Fremddaten in Geoinformationssystemen

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Öffentliches Digitales Datenangebot in Baden-Württemberg
Fremddaten in Geoinformationssystemen –
Schnittstellen und Zugriffsmethoden
Fremddaten in Geoinformationssystemen –
Schnittstellen und Zugriffsmethoden
Prof. Dipl.-Ing. R. Kettemann
Hochschule für Technik Stuttgart, Schellingstraße 24, 70174 Stuttgart
Tel.: 0711-121-2608, Fax: 0711-121-2556
E-Mail: [email protected]
1.
Allgemeines
Daten sind der wertvollste Bestandteil eines Geoinformationssystems. Um diese in konsistenter Form verfügbar zu haben, ist es besonders wichtig, die Informationen der originär
zuständigen Stellen in eigene Anwendungen zu integrieren. Nur dadurch kann der Aufwand
für die Erfassung, Verwaltung und die Pflege von Daten minimiert und damit optimiert werden. Der Datenaustausch zwischen verschiedenen Geoinformationssystemen oder noch
eleganter, der Zugriff aus einer eigenen Anwendung auf Daten in einem Fremdsystem sind
deshalb entscheidende Faktoren für die Wirtschaftlichkeit von Geoinformationssystemen.
Abbildung 1:
Begriffe aus dem Bereich
Datenaustausch zwischen
Geoinformationssystemen.
Ein wichtiges Spektrum aus dem in großer Vielfalt vorhandenen Datenangebot in BadenWürttemberg wird in den nachfolgenden Beiträgen vorgestellt. Die vorliegende Einführung
beschäftigt sich mit generellen Regeln zum Datenaustausch und mit den wichtigsten
Schnittstellen zu den vorgestellten Datenangeboten. Ferner wird auf das vom Open GIS
Consortium propagierte Modell der Interoperabilität näher eingegangen. Die Abbildung 1
vermittelt einen Eindruck von den vielen, im Zusammenhang mit dem Datenaustausch auftretenden Begriffe.
2.
Datentypen und zugehörige Datenformate
Die in Geoinformationssystemen verwalteten Daten lassen sich grob in drei Arten von Datentypen gliedern:
•
Rasterdaten beschreiben die Geometrie flächenhaft durch Bildelemente (Pixel), die in
Matrixform angeordnet sind. Jedem Pixel ist ein Zahlenwert (Grau- oder Farbwert, Höhe, Emission, etc.) zugeordnet. Es existieren keine logischen Verbindungen zwischen
den einzelnen Bildelementen.
1
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•
Vektordaten beschreiben raumbezogene Objekte mit den grafischen Grundelementen
Punkt, Linie und Fläche. Der Raumbezug ist durch Koordinaten der Stützpunkte gegeben. Vektordaten sind dadurch im Prinzip maßstabslos. Es können nahezu beliebig
komplexe Strukturen und topologische Beziehungen modelliert werden.
• Sachdaten beschreiben Eigenschaften von Geometrie- und sonstigen Objekten. Sie
repräsentieren alle nicht geometrischen Inhalte eines Informationssystems.
Jeder dieser drei Datentypen erfordert besondere Schnittstellen zum Transport von einem
System in eine anderes. Die gebräuchlichsten sind in der folgenden Tabelle aufgeführt:
Rasterdaten
z.B. TIFF, GeoTIFF, GIF, JPEG und viele andere
Sachdaten
z.B. ASCII-Tabellen (spaltenorientiert oder durch Trennzeichen separiert), Excel-Tabellen, Datenbankfiles und viele andere
Vektordaten
CAD-Formate
(Geometrie mit Präsentationsattributen)
z.B. DXF, DWG, DGN, SQD und viele andere
GIS-Formate
(Geometrie mit Sachattributen)
z.B. Shape, EDBS, BGRUND, SQD und viele andere
Tabelle 1: Beispiele für Datenformate zum Austausch verschiedener Datentypen.
3.
