Sächsisches Staatsministerium des Innern GRUßWORT DES MINISTERS Der Sächsische Staatspreis für Baukultur wird in diesem Jahr zum ersten Mal ausgelobt. Er löst den in den Jahren 1994 – 2002 verliehenen Sächsischen Staatspreis für Architektur und Bauwesen ab. Der Begriff Baukultur beschränkt sich nicht auf Architektur, sondern umfasst darüber hinaus insbesondere auch Ingenieurbauleistungen, Stadt- und Regionalplanung, Landschaftsarchitektur sowie Kunst im öffentlichen Raum. Vor allem geht es um Wertorientierung wie etwa Nachhaltigkeit, Achtung vor der Geschichte, die Rolle der Landschaft, Mut zum Experiment, Kunst des Bauens, Gestaltung und öffentlicher Raum, Kultur der Verfahren und Integrative Planung. Diesem erweiterten Ansatz von Baukultur entsprechend, hat das Sächsische Staatsministerium des Innern den diesjährigen Preis unter das Thema „Stadtmaßstab Mensch“ gestellt. Die Bewerbungen zeigen die Vielschichtigkeit und die Vernetzung unterschiedlicher Fachbereiche im Stadtorganismus. Aspekte wie Wohnen in der Kernstadt, Urbanität, Bauen für alle, Bewegung in der Stadt oder Stadtraum und Sicherheit sollten in den eingereichten Arbeiten unter dem Aspekt des gemeinsamen Handelns miteinander in Beziehung stehen. Mit dem NaturErlebnisBad in Großenhain wird ein Vorhaben mit dem 1. Sächsischen Staatspreis für Baukultur gewürdigt, das durch unspektakuläre Innovationen im ökologischen, ökonomischen und sozialen Zusammenspiel vielseitig Vorbildcharakter für die sächsische Baukultur hat. Mein Dank gilt dem Bewertungsgremium sowie allen Teilnehmern. Ich gratuliere den Preisträgern und freue mich über alle Projekte, die unsere sächsischen Städte und Gemeinden bereichern. Horst Rasch Sächsischer Staatsminister des Innern SÄCHSISCHER S TTA AA TSPREIS AT FÜR BA U K U LLT TUR AU 2003 S Ä C H S I S C H E R S T A A T S P R E I S F Ü R B A U K U L T U R 2 0 0 3 NATURERLEBNISBAD STADT GROßENHAIN Nutzer: Stadt Großenhain Entwurfsverfasser: Weidinger Landschaftsarchitekten und Springer Architekten Ausführende Unternehmen: NSG Sanierungsgesellschaft in der Niederlausitz mbH und Serfling Gala GmbH Das Naturerlebnisbad in Großenhain entspricht in hervorragender Weise dem Stadtmaßstab Mensch. Die Badanlage im Herzen der Stadt Großenhain ist keine spektakuläre Neuinszenierung sondern die Umnutzung des ehemaligen Carolabades im Sinne eines optimalen Umgangs mit den ökologischen Ressourcen. Entlang des Flusslaufes der Röder ist das Bad Bestandteil und Höhepunkt des Grünzuges zugleich, der mit der Landesgartenschau neu gestaltet wurde. Kurze Fußwege aus dem Stadtzentrum und den südöstlich angrenzenden Wohngebieten führen zum Bad in der Flussaue. Der Standort ist gut in das Straßensystem eingebunden, ohne dass der fließende Verkehr stört. Ausreichend Parkplätze befinden sich in Nähe zum Badeingang. Für die Stadtentwicklung ist das Bad zukunftsweisend und impulsgebend. Das Bad ist Knotenpunkt zwischen urbaner Dichte und großzügigem Landschaftsraum. Sensibel und sachlich – dem Benutzer angepasst, harmonieren in der Badanlage Architektur und Freiraumgestaltung miteinander. Klar geführte Gebäudekanten, Wege und Stege – großzügige Wasser-, Grünund Spielflächen überzeugen mit der Ruhe ihrer Formensprache und ihrer hohen Funktionalität. Bauwerk, Außenanlagen und Badtechnik-Anlagen sind fein durchgearbeitet und dokumentieren bis ins Detail ein gutes Zusammenspiel der am Bau Beteiligten. Das Naturerlebnisbad zeigt, dass Gutes nicht immer teuer sein muss und gut durchdachte Funktionen ökonomisches Haushalten ermöglichen. Die Zurückhaltung des Neuen inszeniert und inspiriert seine Benutzer. Das Bad gibt den Rahmen für Bewegung in Wasser und an Land und bietet ausreichend Platz für Aktion und Erholung. Als Anziehungspunkt für Einwohner und Gäste bereichert es entschieden das soziale Miteinander in der Stadt. Das Naturerlebnisbad zeigt den Einklang von gebauter und gestalteter Umwelt mit seiner Umgebung – ein nachhaltiger Beitrag für unsere sächsische Baukultur. NATURERLEBNISBAD GROßENHAIN Das ehemalige Carolabad Badespaß in ungechlortem Wasser Funktionsgebäude Funktionsgebäude und Sprungfelsen Parkanlage in der Röderaue NaturErlebnisBad Großenhain hat die einmalige Chance, neue gestalterische und funktionale Qualitäten in frei werdenden Stadträumen zu entwickeln und die langfristig zu erhaltende Siedlungsstruktur nachhaltig und im Interesse des Gemeinwohls aufzuwerten, genutzt. Ein gutes Beispiel für diesen Entwicklungsprozess stellt die Umgestaltung zum N aturEE rlebnisBB ad (NEB) dar. Es liegt im Bereich des Rödergrünzuges, unweit des Stadtzentrums und bildet damit das unmittelbar angrenzende Erholungsgebiet. Schon in der Wettbewerbsarbeit zur 3. Sächsischen Landesgartenschau 2002 (LGS) haben sich die Planer von dem Glitzern des Wassers inspirieren lassen. Großenhain hat eine lange Badetradition. Im Bereich des ehemaligen Carolabades wurde das NEB als technisches Bad mit biologischer Wasseraufbereitung errichtet. Im Rahmen des Pilotprojektes, welches auch von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt unterstützt wurde, stand das Sammeln von Erfahrungen für diese neuartige Bauweise und deren Weitergabe an andere Kommunen und Planer immer im Vordergrund. Auch die Integration in die LGS bot zudem einen hervorragenden Rahmen, um die naturnahe, auf Nachhaltigkeit angelegte Badkonzeption einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Das neue und moderne N aturEE rlebnisBB ad, dessen Name schon den Sinn der Anlage nach Natur erleben, Naturbad und Erlebnis vermittelt, hat auf Grund seiner Lage zum Stadtkern einen enormen Standortvorteil. Die enge Zusammenarbeit zwischen der Stadt Großenhain als Bauherr, der LGS GmbH 2002, den Planern Weidinger Landschaftsarchitekten und Springer Architekten, Berlin, dem Betreiber, den Bürgern und der Genehmigungsbehörde führte zu einer konstruktiven Projektarbeit mit S Ä C H S I S C H E R S T A A T S P R E I S F Ü R B A U K U L T U R dem Ziel der ästhetisch langandauernden Wirkung in Verbindung mit dem Umfeld. Die trotz europaweiter Ausschreibung meist sächsischen Firmen leisteten eine gute Arbeit. Die Freianlagen – und insbesondere die Gebäudegestaltung, die einen der heutigen Zeit angepassten hohen technischen Ausstattungsgrad aufweisen, lehnten sich an die Gestaltung des historischen Carolabades an. Das Gebäude in Holzbauweise weist eine natürliche Belüftung und Belichtung auf, was sich auf die Betriebskosten positiv niederschlägt. Die Verwendung von Natursteinmaterialien für Wege- und Platzflächen hat sich insbesondere in den Nassbereichen bewährt. Die Sprungklippe aus Sandsteinblöcken inmitten des Schwimmerbereiches, die auch als Sonnenbank genutzt werden kann, ist ein besonderer Anziehungspunkt. Mit der Integration des NEB in das Gelände der LGS wurde eine künstlerische Arbeit einbezogen. Die „Gabe des Wassers“, eine wasserspendende Hand im Reinigungsteich, wurde aus neuartigem Gewebebeton hergestellt. Jacki Brookner aus New York identifizierte sich mit den Wasserflächen und gestaltete diese Plastik. 