Energiemanagement nach DIN EN ISO 50001

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Smart Building & Energiemanagement
Das Energiemanagement macht den Energieverbrauch
transparent
Energiemanagement
nach DIN EN ISO 50001
Ingolf Sieslack
Vor dem Hintergrund stetig steigender Energiepreise, einer Verknappung der notwendigen
Ressourcen sowie staatlichen Regulierungen spielt die Energieeffizienz neben den
erneuerbaren Energien eine wesentliche Rolle, wenn die Energiewende gelingen soll. Doch wie
lässt sich das erforderliche Energiemanagementsystem aufbauen, und was ist bei seiner
Realisierung zu beachten?
le vorgegeben: Die CO2-Emissionen sollen bis 2020 um
40 % und bis 2050 um 80 % bis 95 % im Vergleich zu
1990 gesenkt werden. 2008 ist beschlossen worden, den
Primärenergieverbrauch bis 2020 um 20 % sowie bis 2050
um 50 % zu reduzieren. Für den Stromverbrauch ist bis
2020 eine Verringerung um 10 % und bis 2050 um 25 %
festgeschrieben
worden. Darüber
hinaus soll sich
die Energieprodu kt iv ität um
jeweils 2,1 % pro
Ingolf Sieslack ist Master
Ja h r erhöhen.
Project Manager Energy
Efficiency bei der Phoenix
Um diese VorContact Electronics GmbH
gaben zu erreiin Bad Pyrmont.
chen, bedarf es
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einer weiteren
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Steigerung der Energieeffizienz sowohl im industriellen
als auch im gewerblichen und privaten Sektor. Ein innovatives Energiemanagementsystem („EnMS“) unterstützt
hier entsprechende Maßnahmen und leistet durch ein integriertes Lastmanagement gleichzeitig einen positiven
Beitrag zur Versorgungssicherheit. Die Einsparung von
Energie sowie die Vermeidung kostenintensiver Lastspitzen führen zu einer Kostensenkung und damit einer
höheren Wettbewerbsfähigkeit (Bild 1). Eine Zertifizierung der Unternehmen nach DIN EN ISO 50001 [1] bietet
ferner zusätzliche Anreize in Form von Förderprogrammen oder steuerlichen Vorteilen.
Vorgehensweise bei der Umsetzung
einer „EnMS“-Lösung
D D Einführung eines Energiemanagementsystems dar. Sie
beschreibt die Anforderungen und die Vorgehensweise
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Unternehmen dann eine Erfolgskontrolle in Bezug auf die strategischen
und operativen Ziele vornehmen. Zur
Beurteilung lassen sich die jeweiligen
„EnPI“ und Energieverbrauchsprognosen heranziehen.
4. Act-Phase (Optimierung)
Sind Abweichungen erkannt worden,
werden passende Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet und durchgeführt. Sie streben eine kontinuierliche Optimierung der Energieeffizienz
an. Setzt das Unternehmen bereits
Managementsysteme gemäß des ISO9001-Qualitätsmanagements oder
Bild 1. Mit Energieeffizienzmaßnahmen lassen sich die Kosten deutlich reduzieren
ISO-14001-Umweltmanagements ein,
kann sich eine Matrix-Zertifizierung als vorteilhaft erb !weisen. Die Führung und Archivierung der Dokumente
formen „EnMS“-Lösung als Grundlage für eine spätere
lassen sich unter Umständen in ein bestehendes DokuZertifizierung. Die Ausprägung des Energiemanagementmentenmanagementsystem übernehmen. Das führt zu
systems lässt sich dabei an die jeweiligen AnforderunSynergieeffekten und vereinfacht die Einführung eines
gen des Unternehmens anpassen. In jedem Fall zielt die
nach DIN EN ISO 50001 zertifizierten EnergiemanageMaßnahme auf eine nachhaltige Reduzierung des Enermentsystems.
gieverbrauchs durch kontinuierliche Verbesserungen ab.
Zu diesem Zweck müssen die Energiedaten permanent
erfasst und bewertet werden, denn nur so ist die IdenErfassung und Darstellung
tifizierung von Einsparpotenzialen möglich. Die Realider Energie- und Verbrauchswerte
sierung der weltweit gültigen Norm ISO 50001 basiert
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# auf dem PDCA-Management-Zyklus (Plan-Do-Check-Act,
terschiedlich verwendeten Energieträger bildet die
Bild 2), der im Folgenden erläutert wird:
Grundlage für ein effektives Energiemanagementsystem.