Datenformate für Rasterdaten
TIFF (Tagged Image File Format): Im Bereich der Rasterdaten ist mit dem TIF-Format ein
Standard am Markt, der nahezu von jedem Grafikprogramm erzeugt und gelesen werden
kann. Seit einiger Zeit kann sogar die Georeferenzierung der einzelnen Pixel im Header der
TIF-Files weitergegeben werden. Sind die dazu erforderlichen Elemente (TAGs) vorhanden,
spricht man vom GeoTIF-Format.
Im TIF-Format werden alle Informationen in der Auflösung, die der Erzeuger gewählt hat,
verlustfrei abgebildet. Ein Nutzer erhält dadurch exakt das selbe Bild, wie der Erzeuger.
Sind den einzelnen Pixeln Grau- oder Farbwerte als Attribute zugeordnet (z.B. 24Bit RGB),
sind auch die Farben bis auf die geringfügigen Modifikationen durch den Monitor des Empfängers gleich. Diesem Vorteil einer nahezu identischen Präsentation beim Sender und
Empfänger von Daten stehen einige Nachteile gegenüber: Die Qualität ist eng an den Maßstab der Geometrieinformation gebunden. Ein Hineinzoomen ist nur sehr begrenzt möglich.
Qualitätssteigerungen gehen mit einem quadratisch anwachsenden Datenvolumen einher.
Außerdem sind Rasterdaten für Analysen wesentlich schlechter geeignet als Vektordaten.
Die sehr große Datenmenge schränkt die Nutzung des TIF-Formats vor allem in Netzwerken, speziell im Internet sehr stark ein. Durch handelsübliche Packprogramme können Rasterdaten im TIF-Format abhängig von der Homogenität der Informationen mehr oder weniger stark komprimiert und verlustfrei dekomprimiert werden.
GIF (Graphical Interchange Format): Rasterdaten mit einer geringen Farbtiefe können in
diesem für maximal 256 Farben definierten, automatisch stark komprimierten (LZWAlgorithmus) und verlustfrei dekomprimierbaren Format optimal und platzsparend gespeichert und übertragen werden. Das GIF Rasterdaten-Format wurde von der Firma CompuServe speziell für Internetanwendungen entwickelt. Es eignet sich wegen der verlustfreien
Komprimierung sehr gut zur Übertragung von Karten und Plänen mit einem naturgemäß
relativ geringen Farbumfang. Wie beim TIF-Format kommt auch bei diesem Format ein Plan
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beim Nutzer in derselben Präsentation und Qualität an, wie er vom Lieferanten bereitgestellt
wird.
JPEG (gesprochen „jay-peg“, Joint Photographic Experts Group): Im JPEG-Format
können 24 Bit Rasterdaten (RGB) nahezu beliebig stark komprimiert werden. Dabei werden
die radiometrischen Eigenschaften der Pixel in Abhängigkeit von Ihrer Nachbarschaft so
modifiziert, dass eine bestmögliche Komprimierung erreicht wird. Das hat zur Folge, dass
aus einem JPEG-Bild nie mehr ein Bild mit derselben Qualität wie das zugrunde liegende
Original erzeugt werden kann. Die JPEG-Komprimierung eignet sich am besten für natürliche Bilder (Fotos). Bei Karten und Plänen mit scharfen Objekträndern stört, dass diese bei
der Komprimierung irreparabel verwischt werden.
Abbildung 2: Das Logo des Statistischen Landesamtes übertragen in verschiedenen Grafikformaten.
Original TIFF: 72 dpi, 43 kb,
Komprimiert als GIF: 72 dpi,
3kb, bei wenigen Farben
kein Qualitätsverlust
Komprimiert als JPEG: 72 dpi,
3kb, bei der Komprimierung
modifizierte Farbwerte
Bewertung der Rasterdaten-Formate
Rasterdaten haben den Vorteil, dass ein Nutzer genau das „Bild“ erhält, das der Anbieter
bereitgestellt hat. Sie eignen sich deshalb sehr gut zum Transport von Hintergrundgrafiken
für GIS oder als Datenquelle zum Erzeugen von Vektordaten. Für Analysen sind sie, abgesehen von den Multispektralaufnahmen für die Fernerkundung, weniger gut geeignet. Die
Datenmenge und die geometrische Qualität der Daten hängen sehr stark voneinander ab.
