Wohngebäude an der Friedenspromenade und der Georg

Werbung
Wohngebäude an der Friedenspromenade
und der Georg-Kerschensteiner-Straße
in München
Begleitende Energieberatung
Kurzfassung basierend auf einer Studie des Sollner Instituts
Oberste Baubehörde im
Bayerischen Staatsministerium
des Innern
Inhalt
Zielvorstellung
4
Die untersuchten Gebäude
5
Aufgabenstellung
6
Begleitende Energieberatung
7
Ergebnisse der Energieberatung:
Begleitende Energieberatung
■ Lüftungssysteme
8
■ Elektronische Einzelraum-Temperaturregelung
9
■ Wärmeschutz und Energiebedarfsnachweise
10
■ Wohnhaus in Holzbauweise:
Transiente Simulation der Raumtemperaturen
11
Fazit
14
3
Zielvorstellung
Die GEWOFAG errichtete in den Jahren 2001/2002 im Neubaugebiet an
der Friedenspromenade in MünchenTrudering fünf Geschossbauten in
Massivbauweise sowie in der Messestadt München-Riem ein Gebäude in
Holzbauweise.
Das gesamte Vorhaben war von der
Obersten Baubehörde im Bayerischen
Staatsministerium des Innern in das
Programm „Experimenteller Wohnungsbau“ aufgenommen worden
und zählt zu einem der vom Freistaat
geförderten Modellvorhaben „Ökologischer Wohnungsbau“.
Der experimentelle Charakter liegt
darin, dass sechs unterschiedliche Gebäudekonzepte erprobt werden sollten, die folgende Vorgaben erfüllen:
Lageplan Friedenspromenade
■ Realisierung von Niedrigenergiehäusern1) bei Einhaltung einer vorgegebenen Kostenobergrenze
■ Einsatz benutzbarer Technik, die
im Mietwohnungsbau keinen großen Wartungsaufwand bedingt,
langlebig ist und von den zum großen Teil fremdsprachigen Mietern
gut verstanden wird.
Lageplan Messestadt Riem
4
Das Sollner Institut war mit der begleitenden Energieberatung und der
Aufstellung der Energiebedarfsnachweise nach Energieeinsparverordnung
(EnEV) sowie der Durchführung einer transienten2) Gebäudesimulation
für kritische Räume des Gebäudes
in Holzbauweise betraut. Durch die
Beratung sollte sichergestellt werden,
dass optimierte ökologische Konzepte
gefunden werden, deren Einzelkomponenten sich nicht gegenseitig behindern. Zudem sollte die angestrebte
Energieeinsparung weitgehend durch
bauliche Maßnahmen und nur zu
einem geringen Anteil durch die Verwendung von haustechnischen Anlagen erreicht werden.
Begleitende Energieberatung
Die untersuchten Gebäude
Friedenspromenade
Die Wohnanlage an der Friedenspromenade umfasst insgesamt 102 Mietwohnungen, die im 1. Förderweg gefördert wurden. Die Gebäude haben
gleiche Abmessungen und sind der
Himmelsrichtung nach gleich orientiert, weisen aber unterschiedliche
mineralische Bauweisen, haustechnische Ausstattungsmerkmale und
Erschließungskonzepte auf.
Gebäude in Holzbauweise
in der Messestadt Riem
Beim Gebäude in der Messestadt Riem
an der Georg-Kerschensteiner-Straße
wurde ein Jahresheizwärmebedarf
angestrebt, der deutlich unter dem
der betrachteten Gebäude an der Friedenspromenade liegt. Das Gebäude
ist in Holzskelett-Tafelbauweise aus
vorgefertigten Modulen erstellt. Das
Kellergeschoss wurde konventionell
errichtet. Im Gebäude befinden sich
neun Eigentumswohnungen.
Die fünf Gebäude an der Felicitas-Füss-Straße mit unterschiedlichen Außenwandkonstruktionen; Bauträger GEWOFAG
Gebäude an der Georg-Kerschensteiner-Straße in Holzbauweise; Bauträger GEWOFAG
1) „Niedrigenergie“ hieß zu Beginn der
Planung 1998: Der Jahresheizwärmebedarf liegt 25% unter den Vorgaben der
Wärmeschutz-Verordnung 95 (WSV).
