Untitled - Jürgen Foerst

Werbung
01 ≠
ψυχή
„Do you think I believe
in Jesus?“ he said,
leaning toward her and
speaking almost as if he
were breathless. „Well
I wouldn‘t even if He
existed. Even if He was
1
on this train.“
1 Flannery O‘Connor, Wise Blood, London (Faber and Faber) 2000, S. 8f.
Es gibt ein gewisses
Tabu in akademischen
Kreisen, über Dinge zu
sprechen, die den Glauben
betreffen. Es wird oft als
unangenehm empfunden,
wenn Wissenschaft
mit Spiritualität in
Zusammenhang gebracht
wird. Bedauerlicherweise
vermuten viele, der Glaube
und die Wissenschaft seien
inkompatibel.
Vgl. Francis Collins (2010): Francis Collins Personal story - The personal cost of discussing matters of faith
in science? [YouTube-Video.] Test of FAITH, veröffentlicht am 23.08.2013 unter: https://www.youtube.com/
watch?v=1mbzAVYieIo&feature=youtu.be (Stand 19.05.2016).
Vgl. Holm Tetens, Gott denken. Ein Versuch über rationale Theologie, Stuttgart (Reclam) 32015, S. 94.
2,2 Milliarden
Christen.
Religion als ähnlich
sperriges und
unkontrollierbares
Phänomen wie die
Kunst.
Wohin führt ein Glaube,
der rein auf Emotionen
beruht und sich einer
kritischen Prüfung
verweigert?
Was ist es, das mich fesselt? Aus
was war die Kette geschmiedet, die
den Fenriswolf festhielt? Sie war
geschmiedet aus dem Getrappel
der Katze, aus den Barthaaren
junger Mädchen, aus den Wurzeln
von Felsklippen, aus dem Hauch
von Fischen und dem Speichel von
Vögeln. So bin auch ich gefesselt
mit einer Kette aus düsteren
Phantasiebildern, aus schrecklichen
Träumen, quälenden Gedanken,
bangen Ahnungen, unerklärlichen
Ängsten. „Geschmeidig ist diese
Kette, weich wie Seide, hält die
stärkste Anspannung aus und lässt
sich nicht durchreiben.“1
1 Sören Kierkegaard, Entweder - Oder, Leipzig (Offizin Poeschel & Trepte) 1939, S. 21.
Wie kann es sein,
dass Menschen,
die nicht nach ihm
gefragt haben,
plötzlich merken,
dass sie Gott nahe
sind?
Vgl. Abraham Joshua Heschel, Gott sucht den Menschen, Neukirchen-Vluyn (Neukirchener), 31992, S. 25.
„Weil ich daran denken
muß“, sage ich lachend,
„daß wir alle zusammen
hier sitzen und essen
und trinken, um unsere
kostbare Existenz zu
erhalten, und daß es
nicht die allergeringste
Existenzberechtigung
1
gibt.“
1 Jean-Paul Sartre, Der Ekel, München (Rowohlt) 1949, S. 151.
Eine Welt, die man
vollständig erkennen
könnte, wäre nicht
komplex genug, um
jemanden zu enthalten,
der sie erkennen könnte.
Vgl. John D. Barrow, Impossibility. The Limits of Science and the Science of Limits, Oxford (Oxford University Press) 1998, S. 3.
Gott sei Dank, lässt sich
Gott nicht beweisen.
Dies wäre nicht nur viel
langweiliger. Es würde
sich vor allem nicht viel
ändern.
Wenn Jesus sich als der leidende
Gottesknecht aus Jesaja 53
verstanden hat, muss man davon
ausgehen, dass er mit dem Tod
in Jerusalem rechnete und dass
er mit seinen Jüngern über
diesen Tod sprach und dessen
Bedeutung andeutete. Genau das
zeigt sich im letzten Abendmahl,
welches historisch kaum
umstritten ist.
Vgl: Ulrike Mittmann-Richert, Der Sühnetod des Gottesknechts. Jesaja 53 im Lukasevangelium, Wissenschaftliche Untersuchungen
zum Neuen Testament 220, Tübingen (Mohr Siebeck) 2008.
Ist mein
Leben Habe
oder Gabe?
Glaube hat etwas mit
Trotz zu tun. Glauben
trotz der Katastrophen
und des Leids. Glauben
trotz des Zweifels.
Was schützt uns vor der Lüge, wir
seien wertlos? Ich vertraue darauf,
dass Menschen den Sinn ihres
Lebens finden können. Nicht durch
die allgemeine Frage: Was ist der
Sinn des Lebens? Sondern den ganz
eigenen Weg gehen; vorhandenen
Fährten folgen; herausfinden, was
tragendes Glück ist und ob der
verkitschte Begriff „Liebe“ noch
einen Wert hat. Den Phänomenen
nachgehen. Furchtlos sein. Hoffnung
ernsthaft in Erwägung ziehen.
(10-43) Sekunden trennen
uns unüberwindbar von der
Anfangssingularität. Alles
innerhalb dieses Moments
kann kein Bestandteil
unserer wissenschaftlichen
Erkenntis sein. Alles was
Wissenschaft möglich macht,
wird hier geboren. Es fehlen
die Worte und Formeln.
Unbeschreiblichkeit.
Der unsichtbare
Tod dieses
fremden Antlitzes
ist meine
Angelegenheit.
Vgl. Emmanuel Lévinas, Wenn Gott ins Denken einfällt. Diskurse über die Betroffenheit von Transzendenz, Freiburg (Karl Alber)
3
1999, S. 212f
Kann es von größerem
Interesse sein, am Leid
anderer Teil zu haben?
Ein Vorschlag für
ein interdisziplinäres
Forschungsprojekt wäre
der Vergleich der ZweiNaturen-Lehre Christi
mit dem Welle-TeilchenDualismus.
Die Beschäftigung mit dem
Leben zeigt, dass es kurz und
kostbar ist. Mit diesem Wissen
lässt es sich intensiver leben.
Es ist nicht immer richtig, das
zu machen, was andere von
einem erwarten. Man sollte das
machen, das man für richtig
hält. Trivialitäten vergeuden
unsere Zeit. Was ist mir
eigentlich wichtig, wenn ich
angesichts der Endlichkeit lebe?
Warum versöhne ich
mich nicht mit dem
Menschen, mit dem
ich im Streit lebe?
Vielleicht zermürbt es
mich mehr, in dieser
Situation zu leben, als
zu vergeben?
Der Tod sei nicht die ultimative
Realität. In Jesu zelebriertem
Dialog mit den Sadduzäern,
welche auch nicht an ein
Schicksal über den Tod hinaus
glauben konnten, erinnerte
er sie daran, dass der Gott
Abrahams, Isaaks und Jakobs
nicht der Gott der Toten ist,
sondern der Lebendigen. Dies
ist eine genau gegenläufige
Erzählung zu der Wissenschaft.
Diese handelt von Zerfall und
Sinnlosigkeit.
Vgl. John Polkinghorne u. Michael Welker, The End of the World and the Ends of God: Science and Theology on Eschatology
(Theology for the 21st Century), Harrisburg PA (Trinity Press International) 2000.
Wir sind hier,
weil wir hier sind.
Zu sagen „Ich liebe dich“
klingt, im besten Fall, wie eine
Obszönität oder wie Hohn, und
zwar in dem Maße, dass in der
guten Gesellschaft, also jener
der Gebildeten, niemand mehr
ernsthaft einen solchen Unsinn
auszusprechen wagt.1
1 Jean-Luc Marion, Das Erotische. Ein Phänomen, Freiburg i.B. (Alber) 2013, S. 14.
Auch wenn man dem Ergebnis
von Simon Conway Morris
nicht richtig traut, lässt sich
der Ansatz der Konvergenz in
der Evolution auf interessante
Weise mit der teleologischen
Konzeption des Kosmos
verbinden. Welchen Spielraum
geben die Randbedingungen?
Ist die Evolution, so wie sie
verlaufen ist, zwingend? Wie
verhält sich der Zufall zur
gesicherten Zeitachse der
Entwicklung?
Vgl. Simon Conway Morris, Jenseits des Zufalls. Wir Menschen im einsamen Universum, Berlin (Berlin University Press) 2008.
Gott charakterisiert
sich selbst in Exodus
34:6 als derjenige,
der „barmherzig und
gnädig und geduldig
und von großer Gnade
und Treue“ ist.
Der Tod Gottes,
den Zarathustra
verkündet, kann
als Gottlosigkeit
und Gottesferne
1
gedeutet werden.
1 Berhard Waldenfels, Hyperphänomene. Modi hyperbolischer Erfahrung, Berlin (Suhrkamp) 2012, S. 374.
Ist meine Vorstellung
von Gerechtigkeit
ein ganz eigenes und
privates Hirngespinst
und wundert sich ein
Fisch darüber, dass er
nass ist?
Vgl. C.S. Lewis, Pardon, ich bin Christ. Meine Argumente für den Glauben, Basel (Brunnen) 202009.
Das Außeralltägliche ist
schon durch den Sabbat des
Judentums symbolisiert. Ein
Tag wird dafür reserviert,
dem Alltag zu entsagen. Es
ist nicht nur eine Wohltat,
Leib und Seele in stressigen
Zeiten Ruhe zu gönnen. Es
hat darüber hinaus einen
großen Mehrwert, regelmäßig
die existenziellen Fragen zu
stellen, auch wenn sie einen
an den Rand der Verzweiflung
führen.
Ein Phänomen wurde
nie befriedigend erklärt:
die Namen in den
Evangelien. Woher rühren
die Unterschiede der
Benennung? Einer der
Emmausjünger heißt
Cleopas, der andere bleibt
anonym. Jaïrus wird bei
Markus und Lukas genannt.
Bartimäus nur bei Markus
und Lazarus nur bei
Johannes.
Vgl. Richard Bauckham, Jesus and the Eyewitnesses: The Gospels as Eyewitness Testimony, Grand Rapids (Wm. B. Eerdmans) 2006,
S.39-66.
Das Christentum hat den
Anspruch auf historischen Belegen
zu basieren. Selbstverständlich
lässt sich anführen, dass dies
alles vor zweitausend Jahren von
Menschen geschrieben wurde, die
wir nie kannten und es Gründe
gibt anzunehmen, dass die
Texte beschädigt und verändert
wurden. Dennoch glaube ich, dass
hinreichende Konsistenz in den
Texten nachzuweisen ist.