Maßstabsänderungen sind nur sehr eingeschränkt möglich.
4.
Datenformate für Sachdaten
Am wenigsten problematisch ist der Datenaustausch bei Sachdaten. Hier hat das sehr breite
Spektrum der Anwendungen im Verwaltungs- und Wirtschaftsbereich schon lange für einheitliche Austauschformate der in Tabellenform relativ einfach strukturierten Daten geführt.
Jedes Office-Programm kann heutzutage ASCII-Dateien einlesen und weiterverarbeiten.
Diese können entweder spaltengerecht formatiert sein oder durch Trennzeichen separierte
Einträge haben. Auch der Übergang vom ASCII-Zeichensatz (DOS) auf den ANSIZeichensatz (Windows) oder auf andere Zeichensätze ist gelöst oder leicht lösbar.
Tauscht man derartige Daten über Standardformate von Tabellenkalkulationsprogrammen
(z.B. Excel) aus, werden sogar die Datentypen und Formatierungen der einzelnen Spalten
übergeben. Die weite Verbreitung von Microsoft Produkten hat hier in den letzten Jahren
einen de facto Standard geschaffen und sich damit für Endanwender günstig ausgewirkt.
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Die weite Verbreitung bestimmter Datenbanken wie dBASE, ACCESS und ORACLE haben
auch dafür gesorgt, dass Datenbanktabellen direkt ausgetauscht werden können oder dass
auf diese über standardisierte Schnittstellen, wie z.B. ODBC, sogar über verschiedenartige
Betriebssysteme hinweg zugegriffen werden kann.
5.
Vektordatenformate
Die gemeinsame Verarbeitung von Grafik- und Sachdaten ist ein wesentliches Merkmal von
Geoinformationssystemen. Sie ermöglicht den Zugriff auf raumbezogene Informationen sowohl über geometrische Operationen als auch über Sachdatenabfragen (attributive oder
räumliche Selektion). Die Geometrieobjekte sind dabei als Vektorelemente (Punkte, Linien,
Flächen) beschrieben oder aus Vektorelementen zusammengesetzt.
CAD Formate
DXF
DWG
DGN
SQD
Geometrie mit Präsentationsregeln
(aussagekräftige Grafik),
interne Kombination mit Sachdaten über Blockstrukturen oder
Verknüpfung mit externen Sachdaten über Identifikatoren
Strukturparameter: Ebene, Farbe, Art, Grösse usw.
GIS Formate
Shape
EDBS
BGRUND
RDBMS
Objekte bestehend aus
Geometrie mit Sachdaten, ohne Präsentationsregeln
Die Darstellung muss jeweils aus den Attributen (Sachdaten)
abgeleitet werden.
SQD
Abbildung 3: Wichtige CAD- und GIS- Datenformate
Am Markt sind zwei Typen von Geoinformationssystemen auf Vektorbasis zu finden:
GIS Systeme auf CAD-Basis (CAD-GIS) verknüpfen die Elemente in CAD-Zeichnungen
über Identifikatoren mit Sachdatentabellen. Die Grafik dieser Systeme weist alle Merkmale
einer CAD-Grafik auf. Wesentlich ist dabei, dass bei jedem Element alle zur Visualisierung
erforderlichen Parameter (Zeichenvorschrift) gespeichert sind. Daneben ist eine Strukturierung in verschiedene Ebenen (Layer) vorzufinden.
Die wesentlichen Struktur- und Präsentationsparameter sind:
• Ebene bzw. Layer,
• Elementfarbe,
• Darstellungsart (Linienart, Textfont, Füllmuster) und
• Größe (Linienbreite, Texthöhe etc.).
Sie sind als kleinster gemeinsamer Nenner nahezu immer vorhandenen und können in der
Regel auch als Selektionskriterien verwendet werden. Importschnittstellen von Geoinformationssystemen werten Sie als objektbildende Eigenschaften aus.
Stehen nach der Datenübernahme von CAD-Daten im Zielsystem dieselben Paletten und
Zeichenmuster wie im Ausgangssystem zur Verfügung, kann auch die Präsentation der Daten eindeutig übertragen werden. Bei entsprechender Modellierung lassen sich sogar die mit
Grafikelementen verbundenen Sachdaten über CAD-Schnittstellen transportieren.