1. Plan-Phase (Planung)
Dabei werden sowohl die Daten der Primärenergien, wie
Die Plan-Phase erstreckt sich unter anderem von der DeÖl oder Gas, als auch die Sekundärenergie, also Elektrifinition der Verantwortlichkeiten über die Festlegung der
zität oder Druckluft, aufgenommen. Die Herausforderung
Energiepolitik bis zur Bestimmung der strategischen und
besteht hier im Einsammeln der Eingangssignale über
operativen Energieziele des Unternehmens. Bei der Enerverschiedene Kommunikationsstandards, wie Modbus
gieplanung werden jene Aktivitäten beschlossen, die in
RTU, M-Bus, IO-Link sowie Bacnet und KNX. Als Lösung
einer stetigen Steigerung der Energieeffizienz resultieren.
bietet Phoenix Contact [2] einen modularen Datenlogger
Die Energieplanung schließt auch die energetische Bean, der die unterschiedlichen Messwerte erfasst und speiwertung ein. Zur Beurteilung der fortwährend gemessechert. Seine Granularität erlaubt die Unterstützung
nen Energiedaten sind Energieleistungs-Kennzahlen
verschiedener Übertragungsverfahren und bietet somit
(Energy Performance Indicator – „EnPI“) zu ermitteln und
ein hohes Maß an Flexibilität. Durch die einfache Erweifestzuschreiben. Dies können beispielsweise Verhältnisterbarkeit des Datenloggers um die IO-Module des Inlinezahlen, wie kW/Stück oder Druckluftverbrauch/Charge,
Automatisierungssystems sind spätere Anpassungen
sein. Durch den Vergleich der „EnPI“ mit den aktuellen
einfach möglich.
Energiewerten werden Optimierungspotenziale aufgeDie einzelnen Datenlogger werden über standardisierte
zeigt und damit eine nachgelagerte Erfolgskontrolle
Mechanismen, wie Ethernet TCP/IP, Wireless-Protokolle
ermöglicht.
sowie GSM/GPRS respektive EDGE, bei Remote-Stationen
2. Do-Phase (Implementierung)
durchgängig vernetzt. Die gespeicherten Daten können
Die Umsetzung der in der Planungsphase definierten und
entweder als CSV-Datei heruntergeladen oder in Datendokumentierten Maßnahmen erfolgt in der Do-Phase.
banken, wie „MySQL“ oder MSSQL, geschrieben werden.
Entsprechende Aktivitäten beziehen geeignete Schritte
Als weiteres Kommunikationsverfahren eignet sich die
zur Sensibilisierung der Mitarbeiter hinsichtlich einer
OPC-Technologie in Form von OPC DA/UA. In AbhänErhöhung der Energieeffizienz ein.
gigkeit von der Unternehmensgröße und den daraus
3. Check-Phase (Erfassung und Analyse)
resultierenden Anforderungen bieten sich webbasierte
Im nächsten Schritt werden die Energiemessdaten inEnergieportallösungen für das Energiemonitoring an. So
klusive des Gesamtenergieverbrauchs überprüft und ablassen sich Energief lüsse transparent darstellen sowie
gewägt. Auf Basis der validierten Messdaten kann das
Lastkurven und deren Analyse visualisieren. Darüber
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DIN EN ISO 50001
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Steuern
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Die
Prozesssteuerung,
Kostenstellenzuordnung,
Lastmanagement,
Reporting, Trendmeldung
Modbus/TCP/IP Ethernet MySQL SQL CSV
Bewerten
GÛS4PMBS
IPIFS%$-BTUFO
Datenloggen, sichere Datenübertragung
Erfassen
Energie/
Gebäude
Elektrik
M-Bus
Elektrische Temperatur Durchfluss
Leitung
Gas
Öl
Wasser
n
Ethernet RS-485
Druck
Druckluft
Messdatenerfassung
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Modulares Energieeffizienzkonzept
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Bild 2. Schematische Darstellung des PDCA-Management-Zyklus zur Steigerung
der Energieeffizienz
elle und historische Werte angezeigt.
Energieportallösungen umfassen
außerdem eine Trendwertbildung,
verbrauchsorientierte Abrechnung,
Berichtswesen sowie zusätzliche
Funktionen. Innovative Ansätze unterstützen ferner bei der Wiedergabe und Auswertung der Energiedaten, berechnen auf Basis der „EnPI“
und Vergleiche Abweichungen und
erkennen Schwachstellen. Auf der
Grundlage dieser Informationen können dann Verbesserungsmaßnahmen
effizient und zielgerichtet durchgeführt werden.
