungen im Mobilitätsbereich richten sich u.a
auf die Möglichkeiten der Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Güterverkehr.
Im Rahmen eines größeren EU-Projektes wird gemeinsam mit der Forschungsgruppe 2 untersucht, inwieweit effiziente Kühlmöbel über das Instrument des „Technology procurement“ in den Markt eingeführt werden können.
Fragen der Marktdurchdringung von Effizienztechnologien und deren grundsätzliche Potenziale stehen im Blickfeld einer ebenfalls Forschungsgruppen
über­greifend durchgeführten aktuellen Analyse für die Energiewirtschaft. Derartige Fragestellungen gewinnen durch die in der Diskussion befindliche EURicht­linie zur Energieeffizienz an Bedeutung.
24
Jahrbuch 2004/2005
„Zukunftsenergien aus Nordrhein-Westfalen – Neue Chancen für den internationalen Technologie­
transfer“: Unter diesem Titel fand am 7. Dezember 2004 in Gelsenkirchen eine Bilanz- und Perspekivkonferenz zur „Renewables 2004“ statt. Veranstalter war die Landesregierung NRW; das Wuppertal ­Institut
und der Wissenschaftspark Gelsenkirchen haben den Kongress organisiert. Es sprachen u.a. (im Bild von
rechts nach links) die NRW-Minister Bärbel Höhn und Dr. Axel Horstmann sowie Bundes­ministerin
Heidemarie Wieczorek-Zeul. Foto: Thorsen Ellenbeck
Auf internationaler Ebene sind die Arbeiten der Forschungsgruppe weiter
verstärkt worden. Dies zeigt sich u.a. an der Einbindung in Folgeaktivitäten der
Renewables 2004 (Ausrichtung der Follow-up-Konferenz des Landes NRW),
der Ausrichtung eines Workshops zum Thema „Ländliche Elektrifizierung
in Entwicklungsländern“ und der Einbindung der Forschungsgruppe in eine
internatio­nale Begleitgruppe zur Entwicklung eines langfristigen Klimaschutz­
szenarios für das japanische Umweltministerium. Schließlich ist das im Auftrag
einer Schweizer Stiftung durchgeführte Projekt WISIONS weitergeführt worden. Mittlerweile sind im Projektteil PREP (Promoting of Resource Efficiency
Projects) vier Broschüren erschienen, die Informationen über „good practise“Beispiele verbreiten. Im Projektteil SEPS (Sustainable Energy Project Support)
sind in der zweiten Ausschreibungsperiode über 100 Vorschläge aus einer Vielzahl von Nationen, gerade auch von Entwicklungsländern, eingegangen.
Weitere Informationen zu den Projekten und zum Team der Forschungsgruppe 1 „Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen“ erhalten Sie auf der
Homepage des Wuppertal Instituts unter: http://www.wupperinst.org/Seiten/
org-einheiten/fg1.html
Forschungsgruppen 1 25
Erdgas liegt beim Klimaschutz deutlich vor anderen fossilen Energieträgern. Eine Studie des Wupper­
tal Instituts mit fachlicher Unterstützung durch das Max-Planck-Institut für Chemie, entkräftet die
Aus­sagen zu hohen Gasverlusten im russischen Pipelinesystem. Die Studie basiert auf den bislang
umfangreichsten Emissionsmessungen an russischen Exportpipelines und Erdgasanlagen in Russland.
Hintergrund der Messkampagne waren die in der Öffentlichkeit oft überhöht dargestellten Emissionswerte beim Transport des russischen Gases. Die Studie wurde am 13. Dezember 2004 in den Räumen ­der
­Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt.
Anfang Februar 2005 wurde die Studie im Rahmen einer Veranstaltung des Auftraggebers, der e.on
Ruhrgas AG, in Brüssel präsentiert und diskutiert. Fotos: Carmen Dienst
26
Forschungsgruppe 2
27
Forschungsgruppe 2: Energie-,
Verkehrs- und Klimapolitik
Die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls durch Russland und sein Inkrafttreten
zum 16. Februar 2005 stellt einen bedeutsamen Meilenstein der ­Klimapolitik
dar. Zugleich beginnt die Debatte um die längerfristige Gestaltung einer
Klima- und Nachhaltigkeitspolitik über den Zeithorizont 2012. Parallel werden
aber auch in der Energie- und der Verkehrspolitik neue Weichen gestellt: Der
Renewables-Prozess, die im Bush-Schröder-Papier angekündigte amerikanischdeutsche Initiative für Energieeffizienz, die geplante EU-Effizienzrichtlinie,
die Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes, das Gesetz zur Strategischen
Umweltprüfung (SUPG), die Umsetzung der Feinstaub-Richtlinie und die LkwMaut sind nur einige Beispiele.
Diese aktuellen Entwicklungen unterstreichen deutlich die Notwendigkeit
der wissenschaftlich fundierten Bewertung und Weiterentwicklung einer effi­
zienten, nachhaltigen und konsistenten Klimaschutz-, Energie- und Verkehrspolitik. Die Herausforderungen bestehen vor allem in einer verbesserten Konsis­
tenz zwischen den Festlegungen in den weltweiten Vereinbarungen zu Zielen,
Politiken und Maßnahmen sowie den EU- bzw. nationalen Politiken und Maßnahmen zum Klimaschutz, wie auch zwischen den einzelnen Instrumenten der
Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik (EVKP) in der EU und Deutschland.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Ausrichtung des Forschungskonzepts
vom Sommer 2003 weiter an Bedeutung. Die Kernfragen sind dabei:
1. Wie sieht eine an konkreten langfristigen Zielen orientierte integrierte
EVKP aus? Wie kann diese gestaltet werden, auch im Gefüge verschiedener
politischer Ebenen (Fokus 1)?
2. Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, damit diese EVKP in
umsetzbare und übertragbare Programme und Projekte mündet? Wie wirken
einzelne Instrumente bzw. Instrumentenbündel zusammen? Wie wirken
Instrumente und Rahmenbedingungen zusammen? Wie werden diese Instrumente in modernen Policy-Netzwerken mit einer Vielzahl von Akteuren
entwickelt, in den politischen Entscheidungsprozess eingebracht und wie
können sie in der Breite umgesetzt werden (Fokus 2)?
Übergeordnete Zielsetzung der Forschungsgruppe 2 ist es, den eingeschlagenen
Weg des thematischen und disziplinären Zusammenwachsens im Rahmen des
Forschungskonzeptes weiter voranzutreiben. So wird sich die Fokussierung der
Der EnergieSparFonds ist ein geeignetes
Instrument für die verstärkte Erschließung von
Energieeinsparpotentialen. Das Wuppertal Institut
und seine Partner wurden von der Hans-BöcklerStiftung damit beauftragt, ein Organisationsund Finanzierungskonzept zu entwickeln. Die
vorläufigen Projektergebnisse wurden auf einer
Tagung am 24. Februar 2005 in Düsseldorf
vorgestellt. Nähere Informationen unter: http://
www.wupperinst.org/Projekte/fg2/3216.html
Podiumsdiskussion zum Konzept eines EnergieSparFonds in Deutschland mit v.l.n.r. Stefan
Thomas (Wuppertal Institut), Dr. Frank Gerlach
(Hans-Böckler-Stiftung), Stephan Kohler
(Deutsche Energie-Agentur), Dr. Horst Heuter
(DGB Bundesvorstand) und Dr. Werner
Neumann (AK Energie des BUND; nicht im Bild)
Matthias von Oesen, pro Klima, Hannover,
begrüßte wie viele andere Teilnehmerinnen und
Teilnehmer das vom Wuppertal Institut ent­wickelte EnergieSparFonds-Konzept.
Fotos: Wolfgang Irrek
Inhalte auf diese beiden „integrativen“ Kernfragestellungen orientieren, wobei
gleichzeitig die vorhandene Expertise in den Einzelfeldern der EVKP gesichert
und weiterentwickelt werden kann.
Im Jahr 2004/2005 wurde ein Projektvolumen von rund 1,6 Mio. Euro
reali­siert. Von inzwischen 20 wissenschaftlichen MitarbeiterInnen und drei
freien MitarbeiterInnen, darunter fünf Doktoranden, wurden – im Mittel – etwa
35 Projekte bearbeitet, mit der Bearbeitung von 19 neuen Projekten wurde
begonnen. Zu den Auftraggebern gehören die EU, das BMBF, das BMU, das
Umweltbundesamt, die NRW-Ministerien für Energie und Verkehr sowie für
Umwelt, das japanische Umweltministerium sowie eine Reihe von Unternehmen, Stiftungen, NGOs und Kommunen. Im Rahmen projektförmiger Koope-
28
Jahrbuch 2004/2005
rationen und neuer Akquisitionsaktivitäten wurden die zahlreichen bestehenden
Koope­rationen mit Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen weiter
­intensiviert, im internationalen Bereich z.B. mit IGES (Japan), CEERS (Iran),
AGH (Polen), Universität Lund (Schweden) und Politecnico di Milano ­(Italien).
Ein besonderer Höhepunkt war das Ergebnis des gemeinsamen Projekts mit Forschungsgruppe 1 zu den Treibhausgasemissionen russischer Erdgaspipelines ,
das zusammen mit unserem Partner, dem Max-Planck-Institut für Chemie, als
so genannter „brief communication“ im internationalen Journal „Nature“ veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse des Projekts werden über ­weitere geplante
Publikationen direkt in den IPCC-Prozess eingespeist werden.
Weiterentwicklung des Forschungskonzepts
Bezüglich der thematischen Entwicklung in den beiden Fokusprojekten wurden
zur Weiterentwicklung der methodischen und theoretischen Basis ­ initiativ
Forschungsanträge entwickelt und gestellt. Der Schwerpunkt lag dabei auf der
Akquisition konkreter anwendungsorientierter Projekte auf der Basis existierender Projektlinien und Kompetenzen, die ihrerseits Teilbeiträge zu den
Kernfragestellungen liefern können und methodisch vernetzt werden.
• Im Fokus „integrierte Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik im europäischen
Mehrebenensystem“ werden derzeit mehrere laufende und neue Projekte
bearbeitet. Diese widmen sich entweder Teilbereichen der EVKP – Beispiele
sind die Projekte Konzept für einen Energieeffizienz-Fonds (Hans-BöcklerStiftung), SUSTRAN (Improvement of Sustainability Strategy Elaboration
for Economic, Environmental and Social Policy in Europe; EU, 6. RP),
Emis­sionshandel als sozialökologischer Transformationsprozess (BMBF),
Joint Implementation/Clean Developent Mechanism in Mittel- und Osteuropa (Institute for Global Environmental Strategies) und Ersatzbrennstoffe
(UBA) – oder liegen auf der methodisch-konzeptionellen und Szenarien­
ebene, wie Equity in the Greenhouse (GTZ), die Teilnahme am LongRange Energy Modelling der DG TREN (Directorate General Transport
and Energy ) und Energie­szenarien 2020 (WWF). Die Theorieentwicklung
wurde hier durch eigenfinanzierte Forschung und die für den Sommer 2005
vorge­sehene Veröffent­lichung eines Wuppertal Papers vorangetrieben. Mit
der FU Berlin, FB Politik- und Sozialwissenschaften, wurde eine themenbezogene Kooperation zur Mehr­ebenensystemforschung aufgenommen.
• Im Fokus „Verbreitung von Good Practice bei Politikinstrumenten und
konkreten Projektansätzen“ konnten u.a. zwei größere, stärker methodisch
Forschungsgruppe 2
29
auf die Evaluation von Good-Practice-Beispielen ausgerichtete Projekte im
Verbund mit mehreren EU-Partnern akquiriert werden: Active Implementation of Energy Efficiency (DG TREN und Land NRW) sowie Evaluierung lokaler Demand Side Management-Aktivitäten (Electricité de France).
Zusätzlich ist die Analyse und ggf. Erprobung der Übertragbarkeit der in
Deutschland ent­wickelten Good-Practice-Beispiele (u.a. Voluntary Agreements, „Bürgercontracting“ und verwaltungsinternes Contract­ing) Gegenstand laufender und neuer Projekte wie Voluntary Agreements in China (EU,
Asia ProEco), PICOLight (= Testing and Dissemination of Public Internal
Performance Contracting Schemes with Pilot Projects for Energy-­Efficient
Lighting in Public Buildings) (DG TREN), Private Investment moves
EcoPower (DG TREN und Land NRW), IMAGO (Innovative Marketingund Angebotskonzepte für Gemeinden mit Ortsbussystemen), Multibus und
Mobilanz (alle BMBF) oder dem Energie- und Umweltpreis 2005. Auch die
Unterstützung des BMU beim Aufbau der JI- und CDM-Koordinierungsstelle wird bis 2007 fortgesetzt.
Mit diesen und weiteren Projekten bzw. Erfolg versprechenden Ange­boten
werden auch die übrigen für das vergangene Forschungsjahr geplanten Zielbereiche erschlossen: Analyse der Verknüpfung verschiedener klima­politischer
Instrumente; Verknüpfung von Verkehr/Mobilität und Klimapolitik; Weiterentwicklung der Forschungsansätze zu nationalen/lokalen/regionalen Klimaschutzkonzepten und Integration zu Gesamtstrategien; weitere Initiativen zu Instrumenten der Energieeffizienz- und Verkehrspolitik sowie Verstärkung der
Kooperation mit anderen Forschungseinrichtungen.
Neben der Integration in den beiden Fokusbereichen ist die verstärkte
­Integration und Erschließung von Synergien zwischen den drei Bereichen Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik ein wichtiges Ziel der Forschungsgruppe 2.
Hierzu dienen insbesondere die internen Arbeitskreise Energie und Klima, Verkehr und Klima sowie Genderintegration. Deren Zwischenergebnisse werden
derzeit in fünf integrativen Themenfeldern weiterentwickelt:
• Die aktuelle „Kyoto plus/Post 2012“-Debatte zur Weiterentwicklung des
internationalen Klimapolitikregimes soll als Kristallisationskern zur weiter
verstärkten Integration der EVKP-Schwerpunktbereiche genutzt werden.
Dabei steht die oben angesprochene Konsistenz zwischen den in der Fortentwicklung des Regimes angestrebten Zielen und der Möglichkeit, diese Ziele
durch ein abgestimmtes Paket von Instrumenten der EVKP zu erreichen,
im Vordergrund. Die Wirkungen der EVKP werden dabei in quantitativen
Szenarien gemeinsam mit der Forschungsgruppe 1 evaluiert.
30
Jahrbuch 2004/2005
• Einen zweiten inhaltlichen Schwerpunkt zur Entwicklung einer stärker
integrierten EVKP bildet das Thema Liberalisierung und Nachhaltigkeit
kommunaler Infrastrukturen. Im Rahmen der von der Forschungsgruppe 2
koordinierten Forschungspartnerschaft INFRAFUTUR mit 10 deutschen
Stadtwerken und dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) werden
Herausforderungen und Chancen der Bereitstellung und Organisation
von kommunalen Infrastrukturdienstleistungen in den Bereichen Energie,
ÖPNV, Wasser/Abwasser und Abfall analysiert.
• Unter dem Thema „Anpassung an die Folgen der Klimapolitik“ soll ein
Vorstoß zur Entwicklung neuer klimapolitischer Akteurskonstellationen
gemacht werden. Dazu wird analysiert, ob und ggf. wie Hilfe zur ökonomischen Diversifizierung der durch die Klimapolitik betroffenen (d.h.
in der Regel von ihrem Ölexport abhängigen) Staaten mit Strategien zur
integrierten Förderung von Energieeffizienz und Erneuerbaren zusammengebracht werden kann.
• Die Möglichkeiten der Verknüpfung des klimapolitischen Know-hows im
Bereich der projektbasierten Mechanismen mit dem sektoralen Analyse-,
Konzeptions- und Umsetzungsprozess in den Bereichen Energie und Verkehr
werden ebenfalls Gegenstand eines Themenentwicklungsprozesses sein.
• Die Genderthematik – die im Bereich der Verkehrspolitik der Forschungsgruppe 2 bereits seit langem verankert ist – wird verstärkt auch in Energieund Klimaprojekte integriert. So sollen auf der Basis eines von uns inhaltlich
organisierten Workshops zum Thema Gender und Klimapolitik im BMU
entsprechende Projekte entwickelt werden.
Mit dieser Themenfeldentwicklung soll die begonnene stärkere Vernetzung
bestehender Kompetenz- und Themenfelder der Forschungsgruppe unter dem
Leitthema einer integrierten Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik weiter fortgesetzt werden.
31
Forschungsgruppe 3: Stoffströme und
Ressourcenmanagement
Die Forschungsgruppe untersucht Stoffströme vom Rohstoffabbau bis zur
Abfallentsorgung unter Einbeziehung des globalen „Ökologischen Rucksacks“
und der Flächennutzung. Sie entwickelt Konzepte, Strategien und Instrumente
zur Erhöhung der Ressourcenproduktivität und eines nachhaltigen Ressourcenmanagements. Dabei geht es insbesondere um:
• Steigerung der Ressourcenproduktivität ohne Verlagerung der Umwelt­
belastung;
• integrierte Bewertung von Flächennutzung und Ressourcenflüssen.
Zielgruppen sind strategische Akteure in Politik und Wirtschaft, insbesondere
im Bereich der ressortübergreifenden Nachhaltigkeitspolitik, der Wirtschafts-
Forschungsfelder
Integrierte Analyse
und Bewertung
re
p hä
von gesellschaftlichem
o-S
e
Stoffwechsel und
o-G
Bi
Landnutzung
Na
tur
Mineralien,
Erze,
Energieträger
Wasser
INPUT
Weitere Informationen zu den Projekten und zum Team der Forschungsgruppe 2: „Integrierte Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik“ erhalten Sie auf
der Homepage des Wuppertal Instituts unter: http://www.wupperinst.org/Seiten/
org-einheiten/fg2.html
Luft
Abfallentsorgung
Technosphäre
Anthroposphäre
Ökonomie
Ernte,
Jagd,
Fischerei
Szenarien für
eine zukünftige
nachhaltige
Ressourcennutzung
Politik relevante
Informationen
über Indikatoren
und Politikziele
Umwelt
Abwasser
OUTPUT
Emissionen
in die Luft
Dünger,
Pestizide,
dissipative
Verluste
TRANSLOKATIONEN
Abraum, Erdausschachtungen, Bewässerung, Entwässerung
Formulierung
und Bewertung von
Ressourcenpolitik
32
Jahrbuch 2004/2005
und Industriepolitik, der Kreislaufwirtschaftspolitik, ressourcenintensiver
Industrien sowie nationaler und europäischer Statistikämter. Der räumliche
Forschungsschwerpunkt liegt insbesondere in Europa, des Weiteren in Lateinamerika und Japan.
Fokus „Erhöhung der Ressourcenproduktivität ohne
Verlagerung der Umweltbelastungen“
Der Zusammenhang zwischen Materialverbrauch und Umweltwirkungen wurde
auf nationaler Ebene erstmals nachgewiesen. In Kooperation mit der Universität
Leiden (CML) und CE – Solutions for environment, economy and technology,
einem weiteren niederländischen Partner, konnte die Hypothese empirisch belegt
werden, dass weniger Materialverbrauch zu insgesamt reduzierten Umweltbelastungen führt. Dabei reicht die Betrachtung des inländischen Materialverbrauchs für die Bewertung einer nachhaltigen Entwicklung nicht aus, da
räumliche Verlagerungstendenzen bestehen.
Das Projekt „European Topic Centre on Waste and Material Flows“ (ETCWMF) der Europäischen Umweltagentur wurde 2004 abgeschlossen. Zugleich
erhielt das Wuppertal Institut zusammen mit sechs europäischen Partner­
institutionen den Zuschlag für das Nachfolgeprojekt „ETC on Resource and
Waste Management“ (ETC-RWM). Mit der Verschiebung der Themensetzung
vom Abfall- in Richtung Ressourcenmanagement folgt die europäische Politik
einer strategischen Forschungslinie des Wuppertal Instituts.
Für das ETC-WMF wurden u.a. die Ressourcenflüsse der deutschen Wirtschaft den sie verursachenden Industriesektoren zugerechnet, um die Entwicklung ihrer Materialproduktivität vergleichend zu untersuchen. Ferner wurde ein
Modell zur Analyse der Stoffflüsse von Eisen und Stahl auf europäischer Ebene
entwickelt. In Kopplung an ökonometrische Modelle wurden erste Prog­nosen
zur Entwicklung des Materialverbrauchs auf EU-Ebene durchgeführt.
Die Schnittfläche zwischen Kreislaufwirtschaft und Ressourcenmanagement wird auch in einem Projekt für die Hans-Böckler-Stiftung bearbeitet,
in dem es um nachhaltige Daseinsvorsorge in der Infrastrukturentwicklung
geht. Durch die EU wird eine Privatisierung von öffentlichen Dienstleis­
tungen wie Abfall und Verkehr angestoßen, die insgesamt umstritten ist. Das
Projekt untersucht in Zusammenarbeit mit Praxispartnern erste Folgen der
­Privatisierung und erarbeitet insbesondere für kommunale Abfallunternehmen
nach­haltigkeitsorientierte Geschäftsmodelle für ein Abfall- und Ressourcen­
management.
Forschungsgruppe 3
33
In Kooperation mit der Gruppe von ökonometrischen Modellierern um
Prof. Bernd Meyer, Universität Osnabrück, wurde eine Materialinputsteuer
konzipiert, mit Daten unterlegt und die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen
bis zum Jahr 2020 abgeschätzt. Demnach ist eine nennenswerte Absenkung
der Materialintensität möglich; zugleich wurden eine Absenkung der Lohn­
nebenkosten (hier: Gesundheitskosten) und die Förderung der Informationsbasis über Materialeinsparmöglichkeiten für Unternehmen modelliert. Im
Ergebnis werden gesamtwirtschaftlich positive Ergebnisse einer Erhöhung der
Beschäfti­gung, des wirtschaftlichen Wachstums und einer Konsolidierung der
Staats­finanzen erzielt. Diese Arbeiten werden fortgeführt.
Auf regionaler Ebene wurden im INTERREG-Projekt MARS (Monitoring
the Alpine Regions’ Sustainability) erstmals stoffflussbasierte Umweltbelas­
tungsindikatoren für die Regierungsbezirke Oberbayern, Schwaben, Tübingen
und Freiburg erstellt. Diese sollen die bereits verfügbaren sozioökonomischen
Indikatoren ergänzen und die Akteure bei der Evaluation und Planung regionaler Politiken unterstützen.
Fokusprojekt „Integrierte Bewertung von
Ressourcen- und Landnutzung“
Erste Ergebnisse wurden u.a. zur globalen Flächenbelegung der EU erzielt.
Für den innereuropäischen Verbrauch agrarischer Produkte belegt die EU-15
weltweit 18 Prozent mehr Fläche, als innerhalb der EU an landwirtschaftlicher
Fläche zur Verfügung steht. Dieser Umstand ist gerade im Hinblick auf den
Anbau von Non-Food-Pflanzen, insbesondere zur Energiegewinnung (Biokraftstoffe) und zum Umstieg auf nachwachsende Rohstoffe (Bioraffinerien) wichtig.
Denn eine unkoordinierte Ausweitung dieser Flächen (die durch die aktuellen
Steuerbegünstigungen gefördert wird) dürfte zu einer Problemverlagerung in
andere Regionen führen.
Das EU-Projekt Sustainability-A-Test stellte die analytischen Instrumente
zur integrierten Nachhaltigkeitsanalyse von Politiken und Programmen zusammen („Impact Assessment“). Die am Wuppertal Institut entwickelten ­Methoden
der physischen Analyse wurden in das Gesamtspektrum der Bewertungsmethoden eingebettet und auf ihre Eignung zur ex ante-Bewertung politischer Maßnahmen überprüft.
Das vom BMBF geförderte Forschungsprojekt „Eventkultur und Nachhaltigkeit“ bearbeitet zwei zentrale Fragen: „Wie können Events ­nachhaltiger
werden?“ und „Wie kann die Nachhaltigkeit erlebnisreicher werden?“ Mit
34
Jahrbuch 2004/2005
Forschungsgruppe 3
35
Die Forschungsgruppe 3 ist dabei, das neue Forschungsfeld der integrierten
Nachhaltigkeitsbewertung weiter auszubauen. Sie hat als Mitglied des Kernteams zusammen mit 19 europäischen For­schungsinstitutionen ein integriertes
EU-Projekt zum Thema „Methods and Tools for Integrated Sustainability
Assessment“ (MATISSE) eingeworben. Das Projekt wird von der Univer­
sität Rotterdam (Prof. Rotmans) koordiniert; auch das Tyndall Centre, das
­Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und das Fraunhofer Institut
für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe (ISI) sind beteiligt. Das
Wupper­tal Institut koordiniert den Bereich Dematerialisierung, Ressourcennutzung und Abfall gemeinsam mit dem Institut für Interdisziplinäre Forschung
und Fortbildung (IFF), Wien.
Resümee und Ausblick
Das Projekt „Eventkultur und Nachhaltigkeit“ hat sich im April 2005 auf der Frankfurter Messe „IMEX
2005“ im Rahmen des Corporate Responsibility Centers präsentiert. Auf einem begleitenden Workshop
wurde über die nachhaltige Gestaltung von Incentive-Reisen und Veranstaltungen diskutiert. IMEX
hat sich inzwischen entschieden, für 2006 einen Aussteller-Award auszuschreiben. Rainer Lucas vom
­Wuppertal Institut wird das Auswahlverfahren wissenschaftlich begleiten. Foto: IMEX
dieser doppelten Fragestellung wird das Ziel verfolgt, unterschiedliche Kommunikationskulturen zusammenzuführen. Das Projekt hat umfangreiche empirische Untersuchungen durchgeführt, um die Handlungsbedingungen einer
nachhaltigen Eventplanung zu ermitteln. Teilstudien wurden für die Bereiche
Unternehmenskommunikation, Sport-, Tourismus- und Stadtmarketing erstellt,
vom Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Hohenheim (Prof. Eugen Buß)
wurden umfangreiche Befragungen mit Marketingverantwortlichen in den
Unternehmen und Eventbesuchern durchgeführt, um strategische Eventziele
und Leitbilder zu ermitteln. In einem gesonderten Methodenbaustein wurden abschließend einige neue Methoden für die Eventplanung entwickelt. Ein
Ergebnis des Projektes ist: Die Akzeptanz in der Eventwirtschaft für ressourcenarme und nachhaltige Veranstaltungen wird in dem Maße steigen, wie es
gelingt, die verbesserte Umweltleistung als integrierten Qualitätsbaustein einer
Veranstaltung zu etablieren. Innovationspotenziale für eine derartige Strategie
bestehen vor allem in den Bereichen Lichttechnik, Messebau, Catering und
Verkehr.
Insgesamt werden die retrospektiven und erklärenden Analysen durch prospektive Analysen ergänzt. Auch in den Publikationen (Bücher und referierte Publikationen) und den Kooperationen zeigt sich diese Entwicklung. Die Szenarienund Politikorientierung wird weiter fortgeführt. Die Fokusbereiche haben sich
als Akquisitionskorridore und zur Aktivierung von Synergien zwischen den
einzelnen Forschungsprojekten bewährt.
Im BMBF-Projekt „Steigerung der Ressourcenproduktivität als mögliche
Kernstrategie einer nachhaltigen Entwicklung“ werden technologische und
institutionelle Potenziale in Deutschland ermittelt und auf ihre sektorale und
gesamtwirtschaftliche Relevanz bewertet. Das Projekt soll – auch in Dialogen
mit der Wirtschaft – die Grundlage für ein neues Förderprogramm des BMBF
liefern.
Die Forschungsgruppe 3 formuliert Grundzüge einer Ressourcenpolitik.
Ausgehend von den Anforderungen der europäischen Ressourcenstrategie, wird
insbesondere im ETC-RWM zum einen daran gearbeitet, die Indikatoren und
Berichtssysteme der EU weiter zu entwickeln. Zum anderen wird die Analyse
und Folgenabschätzung der politisch-ökonomischen Instrumente verstärkt, die
für die wissenschaftliche Politikberatung in der EU und ihren Mitgliedsländern
unter Kriterien der Effizienz, Wirksamkeit und Nachhaltigkeit wesentlich sind.
Hier zeichnet sich ein neues Forschungsprogramm ab, das die Zusammenarbeit
verschiedener Forschungseinrichtungen in Europa in den nächsten vier bis acht
Jahren erfordern wird.
Das integrierte Projekt MATISSE wird im erwähnten Fokusbereich den
Schwerpunkt der integrierten Nachhaltigkeitsbewertung stärken. Das Auf­
zeigen des Nutzens der materialflussbasierten Analyseinstrumente für eine ex
36
Jahrbuch 2004/2005
ante-Politikbewertung in Kopplung mit verschiedenen Modellierungsansätzen
erscheint hier methodisch bedeutsam. Es werden verschiedene Teilstudien
bearbeitet, u.a. zusammen mit dem ISI die Bewertung der Implikationen von
Brennstoffzellen im Verkehr. Das Wuppertal Institut wird den Ressourcenaufwand insbesondere für Edelmetalle untersuchen, die mit großen ökologischen
Rucksäcken verbunden sind (z.B. Platin). Damit soll das Risiko einer Problemverlagerung beim Umstieg auf erneuerbare Energieträger abgeschätzt werden.
Der Umstieg auf erneuerbare Materialien (Biokraftstoffe und Biomate­
rialien) wird in zunehmender Breite und Tiefe analytisch aufgearbeitet und
politikrelevant bewertend begleitet. Die Forschungsgruppe 3 wird hierzu an
der Entwicklung regionaler und nationaler Konzepte für eine nachhaltige
Ressourcennutzung arbeiten, welche die Stoff- und Energieversorgung und
die Flächen­nutzung integriert betrachten und auch relevante globale Auswirkungen berücksichtigen.
Basismetallen wie Eisen/Stahl und Kupfer kommt weltweit eine nach wie
vor steigende Bedeutung zu. Ihre Stoffströme werden einerseits maßgeblich
von der Nachfrage in Entwicklungsländern bestimmt und belasten andererseits
produktionsseitig die Umwelt in (anderen) Entwicklungsländern. Die Forschungsgruppe 3 wird untersuchen, wie die Belastung für Entwicklungsländer
vermindert werden kann. Das Thema der Ressourcennutzungskonflikte wird in
Kooperation mit der Stiftung Entwicklung und Frieden behandelt werden.
Bei diesen Arbeiten zeigt sich immer mehr eine methodische Balance zwischen naturwissenschaftlich-ökonomischer Analyse und Technikbewertung,
Institutionenanalyse und Akteursorientierung. Dabei wird insbesondere die EU
adressiert, aber auch das Mehrebenensystem von EU, Mitgliedsstaaten, Regionen und ressourcenintensiven Industrien. Die Politik- und Marktanalysen können zunehmend durch Szenarienentwicklung unterstützt werden, in denen eine
Kombination von top-down- und bottom-up-Ansätzen erfolgt. Dabei verfolgt
die Forschungsgruppe eine Langfristperspektive zur nachhaltigen Gestaltung
des Stoffwechsels der Wirtschaft.
Weitere Informationen zu den Projekten und dem Team der Forschungsgruppe 3: „Stoffströme und Ressourcenmanagement“ erhalten Sie auf der
Homepage des Wuppertal Instituts unter: http://www.wupperinst.org/Seiten/
org-einheiten/fg3.html
37
Forschungsgruppe 4: Nachhaltiges
Produzieren und Konsumieren
Die Forschungsgruppe „Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren“ ent­wickelt
Konzepte und Strategien für ein nachhaltigkeitsorientiertes Management von
Wertschöpfungsketten sowie für nachhaltigkeitsorientierte Produktions- und
Konsummuster. Damit soll ein Beitrag zur Entwicklung und Markteinführung von nachhaltigeren Produkten, Produktionsprozessen, Wirtschafts- und
Konsumweisen erbracht werden. Mit diesem wissenschaftlichen Schwerpunkt
greift die Forschungsgruppe die Forderung des UN-Weltgipfels für Nach­haltige
Entwicklung in Johannesburg 2002 auf, „den Übergang zu nachhaltigerem
Konsum und Produktion zu beschleunigen“ (Plan of Implementation, §13).
Basierend auf der Analyse von Nachhaltigkeitsindikatoren inklusive der
Material- und Stoffströme (Konzept des Ökologischen Rucksacks bzw. MIPSKonzept) entlang von Wertschöpfungsketten, werden globale Produkt-Dienstleistungs-Ketten und Branchen bezüglich ihrer Nachhaltigkeitspotenziale von
der Rohstoffgewinnung über Produktion und Konsum bis zur Entsorgung und
dem Recycling bewertet. Die Forschungsgruppe geht von einem Marktverständnis aus, das Unternehmen und Konsumenten als Akteure eine zentrale
Rolle zuschreibt, aber gleichzeitig von den institutionellen Rahmenbedingungen, Wettbewerb und verschiedenen Stakeholdern mit unterschiedlichem
Eigeninteresse geprägt ist. Die Beziehungen zwischen den Akteuren werden
entlang der komplexen Produkt- und Zulieferketten untersucht und strukturelle
Vorraussetzungen für zukunftsfähiges Wirtschaften und Konsumieren iden­
tifiziert. Die Forschung um nachhaltigere Produktions- und Konsummuster
wird mit Hilfe von vier Forschungsfeldern systematisiert und strukturiert:
Forschungsfeld 1: Produktkettenweites
Nachhaltigkeitsmanagement
Analysiert wird die Nachhaltigkeitsperformance von ausgewählten Produkten in
verschiedenen Lebenszyklusphasen der Produktions-Dienstleistungs-Kette. Ziel
ist es, durch die Entwicklung und Anwendung von Nachhaltigkeits­indikatoren
die einzelnen Phasen – Produktion und Konsum – hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit zu bewerten. Nach der Bestandsaufnahme werden notwendige operationale
Veränderungen in der gesamten Wertschöpfungskette identifiziert, Maßnahmen
und Managementkonzepte entwickelt und entsprechende Empfehlungen an die
38
Jahrbuch 2004/2005
Forschungsgruppe 4
39
Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft zur nachhaltigeren Gestaltung
von Wertschöpfungsketten formuliert.
Forschungsfeld 2: Nachhaltigkeitspotenziale bei Akteuren und
Bedürfnisfeldern
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wuppertal trifft Wissenschaft“ fand am 26. Januar 2005 die
Veranstaltung: „KURS 21 – Lernpartnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen“ in der Aula des
Wuppertal Instituts statt. V.r.: Ulrich Grote, Lehrer am Carl-Fuhlrott-Gymnasium, Dr. Hans-Georg
Dellweg, Bayer HealthCare AG, Carolin Baedeker, Wuppertal Institut, Dr. Maria J. Welfens, Wuppertal
Institut, Schüler des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums.
In diesem Forschungsfeld werden besonders die Bedarfe, das Können und die
Möglichkeiten der an der Wertschöpfungskette beteiligten Akteure sowie die
institutionellen Gegebenheiten und die Entwicklungstendenzen in den einzelnen Bedürfnisfeldern analysiert. Zu den Akteuren gehören nicht nur die in den
Unternehmen beschäftigten Personen, sondern auch alle Stakeholder wie z.B.
die Wissenschaft, die Konsumenten, die die Wertschöpfungskette in ihrer Gestaltung und Entwicklung beeinflussen. Aus diesen Akteurskonstellationen werden
neue Handlungs- und Managementansätze für die jeweiligen Tätigkeitsbereiche
abgeleitet mit dem Ziel, die Nachhaltigkeitsperformance der Wertschöpfungskette zu steigern. Dabei spielt die Berücksichtigung der Bedürfnisfelder wie z.B.
Ernährung oder Wohnen eine bedeutende Rolle.
Forschungsfeld 3: Governance für nachhaltigere Produktionsund Konsummuster
Hier werden die für nachhaltiges Produzieren und Konsumieren relevanten
Governancestrukturen um die Wertschöpfungsketten herum untersucht, d.h.
die Netzwerke, in denen die Akteure agieren und an Problemlösungen arbeiten. Der Fokus liegt auf der Analyse von Governance in Unternehmen, des
Staates, von Konsumgruppen und weiteren Akteuren der Zivilgesellschaft. Ziel
ist die Ermittlung von nachhaltigen Governancestrukturen an der Schnittstelle
zwischen Produktion und Konsum.
Forschungsfeld 4: Kulturelle Verankerung von Nachhaltigkeit
Am 9. März 2005 wurden am Berufskolleg Wuppertal-Elberfeld Zertifikate „Fachberater für nachhaltiges Wirtschaften – FANWI“ an die Berufsschüler feierlich übergeben. Die Entwicklung der
Qualifizierung FANWI erfolgte im Rahmen des kompakt-Projekts unter wissenschaftlicher Begleitung
des Wuppertal Instituts in Zusammenarbeit mit dem Wuppertaler Berufskolleg, dem Berufskolleg an
der Lindenstraße, Köln, und dem Landesinstitut für Schule, Soest. Foto: Berufskolleg
Produkt-Dienstleistung-Ketten erstrecken sich immer mehr über die Grenzen
einzelner Länder und Kontinente und je nach Kultur existieren vielfältige
Perspektiven in Bezug auf nachhaltiges Produzieren und Konsumieren. In
diesem Forschungsfeld werden individuelle Lebensstile, soziale Gewohnheiten und kulturelle Werte analysiert, die Nachhaltigkeit als Orientierungsund Handlungsprinzip fördern oder hemmen. Ziel ist es, die Bedingungen für
einen kulturellen Wandel zu erfassen, der sowohl Voraussetzung als auch Folge
40
Jahrbuch 2004/2005
nachhaltiger Entwicklung ist. Die Ansätze dieser vier Forschungsfelder werden
in zwei Fokusbereichen gebündelt.
Fokus I – „Ressourcenproduktivität und Beschäftigung“ – Beispiel: Neue
Technologien
Technologische Innovationen zeigen auch immer Möglichkeiten zur welt­weiten
Förderung von Nachhaltigkeit auf. Beispiele stellen die Informations-, Kommunikations- sowie Nano- und Biotechnologie dar, die bereits erheblichen Einfluss
auf bestehende Produkte, Märkte, Arbeitsprozesse und Konsumstrukturen
haben. Die Forschungsgruppe analysiert die Auswirkungen von neuen Technologien unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit unter Einbeziehung gesellschaftlicher Veränderungen in Produktion und Konsum. Darüber hinaus werden
nach­haltigeres Produktdesign sowie die Entwicklung und Anwendung neuer,
möglicherweise nachhaltigerer Technologien untersucht. Betrachtet werden
dabei die Wechselbeziehungen zwischen Spitzenforschung, technologischer
Innovation sowie wirtschaftlichem und sozialem Wohlstand. Ein Schwerpunkt
liegt dabei auf der Erforschung der Potenziale zur Erhöhung der Ressourcenproduktivität und verbesserten Beschäftigungsmöglichkeiten.
Als neutrales Forum für Wissenschaftler, Wirtschaft und Zivilgesellschaft
setzt das Projekt „Nanologue – Europaweiter Austausch über Nutzen, Risiken
und soziale, ethische und rechtliche Auswirkungen der Nanotechnologie“ auf
einen transparenten und intensiven wissenschaftlich unterstützten Austausch
über die Chancen und Risiken von nanotechnologischen Anwendungen. Mit
Hilfe einer umfassenden Kommunikationsstrategie werden die Ergebnisse der
Analyse von Nutzen, Risiken und sozialen, ethischen und rechtlichen Auswirkungen der Nanotechnologie an ausgewählten Beispielen an Wissenschaftler, Entscheidungsträger in Unternehmen und Politik, Bildungsinstitutionen,
Medien und an die Zivilgesellschaft vermittelt. www.nanologue.net
In dem Projekt „Faktor X Umwelt-Technologien“ wird eine Screening­
methode entwickelt, mit der das Verbesserungspotenzial (Faktor X) von
Umwelttechnologien beurteilt werden kann. Identifizierte Best Practice-Strategien im Bereich Ressourceneinsparung werden aufgearbeitet und an Unternehmen weiter kommuniziert.
Ziel des Projekts „BioBen – Bewertung der sozialen Nachhaltigkeit von
biotechnologisch hergestellten Produkten“ ist die Entwicklung eines Indikatorensets und entsprechender Software zur Bewertung der sozialen Aspekte der
Nachhaltigkeit von biotechnologischen Produkten und Prozessen. Die Indikatoren und die Software sollen biotechnologischen Unternehmen ermöglichen,
die Erwartungen von Stakeholdern einzuschätzen sowie den Produktions­
Forschungsgruppe 4
41
prozess und das Produktdesign sozialverträglich zu gestalten. Darüber hinaus
werden nötige organisatorische Fähigkeiten ermittelt, um zukunftsfähige Innovationen anzustoßen.
Das Projekt „ICT – Ansatz zur Bewertung von Chancen, Risiken und
Anwendungsmöglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechno­
logie“ analysiert über seinen Ansatz hinaus auch den potenziellen Beitrag des
ICT-Sektors zur Erreichung der UN-Millenniumsziele zur Armutsreduzierung.
Dazu werden Best-Practice-Beispiele, bei denen Informations- und Kommunikationstechnologien ganzheitlich und nachhaltig angewendet werden, dargestellt. Gleichzeitig soll in der Branche das Bewusstsein für die Bedeutung von
Nachhaltigkeitsinformationen geschärft werden.
Das Ziel des Projektes „Holzwende 2020+: Nachhaltige Zukunftsmärkte
für Holz als Baumaterial“ ist die Identifikation und Unterstützung nachhaltiger
Zukunftsmärkte für Holz in der Baubranche. Es setzt dabei auf eine breite Koope­
ration mit den Akteuren – insbesondere mit den Vertretern der Baubranche – und
die Integration der Konsumenten. Die Erarbeitung der technischen, sozialen,
wirtschaftlichen und ökologischen Kriterien und vier praktische Fallstudien
­sollen die nachhaltige Nutzung von Holz in der Baubranche unterstützen.
Fokus II – „Verantwortung entlang globaler Produkt- und
Zulieferketten“
Der zweite Fokusbereich konzentriert sich auf eine Schnittstelle von Produktion
und Konsum, nämlich die Beziehungen der Unternehmen zu seinen ­Stakeholdern,
die gesellschaftliche Erwartungen in Sachen Nachhaltigkeitsverantwortung an
die Unternehmen herantragen. Untersucht werden die Interaktion zwischen
Stakeholdern sowie Konsumenten und Unternehmen, die Lokalisierung der
Stakeholder entlang länderübergreifender Produktketten und in diesem Zusammenhang die Möglichkeiten einer marktkonformen Überwindung nachteiliger
Rebound-Effekte.
Die Entwicklungspartnerschaft „kompakt – Mehr Nachhaltigkeit in Kleinund Mittelständischen Unternehmen“ ist eine Initiative zur Verbesserung der
Nachhaltigkeit und der Mitarbeiterkompetenzen in Klein- und mittelständischen Unternehmen der Lebensmittelbranche. Das Netzwerk umfasst 20 Projekte. Das Informationsportal für eine zukunftsfähige Ernährungswirtschaft
www.kompaktnet.de bietet Wissenswertes zu Produktstandards, Siegeln und
Nachhaltigkeit in der Lebensmittelbranche. Die Webseite enthält auch einen
­„Initialen Nachhaltigkeitscheck“, mit dem Unternehmen herausfinden können,
wo sie im Kontext einer nachhaltigen Wirtschaftsweise stehen und wie sie ihre
Handlungsweise verbessern können.
42
Jahrbuch 2004/2005
Forschungsgruppe 4
43
Das Projekt „Asia Pro Eco I: Umwelt-Governance-Standards für Institu­tionen
der Entwicklungsfinanzierung“ hat zum Ziel, zusammen mit der „Vereinigung
asiatisch-pazifischer Finanzinstitutionen zur Entwicklungsfinanzierung“ eine
europäisch-asiatische Partnerschaft zu etablieren. Die Partnerschaft soll dazu
beitragen, Umweltaspekte sowohl in den internen als auch externen Tätigkeiten
der Finanzinstitutionen zu verankern. Für die interne Verbesserung wird ein
Programm zur Kontrolle der Umweltperformance in den Finanzinstitutionen/
Entwicklungsbanken erstellt. Zur externen Anwendung werden Umweltstandards für Kredite und Projektfinanzierungen entwickelt.
Zur Messung und Bewertung von nachhaltigem Konsum wurden in dem
Projekt „Indikatorensystem für nachhaltigen Konsum“ drei Zielgruppen und
entsprechende Systeme identifiziert und erste Ansätze entwickelt, die nachhaltigeren Konsum und Produktion unterstützen:
1. Auf politischer Ebene – ein makroökonomisches Monitoring-System;
2. auf Ebene der Konsumenten– Informationsinstrumente zur Unterstützung
nachhaltiger Kaufentscheidungen;
3. auf Ebene der Unternehmen – die Darstellung der jeweiligen Beiträge für
mehr Nachhaltigkeit im Produktionsprozess.
Im Projekt „High5! – Unternehmenserfolg durch Nachhaltigkeitsberichterstattung“ wurde ein Handbuch entwickelt, das Klein- und mittelständische Unternehmen mit den Grundlagen der Global Reporting Guidelines vertraut macht. Es
zeigt dem Nutzer, wie er in fünf leichten Schritten einen Nachhaltigkeitsbericht
erstellen kann. Gleichzeitig stellt es die Berichterstattung über Nachhaltigkeit
in den Kontext der gesamten Unternehmenskommunikation.
Die „e-textile toolbox“ richtet sich an Klein- und mittelständische Betriebe
der Textilproduktion in Entwicklungsländern, insbesondere in Indien und
­Vietnam. Die „toolbox“ ist ein Internet-Instrument und besteht aus einer
Kombination von Qualifizierungsbausteinen, praxisnahen Managementinstrumenten und einer Datenbank mit technischen Verbesserungsoptionen. Diese
Instrumente zielen darauf ab, die Unternehmen für soziale Nachhaltigkeit zu
sensibilisieren und die Ökoeffizienz in der Textilbranche zu steigern. Gleichzeitig helfen sie, die Kommunikation entlang der Produktkette zu verbessern
und die Qualität der Produkte zu steigern (www.e-textile.org).
Weitere Informationen zu den Projekten und dem Team der Forschungsgruppe 4 „Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren“ erhalten Sie auf der
Homepage des Wuppertal Instituts unter: http://www.wupperinst.org/Seiten/
org-einheiten/fg4.html
„KURS 21 – Ihr Ticket in die Zukunft“, unter diesem Titel fand am 13. April 2005 in der Bayer Fetenfabrik in Wuppertal eine Veranstaltung der Stiftung Zukunftsfähiges Wirtschaften statt. Mit dieser Informationsveranstaltung über den Aufbau von KURS 21-Lernpartnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen sollte nach dem erfolgreichen Auftakt mit 12 Lernpartnerschaften in Wuppertal dieses Modellvorhaben zur Regelpraxis in der Region werden. Es sprachen u.a. Christa Liedtke und Peter ­Hennicke,
Wuppertal Institut, und Oberbürgermeister Peter Jung, Wuppertal. Der Umweltjournalist Volker Angres,
ZDF, moderierte die Veranstaltung.
44
Querprojekt
Nachhaltigkeitsszenarien
Im Rahmen der Neustrukturierung des Wuppertal Instituts wurden neben vier
Forschungsgruppen auch drei Querprojekte installiert. Während in den beiden
anderen Querprojekten (Globalisierung und Suffizienz) bereits seit einigen
Jahren übergreifende Fragestellungen behandelt werden, ist die Quergruppe
Nachhaltigkeitsszenarien eine vollständige Neukonstituierung, was erhebliche
Vorarbeiten erforderlich machte. Nach der grundsätzlichen Entscheidung im
Sommer 2004, den Arbeitsschwerpunkt zunächst auf die interne Vernetzung
zwischen den Forschungsgruppen zu legen, sind im Verlauf des letzten Berichtsjahres vielfältige interne Diskussionen geführt worden, deren wesentliches Ziel
in der Spezifizierung einer Forschungsagenda für den Bereich „Nachhaltigkeitsszenarien“ und der Ermittlung drittmittelfähiger Akquisitionsansätze lag.
Wesentliche Arbeitsschritte sind nachfolgend aufgeführt:
• Vertiefung und Spezifikation des bereits im vorhergehenden Berichtsjahr
aufgegriffenen Arbeits- und Themenfeldes „Verletzlichkeit des Energie­
systems“ und Beginn einer Diskussion über die Übertragbarkeit des Grundkonzepts auf andere Fragestellungen (z.B. Wasserversorgung).
Erste vergleichende Diskussion der Reaktionsmöglichkeiten auf den absehbaren, schon nicht mehr vermeidbaren Klimawandel unter Einbeziehung
strategischer Entwicklungsoptionen. Im ersten Schritt ist vorgesehen, die
Relevanz der Auswirkungen des Klimawandels auf Energiesysteme und
Energieinfrastrukturen mit den relevanten Stakeholdern zu diskutieren
und daraus weitergehende Forschungsfragen abzuleiten. Dies berücksichtigt einerseits mögliche Anpassungsmaßnahmen, die notwendig werden
könnten, um z.B. Stromtrassen gegenüber zunehmenden Wetterextremen zu
schützen oder sich auf eine geringere Kühlwasserverfügbarkeit einzustellen.
Andererseits schließt dies nachfrageseitige Veränderungen ein (z.B. eine
deutliche Reduktion der Wärmenachfrage und eine signifikante Zunahme
von Klimatisierungs- und Kühlbedarf), die Rückwirkungen auf das Gesamtsystem haben. In diesem Kontext sollen auch Technologien identifiziert
werden, die über Deutschland hinaus einen Beitrag zur Anpassung an sich
verändernde Klimabedingungen leisten können (z.B. passive Kühlung) und
sich bei erfolgreicher Entwicklung positiv auf die Exportmärkte auswirken
können.