Wichtige Schnittstellen für CAD-Daten sind z.B.:
•
DXF
ASCII-Datenformat für AutoCAD-Zeichnungen.
Dieses von der Firma Autodesk entwickelte Dateiformat hat sich mittlerweile
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•
DWG
•
DGN
•
SQD
zu einem „Quasistandard“ entwickelt, der von sehr vielen CAD- und GISSystemen und auch von Office-Produkten gelesen und häufig auch erzeugt
werden kann.
Binäres Dateiformat für AutoCAD Zeichnungen.
In den binären DWG-Dateien ist der auch in DXF-Dateien vorhandene Inhalt
wesentlich komprimierter abgespeichert. Mittlerweile kann auch das DWGFormat von vielen Fremdsystemen gelesen werden.
Binäres Dateiformat des CAD-Systems Microstation.
Auch dieses Datenformat kann von vielen Fremdsystemen gelesen werden
Dieses ASCII-Format für SICAD-Dateien ist ein Musterbeispiel für die Übertragung komplexer Geometriemodelle. Wegen der darin abgelegten Präsentationsparameter kann es den CAD-Formaten zugerechnet werden. Es
ist aber auch für den Austausch von Sachdaten eindeutig definiert.
GIS-Systeme in Reinkultur verwalten keine Präsentationsregeln bei den einzelnen Geometrieobjekten. Letztere sind immer mit Sachdaten gekoppelt und ohne die Attribute aus
den Sachdatentabellen nicht interpretierbar. Die Vielfalt der möglichen Attribute erlaubt häufig die Erzeugung unterschiedlichster thematischer Darstellungen, die im jeweiligen System
in sogenannten Legenden verwaltet werden. Die darin getroffenen, sehr stark systemspezifischen Festlegungen werden nicht zusammen mit den Daten sondern in der Projektverwaltung gespeichert. Abbildung 4 zeigt eine derartige Struktur am Beispiel GeoMedia.
RDBMS-Warehousesmit
Koordinatensystem,
Geometrie mit Attributen
Workspace
mit
Koordinatensystem
T
Kartenfenster
mit
Legende
Datenfenster
WarehouseAnbindungen
T
K
T
K
T
K
Abbildung 4: Moderne GISArchitektur am Beispiel GeoMedia.
ESRI-Verzeichnisse mit
Geometrie- und Attributdateien
sowie Koordinatensystemdatei
CAD-Dateien mit
Objektdefinitionsdatei und
Koordinatensystemdefinition
T = Koordinatentransformation
K = Konvertierung in GeoMedia-Datenstruktur
Im Projekt (Workspace) werden die
Verknüpfungen zu „Datentöpfen„
und die jeweiligen Präsentationsregeln verwaltet. Beim Lesen der Daten werden diese jeweils in das Koordinatensystem und in die Datenstruktur des Präsentationssystems
(hier: GeoMedia) gewandelt und
visualisiert.
Wichtige Schnittstellen für GIS-Daten sind z.B.:
•
•
•
•
ArcView
Shape-Format
Dieses sehr einfache und deshalb eindeutig interpretierbare Dateiformat
(3 zusammengehörende Dateien) hat sich zu einem „Quasistandard“ für
GIS-Daten entwickelt, der von sehr vielen Systemen gelesen und häufig
auch erzeugt werden kann.
EDBS
Die Einheitliche Datenbankschnittstelle der Vermessungsverwaltungen ist
ebenfalls den GIS-Schnittstellen zuzuordnen. Auch hier werden Geometrieund Sachdaten gekoppelt und ohne Präsentationsregeln übertragen.
BGRUND Das originäre Datenformat der ALK-Baden-Württemberg beschreibt ebenfalls Objekte (Geometrie mit Sachinformationen) ohne Präsentationsregeln.
Letztere sind in der Zeichenvorschrift analog abgelegt.
SQD
Das SICAD-Format ist in der Lage, neben der Geometrie mit einigen wenigen Präsentationsangaben auch alle zugehörigen Sachdaten zu übertragen.