Vgl: Simon Conway Morris (2012): The end of materialism [YouTube-Video.] ObjectiveBob, veröffentlicht am
15.12.2012 unter: https://www.youtube.com/watch?v=x3eI_wIeK2M (Stand 03.06.2016).
Der Tod ist der Austritt
aus der linearen
1
Kalenderzeit.
1 Christian Link (2015): Die Zeit der Schöpfung. [YouTube-Video.] grenzfragen, veröffentlicht am 24.11.2015
unter: https://www.youtube.com/watch?v=FAtnCt9W2F0&feature=youtu.be (Stand 24.05.2016).
„Detailed scientific understanding of the big
bang doesn‘t actually adress the question
of meaning. That‘s not science. Doesn‘t
mean it isn‘t true, but it is different from
science. And that‘s where bringing in other
truths about the reality of human existence
comes in. And I would say that there‘s
still evidence but this time we‘re talking
about evidence from other parts of life.
Evidence from other experience within life.
Maybe that‘s where we stop saying: „I‘m
a scientist, I‘m just a brain on legs“ and we
start saying actually: „I‘m a human being
with emotions and with the ability to relate
to other people.“ And I would say that a big
part of truth about our life and truth about
our living comes from the way we relate to
other people and the way we relate to God.
And that‘s evidence, too [...]“1
1 John Polkinghorne u. Katherine Blundell (2013): Um Deus Pessoal. [YouTube-Video.] Test of FAITH,
veröffentlicht am 23.08.2013 unter: https://www.youtube.com/watch?v=ybGqGq1yguY&feature=youtu.be
(Stand 19.05.2016).
Die Auferstehung war
atemberaubend unerwartet.
Wer hätte sich diese ausdenken
können? Das Maß an
notwendiger Vorstellungskraft,
um diese Geschichte zu
inszenieren, ist erheblich.
Wie kann man als
aufgeklärter Mensch
an die Geschichten aus
dem Neuen Testament
glauben, wo doch jedes
Kind weiß, dass sie
Legenden sind?
Am Fuße des Kilimandscharo in
der tansanischen Stadt Moshi leben
Menschen, die zu jeder Gelegenheit
beten und Gott danken. „Es geht
ständig um Dinge, die gut gelaufen
sind.“ Die Menschen dort haben ein
überwältigendes Bewusstsein dafür,
dass nichts selbstverständlich ist. Sie
leben ein Leben voller Dankbarkeit,
obwohl sie nach unserem Maßstab
nichts haben. „Die Menschen sind
ärmer - und fühlen sich reicher
als wir. [...] Wir aber halten den
Glauben für eine Verklärung.“1
1 Tillmann Prüfer, Ich sehe was..., in: Christ & Welt 18/2016, S. 3.
Vgl. Tillman Prüfer, Der heilige Bruno. Die unglaubliche Geschichte meines Urgrossvaters am Kilimandscharo, Reinbek b. Hamburg
(Rowohlt) 2015.
Ist der Mensch mit seinem
geistigen Leben die unerklärbare
Anomalie schlechthin oder
ist diese Eigenschaft eine der
bemerkenswertesten Dinge im
Universum? Womöglich bedarf es
eines grundlegenden Umdenkens.
Was für eine Konzeption der
Naturordnung braucht es, um dem
Geist seinen verdienten Stellenwert
zu garantieren? Ihn nicht als
Nebenwirkung physikalischer
Gesetze zu sehen, sondern als
Zentrum.
Vgl. Thomas Nagel, Geist und Kosmos. Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch
ist, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 2013, S.29.
Das Leben ist bei weitem
nicht nur das Produkt eines
Überlebenskampfes. Martin
Nowak hat gezeigt, dass vor
allem das Zusammenspiel
und das Kooperieren von
Organismen zu den wichtigsten
und kreativsten Ereignissen in
der Entwicklung des Lebens
geführt haben.
Vgl. Martin Nowak, Kooperative Intelligenz. Das Erfolgsgeheimnis der Evolution. München (C.H. Beck) 2013.
„Als er sich wieder erhob, schien es mir,
als glitzerte sein Gesicht von Tränen, aber
vielleicht waren es nur die klare Liebe und
der Glanz [...], die von ihm ausströmten.“1
Es fällt schwer, etwas aufzugeben, das
man als Teil des Selbst erachtete. Aber
wenn etwas ein Leben zur Hölle werden
lässt, muss man in Erwägung ziehen, es
loszuwerden. Wenn es etwas im Leben
gibt, das sich gegen die eigene Freude
und das Glücklichsein erhebt, muss man
sich dagegen entscheiden. Das Problem
ist nur, dass man meistens zu schwach für
eine solche Entscheidung ist. Man dachte
vielleicht, es sei Teil der Freude.
1 C.S. Lewis, Die grosse Scheidung, Einsiedeln (Johannes) 112008, S. 110.
Mit dem Einbruch Gottes Zukunft
in unsere geschichtliche Gegenwart
kommt es zu einer Neubeschreibung
der Welt: Diese findet sich in den
neutestamentlichen Gleichnissen.
In ihnen wird sichtbar, wie die Welt
aussieht, wenn Gottes Zukunft
ihr von Hause aus fremde Regeln
aufnötigt. Die Fülle der Zeit berührt
dann die Welt. Dann werden
alltägliche Vorgänge in etwas
verwandelt, das sie zuvor nicht
waren und nie hätten sein können.
Das Material wird vollkommen
transformiert. Die Welt überschreitet
die Dimension ihrer Wirklichkeit auf
eine neue Möglichkeit hin.1
1 Christian Link (2015): Die Zeit der Schöpfung. [YouTube-Video.] grenzfragen, veröffentlicht am 24.11.2015
unter: https://www.youtube.com/watch?v=FAtnCt9W2F0&feature=youtu.be (Stand 24.05.2016).
Wim Wenders findet das Neue
Testament atemberaubend, weil
er darin nur Möglichkeiten und
keine Einengungen findet. Gott
zeigt sich darin in „unglaublich
großzügiger und grenzenlos
liebevoller Weise.“1
1 Wim Wenders, in: Dirk von Nayhauss u. Maggie Riepl (Hg.), Ich Glaube. Gedanken zu Gott und Religion, Frankfurt a.M.
(Hansisches Druck- und Verlagshaus) 22011, S. 130.
In den letzten Jahren wurde
immer wieder vom anthropischen
Prinzip gesprochen. Was will uns
das sagen? Vielleicht eine falsche
Perspektive... Mechanismen.
Menschen. Willkommenskultur?
Gerichtete Naturprozesse?
Exakte Werte der kosmologischen
Konstanten. Die organische
Chemie von Carbon. Super!
Vgl. Willem B. Drees, Das Universum... Erklärbar oder ein Mysterium?, veröffentlicht auf: Dialog Theologie &
Naturwissenschaften (Evangelische Akademie im Rheinland), online abrufbar unter: https://www.theologienaturwissenschaften.de/startseite/leitartikelarchiv/kosmologie.html (Stand 04.06.2016).
Gnade als
Therapie
der eigenen
Ansprüche.
Seit einigen Jahren wird in der
neutestamentlichen Forschung
von einer Rückkehr zu den
Augenzeugen gesprochen.
Das bedeutet nicht, aus dieser
Tendenz sofort abzuleiten,
alle Fragen zur Formung der
Evangelien seinen beantwortet.
Aber die Annahme eines
Vakuums nach den Ereignissen,
wie es die Formgeschichtler
Bultmann und Dibelius
vertreten haben, ist unhaltbar
geworden.
Vgl. Richard Bauckham, Jesus and the Eyewitnesses: The Gospels as Eyewitness Testimony, Grand Rapids
(Wm. B. Eerdmans) 2006.
Vgl. Rainer Riesner, Die Rückkehr der Augenzeugen. Eine neue Entwicklung in der Evangelienforschung, in:
Theologische Beiträge 38. Jg. (2007), 337-352. Online abrufbar unter: http://www.iguw.de/uploads/media/
Riesner_R_Augenzeugen-Evangelienforschung-2007_IGUW.pdf (Stand 24.05.2016).
Faith triggers not by
direct message, but a
space has to open up
in you, which has to be
filled with an existential
decision.
Wenn man die beiden (!)
Schöpfungserzählungen
der Genesis
komplementär liest und
versteht, kommt man
zu einem Ergebnis, das
tatsächlich unserer Welt
entspricht: Güte und
Schönheit der Schöpfung
einerseits, andereseits die
Hässlichkeiten und das
Versagen in ihr.
Für die alten Hebräer
gab es etwas, das allem
Lebendigen das Leben
einhauchte, und das
jeden Tag aufs Neue:
a
Der rû h Gottes.
Vgl: Rolf Rendtorff, Theologie des Alten Testaments, 2. Bd., Neukirchen-Vluyn (Neukirchener) 2001, S. 17f.
Es ist zunehmend so, dass ich das
Leben als ein Sich-Gegebensein
empfinde und meine beiden
Kinder immer weniger als rational
erklärbare Gegebenheiten
ansehe. Auch wenn der Wert des
sogenannten „Wunders der Natur“
oft wegen der schieren Quantität
an täglichen Geburten bezweifelt
wird. Es generiert sich in mir
eine Dankbarkeit und es ist etwas
wunderbares, dankbar zu sein. Es
ist ein Generator der Freude.
Leuchten vor
Freude!
Ganz ehrlich
gesprochen, weiß ich
nicht, was mich nach
diesem Leben erwartet.
Könnte es auch „nichts“
sein?
Is there something
more to the human
person than just
our genes?
Es gibt von Seiten der
Neurowissenschaften nicht
ansatzweise eine Erklärung
dafür, wie unsere Intentionalität
funktioniert. Und wie könnte das
Gehirn, wenn es rein materiell
wäre, Dinge denken wie zum
Beispiel den Satz des Pythagoras.
Viele Dinge, die es überhaupt
nicht auf dieser Welt gibt, lassen
sich logisch denken. Wie ist das
möglich?
Vgl. Godehard Brüntrup, Selbstbestimmung und Gehirn. Eine Rede über Freiheit an die Gebildeten unter
ihren Leugnern, in: Karl-Heim-Gesellschaft (Hg.), Glaube und Denken, Berlin (21)2008, S. 33-55. Online
abrufbar unter: https://www.hfph.de/hochschule/lehrende/prof-dr-godehard-bruentrup-sj/articles/2008b.pdf
(Stand 24.05.2016).