Querprojekt Nachhaltigkeitsszenarien
45
• Diskussion der Möglichkeiten der Kopplung von Energieszenarien mit
Stoffstromanalysen. Hier können verschiedene Entwicklungs­linien unterschieden werden. Erstens geht es um die Kopplung von Energie­szenarien
mit Forecast-Betrachtungen im Bereich Stoffströme (Verknüpfung von
energietechnischen bottom-up-Analysen mit stofflich/monetär orientierten
Input/Output-Analysen). Ziel derartiger Betrachtungen ist die Bestimmung der stofflichen Auswirkungen von Veränderungen im Energiesystem
einerseits und damit die Identifikation von Strategien, die mit den Zielen
der Verringerung des Stoffstromeinsatzes gleichgerichtet sind, und eher
konfliktbeladenen Entwicklungen. Zweitens geht es um die Analyse von
ressourcenseitigen Restriktionen bei der Umsetzung von Schlüsselstrate­
gien im Energiebereich (z.B. Platin bei der Brennstoffzellenherstellung,
Palladium als Katalysatormaterial). Aktuelle Forschungsarbeiten umfassen
derzeit die Identifikation der möglichen ressourcenseitigen Restriktionen
bei der flächendeckenden Einführung von Brennstoffzellen und Wasserstofftechnologien. Daran schließt sich ein flächenbezogener Vergleich
von möglichen Umweltbe- oder -entlastungen bei der Verwendung von
Biomasse als Substitut für bisher im Wesentlichen auf fossilen Energien
basierte Anwendungen im Energiebereich (Stromerzeugung, Wärmebereitstellung), bei der Kraftstoffherstellung oder der Produktion von Verbrauchsgütern (z.B. Folien, Einwegtellern, Schmierstoffen, Naturfasern für den
Karosserieinnenausbau) an.
Zusätzliche Bedeutung erlangt dieser Themenkomplex durch die intensiver
geführte Diskussion über die zukünftige sichere Gewährleistung der Rohstoffversorgung. Das Problem ist dabei nicht nur die physische Beschaffung von
Rohstoffen, sondern zudem die steigende Volatilität der Rohstoffpreise (u.a. auf
der Basis eines zunehmend spekulativen Verhaltens der Marktplayer) sowie die
Konzentration auf immer weniger Förderregionen und Unternehmen. Indirekt in
diesen Kontext einzuordnen sind auch Untersuchungen über die nachge­lagerte
Wirkung von Energiestrategien, z.B. bei der Reststoffentsorgung ausgedienter
herkömmlicher Dämmmaterialien. Mit der aus Klimaschutzgründen erwünschten
verstärkten Gebäudesanierung werden je nach Materialeinsatz möglicherweise
erhebliche Folgelasten auf die nachkommenden Generationen übertragen.
Weitere Informationen zum Team, zu Projekten und Publikationen finden
Sie im Internet unter: http://www.wupperinst.org/Seiten/org-einheiten/
qp-szenarien.html
46
Querprojekt Globalisierung und Nachhaltigkeit
47
Querprojekt Globalisierung und
Nachhaltigkeit
„Welche Globalisierung ist zukunftsfähig?“ Das ist die Leitfrage des Querprojekts. Die Untersuchungen gehen von der Vermutung aus, dass zwischen dem
Aufstieg der transnationalen Ökonomie und den Zielen der Umweltverträglichkeit sowie der Gerechtigkeit ein Spannungsverhältnis besteht. Sie münden in der
Erkundung von Optionen zur Gestaltung der Globalisierung, welche den Zielen
Nachhaltigkeit und Sicherung der Menschenrechte Priorität gegenüber dem Ziel
wirtschaftlicher Effizienz einräumt.
Ergebnisse
Publikationen
Zwischen 2003 und 2005 wurden insgesamt zwölf deutschsprachige sowie drei
englische Wuppertal Papers vorgelegt. Daran waren insgesamt etwa 30 Autoren
beteiligt, vier davon außerhalb des Instituts. Die Themen spannen sich von
Fragen der Menschenrechte, Gender und transnationaler Produktions­ketten zu
„Fair Future – Begrenzte Ressourcen und globale Gerechtigkeit“, das neue Buch aus dem
Wuppertal Institut, wurde am
12. Mai von Bundesumwelt­
minister Trittin vor mehr als
100 Gästen in Berlin vorgestellt.
Trittin empfahl „Fair Future“ als
wichtiges und gut lesbares Buch.
Fotos Berlin: H. Ott. Weitere
Diskussionsveran­staltungen fanden statt in Hamburg, Bonn, München, Frankfurt, Wien und Bern.
Unten links: Wolfgang Sachs
und Hermann Ott bei der Buchvorstellung in Bonn. Fotos unten
rechts: Prof. Messner und Prof.
Radermacher.
48
Jahrbuch 2004/2005
Querprojekt Globalisierung und Nachhaltigkeit
49
Fragen des Welthandels und der Global Governance. Ferner wurde eine Website
(wupperinst.org/globalisierung) auf Deutsch und Englisch unterhalten, auf der
das Forschungsprogramm beschrieben wird, die Papiere zum Download bereitstehen und weiterführende Links angeboten werden.
Sodann wurde im Jahre 2005 das seit zwei Jahren vorbereitete Buch
fertig­gestellt. Zehn Autoren waren daran, mit der Hilfe weiterer KollegInnen,
unter Leitung von Wolfgang Sachs und Tilman Santarius beteiligt. Es führt
die ­Forschungs- und Diskussionsergebnisse des Globalisierungsprojekts unter
dem Leitfaden Umwelt und transnationale Gerechtigkeit in Form und Stil
eines Sachbuchs zusammen. Das Buch umfasst 280 Seiten und ist unter dem
Titel „Fair Future. Begrenzte Ressourcen und globale Gerechtigkeit“ im Mai
2005 unter der Herausgeberschaft des Wuppertal-Instituts im Verlag C.H.Beck
erschienen.
Projekte
Beim Research/Dialogue Projekt „EcoFair Trade. New Directions for
­Agricul­tural Trade Rules“ versucht ein Dutzend Experten aus Nord und Süd in
einer Serie von Konsultationen die Umrisse einer alternativen Handelsordnung
für Agrargüter zu entwerfen. 2004 wurden die Experten ausgewählt, im März
2005 ist das Projekt an den Start gegangen. Organisiert und finanziert durch die
Heinrich-Böll-Stiftung und Misereor, wird das Projekt vom Wuppertal Institut
moderiert.
Ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung hat im April
2005 am Wuppertal Institut das Promotionskolleg „Ökologie und Fairness
im Welthandelsregime“ begonnen (siehe Seite 18/19). Sechs StipendiatInnen
sind für drei Jahre finanziert, werden vom Institut in einem wissenschaftlichen
Begleitprogramm betreut und können in den Forschungsgruppen mitarbeiten.
Konferenzen und Vorträge
Das Querprojekt hat sowohl im Juni 2003 den Kongress „McPlanet.com. Der
Planet in der Globalisierungsfalle“ sowie den Folgekongress im Juni 2005
„McPlanet.com – Konsum. Globalisierung. Umwelt.“ in Zusammenarbeit mit
der Böll-Stiftung und den Veranstaltern Greenpeace, Attac, BUND wissenschaftlich begleitet und mit zahlreichen Beiträgen unterstützt. Zu beiden Kongressen
fanden sich ca. 1 500 Teilnehmer ein. Wolfgang Sachs hat im letzten Jahr etwa
30 Vorträge in sechs verschiedenen Ländern gehalten und etwa 15 Beiträge
veröffentlicht.
Wolfgang Sachs moderierte im Eröffnungspanel den Kongress „McPlanet.com – Konsum • Globalisierung • Umwelt“ (Hamburg, 3.–5. Juni 2005), der von attac, Greenpeace und dem Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND) in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Wuppertal
Institut organisiert wurde. Foto: Bettina Wittneben
Ausblick
„Fair Future“ wird bei Debatten in der wissenschaftlichen und politischen Öffentlichkeit präsent sein. Vorbereitungen zur Publikation des Buches in Englisch
und Italienisch sind angelaufen. Aufbauend auf „Fair Future“ sollen Projekte
akquiriert werden. Das Promotionskolleg sowie das Research/Dialogue-Projekt
zum ökofairen Agrarhandel werden bis zum Jahr 2007 weiterlaufen.
Weitere Informationen zum Team, zu Projekten und Publikationen finden Sie
im Internet unter: wupperinst.org/globalisierung
50
Querprojekt Ökosuffizienz und Lebensqualität
51
Querprojekt Ökosuffizienz und
Lebensqualität
Aufgabe
Das Querprojekt untersucht, auf welche Weise nachhaltige Entwicklung in
ihren ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimensionen auf suffi­zientes
Handeln in Haushalten und Unternehmen angewiesen ist, wie dieses sich
ausprägt, wie es gefördert werden kann und welche institutionellen Bedingungen dafür erforderlich sind.
Forschungsvorhaben
Eine Studie „Consume or Decline?“ bezieht sich mit ihrem Titel auf den Mythos
vom Konsumieren oder Niedergang, der unzerstörbar erscheint, obwohl Alan
Durning ihn schon 1992 widerlegt hat. Sie wird zeigen, dass Wachstum für
Industrieländer mit einer stagnierenden Bevölkerung keine wirkliche Alter­
native mehr ist, weil die Wachstumsraten in ihnen gegen Null gehen. Von dieser
Einsicht ausgehend, wird gefragt, warum quantitatives Wachstum als eine
notwendige Voraussetzung für Wohlstand gilt. Wohl darum, weil ohne Wachstum der Anspruch des Finanzkapitals auf kontinuierliches Wachstum nur auf
Kosten von Natur und Arbeit erfüllbar ist, wie es in den letzten Jahren bereits
stattgefunden hat. Die entscheidende Frage heißt dann, wie eine Balance der
Erträge entstehen kann, die Beschäftigung und Umwelt schützt.
Eine ergänzende Untersuchung „Ökosuffizienz als Gewinn“ bezieht sich
auf die Marktsituation von Unternehmen. Wie im privaten Leben wird auch
in der Führung von Unternehmen gegenwärtig suffizientes Verhalten dadurch
verhindert, dass die gegenwärtigen Kosten und Verluste überschätzt und die
auf längere Frist zu erwartenden Gewinne unterschätzt werden. Das gleiche
gilt für Entscheidungen zugunsten nachhaltiger Entwicklungen (in unternehmerischer Verantwortung). Unter der Annahme zukünftiger Gewinne heißt
die ent­scheidende Frage, ob die erwarteten Risiken so hoch sind, dass das
Unternehmen keine Chance sieht, so lange zu überleben, bis der langfristige
Gewinn eintritt. Die Studie wird untersuchen, welche kurzfristigen, mit verantwortlichem Suffizienzhandeln verbundenen Risiken tragbar oder nicht
tragbar sind.
Müllkampagne in Bozen. Foto: Felix Huber
Mit einem hausinternen Wettbewerb hat das Institut jetzt eine neue Phase
der Suffizienzforschung begonnen. Um das Thema stärker im Institut zu verankern und um eine Dimension der Nachhaltigkeit, für die sich nicht leicht
Fremdmittel einwerben lassen, akquisitionsfähig zu machen, wurde mit Mitteln
des Vereins der Freunde des Wuppertal Instituts eine begrenzte Summe ausgesetzt. Sie dient dazu, Vorstudien zu erarbeiten, die in förderungsfähige Projektanträge an Drittmittelgeber einmünden. Den folgenden drei Vor­projekten ist je
ein Teil dieser Summe zuerkannt worden.
Das Projekt „Suffizienzräume“ will ein Konzept für die gesellschaftliche
Verankerung ökosuffizienter Verhaltensweisen im Zusammenhang städtischer
Infrastrukturpolitik entwickeln. Ursprünglich bezogen auf einen bestimmten
Stadtteil von Wuppertal, ist es jetzt mit Plänen der Stadtverwaltung verbunden,
das Image der Stadt und zugleich ihre Sauberkeit zu verbessern. Das daraus
entstehende Vorhaben will das eigene Interesse der Bürgerinnen und Bürger
an einer sauberen Stadt wecken und daraus eine Strategie der Ermutigung zur
Abfallvermeidung, nicht nur der Bestrafung von Übertretungen entwickeln.
In einem interdisziplinären Vorhaben unter dem Titel „Nachhaltige Wohlfahrt“ soll, ausgehend von heutigen Verhaltens- und soziokulturellen Inter­
pretationsmustern, mit Hilfe empirischer und theoretischer Analysen ausgelotet
52
Jahrbuch 2004/2005
werden, inwieweit Ökosuffizienz komplementär zu Ökoeffizienz als Element
eines stärker qualitativ orientierten Wohlfahrtskonzeptes geeignet ist. Der
Fokus liegt dabei auf der Mikroebene der Individuen und Haushalte. Aus den
Ergebnissen sollen denkbare neue Wohlfahrtskonzepte und Ausbreitungsszenarien abgeleitet und ökologisch bewertet werden. Am 12. Mai 2005 hat in der
Berlin-­Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Kooperation mit
dem Umweltbundesamt ein Fachgespräch „Wohlfahrt und Nachhaltigkeit als
neues Thema der Nachhaltigkeitsforschung“ stattgefunden. Ziel war es, die
beiden bislang weitgehend beziehungslosen Diskurse zu Wohlfahrt und
­Nachhaltigkeit zusammenzubringen und Ansatzpunkte für eine mögliche
­Forschungsagenda zu entwickeln. Innerhalb der Programmforschung des
Umweltbundesamtes hatte der Workshop die Funktion, eine Ausschreibung
zum Thema „Weiterentwicklung der konzeptionellen Überlegungen zur ökologischen Gerechtigkeit als Teil der Sozialberichterstattung in Deutschland“ vorzubereiten.
„Suffizienz als gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe“ will die vorherrschende Orientierung von Suffizienzorientierungen am persönlichen Konsum
korrigieren. Eine dauerhafte Bewegung zu einer klugen Selbstbegrenzung
wird nur entstehen, wenn sie das Anliegen der ganzen Gesellschaft oder doch
großer Teile in ihr wird. Das Projekt ermittelt die dahin führenden Beiträge von
Unternehmen, politischen Institutionen, Initiativen der Zivilgesellschaft und
Haushalten.
Weitere Informationen zum Team, zu Projekten und Publikationen finden
Sie im Internet unter: http://www.wupperinst.org/Seiten/org-einheiten/
qp-suffizienz.html
53
Büro Berlin
Am 3. Mai 2004 eröffnete das Wuppertal Institut ein Büro in Berlin unter der
Leitung von Dr. Hermann E. Ott, bis Oktober 2003 Direktor der Abteilung
Klimapolitik. Das Büro Berlin soll die wissenschaftliche Politikberatung und
die Akquisitionskapazität in der Bundeshauptstadt ver­stärken. Darüber hinaus
soll die Kooperation des Wuppertal Instituts mit anderen wissenschaftlichen
Instituten in Berlin gefördert werden. Die Feier zur Eröffnung am 21. September 2004 lockte ca. 150 Gäste in die Galerie der Heinrich-Böll-Stiftung in den
Hackeschen Höfen. Bundesumweltminister Jürgen Trittin beglückwünschte das
Wuppertal Institut, mit der Einrichtung der Außenstelle in Berlin den richtigen
Schritt getan zu haben. Hartmut Krebs, Staatssekretär im Ministerium für
Wissenschaft und Forschung in Nordrhein-Westfalen, schloss sich dem an und
beschrieb Nordrhein-Westfalen, das Heimatland des Wuppertal Instituts, als
Motor intellektueller und wirtschaftlicher Innovationen.
Inhaltlich arbeitet das Berliner Büro zu Themen der internationalen Klima­
politik und des global nachhaltigen Regierens (global sustainable govern­
ance). Unter dem Titel „Climate Policy 2005 and Beyond: Japanese-German
Impulses“ konzipiert und organisiert das Büro eine Klimakonferenz in Tokyo
im Herbst 2005 für das Bundesumweltministerium und das Ministerium für
Wissenschaft und Forschung Nordrhein-Westfalen. Als wissenschaftlicher
Beitrag zum „Deutschland-in-Japan-Jahr 2005/2006“ soll die Umsetzung deutscher bzw. europäischer Klimapolitik einem japanischen Fachpublikum und
einer breiteren (Fach-)Öffentlichkeit dargestellt werden. Schwerpunkte sind
die ökologische Steuer­reform und der Anfang 2005 gestartete europäische
Emissionshandel für Unternehmen. Japanischer Partner ist das Institute for
Global Environmental Strategies (IGES), mit dem das Wuppertal Institut schon
seit einigen Jahren eng kooperiert.
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Jahrbuch 2004/2005
Im Bereich der „global sustainable governance“ erstellt das Büro im Auftrag von Misereor und der Heinrich Böll-Stiftung unter dem Titel „EcoFair
Trade“eine Studie zum internationalen Agrarhandel. Im Dialog mit Experten
aus dem Süden werden die gegenwärtigen Bedingungen des Handels mit Agrar­
gütern untersucht und Möglichkeiten für eine faire Ausgestaltung des internatio­
nalen Handelssystems erarbeitet. Als Ergebnis sollen konkrete Vorschläge für
einen fairen internationalen Agrarhandel vorgelegt werden.
In seinem ersten Jahr hat das Büro Berlin die Kontakte zu öffentlichen und
privaten Geldgebern intensiviert und eine Vielzahl an Verbindungen geknüpft.
Das Institut war zudem mit einer Reihe von Veranstaltungen in der Hauptstadt
präsent: Am 9. Mai 2005 veranstaltete das Büro mit dem Sustainable Europe
Research Institute (SERI) aus Wien das Symposium „Closing the Sustain­ability
Gap – Für eine nachhaltige Weltwirtschaft“ mit ca. 50 Gästen.
Am 12. Mai 2005 wurde mit dem Beck-Verlag vor ca. 100 Gästen das
Buch des Wuppertal Instituts „Fair Future. Begrenzte Ressourcen und ­globale
Gerechtigkeit“ von Bundesumweltminister Jürgen Trittin vorgestellt. Am
19. Juli 2005 präsentierte Dr. Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes, das neue Buch „Weltmacht Energie – Herausforderung an Demokratie
und Wohlstand“. Die Diskussion mit den Autoren Peter Hennicke und Michael
Müller vor ca. 80 Gästen leitete Prof. Udo E. Simonis.
Gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung organisiert das Berliner Büro
seit Anfang 2005 so genannte „KyotoPlus–Dinner“. Diese Dinner bringen in
informellem Ambiente und bei gutem Essen einen ausgewählten Kreis von ca.
20 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden zu Gesprächen
über die internationale Klimapolitik zusammen. Vier KyotoPlus-Dinner haben
bisher stattgefunden: Am 17. Januar zum Thema „EU/China – strategische
Partnerschaft im Bereich der Energie- und Klima­politik?“, am 24. Februar zu
„Climate Justice – Klimaschutz auf dem Rechtsweg?“, am 6. April zu „Gerechtigkeit und Solidarität im Treibhaus“ und am 2. Juni mit Sunita Narain vom
Centre for Science and Environment in New Delhi zur Frage „Wie sollten sich
Entwicklungsländer strategisch für die ­Klimaverhandlungen positio­nieren?“.
Weitere Informationen zum Team und zur Arbeit des Berliner Büros finden Sie
im Internet unter: http://www.wupperinst.org/berlin-office/index.html
Büro Berlin
55
Am 3. November 2004, anlässlich
des Staatsbesuches von Königin
Elizabeth II., organisierte die Britische
Botschaft eine Konferenz mit dem
Titel: ­„Climate Change: Meeting the
­Challenge Together“. In diesem
Rahmen wurde der Leiter des Berliner
Büros, Hermann E. Ott, der britischen
Königin vorgestellt.
Foto: © Matti Hillig (foto di matti),
für Britische Botschaft
„Wo könnte man besser Akquise
betreiben als in Berlin, wo schöner als
in den Hackeschen Höfen und mit
wem besser als mit Hermann Ott?“
fragte Bundesumweltminister Jürgen
Trittin die zahlreichen Gäste der
Eröffnungsfeier des Berliner Büros
am 21. September 2004 in den
Hackeschen Höfen.
Bild unten: Hausherr Hermann Ott
begrüßt die Gäste.
56
Jahrbuch 2004/2005
57
Bernd Brouns, Stefan Lechtenböhmer, Jochen Luhmann
„Kyoto plus“ – Strategien globaler
Klimapolitik im 21. Jahrhundert
Hartmut Krebs, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Forschung in Nordrhein-Westfalen,
(l.) beendete seine Ansprache mit einem herzlichen „Glückauf“. (Hier mit Gründungspräsident Ernst
Ulrich von Weizsäcker). Unter den Gästen aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft die BUND-Vor­
sitzende Dr. Angelika Zahrnt.
Die internationalen Bemühungen zum Schutz des Klimas treten in eine neue
Phase. Das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls am 16. Februar 2005, mehr als
sieben Jahre nach seiner Aushandlung, markierte einen vorläufigen Abschluss
der ersten Phase multilateraler Klimapolitik, die auf dem Weltgipfel für
Umwelt und Entwicklung in Rio 1992 ihren Anfang nahm. War mit der dort
verabschiedeten Klimarahmenkonvention ein institutioneller Rahmen für inter­
nationale Klimapolitik geschaffen worden, so haben die dem Kyoto-Protokoll
beige­tretenen Industriestaaten nun erstmals rechtlich verbindliche Pflichten
zur Begrenzung ihrer Treibhausgasemissionen übernommen. Die Architektur
internationaler Klimapolitik hat damit zweifellos eine tragende Säule erhalten,
doch bedarf es deren Ausbaus und der Installation weiterer Säulen, damit die
Statik der „größten Herausforderung für die Weltgemeinschaft“ (Blair 2004)
angemessen ist.
Die nun beginnende „Kyoto plus“-Phase wird deutlich multidimensionaler
als bisher gestaltet sein müssen. Einerseits geht es in den nächsten Jahren um
die Fortschreibung des Kyoto-Protokolls. Das Protokoll beinhaltet bisher nur
Emissionsziele für den Zeitraum 2008 bis 2012, ist jedoch als dynamisches Vertragswerk angelegt. So sieht es vor, dass die Kyoto-Vertragsstaaten bereits auf
ihrem ersten Treffen in Montreal (November/Dezember 2005) einen Verhandlungsprozess initiieren, um Ziele und Maßnahmen für die Zeit nach 2012 zu
verabreden. „Kyoto plus“ bedeutet in diesem Fall schlicht die kontinuier­liche
Weiterentwicklung des Protokolls zu einem „Kyoto-2“, „Kyoto-3“, „Kyoto-4“
usw.
Eine entscheidende Voraussetzung für ein erfolgreiches Gelingen dieser
Verhandlungen ist die Umsetzung der bestehenden völkerrechtlichen Pflichten
in konkrete Maßnahmen auf nationaler (und europäischer) Ebene. Die Implementierung von „Kyoto-1“ und Folgeabkommen ist eine weitere Dimension
Der vorliegende Text basiert auf Ergebnissen mehrerer Forschungsprojekte des Wuppertal Instituts zur internationalen Klima- und Energieeffizienzpolitik und will Akteuren
der nationalen und internationalen Klimapolitik sowie der interessierten Öffentlichkeit
Vorschläge für Strategien zukünftiger Klimaschutzpolitik zur Diskussion stellen.
In diesen Beitrag sind zahlreiche konstruktive Hinweise von Peter Hennicke, Hermann
E. Ott, Wolfgang Sterk, Stefan Thomas und Bettina Wittneben eingeflossen.
58
Jahrbuch 2004/2005
von „Kyoto plus“, die unmittelbar auf die internationale Ebene rückwirken
wird. Gerade weil die Umsetzung der Kyoto-Ziele bisher in vielen Industriestaaten eher schleppend verläuft, wird dieser nationalen Dimension entscheidende Bedeutung für die zukünftigen internationalen Bemühungen zukommen.
Der Start des europäischen Emissionshandels im Januar 2005 war hier ein viel
versprechender Schritt.
Neben den Rahmensetzungen über Emissionsziele und klimapolitische
Instrumente hängt Klimaschutz auch von der Verfügbarkeit und Nutzung klima­
freundlicher Technologieoptionen ab. Es bedarf daher zwischenstaat­licher
Koope­rationen zur Unterstützung der Entwicklung, vor allem aber des Markt­
eintritts entsprechender Technologien. Diesem Ziel folgten einige der klima­
politischen Initiativen der jüngeren Vergangenheit wie der „Renewables“-Prozess und die „Asia-Pacific Partnership on Clean Development and Climate“
zwischen den USA, Australien, Japan, China, Indien und Südkorea. Diese
Technologie orientierte „Kyoto plus“-Dimension setzt auf die internationale
Koordinierung von Maßnahmen zur Schaffung von Klimaschutzmärkten und
ist damit ein wichtiges Komplement zum klimapolitischen Verhandlungsprozess unter der Klimarahmenkonvention und dem Kyoto-Protokoll. Man darf
jedoch nicht die Augen davor verschließen, dass in der gegenwärtigen politischen Landschaft dieser Pfad von einigen Akteuren eher als Alternative denn
als Ergänzung der „klassischen“ Klimapolitik unter der Klimarahmenkonvention und des Kyoto-Protokolls begriffen wird.
Alle diese „Kyoto plus“-Dimensionen haben gemeinsam, dass sie auf die
Minderung von Emissionen abzielen, letztlich den Weg in ein „solares“ Zeitalter ebnen wollen. Mit fortschreitendem Klimawandel wird jedoch zunehmend deutlich, dass die Bewältigung des Klimaproblems nicht mehr nur eine
Frage der Bekämpfung seiner Ursachen ist, sondern dass Klimapolitik auch
die rechtzeitige Anpassung an die Folgen des heute schon nicht mehr vermeidbaren Wandels umfassen muss. Diese andere Seite der Medaille „Klimapolitik“
und hier vor allem die Unterstützung der durch den Klimawandel verwundbarsten Regionen und Menschen wird seit dem Klimagipfel von Neu Delhi
(2002) zunehmend zum weiteren Angelpunkt der internationalen Klimaverhandlungen. Gleichzeitig bestehen insofern Wechselwirkungen zur Medaillenseite der Emissionsminderung, als dass von vielen Entwicklungsländern die
Schlüssel­frage ihrer zukünftigen Rolle beim globalen Klimaschutz an die Frage
der Übernahme von Verantwortung für die Opfer des Klimawandels durch die
Industriestaaten geknüpft wird.
Weitere Ausführungen zur gegenseitigen Bedingtheit von Anpassungs- und Emissionsminderungspolitik für die Fortentwicklung des Klimaregimes finden sich in Ott et al.
(2004).
Kyoto plus
59
Das Kyoto-Protokoll
Auf der 3. Vertragsstaatenkonferenz (COP 3) der Klimarahmenkonvention der
Vereinten Nationen (UNFCCC), die 1997 im japanischen Kyoto stattfand, wurde das
Kyoto-Protokoll verabschiedet. In dem Protokoll verpflichten sich die im Annex I der
Klimarahmenkonvention aufgeführten Industriestaaten völkerrechtlich verbindlich,
ihre Emissionen der wichtigsten Treibhausgase – unter anderem Kohlendioxid (CO2),
Methan (CH4) und Lachgas (N2O) – im Zeitraum 2008 bis 2012 gemeinsam um
mindestens 5 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Dabei haben die einzelnen
Länder unterschiedlich hohe Emissionsbegrenzungspflichten akzeptiert(z. B. EU (15):
– 8 Prozent, USA: – 7 Prozent, Japan: – 6 Prozent, Russland ± 0 Prozent, Australien:
+8 Prozent). Das Gesamtziel der EU wurde unter den 15 Mitgliedsstaaten von 1997
aufgeteilt. So will Deutschland um – 21 Prozent, Großbritannien um – 12,5 Prozent
und Frankreich um ± 0 Prozent vermindern, während beispielsweise ein weniger stark
entwickelter Staat wie Spanien seine Emissionen um 15 Prozent ansteigen lassen darf
(UNFCCC 2002). Das Protokoll führt darüber hinaus die drei sog. Kyoto-Mechanismen (Emissionshandel, Joint Implementation, Clean Development Mechanism) ein,
die mit dem Ziel einer kosteneffizienten Erfüllung der Emissionsziele einen Handel
von Emissionsberechtigungen zwischen Staaten ermöglichen. Nach der russischen
Ratifizierung im November 2004 ist das Kyoto-Protokoll am 16. Februar 2005 in Kraft
getreten. Bislang sind außer den USA und Australien alle Industriestaaten und viele
Entwicklungsländer dem Protokoll beigetreten – im Oktober 2005 umfasste die Gruppe
der Kyoto-Mitgliedsparteien 155 Staaten.
Nähere Informationen zum Text und zur Entwicklung des Kyoto-Protokolls finden sich
auf http//:UNFCCC.int sowie in Oberthür/Ott (1999).
In diesem Beitrag legen wir jedoch den Fokus auf die internationale
Dimension von Klimaschutzpolitik im Sinne einer langfristigen integrierten
Emis­sionsminderungspolitik, die darauf abzielt, die Folgen des Klimawandels
auf ein vertretbares Maß zu beschränken.
Die klimapolitische Herausforderung zum Ende der
ersten Kyoto-Periode
Der Wandel des Klimas gehört zur Geschichte der Erde wie das Auf- und Untergehen von Sonne und Mond. Er ist Ausdruck der Beziehung der Erde zur Sonne
und zu ihren Geschwisterplaneten. Die verändert sich stetig mit dem Lauf der
Gestirne und wiederholt sich darin nach immer ähnlichen Mustern. In diesen
rhythmischen und allmählichen Wandel, wie er dem Menschen vorgegeben
ist, ist dieser neuerdings wie ein neues Gestirn hineingestoßen. In wenig mehr
als einem Jahrhundert hat er sich in eine Machtposition in seiner Beziehung
zur Erde, seiner Lebensbasis, katapultiert, die der Sonne Konkurrenz macht
60
Jahrbuch 2004/2005
– die vom Menschen verursachte Änderung der planetaren Strahlungsbilanz
übersteigt inzwischen die von Sonnenschwankungen und verläuft zudem viel
schneller.
Der machtvolle Eingriff des Menschen hat einen Namen: „anthropogener
Klimawandel“. Veranlasst wird er vor allem dadurch, dass der Mensch den
Gehalt an Treibhausgasen in der Erdatmosphäre steigert. Mit dem Ausgang des
19. Jahrhunderts lag der Gehalt von Kohlendioxid in der Atmosphäre bei 280
Millionstel Anteilen (ppmv): Das hört sich sehr wenig an – wieso die Änderung von etwas so Kleinem, selbst dessen Verdoppelung, bedeutend sein können soll, ist nur schwer einzusehen. Ein alternatives Maß für den menschlichen
Einfluss mittels der Treibhausgase ist die Erhöhung der Erdmitteltemperatur,
die von dem Mehr an Treibhausgasen ausgelöst wird. Plus 3 Grad Celsius
als Folge einer Verdoppelung der Treibhausgaskonzentration gegenüber vor­
industrieller Zeit, lautet dann die mutmaßlich gleichwertige Aussage – für die
bedarf es aber nicht mehr nur eines Messergebnisses, sondern schon ganzer
Klimamodelle. Doch auch wenn man dieses Maß verwendet, ist ein ähnliches
Reaktionsmuster zu erwarten, das folgendermaßen aussieht: „Nun werden also
auch bei uns in Deutschland Idealtemperaturen wie auf Mallorca üblich werden
– was sollte man dagegen haben?“ Solche affirmativen Reaktionen sind absehbar. Deshalb wird hier ein drittes Maß benutzt: die Energie, den zusätzlichen
Antrieb für atmosphärische Vorgänge, den der Mensch insbesondere mit der
Veränderung des Gehalts an Treibhausgasen veranlasst. Gemessen wird er in
Watt absorbierter Sonnenstrahlung pro Quadratmeter Erdoberfläche (W/m2).
Das ist ein Maß für die „Macht“ des Menschen. Es hat den Vorzug, dass man es
mit erdgeschichtlich formenden Kräften vergleichen kann und es dadurch den
willkürlichen Eindruck von Kleinheit verliert.
Wir leben gegenwärtig in einer Warmzeit, die vor rund 12 000 Jahren
begann. Davor hat es während der letzten 700 000 Jahre Erdgeschichte einen
regelmäßigen Wechsel von Eis- und Warmzeiten gegeben, die von Änderungen
in der Beziehung der Erde zur Sonne und zu ihren Geschwisterplaneten ausgelöst wurden. Dieser Wechsel hat sich in Änderungen des Gehalts an Treibhausgasen ausgedrückt. Dessen Auf und Ab entspricht im Maximum einer Antriebsänderung in Höhe von rund 1,5 W/m2. Mit dem Ende des vorindus­triellen Zeitalters ist der Mensch vom oberen Rand dieser Spannweite aus gestartet. Nun,
nach gut 130 Jahren, haben wir einen zusätzlichen Antrieb in Höhe von 2,5
Watt „aufgesattelt“, und wir nähern uns etwa 3,5 W/m2, entsprechend einer
Bei diesen Zahlen könnte man erwarten, dass längst wieder eine Instabilität („Eiszeit“)
ausgebrochen oder zumindest veranlasst sein müsste. Weshalb die Situationen trotz
gleichem oder sogar größerem „externen forcings“ unterschiedlich sind, weshalb die
gegenwärtige Warmzeit dennoch einigermaßen stabil ist, ist in Luhmann (2005a) erklärt.
Kyoto plus
61
Verdoppelung des Gehalts an Treibhausgasen. Bislang ist keine Tendenz in
Sicht, dass der Anstieg bei 3,5 Watt ein Ende finden wird.
Dominant unter den Treibhausgasen ist Kohlendioxid. Die anderen anthropogenen Treibhausgase sind nicht unbedeutend – blicken wir zurück auf die in
der Vergangenheit angehäufte Altlast, so macht sie etwa 40 Prozent aus, wenn
wir nach vorne schauen, vielleicht noch 20 Prozent (WRI 2005). Kohlen­dioxid
ist das Produkt eines elementaren Lebensvorgangs, der Verbrennung von
organischen Kohlenstoffverbindungen zur Gewinnung der darin enthaltenen
Bindungsenergie. Leben wäre aber nicht möglich ohne einen Umkehrprozess
dazu, die Photosynthese, bei der, unter Zuführung von Sonnenenergie, Wasser
in seine beiden Ausgangsstoffe zerlegt wird und mit deren Hilfe Kohlendioxid
zu Kohlenwasserstoffverbindungen reduziert wird.
Beide elementaren Lebensprozesse koexistierten lange in einem erdgeschichtlich eingespielten Gleichgewicht von Werden und Vergehen. Dann aber
begann der Mensch mit der Erfindung der Dampfmaschine dieses Gleichgewicht gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu stören. Unter dem Titel „Industrielle
Revolution“ hat er auf den Bestand an fossilen Brennstoffen zugegriffen, zur
Aneignung des darin gespeicherten „Schatzes“ an Sonnenenergie. Damit hat
er eine von ihm vorgefundene Grenze, seine Verwiesenheit auf Energieflüsse,
gesprengt. Heute verfeuert der Mensch in einem einzigen Jahr etwa so viel an
fossilen Energieträgern, wie in einem Zeitraum von etwa einer Million Jahren
aus Sonnenenergie entstanden sind. Auch diese Verbrennung selbst stellt einen
zusätzlichen menschlichen Antrieb innerhalb des Energiebudgets der Atmosphäre dar. Doch der Antriebseffekt aufgrund des dabei entlassenen Kohlen­
dioxids liegt um etwa den Faktor einhundert über der direkten Antriebswirkung, also der Wirkung, um deretwillen wir die Energieträger verbrennen.
Zu der Frage nach dem Verbleib des Kohlendioxids, dieses hoch­potenten
Abfallprodukts der Verbrennung, hat der Mensch sich im Vorhinein, in den
Frühphasen der Industrialisierung, keine Gedanken ge-macht. Wenn es für
den erhöhten Zufluss an Kohlendioxid keinen erhöhten Abfluss gibt, wenn
also durch menschlichen Einfluss mehr Treibhausgase in die Atmosphäre
­gelangen, als „natürlicherweise“ wieder entzogen werden, so steigt der Gehalt
1,5 W/m2 entspricht der Amplitude von 200 bis 280 ppmv, also 80 ppmv Differenz.
3,5 W/m2 entspricht einer Verdoppelung der Treibhausgaskonzentration gegenüber
vor­industrieller Zeit, also + 280 ppmv Differenz. Diese beiden Zahlenverhältnisse lassen
erkennen, dass der Zusammenhang von Treibhausgaskonzentration und Strahlungsantrieb
nichtlinear ist. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die CO2-spezifischen Absorp­tions­
banden eine Sättigungstendenz aufweisen. Um jedoch die wirkliche Antriebsänderung zu
bestimmen, müssen auch Sekundäreffekte durch veränderte Verhaltensweisen der nichtphysikalisch bestimmten Erdkompartimente berücksichtigt werden – die aber lassen eine
positive Rückkopplung erwarten.
62
Jahrbuch 2004/2005
in der Erdatmosphäre unweigerlich an – von einem dadurch oder auch auf
­anderen Wegen genommenen Einfluss des Menschen auf die Ableitfähigkeit
des „Natur“-Systems ganz zu schweigen. So ist es nun auch gekommen. Ein
zentraler Pfeiler des Projekts „Industrialisierung“ trägt nicht mehr. Das ist eine
Einsicht, für die die Wissenschaft sich in den 1970er Jahren geöffnet hat und
die etwa in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre den politischen Raum erreichte.
Dessen ungeachtet wird das Projekt weiter ausgebaut. Ein tieferer Glaube, ein
kindlicheres Sich-getragen-Wissen als dieses Bekenntnis durch das Tun ist
schwerlich vorstellbar. Es ist ein Tun in der Hoffnung, dass der Pfeiler doch
noch trägt oder die Folgen eines Einsturzes schon nicht so arg sein werden.
Diese Hoffnung aber ist ohne Grund.
Die mit dem menschengemachten Klimawandel herbeigeführte Herausforderung hat eine Struktur, die man an einer Badewanne erläutern kann. Die
Wanne reduzieren wir gedanklich auf drei Eigenschaften: Sie habe eine maximale Füllhöhe, sie fasst somit ein begrenztes Reservoir; und sie habe einen
Zufluss sowie einen Abfluss.
Die Wanne steht für die Erdatmosphäre, das Wasser in der Wanne für die
Treibhausgase. Das bedeutet: Die Industrienationen haben mit ihrem Einstieg
in die Kultur des industriellen Wirtschaftens begonnen, den Hahn über die
Kapazität des Abflusses hinaus aufzudrehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg
drehten sie gleichsam den Hahn bis zum Anschlag auf. Der heute aufgelaufene Reservoir-Effekt: Die Wanne dürfte schon zu etwa 85 Prozent gefüllt sein
– während die Weltbevölkerung weiter wächst und die Entwicklungsländer
noch gar nicht richtig angefangen haben, ebenfalls in das Projekt „Industrialisierung“ einzusteigen.
Die verschiedenen anthropogenen Treibhausgase sind chemisch, also in
ihren Reaktionen mit der Umwelt, völlig unterschiedlich – sie weisen beispielsweise unterschiedliche Verweildauern in der Atmosphäre auf und unterschiedlichste „Nebenwirkungen“ auf Stoffkreisläufe der Natur, insbesondere
den Kohlenstoff- und den Stickstoffkreislauf. Auf einen gemeinsamen Nenner
zu bringen sind sie aber doch in einem: in ihrem energetischen Effekt, ihrem
gegenwärtigen Strahlungsantrieb, ihrem aktuellen Beitrag zur Erwärmung der
Erdatmosphäre.
Ziel der Klimapolitik muss es sein, den Gehalt von Treibhausgasen in der
Luft, also – um im Bild zu bleiben – den Wasserspiegel in der Badewanne,
nicht immer weiter ansteigen zu lassen. Dieses Ziel ist nicht schon durch eine
Stabilisierung der Emissionen zu erreichen, auch dann käme es bald zum Über-
Vgl. zur Entdeckungsgeschichte der Klimaherausforderung Luhmann (2001) sowie Weart
(2003).
Kyoto plus
63
lauf. Der Anstieg des Wasserspiegels ist nur zu stoppen, wenn die Emissionen
drastisch zurückgeführt werden auf ein präzise definiertes Niveau: auf die
Kapazität des Abflusses – wenn also nicht mehr Treibhausgase in die Luft entlassen werden, als abgebaut werden können. Und weiter gilt: Der Überlauf ist
nurmehr zu verhindern, wenn dies alsbald und entschieden geschieht.
Kyoto: Ein Anlass für eine Zwischenbilanz
Anlass für diese bilanzierenden Bemerkungen ist der gegenwärtige Stand der
multilateralen Klimapolitik. Die befindet sich auf einem Scheitelpunkt. An
diesem Punkt kann ein Resümee gezogen werden, um das Ausmaß der verbleibenden Aufgabe zu bestimmen.
Am 16. Februar 2005 trat das Kyoto-Protokoll in Kraft. Das wurde ­gefeiert,
denn damit war eine Ernte endlich eingefahren. Doch nun, da die Ernte eingebracht ist, sind auch die Ernteausfälle bilanzierbar, welche wir zu beklagen
haben – „dank“ der weltpolitischen Auseinandersetzungen um das Kyoto­Protokoll.
Nachdem das Klimaproblem politisch entdeckt worden war, stand den
­führenden Beteiligten unausgesprochen etwa folgender Zeitplan vor Augen:
Wir starten im Jahre 1990. Ziel der multilateralen Klimapolitik müsse es sein,
die globalen Emissionen von Treibhausgasen bis etwa zum Jahre 2050 auf rund
die Hälfte zurückzuführen. Von 1990 bis 2050 sind es drei mal zwanzig Jahre.
Wir haben also drei Perioden Zeit für den Erfolg, den wir anstreben. Industrie­
nationen und Entwicklungsländer haben einen unterschiedlichen Anteil am
Anwachsen des Problems, dem Gehalt an Treibhausgasen in der Luft, aus diesem Grunde haben die Industriestaaten voranzugehen. In der ersten Periode
beginnen die Industriestaaten. Sie schwenken auf einen Pfad der Reduktion
der Treibhausgasemissionen ein. In der nächsten Periode folgen die Entwicklungsländer den Pionieren, den Industriestaaten. Und wenn der kollektive Emis­
sionspfad dann das richtige Vorzeichen aufweist, nämlich eines, das nach unten
weist, dann ist noch eine Periode Zeit zuzulegen, um das Projekt der Umsteue­
rung zum Erfolg zu führen. So in etwa die – vielleicht etwas knapp bemessene – Kalkulation. Die erste Periode, die zwanzig Jahre bis zum Jahre 2010,
ist dann die Kyoto-Periode geworden, deren Ergebnisse nun im wesentlichen
feststehen – an deren Ende wollten die Industriestaaten fünf Prozent weniger
Treibhausgase emittieren.
Das Emissionsniveau, von dem aus die Menschheit zu Beginn der 1990er
Jahre gestartet ist, können wir heute, dank der klimarechtlich statuierten
64
Jahrbuch 2004/2005
­ eldepflichten, recht präzise bestimmen: Da entließen Industrienationen und
M
Entwicklungsländer zusammen 30 Gigatonnen pro Jahr (Gt/a) Treibhausgase
in die Luft. Das gilt allerdings nur, wenn man „Treibhausgase“ in der Definition gemäß dem sog. „Kyoto-Korb“ versteht. Das Kyoto-Protokoll aber erfasst
nicht alle Treibhausgase, für deren Emission der Mensch verantwortlich ist.
Das ist bewusst so gemacht worden, es handelte sich beim Kyoto-Protokoll ja
nur um einen ersten Schritt der globalen Klimaschutzpolitik, der sich zunächst
nur an Industriestaaten richtete.
Die vollständige Aussage muss lauten: Wir sind in Wahrheit von etwa
39 Gt/a aus gestartet. Mit dieser Ergänzung sind weit überwiegend Emissionen
von Kohlendioxid aus Entwaldungen oder, wie es technisch heißt, „Änderungen der Landnutzung“ mit erfasst. Im Kyoto-Gase-Korb dagegen wird Kohlendioxid weitgehend beschränkt auf die Quelle „Verbrennung fossiler Energie­
träger“. Ergänzt sind damit auch die bislang nicht berücksichtigten Emissionen
aus „internationalem Transport“, die sich der UN-Logik des Ansatzes bei
Territo­rialstaaten und deren Aufsummation bislang entzogen.
Entwaldungen sind ein Problem gerade etlicher Entwicklungsländer.
Die sind eben noch dabei, das nachzuholen, was die Industriestaaten bereits
zu Beginn bzw. noch vor der Periode der Industrialisierung gemacht und in
einem spezifischen Sinne auch „erledigt“ haben. England zum Beispiel hatte
sich zu einem baumlosen Land gemacht: Genau dieser Mangel war es, der im
Mutter­land der Industrialisierung den entscheidenden Druck erzeugte, auf den
vermeintlichen „unterirdischen Wald“, den fossilen Brennstoff Kohle, systematisch zurückzugreifen. Dass die Emissionenkategorie „Kohlendioxid aus
Entwaldungen“ für die erste Periode, in der die Industriestaaten vorangehen
sollten, vernachlässigt wurde, ist zwar verständlich, doch diese Emissions­
kategorie ist quantitativ bedeutend. Für die Zukunft, in der die Entwicklungsländer mit in die Pflicht genommen werden müssen, ist diese Ausblendung
somit aufzuheben. Dieselbe Maßgabe hat für den Sektor „Internationaler
Transport“ zu gelten.
Der absehbare Ausgangspunkt am Ende der ersten
Kyoto-Periode
Soweit die Definitionen. Nun zur absehbaren Ausgangslage zu Beginn der Nach2012-Periode – zunächst bei einer Definition von „anthropogene Treibhausgase“
nach dem Kyoto-Korb: Unter dieser Voraussetzung liegt der Ausgangspunkt im
Jahre 1990, wie erwähnt, bei etwa 30 Gt/a. Dazu trugen die Industriestaaten
Kyoto plus
65
60 Prozent bei, die Entwicklungsländer 40 Prozent. Das Ziel hieß: Rückführung bis zum Jahre 2050 auf die Hälfte. Bei diesem Ausgangspunkt bedeutet
das eine Minderung um 15 Gt/a auf eben denselben Wert. Um dieses Ziel zu
­erreichen, sollten die Industriestaaten „vorangehen” – bis 2010. Das gehörte zur
stillschweigenden Verabredung zwischen Süd und Nord über zwei Perioden,
gleichsam zur „Geschäftsgrundlage“ der Klimakonvention.
Nach zwanzig Jahren muss man feststellen: Der Norden ist seinem Versprechen nicht nachgekommen. Die Treibhausgasemissionen stiegen deutlich
an, und das nicht nur in den Ländern, die einen Nachholbedarf haben, sondern
auch in den Pionierländern, den Industriestaaten. Der Anstieg von Treibhausgasemissionen beider Gruppen zusammen ist historisch präzedenzlos. Basis
dieser Einschätzung sind die pflichtgemäß gelieferten Berichte aus den Industriestaaten einerseits (UNFCCC 2004) sowie Prognosen der Internationalen
Energie-Agentur (IEA) für die Entwicklungsländer andererseits (IEA 2004).
Nach diesen Quellen haben wir zu erwarten, dass die globalen Emissionen bis
2010, in nur zwei Jahrzehnten, um 15 Gt/a empor geschnellt sein werden.
Wie kommt ein solch monströses globales Wachstum zustande? Die Industrieländer tragen dazu etwa 2 Gt/a bei, sie werden mit gut 10 Prozent Zuwachs
über die Ziellinie gehen. Das ist weitgehend bestimmt durch das Ausreißerwachstum der USA und Australiens, der beiden „Kyoto-Flüchtlinge“. Entscheidend ist, dass die Emissionen der Industriestaaten als Block nicht ­sinken,
sondern wachsen, also das falsche Vorzeichen aufweisen – damit wird ein
falsches Zeichen gesetzt und die Legitimation verspielt, von der Gruppe der
Entwicklungsländer ihrerseits Maßnahmen einzufordern.
Die Entwicklungsländer tragen die restlichen 13 Gt/a bei. Darunter dominant China, gefolgt von Indien und der Gruppe Brasilien/Indonesien/Iran sowie
der Gruppe der sogenannten OECD-Entwicklungsländer Mexiko/Süd-Korea/
Türkei. Der Anteil der Entwicklungsländer an den globalen Treibhausgasemissionen lag im Jahre 1990 bei knapp 40 Prozent, die IEA prognostiziert für die
Emissionen von Kohlendioxid ein Wachstum um 110 Prozent. Die „übrigen“
Treibhausgase wurden von der IEA nicht erfasst und wachsen vermutlich nicht
mit gleicher Rate wie die aus der Verbrennung, die den IEA-Autoren für den
industriellen Nachholvorgang notwenig erscheint. Doch es bleibt der immer
noch ausgeblendete Teil von Kohlendioxid aus Entwaldungen, der im Jahr 1990
etwa 8 Gt/a betrug. Deshalb werden die Entwicklungsländer im Jahre 2010 in
jedem Falle mindestens 25 Gt/a an Treibhausgasen freisetzen und damit an den
Industriestaaten vorbeiziehen, die „nur“ noch 20 Gt/a beitragen.
Das bedeutet: Im Jahre 2010, nach Ablauf von 20 Jahren und damit der
ersten von drei Perioden, wird die internationale Staatengemeinschaft mit
Emissionen in Höhe von mindestens 45 Gt/a dastehen. Soll das ursprüngliche
66
Jahrbuch 2004/2005
Absehbare Ergebnisse der Kyoto-Periode
A Nachholender Ausstoß von Klimagasen
erwarteter Zuwachs
1990* bis 2010
1990*: 30,3 Mrd. t THG CO2 äquiv.
+110%
THG
THG-Wachstum der
Entwicklungsländer
proportional zum
CO2-Wachstum (nur
energiebedingt),
nach IEA (2004)
+10,8%
THG
18,5
11,8
INDUSTRIESTAATEN
ENTWICKLUNGSLÄNDER
1,2
4,8
THG-Emissionen in Mrd. t
Bevölkerung in Mrd.