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Landesklinik
Nordschwarzwald
Präsentation
für das
Zielsystem
abgeleitet
aus
dem
ATKIS
OK
Ernstmühl
Ottenbronn
Neuhengstett
Hirsau
Spindlershof
Althengstett
Alzenberg
Calw
Wimberg
Heumaden
Bundesstraße
Landesstraße
Schienenbahn
Tunnel
Gewässer
Ortslage
Wald
Abbildung 5: Geometrieobjekte einer GIS-Schnittstelle am Beispiel ATKIS-EDBS im Bereich
CALW. Ohne die Erstellung einer eigenen Präsentationsvorschrift (Legende) kann die Geometrie (linke Seite) nicht interpretiert werden. Das BasisDLM enthält in der Ausbaustufe 1 (DLM
25/1) 65 Objektarten mit 19 Attributtypen. In der Ausbaustufe 2 werden zur Zeit weitere 48 Objektarten und zusätzliche Attribute erfasst.
Vektordatenformate, die speziell für Internetanwendungen definiert wurden, werden im
Beitrag von Prof. Dr. Schröder behandelt.
6.
Metadaten
Um Daten zwischen verschiedenen Systemen austauschen und im Zielsystem qualifiziert
nutzen zu können, genügt es nicht, diese dahin zu transportieren. Für eine qualifizierte Datenübergabe sind intensive Kenntnisse über die Datenstruktur, Datenqualität und die Bedeutung (Semantik) der Daten erforderlich. Diese Zusatzdaten werden auch als Metadaten
(Daten über Daten) bezeichnet. Generell gilt die Formel: „Daten + Metadaten = Information“. Für die amtlichen Geobasisdaten ALB, ALK und ATKIS existieren Metadaten in Form
von Objektartenkatalogen und Schnittstellenbeschreibungen. Zu den Metadaten gehören
ferner die Informationen über Verfügbarkeit, Nutzungsbeschränkungen und Kosten.
Um Daten über Daten allgemein verfügbar zu machen, sind Metainformationssysteme erforderlich. Diese sind allerdings nur dann effektiv einsetzbar, wenn ihre Inhalte so standardisiert sind, dass sie automatisch ausgewertet werden können. Erste Ansätze zur Normung
von Metadaten befinden sich im CEN-Normenwerk (Centre Européen de Normalisation). Zur
Beschreibung der Datenstruktur existieren mit EXPRESS, INTERLIS, UML, u.a. bereits genormte Sprachen.
Eine nicht automatisierte, sehr einfache, aber aufwendige Art der Metadatenübermittlung ist
das Seminar „Digitales Datenangebot“, bei dem verschiedene GIS-Betreiber ihr spezielles
Datenangebot vorstellen.
7.
Datenaustausch oder Interoperabilität?
Beim Datenaustausch bzw. Datentransfer werden die Informationen von einem System
zum anderen transportiert. Zum Einsatz kommen dabei entweder die proprietären Formate
der Hersteller oder Standardformate. Im ersten Fall muss das empfangende System das
originäre Speicherformat des jeweiligen Lieferantensystems lesen können. Die Alternative
ist ein gemeinsames Standardformat, auf das sich die Beteiligten einigen und in das die je-
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weiligen Inhalte abgebildet werden. Die im Standard nicht vorgesehenen Informationen gehen verloren.
Proprietäre Formate und Datenstrukturen wird es vermutlich immer geben, weil nur damit
spezielle Anforderungen bestmöglich erfüllt werden können. Sie sind die optimale Lösung
für die Systemadministration. Innerhalb einer Organisation eignen sie sich hervorragend
zum Datenaustausch, wenn entsprechende Absprachen zur Datenmodellierung getroffen
und eingehalten werden.
