Protokoll 06 03 2009

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EINWOHNERRAT BRUGG
PROTOKOLL
der Sitzung des Einwohnerrates
vom 6. März 2009, 19.30 Uhr, im Rathaussaal
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Traktanden:
1. Inpflichtnahme von Frau Marta Neukom (SP), Herrn Peter M. Lauper (FDP) sowie Herrn
Andreas Schweizer
2. Einbürgerungen
a) Gashi Liridone, serbisch-montenegrinische Staatsangehörige
b) Oezeren Fatma, türkische Staatsangehörige
c) Petranca Tania, italienische Staatsangehörige
d) Pham Quoc-Nam, vietnamesischer Staatsangehöriger
e) Pizarro Luceno Maria Argeme mit dem Sohn Diego Saldana Pizarro, spanische
Staatsangehörige
f)
Ravi Banuyan, srilankischer Staatsangehöriger
3. Baukredit für den Aaresteg Mülimatt
4. Baukredit für den Umbau Untere Hofstatt 4
5. Entlassung der «Alten Post» aus dem kommunalen Denkmalschutz und Kredit für den
Wettbewerb Ersatzbau «Alte Post»
6. Projektierungskredit für die Freiraumgestaltung Vorstadt
7. Motion Konrad Zehnder betreffend Zweiradparkplätze (wird vom Stadtrat entgegengenommen)
8. Motion Jürg Baur betreffend Überarbeitung des Gebührenreglements für öffentliche Gebäude und Anlagen (wird vom Stadtrat entgegengenommen)
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9. Postulat Silvia Kistler betreffend Installation von Spielgeräten für Kinder im Vorschulalter
im Zentrum von Brugg (wird vom Stadtrat entgegengenommen)
10. Postulat Reto Wettstein betreffend Vorprojekt zentrale Einwohnerservicestelle (wird vom
Stadtrat abgelehnt)
***
Die Behandlung der Traktanden 6 bis 10 wurde auf die Sitzung vom 26. Juni 2009 verschoben.
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Vorsitz:
Urs Holliger, Präsident
Aktuar:
Yvonne Brescianini, Stadtschreiber
Stimmenzähler:
Silvia Kistler und Angelika Curti
***
Präsenz:
Es sind 48 Mitglieder anwesend. Entschuldigt haben sich
Frau Heidi Balmer sowie Herr Walter Brander.
***
Das Protokoll der Sitzung vom 24. Oktober 2008 wird in der vorliegenden Form genehmigt.
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Traktandum 1: Inpflichtnahme von Frau Marta Neukom (SP), Herrn Peter M. Lauper (FDP)
sowie von Herrn Andreas Schweizer
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Anstelle der per 31. Dezember 2008 aus dem Rat ausgeschiedenen Urs Dahinden, Livio
Plüss und Matthias Meier werden Marta Neukom, Peter M. Lauper und Andreas Schweizer in
Pflicht genommen.
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Traktandum 2: Einbürgerungen
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Herr Dr. L. Geissmann, Präsident der Finanzkommission: Die Finanzkommission hat die traktandierten Einbürgerungsgesuche überprüft und auf Grund der vorliegenden Unterlagen festgestellt, dass die rechtlichen Voraussetzungen für eine Aufnahme ins Schweizerische Bürgerrecht erfüllt sind. Ebenso sind die Prüfkriterien der Finanzkommission erfüllt.
Wie aus den Berichten des Stadtrates hervorgeht, sind bei einigen Gesuchen mehrere Anläufe nötig gewesen, bis alle Voraussetzungen und Kriterien genügend erfüllt waren. Für die
nicht unerhebliche Zusatzarbeit bei der Bearbeitung der Einbürgerungsgesuche möchte ich
an dieser Stelle dem Stadtrat und der Verwaltung herzlich danken.
Als Präsident der Finanzkommission bitte ich den Rat, den Anträgen des Stadtrates zuzustimmen und den betroffenen Personen die Zusicherung der Aufnahme ins Bürgerrecht der
Einwohnergemeinde Brugg zu gewähren.
a) Gashi Liridone, serbisch-montenegrinische Staatsangehörige
Das Wort wird nicht verlangt.
In der Abstimmung wird dem Antrag des Stadtrates:
«Sie wollen Frau Liridone Gashi, serbisch-montenegrinische Staatsangehörige, geboren am
23. September 1987, die Aufnahme in das Bürgerrecht der Einwohnergemeinde Brugg zusichern.»
mit 41 Ja ohne Gegenstimme zugestimmt.
b) Oezeren Fatma, türkische Staatsangehörige
Das Wort wird nicht verlangt.
In der Abstimmung wird dem Antrag des Stadtrates:
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«Sie wollen Frau Fatma Oezeren, türkische Staatsangehörige, geboren am 19. Januar 1983,
die Aufnahme in das Bürgerrecht der Einwohnergemeinde Brugg zusichern.»
mit 42 Ja ohne Gegenstimme zugestimmt.
c) Petranca Tania, italienische Staatsangehörige
Das Wort wird nicht verlangt.
In der Abstimmung wird dem Antrag des Stadtrates:
«Sie wollen Frau Tania Petranca, italienische Staatsangehörige, geboren am 17. Juli 1987,
die Aufnahme in das Bürgerrecht der Einwohnergemeinde Brugg zusichern.»
mit 42 Ja ohne Gegenstimme zugestimmt.
d) Pham Quoc-Nam, vietnamesischer Staatsangehöriger
Das Wort wird nicht verlangt.
In der Abstimmung wird dem Antrag des Stadtrates:
«Sie wollen Quoc-Nam Pham, vietnamesischer Staatsangehöriger, geboren am 11. Juni
1996, die Aufnahme in das Bürgerrecht der Einwohnergemeinde Brugg zusichern.»
mit 42 Ja ohne Gegenstimme zugestimmt.
e) Pizarro Luceno Maria Argeme mit dem Sohn Diego, spanische Staatsangehörige
Das Wort wird nicht verlangt.
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In der Abstimmung wird dem Antrag des Stadtrates:
«Sie wollen Frau Maria Argeme Pizarro Luceno, spanische Staatsangehörige, geboren am
11. Januar 1969, und dem Sohn Diego, spanischer und peruanischer Staatsangehöriger, geboren am 23. Mai 2008, die Aufnahme in das Bürgerrecht der Einwohnergemeinde Brugg
zusichern.»
mit 42 Ja ohne Gegenstimme zugestimmt.
f)
Ravi Banuyan, srilankischer Staatsangehöriger
Das Wort wird nicht verlangt.
In der Abstimmung wird dem Antrag des Stadtrates:
«Sie wollen Banuyan Ravi, srilankischer Staatsangehöriger, geboren am 13. September
1996, die Aufnahme in das Bürgerrecht der Einwohnergemeinde Brugg zusichern.»
mit 42 Ja ohne Gegenstimme zugestimmt.
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Traktandum 3: Baukredit für den Aaresteg Mülimatt
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Herr Stadtammann R. Alder: Bericht und Antrag liegen dem Rat vor. An der Informationsveranstaltung war ein Teil des Rates ebenfalls anwesend. Trotzdem mache ich noch einige
Aussagen zu drei Punkten. Die Verhandlungen mit Windisch wurden geführt. Es bleibt bei
200'000 Franken. Windisch hat dieses Projekt bis zum heutigen Zeitpunkt immer unterstützt.
Darüber hinaus wird der Unterhalt des Steges vollumfänglich von Windisch übernommen
werden. Da der Steg neu ist, sollten vorläufig keine hohen Kosten für den technischen Unterhalt anfallen. Der Steg muss jedoch gesäubert und geräumt werden, wenn wieder ein Winter
mit viel Schnee kommt. Das Geschenk der Stadt Brugg an Windisch ist doch auch mit Lasten
verbunden.
Das Militär war bei diesem Projekt Partner und bei den Planungen von Anfang an dabei. Obwohl die Ausbildungsplätze eingeschränkt wurden, hat man Lösungen gefunden. Das Militär
war auch bereit, Leistungen in der Höhe einer sechsstelligen Zahl zu erbringen. Dies ist nicht
selbstverständlich, denn dazu war die Armee nicht verpflichtet. Die Armee erbringt immer
wieder Dienstleistungen für die Stadt Brugg, sei es im Wald oder auch an Festen wie «Potz
2000». Damals wurde der Aaresteg bereits einmal erstellt und konnte von der Bevölkerung
ein halbes Jahr genutzt werden.
Am Informationsanlass wurden die Schwingungen thematisiert. Die anwesenden Ingenieure
konnten sämtliche Bedenken ausräumen. Mögliche Hochwasser wurden ebenfalls angesprochen. Da wurden die Sicherheitsmargen zusätzlich erhöht. Laut den Ingenieuren sollte der
Steg auch einem verkeilten Baumstamm standhalten. Der Steg wird mit Rampen ausgerüstet
und ist somit rollstuhlgängig. Für die Beleuchtung ist Windisch zuständig. Der Steg ist ein Teil
des Sportausbildungszentrums des Kantons Aargau. Es ist das grösste seiner Art und einzigartig. Der ökologische Ausgleich wird vorgenommen. Insgesamt ist es ein erfreuliches
Werk. Im Namen des Stadtrates bitte ich den Rat, für die bevorstehende Volksabstimmung
ein Zeichen zu setzen und dem Antrag zuzustimmen.
Herr P. von Niederhäusern: Ich spreche im Namen der SVP. Das Sportausbildungszentrum
ist auf den Aaresteg angewiesen – sei es für die Benützung der Aussensportanlagen im
Geissenschachen oder der Parkplätze bei Grossanlässen. Der Parkplatz ist in der Luftlinie
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nur wenige Meter entfernt. Es wäre lächerlich, wenn man fast neben der Halle parkieren
könnte, dann aber mit einem Shuttle Bus transportiert werden müsste. Das Ziel ist klar, mit
der Eröffnung des Sportausbildungszentrums Mülimatt soll auch der Aaresteg eröffnet werden. Die SVP Brugg stimmt dem Antrag zu und genehmigt den Kredit von CHF 3'211'000
zuhanden der Urnenabstimmung.
Herr J. Gerber: Ich spreche im Namen der EVP-Fraktion. Die Brücke erfüllt ein altes Anliegen. Sie ist technisch und landschaftlich ein gelungener Wurf und gefällt uns sehr. Eines unserer Anliegen ist es, dass Velofahrer auf der neuen Achse Bahnhof Brugg–Schachen am
Anfang und am Ende der Brücke nicht in Schlangenlinien fahren und die Anschlüsse zu den
Verbindungsstrassen suchen müssen. Da dies Sache der Gemeinde Windisch ist, ist jetzt
klar, weshalb man das auf den Plänen nicht sieht. Es sieht so aus, als ob der Steg im Norden
im Niemandsland endet. Die EVP erwartet, dass es eine allwettertaugliche Lösung sowohl für
Rollstuhlfahrer als auch für Velofahrer gibt. Dies kann weder auf der Süd- noch auf der Nordseite ein Kiesweg oder eine Rüttelpiste sein. Fahrer und Fussgänger sollen gefahrlos aneinander vorbeikommen. Die EVP-Fraktion stimmt dem Antrag vorbehaltlos zu.
Herr T. Meier: Die FDP ist einstimmig für die Vorlage, die sie als eine elegante Lösung betrachtet. Sie ist der Ansicht, dass die Finanzierung schwergewichtig bei der Stadt Brugg sein
darf, weil die Interessenlage auch schwergewichtig bei der Stadt Brugg als Hauptnutzniesserin liegt. Die anderen dürfen die Brücke nutzen, aber die Stadt hat das grösste Interesse.