Die vier kanonischen Evangelien
stehen in Einklang mit der genuin
jüdischen Anschauung, dass Gott
diese Welt erneuern möchte
und sie heilen will. Da es eine
gute und geliebte Schöpfung ist,
ist es nicht das Ziel, diese Welt
hinter sich zu lassen und sich zu
verabschieden. Vielmehr ist es
der sehnliche Wunsch, als ein Teil
dieser erstaunlichen Angelegenheit
die Liebe zur Welt zum Ausdruck
zu bringen. Am Leben zu hängen
und es zu lieben ist das, was uns
auszeichnet.
Es ist möglich, dass
ich mittlerweile eine
fehlgeleitete Person bin.
Ich kann das Gefühl
nicht bändigen, dass ich
weiter suchen muss.
Die Lithografie „Drawing
Hands“ von M.C. Escher
verbildlicht das Paradoxon der
Entstehung der heiligen Schrift.
Wie kann sie göttliches und
menschliches Wort zugleich
sein?
In der Bibel zu lesen, ist
besonders für diejenigen, die
darin Gottes Wort vermuten,
manchmal wie die Beziehung zu
einem eigenartigen Onkel, den
man auf Familienfesten trifft
und mit dem man irgendwie
zurecht kommen muss. Immer
wieder stößt er einen vor den
Kopf. Manchmal macht er ein
Geschenk, manchmal verhält er
sich schockierend.
Diese
Arbeit kann
die Seele
ansprechen,
sofern diese
existiert.
Die Quantenmechanik erlaubt
nicht, jede beliebige Metaphysik
zu rechtfertigen. Aber
dennoch zeigt sie, dass unsere
Welt sehr viel mysteriöser
und geheimnisvoller ist,
als es von der klassischen
Physik angenommen wurde.
Es beginnt bzw. hat schon
begonnen, dass der Zauber
zurückkehrt.
Is it a ghost
or the morning star
all an illusion
on the horizon
never crystal clear
like my tears
Vgl. Sufjan Stevens, Carrie & Lowell, Asthmatic Kitty Records, 2015.
Es ist überaus schwierig, in die
scheinbar schizophrene Leere
der Transzendenz hinein zu
reden. Es fühlt sich an, als ob
eine unüberwindbare Distanz
dazwischen liegt. Es mag auch sein,
dass manche leichter zu diesem
Sprachrohr finden als andere. Aber
für mich ist es eine erhebliche
Schwierigkeit, die viel Übung und
Überwindung braucht.
Heutzutage zu
glauben, bedeutet sich
verwundbar zu machen.
Es ist ja durchaus
möglich, dass man
einem Irrtum unterliegt.
Deshalb entstehen
äusserst schnell
Vorurteile in den Köpfen.
Man ist sich absolut
sicher, dass es sich um
Nonsens handelt.
Alle menschlichen
Machtverhältnisse sollen
umgekehrt werden. „Selig
sind die Armen und
Einfältigen.“ Die erobernde
Macht ist eine Liebe, die
sich selbst dahingibt.
All of our mental lifes,
all of our emotional lifes,
all of our feelings, all of
our highest thoughts,
are rooted in the
biology of the brain.
Ich finde all die psychologischen
und evolutionären Erklärungen
interessant, warum ich dazu
determiniert bin, an einen liebenden
Gott zu glauben. Es könnte tatsächlich
so sein, dass ich darauf keinen Einfluss
habe. Bin ich ein Tier mit einem
ziemlich fehlgeleiteten Bewusstsein,
das sich eine Möglichkeit sucht, mit
der Sterblichkeit besser zurecht zu
kommen? Das ist eine sehr gute
Erklärung. Sie ist rational vertretbar.
Natürlich überzeugt sie mich nicht.
Wenn man versucht, die
Genesis zu verstehen,
sollte man sie nicht mit den
naturwissenschaftlichen Linsen
lesen. Nicht, dass die Genesis
nicht Gottes Wort wäre, aber es
ist angebracht anzuerkennen,
dass sie im Kontext eines
Volkes steht, das vor 3000
Jahren gelebt hat und das kein
wissenschaftliches Weltbild
hatte.
Es gibt überaschenderweise
einen großen Bedarf an
kontraintuitivem Denken - nicht
nur in der Gestaltung, sondern
auch in den Wissenschaften.
Die Frage sollte nicht lauten:
ob etwas vernünftig ist. Als ob
man schon vorher Bescheid
wüsste, welche Form Vernunft
annehmen kann. Niemand hätte
1899 den Welle-TeilchenDualismus als vernünftig
angesehen.
Vgl. John Polkinghorne, Die Konsequenzen der Quantentheorie, veröffentlicht auf: Dialog Theologie &
Naturwissenschaften (Evangelische Akademie im Rheinland), online abrufbar unter: https://www.theologienaturwissenschaften.de/startseite/leitartikelarchiv/quantentheorie.html (Stand 02.06.2016).
„er nannte
ihren Namen
ʾādām.“
Vgl: Rolf Rendtorff, Theologie des Alten Testaments, 2. Bd., Neukirchen-Vluyn (Neukirchener) 2001, S. 15.
Man sollte sich seiner
Sache nie zu sicher
sein. Es ist besser zu
zweifeln und mit einer
andersgläubigen Person
intensiv mitzufühlen
und lernen sie zu
verstehen.
Die Feuerbachsche
Projektionsthese kann auch
umfunktioniert werden:
Menschen richten sich nach
ihrem Idealbild aus, es muss
dabei noch kein Götterbild sein.
Manchmal ist es ein Filmstar
oder Sportprofi - jemanden, den
man als wertvoller betrachtet
als sich selbst. Letztlich bleibt
aber die Frage: Wer bin ich?
Was ist der
Mensch, dass
er als wertvoll
erachtet wird?
Der Kreuzestod von Jesus
war ein „point of no return“.
Das sagen uns unsere
naturwissenschaftlichen
und medizinischen
Erkenntnisse. Unser
momentaner Erfahrungsund Erwartungshorizont
hat keinen Platz für dieses
Ereignis. Die Auferstehung
kann nicht von innerhalb der
Welt verstanden werden.
Aber vielleicht ist sie das
Moment der Überraschung
schlechthin.
Es macht einen Unterschied,
eine wirklich geglaubte Hoffnung
im Leben zu haben. Wenn man
an ein Leben nach dem Tod
glauben kann - und ich kann
nachvollziehen, dass viele das
nicht schaffen - ist dies eine
kaum begreifbare psychologische
Sicherheit. Wenn es wirklich so
wäre, dass man den Tod nicht
mehr fürchten muss, könnte dies
ein Leben gänzlich verändern.
Ich schäme
mich für das
Heiligste, das
ich bin.
Das Libet-Experiment hat ein
philosophisch-konzeptuelles
Problem. Ist es überhaupt ein
Beispiel von Freiheit, wenn der
Versuchsleiter anordnet, dass
die Testperson den rechten
Zeigefinger in den nächsten
20 Sekunden anheben soll?
Vgl. Godehard Brüntrup, Selbstbestimmung und Gehirn. Eine Rede über Freiheit an die Gebildeten unter
ihren Leugnern, in: Karl-Heim-Gesellschaft (Hg.), Glaube und Denken, Berlin (21)2008, S. 33-55. Online
abrufbar unter: https://www.hfph.de/hochschule/lehrende/prof-dr-godehard-bruentrup-sj/articles/2008b.pdf
(Stand 24.05.2016).
Fucking
empiricist
reductionist
bullshit.
Evolution ist für den
Glauben genauso
ein Problem wie die
Schwerkraft.
Vgl: Martin Nowak (2012): God and Evolution. [YouTube-Video.] College of the Holy Cross, veröffentlicht am
11.10.2012 unter: https://www.youtube.com/watch?v=KrwG9rpXPK0 (Stand 19.05.2016), (in Englisch mit
starkem österreichischem Akzent).
Die
umfassende
religiöse
Bildung
ist ein
Heilmittel.
Vgl. Manfred Oeming (2015): Landauer Akademiegespräch 2014 2015 Prof Dr Oeming. [YouTube-Video.]
Friedensakademie Rheinland-Pfalz, veröffentlicht am 05.03.2015 unter: https://www.youtube.com/
watch?v=yrkvOBkRlyA (Stand 08.06.2016).
Es ist nachzuvollziehen,
warum der sogenannte
Neue Atheismus seit einigen
Jahren große Aufmerksamkeit
erfährt. Auch wenn Gewalt für
Christen ein Tabu sein sollte,
kommt es doch erschreckend
oft zu verbaler Gewalt.
Unverständnis und Rechthaberei,
sowie Angstmacherei und
Unbelehrbarkeit stoßen mich ab.
Sie erzählen nichts von der Liebe
Gottes. Um mit G.K. Chesterton
zu sprechen: „Der beste Beweis
gegen das Christentum sind die
Christen.“
Ein Grundproblem besteht darin, dass eine
rein evolutionistische Anwendung auf das
Verständnis unserer kognitiven Fähigkeiten
ein Vertrauen auf dieselben untergraben
wird. Falls sich Überzeugungen immer aus
der Wurzel des Selektionsvorteils speisen,
welchen Wert kann man dann noch unseren
Erkenntnissen beimessen? Können wir
dann auf theoretische Erklärungen der
Welt bauen? Das Grundvertrauen, das wir
im Alltag in unser Erkennen haben, wäre
nach Thomas Nagel damit nicht möglich.
Das beträfe auch die Wissenschaften.
Offensichtlich bringt eine rein materielle
Sichtweise die Autorität der Vernunft in eine
viel schwächere Position. Noch eindeutiger
wird dies aber bei moralischen oder anderen
normativen Fähigkeiten. Der Naturalismus
impliziert, dass keine Überzeugung wirklich
ernst zu nehmen ist - auch nicht ein
wissenschaftliches Weltbild.
Vgl. Thomas Nagel, Geist und Kosmos. Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch
ist, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 2013, S.46-47.
Der inkarnierte Gott
ist nicht getrennt vom
menschlichen Leiden.
Er nimmt daran Teil
und vergießt Tränen.