Standardformate erfordern Normierungen, es sei denn, man verwendet die Schnittstellen
der Marktführer als sogenannte „Quasistandards“. Beispiele dafür sind das DXF- und das
ArcView Shape-Format. Vor allem bei DXF ist festzustellen, dass es sich originär um ein
proprietäres Format handelt, das von der Firma Autodesk für jede neue Version von AutoCAD modifiziert wird. Um Anpassungen zu vermeiden verwenden Fremdnutzer häufig nur
die einfachen Elemente früher DXF-Versionen in einer sehr flachen Strukturierung. Die damit einher gehenden Einschränkungen und Informationsverluste werden als Mangel von
DXF gesehen. Bei entsprechender Absprache könnten via DXF sehr komplexe Strukturen
verlustfrei übertragen werden.
Auch am Standardformat EDBS der Vermessungsverwaltungen in Deutschland ist sehr
deutlich erkennbar, dass neben der generellen Struktur einer Schnittstelle die Modellierung
der darin übertragenen Daten eine wesentliche Rolle spielt. Mit dem EDBS-Reader für die
ALK können ATKIS-Daten aus der ATKIS-EDBS-Schnittstelle nicht verarbeitet werden.
Abbildung 4: Datenaustausch zwischen Informationssystemen.
n*n Schnittstellen
Grafikf und / oder Sachdaten
Beim direkten Datenaustausch zwischen n Systemen sind,
wenn man das systemeigene Speicherformat mitzählt, bis zu
n*n Schnittstellen erforderlich, die regelmässig gewartet und
angepasst werden müssen.
Modellbasierte Transferverfahren könnten hier Abhilfe schaffen. Dabei wird den zu übertragenden Daten in einem genormten Formalismus (Datenbeschreibungssprache) die Beschreibung der Datenstruktur vorangestellt. Dieser Weg wurde in der Schweiz mit dem
Transferverfahren INTERLIS realisiert. In letzter Konsequenz könnte die Anzahl der Schnittstellen auf ein gemeinsames Transferformat und das proprietäre eigene Speicherformat
reduziert werden. Der Normungsaufwand und die Restriktionen für alle Beteiligten wären
allerdings sehr groß.
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Gemeinsames Format
Abbildung 5: Modellbasierter Datentransfer über ein
gemeinsames Austauschformat.
Die Anzahl der Schnittstellen wir deutlich reduziert. Allerdings wachsen die administrativen Anforderungen bei
allen Beteiligten.
n Schnittstellen zu
i
gemeinsamen
Format
Interoperabilität zwischen Geoinformationssystemen ist der Lösungsansatz des Open GIS
Consortiums (OGC). Diese Organisation, der nahezu alle Softwarehersteller im GIS-Umfeld
in irgend einer Weise angehören, setzt auf die sogenannte Distributed Computer Plattform
(DCP) und auf genormte Fragen und Antworten. Damit soll es möglich werden, Daten aus
Fremdsystemen temporär für eigene Anwendungen zu nutzen.
Bisher sind die Fragen und Antworten für sogenannte „Simple Features“ für die Plattformen
SQL, OLE/COM und CORBA definiert. Alle Definitionen sind im Internet unter
http://www.opengis.org/techno/specs.htm abrufbar. Die Antworten sind objektstrukturiert.
Es werden jeweils die gesamten Sachdaten mit der kompletten Geometrie übergeben. Bei
den Antworten sind z.B. für SQL Tabellenstrukturen zur Übergabe der Geometrie aller definierten Elemente vorgegeben. Diese sind aber keinesfalls als Richtlinien zur Speicherung
der Geometrie im jeweiligen System zu verstehen. Etliche Systemhersteller, wie z.B. ESRI,
speichern allerdings ihre Grafikelemente schon seit Jahren in einer ähnlichen Datenstruktur,
bei der die Geometrie benachbarter Objekte redundant geführt wird.
Das OGC definiert im Rahmen der Interoperabilität nicht die zu speichernde Datenstruktur!
Ungeachtet dessen ist es von großem Vorteil, wenn durch diesen freiwilligen Zusammenschluss der Systemhersteller eine gemeinsame Terminologie und Mindeststandards für die
gemeinsame Nutzung verteilter Datentöpfe entstehen. Leider kann man aus der Mitgliedschaft eines Softwareherstellers im OGC noch nicht darauf schließen, dass die dort getroffenen Regeln und die Terminologie des OGC konsequent benutzt und umgesetzt werden.