Begleitende Energieberatung
2) Transiente Simulation mit Hilfe des
Rechenmodells TRNSYS zur Ermittlung der
zu erwartenden Verläufe von Raumtemperaturen (Stundenwerte) über ein volles Jahr
oder Teile davon; neben den Gebäudeeigenschaften und den unterstellten Luftwechselraten werden Klimadaten (Außenlufttemperatur und Strahlungsintensitäten)
abgebildet.
5
Aufgabenstellung
Speziell für die Häuser an der Friedenspromenade bestand die Aufgabe darin,
für Konstruktion bzw. Wandaufbau
und haustechnische Ausstattungsmerkmale fünf unterschiedliche Lösungen zu wählen, die alle zum Niedrigenergiestandard führen sollten.
Übersicht der gewählten Außenwandkostruktionen und
der wichtigsten haustechnischen Einbauten
Gebäudedaten
Außenwandkonstruktion
Haustechnische Eigenschaften
Gebäude NW-SO orientiert (Treppenhäuser nach NW orientiert):
Felicitas-FüssStraße 7
Porenbeton 36,5 cm
Elektronische Einzelraum-Temperaturregelung, ventilatorgestützte Wohnungslüftung (Abluftanlage mit Außenluftdurchlasselementen)
Felicitas-FüssStraße 9
Ziegel 24 cm,
Mineralwolle 12 cm
Elektronische Einzelraum-Temperaturregelung, ventilatorgestützte Abluft
in Küche und Bad (Einzelgeräte) mit
Feuchtesensoren, sonst Fensterlüftung
Felicitas-FüssStraße 11
Kalksandstein 17,5 cm,
Mineralwolle 16 cm
Ventilatorgestützte Wohnungslüftung
(Abluftanlage) mit Außenluftdurchlasselementen, Solarkollektorenanlage mit
Heizungsunterstützung
Felicitas-FüssStraße 13
Ziegel 24 cm,
Mineralwolle 12 cm
Elektronische Einzelraum-Temperaturregelung, ventilatorgestützte Abluft
in Küche und Bad (Einzelgeräte) mit
Feuchtesensoren, sonst Fensterlüftung
Felicitas-FüssStraße 15
Ziegel 17,5 cm,
Mineralwolle 18 cm
Elektronische Einzelraum-Temperaturregelung, ventilatorgestützte Wohnungslüftung (Abluftanlage) mit Außenluftdurchlasselementen
Gebäude N-S orientiert (Laubengang im Norden):
GeorgHolzskelett-Holztafel-Bau, ventilatorgestütze Wohnungslüftung mit
Kerschensteiner- Zellulosefaserdämmung Wärmerückgewinnung
Straße 12
26 cm, Trombe-Wandähnliche Elemente an der
Südfassade
Als Randbedingung war zu beachten,
den Anteil der Konstruktionsfläche
zu minimieren, d.h. die Wandstärken
(einschließlich der Dicke der Wärmedämmung) möglichst gering zu halten,
und daneben auch monolithischen
Wandaufbau in Betracht zu ziehen.
Großer Wert wurde auf Kompaktheit
der Baukörper und Wärmebrückenfreiheit der Konstruktion gelegt.
Vier der fünf Häuser an der Friedenspromenade erhielten Systeme zur
elektronischen Einzelraum-Temperaturregelung. Durch die individuelle
Einstellung von Temperatur und Zeitprofil pro Raum wird die mittlere Gebäudeinnentemperatur vermindert
(ohne Beeinträchtigung des Komforts);
damit verringert sich der Energieverbrauch. Die Regelung beeinflusst darüber hinaus das Lüftungsverhalten
der Bewohner. Bei Fensterlüftung registriert das System den Temperaturgradienten und schließt das dem Raum
zugeordnete Heizkörperventil. In den
Übergangsmonaten ist der Unterschied
zu den üblichen Heizkörperthermostatventilen spürbar: Die kühlere Raumtemperatur motiviert die Nutzer, das
Fenster zu schließen. Daraufhin registriert das System den Anstieg der
Raumlufttemperatur (die deshalb ansteigt, weil die Umschließungsflächen
Wärme an die Raumluft abgeben)
und öffnet das betreffende Heizkörperventil so lange, bis die programmierte Raumtemperatur erreicht ist.