Der Idealismus ist dem
Naturalismus in einer Hinsicht
überlegen. Mit ihm dürfen
wir uns uneingeschränkt so
verstehen, wie wir uns intuitiv
im Alltag verstehen und
verstehen wollen. Zwar als
endliche, aber zur Vernunft
fähige, selbstverantwortliche
und freie Ich-Subjekte.1
1 Holm Tetens (2016): Philosophie kontrovers. Grenzen des Naturalismus. [YouTube-Video.]
UniversitaetzuKoeln, veröffentlicht am 07.03.2016 unter: https://www.youtube.com/watch?v=pUg4JsY8ork
(Stand 19.05.2016).
Angenommen, man sitzt in
einem Restaurant und der
Kellner fragt, was man bestellen
möchte. Als Leugner der
Willensfreiheit müsste man
eigentlich antworten, man warte
einfach ab, was man bestellen
wird, frei entscheiden könne
man sich ohnehin nicht. - Das
Problem mit der Antwort ist nur,
dass sogar die Verweigerung
einer Entscheidung auf der
Freiheitsidee basiert.1
1 Anna Ijjas, Der Alte mit dem Würfel. Ein Beitrag zur Metaphysik der Quantenmechanik, Göttingen
(Vanderhoeck & Ruprecht) 2011, S. 180.
Vgl: John Searle (2007): John Searle | Talks at Google. [YouTube-Video.] Talks at Google, veröffentlicht am
08.11.2007 unter: https://www.youtube.com/watch?v=vCyKNtocdZE (Stand 02.06.2016), 13:00.
Es ist keine
neue Erkenntnis
der heutigen
Wissenschaften,
dass Tote nicht
auferstehen.
Wenn die Philosophie tatsächlich keinen
Begriff mehr von der Liebe hat und diese
an die „dunklen und beunruhigenden
Ränder ihrer zureichenden Vernunft“
verbannt wurde, ist es kein Wunder,
wenn wir die Liebe verlieren. Man wird
sich verurteilt fühlen, sich mit äußerst
minderwertigen Surrogaten begnügen
zu müssen: der Gefühlsduselei der
Trivialliteratur, der Pornographie
[...] oder der Ideologie individueller
Selbstverwirklichung. Die Philosophie
aber schweigt und verliert die Liebe.
Dabei sollte sie zuerst lieben, bevor sie
wissen kann. Philosophie begreift nur in
dem Maße, wie sie liebt.1
1 Jean-Luc Marion, Das Erotische. Ein Phänomen, Freiburg i.B. (Alber) 2013, S. 11.
Die Frage nach der
Willensfreiheit, welche von
führenden Hirnforschern
bereits als erledigt angesehen
wird, kann Dank Anna Ijjas
wieder neu aufgenommen
werden. Sie erschließt, wie
der Quantenindeterminismus
hierbei eine wichtige Rolle
spielt.
Vgl. Anna Ijjas, Der Alte mit dem Würfel. Ein Beitrag zur Metaphysik der Quantenmechanik, Göttingen (Vanderhoeck &
Ruprecht) 2011.
Die Seele ist das
menschliche Wesen [...]
als etwas betrachtet,
das einen Wert an sich
hat. Die Seele einer Frau
lieben bedeutet, diese
Frau nicht in Hinsicht auf
sein eigenes Vergnügen
1
zu denken etc.
1 Simone Weil, Cahiers, 1. Bd, München (Carl Hansser) 1998, S. 91.
Der Auferstehungsleib
Jesu erstrahlt in
Herrlichkeit. Von nun
an in endgültiger
Weise lebendig, in einer
unwiderstehlichen
Weise lebendig.
Das unentwegte Wettern
und Fluchen gegen den
Gottesglauben macht
ihn auf seltsame Weise
interessant.
Wie kann man den Satz
„Bei Gott ist kein Ding
unmöglich“ (Lk 1,37)
mit der Quantentheorie
verbinden?
Vgl. Thomas Görnitz, Für immer und ewig? Einige – auch naturwissenschaftliche – Gedanken, in: Institut für
Hermeneutik und Religionsphilosophie (Hg.), Hermeneutische Blätter, Zürich (1)2016, S. 32-48. Online abrufbar
unter: http://www.hermes.uzh.ch/dam/jcr:09261653-0ba1-4f5d-8c77-e8b72599f206/Goernitz_HBl_2016_1.pdf
(Stand 30.05.2016).
Etwas als Undenkbarkeit zu
bezeichnen, bedarf in sich schon einer
Vorstellung und erzwingt eigentlich
doch „zu denken“. Somit wird
„undenkbar“ zu „unvorstellbar“ usw.
All diese Begriffe wie Undenkbarkeit,
Unvorstellbarkeit, Unbeschreibbarkeit,
Unsichtbarkeit, Unmöglichkeit und
Unüberprüfbarkeit können wir
doch irgendwie beherrschen und
benutzen. Wir können uns an diese
Un-Gegenstände wagen und sind
darin sehr erfolgreich, sie doch zu
erforschen. Es liegt im Menschen, sich
in diese Un-Wirklichkeit zu begeben.
„Zu welchem Zweck erfinden wir
Fragmente möglicher Welten?“
Vgl. Gerd Folkers, Vom Schattenwurf der Moleküle, in: I.U. Dalferth/Ph. Stoellger/A. Hunziker (Hg.), Unmöglichkeiten, Religion in
Philosophy and Theology 38, Tübingen (Mohr Siebeck) 2009, S. 139-160.
Die Geschichte
von Gott und
seinem Menschen
gleicht einem
surrealistischen
Kunstwerk.
Vgl. Vilém Flusser (2013): Vier Menschenbilder / Mensch & Technik [YouTube-Video.] PhilosophieKanal,
veröffentlicht am 09.08.2013 unter: https://www.youtube.com/watch?v=WtD3xB_rD3g (Stand 31.05.2016)
Tief ist der Brunnen
der Vergangenheit.
Sollte man ihn nicht
unergründlich
1
nennen?
1 Thomas Mann, Joseph und seine Brüder, Bd. 1, Stockholm (Bermann-Fischer) 1948, S. 9.
Es ist inakzeptabel, wie
respektlos und unreflektiert
mit der hebräischen Bibel
umgegangen wird. Einige
scharfe Monotheismuskritiker
dürfen sich die Frage stellen,
ob sie zu Predigern des
Hasses geworden sind. Das
undifferenzierte Attribut
„Gott der Rache“ für den Gott
der hebräischen Bibel zu
verwenden, ist genauso zu
verlernen, wie das Anwenden
des falsch verstandenen
Talionsprinzips auf Ihn.
Es gibt von christlicher Seite auch seriöse Arbeiten zu schwierigen Texten des Tanach, so z.B.: Bernd Janowski,
Ein Gott, der straft und tötet? Zwölf Fragen zum Gottesbild des Alten Testaments, Neukirchen-Vluyn
(Neukirchener) 22014.
Vgl. Manfred Oeming, „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, in: Ruperto Carola, Heidelberg (3)2003. Online abrufbar
unter: http://www.uni-heidelberg.de/presse/ruca/ruca03-3/auge.html (Stand 06.06.2016).
Wie kann
ich eine
besondere
Person
sein?
Nietzsches Gott war kein Gott des Lebens.
Fußt seine Religionskritik auf einer „sublimen
Form der Religionspathologie, die im eigenen
Haus, in der eigenen Tradition beginnt?“1
Nietzsches Gott war ein Moralgott, der keine
Freude zuließ und das Leben verneinte. Man
kann sich gut vorstellen und Mitleid dafür
empfinden, wie er ein Leben lang mit der
protestantischen Strenge gekämpft hat. Es
ist von großer Bedeutung, welche Form des
Glaubens Eltern ihren Kindern vermitteln und
vor allem, welche Aspekte des Gottesbildes sie
widerspiegeln: Zorn oder Liebe, Strenge oder
Milde. Menschen, die zur Vaterperson eine
gebrochene Beziehung haben, werden sich
mit dem neutestamentlichen „Abba“ immer
schwer tun. Glaube oder Antitheismus stehen
nicht selten mit den familiären Beziehungen in
komplexem Zusammenhang.
1 Berhard Waldenfels, Hyperphänomene. Modi hyperbolischer Erfahrung, Berlin (Suhrkamp) 2012, S. 378.
„Es ist für den Christen
manchmal schier
unbegreiflich, daß sein Herr
für die Juden und unter Juden
gewirkt hat [...].“1 In der Tat
sind sich viele Christen der
Implikationen nicht bewusst.
Bezeichnend ist auch, dass
der jüdisch-christliche Dialog
immer seltener wird. Leider
gedeiht der Antisemitismus.
1 David Flusser, Bemerkungen eines Juden zur christlichen Theologie, München (Chr. Kaiser) 1984, S. 10.
Es gibt kein
Leben nach
dem Tod. Da
können wir
ziemlich sicher
sein, nicht
wahr?
„Dass die Welt Sie und mich und alle anderen
hervorgebracht hat, ist das Erstaunlichste an
ihr.“1
Es bestehen ernst zu nehmende Zweifel
daran, dass das Leben allein aufgrund der
Abhängigkeit von Gesetzen der Chemie
und Physik entstand und sich entwickelt hat.
Thomas Nagel erklärt den psychophysischen
Reduktionismus als gescheitert und vermutet
in der Naturgeschichte teleologische
Prinzipien. Es hat sich in seinem Fall gezeigt,
dass solche Zweifel von einer besonders
strenggläubigen Gruppe moderner
Naturwissenschaftler angeprangert werden.
Nagel ist der Überzeugung: „Fast jeder sei
der Einschüchterung erlegen, das reduktive
Forschungprogramm als sakrosankt
aufzufassen.“
1 Thomas Nagel, Geist und Kosmos. Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so
gut wie sicher falsch ist, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 2013, S.17.
Vgl. Leon Wieseltier, A Darwinist Mob goes After a Serious Philosopher, New Republic, erschienen am
08.03.2013. Online abrufbar unter: https://newrepublic.com/article/112481/darwinist-mob-goes-after-serious-philosopher (Stand 13.06.2016).
Die
MenschensohnVerheißung
ist jüdischen
Ursprungs und
Jesus identifiziert
sich mit ihr.
Vgl. David Flusser, Bemerkungen eines Juden zur christlichen Theologie, München (Chr. Kaiser) 1984, S. 54ff.