2 0 0 3 Funktionsgebäude mit Steg Querschnitt Großenhain und Röderaue In Verbindung mit mehreren Parkplätzen, vier Caravanstellplätzen mit Versorgungsstation, kann auch der Tagestourist diese Anlage besuchen. Das gesamte Bad ist behindertengerecht ausgebaut. Das N aturEE rlebnisBB ad Großenhain ist besonders richtungsweisend, weil es das bisher einzige seiner Größe ist und durch Tiefbrunnen mit Frischwasser versorgt wird. Das mittels Filteranlage aufbereitete Grundwasser wird dem Schwimmteich zugeleitet. Ein Spielbach ist gleichzeitig Wasserzufuhr und Spielmöglichkeit für Kleinkinder. Das zu reinigende Wasser des Schwimmteiches läuft über eine Überlaufrinne in ein Wasserreservoir, wo die groben Reststoffe abgetrennt werden. Ein Pumpensystem befördert das Wasser dann in den Reinigungsteich, der mit einem Bodenkiesfilter ausgestattet ist und in dem sich über 3500 Pflanzen befinden, die diesen Reinigungsprozess unterstützen und als Biotop zahlreichen Insekten Nahrung bieten. Das gereinigte Wasser wird dem Schwimmteich erneut zugeführt. Badtreppe Liegewiese Naturerlebnisbad in der Röderaue Sprungklippe Pumpe Schwimmteich Überlaufrinnen Hauptwindrichtung Regeneration Grundwasseraufbereitungsanlage Wasserkreislauf Das N aturEE rlebnisBB ad Großenhain ist in seinen Gesamtkosten mit rund 3,6 Mio Euro nicht grundsätzlich mit anderen Standorten vergleichbar. Wesentlich sind die Größe und Lage, das hoch anstehende Grundwasser der Aue und die Ausstattung. Es hat sich in den Betriebsjahren gezeigt, dass eine solche Art von Badeanlage ohne Chlor insbesondere Familien mit kleinen Kindern auch aus der weiteren Umgebung und dem Oberzentrum Dresden anspricht. Es hat sich gelohnt. Der wichtigste innerstädtische Grünzug erfuhr eine nachhaltige Aufwertung zum Nutzen der Bewohner und Besucher der Stadt Großenhain. Spielbach Blick zum Sprungfelsen FACHHOCHSCHULE ZITTAU-GÖRLITZ Gesamtplan der Landesgartenschau Großenhain 2002 ENGERE WAHL S Ä C H S I S C H E R S T A A T S P R E I S F Ü R B A U K U L T U R 2 0 0 3 UMGESTALTUNG INNERSTÄDTISCHER FLÄCHEN FRANKENBERG/SACHSEN Nutzer: Stadt Frankenberg/Sa. Entwurfsverfasser: Architektengemeinschaft Sporbert & Krettek Ausführende Unternehmen: Chemnitzer Verkehrsbau GmbH und Uhlich Bau GmbH und Co. KG Die Gestaltung der Platzräume im Zentrum von Frankenberg ist in ansprechender Weise der anspruchsvollen, komplexen Aufgabe gerecht geworden. Positiv beurteilt werden die Lösungen für den ruhenden Verkehr, den Öffentlichen Personen-Nah-Verkehr und die Herausnahme des Durchgangsverkehrs und die bis zum Detail durchgehaltene Gestaltungsqualität einzelner Ausstattungselemente. Die nutzungsbezogene Differenzierung der Plätze und die dabei erzeugte Aufenthaltsqualität wurde begrüßt. Besonders überzeugt haben die Bereiche, die im Interesse einer Nutzungsvielfalt und Flexibilität mit reduzierten Mitteln nutzungsoffen gestaltet werden mussten. UMGESTALTUNG INNERSTÄDTISCHER FLÄCHEN FRANKENBERG/SACHSEN Postmeilensäule Teil der Wasserachse Stellplätze Schloßstraße Rundbank Stadtgestaltung Frankenberg Frankenberg mit ca. 18.000 Einwohnern, im Landkreis Mittweida, wird städtebaulich maßgeblich durch die zum zentralen Bereich der Stadt gehörenden Areale, Markt, Kirchplatz, Humboldtstraße, Schloßstraße, Freiberger Straße und Baderberg geprägt. Die Stadtverwaltung Frankenberg lobte 1997 einen Wettbewerb zur Umgestaltung dieser innerstädtischen Flächen aus. Die Gewinner dieses Wettbewerbes, die Architektengemeinschaft Sporbert + Krettek, planten auf der Grundlage der Ergebnisse von 1998-2003 die Neugestaltung dieser zentralen Bereiche. Der unmittelbare Zusammenhang der Straßen und Plätze sollte trotz der unterschiedlichen Entstehungszeiten deutlich werden. Für die städtebaulich dominierenden Plätze, den Markt und den Kirchplatz, wurden verschiedene Varianten erarbeitet, um die Möglichkeiten der Nutzung vielfältig zu gestalten. Die Planungsaufgabe umfasste neben gestalterischer Akzentuierung auch Tiefbau- und Elektroplanung. Der gesamten Stadtmöblierung liegt ein von der Architektengemeinschaft Sporbert + Krettek entwickeltes Ausstattungsprogramm zugrunde. Großgrün S Ä C H S I S C H E R Wartebereich S T A A T S P R E I S F Ü R B A U K U L T U R Kichplat Kirchgasse Kichplatzz //Kirchgasse Der nur teilbefestigte Bereich, mit überwiegender Stellplatzfunktion, war als innerstädtischer Raum so zu konzipieren, dass die Platzstruktur die maßgeblichen Baufluchten der umgebenden Bebauung reflektiert und durch die Zuordnung von Erlebnisbereichen zur attraktiven Zentrumsfläche für Fußgänger wird. Dem Grundgedanken wurde durch die gestalterisch tragende Wasserachse entsprochen, die den Platz gliedernd auf die städtebaulich dominante Kirche ausrichtet. Die weitere Gliederung des Platzes erfolgte durch die Zuordnung von Großgrün in der Form, dass Hauptlaufrichtungen gepaart mit Sitzmöglichkeiten durch Bäume gefasst werden und in der städtebaulichen Gesamtwirkung die markante Dreieckswirkung des Platzes unterstreichen. Der rollstuhlgerechte Zugang zur Kirche dient gleichzeitig als Kleinbühne, auf diese Nutzung ausgerichtet, wurden Sitzblöcke aus Granit zugeordnet. Die vorherrschenden Materialien des Platzes sind Granit, Edelstahl, Betonstein mit gliedernden Granitpflasterbereichen und für den Bereich unmittelbar um die Kirche Großpflaster aus Mittweidaer Granit. 