Wärmerückgewinnungsanlagen wurden bei den Gebäuden an der Friedenspromenade nicht eingebaut.
Bei dem Gebäude in Holzbauweise
wurde ein Energieverbrauch angestrebt, der deutlich unter dem der
Häuser an der Friedenspromenade
liegt. Ziel war es dabei, eine möglichst
günstige Kosten/Nutzen-Relation zu
erreichen.
6
Begleitende Energieberatung
Begleitende Energieberatung
Während der Planung und Ausführung wurden die Bauherrin, die Architekten und Fachingenieure hinsichtlich
der energietechnischen Ausführung
der geplanten Gebäude beraten. Die
Beratung umfasste Konzeptvorschläge, die Erstellung von Wärmeschutznachweisen, transiente Simulationen
und die Diskussion der Ergebnisse in
Hinblick auf folgende Themen:
■ Baukonstruktion in Bezug auf Konzeption des Wärmeschutzes und
Vermeidung von Wärmebrücken
■ Anteile der Fenster an den Fassaden
■ Qualitäten der Fenster und Außenluftdurchlasselemente
Auf dem Dach des Gebäudes Felicitas-Füss-Straße 11 ist eine Solarkollektoranlage angebracht, die zur Vorwärmung des Trinkwassers und zur Unterstützung der Raumheizung in
den fünf Häusern dient.
■ Lüftungssysteme und Lüftungssteuerung; Lüftungsverhalten
■ Elektronische Einzelraum-Temperaturregelung
■ Lastabhängige Regelung der Hausanschlussstationen
■ Prinzip der Trinkwassererwärmung
■ Sommerlicher Wärmeschutz
■ Wärmespeicherkapazität
■ Dimensionierung der Kollektoranlage
Begleitende Energieberatung
7
Ergebnisse der Energieberatung
Lüftungssysteme
Bei den Häusern Felicitas-Füss-Straße
9 und 13 erfolgt die Wohnungslüftung
konventionell über die Fenster mit Ausnahme der Bäder und Küchen, in denen Abluftventilatoren installiert sind.
In den übrigen Häusern gibt es ventilatorgestützte zentrale Abluftanlagen,
deren Steuerungen von der fachtechnischen Abteilung der GEWOFAG eingestellt werden können. Die Frischluft
strömt über Außenluftdurchlasselemente in Wohn- und Schlafräume,
wird über Überströmöffnungen an
den Zimmertüren durch die anderen
Räume geleitet und über die Abluftventile in Bädern und Küchen abgeführt; hier wirken die Lüftungssysteme wie kontrollierte mechanische
4
Wohnraum
Bad
Küche
Wohnraum
Wohnraum
Bad
Küche
Wohnraum
Wohnraum
Bad
Küche
Wohnraum
1
Abluftanlagen immer dann, wenn
die Abluftventile geöffnet sind. Dabei
werden die Wohnungen in einem frei
wählbaren Zyklus nacheinander entlüftet, um bei möglichst geringem
Energieaufwand eine ausreichende
Grundlüftung sicherzustellen. Das gewählte System verfügt über eine automatische Bedarfserkennung. Damit
wird verhindert, dass in bereits gelüfteten Räumen durch die zyklische Entlüftung unnötig Wärme entweicht
oder bei schlecht gelüfteten Räumen
Feuchteschäden entstehen.
Das Gebäude in Riem ist mit einer
ventilatorgestützen Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung
ausgestattet. Die gewählten Systeme
sind so konzipiert, dass die Bedienung
relativ einfach ist. Zusätzlich wurden
die Bewohner in die Benutzung eingewiesen und mit der Funktion der
haustechnischen Systeme vertraut gemacht. Ziel war die weitgehende Vermeidung von Bedienfehlern.
1
Wohnraum
Bad
2
3
3
Küche
Wohnraum
2
Schematische Darstellung der Wohnungslüftung: Die Frischluft strömt über die Außenluftdurchlasselemente (1) in Wohn- und Schlafräume, wird unter den Zimmertüren (2) durch
die anderen Räume geleitet und von den Abluftventilen in Bädern und Küchen (3) durch
das zentrale Abluftsystem über das Dach (4) abgeführt.