Ist der positivistische
antireligiöse Szientismus
die letzte Episode des
alten Kampfes gegen das
1
Christentum?
1 Rolf Kühn, Französische Philosophie und Phänomenologie im 20. Jahrhundert und ihre Konsequenzen für die Religionsphilosophie
– eine Forschungsskizze, in: Jahrbuch für Religionsphilosophie 12, Freiburg i.B. (Alber) 2013, S. 99.
Die Radikalität der
Genesis besteht darin,
eben kein zeitliches
Initium zu beschreiben,
sondern die absolute
Bedingung für den
Anfang zu postulieren:
Gott als zeitloser Grund
der Zeit.
Der selbstbewusste jüdische
Monotheismus war die
Grundlage dafür, Jesus nicht
nur als einen Halb- oder
Nebengott zum Allmächtigen
zu etablieren, sondern ihn
direkt mit dem einen Gott in
Verbindung zu bringen und ihn
in dessen einzigartige Identität
zu intergrieren.
Vgl. Richard Bauckham, Jesus and the God of Israel - God Crucified and Other Studies on the New Testament‘s Christology of Divine
Identity, Grand Rapids (Wm. B. Eerdmans) 2009.
Es ist möglich, eine lebendige
Erfahrung zu verpassen,
indem man ihr vorweg
verschiedene Instanzen
unterschiebt. Dadurch kann
ein Phänomen direkt nach
dem Erscheinen unterdrückt
und unterbunden werden.
Es ist das Getroffensein und
Angesprochensein, das zu
einer religiösen Antwort
führen kann.
Vgl. Berhard Waldenfels, Hyperphänomene. Modi hyperbolischer Erfahrung, Berlin (Suhrkamp) 2012, S. 363f.
Angenommen er
existiert, findet sich
Gott nicht nur im
Denken. Vor allem
findet er sich im
Lebendigsein.
Wie fühlt es sich an Schokolade
zu essen, Gänsehaut zu haben,
frische Luft zu atmen, einen
Orgasmus zu haben oder die
Liebe zu seinen Kindern zu
spüren? Wo und wie sind diese
Erlebnisqualitäten (Qualia)
festgelegt und zu verorten? Sind
sie nicht zutiefst wundervoll?
Phänomenal! Ein Wunder?
Vgl. Thomas Nagel, What is it like to be a bat?, in: The Philosophical Review Cornell University, Ithaca (83)1974,
S. 435–450. Online abrufbar unter: https://web.archive.org/web/20071024145103/http://members.aol.com/
NeoNoetics/Nagel_Bat.html (Stand 24.05.2016).
Kann es nicht sein,
dass der Glaube die
Wissenschaft braucht
und die Wissenschaft
den Glauben - diese
beiden komplementär
vereint?
Der Glaube verbindet zwei
entgegengesetzte Momente.
Zum einen wirkt er gegen die
Unsicherheit und schützt den
Menschen vor der Zufälligkeit. Auf
der anderen Seite steht jedoch
das Mysterium Tremendum,
welches gerade keine Sicherheit
und Vorhersehbarkeit beinhaltet,
sondern die Konfrontation des
Menschen mit (Ehr)-Furcht und
der Entfremdung gegen das völlig
Andere.
Das hebräische Wort ‫( ֵע֖וֶ ר‬ezer) aus Genesis 2,18
wird in der Luther-Bibel mit „Gehilfin“ übersetzt.
Bei näherem Hinsehen wird jedoch klar, dass sich
dahinter etwas bedeutsameres verbirgt. Bei der
Untersuchung des Wortes „ezer“ zeigt sich, dass
es 20 mal im Alten Testament vorkommt und es
sich um ein Gottesprädikat handelt. Der
Schöpfungbericht beschreibt die Frau mit einer
Gottesbezeichnung und zwar in dem Sinne, dass
Gott die Möglichkeit hat, in unmöglichen und
ausweglosen Situationen doch noch zu retten. Es
stellt sich heraus, dass die vermeintliche „Gehilfin“
nicht nur eine Gehilfin ist, wie es viele männliche
Ausleger dem Urtext entnommen haben. Wer sich
mit der Gleichstellung der Frau zufrieden gibt,
bleibt weit hinter dem Anspruch der Genesis
zurück.
Vgl. Manfred Oeming, Theologie des AT aus der Perspektive von Frauen, Münster (LIT) 2003, S. 11ff.
Vgl. Biblia Hebraica Stuttgartensia, K. Ellinger/W. Rudolf (Hg.), Stuttgart (Deutsche Bibelgesellschaft) ±1997, S. 3.
Freude überkommt mich.
Es gibt sie manchmal,
diese Momente, in denen
mein Glaube stark ist und
ich überzeugt bin. Jesus
hat behauptet zu wissen,
wie Gottes Kraft die Erde
in ungewohnter Weise
berührt: Durch seine
Geburt.
Ist der genetische Egoismus die
treibende Kraft der Evolution?
Kooperation, Hilfsbereitschaft,
Freundschaft und Liebe gelten nur
als Strategien, die dazu da sind, die
Weitergabe der eigenen Gene zu
verbessern. Alle Verhaltensweisen
die diesem Ziel nützen, sind
berechtigt. List und Lüge genauso
wie Ehrlichkeit und das Bemühen
um Gerechtigkeit?1
1 Regine Kather (2016): Evolution - Bewusstsein - Freiheit und das Netz des Lebens. [YouTube-Video.]
grenzfragen, veröffentlicht am 30.01.2016 unter: https://www.youtube.com/watch?v=XenghVoDvJw (Stand
24.05.2016).
Schmerz ist schlecht
und Lust wirklich gut.
So erscheinen sie mir
nun einmal, wie sehr
ich mich auch bemühe,
mir das Gegenteil
vorzustellen.
Ständig schwingt der Anspruch
mit, vernünftig zu sein. Es war
immer die Grundüberzeugung
des christlichen Glaubens,
dass am Anfang aller Dinge
die schöpferische Kraft der
Vernunft steht. Kann Vernunft
ein Nebenprodukt des
Unvernünftigen sein? Können
wir überhaupt ohne Vernunft
leben? Womöglich ist der
Glaube an die Vernunft der
grundsätzlichste Glaubensakt.
Es steht ein gutes Motiv hinter dem Festhalten an der wortwörtlichen
7-Tagesschöpfung. Es wird versucht, Gottes Schöpferkraft gegen
eine zufällige Entstehung der Erde zu verteidigen. Das Problem ist
jedoch, dass dieses Schriftverständnis zum Konflikt mit sämtlichen
Naturwissenschaften führt. Geologie und Paläontologie sowie Biologie
und Kosmologie erzählen die Geschichte anders. Die Schöpfung ist
wissenschaftlich gesehen viel erhabener und komplizierter, als es wenige
Worte erzählen können. Die modernen Naturwissenschaften berichten
von diesen wundervollen und fast unvorstellbaren Mechanismen
ausführlicher.
„Am Anfang war das Quark-Gluon-Plasma...“ Die künstlerische und
literarische Qualität der Genesis wird mehr als unterschätzt. Dabei sind
es genau diese Qualitäten des Textes, die dem ganzen einen tiefen Sinn
geben. Gott liebt Sprache. Wie die Partitur einer Meisterkomposition
erzählt sie von keiner zufälligen, sondern einer gewollten und somit
wertvollen Schöpfung. Von dem bewussten Kontrollieren eines
Tohuwabohus und der daraus resultierenden Ordnung. Von Geschöpfen,
welche Gottes Herrlichkeit und lebenspendende Liebe spiegeln
sollen. Von Sinn und Verantwortung, welche Menschen in dieser
Schöpfung haben. Und von einem Atem, der Leben einhaucht. Diese
Texte sind grundverschieden von einer DNA-Sequenzierung oder der
radiometrischen Datierung. Sie sind zeitlose Kunst.
Ist das Evangelium eine
Chance, mit dem, was man
hat, zufrieden zu sein und
sei es noch so wenig? Es
scheint keinen zwingenden
Zusammenhang zu geben.
Dennoch ruft es unentwegt
von überall her: Leiste mehr!
Sei religiöser! Mehr Intellekt!
Flexibler sein! Es reicht noch
nicht! Dem steht der antike
Ausspruch eines jungen Juden
diametral entgegen: „Es ist
vollbracht.“
Die Instanz,
welche das
Selbst als Illusion
identifiziert, kann
nicht selbst Illusion
1
sein.
1 Günter Rager, Grundzüge einer modernen Anthropologie, Göttingen (Vanderhoeck & Ruprecht) 2012.
Natürliche Auslese ist
keine Erklärung für den
Ursprung des Lebens. Wie
kann der genetische Code,
eine willkürliche Zuordnung
von Nucleotidsequenzen
zu Aminosäuren, mitsamt
den komplexen Vorgängen
des Lesens und Ausführens
des Codes im Rahmen der
physikalischen Gesetze als
wahrscheinlich angesehen
werden?
Vgl: Thomas Nagel, Geist und Kosmos. Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch
ist, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 2013, S.21.
In Frankreich wurde die
Religion - noch vor Marx verdächtigt, den Menschen
„trunken“ zu machen, um ihn zu
beherrschen. Auch bei Voltaire
findet man die Kritik der
religiösen Leichtgläubigkeit und
Unwissenheit. Im späten
18. Jahrhundert wird Religion
dann weitgehend durch Moral
ersetzt.
Vgl. Rolf Kühn, Französische Philosophie und Phänomenologie im 20. Jahrhundert und ihre Konsequenzen für die
Religionsphilosophie – eine Forschungsskizze, in: Jahrbuch für Religionsphilosophie 12, Freiburg i.B. (Alber) 2013, S. 90-137.
Gerade weil der Bibel im Kern eine
erzählerische Form zugrundeliegt,
ist sie für die zeitgenössische
Literatur eine Schatzkammer. Sie
beinhaltet nicht nur einen Schreibstil,
sondern viele unterschiedliche
Text-Genre. Die Themenvielfalt, die
darin enthalten ist, wie zum Beispiel
der Bund, die Selbsthingabe oder
die Propheten, hat die literarische
Landschaft in den letzten Jahren
erstaunlicherweise stark beeinflusst.