0
20
40
60
80
100
* Basisjahr der Kyoto-Verpflichtung (Quelle: UNFCCC, Okt. 2004).
B Anteilsverschiebung (Segmente) und Wachstum (Kreise)
1990
30,2
61% Mrd. t 39%
THG
2010
45%
45,15
Mrd. t
THG
55%
Kyoto plus
67
Ziel bis 2050 weiterhin erreicht werden, so bedarf es dafür nun, nachdem ein
Drittel der zur Verfügung stehenden Zeit verstrichen ist, einer Rückführung
um doppelt soviel wie im Jahre 1992 angesagt: um nun 30 Gt/a, auf ein Drittel
des für 2010 zu erwartenden Volumens. Das ist eine Herausforderung, die zu
Beginn der 1990er Jahre jenseits des Vorstellbaren lag.
Die Staaten, insbesondere die Industriestaaten, haben sich mit Unterzeichnung der Klimakonvention dazu verpflichtet, regelmäßig die Angemessenheit
der verabredeten bzw. eingegangenen Verpflichtungen zu überprüfen. Dafür
müssen Herausforderung, also Ziel, und Stand der Einlösung, also Politik, eruiert und miteinander verglichen werden – die Differenz bestimmt die anstehende Aufgabe. Eine solche Überprüfung war für 1998 vorgesehen, doch wird
sie seitdem in schöner Regelmäßigkeit im Rahmen des Konventionsprozesses
vertagt. Doch außerhalb des offiziellen Rahmens bereiten sich insbesondere die
Kyoto-Staaten auf die im Protokoll verankerte Verpflichtung vor, bis spätestens
Ende des Jahres 2005 die Weiterentwicklung des Protokolls zu veranlassen.
So wurden zur Vorbereitung des Treffens der G8 im Juli 2005 wie auch für
den EU-Ratsbeschluss im März 2005 erhebliche Anstrengungen zur Fixierung
des Umfangs der anstehenden Herausforderung unternommen, gut und präzise
erarbeitet, im EU-Fall mit einem Vorlauf von mehreren Jahren. Das hat zu
einem neuen Stand der Problemwahrnehmung geführt. Dem ist die Fokussierung vieler wissenschaftlicher Einzelergebnisse zu verdanken, die bislang nur
zerstreut vorlagen. Oder von Ergebnissen, die dem Qualitätssicherungsmaßstab
des IPCC nicht genügen, weil sie zu „jung“ erst vorliegen. Erst die Nachfrage
seitens der Politik erzwingt eine integrierende Sicht auf das Problem, welches
den Wissenschaften zur Beobachtung aufgegeben ist. Von allein geschieht das
nicht.
Der aufkeimende Verdacht: Schon über das
Ziel hinaus?
Dieser Prozess des Reviews wie der Fokussierung weit auseinanderliegender
Einsichten und Indizien hat einen doppelten Verdacht hinsichtlich der Größenordnung bereits veranlasster Folgen des Klimawandels aufkeimen lassen: „Sind
wir möglicherweise bereits über das Ziel hinausgeschossen?“
So wurde im Vorfeld des G8-Gipfels von der britischen Regierung die sog. Exeter-Konferenz „Avoiding dangerous climate change“ (1.–3. Februar 2005) organisiert. Mehr Informationen zur Konferenz sind verfügbar unter http://www.stabilisation2005.com.
68
Jahrbuch 2004/2005
Unterschätzte Eisschmelzprozesse
Der erste Verdacht: Die Folgen der Temperaturerhöhung in verschiedenen
Erdsphären sind vielleicht doch größer als bislang gedacht. Die Spezialisten
für die Eisschilde, die Kryowissenschaftler, jedenfalls porträtierten ihre Sphäre
bislang als einen „schlummernden Riesen“, nun sprechen sie von einem
„erwachenden Riesen“ (Rapley 2005).
Dass er schlummert, gaben die herrschenden Eisschmelzmodelle bislang
so her. Die Konsequenz: Für das 21. Jahrhundert erwartet die Wissenschaft
„offiziell“, im Dritten Sachstandsbericht des IPCC, einen Anstieg des Meeresspiegels, der bei den Mittelwerten allein auf die Ausdehnung des ozeanischen
­Wasserkörpers in Folge erhöhter Temperatur sowie Gletscherschmelzen
zurückzuführen ist – damit auf 0,35 Meter (IPCC 2001, 641).
Sicher ist aber inzwischen, dass die im IPCC-Bericht verwendeten Eisschmelzmodelle, die die Eispackung auf der Antarktis und den nordpolnahen
Landmassen wie Grönland als „schlummernde Riesen“ porträtieren, den faktischen Eisschmelzprozessen, die in den polnahen Regionen in Süd und Nord
inzwischen in Augenschein zu nehmen sind, nicht gerecht werden. Sie unterschätzen sie vielmehr massiv (Rahmstorf/Jaeger 2004 und Luhmann 2005b).
Die Wissenschaftler des British Antarctic Survey, mit den Vorgängen vor Ort
vertraut, nehmen das Bild vom Riesen auf, sprechen aber von seinem ­Erwachen,
wenn auch, aus Vorsicht, mit einem Fragezeichen.
Die „Klimasensitivität“ erdsystemanalytisch korrigiert
Der zweite Verdacht ist möglicherweise noch zentraler. Er hat zum Hintergrund,
dass der Zusammenhang von Anstieg der Treibhausgaskonzentration und resultierendem Temperatureffekt bisher als eher „gutmütig“ eingeschätzt wurde.
Nun kommt in den Blick, dass a) der Mensch nicht nur über Treibhausgase
in das Erdgeschehen mit Rückwirkungen auf das (modellierte) Klimasystem
eingreift und b) der erhöhte Gehalt an „Treibhausgasen“ nicht allein energetisch
wirkt, wie die Benennung zu glauben verführt, sondern zudem biochemisch
viel­fältige Folgen auslöst. Chemisch angestoßene Rückkopplungen aus den
bislang vernachlässigten Erdsphären lassen erwarten, dass der Zusammenhang
in Wahrheit dynamischer und damit für den Menschen dramatischer einzu­
schätzen sei.
Im Mittel gelten die Schmelzwasserbeiträge Grönlands und der Antarktis mit zusammen
– 4 cm als Senke, im Maximum beträgt der Meeresspiegelanstieg im 21. Jahrhundert
0,88 m (IPCC 2001, 641).
Kyoto plus
69
Um die Bedeutung dieser Blickänderung einschätzen zu können, muss man
einen Schritt zurücktreten. Es geht hier um Änderungen, die die Voraussetzungen der speziellen Form berühren, in der üblicherweise und auch bislang
in diesem Beitrag die Herausforderung der Klimapolitik formuliert wird. Dazu
gehören die Klimamodelle, die wie jedes Modell ein Partialsystem sind – sie
stilisieren ein ganz spezielles Verhältnis von innen und außen. Innen ist das
„natürliche“ Klimasystem, in seinen Eigenschaften bestimmt aufgrund von
Erfahrungen in der Vergangenheit, außen ist der Mensch. Die Kanäle des möglichen menschlichen Einflusses werden definiert (das ist der Akt des „framing“
im Sinne der Politikwissenschaft), d.h. in ganz bestimmten Treibhausgasemissionen gefasst, die Änderung der Gehalte anderer Treibhausgase z.B. wird als
interne Rückkopplung aufgefasst und in ihrem Effekt den politisch fokussierten „anthropogenen Treibhausgasen“ zugerechnet – alles andere wird ceteris
paribus gelassen. Ändert sich das in solchen Definitionen gefasste menschliche Verhalten, so ändert dies Werte der darauf bezogenen Parameter des auf
diese „Passung“ hin modellierten (!) Klimasystems – das System selbst bleibt
in seinen Eigenschaften unverändert. Nur mit Hilfe solcher Unterstellungen
und Unterscheidungen kann man die Wirkungen eines veränderten menschlichen Einflusses in computergestützten Klimamodellen errechnen.
Zentraler Parameter zur Beschreibung der Eigenschaften des Modell­systems
ist die sog. „Klimasensitivität“. Die Bezeichnung muss man wörtlich nehmen:
es bezeichnet die zentrale Eigenschaft eines „Klima“-Systems im engen Sinne,
konkret die Temperaturerhöhung aufgrund allein des Effekts im Gefolge einer
Veränderung des energetischen Antriebs, die einer Verdoppelung der Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid entspricht. Treibhausgase aber sind
nicht nur energetisch, sondern auch chemisch und biologisch wirksam. ­Führen
z.B. solcherart „Neben“-Wirkungen zu Änderungen von Eigenschaften des
Erdsystems, die diese zentrale Eigenschaft des modellierten Klimasystems
tangieren, dann befindet man sich außerhalb dessen, was mit Klimamodellen
üblichen Verständnisses erfasst werden kann. Dasselbe gilt für Einflüsse des
Menschen auf weiteren Pfaden als den über Treibhausgase.
Es liegt in dieser Perspektive, dass beispielsweise gefragt wird: Wie mag
es um die Sensitivität des Klimasystems stehen, wenn wir uns vorstellen, was
mit unseren kleinen Freunden in den Weltmeeren geschehen mag, die die
Umwandlung von Kohlendioxid in Kalziumkarbonat und dessen Abtransport
Die Bestimmung der Metrik „CO2-Äquivalente“ bzw. „Global Warming Potential“,
Voraussetzung des eindimensionalen Treibhausgasbegriffs und insofern jeglicher Klimapolitik bisherigen Verständnisses, von zwischenstaatlichen Verhandlungen zur Begrenzung von Treibhausgasemissionen bis hin zum Handel mit Emissionsrechten von Treib­
hausgasen, hat diese Stilisierung zur Voraussetzung.
70
Jahrbuch 2004/2005
in den Tiefenozean für uns bislang treu und verlässlich bewerkstelligt haben?
– eine Erhöhung des Kohlensäuregehalts in der Atmosphäre führt schließlich
auch zur Versauerung der oberen Meeresschichten und damit deren Lebensraumes. Die Ozeanbiologen jedenfalls rufen Alarm (Turley et al. 2005; Royal
Society 2005). Was ist, wenn bei einem Temperaturanstieg an Land, unterstützt
durch ertragreichere Niederschläge, die Mikroben sich lustvoll an die Zersetzung des riesigen Kohlenstoffvorrats der Wälder machten, also Kohlendioxid
freisetzten? Der lagert nämlich, zumindest bei den borealen Wäldern, nur zu
einem Drittel im Holz der Bäume; zu zwei Dritteln aber lagert der Vorrat in der
labilen Humus-Auflage der Böden, die den wärmeliebenden Mikroben zugänglich ist. Auch hier geben Wissenschaftler, hier Bodenbiologen, Alarm (Lewis
2005 und Cox 2005).
Die Liste von Befürchtungen, die sich in dieser Perspektive ergeben, kann
hier nicht mit Anspruch auf Vollständigkeit vorgelegt werden. Es soll nur
ergänzend auf drei weitere Implikationen – wohlgemerkt allein des Klimawandels – hingewiesen werden, die einen Einfluss auf die Klimasensitivität
haben. In völliger Analogie zu den eben gegebenen beiden Beispielen stehen
die ­folgenden Phänomene:
1. Methan aus Auftauen von Permafrostböden,
2. Methanhydrate aus den Ozeanen und in gewisser Weise auch die
3. Aufhebung negativen radiative forcings aus Aerosolvermeidung bei Ausstieg
aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe.
Dass auch die „Eigenschaften“ eines Klimamodells als Variable zu nehmen sind,
wird von der zuständigen wissenschaftlichen Community auch wahrgenommen.
Die „kanonische“ Abbildung ist im Dritten Sachstandbericht des IPCC, Tech­nical
Summary, Box 3, gegeben und listet all die Kompartimente, die eben angedeutet
wurden, als „noch zu integrierende“ Modellbausteine auf. Hier wird lediglich
darauf hingewiesen, dass die Sprechweise vom „Klima“-Modell dann nicht mehr
angemessen ist, dann handelt es sich um „Erdsystemmodelle“. Dass es in beiden
Beispielsfällen Biologen sind, die auf Zusammenhänge aufmerksam machen,
die bislang ausgeblendet worden waren, ist kein Zufall. Der Grund dafür ist
systematisch, er ist tief innerwissenschaftlich angelegt: Klimamodelle stilisieren
das Phänomen Klima als verallgemeinertes Wetter und damit im wesentlichen
physikalisch. Folglich wurde auch der zukünftige anthropogene Klimawandel im
ersten Anlauf so modelliert. Das ist eine Schieflage, doch ein Modell ist immer
Gemeint sind die Plankton-Mikroorganismen mit dem Gattungsnamen „Coccolitho­
phoride“, die bislang 80 Prozent der Leistung übernommen haben, gelösten Kohlenstoff
in den Ozeanen als Calziumcarbonat in die tieferen Meeresschichten zu schaffen.
Kyoto plus
71
Die Änderung der Eigenschaften von „Klimamodellen“
auf dem Weg zu immer umfassenderen (Erdsystem / Klima-)Modellen
Mitte 1970er
Mitte 1980er
Anfang 1990er
Ende 1990er
Anfang 2000er
Zukunft
Atmosphäre
Atmosphäre
Atmosphäre
Atmosphäre
Atmosphäre
Atmosphäre
Boden
2
Immer
umfassendere
Klimamodelle
Boden
Boden
Boden
Boden
Meere und
Meer-Eis
Meere und
Meer-Eis
Meere und
Meer-Eis
Meere und
Meer-Eis
SulphatAerosole
SulphatAerosole
SulphatAerosole
Andere
Aerosole
Andere
Aerosole
KohlenstoffZyklus
KohlenstoffZyklus
Vegetationsdynamik
Meere und
Meer-Eis
1
Getrennt
entwickelte
Komponenten
SulphatAerosole
KohlenstoffZyklus an Land
KohlenstoffZyklus im Meer
AtmosphärenChemie
AtmosphärenChemie
Andere
Aerosole
KohlenstoffZyklus gesamt
Vegetationsdynamik
Vegetationsdynamik
AtmosphärenChemie
AtmosphärenChemie
Quelle: IPCC, Klimawandel 2001
nur eine Vereinfachung. Von der Physik wird man nicht behaupten wollen, dass
Lebensvorgänge bei der Entwicklung ihres Wissens­ideals Pate gestanden haben
– sie steht paradigmatisch für das neuzeitliche Ideal sicheren Wissens. Dem
Phänomen „anthropogener Klimawandel“ ver­mögen physik­lastige Modelle
offensichtlich umso weniger gerecht zu werden, je massiver die Eingriffe des
Menschen in das Erdsystem konzipiert sind. Dann sind andere Erdsphären,
insbesondere bisher vernachlässigte Lebensprozesse, einzubinden.
Das geschieht auch, wenn auch nur in Ansätzen, in Auseinandersetzung
mit herrschenden Modellen, die wie folgt begründet sind: Prozesse, über die
keine exakten ­Angaben erhältlich, zu denen also sichere Aussagen noch nicht
möglich sind, seien nicht zu berücksichtigen. Nun mehren sich aber Anzeichen
72
Jahrbuch 2004/2005
dafür, dass sie in der (Mit)-Wirkung bedeutend sind, wesentliche selbstverstärkende Effekte damit ausgeschlossen wurden. Die prospektive Wahrnehmung
der vollen Effekte des menschlichen Eingriffs ist nicht nur vom Erkenntnisfortschritt der Wissen­schaften abhängig, sondern maßgeblich auch von einer
Änderung ihres bis­herigen Selbstverständnisses, ihres Wissensideals. Es könnte
sein, dass die wesentlichen Effekte nicht länger im Lichte der Laterne ihres
bis­herigen Wissens­ideals zu finden sind, sondern außerhalb dieses begrenzten
Licht­kegels.
Erkenntnisstatus und sicherheitspolitischer Charakter der
Herausforderung
Der Mensch tendiert dazu, sich in einen Zustand zu begeben, der erdgeschichtlich präzedenzlos ist: Es hat bislang keinen Zustand gegeben, in dem ein ­externer
Einfluss von oberhalb 1,5 W/m2 zusammengekommen ist mit der Existenz
zweier großer Inlandseisgebiete (Antarktis und Grönland) – letztere tragen ein
Eisvolumen, das bei Abschmelzen einem potenziellen Meeresspiegelanstieg
von mehr als 60 Metern entspricht (Rahmstorf/Jäger 2005; Rapley2005).10
Die eben vorgenommene Charakterisierung des Zustands als „präzedenzlos“ ist nicht allein eine erdgeschichtliche Feststellung. Sie hat eine wissens­
theoretische Implikation und bedeutet: Damit liegen keine Erfahrungen vor.
„Erfahrung“ aber ist die Grundlage neuzeitlicher Wissenschaft, insbesondere
der Physik. Der Physik ver­danken wir die Klimamodelle und damit eine
Ahnung von der Gefahr, auf die wir uns eingelassen haben. „Präzedenzlosigkeit“ bezeichnet somit einen Raum, zu dem die Klimawissenschaft Aussagen
nur um den Preis machen kann, dass sie die Grenze der Verlässlichkeit ihrer
Aussagen überschreitet. Mit dem Überschreiten dieser Grenze, die bei einem
zusätzlichen Antrieb gegenüber vorindustrieller Zeit von etwa 3,5 W/m2 liegt,
drohen wir orientierungslos zu werden. Ob jenseits dieser Grenze die paradiesische Stabilität des Holozäns noch zu erhalten sein wird, hat als offen zu
10 Die Aufteilung im Maß ‚m SLE’ (= sea level equivalent) ist: Antarktis: 57 (davon
Ost-Antarktis: 52; West- Antarktis: 5); Grönland: 7; Gebirgsgletscher: 0,5. Die Effekte
durch temperaturbedingte Ausdehnung des Meerwassers sowie durch Schwächung bzw.
Zusammenbruch der thermohalinen Strömung sind dabei nicht eingerechnet (Rahmstorf/
Jäger 2005; Rapley 2005).
Kyoto plus
73
gelten.11 Es liegt an uns, an dem, was wir tun. Unser kollektives Tun nennen
wir „Politik“. Die politischen Bemühungen um die Bewahrung dieser Stabilität befinden sich gerade an einem Höhepunkt: In diesem und im nächsten
Jahr werden die strategischen Pflöcke für die Fortentwicklung internationaler
­Klimapolitik eingeschlagen werden.
Das Ziel der Klimapolitik ist in der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen etwa mit den Worten umschrieben worden: Es gehe darum, eine
„gefährliche Interferenz zwischen Klimaantrieb seitens des Menschen und
Lebensgrundlagen zu vermeiden“. Es geht um die Abwendung einer antizipierten Gefahr, es geht um eine spezielle Art von Sicherheitspolitik. Es geht
dabei zwar letztlich um das Vermeiden eines Schwellenwertes („Gefahr“), aber
das schließt nicht aus, dass bei der Annäherung an diesen Schwellenwert Situa­
tionen größerer „Gewalt“ häufiger werden – dem, das ist das zweite Ziel der
Klimapolitik, soll die Adaptationspolitik begegnen.
Die spezifische „Schwierigkeit“ der speziellen Sicherheitspolitik „Klima­
politik“ besteht darin, dass sie mangels Erfahrung nicht auf tief sitzenden
Traumata aufbauen kann. Andere Sicherheitspolitiken basieren auf geschichtlichen Traumata – genannt seien nur, für die militärische Sicherheitspolitik, die
­Geißel „Krieg“ und die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, für
die gesundheitsbezogene Sicherheitspolitik die Spanische Grippe und für den
zivilen Katastrophenschutz schließlich das in Westeuropa zumindest bislang
hypothetische Risiko einer Kernkraftwerksschmelze. Traumata vergleichbarer
Größenordnung zu ersparen, ist der Sinn der Klimapolitik. Möglich ist das
nur mit einer Klimapolitik, die hinreichend problembewusst ist. Es mangelt
massiv an Anstrengungen, die Größenordnung des Problems, die Herausforderung, sowohl zu erkunden als auch öffentlich zu präsentieren. Nur dann wird es
gelingen, die Erfahrung von Traumata durch ihre Antizipation zu vermeiden.
Dafür sind die Weichen bislang nicht gestellt. Die Klimapolitik hat sich für
die „Post-2012-Periode“ somit völlig neu aufzustellen, und das in mehreren
Dimensionen.
11 Klimapolitisch-systematisch gesehen ist damit die Auslegung von „gefährlich“ in
der Zielformulierung von Artikel 2 der Klimarahmenkonvention angesprochen. Ein
möglicher Weg geht dabei über die Abschätzung der Folgen in Erdkompartimenten bei
Überschreiten einer bestimmten Temperaturerhöhung. Der inhaltlich weitest gehende
Versuch in dieser Richtung ist vom Wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) unternommen worden (Hare 2003; WBGU 2003). Der hier skizzierte
„wissenstheoretische“ Ansatz zur Auslegung von Artikel 2 Klimakonvention ist in
Luhmann (2005a) etwas weiter ausgearbeitet worden.
74
Jahrbuch 2004/2005
Optionen internationaler Klimaschutzpolitik
Über die weitere Architektur und institutionelle Verankerung internationaler
Klimapolitik nach der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls wird
zurzeit lebhaft debattiert. Bis vor zwei Jahren fand diese Diskussion überwiegend
in der Wissenschaft und unter Nicht-Regierungsorganisationen statt (Brouns
2003). Seit kurzem jedoch haben verschiedene politische Gremien dieses Thema
ebenfalls auf ihre Agenda gesetzt: Die zukünftige ­Klimapolitik gehörte auf dem
Treffen des Europäischen Rates im März 2005 zu den wichtigsten Themen, sie
war eines der beiden Kernthemen beim G 8-Gipfel in Gleaneagles (Juli 2005)
und Hauptaugenmerk bei einem informellen „Seminar von Regierungsexperten“ im UNFCCC-Verhandlungsprozess (Mai 2005) – nicht zu sprechen von
den vielen bi- und multilateralen Initiativen zur Stärkung der technologischen
Zusammenarbeit. Es gibt drei wichtige Gründe für die zunehmende Bedeutung
dieses Themas: 1. wachsender Konsens und neue Erkenntnisse in der Wissenschaft über Struktur, Umfang und Dringlichkeit des Problems; 2. die Festlegung
im Kyoto-Protokoll, die Verhandlungen zu seiner Fortschreibung im Jahr 2005
zu beginnen, und 3. die Versuche der USA und anderer Staaten, die dem Ansatz
des Kyoto-Protokolls mit absoluten Minderungszielen skeptisch gegenüber
stehen, Alternativen dazu zu entwickeln.
Abhängig von politischer Motivation und Interessenlage der beteiligten
Akteure werden diese Diskussionen unter verschiedenen Überschriften wie
„Post-2012“, „Kyoto plus“, „Post-Kyoto“ oder „Future action“ und weitgehend
voneinander entkoppelt geführt. Einige Vorschläge haben die zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls zum Thema oder fokussieren zumindest auf
andere Optionen im UNFCCC/Kyoto-Regime, andere wiederum entwickeln
Politikansätze außerhalb des Regimes und stellen zum Teil explizit die Effek­
tivität des bestehenden Klimaregimes in Frage.
Das Wuppertal Institut forscht seit vielen Jahren zu den Instrumenten
und Rahmenbedingungen einer erfolgreichen Klima-, Energie- und Verkehrs­
politik. Auf dieser wissenschaftlichen Grundlage werden in diesem Abschnitt
zwei Pfade für die zukünftige internationale Klimapolitik skizziert, die mehrere Komponenten der geführten Diskussionen verbinden, und mögliche Vorschläge zur Realisierung der beiden Pfade zur Diskussion gestellt. Damit ­sollen
insbesondere den Akteuren der deutschen und europäischen Klimaschutz­politik
Handlungsoptionen aufgezeigt werden. Um der Herausforderung des Klimawandels angemessen entgegenzu­wirken, ist es wichtig, dass mindestens zwei
parallel verlaufende, aber nichtsdestoweniger miteinander verbundene Pfade
internationaler Klimapolitik eingeschlagen werden, die unterschiedlichen, aber
auch miteinander verflochtenen Rationalitäten folgen:
Kyoto plus
75
1. der einer Fortsetzung und Weiterentwicklung des Kyoto-Regimes („KyotoPfad“) mit Festlegung von Reduktionszielen und klaren zeitlichen Rahmensetzungen („targets and timetables“) und
2. der Rationalität des Schaffens von Märkten und Marktzutritt für klimafreundliche Technologien durch international koordinierte Politiken
und Maß­nahmen im Rahmen globaler Vereinbarungen, aber auch durch
­Koalitionen von Vorreiterstaaten („Policies and Measures-Pfad“).
Der erste Pfad ist eng verbunden mit dem Kyoto-Protokoll („Kyoto-Pfad“)
und dessen Kernelement rechtlich verbindlicher Emissionsbegrenzungs- und
-reduktionsverpflichtungen. Bei diesem Pfad ist das Setzen von (Reduktions-)
Zielen das wichtigste Politikinstrument, um Anreize zur Umgestaltung der
energetischen Basis der Volkswirtschaften zu setzen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Reduktion von Emissionen, um die Auswirkungen des Klima­
wandels zu minimieren. Außerdem ist das Setzen von „targets und timetables“
eine entscheidende Voraussetzung für das neue Instrument des Emissions­
handels.
Da jedoch dieser „Ziele“-Ansatz mit dem Fokus auf „Reduktionsziele“ und
„Lastenteilung“ mit großen gesellschaftlichen Kosten und Einschränkungen
assoziiert wird, wäre es sinnvoll, ihn durch Prozesse zu ergänzen, die einen
Schwerpunkt auf die kurz- und mittelfristigen Vorteile legen, die durch den Einsatz von neuen Technologien und die Förderung von neuen Geschäftsfeldern
in grünen Märkten entstehen. Eine Fokussierung auf mögliche Vorteile wie
die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, Senkung von Energiekosten und
Verbesserung der Lebensbedingungen einer armen Landbevölkerung in Entwicklungsländern durch effiziente Technologien und den Einsatz erneuerbarer
Energien würde Politik und Wirtschaft einen stärkeren Anreiz zum Handeln
bieten – der langfristige Vorteil von vermiedenen (negativen) Auswirkungen
des Klimawandels allein ist offenbar keine ausreichend treibende Kraft.
Deshalb ist es wichtig, dass in der internationalen Klimapolitik ein zweiter
Pfad verfolgt wird, der mit koordinierten Politiken und Maßnahmen den Markt­
eintritt von klimafreundlichen Technologien wie erneuerbare Energien und
(angebots- wie nachfrageseitigen) Energieeffizienztechnologien erleichtert und
damit die materiellen, sozioökonomisch-technischen Voraussetzungen schafft,
um die Ziele zu realisieren („Policies und Measures/PAMs-Pfad“).
Obwohl beide Pfade in unterschiedliche institutionelle Settings eingebettet sind, schließen sie sich doch nicht gegenseitig aus. Im Gegenteil, beide
Pfade sind so angelegt, dass sie sich wechselseitig unterstützen. Mehr noch, im
Grunde genommen erfordern sie sich gegenseitig.
76
Jahrbuch 2004/2005
Der „Kyoto-Pfad“
Wie der Titel bereits anklingen lässt, ist der „Kyoto-Pfad“ eine Weiterentwicklung der bzw. innerhalb der institutionellen Rahmensetzungen des UNFCCC/
Kyoto-Regimes. Der Prozess der Setzung von Emissionszielen orientiert sich
dabei am Ziel der Klimakonvention (Artikel 2 UNFCCC), die Konzentration von
Treibhausgasen in der Atmosphäre auf einem Niveau zu stabilisieren, „auf dem
eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems verhindert wird. Ein
solches Niveau sollte innerhalb eines Zeitraums erreicht werden, der aus­reicht,
damit sich die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen
können, die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird und die wirtschaftliche Entwicklung auf nachhaltige Weise fortgeführt werden kann.“ Obwohl
die Konvention keine genauen Zielvorgaben bezüglich des notwendigen Stabili­
sierungsniveaus nennt, legen wissenschaftliche Analysen über die Folgen des
Klimawandels nahe, dass der globale Temperaturanstieg auf unterhalb 2 °C,
verglichen mit dem vorindustriellen Niveau, begrenzt werden sollte (vgl. Hare
2003, WBGU 2003a).12 Dieser Einschätzung haben sich die EU mit der Annahme
des 2 °C-Ziels durch den Europäischen Rat im März 2005 (EU 2005a) sowie
auch eine Reihe von europäischen Staaten sowie Nicht-Regierungsorganisa­
tionen angeschlossen (für einen Überblick vgl. Brouns/Ott 2005a).
Ein maximaler Temperaturanstieg von 2 °C würde sehr wahrscheinlich
eine Stabilisierung der atmosphärischen Treibhausgaskonzentration auf deutlich unter 550 ppmv CO2-Äquivalent erfordern (EC 2005a; Hare/Meins­hausen
2004; WBGU 2003a). Gegenwärtig liegt sie bei etwa 350 ppmv CO2-Äquiva­
lent gegenüber dem Wert von 280 ppmv CO2-Äquivalent zu Beginn der Industrialisierung. Eine Begrenzung des Anstiegs auf deutlich unter 550 ppmv
CO2-Äquivalent würde voraussetzen, dass die globalen Emissionen maximal
bis 2020 noch ansteigen und dass danach die globalen energiespezifischen
CO2-Emissionen um rund 45 bis 60 Prozent gegenüber dem 1990er Niveau
bis 2050 reduziert werden und auch bei den anderen Treibhausgasen substan-
12 Ein Temperaturanstieg von 2 °C wird aller Wahrscheinlichkeit nach bereits einen
deut­lichen Klimawandel nach sich ziehen (IPCC 2001; Hare 2003; Thomas et al. 2004).
Daher müssen bereits in naher Zukunft Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel
begonnen werden.
Kyoto plus
77
tielle Reduktionen stattfinden (WBGU 2003a).13 Sollten sich jedoch einige der
bereits angesprochenen Rückkopplungswirkungen des Erdsystems ­bestätigen,
dann könnten sogar noch drastischere Emissionsminderungen erforderlich
werden.
Trägt man diesen Erkenntnissen Rechnung, so ist es geradezu offensichtlich, dass die bisherigen Reduktionsverpflichtungen des Kyoto-Protokolls nur
ein kleiner Schritt auf dem Weg zum Ziel der Klimakonvention, einen „gefährlichen“ anthropogenen Klimawandel zu vermeiden, sein können. Auf lange
Sicht, also bis etwa 2050, wird jede mit Artikel 2 UNFCCC zu vereinbarende
klimapolitische Zielsetzung Minderungsaktivitäten von nahezu allen Ländern
erfordern. Da Treibhausgasemissionen in vielen Entwicklungs­ländern in den
kommenden Jahren allerdings zunächst noch ansteigen werden, um grund­
legende Entwicklungsbedürfnisse zu befriedigen (Pan 2004), bedeutet eine
Halbierung globaler Treibhausgasemissionen bis 2050 umso stärkere Einschränkungen für die Industriestaaten. Auch Entwicklungsländer mit höherem
wirtschaftlichen Niveau werden schon in naher Zukunft von ihren „businessas-usual“-Emissionstrends abweichen müssen (den Elzen 2005; Höhne et al.
2005). Für die Zeit nach 2012 wird daher eine weitergehende und systematischere Differenzierung zwischen Entwicklungsländern notwendig, um die­
jenigen Länder identifizieren zu können, die voranschreiten müssen und können. Wie sich auch immer die zukünftige Architektur des Klimaregimes gestaltet, Emissionsminderungspflichten werden ein zentrales Element bilden.
Die Rolle der Industriestaaten
Aus politisch-strategischer Sicht behält die erste Stufe der Differenzierung in der
Konvention, die zwischen Industrie- (Annex I) und Entwicklungsländern (nonAnnex I) unterscheidet, weiterhin ihre Gültigkeit.14 Es ist nur schwer vorstellbar, dass Entwicklungsländer sich zu irgendwelchen Minderungs­aktivitäten
verpflichten lassen, wenn nicht auch alle Industriestaaten ihre Emissionen
zurückführen – und dies schließt die USA mit ein. Es besteht lediglich eine
geringe Chance auf bedeutsame Minderungsbemühungen von Entwicklungs13 Den Elzen/Meinshausen (2005) kalkulieren niedrigere Reduktionserfordernisse (z.B. 40
bis 45 Prozent unterhalb von 1990 für eine Stabilisierung auf 400 ppmv CO2-Äquivalent),
da sie im Falle niedriger Konzentrationsziele ein zwischenzeitliches „Overshooting“
zulassen, d.h. dass die Konzentration zunächst das Zielniveau überschreitet, um dann
wieder abzunehmen, bevor eine Stabilisierung eintritt. Basierend auf Hare/Meinshausen
(2004), sehen sie jedoch niedrigere Konzentrationsniveaus (400/450 ppm CO2-Äquivalent) als Voraussetzung für die Einhaltung des „2 °C-Ziels“.
14 Annex I der Klimakonvention umfasst die „westlichen“ Industriestaaten sowie die
ehemaligen kommunistischen Staaten im Osten Europas (inkl. Russland).
78
Jahrbuch 2004/2005
ländern, wenn die USA sich nicht zu einem quantifizierbaren (absoluten)
Reduktionsziel entschließen können.15
Es gibt mindestens drei wesentliche Gründe dafür, dass die Industriestaaten
weiterhin eine Vorreiterrolle bei der Minderung von Emissionen übernehmen.
Erstens waren sie in der Vergangenheit für die Mehrheit der Treibhausgas­
emissionen verantwortlich, auf die der heutige Klimawandel zurückzuführen
ist. Bei Betrachtung der historischen und aktuellen Emissionen je Einwohner ist
der Unterschied noch markanter. Es wäre im Weltmaßstab ­offenkundig ungerecht, wenn diese Staaten, da sie einen höheren Wohlstand aufweisen ebenso
wie einen höheren Verbrauch an fossilen Brennstoffen, sowohl ­ historisch
betrachtet als auch aktuell, auch noch die verbleibenden Kapazitäten der Atmosphäre als Treibhausgassenke allein für sich nutzen würden. Zweitens sind sie
wohlhabender und verfügen aus diesem Grund über größere finanzielle wie
technologische Ressourcen, um Emissionen zu vermindern. Drittens, betrachtet man das Minderungspotenzial, so weisen Industriestaaten, verglichen mit
den für die Befriedigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse erforderlichen Emissionen, einen größeren Anteil an „Luxus“-Emissionen auf, deren
Verminderung – anders als zum Teil in Entwicklungsländern – nicht mit der
Befriedigung elementarer Grundbedürfnisse kollidiert.
Aus den angeführten Gründen wird deutlich, dass auf die Annex I-Staaten
in der Zeit nach 2012 deutlich größere Emissionsreduktionsverpflichtungen
zukommen. Um auf Kurs mit dem „2 °C-Ziel“ zu bleiben, müssten die Industriestaaten, ausgehend von dem Niveau im Jahr 1990, ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um wenigstens 20 Prozent und bis 2050 bis zu 80 Prozent
mindern (WBGU 2003a; 2003b).
Bei der Festlegung der jeweiligen Höhe von Reduktionszielen für einzelne
Länder gilt es spezifische nationale Gegebenheiten zu berücksichtigen, die
innerhalb der Annex I-Staaten erheblich differieren können. Vergleichbar mit
dem „Tryptich“-Ansatz, den die Europäische Union als Ausgangspunkt bei
der internen Neuverteilung ihres Kyoto-Ziels herangezogen hat, könnte eine
genaue analytische Untersuchung als Referenz für den bei den anstehenden
Verhandlungen einzuschlagenden Weg dienen. Staaten könnten beispielsweise
15 Dies war eine der zentralen Botschaften des Projektes „Süd-Nord Dialog – Gerechtigkeit im Treibhaus“ des Wuppertal Instituts, an dem Wissenschaftler aus 13 Staaten,
mehrheitlich aus Entwicklungsländern, beteiligt waren. Weitergehende Informationen zu
diesem Projekt finden sich unter http://www.north-south-dialogue.net. Der Projektbericht
stellt eine Strategie vor, um die USA durch die Unterstützung von und Kooperation mit
Akteuren der Bundes-, Landes- und Kommunalebene sowie dem privaten Sektor wieder
auf den „Kyoto-Pfad“ zurückzubringen (Ott et al. 2004). Eines der Elemente ist die Intensivierung der Kooperation in Initiativen des „PAM-Pfades“, um Vorbehalte gegenüber
multilateralen Klima­kooperationen in den USA abzumildern.
Kyoto plus
79
nach ihrem Potenzial, Einsparungen vorzunehmen, und ihrer Verantwortung
für historische und aktuelle Emissionen unterschieden werden, um Fairness,
aber auch um ökonomische Effizienz sicherzustellen. Die größten Reduktionsanstrengungen würden dann in denjenigen Ländern vorgenommen, die über
das höchste Poten­zial zu Einsparungen verfügen (Brouns/Ott 2005a).
Einige der Industriestaaten haben die Dringlichkeit des Handelns erkannt
und sich aus diesem Grund mittel- und langfristige Reduktionsziele gesetzt.
Diese Ziele liegen üblicherweise innerhalb des voraussichtlich erforderlichen
Rahmens, um das 2 °C-Ziel zu erreichen; beispielsweise hat die französische
Regierung sich eine Reduktion von 75 bis 80 Prozent bis 2050 zum Ziel gesetzt
(Frankreich 2005).16 Auch der Umweltrat der Europäischen Union hat bei
­seinem Treffen im März 2005 beschlossen, dass „ein Reduktionspfad der ent­
wickelten Staaten in einer Größenordnung von 15 bis 30 Prozent bis 2020 und
60 bis 80 Prozent bis 2050“ in Betracht gezogen werden solle (EU 2005b).
Einem solch „nachhaltigen“ Emissionspfad zu folgen setzt umfangreiche
strukturelle Veränderungen voraus. Dass eine Reduktion der CO2-Emis­sionen
um 80 Prozent bis 2050 technisch und wirtschaftlich machbar ist haben
die Untersuchungen der deutschen Enquete-Kommission zur nachhaltigen
Energie­versorgung und des Umweltbundesamts am Beispiel Deutschland
gezeigt ­(Hennicke/Müller 2005; Hennicke 2004; Enquete-Kommission 2002;
Fischedick et al. 2002). Zur selben Einschätzung kommt auch eine Studie der
­britischen Regierung über die ökonomischen Auswirkungen von Reduktionen
in Höhe ihres 60 Prozent-Ziels (UK 2003). Aus dieser Untersuchung folgt,
dass dasselbe Niveau des Bruttoinlandsprodukts wie bei einer „business as
usual“-Entwicklung für 2050 mit einer Verzögerung von nur wenigen Monaten
erreicht werden kann. Die Studie folgert daher, dass „die Kosten einer effektiven
Bekämpfung des Klimawandels nur sehr gering sind“. Die Schwierigkeiten und
Kosten eines Wechsels zu einer nichtfossilen Wirtschaft nehmen jedoch mit
jedem Jahr zu, in dem der bisherige Entwicklungspfad weiter beschritten wird,
da Investitionen vorgenommen werden, die auf Jahre oder Jahrzehnte weitere
Treibhausgasemissionen nach sich ziehen. Aus diesem Grund sind langfristige
Reduktionsziele erforderlich, um Investoren, Wirtschaft und Konsumenten die
richtigen Anreize zu geben, damit sie mit ihrem Verhalten zu einer Entkarbonisierung der Wirtschaft beitragen.
16 Brouns/Ott (2005a) bieten einen Überblick über mittel- bis langfristigen Reduktionsziele,
zu denen sich die Industriestaaten verpflichtet haben.
80
Jahrbuch 2004/2005
Differenzierung unter Entwicklungsländern
Basierend auf dem in der Klimarahmenkonvention (Art. 3) verankerten Prinzip
der „gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortlichkeiten und […] jeweiligen Fähigkeiten“, unterliegen die Emissionen aus Entwicklungsländern
bisher keinerlei quantitativen Beschränkungen. Jedwede Auslegung von Artikel
2 der Konvention wird jedoch zukünftig verstärkte Minderungsbemühungen
in nahezu allen Ländern notwendig machen. Daher wird es auch notwendig
werden, dass die Emissionen zumindest einiger Entwicklungsländer bereits in
naher Zukunft abnehmen, um die strikten Reduktionen im Norden zu ergänzen.
Dies trifft insbesondere auf Entwicklungsländer zu, die bereits eine gewissen
Industrialisierungsgrad aufweisen.
Um den Verhandlungsprozess voranzubringen, ist deshalb eine Differenzierung innerhalb der Gruppe der Entwicklungsländer (non-Annex I) erforderlich.17 Um in fairer Weise die länderspezifischen Bedingungen widerzu­spiegeln,
sollte eine solche Differenzierung auf den drei Kriterien der Verantwortung für
den Klimawandel, der Kapazität zur Finanzierung von Minderungsmaßnahmen
und dem Potenzial zur Minderung von Treibhausgasen beruhen. Gemessen an
diesen Kriterien, unterscheiden sich die „non-Annex I“-Länder erheblich voneinander. Ihnen gehören beispielsweise alle Länder mit den niedrigsten Emissionen je Einwohner an. Mit dabei sind aber anderseits auch einige Länder
– etwa Katar – mit den weltweit höchsten pro Kopf-Emissionen. In die Kategorie fallen einerseits die Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder (LDC),
andererseits aber auch Staaten wie Singapur mit einem pro Kopf-Einkommen,
das über dem Durchschnitt der Industrieländer liegt.
Vor dem Hintergrund dieser sehr unterschiedlichen nationalen Rahmen­
bedingungen gibt es kaum einen Grund dafür anzunehmen, dass sich alle Entwicklungsländer im selben Maß an den globalen Klimaschutzbemühungen
beteiligen. Unterscheidet man die „non-Annex I“-Staaten gemäß der drei angeführten Kriterien, so lassen sich vier Gruppen identifizieren:
• „Neu industrialisierte Staaten“ (NIC), z.B. Saudi-Arabien, Singapur, Süd-Korea;
• „Schnell industrialisierende Entwicklungsländer“ (RIDC), wie z.B. Brasilien, China, Iran, Mexiko, Südafrika;
• „Normale Entwicklungsländer“ (ODC), wie z.B. Ägypten, Indien, Indonesien, Pakistan, Venezuela;
• „Wenigstentwickelte Länder“ (LDCs), wie z.B. Afghanistan, Äthiopien,
Kyoto plus
81
Diese Gruppierung sollte die Basis für die Übernahme von Pflichten zur Minderung von Treibhausgasen bilden. Zur Festlegung von verschiedenen Arten von
Verpflichtungen für jede Ländergruppe können folgende drei Regeln Orientierung bieten, die wiederum auf den drei Kriterien der Verantwortung, Kapazität
und Minderungspotenzial basieren:
Erstens, das Potenzial zur Minderung von Emissionen sollte die Höhe der
zu leistenden Reduktionen bestimmen. Dieses Potenzial ergibt sich – in erster
Näherung – aus der Emissionsintensität (CO2-Ausstoß pro Einheit des Bruttoinlandsprodukts) und den Emissionen je Einwohner eines Landes. Solch ein
Vorgehen fördert die Kosteneffizienz im Klimaregime, da in der Regel dort
Emissionen eingespart werden, wo das höchste Potenzial dafür vorhanden ist.
Zweitens, die Frage der Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen müsste
sich aus der jeweiligen „Kapazität“ eines Landes ableiten. Sie wäre z.B. am
durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen und am Human Development Index18
zu messen. Abhängig von den jeweiligen Fähigkeiten der Entwicklungsländer
sollten sich die Industrieländer aus Gründen der Solidarität und der Mitverantwortung an der Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern durch geeignete Finanzierungsmechanismen beteiligen.
Drittens, der Grad der Verbindlichkeit der Verpflichtung wiederum hinge
schließlich von dem Beitrag eines Landes zum Klimawandel ab. Als Indikator
dafür wären z.B. die akkumulierten Emissionen seit dem Jahr 1990 geeignet.
Denn zu diesem Zeitpunkt hatten die Vereinten Nationen den Treibhauseffekt
als von Menschen verursachtes Problem erkannt und benannt. Seitdem konnten
sich die emittierenden Länder der mit ihren Treibhausgasemissionen verbundenen Probleme bewusst sein.
Wendet man diese drei Regeln auf die vier Gruppen von Entwicklungs­
ländern an, ergibt sich folgendes Bild: In Ländern, die zur Gruppe der „Neu
industrialisierten Staaten“ (NIC) sowie der „Schnell industrialisierenden Entwicklungsländer“ (RIDC) gehören, sind quantifizierte Minderungspflichten
erforderlich. Diese sind jedoch an eine Ko-Finanzierung ihrer Klimaschutzmaßnahmen durch die Industrieländer gekoppelt: Nur wenn solche Transfer­
leistungen fließen, sollten die NIC-/RIDC-Ziele verbindlichen Charakter
erhalten. Für die beiden anderen Ländergruppen (ODC, LDC) hingegen sind
qualitative statt quantitative Verpflichtungen angemessen, beispielsweise die
schrittweise Verabschiedung von Politiken und Maßnahmen für eine klimaverträglichere Ausrichtung ihrer Entwicklungspläne.
Bangladesch, Sudan.
17 Dieser Abschnitt basiert auf den Ergebnissen des Projekts „South-North Dialogue
– Equity in the Greenhouse“ (siehe Anmerkung 15).
18 Der vom UNDP geführte Human Development Index (HDI) misst den Entwicklungsstand von Staaten anhand dreier Dimensionen: Lebenserwartung, Alphabetisierungsgrad
und wirtschaftlicher Wohlstand (UNDP 2003).
82
Jahrbuch 2004/2005
Die hier vorgeschlagene Differenzierung bedeutet explizit nicht die
­ paltung der Verhandlungsgruppe der „G 7719 und China“ da die solidarische
S
Zusammenarbeit dieser Interessengemeinschaft nach wie vor hohe Bedeutung
für die Verhandlungsposition der Entwicklungsländer behalten wird. Aber Solidarität unter diesen Ländern erfordert auch, dass die wohlhabenden unter ihnen
einen größeren Beitrag zum globalen Klimaschutz leisten als beispielsweise
die wenigstentwickelten Länder. Nur so lässt sich die in Verhandlungen mit
den Industrieländern wichtige Einigkeit bewahren und gleichzeitig dem Klima­
problem begegnen.
In einer Übergangsphase könnte der Clean Development Mechanism (CDM)
des Kyoto-Protokolls kurzfristig einen Ansatzpunkt bieten, um das bestehende
Vertragswerk organisch in Richtung der Übernahme von Zielen durch die südlichen Länder weiterzuentwickeln. Dieser Mechanismus gestattet es den Industriestaaten, sich Emissionszertifikate, die durch in den Entwicklungsländern
durchgeführte Klimaschutzprojekte generiert werden, auf ihre Kyoto-Ziele
gutzuschreiben. In seiner gegenwärtigen Ausgestaltung erlaubt der CDM nur
lokale Einzelprojekte, es wird aber zunehmend diskutiert, auch sektor­weite
Projekte zuzulassen (Sterk/Wittneben 2005). Eine derartige Ausgestaltung
könnte es beispielsweise ermöglichen, dass die Regierung eines Entwicklungslandes für die Einführung anspruchsvoller klimapolitischer Maßnahmen
Emissionszertifikate erwirbt. Diese könnten sie dann an die Industriestaaten
verkaufen, es würde also ein zusätzlicher Anreiz für Klimapolitikmaßnahmen
gesetzt. Zudem würde ein solcher Mechanismus die Etablierung der für die
Übernahme von Emissionszielen notwendigen technischen Infrastruktur wie
detaillierte Emissionsinventare und -projektionen stimulieren. Und dies, ohne
dass die gegenwärtige Struktur des Kyoto-Protokolls geändert werden müsste.
Je nach Innovationsfreude der Vertragsparteien könnte solch ein ­ sektoraler
CDM ohne Weiteres bereits heute eingeführt werden.
19 Die Gruppe der „77“ (Entwicklungsländer), die inzwischen 132 Entwicklungsländer
umfasst, wurde 1964 gegründet, um durch gemeinsames Auftreten in internationalen
Verhandlungen eine größere Verhandlungsmacht gegenüber den großen Staaten und
Blöcken des Nordens zu erhalten (vgl. http://www.g77.org).
Kyoto plus
83
Der „Policies and Measures (PAMs)-Pfad“
Der „Kyoto-Pfad“ ist ein notwendiger, aber nicht ausreichender Schritt, um
sich der klimapolitischen Herausforderung zu stellen. Vielmehr muss die Verein­
barung von Emissionsminderungszielen umgesetzt werden durch international
möglichst breit koordinierte Politiken und Maßnahmen zur Senkung von Treibhausgasemissionen, zur Steigerung der Energieeffizienz und zum Ausbau der
erneuerbaren Energien. Denn hierdurch werden die erforderlichen materiellen
Grundlagen für die vereinbarten Ziele gelegt. Diese Aufgabe kann angesichts der
nötigen Geschwindigkeit eines Umsteuerns der Energiesysteme nicht allein auf
nationalstaatlicher Ebene, sondern nur durch harmonisiertes Vorgehen wichtiger
Staaten sowie die Unterstützung kleinerer Länder erfolgreich gelöst werden.
Dies wurde bereits während der Verhandlungen zum Protokoll im Vorfeld
der Kyoto-Konferenz (COP 3) festgestellt. Zu dieser Zeit war die internationale
Koordination von Politiken und Maßnahmen, die zu Emissionsreduktionen
führen, ein wichtiger Tagesordnungspunkt (Oberthür/Ott 2000). Die Verhandlungen führten jedoch lediglich zu einer sehr allgemeinen Regelung im KyotoProtokoll, die bislang noch keinerlei Wirkungen hatte.