Die FDP möchte an dieser Stelle der Armee danken. Wer die Bestimmungen im VBS kennt,
weiss, dass es nicht einfach ist, Leistungen zugunsten Dritter in dieser Höhe zu erhalten. Andere Gemeinden haben für kleinere Summen abschlägige Bescheide erhalten. Dies haben
wir dem guten Einvernehmen mit den Vertretern des Waffenplatzes zu verdanken.
An dieser Stelle muss auch festgehalten werden, dass der Geissenschachen eigentlich der
Ortsbürgergemeinde gehört und zur Benützung an das Militär verpachtet ist. Wir sind darauf
angewiesen, ein gutes Einvernehmen zwischen der Einwohnergemeinde und dem Pächter
zu haben, der dafür zahlt, dort seine Ausbildungsstätte zu haben. Dies geht oft ein wenig vergessen und sollte in Erinnerung gerufen werden.
Als Postulant bin ich froh, dass diese Vorlage dem Einwohnerrat termingerecht vorliegt und
auch termingerecht zur Abstimmung vor das Volk gebracht werden kann. So kann bei der
Eröffnung der Aaresteg gemeinsam mit dem Sportausbildungszentrum eingeweiht werden.
Es wird keine zeitliche Verzögerung geben. Eine Befürchtung, die vor eineinhalb Jahren ge-
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äussert wurde. Damals stand es noch in den Sternen, ob die gleichzeitige Eröffnung gelingen
würde.
Herr Th. Gremminger: Die Grünen Brugg stimmen den beiden Anträgen zum Aaresteg Mülimatt zu. Man muss den Stadtrat loben, dass er es geschafft hat, die Kredite um 3 Millionen
Franken zu drücken. Vor einer Urnenabstimmung braucht man keine Angst zu haben. Die
neue Fussgänger- und Radwegverbindung über die Aare ist eine gute Sache und bringt der
Stadt Brugg einen wesentlichen Mehrwert. Die Wohnquartiere in Lauffohr und Brugg-Nord
erhalten mit der Verbindung über die Aare einen direkten Zugang zum Zentrum mit Bahnhof
und Neumarkt. Einmal mehr zeigt sich, dass das Vorgehen über einen Wettbewerb hervorragende Resultate liefert. Uns ist auch wichtig, dass der ökologische Ausgleich und die ökologischen Ausgleichsmassnahmen gut an das Projekt angepasst und in vorbildlichem Umfang integriert sind. Gemäss dem Stand der Planung wird das Geld für den ökologischen
Ausgleich einer Naturerlebniszone in der Mülimatt zugute kommen. Ein renaturierter Uferbereich direkt vor der Stadt Brugg bringt nicht nur der ganzen Natur etwas, sondern auch den
Menschen.
Herr B. Ganz: Ich spreche im Namen der CVP-Fraktion. Persönlich hat dieses Projekt für
mich mit einer Enttäuschung begonnen. Ich musste feststellen, dass bei der Wettbewerbausschreibung ganze Berufsgattungen aus der Region ausgeschlossen wurden. Landschaftsingenieure und Bauingenieur konnten nicht beweisen, dass sie mit den anderen mithalten
könnten. Dies ist negativ. Positiv ist hingegen, dass hervorragende Ergebnisse erarbeitet
wurden. Dem Rat liegt ein Projekt vor, das ein starkes Bauwerk werden wird, wie es im Aargau sonst nicht vorhanden ist. Es wird auch eine Ausstrahlung nach aussen haben.
Im weiteren ist sicher auch der Zeitpunkt positiv. Die Stadt Brugg hat zusammen mit Windisch, dem Kanton, der Fachhochschule und dem Militär eine Lösung gefunden, wie der Steg
finanziert werden kann. Ich hoffe, diese Zusammenarbeit wird noch in vielen weiteren Projekten so verlaufen. Es muss jedoch nicht immer so sein, dass die Stadt Brugg den grössten finanziellen Anteil übernehmen muss.
Es gibt auch Schwachpunkte in diesem Projekt respektive in den Unterlagen. In erster Linie
sollte man in den Unterlagen die Wegverbindungen schaffen. Dies war bisher nur rudimentär
der Fall. Wenn man den Langsamverkehr fördern will, sollte man kurze Wege schaffen und
nicht ein Labyrinth von Wegen, die nicht benutzt werden. Ich bitte den Stadtrat, den Randzo-
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nen gleich viel Gewicht beizumessen wie dem Steg selber. Nur wenn eine kurze Verbindung
über den Steg zwischen dem Bahnhof und Lauffohr geschaffen wird, wird er auch nutzbar.
Die Beleuchtung wird sicher problematisch werden. Es gibt ein Spannungsfeld zwischen dem
Recht auf Dunkelheit, vor allem von den Tieren, Kleinstlebewesen und der Menschen, und
Licht für den Benutzer. Mit einer Einheitsbeleuchtung lässt sich dies nicht erreichen, da würde man etwas falsch machen. Ein hervorragendes Beispiel in Sachen Beleuchtung bietet die
Vogelsanger Brücke. Wenn man sich so sorgfältig damit auseinandersetzt, dann ergeben
sich für alle Beteiligten positive Punkte. Ich bitte den Stadtrat, das Thema Beleuchtung auf
sensible Art zu planen.
Die CVP unterstützt die beiden Anträge.
Frau L. Baldinger: Ich spreche im Namen der SP-Fraktion, die über die Vorlage sehr erfreut
ist. Architektonisch ist der Steg sehr schick. Die SP findet nicht, dass es ein Geschenk an die
Gemeinde Windisch ist, sondern dass daraus eine Win-Win-Situation entstehen kann. Wir
freuen uns auf ein gemeinsames Einweihungsfest.
Damit ist die Diskussion erschöpft.
In der Abstimmung werden die Anträge des Stadtrates:
«1. Sie wollen für den Bau des Aaresteges Mülimatt einen Kredit von CHF 3'211'000, zuzüglich Teuerung ab April 2007 (ZH WBK-Index Basis 2005, 106,2 Punkte), zuhanden der
Urnenabstimmung bewilligen.
2. Sie wollen das Postulat Titus Meier vom 19. Oktober 2007 betreffend Realisierung eines
Aaresteges Mülimatt-Geissenschachen abschreiben.»
einzeln einstimmig gutgeheissen.
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Traktandum 4: Baukredit für den Umbau Untere Hofstatt 4
_________________________________________________________________________
Herr Stadtammann R. Alder: Am 27. Juli 2008 sprach der Rat den Projektierungskredit von
390'000 Franken für den Umbau mit 35 zu 0 Stimmen. Drei Tage vorher genehmigte der
Grosse Rat den Mietvertrag «Unterbringung des Gerichts in der Hofstatt 4» ebenfalls ohne
Gegenstimme. Es liegt ein Mietvertrag mit dem Kanton über fünf Jahre mit indexiertem Mietzins vor. Mit dem Projektierungskredit machte der Rat den Weg für dieses Projekt frei. Sämtliche Eckpunkte waren damals bekannt. Das Bezirksgericht mit der zweiten Gerichtspräsidentin und die Regionalpolizei platzen aus allen Nähten.
Der Kanton setzt ebenfalls mit sämtlichen Mitteln alles daran, das Projekt voranzutreiben,
weil die Raumverhältnisse prekär sind. In nur einem halben Jahr wurde die Vorlage mit den
Architekten, den Verantwortlichen von Bezirksgericht, Regionalpolizei, Bau- und Stadtverwaltung erarbeitet.
Anlässlich der Informationsveranstaltung kam die Frage auf, ob es möglich wäre, im IBBGebäude anstelle des Lifts eine Rampe zu bauen. Dieses Anliegen wurde entgegengenommen und geprüft. Bei der inneren Erschliessung kann nur ein Podestlift gebaut werden. Die
historische Bausubstanz mit der Stützenkonstruktion lässt keine andere Möglichkeit zu. Der
Podestlift kann jedoch von Gehbehinderten und mit Kinderwagen sehr einfach benutzt werden. Der Wunsch nach einem Zubringer an die Rampe aussen wurde von der Bauverwaltung
entgegengenommen. Dies ist machbar und wird umgesetzt.
Die Frage nach den Kosten für eine Aufstockung des Liftes bis ins Dachgeschoss zu den Eisenbahnfreunden kann ich ebenfalls beantworten. Ein zusätzlich aufgebautes Modul kostet
25'000 Franken. Dieses Anliegen wurde während der gesamten Planung berücksichtigt. Diese Kosten wurden jedoch aus Wirtschaftlichkeitsgründen gestrichen, weil dieser Lift sicher
nicht so häufig genutzt wird wie der Zugang zum Gericht und den anderen Amtsstellen.
Der Stadtrat und die Kommission haben sich intensiv mit der Energiefrage auseinandergesetzt. Es soll nicht bei leeren Worten zum Label Energiestadt bleiben. Aber mit Blick auf das
alte Gebäude sind alle Fachleute zum Schluss gekommen, dass sich dieses Gebäude nicht
eignet. Auch sollen die Kosten tief gehalten werden. Ausserdem hat sich der Stadtrat auch
mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpe für rund 400'000 Franken auseinandergesetzt. In der
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Vorlage ist das Honorar für die Planung von rund 85'000 Franken nicht aufgeführt. Ein solches Projekt würde also rund 510'000 Franken kosten.
In der Schulthess-Allee hat der Stadtrat die Garagen in Augenschein genommen. Es gab eine Diskussion, ob die Tore ersetzt werden sollen. Diese wurden sehr genau analysiert und
auch eine mögliche Sanierung abgeklärt. Neue Tore würden zwischen 45'000 und 50'000
Franken kosten und sind vom Stadtrat nicht vorgesehen.
Die Regionalpolizei ist in der Hofstatt untergebracht. Die Bedenken, dass die Regionalpolizei
dort versteckt sei, lassen sich nur bedingt nachvollziehen. Dann wäre die Kantonalpolizei im
Wildischachen sicher auch versteckt. Es handelt sich nicht mehr um eine Gemeinde-, sondern um eine Regionalpolizei, die in alle Gemeinden vom Oberbözberg bis nach Birrhard
ausrückt. Ein Einsatzfahrzeug ist strategisch geschickt platziert und kann sehr schnell über
die Schulthess-Allee ausrücken.
Die Anpassungen am Baulichen bei der Regionalpolizei und im Gericht werden flexibel gestaltet. Auch spätere Umnutzungen bleiben möglich. Regionalpolizei und Gericht profitieren
beiden von möglichen Synergien mit der Amtsvormundschaft und dem Zivilstandsamt. Die
Eisenbahnfreunde werden unter dem Dach bleiben. Momentan bezahlen sie keine Miete, jedoch Nebenkosten für Wasser und Energie. Der Stadtrat setzt sich dafür ein, dass flexible
Lösungen geschaffen werden, die dann später nicht für viel Geld wieder rückgebaut werden
müssen. Die Vorlage für die Sanierung einer stadteigenen Liegenschaft ist gelungen. Sie
weist Synergien auf. Der Stadtrat bittet den Rat, der Vorlage zuzustimmen und ein Zeichen
für die Bevölkerung zu setzen.