8
Begleitende Energieberatung
Ergebnisse der Energieberatung
Elektronische Einzelraum-Temperaturregelung
Zur Steuerung des Nutzerverhaltens
und zur Steigerung der Energieeffizienz erhielten vier der fünf Häuser
Systeme zur elektronischen Einzelraum-Temperaturregelung (zwei verschiedene Systeme für je zwei Häuser).
H
Die verwendeten Systeme beinhalten
folgende Komponenten bzw. Funktionen:
■ „Fenster offen“ – Erkennung, die
das Schließen der Heizkörperventile veranlasst, wenn das Fenster
geöffnet wird. (Eine vorgegebene
Mindesttemperatur wird jedoch
eingehalten). Das Absinken der
Raumtemperatur motiviert die
Bewohner, ein zu lange geöffnetes
Fenster zu schließen.
■ Durch die individuelle Einstellmöglichkeit der Heiztemperaturen
kann die Raumtemperatur dem
tatsächlichen Bedarf angepasst werden und die Gebäudeinnentemperatur in Summe herabgesetzt
werden.
H
Zentrale
H
H
H
H = Heizkörperregler
Schema eines Funksystems
zur elektronischen EinzelraumTemperaturregelung (oben).
Der Display-Ausschnitt (links)
zeigt das gewählte Temperaturprofil für ein Bad.
■ Geräte bzw. Sensoren zur Erfassung
der Wärmeabgaben der Heizkörper, für die verbrauchsabhängige
Heizkostenabrechnung; die Verbrauchsdaten können abgelesen
werden, ohne dass die Wohnungen
betreten werden müssen.
Begleitende Energieberatung
9
Ergebnisse der Energieberatung
Wärmeschutz- und Energiebedarfsnachweise
Laut WSV- und EnEV-Nachweisen6)
sind alle sechs Häuser Niedrigenergiehäuser. Erste Verbrauchsdaten für die
fünf Häuser an der Friedenspromenade zeigen, dass die Verbrauchswerte
im Bereich der berechneten Bedarfswerte liegen.
Ergebnisse der Berechnungen nach Wärmeschutzverordnung
bzw. Ernergieeinsparverordnung
FelicitasFüssStr. 7
FelicitasFüssStr. 9
FelicitasFüssStr. 11
FelicitasFüssStr. 13
Felicitas- Gebäude
Füssin HolzStr. 15 bauweise
qh [kWh/m2a]1)
Unterschreitung [%]
49,2
23
51,1
21
47,7
27
48,1
26
42,9
33
27,9
58
HT’ [W/m2K]2)
Unterschreitung [%]
0,44
35
0,54
21
0,44
34
0,44
35
0,51
25
0,37
42
qP [kWh/m2a]3)
Unterschreitung [%]
81,9
-0,1
89,2
-8,5
81,8
2
82,1
0,7
81,4
0,8
40,6
53
qP [kWh/m2a]4)
Unterschreitung [%]
78,2
4,4
85,2
-3,7
78,1
6,5
78,4
5,1
77,7
5,3
qPeERTR [kWh/m2a]5)
Unterschreitung [%]
69,0
16
74,9
9
69,1
16
68,6
16
Mit zusätzlicher Technik:
1) qh = errechneter Jahresheizwärmebedarf (Wärmeschutznachweis) gemäß WSV 95
bezogen auf die Nutzfläche ohne Berücksichtigung der elektronischen EinzelraumTemperaturregelung, aber, im Falle des Gebäudes in Holzbauweise, mit Berücksichtigung
der ventilatorgestützten Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung.
2) HT = errechnete Transmissionswärmeverlustleistung gemäß EnEV bezogen auf die
wärmeumschließende Hüllfläche
3) qp =errechneter Jahresprimärenergiebedarf (Energiebedarfsnachweis) gemäß EnEV
bezogen auf die Nutzfläche ohne Berücksichtigung der Solarkollektoranlage und der
elektronischen Einzelraum-Temperaturregelung, aber im Falle des Gebäudes in Holzbauweise mit Berücksichtigung der „Solarfassaden“-Elemente und der ventilatorgestützten
Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung.