Vgl. Philip Maughan, The books of revelations: why are novelists turning back to religion?, Newstatesman,
erschienen am 27.11.2014. Online abrufbar unter: http://www.newstatesman.com/culture/2014/11/booksrevelations-why-are-novelists-turning-back-religion (Stand 24.05.2016).
Ein aktuelles
Gefühl besagt,
dass man das
Leben Jesu Christi
durchaus als das
eines Flüchtlings
bezeichnen kann.
Das Kreuz Christi bedient nicht die
jüdische Erwartung eines großen
Herrschers und auch nicht die der
griechische Naturphilosophie und
Logik. Wer sich mit der Schwäche
des auferweckten Gekreuzigten
identifizieren kann, erfährt darin
Gottes Schöpferkraft. Gott wiederum
identifiziert sich endgültig mit
menschlichem Leid. Es wird hier etwas
weltfremdes eingeführt, nämlich die
Umkehrung des Rechts des Stärkeren.
Hier ist kein Sieger und kein Ruhm. Die
Logik des Kreuzes besteht darin, dass
die schöpferische Liebe Gottes aus der
Abwegigkeit und Dunkelheit der Welt
etwas ganz Neues schafft.
Vgl. Stefan Alkier, Die Realität der Auferweckung in, nach und mit den Schriften des Neuen Testaments, Tübingen (Francke) 2009,
S. 20.
Fälle von einander widersprechenden
Begriffen, die wahr sind: Gott existiert;
Gott existiert nicht. Wo liegt das
Problem? Keinerlei Ungewißheit. Ich
bin mir ganz und gar sicher, daß es
einen Gott gibt, insofern ich mir ganz
und gar sicher bin, daß meine Liebe
keine Täuschung ist. Ich bin mir ganz
und gar sicher, daß es keinen Gott gibt,
insofern ich mir ganz und gar sicher
bin, daß nichts Wirkliches dem gleicht,
was ich mir vorstellen kann, wenn ich
diesen Namen ausspreche, denn ich
kann mir von Gott keine Vorstellung
machen. Aber dies, wovon ich mir keine
Vorstellung machen kann, ist keine
Täuschung - Diese Unmöglichkeit ist
mir unmittelbar gegeben als das Gefühl
meiner eigenen Existenz.1
1 Simone Weil, Cahiers , 1. Bd, München (Carl Hansser) 1998, S. 332.
Der erste
Heidenchrist
war ein
äthiopischer
Eunuch.
Die Bekehrung des Äthiopier aus Apg. 8,27, des eunuchos dynastes, wurde in der Vergangenheit aufgrund
„mangelnder Kenntnis der ‚Randkulturen‘“ als Legende abgetan. Vgl. Piotr O. Scholz, Der entmannte Eros. Eine
Kulturgeschichte der Eunuchen und Kastraten, Düsseldorf/Zürich (Artemis & Winkler) 1997, S. 143ff.
Das alltägliche Erleben braucht eine viel reichere Zeit. In der
Zeitmatrix des Physikers Klaus Müller sind besonders die
Eckpunkte der Zeitverschränkungen von Bedeutung, in denen
die Gegenwart nicht vorkommt. Die Naturwissenschaft begrenzt
sich dadurch, indem sie die Zeit homogenisiert und nur als
linearen Parameter in die Formulierung der Naturgesetze
eingehen lässt. Das ist die mittlere horizontale Reihe (s.u.). Die
Zeit wird, wenn sie hierauf begrenzt wird, im Reichtum ihrer
Dimensionen künstlich beschnitten. Die mittlere vertikale
Spalte enthält dagegen die Zeit der Phänomene der Kunst.
Hier erscheint mehr als die faktische Wirklichkeit, denn die
Gegenwart wird hier von der Vergangenheit, der Zukunft und
der Gegenwart umspielt. Das theologisch eigentlich interessante
sind die Eckpunkte: ZV besagt, dass Vergangenes für die
Zukunft relevant sein könnte, worauf ich aber im Moment keinen
Zugriff habe. VZ deutet an, dass diese Zukunft schon in aller
Vergangenheit als eröffnende Macht namhaft gemacht werden
konnte: sozusagen als Grund der Möglichkeit von Schöpfung.
Und ZZ könnte ein Leben ohne Zeit sein. „Die Eckpunkte
weisen auf die Notwendigkeit hin, das Zeitgefüge unserer
Alltagswelt auf eine Zukunft hin zu überschreiten, die uns den
Überschuss der Schöpfung über alles Naturgeschehen, also ihre
eschatologische Ausrichtung, erkennen lässt.“
VV VG VZ
GV GG GZ
ZV ZG ZZ
Vgl. Christian Link (2015): Die Zeit der Schöpfung. [YouTube-Video.] grenzfragen, veröffentlicht am 24.11.2015
unter: https://www.youtube.com/watch?v=FAtnCt9W2F0&feature=youtu.be (Stand 24.05.2016).
Vgl. A.M. Klaus Müller, Die präparierte Zeit. Der Mensch in der Krise seiner eigenen Zielsetzungen, Stuttgart
(Radius) 21973.
Der Gott der Hebräer hat eine
eindeutige Persönlichkeit. Mit Namen
und Charakter ausgestattet, wäre eine
mögliche, wenn auch unzureichende
Analogie für diese Identität, die des
menschlich-personalen. Denn trotz
der antropomorphen Darstellung
Gottes bleibt die Transzendenz
erhalten. Beide Konzepte fließen
ineinander.
Vgl. Richard Bauckham, Jesus and the God of Israel - God Crucified and Other Studies on the New Testament‘s Christology of Divine
Identity, Grand Rapids (Wm. B. Eerdmans) 2009.
Im Schöpfungsbericht
geht es nicht um
Wahrheit oder Lüge,
sondern darum, was
grundsätzlich möglich
ist.
Das Letzte,
das religiöse
Patriarchen zur
Zeit Jesu erfinden
würden, um eine
Auferstehungsgeschichte zu
etablieren, wären
Zeuginnen.
Als das Universum begann, gab es noch keinen
Raum, keine Zeit und keine Naturgesetze. In der
Wissenschaft wird von einer Anfangssingularität
gesprochen. Einigen ist es jedoch ein Dorn
im Auge, dass wissenschaftliche Rede auf
Naturgesetze angewiesen ist, die immer und
überall gelten sollten. Hier lohnt es sich, nicht
aufzugeben. Liegt das Problem darin, dass unser
geliebtes Urknallmodell von einem Theisten
stammt und im Prinzip krypto-theologisch sein
könnte? Wie will man sich verhalten, um gewisse
weltanschauliche Positionen zu vermeiden? Es
ist nunmal das empirisch bestbelegte Modell das Standardmodell. Wer will, darf sich natürlich
auf eine unzulängliche empirische Beweislage
verlassen. Aber die Anfangsingularität ist
vorzüglich. Was jedoch bedeutet, dass die Physik
eine prinzipielle Erklärungsschranke hat.
Vgl. Winfried Löffler, Zur Argumentationsstruktur und Pragmatik gegenwärtiger atheistischer Positionen, in: A.
Anglberger u. P. Weingartner (Hg.), Neuer Atheismus wissenschaftlich betrachtet, Frankfurt u.a.: (Ontos) 2010,
S. 21-49. Online abrufbar unter: https://www.uibk.ac.at/philtheol/loeffler/loefflerprepnewmacos.pdf (Stand
24.05.2016).
Die Quantenphysik
liefert ein empirisches
Argument für die
Willensfreiheit und
für die Vereinbarkeit
von Theismus und
Evolutionstheorie.
Vgl. Anna Ijjas, Der Alte mit dem Würfel. Ein Beitrag zur Metaphysik der Quantenmechanik, Göttingen (Vanderhoeck & Ruprecht)
2011.
Im Kreuz ist etwas enthalten,
das mich nicht loslässt.
Es ist schrecklich und
anziehend. Es schreit. Es ist
klar, warum unsere Kultur
das Kreuz hasst. Es erinnert
an meinen Tod und stört
beim unbeschwerten Leben.
Es gibt nichts im Neuen
Testament, das besser
belegt ist, als der Tod Jesu
am Kreuz.
Der Ausdruck von Innerlichkeit
ist immer mehr, als sich
sprachlich im Medium des
Begriffs und formal logisch
sagen lässt. Grenze der Welt
ist nicht das, was mit Sprache
ausgedrückt werden kann.1
Wahrscheinlich ist es deshalb in
der Hölle so dunkel, obwohl es
brennt.
Vgl. Ernst Cassirer, Philosophie der symbolischen Formen, Bd. 1 Die Sprache, Hermann Noack (Hg.), Darmstadt (Wissenschaftl.
Buchges.) 61953.
„Laßt uns
Menschen
machen!“
Vgl: Rolf Rendtorff, Theologie des Alten Testaments, 2. Bd., Neukirchen-Vluyn (Neukirchener) 2001, S. 15.
Auch wenn Menschen selbst
nicht glauben können, kann
es für sie Bedeutung haben,
wenn für sie und ihre Toten
gebetet wird. Es gibt so etwas
wie stellvertretender Glaube.
Propheten sind exzentrische und
manchmal eigenartige Gestalten,
welche wie Wachhunde den Bund
mit Gott schützen wollen. Es sind
Stimmen, welche gegen den Strom
schwimmen. Sie sagen Dinge,
welche die Leute nicht gerne hören
und kontraintuitiv sind. Jesaja
überwindet diese Ablehnung durch
die edle Schönheit seiner Sprache.
Die Kraft und Anschaulichkeit
seiner Bilder und Vergleiche ist
faszinierend. Diese Worte haben
Israel über die Jahrhunderte hinweg
immer wieder geholfen, sich an die
Grundlagen seines Glaubens und
Denkens zu erinnern.
Eine erste Annäherung
an die bisher noch
geringe Anzahl von
Worten, die Christus an
die Menschen gerichtet
hat, genügte, um uns
Intuitionen einer solchen
Tiefe zu offenbaren, die
das westliche Denken
griechischer Prägung nur
mit Mühe aufnehmen
konnte.1
1 Michel Henry, Christi Worte. Eine Phänomenologie der Sprache und Offenbarung, Freiburg i. B. (Karl Alber) 2010, S. 24 .
Religion hat entgegen aller
Erwartung und Polemik
nach wie vor einen festen
Platz in unserer Kultur. Sie
wird sogar in intellektuellen
Kreisen wieder hörbar. Ernste
religiöse Gedanken führen
den menschlichen Geist an die
entferntesten Grenzen dessen,
was zu artikulieren und zu
denken möglich ist.