Herr V. Meier: Ich spreche im Namen der SVP. Nachdem der Einwohnerrat bereits im letzten
Sommer den Projektierungskredit gesprochen hat, geht es jetzt um einen Baukredit. Der Projektierungskredit kam nur unter Vorbehalten von einigen Einwohnerräten aus mehreren Fraktionen zustande. Nichtsdestotrotz liegt jetzt eine praktisch unveränderte Vorlage vor, die abgesegnet werden soll. Es scheint, als ob die Exekutive den Einwohnerrat nicht ernst nimmt
und ignoriert. Ungeachtet der abgegebenen Voten und Meinungen ist die Regionalpolizei
weiterhin in diesem Gebäude tief in der Altstadt versteckt. Der Standort ist nach wie vor für
eine Einsatztruppe nicht geeignet. Ein Polizeiposten soll zentral gelegen sein. Man soll und
muss die physische Präsenz spüren und sehen. Zusätzlich ist diese Lösung mit dem exter-
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nen Fahrzeugpark eher in der Rubrik «Wie halte ich meine Kader fit?» einzuordnen, als dass
eine schlagkräftige Truppe innerhalb von kürzester Frist zur Verfügung stehen und in Einsatz
gehen kann. Der Bürger, der notabene die Polizei finanziert, möchte diese auch sehen und
gegebenenfalls deren Hilfe in Anspruch nehmen. Dass das Gericht in die Hofstatt zieht, ist
sicher eine gute Sache, aber nicht die Polizei. Es wäre auch vermessen, vom Stimmbürger
ein Ja für 6,2 Millionen Franken zu erwarten, um dann nach verlorener Abstimmung das
Fasnachtsmotto «einisch meh dur d'Latte» aufzugreifen.
Die SVP stellt deshalb einen Antrag auf Rückweisung des Traktandums 4.
Frau R. Boeck: Die SP ist gegen die Rückweisung des Antrags, weil die Polizei diese Räume
braucht. Die Vorlage ist der schnellste Weg, um ihr dazu zu verhelfen. Die Vorbehalte der
SVP gelten auch für die SP. Diese hat jedoch eine andere Strategie und ist deshalb gegen
die Rückweisung.
Herr F. Hollinger: Die CVP ist ebenfalls gegen die Rückweisung und wird der Vorlage zustimmen. Die Argumente für die örtliche Lage der Polizei sind insgesamt nicht stichhaltig. Es
warten nicht 20 Polizisten in dem Gebäude, die dann im Einsatzfall aus dem Gebäude stürmen. Man sieht Polizisten auf den Strassen, das ist das Wichtigste. Der Ort, wo diese ihre
Pausen abhalten, ist nicht so wichtig.
In der Abstimmung wird der Rückweisungsantrag der SVP-Fraktion
mit 41 Nein gegen 6 Ja abgelehnt.
Frau R. Boeck: Im Zusammenhang mit der Vorlage «Untere Hofstatt 4» kann die SP-Fraktion
nicht die gleiche Begeisterung an den Tag legen wie bei der Vorlage «Aaresteg». Im Gegenteil, die Begeisterung ist etwa auf der gleichen Stufe wie an der Einwohnerratssitzung im letzten Sommer, als über den Projektierungskredit abgestimmt wurde. Die SP ist nach wie vor
der Meinung, dass der Standort der Regionalpolizei in einer Begegnungszone mit Tempo 20
ungeeignet ist. Trotzdem weiss die SP gestern wie heute und heute wie gestern, dass die
Polizei mehr Platz braucht, als am jetzigen Standort vorhanden ist. Die SP ist der Meinung,
dass die Regionalpolizei in eine zusammengefasste Stadtverwaltung mit der nötigen Infrastruktur gehört.
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Die SP unterstützt den Baukredit für die Untere Hofstatt, weil eine Verbesserung der Raumsituation der Regionalpolizei so möglich wird und weil das Erdgeschoss des Gebäudes mit relativ wenig Aufwand in eine kulturelle Einrichtung, zum Beispiel eine Bibliothek, umgenutzt
werden kann. Für die SP ist der Standort der Regionalpolizei in der Unteren Hofstatt eine
Zwischenlösung, unabhängig davon, was kantonal läuft. Zum Gebäude und zum Ausbau hat
die SP Zusatzanträge. Zwingend ist der Ausbau des Lifts bis ins dritte Obergeschoss. Falls
dieses Stockwerk irgendwann anders genutzt werden wird, so ist es zwingend, diese Investition jetzt zu tätigen. Die Verlängerung des Lifts hat Kosten von 30'000 Franken zur Folge, jedoch keine Auswirkungen auf die Isolation des Gebäudes. Deshalb ist dieses Geld gut investiert. Ein nachträglicher Einbau eines Liftes würde einiges mehr kosten und macht keinen
Sinn.
Der Zugang zum Gebäude muss so gestaltet werden, dass die Pflastersteine nicht zu Stolpersteinen für Menschen und Kinderwagen werden. Der im Eingangsbereich vorgesehene
Stufenlift macht mich unglücklich. Ich persönlich kann nicht nachvollziehen, dass es nicht
möglich sein soll, in einem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude mit einer so grossen
Eingangsfläche eine Rampe einzubauen.
Als es im Einwohnerrat um das Energielabel «Energiestadt» ging, hat die Mehrheit des Rates
erklärt, es brauche dazu keine Papiere, weil man ja danach handle. Bis jetzt ist jedoch nichts
passiert. Es lohne sich nicht, es wird zu wenig Wasser verbraucht, damit es sich lohne, es sei
zu kompliziert. Die Stadt hat jedoch gerade in der heutigen Zeit die Aufgabe, weitsichtig
energie- und umweltbewusst zu handeln. Aus diesem Grund soll die Investition in eine SoleWasser-Wärmepumpe von 500'000 Franken getätigt werden. Dies ist Energiebewusstsein
und amortisiert sich etwa im gleichen Zeitrahmen wie die Dreifachturnhalle. Der zweite Zusatzantrag der SP fordert deshalb die Aufstockung des Baukredits um 500'000 Franken für
die Installation eine Sole-Wasser-Wärmepumpe.
Mit diesen zwei Anträgen kann die SP Ja zum Baukredit Untere Hofstatt sagen, auch wenn
der Podestlift nervt.
Herr K. Zehnder: Die Fraktion der EVP unterstützt dieses Projekt grundsätzlich. Es ist gut,
dass eine sinnvolle Nutzung für dieses grosse Haus gefunden wurde. Eine stadtinterne Nut-
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zung, die flexibel ist und auch auf Änderungen über mehrere Jahre hinaus ausgerichtet ist.
Gleichzeitig ist es eine architektonische Aufwertung dieses Hauses. Es werden Konstruktionen sichtbar, die perfekt erhalten sind. Es ist insgesamt eine gute Sache.
Die EVP-Fraktion hat zwei Anträge vorbereitet. Diese decken sich mit denen der SP. Der Lift
sollte bereits jetzt bis in den dritten Stock geführt werden. Denn es ist nur eine Frage der
Zeit, bis dieser gebraucht wird. Es ist effizient und ökonomisch, dies jetzt schon zu erledigen.
Der zweite Antrag betrifft die Sole-Wasser-Wärmepumpe. Für uns ist nicht ersichtlich, weshalb diese in der Vorlage so schnell abgetan wurde. Man braucht alternative Energiequellen,
da man vom Gas wegkommt. Die Stadt hat, wie meine Vorrednerin ebenfalls betonte, eine
gewisse Vorbildfunktion bei den alternativen Energien. Die Energie braucht man jetzt. Ausserdem wäre die Investition in 15 bis 20 Jahren amortisiert.
Die EVP hat noch Fragen. Die Rollstuhlliftsituation im Eingangsbereich ist nicht optimal. Es
soll jedoch keine bessere Lösung geben. Ist es möglich, mit den Rollstühlen über den hinteren Eingang in das Gebäude zu kommen? Ist die Zufahrt für Polizeiautos nötig? Wo sind die
Parkplätze? Welche Umtriebe gibt es für die Anwohner? Dazu wurde bisher noch nichts gesagt.
Herr U. Keller: Ich spreche im Namen der FDP-Fraktion. Der Stadtrat unterbreitet dem Rat
eine Vorlage, die das historische Bauwerk bestehen lässt, wie es ist. Alle Auflagen wurden
von den Architekten sehr gut berücksichtigt. Es gibt zusätzlichen Freiraum, der sich von den
Architekten gut ausnützen lässt.
Insbesondere lässt sich feststellen, dass die Gestaltung des Erdgeschosses, welches von
der Regionalpolizei genutzt werden wird, sehr flexibel gewählt worden ist. Auch falls die Regionalpolizei abgeschafft werden sollte, würde sich das Gebäude ohne grosse Massnahmen
umnutzen lassen. Falls die Einheitspolizei kommen würde, müsste man auf Stufe der Städte
oder der grossen Agglomerationen Lösungen suchen und letztendlich durch die Stadt Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Die verschiedentlich vorgebrachten Argumente wegen des
schlecht gewählten Standortes der Regionalpolizei stimmen schlichtweg nicht. Die Regionalpolizei ist nicht wie eine Berufsfeuerwehr, bei der im Falle eines Alarms die Männer die
Rutschbahnen herunterrutschen, in die Hosen schlüpfen, auf die Fahrzeuge springen und
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weg sind. Hier muss man die Lage anders betrachten. Die Hauptaufgabe der Regionalpolizei
ist es, präventiv tätig zu sein. Diese hat normalerweise ein bis zwei Fahrzeuge ausserhalb
des Standorts auf Patrouille. Falls dann irgendetwas passiert, wird die Polizei direkt von aussen an die entsprechenden Orte befohlen.
Fazit: Die Regionalpolizei ist mit diesem Standort glücklich. Man muss jetzt die Gelegenheit
beim Schopf packen und dort einziehen. Anlässlich der Orientierungsveranstaltung für die
Öffentlichkeit sind von Herrn Stadtammann Alder diverse Anregungen entgegengenommen
worden, auf die zum Teil bereits eingegangen wurde. Der Eingangsbereich für Behinderte
und die Sache mit dem Kopfsteinpflasterproblem sind aufgegriffen worden. Ich habe Vertrauen in den Stadtrat, dass diese auch dementsprechend umgesetzt werden. Im Projekt ist der
Lift aus Kostengründen nur bis in das 2. Obergeschoss geführt worden. Die FDP-Fraktion ist
grossmehrheitlich der Meinung, dass mit der Realisierung des Umbaus der Lift ins 3. Obergeschoss geführt werden muss. Dies führt zu Kosten von etwa 30'000 Franken. In diesem
Projekt hat es eine Reserve von rund 275'000 Franken. Die FDP ist deshalb der Meinung,
dass man diese 30'000 Franken ohne eine Erhöhung des Kredits in das Projekt einfliessen
lassen kann.
Die FDP-Fraktion stellt deshalb einen Antrag auf Verlängerung der Liftanlage bis ins 3. Obergeschoss und bittet den Rat, dem gestellten Antrag zuzustimmen.
Herr F. Hollinger: Die CVP-Fraktion stimmt dieser Vorlage und damit auch dem Standort zu.
Die Doktrin und das Konzept lassen diesen Standort zu. Der Lift sollte bis ins 3. Obergeschoss geführt werden. Ob dafür ein Zusatzkredit von 30'000 Franken für die Aufstockung
nötig ist, kann ich nicht beurteilen. Sicherheitshalber kann der Rat die Erhöhung bewilligen.
Die Heizung sollte rein frankenmässig vorsichtig beurteilt werden. Es wird eine Volksabstimmung geben. Unter dem Label «Energiestadt» darf nicht einfach alles aufgeblasen werden.