2 0 0 3 Schloßstraße Die Schloßstraße war Durchgangsstraße mit weiterführender Querung des anschließenden Marktplatzes. Mit der verkehrsberuhigten Neugestaltung wurden im verfügbaren Straßenraum Stellplätze zugeordnet, die Voraussetzung für die Umgestaltung des Marktplatzes ohne Stellplatzverlust bildeten. Der Übergang zum Markt wurde platzförmig ausgebildet und nimmt einen zentralen Info-Punkt mit Computer-Informationssystem der Stadt Frankenberg auf. Auf der gegenüberliegenden Platzseite wurde auch die Postmeilensäule wieder am historischen Standort eingeordnet. Humboldtstraße Die Zielstellung für die asphaltbefestigte Durchgangsstraße bestand darin, einen verkehrsberuhigten Bereich auszubilden, einen zentrumsnahen Haltebereich für die, die Stadt frequentierenden Buslinien einzurichten und die Gestaltung der Flächen vor der Kirche, dem Gymnasium und dem Körnerdenkmal zu verändern. Die baulichen Einengungen im Bereich der Schulen sollen verkehrsberuhigend wirken und in diesem Bereich Platz für Mopedstellplätze für die Schüler bieten. Im Verlauf der Humboldtstraße wurden Bushaltestellen zugeordnet, deren Ausbildung mittels „Kassler Sonderbord“ den Einsatz von Neigetechnik im Busbetrieb und damit rollstuhlgerechte Lösungen gewährleistet. Der Platz um das Körnerdenkmal nimmt gleichzeitig die Funktion der zentralen Wartehalle für den Busverkehr auf. Schlussbemerkung Die Stadt Frankenberg realisiert mit dem innerstädtischen Umgestaltungskonzept in der zeitlichen Folge der Bauabschnitte bis 2005 einen städtebaulich geschlossenen Zentrumsbereich, dessen grundsätzliches Anliegen es ist, die Handels- und Gewerbekultur zu beleben, durch die Neuzuordnung zentraler Bushaltestellen den Kunden- und Besucherstrom gezielt in das Zentrum zu führen und die zentralen Plätze und Straßen durch mannigfaltige Sitzgelegenheiten zum Anziehungspunkt für Frankenberger und Besucher zu machen. Kirchplatz Schloßstraße Körnerplatz Postmeilensäule Schloßplatz Blockbrunnen Hochzeitsbrunnen Kugelbrunnen S Ä C H S I S C H E R S T A A T S P R E I S F Ü R B A U K U L T U R 2 0 0 3 NEUBAU JUSTIZVOLLZUGSANSTALT DRESDEN Nutzer: Justizvollzugsanstalt Dresden Projektleitung: Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement Entwurfsverfasser: Frick Krüger Nusser Plan2 Künstler: Sándor Dóró Ausführendes Unternehmen: Müller-Altvatter Bauunternehmung GmbH & CoKG Die funktionale und architektonische Umsetzung dieser schwierigen Bauaufgabe ist in einer bemerkenswert positiven Art und Weise gelungen. Vorbildhaft wurde bei diesem Bauwerk der Mensch zum Maßstab der Gestaltung gewählt, sodass die Haftanstalt fast keine Assoziationen an ein herkömmliches Gefängnis mehr erweckt. Die Gruppierung der Baukörper erinnert an einen städtischen Raum und schafft trotz der geforderten Übersichtlichkeit der Anlage maßstäbliche Plätze und Innenhöfe. Höchst ungewöhnlich für eine Justizvollzugsanstalt ist die qualitätsvolle architektonische Ausbildung der einzelnen Baukörper. Jeweils zwei Zellenfenster werden durch eine dazwischenliegende dunklere Fassadenfläche optisch miteinander verschmolzen, die bedrückende Wirkung der vergitterten Fenster tritt dadurch kaum noch in Erscheinung. Die Gemeinschaftsräume sind als monolithische Kuben aus eingefärbtem dunkelgrauen Beton zwischen die U-förmigen Hafthäuser gestellt. Sie bilden mit den hellgelben Erdgeschossbereichen der Hafthäuser eine spannungsvolle Abfolge. Die gegenüberliegenden Werkstätten sind komplett mit einer Aluminiumhaut überzogen. Die modernen Ausbildungseinrichtungen, die sich dort befinden, erhalten damit eine angemessene architektonische Umsetzung. Bemerkenswert ist die künstlerische Ausgestaltung der Anlage. Ein Relief-Tafelsystem mit grafischen Elementen des Tangram-Spiels begegnet den Insassen und Bediensteten in allen Bereichen des Gebäudes. Das aus China stammende Spiel soll die Selbstbetrachtung und Besinnung anregen. Das Preisgericht würdigt insbesondere, dass trotz der vorbildlichen Gestaltung, das Bauvorhaben äußerst wirtschaftlich in seinen Erstellungskosten zu bewerten ist. Mit Gesamtbaukosten von ca. 88.000 Euro je Haftplatz wurde ein für den Gefängnisneubau in Deutschland bisher einmalig wirtschaftlicher Kennwert erzielt. NEUBAU JUSTIZVOLLZUGSANSTALT DRESDEN Sporthalle Hafthäuser Werkstätten Aufgrund der unzureichenden Kapazität des bestehenden Gefängnisses im Zentrum von Dresden sollte im Norden der Stadt auf einem ehemaligen Kasernengelände eine neue Justizvollzugsanstalt entstehen. Die Staatshochbauverwaltung lobte dazu im Frühjahr 1996 einen europaweiten Realisierungswettbewerb aus. Es galt, ein umfangreiches Raumprogramm umzusetzen, sollten doch neben 750 Haftplätzen auch Verwaltungs-, und Freizeitbereiche sowie Arbeitseinrichtungen geschaffen werden. Im September 1996 empfahl das Preisgericht dem Auslober, von 104 Teilnehmern die Verfasser der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit, Frick Krüger Nusser plan2 aus München, mit der weiteren Bearbeitung zu beauftragen. Verschiedenste Nutzungsarten mussten unter Berücksichtigung der besonderen Sicherheitsrelevanz bei wirtschaftlicher Bauweise in dem Gebäudekomplex vereint werden. Als Ergebnis entstand eine Anlage, die den vielfältigen Anforderungen an die Funktionalität und den architektonischen Ansprüchen gerecht wird. Mit Baukosten von 88.000 Euro pro Haftplatz wurde zudem ein für den Gefängnisneubau in Deutschland bisher einmalig wirtschaftlicher Kennwert erzielt. Tangram-Tafel Blick in den zentralen Innenhof S Ä C H S I S C H E R S T A A T S P R E I S F Ü R Entwurfskonzept Ausschlaggebend für die Entscheidung des Preisgerichtes war u.a. die gelungene Verbindung von wohnlicher Dichte und funktionaler Übersichtlichkeit innerhalb der Anlage. Alle Gebäude gruppieren sich um einen gemeinsamen Innenhof, der den signifikanten Mittelpunkt bildet und sind durch einen unterirdischen Erschließungsgang miteinander verbunden. Gefangene können sich somit auch selbstständig zu einem Ort bewegen, wobei ein visuelles Leitsystem bei der Orientierung hilft. Man betritt die JVA über das Pfortengebäude mit Besucherbereich im Osten des Geländes. Der nachfolgende multifunktionale Riegel des Verwaltungsgebäudes beinhaltet neben der JVA-Administration den Speisesaal für die Mitarbeiter, die Frauen- B A U K U L T U R 2 0 0 3 Zelle Haftgruppe, sowie ambulante und stationäre Gesundheitseinrichtungen. Entlang des Innenhofes reihen sich die drei U-förmigen Hafthäuser an, deren Einzelhafträume vorwiegend nach Süden ausgerichtet sind. Im Erdgeschoss der Hafthäuser befindet sich die „Gemeinsame Schiene“, in der alle quasi-öffentlichen Einrichtungen wie Mehrzwecksaal, Schul- und Bibliotheksräume untergebracht sind. Der Innenhof wird im Norden durch die Sporthalle begrenzt. Gegenüber den Hafthäusern erstreckt sich das Werkstattgebäude mit Küche und Wäscherei. Um den hohen Sicherheitsanforderungen zu entsprechen, hatte die Übersichtlichkeit der Gesamtanlage stets Priorität. Das umfangreiche Raumprogramm konnte in nur sieben Baukörpern untergebracht werden, wodurch Kleinteiligkeit und damit Unübersichtlichkeit vermieden wird. In den Gebäuden setzt sich das einfache und übersichtliche Gefüge mittels reduzierten Grundrisstypen mit breiten Fluren fort. Das äußere Erscheinungsbild wird hauptsächlich durch Betonstein-Sichtmauerwerk und farbig behandelte Sichtbetonflächen bestimmt. Dem gegenüber wurden wo möglich auch haptische Materialien wie Holz bei Fenstern und Türen eingesetzt. Die Notwendigkeit, robust