In den letzten Jahren scheinen sich die Rahmenbedingungen für multi­
laterale Politikinitiativen mit dem Schwerpunkt der Koordination und Implementierung von Politiken und Maßnahmen verbessert zu haben. Bei der
inter­nationalen „Renewables 2004“-Konferenz im Juni 2004 in Bonn wurde
ein Prozess begonnen, der die Förderung und Implementierung erneuerbarer
Energien vorantreibt. Im Internationalen Aktionsprogramm, das auf dieser
Konferenz beschlossen wurde, haben sich Regierungen, internationale Organi­
sationen und Interessenvertreter verpflichtet, eine Bandbreite von Aktivitäten
voranzubringen, die die Nutzung erneuerbarer Energien unterstützt. Diese
Aktivitäten summieren sich auf ca. 200 vorgeschlagene freiwillige Aktionen
und Verpflichtungen, die über den Globus verteilt sind. Initiiert durch die deutsche Regierung, wird der „Renewables“-Prozess mit der „Beijing International
Renewable Energy Conference 2005“ im November 2005 durch die chinesische Regierung fortgeführt.
Daneben ist eine Reihe weiterer Initiativen entstanden, die ihren Fokus auf
die Unterstützung bestimmter Technologien legen, wie das „Carbon Sequest­
ration Leadership Forum“, die „International Partnership for the Hydrogen
Economy“ und „Methane to Markets Partnership“. Es gibt allerdings Stimmen,
die behaupten, diese Initiativen seien primär dazu gedacht, den Kyoto-Prozess
zu untergraben. Diese Zweifel wurden teilweise bestätigt, als die australische
Regierung das „Asia-Pacific Partnership on Clean Development and Climate“
zwischen China, Indien, Südkorea, Japan, den USA und Australien als eine
84
Jahrbuch 2004/2005
Alternative zum Kyoto-Protokoll vorstellte, obwohl mit China, Indien, Japan
und Südkorea vier der Mitglieder das Kyoto-Protokoll unterzeichnet haben. Es
wird sich noch herausstellen, welche Einflüsse diese Initiativen auf die Förderung klimafreundlicher Technologien haben werden.
Diese Beispiele zeigen jedoch, dass die Diskussion über die Einführung
koordinierter Politiken und Maßnahmen, die bereits im Vorfeld von Kyoto
intensiv geführt wurde, nun fortgeführt und möglicherweise durch frei­willigere
Ansätze wie z.B. die „Renewables 2004“-Konferenz wieder belebt werden
kann. Neue Aktivitäten in diese Richtung können auf bereits existierenden Vor­
schlägen und einer ganzen Liste von Politiken und Maßnahmen aufbauen, die
Mitte der neunziger Jahre diskutiert wurden und im Zuge des Kyoto-­Protokolls20
zunächst außen vor gelassen wurden. Zwei strategische Herausforderungen
stehen unseres Ermessens im Rahmen des PAMs-Pfades vordringlich an:
• Erstens eine abgestimmte Aktion im Bereich der Energie- und Umwelt­
besteuerung. Eine Reihe von viel versprechenden Beispielen, z.B. in Groß­­
britannien, Deutschland und Dänemark, zeigt die potenzielle Bedeutung
einer ökologischen Steuerreform (ÖSR), die höhere Steuern auf Ressourcen­
verbrauch – namentlich den Energieverbrauch – erhebt und Substitutionen
für Energie reduziert. Die internationale Koordination wichtiger Industriestaaten – möglicherweise flankiert durch Abkommen zu Import- und
Exportbesteuerung – und multilaterale Aktionen, so wie beispielsweise die
Einrichtung einer Kerosinsteuer auf den Flugverkehr würden die Problematik von Wettbewerbsverzerrungen nationaler Lösungen vermeiden und
dementsprechend weitergehende substantielle Schritte in Richtung ökologische Steuerreform erleichtern.21
• Der zweite Prozess – der im folgenden näher beschrieben wird – muss
seinen Fokus auf die Energieeffizienz beim Endnutzer richten. Diese ist
– wie beispielsweise die Europäische Kommission in ihrem aktuellen
Grünbuch zu Energieeffizienz festhält – „ohne jeden Zweifel die schnellste,
effektivste und kostengünstigste Lösung, um Treibhausgase zu reduzieren“
(EC 2005b). Aber trotz zahlloser ähnlich klingender Statements, die zu
20 Für einen Überblick über die Vorschläge zu policies and measures, die vor der Aufgabe
dieser Thematik in den Verhandlungen zum Kyoto-Protokoll behandelt wurden, vgl.
Wuppertal Bulletin (1997): Policies and measures im Vorfeld von Kyoto, Jg. 3, Nr. 3
http://www.wupperinst.org/wuppertal-bulletin/archiv-ausgaben96-97/WBd/WBd_3_97/
JLUW_PV_3.htm
21 Eine Ökologische Finanzreform beinhaltet allerdings potenzielle internationale
Ver­teilungsprobleme: Ressourcenrenten werden zum Teil von den Produzenten zu den
Konsum­ländern umgelenkt. Dieser Aspekt sollte berücksichtigt werden, wenn es darum
geht, eine ablehnende Haltung der energieproduzierenden Staaten zu vermeiden.
Kyoto plus
85
diesem Thema in der Vergangenheit gemacht wurden, ist Energieeffizienz
noch immer nicht hinreichend in der politischen Agenda der meisten Länder
vertreten.
Wie eine globale Initiative22 für eine strategische und zielorientierte Steigerung
der Energieeffizienz strukturiert sein könnte, soll im folgenden skizziert werden.
Vier zentrale Komponenten seien hier genannt:
• Erstens die Identifikation strategischer Technologien und Lösungen für eine
energieeffiziente Wirtschaft. Ein Schritt, der sowohl auf der Analyse von
Szenarien zu den benötigten Technologien und Lösungen und der notwendigen Steigerung der Energieeffizienz aufsetzen sollte als auch auf der
Förderung der zahlreichen Effizienztechnologien, die bereits auf dem Markt
verfügbar oder in der Entwicklung sind.
• Zweitens das Verhandeln und das Setzen von positiven und richtung­
weisenden Zielen zur Schaffung von Märkten für energieeffiziente Produkte
und Lösungen sowie die allgemeine Steigerung der Energieeffizienz der
nationalen Wirtschaftssektoren und die Entwicklung spezieller Technologie­
optionen.
• Drittens muss die Umsetzung der Potenziale und Ziele für Energieeffizienz
durch international abgestimmte Entwicklung und Implementierung von
guten Beispielen zu Politiken und Maßnahmen für Energieeffizienz gefördert werden.
• Viertens die internationale Entwicklung und Förderung weiterer Faktoren,
wie beispielsweise die Schaffung unterstützender Rahmenbedingungen,
Strukturen und Institutionen zur Steigerung der Energieeffizienz beim
Endnutzer.
Diese vier Schritte sind elementar für eine internationale Initiative für Energie­
effizienz als wesentliches Element des PAMs-Pfades. Sie werden im folgenden
detailliert dargestellt mit einem nicht ausschließlichen, aber deutlichen Fokus
auf Energieeffizienz beim Endnutzer.
22 Ein Ansatzpunkt für eine solche Initiative könnte das von Präsident Bush und Bundeskanzler Schröder am 23. Februar 2005 vorgelegte „Deutsch-amerikanische Aktionsprogramm für umweltfreundliche und effiziente Energie, Entwicklung und Klimaschutz“
sein. Auch die Europäische Kommission betont im Grünbuch für Energieeffizienz die
Bedeutung internationaler Kooperation zur Förderung der Energieeffizienz im Rahmen
der IEA sowie insbesondere mit den USA und verweist auf analoge Forderungen der
Nationalen Kommission für Energie der USA (EC 2005b).
86
Jahrbuch 2004/2005
Identifizierung von strategischen klimafreundlichen
„Technologiemodulen“
Aus den vorhandenen globalen Energieszenarien lässt sich eine allgemeine
Schlussfolgerung ziehen: An erster Stelle steht die Steigerung der Energie­
effizienz beim Endnutzer, aber auch die sauberere und effizientere Elektrizitätsproduktion (z.B. Kraft-Wärme-Kopplung/KWK) sowie erneuerbare Energien
sind notwendige Voraussetzungen für jedwede ambitionierte Klimaschutzstrategie. Dies ist eine gute Nachricht, sowohl für den Süden als auch für den Norden,
denn es bedeutet, dass es eine übereinstimmende Richtung für technologische
und strukturelle Annäherung zwischen Entwicklungs- und Industrieländern gibt.
Effiziente Endnutzungs-Technologien, kombiniert mit dezentraler und diversifizierter Stromversorgung und Stromnetzstrukturen, erfüllen die Bedürfnisse
sowohl der Entwicklungs- als auch der Industrieländer in den wesentlichen
Punkten wie Kosteneffizienz, Wettbewerbsfähigkeit, demokratische Kontrolle
und Emissionsreduktionen, wenn sie den nationalen Bedingungen und Präferenzen angepasst werden (Hennicke 2004, Hennicke et al. 2004).
Es scheint aber zunehmend einen weltweiten Konsens darüber zu geben,
dass Energieeffizienz beim Endnutzer – insbesondere in den Bereichen Verkehr, Gebäude, elektrische Geräte und Prozesse – in den meisten Regionen
der Welt zur höchsten Priorität gemacht werden und dass der Fortschritt bei
der Energieeffizienz mit der Markteinführung von erneuerbaren Energien in
Einklang gebracht werden sollte.
Aus diesem Grund sollten so viele Staaten wie möglich miteinander koope­
rieren um strategische Technologiemodule für die Kombination von Energie­
effizienz beim Endnutzer, KWK und erneuerbare Energien zu identifizieren,
um sie dann zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen, zur Minimierung
von Risiken und zur Förderung von nachhaltiger Entwicklung einzusetzen.
Richtungweisende Zielsetzungen zur Schaffung von Märkten und
Förderung spezifischer Technologieoptionen
Es existiert ein bemerkenswerter Unterschied zwischen dem offensichtlichen
Konsens über die große strategische Bedeutung der nachfrageseitigen Energie­
effizienz und der Abneigung der Politik und der Gesellschaft, die bestehen­
Kyoto plus
87
den Hemmnisse23 zu überwinden und die Markteinführung energieeffizienter
Technologien deutlich zu beschleunigen. Daher ist eine globale Initiative für
eine strategische und zielorientierte Beschleunigung der (nachfrageseitigen)
Energieeffizienz ein Schlüssel zur Emissionsminderung und für eine risiko­
minimierende Energiepolitik. Aus diesem Grunde wäre es ein weltweites Signal
und ein bedeutsamer Schritt in Richtung einer stärker zielorientierten Energie­
politik, wenn in den kommenden Monaten – nach vielen Jahren der Verhandlungen – die EU-Richtlinie zu Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen
beschlossen werden sollte. Diese Richtlinie würde die EU-Staaten verpflichten,
gegenüber dem bisherigen Trend zusätzliche Energieeffizienzsteigerungen in
den durch den Emissionshandel nicht abgedeckten Sektoren von mindestens
einem Prozent pro Jahr zu erreichen.24
Der mit der Renewables 2004 angestoßene Prozess zeigt: Obwohl die
Setzung globaler, verbindlicher Ziele im Bereich erneuerbare Energie und
Energieeffizienz z.B. auf dem Weltgipfel für eine nachhaltige Entwicklung in
Johannesburg 2002 noch nicht erreicht werden konnte, ist es möglich, mit dem
PAMs-Kurs einen erfolgreichen Prozess fortzuführen, solange die Koalition
der Befürworter eine Führungsrolle bei der Umsetzung ehrgeiziger Implementierungsprogramme übernimmt. Da mit solchen Programmen nicht nur
Lern­effekte im Bereich Technologie und bei politischen Maßnahmen erzielt
werden, sondern auch Energiekostenentlastungen und positive Effekte bei
Einkommen und Beschäftigung, haben sie überzeugende Argumente für ihre
weltweite Verbreitung. Die Verpflichtungen aus dem Internationalen Aktionsprogramm für „erneuerbare Energien 2004“, die vorsehen, bis zum Jahr 2015
zusätzliche 163 GW an erneuerbarer Energie bereit zu stellen, wodurch z.B.
1,2 Giga­tonnen CO2 pro Jahr – oder etwa 3 Prozent der für das Jahr 2010
zu erwartenden Treibhausgasemissionen (s.o.) – vermieden werden können,
haben bewiesen, dass ein auf Technologie ausgerichteter Prozess auch ohne
formal verbindliche Zielsetzungen, wie sie auf dem Johannesburg-Gipfel
angestrebt worden waren, vorangetrieben werden kann. Auch sind richtung­
weisende, positive Ziele sowie ein Monitoring- und Reporting-System wichtig
23 Obwohl in vielen Bereichen hoch wirtschaftlich, werden energieeffiziente Techniken und
Lösungen häufig nicht eingesetzt. Verantwortlich für dieses strukturelle Marktversagen
sind eine ganze Reihe von Hemmnissen, wie z.B. mangelnde Information, überhöhte
Amortisationserwartungen, Investor-Nutzer Dilemma usw. Eine umfassende und in
weiten Teilen noch immer relevante Aufarbeitung existierender Hemmnisse in Deutschland findet sich im Studienprogramm der Enquete-Kommission „Vorsorge zum Schutz
der Erdatmosphäre“ (Suding u.a. 1990).
24 In der Vergangenheit ist die Energieeffizienz in der EU um etwa 1,6 Prozent pro Jahr
gestiegen (EC 2005b). Aktuelle Prognosen erwarten für die nächsten beiden Jahrzehnte
im Trend eine Effizienzsteigerung um 1,4 Prozent pro Jahr (Mantzos et al. 2003).
88
Jahrbuch 2004/2005
für den Aufbau eines welt­weiten Marktes für erneuerbare Energie. Dennoch
gibt es bislang ein „fehlendes Glied“ in der Erfolgsgeschichte der Markteinführung der erneuerbaren Energien: Sie ist noch immer ausschließlich von der
Energie­angebotsseite getrieben und es fehlt eine systematische Verknüpfung
mit der erheblich kosteneffektiveren Steigerung der Energieeffizienz. Nur
durch diese Verknüpfung können die nationalen Energierechnungen so niedrig wie möglich gehalten werden und werden die – in der Regel noch immer
teureren – erneuerbaren Energien für die armen Länder bezahlbar. Eine aktuelle Szenario­analyse zeigt für die EU, dass die Energieeffizienzsteigerung für
die nächsten Jahrzehnte auf etwa 3 Prozent pro Jahr gegenüber den aktuellen
Trends mehr als verdoppelt werden muss, um adäquate Emissionsminderungen
und signifikante Marktanteile der erneuerbaren Energien zu erreichen (Lechten­
böhmer et al. 2005, Lechtenböhmer/Thomas 2005). Analoge Ergebnisse lassen
sich auch aus globalen Energie- und Emissionsszenarien ableiten: Eine gegenüber den Vergangenheitstrends um 60 bis 100 Prozent schnellere Steigerung
der Energie­effizienz ist ein Mindestziel in allen Szenarien, die nachhaltige
Emissions­niveaus erreichen wollen (Hennicke et al. 2004).25
Es ist daher essenziell, einen parallelen, auf die Setzung von Zielen für die
Steigerung der Energieeffizienz (und insbesondere nachfrageseitige Energie­
effizienz) ausgerichteten Prozess mit innovativen OECD-Ländern und wichtigen Entwicklungsländern wie z.B. China und Indien zu beginnen. Unterstützt
werden sollten die Effizienzziele durch die Förderung strategischer Effizienztechnologien wie auch durch Zielsetzungen für einen zunehmenden Einsatz
von Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbaren Energien. Die Einhaltung dieser Ziele liegt im nationalen Interesse der beteiligten Länder, denn sie tragen
nicht nur zur Steigerung des Wohlstands und einer nachhaltigen Entwicklung
bei, sondern senken auch die Zuwachsraten der Treibhausgasemissionen. Das
­Gleiche gilt für sektor- und technologiespezifische Ziele, z.B. im Verkehrs­
bereich oder im Gebäudebereich, die im ökonomischen und ökologischen Interesse sowohl der Industrie- als auch der Entwicklungsländer liegen.
Innerhalb des „PAMs-Pfades“ könnte daher ein Portfolio realistischer und
robuster Optionen für „positive, richtungweisende Zielsetzungen“ entwickelt
werden (z.B. Verbrauchsobergrenzen für Automobilflotten sowie für bestehende
oder neue Gebäude, Zuwachsraten der nachfrageseitigen Energie­produktivität
und des Anteils erneuerbarer Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung in der
Strom- und Wärmeproduktion).
25 Neben anderen zeigt z.B. Blok (2005), dass Energieeffizienzsteigerungen bei neuen
Geräten und Anlagen um 5 und mehr Prozent pro Jahr in Industrieländern möglich sind.
Kyoto plus
89
Identifikation internationaler bester Praxis zu Gesetzen, Regulierungen,
Programmen und Projekten zur Förderung von Energieeffizienz und
erneuerbaren Energien
Die Energieeffizienzpotenziale verteilen sich auf eine Vielzahl von Technologien,
Anwendungsbereiche und Akteure. Das ist auch der Grund, warum pauschale
Politikansätze regelmäßig nicht in der Lage sind, die enormen Potenziale, die
in der Energieeffizienz stecken zu aktivieren. Was stattdessen benötigt wird, ist
ein umfassendes Maßnahmenpaket mit einem sehr spezifischen und gezieltem
Basis-Maßnahmenportfolio zusammensetzt. Dazu gehören allgemeine Informationsmaßnahmen, zielgruppenspezifische Beratung, finanzielle Anreize, andere
nachfrageseitige Maßnahmen und Markttransformationsprogramme, freiwillige
Vereinbarungen mit den Herstellern energienutzender Technologien, rechtlich-/
administrative Maßnahmen (z.B. Höchstverbrauchsgrenzwerte) und die Schaffung eines starken institutionellen Rahmens, ­bestehend z.B. aus Energieagenturen und Energiesparfonds.26
Innerhalb des PAMs-Pfades sollten sich die Staaten daher darauf einigen,
ehrgeizige und umfassende Politiken zu implementieren, die alle Markt­akteure
dabei unterstützen, die nachfrageseitige Energieeffizienz zu verbessern und
vermehrt erneuerbare Energien einzusetzen, wo immer und wann immer dies
möglich ist. Internationale Koordination und die Verbreitung guter Politik­
beispiele sind essentielle Elemente des PAMs-Pfades bzw. einer internatio­
nalen Initiative für Energieeffizienz.
Im Rahmen der OECD ist z.B. die Internationale Energieagentur (IEA)
bereits heute in verschiedenen Projekten aktiv, um gute Politikbeispiele zur
­Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien zu verbreiten.
Eigene Aktivitäten hat auch die Energiecharta für Europa entfaltet, allerdings könnten diese noch deutlich verstärkt werden. Internationale Institutionen wie z.B. die Global Environmental Facility (GEF), die International
Finance ­Corporation (IFC), die Weltbank oder das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNDP/UNEP) ebenso wie nationale, z.B. die Gesellschaft
für Technische Zusammenarbeit (GTZ) oder internationale Projektförderer
sollten ebenfalls wesentlich stärker zusammenarbeiten um Erfahrungen und
Beispiele guter Praxis wesentlich systematischer und zielgruppenspezifischer
zu verbreiten. Durch eine offizielle internationale Kooperation wäre es einfacher, ein standardisiertes Portfolio erfolgreicher Gesetze und Regulierungen,
26 Weitere Details zu dieser Liste finden sich z.B. in Lechtenböhmer/Thomas (2004). Eine
detaillierte Konzeption eines Energiesparfonds für Deutschland sowie zahlreiche detaillierte Programmvorschläge finden sich in Thomas/Irrek (2005) und unter http://www.
wupperinst.org/Projekte/fg2/3216.html.
90
Jahrbuch 2004/2005
Programme etc. zu verbreiten, das die erforderlichen sozialen und politischen
Lernprozesse erleichtern und beschleunigen könnte.27
Die Etablierung unterstützender Rahmenbedingungen und Institutionen
Zwei höchst effektive Maßnahmen sind die Einführung von Energiesparfonds,
z.B. nach dem dänischen, norwegischen oder britischen Vorbild (vgl. Thomas/
Irrek 2005), und die Definition von individuellen Einsparzielen für Energie- und
Gasanbieter oder Strom- und Gasnetzbetreiber, wie sie bereits in Großbritannien, Dänemark, Italien oder Flandern (Belgien) (OFGEM 2004) demonstriert
wurde.
Um diese und andere Erfolgsbeispiele zu verbreiten, um Energieeffizienz­
investment zu finanzieren und Effizienzmärkte zu schaffen, sollten auf inter­
nationaler und nationaler Ebene entsprechende Rahmenbedingungen ­geschaffen
werden. Geeignete Institutionen wie z.B. ein „Internationales Netzwerk von
Energieeffizienz- und Erneuerbare-Energien-Agenturen“ sollten gegründet
und sowohl internationale als auch nationale öffentliche Fonds eingerichtet
werden, um finanzielle Förderungen und Anreizmechanismen zu schaffen und
Vor­finanzierungsmöglichkeiten für Energieeffizienzinvestitionen zu bieten.
Nationale Fonds könnten ebenfalls durch internationale Fondorganisationen
unterstützt werden, wie derzeit innerhalb des UNECE Energy Efficieny 21
Project28. Diese Institutionen sollten zudem ein „Wissensmanagementsystem“
schaffen, um zielgruppengenaue Informationen zu liefern und Standards und
technologisches Know-how bereitzustellen.
Kooperation, Integration und eine optimale Verzahnung mit anderen Konventionen und Umweltagenden würden Synergien schaffen und Kosten reduzieren. Dies gilt z.B. für nationale Pläne zur Implementierung nachhaltigerer
Produktions- und Konsummuster oder für Programme zur Verringerung der
lokalen Luftverschmutzung durch den Verkehr und andere Quellen, für Programme zur Steigerung der Luftqualität oder für Aufforstung sowie Maß­
nahmen zum Schutz der Biodiversität.
Dasselbe gilt für Politiken und Maßnahmen, die nicht speziell auf Klima­
belange abzielen, jedoch als Nebeneffekt positiven Einfluss auf die Reduzierung der Treibhausgasemissionen haben, wie z.B. Maßnahmen wie die „Redu27 Ein Beispiel hierfür wäre das E-Parliament Projekt, das eine Website für Parlamentarier
entwickelt hat, auf der sie sich über Energieeffizienzpotenziale und gute Beispiele aus der
Gesetzgebung informieren und austauschen können (www.e-parl.net/energy).
28 Der UNECE Energieeffizienz Fonds wurde eingerichtet, um Kohlendioxidemissionen im
Rahmen des Kyoto-Protokolls zu reduzieren (vgl.: http://www.unece.org/press/pr2005/
05ireedd).
Kyoto plus
91
zierung von Importabhängigkeit von Öl und Gas“ oder „Erhöhung der Sicherheit des ausreichenden Angebots und Reduzierung der Risiken durch die Substitution von Ölprodukten durch effizientere Autos und alternative Treibstoffe“
(z.B.: Biotreibstoffe, Solarenergie).
„Kyoto plus“: Ziele und Maßnahmen
Das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls stellt einen Meilenstein und bedeutsamen Fortschritt internationaler Klimapolitik dar. Es ergänzt das durch die
Klima­rahmenkonvention geschaffene institutionelle Grundgerüst globaler
Klimapolitik durch konkrete Minderungspflichten für Industrieländer und stellt
mit den flexiblen Mechanismen ein neues klimapolitisches Instrumentarium zur
Verfügung. Neben der Umsetzung der im Kyoto-Protokoll angelegten Ziele steht
die Entwicklung einer „Kyoto plus“-Strategie für die nächste Phase internatio­
naler Klimapolitik im Mittelpunkt, über deren Eckpfeiler in den kommenden
Jahren zu entscheiden sein wird. Dabei ist das Protokoll ein zentrales Element,
das es fortzuentwickeln und um wichtige Pfade zu ergänzen gilt.
Eine auf die Minderung von Treibhausgas-Emissionen ausgerichtete Klima­
schutzpolitik wird die vom Menschen verursachten Änderungen des Welt­
klimas allerdings nicht mehr gänzlich aufhalten, sondern lediglich abmildern
können. Denn der anthropogene Klimawandel ist bereits im Gange. Die in arktischen Regionen zu beobachtenden und gut dokumentierten Änderungen der
letzten Jahre können als Indikator dafür dienen, was auch andere Regionen
in naher Zukunft erwartet. Die Änderungen der klimatischen Verhältnisse in
der Arktis haben bereits heute Einfluss auf das (kulturelle) Überleben der dort
lebenden Inuit sowie der arktischen Fauna und Flora (Arctic Council 2004).
Jede „Kyoto plus“-Strategie muss daher neben der Emissionsminderungs­
politik in der Anpassungspolitik eine weitere Säule errichten. Dabei geht es um
das rechtzeitige Anpassen von Lebensräumen und Lebensstilen an nicht mehr
vermeidbare Folgen des Klimawandels durch so unterschiedliche Maßnahmen
wie die Erhöhung von Deichen, die Nichtbesiedelung von Hochwasser und
Erdrutsch gefährdeter Gebiete, aber auch eine verbesserte medizinische Grundversorgung oder die Information von (betroffener) Bevölkerung und politischen
EntscheidungsträgerInnen über erwartete Folgen des Klimawandels. Auf inter­
nationaler Ebene zentral ist die solidarische Unterstützung der besonders durch
den Klimawandel verwundbaren Regionen. Mit den auf dem Klimagipfel von
Marrakesch (2001) beschlossenen Klimafonds zur Unterstützung von Anpassungsmaßnahmen in Entwicklungsländern und dem drei Jahre später in Buenos
92
Jahrbuch 2004/2005
Das Team des Wuppertal
Instituts war auf der zehnten
Konferenz der Vertragsstaaten
der Klimarahmenkonvention
(Buenos Aires, 6. bis 17.
Dezember 2004) ein stark
nachgefragter Interviewpartner. Von links nach rechts:
Wolfgang Sterk, Bernd
Brouns, Bettina Wittneben,
Hermann E. Ott im Gespräch
mit einer Journa­listin der
Deutschen Welle.
Foto: Dennis Tänzler
Aires verabschiedeten „Buenos Aires programme of work on adaptation and
response measures“ wurde lediglich ein relativ instabiles ­Fundament für diese
zweite Säule geschaffen (Ott et al. 2005; Huq 2003).
Angesichts irreversibler Folgen des Klimawandels kann eine Strategie der
Anpassung allerdings immer nur begrenzte Wirksamkeit haben und lediglich
die Antwort auf das Unvermeidbare sein. Das Vermeidbare zu verhindern, ist
Gegenstand der jetzt zu konzipierenden, auf die Minderung von Emissionen
ausgerichteten „Kyoto plus“-Politikpfade. Soll der Eintritt einer erdgeschichtlich präzedenzlosen Erwärmung der Erde vermieden werden, müssen die bisherigen Bemühungen im Rahmen des UNFCCC/Kyoto-Regimes intensiviert
und gleichzeitig durch eine verstärkte internationale Koordinierung von Politiken und Maßnahmen ergänzt werden.
Zur Fortentwicklung des Kyoto-Vertragsrahmens gehört neben deutlich
verstärkten Reduktionszielen für den „Norden“ auch eine verstärkte Einbeziehung von Entwicklungsländern. Der Schlüssel wird darin liegen, ein Verfahren
zu vereinbaren, mittels dessen für einzelne Staaten(gruppen) in transparenter
Weise ein auf ihre jeweiligen Rahmenbedingungen abgestimmter Beitrag
an den globalen Klimaschutzbemühungen ermittelt werden kann. Eine Fort­
führung der Gleichbehandlung so unterschiedlicher Staaten wie Südkorea und
Singapur auf der einen und Burkina Faso und Bangladesch auf der anderen
Seite wird nicht zum klimapolitisch gewünschten Ziel führen. Um die für die
Akzeptanz internationaler Vereinbarungen erforderliche Fairness und ökonomische Effizienz aufzuweisen, sollte sich eine solche Differenzierung an den
Kriterien „Minderungspotenzial“, „Verantwortung für den Klimawandel“ und
„Kapazität für die Finanzierung von Minderungsmaßnahmen“ orientieren (Ott
et al. 2004).
Kyoto plus
93
Dieser Regelungsansatz über die Setzung von Emissionszielen bedarf
zusätzlich der Ergänzung durch eine internationale Koordinierung von ­Politiken
und Maßnahmen. Zum einen werden dadurch die Umsetzung konkreter Maßnahmen und der Marktzugang klimafreundlicher Technologien und damit letztlich die Einhaltung der Emissionsziele befördert, zum anderen können über diesen Pfad internationaler Klimapolitik schrittweise Länder, die bislang abseits
stehen, (wieder) an den „Kyoto-Pfad“ mit verbindlichen Mengenzielen herangeführt werden. Hiermit wird ein klimapolitischer Ansatz wieder aufgenommen, der vor Kyoto (1997) bereits einmal auf der Agenda des klimapolitischen
Verhandlungsprozesses stand, seitdem aber zugunsten des „Ziel“-Ansatzes von
Kyoto vernachlässigt wurde. In den letzten Jahren wurden nun erneut Versuche
unternommen, beispielsweise auf dem Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung
in Johannesburg, über eine internationale Kooperation Klimaschutzmärkte zu
schaffen und Fördermaßnahmen abzustimmen. Dies muss nicht zwingend unter
Beteiligung aller Staaten geschehen, vielmehr bieten gerade begrenzte Kooperationen und Initiativen Chancen für eine Koalition der Wohlmeinenden, sich
strategisch auf Zukunftsmärkten zu platzieren. Beispiel gebend ist der mit der
„Renewables 2004“-Konferenz angestoßene Prozess, der nach den gescheiter­
ten Bemühungen um einen „universalen“ Ansatz auf dem „Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung“ in Johannesburg (2002) eine informelle „Koalition der
Willigen“ und die Übernahme von Vorreiterrollen ermöglicht.29
Was bei der Vielfalt der gegenwärtig entstehenden Initiativen vor allem
fehlt, ist ein Prozess zur wirksamen Förderung von Effizienzmaßnahmen.
Gerade hier liegen mittelfristig die größten Emissionsreduktionspotenziale
– im Norden wie im Süden. Die meisten Studien zu erneuerbaren Energien
betonen, dass diese nur im Verein mit effizienter Energienutzung zukünftig
die Basis des Energiesystems bilden können. Deshalb kommt einer Initiative
für Energieeffizienz im Rahmen einer „Kyoto plus“-Strategie entscheidende
Bedeutung zu. Hier ergeben sich auch Anknüpfungspunkte mit den USA, wie
das von Präsident Bush und Bundeskanzler Schröder am 23. Februar 2005 vorgelegte „Deutsch-amerikanische Aktionsprogramm für umweltfreundliche und
effiziente Energie, Entwicklung und Klimaschutz“ verdeutlicht.
Insbesondere die EU, die vor der Verabschiedung des Kyoto-Protokolls ein
zentraler Promotor für die internationale Vereinbarung koordinierter Politiken
und Maßnahmen war, könnte gemeinsam mit anderen Staaten im Norden wie
im Süden einen internationalen Prozess für die Markteinführung von Energie­
effizienztechnologien und das Setzen von Zielen bzw. Selbstverpflichtungen
29 Jänicke (2005) stellt deutlich die Bedeutung von Pionierstaaten für die – vorwiegend
horizontale, zwischenstaatliche – Diffusion von Innovationen, d.h. vor allem neuen
Regelungen und Herangehensweisen in der Umweltpolitik, heraus.
94
Jahrbuch 2004/2005
Kyoto plus
95
für Energieeffizienz starten. Eine gute Basis dafür wäre die rasche Verabschiedung einer anspruchsvollen Selbstverpflichtung der Staaten der EU im Rahmen
der gegenwärtig diskutierten EU-Endenergieeffizienzrichtlinie.
Beides, die Fortentwicklung der Kyoto-Ziele wie auch die Koordinierung
von Politiken und Maßnahmen in den unterschiedlichsten Bereichen in verschiedenen Konstellationen, müssen Hand in Hand gehen. Das gegenwärtig
von einigen Akteuren verfolgte Ausspielen politischer Prozesse gegenein­ander
muss zu einem Miteinander werden. International vereinbarte Mengenziele für
Emissionen und nationale bzw. regionale Politiken und Maßnahmen ergänzen einander, ja, sie sind ohne die wechselseitige Befruchtung nur schwer
vorstellbar. Erst beide Ansätze zusammen können für die Jahrhundertaufgabe
„Klimaschutz“ diejenigen Synergien und Kräfte erzeugen, die den Weg in das
solare Zeitalter frei machen.
Literatur
Vom 19. bis 27. Mai 2005 fand in Bonn das 22. Treffen der Nebenorgane der UN-Klimarahmenkonvention statt. Das Wuppertal Institut präsentierte den Klimaverhandlern auf einem Informationsstand und in
zwei Veranstaltungen aktuelle Forschungsergebnisse zu Fragen internationaler Klimapolitik.
Foto: Bettina Wittneben
Auf der TerraTec-Messe in Leipzig am 10. und 11. März 2005 berichtete Ministerialrat Franz-Josef
Schafhausen einleitend zum Workshop „Klimaschutzprojekte und EU-Emissionshandel – Perspektiven
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Umweltkongress
„Ressourceneffizienz – Neue Chancen für
nachhaltiges Wirtschaften in Stadt und Region:
Konzepte, Strategien, Beispiele“
Am 17. März 2004 hat das Wuppertal Institut in der Historischen Stadthalle Wuppertal einen Umweltkongress veranstaltet. „Ressourceneffizienz“ zielt darauf ab, durch einen effizienteren, sparsameren Umgang
mit natürlichen Ressourcen sowohl ökologische Entlastungseffekte als auch Kostenreduzierungen und
damit Marktvorteile sowie positive Arbeitsplatzeffekte zu erreichen. Im Bereich der öffentlichen Verwaltungen geht es nicht zuletzt um die Entlastung der öffentlichen ­Haushalte. Namhafte Referenten aus
Wissenschaft und Praxis diskutierten auf diesem Kongress über ­ressourceneffiziente Produkte und Dienstleistungen sowie Produktions­mittel und Infrastruktursysteme.
Im Foyer neben vielen Ständen und Ausstellungen der Partner des Umweltkongresses
ein Stand der ­Wuppertaler Stadtwerke
WSW. Zu den Förderern gehörten: Ministerium für Wissenschaft und Forschung des
Landes Nordrhein-Westfalen, Ministerium
für Wirtschaft und Arbeit des Landes Nordrhein-West­falen, Stadt Wuppertal unter
Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters,
Verband kommunaler Unternehmen e.V.
(VKU), Berlin. Unterstützt wurde er von:
Informationskreis für Raumplanung e.V.
(IfR), Dortmund, Wirtschafts- und Beschäftigungsförderungsgesellschaft Wuppertal
mbH. Er entstand in Zusammenarbeit mit:
Altbau Plus, Energieagentur NRW, Institut
Arbeit und Technik, RWE Umwelt AG,
Stadt Rhede, Stadt­reinigung Hamburg,
Stadtwerke Aachen AG, THS TreuHandStelle für Bergmannswohnstätten im
­rheinisch-westfälischen Steinkohlenbezirk
GmbH, Verband Kommunale Abfallwirtschaft und Stadt­reinigung im VKU,
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen,
Wuppertaler Stadtwerke AG.
100
Jahrbuch 2004/2005
101
Peter Hennicke
Impulse für die Ressourcenwende,
qualitatives Wachstum und mehr
Arbeit
Eine „Ökonomie des Vermeidens“ von unnötigem
Naturverbrauch aufbauen
Fotos links: Ebenfalls zu den Plenarrednern gehörten
Prof. Dr. Rainer Danielzyk, Direktor des Instituts für
Landes- und Stadtentwicklungsforschung und Bauwesen
des Landes Nordrhein-Westfalen, Dortmund, Prof. Dr.
Rolf-Ulrich Sprenger, ifo-Institut für Wirtschaftsforschung München, Leiter des Bereichs Umwelt, Regionen
und Verkehr sowie Oberbürgermeister Peter Jung, Stadt
Wuppertal.
Mit dem Konzept einer „Ökonomie des Vermeidens“ (Hennicke/Müller) wurde
der Versuch gemacht, die ökologisch motivierte „Reduktions- und Entkopplungs“-Diskussion mit der Ökonomie zu verbinden. Aus konzeptionellen
Überlegungen und praktischen Erfahrungen mit Energiesparkonzepten im
Energiesektor wurde abgeleitet, dass es prinzipiell möglich ist, geeignete
Anreizstrukturen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die das „Vermeiden
von unnötigem Energie- und Materialverbrauch“ auch betriebswirtschaftlich
attraktiv und damit zu einem neuen Geschäftsfeld machen – wenngleich es bei
jedem (staatlich beschleunigten) wirtschaftlichen Strukturwandel ­Gewinner und
Verlierer geben wird. Nutzungsäquivalente Energiedienstleistungen für warme
oder gekühlte Wohnungen, gute Serviceleistungen durch Haushaltsgeräte,
angepasste Beleuchtung, effiziente Kommunikation, ausreichende Kraftentwicklung und Mobilität usw. können mit mehr oder weniger Energie (bzw.
Materialeinsatz) bereitgestellt werden, je nachdem, wie viel Endenergie durch
effizientere Wandlergeräte substituiert wird. In einer „Ökonomie des Vermeidens“ würde der technische Fortschritt durch innovative Energie- und Material­
spartechniken sowie Managementmethoden in eine natursparende Richtung
gesteuert. Unter bestimmten Randbedingungen kann damit auch die Erwartung auf zusätzliche Netto-Beschäftigungseffekte verbunden werden. Gelänge
es im Rahmen einer derartigen „Ökonomie des Vermeidens“, den wirtschaftlichen Strukturwandel, neue Geschäftsfelder und Zukunftsmärkte im Norden
systematischer in diese Richtung zu steuern, dann könnte möglicherweise ein
neuer (qualitativer) Typ des Wirtschaftswachstums auch mit ökologischen
Entlastungs- und Entkopplungseffekten und mit Beiträgen zur Verringerung
Bilder rechts: Christa Friedl, Freie Wissenschaftsjournalistin, moderierte das Eröffnungsplenum mit den Rednern
Prof. Dr. Peter Hennicke und Hartmut Krebs, Staats­
sekretär im Ministerium für Wissenschaft und ­Forschung
in ­Nordrhein-Westfalen. Im Publikum zahlreiche Expertinnen und Experten des nachhaltigen Wirtschaftens
in Wissenschaft und Praxis. Lebhafte Debatten und
­engagierte Beiträge in den Workshops.
Vgl. Hennicke, P.; Müller, M.: Wohlstand durch Vermeiden: Mit der Ökologie aus der
Krise. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1994, sowie Hennicke, P.; Müller,
M.: Weltmacht Energie, Herausforderung für Wohlstand und Demokratie. Stuttgart, 2005.
Vgl. Hennicke, P.; Seifried, D.: Das Einsparkraftwerk – Eingesparte Energie neu nutzen.
Berlin/Basel/Boston: Birkhäuser, 1996.
102
Jahrbuch 2004/2005
von Arbeitslosigkeit verbunden werden. Idealiter schrumpfen Risikomärkte,
während Zukunftsmärkte systematisch kreiert werden und überproportional
wachsen – mit gesamtwirtschaftlich positiven Wachstums- und Beschäftigungseffekten. Im Süden wäre dies insofern ein zentraler Baustein für nachhaltige
Entwicklung und Armutsbekämpfung, weil während des Entwicklungsprozesses die Produktions- und Konsummuster energie- und materialsparender
und damit zumindest langfristig auch kostensparender entwickelt würden. Diese
Diskussion hatte in den vergangenen Jahren scheinbaren Ressourcenüberflusses
und geringer Preise für Energie und Rohstoffe zwar einen theoretischen Reiz,
aber in der Praxis keine durchschlagende Relevanz.
Dies hat sich gründlich geändert. Das Thema Ressourcen und Energie ist
heute in aller Munde. Vor allem wegen der Preisentwicklung. Scheinbar überraschend stiegen die Preise für Öl, Erdgas Kohle, Koks und strategische Rohstoffe auf breiter Front. Das Angebot kann mit dem ungebremsten welt­weiten
Ressourcenhunger, dem hohen Pro-Kopf-Ressourcenverbrauch im reichen
Norden und der gigantischen Nachfrage schnell wachsender, bevölkerungsreicher Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien nicht mehr Schritt halten.
Die Wissenschaft entdeckt die „neuen Verbraucher“ und stellt fest, dass z.B.
China mit 240 Mio. schon heute beinahe so viele Einwohner wie die USA
(243 Mio.) mit einem Jahreseinkommen über 7 000 $ aufweist. Was geschieht
beim Ressourcenverbrauch, wenn der Anteil dieser Verbrauchergruppe in
China von 19 Prozent (2002) zukünftig auf einen Anteil wie heute in den USA
(86 Prozent) ansteigt und dabei die derzeitigen US-Konsummuster als Vorbild
dienen würden? Für das Wuppertal Institut bedeutet dies, dass die anvisierte
Erforschung und Entwicklung von „Leitbildern, Strategien und Instrumenten
für eine nachhaltige Entwicklung auf regionaler, nationaler und internationaler
Ebene“ (Mission) eine besondere Aktualität erhalten hat. Dies soll nachfolgend
am Beispiel Energie- und Materialeffizienz demonstriert werden.
„Renaissance der Energieeffizienz“: Rhetorik oder
Handlungsbereitschaft?
Die Rolle der Energieeffizienz für den Klima- und Ressourcenschutz lässt sich
auf einen vereinfachten Nenner bringen: Alle sind für mehr Energieeffizienz, aber
keiner fühlt sich so richtig dafür zuständig. Es lässt sich derzeit geradezu eine
„Renaissance der Energiesparrhetorik“ konstatieren. US-Militärs im Bündnis
mit Ökologen oder die Internationalen Energieagentur (IEA) im Einvernehmen
mit dem zuständigen EU-Kommissar Piebalgs – so viele engagierte ­Plädoyers
Ressourceneffizienz
103
für mehr Energieeffizienz hat es schon lange Zeit nicht mehr gegeben. Wird
diese Rhetorik (wie nach den beiden Ölpreiskrisen der siebziger Jahre) wieder in
kurzatmigen Einzelinitiativen verpuffen? Das ist möglich, aber nicht wahrscheinlich. Denn die nicht nachhaltigen Trends im Energiesystem bewegen sich in eine
durchaus als dramatisch einzuschätzende Richtung.
Der Schlüssel zur Lösung dieser Probleme ist eine strategische Energie­
effizienzinitiative von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, die mit der
beschleunigten Markteinführung der Erneuerbaren auch aus wirtschaftlichen
Gründen besser verbunden sein müsste als bisher. Man kann es nicht oft genug
betonen: Die Energieeffizienzrevolution ist eine unabdingbare Voraussetzung
für die notwendige Entkopplung von Wohlstand und Ressourcenverbrauch
sowie für ein risikoarmes, nachhaltiges Energiesystem. Aber ohne die gleichzeitige beschleunigte Markteinführung des vielfältigen Mix an erneuerbaren
Energien bleiben eine nachhaltige Entwicklung und ein ausreichender Klimaund Ressourcenschutz letztlich eine Illusion.
Es spricht viel dafür, dabei auf ideologische Scheindebatten zum Thema
„Wettbewerb oder Dirigismus“ zu verzichten und sich am realen Marktergebnis und an erwünschter gesellschaftlicher Zielsetzung über den Ressourcenund Klimaschutz zu orientieren. Länder wie Großbritannien, Dänemark, Norwegen oder die belgische Region Flandern machen es vor, wie eine konsistente
Strategie mit einem umfassenden Gesamtpaket von Instrumenten zur Energieeinsparung im politischen Konsens verabschiedet und konsequent umgesetzt
werden kann.
Das technische Potenzial der effizienten Energieverwendung und ­­ -erzeugung wird heute von großen Teilen der Wissenschaft als eher größer eingeschätzt als noch vor Jahren. Bezogen auf die benötigte Energiedienstleistung
(warme und helle Räume, gekühlte Lebensmittel, Mobilität, Produktion),
könnte der Energieverbrauch technisch um durchschnittlich 80 bis 85 Prozent
verringert werden. Auch wenn berücksichtigt wird, dass die Nachfrage nach
Energiedienstleistungen mit dem Wirtschaftswachstum steigt, könnte bis zur
Mitte des Jahrhunderts der Primärenergieverbrauch pro Kopf in Deutschland
um etwa zwei Drittel verringert werden. Diese technische Vision einer „2000Watt-Gesellschaft“, die pro Kopf nur Energie mit einer durchschnittlichen
Vgl. Energy Future Coalition (Hrsg.): Challenge and Opportunity: Charting a New
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Vgl. hierzu Hennicke, P.; Müller, M.: Weltmacht Energie, Herausforderung für Wohl­­stand
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Lovins, A.; Hennicke, P.: Voller Energie – Vision: Die globale Faktor-Vier-Strategie für
Klimaschutz und Atomausstieg. Campus Verlag, Frankfurt am Main, 1999.
104
Jahrbuch 2004/2005
Leistung von 2000 Watt benötigt, hat sich der Rat der Eidgenössischen Technischen Hochschule in der Schweiz als Leitlinie zu eigen gemacht.
Eine Szenarien basierte Abschätzung des Beitrags der rationellen Energie­
nutzung zu ambitionierten nationalen Klimaschutzzielen zeigt darüber hinaus
für Deutschland: Zwei Drittel bis drei Viertel der für den Klimaschutz notwendigen CO2-Minderung können und müssen in den nächsten Jahrzehnten auf
den Märkten für Energieeffizienztechnologien erbracht werden. Dies ist die
erste klima- und ressourcenpolitische Begründung für den energiepolitischen
Imperativ, die Markteinführung der Regenerativen systematischer als bisher
mit einer forcierten Effizienzsteigerung zu verbinden.
Es gibt jedoch auch eine zweite makroökonomische Begründung für eine
enge Integration von Effizienz und Erneuerbaren: Der moderate Anstieg der
volkswirtschaftlichen Energierechnung während des Umbaus zu einem nachhaltigeren Energiesystem kann nur dann in vertretbarem Rahmen gehalten und
langfristig wieder gesenkt werden, wenn der vorübergehende Preissteigerungseffekt durch die Erneuerbaren durch den Kostenentlastungseffekt der Energie­
effizienz so weit wie möglich ausgeglichen wird.
Materialeffizienz als Innovations- und Jobmotor
Während die Energieeffizienz zumindest verbal schon längere Zeit in Wissenschaft und Politik Beachtung gefunden hat, ist erst in jüngerer Zeit das
wirtschafts- und energiepolitische Interesse an der Materialeffizienz und den
damit verbundenen mikro- und makroökonomischen Implikationen gewachsen. Interessanterweise hat die Energieenquete zunächst quasi das Pferd von
hinten aufgezäumt und zunächst die Energieeinspareffekte durch Strategien
Jochem, Eberhard (Hrg.): Energieperspektiven und CO2-Reduktionspotenziale in der
Schweiz bis 2010, Energieeffizienz sowie Substitution durch Erdgas und erneuerbare
Energien. Zürich, 2004.
Vgl. zu den nachfolgenden Ausführungen Wuppertal Institut/DLR: Langfrist­szenarien
für eine nachhaltige Energienutzung in Deutschland. Studie im Auftrag des Umwelt­
bundesamts. Wuppertal/Stuttgart, 2002; sowie Hennicke, P.: Chancen für den Klima­
schutz durch verbesserte Energieeffizienz. Sondertagung der Gesellschaft für Umweltrecht e.V. und des Umweltbundesamtes am 20.06.2005 in Berlin.
Dieser Kosten- und Arbeitsplatzeffekt ist für evaluierte Programme nachgewiesen und
für einen deutschen Effizienzfonds im Detail durchgerechnet worden. Vgl. hierzu die
Ausführungen weiter unten sowie ausführlich Thomas, Stefan; et al.: Konzept für einen
EnergieSparFonds in Deutschland. Endbericht im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung.
Wuppertal, 2005.
Ressourceneffizienz
105
der Material­einsparung quantifiziert. Die Energie Enquete-Kommission unterscheidet vier Strategien, wie eine effizientere Materialnutzung zu erheblichen
Energiespar­effekten führen kann; im Vergleich zu einer Trendentwicklung
(„Referenz-Szenario“) lassen sich die folgenden zusätzlichen Energieein­
sparungen bis zum Jahr 2030 erreichen, wenn eine aktive Politik zur Steigerung
der Materialeffizienz („Nachhaltigkeitsszenario“) unterstellt wird:
1. Verstärktes Recycling (128 PJ)
2. Geringerer spezifischer Materialbedarf (193 PJ)
3. Materialsubstitution (118 PJ)
4. Gesteigerte Nutzungsintensität (65 PJ)
Die Kommission geht überschlägig davon aus, dass im Referenzfall bereits etwa
465 PJ (etwa 5 Prozent des heutigen Energiebedarfs) und durch eine bewusste
Nachhaltigkeitspolitik zusätzlich noch ein Potenzial in etwa der gleichen Höhe
erschlossen werden kann (s.o.). Wegen fehlender Detaildaten ist hierbei das
Potenzial noch nicht im vollen Umfang erfasst. Hier liegt noch ein erheblicher
Forschungsbedarf. Doch allein die Größenordnung zeigt, dass Maßnahmen zur
Steigerung der Materialeffizienz einen erheblichen Einfluss auf die Nachfrage
nach Energiedienstleistungen haben.
In den letzten Jahren ist zudem deutlich geworden, dass der vermeidbare
Materialkostenanteil beim verarbeitenden Gewerbe noch wesentlich höher
liegt als die vermeidbaren Energiekosten. Dies macht es grundsätzlich ökonomisch interessanter, nach der Materialkosteneinsparung zu suchen und diese
sozusagen im Nebeneffekt auch mit Energiespareffekten zu verbinden. Umgekehrt ist es daher auch sinnvoller, entsprechende Qualifikation vorausgesetzt,
bei Betriebsanalysen z.B. im Rahmen von Energieeinspar-Contracting auch die
Steigerung der Materialeffizienz so weit wie möglich mit zu untersuchen und
zu erschließen. Aus derartigen umfassenden Betriebsanalysen werden sich in
aller Regel umfangreichere Kosteneinsparpotenziale ergeben, als wenn nur die
Energieeffizienz isoliert betrachtet würde.