Eine halbe Million mehr oder weniger kann für den Stimmbürger schon ein Argument für oder
gegen das Projekt sein. Der Kredit beläuft sich jetzt schon auf über 6 Millionen Franken. Ich
habe Bedenken, den Kredit nochmals um eine halbe Million aufzustocken. Wird das Projekt
dann noch akzeptiert? Die jetzt vorgesehene Heizungsanlage ist nicht energieunfreundlich.
Sie könnte zwar durch eine energiefreundlichere ersetzt werden, aber die geplante Gasheizung ist durchaus geeignet und vor allem im CO2-Bereich neutral. Bei der Sole-Wasser-
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Wärmepumpe muss bei den Kosten in Betracht gezogen werden, dass 500'000 Franken verzinst werden müssen. Bei 5 Prozent belaufen sich die Kosten dafür auf 25'000 Franken im
Jahr. Damit entsprechen die Schuldzinsen genau der Einsparung. Das Kapital steht jedoch
nicht mehr zur Verfügung. Man müsste 50'000 Franken einsparen können, damit es sich
lohnt.
Unter Berücksichtigung aller Umstände bitte ich den Rat, dem vorliegenden Kredit zuzustimmen, allenfalls aufgestockt um 30'000 Franken für den Lift.
Herr H. Meier: Ich war früher Mitbenützer der Garagen im ehemaligen Feuerwehrmagazin,
die die Regionalpolizei für ihre Fahrzeuge nutzen wird. Bereits vor 1995 hiess es, in der Gegend der Garagen sollte man sich nur mit Helm und Handschuhen aufhalten. Die Tore galten
schon damals als gefährlich und unsicher. Sie verfügen über eine alte Drahtseilrollenmechanik mit schweren Gegengewichten. Es sind überbreite Einzeltore, die in der Benutzung unhandlich sind. Man kann auch nicht zwei Fahrzeuge gleichzeitig durch ein Tor fahren. Die Tore sollen revidiert werden. Eine Revision ist sicher aufwändig und nicht billig. Ausserdem gab
es Bodenabsenkungen, die dazu führten, dass die Tore hin und wieder klemmen. Diese Woche habe ich mir die Mühe gemacht, die Tore auszuprobieren. Sie lassen sich zwar einigermassen gut von innen öffnen, aber wenn man sie schliesst, muss man sich ziemlich anstrengen. Das Schliessen ist relativ schwierig. Deshalb stelle ich den Antrag, dass in der Vorlage
anstelle von «die Tore (werden) revidiert» neu «die Tore (werden) durch sichere und benutzerfreundliche ersetzt» geschrieben wird. Falls die im Projekt eingesetzte Reserve von
275'000 Franken nicht ausreicht, müsste der Rat diesen Posten von 60'000 auf 100'000
Franken erhöhen. Polizeibeamte setzen ihre Gesundheit und ihr Leben für die Sicherheit der
Einwohnerinnen und Einwohner aufs Spiel. Der Rat sollte sie nicht noch zusätzlich gefährden. Mit dieser kleinen Komfortsteigerung und dem Zeitgewinn bei der Handhabung kann
man vielleicht den Standortnachteil teilweise ausgleichen.
Ich bitte den Rat, diese Tore zu Gunsten der Benutzer zu ersetzen.
Herr Stadtammann R. Alder: Die Bewohner der Hofstatt werden etwa die gleichen Umtriebe
haben wie bisher. Künftig wird nur noch maximal ein Einsatzfahrzeug vor Ort sein. Geparkt
sind die Autos in der Schulthess-Allee, wenn die 23 Mann nicht von Birrhard bis Oberbözberg
unterwegs sein werden.
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Beim Podestlift ist es so, dass Schwerstbehinderte selbstverständlich genauso wie die Polizisten den Hintereingang benützen können. Dann ist man genau im Erdgeschoss, wo der Lift
beginnt. Ich lade den Rat gerne ein, einmal die Regionalpolizei an ihrem Standort in Lenzburg zu besichtigen. Diese hat denselben Auftrag wie die Regionalpolizei Brugg und ihr
Standort befindet sich an einer ähnlichen Lage wie in Brugg.
Die Anträge von SP, FDP und EVP fordern die Liftaufstockung mit Krediterhöhung oder unter
Abbuchung der Kosten bei den Reserven. Der Stadtrat nimmt den Antrag entgegen, aber die
Kosten müssen korrekt eingestellt werden. Die Reserven dürfen dafür nicht angetastet werden, da bei jedem Bau Unvorhergesehenes passieren kann. Deshalb muss der Kredit um
30'000 Franken erhöht werden. Der Stadtrat zeichnet sich dafür aus, dass er möglichst wenig
ausgibt und versuchen wird, mit dem Rahmenkredit durchzukommen.
Die vorgeschlagene Heizung wird von den Fachleuten als sehr gut taxiert. Selbstverständlich
wäre es schön, eine Sole-Wasser-Wärmepumpe zu haben. Der Stadtrat hat sich jedoch dagegen entschieden, da auch die Arbeiten dafür sehr umfangreich sein würden. Die Bohrungen müssten durch Felsgrund laufen. Niemand weiss, wie die energiepolitische Lage in 20
Jahren aussieht. Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe braucht auch Elektrizität. Mit der jetzt geplanten Heizung wird die Vorlage jedenfalls nicht gefährdet.
Der Stadtrat hat die Tore besichtigt. Falls die Experten die Tore als Gefährdung einstufen,
wird der Stadtrat eine andere Lösung suchen. Die Tore lassen sich sanieren und damit eine
Kosteneinsparung erreichen. Ausserdem muss immer auch der Gestaltungsplan berücksichtigt werden. Die Sanierung wird sicher günstiger werden als der Ersatz der Tore. Leider liegt
der Expertenbericht noch nicht vor. Der Stadtrat bittet den Rat, den Zusatzantrag zum Ersatz
der Tore und die zusätzliche Ausgabe von 40'000 Franken abzulehnen.
Herr J. Hunziker: Ich stelle einen Ordnungsantrag. Zuerst möchte ich wissen, welche Anträge
genau vorliegen und worüber abgestimmt wird. Danach beantrage ich eine Beratungspause.
Herr B. Ganz: Es ist unklar, was in den unterschiedlichen Anträgen steht. Beim grossen Posten Heizung brauche ich zudem Aussagen über die Differenzkosten der beiden Heizungssysteme.
509
Herr Stadtammann R. Alder: Die Mehrkosten belaufen sich auf 425'000 Franken. Dazu
kommen noch 85'000 Franken für Planungshonorare. Daraus ergeben sich Mehrkosten in
der Höhe von 510'000 Franken.
Der Präsident des Einwohnerrates liest die vorliegenden Anträge vor:
1. Antrag von Frau R. Boeck: Für den Baukredit Untere Hofstatt 4 werden zusätzlich CHF
25'000 eingestellt für die Erweiterung des Lifts in den 3. Stock.
2. Antrag der FDP-Fraktion: Die Liftanlage ist zu Lasten der im Kostenvoranschlag ausgewiesenen Reserve bis ins 3. Obergeschoss zu verlängern.
3. Antrag Frau R. Boeck: Für den Baukredit der Unteren Hofstatt 4 werden zusätzlich CHF
510'000 für die Installation einer Sole-Wasser-Wärmepumpe eingestellt.
4. Antrag von Herrn H. Meier: Bei den Garagen für die Regionalpolizei wird anstelle von «die
Tore (werden) revidiert» neu «die Tore (werden) durch sichere und benutzerfreundliche ersetzt» geschrieben. Dies führt zu Mehrkosten von 40'000 Franken.
Herr H. Meier: Ich möchte noch kurz etwas richtigstellen. Die Mehrkosten von 40'000 Franken sind eine Schätzung. Wie viel der 60'000 Franken für die Revision eingestellt sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Aussage von Herrn Stadtammann Alder fand ich bemerkenswert, dass die Revision sicher nicht mehr kosten werde als neue Tore.
Frau E. Büchler: Ich habe eine Verständnisfrage. In der Vorlage sind unter dem Posten 24
Heizungs-, Lüftungs-, Klima- und Kälteanlagen 434'000 Franken aufgeführt. Welche Kosten
verursacht hier die Gasheizung? Es wären dann ja nicht zusätzlich 510'000 Franken. Die Differenz muss offengelegt werden.
Herr Stadtammann R. Alder: Die 510'000 Franken beinhalten nur die effektiven Mehrkosten.
Herr Vizeammann M. Wehrli: Die Sole-Wasser-Wärmepumpe verursacht Zusatzkosten von
510'000 Franken. Im eingestellten Betrag sind die Kosten für die Gasheizung enthalten.
Herr J. Hunziker: Ich halte an meinem Antrag fest. Der Baukredit soll wegen des Lifts nicht
510
erhöht werden. Je wuchtiger der Kredit ist, desto mehr Geld wird ausgegeben. Es wäre lächerlich, für eine Kostenüberschreitung von einem halben Prozent bei diesem Volumen einen
Nachtragskredit zu beantragen.
- - - Die Sitzung ist unterbrochen - - -
Die beiden sich gegenseitig ausschliessenden Anträge werden mit der Koordinationsmethode gemäss Art. 26, Abs. 3, letzter Satz, des Geschäftsreglements zur Abstimmung gebracht.
Jedes Mitglied des Einwohnerrates verfügt über eine Stimme pro Abstimmung.
In der Abstimmung entfallen auf den Antrag der FDP-Fraktion für den Bau des Liftes bis ins
3. Obergeschoss ohne Erhöhung des Kredites zulasten der Reserven 22 Stimmen und
auf den Antrag von Frau R. Boeck für den Bau des Liftes bis ins 3. Obergeschoss mit Erhöhung des Kredites um 25'000 Franken 24 Stimmen.
In der Schlussabstimmung wird der Antrag für den Bau des Liftes bis ins 3. Obergeschoss
mit Erhöhung des Kredites um 25'000 Franken mit 43 Ja gegen 0 Nein gutgeheissen.
In der Abstimmung wird der Zusatzantrag von Frau R. Boeck:
«Für den Baukredit der Unteren Hofstatt 4 werden zusätzlich CHF 510'000 eingestellt für die
Installation einer Sole-Wasser-Wärmepumpe.»
mit 23 Nein gegen 20 Ja abgelehnt.
In der Abstimmung wird der Zusatzantrag von Herrn H. Meier:
«Für den Ersatz der Garagentore durch benutzerfreundliche und sichere Tore für die Regionalpolizei wird der Kreditantrag um 40'000 Franken erhöht.»
mit 32 Nein gegen 4 Ja abgelehnt.
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Damit ist die Diskussion erschöpft.
In der Abstimmung wird der Antrag des Stadtrates:
«Sie wollen für den Umbau Untere Hofstatt 4 einen Kredit von CHF 6'245'000, zuzüglich
Teuerung ab April 2008 (ZH WBK-Index Basis 2005, 110,5 Punkte), zuhanden der Urnenabstimmung bewilligen.»
mit 42 Ja gegen 6 Nein gutgeheissen.
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Traktandum 5: Entlassung der «Alten Post» aus dem kommunalen Denkmalschutz und Kredit für den Wettbewerb «Ersatzbau Alte Post»
_________________________________________________________________________
Herr Stadtammann R. Alder: Es geht um die Aufhebung des kommunalen Denkmalschutzes.