zu bauen, wurde durch die Architekten als Chance erkannt. Kunst Für die künstlerische Ausgestaltung wurde ein Wettbewerb ausgelobt. Der Künstler Sándor Dóró aus Dresden entwickelt in seiner Arbeit ein aus der TangramGrundidee entstandenes Relief-Tafelsystem. Das dahinter stehende Konzept geht sensibel mit der besonderen Situation des Ortes um. Das Tangram ist aus einem Qua- Verwaltung Hafthäuser Sporthalle Werkstätten drat entstanden, welches in sieben Grundelemente aufgeteilt ist. Dahinter verbirgt sich kein Wettkampf-Spiel zwischen Konkurrenten, sondern ein Spiel für Einzelne, das zur Entfaltung der schöpferischen Phantasie anregt. Der Grundgedanke der Synthese von scheinbar unvereinbaren Elementen, wird durch die betont sachlich ruhige Architektur mit wenigen Elementen und einfachen Materialien schlüssig. Bauablauf Nach den umfangreichen Maßnahmen zur Baufeldfreimachung von den Überresten der Kasernenbebauung konnte im März 1998 mit dem Neubau der JVA begonnen werden. Dem raschen Baufortschritt kam zugute, dass der beauftragte Generalunternehmer, Fa. Müller-Altvatter Dresden, die gesamte Anlage mit Beton-Fertigteilen errichtete, eine Option, die in der Ausschreibung Tangram-Tafeln Die Gefangenen leben an diesem Ort in einer abstrakten, für sie unwirklichen Welt. Nur in ihren Träumen können sie frei sein. Die raumhohen Tafeln finden sich in den unterschiedlichen Bereichen der Anstalt. Durch die Motive (Tafel des Menschen, Tafel des Tieres) vermögen diese Tafeln eine Balance zwischen den beiden Extremen (Traum und Wirklichkeit) herzustellen. bewusst offen gelassen wurde, um die Umsicht des Unternehmers für ein wirtschaftliches Ergebnis zu nutzen. Je mehr Ausbaugewerke im Verlauf des Jahres 1999 ihre Arbeit begannen, desto deutlicher wurden die Besonderheiten dieser Baustelle. Es musste buchstäblich jede Schraube hinsichtlich Manipulations- und Verstecksicherheit bemustert werden. Trotz der Komplexität des Baugeschehens konnte die Anstalt fast drei Monate vor dem ursprünglich geplanten Termin am 2. Mai 2000 an den Nutzer übergeben werden. S Ä C H S I S C H E R S T A A T S P R E I S F Ü R B A U K U L T U R 2 0 0 3 NEUBAU SÄCHSISCHE LANDESBIBLIOTHEK – STAATS- UND UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK DRESDEN Nutzer: Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Projektleitung: Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement Entwurfsverfasser: Ortner & Ortner, Baukunst Ausführendes Unternehmen: Bilfinger & Berger Bauaktiengesellschaft Das Vorhaben ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie sehr kreatives und kompromissbereites Zusammenwirken von Bauherr, Planer und Ausführender zu einem Spitzenergebnis hinsichtlich Gestaltung, Konstruktion und Funktion führt – hier sogar von europäischem Rang. In verschiedenster Hinsicht entspricht des Objekt der Auslobung des Sächsischen Staatspreises für Baukultur 2003 unter dem Motto „Stadtmaßstab Mensch“: Außergewöhnliche Bestände von Bibliotheksgut werden in nur drei gut organisierten Ebenen dem Nutzer erschlossen. Das gerade nicht monumental angelegte Baukonzept entspricht in seiner städtebaulichen Außenwirkung wie in seiner inneren funktionellen Organisation menschlichem Maßstab. Der Baukörper erfüllt mit einer Vielzahl unterschiedlicher Raum- und Technikangebote alle zeitgemäßen Ansprüche an Recherche und Studium, Lesen, Verarbeitung und Forschung. Das variable Raumangebot der Bibliothek mit dem Charakter von Klosterzelle, Medienzentrale, Vortragssaal, Seminarraum und Agora gleichermaßen ist der spezifischen Nutzung sehr förderlich. Die Nutzung der Bibliothek ist in einem Klima wohltuender Geborgenheit und Ruhe gewährleistet. Der Einsatz des natürlichen Lichtes bis in die untere Ebene vermittelt den Nutzern ein Gefühl willkommener Behaglichkeit. Unter anderem durch Gründächer wird auch ökologischen Ansprüchen Rechnung getragen. Damit ist der Bibliotheks-Neubau ein wertvoller Beitrag, unsere gebaute Umwelt durch anspruchsvolle und menschengemäße Baukultur aufzuwerten. Obwohl der Solitärcharakter von Bauaufgabe, Standort und Entwurfslösung Nachahmung nur bedingt wird stimulieren können, eine Fülle von Details aber sehr wohl für die sächsische Planungs- und Baukultur vorbildlich sind, hat die Jury den Bewerbungsgegenstand in die engere Wahl für den „Sächsischen Staatspreis für Baukultur 2003“ gerückt. NEUBAU SÄCHSISCHE LANDESBIBLIOTHEK – STAATS- UND UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK DRESDEN Lageplan Die aufgehenden Bauten Freitreppe am Glasdach Mit der Zusammenführung der Sächsischen Staats- und Landesbibliothek und der Technischen Universität Dresden entsteht eine Bibliothek von europäischer Bedeutung. Über sieben Millionen Bücher und Datenträger werden dort gespeichert. Die neue große Bibliothek in Dresden zeigt sich mit zwei gleich großen steinernen Quadern von 47 auf 16,5 m und 19 m hoch, die einander gegenüber auf einer grünen Rasenfläche liegen, rundum im Oval eingegrenzt von alten Winterlinden. Der Ort liegt dem Kopfbau der Technischen Universität vorgelagert und wurde bisher als Sportplatz genutzt. Was ihn besonders macht, ist die unerwartete Ruhe und eine subtile Feierlichkeit. Beides hängt mit diesem Lindenkranz zusammen, der das Arial optisch nach außen abschirmt. In Erwartung einer bedeutenden Bibliothek wirken die beiden Steinquader nicht groß. Ihre Oberfläche setzt sich aus horizontalen SteinStreifen zusammen, in die eine unregelmäßige Folge eingefräst ist. Zusammen mit dem Streifen der Fenster ergibt das eine flimmernde, homogene Textur, die den Baukörper als reduziertes geometrisches Objekt herauskommen lässt, zugleich aber die genauere visuelle Identifizierung verweigert. Zwischen beiden Quadern liegt mit gleich großer Grundfläche eine Glasebene, die bündig in den Rasen eingelassen ist, das Oberlicht des darunter liegenden 3-geschosshohen Lesesaals. Dieser Lesesaal ist zentrales Hauptstück des 3-geschossigen Sockels, der sich unterhalb S Ä C H S I S C H E R S T A A T S P R E I S F Ü R B A U K U L T U R der Rasenfläche über die gesamte Fläche des früheren Sportplatzes erstreckt. Die eigentliche Bibliothek mit all ihren Einrichtungen befindet sich hier auf ca. 40.000 m², die Quader über der Rasenfläche sind nur Sensorteile dieser vergrabenen Anlage. Funktionell schafft dieses Baukonzept die Möglichkeit die komplexe Verflechtung organisatorischer Einheiten in möglichst wenig Ebenen anzuordnen. Der zentrale Lesesaal stellt als Haus im Haus jenen ideellen Schwerpunkt her, der mit großer Form auch optisch die Bedeutung der Bibliothek als Ganzes verkörpert. Eine ähnliche Gemustertheit