Wir haben bisher an der HfT noch kein System, auf das über die OGC-Standards zugegriffen werden kann.
Interoperabilität
Abbildung 6:
Interoperabilität als Schlüssel des Open
GIS Consortiums zur Lösung der Schnittstellenprobleme.
Open
Definierte Fragen und Antworten für
GIS
Grafik (Simple Features) mit Sachdaten
Consortium
Auf der Basis der plattformübergreifenden Schnittstellen CORBA, OLE/COM
oder ODBC/SQL werden Fragen definiert,
zu denen ein OGC-compatibles System
ebenfalls standardisierte Antworten gibt.
CORBA
OLE / COM
ODBC / SQL
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Distributet Computer Plattform
DCP
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8.
Beispiele aus der Spezifikation „Simple Features für SQL“
Zur Spezifikation gehören neben der Definition möglicher Geometrieobjekte eine Vielzahl
von Methoden (Fragen), die auf diese Objekte angewandt werden können. Einige der Definitionen werden nachfolgend kurz vorgestellt:
Definiert sind bisher folgende Geometrieobjekte und Gruppierungen gleichartiger Objekte:
• Punkte und Punktgruppen
• Linien, Linienzüge und deren Gruppierung
• Flächen (auch mit Löchern) und Gruppierungen von Flächen
Gruppierung bedeutet jeweils, dass alle Elemente einer Gruppe dieselben Attribute haben.
Sowohl bei Linien als auch bei den durch Ihren Rand beschriebenen Flächen ist nur ein geradliniger Verlauf zwischen den Stützpunkten der Geometrie möglich. Es ist nicht zulässig,
dass sich die Segmente eines Linienzuges oder Teilflächen eines Flächenobjektes schneiden oder überlagern. Auch die im Vermessungswesen übliche Beschreibung eines Lochs in
einer Fläche über eine gemeinsame Linie vom Rand zum Loch und zurück ist unzulässig. Es
ist nicht vorgesehen, die topologische Beziehungen zwischen einzelnen Objekten zu verwalten und mit diesen zu übergeben. Zur Auswertung der Topologie stehen spezielle Methoden zur Verfügung
Objekt (Feature)
Punkt
Linie / Linienzug
Fläche (mit Löchern)
Einzelobjekte
Gruppierungen
gleichartiger Objekte
Geradlinige Verbindung der
Stützpunkte eines Objektes
Keine Topologie zwischen einzelnen
Objekten gespeichert
Abbildung 7: Geometrieobjekte entsprechend der Definition des Open GIS Consortiums
(OGC) für Simple Features. Alle Verbindungen verlaufen geradlinig. Objektteile eines Objektes
dürfen sich nicht gegenseitig überlagern.
Methoden zur räumlichen Analyse sind:
•
•
•
•
•
•
Der Abstand zwischen Objekten in einem definierten Koordinatensystem
Bildung eines Puffers um vorgegebene Objekte
Berechnung der konvexen Hülle um vorgegebene Objekte
Die Verschneidung der Ausgangsgeometrie mit einer anderen Geometrie
Die Vereinigung der Ausgangsgeometrie mit einer anderen Geometrie
Die Differenz der Ausgangsgeometrie und einer anderen Geometrie
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Methoden zum Ermitteln topologischer Beziehungen sind:
•
•
•
•
•
•
•
•
Test auf Gleichheit (Equals) der Ausgangsgeometrie und einer anderen Geometrie
Test auf Getrenntheit (Disjoint) der Ausgangsgeometrie und einer anderen Geometrie
Test auf Überschneidung (Intersect) der Ausgangsgeometrie und einer anderen Geometrie (Umkehrung von Disjoint).