Der Rat muss entscheiden, ob er diese will oder nicht. Dieser Entscheid gibt den Planern die
nötige Sicherheit. Ausserdem geht es um den Kredit für den Wettbewerb. Die ersten Schritte
für die Planung sollen eingeleitet werden. Die Ausgangslage ist schwierig. An der Stadtratssitzung im Januar 2007 lagen sieben verschiedene Stossrichtungen vor. Auch in der Bauund Planungskommission wurde mehrfach und differenziert diskutiert. Eines ist unbestritten:
Die Zentralisierung der Verwaltung soll in der Alten Post erfolgen. Aus den Fraktionen hört
man, dass der Perimeter erweitert werden soll, dass trotz Aufhebung des Denkmalschutzes
ein Umbau anstatt eines Ersatzbaus möglich sein sollte, dass keine Zustimmung für den Planungskredit erteilt werden kann, bis keine Klarheit bezüglich einer Fusion mit Windisch
herrscht. Die Planung kann trotz dieser Bedenken durchgeführt werden. Die räumlichen Reserven sind auch bei einer allfälligen Fusion mit Windisch noch vorhanden. Mit geringem
Aufwand wäre dann eine Umnutzung der Alten Post möglich. Ein Stillstehen und ein Verharren wegen der unbekannten Zukunft würden die Planung lähmen und auch die Verwaltung
hemmen.
Man spricht von Standortattraktivität, von Stadtentwicklung. Müssen Einwohner und Neuzuzüger mit der Visitenkarte Alte Post konfrontiert werden oder noch schlimmer mit dem Kupperhaus? Mit einem Umbau oder einem Neubau kann die Stadt Brugg endlich einen Schritt
vorwärts kommen. Denn die Arbeitsbedingungen in der Alten Post und im Kupperhaus sind
schlecht. Die Arbeit wird zwar gut gemacht, aber die Mitarbeitenden in den Verwaltungsabteilungen warten darauf, dass es endlich vorwärts geht. Primär sind es jedoch die Einwohnerinnen und Einwohner, die mit der schlechten Zugangs- und Raumsituation konfrontiert werden.
Die Durchführung eines Wettbewerbs oder eines Studienauftrags ist dringend nötig. Auch
während der Planung kann jeweils auf die neuen Gegebenheiten eingegangen werden. Zukünftige Fusionen, mit wem auch immer, können integriert werden.
Wer wird schliesslich die Alte Post nutzen? Der Rat hat jetzt die Möglichkeit, einer möglichen
Lösung zuzustimmen. Der Planungshorizont lässt weitere und flexible Lösungen zu. Nicht die
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Kanzlei oder der Stadtrat haben entschieden, die dem Rat vorliegende Variante weiterzuverfolgen. Diese wurde von den Fachleuten vorgeschlagen. Alles ist in Bewegung, alles ist möglich. Damit kann auf alle künftigen Nutzungen flexibel reagiert werden. Die Durchführung eines Projektwettbewerbs oder eines Studienauftrags dauert rund eineinhalb Jahre. Für die
Beantragung des Projektierungskredits und des Baukredits muss je nochmals mit einem Jahr
gerechnet werden. Danach folgt die Realisierung. Somit muss von einem Zeithorizont von
vier bis sechs Jahren ausgegangen werden. Referenden und Einsprachen sind dabei noch
nicht eingerechnet. Deshalb muss es jetzt vorwärts gehen. Der Rat vergibt sich nichts, wenn
er jetzt die Initialzündung startet. Er kann die Weichen stellen. Der Stadtrat kann auch einem
Studienauftrag, der im Rahmenkredit Platz hat, zustimmen. Da ein gültiger Gestaltungsplan
vorhanden ist, wird dies einfach. Der Stadtrat kann aber auch einer Lösung zustimmen, bei
welcher der kommunale Denkmalschutz der Alten Post bestehen bleibt. Das Kupperhaus
darf jedoch nicht mehr bestehen. Ausserdem ist die Alte Post nicht behindertengerecht erschlossen. Zudem soll Raum für ein Stadtbüro geschaffen werden. Der Rat kann jetzt Weichen stellen und das Projekt bleibt trotzdem flexibel, weil der Rat auch in Zukunft über alle
Schritte mitbestimmen kann.
Der Stadtrat bittet deshalb den Rat, zu diesem ersten Schritt Ja zu sagen.
Herr U. Häseli: Heute ist der Abend der Anträge. Ich will keinen Antrag stellen, sondern nur
einen Ordnungsantrag. Für mich sind zwei Themen in der Vorlage enthalten. Es wird schwierig, wenn der Rat ohne Konzept diskutiert. Es sind zwei klare Fragen zu beantworten. Erstens: Will der Rat dieses Gebäude aus dem kommunalen Denkmalschutz entlassen oder
nicht? Dieser Entscheid hat auch Einfluss auf die zweite Frage, die danach beantwortet werden muss. Deswegen schlage ich vor, dass der Rat zuerst das erste Thema diskutiert und
auch darüber abstimmt. Erst danach soll zum zweiten Thema übergegangen und darüber
abgestimmt werden. Dieses Vorgehen ist wichtig, damit es kein Durcheinander gibt. Beim
vorherigen Geschäft musste der Rat auch zuerst eine Pause einschalten, um die Entscheide
zu diskutieren.
In der Abstimmung wird dem Ordnungsantrag grossmehrheitlich zugestimmt.
Frau K. Graf: Die SP-Fraktion wird der Entlassung des Gebäudes Alte Post aus dem kommunalen Denkmalschutz zustimmen.
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Frau M. Schmidlin: Die CVP-Fraktion stimmt dieser Vorlage zu, um für das zukünftige Projekt
alle Möglichkeiten offen zu lassen: Sei es Renovation der Alten Post, sei es ein Projekt, das
Neu und Alt mischt, oder sei es eine Neue Post.
Herr U. Häseli: Die Argumentation des Stadtrates zum Thema Entlassung dieses Gebäudes
aus dem Denkmalschutz besteht einerseits darin, dass es teurer werden wird, wenn das Gebäude stehen bleibt. Andererseits sagt der Stadtrat, dass es schlechter nutzbar ist. Diese Argumente gelten für jedes geschützte Gebäude. Man muss Gebäude schützen, damit man sie
nicht abreisst. Die Frage ist, welchen Wert das Architektonische hat. Die Fachleute sind der
Meinung, es habe einen hohen Wert, auch als Bild im alten Zentrum der Stadt. Wenn etwas
Neues gebaut wird, dann etwas architektonisch Hochstehendes. Man ist auf dieses Gebäude
angewiesen. Wenn man etwas Modernes baut, sind noch weniger Leute zufrieden. Man hat
das verloren, was man gehabt hat, und das Neue gefällt auch wieder nicht allen. Es ist nicht
ganz einfach. In der Vorlage des Stadtrates steht, dass man entweder das Gebäude aus
dem Denkmalschutz entlässt oder man verstärkt den Denkmalschutz und erweitert ihn sogar
um den kantonalen Denkmalschutz.
Das Argument meiner Vorrednerin, man habe alle Optionen offen, ist nicht korrekt. Wenn der
kommunale Denkmalschutz bestehen bleibt und um den kantonalen Denkmalschutz erweitert
wird, dann zahlt der Kanton etwas an eine Renovation. Wenn das Gebäude aber unter keinem Denkmalschutz steht und der Rat sich nachher gegen einen Abbruch entscheidet, zahlt
niemand etwas. Damit ist die Chance vertan, dass man es überhaupt stehen lässt. Die Grünen Brugg sind dafür, dass man die Alte Post im kommunalen Denkmalschutz bestehen lässt
und auch den kantonalen Denkmalschutz für das Gebäude anfordert.
Herr J. Hunziker: Die FDP-Fraktion hat sich ausführlich mit diesem Projekt auseinandergesetzt. Aus den Gründen, die mein Vorredner bereits erwähnt hat, kam die FDP zur Auffassung, dass es einen Studienauftrag braucht. Damit stehen alle Optionen offen. Nach dem
Studienauftrag kann der Rat immer noch die beste Lösung auswählen und entscheiden, ob
man die Alte Post zusätzlich unter kantonalen Denkmalschutz stellen soll. Deshalb stimmt
die FDP dem ersten Antrag zu und entlässt das Gebäude aus dem kommunalen Denkmalschutz.
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Herr K. Zehnder: Im Namen der EVP-Fraktion weise ich auf die Bedeutung und den Wert der
Alten Post hin. Ich möchte drei Aspekte dazu erläutern. 1: Bedeutung; 2: Standort und 3:
Sinnvolle Nutzung.
Von der Bedeutung her wissen alle, dass die Alte Post da ist. Aber es scheint, als ob viele
nicht wissen, was die Stadt Brugg daran hat. Um dies herauszufinden, muss man die Geschichte dieses Objekts betrachten. Es redet in einer Sprache, welche unterdessen 115 Jahre alt ist. Sie ist nicht einfach zu verstehen, aber man kann sie entschlüsseln. Dazu einige Erläuterungen: Dieses Haus steht an einer Schlüsselstelle. Es ist ein Ort des Aufbruchs der alten Stadt in ein neues Industriezeitalter. Es gab eine Altstadt, daran schliesst der FroelichPalast an, im 18. Jahrhundert und auf der Wiese draussen. Dann wurden 1840 die Stadtbefestigungen abgetragen und ein erster Schritt in ein neues Zeitalter getan, indem man das
Rote Haus gebaut hat. 50 Jahre später wurde die Alte Post an der Verkehrsachse aus der
Altstadt in Richtung Bahnhof gebaut. Der Bahnhof war damals der Kristallisationspunkt, der
Anschluss an die neue Welt. Die Architekten bauten in einem Stil, den man Historismus
nennt. Die Türme haben etwas Nostalgisches. Das Schweizerische Landesmuseum hat
ebenfalls solche Türme, da es aus der gleichen Zeit stammt. Es ist interessant, dass man
diesen Stil gewählt hat, einige Jahrzehnte nachdem die Stadtbefestigungen gefallen sind.
Neben dem Baustil sind auch die gewählten Materialien ganz typisch. Unten am Gebäude
sieht man roh behauenen Tessiner Gneis, mit glitzernden Glimmerplättchen. Oben an der
Fassade ist der damals moderne Berner Sandstein, der ein preisgünstiges Material war, das
sich leicht bearbeiten lässt. Die sauber geschliffenen Stücke sieht man immer noch. Dazu hat
es Schmiedeisernes und den behäbigen Vorbau bei der Treppe. Auch im Innern hat es farbige Keramikplatten, die man heute so nicht mehr sieht. Das Treppenhaus ist grosszügig,
handwerklich sauber gebaut, mit einem schmiedeisernen Geländer und farbigen Fenstern.
Es hat handwerkliche und künstlerische Aspekte, die man zuerst betrachten und realisieren
muss. Dieses Gebäude steht an einer städtebaulich wichtigen Stelle und hat eine architektonisch charakteristische Substanz. Es ist Geschmackssache, ob man das Gebäude schön findet oder nicht. Schutzwürdigkeit ist nicht in erster Linie Geschmackssache, sondern dabei
zählen Fakten und nicht Meinungen. Denjenigen, die das Gebäude nicht schön finden, stelle
ich eine Frage: Ist der Schwarze Turm ein schönes Gebäude, wenn er nicht ein Wahrzeichen
von Brugg wäre?
Zum Thema Kulturstadt und Stadtmarketing: In den Legislaturzielen steht, dass die Stadt
516
Brugg überregional als Ort wahrgenommen werden soll, der städtebaulich überdurchschnittliche Qualität anstrebt, der das bauhistorische Erbe pflegt und weiterentwickelt und ein städtebaulich gut gelöstes Nebeneinander von Alt und Neu sucht. Die Vorlage ist eine Provokation. Der Stadtrat sagt nicht, dass dies alles nicht geht. Der Rat muss sich nun entscheiden.