wie bei den außen liegenden Quadern überzieht als Glasur innen wie außen diesen Lesesaalbau. Die umlaufenden Bücherregale fließen übergangslos in die Verkleidung der Wände über und erzeugen im Großen jene flimmernden Oberflächen, die prägend für das Bild der Bibliothek sind. 2 0 0 3 Lesesaal Zuspruch Am 14. Januar 2003 wurde die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek feierlich eröffnet. Diese Bibliothek wurde sofort von allen Bevölkerungsschichten durch die große Vielfalt gut angenommen. So sind außer der Bibliothek mit dem zahlreichen Buch- und Zeitschriftenbestand auch die Deutsche Fotothek, die Phonothek, die Musikabteilung sowie umfangreiche Spezialliteratur und Sondersammlungen im Gebäude vereint. Die Bibliothek verfügt über ca. 4,20 Millionen Bände, wovon ca. 1,38 Millionen im Freihandbereich bereitgestellt werden. Die anderen Bände lagern im Gebäude in Kompakt- bzw. geschlossenen Magazinen. Durch die installierte Buchförderanlage kann innerhalb kürzester Zeit jedes vorhandene Buch bereitgestellt werden. In den Sondersammlungen liegen u. a. 390 Tausend Handschriften, 215 Tausend Karten, 110 Tausend Medieneinheiten zur Einsicht bereit. Die Stenografische Sammlung besitzt 50 Tausend Bände und die Phonothek 170 Tausend AV Medien. Das Bibliotheksgebäude verfügt über 700 Lesetische mit PCAnschluss, 80 abgeschirmte Arbeitsplätze, die so genannten Carrels. Es stehen Gruppenarbeitsräume und 200 Leseplätze im großen Lesesaal zur Verfügung. Abschließend kann gesagt werden, dass hier eine Bibliothek geschaffen wurde, die jetzt – aber auch in Zukunft – den Standard einer modernen Bibliothek erfüllt und dem Nutzer das Gefühl der Geborgenheit und Ruhe vermittelt. Grundriss Ebene -2 Schnitt Isonometrie Galerie am Lesesaal Grundriss Ebene 0 Grundriss Ebene +1 S Ä C H S I S C H E R S T A A T S P R E I S F Ü R B A U K U L T U R 2 0 0 3 NEUBAU STAATSFILIALARCHIV BAUTZEN Nutzer: Archivverbund Bautzen Entwurfsverfasser: Bauplanung Oberlausitz Jäkel und Lothmann GbR Ausführende Unternehmen: Hoch- und Ausbau Bautzen GmbH Tischlermeister Wilfried Schuster Heizung Sanitär Löhnert Das wertvolle Archivgut als „Gedächtnis der Oberlausitz“ bleibt, Dank dem Einsatz der Stadtväter, am angestammten Platz in Bautzen. Der Standort Schloßstraße ist für die Nutzer sehr zentral gelegen und ermöglicht, durch den Touristenstrom zur Ortenburg, die ständige Auseinandersetzung zwischen Mensch und Bauwerk. Mit sehr wenig technischem - und Energieaufwand kann eine Vorgabetemperatur von 16 - 18 °C gehalten werden. Die massiven und gut gedämmten Außenwände sind auf 3 Seiten über Vorsatzschalen entlüftet. Besonders bewährt haben sich Lüftungskanäle an der Südseite, die dicht an dicht für eine max. Entlüftung der Fassade sorgen. Die relativ geringe Luftmenge zur Klimatisierung wird an der Nordseite über einen Erdkanal angesaugt. Dadurch wird die Luft im Sommer abgekühlt und im Winter vorgewärmt. Mehr zufällig ergibt sich in Bautzen, durch die Kombination mit dem Stadtarchiv und der damit verbundenen gemeinsamen Nutzung des Lesesaales, eine völlige Isolierung des Archives vom Nutzer. Eine empfehlenswerte Anregung für gleichartige Bauten. An dem hochsensiblen Standort lässt das Staatsfilialarchiv durch Abstand und Kubatur dem Matthiasturm genügend Möglichkeit, seine Eigenwirkung zu erhalten. Gelungen ist der verspiegelte Glasverbindungsbau, der reizvoll die Rittergasse verlängert. Die funktional bedingten Dreieckserker lassen uns das „Warum“ diskutieren. Mit relativ geringem Unterhaltungsaufwand und optimaler Raumnutzung wird das Archivgut in modernen Regalsystemen bei schneller Zugriffsmöglichkeit gelagert. Konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit ohne natürlichen Lichteinfluss garantieren eine problemlose Langzeitlagerung. Alle Nutzungsfunktionen sind gemeinsam im Stadtarchiv angeordnet, so kann die bewegte Historie der Oberlausitz „in Ruhe“ der Neugier künftiger Generationen entgegenschlummern. Die hohen Verkehrslasten wurden über Stahlbetondecken auf nur 24er KS-Wände eingetragen. Das Wärmebeharrungsvermögen des monolithischen Baukörpers in Verbindung mit ausreichender Dämmung sowie geschickter Entlüftung der Fassade und Belüftung des Gebäudes sichern eine wirtschaftliche Unterhaltung und optimalen Schutz des Archivgutes. Die verwendeten Baustoffe vereinen Tradition und Modernität. Man kann dem Staatsfilialarchiv sowie dem Team aus Bauherr, Architekturbüro und Ausführungsbetrieben nur wünschen, dass es bleibt, wie es schon angefangen hat, ein „Mekka für Archivare“ zu werden. NEUBAU STAATSFILIALARCHIV BAUTZEN Hofzufahrt und Westfassade Südfassade Der Straßenraum der Schloßstraße Initiiert durch das Sächsische Ministerium des Innern und unterstützt durch Politiker und engagierte Bürger der Region gelang es, den Standort Bautzen für das Archivgut des Staatsfilialarchivs zu sichern und es bürgernah für die Nutzung zugänglich zu machen. Archivierung in Rollregalanlagen Das Staatsfilialarchiv, im historisch bedeutsamsten und ältesten Stadtviertel der tausendjährigen Stadt Bautzen errichtet, dient der Archivierung von ca. 2.550 lfd. M. staatlichem Archivgut und ca. 3.100 Urkunden, Karten, Plänen und Rissen zur Geschichte der Oberlausitz aus dem Zeitraum 14. Jh. bis 1952. Innovation Baulich und funktionell grenzt das Staatsfilialarchiv mit seinem Treppenverbindungsbau an das Stadtarchiv und wird von dort aus verwaltet und bedient. Durch die bauliche Verbundenheit kann der im Stadtarchiv befindliche Lesesaal mit Archivalien aus beiden Archiven bedient werden. Es entstand ein Archivverbund der in dieser Konstellation bisher landes- und deutschlandweit einmalig ist. Mit der Zusammenlegung von Verwaltungsaufgaben für zwei Archive und deren baulicher Verbundenheit sind erhebliche Synergieeffekte möglich geworden. Blick aus dem Treppenhaus zur Schloßstraße Gestaltung Der weitgehend fensterlose Baukörper vermittelt ein wehrhaftes Erscheinungsbild und signalisiert sichere Aufbewahrung des Archivgutes. Die Putzfassade, Natursteinsockelmauern, Stützstreben und scharten- S Ä C H S I S C H E R S T A A T S P R E I S F Ü R B A U K U L T U R ähnliche Lüftungsöffnungen nehmen den Bezug zum historischen Umfeld auf, während großflächige Verglasungen am Treppenverbindungsbau, spiegelnd, die gegenüberliegende Rittergasse optisch weiterführen. Das Gebäude ist ruhiger Endpunkt der barocken Nordseite der Schloßstraße und hält gebührenden Abstand zum Eingang der Ortenburg mit dem Mathiasturm. Der Neubau hat wesentlich zur Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung des Stadtarchivs und der Stadtbibliothek beigetragen. Funktion Mit der jetzigen Auslastung des Lesesaales von 95 % lässt sich die Akzeptanz durch die Nutzer nicht besser dokumentieren. Als historisches Archiv konzipiert, war eine optimale bedarfsgerechte Strukturierung möglich. Durch die Abgeschlossenheit der Überlieferung sind die minimierten Reserveflächen ausreichend bemessen. 