Allerdings fehlten bisher eine integrierte Energie- und Materialeffizienz­
analyse und daraus abgeleitete kombinierte Handlungsprogramme. Der Koali­
tionsvertrag der rot-grünen Bundesregierung aus dem Jahr 2003 enthielt zwar
erstmalig einen kurzen Passus unter der Überschrift „Ökoeffizienz – die Jobmaschine von morgen“ (S. 39), aber erst gegen Ende der Legislaturperiode
wurden zaghafte Schritte unternommen, dieser „Jobmaschine“ Schwung zu
verleihen.
Deutscher Bundestag (Hrsg.): Nachhaltige Energieversorgung unter den Bedingungen der
Globalisierung und der Liberalisierung. Endbericht der Enquete-Kommission, Drucksache 14/9400. Berlin, 2002.
106
Jahrbuch 2004/2005
Vor diesem Hintergrund hat das Wuppertal Institut in Kooperation mit
Arthur D. Little und Fraunhofer/ISI im Auftrag des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Arbeit ein Konzept für ein „Impulsprogramm Materialeffizienz“
erarbeitet10 (vgl. auch nachfolgenden Beitrag). Das Impulsprogramm Material­
effizienz soll durch staatliche Maßnahmen zur deutlichen Beschleunigung der
rentablen Steigerung von Materialeffizienz in der Wirtschaft beitragen und
Wachstumseffekte erzielen. Als Wachstumshebel dienen Produktinnovation
und Produktionsoptimierung, über die neue Märkte erschlossen, die Kosten
gesenkt und die internationale Wettbewerbsfähigkeit in bestehenden Märkten
verbessert werden. Die Maßnahmen des Programms sollen so angelegt werden,
dass dieses Wachstum vor allem im Mittelstand Arbeit schafft und die öffentlichen Haushalte netto (trotz der notwendigen Anschubfinanzierung) entlastet.
Im Zentrum der politischen Diskussion in Deutschland wie auch in anderen europäischen Staaten stehen die Flexibilisierung und Kostensenkung beim
Faktor Arbeit. Der Faktor Material findet dagegen in der öffentlichen Diskussion um Wirtschaftswachstum, Innovationen und Arbeitsplätze immer noch
viel zu wenig Beachtung. Dies ist deshalb erstaunlich, weil eine Strategie zur
Materialkosteneinsparung zwischen Arbeit und Kapital eher konsensfähig sein
könnte und auch unnötige Grabenkämpfe zwischen neoliberal oder keynesianisch fundierten Konzepten der Wirtschafts-, Forschungs- und Industriepolitik
abbauen könnte.
Es bedarf allerdings einer differenzierten Analyse, welche Potenziale der
Materialkosteneinsparung existieren, zu welchen Kosten und mit welchen
Instrumenten sie im Rahmen eines staatlichen Impulsprogramms erschlossen werden können und welche Hemmnisse ihrer Umsetzung entgegenstehen.
Das Grundkonzept eines Impulsprogramms stützt sich dabei auf die Erkenntnis, dass es in allen Marktwirtschaften beim Material- und Energieverbrauch
„eigentlich wirtschaftliche, aber gehemmte Kosteneinsparpotenziale“ gibt. Mit
dieser Begrifflichkeit soll ausgedrückt werden, dass zahlreiche strukturelle
und institutionelle Hemmnisse und Marktunvollkommenheiten verhindern,
dass wirtschaftlich vorteilhafte Potenziale im marktwirtschaftlichen Selbstlauf
identifiziert und erschlossen werden. Hierzu gehören Informations- und Kapital­
mängel, fehlendes Know-how, geringe Machttransparenz und mangelhafte
Managementinstrumente, um z.B. systematisch Life-Cycle-Cost-­Analysen
vorzunehmen. Daher bedarf es eines zielgruppen-, sektor- und technikspezifischen staatlichen Instrumentenbündels, um die relevanten Akteure (insbeson10 Vgl. Arthur D. Little ADL; Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung
ISI; Wuppertal Institut (Hrsg.): Studie zur Konzeption eines Programms für die Steigerung der Materialeffizienz in mittelständischen Unternehmen – Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit.
Ressourceneffizienz
Input
Rohmaterial
Betriebsstoffe
Strom, Wasser
107
Produktion
Output
Produkte und
Verpackung
Abfall
Abwasser
Abluft
Reststoffe
Abwärme
Reststoffe sind eine Belastung für die Umwelt und für die Rentabilität (Quelle: Fischer 2000).
dere auch im Bereich staatlicher Institutionen und kleiner und mittlerer Unternehmen) einzubeziehen. Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten werden
dabei in einem integrierten Programm derart mit Demonstrations- und Pilotprojekten sowie mit Markt­einführungsprogrammen verbunden, dass eine autonome Marktentwicklung initiiert wird. Durch den staatlichen „Impuls“ werden,
so die Grundidee, mit einem begrenzten Aufwand an staatlich vorfinanzierten
Transaktionskosten mittelfristig sich selbst tragende Märkte, d.h. Innovationen,
neue Geschäftsfelder und Netto-Beschäftigungseffekte ausgelöst, die infolge
von steigenden Steuereinnahmen bzw. wegen eingesparter Sozialleistungen
letztlich auch für den Staat zu positiven (Netto-)Budget­effekten führen. Positive Erfahrungen mit derartigen Impulsprogrammen liegen insbesondere aus
der Schweiz vor (z.B. das Ravel-Programm)11.
Plausibel ist, dass durch ein solches Programm vor allem „Reststoffe“ vermieden werden sollen, die keine Wertschöpfung liefern, sondern im Gegenteil
mit beträchtlichem Kostenaufwand entsorgt werden müssen. Den Zusammenhang zwischen Reststoffen, betrieblichen Kosten und Umweltbelastung durch
den „Throughput“ in der Produktion verdeutlicht die obige Abbildung.
11 Vgl. Bush, E.: Energie-Aperos – Energiesparmöglichkeiten lustvoll vermitteln. In:
Impuls Nr. 19. Zeitschrift für IP BAU, RAVEL and PACER. Bundesamt für Konjunkturfragen. Bern, 1996.
108
Jahrbuch 2004/2005
Ressourceneffizienz
109
Materialkosten und Entwicklung der Materialproduktivität
Der Materialaufwand im verarbeitenden Gewerbe beträgt etwa 573 Mrd.
Euro/a, die Größenordnung der prinzipiell vermeidbaren Reststoffkosten wird
hier auf rd. 60 bis 100 Mrd. Euro geschätzt.12 Damit ist der Kostenanteil des
Materialdurchsatzes mehr als zwei- bis dreimal so hoch wie der Lohnkostenanteil. Der Energiekostenanteil im verarbeitenden Gewerbe beträgt dabei im
Durchschnitt nur etwa 2 Prozent. Wie nebenstehende Abbildung zeigt, ist die
Arbeitsproduktivität in der Vergangenheit deutlich schneller gestiegen als die
Energie- und Materialproduktivität.
Wegen der hohen Bedeutung der Materialdurchsatzkosten senkt die Industrie – wie die Grafik zeigt – bereits im Trend den Materialdurchsatz durch
­Steigerung der Materialeffizienz von Produktionsprozessen und Produkten. Je
Euro Bruttosozialprodukt sank der Materialeinsatz zwischen 1960 und 1990
inflationsbereinigt um 42 Prozent13. Allerdings kann dieser Strukturwandel noch
erheblich beschleunigt werden, wenn die bestehenden Umsetzungshemmnisse
abgebaut werden. Das verdeutlicht bereits das Material(massen)verhält­nis
zwischen fertigem Endprodukt und den Reststoffen in der Größenordung von
60 : 40. Das bedeutet, dass für sechs Kilogramm Produkt allein während des
Herstellungsprozesses des Produktes vier Kilogramm Reststoffe anfallen. Die
Herstellungsschritte des Materials, wie es im verarbeitenden Betrieb angeliefert wird, sind hierbei nicht einbezogen. Die Trennung von Materialinputs
in wertschöpfende und nichtwertschöpfende Teile ist für die Eruierung von
Kostensenkungspotenzialen essentiell. Wie bereits angesprochen, verursachen
nicht-wertschöpfende Materialien nicht nur bei deren Entsorgung Kosten, sondern auch und gerade beim Durchsatz durch den Betrieb: über den ­gesamten
Produktionszyklus, beginnend mit der Anlieferung und Einlagerung des Mate­
rials bis hin zur Entfernung der als Reststoffe wahrgenommenen Materialien,
schlagen die nichtwertschöpfenden Reststoffe mit 5 bis 15 Prozent der Gesamtkosten zu Buche.
Die Unternehmensberatung Arthur D. Little GmbH geht davon aus, dass
sich die Materialdurchsatzkosten durch gezielte Unternehmensberatung um
insgesamt 20 Prozent senken lassen. Diese jährlichen Einsparungen werden
erfahrungsgemäß mit einem Einmalaufwand erzielt, der einen Payback von
durchschnittlich 12 Monaten hat.
12 Vgl. Fischer, H.: Skizze eines Programms zur Steigerung der Materialeffizienz. Expertenworkshop des BMWA am 22.06.2004. http://www.materialeffizienz.de/download/
Fischer_db_regio.pdf sowie für ausgewählte Branchen: ADL/ISI/WI (Hrsg.). Sommer
2005. a.a.O.
13 Hinterberger, F.; Renn, S.; Schütz, H.: Arbeit-Wirtschaft-Umwelt. Wuppertal Paper
Nr. 89. Wuppertal, 1999.
350
Arbeitsproduktivität
300
250
200
Materialproduktivität
150
Energieproduktivität
100
50
0
1960
1970
1980
1990
Entwicklung der Produktivität von Energie, Material und Arbeit in den alten Bundesländern
(Quelle: ADL 2003).
Eine volkswirtschaftliche Analyse14 zeigt, dass eine Realisierung von nur
50 Prozent dieses Effizienzpotenzials durch Produkt- und Prozessinnovationen
das Bruttoinlandsprodukt um knapp 10 Prozent steigern würde. Hiermit verbunden sind Innovations- und Finanzierungsspielräume sowie neue Geschäftsfelder, die Chancen zur Schaffung von mehreren 100 000 Arbeitsplätzen und
zur Entlastung der öffentlichen Haushalte eröffnen.
Zusammenfassend kann festgestellt werden: Im Energiesektor, aber auch
bei der Materialeffizienz verlaufen in Deutschland zwar bereits die Trends in
Richtung weitere Entkopplung vom Wirtschaftswachstum. Nicht nur wegen
des Klima- und Ressourcenschutzes, sondern insbesondere auch wegen der
potenziell positiven volkswirtschaftlichen Effekte kann dieser Struktur­wandel
durch eine gezielte Nachhaltigkeitspolitik beschleunigt werden. Dabei ist der
Zeitfaktor entscheidend. Das heißt für die Forschung, Entwicklung und Ausbildung zur Nachhaltigkeit, dass einerseits eine Langfristperspektive und andererseits mehr Tempo notwendig sind, aber auch neue Prioritäten für Wissen­
schaft und Technik gesetzt werden müssen. Eine wichtige Aufgabe für die
angewandte Nachhaltigkeitsforschung ist, dafür wissenschaftlich begründete
­Prioritäten und einen Erfolg versprechenden Instrumentenmix für die Umsetzung zu entwickeln. Dies ist auch eine Botschaft des World Summit for Sustain­
able Develop­ment (WSSD) von Johannesburg.
14 Vgl. Aachener Kathy Beys Stiftung (Hrsg.): Ressourcenproduktivität als Chance – Ein
langfristiges Konjunkturprogramm für Deutschland. Books on Demand. Norderstedt,
2005.
110
Jahrbuch 2004/2005
111
Kora Kristof, Christa Liedtke
Lessons Learned – Erfahrungen
anderer Länder für das neue deutsche
Materialeffizienzprogramm nutzen
„Weltmacht Energie – Herausforderung für Demokratie
und Wohlstand“, das neue Buch von Peter Hennicke und
Michael Müller (Bild oben), wurde am 19. Juli 2005
in Berlin durch Prof. Dr. Andreas Troge, Präsident des
Umweltbundesamtes (Bild rechts), der Öffentlichkeit vorgestellt. Prof. Dr. Udo E. Simonis (Bild rechts darunter)
übernahm die Gesprächsleitung der Veranstaltung in seiner
Wirkungsstätte, dem Wissenschaftszentrum Berlin für
Sozialforschung.
Bei der Buchpräsentation im Rahmen einer Veranstaltung
der Stadtwerke München am 22. Juni 2005 sprachen
(v. l. n. r.) Dr. Kurt Mühlhäuser, Vorsitzender der Geschäftsführung Stadtwerke München, Peter Hennicke und der
Oberbürgermeister von München, Christian Ude. Die
Moderation übernahm Hans-Herbert Holzamer, Süd­
deutsche Zeitung
Foto: © Stadtwerke München, Pressestelle
Das Wuppertal Institut hatte im Rahmen eines vom Bundesministerium für
Wirtschaft und Arbeit geförderten Projektes die Chance, gemeinsam mit Arthur
D. Little und dem Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovations­
forschung eine „Blaupause“ für das deutsche Materialeffizienzprogramm – eine
gezielte Materialeffizienzpolitik mit der Zielgruppe kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu entwickeln. Die Erfahrungen aus anderen Zusammenhängen
wurden dazu – neben der Analyse der Potenziale – recherchiert, analysiert und
in den Vorschlag für das Design des Materialeffizienzprogramms eingebunden,
das maßgeblich vom Wuppertal Institut entwickelt wurde. Der Designvorschlag
wird derzeit weitgehend in konkrete Politik umgesetzt – ein großer Erfolg für
die drei beteiligten Institutionen.
Im Folgenden wird ein Teilbereich der Studie – die Ergebnisse der Analyse
von Erfahrungen aus anderen Ländern bzw. Zusammenhängen und die daraus
abgeleiteten Schlussfolgerungen für den Designvorschlag – vorgestellt.
Welche Aktivitäten anderer Länder sind für das deutsche
Materialeffizienzprogramm von Interesse?
Die folgende Tabelle gibt einen komprimierten Überblick über interessante
Aktivitäten auf internationaler und EU-Ebene und in anderen europäischen
Ländern oder den Bundesländern. Diese 27 sehr unterschiedlichen Ansätze
wurden in einer vergleichenden Analyse auf ihre Stärken und Schwächen untersucht. Außerdem wurde die Übertragbarkeit auf die deutsche Materialeffizienzpolitik geprüft.
Die Ergebnisse der vergleichenden Untersuchung
Die Analyse zeigte, dass die Mehrzahl der untersuchten Programme sich
aus einem Mix verschiedener Ansätze zusammensetzt, um die jeweiligen
Ziel­­gruppen mit unterschiedlichen Instrumenten über verschiedene Kanäle
­ansprechen zu können. In den für diese Programme vorliegenden ­Evaluationen
112
Jahrbuch 2004/2005
Internationale Ebene
IE-1: UNEP-DTIE / UNIDO: Cleaner Production Programme
IE-2: WBCSD: Ökoeffizienz-Programm
IE-3: Global Footprint Network: Ökologischer Fußabdruck (WBCSD)
EU-Ebene
EU-1:
EU-2:
EU-3:
EU-4:
Integrated Product Policy (Europäische Kommission)
European Integrated Pollution Prevention and Control (Europäische Kommission)
Ressourcenstrategie (Europäische Kommission)
PREPARE (Niederlande / EUREKA-EUROENVIRON)
Europäische Länder
EL-1 (Österreich):
EL-2 (Österreich):
EL-3 (Schweiz):
EL-4 (Dänemark):
EL-5 (Schweden):
EL-6 (Schweden):
EL-7 (Frankreich):
EL-8 (England):
EL-9 (England):
EL-10 (England):
EL-11 (England):
ÖKOPROFIT Graz
Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit Steiermark
Cleaner Production in Schweizer Betrieben
Dänische Product Orientated Environmental Initiative
Environmental management in small companies
Environment-driven business development
ADEME
Business Resource Efficiency & Waste Programme
Envirowise
National Industrial Symbiosis Programme
Center for Sustainable Design
Bundesländer
BL-1:
BL-2:
BL-3:
BL-4:
BL-5:
BL-6:
BL-7:
BL-8:
Effizienz Agentur NRW
Baden-Würtemberg: ECO+
IPP-Initiative Bayern
Bayern: ECO-EFFIZIENZ – Flussmanagement – Materialkosten senken
Umweltinitiative OWL
Modell Hohenlohe – Netzwerk betrieblicher Umweltschutz und nachhaltiges
Wirtschaften e.V.
Schwaben: Förderverein Kompetenzzentrum Umwelt Augsburg-Schwaben e.V.
Länderübergreifend: PIUS-Projekt
wird dieses Vorgehen als erfolgversprechend eingeschätzt; negative Inter­
ferenzen zwischen unterschiedlichen Instrumenten wurden nicht identifiziert.
Aus den Erfahrungen und Evaluationsergebnissen konnten außerdem folgende
weiteren Schluss­folgerungen gezogen werden:
Erstens müssen die KMU jeweils an dem Ort abgeholt werden, an dem sie
stehen, denn:
• In vielen KMU werden bestehende Materialeffizienzpotenziale unterschätzt.
Optionen, Produktionskosten zu senken und damit die Wettbewerbsfähig-
Ressourceneffizienz
113
keit zu erhöhen, bleiben daher oft ungenutzt. Dieses Defizit wird in vielen
Ansätzen anderer Länder adressiert, vor allem mit Informationen über die
Zusammenhänge und mit guten Beispielen aus Unternehmen, die erfolgreich ihre Materialeffizienzpotenziale nutzen.
• Bei vielen KMU sind Wissens- und Know-how-Lücken zu schließen. Mit
Informationsangeboten, Qualifizierungsmaßnahmen oder aber durch das
Angebot von Tools wird in der Regel versucht, diese Lücken zu füllen.
• Aber auch wenn das Bewusstsein da ist und genügend Informationen zur
Verfügung stehen, fehlen oftmals die Motivation und der Schwung, die
Kostensenkungspotenziale umfangreich und ganzheitlich zu erschließen.
Die Gründung von Netzwerken (z.B. zum Erfahrungsaustausch) oder
die Ausschreibung von Preisen sind gute Beispiele, die zu einer höheren
Motivation geführt haben, mit Materialeffizienz Kosten zu senken,
• Wenn das gesellschaftliche Umfeld der KMU Materialeffizienz als wichtiges
Thema erkennt und Förderprogramme den finanziellen Hintergrund dafür
bieten, ist es leichter, KMU für Materialeffizienzaktivitäten zu begeistern.
Deshalb werden in vielen Ländern unterschiedliche Ansätze des Agenda
Settings verbunden mit Förderprogrammen, in denen meist Beratung, F&E,
Investitionen oder Netzwerke gefördert werden.
Zweitens brauchen KMU aufgrund der Hemmnisse Unterstützung und Begleitung im Diffusionsprozess:
• Das aktive Zugehen auf die Zielgruppe KMU, aber auch auf andere
Akteure im KMU-Umfeld ist damit ein entscheidender Erfolgsfaktor für
die ­Diffusion. Beratungsangebote, Informationen, spezifische Kampagnen
und andere Unterstützungsangebote für den Diffusionsprozess werden in
der Regel an die Zielgruppen aktiv herangetragen.
• Eine Prozessbegleitung – nicht einmalige, kurzfristige Aktivitäten – bringt
die Umsetzung am besten voran. Dieser Erfolgsbedingung wird in den
Materialeffizienzansätzen anderer Länder bzw. Ebenen durch zeitlich
ineinander greifende Angebote für die einzelnen Prozessphasen und eine
längerfristige Begleitung über Beratung, Netzwerkbildung und prozess­
begleitende Qualifizierungen Rechnung getragen.
Drittens zeigen die Analysen, dass erfolgreiche Programme geprägt sind
durch
• eine Institution, die sich gezielt um eine erfolgreiche Umsetzung des
Programms kümmert und mit hochmotivierten und hochqualifizierten
Personen besetzt ist,
114
Jahrbuch 2004/2005
• ein breites Netzwerk KMU-naher Akteure, die in das Programm eingebunden sind und von den unterschiedlichsten Seiten die Materialeffizienzideen
und Unterstützungsangebote immer wieder an die KMU herantragen, und
• eine kontinuierliche Evaluation des Programms und der Einzelprojekte,
die für die kontinuierliche Weiterentwicklung der einzelnen Ansätze, der
Instrumente und des Gesamtprogramms genutzt wird.
Die Hauptherausforderungen für das deutsche
Materialeffizienzprogramm
Nicht nur in der Analyse vergleichbarer Materialeffizienzpolitikansätze treten
klar die Defizite zu Tage, die KMU hindern, die Materialeffizienzpotenziale
und damit verbundenen Kostensenkungen auszuschöpfen. Gerade bei KMU ist
ein zentrales Problem, dass vorhandene innovative Technologien und Lösungen
nicht ausreichend eingesetzt werden. Schwächen gibt es also bei der Diffusion.
Das Materialeffizienzprogramm muss deshalb dazu beitragen, diese Defizite
abzubauen und folgende zentralen Punkte adressieren:
• Bewusstseins- und Informationsmängel, die dazu führen, dass KMU vorhandene Potenziale nicht ausreichend realisieren,
• Personalengpässe, die die Umsetzung als sinnvoll erkannter Aktivitäten
erschweren,
• Transaktionskosten, die oft für KMU besonders groß sind und
• eine reine Orientierung an den Kerngeschäftsfeldern, die den Blick auf
Kostensenkungspotenziale manchmal verstellt.
Informationen, die die Chancen bewusst machen, Akteure und Netzwerke, die
die KMU unterstützen, und die finanzielle Förderung der Diffusionsprozesse
sind die Antworten, die in den meisten Ansätzen aus anderen Ländern gegeben
werden, um die Diffusion gerade in KMU zu beschleunigen.
Grundkonzeption des Materialeffizienzprogramms
Aus der Analyse der Erfahrungen aus anderen Ländern und unterschiedlichen
administrativen Ebenen können Ziele und Grundidee für das Materialeffizienzprogramm abgeleitet werden. Drei eng verzahnte Hauptziele sollen mit dem
Materialeffizienzprogramm erreicht werden:
• Das Thema Materialeffizienz soll in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik
breit etab­liert werden, um die bestehenden Kostensenkungspotenziale in
Ressourceneffizienz
115
KMU verstärkt ausschöpfen zu können. Das bedeutet, dass Agenda-Setting
für das Thema Materialeffizienz bei verschiedenen Zielgruppen Teil des
Programms sein sollte.
• Die Diffusion von neuen Technologien und nichttechnischen Lösungen zur
Materialeffizienzsteigerung in KMU soll beschleunigt werden. Da aufgrund
unterschiedlichster Hemmnisse die Diffusion innerhalb von KMU oft kein
Selbstläufer ist, sollten Beratungsleistungen für Analyse und Umsetzungsbegleitung Teil des Programms sein.
• Für die Messbarkeit des Erfolgs ist auf die ersten beiden Ziele aufbauend auch
die Formulierung eines quantitativen Ziels sinnvoll, um den wirtschaftlichen
Erfolg des Programms fassbar machen zu können. Vorgeschlagen wird, dass
die Kostensenkung in den Unternehmen und innerhalb der Wertschöpfungskette mindestens der fünf- bis zehnfachen Summe des Beratungsbudgets
entsprechen sollte.
Die Erfahrungen mit und Evaluationen von KMU-Förderprogrammen haben
gezeigt, dass rein finanzielle Förderprogramme ohne Begleitung durch eine
Institution, die das Förderprogramm an die KMU heranträgt und dazu KMUnahe Netzwerke nutzt, meist zum Scheitern verurteilt sind. Die drei Ziele können
deshalb nur effektiv erreicht werden, wenn eine Institution – die Material­
effizienzagentur – ihre Umsetzung betreibt. Da die Materialeffizienzagentur
nicht nur aufgrund der für das Materialeffizienzprogramm vorgesehenen Mittel
sehr „schlank“ organisiert sein soll, muss sie für die Umsetzung vor Ort sorgen,
indem sie bestehende Netzwerke aktiviert und einen Beratungspool aufbaut.
Diese Vor-Ort-Akteure haben das Potenzial, die drei formulierten Ziele in und
mit den KMU umzusetzen.
Die bei der Vor-Ort-Umsetzung beteiligten Akteure müssen sowohl durch
ein „Förderprogramm Materialeffizienz“ als auch über die durch die Materialeffizienzagentur zur Verfügung gestellten unterschiedlichsten Instrumente und
Kanäle zur Zielgruppenansprache unterstützt werden.
Zur direkten Zielgruppe gehören KMU, die durch das Materialeffizienzprogramm bei der Technologiediffusion und der Verbesserung ihrer Managementkompetenz/-performance im Bereich Materialeffizienz unterstützt werden sollen. Zur indirekten Zielgruppe zählen sowohl die Akteure, die direkt
in die Umsetzung des Materialeffizienzprogramms eingebunden werden (d.h.
die bestehenden regionalen Materialeffizienzakteure und die Berater/-innen/
Beratungsinstitutionen aus dem Beratungspool), als auch weitere Akteure
aus dem Umfeld der KMU, die Einfluss auf die Umsetzungsmöglichkeiten
von Aktivitäten zur Materialeffizienzsteigerung haben (Multiplikatoren und
typische Ansprechpartner von KMU wie z.B. Verbände, Handelskammern,
116
Jahrbuch 2004/2005
Gesamtdesign des Materialeffizienzprogramms
Kontinuierliche Evaluation
Förderprogramm
Materialeffizienz
Materialeffizienzagentur
Regionale
Akteure /
Beratungspool
Materialeffizienzpreis
Programmziel: Diffusion im Bereich KMU durch Beratung, Information und Motivation
Wuppertal Institut, eigene Zusammenstellung
Hausbanken, Auditoren, Ingenieurbüros, Hersteller von Effizienztechnologien
bzw. das umsetzende Handwerk usw.).
Aufbauend auf diesen Schlussfolgerungen zu Zielen, Grundidee und Zielgruppen, ergibt sich der in der Abbildung komprimiert dargestellte Vorschlag
für die Hauptsäulen des Materialeffizienzprogramms. Seine fünf zentralen
­Elemente werden im folgenden kurz vorgestellt:
Ressourceneffizienz
117
reiche Umsetzung des Materialeffizienzprogramms. Networking, Agenda
Setting, die Bereitstellung von Basisinformationen für alle Zielgruppen, die
Initialansprache und die Motivation von KMU für eine Vor-Ort-Analyse,
die Unterstützung bei der Nutzung von Fördermitteln und Qualifizierungs­
angeboten (für KMU, Beratungspool und andere Bildungsakteure) sind die
zentralen Aufgaben der Materialeffizienzagentur.
• Die regionalen Beratungs- und Umsetzungsstrukturen und der Beratungspool stellen die konkrete Umsetzung in der Region sicher und greifen dabei
auf das Förderprogramm Materialeffizienz und die Angebote der Material­
effizienzagentur zurück. Die Basis bilden sowohl die schon bestehenden
Akteure, Institutionen und Netzwerke als auch sich neu entwickelnde
Akteure und Netzwerke. Hauptaufgaben des Beratungspools sind die VorOrt-Analysen in den KMU zu den Materialeffizienzpotenzialen und die
Begleitung der KMU bei deren Umsetzung. Die regionalen Beratungs- und
Umsetzungsstrukturen können – soweit sie nicht ohnehin direkt in den
Beratungspool eingebunden sind – im Rahmen ihrer eigenen Aktivitäten das
Materialeffizienzprogramm nutzen.
• Der Materialeffizienzpreis dient der Würdigung herausragender Leistungen
im Bereich Materialeffizienz. Seine Öffentlichkeitswirkung unterstützt das
Agenda Setting für das Thema Materialeffizienz und die damit erreichbaren
Kosteneinsparungen.
• Die kontinuierliche Evaluation des Materialeffizienzprogramms, aber auch
die Qualitätskontrolle der einzelnen Beratungen ermöglicht die Darstellung
der Erfolge des Programms und bildet die Basis, um kurzfristig Probleme
und Fehler zu erkennen und abzustellen. Die Evaluation legt auch den
Grundstein, um mittelfristig das Programm ambitioniert weiterentwickeln
zu können. Basis der extern vergebenen Evaluation sind die gesetzten Hauptziele und die daraus zu Programmbeginn abgeleiteten Erfolgskriterien.
• Die wesentliche Funktion des Förderprogramms Materialeffizienz ist die
Beschleunigung der Diffusion. Dazu werden Vor-Ort-Analysen und die
Umsetzungsbegleitung durch den Beratungspool, aber auch Netzwerke
gefördert. Die Datenbasis zu den (lebenszyklusweiten) Materialeffizienzund Kosteneinsparpotenzialen muss außerdem deutlich verbessert werden,
um die Materialeffizienzpolitik auf eine validere Basis stellen zu können;
das Materialeffizienzpotenzial- und Diffusionsradar ist ein Beitrag dazu.
Es soll sowohl den KMU als auch den regionalen Beratungs- und Umsetzungsstrukturen bzw. dem Beratungspool wertvolle Informationen für die
Vor-Ort-Analysen und die Umsetzung in den KMU geben.
• Die Materialeffizienzagentur fungiert als zentraler Netzwerkknoten des
Materialeffizienzprogramms und ist damit treibende Kraft für die erfolg-
Ausblick
Ordnet man das Materialeffizienzprogramm, das analoge Ansätze verfolgen
wird, in die deutsche Förderlandschaft ein, so sieht man, dass es eine spezifische Lücke schließt. Es fokussiert auf die Diffusionsprozesse im Bereich
Materialeffizienz. Die F&E- und Investitionsförderung stehen im Fokus anderer
Programme, die mit dem Materialeffizienzprogramm optimal zusammenwirken können. Das vorgeschlagene Materialeffizienzprogramm greift zwar auf
Elemente anderer Ansätze zurück; ein Unikat ist es durch die Kombination
einer starken Orientierung auf die Kostensenkungspotenziale der Material­
118
Jahrbuch 2004/2005
effizienzsteigerungen, auf das die KMU unterstützende Akteursnetzwerk und
auf die dezidierte Zielgruppenorientierung.
Das deutsche Materialeffizienzprogramm wurde Mitte 2005 vom Bundes­
ministerium für Wirtschaft und Arbeit auf den Weg gebracht. Nun ist zu ­hoffen,
dass engagierte Akteure zusammen mit der Materialeffizienzagentur es mit
Leben füllen. Die daraus resultierenden Kostensenkungen in KMU, aber auch
die entstehenden Netzwerke werden nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit in
KMU steigern, sondern damit auch Arbeitsplätze sichern.
Der Deutsche Materialeffizienzpreis wurde erstmals 2004 durch das Bundesministerium für Wirtschaft
und Arbeit vergeben. Ausgezeichnet wurden Best-Practice-Beispiele von kleinen und mittleren Unternehmen für rentable Steigerungen der Materialeffizienz im eigenen Unternehmen oder bei ihren Kunden.
Christa Liedtke, Wuppertal Institut, war Mitglied der Jury. Die Preisverleihung fand am 14. Dezember in
Berlin statt (im Bild die Preisträger). Foto: © Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, Berlin
119
Timo Busch, Christa Liedtke
Ressourcenproduktivität und
Innovation in KMU
Relativ hohe Produktionskosten am deutschen Standort, stetiger Preisverfall
durch ausländische Konkurrenten, Internationalisierung der Märkte und hohe
Konzentration von Absatzmärkten: Diese Schlagworte beschreiben einen
gegenwärtigen Unternehmensalltag, der förmlich nach adäquaten Maßnahmen
und Rahmenbedingungen ruft. Grundsätzlich gilt, dass es in jedem Unternehmen Potenziale gibt, um die wirtschaftliche Position zu verbessern und sich
gegen zukünftige Krisen abzusichern. Erforderlich hierfür ist ein innovatives
Management, das mit unternehmerischer Weitsicht und persönlicher Offenheit
bereit ist, neue Wege zu beschreiten und so „first-mover“ Positionen mit neuen
Produktionsverfahren und auf neuen Absatzmärkten einzunehmen (Busch/
Liedtke 2004).
Ein wesentliches Element für eine wettbewerbsfähige Wirtschaftsweise
ist die Ressourceneffizienz. Der Leitsatz lautet hier, mit möglichst geringem
Ressourcenaufwand einen größtmöglichen Nutzen (für den Kunden wie für
den Betrieb) zu erzielen. So wird der Materialdurchsatz bei gegebener Produk­
tionsauslastung oftmals als eine fixe Größe betrachtet, an der nicht viel zu verändern ist. Viele Untersuchungen und Studien zeigen jedoch, dass sich gerade
hier Kosten vermeiden lassen (Busch et al. 2004; Gege 1997; Fischer et al.
2004). In Unternehmen des produzierenden Gewerbes übersteigen beispielsweise die Materialkosten die Personalkosten deutlich und können, je nach
Branche, bis zu 80 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Daher können sich
bei diesem Kostenblock auch sehr viel größere Einsparpotenziale als durch
Rationali­sierungs­­maßnahmen beim Personalbestand ergeben. Zudem lassen
die Entwicklungen auf den Roh­stoffmärkten erwarten, dass die Rohstoffpreise
in Zukunft weiter steigen werden oder zumindest an Volatilität gewinnen. Ein
effizienter Einsatz natürlicher Ressourcen und entsprechende Einsparungen auf
der Kostenseite werden dann umso bedeutender, denn dadurch reduziert sich
auch unser Umweltverbrauch. Zudem sprechen auch gesetzliche Vorgaben wie
die EU-Chemikalienpolitik (REACH), der Emissionshandel oder das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) für eine stärkere Verankerung
von Umweltaspekten im Wirtschaftsleben. Ökoeffizienz wird so zur wichtigen Kenngröße der betrieblichen Zukunftsfähigkeit. Eine effektive Umsetzung dieses Konzeptes sichert nicht nur die langfristige Wettbewerbsfähigkeit,
120
Jahrbuch 2004/2005
Vergleich zweier Alternativinvestitionen
zur Steigerung der betrieblichen Ökoeffizienz
Ergebnisblatt
Investition zur Steigerung der betrieblichen Ökoeffizienz:
Vergleich der Investitionen A1 und A2
Betriebskennzahlen per anno
A1
Kosteneinsparung
TMR Wasser
Luft
213 830 EUR
44,8 t
17 912,4 t
–
A2
155 240 EUR
16,1 t
12 738,0 t
–
(nicht betrachtet)
Ökonomischer Vorteil Kapitalwert
522 288 EUR
296 277 EUR
Amortisationszeit:
A 1
A2
6
7
Ökologischer Effekt (Einsparung) Laufzeit:
10
10
TMR (kumuliert)
448 t
161 t Zins: 9 %
9%
Wasser (kumuliert)
179 124 t
127 380 t Anschaffungs kosten: 850 000 EUR 700 000 EUR
Luft (kumuliert)
–
–
s­ ondern stärkt aufgrund des Innovationscharakters insgesamt den Wirtschaftsstandort und die Positionierung auf Exportmärkten.
Auf der betrieblichen Ebene ist Gegenstand einer Ökoeffizienzstrategie die
simultane Betrachtung von ökologischen Effekten (Abfall, Emissionen, Energie- und Material­verbrauch) auf der einen und ökonomische Kennziffern auf
der anderen Seite. Ziel ist es, beide Dimensionen so ins Verhältnis zu setzen,
dass die unterschiedlichen Wirkungen von Opti­mierungs­maßnahmen bewertet
werden können. Damit wird der Zusammenhang von Öko­effizienz zu anderen,
erfolgsrelevanten Unternehmenskennziffern wie Wettbewerbsfähigkeit und
Innovationskraft deutlich. Diese Art der Ergebnisdarstellung hilft, die ökonomische und ökologische Zweckmäßigkeit geplanter Maßnahmen möglichst
plausibel und verständlich darzustellen. Die folgende Abbildung veranschau­
licht, wie eine solche Darstellung auf der betrieblichen Ebene beispielhaft aussehen kann (vgl. hierzu ausführlich Busch 2005). Dabei werden die beiden
Investitionsalternativen A1 und A2 miteinander verglichen. Die zentrale Größe
zur Bewertung der monetären Vorteilhaftigkeit der Investition ist primär ihr
Kapitalwert, öfter wird aber auch die Amortisationszeit herangezogen. Zur
Ressourceneffizienz
121
Bestimmung des ökologischen Einspareffekts wurde auf den Total Material
Requirement (TMR)-Wert und den Wasserverbrauch zurückgegriffen (vgl. den
Beitrag von Stefan Bringezu). Es zeigt sich, dass A1 sowohl in ökonomischer
als auch in ökologischer Hinsicht ein besseres Ergebnis erzielt und somit die
ökoeffizientere Variante ist. Und dies trotz ursprünglich höherer Anschaffungs­
kosten. Die Ursache hierfür liegt darin, dass die Ressourcen-Einsparpotenziale
bei A1 deutlich über den von A2 liegen.
Um entsprechende Potenziale zu bestimmen, ist es von Bedeutung, das
Know-how der Beschäftigten in diesen Prozess einzubinden (Merten/Rohn
2005a; Merten/Rohn 2005b; Rohn 2003; Kuhndt/Liedtke 1999). Dies ist auch
eine der zentralen Erkenntnisse der sich immer stärker verbreitenden Six
Sigma-Methode. Grundlagen dieser Methode sind transparente Managementprozesse in Verbindung mit Teamarbeit und eine am Kunden orientierte Sicht
auf Prozesse und Fehler, um so zu einer Erreichung einer minimalen Fehler-/
Ausschusszahl zu gelangen. So genannte betriebliche „Black- und GreenBelts“ (eine Art Optimierungsmanager betrieblicher Abläufe und Prozesse)
suchen nach systematischen Effizienz- und Optimierungspotenzialen. Mit der
Erfahrung und Kenntnis des täglichen Arbeitsprozesses können Mitarbeitende
zur Erschließung von zum Teil entscheidenden Effizienzverbesserungen bei­
tragen. Wie Ressourceneffizienz nun konkret im Betrieb bei den Mitarbeitenden verankert werden kann, ist Gegenstand der beiden Projekte FANWI und
e-textile.
FANWI (vgl. Exkurs 1) war ein Pilotprojekt an zwei Berufskollegs. Etwa
150 Studierende durchliefen eine gezielte Qualifizierung (160 Stunden) im
Rahmen ihrer Ausbildung zum Staatlich geprüften Betriebswirt und erhielten
mit dem Abschluss einer Facharbeit ein Zertifikat zum Fachberater für nachhaltiges Wirtschaften. Ein zentraler Gegenstand dieser Qualifizierung ist das
Thema Ressourceneffizienz. Die darin qualifizierten Mitarbeiter können nun die
Erkenntnisse direkt in der Praxis einsetzen, indem sie z.B. gezielt nach betrieblichen „Hot Spots“ suchen. Im Projekt e-textile (vgl. Exkurs 1) wurde durch
eine Kombination von Qualifizierungsbausteinen, praxisnahen Management­
instrumenten und einer Datenbank mit technischen Verbesserungsoptionen
eine Toolbox zusammengestellt, die darauf abzielt, die Ressourcen- und Ökoeffizienz in der Textilbranche zu steigern sowie die Unternehmen für soziale
Nachhaltigkeitsaspekte zu sensibilisieren. Durch die systematische Identifizierung von Verbesserungspotenzialen und die Dokumen­tation der aktuellen
­Performance kann zudem die Kommunikation entlang der Kette verbessert und
die Qualität der Produkte gesteigert werden.
Zudem hat sich in der Praxis erwiesen, dass innerbetriebliche Maßnahmen
zur Modernisierung des Unternehmens einen spürbaren Effekt auf die Motiva-
122
Jahrbuch 2004/2005
Exkurs 1
Hintergrundinformationen zu dem Projekt FANWI
Ausgehend von den Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung, wurde im
Rahmen der Entwicklungspartnerschaft kompakt (gefördert von der EU-Gemeinschafts­
initiative EQUAL) vom Landesinstitut für Schule in Soest eine Qualifizierung zum
Fach­berater für nachhaltiges Wirtschaften (FANWI) entwickelt (www.fanwi-online.
de). In Zusammenarbeit mit Lehrkräften von Berufskollegs (Köln, Wuppertal-Elberfeld)
entstand auf der Grundlage aktueller Trends in der Berufsbildung ein Konzept, das eine
Weiterqualifizierung und neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnet. Wissenschaftlich und inhaltlich begleitet wurde die Entwicklung der Qualifizierung vom Wuppertal
Institut. Der Innovationsansatz der Qualifizierung FANWI liegt darin, dass über die
spezifische inhaltliche Ausrichtung auf nachhaltiges Wirtschaften hinaus in Form eines
Blended-Learning-Konzepts neue methodische und mediale Wege beschritten werden.
Nach dem Pilotprojekt in den Berufskollegs ist dort eine langfristige Verankerung von
FANWI vorgesehen.
Hintergrundinformationen zu dem Projekt e-textile
Entlang den oftmals sehr komplex strukturierten Produktketten der Textilindustrie,
die sich über mehrere Kontinente erstrecken, bieten sich viele noch ungenutzte Potenziale zur Steigerung der Nachhaltigkeitsleistung und Ressourceneffizienz. Primäre
Zielgruppe der Toolbox sind produzierende Klein- und mittelständige Unternehmen
des Textilsektors, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf den asiatischen Raum gelegt
wurde. Im Rahmen des Produkt- und Zulieferkettenmanagements sind aber auch große,
trans­nationale Unternehmen angesprochen. Entwickelt wird die Toolbox von einem
inter­nationalen Projektkonsortium mit Partnern aus Indien, Vietnam und den Niederlanden unter Leitung des Wuppertal Instituts im Auftrag der Europäischen Kommission.
Das Vereinte Nationen Umweltprogramm (UNEP) und die Vereinte Nationen Organisation für industrielle Entwicklung (UNIDO) sind über die Cleaner Production Centre in
Indien und Vietnam in das Projekt involviert. Weitere Informationen über die Elemente
der Toolbox e-learning, e-efficiency und e-solutions sind auf der frei zugänglichen
Internetplattform www.e-textile.org verfügbar.
Ressourceneffizienz
123
Exkurs 2
Hintergrundinformationen zu
dem Projekt High 5!
Das Handbuch High 5! –
Communicating your Business
Success through Sustainability
Reporting: Ein Handbuch für
kleine- und mittelständische
Unternehmen (KMUs) – wurde
über ein Multi StakeholderVerfahren und KMUs weltweit
erstellt und bietet Anleitungen,
Hilfestellungen und Fallstudien.
So wird in einzelnen Schritten
vermittelt, wie die GRI-Leit­­
linien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von KMUs auf
effiziente Art und Weise umgesetzt und zur Generierung
eines unternehmerischen
Mehrwertes verwendet werden
können. Praktische Tipps und
Zitate von erfahrenen Bericht­
erstattern begleiten die Benutzer durch das gesamte Handbuch. Neben der Verbesserung der Kommunikation
zwischen KMUs und Gesellschaft fördert High 5! auch die Kommunikation der Unternehmen untereinander. High 5! wurde gemeinsam vom Wuppertal Institut und triple
innova entwickelt und profitierte somit von der inhaltlichen und methodischen Erfahrung beider Organisationen, Aspekte der Nachhaltigkeit in tägliche Entscheidungsprozesse zu integrieren. Das High 5!-Handbuch soll in Zukunft in die SMART-Toolbox
integriert werden. Ziel von SMART (http://www.smart-business.bz) ist die Kommunikation und Verbesserung der Nachhaltigkeitsperformance von KMUs.
tion der Beschäftigten haben. Darüber hinaus wirkt ein innovatives, nachhaltig
wirtschaftendes Unternehmen auf den Konsumenten und die Geschäftspartner
vertrauenswürdig, zuverlässig und verantwortungsbewusst. So zeigt sich, dass
die Kommunikation über die Erfolge eines Unternehmens – auch im Bereich
der Ressourceneffizienz – mindestens genauso wichtig sind wie die Erfolge
selbst. Stakeholder wie Banken und Kapitaleigner können so besondere
Managementqualitäten identifizieren oder Kunden mehr über die Verantwortung des Unternehmens erfahren. Die Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI) zur Nachhaltigkeitsberichterstattung sind wohl das prominenteste
­Beispiel für ein solches Vorgehen, immerhin werden sie inzwischen von über
124
Jahrbuch 2004/2005
600 multi­nationalen Unternehmen angewendet. Während ihre Akzeptanz bei
dieser Nutzergruppe kontinuierlich ansteigt, zeigen sich kleine und mittelgroße Unternehmen bisher eher zurückhaltend. Mit der Veröffentlichung von
High 5! (vgl. Exkurs 2) soll sich dies nun ändern und den offensichtlich bestehenden Mangel an umsetzungsorientierten Instrumenten zur Nachhaltig­keits­
berichterstattung von KMUs beheben.
Diese Faktoren ergeben einen klaren Vorteil im Wettbewerb auf globalisier­
ten Märkten. Das Erkennen und Umsetzen von zukunftsweisenden Innova­­ti­onen ist daher ein elementarer Schritt für ein Unternehmen. Von dem Erfolg
innovativer Konzepte wird gleich in mehrfacher Hinsicht profitiert. In der
Regel weiß jeder Unternehmensinhaber oder Manager in Grundzügen, wo die
Potenziale, aber auch Schwachstellen des eigenen Betriebes liegen. Darüber
hinaus gibt es jedoch zahlreiche formelle und informelle Informationen im und
um das Unternehmen, die sie, weil nicht formal bekannt, auch nicht ­ nutzen
können. Die „Unternehmenslandkarte Innovationen“ gibt einen Überblick über
die täglichen Abläufe, Prozesse und Verfahren innerhalb und außerhalb des
Unter­nehmens. Diese kann als Grundlage für anschließende Verbesserungsvorschläge und Optimierungen dienen.
Die Unternehmenslandkarte unterteilt sich in die Bereiche Produkt, interne
Prozesse und Unternehmensumfeld. Jeder dieser Bereiche hat seine eigenen,
spezifischen Optimierungs­potenziale, die mit gezielten Effizienzschritten zu
Kosten- und Ressourceneinsparungen führen können. Für die strategische
Unternehmensausrichtung ergibt sich damit als Zielfunktion: die vorhandenen
Potenziale besser zu nutzen und neue Wege zu erschließen, um so die Effi­
zienz der bestehenden inner- und außerbetrieblichen Abläufe und Verfahren zu
­steigern.
Allerdings werden viele dieser Potenziale häufig gerade von KMU nicht
wahrgenommen. Auch bestehen hier oftmals Widerstände in der Praxis, und
es wird die Ansicht vertreten: „Das haben wir schon immer so gemacht“ oder
„In unserem Betrieb ist das was ganz anderes“. Gesamtwirtschaftlich betrachtet, summiert sich dies dann zu einer Situation, die zumindest nicht in absehbarer Zeit die Bedingungen für die notwendige Entkopplung von Ressourcenverbrauch und Wirtschaftswachstum (vgl. den Beitrag von Stefan Bringezu)
schafft. Denn: KMUs tragen rund zur Hälfte der Bruttowertschöpfung aller
Unternehmen bei (vgl. Klemisch/Rohn 2002). Als dementsprechend hoch
können folglich auch die ungenutzten Effizienzpotenziale angesehen werden,
was ein Hauptgrund für die Initiierung des Materialeffizienzprogramms der
Bundesregierung ist (vgl. den Beitrag von Kora Kristof). Insgesamt stellt sich
daher die Frage, wie insbesondere kleine und mittlere Unternehmen – ohne
Umweltmanager und mit limitierten Kapazitäten – einen einfachen, aber wir-
Ressourceneffizienz
125
Exkurs 3
Hintergrundinformationen zu dem Projekt Nachhaltiges Wirtschaften im Handwerk
Der Modellversuch Nachhaltiges Wirtschaften im Handwerk ist eingebettet in den
neuen Förderschwerpunkt „Berufsbildung für eine nachhaltige Entwicklung“ des
Bundes­instituts für Berufsbildung (BiBB) und wird gefördert vom Bundesministerium
für Bildung und Forschung. Das Projekt wird in Kooperation vom Westdeutschen
Handwerkskammertag, dem Wuppertal Institut und dem Klaus Novy Institut durchgeführt. Das Ziel des Projekts ist, eine domänenspezifische Sensibilisierung für Aspekte
„Nachhaltigen Wirtschaftens“ zu erreichen und diese mit einem bedarfsgerechten
und individuell aufgebauten Qualifizierungs- und Beratungskonzept zu hinterlegen
(weitere Informationen: www.handwerk-agenda21plus.de).
kungsvollen Zugang zur Erschließung von konkreten Ökoeffizienzmaßnahmen
und -potenzialen finden können. Daher ist ein Kernelement der beiden Projekte Nachhaltiges Wirtschaften im Handwerk und kompakt KMU, gezielte
und passgenaue Unterstützung bereitzustellen und so betriebliche Ressourcen­
effizienz als Schlüssel für zukunftsfähiges Wirtschaften zu vermitteln und zu
verankern.
Der Modellversuch Nachhaltiges Wirtschaften im Handwerk (vgl. Exkurs 3)
zeigt Ansatz­punkte zur Einbeziehung von Aspekten nachhaltigen Wirtschaftens in den betrieblichen Alltagsablauf von Handwerks­unternehmen auf und
ent­wickelt in Zusammenarbeit mit ausgewählten Unter­nehmen sowie Experten
der beruf­lichen Bildung des Hand­werks ein praxisnahes Curriculum für ein
Qualifizierungs- und Beratungs­konzept. Dabei verfolgt das Projekt zwei zentrale Aktionsfelder: die Erschließung innerbetrieb­licher Ressourcen­effizienzund Kostensenkungs­potenziale sowie die aktive Erschließung von nachhaltigen
Geschäftsfel­dern.