Wenn das Gebäude durch einen Neubau ersetzt wird, dann wird die Brücke zwischen dem
Alten in das Neue – Vögele und Neumarkt – zerstört. Bereits jetzt ist im Gebäude der ehemaligen Volksbank ein Haus aus unserer Zeit. Gleich gegenüber hat man mit der Eisi-Halle ein
sehr modernes Gebäude. Wenn man vom Parkplatz bei der Mittleren Post gegen die Alte
Post schaut und dann dort nochmals ein modernes Gebäude sieht, dann ist der gesamte
Eindruck modern. Alte Häuser wie der Palais Froelich werden dann zu erratischen Stücken in
einem neuen Mix. Es braucht dieses Gebäude in seiner jetzigen Form. Es ist möglich, die Alte Post sinnvoll zu nutzen. Und es ist klar, dass die Nutzung eines alten Gebäudes Kompromisse verlangt. Man muss überprüfen, was substanz- und stilverträglich ist. Dafür erhält man
den einmaligen Charakter und die ablesbare, echte Geschichte des Gebäudes. Dieses rund
100 Jahre alte Gebäude gewinnt mit jedem Jahrzehnt an zusätzlichem Leben, weil rundherum immer mehr Neues dazukommt. Dahinter wird ja ebenfalls ein Neubau erstellt. Es wird
eine Herausforderung für die Architekten werden, etwas Altes mit etwas Neuem zu verbinden. Es gibt genug Neues. Dieses Nebeneinander könnte jetzt instrumentiert werden.
Man tendiert prinzipiell dazu, Dinge, die man besitzt, geringer zu achten, als Dinge, die man
verloren hat. Man trauert Dingen nach, die man nicht mehr hat, sobald man merkt, dass man
sie verloren hat. Daran sollte gedacht werden. Denkmalpflege besteht nicht darin, ein nutzlos
gewordenes altes Gebäude zu pflegen, sondern darin, einem alten Gebäude eine neue Seele, eine neue Aufgabe zu geben und dieses für die nächste Generation zu erhalten, damit sie
es entdecken kann.
Herr T. Meier: Ich schliesse mich in grossen Teilen den Argumenten meines Vorredners an,
die für die Erhaltung des Gebäudes sprechen. Zuerst eine Vorbemerkung: Ich war überrascht
über den Einsatz von Fachleuten. Es liegen zwei Gutachten vor, die belegen, dass das Gebäude kantonal schutzwürdig ist. Nicht viele Gebäude in Brugg unterliegen dem kantonalen
Denkmalschutz – vor allem aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Gleichzeitig sagen Fachleute,
dass die Kanzlei im Stadthaus bleiben soll. Jetzt soll der Rat das eine Mal den Empfehlungen
der Fachleute folgen, das andere Mal nicht. War die Einholung dieser Gutachten wirklich nötig, wenn man mit der Flexibilität und der Funktionalität argumentiert? Da kann ein bestehen-
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des Gebäude nie mithalten. Man kann die Kriterien immer so auslegen, dass es dann nicht
gleich flexibel ist.
Im unabhängigen Gutachten steht, dass die Alte Post ein städtebaulich und architektonisch
beispielhaftes Gebäude ist. An einer Hand kann man die Anzahl solcher Gebäude mit diesem Prädikat in Brugg aufzählen. Dies sollte ein Ansporn sein, um diesem Gebäude Sorge
zu tragen. Es soll versucht werden, das Gebäude in eine neue Nutzung überzuführen, die
den heutigen Anforderungen entspricht, aber die alte schutzwürdige Bausubstanz erhält.
Dies ist auch als Forderung im Schweizerischen Kunstführer von Jenny erwähnt. Es ist nicht
irgendein Gebäude, bei dem der Kanton das Gefühl haben könnte, er könnte es unter Schutz
stellen. Ich bin kein Kunsthistoriker und kein Architekturhistoriker. Trotzdem habe ich festgestellt, dass bei Stadtführungen in den letzten Jahren das Interesse an der Geschichte der Alten Post zugenommen hat. Heute wird die Substanz anders betrachtet. Der Rat weiss, wie
die Alte Post aussieht, und dass sie in das Stadtbild gehört. Ein Abbruch würde eine empfindliche Lücke hinterlassen. Ich halte es für illusorisch, dass die Stadt Brugg mit einem Neubau eine Eier legende Wollmilchsau erhält: ein Gebäude, das Menschen in die Altstadt
bringt, das alle Ansprüche erfüllt – dies ist eine Illusion. Man muss Zugeständnisse machen.
Ich frage mich, ob tatsächlich die Alte Post abgebrochen werden muss, um das Abenteuer
Neubau zu erleben. Es besteht das grosse Risiko, dass am Schluss ein Bau entsteht, der
dann trotzdem nicht passt. Vielleicht ist er dann in der Zeit, in der es zur Abstimmung kommt,
modern, aber nachher passt er nicht mehr. Dies analog zu den Fällen Neumarkt 1 und Neumarkt 2, die damals als modern galten und bei denen man sich heute fragt, weshalb damals
so gebaut werden musste. Man darf auch nicht vergessen, dass die Alte Post von Architekten gebaut wurde, die einen schweizweiten Ruf hatten. Wenn man bedenkt, dass die Stadt
Brugg sehr kostenbewusst baut, dann ist nicht klar, ob dafür Architekten mit einem solch guten Ruf etwas planen und realisieren können. Vielmehr sollte der Rat versuchen, mit einem
vorbildlichen Schutz dieser Bausubstanz eine Vorbildwirkung zu erzielen. Viele Städte sind in
der gleichen Lage, dass sie fertig gebaut sind und sich Gedanken machen müssen, was weiterhin erhalten bleiben soll, und wo Konzessionen für einen Abbruch gemacht werden können. In diesem Fall kann sich der Rat beispielhaft verhalten und eine ideale Verbindung zwischen Alt und Neu schaffen, das jedem Anliegen gerecht wird.
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Wenn man mit Ladenfläche die Altstadt beleben könnte, dann gibt es auch noch schnellere
Massnahmen, um das Zentrum zu beleben. Man könnte die Parkplätze im Parkhaus Eisi für
eine Stunde gratis zur Verfügung stellen. Und man könnte die Angestelltenparkplätze rund
um die Alte Post ins Eisi-Parkhaus verlegen und an deren Stelle Kurzzeitparkplätze für Geschäftskunden anbieten. Dies sind andere Massnahmen, um eine Belebung herbeizuführen.
Die Alte Post ist auch stadthistorisch bedeutend – ein Punkt, der in der Vorlage überhaupt
nicht erwähnt ist. Die Alte Post wurde zu einem Zeitpunkt erbaut, als die Stadt Brugg am
Aufstreben war. 1892 erhielt Brugg das erste städtische Elektrizitätswerk im Kanton Aargau.
Das war vorbildlich. Zwischen 1888 und 1900 nahm die Brugger Bevölkerung um knapp 50
Prozent zu. Dies war ein unvorstellbarer Aufschwung, der sich auch in diesem Gebäude widerspiegelt. Dieses Gebäude passt nicht zu einer Kleinstadt mit 1800 Einwohnern, sondern
zu einer Kantonshauptstadt. Damit bewies man, Brugg steigt auf und baut gross.
Die ausführenden Architekten Dorer und Füchslin waren nicht unbekannt. Sie waren genau
während der Bauzeit die Lehrmeister von Albert Froelich, dem bekanntesten Brugger Architekten. Deshalb wäre es schön, wenn in Brugg auch noch ein Gebäude aus seiner Lehrzeit
erhalten bleiben würde. In der Alten Post war ausserdem die Anwaltskanzlei des späteren
Bundesrates Edmund Schulthess untergebracht. Es handelt sich also nicht um irgendein beliebiges Gebäude.
Neben diesen eher historischen Überlegungen füge ich auch noch etwas Aktuelles an: Der
Rat weiss, dass sich die Alte Post im Perimeter mit dem Erhaltungsziel A befindet. Das bedeutet: Integrales Erhalten aller Bauten und Abbruchverbot. Es ist nicht ganz strikt und gibt
gewissen Lockerungen. Grundsätzlich ist die Alte Post jedoch in dem Perimeter, der den
höchsten Schutz verdient. Der Rat diskutiert im Antrag 1 über die Entlassung aus dem
kommunalen Denkmalschutz. In der Vorlage hat es viele Zitate, ein Passus aus der Bau- und
Nutzungsordnung BNO fehlt noch: «Sie (die Gebäude im kantonalen Denkmalschutz) sind in
ihrer Substanz, Struktur und in ihrem inneren und äusseren Erscheinungsbild zu erhalten und
zu pflegen. Der Abbruch von Gebäuden und Gebäudeteilen kommt nur beim Vorliegen
schwerwiegender Gründe in Frage, so namentlich, wenn die Erhaltung nicht mehr möglich ist
und dem Grundeigentümer nicht mehr zugemutet werden kann.»
Dies trifft bei der Alten Post nicht zu. Die Bausubstanz trägt. Es ist möglich, dieses Gebäude
weiterhin zu nutzen. Ich verstehe nicht, weshalb die Argumente aus der BNO hier leichtfertig
aufgehoben werden. Der Stadtrat muss auch in Zukunft gegenüber Privatpersonen eine har-
519
te Linie vertreten können, beispielsweise in der Altstadt. Es kommen immer wieder Anfragen,
bei denen genau diese Frage der Erhaltung des Ortsbildes tangiert wird. Wie will man mit gutem Gewissen begründen, dass Fenster nicht grösser gemacht werden können, wenn man
selber gerade den Denkmalschutz eines Gebäudes aufgehoben hat? Hier entdecke ich ein
problematisches Verhalten, das uns später vorgeworfen werden könnte. Die Stadt misst nicht
mit gleichen Ellen, wenn es um eigene Gebäude geht. Da wird der Schutz aufgehoben, aber
sonst ist man sehr rigoros.
Zusammenfassend bitte ich den Rat, den Antrag 1 abzulehnen, das Gebäude unter kommunalem Denkmalschutz bestehen zu lassen und dem Antrag für den Wettbewerb zuzustimmen. Falls der Denkmalschutz aufgehoben wird, wird dies nicht zu befriedigenden Resultaten führen, weil man die Alte Post gar nicht mehr haben will. Falls der Rat dem Antrag 1
zustimmt, kommt dies praktisch dem Abbruch der Alten Post gleich. Falls der Rat den kommunalen Denkmalschutz bestehen lässt, dann hat man immerhin noch die Chance, zwischen
zwei gleichwertigen Projekten zu entscheiden.
Frau B. Iten: Ich schliesse mich den Voten meiner Vorredner an. Brugg ist eine Kleinstadt,
die nicht allzu viele solcher markanter Gebäude hat. Ich bin deshalb der Meinung, dass die
wenigen markanten Gebäude geschont und erhalten bleiben sollen. Es gibt viele Beispiele in
der Stadt Brugg von schönen, alten Gebäuden und daneben steht der Vögele-Bau, der auch
nicht so toll herausgekommen ist, oder der Effingerhof, den man sich auch anders hätte vorstellen können. Es müsste fast ein Wunder geschehen, dass es besser werden würde. Ich
bin für die Beibehaltung des kommunalen Schutzes.