2 0 0 3 Ansicht Straßenseite - Südseite Ansicht Nordseite Ansicht Westseite Ansichten Schloßstraße Untergeschoss 1. und 2. Obergeschoss 3. Obergeschoss Erdgeschoss Schnitt A-A Schnitt B-B Grundrisse und Schnitte Konstruktion Hohe Verkehrslasten und klimatische Konstanz der Raumluft verlangten einen kompakten, schweren Baukörper mit guter Wärmedämmung. Die Wandkonstruktionen aus Kalksandstein, 15 cm Wärmedämmschicht, Vormauerung und Hinterlüftung erfüllen diese Anforderungen. Das Treppenhaus ist der klimatische Puffer zwischen dem Stadtarchiv und den Archivräumen. Die Wahl der Baumaterialien ist eine Kombination aus modernen und traditionellen Baustoffen (Stahlbeton, Glas, Metall, Holz, Putz, Naturstein). Es wurde besonderer Wert auf die außen sichtbaren Fassadendetails gelegt, die der Schlichtheit des Baukörpers interessante Blickpunkte hinzufügen. Die Archivierung muss bei gleichbleibender Temperatur von ca. 17 °C und einer relativen Luftfeuchte von ca. 55 % erfolgen. Er- reicht werden diese Werte durch eine würfelförmige Gebäudeform mit geringer Gebäudehüllfläche, zweischalige Wände, Luftschächte an der Südseite, schwere Baustoffe als Temperaturspeichermasse, Klimatisierung mit sehr geringem Luftwechsel, Frischluft über Erdkanal als natürliches Temperaturregulativ, keine Fensteröffnungen. Durch optimierte Ausgewogenheit zwischen bauphysikalischen Eigenschaften des Baukörpers und der techn. Ausrüstung, konnten mit geringem Einsatz von Technik, Bau- und Betriebskosten minimiert werden bei gleichzeitig optimaler Erfüllung der klimatischen Anforderungen. Umgang mit Ressourcen Die Konzeption des Archivverbundes garantiert eine wirtschaftliche Betreibung mit geringem personellem Aufwand. Alle Funktionsräume werden gemeinsam genutzt. Der Energieaufwand für die Klimatisierung ist sehr niedrig, weil die Konstruktion des Gebäudes und die Kompaktheit der Lagerung ganz geringe Luftwechselraten erfordern. Verwendet wurden fast ausschließlich natürliche Baustoffe (keine Kunststoffe), z.B. Holz, Linoleum, Gussasphalt, Kalksandstein, Stahlbeton, Aluminium, Naturstein, Mineralwolle, Tondachsteine. Nordansicht Nordfassade und Personaleingang S Ä C H S I S C H E R S T A A T S P R E I S F Ü R B A U K U L T U R 2 0 0 3 KINDER- UND FRAUENKLINIK, UNIVERSITÄTSKLINIKUM DRESDEN Nutzer: Universitätsklinikum Carl-Gustav-Carus, Dresden Projektleitung: Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement Entwurfsverfasser: Heinle, Wischer und Partner, Freie Architekten GbR Ausführendes Unternehmen: Walter Bau AG, Niederlassung Dresden Der gerade fertiggestellte Neubau der Kinder- und Frauenklinik Dresden ist in seiner innenräumlichen Atmosphäre beispielhaft. Die Verzahnung der einzelnen Baukörper der Klinik mit den unterschiedlichen angrenzenden Grünanlagen ist das tragende gestalterische Motiv dieses Gebäudes. Der Besucher betritt das Gebäude über eine langgestreckte Glashalle, die die Kinderklinik mit der Frauenklinik verbindet. Das Tageslicht wird von dem Laub der Bäume in den Freianlagen und den Holzlamellen der Außenfassade gefiltert und moduliert. Die Eingangshalle erhält damit eine ausgesprochen wohnliche, heitere und beruhigende Atmosphäre. Die eingestellten Servicebereiche und der Hörsaal aus naturfarbenen Holzlamellen sowie die mediterrane Bepflanzung verstärken diesen Eindruck. Besucher, Studenten, Patienten und Mitarbeiter der Kliniken werden hier zusammengeführt. Ein in dieser Form für eine Klinik einzigartiger Freiraum zum Aufenthalt, zur Kommunikation, für Veranstaltungen und Feste ist mit dieser Halle entstanden. Der sechsgeschossige Neubau besteht aus vier Riegeln, die in Richtung Elbaue ausgerichtet sind und in den Obergeschossen einen weiten Blick in Richtung Elbschlösser bieten. Vorbildlich sind in den Pflegegeschossen die tief heruntergeführten Fenster, die auch vom Patientenbett aus einen Ausblick ermöglichen. Das Farbkonzept in den Farben des Laubes im Frühling und Herbst wurde für das gesamte Gebäude entwickelt. In den Pflegebereichen findet man die Farben sowohl in den Wandverkleidungen als auch in den farbigen Sonnenschutzvorhängen wieder. In der Außenansicht leuchten diese bunten Stoffvorhänge in gelb, orange und grün hinter den bodentiefen Fenstern und heben sich deutlich von der anthrazitfarbenen Fassade ab. Der Hof der Kinderklinik soll den Kindern den Aufenthalt erleichtern. Eine Schlange mit farbigen Kacheln besetzt, umschlingt mit ihrer langen Zunge eine Murmelbahn. Auf einer kleinen Fläche wurde in einer sehr ästhetischen Gestaltung ein hoher Spielwert erreicht. Es sind auch diese kleinen Details, die beweisen, dass der menschliche Maßstab bei diesem Vorhaben oberstes Ziel gewesen ist. KINDER- UND FRAUENKLINIK, UNIVERSITÄTSKLINIKUM DRESDEN Fassade Pflege Ansicht Süd Nördliche Freianlagen Blick Richtung Elbwiesen Fassade Gartenhalle Städtebau Der Neubau der Kinder- und Frauenklinik liegt am nördlichen Rand des Campus nahe der Elbe, zwischen historischem Stadtkern und der Elbbrücke „Blaues Wunder“. Vom gegenüberliegenden Hang aus, ist seine bewusst zurückhaltende Gestaltung wahrnehmbar: eingebettet in den Baumbestand, ragen die oberen Geschosse heraus, die innere Farbigkeit des Neubaus ist sichtbar. Zur Pfotenhauerstrasse hin springen die drei oberen Geschosse (Pflege) hervor und prägen den neuen Patientengarten. Die unteren Geschosse (Untersuchung und Behandlung) umschließen jeweils einen Gartenhof. Der offene, mittlere Garten ist geprägt von der erhaltenen Eiche. Nach Süden fasst der Neubau mit der vorgelagerten Gartenhalle den angrenzenden parkähnlichen Grünraum. Die Gartenhalle Die Gartenhalle ist das Besondere der Kinder- und Frauenklinik. Sie erschließt und verbindet die Kliniken. Ihre Höhe und Großzügigkeit bietet Überblick und Orientierung in einer lichten Atmosphäre. Sie führt Besucher, Studenten, Patienten und Mitarbeiter zusammen und bietet ganzjährig Raum für Aufenthalt, Spiel, Kommunikation, Fortbildung und Feste. Über die vorgelagerten Terrassen und Stege gelangt man in Garten und Park. Die massiven Bauteile Sichtbetonwände und Natursteinböden, der außenliegende Sonnenschutz und die Bepflanzung sorgen für das behagliche Klima in der Gartenhalle. Die Belüftung erfolgt natürlich, über Lüftungslamellen und Dachoberlichter. Insbesondere die Querlüftung aus dem verschatteten Garten der Eiche unterstützt die angenehme Temperierung im Sommer. Die brandschutztechnische Sprinklerung er- S Ä C H S I S C H E R S T A A T S P R E I S F Ü R B A U K U L T U R möglicht die durchgehend transparente und offene Gestaltung. Erschließung, Orientierung, Funktionsbereiche Über den Vorplatz erreicht man den Haupteingang mit benachbarter Liegendkrankenvorfahrt. Mit der Konzeption des Gebäudes sollte trotz Komplexität und Dichte der Nutzung eine einfache Orientierung für den Benutzer ermöglicht werden. So gelangt man auf übersichtlichem Weg über die Gartenhalle unmittelbar zu den angrenzenden Polikliniken. Die offenen Leitstellen sind leicht auffindbare erste Anlaufpunkte. Ihnen zugeordnet, liegen Wartebereiche mit Außenraumbezug. Aufzüge erschließen die weiteren Ebenen. Aufnahme und Kiosk sowie Bibliothek und Hörsaal sind als Baukörper ablesbar in die Gartenhalle eingestellt. 