Insgesamt zeigt sich, dass Öko- und Ressourceneffizienz dann als wichtige
Management­kenngröße angesehen werden, wenn die hierfür erforderlichen
Rahmenbedingungen gegeben sind. Innerbetrieblich sind die Mitarbeitenden
eine wichtige Informationsquelle für Verbesserungspotenziale. Im Unternehmen
muss das Thema Ressourceneffizienz vom Vorarbeiter bis hin zur Geschäftsführung „gelebt“ werden. Außerdem können politische Förderprogramme wie
das nun geplante Material­effizienzprogramm der Bundes­regierung deutliche
Impulse für mehr Ökoeffizienz im Mittelstand setzen (vgl. den Beitrag von
Kora Kristof und Christa Liedtke). So kann über kleine und mittlere Unternehmen ein bedeutender Schritt hin zu dem makroökonomischen Ziel einer
Entkopplung von Ressourcenverbrauch und wirtschaftlicher Prosperität (vgl.
den Beitrag von Stefan Bringezu) gegangen werden.
126
Jahrbuch 2004/2005
Literatur
Baedeker, C.; Rohn, H. (2005): Die Entwicklungspartnerschaft kompakt – Nachhaltigkeit
durch Kooperation und Netzwerkbildung fördern. In: kompakt (Hrsg.): Zukunftssicherung
durch nachhaltige Kompetenzentwicklung in kleinen und mittleren Unternehmen der
Ernährungswirtschaft, 2005.
Baedeker, C.; Meier, S.; Rohn, H.: SAFE – ein Instrument zur Unterstützung einer zukunftsfähigen Unternehmensentwicklung. In: kompakt (Hrsg.): Zukunftssicherung durch
nachhaltige Kompetenzentwicklung in kleinen und mittleren Unternehmen der Ernährungswirtschaft, 2005.
Baedeker, C.; Rohn, H.; Busch, T. (2005): Entwicklungspartnerschaft kompakt – Nach­haltigkeit in der Ernährungswirtschaft. In: UmweltWirtschaftsForum, 13. Jg., H. 3,
Springer-Verlag.
Busch, T. (2005): Umweltorientierte Investitionskostenrechnung. In: Lutz, U.; NehlsSahabandu, M. (Hrsg.) (2005): Fachbibliothek Nachhaltiges Management – Grundlagen,
Methoden, Praxisbeispiele. Gonimos Publishing, Neidlingen, Sektion 02.11/Umwelt­
management.
Busch, T.; Beucker, S.; Lehmann, C. (2004): Ressourceneffizienzrechnung in der mittel­
ständischen Wirtschaft – Ziele und Ergebnisse des care-Projekts. In: Institut der deutschen
Wirtschaft (Hrsg.): Betriebliche Instrumente für nachhaltiges Wirtschaften – Konzepte in
der Praxis, Deutscher Instituts-Verlag, Köln, S. 90–99.
Busch, T.; Liedtke, C. (2004): Zukunftsfähige Innovationen – erste Schritte zum innovativen
und nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen: Durch ein frühzeitiges Erkennen von
Potenzialen kann eine starke Wettbewerbsposition für die Zukunft erschlossen und ausgebaut werden. Wuppertal Spezial Nr. 30, Wuppertal.
Gege, M. [Hrsg.] (1997): Kosten senken durch Umweltmanagement – 1 000 Erfolgsbeispiele
aus 100 Unternehmen, München.
Fischer, H.; Lichtblau, K.; Meyer, B.; Schellhaase, J. (2004): Wachstums- und Beschäftigungsimpulse rentabler Materialeinsparungen. Aachen, Aachener Stiftung Kathy Beys,
Download unter: http://www.aachener-stiftung.de
Kuhndt, Michael; Geibler, Justus von; Türk, Volker; Moll, Stephan; Schallaböck, Karl Otto:
Virtual dematerialisation: ebusiness and factor X; Digital Europe; final report, Wuppertal
[u.a.]: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie u.a., 2003.
Kuhndt, Michael; Liedtke, Christa (1999): Die COMPASS-Methodik: COMPAnies and
Sectors path to Sustainability; zukunftsfähige Unternehmen (5), Wuppertal Papers, Nr. 97,
Wuppertal: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.
Klemisch, H.; Rohn, H. (2002): Mittelständische Unternehmen machen sich fit für die
Zukunft. In: Liedtke, C.; et al (Hrsg.): Der Mittelstand gewinnt. Hirzel Verlag, Stuttgart.
Liedtke, C.; Busch, T. (Hrsg.) (2005): Materialeffizienz – Potenziale bewerten, Innovationen
fördern, Beschäftigung sichern. Oekom Verlag, München.
Merten, T.; Rohn, H. (2005a): Faktor X: Ökoeffizienz im Unternehmen, RKW-Magazin,
Vol. 56, Heftnr. 1, S. 14–15, 2005.
Merten, T.; Rohn H. (2005b): Sustainable Excellence – ein Konzept zu einer ressourcen­
effizienten und nachhaltigen Unternehmensentwicklung. In: Liedtke, C.; Busch, T.
(Hrsg.): Materialeffizienz – Potenziale bewerten, Innovationen fördern, Beschäftigung
sichern. Oekom Verlag, München.
Merten, T.; Rohn, H. (2005c): Sustainable Excellence – Ressourceneffizienz auf Geschäftsprozessebene. In: kompakt (Hrsg.): Zukunftssicherung durch nachhaltige Kompetenzentwicklung in kleinen und mittleren Unternehmen der Ernährungswirtschaft, 2005.
Ressourceneffizienz
127
Ritthoff, M.; Merten, T.; Spies-Wallbaum, H.; Liedtke, C.: Stahl im Vergleich: Verfahren,
Ressourceneffizienz, Recycling, Umwelt. Stahl und Eisen, Vol. 124, Heft Nr. 7, S. 61–66,
2004.
Rohn, H.: Vom Umweltmanagement zu einer zukunftsfähigen Unternehmensentwicklung:
das Instrument SAFE – Sustainability Assessment For Enterprises. In: Brentel, H.:
Lernendes Unternehmen: Konzepte und Instrumente für eine zukunftsfähige Unter­
nehmens- und Organisationsentwicklung, S. 273–295, Wiesbaden: Westdt. Verl., 2003.
Tiemeyer, E.; Baedeker, C.; Rohn, H. (2004): Qualifizierung für nachhaltiges Wirtschaften.
In: berufsbildung. Zeitschrift für Praxis und Theorie in Betrieb und Schule, Heft 86/87,
Mai 2004, 58. Jahrgang, S. 55–57.
Weizsäcker, E. U. von; Liedtke, C.; Seiler-Hausmann, J.-D. (2004): Eco-efficiency and
Beyond. Toward the sustainable Enterprise, Greenlaf Publishing, Sheffield.
128
Jahrbuch 2004/2005
129
Raimund Bleischwitz
Jenseits der Materialeffizienz:
Die Neuordnung der internationalen
Rohstoffmärkte
Rohstoffmärkte sind ein aktuelles Thema. Die mittelständische Industrie warnt
vor den Folgen hoher Rohstoffpreise. Der BDI hat im März 2005 einen Rohstoffkongress veranstaltet; kurze Zeit später hat das Bundeswirtschaftsministerium
„rohstoffpolitische Thesen“ vorgelegt (BDI 2005, BMWA 2005). Unsere These
dazu lautet, dass die Nutzung von Rohstoffen und die Ressourcenproduktivität
bedeutsamer sind als der Zugang und die Verfügbarkeit von Rohstoffen.
Verfügbarkeit von Rohstoffen
Das „Business Breakfast“ ist eine feste Größe im Wuppertaler Standortmarketing. Am 15. Juli 2004 fand
es zum Thema: „KURS 21: Schulen unternehmen Zukunft – Lernpartnerschaften für Nachhaltigkeit“ in
der Aula des Wuppertal Instituts statt. Kombiniert sind hier ein Frühstücksimbiss, angeregte Diskussionen
und Informationen.
Bild unten: Am 1. und 2. Dezember 2004 fand in Wuppertal das 11. Unternehmensgespräch des „Club
of Wuppertal“ statt. Unter dem Motto: „Tue Gutes und verkaufe es besser – Marketingstrategien
für zukunftsfähige Produkte“ kamen Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen.
Gängige Abschätzungen zur Reichweite von Rohstoffen zeigen einige relative
Knappheiten an. Insbesondere bei Erdöl und bei Metallen, in denen Deutschland
und die Europäische Union nahezu vollständig auf Importe angewiesen sind,
signalisieren sie Beobachtungs- und Handlungsbedarf.
Geostrategische Risiken liegen in der Abhängigkeit von politisch instabilen
Regionen. Bei Metallen gehen Schätzungen von „Euromines“, der Industriever­
einigung europäischer Bergbauunternehmen, von steigenden Importanteilen
aus sechs Entwicklungs- und Schwellenländern aus (Niemi 2005): Brasilien,
Chile, Peru, Südafrika, Sambia, Kongo. Bei Metallen, Erdöl und Erdgas steigt
die Abhängigkeit von Importen aus politisch instabilen Regionen, da deren
Reserven im Vergleich mit anderen Ländern hoch sind.
Die Preise auf den internationalen Rohstoffmärkten haben im Jahr 2004
ein langjähriges Hoch erreicht (AIECE 2004). Seit Herbst 2001 sind die Weltmarktpreise für viele Energie- und Metallrohstoffe im Schnitt um etwa 70
Prozent angestiegen. Insbesondere für Nickel, das in der Edelstahlerzeugung
eingesetzt wird, und für Stahlschrott wurden langjährige Höchstwerte registriert; überdurchschnittliche Preiserhöhungen sind auf den Märkten für Zinn,
Kupfer und Blei zu verzeichnen. Für Eisenerz wurde im Februar 2005 berichtet, dass der größte Produzent (die brasilianische CVRD) in Verhandlungen
mit japanischen Stahlherstellern einen Preisanstieg um 71 Prozent durchsetzen
konnte.
130
Jahrbuch 2004/2005
Förderung von Rohstoffen nach Ländergruppen 1850 – 2030
70
% weltweit
60
Europa
50
USA
40
China
30
Sowjetunion
20
Australien / Kanada
10
Sechs rohstoffreiche
Entwicklungsländer
0
1850 1870 1890 1910 1930 1950 1970 1990 2010 2030
Ressourceneffizienz
131
Trotz durchaus erfolgreicher Strategien zur Entkopplung des Rohstoff­
bedarfs vom Wachstum des BIP und trotz zunehmender Erschließung eigener
Vorkommen ist China mittlerweile der größte Importeur von Rohstoffen weltweit, so etwa bei Stahl, Kupfer, Kohle, Zement; bei Rohöl ist China ­zweitgrößter
Importeur hinter den USA. Auch bei einem Abflachen des Wachstums in China
dürfte dort die Nachfrage in den nächsten Jahren hoch bleiben.
Hinzu kommt die Nachfrage aus anderen Schwellenländern mit hohen
Wachstumsraten wie etwa Indien und Brasilien. Diese Länder haben aufgrund
ihrer großen Bevölkerung eine hohe Kaufkraft, die die Nachfrage nach Rohstoffen wesentlich stärker beeinflussen als die nachholende Entwicklung der
„Tigerstaaten“ Ost- und Südostasiens in den achtziger Jahren. Einschlägige
Prognosen von der Weltbank oder von der OECD attestieren den heutigen
Newcomern gute Entwicklungsaussichten. Unterstellt man eine anhaltend hohe
internationale Nachfrage und eine – auch mittelfristig – relativ geringe Preis­
elastizität der Nachfrage, dürften die hohen Rohstoffpreise für die ­ nächs­ten
Jahre weiterhin anhalten.
Quellen: Ericcson, Rohstoff-Daten 2005; Sames, 1975
Markt- und Wettbewerbsverzerrungen
Betrachtet man einen längeren Zeitverlauf, relativiert sich der Preisanstieg
etwas. Anfang der Achtziger Jahre waren im Durchschnitt ähnlich hohe Preise
für Industrierohstoffe zu verzeichnen. In Zeitreihen von 1900 bis 2000, die vom
US Geological Survey erhoben wurden, zeigen sich sogar langfristig ­fallende
Rohstoffpreise (USGS 2004).
Aus empirischen Analysen von Rohstoffpreisen lässt sich daher die These
einer bedrohlichen Rohstoffverknappung nicht eindeutig stützen. Kurzfristige
Trendanalysen führen zu anderen Schlussfolgerungen als Analysen über mehrere Jahrzehnte.
Ausschlaggebend für die Preiserhöhungen seit dem Jahr 2000 ist nach übereinstimmender Auffassung der Experten die Nachfrage aus Schwellenländern,
insbesondere aus China. Der „Economist“ überschrieb einen entsprechenden
Artikel mit „The hungry dragon“. Einige Fakten können den Rohstoff­hunger
der chinesischen Wirtschaft illustrieren: China erzielte im Durchschnitt der
letzten zwölf Jahre Wachstumsraten oberhalb von jährlich 10 Prozent; etwa
30 Prozent des Zuwachses vom BIP der Weltwirtschaft seit 1992 entfallen auf
China.
Economist, 3. Oktober 2004.
Ein einschlägiger Faktor für Wettbewerbsverzerrungen sind Subventionen. Die
OECD schätzt, dass die weltweiten jährlichen Subventionen für Energie und
Rohstoffabbau in einer Höhe von etwa 270 Mrd. US $ liegen. Energiesubvention fördern nicht allein den Abbau knapper Energieträger, sondern darüber
hinaus den Rohstoffabbau. Die Subventionen der OECD-Länder im Bergbaubereich liegen mit 83 Prozent, gemessen an den weltweiten Subventionen,
ebenso deutlich über dem Weltdurchschnitt wie im Landwirtschaftsbereich; in
Entwicklungs- und Schwellenländern werden Energie, Wasser und Forstwirtschaft verhältnismäßig stärker subventioniert.
Internationale Rohstoffmärkte können als oligopolistische Angebotsstruk­
turen charakterisiert und modelliert werden. Die Konzentration auf der Anbieter­
seite hat in den letzten Jahren zugenommen (Eggert et al. 1999). Bei etlichen
Rohstoffen liegt der Marktanteil der zehn größten Produzenten oberhalb von 40
Prozent (Niemi 2005); besonders hoch ist die Konzentration bei Erdöl, Eisenerz, Platin, Nickel und Aluminium. Bei Eisenerz beispielsweise dominieren
drei Anbieter (CVRD, Rio Tinto, BHP Billiton) den Weltmarkt zu etwa 75
Prozent.
Die Ursachen für diese Konzentration sind vielfältig. Da es sich um eine
kapitalintensive Produktion handelt, deren Ertrag stark von Größe und Gehalt
132
Jahrbuch 2004/2005
Tabelle: Subventionen im Bereich natürlicher Ressourcen
OECD
nicht OECD
Welt
Landwirtschaft
Wasser
Forstwirtschaft
OECD als
% der Welt
335
65
400
84
15
45
60
25
5
30
35
14
Fischerei
10
10
20
50
Bergbau
25
5
30
83
Energie
80
160
240
33
Summe
470
315
785
Preisangaben in Mrd. US $, Bezugsjahre 1994–1998.
Quelle: OECD 2003: 11.
einer Lagerstätte abhängig ist, sind die Zutrittsschranken zum Markt grundsätzlich hoch. Hinzu kommen hohe Anforderungen der nachfragenden Industrie an
die Qualität von Werkstoffen und an Lieferzuverlässigkeiten, die in Verträgen
geregelt werden.
Unternehmensstrategien und Marktstrukturen
Die Elastizität auf Rohstoffmärkten wird von den Vertrags- und Beteiligungsstrukturen mitbestimmt. Trotz der Existenz von Börsen wie z.B. London Metals
Exchange (LME) ist der Wettbewerb auf Märkten für mineralische Rohstoffe
unvollkommen. Verträge dominieren die Kooperation (Hart und Moore, 1999;
Williamson 1985). Bei diesen Verträgen werden die Liefermengen mittel- und
langfristig, die Preise kurz- bis mittelfristig (in der Regel: ein Jahr) festgelegt.
Hintergrund ist die Notwendigkeit von vermögensspezifischen Investitionen
für Kapitalgüter beim Abbau und bei der Verarbeitung von Rohstoffen, für die
Verträge den Unternehmen Sicherheitsvorteile bieten. Die aktuellen Rohstoffmärkte zeigen die Herausbildung von Benchmark-Systemen, bei denen einzelne
Verträge eine Leitfunktion für Folgeverhandlungen übernehmen.
In diesem Zusammenhang macht sich negativ bemerkbar, dass die Unternehmen im Zuge der lang anhaltenden Niedrigpreisphase seit Anfang der achtziger Jahre ihre Beteiligungen an Rohstoffgewinnungsprojekten und an Bergbauunternehmen abgestoßen hatten (BMWA 2005). Rohstoffprojekte ­ galten
Ressourceneffizienz
133
außerdem als wenig lukrativ gegenüber Anlegern, da der „return on investment“ (RoI) aufgrund vergleichsweise langer Amortisationszeiträume erst spät
eintritt. Durch die angestiegenen und erwartbar anhaltend hohen Rohstoffpreise
verringern sich die „Payback-Perioden“ von Rohstoffprojekten. Dies dürfte
künftig zu einer Renaissance von Beteiligungen führen.
Zu beachten ist dabei, dass diese Strategie auch von Rohstoff verarbeiten­
den Unternehmen aus Schwellenländern eingeschlagen werden dürfte und
dass die Konzentration im Bergbau eine Beteiligung an Weiterverarbeitungs­
unternehmen ermöglicht. Eine Staatswirtschaft wie in China bietet den eigenen
Unternehmen dabei Sicherheitsvorteile gegenüber der privatwirtschaftlichen
Konkurrenz mit geringerer Kapitalkraft. Zu beobachten ist eine „new geo­
graphy of trade“, in der starke Unternehmen aus Entwicklungs- und Schwellen­
ländern miteinander kooperieren und den Handel mit Rohstoffen stärker als
früher beeinflussen.
Ansätze für aktive Ordnungspolitik
Kostengünstige und nahezu unbegrenzte Zugänge zu Rohstoffen dürften in
absehbarer Zeit kaum noch der Realität entsprechen. Die Hochpreisphase
für Rohstoffe wird – mit marginalen Korrekturen – mittelfristig anhalten.
Angesichts von Oligopolstrukturen auf der Anbieterseite und einer anhaltend
hohen Nachfrage aus großen Schwellenländern kommt es zum „Staubsauger­
effekt“: Der Markt wird buchstäblich leergefegt.
Grundsätzlich hat sich die Marktposition der Bergbau- und Rohstoffunternehmen verbessert. Diese Unternehmen sind auf dem Weg, zu neuen ­„global
players“ zu werden; dies gilt auch für einige Unternehmen außerhalb der
OECD. Bei den neueren Unternehmen sind insbesondere die russische NorilskGruppe, die brasilianische CVRD, die chilenische CNCC und die chinesische
CNOOC zu erwähnen.
Die Bemühungen zur Steigerung der Materialeffizienz sollten systematisch und entlang den Wertschöpfungsketten verbessert werden. Dies gilt für
Deutschland und international. Angesichts der beschriebenen Defizite inter­
nationaler Rohstoffmärkte reichen diese jedoch nicht aus. Vielmehr ist eine
aktive Ordnungspolitik zum Abbau von Verzerrungen erforderlich, zumal
Deutschland und die Europäische Union auf Importe angewiesen bleiben werden. Die Markttransparenz auf internationalen Rohstoffmärkten muss erhöht
werden. Dazu gehört ein vereinfachter Zugang zu Informationen. Rohstoffprognosen und gesicherte Datengrundlagen liegen gegenwärtig nur lückenhaft
134
Jahrbuch 2004/2005
vor. Hier kann unter Hinzuziehung der Forschung eine öffentlich zugängliche
Datenbank mit Geoinformationen eingerichtet werden, in die Preisinforma­
tionen und stoffliche Eigenschaften einzubeziehen sind. Dies ist für kleine und
mittelständische Unternehmen der Rohstoff verarbeitenden Wirtschaft sowie
für Beratungs- und Forschungseinrichtungen eine wichtige Grundlage für ihre
Kompetenzentwicklung.
International kann die Informationsbasis durch Einrichtung eines „Inter­
governmental Panel on Sustainable Management of Resources“ verbessert werden – ein Expertengremium, das in Abstimmung mit Regierungen, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen agieren würde. Seine Aufgabe läge in
vergleichbaren und transparenten Daten und Szenarien über den heutigen und
künftigen Rohstoffverbrauch. In diesem Zusammenhang kann es einen „Verwundbarkeitsindex“ für Volkwirtschaften entwickeln. Darüber hinaus sollte ein
derartiges Gremium Handlungsoptionen erörtern und gute fachliche ­Praxis bei
einem nachhaltigen Ressourcenmanagement etablieren. Einschlägige Experten­
berichte liegen vor (UNEP / World Bank / IFC / MMSD 2002, MMSD 2002,
CEC 2003 und 2005); sie müssten jedoch in einen institutionalisierten Lernprozess zur Generierung markt- und politikrelevanter Informationen eingebunden werden.
Ein neuer Ansatz läge in der Erarbeitung von völkerrechtlichen Abkommen zwischen Deutschland bzw. der EU und Rohstoffexportländern, in denen
Versorgungssicherheit mit dem Transfer von Technologien und dem Aufbau
geeigneter Institutionen verbunden wird. Bei einem hohen Konsens ist auch
ein multilaterales Abkommen vorstellbar. Ein derartiges Abkommen sollte
neben den genannten Bereichen die Prinzipien eines Nachhaltigkeitsmanagements beim Abbau von Rohstoffen und bei der Landnutzung regeln, für die das
Expertengremium Sachstandsberichte erarbeitet.
Insgesamt sind Steigerungen der Material- oder Ressourcenproduktivität
der Beginn eines längeren Weges zum nachhaltigen Management internatio­
naler Rohstoffmärkte.
Abkürzungen:
CVRD – Companhia Vale do Rio Doce
CNCC - Corporacion Nacional del Cobre de Chile
CNOOC - China National Offshore Oil Corporation
Ressourceneffizienz
135
Literatur
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Relational Contracting, Free Press, New York.
136
136
Jahrbuch 2004/2005
137
Stefan Bringezu
Einige strategische Aspekte zur
Entwicklung eines wirtschaftsweiten
nachhaltigen Ressourcenmanagements
Buchpräsentation der deutschen und englischen Version von „Nachhaltigkeit schafft neuen Wohlstand“ (Hrsg.: Karin Feiler für das
Europäische Forum für Nachhaltigkeit) mit den Mitgliedern des Club
of Rome Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Prof. Franz Josef Radermacher und Prof. Dr. Klaus ­Töpfer (Direktor der UNEP, Umweltprogramm der Vereinten Nationen) am 25. August 2004. In der bis
zum letzten Platz besetzten Aula des Wuppertal Instituts für Klima,
Umwelt, Energie gingen die prominenten Umwelt­experten unter
anderem der Frage nach, ob unser Wohlstand sozial und ökologisch
verantwortbar ist.
Eine nachhaltige Nutzung und ein wirtschaftsweites Management von Ressourcen (Sustainable Use and economy-wide Management of Resources – SUMR)
soll die adäquate Versorgung mit und den effizienten Einsatz von Material,
Energie und Fläche sichern, die die physische Basis für Wohlstand und Wohlbefinden sichern. Dies ist eine Voraussetzung für die Entwicklung von nachhaltigen
Produktions- und Konsummustern. Eine Erhöhung der Ressourceneffizienz
wird dabei nicht nur zur Entlastung der Naturkapazitäten als wichtig erachtet,
sondern auch als Beitrag zur nationalen bzw. internationalen Sicherheit und zur
Verminderung ökonomischer Risiken, die sich aus der Ressourcenabhängigkeit
ergeben. Darüber hinaus ist zu erwarten, dass die Erhöhung der Ressourcen­
effizienz Innovationen auslöst, die die Wettbewerbsfähigkeit steigern und so den
technologischen und institutionellen Wandel in einer Weise und in eine Richtung
befördert, die zusätzliche ökonomische und soziale Vorteile erbringt.
Der gegenwärtige Ressourcenverbrauch der Industrieländer kann nicht als
Modell im globalen Maßstab dienen. Würde der heutige Gesamtmaterialverbrauch dieser Länder weltweit adaptiert, so würde dies zu einer Steigerung
des globalen Ressourcenverbrauchs um den Faktor 2 bis 5 bis 2050 führen
­(Bringezu et al. 2003). Da sich die überwiegende Ressourcennachfrage zu
ungefähr 90 Prozent auf nichtnachwachsende Rohstoffe (Mineralien) richtet,
ist der gegenwärtige Ressourcenverbrauch mit global kontinuierlichen und
lokal rapiden Veränderungen der Erdoberfläche und ihrer gewachsenen Landschaften verbunden. Auch der Verbrauch nachwachsender Ressourcen über­
lastet in ­manchen Regionen, insbesondere in Ländern des Südens, die Kapazität der Ökosysteme. Die Europäische Union deckt ihren Konsum von landwirtschaftlichen Erzeugnissen auch aus anderen Regionen. So ­ überschreitet
der aktuelle Flächenbedarf der EU-15 ihre inländische landwirtschaftliche
Nutz­fläche um ein Fünftel. Eine weltweite Übernahme der westlichen Konsum­
Vgl. EU Thematische Strategie für die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen
(CEC 2003).
Vgl. Integrierte Leitlinien für Wachstum und Beschäftigung (CEC 2005); Facing the
challenge: The Lisbon strategy for growth and employment (CEC 2004).
138
Jahrbuch 2004/2005
muster würde zu einer ­ Expansion von Intensivkulturen auf Kosten der verbliebenen natürlichen Ökosysteme führen (Bringezu/Steger 2005). Die globale
Verbreitung der Produktions- und Konsummuster der Industrieländer wäre
somit eine große Bedrohung der natürlichen Umwelt und unserer Ressourcenund Lebens­basis.
Der Steigerung der Ressourceneffizienz bzw. der Ressourcenproduktivität
in der Nutzung von nachwachsenden und nichtnachwachsenden Ressourcen
kommt daher eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung zu. Man kann erwarten, dass sie zudem zu einer global gerechteren
Verteilung der Ressourcennutzung und einer angemessenen internationalen
Lastenverteilung beiträgt. Nicht zuletzt könnte sie, wirtschaftsweit angewendet, die Problemverlagerungen zwischen den Regionen, Sektoren und Umweltmedien entschärfen. Kennzahlensysteme, die Materialverbrauch und -produktivität auf nationaler Ebene erfassen, gibt es bereits und sie werden weiter
entwickelt. Die Entwicklung politischer Maßnahmen steht vielfach noch am
Anfang der Debatte. Aus biophysischer Perspektive wird hier ein Überblick
über die Hauptstrategien zur Implementierung eines wirtschaftsweiten nachhaltigen Ressourcenmanagements vorgestellt.
Die wichtigsten Stoffwechseltrends
Die Wirtschaft ist durch physische Eingriffe mit der natürlichen Umwelt verbunden, durch Ressourcenabbau auf der Inputseite und Abfallerzeugung auf der
Outputseite. Einige Belege sprechen inzwischen dafür, dass die Abhängigkeit
der ökonomischen Entwicklung vom Konsum natürlicher Ressourcen abnimmt
(Bringezu et al. 2004).
• In nahezu allen Ländern, die untersucht wurden, wurde eine relative
Entkopplung des Materialeinsatzes (gemessen als Direkter Materialinput
DMI) und des Brutto-Inlands-Produkts (BIP) nachgewiesen. Das bedeutet,
dass Ökonomien bereits auf dem Weg zu einer erhöhten Materialproduk­
tivität sind und der Markt diesen Prozess bereits bis zu einem gewissen Grad
belohnt.
• Hohe BIP-Werte und Wohlstand sind auf verschiedenen Niveaus von
Materialverbrauch und der damit verbundenen Abfallerzeugung möglich.
Die ausschlaggebenden Faktoren der Unterschiede werden derzeit genauer
untersucht.
vgl. OECD (2004), EEA (2003), Eurostat (2004)
Ressourceneffizienz
139
• Bislang gibt es keinen empirischen Beleg für die Automatik einer abso­luten
Dematerialisierung im Verlaufe der ökonomischen Entwicklung. Die
wenigen Fälle, in denen DMI und TMR (Globaler Materialaufwand)
reduziert wurden, waren an politische Interventionen gekoppelt. Offenbar
sind bestimmte Änderungen der politischen Rahmenbedingungen notwendig, um sich über eine absolute Minderung von Ressourcenverbrauch und
Abfallerzeugung jeweils einem nachhaltigeren Niveau zu nähern.
• Industrieländer tendieren dazu, ihre Primärproduktion in andere Regionen
zu verlagern. Die einheimische Rohstoffgewinnung wird aufgegeben und
insbesondere Metallrohstoffe zunehmend importiert. Zur gleichen Zeit
wachsen die ökologischen Rucksäcke des Abbaus, die überschüssigen
Abbaumaterialien, der Abraum usw. So werden die Umweltbelastungen
durch den Globalen Materialaufwand der Industrieländer zunehmend in
andere Regionen, insbesondere in Entwicklungsländer verlagert.
• Die Nettobestandszuwächse sind in allen untersuchten Ländern immer noch
signifikant; die Technosphäre der Welt befindet sich in einer physischen
Wachstumsphase. In den entwickelten Ländern sind erste Anzeichen einer
möglichen Bestandssättigung an Gebäuden und Infrastrukturen sichtbar
(Überkapazitäten auf den Märkten des Wohnungs- und Gewerbebaus,
zunehmender Abbruch von Gebäuden, Auflösungen von Baugesellschaften,
höhere Arbeitslosigkeit von Baubeschäftigten). Aus theoretischen stoffwechselbezogenen Erwägungen muss es in Zukunft ein Fließgleichgewicht
zwischen Input und Output (Nullnettobestandszuwachs) und ein stabiles
Gleichgewicht zwischen dem Bau neuer und dem Abbruch alter Gebäude
geben. Wann und auf welchem Niveau dieses Gleichgewicht auftritt, ist eine
offene Frage. Länder unterscheiden sich sicherlich in der Hinsicht, dass
alte industrialisierte Länder mit einer stabilen bis sinkenden Bevölkerungszahl diese Reifephase früher erreichen werden als sich industrialisierende
Entwicklungsländer mit einer wachsenden Bevölkerung.
In Anbetracht dieser Trends kann man zu der Schlussfolgerung gelangen,
dass eine vorsorgende Politikentwicklung, die die Förderung von Ressourcen­
effizienz und den Umstieg auf regenerative Rohstoffe (entweder biobasiert aus
nachhaltigem Anbau oder recyclingbasiert) betreibt, letztlich auch auf einen
Mehrfachgewinn für Ökonomie, Umwelt und Gesellschaft abzielt. Wenn man
zudem bedenkt, dass die wachsende Endnachfrage der Transformations- und
Entwicklungsländer die entscheidende Antriebskraft der globalen Ressourcennachfrage sein wird, heißt das unter anderem, die technologische und institutionelle Entwicklung in allen Ländern zu beschleunigen, um auch mit ­bedeutend
weniger natürlichen Ressourcen weiterhin den Wohlstand zu erlangen, der
140
Jahrbuch 2004/2005
Ressourceneffizienz
141
Wo geht es in Richtung Zukunft?
Zielorientierung für die nachhaltige Gestaltung des Stoffwechsels der EU
(Bezug 1996/97: Tonnen pro Kopf)
MATERIAL-INPUT
Importe
Rucksackflüsse
16,5
–(90 +x)%
Metalle
10,6
Foss. Energieträger
2,6
Minerale
1,1
Biomasse
1,4
Erosion
0,8
3,5
Abiotisches Rohmaterial
23,1
genutzte Entnahme:
Minerale
8,2
Foss. Energieträger 2,0
ungenutzte Entnahme:
Förderung
9,5
Erdaushub
3,3
± konstant
Biotisches Rohmaterial
–(60 +x)%
Luft
–90% ?
Erosion
5,7
14,5
3,0
WIRTSCHAFT
Nettobestandszuwachs
10
MATERIAL-OUTPUT
–100%
Abfalldeposition
Deponien
Bergehalden und
Aufschüttungen
11,1
10,7
0,4
Emissionen von
Wasser aus
Materialien
10,0
Erosion
–(80 +x)%
12,9
Emissionen
in die Luft
CO2
NO2, SO2, CO, andere
Exporte
Angaben neben den
geschweiften Klammern:
Minderungsziele
14,0
1,2
–(30 +x)%
–(60 +x)%
3,0
1,0
Dissipativer Gebrauch von
Produkten und dissipative
Verluste
0,7
Einträge in
Gewässer
0,03
Quelle: Eigene Berechnungen von Stefan Bringezu und Helmut Schütz
bislang durch nichtnachhaltige Muster in Produktion und Konsum erworben
wurde. Das gegenwärtige Stoffwechselprofil der so genannten „entwickelten“
Länder unterliegt einem Wandel und ist sicherlich noch nicht am Endpunkt der
Entwicklung angelangt. Die Aufgabe dieser Länder wird es sein, die politischen
Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die Überleitung zu einem höheren
Reifegrad des Stoffwechsels unterstützt wird.
–90% ?
Es ist nicht möglich zu prognostizieren, wie der zukünftige Metabolismus
verschiedener Länder im Detail aussehen wird. Technologischer Fortschritt,
institutioneller Wandel, Verhaltensanpassungen verändern ständig die physische
Gestalt von Gesellschaft und Wirtschaft. Man kann dennoch einige grund­
legende Charakteristika skizzieren, die im Vergleich zum Status quo als wesentliche Elemente auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Stoffwechsel angesehen
werden können.
Einige Grundbedingungen werden tief greifende Konsequenzen im Verlauf
ihrer Umsetzung haben, wie am Beispiel der Europäischen Union umrissen
wurde (Bringezu 2002, 2004).
1. Die Annäherung an ein Gleichgewicht zwischen bebauter und natürlicher
Umwelt, z.B. durch das Anpeilen eines Nettonullwachstums des Bestands,
wird den Primärmaterialaufwand insbesondere von nichtnachwachsenden Rohstoffen signifikant reduzieren und die Erzeugung von Bau- und
Abbruchabfall langfristig vermindern.
2. Der Ausstieg aus der Verfeuerung von fossilen Energieträgern zur Bekämpfung des Klimawandels wird ebenfalls zu einer signifikanten Reduktion von
nichtnachwachsenden Rohstoffen beitragen.
3. Die Verwendung von Biomasse muss an nachhaltige Anbau- und Aufbe­
reitungsverfahren gekoppelt werden (qualitative Verbesserung). Die weitere
Expansion des globalen Ackerlandes (z.B. aufgrund des wachsenden Bedarfs
nach Biokraftstoffen) gilt es zum Stillstand zu bringen, um ein Minimum an
natürlichen Wäldern und Weideland, ihre Biodiversität und ihre verschiedenen Funktionen zu bewahren.
Maßnahmen, die auf 1. und 2. zielen, können innerhalb dieses Jahrhunderts eine
Reduktion des nichtnachwachsenden Ressourceneinsatzes um den Faktor 10
(pro Kopf Niveau auf EU-15 Basis) zur Folge haben.
Allgemeine Leitlinien zur Stärkung des sozioindustriellen
Stoffwechsels
Vor diesem Hintergrund können die folgenden Leitlinien als Orientierung für
den Übergang physischer Ökonomien wie der EU in Richtung Nachhaltigkeit
betrachtet werden:
142
Jahrbuch 2004/2005
1. Minderung des Primärmaterialaufwands (der die physische Expansion
sowie Emissionen und Abfall bestimmt);
2. Erhöhung des Anteils des regenerierten Materialinputs, d.h. der Quote
nachwachsender Biomasse und rezyklierter Materialien, gemessen am
eingesetzten Gesamtmaterial;
3. Verminderung der physischen Expansion der Technosphäre, Begrenzung
des zusätzlichen Baus von Gebäuden und Infrastrukturen und Vorbereitung
eines Fließgleichgewichts der Materialbestände durch verstärkte Renovierung und Sanierung;
4. Verbesserung der internationalen Bilanz der Lastenverteilung, Reduktion der
Disparitäten beim Konsum natürlicher Ressourcen und der zunehmenden
Verlagerung von Umweltproblemen aus den Ressourcen konsumierenden
in die Ressourcen exportierenden Länder;
5. Steigerung der Ressourcenproduktivität, um höhere Wertschöpfung und
gesellschaftliches Wohlbefinden mit geringerem Ressourcenverbrauch zu
schaffen, während gleichzeitig die Umweltbelastung vermindert und zu
einer verbesserten sozioökonomischen Leistung (z.B. Innovation/Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung) beigetragen wird.
Ressourcenspezifische Leitlinien
Obwohl alle Arten materieller Rohstoffe zukünftig sehr viel effizienter genutzt
werden sollten, um ein wirtschaftsweites Ressourcenmanagement zu ermög­
lichen, unterscheiden sich die Hauptgruppen der Ressourcen auch im Hinblick
auf wesentliche Problemstellungen, Zukunftsperspektiven und aktuellen
Regelungsstand.
Biomasse
Die gegenwärtige Nutzung von Biomasse ist charakterisiert durch eine Übernutzung der natürlichen Erneuerungskapazitäten, z.B. durch Überfischung, eine
Überfrachtung der Umwelt mit Nährstoffen durch die ineffiziente Verwendung von Düngemitteln und die Ausdehnung von Acker- und Weideland auf
Kosten der natürlichen Ökosysteme. Die größte Herausforderung für Land-,
Forstwirtschaft und Fischerei ist die Entwicklung von und Orientierung an
nachhaltigen Bewirtschaftungstechniken und Erträgen. In einigen Ländern gibt
es Fortschritte bei der Einführung von Standards für den ökologischen Landbau
und der Kennzeichnung für Produkte aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Auch
einzelne Unternehmen haben sich selbst verpflichtet, bestimmte Standards für
eigene Produkte aus integriertem Anbau und aus der Fischerei einzuhalten.
Ressourceneffizienz
143
Biomasse wird die bestimmende Ressourcenbasis der Zukunft sein. Im
Hinblick auf den Gesamteinsatz von Biomasse in der EU ist das Ziel weniger
die Mengenreduzierung als die Verbesserung der Qualität der Ressourcennutzung. Ein wirtschaftsweites Ressourcenmanagement beinhaltet die verbesserte
Effizienz der Produktionsverfahren in der Landwirtschaft und die Optimierung
der Rückführung der Nährstoffe aus Bioabfall und Abwasser zur Biomasseproduktion, wobei der Energiegehalt der Biomassereststoffe genutzt und Risikostoffe wie pharmazeutische Komponenten, z.B. im Klärschlamm, kontrolliert
werden sollten. Eine signifikante Erhöhung der Biomasseproduktion durch
Ausweitung der Produktionsflächen zu Lasten anderer Flächennutzungen sollte
vermieden werden. Freiräume (z.B. für Biomaterialien) können hier durch die
Veränderung der Produktions- und Konsummuster geschaffen werden (z.B.
durch Verminderung der tierbasierten Produktionsanteile, die 75 Prozent der
agrarischen Landnutzung der EU ausmacht).
Fossile Energieträger
Die größte Bedrohung bei der Verwendung von fossilen Energieträgern besteht
in den Folgen der Verfeuerung durch die entstehenden Klimagase. Politiken
zur Entschärfung des Klimawandels sind durch den Kyoto-Prozess eingeleitet
worden und bestimmte Folgeaktivitäten sind auf dem Weg (vgl. Beitrag S. 57 ff.).
Zudem hat man zu berücksichtigen, dass der Abbau von fossilen Energie­trägern
auch mit einer signifikanten Veränderung der Landschaften verbunden ist,
insbesondere durch den Kohleabbau. Die aktuelle Suche nach Alternativen
konzentriert sich vor allem auf die Nutzung erneuerbarer Energien, aber auch
auf die Möglichkeiten zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid vor
oder nach der Verbrennung von Kohle. In Bezug auf letzteres sind noch viele
Fragen offen und zumindest bei einzelnen Speicheroptionen hohe Risiken zu
erwarten (z.B. Tiefseelagerung). Ein wirtschaftsweites Ressourcen­management
wird langfristig höchstwahrscheinlich den Ausstieg aus der Verfeuerung von
fossilen Energieträgern anstreben.
Langfristige Hauptaufgabe ist der stufenweise Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Energieträger und ihre Substituierung durch andere Energie­träger
sowie eine höhere Ressourceneffizienz. Ein wirtschaftsweites Ressourcenmanagement umfasst dabei eine höhere Energieeffizienz und berücksichtigt zugleich auch die Materialintensität des Energieumsatzes. Die derzeitig
boomenden Biokraftstoffe können fossile Kraftstoffe wegen der konkurrierenden Flächenbedarfe für Lebensmittel, Futtermittel, Fasern und Naturschutz
usw. nur bedingt ersetzen. Im Zuge der Solarisierung der Energieversorgung
erscheinen sie nur ein Zwischenschritt zur Produktion von Biomaterialien (s.o.
Biomasse).
Jahrbuch 2004/2005
Metalle
Die Nachfrage nach Metallen ist kontinuierlich gewachsen (mit einigen
Aus­nahmen wie z.B. Blei, Kadmium, Quecksilber). In den letzten Jahren haben
Entwicklungs- und Schwellenländer wie China die Märkte für Eisen, Stahl
und andere Metalle angeheizt, die für den Aufbau von Infrastrukturen benötigt
werden. Industrielle Wirtschaftsräume wie die EU produzieren in steigendem
Maß metallische Grundwerkstoffe und Erzeugnisse, die auf Rohstoffimporten
aus Entwicklungsländern basieren, und sie exportieren ihrerseits eine steigende
Menge an Metallerzeugnissen in die ganze Welt. Die internationalen Disparitäten im Hinblick auf die ungleiche Verteilung von ökonomischen Vor­teilen
und Umweltbelastungen entlang der Produktions-Konsum-Kette werden
zunehmen. Recycling kann zu einer Verminderung des Ressourcenverbrauchs
beitragen, allerdings – aufgrund des anhaltenden physischen Wachstums der
Welt­technosphäre – nur in begrenztem Maße. Neue Produkte der Informations- und Kommunikationstechnologien und der Energieumwandlung, z.B. von
Brennstoffzellen, benötigen wachsende Mengen seltener Metalle wie Platin,
das mit einem enormen ökologischen Rucksack bei Abbau und Verhüttung
verbunden ist.
Wirtschaftsweites Ressourcenmanagement wird gerade für das Management der Metallströme bedeutsam werden. Metalle werden auch in Zukunft ein
wichtiges Element des sozioindustriellen Stoffwechsels sein, die Menge der
Primärextraktion wird jedoch durch Recycling und höhere Effizienz erheblich
reduziert und substituiert werden. Steigende Materialeffizienz in Produktion,
Konsum und Recycling wird dabei ein übergeordnetes Ziel sein. Recycling
wird eine Schlüsselstrategie für Metalle bleiben und geht über die reine Produktionsphase hinaus: Produktrücknahmesysteme, Produktdesign und Produkt­
management zur Unterstützung von Rückgewinnung und Recycling müssen
weiterentwickelt werden. Da die Metallmärkte international ausgelegt sind und
es globale Disparitäten beim Ressourcenverbrauch und den umwelt­bezogenen
und sozioökonomischen Implikationen gibt, erfordert ein wirtschaftsweites
Ressourcenmanagement für Metalle auch Anstrengungen auf internationaler
Ebene.
Nichtmetallische Baumineralien
Die Verwendung von Mineralien wie Zement, Sand, Kies und Kalkstein usw. ist
mit dem Bau von Gebäuden und Infrastrukturen verbunden. In der derzeitigen
Phase des physischen Wachstums wird die Nachfrage nach diesen Werkstoffen
weiter wachsen, insbesondere in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Im
Gegensatz zu den Metallen ist und bleibt die Versorgung jedoch eher regional
oder kontinental. Es gibt zwar Beispiele dafür, dass Kies aufgrund lokaler
Ressourceneffizienz
145
4E-10
IR
3.5E-10
2.5E-10
2E-10
LT
1.5E-10
LV
1E-10
RO
5E-11
0
DK
NL
3E-10
EMC pro Kopf
144
0
5
TR
P
SL
FR
GR
D
BL
IT
UK SP
HU BG PT
SK
10
15
20
SF
ET
CY
S
25
30
35
40
DMC (Tonnen/Kopf)
Auf nationaler Ebene ist der inländische Materialverbrauch (DMC) ein Indikator für die Gesamtumweltbelastungen, gemessen als EMC (umweltbezogen gewichteter Materialverbrauchsindex) (Voet et al. 2005).
Verknappungen per LKW durch ganz Europa transportiert wird, und Modellrechnungen von Baumaterialströmen zeigen z.B. für die Niederlande, dass dieses
Land immer vom Baumineralienimport aus Nachbarländern abhängig sein wird,
schon allein zum Erhalt der bestehenden Gebäude und Infrastrukturen. In den
meisten Fällen erfolgt die Versorgung jedoch im regionalen Maßstab.
Baustoffe werden auch zukünftig benötigt werden, jedoch mit einem
signifi­kant niedrigerem Anteil an der Primärgewinnung. Ein wirtschaftsweites
­Ressourcenmanagement sollte das physische Wachstum der Technosphäre
dämpfen und die Materialeffizienz verbessern, einschließlich höherer Recyc­
lingraten und einer weiteren Absenkung des Einsatzes von Primärmine­ralien.
Einige Industrieländer haben immer noch niedrige Recyclingraten von Bau- und
Abbruchabfall. Die Entwicklungsländer laufen Gefahr, die hochgradig mate­
rialintensiven Konstruktionsweisen des öffentlichen und privaten Gebäude­baus
und die Infrastrukturen der Industrieländer zu übernehmen. Technische Standards und Fachbücher müssen daher weiterentwickelt werden und die landesspezifischen Kenntnisse einbeziehen, wie man z.B. in tropischen Ländern mit
wenig Material aus der Umgebung ein kühles Haus ohne Klimaanlage baut.
146
Jahrbuch 2004/2005
Materialspezifischer vs. breitenwirksamer Politikansatz
Ob die Stoffströme einzelner Stoffe (z.B. Kupfer, Zink, Kadmium, Aluminium,
Stahl) im Detail auf ihre spezifischen Umweltwirkungen hin analysiert werden
müssen, bevor Instrumente eingesetzt werden, die diese Auswirkungen kontrollieren, ist umstritten. Verfolgt man diesen Gedanken, so ergibt sich eine Reihe
von Problemen:
Die Komplexitätsfalle
Wenn nur die dreißig bis fünfzig wichtigsten Grundwerkstoffe betrachtet und
mit den zwei bis zehn stärksten Wirkungen in Zusammenhang gebracht werden
würden, die zudem mit jeweils unterschiedlichen Prozessen verbunden sind,
müssten sechzig bis fünfhundert spezifische Standards mittels wahrscheinlich
recht detaillierter Regulierungen eingeführt werden. Die staatlichen Anstrengungen, die Zeit und die finanziellen Mittel, die für Vorbereitung, Implementierung und Kontrolle benötigt würden, dürften enorm sein. Dieser material- und
wirkungsspezifische Regulierungsansatz wird früher oder später im Hinblick
auf seine Effizienz und Effektivität an seine Grenzen stoßen.
Der Versuch, die spezifischen Wirkungen einzelner Stoffe und Prozesse
zu kontrollieren, ist aufgrund von Substitutionseffekten mit einem hohen
Risiko der Problemverlagerung verbunden, wenn keine allgemeine Leitlinie
verfolgt wird, mit der Partikularlösungen mit kontraproduktiven Effekten auf
der Makroebene verhindert werden. Wenn zum Beispiel auf ein ausgewähltes
Basismaterial wie Kupfer Regulierungsdruck ausgeübt würde, so würde dieses
Metall, soweit technisch möglich und ökonomisch realisierbar, durch andere
Metalle substituiert, welche wiederum an anderen Orten mit anderen Problemen
befrachtet wären. Das Ergebnis bliebe im Hinblick auf die globalen Umweltbelastungen also hochgradig unsicher. Ein anderes Grundproblem der spezifischen Wirkungskontrolle besteht darin, dass nur ein bestimmter Anteil der
Umweltwirkungen in der Weise gemessen werden kann, dass sie bestimmten
Produkten und Prozessen zurechenbar sind. Vorsorge kann auf einem solch
reaktiven Ansatz nicht begründet werden.
Einrichtung eines Anreizrahmenwerks
Alternativ dazu können politische Rahmenbedingungen so gestaltet werden,
dass das Know-how und die Motivation der Akteure in Industrie und Haushalten
durch wirksame Anreize mobilisiert werden, um technologische und institutio­
nelle Lösungen aufzuspüren, die den wirtschaftlichen Stoffwechsel weiter in
Richtung auf mehr Nachhaltigkeit treiben. Dabei mag es nicht so wichtig sein,
einzelne kritische Grenzen für bestimmte Substanzflüsse einzuhalten (während
Ressourceneffizienz
147
man andere übersieht), sondern vielmehr Techniken und Managementpraktiken anzuwenden, die insgesamt zu geringeren Umweltbelastungen, verbesserten sozioökonomischen Leistungen und einer gerechteren Verteilung des
Ressourcenverbrauchs auf globaler Ebene führen. Eine Schlüsselstrategie für
alle Hauptressourcengruppen ist die Weiterentwicklung der Materialeffizienz
(siehe auch Beiträge Seite 101 ff.). Politische Förderprogramme für eine breit
angelegte Suche nach Effizienzoptionen in Industrie und Haushalten können als
geeignete Herangehensweise zum Anstoß technologischer und managementbezogener Innovationen gelten, die nicht auf einzelne Stoffströme beschränkt
sind, aber einen maßgeblichen Einfluss auf den Verbrauch von allen in größerem
Umfang eingesetzten Materialien hätten.