Im absolut erotisierten
Gesicht findet sich die
Transzendenz in einer
1
Klarheit wie nie zuvor.
1 Jean-Luc Marion, Das Erotische. Ein Phänomen, Freiburg i.B. (Alber) 2013, S. 187.
Religion ist
sehr anziehend,
weil sie den
Menschen
glauben lässt, in
einer Beziehung
zum Göttlichen
zu stehen.
Die Rede von der „Realität der
Auferweckung“ besteht aus den drei
grundlegenden Dimensionen, die
menschliche Erfahrung bildet. Es
beginnt mit einem emotionalen und
vorkritischen Wahrnehmen, ähnlich
dem eines Kindes. Danach folgt die
empirisch-historische Prüfung der
Sachverhalte. Und als dritte Stufe
kommt die kritische Interpretation
zum Tragen, welche die Bedeutung
und den Zusammenhang herstellt.
Vgl. Stefan Alkier, Die Realität der Auferweckung in, nach und mit den Schriften des Neuen Testaments, Tübingen (Francke) 2009,
S. 5.
Wie vernünftig ist es,
in seinem Leben auf
eine Erlösung von den
Übeln und Leiden in
der Welt durch Gott
1
zu hoffen?
1 Holm Tetens, Gott denken. Ein Versuch über rationale Theologie, Stuttgart (Reclam) 32015, S. 55ff.
Kaum etwas hat dem
Verstehen von Jesus
so gut getan, wie die
Erkenntnis, dass er im
vollsten Sinne ein Jude
seiner Zeit war.
Metaphysischer
Solipsismus und radikaler
Konstruktivismus im
Vergleich.
Nicht nur die Theologie kennt die
Eschatologie, also die Lehre der
„letzten Dinge“. Auch die moderne
Physik weiß, dass unser Universum
vergehen wird. Der zweite
Hauptsatz der Thermodynamik
besagt, dass Systeme ohne
externe Beeinflussung zunehmend
unordentlich werden.
Vgl. John Polkinghorne u. Michael Welker, The End of the World and the Ends of God: Science and Theology on Eschatology
(Theology for the 21st Century), Harrisburg PA (Trinity Press International) 2000.
Sobald das Christentum
staatlich wurde,
verknüpfte es sich mit
politischer Gewalt.
Die Geschichte des
Christentums hat viele
dunkle Seiten. Es ist
ein Irrtum, dass das
Christentum immer eine
Friedensreligion war.
Vgl. Manfred Oeming (2015): Landauer Akademiegespräch 2014 2015 Prof Dr Oeming. [YouTube-Video.]
Friedensakademie Rheinland-Pfalz, veröffentlicht am 05.03.2015 unter: https://www.youtube.com/
watch?v=yrkvOBkRlyA (Stand 08.06.2016).
Wie bei vielem, das in
den Populärmedien
veröffentlicht wird, driften
besonders theologische
Inhalte weit davon ab,
was der Forschungsstand
an den theologischen
Fakultäten ist.
‫אשית‬
ִ ‫ ְב ֵר‬- b rē‘šît
Im Anfang ist
nicht am Anfang.
e
Die Scham gehört
zum Menschen. Im
Tierreich ist sie nicht zu
finden, auch nicht bei
Schimpansen, obwohl
wir z.B. mit dem Bonobo
99,4 Prozent unseres
Genmaterials teilen.
Das Verwunderliche ist die
unglaubliche Energie, mit der
sich das Christentum nach der
Kreuzigung Jesu ausbreitete.
Schon Ende des ersten
Jahrhunderts gab es Menschen
im Kaiserhaus, die Christen
wurden.
Vgl. Christoph Markschies, Das antike Christentum. Frömmigkeit, Lebensformen, Institutionen. (Beck'sche Reihe), München
(C.H.Beck) 22012.
Die Wissenschaft
benutzt die
Naturkonstanten und
die grundlegenden
Gesetze der Physik als
eine unerklärte Basis,
um zu verstehen, was in
der Welt geschieht.
Finetuning vs.
Multiversum
Gottes Wille vs.
Metaphysik des
Universengenerators
Wir, die wir
glauben, dass Gott
die Welt erschaffen
hat, verdienen
keinen Spott. Das
ist unfair.
[...] das Vaterunser; es ist
ein großartiges, inniges
Gebet; aber es ist genauso
christlich wie jüdisch,
und dem Juden ist es so
nahe, daß er es mitbeten
kann, ohne dabei zu
merken, daß er ein Gebet
einer angeblich fremden
1
Religion spricht.
1 David Flusser, Bemerkungen eines Juden zur christlichen Theologie, München (Chr. Kaiser) 1984, S. 31.
Es war Félix Ravaisson,
welcher prophezeit hatte,
dass die französische
Philosophie die Seele
wiederentdecken würde,
anstatt sie zu verkennen.
Vgl. Rolf Kühn, Französische Philosophie und Phänomenologie im 20. Jahrhundert und ihre Konsequenzen für die
Religionsphilosophie – eine Forschungsskizze, in: Jahrbuch für Religionsphilosophie 12, Freiburg i.B. (Alber) 2013, S. 101.
Der Neue Atheismus hat nichts Neues zu sagen.
Alle Themen haben einen langen Bart. Vielleicht
ist es die Popularisierung von etwas, das früher
nur gebildeten Menschen zugänglich war: Die
wirklich guten Argumente gegen das Christentum
von Kant und Russel zu lesen. Es ist sogar so,
dass der Neue Atheismus eine Chance für
den Glauben darstellt. Es wird sich mehr als je
zuvor mit dem reduktionistischen Materialismus
und dessen existentiellen Konsequenzen
auseinadergesetzt. In den Debatten zeigt sich
auch, dass die lautesten Autoren philosophisch
kaum versiert sind und Bibelverse bevorzugt
entkontextualisiert zitieren. Dieser Versuch, für
den Atheismus zu missionieren, könnte sehr viel
respektvoller geschehen. Aber es sind leider nur
die aufgeheizten Diskussionen, welche für die
Massenmedien geeignet sind.
Vgl. Godehard Brüntrup, Atheismuswahn versus Gotteswahn, in: Stimmen der Zeit, Freiburg (Herder) (1)2008,
S. 130-134. Online abrufbar unter: https://www.hfph.de/hochschule/lehrende/prof-dr-godehard-bruentrup-sj/
articles/2008c.pdf (Stand 14.04.2016).
Es geht um etwas in der
Philosophie. Es geht um ein
angemessenes und mit den
Resultaten der Wissenschaft
verträgliches, ja durch sie
gestütztes Selbstverständnis.
Ein Selbstverständnis, mit dem
sich gut leben lässt.1
1 Holm Tetens (2016): Philosophie kontrovers. Grenzen des Naturalismus. [YouTube-Video.]
UniversitaetzuKoeln, veröffentlicht am 07.03.2016 unter: https://www.youtube.com/watch?v=pUg4JsY8ork
(Stand 19.05.2016).
Die Evangelisation des Phillipus
ist erstaunlich. Er zwingt den
äthiopischen Kämmerer nicht,
seine sexuelle Ausrichtung
zu ändern. Phillipus ging dem
Eunuchen wegen dessen
Sexualität nicht aus dem Weg,
sondern nahm ihn an, lehrte ihn
das Evangelium und taufte ihn.
Dadurch wurde Maroë, etwas
überspitzt formuliert, „früher
als Rom zu einem ersten
Zentrum des Christentums in
der Alten Welt.“
Vgl. Piotr O. Scholz, Der entmannte Eros. Eine Kulturgeschichte der Eunuchen und Kastraten, Düsseldorf/Zürich (Artemis & Winkler)
1997, S. 143ff.
Auch für Gillian Rose bestand
der Prozess darin, sich zuerst
vollständig von der „Irrationalität
einer Kirchenideologie“ zu befreien,
was zu einer radikalen Irreligiosität
führte. Ähnlich wie bei Edith Stein,
kommt sie danach jedoch zu der
Auslotung der Fähigkeit des Geistes,
Wahrheit zu erkennen. Offenheit für
Wahrheit bedeutet immer auch, der
Theologie eine Chance zu geben.
Rose beginnt, aus allem Firlefanz eine
basale theologische Substanz für sich
zu bergen. Letztlich hat sie in der
Tradition ihres guten Freundes Rowan
Williams genau das gefunden, was
auch ihr eigenes Leben geprägt hatte:
Schwäche und Zerissenheit.
Vgl. Andrew Shanks, Gillian Rose and Theology: Salvaging Faith, in: Telos, Candor NY (Telos Press) 2015, Nr. 173, S. 145-162.
Vgl. Gillian Rose, Die Arbeit der Liebe, Frankfurt a.M. (Büchergilde Gutenberg) 1997.
Einem Menschen
begegnen heißt,
von einem Rätsel
wachgehalten
1
werden.
1 Emmanuel Lévinas, Die Spur des Anderen, Freiburg i.B. (Karl Alber), 62012, S. 120.
Unser Universum ist kein Universum, in dem jeder
Vorgang strikt deterministisch abläuft. Es ist ein
Quanten-Universum. Darin herrscht eine gewisse
Offenheit der Vorgänge.
„Ich glaube gleichwohl, dass sich auch diejenigen
irren, die die Gottesidee auf dem Hintergrund der
Quantenphysik zurückweisen. Die Quantenphysik
gibt keinen Anlass zu glauben, dass es sich um eine
Welt handelt, die von blindem Zufall und Indifferenz
regiert wäre. Die Quantenphysik bringt vielmehr
eine Welt zum Vorschein, in der kreatürliche Freiheit
die Norm darstellt. Einstein hatte also in gewissem
Sinne doch recht; Gott würfelt nicht. Gott beschenkt
seine Schöpfung mit Freiheit und riskiert somit auch
das Ausmaß an Übel und Leid, das wir tagtäglich
erfahren.“1
Ijjas respektiert eine andere Konsequenz, ist aber
gleichsam fasziniert von einem Gott, der aus
Liebe seine Macht einschränkt, um die Freiheit
des Menschen zu ermöglichen. Dies sei kein
Wunschdenken oder subjektive Vorliebe, sondern
eine reflektierte und kritikfähige weltanschauliche
Position.