Test auf Berührung (Touch) der Ausgangsgeometrie und einer anderen Geometrie
Test auf Kreuzen (Cross) der Ausgangsgeometrie und einer anderen Geometrie
(nur definiert für die Beziehungen Punkt/Linie, Punkt/Fläche, Linie/Linie und Linie/Fläche)
Test, ob die Ausgangsgeometrie innerhalb (Within) einer anderen Geometrie liegt
Test, ob die Ausgangsgeometrie eine andere Geometrie umschließt (Contains)
Test, ob sich die Ausgangsgeometrie und eine andere Geometrie teilweise überlagern
(Overlaps, nur definiert für Fläche/Fläche und Linie/Linie)
Präsentationsregeln für Geometrieobjekte sind vom OGC nicht vorgesehen. Da im Rahmen der Interoperabilität neben der Geometrie zu jedem Objekt alle Attribute verfügbar sind,
kann und muss sich der Nutzer bei Bedarf seine eigene, projektbezogene Visualisierung
erzeugen.
9.
Zusammenfassung
Die zunehmende Verbreitung von Geoinformationssystemen und der damit stark ansteigende Bestand an digitalen raumbezogenen Daten machen den Datenaustausch zwischen Systemen bzw. den Zugriff auf fremde Datenquellen für ein wirtschaftliches Arbeiten immer
wichtiger. An Normen, Regeln und Standards, die diesen Austausch bzw. den leichten Zugriff ermöglichen, wird weltweit gearbeitet. Die sich überaus rasch entwickelnde Internettechnologie weckt bei den Endanwendern Bedürfnisse und Erwartungen, die möglichst
schnell zu befriedigen sind. Sie setzt deshalb wesentlich schneller sogenannte de facto
Standards als jedes Normungsgremium es kann.
Bis zum Vorliegen besserer Standards können auch mit den vorhandenen Schnittstellen
gute Ergebnisse erzielt werden, wenn sich die Beteiligten vorab verständigen bzw. wenn die
Anbieter zu den in einem Schnittstellenformat abgelegten Daten Metainformationen bereithalten und weitergeben. Im oft gescholtenen DXF-Format kann hochwertigere Geometrie
transportiert werden, als sie die Simple Feature Definition vorsieht. Es ist ferner auch in diesem Format möglich, Sachdaten zu transportieren. Daneben bietet das weit verbreitete
ArcView Shape Format schon lange die Möglichkeit, Simple Feature Geometrie zusammen
mit Attributen zu transportieren.
Bevor auf Fremddaten zugegriffen werden kann, muss allerdings deren Existenz bekannt
sein. Nur wer weiß, was andere in welcher Qualität zu welchem Preis anbieten, kann wirtschaftlich agieren und Doppelarbeiten vermeiden. Auch hier wird das Internet mit Metainformationssystemen, die noch zu entwickeln sind, das Medium der Wahl sein.
Einen kleinen Schritt zur Verbreitung von Informationen über Geodaten leistet das Seminar
„Digitales Datenangebot in Baden Württemberg“. Die Organisatoren werden darüber hinaus
künftig unter der Homepage des Fachbereichs Vermessung und Geoinformatik der HfTStuttgart eine Seite mit Verweisen zu Datenangeboten erstellen und pflegen. Den Start
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stellen die Seminarbeiträge dar. Weitere Datenangebote, die aus Zeitgründen im Seminar
nicht vorgestellt wurden, werden gerne integriert. Anregungen sind stets willkommen.
Literatur
Erläuterungen zu TIFF, GIF- und JPEG:
http://kb.indiana.edu/index.cgi
TIFF-Formatbeschreibung:
ftp://ftp.adobe.com/pub/adobe/
devrelations/devtechnotes/pdffiles/tiff6.pdf
Spezifikationen des Open GIS Consortiums: http://www.opengis.org/techno/specs.htm
Beschreibung des ArcView Shape-Formats: http://www.esri.com/library/ whitepapers/
av_lit.html
DXF-Formatbeschreibungen:
http://www3.autodesk.com/adsk/support/
item/0,,140239--125452,00.html
Homepage der HfT Stuttgart:
http://www.fht-stuttgart.de
Alessandro Carosio, ETH Zürich, Transfer von Geodaten: Anforderungen, Strategien Lösungsansätze. Tagunsband zum Fortbildungsseminar Geoinformationssysteme, 10.12.März 1999, TU München.
Martin Pohl, Holger Eriksdottar, Die wunderbare Welt der Grafikformate von CGM über TIFF
bis WMF, Wolfram´s Fachverlag
11
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