Herr R. Wettstein: Der Rat stimmt in der zweiten Phase über einen Kredit im Umfang von
250'000 Franken für einen Wettbewerb ab. Falls das Gebäude im kommunalen Denkmalschutz belassen wird, wird dem Architekten eine kreative Idee verbaut, die im Nachhinein
vielleicht gut passen könnte. Zuerst wird über die Planung abgestimmt. In einer späteren
Phase kann entschieden werden, ob die vorgeschlagenen Lösungen passen. Dann kann der
Rat immer noch beschliessen, dass ihm eine moderne Variante nicht gefällt. Das Risiko beschränkt sich auf die 250'000 Franken. Ich will einem Architekten nicht Scheuklappen aufsetzen, indem jetzt schon bestimmt wird, dass das Gebäude im kommunalen oder sogar im kantonalen Denkmalschutz verbleibt. Ich bin klar für die Aufhebung des kommunalen Denkmalschutzes.
520
Frau S. Kistler: Ich gehöre auch zu denjenigen, die die Fassade der Alten Post schön finden.
Für mich gehört sie zum Stadtbild von Brugg. Wenn man auf dem Eisi rundherum blickt, so
ist dies ein Platz, der etwas darstellt. Wenn man Richtung Volksbank und auf die entgegengesetzte Seite schaut, dann ist dies nicht mehr so. Ausserdem sollte die Stadt eine klare Linie haben. Pflastersteine werden um jeden Preis erhalten. Es hat keine klare Linie, wenn die
Alte Post abgerissen wird, auf der anderen Seite jedoch die Pflastersteine erhalten bleiben.
Solarzellen können nicht auf die Dächer der Altstadt montiert werden, weil sie nicht ins
Stadtbild passen. Hausbesitzer in der Altstadt wären vielleicht auch froh, wenn sie dort etwas
anderes bauen könnten. Es ist eine Illusion, wenn der Rat glaubt, dass ein Architekt eine Lösung mit der Erhaltung der Alten Post bringen wird – weil es teurer ist. Da die Stadt immer
kostenbewusst baut, wird sie sicher nicht die teurere Variante wählen. Deshalb bin ich dafür,
dass das Gebäude Alte Post nicht aus dem Denkmalschutz entlassen wird.
Herr J. Gerber: Mir geht es um den emotionalen Aspekt. Der Rat soll sich vorstellen, dass
schliesslich eine Vorlage vor das Volk kommt, bei der es um einen Neubau geht. Dann sind
alle diejenigen dagegen, die bereits vorher gegen den Abbruch der Alten Post waren. Eine
solche Vorlage kann wahrscheinlich gar nicht durchkommen, weil dann aufgezählt werden
wird, was bereits verloren ging. Der Rat muss bedenken, dass es peinlich wäre, wenn ein
Wettbewerb, dann eine Projektierung durchgeführt werden würde. Dann käme das Ganze
vor das Volk, das die Vorlage mit der Begründung «wir wollen die Alte Post nicht kaputt machen» ablehnen würde. Dann würden wir in vier Jahren am genau gleichen Punkt stehen.
Das kann der Rat nicht wollen.
Herr M. Nüesch: Bei mir besteht ein Klärungsbedarf: Wie weit wird durch eine solche Massnahme eine Planung ermöglicht oder verhindert? Die Alte Post ist mit anderen Gebäuden
vernetzt. Wenn der Schutz erhalten bleibt, behindern wir dann eine Planung, die eine Synergie zwischen den Teilen hinter dem Gebäude schafft? Eine Synergie, die rein räumlich sein
kann, oder auch eine Synergie innerhalb des Gebäudes. In Deutschland wurde dies nach
dem Krieg in vielen Gebäuden so gemacht. Die Fassaden bildeten optisch ein schönes Bild
und zeigten historisch wichtige Aspekte. Für den Betrachter ergab sich ein altes Bild, aber
hinter der Fassade fanden zum Teil sehr grosse Modernisierungen statt. Mit einer solchen
Lösung könnte man eventuell beide Gruppierungen befriedigen. Wie gut kann man damit
Möglichkeiten eröffnen und wie sehr werden sie eventuell eingeschränkt?
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Herr U. Häseli: Es gibt zwischen der Schulthess-Allee und der Annerstrasse einen Gestaltungsplan, bei dem die Fassade der Alten Post die Baugrenze bildet. Als der Gestaltungsplan
erstellt wurde, wurde damit gerechnet, dass die Alte Post bestehen bleibt. Würde man jetzt
etwas Neues machen, müsste man den Gestaltungsplan auch anpassen. Dies zieht ein langjähriges Verfahren nach sich, das bis vor den Regierungsrat muss. Es muss neu geplant
werden und es wird zu Kosten führen. In diesem Gestaltungsplan war die Fassade im vorderen Bereich als Baulinie festgesetzt und im hinteren Bereich kann direkt an das Gebäude gebaut werden. Dank dieses Gestaltungsplans lässt sich in diesem Gebiet eine hohe Ausnutzung erzielen. Deswegen hat der Rat diesem Plan auch zugestimmt. Der Gestaltungsplan
wurde auch erarbeitet, um gewisse Randbedingungen festzulegen. Es ist nicht so, dass man
die Alte Post aus dem Denkmalschutz entlassen und einen Wettbewerb ausschreiben kann
und das Siegerprojekt dann die beste Lösung ist. Der Rat muss trotzdem Richtlinien und Anhaltspunkte für die Planung oder den Wettbewerb bestimmen. Diese sind weder in den Vorgaben des Denkmalschutzes, der Vorlage oder der nächsten Vorlage enthalten. Im Gestaltungsplan ist festgehalten, dass hinter dem Gebäude eine Tiefgarage für dieses Gebiet entstehen muss, weil in der Schulthess-Allee keine Parkplätze vorhanden sind. Es wurde sogar
festgehalten, wo die Einfahrt und wo die Ausfahrt gelegen sein müssen. Wenn der Rat entscheidet, dass alle Möglichkeiten offen stehen sollen, dann muss die ganze Planung für diese Gebiet auch nochmals neu gemacht werden, und zwar parallel zum weiteren Vorgehen.
Der Rat hat jedoch noch keine Ideen. Man kann nicht alles für eine neue Planung oder neue
Ideen möglich machen. Das geht einfach nicht. Die Rahmenbedingungen für dieses Gebäude wurden bereits geschaffen. Es existieren gute Beispiele, wie man Alt und Neu verbinden
und so einen möglichst grossen Nutzen daraus ziehen kann. Es ist möglich, ein Gebäude zu
erstellen, das auch über die Stadtgrenze hinaus etwas darstellt, ohne dass es eine supermoderne Fassade aufweist. Der Ablauf ist jedoch komplex. Man kann nicht einfach das Gebäude aus dem Denkmalschutz entlassen und glauben, dass dann alle Möglichkeiten offenstehen. Der Rat ist an gewisse Rahmenbedingungen gebunden, die noch nicht erwähnt wurden.
Dies sollte der Rat bedenken, wenn er seinen Entscheid fällt.
Herr Stadtammann R. Alder: Die Alte Post ist, so wie sie jetzt da steht, unter kommunalem
Denkmalschutz. Hinter dem Gebäude ist noch ein später erstellter, kleiner Anbau, der nicht
dazu gehört. Das Votum meines Vorredners ist korrekt. Es müsste allenfalls ein anderer Gestaltungsplan erarbeitet werden. Gestaltungspläne lassen sich jederzeit auch anpassen.
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Damit ist die Diskussion zur Entlassung der Alten Post aus dem kommunalen Denkmalschutz
erschöpft.
In der Abstimmung wird der Antrag 1:
«Das Objekt Nr. 4, «Alte Post ohne Anbau», Parzellen Nr. 654, Vers. 476, Hauptstrasse 12,
sei aus dem Verzeichnis der kommunalen Denkmalschutzobjekte (Anhang 1a der Bau- und
Nutzungsordnung) zu löschen.»
mit 23 Ja gegen 21 Nein gutgeheissen.
Herr J. Hunziker: Die FDP-Fraktion hat es sich bei dieser neuen Vorlage nicht leicht gemacht. Es ist unbestritten, dass Handlungsbedarf besteht. Die Verwaltung der Stadt Brugg
braucht würdige Büroräumlichkeiten. Am Standort der Alten Post wird es neue lichtdurchflutete Büroräume mit multifunktional nutzbarem Charakter geben. Das Bürogebäude oder Teile
davon werden bei sich ändernden Bedürfnissen der Stadt Brugg ohne massive bauliche Folgemassnahmen extern vermietet oder verkauft werden können. Der Stadtrat wird diesen
Umbau, Erweiterungs- oder Ersatzbau intensiv mitgestalten. Die FDP kam zum Schluss,
dass dies bei der grossen Einflussnahme nur mit einem Studienauftrag möglich ist. Beim
vorgesehenen Projektwettbewerb muss bereits heute ein Raumprogramm für ein bestenfalls
in fünf Jahren bezugsbereites Gebäude definiert werden. Mit dem Studienauftrag soll auch
die Integration von Wohnungen, einzelnen Einkaufsläden und/oder einem Bistro als Publikumsmagnet und Brücke zur Stadtverwaltung geprüft werden. Die FDP ist der Auffassung,
dass die künftige räumliche Nutzung des heutigen Stadthauses, Palais Froelich, und RauberGüetli in den Studienauftrag zu integrieren sind. Auf den Abbruch der Alten Post wird nicht
mehr eingetreten. Der Antrag der FDP lautet:
«Sie wollen zur Durchführung eines Studienauftrags für den Um-, Erweiterungs- oder Ersatzbau der «Alten Post» einen Kredit von 250'000 Franken bewilligen.»
Mit diesem Änderungsantrag stehen weiterhin alle Optionen offen. Über einen allfälligen Abbruch muss erst entschieden werden, wenn der Studienauftrag mit sämtlichen Fakten vorliegt.
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Die FDP bittet den Rat, dem Studienauftrag zuzustimmen und den Stadtrat bei der aktiven
Planung des zukünftigen Verwaltungsgebäudes zu unterstützen.
Frau M. Schmidlin: Unsere Argumentation ist ganz ähnlich wie diejenige der FDP. Deswegen
halte ich mich kurz. Für die CVP ist es zu diesem Zeitpunkt zu früh, einem Wettbewerbskredit
zuzustimmen. Natürlich versteht die CVP den Wunsch der städtischen Verwaltung, endlich
zeitgemässe Arbeitsplätze zu erhalten. Zunächst muss man die Situation jedoch gründlich
analysieren, weil noch viel Fragen offen sind. Was ist städteplanerisch am sinnvollsten? Haben die angrenzenden Grundstückbesitzer auch Interesse? Könnte das Projekt sogar erweitert werden? Könnten in einer solchen Überbauung Geschäfts- oder Wohnräume entstehen?
Könnte so endlich die Verbindung von Neu- und Altstadt entstehen?
Der Stadtrat signalisierte, dass er das Anliegen der CVP anerkennen würde. Deshalb stellt
die CVP den Antrag, dass der Stadtrat einen Studienauftrag erteilt, um eine gründliche Situationsanalyse vorzunehmen. Der Antrag der CVP enthält zusätzlich die Ausweitung des Perimeters auf die Nachbargrundstücke:
«Sie wollen für die Durchführung eines Studienauftrags «Alte Post» unter Ausweitung des
Perimeters auf die Nachbargrundstücke einen Kredit von 250'000 Franken bewilligen.»