In die richtige Richtung steuern durch Dematerialisierung
Obwohl verschiedene Stoffströme verschiedene Umweltwirkungen erzeugen,
führt die Vielzahl der Prozesse und Technologien und der Mix an Materialien zu
dem Phänomen, dass auf der Makroebene der Materialkonsum mit der Summe
aller Umweltbelastungen, die erfasst werden können, korreliert. Das bedeutet,
dass ein geringerer Materialverbrauch die Gesamtumweltbelastungen und die
damit zusammenhängenden Wirkungen verringert. Folglich würde „weniger ist
mehr“ auch für die Umwelt gelten, solange eine Dematerialisierung den Anteil
gefährlicher Stoffe nicht erhöhen würde.
Konditionierung vs. spezifische Regulierung des
sozioindustriellen Stoffwechsels
Aus der Regulierungsperspektive unterscheiden wir zwischen Konditionierung und Feinregulation des Stoffwechsels, zwischen der Kur zur Stärkung
der Konstitution des Wirtschaftsorganismus, der zuviel „Fett ansetzt“ und an
zu hohem und zu schnellem Durchsatz leidet, und der spezifischen Regulation
einzelner Substanz- oder Materialflüsse.
Konditionierung
Das Ziel besteht darin, den Umfang, die Struktur, die internationale Aus­prägung
und die Wachstumsdynamik des sozioindustriellen Stoffwechsels auf nachhaltige Weise zur Reife zu führen. Die Entwicklung der Hauptstoffströme und
Es gibt keine bedeutsamen Anzeichen, dass dies zu erwarten wäre; Vorkehrung kann
durch Überwachung der Umweltbelastungsindizes wie EMC alle fünf Jahre getroffen
werden, als Ergänzung zur mehr regelmäßigen Erfassung von DMI, DMC und TMR.
148
Jahrbuch 2004/2005
Ressourcengruppen (Biomasse, fossile Energieträger, Metalle, nicht­metallische
Mineralien) sowie des nationalen und transnationalen Ressourcenbedarfs und
der Nettobestandszuwächse können dabei als Referenz dienen. Die Politik­
instrumente, die im Rahmen eines nationalen oder EU-Ressourcenmanagementprogramms zu entwickeln wären, können sowohl materialunspezifische
Maßnahmen als auch solche umfassen, die spezifisch für bestimmte Ressourcengruppen sind. Material-, Energie- und Flächennutzung sollten dabei
integriert berücksichtigt werden. Ressourcenintensive Industrien können durch
ein Materialeffizienzprogramm dabei unterstützt werden, Möglichkeiten zur
Dematerialisierung zu eruieren und zu nutzen. Die Nachfrage nach ressourcen­
intensiven Produkten sollte gedämpft werden (z.B. durch Revision kontra­
produktiver Subventionen und Überprüfung der öffentlichen Beschaffung und
Investitionen). Forschung und Entwicklung sowie Ausbildungsgänge müssen
im Hinblick auf ein wirtschaftsweites Ressourcenmanagement weiterentwickelt
werden.
Spezifische Regulierung
Die Ziele sind hier a) die Eliminierung bzw. Kontrolle des Einsatzes poten­
zieller Störstoffe, um Gesundheitsrisiken (z.B. durch Kadmium), Umwelt­
belastungen (z.B. durch Stickstoff), oder technische Hindernisse (z.B. durch
Zink) zu vermeiden und b) die Optimierung ausgewählter Grundwerkstoff­sys­
teme (z.B. Stahl, Kupfer, Metalle der Platingruppe), indem das Recycling, die
Minderung von Ausschuss, die Steigerung einer lebenszyklusweiten Ressourceneffizienz gefördert wird und Alternativen zur Befriedigung der Endnachfrage geprüft werden. Hier stehen einzelne Substanzflüsse und spezifische
Materialströme im Zentrum des Interesses. Umsetzungsmaßnahmen umfassen
ordnungspolitische Instrumente (z.B. Verbote für die Verwendung von gefährlichen Substanzen), technische Standards und Informationen für Produzenten
und Konsumenten.
Um technologische und institutionelle Potenziale zur Steigerung der Ressourcen- und Materialeffizienz aufzuspüren, sind mehr Informationen über
die verschiedenen Stoffströme und Prozessketten in Produktion und Konsum
erforderlich. Hier sollte staatliches Handeln die weitere Forschung und Entwicklung fördern, um über diese Potenziale aufzuklären und Innovationen in
Richtung einer nachhaltigen Entwicklung auszulösen. Alternative Technologien, die z.B. die Rückholung erdverlegter Kupferkabel nach Dekaden des
Gebrauchs ermöglichen oder durch kabellose Systeme überflüssig machen,
sind Beispiele aus einer Vielzahl von Einzelmöglichkeiten, die letztlich nur
erschlossen werden können, wenn das Know-how der Experten in der Industrie mobilisiert wird.
Ressourceneffizienz
149
Elemente einer nachhaltigen Ressourcenpolitik
Ziele
• Dematerialisierung
• Faktor 4/10
• breite Diskussion
• Indikatoren zur Orientierung
Verbesserte Informationen
Anreize
• EU, national, regional, Gemeinden,
Unternehmen, Haushalte
• Marktbasierte Instrumente (Überprüfung
von Subventionen, Steuern, etc.)
• institutionelle und technologische
Verbesserungspotenziale
• Planung (z.B. Abgrabungslizenzen,
Baustandards)
• „good-practice“-Beispiele
• Standards und Kennzeichnung für
Produkte aus nachhaltiger Land- und
Forstwirtschaft (z.B. Ökolandbau, FSC)
• Aus- und Fortbildung
Quelle: Stefan Bringezu, Wuppertal Institut, eigene Darstellung
Drei Ansätze zur Entwicklung von nachhaltiger Nutzung und wirtschaftsweitem Management von
Ressourcen
Insgesamt ist es wichtig, die Wissensgenerierung und die Informationen
über Stoffströme, auch über spezifische Prozessketten und ihre Wechselwirkungen mit Umwelt und Wirtschaft, zu verbessern. Dies heißt jedoch nicht,
dass staatliches Handeln in Richtung eines wirtschaftsweiten Ressourcen­
managements auf der Basis des vorhandenen Wissens nicht heute schon möglich wäre.
Handlungsbedarf
Politikentwicklung hin zum wirtschaftsweiten Ressourcenmanagement bedarf
dreier Elemente: 1. Ziele, Eckwerte und Indikatoren, wohin es gehen soll
(letztere nicht nur, um den Fortschritt zu messen, sondern auch als Orientierung), 2. verbesserte Informationen für alle relevanten Akteure auf unterschiedlichen Ebenen und 3. effektive Anreize für die Akteure.
150
Jahrbuch 2004/2005
Politische Zielsetzung und Zielwerte
Noch ist in der EU und auf internationaler Ebene das gemeinsame Verständnis
über den Nachhaltigkeitskorridor und die Schlüsselrolle einer erhöhten Ressourcen- und Materialeffizienz gering. Die EU-Mitgliedsstaaten und andere Länder
sollten sich mittel- und langfristig auf Zielwerte zur Material- und Energieproduktivität, des absoluten Ressourcen- und Materialverbrauchs, des Anteils
inländischer und ausländischer Ressourcenutzung, des Anteils nachwachsender Rohstoffe und der Quote ihrer Herkunft aus nachhaltigem Anbau verstän­
digen. Die derzeitigen EU- und OECD-Aktivitäten zur Stoffstromanalyse und
der Messung der Ressourcenproduktivität können dabei als Orientierung und
Grundlage für die Weiterentwicklung dienen. Dabei wird die Zusammenarbeit
verschiedener Ressorts hilfreich sein, z.B. der für Abfall bzw. nachhaltiges
Produzieren und Konsumieren, wie auch die Ergänzung bestehender Zielwerte,
die bereits in einigen OECD-Ländern etabliert sind (wie z.B. Japan, Deutschland).
Verbesserte Informationen
Entscheidungsträger in Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen
­bedürfen nicht nur der Informationen über die biophysische Wirtschaftsleistung
insgesamt, sondern auch über den Materialverbrauch und die Ressourcenproduk­
tivität der Industriesektoren und die technologischen und institutionellen Verbesserungspotenziale. Hierzu laufen Forschungsarbeiten an einzelnen Institutionen,
z.B. am Wuppertal Institut, die das Feld für eine breiter angelegte Wissens­
generierung bereiten sollen. Ein Austausch zwischen europäischen, nationalen
und internationalen Institutionen (z.B. EEA, ETC-RWM, Eurostat, OECD) ist
dort empfehlenswert, wo sektorale Statistiken über physische Indikatoren (z.B.
durch NAMEA) sowie Indikatoren über den in- und ausländischen Ressourcenverbrauch entwickelt und Prioritäten für die weitere Forschung über spezifische
Stoffströme (z.B. Eisen/Stahl, Kupfer) diskutiert werden. Daten zum Ressourcenverbrauch des Außenhandels und der gehandelten Güter sollten ausgewiesen
und in offiziellen Statistiken bereitgestellt werden, um die Auswirkungen durch
die Ressourcenversorgung aus dem Ausland und den globalisierten Handel
erfassen zu können. Ein regierungsübergreifendes Experten­gremium für ein
nationales und internationales Ressourcen­management könnte das vorhandene
Wissen für die weitere Politikentwicklung bündeln und fördern helfen (siehe
Beitrag von Bleischwitz unten). Innerhalb des European Tech­nology Action
Plans (ETAP) Rahmens könnte eine Technologieplattform zur Materialeffizienz
und nachhaltigen Ressourcennutzung für die Informations- und Datenbereitstellung, zur verfahrensorientierten Anleitung und für Best-practice-Beispiele
eingerichtet werden. Langfristig könnte eine europäische oder internationale
Ressourceneffizienz
151
Agentur für nachhaltiges wirtschaftsweites Ressourcenmanagement aufgebaut
werden, um die Beschaffung, Prüfung und Bereitstellung relevanter Information und Referenzdaten zu den verschiedenen Aspekten des Verbrauchs und
Managements von Ressourcen in Produktion und Konsum zu gewährleisten.
Förderung eines Anreizsystems
Einige Länder haben damit begonnen, neue institutionelle Arrangements in
Richtung wirtschaftsweites Ressourcenmanagement in Produktion und Konsum
zu erproben, insbesondere um die Ressourcen- und Materialeffi­zienz zu erhöhen.
Die japanische Regierung hat ein Programm zur Erforschung institutioneller
Optionen zur Förderung der Materialeffizienz aufgelegt. Nordrhein-Westfalen
hat erfolgreich eine Effizienzagentur zur Unterstützung von KMU eingeführt, um
Potenziale der Kostenreduktion durch die Minimierung von Abfall-, Energie-,
Wasser- und Materialaufwand zu nutzen. Die deutsche Bundesregierung prüft
derzeit die Ausgestaltung eines effektiven Materialeffizienzprogramms für kleine
und mittelständische Unternehmen, um die Materialeffizienz im ver­arbeitenden
Gewerbe zu befördern (siehe die Beiträge von Liedtke und Kristof). Diese
Aktivitäten konzentrieren sich bislang auf den direkten Materialeinsatz. Künftig
gilt es, auch die Effekte auf den lebenszyklusweiten Gesamtressourcenbedarf
und die möglichen Problemverlagerungen in andere Regionen zu beobachten.
Einige Länder haben bereits ökonomische Instrumente implementiert (z.B. VK
Mineralstoffextraktionssteuer), um die Preise der Primärressourcen zu erhöhen
und Anreize für höhere Effizienz, geringere Umweltbelastungen, steigende
Recyclingquoten und Innovationsförderung zu setzen. Das ETC-RWM wird
die Effektivität der relevanten Instrumente überprüfen, um so zur Weiterentwicklung eines adäquaten Anreizsystems in Richtung eines wirtschaftsweiten
Ressourcenmanagements beizutragen.
Literatur
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152 Jahrbuch
Jahrbuch 2004/2005
2004/2005
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Nutzung der natürlichen Ressourcen. COM(2003)572 final. Brüssel.
CEC – Commission of the European Communities (2004): Facing the challenge. The Lisbon
strategy for growth and employment. Report from the High Level Group chaired by Wim
Kok. Luxembourg: Office for official publications of the European Communities. http://europa.eu.int/growthandjobs/pdf/2004-1866-EN-complet.pdf
CEC – Kommission der Europäischen Gemeinschaften (2005): Integrierte Leitlinien für
Wachstum und Beschäftigung (2005-2008). COM(2005)141 final. Brüssel.
European Environment Agency (2003): Europe’s environment: the third assessment.
Environmental Assessment Report No. 10. Kopenhagen.
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Eurostat (2004): Eurostat Jahrbuch 2004. Der statistische Wegweiser durch Europa. Daten
aus den Jahren 1992–2002. Luxemburg.
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SE(2004)21. 17–18 June 2004, Helskinki, Finland. Paris.
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Schütz, H., Moll, S., Bringezu, S. (2004): Globalisation and the Shifting Environmental
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Papers No. 134e, Wuppertal: Wuppertal Institute.
Van der Voet, E.; van Oers, L.; Moll, S.; Schütz, H.; Bringezu, S.; de Bruyn, S.; Sevenster,
M.; Warringa, G. (2005): Policy review on decoupling: Development of indicators to
assess decoupling of economic development and environmental pressure in the EU-25
and AC-3 countries. CML report 166, Leiden: Institute of environmental sciences (CML),
Leiden: Leiden University, Department Industrial Ecology, 2005.
http://www.leidenuniv.nl/cml/ssp/
153
Zu Gast beim Wuppertal Institut
Das Wuppertal Institut ist
Ziel vieler Besucherinnen und
­Besucher aus dem In- und Ausland. Am 26. April 2005 war
der japanische Staatssekretär
im Umweltministerium, Herr
­Shouzou Matsumoto, zu Gast.
Foto unten: Zu den Gästen aus
der Politik aller Parteien des
Landes Nordrhein-Westfalen
und der Stadt Wuppertal gehörte
auch eine Gruppe bündnisgrüner
Landtagsabgeordneter.
154
154
Jahrbuch 2004/2005
155
Neuerscheinungen
Am 31. Mai 2005 empfing das Wuppertal Institut leitende Mitarbeiter der Umweltbehörde der Stadt
Nanjing. Ihre Studienreise ist Bestandteil des EU-Projekts „Feasibility Study on Voluntary Approaches in
Industrial Environmental Management in China“ (AsiaProEco Programme), das das WI gemeinsam mit
der holländischen Energieagentur SenterNovem bearbeitet. Dabei geht es um Erfahrungen mit frei­willigen
Vereinbarungen zwischen Staat und Industrie im Klimaschutz und mögliche Übertragbarkeit europäischer
Ansätze nach China.
Peter Hennicke, Michael Müller:
Wolfgang Sachs, Tilman Santarius u.a.:
Weltmacht Energie
Herausforderung für Demokratie
und Wohlstand
Fair Future
Begrenzte Ressourcen und
globale Gerechtigkeit
Ein Report des Wuppertal Instituts
S. Hirzel Verlag, Stuttgart 2005
ISBN 3-7776-1319-3
Verlag C.H. Beck, München 2005
ISBN 3 406 52788 4
Christa Liedtke,
Timo Busch (Hrsg.):
Raimund Bleischwitz,
Kanda Yasuhiro (eds.):
Pietro Caratti, Holger Dalkmann
and Rodrigo Jiliberto (eds.):
Materialeffizienz
Potenziale bewerten,
Innovationen fördern,
Beschäftigung sichern
Governance of Markets for
Sustainability
jdzb documentation
(volume 6)
Analysing Strategic
Environmental Assessment
Towards Better Decision-Making
oekom Verlag München 2005
ISBN 3-936581-81-9
IUDICIUM Verlag München 2004
ISBN 3-89129-946-X
Edward Elgar Publishing,
Cheltenham 2004
ISBN 1-84376-448-2
156
Jahrbuch 2004/2005
157
Veröffentlichungen
Juni 2004 bis Juni 2005
Arens, Christof:
•
•
•
•
Kora Kristof, Martina Schmitt,
Burcu Tunçer, Sarah Lubjuhn:
Kora Kristof, Martina Schmitt,
Burcu Tunçer, Sarah Lubjuhn:
Erfolgreich sein – erfolgreich bleiben
Check für Unternehmen mit türkischem
Migrationshintergrund
Wuppertal Spezial 32
ISBN 3-929944-66-9
Wuppertal Özel Yayınları 32
ISBN 3-929944-67-7
•
Baedeker, Carolin:
•
•
•
•
•
•
future e.V. + Effizienz-Agentur NRW + Wuppertal
Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH:
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt,
Energie GmbH:
factor Y
Wuppertal Bulletin
zu Instrumenten des Klima- und
Umweltschutzes
Magazin für nachhaltiges Wirtschaften
ISSN 1860-6229
ISSN 1618-3959
Verbändeanhörung zum deutschen CDM/JI-Gesetz. In: JIKO Info, 2005, 2, S. 1.
Arens, Christof; Wittneben, Bettina:
Workshop zeigt Perspektiven für Klimaschutzprojekte auf. In: JIKO Info, 2005, 2, S. 5.
Sterk, Wolfgang; Arens, Christof:
Blowing the Cap? EU Links CDM and JI With EU emissions trading [japan.]. In: Eco,
(2004), 8, p. 135.
Langrock, Thomas; Arens, Christof; Wiehler, Hans Albrecht:
Creating markets abroad: the case of CDM/JI projects. In: Bleischwitz, Raimund (Hrsg.):
Symposium „Governance of markets for sustainability“: conference in the JapaneseGerman policy dialogue on environmental issues; October 13–14, 2003. München:
Iudicium-Verlag, 2004, S. 187–196.
Langrock, Thomas; Sterk, Wolfgang; Arens, Christof:
Die projektbasierten Mechanismen CDM & JI: Einführung und praktische Beispiele.
Berlin: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, 2004 und
2005.
Meier, Stefan; Baedeker, Carolin; Rohn, Holger:
SAFE in die Zukunft des Bäckereihandwerks. In: FactorY, 2005, 2, S. 10.
Baedeker, Carolin; Meier, Stefan; Rohn, Holger:
Kommunikation und Qualifizierung für nachhaltigkeitsorientierte Organisationsentwicklung. In: Michelsen, Gerd (Hrsg.): Handbuch Nachhaltigkeitskommunikation. München:
Ökom, 2005, S. 629–640.
SAFE – ein Instrument zur Unterstützung einer zukunftsfähigen Unternehmensentwicklung. In: kompakt (Hrsg.): Zukunftssicherung durch nachhaltige Kompetenzentwicklung
in kleinen und mittleren Unternehmen der Ernährungswirtschaft, 2005.
Baedeker, Carolin; Rohn, Holger:
Die Entwicklungspartnerschaft kompakt: Nachhaltigkeit durch Kooperation und Netzwerk­
bildung fördern. In: kompakt (Hrsg.): Zukunftssicherung durch nachhaltige Kompetenzentwicklung in kleinen und mittleren Unternehmen der Ernährungswirtschaft, 2005.
Westermann, Udo; Rohn, Holger; Baedeker, Carolin; Geßner, Christian:
Kompaktnet.de – das Informationsportal für eine zukunftsfähige Ernährungswirtschaft. In:
kompakt (Hrsg.): Zukunftssicherung durch nachhaltige Kompetenzentwicklung in kleinen
und mittleren Unternehmen der Ernährungswirtschaft, 2005.
Merten, Thomas; Westermann, Udo; Rohn, Holger; Baedeker, Carolin; Kölle, Axel:
Der initiale Nachhaltigkeitscheck: Wissen, wo Ihr Unternehmen heute steht! Nachhaltigkeitsprofil der Ernährungswirtschaft auf Basis durchgeführter Selbstbewertungen von 230
Unternehmen. In: kompakt (Hrsg.): Zukunftssicherung durch nachhaltige Kompetenzentwicklung in kleinen und mittleren Unternehmen der Ernährungswirtschaft, 2005.
158
Jahrbuch 2004/2005
• Baedeker, Carolin; Rohn, Holger:
Empowerment in KMU. In: Empowerment: eine Handreichung für die Projektarbeit im
Rahmen der Gemeinschaftsinitiative EQUAL. Bonn: Bundesministerium für Wirtschaft
und Arbeit, 2005, S. 33–36.
• Baedeker, Carolin; Jungkeit, Renate; Lemken, Thomas; Liedtke, Christa;
Welfens, Maria J.:
Lernen für die Zukunft: KURS 21; Nachhaltigkeit im Dialog zwischen Schulen und
Unternehmen. In: TheoPrax, 2005, 1, S. 10–13.
• Baedeker, Carolin; Lemken, Thomas:
Education for sustainability. In: Baltic 21 newsletter, 2005, 1, p. 17.
Bahn-Walkowiak, Bettina:
• Bahn-Walkowiak, Bettina; Bleischwitz, Raimund:
Outlook on a future research agenda. In: Bleischwitz, Raimund (Hrsg.): Symposium
„Governance of markets for sustainability“: conference in the Japanese-German policy
dialogue on environmental issues; October 13–14, 2003. München: Iudicium-Verlag,
2004, S. 197–201.
Barthel, Claus:
• Schäppi, Bernd; Ritter, Herbert; Barthel, Claus; Hermann, Laurenz; Streif, Oswald:
ProCool – eco-efficient cold appliances for the commercial use. In: Energy savings:
What Works & Who Delivers? Proceedings of the 2005 ECEEE Summer Study; May
30th – June 5th 2005, Mandelieu, France; Paris: Europ. Council for an Energy-Efficient
Economy, 2005, p. 779–785.
• Fischedick, Manfred; Ramesohl, Stephan; Merten, Frank; Schüwer, Dietmar;
Barthel, Claus; Hanke, Thomas:
Der Beitrag regenerativer Energien und rationeller Energienutzung zur wirtschaftlichen
Entwicklung in Nordrhein-Westfalen: Analyse und Bewertung von Zukunftstechnologien,
deren Auswirkungen auf die Wirtschaftsstruktur und Ableitung technologiepolitischer
Handlungsempfehlungen; Endbericht I. Wuppertal: WIKUE, 2004.
Berlo, Kurt:
• Berlo, Kurt; Seifried, Dieter:
Kommunen nutzen Bürgercontracting zur energetischen Sanierung von Schulen:
Solar&Spar-Projekte mit eindrucksvoller Klimabilanz. In: Wuppertal Bulletin zu Instrumenten des Klima- und Umweltschutzes, 8 (2005), 1, S. 7–9.
Bleischwitz, Raimund:
• „Co-evolution“ between state regulation and the private sector. In: Weizsäcker, Ernst
U. (Ed.): Limits to privatization: how to avoid too much of a good thing. London [u.a.]:
Earthscan, 2005, p. 341–347.
• A „Triple-I“ strategy for the future of Europe. Bruges: College of Europe, 2005 (Bruges
European economic policy briefings; 10).
• The German year in Japan: Sustainability at the forefront [in japan. Sprache]. In: Eco
(2005), June, p. 201.
• Evolutorische Wirtschaftspolitik als Institutionenreform: Prüfkriterien für die vergleichende Institutionenanalyse. In: Lehmann-Waffenschmidt, Marco (Hrsg.):
Institutioneller Wandel, Marktprozesse und dynamische Wirtschaftspolitik: Perspektiven
der evolutorischen Ökonomik. Marburg: Metropolis-Verlag, 2004, S. 477–497.
Veröffentlichungen
159
• German waste policy: does in provide incentives for eco-efficiency and waste reduction?
In: Bleischwitz, Raimund (Ed.): Symposium „Governance of markets for sustainability“:
conference in the Japanese-German policy dialogue on environmental issues; October
13–14, 2003. München: Iudicium-Verlag, 2004, S. 133–143.
• Koreferat zum Referat von Karl-Hans Hartwig „Rettet die Wale! Greenpeace als Einflussträger und Nebenexekutive der Umweltpolitik“. In: Apolte, Thomas (Hrsg.): Ordnungsökonomische Grundlagen nationaler und internationaler Wirtschaftspolitik. Stuttgart:
Lucius & Lucius, 2004, S. 273–278.
• Bleischwitz, Raimund (Hrsg.):
Symposium „Governance of markets for sustainability“: conference in the JapaneseGerman policy dialogue on environmental issues; October 13–14, 2003. München:
Iudicium-Verlag, 2004 (Jdzb documentation; 6).
• Bleischwitz, Raimund; Lucas, Rainer:
Nachhaltige Entwicklung als Leitkultur. In: Politik und Kultur, 2005, 3, S. III.
• Sustainable development as a defining culture. In: Politik und Kultur, 2005, 3, S. III.
• Bleischwitz, Raimund; Proske, Akira:
Waste disposal: no time to waste; how to avoid too much of a bad thing (Germany,
­Malaysia). In: Weizsäcker, Ernst U. (Ed.): Limits to privatization: how to avoid too much
of a good thing. London [u.a.]: Earthscan, 2005, p. 108–113.
• Delzeit, Ruth; Bleischwitz, Raimund:
Tantalum: a case study on sustainable resource management. In: Martens, Per Nicolai
(Ed.): Sustainable development indicators in the minerals industry: SDIMI 2005; second
international conference; Institute of Mining Engineering I, RWTH Aachen University,
18–20 May 2005. Essen: Verl. Glückauf, 2005, S. 917–942.
• Bahn-Walkowiak, Bettina; Bleischwitz, Raimund:
Outlook on a future research agenda. In: Bleischwitz, Raimund (Ed.): Symposium
„Governance of markets for sustainability“: Conference in the Japanese-German policy
dialogue on environmental issues; October 13–14, 2003. München: Iudicium-Verlag,
2004, S. 197–201.
Böhler, Susanne:
• Böhler, Susanne; Wanner, Monika:
Perspektiven für Car-Sharing in Klein- und Mittelstädten sowie ländlich geprägten
Regionen. In: IMAGO – Innovative Marketing- und Angebotskonzepte in Gemeinden mit
Ortsbussystemen: Berichte aus einem Projekt im BMBF-Förderschwerpunkt „Personenverkehr für die Region“. Padenborn: Univ. Paderborn, 2004, S. 55–66.
• Dalkmann, Holger; Böhler, Susanne:
Mobilität und Demographie im Wandel: Angebote einer zukunftsfähigen Gestaltung.
In: Frevel, Bernhard (Hrsg.): Herausforderung demografischer Wandel. Wiesbaden: VS,
Verlag für Sozialwiss., 2004, S. 275–293.
Bongardt, Daniel:
• Wilke, Georg; Bongardt, Daniel:
Eco-efficiency of car-sharing at risk? In: Energy savings: what works & who delivers;
ECEEE 2005 Summer Study Proceedings; volume 2. Stockholm: Europ. Council for an
Energy-Efficient Economy, 2005, p. 659–669.
• Akzeptanz innovativer Konzepte bei Bahn und Bus bei professionellen Akteuren: Analyse
der Akteure auf nationaler und europäischer Ebene. In: Monheim, Heiner (Hrsg.):
Akzeptanz innovativer ÖPNV-Konzepte bei professionellen Akteuren: Endbericht Gesamt­
projekt. Trier: Univ. Trier, 2004, S. 94–180.
160
Jahrbuch 2004/2005
• Bongardt, Daniel; Dalkmann, Holger; Schäfer-Sparenberg, Carolin:
Chancen für eine umweltverträglichere Mobilität: Was kann die Strategische Umwelt­
prüfung leisten? In: Verkehrszeichen, 20 (2004), 4, S. 15–20.
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• Klimagipfel in Buenos Aires. In: Deutscher Naturschutzring: EU-Rundschreiben, 14
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Erdgas als Brückenenergie zu einer nachhaltigen Energiezukunft: empirische Unter­
suchungen zu den Treibhausgasemissionen aus der Erdgasbereitstellung in Russland.
In: Wuppertal Bulletin zu Instrumenten des Klima- und Umweltschutzes, 8 (2005), 1,
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• Fischedick, Manfred; Ramesohl, Stephan; Merten, Frank; Schüwer, Dietmar;
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Der Beitrag regenerativer Energien und rationeller Energienutzung zur wirtschaftlichen
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Ökologische Gesamtbewertung der Heizkraftwerke der Wuppertaler Stadtwerke unter
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• Lechtenböhmer, Stefan; Dienst, Carmen; Fischedick, Manfred; Hanke, Thomas;
Akopova, G. [u.a.]:
GHG-emissions of Russian natural gas industry by gas export to Europe. In: Fourth International Symposium on Non-CO2 Greenhouse Gases (NCGG-4): science, control, policy
and implementation; Utrecht, The Netherlands, 4–6 July 2005. Rotterdam: Millpress,
2005, p. 209–216.
• Lechtenböhmer, Stefan; Dienst, Carmen; Fischedick, Manfred; Hanke, Thomas:
Erdgas als Brückenenergie zu einer nachhaltigen Energiezukunft: empirische Unter­
suchungen zu den Treibhausgasemissionen aus der Erdgasbereitstellung in Russland.
In: Wuppertal Bulletin zu Instrumenten des Klima- und Umweltschutzes, 8 (2005), 1,
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• Treibhausgasemissionen fossiler Energieträger. In: BWK, 57 (2005), 5, S. 62–66.
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• Fischedick, Manfred; Ramesohl, Stephan; Merten, Frank; Schüwer, Dietmar;
Barthel, Claus; Hanke, Thomas:
Der Beitrag regenerativer Energien und rationeller Energienutzung zur wirtschaftlichen
Entwicklung in Nordrhein-Westfalen: Analyse und Bewertung von Zukunftstechnologien,
deren Auswirkungen auf die Wirtschaftsstruktur und Ableitung technologiepolitischer
Handlungsempfehlungen; Endbericht I. Wuppertal: WIKUE, 2004.
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Praxis. Köln: Dt. Inst.-Verl., 2004, S. 53–60.
Krause, Melanie:
• Nachhaltige Entwicklung und Theorie reflexiver Modernisierung: Zur Umsetzungsfähigkeit von Nachhaltigkeitsstrategien in der „Weltrisikogesellschaft“; Diplomarbeit. 2004.
170
Jahrbuch 2004/2005
Kristof, Kora:
• Materialeffizienzpolitik = Industriepolitik mit positiven Umwelteffekten, OnlineTagungsreader zum Workshop „Materialeffizienz“ (parallel zur Verleihung des
„Deutschen Mate­rialeffizienzpreises 2004“), Bundesministerium für Wirtschaft und
Arbeit, 14.12.2004 in Berlin. http://www.materialeffizienz.de/fachgespraech.html und
http://www.materialeffizienz.de/download/kristof_umweltentlastung.pdf
• Tauschringe und Nachhaltigkeit: Sind Tauschringe zukunftsfähig? Online Tagungsreader vom 10. Bundestreffen der Tauschringe, 17. bis 19.9.2004 in Münster. http://www.
tauschringe.info/VortragKK.pdf und http://www.tauschringe.info/WS-VortragKK.pdf
• Kristof, Kora; Hanke, Thomas:
Der Wärmemarkt von morgen: Ein wesentlicher Baustein einer nachhaltigen Infrastruktur­
politik. In: Loske, Reinhard (Hrsg.): Die Zukunft der Infrastrukturen: Intelligente Netz­werke für eine nachhaltige Entwicklung. Marburg: Metropolis-Verlag, 2005, S. 155–174.
• Kristof, Kora; Bechert, Stefanie; Merten, Thomas [u.a.]:
Multikultureller Nachhaltigkeitscheck (MNC): ein Erfolgsfaktor für Unternehmen mit
Migrationshintergrund. In: kompakt (Hrsg.): Zukunftssicherung durch nachhaltige
Kompetenzentwicklung in kleinen und mittleren Unternehmen der Ernährungswirtschaft,
2005.
• Baron, Ralf (Arthur D. Little GmbH); Jochem, Eberhard (Fraunhofer-Institut für System und Innovationsforschung); Kristof, Kora; Liedtke, Christa [u.a.] (Wuppertal Institut für
Klima, Umwelt, Energie):
Studie zur Konzeption eines Programms für die Steigerung der Materialeffizienz in
mittelständischen Unternehmen, Abschlussbericht, 2005. http://www.materialeffizienz.
de/studie.html
• Studie zur Konzeption eines Programms für die Steigerung der Materialeffizienz in mittelständischen Unternehmen, Anlagenband zur Potential- und Hemmnis-Analyse, 2005.
http://www.materialeffizienz.de/studie.html
• Studie zur Konzeption eines Programms für die Steigerung der Materialeffizienz in mittelständischen Unternehmen, Abschlussbericht Anhang B: Programmlandkarte - Analyseraster, Case Studies, Akteurs-/Strukturlandkarte: Förderlandschaft, 2005. http://www.
materialeffizienz.de/studie.html
• Lechtenböhmer, Stefan; Kristof, Kora; Irrek, Wolfgang:
Braunkohle – ein subventionsfreier Energieträger? Kurzstudie. Wuppertal: WIKUE, 2004.
URL: http://www.umweltbundesamt.org/fpdf-l/2798.pdf
• Kristof, Kora; Schmitt, Martina; Tunçer, Burcu; Lubjuhn, Sarah:
Erfolgreich sein – erfolgreich bleiben: Unternehmens-Check für Unternehmen mit
türkischem Migrationshintergrund; ökonomische, soziale und ökologische Erfolgsfaktoren
für kleinere und mittlere Unternehmen. Wuppertal: WIKUE, 2004 (Wuppertal Spezial 32).
• Basariyi yakalayin, sürekli kilin: türk kökenli girisimciler için „Isletme Check-up“i; küçük
ve ora ölçekli isletmeler için ekonomik, ekolojik ve sosyal basari faktörleri. Wuppertal:
WIKUE, 2004 (Wuppertal özel 32).
Kuhndt, Michael:
• Geibler, Justus von; Kuhndt, Michael; Türk, Volker:
Virtual networking without a backpack? Resource consumption of information
tech­nologies. In: Hilty, Lorenz M. (Ed.): Information systems for sustainable development. Hershey, Pa.: Idea Group, 2005, p. 109–126.
• ICT-Bereitstellung: der materielle Lebenszyklus der Internetinfrastruktur. In: Memorandum nachhaltige Informationsgesellschaft. Stuttgart: Fraunhofer-IRB-Verl., 2004,
S. 42–45.
Veröffentlichungen
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•
•
•
•
•
•
171
Kuhndt, Michael; Geibler, Justus von; Schäfer, Jörg:
Auf dem Weg zur nachhaltigen Aluminiumindustrie. In: FactorY, 1 (2005), 1, S. 22.
Türk, Volker; Kuhndt, Michael:
The global textile chain: opportunities and challenges for the sustainability management
of small and large businesses. In: Industrial ecology for a sustainable future: abstract book,
oral sessions; the 3rd International Conference of the International Society for Industrial
Ecology. New Haven, Conn.: Internat. Soc. for Industrial Ecology, 2005, p. 244–245.
Wallbaum, Holger; Kuhndt, Michael; Tunçer, Burcu; Bunse, Maike:
Innovation-oriented management and responsible corporate governance. In: Bleischwitz,
Raimund (Hrsg.): Symposium „Governance of markets for sustainability“: conference
in the Japanese-German policy dialogue on environmental issues; October 13–14, 2003.
München: Iudicium-Verlag, 2004, S. 99–107.
Türk, Volker; Geibler, Justus von; Kuhndt, Michael:
Governance of new technologies for innovations towards sustainability. In: Reichl,
Herbert (Hrsg.): Joint International Congress and Exhibition Electronics Goes Green
2004+: driving forces for future electronics; proceedings. Stuttgart: Fraunhofer-IRB-Verl.,
2004, S. 299–300.
Kuhndt, Michael; Türk, Volker; Herrndorf, Martin:
Stakeholder engagement: an opportunity for SMEs? In: Industry and environment, 27
(2004), 4, p. 40–43.
Vaughan, Brandy (Ed.); Dragicevic, Damir; Kuhndt, Michael; Türk, Volker;
Tunçer, Burcu; Eckermann, André:
High 5! Communicating your business success through sustainability reporting. In:
Vaughan, B. (Ed.): High 5! A guide for small and not so small businesses. [Amsterdam]:
Global Reporting Initiative, 2004.
Kuhndt, Michael; Tunçer, Burcu:
An Analysis of the Potential of Sector-wide Initiatives to Achieve Sustainable Production
and Consumption Systems and the Implications for Governance Systems. In: Proceedings
of the Third International Workshop on Sustainable Consumption, October 26–27, 2004.
Tokyo: Society of Non-Traditional Technology, 2004.
Kuhndt, Michael; Geibler, Justus von; Eckermann, André:
Reviewing the journey towards a sustainable aluminium industry: Stakeholder ­engagement
and core indicators. Executive project summary on behalf of the European Aluminium
Association (EAA) and the Gesamtverband der Aluminiumindustrie (GDA). Wuppertal:
WIKUE and Triple innova, 2004.
Lechtenböhmer, Stefan:
• Greenhouse gas emissions from the Russian natural gas export pipeline system: results
and extrapolation of measurements and surveys in Russia. Wuppertal [u.a.]: WIKUE
[u.a.], 2005.
• Lelieveld, Jos; Lechtenböhmer, Stefan; Assonov, Sergey S.; Brenninkmeijer, Carl A.;
Dienst, Carmen:
Low methane leakage from gas pipelines: a switch from coal or oil to natural gas could
mitigate climate effects in the short term. In: Nature, 434 (2005), 7036, p. 841–842.
• Lechtenböhmer, Stefan; Dienst, Carmen; Fischedick, Manfred; Hanke, Thomas;
Akopova, G. [u.a.]:
GHG-emissions of Russian natural gas industry by gas export to Europe. In: Fourth International Symposium on Non-CO2 Greenhouse Gases (NCGG-4): science, control, policy
and implementation; Utrecht, The Netherlands, 4–6 July 2005. Rotterdam: Millpress,
2005, p. 209–216.
172
Jahrbuch 2004/2005
• Lechtenböhmer, Stefan; Dienst, Carmen; Fischedick, Manfred; Hanke, Thomas:
Erdgas als Brückenenergie zu einer nachhaltigen Energiezukunft: Empirische Unter­
suchungen zu den Treibhausgasemissionen aus der Erdgasbereitstellung in Russland.
In: Wuppertal Bulletin zu Instrumenten des Klima- und Umweltschutzes, 8 (2005), 1,
S. 23–26.
• Treibhausgasemissionen fossiler Energieträger. In: BWK, 57 (2005), 5, S. 62–66.
• Lechtenböhmer, Stefan; Brouns, Bernd:
Beitrag zum Umsetzungsbericht 2004 zum Klimaschutzkonzept Nordrhein-Westfalen.
Wuppertal: WIKUE, 2005.
• Wagner, Oliver; Lechtenböhmer, Stefan; Thomas, Stefan:
Energy efficiency – political targets and reality: case study on EE in the residential sector
in the German Climate Change Programme. In: Energy savings: what works & who
delivers; ECEEE 2005 Summer Study Proceedings; volume 2. Stockholm: Europ. Council
for an Energy-Efficient Economy, 2005, p. 1137–1142.
• Sterk, Wolfgang; Lechtenböhmer, Stefan; Bunse, Maike:
The impact of EU emissions trading and the linking directive on the potential for joint
implementation (JI) projects in six EU accession countries. In: Energy savings: what
works & who delivers; ECEEE 2005 Summer Study Proceedings; volume 3. Stockholm:
Europ. Council for an Energy-Efficient Economy, 2005, p. 1441–1452.
• Lechtenböhmer, Stefan; Grimm, Vanessa; Mitze, Dirk; Wissner, Matthias:
Energy efficiency as a key element of the EU’s post-Kyoto strategy: results of an
­integrated scenario analysis. In: Energy savings: what works & who delivers; ECEEE
2005 Summer Study Proceedings; volume 1. Stockholm: Europ. Council for an EnergyEfficient Economy, 2005, p. 203–212.
• Schüle, Ralf; Fischedick, Manfred; Lechtenböhmer, Stefan:
Ablass vom Handel: Strukturprobleme bei der Einführung des Emissionshandels in
Deutschland. In: Wuppertal Bulletin zu Instrumenten des Klima- und Umweltschutzes, 7
(2004), 2, S. 25–30.
• Lechtenböhmer, Stefan; Kristof, Kora; Irrek, Wolfgang:
Braunkohle – ein subventionsfreier Energieträger? Kurzstudie. Wuppertal: WIKUE, 2004.
Lemken, Thomas :
• Baedeker, Carolin; Jungkeit, Renate; Lemken, Thomas; Liedtke, Christa;
Welfens, Maria J.:
Lernen für die Zukunft: KURS 21; Nachhaltigkeit im Dialog zwischen Schulen und
Unternehmen. In: TheoPrax, 2005, 1, S. 10–13.
• Baedeker, Carolin; Lemken, Thomas:
Education for sustainability. In: Baltic 21 newsletter, 2005, 1, p. 17.
Liedtke, Christa:
• factorY. Magazin für Nachhaltiges Wirtschaften. Hrsg. von future e.V., Effizienz-Agentur
NRW, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (Christa Liedtke). Marburg: factory
Publishing GbR, bisher erschienen: 01/2005, 02/2005.
• Liedtke, Christa; Kaiser, Claudia:
Zukünfte, aber welche? Integriertes Stoffstrommanagement zwischen Infrastruktur- und
Produktentwicklung. In: Loske, Reinhard (Hrsg.): Die Zukunft der Infrastrukturen:
intelligente Netzwerke für eine nachhaltige Entwicklung. Marburg: Metropolis-Verlag,
2005, S. 417–445.
Veröffentlichungen
173
• Baedeker, Carolin; Jungkeit, Renate; Lemken, Thomas; Liedtke, Christa;
Welfens, Maria J.:
Lernen für die Zukunft: KURS 21; Nachhaltigkeit im Dialog zwischen Schulen und
Unternehmen. In: TheoPrax, 2005, 1, S. 10–13.
• Liedtke, Christa; Kaiser, Claudia; Rohn, Holger:
Organisationales und lebenslanges Lernen: Fortschritt statt Stagnation für eine nachhaltige
Entwicklung. In: Betriebliche Instrumente für nachhaltiges Wirtschaften: Konzepte für die
Praxis. Köln: Dt. Inst.-Verl., 2004, S. 53–60.
• Busch, Timo; Liedtke, Christa:
Zukunftsfähige Innovationen: Erste Schritte zum nachhaltig wirtschaftenden Unter­
nehmen. Wuppertal: WIKUE, 2004 (Wuppertal Spezial 30).
• Wie man das MIPS-Konzept in seinem Unternehmen einführt. In: Schmidt-Bleek,
­Friedrich (Hrsg.): Der ökologische Rucksack: Wirtschaft für eine Zukunft mit Zukunft.
Stutt­gart: Hirzel, 2004, S. 207–208.
• Ritthoff, Michael; Rohn, Holger; Liedtke, Christa:
Vycislenija MIPS: resursnaja produktivnost‘ produkcii i uslug (Calculating MIPS, in
russ. Sprache). In: Sergienko, Olga (Ed.): Osnovy teorii eko-effektivnosti. St. Petersburg:
SPbGUNiPT, 2004, p. 30–64.
• MIPS-laskenta: tuotteiden ja palveluiden luonnonvaratuottavuus. Wuppertal [u.a.]:
WIKUE [u.a.], 2004 (Wuppertal Spezial 27fi).
• Liedtke, Christa; Welfens, Maria J.:
KURS 21 – Lernmodule für Lernpartnerschaften Schule – Wirtschaft: Nachhaltige
Entwicklung; Produkte, Dienstleistungen und Nachhaltigkeit ; Unternehmen und
Nach­haltigkeit; Unternehmen in einer globalisierten Welt. Wuppertal: WIKUE, 2004.
• Baron, Ralf (Arthur D. Little GmbH); Jochem, Eberhard (Fraunhofer-Institut für System und Innovationsforschung); Kristof, Kora; Liedtke, Christa [u.a.] (Wuppertal Institut für
Klima, Umwelt, Energie):
Studie zur Konzeption eines Programms für die Steigerung der Materialeffizienz in mittelständischen Unternehmen, Abschlussbericht, 2005.
http://www.materialeffizienz.de/studie.html
• Studie zur Konzeption eines Programms für die Steigerung der Materialeffizienz in mittelständischen Unternehmen, Anlagenband zur Potential- und Hemmnisanalyse, 2005.
http://www.materialeffizienz.de/studie.html
• Studie zur Konzeption eines Programms für die Steigerung der Materialeffizienz in mittelständischen Unternehmen, Abschlussbericht Anhang B: Programmlandkarte – Analyse­
raster, Case Studies, Akteurs-/Strukturlandkarte: Förderlandschaft, 2005.
http://www.materialeffizienz.de/studie.html
Luhmann, Hans-Jochen:
• Das Kyoto-Protokoll tritt in Kraft: Ernüchternde Bemerkungen zu dessen Bedeutung. In:
Stifterrundbrief der Deutschen Umweltstiftung 2004, 2005, S. 49–53.
• Soziale Dämme vor Folgen des Klimawandels: Auf Treibsand gebaut. In: Zeitschrift für
Rechtspolitik, 38 (2005), 1, S. 22–24.
• [Rez.] Begriffliche Voraussetzungen erfolgreicher Vorsorgepolitik – Naturkatastrophen
sind keine Naturereignisse (Sammelbesprechung). In: Zeitschrift für angewandte Umweltforschung, 15/16 (2005), 1, S. 135–136.
• Öl-Reserven in den Händen von „Value Creation Teams“: Reserven von Erdöl werden zu
„Erträgen“, die über Bonuszahlungen und Karrieren der Manager bestimmen; alle Verantwortlichen waren an der Buchung künstlicher Reserven interessiert. In: VDI-Nachrichten,
2005, 6, 11.02.2005, S. 9.
174
Jahrbuch 2004/2005
• Die Welle von Hawaii: Auf dem Weg nach Kyoto gab es eine Lücke in der Keeling-Kurve.
In: Süddeutsche Zeitung, 2005, 41, 19.02.2005, S. 18.
• Kyoto-Ziel schon jetzt verfehlt. In: Energie & Management, 2005, 4, 15.02.2005, S. 2.
• Klimawandel und Küstenschutz. In: Berliner Republik, 2005, 2, S. 66–70.
• Das Ende ist nahe herbeigekommen! Ehemalige Ölkonzerngeologen fordern die staat­
lichen geologischen Ämter heraus. In: BTB-Magazin, 43 (2005), 2, S. 46–48.
• [Rez.] Der „Kampf“ um den Gipfel der Ölförderung: Rhetorik – angewandt, ins Extrem
geführt und analysiert. In: Neue Zürcher Zeitung, 2005, 100, 30.04.2005, S. 63.
• Der Sieg der Macht des Faktischen: F-Gase in Autoklimagasanlagen nicht ausgeschlossen.
In: Wuppertal Bulletin zu Instrumenten des Klima- und Umweltschutzes, 8 (2005), 1,
S. 20–22.
• [Rez.] Optionen der Öl-Einsparung – „in a hurry“ : Internationale Energieagentur will
Ölverbraucherländer zum Gegendruck präparieren. In: Wuppertal Bulletin zu Instrumenten des Klima- und Umweltschutzes, 8 (2005), 1, S. 34–36.
• [Rez.] Das Gute an den Lasten „Ölverschwendung“ und „militärische Nachschubsicherung“: Lovins über strategische Optionen der USA. In: Wuppertal Bulletin zu Instrumenten des Klima- und Umweltschutzes, 8 (2005), 1, S. 32–33.
• Die Paketlösung: Eine Steuer auf den Verbrauch von Treibstoff auf innerdeutschen Flügen
ist möglich. In: Wuppertal Bulletin zu Instrumenten des Klima- und Umweltschutzes, 8
(2005), 1, S. 27–28.
• Einen Gang runterschalten: Erdölverbrauch. In: Punkt.um, 2005, 6, S. 2–3.
• Die Technik intentionaler Entdeckung unbewusster Nebenwirkungen, erläutert an James
Lovelock, dem Ermöglicher vorsorgender Umweltpolitik. In: Technikfolgenabschätzung
– Theorie und Praxis, 14 (2005), 2, S. 101–107.
• OECD-Länder nehmen Ölkrise endlich ernst [Datei]. 2005. URL: http://www.sonnenseite.
com/fp/archiv/Akt-News/6512.php
• Mit Volldampf in die Katastrophe? Die Probleme des Klimaschutzes [Datei]. 2005.
URL: http://db.swr.de/upload/manuskriptdienst/aula/au20050701_3226.rtf
• Nach Kyoto droht die Katastrophe: Außenansicht. In: Süddeutsche Zeitung, 2005, 154,
07.07.2005, S. 2.
• Eichel wird schon zahlen: Deutschland hat sich mit dem Kyoto-Protokoll zur Emissionsminderung verpflichtet. In: Financial Times Deutschland, 2005, 27.07.2005, S. 26.
• The disturbing results of the Kyoto period 1990 till 2010: side event at the UNFCCSBSTA 22, Bonn, May 23, 2005 [Datei]. 2005.
URL: http://www.um.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/11409/03_Luhmann%20paper.
pdf?command=downloadContent&filename=03_Luhmann%20paper.pdf
• Hilfe oder feindlicher Überfall? Experten kritisieren die offiziellen Statistiken der
­Ölkonzerne; das Ende ist näher als gedacht. In: Zeitzeichen, 6 (2005), 6, S. 8–11.
• Öleinsparung: IEA-Vorschläge an Industriestaaten. In: Deutscher Naturschutzring: EURundschreiben, 2005, 6, S. 26.
• Gesucht: Der klimagerechte PKW. In: Stifterrundbrief der Deutschen Umweltstiftung
2003, 2004, S. 39–40.
• Europas unbändiger Verkehr: Schiefe Lastenteilung zwischen unsolidarischen
Geschwistern. In: Gaia, 13 (2004), 1, S. 8–10.
• Es liegt was in der Luft: Flugzeugabgase sind klimaschädlicher als Autoemissionen. In:
Die Zeit, 2004, 19, 29.04.2004, S. 34.
• Hoppe, hoppe Vorreiter: so vorbildlich ist das Umweltverhalten der Luxemburger
gar nicht; zur Kehrseite des Tanktourismus. In: Frankfurter Allgemeine, 2004, 142,
22.06.2004, S. 44.