4) qp = errechneter Jahresprimärenergiebedarf (Energiebedarfsnachweis) gemäß EnEV
bezogen auf die Nutzfläche mit Berücksichtigung der Solarkollektoranlage.
5) qpeERTR = errechneter Jahresprimärenergiebedarf (Energiebedarfsnachweis) gemäß
EnEV bezogen auf die Nutzfläche mit Berücksichtigung der Solarkollektoranlage und
der elektronischen Einzelraum-Temperaturregelung (eERTR) in den Gebäuden: FelicitasFüss-Straße 7, 9, 13 und 15.
Die Architekten des Gebäudes in Holzbauweise strebten den Niedrigstenergiestandard an (aber kein Passivhaus).
In den Wohnungen dieses Wohnhauses wird ein unerwartet hoher Jahresheizwärmeverbrauch festgestellt, der
gemäß Planung und Wärmeschutznachweis nicht zu vermuten war. Die
GEWOFAG untersucht derzeit die
Ursachen der Abweichung.
Die Bedarfswerte und die prozentuale
Abweichung von den zulässigen Maximalwerten sind in nebenstehender
Tabelle zusammengestellt. Die errechneten Bedarfswerte der Häuser an der
Friedenspromenade unterschreiten
den WSV-Maximalwert im Mittel um
26 % ohne Berücksichtigung zusätzlicher haustechnischer Einrichtungen;
den EnEV-Maximalwert unterschreiten die errechneten Bedarfswerte (Primärenergie) um 13%. Das Gebäude in
Holzbauweise liegt mit seinen Bedarfswerten um mehr als die Hälfte unter
den entsprechenden Maximalwerten.
Die Lüftungsanlage dieses Hauses
kann im Energiebedarfsausweis berücksichtigt werden, weil eine Luftdichtigkeitsprüfung der Gebäudehülle
vorgenommen wurde.
Mit der urspünglich geplanten Kraftwärmekopplung ist die Wärmeversorgung des Wohnhauses in Holzbauweise
nach EnEV günstiger zu bewerten als
die der fünf Häuser an der Friedenspromenade (Gas-Brennwertkessel).
Derzeit wird das Gebäude mit Fernwärme aus einer Energiezentrale der
Stadtwerke München versorgt, die
zum überwiegenden Teil mit Erdwärme betrieben wird.
6) Nachweise nach Wärmeschutzverordnung 95 (WSV) und Energieeinsparverordnung 2002 (EnEV)
10
Begleitende Energieberatung
Ergebnisse der Energieberatung
Wohnhaus in Holzbauweise:
Transiente Simulation der Raumtemperaturen
Für das Riemer Wohnhaus mit ausgeprägter passiver Solarenenergienutzung bei leichter Bauart, d.h. relativ
geringer Wärmekapazität, stellte sich
die Frage, wie hoch die Raumtemperaturen im Sommer werden können,
ohne und mit Sonnenschutz, wenn
wenig oder viel gelüftet wird und
wenn insbesondere nachts und in den
frühen Morgenstunden gelüftet wird.
Diese Frage wurde mit transienten
Simulationsrechenläufen beantwortet.
Die Ergebnisse sollten der GEWOFAG
und den Architekten Aufschluss darüber geben, ob Probleme bei der späteren Akzeptanz der Wohnungen zu
erwarten wären und gegebenenfalls
Änderungen an der Konstruktion vorgenommen werden müssen.
Ansicht des Gebäudes in der Messestadt Riem (SW).
Die Simulation zeigt (siehe Seite 13),
dass die sommerlichen Raumtemperaturen recht hoch werden, auch bei
(zeitlich veränderlicher) Beschattung,
wenn nicht für ausreichend Lüftung
gesorgt wird. Das Gebäude ist beherrschbar, also gut bewohnbar, insbesondere dann, wenn auch in den
frühen Morgenstunden gelüftet und
damit die nächtliche Abkühlung ausgenützt wird.