1 Anna Ijjas, Der Alte mit dem Würfel. Ein Beitrag zur Metaphysik der Quantenmechanik, Göttingen (Vanderhoeck & Ruprecht)
2011, S. 207.
Es ist bemerkenswert, wenn
Studierende der Theologie trotz der
kritischen Forschung* zum Ergebnis
kommen, dass das Evangelium
weiterhin eine Realität für ihr Leben
bleibt. Sicher werden dabei naive
Sichtweisen erprobt und revidiert.
Wie viel stärker wird aber ein Glaube
sein und was sagt das über seine
Ursprungstexte aus, wenn er dieser
wissenschaftlichen Prüfung Stand
halten kann?
* Interessant hierzu der (bewusst) aufbrausende Sensibilisierungsversuch von Klaus Berger, besonders in: Die Bibelfälscher: Wie wir
um die Wahrheit betrogen werden, München (Pattloch) 2013.
Viele Glaubende
haben nie gelernt, in
Zeiten der Not mit
Gott zu ringen und
zu Ihm zu schreien:
Warum lässt Du das
zu?
Vgl. Gen 32, 25f.
Man kann den Menschen das
Böse nur vergeben, indem man
Gott anklagt. Wenn man Gott
anklagt, vergibt man, denn Gott
ist das Gute. In der großen Zahl
all derer, die uns offensichtlich
etwas schuldig sind, ist Gott
unser einziger Schuldner. Doch
unsere Schuld ihm gegenüber ist
grösser. Er wird sie uns erlassen,
wenn wir ihm vergeben.1
1 Simone Weil, Cahiers, 4. Bd., München (Carl Hansser) 1998, S. 68.
Wahrscheinlich hat sich in
der Quantenphysik schon
etwas vollzogen, was im
Laufe der Zeit auch in
den anderen modernen
Wissenschaften
geschehen wird, nämlich
die grundlegende
Erkenntnis, dass das
Beobachtete stark vom
Beobachter abhängt.
All my love, all I’ve done
Falls apart, is undone
Built a tower; You tore it down
I am weak; You are strong
Who can tame Leviathan?
Mouth of Sheol sings a lonely song
Yahweh gives and takes away
Will you curse or bless the name?
Trial tests us like the flame1
1 Josh Garrels, Leviathan, Home (Album), Small Voice & Mason Jar Music, 2015.
Im ersten Buch Mose findet sich
ein völlig außergewöhnliches und
revolutionäres Denken. So wird z.B.
die Polygamie, trotz ihrer Universalität
in antiken Kulturen, narrativ negiert.
In jeder Generation richtet diese
patriarchalische Struktur großes
Chaos und Schaden an: sozial; kulturell;
spirituell; emotional; psychologisch
und relational. Außerdem zieht Gott in
jeder Generation den jüngeren Sohn
dem älteren vor: Abel, nicht Kain;
Isaak, nicht Ismael; Jakob, nicht Esau eine Absage an die Primogenitur. Man
fängt an zu begreifen, was im ersten
Buch Mose vor sich geht: nicht die
Bejahung der antiken Institutionen,
sondern deren Subversion.
Vgl. Robert Alter, The Art of Biblical Narrative, New York (Basic Books) 2011.
Kryonik und die
Auferstehung
des Leibes.
Vgl. Daniel Hornuff, Tod als Pause. Über Angebote zur Auferstehung. SWR2, erschienen am 29.06.2015. Online
abrufbar unter: http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/essay/swr2-essay-tod-als-pause/-/id=659852/
did=15574366/nid=659852/14knied/index.html (Stand 16.06.2016).
Vgl. Stephan Schaede, Religiöse Möglichkeitsorgane diesseits und jenseits des menschlichen Leibes? Zur
religionsphilosophischen Relevanz der Seele, in: I.U. Dalferth u. A. Hunziker (Hg.), Seinkönnen, Religion in
Philosophy and Theology 54, Tübingen (Mohr Siebeck) 2011, S. 175-202.
Die höchste Transzendenz Gottes,
die einzige, die ihm niemals zur
Unehre gereichen kann, rührt
nicht her von seiner Macht, und
auch nicht von seiner Weisheit,
ja nicht einmal von seiner
Unendlichkeit, sondern allein von
seiner Liebe. Denn die Liebe allein
genügt, um jede Unendlichkeit,
jede Weisheit und jede Macht ins
Werk zu setzen. Gott geht uns
voraus und übersteigt uns, aber
zuerst und vor allem darin, dass
er uns unendlich viel mehr liebt,
als wir lieben und ihn lieben. Gott
überragt uns als der am meisten
Liebende.1
1 Jean-Luc Marion, Das Erotische. Ein Phänomen, Freiburg i.B. (Alber) 2013, S. 318f.
Man kann kaum überblicken,
wieviel wir Christen dem
Judentum verdanken. Vieles
das Jesus interessierte und
auszeichnete, ist sehr eng mit
dem damaligen Judentum
verwoben, so z.B. seine
Gleichnisse (im Vergleich
zu den rabbinischen),
innerreligiöse Kritik,
Nächstenliebe und vieles
mehr.
Vgl. David Flusser, Bemerkungen eines Juden zur christlichen Theologie, München (Chr. Kaiser) 1984, S. 29-34.
Der moderne
Mythos vom
Gegensatz zwischen
Theologie und
Naturwissenschaft.
Vgl. Andreas Losch, Jenseits der Konflikte. Eine konstruktiv-kritische Auseinandersetzung von Theologie und Naturwissenschaften,
Göttingen (Vanderhoeck & Ruprecht) 2011.
Der christlichen Theologie wird
oft vorgeworfen, sie sei keine
Wissenschaft. Dabei erfüllt sie
einen großen Teil der Kriterien für
Wissenschaftlichkeit. Viele sind
davon überzeugt, dass Glaube und
Vernunft unvereinbar sind, auch
traditionalistische Glaubensgruppen
fürchten die Konfrontation mit
der Vernunft. Sie sehen darin eine
Bedrohungen für ihren Glauben.
Aber genau das sollte die Stärke der
christlichen Theologie sein: Eine
einzigartige Synthese aus Glaube
und Vernunft, welche das Erleben
des Menschen miteinbezieht und
eine außergewöhnliche Hoffnung
vorschlägt.
Falls unser
Geist nicht rein
physikalisch ist,
kann er von der
physikalischen
Wissenschaft nicht
vollständig erklärt
werden.
Vgl. Thomas Nagel, Geist und Kosmos. Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch
ist, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 2013, S.28.
Vielen Dank Herr
Peter Sloterdijk für
einige wunderbare
Redewendungen:
Religion als semantisches
Immunsystem;
Schöpfungsmythen als
Unwissensverlegenheit
und der Bastard Gottes.
Es gibt kaum eine Frage,
welche mehr Respekt
und Demut von einem
wissenschaftlichaufgeklärten Menschen
verlangt als diese: Warum
glaubt der größte Teil
der Menschheit an das
Übernatürliche?
Die Philosophie hat
sich immer mit dem
Göttlichen beschäftigt.
Wieso sollte heute
ein Denkverbot
eingeführt werden
und PhilosophInnen
belächelt werden,
welche sich mit diesem
Thema beschäftigen?
Vgl. Volker Gerhardt, Der Sinn des Sinns, München (C.H. Beck) 32015.
Was die unterschiedlichen
reduktionistischen Programme
in Bezug auf Geist, Wert und
Bedeutung trotz der Ihnen
innewohnenden Unplausibilität
motiviert, ist unter anderem
das Fehlen irgendeiner
umfassenden Alternative.1
1 Thomas Nagel, Geist und Kosmos. Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 2013, S.29.
Das Vertrauteste
und Erstaunlichste
zugleich: Unser
Bewusstsein.
Der Philosophie wird
es erst dann wieder
besser gehen, wenn sie
in Erwägung zieht, dass
es einen gerechten und
gnädigen Gott gibt, der
vorbehaltslos unser
Heil will.
Vgl. Holm Tetens, Gott denken. Ein Versuch über rationale Theologie, Stuttgart (Reclam) 32015.
Hunger (Durst etc.) und jedes fleischliche
Verlangen ist eine Ausrichtung des
Körpers auf die Zukunft. Jeder fleischliche
Teil unserer Seele ist auf die Zukunft
gerichtet. Der Tod lässt ihn gefrieren. Die
Entbehrung ähnelt von fern dem Tod.
Das Fleisch lebt mit der Ausrichtung auf
die Zukunft. Die Begierde ist das Leben
selbst. Die Loslösung ist ein Tod. »Terit
carni superbiam -potus cibique parcitas.«
Der Hochmut des Fleisches besteht in
dem Glauben, daß es sein Leben aus sich
selber schöpft. Hunger und Durst lassen
es spüren, daß es von draußen abhängt.
Das Gefühl der Abhängigkeit macht es
demütig.1
1 Simone Weil, Cahiers , 4. Bd., München (Carl Hansser) 1998, S. 72.
Aus welchem Grund auch
immer Gott sich entschieden
hat, den Menschen so zu
schaffen wie er ist - begrenzt
und leidend und den Sorgen
und dem Tod unterlegen Er hatte die Ehrenhaftigkeit
und die Courage, seine eigene
Medizin zu schlucken. Welches
Spiel auch immer Er mit seiner
Schöpfung spielt, er hat seine
eigenen Regeln eingehalten
und fair gespielt.
Vgl. Dorothy L. Sayers, Creed or Chaos? And Other Essays in Popular Theology, London (Methuen) 1947, S. 2.
Für viele wird dieses Buch eine
Überraschung sein, für manche ein NoGo. Es ist eine Arbeit, an der man Anstoß
nehmen darf. Das ist Glaube: Existentiell
und emotional (aber nicht nur) - So ist auch
diese Arbeit. Über Fragen würde ich mich
freuen.
Mein Dank gilt von ganzem Herzen meinen
Professorinnen und Professoren; allen
Menschen und FreundInnen an der HfG,
die mich unterstützt haben; Frau SchützSchuffert von der Karl-Heim Gesellschaft
und Dr. Ruth M. Bancewicz vom Faraday
Institute, Cambridge. Ein ganz besonderer
Dank gilt Dreiraum Karlsruhe für die
Liebe und Herzlichkeit und den seelischen
Beistand. Am meisten aber danke ich
Constanze.
Jürgen Foerst
Herunterladen