Veröffentlichungen
175
• Smarte Franzosen: Deutschlands Autokonjunktur lahmt, die Branche sieht große
Mitschuld bei der Politik; Frankreich macht gerade vor, wie sich Ökologie und Ökonomie
intelligent verknüpfen lassen. In: Financial Times Deutschland, 2004, 05.08.2004, S. 24.
• Ölreserven – das Ende rückt näher: Ex-Ölmanager warnen vor zu optimistischen
Schätzungen. In: Rheinische Post, 2004, 04.08.2004, S. C1.
• Zweifel und Diagnose im offenen System. In: Berliner Republik, 6 (2004), 4, S. 26–34.
• Warnung vor der Apokalypse: Ehemalige Geologen der großen Ölkonzerne fordern mit
ihren Thesen die staatlichen geologischen Ämter heraus. In: Handelsblatt, 2004, 158,
17.08.2004, S. 7.
• Ausgleichende Gerechtigkeit: Ein „Zehnter“ für die Dritte Welt; Luxemburg (an)erkennt
die finanzielle Kehrseite des Tanktourismus. In: Wuppertal Bulletin zu Instrumenten des
Klima- und Umweltschutzes, 7 (2004), 2, S. 8–13.
• [Rez.] Die Freiheit bewahren: im Konfliktfall auch die auf Umweltverschmutzung; Paul
Kirchhof gibt Einblick in seine Zeit als Verfassungsrichter zur Steuer- und Abgaben­politik.
In: Wuppertal Bulletin zu Instrumenten des Klima- und Umweltschutzes, 7 (2004), 2, S.
32–35.
• Emissionen von Treibhausgasen des Straßenverkehrs, vollständig betrachtet. In: Zeitschrift
für Verkehrswissenschaft, 75 (2004), 2, S. 126–131.
• [Rez.] Nicht immer auf andere warten: Umweltpolitik in Amerika und Deutschland. In:
Das Parlament, 54 (2004), 37, S. 16.
• [Rez.] Die Lebenskrise der Erde: eine internationale geo- und biowissenschaftliche
Diagnose. In: Neue Zürcher Zeitung, 2004, 176, 31.07.2004, S. 55.
• Die Verschärfung des Konflikts um die landwirtschaftliche Nutzung des Nilwassers,
insbesondere zwischen Ägypten und Äthiopien, durch die drohende Beeinflussung des
Monsuns durch Europa / Südostasiens braunen Smog. In: Lozán, José Luis (Hrsg.):
Warnsignal Klima: wissenschaftliche Fakten. Hamburg: Wiss. Auswertungen, 2004,
S. 239–244.
• Der Gipfel der Erdölförderung ist jetzt greifbar: Die Entdeckungen neuer Funde neigen
sich dem Ende zu. In: VDI-Nachrichten, 2004, 43, 21.10.2004, S. 9.
• Verunsicherung hinterm Deich: Die erste Studie zu den Folgen des Klimawandels für die
Deutsche Bucht prognostiziert Unbequemes. In: Punkt.um, 2004, 11, S. 2–3.
• [Rez.] Erosion des Schutzniveaus: Der anthropogene Klimawandel drückt auf die
Nordseeküste und auf die Förderalismuskommission. In: Frankfurter Allgemeine, 2004,
270, 18.11.2004, S. 7.
• [Rez.] Die anthropogene Natur: „in einem präzedenzlosen Zustand“. In: Naturschutz und
Landschaftsplanung, 36 (2004), 12, S. 282.
• [Rez.] Klima- und Erdsystemwissenschaft setzen neue Standards. In: Gaia, 13 (2004), 4,
S. 292–293.
• Betrug – das Doping-Problem der Wissenschaften: Nur extrawissenschaftliche Judikatur
kann helfen. In: Erwägen, Wissen, Ethik, 15 (2004), 4, S. 489–492.
• [Rez.] Was tun mit dem zivilen Plutonium im Zeitalter des Terrorismus? Der zivile
Bestand wächst um 6 000 potentielle Nuklearsprengkörper pro Jahr [Datei]. 2004.
URL: http://www.vdw-ev.de/publikationen/Rez_PlutoniumFESt2_VDW.pdf
• Juch, Dierk; Luhmann, Hans-Jochen:
Perspektiven zur Vermeidung von Grubengasemissionen und für die Grubengasindustrie:
Skizze einer überraschenden Entwicklung im Ruhrgebiet. In: Wuppertal Bulletin zu
Instrumenten des Klima- und Umweltschutzes, 8 (2005), 1, S. 14–19.
176
Jahrbuch 2004/2005
• Luhmann, Hans-Jochen; Henseling, Karl Otto:
Gefahren(früh-)erkennung: auf dem Wege zu einer Lehre der Gefahrenerkenntnis. In:
Ipsen, Dirk (Hrsg.): Dynamiken der Nachhaltigkeit. Marburg: Metropolis-Verlag, 2004,
S. 245–271.
• Luhmann, Hans-Jochen; Fischedick, Manfred:
Renewables, adaptationspolitisch betrachtet. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 54
(2004), 37, S. 18–24.
Lucas, Rainer:
•
•
•
Bleischwitz, Raimund; Lucas, Rainer:
Nachhaltige Entwicklung als Leitkultur. In: Politik und Kultur, 2005, 3, S. III.
Sustainable development as a defining culture. In: Politik und Kultur, 2005, 3, S. III.
Lucas, Rainer; Wilts, Claas Henning:
„Events für Nachhaltigkeit“: ein neues Geschäftsfeld für die Eventwirtschaft? Wuppertal:
WIKUE, 2004 (Wuppertal Papers 149).
Meier, Stefan:
•
•
Meier, Stefan; Baedeker, Carolin; Rohn, Holger:
SAFE in die Zukunft des Bäckereihandwerks. In: FactorY, 2005, 2, S. 10.
Baedeker, Carolin; Meier, Stefan; Rohn, Holger:
Kommunikation und Qualifizierung für nachhaltigkeitsorientierte Organisationsentwicklung. In: Michelsen, Gerd (Hrsg.): Handbuch Nachhaltigkeitskommunikation. München:
Ökom, 2005, S. 629–640.
• SAFE – ein Instrument zur Unterstützung einer zukunftsfähigen Unternehmensentwicklung. In: kompakt (Hrsg.): Zukunftssicherung durch nachhaltige Kompetenzentwicklung
in kleinen und mittleren Unternehmen der Ernährungswirtschaft, 2005.
• Meier, Stefan; Ammon, Ursula:
Nachhaltige Entwicklung: von der Entstehung des Leitbilds zu dessen Implementierung
auf Organisationsebene. In: Profile, 5 (2005), 9, S. 86–95.
Merten, Frank:
•
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Merten, Frank; Ramesohl, Stephan; Fischedick, Manfred:
Where will the alternative fuel hydrogen come from? In: ECO, 2004, 10, p. 129.
Fischedick, Manfred; Merten, Frank; Ramesohl, Stephan:
Sustainable fuels for a sustainable future. In: Bossel, Ulf (Ed.): The fuel cell world:
proceedings; 28 June – 2 July 2004, Lucerne, Switzerland. Oberrohrdorf: Europ. Fuel Cell
Forum, 2004, p. 55–65.
• Fischedick, Manfred; Ramesohl, Stephan; Merten, Frank; Schüwer, Dietmar;
Barthel, Claus; Hanke, Thomas:
Der Beitrag regenerativer Energien und rationeller Energienutzung zur wirtschaftlichen
Entwicklung in Nordrhein-Westfalen: Analyse und Bewertung von Zukunftstechnologien,
deren Auswirkungen auf die Wirtschaftsstruktur und Ableitung technologiepolitischer
Handlungsempfehlungen; Endbericht I. Wuppertal: WIKUE, 2004.
Merten, Thomas:
• Best(es) Management: Abteilungsdenken überwinden und Sustainable Excellence
­erreichen. In: Unternehmen und Umwelt, 17 (2004), 3–4, S. 6–7.
• Merten, Thomas (Hrsg.):
Bochumer Nachhaltigkeitscheck 2004: Bochumer Unternehmen übernehmen Verant­
wortung. Friedberg: Trifolium-Beratungsges., 2004.
Veröffentlichungen
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• Merten, Thomas; Rohn, Holger:
Faktor X: Ökoeffizienz im Unternehmen. In: RKW-Magazin, 56 (2005), 1, S. 14–15.
• Sustainable Excellence: Ressourceneffizienz auf Geschäftsprozessebene. In: kompakt
(Hrsg.): Zukunftssicherung durch nachhaltige Kompetenzentwicklung in kleinen und
mittleren Unternehmen der Ernährungswirtschaft, 2005.
• Kristof, Kora; Bechert, Stefanie; Merten, Thomas [u.a.]:
Multikultureller Nachhaltigkeitscheck (MNC): ein Erfolgsfaktor für Unternehmen mit
Migrationshintergrund. In: kompakt (Hrsg.): Zukunftssicherung durch nachhaltige
Kompetenzentwicklung in kleinen und mittleren Unternehmen der Ernährungswirtschaft,
2005.
• Merten, Thomas; Westermann, Udo; Rohn, Holger; Baedeker, Carolin; Kölle, Axel:
Der initiale Nachhaltigkeitscheck: Wissen, wo Ihr Unternehmen heute steht! Nachhaltigkeitsprofil der Ernährungswirtschaft auf Basis durchgeführter Selbstbewertungen von 230
Unternehmen. In: kompakt (Hrsg.): Zukunftssicherung durch nachhaltige Kompetenzentwicklung in kleinen und mittleren Unternehmen der Ernährungswirtschaft, 2005.
• Baur, Angelika; Merten, Thomas; Lörcher, Michael:
Handlungsanleitung zur Entwicklung der Prozessreife in prozessorientierten Unternehmen. Kissing: WEKA MEDIA, 2005 (Praxislösungen).
Mitze, Dirk:
• Lechtenböhmer, Stefan; Grimm, Vanessa; Mitze, Dirk; Wissner, Matthias:
Energy efficiency as a key element of the EU’s post-Kyoto strategy: results of an
­integrated scenario analysis. In: Energy savings: what works & who delivers; ECEEE
2005 Summer Study Proceedings; volume 1. Stockholm: Europ. Council for an EnergyEfficient Economy, 2005, p. 203–212.
• Ramesohl, Stephan; Mitze, Dirk:
Lehren des Blackouts: Energiewirtschaft braucht Strategie für ihre Stromnetze. In: VDINachrichten, 2004, 33, 13.08.2004, S. 11.
Moll, Stephan:
• Van der Voet, E.; van Oers, L.; Moll, Stephan; Schütz, Helmut; Bringezu, Stefan;
de Bruyn, S.; Sevenster, M.; Warringa, G.:
Policy Review on decoupling: Development of indicators to assess decoupling of
eco­nomic development and environmental pressure in the EU-25 and AC-3 countries.
CML report 166, Leiden: Institute of Environmental Sciences (CML), Leiden: Leiden
University, Department Industrial Ecology, 2004. www.leidenuniv.nl/cml/ssp/
• Jenseit, W.; Bunke, D.; Rheinberger, U.; Kalberlah, F.; Akkan, Z.; Moll, Stephan:
Research, development, statistical and analytical work to develop appropriate environmental indicators related to chemicals. (Report Phase III March 2005) Öko-Institut:
Darmstadt: 2005. http://forum.europa.eu.int/Public/irc/dsis/pip/library?l=/indicators_
chemicals
Nanning, Sabine:
• Kosten sparen – auch bei knappen Kassen: Intracting – verwaltungsinterne Fonds finanzieren kostenneutral Energiesparmaßnahmen. In: Demo, 57 (2005), 4, S. 40.
• Nanning, Sabine; Irrek, Wolfgang:
Intracting: mit Klimaschutz Geld sparen. In: AKP, 26 (2005), 3, S. 29–30.
• Irrek, Wolfgang; Nanning, Sabine:
Energiekostenreduktion durch Intracting: Nachhaltig handeln trotz knapper Finanzmittel.
In: Das Rathaus, 58 (2005), 1/2, S. 19–20.
178
Jahrbuch 2004/2005
Veröffentlichungen
Ötting, Thorsten:
Pastowski, Andreas:
• Dalkmann, Holger; Lorenz, Marcel; Ötting, Thorsten; Schäfer-Sparenberg, Carolin:
Erfahrungen aus aufgabenverwandten Forschungsprojekten: Bericht im Rahmen des
Projektes „MultiBus – Das Nahbussystem für den ländlichen Raum“ (Projektphasen I und
II). Wuppertal: WIKUE, 2005.
• Dalkmann, Holger; Schäfer-Sparenberg, Carolin; Ötting, Thorsten:
Marketing- und Kommunikationskonzept in Anlehnung an das Soziale Marketing: Bericht
im Rahmen des Projektes „MultiBus – Das Nahbussystem für den ländlichen Raum“
(Projektphasen I und II). Wuppertal: WIKUE, 2005.
• Dalkmann, Holger; Ötting, Thorsten:
Flexible Angebotsformen: Möglichkeiten zur Kosteneinsparung bei verbessertem
Angebot? In: IMAGO – Innovative Marketing- und Angebotskonzepte in Gemeinden mit
Ortsbussystemen: Berichte aus einem Projekt im BMBF-Förderschwerpunkt „Personenverkehr für die Region“. Paderborn: Univ. Paderborn, 2004, S. 83–98.
• Impacts of energy use on demand for freight transport: past development and future
perspectives. In: Energy savings: what works & who delivers; ECEEE 2005 Summer
Study Proceedings; volume 2. Stockholm: Europ. Council for an Energy-Efficient
Economy, 2005, p. 697–708.
Ott, Hermann E.:
• The European Union – a strategic actor for sustainable global governance. In:
Rechkemmer, Andreas (Ed.): UNEO – towards an international environment organization:
approaches to a sustainable reform of global environmental governance. Baden-Baden:
Nomos-Verl.-Ges., 2005, S. 225–232.
• Eintritt in das post-fossile Zeitalter? Das Kyoto-Protokoll 2005. In: Politische Ökologie,
22 (2004), 91/92, S. 103–104.
• Die Klimapolitik wird erwachsen: zehn Jahre UN-Konvention; der Emissionshandel
mausert sich zum Transmissionsriemen. In: Frankfurter Rundschau, 2004, 79, 02.04.2004,
S. 8.
• Au royaume des aveugles … In: Courrier de la planète, 2004, 72, S. 36–37.
• Brouns, Bernd; Ott, Hermann E.:
Schutz biologischer Vielfalt durch internationale Klimaschutzvereinbarungen? In:
Bio­diversität und Klima: Vernetzung der Akteure in Deutschland. Bonn: Bundesamt für
Naturschutz, 2005, S. 66–67.
• Solidarity understood correctly. In: Development and cooperation, 32 (2005), 5,
p. 207–209.
• Richtig verstandene Solidarität. In: Entwicklung und Zusammenarbeit, 46 (2005), 5,
S. 207–209.
• Climate policy beyond 2012: towards an adequate and equitable global climate agreement.
In: ECO, 2004, 11, S. 121.
• Ott, Hermann E.; Santarius, Tilman:
Global climate. In: Yearbook of international environmental law, 14 (2003), Oxford Univ.
Publ. 2005, p. 272–279.
• Ott, Hermann E.; Brouns, Bernd; Sterk, Wolfgang; Wittneben, Bettina:
It takes two to tango: climate policy at COP 10 in Buenos Aires and beyond. In: Journal
for European environmental & planning law, 2 (2005), p. 84–91.
• Ott, Hermann E.; Chung, Min-ku:
Die Europäische Union als strategischer Akteur für globale Nachhaltigkeit. In: Technik­
folgenabschätzung – Theorie und Praxis, 14 (2005), 1, S. 86–94.
• Das „alte“ Europa – strategischer Akteur für globale Nachhaltigkeit. In: Altner, Günter
(Hrsg.): Jahrbuch Ökologie 2006, München: Beck, 2005, S. 11–19.
179
Ramesohl, Stephan:
Perspektiven für eine nachhaltige Wasserstoffenergiewirtschaft. In: Wissenschaftszentrum
Nordrhein-Westfalen: Das Magazin, 15 (2004), 1, S. 30–32.
• Ramesohl, Stephan; Mitze, Dirk:
Lehren des Blackouts: Energiewirtschaft braucht Strategie für ihre Stromnetze. In: VDINachrichten, 2004, 33, 13.08.2004, S. 11.
• Fischedick, Manfred; Ramesohl, Stephan; Merten, Frank; Schüwer, Dietmar;
Barthel, Claus; Hanke, Thomas:
Der Beitrag regenerativer Energien und rationeller Energienutzung zur wirtschaftlichen
Entwicklung in Nordrhein-Westfalen: Analyse und Bewertung von Zukunftstechnologien,
deren Auswirkungen auf die Wirtschaftsstruktur und Ableitung technologiepolitischer
Handlungsempfehlungen; Endbericht I. Wuppertal: WIKUE, 2004.
• Worrell, Ernst; Ramesohl, Stephan; Boyd, Gale:
Advances in energy forecasting models based on engineering economics. In: Annual
review of environment and resources, 29 (2004), p. 345–381.
• Fischedick, Manfred; Nitsch, Joachim; Ramesohl, Stephan:
The role of hydrogen for the long term development of sustainable energy systems: a case
study for Germany. In: Solar energy, 78 (2005), p, S. 678–686.
• Merten, Frank; Ramesohl, Stephan; Fischedick, Manfred:
Where will the alternative fuel hydrogen come from? In: ECO, 2004, 10, p. 129.
• Fischedick, Manfred; Merten, Frank; Ramesohl, Stephan:
Sustainable fuels for a sustainable future. In: Bossel, Ulf (Ed.): The fuel cell world:
proceedings; 28 June – 2 July 2004, Lucerne, Switzerland. Oberrohrdorf: Europ. Fuel Cell
Forum, 2004, p. 55–65.
Reutter, Oscar:
• Hennicke, Peter; Reutter, Oscar:
Nachhaltigkeitsforschung des Wuppertal Instituts. In: BDVB aktuell, 2004, 84, S. 12–15.
• Anwendungsorientierte Nachhaltigkeitsforschung. In: Wissenschaftszentrum NordrheinWestfalen: Das Magazin, 15 (2004), 1, S. 25–27.
Riechert, Dorle:
• Riechert, Dorle [Red.]:
Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie: Jahrbuch 2003/2004. Wuppertal:
WIKUE, 2004.
• Luhmann, Hans-Jochen; Riechert, Dorle; Irrek, Wolfgang [Red.]:
Wuppertal Bulletin zu Instrumenten des Klima- und Umweltschutzes, Wuppertal:
WIKUE. http://www.wupperinst.org/wuppertal-bulletin/index.html
180
Jahrbuch 2004/2005
Ritthoff, Michael:
• Ritthoff, Michael; Rohn, Holger; Liedtke, Christa:
Vycislenija MIPS: resursnaja produktivnost‘ produkcii i uslug (Calculating MIPS, in
russ. Sprache). In: Sergienko, Olga (Ed.): Osnovy teorii eko-effektivnosti. St. Petersburg:
SPbGUNiPT, 2004, p. 30–64.
• MIPS-laskenta: tuotteiden ja palveluiden luonnonvaratuottavuus. Wuppertal [u.a.]:
WIKUE [u.a.], 2004 (Wuppertal Spezial 27fi).
Rohn, Holger:
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
Meier, Stefan; Baedeker, Carolin; Rohn, Holger:
SAFE in die Zukunft des Bäckereihandwerks. In: FactorY, 2005, 2, S. 10.
Merten, Thomas; Rohn, Holger:
Faktor X: Ökoeffizienz im Unternehmen. In: RKW-Magazin, 56 (2005), 1, S. 14–15.
Sustainable Excellence: Ressourceneffizienz auf Geschäftsprozessebene. In: kompakt
(Hrsg.): Zukunftssicherung durch nachhaltige Kompetenzentwicklung in kleinen und
mittleren Unternehmen der Ernährungswirtschaft, 2005.
Baedeker, Carolin; Meier, Stefan; Rohn, Holger:
SAFE – ein Instrument zur Unterstützung einer zukunftsfähigen Unternehmensentwicklung. In: kompakt (Hrsg.): Zukunftssicherung durch nachhaltige Kompetenzentwicklung
in kleinen und mittleren Unternehmen der Ernährungswirtschaft, 2005.
Baedeker, Carolin; Rohn, Holger:
Die Entwicklungspartnerschaft kompakt: Nachhaltigkeit durch Kooperation und Netzwerk­
bildung fördern. In: kompakt (Hrsg.): Zukunftssicherung durch nachhaltige Kompetenzentwicklung in kleinen und mittleren Unternehmen der Ernährungswirtschaft, 2005.
Empowerment in KMU. In: Empowerment: eine Handreichung für die Projektarbeit im
Rahmen der Gemeinschaftsinitiative EQUAL. Bonn: Bundesministerium für Wirtschaft
und Arbeit, 2005, S. 33–36.
Westermann, Udo; Rohn, Holger; Baedeker, Carolin; Geßner, Christian:
Kompaktnet.de – das Informationsportal für eine zukunftsfähige Ernährungswirtschaft. In:
kompakt (Hrsg.): Zukunftssicherung durch nachhaltige Kompetenzentwicklung in kleinen
und mittleren Unternehmen der Ernährungswirtschaft, 2005.
Merten, Thomas; Westermann, Udo; Rohn, Holger; Baedeker, Carolin; Kölle, Axel:
Der initiale Nachhaltigkeitscheck: Wissen, wo Ihr Unternehmen heute steht! Nachhaltigkeitsprofil der Ernährungswirtschaft auf Basis durchgeführter Selbstbewertungen von 230
Unternehmen. In: kompakt (Hrsg.): Zukunftssicherung durch nachhaltige Kompetenzentwicklung in kleinen und mittleren Unternehmen der Ernährungswirtschaft, 2005.
Baedeker, Carolin; Meier, Stefan; Rohn, Holger:
Kommunikation und Qualifizierung für nachhaltigkeitsorientierte Organisationsentwicklung. In: Michelsen, Gerd (Hrsg.): Handbuch Nachhaltigkeitskommunikation. München:
Ökom, 2005, S. 629–640.
Liedtke, Christa; Kaiser, Claudia; Rohn, Holger:
Organisationales und lebenslanges Lernen: Fortschritt statt Stagnation für eine nachhaltige
Entwicklung. In: Betriebliche Instrumente für nachhaltiges Wirtschaften: Konzepte für die
Praxis. Köln: Dt. Inst.-Verl., 2004, S. 53–60.
Rohn, Holger; Engelmann, Tobias:
Nachhaltige Unternehmensentwicklung: ein neues Geschäftsfeld für Berater? In:
Freimann, Jürgen (Hrsg.): Akteure einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung.
München [u.a.]: Hampp, 2004, S. 125–146.
Veröffentlichungen
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• Sergienko, Olga; Rohn, Holger (Eds.):
Osnovy teorii eko-effektivnosti: monografija. St. Petersburg: SPbGUNiPT, 2004 [Basics
of the eco-effiuciency theory: monograph].
• Busch, Timo; Rohn, Holger:
Eko-effektivnost‘ kak instrument upravlenija: prepjatstvija i prakticeskoe primenenie v
permanii (Eco-efficiency as a management tool, in russ. Sprache). In: Sergienko, Olga
(Ed.): Osnovy teorii eko-effektivnosti. St. Petersburg: SPbGUNiPT, 2004, p. 150–160.
• Ritthoff, Michael; Rohn, Holger; Liedtke, Christa:
Vycislenija MIPS: resursnaja produktivnost‘ produkcii i uslug (Calculating MIPS, in
russ. Sprache). In: Sergienko, Olga (Ed.): Osnovy teorii eko-effektivnosti. St. Petersburg:
SPbGUNiPT, 2004, p. 30–64.
• MIPS-laskenta: tuotteiden ja palveluiden luonnonvaratuottavuus. Wuppertal [u.a.]:
WIKUE [u.a.], 2004 (Wuppertal Spezial 27fi).
Sachs, Wolfgang:
• Ressourcengerechtigkeit: vier Leitbilder für die aufsteigende Weltgesellschaft. In: Impulse
für eine Welt in Balance: zum Start eines globalen Netzwerks im Rahmen des Deutschen
Evangelischen Kirchentags Mai 2005 in Hannover. Hamburg: Global Marshall Plan
Initiative, 2005, S. 295–301.
• Ecologia e diritti umani. In: Ad gentes, 9 (2005), 1, p. 89–108.
• Ambiente e sviluppo: un patto per l‘equità. In: Vita e pensiero, 88 (2005), 3, p. 29–36.
• Unwirtschaftliches Wachstum: der Ökologe. In: Frankfurter Rundschau, 2005,
01.07.2005, S. 29.
• Ökologie – die neue Farbe der Gerechtigkeit. Der globale Konflikt um den Umweltraum
und die Frage nach den Menschenrechten. In: Hirsch, Klaus (Hrsg): Zwischen Sicherheitskalkül, Interesse und Moral. Beiträge zur Ethik der Entwicklungspolitik. Frankfurt: IKO,
2005, S. 15–32.
• Nord-Süd-Gerechtigkeit im 21. Jahrhundert. Joachim Wille im Gespräch mit Wolfgang
Sachs. In: Zeitschrift Entwicklungspolitik (2005), 12/13, S. 57–59.
• (ed) Dizionario dello sviluppo. Nuova edizione. Mit neuem Vorwort. Milano: Ed. Gruppo
Abele, 2004.
• Den Fußabdruck der Reichen verkleinern: Erneuerbare Energien – eine Frage der
­Gerechtigkeit zwischen Nord und Süd. In: Die ökologischen Grenzen der Globalisierung:
Analysen und Alternativen. Verden: BUND Verden, 2004, S. 54–56.
• Renewable energies as a matter of equity between North and South. In: Bücheler, Joachim
(Hrsg.): Praktische Visionen: Festschrift zum 60. Geburtstag von Hermannn Scheer.
Bochum: Ponte Press, 2004, S. 86–88.
• Sachs, Wolfgang; Santarius, Tilman [Projektleiter und Autoren. Weitere Autoren:
Dirk Aßmann …]:
Fair Future: begrenzte Ressourcen und globale Gerechtigkeit; ein Report, herausgegeben
vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. München: Beck, 2005.
• Sachs, Wolfgang; Santarius, Tilman:
Wie viel Wasser für wen? In: Le Monde diplomatique, März 2005, S. 9–10.
Santarius, Tilman:
• Ott, Hermann E.; Santarius, Tilman:
Global climate. In: Yearbook of international environmental law, 14 (2003), Oxford Univ.
Publ. 2005, p. 272–279.
182
Jahrbuch 2004/2005
• Sachs, Wolfgang; Santarius, Tilman [Projektleiter und Autoren. Weitere Autoren:
Dirk Aßmann …]:
Fair Future: begrenzte Ressourcen und globale Gerechtigkeit; ein Report, herausgegeben
vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. München: Beck, 2005.
• Sachs, Wolfgang; Santarius, Tilman:
Wie viel Wasser für wen? In: Le Monde diplomatique, März 2005, S. 9–10.
Schäfer-Sparenberg, Carolin:
• Dalkmann, Holger; Lorenz, Marcel; Ötting, Thorsten; Schäfer-Sparenberg, Carolin:
Erfahrungen aus aufgabenverwandten Forschungsprojekten: Bericht im Rahmen des
Projektes „MultiBus – Das Nahbussystem für den ländlichen Raum“ (Projektphasen I und
II). Wuppertal: WIKUE, 2005.
• Dalkmann, Holger; Schäfer-Sparenberg, Carolin; Ötting, Thorsten:
Marketing- und Kommunikationskonzept in Anlehnung an das Soziale Marketing: Bericht
im Rahmen des Projektes „MultiBus – Das Nahbussystem für den ländlichen Raum“
(Projektphasen I und II). Wuppertal: WIKUE, 2005.
• Caratto, Pietro; Dalkmann, Holger; Lanzetta, Dora; Schäfer, Carolin:
Applying a SEA approach to the Olympic Games Programmes in Germany and Italy:
towards more sustainable games. In: Beriatos, Elias (Ed.): Sustainable planning and
development. Southampton [u.a.]: WIT Press, 2004, p. 191–201.
• Dalkmann, Holger; Schäfer-Sparenberg, Carolin; Herbertz, Ralph:
Eventkultur und nachhaltige Mobilität: Widerspruch oder Potenzial? Wuppertal: WIKUE,
2004 (Wuppertal Papers 147).
• Bongardt, Daniel; Dalkmann, Holger; Schäfer-Sparenberg, Carolin:
Chancen für eine umweltverträglichere Mobilität: Was kann die strategische Umwelt­
prüfung leisten? In: Verkehrszeichen, 20 (2004), 4, S. 15–20.
Schallaböck, Karl Otto:
• Der Luftverkehr zwischen Verkehrsbedarf und Klimaschutzerfordernissen. In: Loske,
Reinhard (Hrsg.): Die Zukunft der Infrastrukturen: Intelligente Netzwerke für eine
nachhaltige Entwicklung. Marburg: Metropolis-Verlag, 2005, S. 289–317.
• Schallaböck, Karl Otto; Dalkmann, Holger:
Je feiner, desto schlimmer: Deutschland wacht beim Feinstaub auf. In: Wuppertal Bulletin
zu Instrumenten des Klima- und Umweltschutzes, 8 (2005), 1, S. 10–13.
Scherhorn, Gerhard:
• Eine Frage der Verantwortung: Kommerz und nachhaltige Entwicklung. In: Politische
Ökologie, 23 (2005), 94, S. 30–33.
• Wo bleibt der nachhaltige Konsum? In: Zeitschrift für Nachhaltigkeit, 2005, 1, S. 10–21.
• Markt und Wettbewerb unter dem Nachhaltigkeitsziel. In: Zeitschrift für Umweltpolitik
und Umweltrecht, 28 (2005), 2, S. 135–154.
• Gleiche Chancen für das Kapital. In: Woltron, Klaus (Hrsg.): Wege in den Postkapitalismus. Wien: Ed. Selene, 2004, S. 79–94.
• Scherhorn, Gerhard; Lucia A. Reisch:
Kauf- und Konsumverhalten. In: Frey, Dieter (Hrsg.): Wirtschaftspsychologie. Weinheim:
Beltz (Psychologie Verlags Union), 2005, S. 180–187.
• Winterfeld, Uta von; Bierter, Willy; Scherhorn, Gerhard; Schön, Susanne:
Vom Zeitgeist – oder nicht? Thema in vier Variationen für Adelheid Biesecker. In:
Jochimsen, Maren A. (Hrsg.): Lebensweltökonomie. Bielefeld: Kleine, 2004, S. 237–261.
Veröffentlichungen
183
Schmitt, Martina:
• TätigSein? Regionalgeschichte als Geschichte der Hervorbringung von Tätigkeitsräumen.
Bremen: Univ. Bremen, 2004 (Bremer Diskussionspapiere zur Institutionellen Ökonomie
und Sozial-Ökonomie; 60).
• Kristof, Kora; Schmitt, Martina; Tunçer, Burcu; Lubjuhn, Sarah:
Erfolgreich sein – erfolgreich bleiben: Unternehmens-Check für Unternehmen mit
türkischem Migrationshintergrund; ökonomische, soziale und ökologische Erfolgsfaktoren
für kleinere und mittlere Unternehmen. Wuppertal: WIKUE, 2004 (Wuppertal Spezial 32).
• Basariyi yakalayin, sürekli kilin: türk kökenli girisimciler için „Isletme Check-up“i; küçük
ve ora ölçekli isletmeler için ekonomik, ekolojik ve sosyal basari faktörleri. Wuppertal:
WIKUE, 2004 (Wuppertal özel 32).
Schüle, Ralf:
• Emissionshandel. In: Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen: Das Magazin, 15
(2004), 1, S. 28.
• Schüle, Ralf; Fischedick, Manfred; Lechtenböhmer, Stefan:
Ablass vom Handel: Strukturprobleme bei der Einführung des Emissionshandels in
Deutschland. In: Wuppertal Bulletin zu Instrumenten des Klima- und Umweltschutzes, 7
(2004), 2, S. 25–30.
Helmut Schütz:
• Van der Voet, E.; van Oers, L.; Moll, Stephan; Schütz, Helmut; Bringezu, Stefan;
de Bruyn, S.; Sevenster, M.; Warringa, G.:
Policy Review on decoupling: Development of indicators to assess decoupling of
economic development and environmental pressure in the EU-25 and AC-3 countries.
CML report 166, Leiden: Institute of Environmental Sciences (CML), Leiden: Leiden
University, Department Industrial Ecology, 2005. www.leidenuniv.nl/cml/ssp/
• Bringezu, Stefan; Schütz, Helmut; Steger, Sören; Baudisch, Jan:
International comparison of resource use and its relation to economic growth: the
development of total material requirement, direct material inputs and hidden flows and
the structure of TMR. In: Ecological economics, 51 (2004), 1/2, p. 97–124.
Schüwer, Dietmar:
• Fischedick, Manfred; Schüwer, Dietmar; Hanke, Thomas; Esken, Andrea:
Ökologische Gesamtbewertung der Heizkraftwerke der Wuppertaler Stadtwerke unter
Berücksichtigung der Modernisierung des Heizkraftwerkes Barmen: Gutachten im
Auftrag der Wuppertaler Stadtwerke AG, Endbericht. Wuppertal: WIKUE, 2005.
• Fischedick, Manfred; Ramesohl, Stephan; Merten, Frank; Schüwer, Dietmar;
Barthel, Claus; Hanke, Thomas:
Der Beitrag regenerativer Energien und rationeller Energienutzung zur wirtschaftlichen
Entwicklung in Nordrhein-Westfalen: Analyse und Bewertung von Zukunftstechnologien,
deren Auswirkungen auf die Wirtschaftsstruktur und Ableitung technologiepolitischer
Handlungsempfehlungen; Endbericht I. Wuppertal: WIKUE, 2004.
Seifert, Eberhard K.:
• EPE according to ISO 14031: concept, experience, and revision issues. In: Hilty, Lorenz
M. (Ed.): Information systems for sustainable development. Hershey, PA: Idea Group,
2005, p. 1–13.
184
Jahrbuch 2004/2005
Seifried, Dieter:
• Berlo, Kurt; Seifried, Dieter:
Kommunen nutzen Bürgercontracting zur energetischen Sanierung von Schulen:
Solar&Spar-Projekte mit eindrucksvoller Klimabilanz. In: Wuppertal Bulletin zu Instrumenten des Klima- und Umweltschutzes, 8 (2005), 1, S. 7–9.
Spitzner, Meike:
• Netzgebundene Infrastrukturen unter Veränderungsdruck: Entwicklung eines GenderAnalyse-Konzepts zu Privatisierung, Liberalisierung und sozialökologischer Regulation.
In: Der öffentliche Sektor, 31 (2005), 1–2, S. 55–78.
• Netzgebundene Infrastrukturen unter Veränderungsdruck: Gender-Analyse am Beispiel
ÖPNV. Berlin: Dt. Inst. f. Urbanistik, 2004 (netWorks-Papers 13).
• Brouns, Bernd; Spitzner, Meike:
Gender – the forgotten pillar of international climate policy. In: Sustainable energy news,
2004, 47, p. 6–7.
• Genanet; AG Frauen im Forum Umwelt & Entwicklung; Bauer, Uta; Becker, Anja;
Franz-Balsen, Angela; Gottschlich, Daniela; Hoffmann-Altmann, Uta; Katz, Christine;
Mathes, Maite; Mölders, Tanja; NRO-FrauenForum/ Womnet; Rodenberg, Birte;
Röhr, Ulrike; Spitzner, Meike; Stiefel, Elisabeth; Teherani-Krönner, Parto:
Positionen zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie aus der Geschlechterperspektive.
Frankfurt a.M., 2004 (genaStudien Band 1). http://www.genanet.de/fileadmin/downloads/
Studien/genaS_1_NHS.pdf
Steger, Sören:
• Bringezu, Stefan; Schütz, Helmut; Steger, Sören; Baudisch, Jan:
International comparison of resource use and its relation to economic growth: the
development of total material requirement, direct material inputs and hidden flows
and the structure of TMR. In: Ecological economics, 51 (2004), 1/2, p. 97–124.
Sterk, Wolfgang:
• Nordrhein-Westfalen und der CDM. In: JIKO Info, 2005, 2, S. 4.
• EU-Osterweiterung schmälert CDM/JI-Potenzial. In: JIKO Info, 2005, 2, S. 1–4.
• Regionale Netzwerke für Klimaschutz und Entwicklungszusammenarbeit. In: JIKO Info,
2004, 4, S. 1–2.
• CDM-Projekte ohne CDM? In: JIKO Info, 2004, 3, S. 6–7.
• COP 9 entscheidet über Senkenprojekte. In: JIKO Info, 2004, 1, S. 1–3.
• CDM-Projekte – Neue Wege für die entwicklungspolitische Arbeit lokaler Initiativen in
Deutschland? [Datei]. Wuppertal: WIKUE, 2004 (WIKUE: Policy Paper 2/2004)
URL: http://www.wupperinst.org/download/1078-neue-wege.pdf
• Wittneben, Bettina; Sterk, Wolfgang:
COP 10 vervollständigt CDM, bringt aber keine neue Bewegung in die internationale
Klimapolitik. In: JIKO Info, 2005, 1, S. 1–3.
• Brouns, Bernd; Sterk, Wolfgang:
Ernüchternde Nachtwache: Die Ergebnisse des Klimagipfels von Buenos Aires. In: Forum
Umwelt & Entwicklung: Rundbrief, 2005, 1, S. 27–28.
• Langrock, Thomas; Sterk, Wolfgang; Arens, Christof:
Die projektbasierten Mechanismen CDM & JI: Einführung und praktische Beispiele.
Berlin: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, 2005.
Veröffentlichungen
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• Ott, Hermann E.; Brouns, Bernd; Sterk, Wolfgang; Wittneben, Bettina:
It takes two to tango: climate policy at COP 10 in Buenos Aires and beyond. In: Journal
for European environmental & planning law, 2 (2005), 2, p. 84–91.
• Langrock, Thomas; Sterk, Wolfgang:
The developing market for CERs: current status and challenges ahead. In: Journal for
European environmental & planning law, 2 (2005), 2, S. 101–111.
• Sterk, Wolfgang; Lechtenböhmer, Stefan; Bunse, Maike:
The impact of EU emissions trading and the linking directive on the potential for joint
implementation (JI) projects in six EU accession countries. In: Energy savings: what
works & who delivers; ECEEE 2005 Summer Study Proceedings; volume 3. Stockholm:
Europ. Council for an Energy-Efficient Economy, 2005, p. 1441–1452.
• Sterk, Wolfgang; Bunse, Maike:
Sinnvoller Klimaschutz oder Ablasshandel? Die freiwillige Kompensation von Treibhausgasemissionen. In: Ökologisches Wirtschaften, 2005, 2, S. 9–10.
• Klimaschutz oder Ablasshandel? CO2-Minderungszertifikate; wer Treibhausgase durch
professionelle Anbieter ausgleichen lässt, sollte auf seriöse Angebote achten. In: Punkt.
um, 2004, 12, S. 2–3.
• Vom Skeptiker zum Großnutzer der flexiblen Kyoto-Mechanismen: Die Richtlinie zum
Einbezug von CDM und JI in den EU-Emissionshandel als Abschied vom Vorrang
­nationaler Maßnahmen. In: Wuppertal Bulletin zu Instrumenten des Klima- und Umweltschutzes, 7 (2004), 2, S. 14–19.
• Voluntary compensation of greenhouse gas emissions [Datei]. Wuppertal: WIKUE, 2004
(Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie: Policy Paper 3/2004). URL: http://www.
wupperinst.org/download/1078-compensation.pdf
• Brouns, Bernd; Sterk, Wolfgang:
Renewables 2004 – wichtige Rolle für CDM und JI beim Ausbau der erneuerbaren
Energien. In: JIKO Info, 2004, 3, S. 3–4.
• Sterk, Wolfgang; Arens, Christof:
Blowing the Cap? EU Links CDM and JI With EU Emissions Trading [japan.]. In: Eco,
(2004), 8, p. 135.
• Bunse, Maike; Sterk, Wolfgang:
Additionality-Test in der Diskussion. In: JIKO Info, 2004, 4, S. 2–4.
Thomas, Stefan:
• Energieeffizienz – die „vergessene“ Reserve. In: Die politische Meinung, 49 (2004), 419,
S. 21–27.
• Ökonomische Anreize für mehr Umweltschutz in öffentlichen Verwaltungen: eine
Beispiel-Studie. In: Das Rathaus, 57 (2004), 10, S. 266–267.
• EU-Energiedienstleistungsrichtlinie: endlich Vorrang für das Energiesparen? In: EnergieImpulse, 2004, 4, S. 8–9.
• Wagner, Oliver; Lechtenböhmer, Stefan; Thomas, Stefan:
Energy efficiency – political targets and reality: case study on EE in the residential sector
in the German Climate Change Programme. In: Energy savings: what works & who
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Energy efficiency – political targets and reality: case study on EE in the residential sector
in the German Climate Change Programme. In: Energy savings: what works & who
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WISIONS: fostering sustainable energy projects and spreading good-practice-examples
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• Wallbaum, Holger; Kuhndt, Michael; Tunçer, Burcu; Bunse, Maike:
Innovation-oriented management and responsible corporate governance. In: Bleischwitz,
Raimund (Ed.): Symposium „Governance of markets for sustainability“: conference in
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München: Iudicium-Verlag, 2004, S. 99–107.
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Welfens, Maria J.:
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• Von Mitgliedern zu Kunden. In: Frankfurter Rundschau, 2004, 17.09.2004, S. 24.
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• Sportevents und Nachhaltigkeit. Wuppertal: WIKUE, 38 S., 2005.
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(Hrsg.): Erhalten durch Gestalten: Nachdenken über eine (re)produktive Ökonomie.
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• Braunmühl, Claudia von; Winterfeld, Uta von:
Sustainable governance: reclaiming the political sphere; reflections on sustainability,
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• Biesecker, Adelheid; Winterfeld, Uta von:
Es gibt keine „richtige“ Nachhaltigkeit im „falschen“ Denken: Nachhaltigkeit und
Existenzsicherung. In: Politische Ökologie, 23 (2005), 94, S. 75–77.
• Wertlos? Zur Ausgrenzung natürlicher Produktivität und weiblicher Arbeit bei John Locke
und Adam Smith. Bremen: Univ. Bremen, 2004 (Bremer Diskussionspapiere zur Institu­
tionellen Ökonomie und Sozialökonomie; 58).
• Winterfeld, Uta von; Bierter, Willy; Scherhorn, Gerhard; Schön, Susanne:
Vom Zeitgeist – oder nicht? Thema in vier Variationen für Adelheid Biesecker. In:
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Wittneben, Bettina:
• Ott, Hermann E.; Brouns, Bernd; Sterk, Wolfgang; Wittneben, Bettina:
It takes two to tango: climate policy at COP 10 in Buenos Aires and beyond. In: Journal
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• Wittneben, Bettina; Sterk, Wolfgang:
COP 10 vervollständigt CDM, bringt aber keine neue Bewegung in die internationale
Klimapolitik. In: JIKO Info, 2005, 1, S. 1–3.
• Arens, Christof; Wittneben, Bettina:
Workshop zeigt Perspektiven für Klimaschutzprojekte auf. In: JIKO Info, 2005, 2, S. 5.
• Wittneben, Bettina; Brouns, Bernd:
„Seminar für Regierungsexperten“ stößt Überlegungen zur Reform des CDM an. In: JIKO
Info, 2005, 3, S. 1–2.
190
Das WI in Kürze
Das WI in Kürze
Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen
(FG 1, Leitung: Dr. Manfred Fischedick, Dr. Karl Otto Schallaböck)
Forschungsgruppe 1 befasst sich aus systemanalytischer Sicht mit Techno­
logie- und Infrastrukturfragen. Sie untersucht im Bereich Energie und Mobilität, wie der Übergang in zukunftsfähige Strukturen erfolgen kann und welche
Implikationen und Chancen mit dem Transformationsprozess verbunden sind.
Neben dynamischen Potenzialanalysen sind Technologiebewertungen und das
Auf­zeigen konsistenter Entwicklungspfade (Szenarien, Road Maps) Gegenstand der Arbeiten.
Das Wuppertal Institut erforscht und entwickelt Leitbilder, Strategien und
Instrumente für eine nachhaltige Entwicklung auf regionaler, nationaler und
internationaler Ebene. Im Zentrum steht die Ökologie und deren Wechselbeziehung mit Wirtschaft und Gesellschaft. Die Analyse und Induzierung von Innovationen zur Entkopplung von Naturverbrauch und Wohlstandsentwicklung bilden
einen Schwerpunkt seiner Forschung.
Prof. Dr. Peter Hennicke leitet das Institut als Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer. Die kaufmännische Geschäftsführung obliegt
Brigitte Mutert-Breidbach. Die Gründung erfolgte 1991 als rechtlich selbstständige, gemeinnützige GmbH unter der Leitung von Prof. Dr. Ernst Ulrich
von ­Weizsäcker. Das Institut versteht sich als Mittler zwischen Wissenschaft,
Wirtschaft und Politik und arbeitet dementsprechend anwendungsorientiert. In
den Forschungsgruppen, den Wissenschaftlichen Diensten und in der Adminis­
tration arbeiten ca. 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Rahmen des
Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen (WZN) kooperiert das Wuppertal
Institut mit dem Gelsenkirchener Institut Arbeit und Technik (IAT) und dem
Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) in Essen.
Ein Internationaler Beirat von renommierten Wissenschaftlern berät das
Wuppertal Institut in wissenschaftlichen Fragen. Das Institut führt mit einer
wachsenden Zahl von Projekten Drittmittel finanzierte Auftragsforschung
durch. Es erhält eine Grundfinanzierung vom Land Nordrhein-Westfalen und
ist im Verantwortungsbereich des Ministeriums für Wissenschaft und Forschung NRW angesiedelt.
Die Auftraggeber des Wuppertal Instituts reichen
• in der Politik von den Kommunen der Region über die Ministerien des Landes
und des Bundes, der Europäischen Kommission bis hin zum Wirtschaftministeriums Japans;
• in der Wirtschaft vom mittelständischen Betrieb über Großkonzerne bis hin
zu Branchen und Verbänden;
• in der Zivilgesellschaft von den Kirchen über Gewerkschaften sowie
Umweltverbänden und Stiftungen.
Die Forschung am Institut erfolgt grundsätzlich in interdisziplinär zusammengesetzten Teams, da sich nur so komplexe Fragestellungen einer global nachhaltigen Entwicklung qualitativ hochwertig und praxistauglich beantworten lassen.
Die Schwerpunkte der vier Forschungsgruppen sind:
191
Energie- Verkehrs- und Klimapolitik
(FG 2, Leitung: Stefan Thomas, Stefan Lechtenböhmer)
Forschungsgruppe 2 konzentriert ihre Forschung auf Strategien und Instrumente für eine effektivere und integrierte Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik
auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Im Mittelpunkt
stehen dabei die Synergieeffekte von Politikstrategien, die eine nachhaltige
Entwicklung der Energie- und Verkehrssysteme sowie den Klimaschutz insgesamt fördern.
Stoffströme und Ressourcenmanagement
(FG 3, Leitung: Dr. Stefan Bringezu, Prof. Dr. Raimund Bleischwitz)
Forschungsgruppe 3 untersucht Stoffströme vom Rohstoffabbau bis zur Abfall­
entsorgung unter Einbeziehung des globalen „ökologischen Rucksacks“ und
der Flächennutzung. Sie entwickelt Konzepte, Strategien und Instrumente zur
Förderung der Ressourcenproduktivität und eines nachhaltigen Ressourcen­
managements.
Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren
(FG 4, Leitung Dr. Christa Liedtke, Prof. Dr. Gerhard Scherhorn)
Forschungsgruppe 4 entwickelt Konzepte und Strategien für ein nachhaltigkeitsorientiertes Management von Produktions- und Konsummustern. Damit soll ein
Beitrag zur Entwicklung und Markteinführung von nachhaltigeren Produkten,
Produktionsprozessen und Wirtschaftsweisen erbracht werden.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen Forschungsgruppen
­arbeiten an den Querprojekten:
• Globalisierung und Nachhaltigkeit (Leitung: Dr. Wolfgang Sachs)
• Ökosuffizienz und Lebensqualität (Leitung: Dr. Manfed Linz)
• Integrierte Nachhaltigkeitsszenarien (Leitung: Dr. Manfred Fischedick)
192
Jahrbuch 2004/2005
Wissenschaftliche
Dienste
LWO
WISO
Geschäftsführung
Präsident
Wiss. GF
Administrative
Dienste
Forschungsgruppen
Energie-, Verkehrs- und
Klimapolitik
Integrierte Nachhaltigkeitsszenarien
Globalisierung & Nachhaltigkeit
Ökosuffizienz & Lebensqualität
FG 3
FG 4
Nachhaltiges Produzieren
und Konsumieren
Zukünftige Energie- und
Mobilitätsstrukturen
Querprojekte
Stoffströme und
Ressourcenmanagement
FG 2
Kaufm.
GF
Büro
Berlin
Forschungsgruppen
FG 1
Vizepräsident
Weitere Bereiche:
Büro Berlin (Leitung: Dr. Hermann E. Ott)
Wissenschaftsorganisation und Qualitätssicherung: Dr. Oscar Reutter
Wissenschaftliche Dienste und Organisation (Leitung: Thomas Orbach)
Administration (Leitung Brigitte Mutert-Breidbach)
Kontakt:
Wuppertal Institut
für Klima, Umwelt, Energie GmbH
Döppersberg 19
42103 Wuppertal
Tel. +49 (0) 202 2492-0
Fax: +49 (0) 202 2492-108
E-Mail: [email protected]
Internet: www.wupperinst.org
Wuppertal Institut
Büro Berlin – Hackesche Höfe
Rosenthaler Straße 40/41
10178 Berlin
Tel. +49 (0) 30 2809-5494
Fax: +49 (0) 30 2809-4895
E-Mail: [email protected]
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