4 zusammenschaltbare Seminarräume sowie die Räume der Schule für Kinder liegen entlang der Galerie der Gartenhalle. Ebenso in E +1 liegen in direkter Nachbarschaft zueinander die Kernbereiche: neonatologische und pädiatrische Intensivpflege, Operation, Sektio-OP und Entbindungsräume. Über die neue Brücke ist diese Ebene niveaugleich an den Be- 2 0 0 3 stand angebunden. Von der geburtshilflichen Station in E +2 bleibt ein naher Kontakt zwischen Müttern und Kindern. In E +2 bis E +4 sind in jedem Kammriegel Pflegestationen mit je 20 Betten angeordnet. Innerhalb einer Station bildet der offene Aufenthaltsbereich mit gegenüberliegendem, verglasten Pflegestützpunkt die lichtvolle Mitte. Das offene, erweiterte Flurende ist ein Rückzugsort mit schönem Ausblick auf den Elbhang. Konstruktion und raumbildender AAusbau usbau Grundsätzlich wurde die tragende Konstruktion vom raumbildenden Ausbau getrennt, um eine möglichst hohe Flexibilität der Grundrissgestaltung zu eröffnen und Veränderungen mit möglichst geringem baulichen Aufwand umsetzen zu können. So besteht das Stahlbetontragwerk aus einem durchgehenden Stützraster von 7,20 m x 7,20 m, unterzuglosen Flachdecken und außerhalb der Funktionsbereiche angeordneten Aussteifungen. Das Tragwerk bleibt als Sichtbeton in einigen Bereichen erlebbar. Aufgrund ihrer Materialität bilden Sichtbetonflächen bewusst den Hintergrund der Kunst am Bau: der 26 Bildobjekte der Künstlerin Cornelia Eichacker. Gartenhalle Haupteingang Lageplan Eingangsbereich/Anmeldung Ebene 00 Ansicht West Ansicht Ost OP-Bereich Ebene 10 Ansicht Nord Farb- und Materialkonzept Für den Ausbau wurden helle Farben und Materialien gewählt: Weiß, Beige, Aluminium, Edelstahl, Holz, Sichtbeton und Naturstein bilden den Hintergrund für farbige Akzente. Glaswände schaffen Sichtbeziehungen und ermöglichen eine gute Orientierung im Gebäude. Der Einsatz der Farben dient der verbesserten Orientierung sowie der Schaffung von Atmosphäre, Abwechslung, Identifizierung und schließlich der „Außenwirkung“. Früh- und Neugeborenenpflege Ansicht Süd Ebene 30 Foyer Pflegeebene Das Farbkonzept umfasst die frischen Farbtöne Gelb, Orange und Grün in Analogie zu den Farben des Laubes im Frühling und Herbst. Die Auswahl dieser Farben erfolgte auch aufgrund ihrer Farbwirkung und assoziativen Symbolik. So wirkt Gelb heiter, lösend, anregend und steht für Kommunikation, Aufgeklärtheit, Sonne. Orange wirkt stimulierend und warm, steht symbolisch für Freude und Geselligkeit. Grün wirkt ausgleichend und beruhigend, steht symbolisch für Sicherheit, Hoffnung, Leben (Dr. Bettina Rodeck, Visuelle Ergonomie und Farbästhetik, Berlin 1999). Flur Pflege Sektio-OP Patientenaufenthalt/Pflegestützpunkt Patientenzimmer S Ä C H S I S C H E R S T A A T S P R E I S F Ü R B A U K U L T U R 2 0 0 3 NEUGESTALTUNG SIMSONPLATZ LEIPZIG Nutzer: Stadt Leipzig Entwurfsverfasser: Prof. U. Coersmeier GmbH Ausführendes Unternehmen: Dr. Waldenburger GmbH Mit der Wiederherstellung und Sanierung des ehemaligen Reichsgerichtes für die Nutzung als Bundesverwaltungsgericht war die Aufgabe gestellt, den vorgelagerten Simsonplatz neu zu gestalten. Das denkmalgeschützte Gerichtsgebäude mit seiner klassischen Fassade beansprucht eine repräsentative Vorfläche, die von dem entlang der Harkortstraße verlaufenden Pleißemühlgraben unterbrochen wird. Die Entwurfsverfasser haben für die Platzgestaltung im Bereich der wieder geöffneten Pleiße als neuartiges Gestaltungselement eine transparente Überdeckung vorgeschlagen, die dem Fußgänger beim Überqueren das fließende Wasser erleben lässt. Die Fläche des steinernen Platzes wird durch eine Bänderung in orthogonaler Ausrichtung auf das Gebäude des Bundesverwaltungsgerichtes gegliedert. Als Material werden Beton-Fertigteilplatten und Granitplatten verwendet. Mit Leuchten ausgestattete Sitzkuben, Lichtstelen, in Holz gefertigte Geländer und gläserne Brüstungen ergänzen die sparsam, aber wirkungsvoll eingesetzten Gestaltungselemente. Die für die Gestaltung des Simsonplatzes gewählte zeitgenössische Architektursprache korrespondiert mit der Hauptfassade des hochrangigen Baudenkmals des ehemaligen Reichsgerichtes. NEUGESTALTUNG SIMSONPLATZ LEIPZIG Gitterroste wurden in schachbrettartiger Musterung verlegt Der Verlauf der Pleiße ist deutlich auf dem Platz erkennbar. Platzraum und Pleiße Die Neugestaltung der Platzfläche wird durch die räumliche Wirkung des Gerichtsgebäudes und den Verlauf der Pleiße bestimmt. Der Pleißemühlgraben ist ein Charakteristikum Leipzigs, die sichtbare Kontinuität seines Verlaufes ist dabei wesentlicher Teil der Wirkung als Orientierungslinie. In der Planung werden daher möglichst große Teile des Grabens offengelegt. Im sich verengenden Platzbereich dominiert das Gerichtsgebäude und beansprucht Raum und repräsentative Vorfläche. Hier wird ein Abschnitt der Pleiße mit einer transparenten Überdeckung in die Fläche eingebunden, die Kontinuität des Verlaufes bleibt sichtbar. Dieses Konzept ist für eine Gestaltung im öffentlichen Raum völlig neuartig und ermöglicht neue, ungewohnte Wahrnehmungen. Die Wirkung der Pleiße als abriegelnder „Burggraben“ vor dem monumentalen Gericht wird vermieden. Der Reiz des Überquerens, des über dem Wasser gehen, stehen und schauen, wird als Erlebnis vermittelt. Im Unterschied zu anderen, bereits fertiggestellten Öffnungsabschnitten der Pleiße, wo sich der Fußgänger jeweils am Wasser entlang oder über die bisher üblichen Brückensituationen bewegt, kann der Passant hier auf dem Wasser stehen und das Wasser unter sich wahrnehmen. Das leichte Gefühl der Unsicherheit auf den transparenten Rosten wird dabei bewusst als Reiz zur Steigerung der Wahrnehmung eingesetzt. S Ä C H S I S C H E R S T A A T S P R E I S F Ü R B A U K U L T U R Platzoberfläche Die Fläche des steinernen Platzes wird durch eine Bänderung in orthogonaler Ausrichtung auf das Gebäude des Bundesverwaltungsgerichtes gegliedert. 