Rechenläufe7) für den Monat Januar
(hier nicht gezeigt) besagen, dass bei
dem unbewohnten Haus auch ohne
Heizung in der kalten Jahreszeit keine
Frostschäden zu erwarten sind (bei
niedriger Luftwechselrate von 0,2 h-1).
Dies kann insbesondere bei Winterurlauben von Bedeutung sein.
7) Die Rechenläufe für den Monat Januar
sind der Studie des Sollner Instituts zu
entnehmen.
Begleitende Energieberatung
11
In der Simulation werden mit Hilfe
des Programms TRNSYS (Transient
System Simulation Program) die solaren Wärmelasten aus dem Gesamtenergiedurchlassgrad der Fenster und
der Beschattungseinrichtungen sowie
dem aktuellen Sonnenstand berechnet.
Zone Obergeschoss
2. Obergeschoss
Zone
Sonnenraum
Zone
Obergeschoss
1. Obergeschoss
Erdgeschoss
Untergeschoss
2-Zonen-Gebäude(teil), Teil einer Maisonettewohnung im 1. und 2. OG. Die beiden Zonen
„Sonnenraum“ und „Obergeschoss“ gehen in die TRNSYS-Simulation ein.
Im Hinblick auf den sommerlichen
Wärmeschutz interessieren zwei benachbarte Gebäudezonen, nämlich
der so genannte Sonnenraum der Maisonettewohnungen im 1. OG und der
sich in nördlicher Richtung anschließende Raum, der zusammen mit dem
darüber liegenden Gebäudeteil zu einer Zone „Obergeschoss“ zusammengefasst wird.
Die Rechenläufe erstrecken sich entweder über ein Jahr oder über die Monate Januar bzw. August. Angenommen wurde eine ideale Heizung, die
dafür sorgt, dass die Raumtemperatur
nicht unter 15 ºC absinkt. Verschiedene Lüftungs- und Beschattungsvarianten wurden anhand von Diagrammen diskutiert.
Beispiel für eine transiente
Simulation der Raumtemperaturen
Zone Obergeschoss
2. Obergeschoss
Zone
Sonnenraum
1. Obergeschoss
Zone
Obergeschoss
In der Abbildung auf Seite 13 wird beispielhaft der Verlauf der Raumtemperaturen im Sonnenraum (T_SO) bzw.
Obergeschoss (T_OG) aufgezeigt. Die
Simulation basiert auf den physikalischen Eigenschaften des Gebäudes (z.B.
seiner Wärmekapazität) und dem Wetter eines Testreferenzjahres. Dieses
Wetter wird in der Abbildung charakterisiert durch Außenlufttemperatur
in °C (T_amb, linke Vertikalachse)
und Strahlungsintensitäten in kJ/m2h
(rechte Vertikalachse) im Verlauf des
Monats August (Horizontalachse).
Berücksichtigt wurde auch das Sonnenschutzsystem am Sonnenraum.
Schematischer Grundriss der beiden Zonen
12
Begleitende Energieberatung
Zeitgesteuerte Luftwechselraten
Uhrzeit
0-6
6-8
8-10
10-12
12-14
14-16
16-18
18-20
20-24
Lüftung 1 [nh-1]
0
0
0
1
1,5
1
0,5
0
0
Lüftung 2 [nh-1]
1
2
0
4
6
4
2
0
0
Sonnenschutz: Abminderungsfaktor
1
1
1
1
0,4
0,1
0,1
0,4
0
Abbildung Simulation: Zeitgesteuerte Luftwechselraten n, Lüftungsschemata 1 und 2,
sowie Sonnenschutz am Sonnenraum mit zeitgesteuertem Abminderungsfaktor
Simulation der Raumtemperaturentwicklung über den Monat August
Außen- und Raumlufttemperaturen
■ T_amb
■ T_OG
■ T_SO
Strahlungsintensitäten
lhoriz
■ south
■ east
■ west
■
Temperatur in °C
Strahlungsintensitäten in kJ/m2h
August, Wetter Berlin, SoR: n (max) = 6,4 (zeitgesteuert mit Nachtlüftung),
OG: n (max) = 1,9 (zeitgesteuert), Beschattung vor SoR (zeitgesteuert),
Deckenaufbau mit Estrich (gebaute Variante)
Jahresstunden (1. bis 31. August)
Simulation über den Monat August, Wetter Berlin; Luftwechselrate n [h-1] in Zone Sonnenraum Grundluftwechsel 0,4 h-1 (incl. Infiltration)
plus zeitgesteuerte Lüftung 2 (mit Nachtlüftung, s. Tabelle); außerdem zeitgesteuerte Beschattung des Sonnenraums, s. Tabelle; Luftwechselrate in Zone OG Grundluftwechsel 0,4 h-1 (incl. Infiltration) plus zeitgesteuerte Lüftung 1, s. Tabelle; Deckenaufbau mit Estrich (wie gebaut)
Begleitende Energieberatung
13
Fazit
Materialprüfungsanstalt (EMPA) bewertet. In dieser Studie wurden ökologische Kosten- und Nutzenbilanzen
der fünf Gebäude an der Friedenspromenade und des Gebäudes in Holzbauweise berechnet und den Werten
zweier Referenzgebäude anderer Bauherren gegenübergestellt.