# # !
Aktivitätenplan zur
Priorisierung der
Optimierungsmaßnahmen
vitäten erstreckt sich von der Sensibilisierung der Mitarbeiter im Hinblick auf die Energieeinsparung über
passive Verbesserungsmaßnahmen
bis hin zu aktiven Lösungsansätzen,
wie der Prozessoptimierung und dem
Spitzenlastmanagement. Es stellt
sich folglich die Frage, wo die Ener-
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gieeffizienzansätze realisiert werden
sollen und welche Kon zepte
betriebswirtschaftlich sinnvoll sind.
Abhilfe schafft eine ABC-Analyse
zur Identifizierung der Verbraucher
mit dem höchsten Energiebedarf. In
Kombination mit einer anschließenden Wir tschaftlichkeitspr üfung
erhält das Unternehmen einen priorisierten Aktivitätenplan. Zu den
passiven Maßnahmen zählt unter
anderem der Austausch veralteter
ineffizienter Technologie, beispielsweise der Ersatz unwirtschaftlicher
Motoren gegen eine Variante mit
entsprechend höherem Wirkungsgrad. Auch im Bereich anderer Energieträger wie der thermischen Energie lässt sich durch eine modifizierte
Dämmung der Wärmeverlust vermeiden, was zur Steigerung der
Energieeffizienz beiträgt. Als aktive
Verbesserungsmaßnahme sei die Optimierung der Prozessabläufe genannt. Darunter fallen die Vermeidung von unnötigen Leerlaufzeiten,
die Verbesserung der Betriebszustände sowie das ereignisgesteuerte Zuund Abschalten von Verbrauchern.
Das neue HE-V Relais ist ein
echter Traumtyp:
effizient & sicher, kompakt &
kostenoptimiert und auch noch
unkompliziert einzusetzen.
Die technischen Daten sprechen
für sich:
•
Sehr kompakte Ausführung:
50 x 41 x 39 mm
•
Kontaktart 2FormA
•
Schaltlast bis 20 A / 1000 V DC
•
Sehr geringe Halteleistung 213 mW
•
Doppelpin-Lötanschluss
•
Kontaktöffnung min. 2,5 mm
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www.panasonic-electric-works.de
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ments von der Prozesssteuerung.
Für energieintensive Unternehmen
erweist sich das Lastmanagement
als weitere Option zur Erhöhung
der Energieeffizienz, denn es dient
dem Verzicht auf kostenintensive
Spitzenlasten.
Energieeinsatz
Abschalten
Einschalten
Produktion
= 100 %
Fazit
U
U mentsystem nach DIN EN ISO 50001
bildet nicht nur die Grundlage für
eine entsprechende Zertifizierung.
Es reduziert darüber hinaus sowohl
den Energieverbrauch als auch die
CO2-Emission. Das spart Energiekosten ein und schützt zudem die
Umwelt.
(ih)
Produktionsbereit = 20 %
Betriebsbereit
= 10 %
Aus = 0 %
Tp_pb Tpb_bb
Tbb_aus
Taus_bb
Tbb_pb
Tpb_p
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Bild 3. Visualisierung optimierter Betriebszustände
U b
! 34 eine nahtlose und sichere Kommunikation zwischen dem
Energiemanagementsystem, dem Manufacturing Execution System (MES) und der Prozesssteuerung sichergestellt werden. Hier empfiehlt sich der Einsatz einer
Energy-Steuerung zur Entkopplung des Energiemanage-
Literatur
DIN EN ISO 50001:2011-12 Energiemanagementsysteme –
Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung. Berlin:
Beuth Verlag
[2] Phoenix Contact GmbH & Co. KG, Blomberg:
www.phoenixcontact.de
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SEMINARE
Verteilungsnetze auf dem Weg zum
Smart Grid
Überspannungsableiter
X
Gesetzliche Rahmenbedingungen, EEG,
X
Auslegungen von Ableitern
KWK-Gesetz
X
Dezentrale Elektroenergieerzeuger in
Verteilungsnetzen
X
Theoretische Grundlagen
X
Spezielle Ableiteraspekte
X
Spezielle Anwendungen
X
Praktische Versuche
X
Photovoltaikanlagen, Windkraftanlagen
Werb-Nr. 150467
Aktuelle
Seminare
im
Überblick
:
Zertifikatslehrgang Power Quality
Sachkundiger (VDE), Teil F–H
Einzigartiger Zertifizierungslehrgang für den Bereich
Spannungsqualität
X
Grundlagen der Flickermesstechnik
X
Berechnung von Flicker
X
Leistungselektronische Systeme
X
Oberschwingungen bei Umrichtern und
X
Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen
Wechselrichtern
X
Elektromobilität und Speicher
Seminar-Nr.: 10337
Seminar-Nr.: 10434
Seminar-Nr.: 9603
16.–17. September 2015 / Berlin
23.–24. September 2015 / Darmstadt
07.–11. September 2015 / Offenbach/M.
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