Frau K. Graf: Ich spreche im Namen der SP-Fraktion. Dass der Stadt Brugg ein zentral gelegenes, grosszügiges und freundliches Verwaltungsgebäude fehlt, ist unumstritten. Dass bei
gewissen Büroräumlichkeiten sofortiger Handlungsbedarf besteht, ist ebenfalls klar. Aber die
letzte Vorlage für ein neues Verwaltungsgebäude wurde vom Einwohnerrat mit Kritikpunkten
an den Stadtrat zurückgewiesen, welche bis zum heutigen Zeitpunkt nur teilweise gelöst
wurden. Wir bemängeln diese Punkte: Es liegen immer noch keine konkreten Konzepte für
das Fusionieren mit der Gemeinde Windisch vor, was mit gemeinsamen Projekten angestrebt werden soll. Ausserdem ist nicht klar, ob der Standort des neuen Verwaltungsgebäudes bei der Alten Post in der momentanen Situation wirklich richtig ist. Die SP ist nach wie
vor der Meinung, dass die Polizei auch in dieses zentrale Verwaltungsgebäude gehört und
nur vorübergehend im alten IBB-Gebäude bleiben soll. Ebenso ist es angebracht, dass Kanzlei und Ammann im gleichen Haus untergebracht sind. Denn der Chef gehört zu seinen Mitarbeitenden.
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Der Zeitpunkt zur Behandlung dieses Vorhabens ist in unseren Augen nicht richtig. Es war
nicht gerade förderlich, dass die Informationen zu dieser Vorlage neun Tage vor dem Anlass
veröffentlicht wurden. Es stehen nämlich zu viele wichtigere Projekte mit grossen Investitionen an, wie der Aaresteg, die Vorstadt, der Campussaal oder die Campuspassage, durch die
unsere Region und die Stadt Brugg ein fortschrittliches, grosszügiges und attraktives Gesicht
bekommen sollte. Brugg muss zukunftsorientiert arbeiten. Somit ist diese Vorlage auch eine
neue Herausforderung für den neuen zukünftigen Stadtrat. Die SP kann deshalb dieser Vorlage nicht zustimmen. Für eine Übergangslösung für die Mitarbeitenden der Alten Post will
sich die SP aber einsetzen.
Herr A. Hefti: Ich spreche im Namen der SVP-Fraktion. Zwei Jahre sind zwischen der ersten
und der jetzigen Vorlage vergangen. Gibt es einen Unterschied? Ja, es gibt einen wesentlichen, insbesondere erwähnenswerten Unterschied zwischen Alt und Neu. Die erste Vorlage
ist vom Einwohnerrat einstimmig zurückgewiesen worden. Diese Denkanstösse der Legislative sind buchstäblich das geblieben, was das Wort als solches meint: «Man oder etwas gibt
einen Anstoss zum Nachdenken.» Die konsequente Nachverfolgung wäre die Umsetzung
durch die Exekutive gewesen. Nun steht die Frage im Raum: Ist der eben beschriebene Konsens, Denkanstösse aus der Legislative ohne konsequente Weiterführung durch die Exekutive, nicht ein Widerspruch in sich? Man könnte anhand des eben beschriebenen Widerspruchs fast von einer Versuchung reden – die Arbeitsverweigerung der Exekutive. Wie sagt
ein altes Sprichwort so schön: «Da war wohl der Wunsch wieder Vater des Gedankens.»
Soweit zur Theorie und ihrer sogenannten Umsetzung. Jetzt komme ich zur Praxis, die die
Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Brugg erheblich betrifft. Die SVP ist ganz klar für
ein zentrales Verwaltungsgebäude. Die SVP hat Visionen und Ideen zur Neuorganisation im
Gebiet zwischen Annerstrasse und Schulthess-Allee zum Beispiel durch einen Investorenwettbewerb vorgeschlagen. Beispielhaftes kann man in Baden besichtigen. In Anbetracht
dieses nachhaltigen Entscheids im Sinne der Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt
Brugg lehnt die SVP den zweiten Antrag ab und ebnet somit den Weg für eine Motion zur
zentralen Verwaltung nach dem Gusto des Einwohnerrates.
Herr T. Meier: Aufgrund der bisher abgegebenen Voten ist klar, dass der Rat die Alte Post
nicht abreissen lassen will, sondern frische Ideen haben will. Deshalb stelle ich drei Anträge:
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«1. In die beurteilende Kommission ist ein Vertreter der Denkmalpflege mit Stimmrecht einzubeziehen.
2. Es ist eine mitspracheberechtigte Kommission aus Vertreterinnen und Vertretern des Einwohnerrates zu bilden.
3. Der Studienauftrag/Wettbewerb muss so ausgestaltet sein, dass am Schluss eine Variante
mit und eine Variante ohne Einbezug der Alten Post zur Entscheidung kommen kann.»
Alles andere würde bedeuten, dass zwar diskutiert und der gute Wille demonstriert wurde,
der Entscheidungsprozess jedoch nicht ernst genommen wird.
- - - Die Sitzung wird zur Bereinigung der Anträge unterbrochen - - -
Herr T. Meier: Unterdessen habe ich erfahren, dass meine Anträge 1 und 2 nicht als Anträge
eingereicht werden können. Sie können nur als Wünsche an den Stadtrat geäussert werden,
da es in der Kompetenz des Stadtrates liegt, diese Entscheide zu fällen. Deshalb richte ich
den innigen Wunsch an den Stadtrat, dass er die Anliegen aus den ehemaligen Anträgen 1
und 2 aufnehmen möge.
Zu Antrag 3: Auch darüber kann nicht abgestimmt werden, da die Kosten nicht bekannt sind,
die den Architekten entstehen, wenn sie die Varianten mit und ohne Alte Post gleichwertig
behandeln müssen. Es ist bis jetzt vorgesehen, dass die Architekten im Vorfeld entscheiden
müssen, ob sie die Alte Post erhalten wollen oder nicht. Als Konsequenz stelle ich einen
Rückweisungsantrag, damit bei nächster Gelegenheit die Zahlen erhoben werden, was es
kosten würde, wenn die Architekten zwei Varianten eingeben müssen. Es ist mir bewusst,
dass diese Rückweisung zu einer Zeitverzögerung führen wird.
Herr Stadtammann R. Alder: Zum Teil war ich an der Diskussion um den Studienauftrag beteiligt. Es wird einen Studienauftrag geben, darin hat es Platz für Varianten. Niemand kann
wissen, was die dannzumal zu bestimmenden Architekten einreichen werden. Die Ideen sind
vielfältig. Wenn explizit zwei Varianten gefordert werden, kommen wahrscheinlich nicht die
Ideen zum Vorschein, die für die Stadt Brugg gut sind. Es werden die Varianten eingereicht
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werden, die in den 250'000 Franken Platz haben. Ein Studienauftrag bietet breit Platz für verschiedene Varianten. Ich bitte den Rat, dem Studienauftrag zuzustimmen, damit die ersten
Schritte unternommen werden können.
Herr J. Hunziker: Ich möchte diesen Rückweisungsantrag zurückweisen. Jetzt ist Zeit zum
Handeln und keine Zeit zum Reden. Schliesslich wird der Rat die Ergebnisse eines Studienauftrages erhalten, das bedeutet verschiedene Vorschläge. Der Rat kann dann immer noch
Einfluss darauf nehmen, ob diese passen, oder er kann nochmals von vorne anfangen. Aber
die Zeit läuft davon. Wenn der Rat dieses Geschäft nochmals an den Stadtrat zurückweist,
dann gehen wieder zwei Jahre ins Land, in denen nichts passiert. Jetzt müssen Architekten
beauftragt und die Fachleute an den Tisch geholt werden. Diese werden dann entsprechende Vorschläge präsentieren. Danach kann der Rat immer noch Nein sagen. Deswegen unterstützt die FDP-Fraktion den Rückweisungsantrag nicht.
Herr U. Häseli: Eigentlich wollten die Grünen Brugg heute Abend einen Rückweisungsantrag
stellen. Im Laufe der Sitzung sind jedoch viele kreative Ideen aufgekommen. Ein Rückweisungsantrag wurde bereits einmal gestellt. Viel weiter ist der Rat seither nicht gekommen.
Über einen Studienauftrag kann man das Projekt weiterentwickeln und weiterverfolgen und
zu mehr Fakten kommen. Diese erhält man mit einem Rückweisungsantrag nicht. Deshalb
sollte der Rat das Geschäft nicht zurückweisen. Die Wünsche von Titus Meier gehören jedoch in einen Studienauftrag. Deshalb soll der Rat abstimmen, ob der Gesamteinwohnerrat
ebenfalls dieser Meinung ist. Nicht um dies rechtlich festzulegen, sondern wegen der Meinungsbildung.
Herr B. Ganz: Ich verstehe, dass Titus Meier einen Rückweisungsantrag stellt. Es hat ein
Abstimmungsresultat gegeben mit sehr fundierten Voten, welche für einen Erhalt der Alten
Post sprachen. Ich stimmte dagegen, weil ich anderer Meinung bin. Und doch ist es absolut
notwendig, dass die beiden Anträge gleichwertig behandelt werden. Auch in der Bau- und
Planungskommission ist man sich nicht sicher, welches die bessere Lösung ist. Und deswegen muss der Wille des Stadtrates auch hier vorhanden sein, die beiden Varianten zu untersuchen. Man hörte erst in der letzten halben Stunde, dass dies der Fall ist. Ich kann gut verstehen, wenn man nicht ganz glauben kann, dass jetzt beide Lösungen verfolgt werden.
Trotzdem muss ich mich auch den anderen Vorrednern anschliessen, der Rat muss jetzt einen Schritt nach vorne machen.
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Herr A. Wyss: Ich möchte anregen, dass man es nicht ganz dem Zufall überlässt, ob beide
Varianten weiterverfolgt werden. Man soll ganz gezielt diejenigen Architekten auslesen, die
bereit sind, die eine wie auch die andere Variante zu bearbeiten.
Damit ist die Diskussion erschöpft.
Der Präsident erläutert das Abstimmungsprozedere, welches vom Rat stillschweigend zur
Kenntnis genommen wird.
In der Abstimmung wird der Rückweisungsantrag mit 32 zu 11 abgelehnt.
Bei der Gegenüberstellung des Antrages der FDP auf die Durchführung eines Studienauftrages gegen dem Antrag des Stadtrates auf die Durchführung eines Wettbewerbs obsiegt
der Antrag der FDP mit 46 zu 0 Stimmen.
Der Antrag der CVP:
«Sie wollen für die Durchführung eines Studienauftrags «Alte Post» unter Ausweitung des
Perimeters auf die Nachbargrundstücke einen Kredit von 250'000 Franken bewilligen.»
wird mit 43 Ja ohne Gegenstimme gutgeheissen.
Bei der Gegenüberstellung des Antrages der FDP auf die Ausweitung des Studienauftrages
auf einen Um-, Erweiterungs- oder Ersatzbau gegen den Antrag des Stadtrates auf einen
Ersatzbau obsiegt der Antrag der FDP mit 43 zu 2 Stimmen.
In der Schlussabstimmung wird der Antrag:
«Sie wollen für die Durchführung eines Studienauftrags mit erweitertem Perimeter für den
Um-, Erweiterungs- oder Ersatzbau der «Alten Post» einen Kredit von CHF 250'000 bewilligen.»
mit 45 Ja ohne Gegenstimme gutgeheissen.
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Die Traktanden 6 bis 10 werden nach Beschluss des Rates auf die nächste Sitzung vertagt.
Abschliessend gibt der Präsident den Eingang folgender Vorstösse bekannt:
•
Antrag Andreas Schweizer auf Änderung des Geschäftsreglements
•
Kleine Anfrage Silvia Kistler zum Standortmarketing
•
Kleine Anfrage Heini Kalt zur Neubeurteilung der Zusammenarbeit mit Windisch
Schluss der Sitzung: 22:45 Uhr
NAMENS DES EINWOHNERRATES
Der Präsident:
Der Aktuar:
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