3 m breite Felder wechseln sich jeweils mit 1 m breiten Streifen ab. Die Felder bestehen aus großformatigen Beton-Fertigteilplatten in den Kantenlängen von 1,00 x 3,00 m, die als Sonderanfertigung für dieses Projekt hergestellt wurden. Die Streifen sind aus quadratischen Granitplatten im Format 0,50 m x 0,50 m verlegt. Damit wiederholt sich das Material aus der benachbarten Fritz-von-Harck-Anlage. Überdeckung der Pleiße Das Thema der Bänderung ist auch über den Bereich der Pleißeüberdeckung fortgeführt. Die schmaleren Streifen aus Schlesischem Granit überdecken die Betonträger, 2 0 0 3 Ein wichtiges Gestaltungselement: die Bänderung der Parkfläche die die Pleiße als Hauptträger überspannen. Diese Hauptträger werden als Fertigteilelemente auf Konsolen zwischen die Uferwände gehängt. Die konstruktive und statisch notwendige Breite ist auf die Oberflächenbänderung abgestimmt, sodass der lichte Raum der breiten Felder zur optischen Öffnung der Überdeckung frei bleibt. Das Material der breiten Felder wechselt: Die Transparenz der Überdeckung wird hier durch verzinkte Gitterroste hergestellt, die in einem schachbrettartigen Muster auf einer Unterkonstruktion aus Stahlträgern verlegt sind. Die Beleuchtung unter den Gitterrostflächen betont die Transparenz der Überdeckung bei Dunkelheit. Dazu sind Strahler entlang der Uferwände montiert, zusätzlich werden Linienleuchten entlang der überspannenden Betonträger eingesetzt. In der Flucht des Gebäudeportals ist ein geschlossener Bereich herausgehoben. Hier wird das Material der übrigen Platzfläche weitergeführt und markiert einen „Balkon“, der nochmals auf das Gebäude antwortet. Wächtersteg In Verlängerung der Wächterstraße führt der schmale Wächtersteg als Fuß- und Radwegbrücke über die Pleiße. Die Oberfläche des Steges wird im Zusammenhang mit der Platzfläche aus den großformatigen Beton-Fertigteilplatten gebildet. Geländer Die Geländer der die Pleiße querenden Elemente sind deutlich von den sie begleitenden Typen abgesetzt. Jede Brücke mar- Sitzelemente, die gleichzeitig als indirekte Beleuchtung der Platzfläche dienen kiert jeweils mit einem charakteristischen Geländer die besondere Situation und unterbricht die kontinuierlich durchlaufenden Uferränder. Dieses Prinzip ist Teil des Gestaltungsrahmens für den kompletten Verlauf des Pleißemühlgrabens. Diesem „Motto“ entsprechend, erhält der Wächtersteg eine Brüstung aus Gitterrosten, die das Material der Überdeckung aufnimmt. Das Geländer ist in Holz gefertigt und erhält eine üppige Breite, auf die man sich bequem auflehnen kann. Der Besucher wird zum Verweilen mit Blick auf das darunter durchströmende Wasser eingeladen. Die transparente Überdeckung der Pleiße erhält in der Konsequenz eine gläserne Brüstung, die den maximalen Kontakt mit dem Element Wasser ermöglicht. A usstattun Möblierung usstattungg //Möblierung In der Fortsetzung des durch die Fritz-von-Harck-Anlage verlaufenden Fußweges sind vor den beiden Flügeln des Gerichtes Sitzblöcke als Ruhepunkte angeordnet. Die Kuben setzen als plastisches Element Material und Format der Platten in den Streifen der Platzfläche fort. Sie sind mit integrierten, bodennahen Leuchten ausgestattet, die den Weg über den Platz kennzeichnen. Im Bereich vor dem Portal bieten weitere Sitzkuben Platz für einen Blick auf die beeindruckende Fassade. Im Schwerpunkt der nördlichen Platzfläche ist der Standort für ein Kunstobjekt durch vier im Quadrat angeordnete Kuben markiert. Die Reihe der Lichtstelen setzt sich zur durchgehenden Kennzeichnung des Pleißeverlaufs entlang der Harkortstraße fort. Lageplan WEITERE WETTBEWERBSBEITRÄGE S Ä C H S I S C H E R S T A A T S P R E I S F Ü R B A U K U L T U R 2 0 0 3 Generalsanierung Grundschule Oelsnitz/ Erzgebirge/OT Neuwürschnitz Sanierung Mehrzweckhalle „Alte Mensa“, Freiberg Umbau Wohnheim V zum Institutsgebäude, Mittweida Ensemble Priesterhäuser, Zwickau Neubau Johannesbad, Freiberg Neubau Versuchsgewächshausanlagen mit Funktionsgebäuden, Pillnitz Altmarktgalerie, Dresden Kornmarkt, Bautzen Max-Berkmann-Zentrum für Biomaterialien, Dresden Erweiterung und Sanierung des Verwaltungsgebäudes der EWG Neubau Hauptfeuerwache, Hoyerswerda Ortsmitte Kurort Rathen S Ä C H S I S C H E R Stadthausprojekt Dresdner Neustadt GALVANO Freizeit- und Erholungsflächen, Dresden Büro- und Schulungszentrum Bildungswerk Sächsische Wirtschaft, Dresden Neubau Operatives Zentrum Haus 59 Uni-Klinikum, Dresden S T A A T S P R E I S F Ü R B A U K U L T U R 2 0 0 3 Neubau Sporthallenkomplex Sportgymnasium, Leipzig Thomasshop-Thomaskirchhof, Leipzig Biocity, Leipzig Bibliotheca Albertina, Leipzig Geisteswissenschaftliche Fakultäten, Leipzig Bundesverwaltungsgericht, Leipzig Neue Nikolaischule Leipzig Neugestaltung Heinrich-Schütz-Platz, Leipzig BERWERTUNGSGREMIUM S Ä C H S I S C H E R S T A A T S P R E I S F Ü R B A U K U L T U R 2 0 0 3 Vorsitzender des Preisgerichts: Dr.-Ing. Volker Benedix Architektenkammer Sachsen Prof. Dr.-Ing. Jürgen Namysloh Ministerialdirigent Sächsisches Staatsministerium des Innern Dipl.-Ing. Jost Schulze Ministerialrat Sächsisches Staatsministerium des Innern Dipl.-Ing. Marcus van Reimersdahl Bauoberrat Sächsisches Staatsministerium der Finanzen Bauingenieur Jürgen Bartsch Handwerkskammer Dresden Dr.-Ing. Jürgen Gutsfeld Ingenieurkammer Sachsen Wolfgang Hübel Industrie- und Handelskammer Dresden Oberkirchenrat i.R. Dr.-Ing. Ulrich Böhme Dipl.-Ing. Manfred Eberwein Stadt Plauen S Ä C H S I S C H E R S T A A T S P R E I S F Ü R B A U K U L T U R 2 0 0 3 IMPRESSUM Herausgeber: Sächsisches Staatsministerium des Innern Referat 52 Wilhelm-Buck-Straße 4 01097 Dresden Telefon: (03 51) 5 64 35 21 Telefax: (03 51) 5 64 35 09 E-Mail: [email protected] Internet: www.smi.sachsen.de A utoren: Bewertungsgremium Fotonachweis: Architekturbüros Redaktionsschluss: Oktober 2003 Satz und Gestaltung: Initial Satz & Grafik Studio Bautzner Landstraße 45 01454 Rossendorf Druck: Druckerei Wolfram oHG Fernsehturmstraße 9 01328 Dresden-Pappritz A uflage: 4.000 Stück Verteilerhinweis Diese Informationsschrift wird von der Sächsischen Staatsregierung im Rahmen ihrer verfassungsmäßigen Verpflichtung zur Information der Öffentlichkeit herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von deren Kandidaten oder Helfern im Zeitraum von sechs Monaten vor einer Wahl zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für alle Wahlen. 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