Aus dem Vergleich von Bauablauf,
Baukosten und Betrieb der fünf Häuser an der Friedenspromenade ergaben sich für die GEWOFAG Hinweise
für die Konzeption zukünftiger Bauvorhaben.
Für den Mehrfamilienhausbau haben
sich für uns folgende Erkenntnisse
ergeben: Soweit einzelne Komponenten zur Energieeinsparung das Zutun
der Mieter erforderlich machen, muss
durch ausführliche Einweisung sichergestellt sein, dass die Mechanismen von
den Mietern funktionssicher bedient
werden können. Voraussetzung dabei
ist, dass bei den gewählten Systemen
die Betriebssicherheit gewährleistet ist.
Ziel der Energieberatung war die geschickte Auswahl von Komponenten
zur Energieeinsparung, die auch von
der Mieterschaft gut angenommen
werden können (u.a. einfache Handhabung).
Beim Einsatz ökologischer Komponenten ist zu empfehlen, deren Nutzen
sorgfältig gegeneinander abzuwägen,
da diese auch kontraproduktiv gegeneinander wirken können. Im ungünstigen Fall kann dadurch ein höherer
Energieverbrauch entstehen als ursprünglich angedacht.
Erst wenn die vorgenannten Punkte
berücksichtigt werden, kann davon
ausgegangen werden, dass der Mieter
durch sein Verhalten die angestrebte
Energieeinsparung unterstützt.
Die vollständige Studie „Begleitende
Energieberatung – Bauvorhaben München
Friedenspromenade WR2 und München
Messestadt Riem WA 10“ kann gegen
einen Unkostenbeitrag von 5 € unter der
E-Mail-Adresse [email protected]
bezogen werden.
Die Ergebnisse der Energieberatung ,
die sowohl während der Planungsphase als auch während der Bauphase
durchgeführt wurden, werden im
Zusammenhang mit der parallel erstellten Studie der Eidgenössischen
14
Begleitende Energieberatung
Impressum
Herausgeber
GEWOFAG
Gemeinnützige Wohnungsfürsorge AG
Ein Unternehmen
der Landeshauptstadt München
Kirchseeoner Straße 3
81669 München
Telefon: 089 / 41 23 - 123
Fax.: 089 / 41 23 - 340
E-Mail: [email protected]
Internet: gewofag.de
Fotos
Richie Müller, Daniel Hintersteiner,
Ingrid Scheffler, GEWOFAG
Grafik
Carsten Schmitz, München
www.gestaltungsbureau.de
Druck
FIBO Druck und Verlags GmbH, München
Studie
Sollner Institut, München
Autoren
Prof. Dr. Jochen Benecke und
Mathias von Poswik,
Sollner Institut, München
Auftraggeber
GEWOFAG
Gemeinnützige Wohnungsfürsorge AG
Ein Unternehmen
der Landeshauptstadt München
Konzept
Begleitende Energieberatung
zu den Bauvorhaben
Friedenspromenade WR2 und
Messestadt Riem WA 10, Haus A
in München
Stand
Januar 2005
Gemeinnützige Wohnungsfürsorge AG München
Ein Unternehmen der Landeshauptstadt München
Herunterladen